Filmkritik: „Sharknado – Genug gesagt!“ (2013)

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SHARKNADO – GENUG GESAGT!

(SHARKNADO | DARK SKIES)

Story

 
 
 
Im berüchtigten „Sharknado“ geraten Haie ins Landesinnere und bemerken, dass sie dort viel leichter an Menschenfleisch gelangen, als im Meer.

 
 
 


 
 
 

SHARKNADO – Kritik

 
 
Es war wohl der Filmhype des Jahres 2013: „Sharknado“! Mit Sprüchen wie „schlechtester Film aller Zeiten“ wurde um sich geworfen und die Produktionsfirma aus der Gruft „The Asylum“ konnte sich freuen. Der amerikanische Fernsehsender Syfy sicher auch, denn der gab den Film in Auftrag. Als bei Wiederholungen die Einschaltquote sogar noch stieg, brachte es „Sharknado“ tatsächlich noch ins Kino. Doch woher kommt dieser Erfolg? Trashige Haifilme gab es auch zuvor schon und es scheint so, als wollten die Macher sich gegenseitig immer weiter toppen mit bescheuerten Ideen. Weil die Grundprämisse so absurd klingt, war das Interesse wohl einfach enorm hoch. Dabei bekommt man es aber keineswegs mit einem der schlechtesten Filme aller Zeiten zu tun. Nein, „Sharknado“ besitzt sogar einige Qualitäten, ist nebenbei aber gar nicht mal so abgefahren, wie der Titel es verspricht, weshalb mehr als ein durchschnittliches Trash-Vergnügen nicht drin ist.
 
 
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Ein Tornado zieht auf und er befindet sich auf dem Weg nach Los Angeles. Unterwegs nimmt er mal eben einen russischen Fischkutter mit, in dem sich viele Haie befunden haben. Die befinden sich jetzt alle im Tornado und als dieser in Los Angeles ankommt, wimmelt es im Landesinneren schon bald nur so von diesen Haien. Für eine Gruppe von Menschen, angeführt vom Barbesitzer Fin, beginnt der Kampf ums Überleben. Der Titel erklärt eigentlich schon worum es geht und die Grundidee, eine Naturkatastrophe mit Tierhorror zu verbinden, klingt erst mal gar nicht so verkehrt. Natürlich bietet „Sharknado“ dann völligen Mumpitz. Lustig ist jedoch, dass es 2017 einen Fall in Australien gab, wo ein Hai wirklich durch einen Zyklon an Land gelangte. Das nutzten die Macher natürlich für sich, aber trotzdem bietet einem das Drehbuch absoluten Käse, den man nicht mit Logik betrachten sollte. Leider halten sich die wirklich absurden Ideen dabei aber sogar in Grenzen. Abgesehen vom abgefahrenen Finale, bietet die Story lange Zeit nur die skurrile Grundidee. Ein paar mehr Einfälle dieser Klasse wären jedoch nicht verkehrt gewesen.
 
 
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Wenn man an „The Asylum“ denkt, kommt einem sofort eine katastrophale Qualität in den Sinn. „Sharknado“ ist aber gar nicht mal so schlecht gemacht. Dass die Haie, sowie die meisten Effekte, allesamt aus dem Computer stammen, ist selbstverständlich, aber die CGI-Effekte sehen manchmal sogar halbwegs brauchbar aus. Manche sind natürlich auch peinlich. Dass man ständig einen Farbfilter verwendet hat, um das Unwetter authentischer zu gestalten, war allerdings keine gute Idee, denn dadurch erhält der Film einen sehr künstlichen Touch. Da man sowieso oft vor Green-Screens drehte, passt das hingegen fast schon wieder. Die Inszenierung ist an manchen Stellen gar nicht mal verkehrt. Besonders anfangs und im Finale machen die Szenen etwas her und allgemein hätte man hier mit einer handwerklich viel mieseren Arbeit rechnen dürfen. Überraschend ist auch der Unterhaltungswert, der zuweilen sogar richtig gut sein kann. Das erste Drittel lebt von einem sehr hohen Tempo und es ist immer etwas los. Lediglich im mittleren Teil kommen ein paar unnötige Längen auf, doch das actionreiche Finale entschädigt dafür wieder.
 
