Filmkritik: „We Go On“ (2016)

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WE GO ON

Story

 
 
 

Miles Grissom hat Angst vorm Sterben und vor allem vor dem was danach kommt. Deshalb zahlt er viel Geld an denjenigen, der ihm zeigen kann, was auf der Schwelle zum Tod passieren wird. Gott sei Dank steht immer Mutter Charlotte (ANNETTE O’TOOLE aus SMALLVILLE) zur Seite, die ihren Sohnemann vor Betrügern und Unachtsamkeit beschützt. Der muss bald am eigenen Leibe erfahren, dass mit dem Tod gern auch mal Geschäfte gemacht werden.

 
 
 


 
 
 

WE GO ON – Kritik

 
 
 
Was passiert eigentlich, wenn wir tot sind? Gibt es mit bereits verschiedenen Menschen ein Wiedersehen im Jenseits oder irren wir als verbitterte Geisterwesen rastlos auf Erden umher? Werden wir in einer anderen Lebensform wiedergeboren oder verharren wir bewegungslos in einer Holzkiste bis unsere Körper zu Staub zerfallen sind? Der Indie-Gruselstreifen WE GO ON geht diesem Thema auf den Grund und versucht Antworten auf eine Frage zu finden, die bereits seit Menschengedenken gestellt wird. Dabei hebt sich der Streifen mit seinem erfrischenden Konzept wohlwollend von der austauschbaren Geister- und Spukmassenware ab, die nahezu täglich in TV oder Kino zu sehen ist. Was hier gezeigt wird ist vom Ablauf ungewöhnlich unkonventionell und macht deshalb neugierig, weil WE GO ON nicht so schnell durchscheinen lässt, wohin die Reise führen wird. Das verwundert, vor allem deshalb, weil dieser tiefgründige Genre-Beitrag von Filmemachern inszeniert wurde, die vor einigen Jahren mit eher unbedachtem Horrorstoff von sich hören lassen haben. Mit dem Debütstück YELLOWBRICKROAD bekleckerten sich JESSE HOLAND und ANDY MITTON im Jahr 2010 nicht sonderlich mit Ruhm und lieferten langweiligen Mystery-Unsinn ab, der zu Recht von Kritikern verrissen wurde. Jetzt ist aber alles anders. Die beiden Newcomer scheinen nach einigen Regie-Arbeiten, wie CHILLING VISIONS – 5 SENSES OF FEAR dazugelernt zu haben. Entstanden ist sehenswertes Indie-Gruselkino, das den Zuschauer auf unbekannte Genre-Territorien lotst und dabei auch noch eine unverbrauchte Geschichte zu erzählen hat. Wem es daher dringend nach Neuerungen im Genre und gut durchdachten Handlungsaufbau dürstet, ist mit WE GO ON gut beraten.
 
 
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Das Leben geht manchmal seltsame Wege. So auch für den attraktiven Miles (absolut glaubwürdig: CLARK FREEMAN), der nach einem schweren Autounfall plötzlich mit vielen Ängsten zu kämpfen hat. Vor allem das Sterben bereitet dem Leidgeplagten große Sorgen und das, was danach kommt oder auch nicht. Um sich die begründete Angst vor dem Tod nehmen zu lassen, gibt der Angsthase eine Anzeige in der Tageszeitung auf. Darin verspricht er demjenigen 30.000 Dollar, der ihm einen Beweis liefert, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Natürlich melden sich gleich dutzende Menschen, die meinen Geister oder Engel gesehen zu haben. Doch schnell wird klar, dass es sich bei den meisten derer um Spaßvögel und Betrüger handelt, die nur auf schnelles Geld aus sind. Immerhin können drei Kandidaten Interesse wecken. Darunter ein Wissenschaftler, ein Medium und der Inhaber eines geheimnisvollen Holzkästchens – HELLRAISER lässt grüßen. Leider erhält der Fragesteller auch dort nicht die Antworten, die er sich anfangs erhofft hat. Da klingelt unverhofft das Telefon und ein mysteriöser Anrufer will den skeptischen Miles eines Besseren belehren. So wandelt unser ängstlicher Held bald auf Spuren des Außerweltlichen und kommt der Totenwelt näher, als es ihm lieb sein dürfte. Manchmal ist es eben besser, bestimmte Türen nicht zu öffnen.
 
