Filmreview: „After“ (2012)

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AFTER

Story

 
 
 
Nach einem schweren Busunfall erwachen Freddy und Ana in einer menschenleeren Stadt, die von einer undurchdringbaren Nebelwand umgeben wird. Bei ihrer Suche nach Antworten stoßen sie im Nebel auf ein bösartiges Monster, das auf die ungebetenen Besucher rein gar nicht gut zu sprechen ist …
 
 
 


 
 
 

AFTER – Kritik

 
 
 
Wenn zwei Filmhelden nach einem schweren Unfall in einem scheinbar menschenleeren Paralleluniversum erwachen, das von einer tiefschwarzen Nebenwand umhüllt ist und sich im Dunkel der Nacht ein in Ketten gelegtes Monstrum losreist, um den beiden nach dem Leben zu trachten, dürfte sich der horrorerprobte Zuschauer an die gruselige Videospielreihe aus dem Hause Konami zurückerinnert fühlen, die unter dem Titel SILENT HILL Konsolenfans auf dem gesamten Globus das Fürchten lehrt. Der Spiele-Hit ließ erfolgreiche Fortsetzungen und zwei Kinofilme folgen – für einige noch unbekannte Regisseure Ansporn genug, so ähnliche Filmalbträume auf Zelluloid zu bannen. AFTER aus der Feder von RYAN SMITH ist so ein Fall. Der hat mit seinem Erstling eine Art Lightversion der beliebten Horror-Serie zu Papier gebracht und zeichnete auch gleich für die Produktion und Umsetzung verantwortlich. Bei soviel Engagement und Liebe zum Film ist es dann doch etwas ärgerlich, dass AFTER ziemlich konfuser Mystery geworden ist, der zwar irgendwie an SILENT HILL erinnert, aber nicht einmal ansatzweise die Qualitäten der beliebten Horrorvorlage erreicht.
 
AFTER erzählt von Comic-Pinsler Freddy (STEVEN STRAIT) und Krankenschwester Ana (KAROLINA WYDRA). Die beiden lernen sich in einem Bus kennen, der kurz darauf einen Unfall baut. Als Ana wieder zu sich kommt, befindet sie sich mutterseelenallein in einem verlassenen Krankenhaus. Nach ersten Erkundungsstreifzügen durch das menschenleere Heimatstädtchen trifft sie erneut auf Freddy, der leider auch keinen Schimmer hat, was mit dem Ort passiert sein soll. Die zwei stoßen auf einen geheimnisvolle Nebelwand in deren Zentrum sie eine Tür finden, zu der jedoch kein Schlüssel passt. Den bewacht eine bösartige Kreatur, die sich ihren Fesseln entledigt und daraufhin die beiden Hobbydetektive durch die Gassen der Stadt hetzt.
 
Zwar ist die Optik düster und die wenigen Computereffekte stimmig; dennoch mangelt es an erzählerischer Dichte, die man in AFTER mit der Lupe suchen muss. Für den Zuschauer wird das zähe Rätselraten zur Geduldsprobe, denn leider plätschert das Geschehen ereignislos daher und will irgendwie nie so recht in die Gänge kommen. Zwischen Streifzügen durch die Vergangenheit der beiden Helden (dort ist nämlich der Grund für die seltsamen Vorkommnisse zu suchen) und subtiler Urangst-Problematik gesellt sich ein ziemlich aufdringlicher Score, der die Stimmung jede Szener passend zu unterstreichen versucht. Anfangs mag der Musikeinsatz noch ganz atmosphärisch gelöst sein, im späteren Verlauf nervt der übertriebene Einsatz von szenenbegleitendem Gedudel enorm. Weil AFTER keine wirklichen Höhepunkte bietet und die Geschichte teils ziemlich undurchsichtig bleibt, wirft Macher RYAN SMITH ein animiertes Monster in die wirre Handlung, das die erzählerischen Defizite vergessen lassen soll. Leider bleibt SMITH seiner bisherigen Taktik treu und lässt ein zähnefletschendes Wesen vor die Linse krabbeln, das zwar ganz nett animiert wurde, aber kaum Angst einjagen will, schließlich ist es partout damit beschäftigt eigentlich nichts zu tun. Unterm Strich bleibt ein zwar wirklich schön gefilmter Mystery-Thriller mit netten Effekten und eigentlich guter Idee, bei dem man aber das Gefühl nicht loswerden möchte, als habe Regisseur RYAN SMITH hier eine Kurzgeschichte zu Spielfilmlänge aufgeblasen. Deshalb: AFTER ist eine netter Augenschmaus mit gehaltlosem Inhalt.
 