 
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Die vorhandenen Längen entstehen am ehesten, weil man sich zeitweise zu sehr auf die Figuren konzentriert, die nun mal nicht die größten Sympathien entstehen lassen. Zwar ist hier niemand als reines Kanonenfutter bzw. Haifutter konzipiert, aber wenn da von irgendeinem Trauma bezüglich Haie gequatscht wird, ist das trotzdem nicht sonderlich interessant. Von den Darstellern darf man in diesem Bereich sicher weniger erwarten, doch selbst hier übertrifft „Sharknado“ die Erwartungen. Ian Ziering funktioniert als Hauptfigur und er wirkt ganz sympathisch. Die Sache mit der gescheiterten Ehe bringt selbstverständlich nur weitere Klischees mit ins Geschehen, sorgt zwischenzeitlich aber für eine gewisse Dynamik. Tara Reid hat in dieser Reihe ja ihr neues zu Hause gefunden gehabt. Man kann von ihr halten, was man will, aber so schlecht macht sie ihre Sache nicht. Hinzu gesellt sich noch ein John Heard, den man wohl am ehesten aus „Kevin allein zu Haus“ kennt und die restlichen Darsteller fallen kaum auf – Weder im positiven, noch im negativen Sinne.
 
 
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SHARKNADO – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
„Sharknado“ ist weder so schlecht, noch so durchgeknallt wie sein Ruf. Lediglich die Grundprämisse ist völlig bescheuert, aber wer ein Trash-Gewitter erwartet, wird erst im gelungenen Finale fündig. Die billigen Computereffekte sind Hauptattraktion, sehen manchmal aber sogar ganz okay aus und die handwerkliche Arbeit kann man nicht verreißen. Auch die Darsteller gehen soweit in Ordnung. Nebenbei wird auch manchmal ganz gut gesplattert. Abgesehen von einem lahmen Mittelteil kann man sich sogar ganz solide unterhalten lassen, was an einem anfangs sehr hohen Tempo liegt. Wenn dann am Ende auch noch die Kettensäge herausgekramt wird, wird sich der Trashfan freuen. Am ehesten ist der Film auch für eben diesen zu empfehlen, denn wer einen richtig guten, ernsthaften Film erwartet, wird hier natürlich nicht fündig. Das Ganze ist aber eben auch niemals so grauenvoll, wie viele behaupten. Das berechtigt nicht unbedingt den Hype von damals, sorgt aber für einen durchschnittlichen Film, den man sich als No-Brainer durchaus mal ansehen kann!
 
 


 
 
 

SHARKNADO – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Sharknado – Genug gesagt!“ ist mit ihrer FSK16-Freigabe vollkommen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

SHARKNADO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (Steelbook Blu-ray – auf 1000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sharknado; USA 2013

Genre: Horror, Trash, Komödie

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Steelbook

Extras: HD-Bonusfilm: 2-Headed Shark Attack, Original Trailer, Making of, Gag-Reel, Trailershow

Release-Termin: Steelbook: 20.11.2020

 

Sharknado [Blu-ray + DVD im limitierten Steelbook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SHARKNADO – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sharknado 2 (2014)
 
Sharknado 3: Oh Hell No! (2015)
 
3-Headed Shark Attack – Mehr Köpfe = mehr Tote! (2015)
 

Filmkritik: „Living Among Us“ (2018)

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LIVING AMONG US

Story

 
 
 

Endlich geben sich die Vampire zu erkennen. Nach jahrhundertelangem Versteckspiel trauen sich die untoten Kreaturen an die Oberfläche und wollen einem Reporter-Team beweisen, dass man auch gesittet kann. Statt Menschen zu ermorden, will man Blut aus Blutbanken trinken. Ehrlich gemeint oder nur Schein, um die Weltherrschaft an sich zu reißen? LIVING AMONG US klärt auf.

 
 
 


 
 
 

LIVING AMONG US – Kritik

 
 
