Filmkritik: „Last Girl Standing“ (2015)

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LAST GIRL STANDING

Story

 
 
 

Eine junge Frau (Akasha Villalobos) erlebt nach einem Massaker an ihren Freunden die Hölle auf Erden. Als einzige Überlebende sieht sie sich fünf Jahre später mit gleichem Killer konfrontiert, der ihr einst alles genommen hat, was ihr lieb und heilig gewesen ist.

 
 
 


 
 
 

LAST GIRL STANDING – Kritik

 
 
 
Was passiert eigentlich mit Überlebenden von Horrorfilmen nach dem Abspann? Eine interessante Frage, mit der sich bisher noch kein Horrorfilm ernsthaft auseinandersetzen wollte. Zeit, dass sich jetzt Regisseur BENJAMNIN R. MOODY damit beschäftigt. Der hat bisher nur Kurzfilme und Folgen für TV-Serien gedreht und feiert mit LAST GIRL STANDING sozusagen sein Spielfilmdebüt, das von seiner Frau RACHEL MOODY gleich mitproduziert wurde. Entstanden ist ein ungewöhnliches Filmexperiment, das sich bei genauer Betrachtung als interessanter Mix aus Slasher und Drama entpuppt, weil er Regeln moderner Meuchelfilme geschickt auf den Kopf stellt und den Mut wagt, etwas Neues zu erzählen. So geht es gleich mit Trommel- und Paukenschlägen los. Regisseur BENJAMNIN R. MOODY geht es clever an und beginnt dort wo eigentlich Slasherfilme gewöhnlich enden. So sieht sich Filmheldin Camryn (Akasha Villalobos) gleich zu Beginn mit einem maskierten Killer konfrontiert, der bereits dutzende Menschen auf dem Gewissen hat und nun hinter der letzten Überlebenden her ist. Die weiß sich jedoch zu wehren und bringt den Serienmörder zu Strecke ohne zu ahnen, dass der eigentliche Horror erst nach ihrem Triumph über das Böse beginnen wird.
 
 
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Fünf Jahre nach den Ereignissen wird Camryn von den schrecklichen Erlebnissen des Massakers eingeholt. Sie arbeitet nun in einer Wäscherei und ist schwer gezeichnet. Trotzdem erhält sie Rückhalt von Arbeitskollegen und Vorgesetzten, die Verständnis für das psychische Ungleichgewicht der jungen Frau haben. Leider beginnt für die Heldin der Albtraum von Neuen, denn plötzlich ist das Böse wieder da. Der maskierte Killer heftet sich ein weiteres Mal an die Fersen der Überlebenden und scheint ein makabres Spiel mit seinem traumatisierten Opfer spielen zu wollen. Das beginnt allmählich den Verstand zu verlieren und sieht die Freunde in Gefahr. Doch, ist der Mörder wirklich zurück oder spielt die Psyche der Traumatisierten nur Streiche?
 