 
 


 
 
 

AFTER – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Hübsch verpackter Mystery-Horror: AFTER ist die Indie-Version von SILENT HILL, bei der aber die Spannung aus dem Drehbuch radiert wurde. Die auf Spielfilmlänge aufgeblähte Kurzgeschichte hätte vermutlich besser als Segment in eine Horror-Anthologie gepasst, denn im zähen und unnötig langen AFTER regiert die Langeweile. Schöne Bilder werden von quälender Ereignislosigkeit begleitet; die aufdringliche musikalische Untermalung raubt dem Zuschauer den letzten Nerv. Immerhin gibt es am Ende ein Monster zu sehen. Das ist aber recht träge und kommt – wie die Handlung des Films – nicht in die Gänge. Viel Lärm um eigentlich Nichts, daher meinen wir: Zeitverschwendung!
 
 
 


 
 
 

AFTER – Zensur

 
 
 
Brutal ist AFTER rein gar nicht. Der Film besitzt einige verstörende Momente und einen erheblich düsteren Grundton. Da der Film mehr Mystery-Drama als Horrorfilm ist (der Film thematisiert die Gedankenwelt eines Komapatienten) wurde AFTER von der FSK bereits ab 16 Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

AFTER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Cosmopolitan Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: After; USA 2012

Genre: Horror, Thriller, Mystery, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 24.04.2015

 

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AFTER – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Silent Hill: Revelation (2012)
 
Nothing Left to Fear (2013)
 

Filmreview: „Jug Face“ (2013)

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JUG FACE

Story

 
 
 
Tief in den Wäldern im Süden Amerikas liegt ein Dorf, dessen Bewohner eine unsichtbare Kreatur verehren, die in einem mysteriösen Schlammloch haust. Um den Schutz der Gemeinschaft zu wahren, wird das Wesen hin und wieder mit menschlichen Opfern besänftigt. Als die junge Ada (Lauren Ashley Carter) erfährt, dass sie als nächstes an der Reihe ist und zum Wohle der Gemeinde hingerichtet werden soll, versucht sie aus dem Dorf zu flüchten …
 
 
 


 
 
 

JUG FACE – Kritik

 
 
 
 
 
 
Achtung, Kritik beinhaltet Spoiler!
 
 
 
Wenn man stets hart und zielstrebig an seinen Träumen arbeitet, kann man Großes erreichen. So oder so ähnlich dachte vermutlich Newcomer CHAD CRAWFORD KINKE und dürfte sich zur Belohnung für seinem Debüt-Film JUG FACE vor Angeboten kaum noch retten können. Der talentierte Nachwuchsregisseur nahm 2011 an einem Drehbuchwettbewerb teil, den er auch für sich entscheiden konnte. Zusätzlich fand sein Werk erfreulicherweise rasch einen Geldgeber und konnte schnellstmöglich realisiert werden. Trotz mangelnder Bekanntheit und Low-Budget-Status konnte man für JUG FACE den international erfolgreichen Spezialeffekte-Künstler ROBERT KURTZMAN gewinnen, Mitbegründer der beliebten KNB-Effekt-Werkstatt und Kopf hinter den herrlich bösartigen Effekten von Filmen wie EVIL DEAD 2, FROM DUSK TILL DAWN oder BRIDE OF RE-ANIMATOR. Auch wenn der vorliegende Horrorfilm mit KURTZMAN an Bord große Kröselei verspricht, ist JUG FACE eben doch keines dieser drastischen Dinger geworden, in dem die Protagonisten nahezu im Blut ersaufen.
 
Im Mittelpunkt der kleinen Geschichte steht ein verschworenes Hinterwäldlervolk, das seine Zeit entgegen der Erwartung des Zuschauers nicht mit dem Abschlachten ahnungsloser Touristen verbringt. In JUG FACE huschen keine deformierten Kreaturen durchs Bild, die niederen Instinkten frönen. Stattdessen handelt der Film von einer religiösen Gemeinde, weit draußen in den Urwäldern Südamerikas, die sich durch ein geheimnisvolles Ritual Schutz verspricht. Auch die schüchtern dreinschauende Ada (LAUREN ASHLEY CARTER) gehört jener Gemeinschaft an und hat ein kleines Geheimnis. Sie ist einem Nachbarsjungen versprochen verschweigt aber, dass sie das Kind ihres Bruders Jessaby (DANIEL MANCHE) im Leib trägt. Während man gemütlich in den Alltag lebt, ist es vor allem eine mysteriöse Grube, die allen Dorfbewohnern Sorge bereitet. Dort haust eine unsichtbare Kreatur, die in regelmäßigen Abständen Opfergaben fordert und so die kleine Gemeinde dezimiert. Töpfer Dawai (SEAN BRIDGER) scheint dabei als Sprachrohr des Monsters zu fungieren, empfängt er doch Visionen und formt in Trance kleine Tongefäße mit den Gesichtern jener Dorfbewohner, die als nächstes am Rand der Grube geopfert werden sollen. Als Ada auf einem der Krüge ihr eigens Gesicht wiederentdeckt, bricht sie in Panik aus und vergräbt den Behälter im Wald. Das erweckt natürlich die Missgunst der Kreatur, worauf diese beginnt, wahllos die Mitglieder der Gemeinde zu schlachten. Grund für Ada, aus dem Dorf zu fliehen – in Dawai sieht sie einen Verbündeten.
 
