Filmkritik: „Z“ (2019)

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Z

Story

 
 
 

Der imaginäre Kumpel eines kleinen Jungen beginnt aus heiterem Himmel eine Familie zu terrorisieren.

 
 
 


 
 
 

Z – Kritik

 
 
 
Sie sind immer da. Am Tisch muss für sie stets ein Platz freigehalten werden. Sie helfen bei wichtigen Entscheidungen und sind der beste Spielkamerad. Manchmal sind sie aber auch Schuld, wenn sich etwas Schlimmes ereignet hat. Fakt ist jedoch: Sie können nur von Kindern gesehen werden. Imaginäre Freunde sind im Kindesalter nichts Ungewöhnliches und kein Grund zur Beunruhigung. Die unsichtbaren Kumpel dienen als Seelentröster, Berater, Begleiter aber auch als Sündenböcken und treten oft dann in Erscheinung, wenn ein Kind neue Eindrücke und Erfahrungen verarbeiten muss. Fantasiefreunde helfen Kindern dabei, die eigenen Gefühle zu verstehen und zu regulieren. Leider können sie Eltern aber auch zur Verzweiflung treiben, wie der folgende Horrorfilm erklärt.
 
 
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Der geht auf die Kappe von Regisseur BRANDON CHRISTENSEN, welcher Genre-Fans bereits vor einiger Zeit mit dem Psychothriller STILL/BORN beglückte. Darin stiftete der Filmemacher Verwirrung und erzählte die Geschichte einer jungen Frau, die nach der Geburt ihres Kindes dem Wahnsinn verfällt. Psychologischer Horror, der auch den Zweitling dominiert. Letzterer nennt sich Z und ist ebenfalls Genre-Ware, die das Kopfkino aktivieren soll. Leider ist dieser nicht ganz so clever gestrickt, wie das Debütstück. Was schaurig beginnt, verrennt sich im Finale in Sphären, die kein Filmfan versteht. Dazu aber später mehr.
 
 
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Z berichtet von einer Familie, deren Leben aus dem Gleichgewicht gerät. Sohnemann Joshua beginnt sich nämlich plötzlich mit einem geheimnisvollen Freund zu unterhalten, den nur er sehen kann. Z wird er genannt und bestimmt den Alltag des kleinen Jungen. Was anfangs als vorübergehende Phase abgewertet wird, entwickelt bald eine erschreckende Dynamik. Joshua verhält sich in der Schule verhaltensauffällig und auch die Mitschüler beginnen das Kind aus Angst zu meiden. Alarmsignale, die bald auch die Eltern des fehlgeleiteten Jungen ernstnehmen müssen. So ist Schluss mit lustig, als der Nachwuchs einen Klassenkameraden über ein Treppengeländer wirft. Doch damit nicht genug. Vor allem Mutter Elizabeth fühlt sich bald ihres Lebens nicht mehr sicher. Die spürt in den eigenen vier Wänden die unheimliche Präsenz des imaginären Freundes. Alles nur Einbildung oder ist da doch etwas Wahres dran? Die Antwort darauf versucht die zweite Filmhälfte von Z zu ergründen.
 
 
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Dabei wären wir auch schon beim eigentlichen Problem. Was nach konventionellem Grusel-Horror riecht, der einzig darauf aus ist das Publikum mit plumpen Schocks zu unterhalten, geht plötzlich andere Wege. Das mag sich erst mal ganz gut anhören, weil das Horror-Genre Neuerungen nötig hat. Wie Z aber nach Erklärungen ringt, ist nicht sonderlich erbaulich. Da wird plötzlich vom Gaspedal gegangen und in der Psyche von Mutter Elizabeth gegraben. Hä? Waren wir nicht eigentlich gerade beim Sohnemann Joshua, der plötzlich seltsames Verhalten an den Tag legt? Ein Richtungswechsel, der sich erzwungen anfühlt. Offenbar wollte es Regisseur BRANDON CHRISTENSEN dem Erstling gleich machen. Der hielt mit falschen Fährten bei Laune und versuchte durch Doppeldeutigkeit die Interpretationslust des Zuschauers anzukurbeln. Alles nur Manifestation einer traumatisierten Psyche oder doch irgendwo im fantastischen Genre beheimatet? Ein Verwirrspiel, das in STILL/BORN einfallsreich und stimmig über die Mattscheibe flimmert.
 