 
Vampire im Horror-Kino – das ist immer so eine Sache. Die meisten Zuschauer haben da vermutlich noch romantisierte Vorstellungen in den Köpfen und denken in erster Linie an so Schauspieler wie CHRISTOPHER LEE, die noch eher zurückhaltend und gesittet an den Hälsen junger, nackiger Frauen geknabbert haben. Mittlerweile hat sich auch im Vampirfilm der Wind gedreht. Da wird schon lange nicht mehr nur in Hälse gebissen. Vampire von heute kennen weder Skrupel noch Furcht. Die gehen mittlerweile mindestens genauso skrupellos zugange, wie Kultkiller-Kollegen MICHAEL MYERS oder JASON VOORHEES. Da werden Körper zerfetzt und munter filetiert. Filme wie 30 DAYS OF NIGHT oder BLADE geben den Takt vor. Auch der folgende Vampir-Streifen gehört zu dieser neuen Reihe von Blutsaugerfilmen, die den Staub der klassischen Vampir-Gruselfilmchen abklopfen wollen. Der nennt sich LIVING AMONG US und versucht den Vampirstoff in die Moderne zu transportieren. Das macht man zwar im Found-Footage-Stil – schlecht ist LIVING AMONG US deswegen aber nicht unbedingt.
 
 
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Trügerischer Frieden. In LIVING AMONG US haben sich die Vampire der Öffentlichkeit gestellt. Die haben bisher im Untergrund gelebt, wollen sich jetzt aber nicht mehr verstecken. Damit man nicht unschuldige Menschen töten muss, um Überleben zu können, wird unter den Vampiren die Forderung nach Blutbanken laut. An diesen Blutspendeeinrichtungen sollen sich nichtinfizierte Menschen Blut abzapfen lassen, damit sich die Vampir-Brut davon ernähren kann. Doch die Bevölkerung ist skeptisch, was Vampir-Botschafter Samuel dazu veranlasst Aufklärungsarbeit zu leisten. In Interviews mit der Presse stellt er klar, dass Vampire schon lange nicht mehr mörderisch sind und friedlich neben der Menschheit koexistieren können. Um die These zu bekräftigen, lädt er ein TV-Team in seine heiligen Hallen ein. Das sollen sich selbst ein Bild vom Alltag der Vampire machen. Doch die Einladung – man habe es geahnt – verläuft schnell in katastrophale Bahnen. Nach ersten Interviews mit den Vampiren wird es schnell ernst. Da beginnt plötzlich ein Wettlauf um Leben und Tod, der mal wieder vor Augen führt, dass Draculas Nachfahren noch immer raubtierähnliche Kreaturen sind.
 
 
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Was lange währt, wird irgendwann auf den Videomarkt geworfen. LIVING AMONG US ist ein waschechter Found-Footage-Film und wurde zu den Hochzeiten der Wackelcam-Ära im Jahre 2013 fertiggestellt. Knapp fünf Jahre später hat man den Streifen in Amerika ausgewertet. Alteingesessene Horrorfilmkenner haben da kein gutes Gefühl. Oft haben verzögerte Kinostarts oder verspätete Heimkinoauswertungen ihren Grund. Nicht selten sind nämlich die Leute hinter wenig von der Qualität ihrer Filme überzeugt. Doch an letzterer scheitert LIVING AMONG US nicht zwingend. Der Streifen gehört nämlich zu den besseren Filmen dieser Art. Das sollte dahingehend positiv hervorgehoben werden, weil das Found-Footage-Genre seit Jahren einen zweifelhaften Ruf genießt. Das schlechte Image kommt nicht von ungefähr. Schuld daran ist der fast schon inflationäre Gebrauch jener Stilelemente, die diese Filmgattung seit Anbeginn prägen. Das bedeutet in der Regel, dass man hier pseudodokumentarisches Filmmaterial untergejubelt bekommt, welches dem Zuschauer vorgaukeln will echt zu sein. Quasi: eine Dokumentation, die eigentlich gar keine ist.
 
 
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Was Ende der 1990er mit BLAIR WITCH PROJECT noch gut funktioniert, ist in Zeiten von Fake-News und alternativen Fakten eigentlich längst kalter Kaffee. Nach gefühlt tausenden Found-Footage-Filmen und den immer wieder gleichen Abläufen, Schreckmomenten und Kameraspielereien verursacht man bei Horrorfilmfans mehr Augenrollen, statt Vorfreude, wenn man über einen Found-Footage-Film berichtet. Eine traurige Entwicklung, die vor allem jene Found-Footage-Produktionen zu Unrecht straft, die dann doch versuchen wollen den Zuschauer zu unterhalten. Dazu gehört freilich auch LIVING AMONG US, der innerhalb erwähnten Subgenres keine üble Figur macht. Regisseur BRAIN A. METCALF legt nämlich ein ordentliches Tempo vor und hetzt den Zuschauer durch einen Film, der dem festgefahrenen Vampirfilm neues Leben einverleiben möchte. Schluss mit angestaubten Vampirklischees. Stattdessen versucht man dem Vampir-Mythos einer Frischzellenkur zu unterziehen in dem man dem Publikum mitteilt, dass Vampire von heute auch zeitgemäß leben können. Wir sehen weder Särge, die zu Betten umfunktioniert wurden, noch Knoblauch oder angebissene Hälse. Stattdessen wird eine moderne Horrorgeschichte erzählt, die grade wegen des Verzichts auf Vampirfilm-Klischees ganz solide unterhält.
 
