Filmkritik: „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ (1970)

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WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA?

(TASTE THE BLOOD OF DRACULA)

Story

 
 
 

Das immer kurz vorm A-Star-Durchbruch stehende Gewohnheits-Ekel Ralph Bates spielt Courtley, einen jungen englischen Lord, der sich seine von den Untertanen gestohlene Zeit mit okkulten Ritualen und Teufelsbeschwörungen vertreibt. Sein Ruf als wegen Sauereien enterbter Dekadenz-Veranstalter hat auch drei weitere, aber deutlich ältere Widerlinge aus der britischen Gesellschafts-Elite erreicht, deren amoralische Suche nach neuen Reizen sich kaum noch befriedigen lässt. Zumindest nicht auf im weitesten Sinne natürliche Weise – die Puffs der Landeshauptstadt kennen sie zu Genüge. Jetzt ist der kleine Lord ein nachgerückter Jünger des Grafen Dracula, der die drei Gesellen zu einem schwarzmagischen Wiedererweckungs-Ritual überreden kann, in dessen Verlauf ihnen die dämonische Sache dann doch zu heiß wird und sie den Burschen wahnhaft-wütend totschlagen. Dem trotz dieses Widernisses auferstandenen Vampir schmeckt das gar nicht (noch weniger als das Blut von Dracula vermutlich. Entschuldigung…) und er beschließt, aus Rache für das Ableben Courtleys, die Kinder seiner Mörder in seinen Bann zu ziehen. Das ist doch mal eine Verbundenheit der Chefetage zum Personal, die sich sehen lassen kann! Im viktorianischen England auch noch. Ach ja, gefügig, auf dass sie ihre Väter um die Ecke bringen. Übrigens weiß niemand, dass die drei alten Freunde original britisch-konservativen Holzes in ihrer Freizeit Volldampf-Perverse sind. Auch Paul, einer der Söhne, nicht. Er wird aber zumindest gewarnt und wirft sich mit dem Mut der Verzweiflung dem Herrn der Finsternis entgegen.

 
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Kritik

 
 
 
Wie schmeckt es denn nun? Die Frage beantwortet Hammer in seinem vierten Film über den König der Blutsauger nur unzureichend. Zu Videotheken-Zeiten, anno 1985 genauer, ist das dann offenbar auch schnuppe und die Kassette wartet als „Das Blut von Dracula“ in den Regalen der deutschen Verleihbuden auf ihre Opfer. Eigentlich will der Film ja gar kein „Dracula“ mehr sein. Studio-Hoffnung Ralph Bates soll als Nachfolger des vom teuren Christopher Lee verkörperten Vampirs eingeführt werden.
 
 
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Hammers US-amerikanische Vertriebspartner laufen angesichts dieser Ankündigung aus London allerdings beinahe Amok. Keine Chance für einen sauberen Schnitt also. Jetzt müssen die Firmenchefs Hinds und Carreras die Zähne zusammenbeißen, nochmal eines der versteckten eigenen Sparschweine zerschlagen und den notorisch von sich eingenommenen Verhandlungspartner Christopher Lee an den Produzententisch bitten. Dass unter diesen schwierigen Bedingungen noch einer der besten Filme der Reihe entstehen kann, spricht für alle Beteiligten. Tragisch aber und zu bei aller unterhaltsamen Qualität nicht zu leugnen: Hammers Glanzzeiten neigen sich anno 1970 langsam aber sicher ihrem Ende zu. Gothic Horror mit bösen Cape-Trägern auf gruseligen Schlössern rücken langsam aus dem Fokus der zahlenden Zuschauerschaft. Gleich zu Anfang verwursten die Produzenten Lees letzte Sterbeszene aus „Draculas Rückkehr“ ein zweites Mal. Drückt die Produktionskosten schon ein wenig. Dann kommen neue Aufnahmen.
 
 
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Sie bemerken an der Installation des jugendlichen Helden im Kampf gegen den Grafen: Auch dieses Mal kann Hammer Peter Cushing nicht für die Rolle des Vampirjägers Professor van Helsing begeistern. Das Logikverständnis des Schauspielers ist nicht elastisch genug, dem per se unsterblichen (und auch immer wieder ins Leben zurückgeholten) Transsylvanier als okkultistischer Wissenschaftler gegenüberzustehen, der irgendwann auch plötzlich mehrere hundert Jahre alt sein müsste. Der Plan, gar Vincent Price als Anführer der drei Herren zu besetzen scheitert im Vorfeld am Budget. In der Rolle von Pauls Freundin sehen wir Linda Hayden, für Freunde britischen Horrorkinos im Folgejahr unsterblich geworden durch die Hauptrolle der besessenen Angel in Piers Haggards wundervollem „In den Krallen des Hexenjägers“. Den haben wir hier auch mal gefeiert.
 