 
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Die Geister, die er rief, wird er nicht wieder los. Hinter WE GO ON verbirgt sich ein origineller Mystery-Beitrag, der das Thema ‚Leben nach dem Tod‘ aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Statt schockiert, gegruselt und erschreckt, wird hier endlich mal wieder „erzählt“. Die Regisseure JESSE HOLAND und ANDY MITTON fokussieren sich auf Protagonisten, deren Ängsten und Schicksale und setzen in ihrem clever gestrickten Mysterdrama eine Kette von Umständen in Gang, die Zuschauer und Filmhelden am Ende gewünschte Erleuchtung bringen wird. Dabei erweisen sich die zugänglichen und sympathischen Hauptfiguren als eigentliche Geheimzutat. Aus denen geht die gesamte Geschichte hervor und man wünscht ihnen nichts Böses. Weil die sich rational und menschlicher verhalten, wachsen sie schnell ans Herz. Etwas, was man in vielen schnell abgedrehten und austauschbaren Genre-Produktionen neueren Datums vermisst. WE GO ON ist kein Film fürs breite Publikum. Der günstige produzierte Mysterystreifen protokolliert in ruhigen und zurückhaltenden Bildern die berechtigte Angst vorm Tod, belehrt aber am Ende fast schon ermahnend, dass die Furcht vor dem Ableben unbegründet ist und man besser das Leben in vollen Zügen genießen soll. Der langsame Handlungsaufbau und der gemächliche Erzählstil sind jedoch Fluch und Segen zugleich. Weil sich WE GO ON leider viel Zeit für Geschichte und Figuren lässt und dabei auch kaum Horrorelemente zu bieten hat, dürfte sich manch Mainstream-verwöhnter Filmfan schnell gelangweilt fühlen. Angesichts der Flut an sich ständig wiederholender Grusel- und Horrorgeschichten ist das egal, schließlich steckt in WE GO ON das, was in vielen aktuellen Produktionen fehlt: Herzblut und Originalität.
 
 
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WE GO ON – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Eine emotionale Suche nach Antworten. WE GO ON ist einer der emotionalsten und tiefgründigsten Gruselstreifen der letzten Jahre, der viele neuere Horror-Produktionen in den Schatten stellt. Das Szenario ist originell und die ungewöhnlichen Figuren wachsen schnell ans Herz. Trotz Geisterthematik ist WE GO ON aber kein Gruselfilm von der Stange. Schockmomente gibt es hier kaum zu sehen und auch sonst wird eher Unkonventionelles geboten. Überhaupt verbirgt sich hinter dem unaufgeregten Film mehr Drama über den Kampf gegen Ängste, das gerade wegen seiner hervorragend gewählten Schauspieler von aufgeschlossenen Genre-Fans vorgemerkt werden sollte. Statt eindimensionaler Massenware wird Grusel mit Hirn aufgetischt, der zum Miträtseln animiert und trotz ruhiger Inszenierung stets spannend bleibt. Die Wendungen, die WE GO ON im Verlauf der Handlung einschlägt, sieht man nicht kommen. Da kann sich der selbsternannte Mystery-Guru Hollywoods M. NIGHT SHYAMALAN (THE VILLAGE, SPLIT, THE VISIT) gern mal eine Scheibe von abschneiden. Der hat mit seinen haarsträubenden und überraschenden Filmauflösungen zuletzt eher für lautes Gelächter gesorgt, statt für verblüffte Gesichter. Wie’s richtig geht zeigen deshalb die Regisseure JESSE HOLAND und ANDY MITTON mit WE GO ON. Trotz mangelnder Effekthascherei – und vielleicht auch gerade deshalb – ist dieser Gruseltrip einer der unheimlichsten Filme, die wohl je gedreht wurden. Von uns gibt es daher das Prädikat: Geheimtipp!
 
 
 


 
 
 

WE GO ON – Zensur

 
 
 
WE GO ON hat eigentlich kaum Gewalt oder Schauwerte zu bieten. Man sieht eine halb verweste Leiche und eine Schusswunde. Das war’s. Hierzulande reicht das für FSK16. Ob sich aber ein deutsches Label erbarmen und diesen originellen Gruselfilm hierzulande veröffentlichen wird, dürfte hingegen fraglich sein. Hier sollte man sich mal überraschen lassen.
 
 
 


 
 
 

WE GO ON – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Sixth Sense (1999)
 
Wait Till Helen Comes (2016)
 
Jack Goes Home (2016)
 
The Suffering (2016)
 
Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt (1999)
 

Filmkritik: „Reality“ (2014)

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REALITY

(RÉALITÉ)

Story

 
 
 
Eine blaue Videokassette im Magen eines Ebers. Ein kostümierter Kochshow-Moderator, der einen unsichtbaren Ausschlag hat. Ein launischer Filmproduzent, der von seinem Balkon aus Surfer erschießt. Wer mit dem Opus des französischen Knallkopfs Quentin Dupieux vertraut ist, weiß, dass er nicht mehr braucht, um eine schräge, absurde aber irgendwie doch faszinierende Geschichte heraufzubeschwören. In seinem neuesten Spielfilm geht es eigentlich um den ambitionierten Regisseur Jason Tantra (Alain Chabat), der in 48 Stunden den perfekten, Oscar-würdigen Schmerzensschrei finden muss, um die Finanzierung seines Films zu sichern. In Nebenplots geht es unter anderem um die Träume von Henri (Eric Wareheim), der gern in Frauenklamotten schlüpft und um den Moderator Dennis (Jon Heder), der ein unerklärliches dermatologisches Problem hat.
 
 
 


 
 
 

REALITY – Kritik

 
 
 
Wer die vorherigen Filme von Quentin Dupieux gesehen hat, kann beruhigt (oder entsprechend besorgt) sein. Mit „Reality“ liefert er einen Film ab, der voll von seinem abseitigen und einzigartigen Humor ist. Die Komplexität seiner Handlungen hat sich über die letzten Jahre stetig gesteigert. Zunächst ging es in „Rubber“ um den psychopathischen Reifen Robert, dann in „Wrong“ um den liebenswürdigen Dolph Springer, der sich auf die Suche nach seinem verschwundenen Hund macht. In „Wrong Cops“ widmete Dupieux sich einer Gruppe Polizisten, die sich nicht immer gemäß ihren Dienstvorschriften verhalten. Hier nahm neben den Schauspielern auch die Musik des französischen Künstlers, der auch als „Mr. Oizo“ (frei übersetzt „Herr Vogel“) bekannt ist, einen wichtigen Platz ein. In „Reality“ begibt er sich erneut auf neues Terrain, ohne seinen Signatur-Stil aus den Augen zu verlieren.
 