 
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Man sollte sich nicht vom amateurhaft zusammengeschnippelten Trailer im Anhang abschrecken lassen, denn LAST GIRL STANDING schaut – trotz Low-Budget-Status – besser aus, als man nach der Sichtung des Werbefilmchen vermuten würde. Das sind gute Voraussetzungen. Doch lohnt der etwas andere Slasher überhaupt gesehen zu werden? Wir meinen nur bedingt, denn trotz gutem Ansatz, hat LAST GIRL STANDING mit dem unausgegorenen Drehbuch und einem fehlenden Spannungsbogen zu kämpfen. Der Zuschauer begleitet eine von Qualen und Albträumen zerfressene Frau durch den Alltag, die ihr Leben offensichtlich nicht mehr auf die Reihe bekommt, weil Erlebtes prägt und nicht mehr loslassen kann. So sieht sich die Hauptprotagonistin von einem Killer verfolgt, den sie eigentlich vor Jahren in die ewigen Jagdgründe befördert hat. Um die Handlung voranzutreiben, beginnt Regisseur BENJAMNIN R. MOODY den Zuschauer taktisch zu verwirren. Der wird auf falsche Fährten gelockt und kann – wie die Filmheldin – bald nicht mehr differenzieren, ob der Killer im Film real ist oder nur der Gedankenkraft einer traumatisierten Frau entspringt. Leider wird das Verwirrspiel erschwert, weil die von AKASHA VILLALOBOS verkörperte Filmfigur keineswegs zugänglich ist. Das ist für einen Slasher unverzeihlich, weil das soganannte Final Girl gleichzeitig Identifikationsfigur für den Zuschauer sein soll. In LAST GIRL STANDING wirkt die Hauptdarstellerin nicht sonderlich sympathisch und ist nahezu im gesamten Film damit beschäftigt, wie ein verschrecktes Reh hektisch durch die Kulisse zu hetzen, weil sie meint vom ultimativ Bösen verfolgt zu werden. Das nervt spätestens nach der dritten Wievderholung, denn die künstlich heraufbeschworene Hektik soll den sonst eher behäbig erzählten Film von seiner Lethargie befreien.
 
 
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Immerhin gibt’s für die Gewaltfraktion was zu sehen. Nach dem zeigefreudigen Einstieg und einem deftigen Massaker, endet der Film quasi so wie er begonnen hat. Nach langer Warterei wird der Zuschauer kurz vor der Zielgeraden mit einem unvorbereiteten Twist konfrontiert, der zu Recht das Prädikat „Makaber“ tragen darf. Leider passt das reißerische und übertrieben blutige Finale nicht zum Rest des eher ernst erzählten Films, der seine Heldin immer weiter in den psychischen Abstieg treibt und es kurz vor dem Abspann nicht gut mit ihr meint. So gibt es in den letzten 15 Minuten harte Spezialeffekte zu sehen damit übertriebenes Töten zelebriert werden kann. Der ernste Tenor des Streifens wird dadurch zerstört, weil ausuferndes Blutgesudel eher unfreiwillig komisch wirkt. Zudem verliert das anfänglich aufgegriffene Thema von Traumverarbeitung und ihre Folgen an Bedeutung und wird stattdessen ins Absurdum getrieben. LAST GIRL STANDING wird die Geister scheiden, denn trotz der guten Idee dahinter harmoniert die Kombination aus Horror und Drama in diesem Fall nicht sonderlich gut. Etwas mehr Liebe im Detail und Feinschliff am Drehbuch hätte nicht geschadet.

 
 
 


 
 
 

LAST GIRL STANDING – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Mutiger Indie-Horrorfilm, der das Slasher-Genre versucht neu zu erfinden – aber irgendwie an der Unentschlossenheit scheitert, was er denn nun eigentlich sein möchte. So konfrontiert der Streifen den Zuschauer mit der Frage, was mit Überlebenden in Horrorfilmen nach dem Abspann passiert. Wo in den meisten Slasher-Streifen ein Happy End über die Mattscheibe flimmert, meint es LAST GIRL STANDING nicht sonderlich gut mit seiner Hauptfigur. Die hat nach dem Endkampf mit dem Bösen nichts zu lachen und leidet unter einem Trauma, das den Alltag der Überlebenden zur Hölle macht. LAST GIRL STANDING hat gute Ansätze, denn die etwas andere Betrachtungs- und Herangehensweise bringt neuen Wind in das mittlerweile nicht mehr ganz so frische Slasher-Genre. Dennoch ist das, was in LAST GIRL STANDING gezeigt wird nicht das Gelbe vom Ei. Der Film scheint sich nicht so recht entscheiden zu können, in welche Schublade er gesteckt werden möchte. So pendelt der Streifen unentschlossen zwischen erschütterndem Drama und deftigem Splatter-Horror, lässt die Hauptprotagonistin am seelischen Ungleichgewicht zerbrechen und gleichzeitig durch die blutige Slasher-Hölle gehen. Irgendwie passt das nicht zusammen. Weitaus problematischer sind die unvorbereiteten Gewalteskapaden. Während es der Film in der ersten Stunde versucht psychologisch durchdacht anzugehen, regnet es kurz vor der Zielgeraden Blut und Innereien. Weil’s zu viel des Guten ist, wirkt’s unfreiwillig komisch, denn der überzogene Gewaltrausch raubt dem Film die zuvor langsam aufgebaute (psychologische) Ernsthaftigkeit. Verflickst und zugenäht!
 
