Filmkritik: „Josie: Sie umgibt ein dunkles Geheimnis“ (2018)

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JOSIE: SIE UMGIBT EIN DUNKLES GEHEIMNIS

(JOSIE)

Story

 
 
 
Als eine junge Teenagerin namens Josie in die Nachbarschaft einzieht, stellt sie das Leben vom einsamen Hank völlig auf den Kopf.
 
 
 


 
 
 

JOSIE – Kritik

 
 
Der Südstaaten-Thriller ist meistens von einer besonderen Atmosphäre geprägt, jedenfalls wenn er gut gemacht ist. Die schwüle, hitzige Stimmung einzufangen, muss schon gekonnt sein. „Josie: Sie umgibt ein dunkles Geheimnis“ versucht sich ein wenig daran, bietet nebenbei aber überraschend viel Drama. Abgesehen von einem kleinen Twist am Ende, bekommt der Zuschauer dabei nicht besonders viel geboten, aber dank guter Darsteller kann man sich das Produkt dennoch ansehen.
 
 
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Josie ist ein junges, blondes und hübsches Mädchen und sie zieht völlig alleine, ohne Eltern, in eine neue Wohnung in einer Kleinstadt ein. Dort trifft sie auf den einsamen Hank und wickelt ihn sofort um ihre Finger. Der deutlich ältere Mann ist sich bewusst, dass es Aufsehen erregen würde, wenn er mit dem jungen Mädel abhängt, aber da Josie sich förmlich aufzwängt, macht es ihm nichts aus. Nebenbei hat Josie aber auch noch etwas mit einem gleichaltrigen Jungen zu tun. Was hier wirklich gespielt wird, soll der Zuschauer erst am Ende erfahren. Die Story hätte sich vielleicht besser für eine Kurzgeschichte angeboten, denn die Pointe, die man hier vorbereitet, ist am Ende nicht so großartig, als dass sie über eine Stunde Laufzeit an Vorbereitung benötigt hätte. Die Wendung ist nicht schlecht, aber auch nicht unbedingt völlig unvorhersehbar. Über Glaubwürdigkeit und Logik sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen, denn dann kann man mit dem Drehbuch noch halbwegs leben. Die Grundidee ist nicht schlecht, wird aber eben nicht völlig gekonnt dargeboten.
 
 
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Am ehesten macht der Unterhaltungswert „Josie“ einen Strich durch die Rechnung, denn der Film ist einfach zu gemächlich. Über eine Stunde lang passiert nicht sonderlich viel; eigentlich sogar gar nichts. Das besitzt eine recht entspannte Atmosphäre und langweilt deshalb nicht komplett, nur aufregend ist das eben auch nicht. Mit einem Thriller hat das Treiben zudem so gut wie nichts zu tun. Stattdessen bekommt man ein Drama spendiert, aber kein besonders emotionales. Überwiegend dominieren belanglose Dialoge das Geschehen, die man sich trotzdem irgendwie anhören kann; auch dank der guten, deutschen Synchronisation. In den letzten zehn Minuten kommt es dann noch zur Wendung und hier gibt es auch die einzige Gewalt im Film zu sehen. Spannung kommt deshalb dennoch nicht auf und so richtig überrascht will man als Zuschauer ebenfalls nicht sein, aber insgesamt hätten die 82 Minuten Laufzeit (ohne Abspann) doch noch deutlich langatmiger ausfallen können.
 
 
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Dass man sich das Geschehen dann irgendwie doch ganz gerne anschaut, ist den Darstellern zu verdanken. Besonders Dylan McDermott, der ja nun echt nicht unbekannt ist, spielt das mit seinem kernigen Charme. Ohne besonders viel zu tun zu haben, kann er einigermaßen überzeugen. Aber auch Sophie Turner ist in der Titelrolle nicht verkehrt. Sie zieht ihr Ding als Mischung zwischen Femme fatale und Lolita durch und enttäuscht als Schauspielerin nicht. In einer kleinen Nebenrolle gibt es noch Kurt Fuller zu sehen und Jack Kilmer ist ebenfalls okay. Die restlichen Darsteller bleiben eher belanglos und das kann man auch von der Figurenzeichnung behaupten. Wirklich viel Tiefe wird hier nicht erreicht, selbst wenn das wohl so gewollt war. Glaubwürdig erscheinen die Charaktere ebenfalls nicht und trotzdem bleiben sie eventuell ein, zwei Tage lang im Gedächtnis, weil sie eben nicht völlig schlecht konstruiert wurden.
 