 
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Vordergründig ist sein neuer Film genau wie die Vorgänger eine Collage aus bizarren, surrealistischen Geschichten, denen allesamt ein sehr spezieller Humor innewohnt. Allerdings bekommt man hier erstmals das Gefühl, dass Dupieux sich ein etwas höheres Ziel gesetzt hat, als die Hirne seines Publikums zu verkrampfen. „Reality“ setzt sich aus einer Vielzahl von Realitätsebenen zusammen, bestehend aus einem Film, einem Traum und einer scheinbaren Realität. Während man die verschiedenen Universen anfangs noch halbwegs gut auseinanderhalten kann, bricht Dupieux im späteren Verlauf vollends die Regeln sämtlicher Logik und entfaltet so sein verwirrendes Kaleidoskop. Wenn der Hauptcharakter plötzlich doppelt in einer Szene auftaucht oder Figuren aus Traum- und Filmebene den selben Platz einnehmen ist es endgültig aussichtslos, die Vorgänge der Story zu verfolgen.
 
 
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Der Versuch einer Entschlüsselung bleibt hierbei selbstverständlich sinnlos und genau wie in „Wrong Cops“ oder „Rubber“ ist der Film erst richtig genießbar, wenn man Dupieux’ eigene Regeln akzeptiert und sich von seiner absurden Filmwelt mitnehmen lässt. Trotzdem hat man nach der Sichtung das vage Gefühl, gerade Zeuge eines überaus kreativen Konfliktes zwischen Realität, Fiktion und Fantasie geworden zu sein.
 
 
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REALITY – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Schräg, witzig und komplett gaga. „Reality“ ist ein kurioses Filmspektakel aus absurden Ideen in bester Dupieux-Manier. Die Arbeit des französischen Künstlers Quentin Dupieux erschließt sich ohne Zweifel nicht jedem. Das hat er bereits mit seinem ersten Spielfilm „Rubber“ deutlich gemacht. In „Reality“ führt er die Reihe absurder, seltsam komischer Märchen fort und arbeitet seinen einzigartigen Stil weiter heraus. Die Auseinandersetzung mit dem grundlegenden Thema von Fantasie und Fiktion lässt seinen jüngsten Spielfilm sogar über allen anderen thronen. Schräg, absurd, witzig und irgendwie auch nachdenklich ist „Reality“ ein bemerkenswertes Stück des französischen Surrealisten.
 
 


 
 
 

REALITY – Zensur

 
 
 
Quentin Dupieux’ Filme mögen zwar größtenteils schräg und abseitig sein, allerdings haben sie auch durchweg einen friedlichen, komischen Vibe. Eine kleine Ausnahme bildet der großzügige Einsatz von Kunstblut in einer Film-im-Film-Szene, ansonsten ist auch „Reality“ ein harmloser Film. Der Film hat eine FSK12 erhalten. Wegen einiger Filmtrailer wurde die erhältliche Heimkinofassung heraufgestuft auf FSK16.
 
 
 


 
 
 

REALITY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) PIERROT LE FOU (Mediabook mit Blu-ray & DVD auf 5000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Réalité; Belgien | Frankreich | USA 2014

Genre: Komödie

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Film: FSK12 (ungeschnittene Fassung) | Heimkinofassung wegen Bonusmaterial: FSK16

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook auf 5000 Stück limitiert

Extras: Trailer, Interviews mit Alain Chaba und Élodie Bouchez, Dupieux – Eine andere Realität | zusätzlich im Mediabook: Poster und umfangreiches Booklet

Release-Termin: 20.11.2015

 

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REALITY – Mediabook

 
 
 
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Anbieter PIERROT LE FOU veröffentlicht REALITY zeitgleich zu herkömmlichen Veröffentlichung im KeepCase auch in einem limitierten Mediabook. Dieses ist auf 5000 Stück limitiert und beinhaltet zusätzlich einen Buchteil sowie ein Poster zum Film. Ebenso ist REALITY im Buch als DVD und Blu-ray enthalten. Der Inhalt der beiden Scheiben ist identisch mit dem Inhalt der Einzelveröffentlichungen.
 