 
 


 
 
 

LAST GIRL STANDING – Zensur

 
 
 
Ja, im Prolog und im Finale geht es ziemlich rabiat zur Sache. Dabei werden allerhand Gegenstände durch menschliche Körper gejagt und gemordet, als gäbe es keinen Morgen mehr. Hierbei macht LAST GIRL STANDING dem Slasher alle Ehre. Auch wenn viele blutige Details gezeigt werden, darf man von einer ungeschnittenen Freigabe in Deutschland ausgehen – für Erwachsene versteht sich.
 
 
 


 
 
 

LAST GIRL STANDING – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Jinga Films und wurde vonn der Filmwebseite entnommen)

 
 
 
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Filmkritk: „The Canal“ (2014)

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THE CANAL

DU KANNST DEM BÖSEN NICHT ENTKOMMEN

Story

 
 
 
David hat eigentlich alles zum Glücklichsein: eine liebende Frau, einen aufgeweckten Jungen und einen erfüllten Job. Letzterer stellt das geregelte Leben auf den Kopf, denn durch die Arbeit als Film-Archivar kommt ihm eine Filmrolle in die Hände, auf der er Unfassbares zu sehen bekommt ….

 
 
 


 
 
 

THE CANAL – Kritik

 
 
 
Vergilbte Foto-Dokumente und Bewegtaufnahmen, die aus den Anfangszeiten des Films stammen haben ihren ganz eigenen nostalgischen Charme, der im Horrorfilm neuerdings immer dann Verwendung findet, wenn es möglichst gruselig werden soll. Zuletzt hat die Kombination aus längst nicht mehr gebräuchlichem Schmalfilm und Hollywoods makellosem Digitallook im Horror-Hit SINISTER funktioniert, der für lange Schlangen an Kinokassen und bei Zuschauern für Angstschweiß gesorgt hat. Der dramenerprobte IVAN KAVANAGH versucht sich jetzt an ähnlicher Mixtur. Auch er macht in seinem Film THE CANAL von abgegriffenen Fotos und veraltetem Filmmaterial Gebrauch, damit er dem Zuschauer mit einer atmosphärischen Geisterjagd gut dosierte Gänsehaut-Attacken bescheren kann.
 
In Kavanaghs THE CANAL gerät der Film-Archivar David (RUPER EVANS) in einen Strudel seltsamer Vorkommnisse, die mit einer alten Filmrolle aus dem Jahre 1902 beginnen, auf der er eine erschreckende Entdeckung macht. In dem darin enthaltenem Tatortfilm der Polizei erkennt er jenes Gebäude wieder, das er mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn vor einigen Jahren bezogen hat. Eigentlich nicht der Rede wert, hätte darin nicht ein Mann seine Frau ermordet und die Leiche im Kanal nebenan beseitigt. Was folgt überrascht wenig, denn auch Davids Frau verschwindet nach einem Schäferstündchen mit dem geheimen Liebhaber spurlos und wird einige Tage später aus dem gleichen Gewässer gefischt. Für den sorgenden Ehemann ein herber Schicksalsschlag für den er eine unheimliche Präsenz verantwortlich macht, die ihn seit geraumer Zeit verfolgt. Handelt es sich hier um den Geist eines unberechenbaren Mörders oder entspringen die seltsamen Vorkommnisse vielleicht doch nur allein der Phantasie eines scheinbar gestörten Mannes?
 
