Filmkritik: „Bad Hair – Waschen, schneiden, töten“ (2020)

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BAD HAIR – WASCHEN, SCHNEIDEN, TÖTEN

(BAD HAIR)

Story

 
 
 
Nachdem sich Anna für ihre Karriere eine Flechtfrisur zugelegt hat, geht es beruflich steil nach oben, aber das echte Haar, welches verwendet wurde, führt ein unnatürliches Eigenleben.
 
 
 


 
 
 

BAD HAIR – Kritik

 
 
Man kennt die Prämisse am ehesten aus Short-Stories: Nachdem jemand eine Haartransplantation bekommen hat, führt das Haar ein mörderisches Eigenleben, weil es meistens von einem Mörder stammt. Das klingt nicht nur nach feinstem Trash, sondern bietet diesen meist auch. Umso überraschender kommt „Bad Hair – Waschen, schneiden, töten“ daher, denn er versucht sich als gesellschaftskritischer Horrorfilm, den man durchaus ernst nehmen kann. Das Resultat ist ambitioniert und weiß zu gefallen, besitzt im Endeffekt nur leider etwas zu viele Längen und etwas zu wenig Horror.
 
 
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Wir schreiben das Jahr 1989 und das Musikfernsehen boomt genau so sehr, wie die Black Music. Anna arbeitet seit geraumer Zeit bei einem solcher Fernsehsender und gibt sich alle Mühe aufzusteigen. Nachdem die Leiterin ausgetauscht wurde, bekommt Anna plötzlich die Gelegenheit ihr Können zu beweisen und begeistert die neue Chefin sofort mit einer guten Idee. Nur die Haare missfallen. Seit Anna in ihrer Kindheit einen Unfall mit ätzendem Haarfärbemittel hatte, trägt sie einen kurzen, natürlichen Afro, aber das ist optisch nicht angesagt. Um ihrer Karriere auf die Sprünge zu helfen, entscheidet sich Anna also für eine teure Flechtfrisur und danach läuft auch wirklich alles sehr gut, bis die junge Frau bemerken muss, dass mit ihrem neuen Haar etwas nicht stimmt.
 
 
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Wenn man die Grundprämisse hört, kann man nur erstaunt sein, wie ernst „Bad Hair“ doch daherkommt, denn der Geschichte um das lebendige Haar verleiht man einen stimmigen Hintergrund und zusätzlich wird das Ganze noch mit einer gehörigen Portion Gesellschaftskritik angereichert. Dass es als Afroamerikaner im Jahre 1989 nicht leicht war Karriere zu machen, glaubt man gerne. Dass es als Frau noch schwieriger war, ebenfalls. Dies wird hier gekonnt verarbeitet, aber zusätzlich noch erweitert, indem es allgemein um Oberflächlichkeit im Showbusiness geht. Daran hat sich innerhalb der gut 30 Jahre sicherlich nichts geändert, denn Optik zählt auch heute noch mehr, als die inneren Werte oder Talent. Das Drehbuch bedient sich an dieser Kritik, verpackt das leicht satirisch und kombiniert es mit einem skurrilen Horrorszenario, welches glaubwürdiger erscheint, als man anfangs vermuten darf.
 
 
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Für den afroamerikanischen Regisseur Justin Simien scheint dies eine Herzensangelegenheit gewesen zu sein. Er liefert mit „Bad Hair – Waschen, schneiden, töten“ erst seinen zweiten Spielfilm ab, schrieb das Drehbuch selbst und war auch noch an der Produktion beteiligt. Eine ambitionierte Sache also und die Inszenierung kann durchaus überzeugen. Der Film hatte sicherlich kein besonders hohes Budget, was man bei den Effekten manchmal leider etwas erkennen kann, aber handwerklich ist das trotzdem gelungen gestaltet. Dabei wirkt die Inszenierung über lange Zeit sogar erstaunlich bodenständig, was man von der Atmosphäre ebenfalls behaupten kann. Der Horror lässt sich nämlich Zeit. Die gesamte erste Hälfte über kreiert Simien eher ein Szenenbild der Fernsehmusiklandschaft und zusammen mit dem authentischen Soundtrack fühlt man sich wirklich zurückversetzt in eine Zeit, in der noch MTV geschaut wurde. Erst nach und nach gesellen sich die übernatürlichen Elemente mit hinzu und diese wirken anfangs immer noch verblüffend ernsthaft. Erst im letzten Drittel atmet „Bad Hair“ dann doch etwas die Luft vom Trash, verkommt dabei jedoch nie zur Lächerlichkeit.
 