Auch wenn mit ROBERT KURTZMAN als F/X-Experte ein Garant für blutiges Treiben an Bord ist, überrascht, dass JUG FACE keine unnötige Splatterorgie geworden ist. Das hier geschilderte Grauen ist subtiler Natur, was natürlich nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass Regisseur CHAD CRAWFORD KINKE nicht hin und wieder daran Gefallen findet, Blutfontänen durch die Szenerie spritzen zu lassen. Voranging jedoch beschäftigt sich JUG FACE mit den Konflikten innerhalb der Gemeinschaft, wobei Parallelen zum Film THE VILLAGE von M. NIGHT SHYAMALAN (THE SIXTH SENSE) nicht von der Hand zu weisen sind. Während die Kreatur wahllos Opfer unter den Dorfbewohnern fordert, ist Hauptprotagonistin Ada die einzige, die einen klaren Entschluss fasst und dem geduldeten Abschlachten entkommen möchte. Sie nimmt all ihren Mut zusammen und flüchtet in die naheliegende und dennoch befremdliche Kleinstadt, um dort nach Hilfe zu suchen. Während CHAD CRAWFORD KINKE ein goldenes Händchen für unglaublich stimmige Bilder besitzt, sind es vor allem die großartigen Schauspieler, die den Film bereichern. Allen voran LAUREN ASHLEY CARTER, die der Rolle der verunsicherten Ada die notwendige Glaubwürdigkeit verleiht. Ähnlich wie in BRIAN DE PALMAS King-Verfilmung CARRIE (1976) leidet Ada unter dem religiösen Fanatismus der eigenen Eltern. Während die permanente Angst vor der dominanten Mutter Loriss (brillant abgebrüht: SEAN YOUNG) dem Teenager schlaflose Nächte bereitet, sorgt das ruppige und durchweg kaltherzige Vorgehen der Selbigen nicht selten für unangenehmes Magengrummeln beim Zuschauer.
 
Dennoch; auch wenn CHAD CRAWFORD KINKE bei seinem ersten abendfüllenden Spielfilm eigentlich alles richtig macht, hinterlässt das ungenießbare Ende doch einen überraschend faden Nachgeschmack. Anders als erwartet entscheidet sich KINKE gegen ein Happy End, was in Anbetracht der Umstände nicht jedem Zuschauer gefallen dürfte. Trotzdem; trotz unkonventioneller Inszenierung ist JUG FACE ein recht sehenswertes Märchen für Erwachsene, dem zwar wenig Budget zur Verfügung stand, aber zu keiner Minute anzusehen ist, dass kaum Geld vorhanden gewesen ist. Trotz unsichtbaren Monsters, schafft es KINKE mit permanent unwohliger Atmosphäre zu überzeugen. Umso mehr möchte man es ihm gönnen, dass dem ambitionierten Regisseur bei seinem folgenden Werk mehr Geld zu Verfügung steht – auf das er als seine kreativen Visionen in die Tat umsetzen kann. Denn: Newcomer CHAD CRAWFORD KINKE sollte der Filmfan dringend im Auge behalten – der hat was drauf!
 
 
 


 
 
 

JUG FACE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein packender, spannender und durchweg düsterer Mystery-Thriller in der Tradition von THE VILLAGE. Ein grandioses Horror-Debütwerk, das nicht ungesehen bleiben sollte.
 
 
 


 
 
 

JUG FACE – Zensur

 
 
 
Der Film JUG FACE ist eher subtiles Gruselmärchen, statt bluttriefender Horrorschocker. Es gibt hier zugunsten eines Rituals einige Kehlenschnitte zu begutachten, die eher „schmückendes Beiwerk“ sind. Ansonsten werden die Angriffe der unsichtbaren Kreature nur im Off zelebriert – der Zuschauer sieht nur das Ergebnis. Trotzdem ist JUG FACE in Deutschland erst für Volljährige geeignet. Der Film hat eine KEINE JUGENDFREIGABE-Kennzeichnung in der ungeschnittenen Filmversion erhalten.
 
 
 


 
 
 

JUG FACE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Jug-Face-Blu-ray

(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Jug Face; USA 2013

Genre: Drama, Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch Dolby Digital 5.1, Deutsch Dolby Digital 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Making of (ohne deutsche UT), Trailer

Release-Termin: 15.04.2014

 
 
 

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JUG FACE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Village (2004)

Der letzte Exorzismus (2010)