Schattenhafte Gestalten, langsame Kamerafahrten, verstörende Schnitte und morbide Atmosphäre – auch Irland hat den Geisterzug gewittert, springt auf und versucht sich im atmosphärischen Gruseln. Entstanden ist ein verzwicktes Verwirrspiel, das den Zuschauer lang in Unklaren darüber lässt, wer oder was für den Tod der geliebten Ehegattin verantwortlich gemacht wird. RUPERT EVENS spielt in THE CANAL einen von Verlustängsten geplagten Familienvater, der an seinen Ängsten zu zerbrechen droht. Erst zwingt ihm sein Misstrauen dazu Gattin Alice nachzustellen; später versucht er fast schon paranoisch nach den Ursachen für deren Ableben zu forschen und scheint dabei allmählich den Bezug zur Realität zu verlieren. Was ist Fiktion, was ist Realität? Ist hier wirklich ein Geist am Werkeln oder hat David die schreckliche Tat am Ende doch selbst begangen? Regisseur IVAN KAVANAGH versteht es den Zuschauer an der langen Leine zu halten, auch wenn der Filmemacher des Öfteren so seine Probleme damit hat, die Auflösung des Geschehens geheim zu halten. Erfahrene Horrorfans werden leider ziemlich früh die Fährte wittern, was den Streifen dadurch jedoch nicht schlechter macht. Immer wieder wird der Zuschauer Zeuge seltsamer Zwischensequenzen, in denen Held David in eine düstere Welt transferiert wird, wo er Dinge erlebt, die er nicht erklären kann. Das verwirrt bald nicht nur den gebeutelten Filmcharakter; auch der Freund schauderhafter Filmware erkennt bald nicht mehr die Grenzen zwischen Realität und Hirngespinst, die gegen Ende nahtlos ineinander überlaufen.
 
Macher und Drehbuchautor IVAN KAVANAGH legt Wert auf Gänsehaut mit Stil, denn THE CANAL gefällt vor allem wegen der unkonventionellen Optik. Immer wieder streut er surreale Farbspielereien in die verzwickte Handlung, die nicht selten an Streifen des italienischen Giallo-Mitbegründers DARIO ARGENTO erinnern. Da werden Szenen in allarmierendes Rot getaucht und in einer heruntergekommenen Toilette erlebt David den ultimativen Farben-Flash. Für sein visuelles Gespür unheilvoller Bilder kann man KAVANAGH nur loben, denn die sind zweifelsohne die Quintessenz dieses sehenswerten Gruselstücks aus dem europäischen Nordens. Da kann man nur hoffen, dass Hollywood nicht auf den Trichter kommt und sich die Remake-Rechte unter den Nagel reißt. Verwundern würde ein auf Hochglanz polierter Mainstreamstreifen aus Übersee niemanden, schließlich leitet die amerikanische Filmindustrie seit einigen Jahren unter chronischen Ideenmangel.
 
 
 


 
 
 