 
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Es hätte insgesamt aber doch etwas mehr Horror geben dürfen, denn die richtigen Horrorszenen wurden zu dezent eingesetzt. Selbst wenn es in der letzten halben Stunde noch einiges davon zu sehen gibt, mag das niemals so richtig spannend werden und es mangelt einfach an packenden Szenen. Etwas mehr Gewalt hätte „Bad Hair“ sicherlich ebenfalls nicht geschadet. Die vorhandenen Morde sind kaum grafisch und Blut wird nur selten welches vergossen. Das verdient zwar seine Freigabe ab 16 Jahren, ist insgesamt aber zu harmlos. Dafür ging man mit dem Haar recht kreativ um und selbst wenn man die CGI-Effekte erkennen kann, sie hätten deutlich mieser sein können. Das kann man wohl auch vom Unterhaltungswert behaupten, der im Endeffekt doch zufriedenstellend ist, aber manch eine Länge in der ersten Stunde nicht verschweigen kann. Die Laufzeit ist mit 103 Minuten (mit Abspann) etwas zu hoch ausgefallen, denn nicht jede Szene hätte es gebraucht. Das Erzähltempo hätte man ruhig etwas flotter gestalten dürfen.
 
 
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Bleiben letztendlich noch die Darsteller, die für eine solche Produktion doch erfreulich gut ausgefallen sind. „Bad Hair“ kann sogar überraschend viele bekannte Namen bieten. Da es sich hier viel um Musik dreht, ist es nur authentisch, dass Musiker wie MC Lyte, Usher oder Kelly Rowland in kleinen Nebenrollen vorbeischauen. Mit Vanessa Lynn Williams ist ebenfalls eine bekannte Schauspielerin wie Musikerin vorhanden. Jeder macht seine Sache ordentlich und James Van Der Beek schaut als eine der wenigen weißen Schauspieler in diesem Werk auch mal kurz vorbei. Die Attraktion ist allerdings erst die Newcomerin Elle Lorraine, welche die Hauptrolle wirklich gut spielt. Sie macht ihre Sache sehr glaubhaft, bekommt selbst die Wandlung sehr authentisch hin und funktioniert somit prächtig. Von Lorraine dürfte man in Zukunft mit Sicherheit noch mehr sehen. Die Figurenzeichnung hingegen wirkt manchmal ein wenig plump, obwohl sie insgesamt gut getroffen wurde. Da werden viele Klischees verarbeitet, was der Satire nützt und viele Merkmale der Charaktere entsprechen mit Sicherheit der Realität, aber so richtig markant will das nicht wirken und es hätte „Bad Hair“ gar nicht mal so schlecht gestanden, wenn man hier noch mehr in die Tiefe gegangen wäre.
 
 


 
 
 

BAD HAIR – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Bad Hair – Waschen, schneiden, töten“ ist kein gewöhnlicher Horrorfilm und er erinnert mit seiner Herangehensweise etwas an die Werke von Jordan Peele. Das liegt vor allen Dingen an der gesellschaftskritischen Art und Weise und an dem Punkt der Rassendiskriminierung. Dass dies mit einem trashigen Szenario à la „mordendes Haar“ kombiniert wurde, klingt viel skurriler, als das Endresultat ausschaut. Dem Werk gelingt es nämlich durchaus ernst zu wirken und es bringt seine wichtige Botschaft auch gut herüber. Die Inszenierung stimmt, das Handwerk macht etwas her, die Darsteller überzeugen und Score, wie Soundtrack hören sich gut an. Was fehlt dem Werk im Endeffekt also? Besonders der Unterhaltungswert ist mit manch einer Länge gefüllt und intensiver Horror lässt sich ebenfalls deutlich zu selten blicken. Außerdem wechselt „Bad Hair“ am Ende von der Ernsthaftigkeit etwas zu sehr ins Trash-Gefilde. Das verhindert eine höhere Wertung, doch jeder, der an einer etwas anderen Version vom Body-Horror Interesse hat, bekommt mit diesem Produkt einen durchaus unkonventionellen Vertreter geboten, der es verdient gesichtet zu werden!
 
 


 
 
 

BAD HAIR – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Bad Hair – Waschen, schneiden, töten“ ist ungeschnitten und für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

BAD HAIR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) LEONINE (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Bad Hair; USA 2020

Genre: Horror, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 104 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 25.06.2021

 

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BAD HAIR – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Leonine)

 
 
 
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