 
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Aus rein handwerklicher Sicht kommt „Josie: Sie umgibt ein dunkles Geheimnis“ simpel daher, aber das sei hier erlaubt, weil der Fokus eben auf der Geschichte liegt. Regisseur Eric England, den Horrorfans vielleicht wegen „Contracted“ oder „5 Senses of Fear“ kennen, kann mit seiner Inszenierung weder begeistern, noch enttäuscht er. Die Bilder werden ganz hübsch eingefangen und so ein wenig Südstaaten-Atmosphäre kommt ebenfalls auf. Im Endeffekt ist das alles etwas zu klein gehalten, um jemals begeistern zu können, aber das Handwerk ist schon in Ordnung. Es mangelt nur an Highlights, weil es weder großartig Humor, noch Action, Spannung oder sonst was zu betrachten gibt. Eine Prise mehr Erotik wäre gar nicht mal verkehrt gewesen. Score und Soundtrack bleiben passend unauffällig.
 
 

 
 


 
 
 

JOSIE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
„Josie: Sie umgibt ein dunkles Geheimnis“ ist gut gemeint, erreicht sein Ziel aber nicht wirklich. Der Film ist insgesamt einfach zu ruhig und hat wenig zu bieten. Selbst wenn die Story am Ende mit einer Wendung daherkommt, so ist das alles nicht überraschend und aufregend genug. Auch die Atmosphäre leidet darunter, weil sie irgendwie niemals konsequent wirkt. Das ist zwar alles relativ relaxt und in manchen Phasen gelingt es dem Werk tatsächlich den Zuschauer auf positive Art und Weise einzulullen, aber mehr Spannung hätte keineswegs geschadet. So bleiben am Ende recht gute Darsteller, die ihre Sache solide machen und immerhin keine völlig schlechte Figurenzeichnung erhalten haben. Die Inszenierung ist schlicht, manchmal aber ganz brauchbar und so richtig langweilig wird es selten, obwohl niemals viel los ist. Freunde vom unaufgeregten Drama mit Südstaaten-Flair können von daher ruhig mal einen Blick riskieren. Sind die Erwartungen nicht zu hoch, wird man auch nicht unbedingt enttäuscht!
 
 


 
 
 

JOSIE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Josie: Sie umgibt ein dunkles Geheimnis“ ist ungeschnitten und für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

JOSIE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies | Daredo (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Josi; USA 2018

Genre: Thriller, Mystery, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 87 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 28.05.2021

 

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JOSIE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies | Daredo)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wild Things (1998)
 
Death Sentence – Todesurteil (2007)
 

Filmkritik: „Lords of Chaos“ (2018)

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LORDS OF CHAOS

Story

 
 
 

„Lords Of Chaos“ beschreibt ein Zeitfenster der achtziger Jahre, in dem in Skandinavien die Keimzelle des über-extremen „Black Metal“ entsteht. Im Zentrum der Geschichte stehen die blonden, bald schwarzgefärbten und weiß getünchten Bübchen der Band „Mayhem“. Die suhlen sich in betont satanischer (hier begriffen als menschenfeindlicher) Haltung, ritzen und quälen sich selbst, bluten aufs Publikum und werfen auch mal Teile von Tierkadavern in die Menge. Ein perverser Band-Wettkampf, wer wohl am besten singe, nein, wer wohl am finstersten brüte, bricht los und endet in einer Spirale aus Brandstiftung, Gewalt und Tod.

 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Kritik

 
 
 
Aus dem unbeachteten Augenwinkel und eher der Rubrik „völlig unerwartet“ zuzuordnen steht da ein Monolith des Irrsinns im Raume, der „Lords Of Chaos“ heißt. Nicht nur unerwartet. Eigentlich noch extremer: Man würde sich diese Stories selbst nicht glauben. Selbst dann nicht, wenn man an geheimnisvollen Pilzen genuckelt hätte und sie sich auf einer Party selber erzählen würde. Das gilt für die Geschichte im Film genauso wie für dessen Entstehung und Hintergrund.
 
 
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Norwegen, Schweden, Finnland: Gelangweilte Mittelklasse-Rotzlöffel versuchen, sich in den Rubriken Menschenhass, Satans-Faschismus und allgemeiner spätpubertärer Kernigkeit zu überbieten. So weit, so normal. Hierfür gründen sie Bands und spielen eine nur noch aufs Extreme angelegte und mit derben Punk-Genres wie Grindcore verwandte Krachmucke und nennen sie Black Metal. Da der musikalischen Theorie auch praktische Taten folgen sollen, führt der Irrsinn zügig zu Mord, Totschlag und brennenden Kirchen. War aber nicht alles schlecht: Die Neurose, potentielle Plattenladen-Kunden erst einen fachlich anspruchsvollen Fragebogen ausfüllen zu lassen, bevor Eintritt gewährt wird, sollte wenigstens Schule machen. Bewundernswerte Konsequenz drückt sich eben nicht nur in Mord und Suizid aus.
 