THE CANAL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Gänsehautgarantie mit Anspruch. Regisseur IVAN KAVANAGH konnte noch nicht viele Erfahrungen im Horror-Genre sammeln, denn bisher hat er sich vornehmlich im Dramensektor ausgetobt. Da verwundert es wohl auch niemanden, dass sein THE CANAL kein plumper Horrorfilm geworden ist, der wahllos Schocks und Blut aneinanderreiht, um sich über Wasser halten zu können. KAVANAGH geht es ruhig an, vermischt Drama mit Horror und bewahrt den Anspruch, nach dem man im Horrorfilm leider oftmals vergebens sucht. Entstanden ist ein atmosphärisches Verwirrspiel auf visuell hohem Niveau, das Dank hervorragender Schauspielleistungen und durchdachter Inszenierung bis zum Ende spannend bleibt. Durch den Einsatz eines unheilvollen Klangteppichs und verstörende Zwischensequenzen (deren Farbspielereien oftmals an den jungen DARIO ARGENTO erinnern) bewirkt der visuelle Geschichtenerzähler KAVANAGH eine morbide Gruselstimmung, die sich durch den gesamten Film zieht. Leider ist es in THE CANAL jedoch so, dass die Auslösung des Treibens von erfahrenen Horrorfans schon recht früh gewittert werden dürfte, was auf die Horror-Unerfahrenheit des Filmemachers zurückzuführen ist, der für sein Gruselstück auch gleich das Drehbuch geschrieben hat. Trotzdem, man sollte mit Kavanaghs psychologischen Thriller nicht zu sehr ins Gericht gehen, denn immerhin gehört der irische Grusel-Beitrag zu den besseren Genre-Filmen, die das eher durchwachsene Horror-Jahr 2014 dem Liebhaber unheimlicher Filme beschert hat.
 
 
 


 
 
 

THE CANAL – Zensur

 
 
 
THE CANAL ist ein eher ruhig erzählter Film, der sich vernehmlich dem subtilen Horror widmet, der von seiner düsteren Atmosphäre zehrt. Demzufolge gibt es hier keine Blut- oder Gewaltorgien zu sehen, was dem Streifen hierzulande eine FSK16 beschert hat.
 
 
 


 
 
 

THE CANAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Canal; Irland 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.35:1 (@24 Hz)

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow, Interviews

Release-Termin: 10.03.2015

 

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THE CANAL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cannibal (2013)
 
Warhouse – Kriegszustand (2013)
 
The House of the End Times (2013)
 
Found (2012)
 

Filmreview: „After“ (2012)

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AFTER

Story

 
 
 
Nach einem schweren Busunfall erwachen Freddy und Ana in einer menschenleeren Stadt, die von einer undurchdringbaren Nebelwand umgeben wird. Bei ihrer Suche nach Antworten stoßen sie im Nebel auf ein bösartiges Monster, das auf die ungebetenen Besucher rein gar nicht gut zu sprechen ist …
 
 
 


 
 
 

AFTER – Kritik

 
 
 
Wenn zwei Filmhelden nach einem schweren Unfall in einem scheinbar menschenleeren Paralleluniversum erwachen, das von einer tiefschwarzen Nebenwand umhüllt ist und sich im Dunkel der Nacht ein in Ketten gelegtes Monstrum losreist, um den beiden nach dem Leben zu trachten, dürfte sich der horrorerprobte Zuschauer an die gruselige Videospielreihe aus dem Hause Konami zurückerinnert fühlen, die unter dem Titel SILENT HILL Konsolenfans auf dem gesamten Globus das Fürchten lehrt. Der Spiele-Hit ließ erfolgreiche Fortsetzungen und zwei Kinofilme folgen – für einige noch unbekannte Regisseure Ansporn genug, so ähnliche Filmalbträume auf Zelluloid zu bannen. AFTER aus der Feder von RYAN SMITH ist so ein Fall. Der hat mit seinem Erstling eine Art Lightversion der beliebten Horror-Serie zu Papier gebracht und zeichnete auch gleich für die Produktion und Umsetzung verantwortlich. Bei soviel Engagement und Liebe zum Film ist es dann doch etwas ärgerlich, dass AFTER ziemlich konfuser Mystery geworden ist, der zwar irgendwie an SILENT HILL erinnert, aber nicht einmal ansatzweise die Qualitäten der beliebten Horrorvorlage erreicht.
 