 
 


 
 
 

REALITY – Trailer

 
 


 
 

Timo Löhndorf

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Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei PIERROT LE FOU

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wrong Cops (2013)
 
Rubber (2010)
 
Wrong (2012)
 

Filmkritik: „Tödliche Umarmung“ (1979)

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TÖDLICHE UMARMUNG

Story

 
 
 
Eben noch saß er mit seiner Frau Dorothy nichtsahnend in einem Restaurant, jetzt steht das Leben des Geheimagenten Harry Hannan (Roy Scheider) Kopf. Auf ihn und seine Gattin wird das Feuer eröffnet und die Attacke lässt Harry verletzt, traumatisiert und verwitwet zurück. Nach drei Monaten im Krankenhaus kehrt der konsternierte Agent in sein Leben zurück und muss feststellen, dass sich Einiges geändert hat. Nicht nur wird seine Wohnung von der Anthropologie-Studentin Ellie (Janet Margolin) und deren Katze bewohnt, auch sein ehemaliger Arbeitgeber empfängt ihn ohne den erwarteten Enthusiasmus. Kurz darauf häufen sich die merkwürdigen Ereignisse und als Harry schließlich eine in hebräisch verfasste Notiz entdeckt und den ersten Mordanschlägen ausweichen muss, macht der stillgelegte Agent sich auf die Suche nach Antworten.
 
 
 


 
 
 

TÖDLICHE UMARMUNG – Kritik

 
 
 
TÖDLICHE UMARMUNG (im Original LAST EMBRACE) markiert die erste Bemühung des damals frischen Regisseurs Jonathan Demme im Thriller-Genre. Zwölf Jahre später würde er für seine Arbeit am ikonischen DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER nicht nur weltweiten Ruhm, sondern auch einen Oscar für seine Regieleistung erhalten. Zum Ende der 70er, als TÖDLICHE UMARMUNG entstand, war dies noch Zukunftsmusik. Nichtsdestotrotz bietet der solide Agententhriller einen ersten Eindruck von dem Talent, zu dem Demme sich später entwickeln sollte. Mit einer flotten Geschwindigkeit jagt er seinen stets überfragten Protagonisten durch ein Universum von zwielichtigen Charakteren und uralten Fehden, in dem eine hebräische Morddrohung nur die Spitze des Eisbergs ist. Im Zentrum der mysteriösen Vorkommnisse steht die Studentin Ellie, deren Weg in Harrys Leben mit einer Reihe von fragwürdigen Zufällen gepflastert ist. Die sexuelle Chemie der beiden Hauptcharaktere, die im späteren Handlungsverlauf an Wichtigkeit zunimmt, wird von Roy Scheider und Janet Margolin ebenso knisternd wie merkwürdig auf die Leinwand gebracht. Dieser Tage ist ein Film wie TÖDLICHE UMARMUNG vor allem ein nostalgisches Erlebnis. In Zeiten der überladenen Hollywood-Blockbuster oder anderer, blut- und herzlos produzierter Massenware erinnert ein älteres Stück wie dieses an eine andere Ära des Kinos, in der es genügte, eine spannende Geschichte ohne viel Umwege oder Schnörkel zu erzählen.
 
 
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TÖDLICHE UMARMUNG – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Als einer der ersten Einsätze des amerikanischen Regie-Veteranen Jonathan Demme ist TÖDLICHE UMARMUNG auf jeden Fall einen Blick wert. Die zunächst simple Geschichte des traumatisierten Geheimagenten entfaltet sich nach und nach zu einem spannenden und unterhaltsamen Film, der älteren Semestern oder Freunden der Filmkost der späten 70er auch heute noch ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht zaubern dürfte und außerdem die eine oder andere Assoziation zum Werk eines Alfred Hitchcock schafft.
 
 
 


 
 
 

TÖDLICHE UMARMUNG – Zensur

 
 
 
Im letzten Jahr wurde der Film von der antiquierten 18er-Freigabe auf die immer noch recht strenge 16er-Freigabe heruntergestuft. Der Film bietet weder explizite Gewalt noch Sexualität. Höchstens Elemente der düsteren Hintergrundstory könnten die Freigabe ab 16 Jahren rechtfertigen.
 
 
 


 
 
 

TÖDLICHE UMARMUNG – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) OFDB Filmworks

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Last Embrace; USA 1979

Genre: Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 102 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase im Schuber und Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 17.02.2015

 

Tödliche Umarmung [Blu-ray] ungeschnitten bei AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

TÖDLICHE UMARMUNG – Trailer

 
 


 
 

Timo Löhndorf

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(Die Rechte aller verwendeten Grafiken in dieser Review liegen bei OFDB Filmworks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sabotage (1936, Hitchcock)
 
Der unsichtbare Dritte (1959, Hitchcock)
 
Die Spur des Falken (1941, Huston)

Filmreview: „Die Mächte des Wahnsinns“ (1994)

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DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS

Story

 
 
 
Horrorautor Sutter Cane (Jürgen Prochnow) ist der weltweit beliebteste und erfolgreichste Schriftsteller. Jedes seiner Bücher wird über Nacht zum Bestseller. Doch was seine unheimlichen Romane mit seinen Lesern anrichten, will keiner so recht für möglich halten. Als Sutter Cane eines Tages spurlos verschwindet, wird der zynische Versicherungsdetektiv John Trent (Sam Neill) von Canes Verlag damit beauftragt, den Autor und damit sein neuestes Werk, „Die Mächte des Wahnsinns“ wiederzufinden. Begleitet von Canes Lektorin Linda Styles (Julie Carmen), macht sich Trent auf die Suche nach dem verschollenen Schriftsteller, und gerät auf seiner Reise immer tiefer in einen Strudel aus Unwahrheiten und Dingen die sich logisch nicht erklären lassen. Schon bald lassen sich Wirklichkeit und Fiktion nicht mehr voneinander trennen…
 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Kritik