 
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Eigentlich ganz brauchbare Gruselunterhaltung. Wäre da nicht der Dauerbeschuss nerviger Found-Footage-Stilmittel. Die Kamera bleibt zwar weitestgehend konstant, sodass man der Handlung gut folgen kann. Was aber nervt, ist der übertriebene Einsatz von Störsignalen und Bildrauschen. Die wirken dahingehend unnötig, weil selbst aktuelle Smartphones fehlerfrei in HD aufnehmen können. Wozu dann das Einspielen der ständig gleichen Pixel- und Störeffekte? Wir leben doch nicht mehr in Zeiten qualitativ minderwertiger VHS-Bänder. Ansonsten kann LIVING AMONG US zweifelsohne mehr, als die üblichen Verdächtigen. Der Film hat einige sehenswerte Spezialeffekte zu bieten, die natürlich aus dem Computer stammen und ein letzter Auftritt von JOHN HEARD erfreut. Der Vater von Kevin aus dem Kultstreifen KEVIN – ALLEIN ZU HAUS starb 2017 im Alter von 71 Jahren. Wenige Monate nach seinem Tod brachte man LIVING AMONG US in . Ein Schelm, wer denkt, dass im Zuge der traurigen Umstände noch schnelles Geld verdient werden sollte.
 
 


 
 
 

LIVING AMONG US – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kurzweiliges Filmvergnügen, mit gelungenen Spezialeffekten. Was ganz harmlos beginnt, entwickelt sich bald zu einem hektischen Überlebenskampf. LIVING AMONG US ist einer der wenigen Found-Footage-Filme, der sich dem Horror-Subgenre des Vampirfilms annimmt. Die Klischees klassischer Vampir-Streifen werden für diese Mockumentary kurz abgelegt, was vor allem jenen gefallen dürfte, die mit so schaurigem Vampir-Grusel gar nichts anfangen können. Von letzterem hat es rein gar nichts in diese Produktion geschafft. Stattdessen gibt es kurzweilige aber auch nicht unbedingt tiefgründige Unterhaltung für die Generation NETFLIX, die sich vor allem durch hektische Schnitte, viel Panik und plakativen Effekten auszeichnet. Regisseur BRAIN A. METCALF macht Nägel mit Köpfen und legt dabei ein ordentliches Tempo an den Tag, vor allem im letzten Drittel auch mal den Puls rasen lässt. Das macht LIVING AMONG US zu einem brauchbaren Wackelcam-Film für ausgehungerte Genrefilm-Fans, die ohne ihre tägliche Ration Horror nicht einschlafen können.
 
 
 


 
 
 

LIVING AMONG US – Zensur

 
 
 
LIVING AMONG US ist trotz Vampir-Thematik jetzt nicht unbedingt zeigefreudig was die Schauwerte betrifft. Es verbrennen einige Vampire durch Sonneneinstrahlung. Ein weibliches, menschliches Opfer wird von Vampiren mit Messern bearbeitet, damit die Kreaturen besser ans Blut kommen. Weiterhin gibt es eine Szene zu sehen in der sich ein Vampir freiwillig den Arm verbrennen lässt, in dem er ihn dem Sonnenlicht aussetzt. LIVING AMONG US dürfte eine FSK16 in ungeschnittener Form erhalten.
 
 
 


 
 
 

LIVING AMONG US – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Red Compass Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Afflicted (2013)
 
The Monster Project (2017)
 
Black Water Vampire – Die Nacht des Grauens (2014)
 

Review: „Tödliches Spiel – Would you Rather?“ (2012)

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Tödliches Spiel – WOULD YOU RATHER?