 
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Michael Moynihan gelingt 1998 mit dem akribisch recherchierten und wahnsinnig unterhaltsamen Musik-Sachbuch gleichen Namens ein Erfolg, der sich – untypisch – eben nicht nur auf die Reihen der Metal- oder gar Black-Metal-Heads beschränkt. Nein, man konnte „Lords Of Chaos“ seinerzeit lesen, ohne sich für diese elendig unterproduzierten Lärmwände aus Röchelgesang, nach Küchengeräten klingenden Gitarren und albernen Stakkato-Drums zu erwärmen, die da eben Black Metal genannt werden. Obendrein wahrt der Amerikaner aus Boston eine politische Neutralität beim Berichten über die nach und nach immer faschistoider werdende Szene; und das obwohl er seine eigene, langjährige Musikkarriere mit Überzeugung im deutlich angebräunten Genre des sogenannten „Neofolk“ zelebriert. Für die Verfilmung des Sachbuch-Stoffs als Spielfilm ließ sich nach einigem Hin und her der Schwede Jonas Akerlund gewinnen. Der ist nicht nur vielfach ausgezeichneter Regisseur von Werbespots und Dutzenden weltberühmter Musikvideos, sondern auch noch in jungen Jahren als Schlagzeuger der Ur-Black-Metal-Schrubbkapelle „Bathory“ in Erscheinung getreten. So war’s natürlich ein echter Coup, den auch heute noch als bleichen Finsterling auftretenden skandinavischen Selbstvermarkter auf den Regiestuhl der „Lords Of Chaos“ packen zu können.
 
 
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Akerlund gelingt, ein eng miteinander verschweißtes Ensemble junger Schauspieler, unter anderen Abkömmlingen der infernalischen Showbusiness-Clans Culkin und Ochsenknecht, durch einen Alptraum von Tristesse und roher Gewalt zu dirigieren. „Lords Of Chaos“ ist gleichzeitig fesselnd und abstoßend, die Figuren, genau wie die realen Vorbilder eben, sind Arschlöcher sondersgleichen und die Ausbrüche in filmische Grausamkeit matschigster Splatter. Es bleibt einem glatt die Spucke weg und man möchte nie in einer Gegend verweilen, deren Grau-in-Grau die Gehirne der Beteiligten dermaßen in Haferflocken verwandeln konnte.
 
 
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Schwedischer Hipsterismus ist eine faszinierende Sache. Von dort kommen gerne mal Co-Autoren entsetzlicher Pop-Hits, angesagte Musiker mit beinahe „Blob“-artiger Anpassungsfähigkeit oder auch gesellschaftliche Trends, die sich nur Menschen mit viel Zeit, wenig Beschäftigung und staatlich gesicherten Einkommen ausdenken können. In diesem Geist wird uns das gleiche dünnbesiedelte Land demnächst mit der angeblich gleichzeitig emotionsunfähigen, weil aspergerkranken und trotzdem ständig ängstlich-aufgeladenen Greta Thunberg eine hanebüchene Friedensnobelpreis-Wahl bescheren. So bei it.
 
 
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Black Metal verkauft sich, Internet und Metal-Hype sei Dank, heute besser denn je und hat es inzwischen zu grotesken (wenn auch – siehe, im Knast zum Vollnazi mutiert, Varg Vikernes – nur folgerichtigen) Unterkategorien wie „NSBM“, das heißt tatsächlich „National Socialist Black Metal“, gebracht. Nazi-Satans-Metal ist genauso scheiße wie Du, geneigter Leser, Dir das hoffentlich gerade vorstellst.
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Wahre Geschichte, Motherfuckers! Das ist tatsächlich das Grellste an „Lords Of Chaos“. Die Moral von der Geschicht‘ scheint anzudeuten, dass Langeweile in nordeuropäischen Gefilden zu furchtbaren Szenarien führen kann. Oder doch eine Warnung vor der destruktiven Kraft schlechter Musik? Man weiß es nicht. Jedenfalls ist Alt-Hipster Jonas Akerlunds Biopic-Gore-Reißer ein Meisterstück der Verfilmung wahrer Ereignisse als Unterhaltungsfilm. Herausragend.
 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Zensur

 
 
 
„Lords of Chaos“ ist nicht nur verstörend – der Film ist auch sehr brutal. Da werden in diversen Szenen Morde derart lang zelebriert, dass dem Zuschauer Hören und Sehen vergeht. Umso überraschender, dass die FSK diesen Film ungeschnitten freigeben hat. Bis vor einigen Jahren wäre ein Film wie „Lords of Chaos“ wegen seiner zeigefreudigen Brutalität auf dem Index gelandet. Sammler und „Mayhem“-Fans können daher bedenkenlos zugreifen. Der Film ist mit seiner Erwachsenenfreigabe vollkommen komplett.
 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (KeepCase)

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(c) Studio Hamburg (Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Lords of Chaos; Großbritannien | Schweden 2018

Genre: Drama, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 117 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 05.04.2019

 

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LORDS OF CHAOS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Abbildungen stammen von Studio Hamburg)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Metalhead (2013)
 
This Is Spinal Tap (1984)
 
Almost Famous – Fast berühmt (2000)
 
Deathgasm (2015)
 
Until the Light Takes Us (2008)