 
 
 
Die 90er Jahre – das Jahrzehnt, das den Auftakt zum digitalen Zeitalter darstellt und in dem sich so manch aufsehenerregendes Ereignis zutrug. Der Sturm auf die Davidianer in Waco (1993), das Bombenattentat in Oklahoma City (1995), der Giftgasanschlag in einer tokioter U-Bahn (1995), der Massensuizid der Heaven’s Gate Sekte (1997), der Komet Hale-Bopp (1995-1997), der Amoklauf von Jonesboro (1998), Woodstock (1999), der Amoklauf an der Columbine Highschool (1999), die Sonnenfinsternis (1999) und natürlich die Angst vor dem Y2K-Milleniumbug…
Es war ein verrücktes, buntes und streckenweise düsteres Jahrzehnt, voller Gräueltaten, spektakulärer Naturphänomene und einer unterschwelligen Unsicherheit aus Angst vor der Jahrtausendwende. Diese zeigte sich nicht nur in abstrusen Weltuntergangsverkündungen, sondern auch in Form einer leichten Technophobie. Was erwartet uns im digitalen Zeitalter und wie werden wir uns dort zurechtfinden? Eine vermeintliche Antwort hier drauf hatte der Medienkritiker Jean Baudrillard, der im Jahre 1984 seine Schrift „Das Jahr 2000 findet nicht statt“ veröffentlichte. Die Kernaussage dieses Werkes ist, dass im neuen Jahrtausend Fiktion und Simulation so weit in die Realität vorgedrungen sein werden, dass diese nicht mehr stattfindet. Und wo stehen wir heute? Unser Verhältnis und das blinde Vertrauen zum Fernsehen, unseren Smartphones und dem Internet. Inwiefern kann man noch behaupten, in einer vollkommen realen Welt zu leben, oder inwiefern kann man sagen, dass unser Leben nur noch online via Facebook, Twitter oder What’s App stattfindet? Mit teils apokalyptischen Konzepten versuchte das Hollywood der 90er Jahre diese Frage auf verschiedenste Arten zu beantworten. Ob in Form eines Dramas wie DIE TRUMAN SHOW (1998) mit Jim Carrey, in Form von Action- und Sci-Fi-Filmen wie VERNETZT – JOHNNY MNEMONIC (1995) mit Keanu Reeves, James Camerons TERMINATOR 2 – TAG DER ABRECHNUNG (1991), der ordentlich aufgepeppten Stephen King-Verfilmung DER RASENMÄHERMANN (1992), samt der Fortsetzung DER RASENMÄHERMANN 2 – BEYOND CYBERSPACE (1996) oder dem Klassiker MATRIX (1999), alle Filme machten sich die Themen Technik, Simulation, „Was ist Realität?“ und der damit verbundenen Gefahr zum Mittelpunkt der Geschichte. Doch auch das Horror-Genre schreckte in den 90er Jahren nicht davor zurück diese Entwicklung möglichst fantasiereich auszuschlachten und Realität und Fiktion verschwimmen zu lassen. So sind wohl die bekanntesten Vertreter dieser Art Filme Wes Cravens SCREAM (1996), samt SCREAM 2 (1998) und eine weitere Geschichte des Regisseurs, WES CRAVEN’S NEW NIGHTMARE (1994), welcher sogar noch zwei Jahre vor SCREAM in die Kinos kam. Zwar haben die 90er das Genre des Meta-Horrors nicht neu erfunden, aber ganz entscheidend begründet. Es gibt jedoch einen weiteren Film, der über die Jahre hinweg bei den Meisten in Vergessenheit geraten ist, und erst jetzt eine Art Renaissance durchlebt, so, wie es beinahe jeder Film des Regisseurs tat. Die Rede ist von John Carpenter und seinem letzten Meisterwerk DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS (1994).
 
John Carpenter in den 90er Jahren. Gerade als er sich mit DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT (1987) und SIE LEBEN (1988) wieder ein festes Standbein im Bereich des Independentfilms geschaffen hatte, übernahm er den Posten des Regisseurs bei der großen Studioproduktion JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN (1992), mit Chevy Chase, Daryl Hannah und Sam Neill. Doch auch im neuen Jahrzehnt meinte es Hollywood nicht gut mit Carpenter. Der Film floppte gnadenlos an den Kinokassen und ließ den Regisseur erneut gekränkt zurück. Allen Bemühungen zum Trotze kam der Film nicht beim Kinopublikum an. Heute sieht das, wie bei vielen von Carpenters Filmen, anders aus. Doch schaut man sich JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN etwas genauer an, erkennt man, dass John Carpenter hiermit eine breitere Masse ansprechen wollte. Abgesehen davon, dass der Film eine für Carpenter recht untypische Geschichte erzählt, lässt sich nur schwer die Handschrift des Regisseurs erkennen, was Bild und Musik (welche diesesmal nicht von John Carpenter, sondern von Shirley Walker komponiert wurde) angeht.
 