 
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Z fühlt sich hingegen so an, als hege Filmemacher BRANDON CHRISTENSEN den Anspruch gleichen Überraschungseffekt noch mal wiederholen zu müssen. Das Ergebnis: ein undurchschaubarer Wirrwarr an Erklärungsansätzen, die überhaupt nicht funktionieren wollen und sich wie ein künstlicher Rattenschwanz anfühlen. Hier passt hinten und vorne nichts zusammen. Christensen driftet zu verkrampft ins Psychologische ab und gibt wenig acht auf sein Publikum. Das kann nicht folgen und wird am Ende mit vielen Fragen ratlos vor dem TV-Apparat zurückgelassen. So kann man den Zuschauer auch vergraulen. Vielleicht wäre es im Falle von Z besser gewesen, man hätte es beim konventionellen Horror für jedermann gelassen. So wären alle glücklich gewesen.
 
 


 
 
 

Z – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Fängt flott und unheimlich an, hat aber am Ende mit Erklärungsnot und Langeweile zu kämpfen. Z ist das beste Beispiel dafür, wenn Filmemacher auf Biegen und Brechen Erfolge wiederholen wollen. Die versuchen Filme nach ähnlichem Konzept zu inszenieren, mit welchem bereits das Erfolgsstück glänzen konnte. Im Falle von Regisseur BRANDON CHRISTENSEN war das STILL/BORN. Der Zweitling mit dem Titel Z ist aus ähnlichem Holz geschnitzt, kann aber nicht ansatzweise dessen Niveau erreichen. Was gradlinig als schauriges Gruselstück über ein unheimliches Kind über die Mattscheibe flimmert, wird nach der Halbzeit holprig und wirr. Die erste Hälfte passt nicht zum restlichen Film. Irgendwie will man da den Eindruck nicht loswerden, als wusste Macher BRANDON CHRISTENSEN zu Beginn selbst nicht so wirklich, wohin die Reise führen soll. Ein Twist im Finale fühlt sich erzwungen, konstruiert und unausgegoren an. Von Geheimtipp ist da keine Spur. Übrigens zeichnete COLIN MINIHAN als Co-Autor am Drehbuch mitverantwortlich. Der hat schon einige Horror-Fantasien auf Papier gebracht. Darunter den Zombie-Horror IT STAINS THE SANDS RED, den Wackelcam-Hit GRAVE ENCOUNTERS 2 und die Alien-Invasion EXTRATERRESTRIAL. Offenbar war bei Z die Puste raus. Anders lässt sich nicht erklären, warum der Streifen einen wenig kreativen Eindruck hinterlässt.

 
 
 


 
 
 

Z – Zensur

 
 
 
Z hat kaum Gewalt zu bieten. Meist wird nur angedeutet oder es passiert im Off. Hierzulande dürfte der Mix aus Gruselfilm und Psychothriller ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

Z – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Digital Interference Productions | Hadron Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Orphan – Das Waisenkind (2009)
 
Teufelskind Joshua (2007)
 
Hide and Seek – Du kannst dich nicht verstecken (2005)
 
Das Omen (1976)
 
Daniel Isn’t Real (2019)
 

Filmkritik: „The Boy“ (2016)

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THE BOY

Story

 
 
 
Die hübsche Greta möchte ihre Vergangenheit hinter sich lassen und übernimmt deshalb in der Abgeschiedenheit eines castleähnlichen englischen Anwesens einen einsamen Job als Nanny, der sich jedoch als wahre Herausforderung entpuppt, als sie erfährt, wie „speziell“ der zu beaufsichtigende Junge tatsächlich ist. Seine fürsorglichen Eltern übergeben ihr nämlich gemeinsam mit nicht zu verletzenden Verhaltensregeln die Verantwortung für eine Porzellanpuppe …

 
 
 


 
 
 

THE BOY – Kritik

 
 
 
Dass es Kindermädchen im Horrorgenre nicht leicht haben, ist eine Binsenweisheit. Auch dass mit Puppen nicht gut Kirschen essen ist, dürfte spätestens seit CHUCKY hinlänglich bekannt sein. Umso erfreulicher ist, dass es Regisseur WILLIAM BRENT BELL, der bereits mit WER – DAS BIEST IN DIR und STAY ALIVE Achtungserfolge erzielte, gelingt, dem beliebten Thema engagiert auch neue Facetten abzugewinnen. Bereits nach den ersten Einstellungen spürt man bei THE BOY die Hochwertigkeit des Films. Neben der klaren stimmungsvollen Optik, besticht die edle Location, die mit liebevoll ausgewählten Requisiten und einem unaufdringlichen Klangteppich abgerundet wird. Und man muss es inzwischen leider gesondert erwähnen: auch die Synchro ist professionell.
 