 
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WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Was als Übergabe des Staffelholzes für Hammer beginnen sollte, gerät zur routinierten Fingerübung mit allem, was der Fan an diesen Filmen schätzt. Innen und außen also wenig neues. Opulenz, wo angebracht, Budget-Ersparnis wo nötig. Man fühlt sich wie zuhause.
 
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Zensur

 
 
 
Der vierte Dracula-Film aus den legendären britischen Hammer Studios setzt nahtlos an den Vorgänger DRACULAS RÜCKKEHR an. Bei seiner deutschen Kinoauswertung im Juli 1970 durfte WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA bereits von Sechzehnjährigen besucht werden und war ungeschnitten. Das änderte sich mit der deutschen VHS-Veröffentlichung. Für die setzte man die Schere an und schnitt neben einigen harten Szenen auch einige Szenen aus dem Film, die man damals für anrüchig empfand. Erst in DVD-Zeitalter konnten Filmliebhaber auf die ungeschnittene Fassung zugreifen. WARNER brachte 2004 die erste deutsche DVD von WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA auf den Markt. Diese war umgeschnitten frei ab 16 Jahren. Das hat sich mittlerweile auch nicht geändert. Alle erhältlichen HD-Fassungen auf Blu-ray besitzen eine FSK16-Freigabe und sind ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Deutsche Blu-ray (2. Neuauflage)

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase) – 2. Neuauflage

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Taste the Blood of Dracula; Großbritannien 1970

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar Dr. Rolf Giesen & Uwe Sommerlad, Super 8 Fassung, Englischer Trailer, Deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik

Release-Termin: 27.09.2019

 

Wie schmeckt das Blut von Dracula [Blu-ray 2. Auflage von Studio Hamburg] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA erschien bereits in mehreren Blu-ray-Auflagen in Deutschland. Bereits im Sommer 2016 feierte der Klassiker seine deutsche HD-Premiere im Mediabook. Diese war aber dem Klassiker nicht angemessen und verärgerte Fans durch mangelhafte technische Ausstattung. STUDIO HAMBURG schob einige Monate später eine Blu-ray im KeepCase mit gleicher technischer Ausstattung nach. Erst im August 2018 übernahm Anbieter ANOLIS das Ruder. Das beliebte Label brachte den Streifen in einer Sonderedition auf den Markt, bereicherte die Mediabook-Veröffentlichung um umfangreiches Bonusmaterial und holte das Optimum bei Ton und Bild heraus. Nun erscheint eine zweite Auflage der KeepCase von STUDIO HAMBURG. Diese beinhaltet mehr Extras als noch bei der HD-Erstveröffentlichung und zeigt den Film in 1080p. Die Erstveröffentlichung erschien noch mit 1080i. Dennoch befinden sich auf dieser Zweitauflage immer noch weitaus weniger Extras, als es bei der ANOLIS-Veröffentlichung noch der Fall war. Immerhin ist diese Zweitauswertung von STUDIO HAMBURG zu einem relativ günstigen Kurs zu haben.
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Draculas Rückkehr (1968)
 
Dracula (1958)
 
Dracula braucht frisches Blut (1973)
 
Dracula jagt Minimädchen (1972)
 

Filmkritik: „Nächte des Grauens“ (1966)

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NÄCHTE DES GRAUENS

Story

 
 
 
Der Film versetzt uns in die schroffe Landschaft Cornwalls, Mitte der Achtzehnhunderter. In einem Dörfchen nahe einer Mine dezimiert eine medizinisch nicht bestimmbare Krankheit die Einwohnerschaft. Der ansässige Arzt ist mit seinem Latein am Ende und bestellt seinen alten Kollegen Sir James Forbes aufs Land, sich die Sache einmal mit dem Blick des erfahrenen Wissenschaftlers anzusehen. Beim Versuch, kürzlich verstorbene Dorfbewohner zum Zwecke der Obduktion auf den Operationstisch zu bekommen, stellt man fest, dass die Särge leer sind. Nicht nur das: Die eigentlich zur Ruhe gebetteten schleichen des Nächtens im Umfeld der eingangs erwähnten Mine herum.
 