Während John Carpenter damit beschäftigt war JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN auf die Beine zu stellen, wurde der Regisseurin Mary Lambert ein Drehbuch von Michael De Luca angeboten, welches den Titel IN THE MOUTH OF MADNESS (der amerikanische Originaltitel von DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS) trug. Doch diese lehnte ab, da sie sich zuerst mit FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2 (1992) beschäftigen wollte. Schließlich landete das Skript wieder in den Händen von John Carpenter, der es bereits 1988 gelesen hatte, sich aber nicht ganz sicher war, ob er diesen Film bewerkstelligen könne. Letztendlich sagte Carpenter, zu großen Freude von Drehbuchautor Michael De Luca, zu. Bei DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS handelte sich um eine Hommage an die unheimlichen Geschichten des amerikanischen Schriftstellers und Meister des Horrors H.P. Lovecraft, den Carpenter so sehr verehrte. Eine Geschichte in der Realität und Fiktion immer stärker verwischen, bis man nicht mehr darüber urteilen kann, was Wirklichkeit ist und was nicht.
 
Die Hauptrolle wollte Carpenter unbedingt mit Sam Neill besetzten, womit das produzierende Studio New Line Cinema jedoch nicht einverstanden war. Letztendlich überzeugte John Carpenter die Verantwortliche aber mit dem Argument, dass Sam Neill gerade einen großen Erfolg mit JURASSIC PARK (1993) feierte und er einige Zuschauer mehr ins Kino locken würde. Carpenter selbst hielt dieses Argument für totalen Unsinn, doch bekam er damit New Line rum, die sich plötzlich doch mit Sam Neill in der Hauptrolle anfreunden konnten. Die Dreharbeiten zu DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS verliefen laut Carpenter ohne größere Schwierigkeiten. Doch der Schnitt des Filmes, stellte sich als große Herausforderung heraus. Zusammen mit seinem Editor Edward A. Warschilka, mit dem Carpenter seit BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA (1986) sechs Mal zusammenarbeitete, machten sich die beiden ans Werk um eine Struktur ins Chaos zu bringen, was angesichts der recht komplexen Geschichte gar nicht so einfach war. Besonders hervorzuheben ist hier die Szene, in welcher die Hauptfigur John Trent (Sam Neill), auf der Couch sitzt, Bücher liest und sich in einem Traum-im-Traum-Durcheinander verstrickt. Diese Szene zu schneiden, sagte Carpenter, war für ihn und seinen Editor der reinste Horror.
 
DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS startete am 3. Februar 1995 in den amerikanischen Kinos, und ging sofort am Boxoffice unter. Auch hierzulande (der Film startete bei uns am 23. Februar 1995), sah sich kaum einer Carpenters neuesten Streifen an. Filmkritiker Roger Ebert schrieb damals: „One wonders how „In the Mouth of Madness“ might have turned out if the script had contained even a little more wit and ambition“, und zeigte sich ebenfalls wenig beeindruckt. Man muss allerdings dazu sagen, dass Ebert allgemein kein gutes Haar an Carpenters Filmen ließ und Werke wie DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982) oder BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA (1986) verschmähte.
 
Doch wie ist es fast 20 Jahre später um John Carpenters vielschichtigen Horrorfilm bestellt? Auch hier trifft der Satz „Das Blatt hat sich gewendet“ den Nagel auf den Kopf. Früher als Flop vom Publikum abgelehnt, wird DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS heutzutage u.a. als einer der cleversten und intelligentesten Horrorfilme aller Zeiten bezeichnet und von Fans und Kritikern gleichermaßen gelobt. Zurecht! Schafft es John Carpenter hier erneut eine starke mysteriöse Atmosphäre aufzubauen und den Zuschauer auf eine sehr erfrischende und clevere Art und Weise das Fürchten zu lehren. Anders als seine vorherigen Filme, arbeitet DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS mit verschiedenen Erzählstrukturen (Prolepse und Analepse), und stellt sich zum Ende hin selbst in Frage. Was haben wir uns da eigentlich gerade angesehen? Nur auf sein altes Motiv, das Monster niemals ganz zu zeigen, greift Carpenter wieder zurück, was dem Film jedoch nur zu Gute kommt, handelt es sich bei der Bedrohung um etwas fast schon Ungreifbares. Auch wenn Carpenter sagte, er wollte mit seinen Filmen niemals bewusst einen politischen Standpunkt vertreten, oder sich kritisch der Gesellschaft gegenüber äußern (mit großer Ausnahme von SIE LEBEN), so finden sich auch in DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS zahlreiche gesellschafts- und medienkritische Motive wieder. Der Horrorautor dem blind vertraut, und der wie eine Art Gott behandelt wird. Die ahnungslosen Leser, welche hysterisch von den Läden Schlange stehen um die neueste Ausgabe der beliebten Horror-Romane zu ergattern. Der Verlag, den es reichlich wenig interessiert welchen Effekt die Bücher auf die Leute haben, solange die Verkaufszahlen stimmen. Auch stellt uns der Film die Frage, welche Macht eigentlich Kunst bzw. Fiktion haben, und ob man Allem was neu und beliebt ist wirklich blind vertrauen darf. Es wäre schön gewesen, hätte der Film ein größeres Budget gehabt. Denn von der Massenhysterie der Leser die sich über die Lande erstreckt, sieht man nur sehr wenig. Verbildlicht wird dies immer nur in kurzen Fernseh- oder Radioberichten. Schauspielerisch bekommt man einen gewohnt guten Sam Neill zu Gesicht, sowie Julie Carmen, Jürgen Prochnow und Charlton Heston in etwas kleineren Rollen.
 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Mit DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS hat John Carpenter seinen letzten großartigen Film abgeliefert. Waren einige der folgenden Werke ebenfalls noch ziemlich unterhaltsam, kam keiner von Carpenters Spätwerken an die Klasse seiner 1994er H.P. Lovecraft-Hommage heran.
 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Zensur