Story

 
 
 
Um die wichtige Operation ihres krebskranken Bruders finanzieren zu können, lässt sich die hilfsbereite und rücksichtsvolle Iris von einem ihr unbekannten Milliardär namens Lambert überreden, an einer seiner großzügigen Veranstaltung teilzunehmen. Dort können interessierte Gäste eine großzügige Summe Geld verdienen, wenn sie sich nur dazu bereit erklären, an einem eigens von Lambert entwickelten Spiel mitzuspielen. Unwissend, was den Teilnehmern nach ihrer Zusage erwartet, willigen die ahnungslosen Gäste ein in der Hoffnung, jene Veranstaltung mit einer gefüllten Brieftasche verlassen zu können. Hierfür werden die Räumlichkeiten verschlossen und jedem Spieler die Aufgabe erteilt, entweder sich selbst physische Schmerzen zuzufügen oder einen der anwesenden Gäste zu verstümmeln …
 
 
 


 
 
 

WOULD YOU RATHER – Kritik

 
 
 
Das dreckige Tortur-Kino der 70er Jahre ist einfach nicht totzukriegen. Nach einem geglückten, generalüberholten und äußerst sadistischen Revival, dass durch Filme wie das TEXAS CHAINSAW MASSACRE, HOSTEL und SAW im Jahre 2003 eindrucksvoll ins Leben gerufen wurde und an brutaler Zeigefreudigkeit kaum zu übertreffen war, folgten bisher unzählige Plagiate, die mal mehr und mal weniger überzeugen konnten. Ob bei lebendigen Leibe zersägt, schaufreudig gefoltert oder lukrativ gehäutet – kaum eine perfide und präzis-dokumentierte Todesart wurde hierbei ausgelassen, um auch ja der sensationsgeilen Erwartungshaltung angehender Hobby-Masochisten gerecht werden zu können. Nach dem (eigentlich) abschließenden siebenten Teil des bekannten SAW-Franchise wurde es verdächtig „handzahm“ und ruhig um die expliziten und (teilweise) menschenverachtenden Tortur-Reißer, sodass es vermutlich Liebhaber dieses zweifelhaften Sub-Genres erfreuen dürfte, dass nun im Zuge der langsam abebbenden Folter-Welle ein weiterer Indie-Kandidat ins Rennen geschickt wurde, um einmal mehr die stahlharten Nerven unterversorgter Horrorfilmfans auf die Probe zu stellen zu dürfen. Erstaunlicherweise reduzieren sich die bisher letzten Veröffentlichungen jener Art (TRUE OR DARE, VILE, THE HELPERS, SCHLARAFFENHAUS) nicht mehr allein nur auf das blutige Ausreizen perverser Gewaltakte, sondern verfrachten das derbe Zurschaustellen abartiger Grausamkeiten auf vordergründig psychischer Ebene, wie es bereits in den Werken der experimentierfreudigen 70er Jahre der Fall gewesen war. Der krude Horror-Folterporno von Heute scheint eine Kehrtwende eingeschlagen zu haben und sich zu seinen Wurzeln zurückbegeben zu wollen, wobei nach wie vor auch heute noch der fragwürdige Ideenreichtum emsiger Filmemacher keine Grenzen findet. Und so werden grafisch ansprechende Folterakte weitestgehend in ihrer Blutgeilheit reduziert und mehr das Martyrium des Hauptdarstellers in den Mittelpunkt der Geschehnisse verfrachtet (MARTYRS), wobei deren Überlebenskampf sich unweigerlich auf den Gemütszustand des Zuschauers überträgt. Waren es vor mehr als 30 Jahren hauptsächlich Frauen, die in derart Filmen genüsslich gedemütigt, missbraucht und gequält wurden, so findet im „aufgeklärten“ und „toleranten“ 21. Jahrhundert eine Art geschlechtliche Gleichberechtigung statt, was zur Folge hat, das aktuell sogar auch männliche Protagonisten um ihr Überleben winseln, jammern und betteln dürfen.
 