 
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Eine weitere Stärke von THE BOY ist der zwar überschaubare, aber perfekt ausgewählte Cast, bei dem als Hauptakteurin die frisch agierende Augenweide LAUREN COHAN, die Fans von WALKING DEAD und VAMPIRE DIARIES bekannt sein dürfte, den Zuschauer augenblicklich in ihren Bann zieht. Ihre sympathische Art ermöglicht jederzeit ein Mitfühlen, was zur Folge hat, dass man die skurrilen Ereignisse durch ihre Augen sieht und sich so gemeinsam schrittweise der Lösung des Rätsels um den traurig schauenden Puppenjungen nähert. Nach anfänglicher Irritation erlebt die attraktive junge Frau eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die sie an den Rand des Wahnsinns führt. Denn nachdem sie mutterseelenallein im hochherrschaftlichen Haus zurückbleibt, mehren sich die Zeichen, dass der Porzellanjunge ein unheimliches Eigenleben entwickelt, wenn man den mit seinen Eltern abgesprochenen Regelkatalog nicht befolgt. Inwiefern der gewalttätige Ex-Freund oder der fast zu charmante Lebensmittellieferant (RUPERT EVANS aus THE CANAL) dabei ihre Finger im perfiden Spiel haben, gilt es zu klären.
 
 
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THE BOY ist einer jener Filme, der es schafft, den Betrachter auch ohne Special Effects, inflationär gebrauchte Jumpscares oder zelebrierte Gewalt in seinen Bann zu ziehen. Konsumenten, die es laut, hektisch oder grenzaustestend brutal mögen, sind hier somit fehl am Platz, denn es dominieren atmosphärische Bilder, welche einen immer tiefer in der Geschichte versinken lassen. Und dies ist gut so, denn wahrscheinlich wirkt die Story am intensivsten, wenn man nicht zuviel über einen möglichen Plot spekuliert und sich wie die Hauptprotagonistin auf die angebotenen Fährten begibt. So wird man nach dem eher konventionellen Schluss sicher nicht aufgewühlt von der Nachtruhe abgehalten, aber ein angenehmes Gruselgefühl dürfte sich beim wohlwollenden Betrachter mit Sicherheit eingestellt haben. Und die Lehr von der Geschicht? Mädchen, BRICH DIE REGELN NICHT!
 
 
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THE BOY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
THE BOY erfindet das Horror-Rad zwar nicht neu, aber bietet sympathischen, weitgehend gewaltfreien Old School Grusel, der von einer überzeugenden Hauptdarstellerin und einem sein Handwerk verstehenden Regisseur mit Herz fürs Genre erfolgreich transportiert wird. Damit sticht der Streifen aus der Flut inspirations-und gefühlloser Billigproduktionen positiv heraus. Freunde des schaurig Schönen sollten ihm somit die verdiente Chance geben.
 
 
 


 
 
 

THE BOY – Zensur

 
 
 
Mit einer FSK 12 Freigabe ist THE BOY von keinen Schnitten betroffen, die auch nicht nötig sind, da sich das Unbehagen nicht durch Gewaltspitzen, sondern durch subtilen Grusel einstellt.
 
 
 


 
 
 

THE BOY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Capelight Pictures (Mediabook)

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(c) Capelight Pictures (Steelbook exklusiv bei Media Markt erhältlich)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Boy; USA 2016

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Atmos 7.1, Englisch Dolby Atmos 7.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook | Steelbook (Media Markt exklusiv)

Extras: Making Of (11:21 Min.), Trailer, 6 Teaser, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: 24-seitiges Booklet

Release-Termin: 23.06.2016

 

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THE BOY – Trailer

 
 


 
 
 

Andy78

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Capelight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Chucky – Die Mörderpuppe (1988)
 
Annabelle (2014)
 
Dead Silence (2007)
 
Dolls (1987)
 
Dolly Dearest (1991)