AFTER erzählt von Comic-Pinsler Freddy (STEVEN STRAIT) und Krankenschwester Ana (KAROLINA WYDRA). Die beiden lernen sich in einem Bus kennen, der kurz darauf einen Unfall baut. Als Ana wieder zu sich kommt, befindet sie sich mutterseelenallein in einem verlassenen Krankenhaus. Nach ersten Erkundungsstreifzügen durch das menschenleere Heimatstädtchen trifft sie erneut auf Freddy, der leider auch keinen Schimmer hat, was mit dem Ort passiert sein soll. Die zwei stoßen auf einen geheimnisvolle Nebelwand in deren Zentrum sie eine Tür finden, zu der jedoch kein Schlüssel passt. Den bewacht eine bösartige Kreatur, die sich ihren Fesseln entledigt und daraufhin die beiden Hobbydetektive durch die Gassen der Stadt hetzt.
 
Zwar ist die Optik düster und die wenigen Computereffekte stimmig; dennoch mangelt es an erzählerischer Dichte, die man in AFTER mit der Lupe suchen muss. Für den Zuschauer wird das zähe Rätselraten zur Geduldsprobe, denn leider plätschert das Geschehen ereignislos daher und will irgendwie nie so recht in die Gänge kommen. Zwischen Streifzügen durch die Vergangenheit der beiden Helden (dort ist nämlich der Grund für die seltsamen Vorkommnisse zu suchen) und subtiler Urangst-Problematik gesellt sich ein ziemlich aufdringlicher Score, der die Stimmung jede Szener passend zu unterstreichen versucht. Anfangs mag der Musikeinsatz noch ganz atmosphärisch gelöst sein, im späteren Verlauf nervt der übertriebene Einsatz von szenenbegleitendem Gedudel enorm. Weil AFTER keine wirklichen Höhepunkte bietet und die Geschichte teils ziemlich undurchsichtig bleibt, wirft Macher RYAN SMITH ein animiertes Monster in die wirre Handlung, das die erzählerischen Defizite vergessen lassen soll. Leider bleibt SMITH seiner bisherigen Taktik treu und lässt ein zähnefletschendes Wesen vor die Linse krabbeln, das zwar ganz nett animiert wurde, aber kaum Angst einjagen will, schließlich ist es partout damit beschäftigt eigentlich nichts zu tun. Unterm Strich bleibt ein zwar wirklich schön gefilmter Mystery-Thriller mit netten Effekten und eigentlich guter Idee, bei dem man aber das Gefühl nicht loswerden möchte, als habe Regisseur RYAN SMITH hier eine Kurzgeschichte zu Spielfilmlänge aufgeblasen. Deshalb: AFTER ist eine netter Augenschmaus mit gehaltlosem Inhalt.
 
 
 


 
 
 

AFTER – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Hübsch verpackter Mystery-Horror: AFTER ist die Indie-Version von SILENT HILL, bei der aber die Spannung aus dem Drehbuch radiert wurde. Die auf Spielfilmlänge aufgeblähte Kurzgeschichte hätte vermutlich besser als Segment in eine Horror-Anthologie gepasst, denn im zähen und unnötig langen AFTER regiert die Langeweile. Schöne Bilder werden von quälender Ereignislosigkeit begleitet; die aufdringliche musikalische Untermalung raubt dem Zuschauer den letzten Nerv. Immerhin gibt es am Ende ein Monster zu sehen. Das ist aber recht träge und kommt – wie die Handlung des Films – nicht in die Gänge. Viel Lärm um eigentlich Nichts, daher meinen wir: Zeitverschwendung!
 
 
 


 
 
 

AFTER – Zensur

 
 
 
Brutal ist AFTER rein gar nicht. Der Film besitzt einige verstörende Momente und einen erheblich düsteren Grundton. Da der Film mehr Mystery-Drama als Horrorfilm ist (der Film thematisiert die Gedankenwelt eines Komapatienten) wurde AFTER von der FSK bereits ab 16 Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

AFTER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Cosmopolitan Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: After; USA 2012

Genre: Horror, Thriller, Mystery, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 24.04.2015

 

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AFTER – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Silent Hill: Revelation (2012)
 
Nothing Left to Fear (2013)