Auch der vorliegende WOULD YOU RATHER ist einer dieser sagenumwobenen „Meisterwerke“, welche sich virtuos in die Reihe der Zurschaustellung perverser Abartigkeiten einzureihen weiß und sich mit allerhand moralisch zweifelhaften Interaktionen und den verstörten Denkstrukturen seiner Protagonisten beschäftigt. Dabei, und das sollte man diesem Film positiv anrechnen, erinnert sich Autor und Regisseur DAVID GUY LEVY zurück an die Glanzzeiten des allseits beliebten Terrorkinos und verfrachtet seine Geschehnisse in eine ansprechend düstere Umgebungskulisse, die in ihrem dreckigen Look teilweise an den Beginn des allseits beliebten Tortur-Kinos erinnert, welches in Filmen wie TEXAS CHAINSAW MASSACRE und LAST HOUSE ON THE LEFT seinen Anfang fand. Unüblicherweise wartet WOULD YOU RATHER mit einem ansprechenden Staraufgebot aus. War Hauptdarstellerin BRITTANY SNOW zuletzt noch munter trällernd und vor allem ungeniert jugendfrei im Teenie-Komödchen PITCH PERFECT unterwegs, so scheint sie ihr facettenreiches Schauspiel mit dem Auftritt in diesem Schreckensszenario erweitern zu wollen. Löblicherweise recht ambitioniert, scheitert doch ihre Rolle nicht an jenen stereotypen Verhaltensmustern, mit welchen man so oft in ähnliche Produktionen dieser Art konfrontiert wird. Ihr Verhalten durchzieht sich relativ glaubwürdig durch die dünne Handlung, auch wenn ihr das Drehbuch hin und wieder suspekte Denkphrasen eintrichtern möchte, die so rein gar nicht zu ihrem Charakter passen möchten. Neben Ex-Porostar SASHA GRAY, welche eine äußerst unsympathische Leidensgenossin miemt, dürften vermutlich alle Fans der Horrorlegende JEFFREY COMBS überrascht sein, dass einer der ganz großen Gerne-Helden der 80er Jahre sich für derart Quark hat überreden lassen. Dennoch bieten gerade Combs kongenialen Auftritte den eigentlichen Schauwert dieses fragwürdigen Tortur-Filmchens. Der Mann beweist einmal mehr, dass er es auch nach Kultfilmen wie RE-ANIMATOR und FROM BEYOND immer noch drauf hat, selbst dem miesesten Film das gewisse Etwas zu verleihen. Seine schwarzhumorigen Wortfloskeln bereichern den eigentlich vollkommen unwichtigen WOULD YOU RATHER ungemein, sodass die plumpe Foltergeschichte einen halbwegs seh- und ertragbaren Unterhaltungswert erreicht. Die Rolle des kompromisslosen Sadisten scheint Combs einmal mehr wie auf den Leib geschneidert zu sein und als Zuschauer spürt man regelrecht mit welcher Inbrunst der Schauspieler selbige lebt. Mit seinem Auftritt fällt und steigt der Qualitätsgehalt der Handlung und heben den zynischen Folter-Nonsens weitestgehend über den Durchschnitt.
 
TÖDLICHES SPIEL – WOULD YOU RATHER (so die deutsche Titelkreation) ist einer dieser Filme, die ihre Wirkung trotz aller Vorhersehbarkeit keinesfalls verfehlen. Zwar geht es hier nicht maßgeblich blutig zugange, trotzdem wirken einige Szenen aufgrund ihrer schonungslosen Kompromisslosigkeit erheblich hart, sodass vermutlich einige zartbesaitete Zuschauer flink zur Fernbedienung ihres Heimkino-Abspielgerät greifen dürften, um die gewalttätigen „Show-Einlagen“ leichter ertragen zu können. Die Protagonisten werden hierbei mit allerlei physischen und psychischen Unannehmlichkeiten konfrontiert, wobei sich der Film immer wieder die Frage stellt, wie kostbar letztendlich ein Menschenleben ist und wie weit jeder Einzelne gehen würde, um aus seinem selbstsüchtigen Handeln das meiste Kapital zu schlagen. Statt Augenmerk auf altbekannte Mordwerkzeuge, wie Kettensägen, Macheten und Schusswaffen zu legen, rücken hier traditionelle Folterinstrumente in den Mittelpunkt der Gegebenheiten. Neben einem primitiv zusammengewerkelten Fass gefüllt mit klarem Leitungswasser, finden sogar Silvesterraketen und Reitgerten vollkommen neue Einsatzgebiete. Zwar beginnt das muntere Treiben mit erheblich leichten Aufgaben (Vegetarierin soll Fleisch essen), diese bilden jedoch nur den Auftakt eines perfiden Sammelsuriums an kranken Ideen. Auch wenn der moralische Background durchaus Diskussionsstoff bietet, so wirkt das widerliche Szenario durchaus selbstzweckhaft, sodass die brenzliche Kontroversität des Themas im Zuge breit ausgewalzter Foltereinlagen vollkommen untergeht. Die Beweggründe der Gastgeber bleiben weitestgehend ungeklärt, sodass der Zuschauer mit allerhand Fragen zurückbleibt und nur darüber spekulieren kann, aus welchem Beweggrund Lambert diese Veranstaltung organisiert hat.
 