 
 
 
Alle in Deutschland existierenden Fassungen von DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS sind komplett ungeschnitten und tragen seit seinem Kinostart das FSK16-Siegel. Im Jahr 2000 erschien von BMG Video eine Pressung auf DVD, welche fälschlicherweise das FSK 18-Siegel auf dem Cover trug. Weder diese Fassung, noch die 1998 erschienene Videokassette von X-Vision, deren Cover mit der Beischrift „Director’s Cut“ versehen war, enthalten längere Fassungen des Filmes. Seit dem 25. Oktober 2013 ist DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS hierzulande auf Blu-ray Disc von Warner erhältlich. Bild und Ton liegen in guter Qualität vor und heben sich deutlich von der DVD ab.
Einziger Wehmutstropfen ist das fehlende Bonusmaterial. Sowohl die zwei kleinen Making of Feauturettes der BMG Video DVD fehlen, sowie die Interviews mit den Schauspielern. Auch das Interview mit Greg Nicotero, welcher für die Special Makeup Effects zuständig war, ist weiterhin nur auf der französischen DVD von Metropolitan vorzufinden.
 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: In the Mouth of Madness; USA/Kanada 1994

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch (Hörfilmfassung) DD 2.0, Französisch DD 2.0, Italienisch DD 2.0, Japanisch DD 2.0, Spanisch DD 2.0, Lateinamerikanisches Spanisch DD 1.0

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Spanisch, Französisch, Italienisch

Bild: 2.40:1 (1080p), 24Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray ohne Wechselcover

Extras: Audiokommentar von John Carpenter und Gary B. Kibbe, US-Kinotrailer (ca. 1:47)

 
 
 

Die Mächte des Wahnsinns [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Trailer

 
 
 


 
 

Sam Freissler

 
 
 
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Die Fürsten der Dunkelheit (1988)

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Filmreview: „Sanitarium – Anstalt des Grauens“ (2013)

sanitarium2013
 
 
 

SANITARIUM

ANSTALT DES GRAUENS

Story

 
 
 
Eine psychiatrische Klinik erhält drei neue Insassen. Für Dr. Stenson (Malcolm McDowell) Grund genug, sich einen ersten Eindruck von den Patienten zu verschaffen und ihre Schicksale zu beleuchten …
 
 
 


 
 
 

SANITARIUM – Kritik

 
 
 
Nach den beachtlichen Erfolge von Filmen wie V/H/S und THE ABCS OF DEATH war es nur eine Frage der Zeit, bis ein nächster dieser aktuell mal wieder so beliebten Kurzgeschichtensammlungen das Licht der Filmwelt erblicken sollte. In Expertenkreisen auch als Anthologien betitelt, finden derartige Episodenfilme vor allem unter Horrorfilmfans immer ihre Befürworter. Verwunderlich ist das natürlich nicht, genießen nicht wenige dieser Filme heute Kultstatus (CREEPSHOW, TALES FROM THE CRYPT, NECRONOMICON) und sind aus dem Genre nicht mehr wegzudenken. Grund genug mit SANITARIUM einen weiteren dieser Filme ins Rennen zu schicken, auf dass dieser Beitrag gleichen Erfolg verbuchen wird, wie die vielen beliebten Horror-Episodenfilme der 70er und 80er Jahre zuvor. Wie bereits im Beitrag ASYLUM (1972), verschlägt es den Zuschauer in eine Psychiatrie, wo ihm die Schicksale jüngst eingelieferter Patienten geschildert werden. Im Mittelpunkt der Gegebenheiten steht Dr. Stenson (MALCOLM MCDOWELL) Oberarzt der Klinik, der auch die Neuzugänge der Klinik überwacht. Als Erzähler agierend, erklärt er dem Zuschauer nun, wie die drei neuen Patienten ihren Weg in die Heilanstalt gefunden haben und verbindet so die einzelnen Segmente stimmig miteinander.
 
Künstler Gustav (vollkommen durchgeknallt: JOHN CLOVER) hat nicht nur die Haare schön, sondern verhält sich auch durchweg verhaltensauffällig. Er soll seine in tadelloser Handarbeit modellierten Puppen für ein stattliches Sümmchen verkaufen. Doch Gustav scheint es nicht über das Herz zu bringen, sein Lebenswerk zu veräußern. Fortan sprechen die Puppen mit ihm und zwingen ihm zu einen teuflischen Plan. Während der Überraschungsauftritt von Legende ROBERT ENGLUND im Segment mit dem Titel PATIENT 46 ein erschreckend frühes Ende nimmt, gefällt hier die liebenswerte Hommage an die berüchtigte PUPPET MASTERS-Reihe. Eine kleine Stop-Motion-Szene alter Schule erinnert an das grandioses-melancholische Animationskino eines TIM BURTON.
 