 
 


 
 
 

NÄCHTE DES GRAUENS – Kritik

 
 
 
Die Filme der englischen Hammer Film Productions verteidigen den ihnen entgegengebrachten Status kultischer Verehrung nicht umsonst seit eh und je mit Bravour. In der schönen und auf eine durchaus romantische Art altmodischen Finsterwelt der angelsächsischen Horrorkinokunst führt schlicht kein Weg am reichhaltigen Katalogprogramm der Londoner Produktionsgesellschaft vorbei. Für viele Fans rund um den Globus sind die bevorzugt im Gothic Horror angesiedelten Klassiker gar das Synonym für Gruselfilm made in Britain. Neben dem jahrzehntelangen Beackern der cineastischen Haupteinnamefelder, namentlich Dracula und Frankenstein, versuchte sich das Studio auch immer wieder an Verfilmungen weiterer Genrestandards. Da gab es einen Werwolf, Hexen, Satanisten und sogar Außerirdische. Mit NÄCHTE DES GRAUENS unternahm Hammer unter der Regie des schon mehrfach angeheuerten John Gilling 1966 einen Ausflug in die schaurigen Sphären des Zombiegenres. Hier konnte man heimisch-gotischen Spukfilm mit Voodoo-Exotik aus den entfernten Kolonien vermischen. Ein Rezept, das gerade im englischen Kulturkreis hervorragend funktioniert. NÄCHTE DES GRAUENS ist hammertypisches Atmosphärik-Kusthandwerk.
 
 
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Schauspieler, dem Stammzuseher bekannt wie die Angehörigen einer Theatergruppe, üppige Ausstattung und Kostüme, kräftige Bilder in strahlendem Technicolor und die richtige Mixtur aus Stimmung und knackiger Make-Up und Effektarbeit. Sicherlich nichts für Anhänger der nervigen Hektik moderner Horrorfilmschablonen oder tumbe Blutmatschfetischisten, sind Filme dieser Machart eine willkommene Möglichkeit, einen Blick in die europäische Kinovergangenheit und die Wurzeln des Genres zu erhaschen. Sieht man sich etwa die horrorlastigeren Märchenstreifen eines prominenten Bewunderers wie Tim Burton an, ist der Einfluss der Hammer Productions nicht zu verkennen. Das zeigt sich nicht nur am regelmäßigen Einsetzen des alten Haudegens Sir Christopher Lee, der seit CHARLIE UND DIE SCHOKOLADENFABRIK zum festen Ensemble des Amerikaners gehört
 
 
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NÄCHTE DES GRAUENS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Hammers einziger Beitrag zum Subgenre des Zombiefilms ist nicht weniger als ein weiterer Klassiker aus dem Wohlfühluniversum des britischen Horror Cinema. Zwar kommt NÄCHTE DES GRAUENS ohne die großen Stars der Firma wie FRANKENSTEIN Peter Cushing oder DRACULA Sir Christopher Lee aus, unterhält den Freund europäischer Horrorklassiker aber trotzdem ganz fantastisch. Auch für Gelegenheitsgucker von Hammer oder vergangener Horrorzeiten empfohlen, da sich der Film nicht hinter bekannteren Aufgüssen, etwa des Vampirfürsten, verstecken muss.
 
 
 


 
 
 

NÄCHTE DES GRAUENS – Zensur

 
 
 
Der Film lief erstmals 1966 in den Kinos der Bundesrepublik und wurde von der Freiwilligen Selbstkontrolle bereis für 16-Jährige freigegeben. Das hat sich auch knapp 50 Jahre nach der deutschen Erstaustrahlung nicht geändert. Die DVD sowie die Blu-ray Disc sind ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

NÄCHTE DES GRAUENS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Anolis Entertainment (Blu-ray im Keep-Case)

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(c) Anolis Entertainment (Mediabook Cover A)

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(c) Anolis Entertainment (Mediabook Cover B)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Plague Of The Zombies; Großbritannien 1966

Genre: Horror, Klassiker

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Mono), Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0 Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,66:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabooks in zwei verschiedenen Cover-Motiven

Extras: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad – deutsch, Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad – englisch, „Raising Dead“: Making of Plague of the Zombies (35:21 Min.), Best of British: André Morell-Featurette (19:13 Min.), Interview mit James Bernard, geführt von Stephen Laws [Manchester 1994] (20:31 Min.), Internationale Titelsequenz (3:45 Min.), Britischer Trailer (1:54 Min.), Internationaler Trailer (2:19 Min.), Amerikanischer Double Feature Trailer (3:07 Min.), Deutscher Trailer (2:10 Min.), Super 8-Fassung – englisch (25:08 Min.), Comic-Adaption – englisch (17:49 Min.), Deutsches Filmprogramm (1:46 Min.), Deutscher Werberatschlag (3:20 Min.), Deutsches Presseheft (2:35 Min.), Bildergalerie (6:08 Min.), 32-seitigem Booklet geschrieben von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad (nur im Mediabook enthalten)

Release-Termin: 30.04.2015

 

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NÄCHTE DES GRAUENS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

Die Rechte aller für die Review verwendeten Bilder liegen bei Anolis Entertainment

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Night of the living Dead (1968)