 
 


 
 
 

WOULD YOU RATHER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
WOULD YOU RATHER ist hartes Gewaltkino, das stahlharte Nerven voraussetzt. Ein moralisch fragwürdiges Filmchen, das aufgrund seiner kompromisslosen Darstellung ziemlich hart daherkommt. Zudem beweist JEFFREY COMBS einmal mehr, dass seine Auftritte selbst den miesesten Horrorfilm aufwerten können.
 
 
 


 
 
 

WOULD YOU RATHER – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von TÖDLICHES SPIEL – WOULD YOU RATHER hat Glück gehabt und den Segen der FSK erhalten. Die hat den Streifen ungeschnitten ab 18 Jahren (KJ-Freigabe) freigegeben. Eine etwas skurrile Entscheidung, fühlt sich die FSK bei derart Thematik nicht selten doch arg vor den Kopf gestoßen und verweigert die Freigabe sogar oftmals. Somit kann der Filmfreund bedenkenlos zugreifen und muss keinen Umweg übers Ausland in Kauf nehmen.
 
 
 


 
 
 

WOULD YOU RATHER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Would You Rather; USA 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Deutsch Dolby Digital 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Audiokommentar, Bildergalerie, Outtakes, Trailer

Release-Termin: 25.02.2014

 
 
 
Die hiesige FSK muss einen guten Tag gehabt haben, anders lässt sich wohl nicht erklären, dass der Folter-Schocker TÖDLICHES SPIEL – WOULD YOU RATHER ungeschnitten durch die Zensurinstanz gekommen ist. Anbieter MARITIM PICTURES hat sich dem Horrorfilm angenommen und veröffentlicht ihn auf einer brauchbaren Blaustrahl-Scheibe. Nach dem Einlegen geht’s auch gleich los. Der Zuschauer wird in ein äußerst liebloses Hauptmenü gelotst, das aus einer Aneinanderreihung von Szenen des Hauptfilms besteht und mit einer arg nervigen und sich ständig wiederholenden Melodie unterlegt wurde. Größeres Ärgernis bietet jedoch die unglaublich miserable deutsche Synchronisation, bei der einmal mehr die ewig gleichen Sprecher zum Einsatz kamen, die sonst auch bei Indie-Streifen aus dem Hause MARITIM PICTURES ins Mikrophon quasseln. Das raubt den Film erheblich die Atmosphäre und ist kaum zu ertragen. Besonders unglimpflich wurde JEFFREY COMBS deutsche Stimme gewählt, die ihren Text derart gelangweilt und kraftlos vom Teleprompter abliest, dass COMBS-Fans das kalte Grausen bekommen. Immerhin ist das Bild solide, das eher in erdige und farblose Töne getaucht wurde und durchaus annehmbar ist. Unter dem Menüpunkt „Extras“ werden dem Filmfreund eine kleine Anzahl an Boni geboten. Den Anfang macht eine animierte Slideshow, die aus Plakaten des Films besteht (rund 1 Minute, HD). Weiter geht’s mit 15 (!) Sekunden Outtakes (HD) und dem englischsprachigen Trailer (rund 2 Minuten, HD). Angerundet wird das Minibonuspaket mit einem filmbezogenen (und teilweise schweigsamen) Audiokommentar, bei dem aber Untertitel schmerzlich vermisst werden. Die gibt es übrigens nicht einmal für den Hauptfilm. Wer harte und professionell gewerkelte Folterfilme mag kann dennoch bedenkenlos zugreifen, zumal TÖDLICHES SPIEL – WOULD YOU RATHER ziemlich günstig zu haben ist und auch die Originaltonspur bereithält. Hier werden aber mangels deutscher Untertitelspur gute Englischkenntnisse vorausgesetzt. Wer übrigens immer noch nicht mit dem lästigen FSK-Sticker zurechtkommt, kann das Cover umdrehen, denn ein Wechselcover liegt anbei.
 
 
 

Tödliches Spiel – Would You Rather? [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

WOULD YOU RATHER – Trailer

 
 
 


 
 

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Ähnliche Filme:
 
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The Bunny Game (2010)

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