Die zweite Episode, PATIENT 26, berichtet vom traurigen Leben des Grundschülers Steven (DAVID MAZOUZ), der nicht nur vom eigenen Vater missbraucht, sondern auch von einem augenlosen Wesen mit spitzen Zähnen und gruseliger Kutte verfolgt wird. Klassenlehrerin Ms. Lorne (LACEY CHABERTZ) ahnt Schlimmes und will dem verschüchterten Jungen helfen; ist aber zur falschen Zeit am falschen Ort. PATIENT 26 ist mehrschichtiges Mystery-Kino, dass jedoch mehr Drama sein will als waschechter Horror. Auch wenn der Zuschauer hier Zitate aus berüchtigten Schockern entdecken wird (Schulszene aus HALLOWEEN) so ist diese Episode vollgestopft mit psychologischen Deutungen und Sinnbildern, die durchaus Diskussionsgrundlage bieten dürften.
 
Die letzte Geschichte handelt von Professor James Silo (beachtlich paranoid verkörpert von LOU DIAMOND PHILLIPS), der den Untergang der Welt kommen sieht und einen Luftschutzbunker für sich und seinen Familie im Garten bauen lässt. Letztendlich kommt jedoch alles anders als erwartet und der Zuschauer erlebt eine erschütterndes Story, die in einem unglaublich depressiven Ende gipfelt.
 
SANITARIUM ist einer jener Filme, der die Horrorfilmwelt in zwei Lager spalten dürfte und nicht bei jedem Zuschauer auf Zustimmung stoßen wird. Schuld daran dürfte vor allem das reißerisch gestaltete Filmplakat sein, dass eine gänzliche falsche Erwartungshaltung schürt. Horror wird hier nur vage zum Thema gemacht. Stattdessen wird der Filmfreund mit drei ziemlich erschütternden Tragödien konfrontiert, die in ihrer Gesamtheit schon arg aufs Gemüt schlagen. Hier werden drei Schicksale vermeintlich geistig gesunder Menschen geschildert, die am Ende unfreiwilligerweise in der Psychiatrie landen. In SANITARIUM wird die Langsamkeit neu entdeckt. Die drei Regisseure BRYAN ORTIZ, BRYAN RAMIREZ und KERRY VALDERRAMA lassen sich viel Zeit mit dem Erzählen ihrer Geschichten. Ekelhaftes Gemetzel und plakativen Schrecken sucht man hier vergebens. Stattdessen haben die Protagonisten ausreichend Zeit, sich zu entwickeln, was sich vor allem beim typischen Genre-Publikum in gähnender Langeweile äußern dürfte. Wer SANITARIUM jedoch mit einer ganz anderen Erwartungshaltung goutiert, erlebt einen der vermutlich besten Anthologie-Streifen der letzten Zeit. Vor allem der außerordentlichen Schauspielleistung von JOHN CLOVER und LOU DIAMOND PHILLIPS ist es zu verdanken, dass sich der Film vom typischen Einheitsbrei abzuheben weiß und letztendlich durch Mark und Bein geht. Selten hat man einen so depressiven Genre-Beitrag gesehen, der wegen und auch trotz seiner dramalastigen Inszenierung ein Gefühl des Unbehagens auslöst. Wer eine Schwäche für psychologischen Horror besitzt und mit der teilweise gemächlichen Inszenierung leben kann, sollte sich ausreichend Zeit nehmen, das vorliegende SANATARIUM zu besuchen. Mit fast zwei Stunden Spielzeit ist diese Kurzgeschichtensammlung nicht gerade kurz. Auch wenn der vorliegende Psychotrip so ziemlich speziell ist, verdient er es definitiv, von jedem offenen Horrorfilmfan gesehen werden.
 
 
 


 
 
 

SANITARIUM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Düster, makaber und doch so wunderschön! Eine sonderbare und vollkommen unkommerzielle Anthologie, die mit ähnlichen Filmen rein gar nicht vergleichbar ist. Ein herrlich melancholischer, stellenweise fast schon depressiver Psychotrip, der jedem offenen Horrorfilmfan zu empfehlen ist. SANITARIUM ist vermutlich kein Meisterwerk, weiß sich aber erfrischend vom üblichen Horror-Einerlei abzuheben.
 
 
 


 
 
 

SANITARIUM – Zensur

 
 
 
SANITARIUM ist eher Drama als Horror. Blut oder Gewalt gibt es hier nur selten zu sehen. Von daher dürfte der Film in Deutschland keine Probleme in seiner ungeschnittenen Form erhalten und bereits für Jugendliche geeignet sein. Die hiesige Heimkinoauswertung von SANITARIUM wurde mit dem blauen FSK16-Flatschen von der Zensurbehörde freigegeben. Aufgrund der Trailer im Bonusmaterial ist die Scheibe jedoch erst für Volljährige zu haben: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

SANITARIUM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sanitarium; USA 2013

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1

Laufzeit: ca. 113 Min.

FSK: Film: FSK 16 (ungeschnittene Fassung) – BD aufgrund Bonusmaterial: keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 24.03.2015

 
 

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SANITARIUM – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Asylum (1972)

Insanitarium (2008)

Creepshow – Die unheimlich verrückte Geisterstunde (1982)

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Psych:9 (2010)

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