Filmreview: „Sleep Tight“ (2011)

Sleep Tight (2011) Filmposter - Filmreview auf Filmcheck
 
 
 

Sleep Tight – Story

 
 
 
Cesár ist schon ein seltsamer Kauz. Tagsüber arbeitet er als vertrauensvoller Hausmeister und Pförtner in einem noblen Mehrfamilienhaus und steht stets jedem Besucher und Hausbewohner bei Fragen und Nöten hilfreich zur Seite. Doch des nachts zeigt er sein wahres Gesicht. Er schleicht sich unbemerkt in die Wohnungen der Mieter und treibt unverschämten und unterschwelligen Psychoterror mit den ahnungslosen Wohnungsbesitzern. Der Drang andere leiden zu sehen treibt ihn dazu, dass er eines Abends in die Wohnung der jungen Clara einbricht. Versteckt unter dem Bett wartet er bis die Unwissende eingeschlafen ist und narkotisiert sie mit einem Betäubungsmittel, um sicherzugehen, dass die junge Frau nicht merkt, wie er sich an ihr vergeht und ihre Wohnung manipuliert. Doch eines Tages bringt sie ihren neuen Freund mit in die eigenen vier Wände, ganz zur Überraschung von Cesár, der auf derart Zwischenfall rein gar nicht vorbereitet scheint und erneut unter ihrem Bett darauf wartet, bis die junge Frau eingeschlafen ist …
 
 
 


 
 
 

Sleep Tight – Kritik

 
 
 
Spanien scheint, neben Frankreich, so langsam das Mekka für überaus interessante Horrorfilmkost zu werden. Nach glattgeschliffenen Juwelen wie „Kidnapped“, der „[Rec]“-Reihe und dem hübsch düsteren Thriller „Julias Eyes“ dreht sich die spanische Genre-Maschinerie weiter produktiv im Kreise und wirft demnächst mit „Sleep Tight“ den nächsten genialen Horrorstreifen in die weltweiten Kinosäle.
 
Der horrorerprobte Jaume Balagueró, der zuletzt bereits mit den ersten beiden „[Rec]“-Teilen, sowie den Horrorthrillern „Darkness“ und „Fragile“ auf sich aufmerksam machte, hat sich diesmal wahrlich selbst übertroffen. Neben dem Zombieschocker „[Rec]“ ist sein aktuelles Werk „Sleep Tight“ das bisher Beste, was der Regisseur in seiner bisherigen Filmlaufbahn realisiert hat. Ich untertreibe nicht, würde ich behaupten, dass „Sleep Tight“ stellenweise sogar besser ist, als alle amerikanischen Thrillerproduktionen der letzten drei Jahre zusammen. „Mientras duermes“, so im Original ist kein gewöhnlicher Horrorfilm, vielmehr eine Mischung aus Thriller und zynischem Drama. Denn bis zur Filmhälfte scheint nicht nur Hauptdarsteller Cesár allerlei Schabernack mit den Hausbewohnern zu treiben, auch Regisseur Jaume Balagueró schafft es virtuos dem Zuschauer auf der Nase umherzutanzen.
 
Anfänglich noch als wehmütiges Opfer und bemitleidenswerte Kreatur betrachtet, entwickelt sich Cesár im Verlauf der Handlung zu einem wahrhaftig bösartigen und skrupellosen Psychopathen, der allein nur dadurch Befriedigung und Bestätigung seiner selbst findet, indem er das Leben anderer zerstört. Hauptdarsteller Luis Tosar ist als wirrer Schizzo einfach trefflich gewählt, verkörpert er gerade in seiner Darstellung als Cesár ein überaus mysteriösen Misch-Masch zwischen sympathischen Chaoten, dem man, aufgrund diverser Misserfolge im Leben, einfach nur tröstend in die Arme nehmen möchte und unberechenbaren und ausgemerzten Psycho. Der Wandel zwischen liebenswerten Chaoten zum emotionslosen Soziopathen, vollzieht sich unerwartet ab Filmmitte. Nachdem Clara ihren neuen Freund mit nach Hause bringt und Cesár erneut unter dem Bett auf die junge Frau wartet, gerät sein makabres Spiel aufzufliegen. Diese Szene ist mit Abstand das überhaupt genialste, was ich in letzter Zeit gesehen habe, da die Umsetzung dieser Schlüsselszene so überaus geschickt und schweißtreibend konstruiert wurde, dass selbst ich als erfahrener Filmseher gefühlten 300er Puls hatte. Der Begriff „Suspense“ dürfte nach Sichtung dieser Szene eine neuen Bedeutung finden und Parallelen zu den frühren früheren Werken eines Alfred Hitchcock sind unverkennbar. Da sich „Sleep Tight“ vorwiegend an Freunde spannender Thrillerunterhaltung richtet, dürften Splatterfreunde leider mit einem recht unbefriedigten Gefühl das Kino verlassen. Cesár´s Vorgehen andere Menschen ins Verderben zu reißen sind vordergründig subtiler Natur, und interessierte Filmfreunde sollten hier keine Gewaltspitzen, ähnlich die eines „Martyrs“, erwarten. Zum Ende hin fließt zwar etwas roter Lebenssaft, der aber nicht explizit und reißerisch gefeiert wird, sonder nur den hilflosen und beklemmenden Grundton des Filmes unterstreicht.
 
 
 
 
Regisseur Jaume Balagueró ist mit seinem „Sleep Tight“ ein wirklich beachtlicher Horrorthriller gelungen, der seinesgleichen suchen dürfte. Die Idee einen kranken Psychopathen zu schaffen, der sich in unser aller Intimstes einnistet ist zwar nicht neu, die Umsetzung des Geschehens gestaltet sich aber beim Zuschauer als überaus bedrohlich. Gerade zartbesaitete Gemütern dürften nach Sichtung ein arg unangenehmes und bedrückendes Gefühl in der Magengrube verspüren, wenn sie den Kinosaal verlassen und darauf hoffen, dass sie in ihrem scheinbar „sicheren“ Heim niemanden unter dem Bett vorfinden werden
 
 
 


 
 
 

Sleep Tight – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Nach genialer Horrorfilmwelle aus Frankreich folgt nun die aus Spanien. Wo Frankreich mit direkter Holzhammertaktik überzeugen möchte, sind Horrorwerke auf Spanien vorwiegend subtiler Natur. Nach Sichtung von „Sleep Tight“ dürfte jedem klar sein, dass ein amerikanisches Remake nicht lange auf sich warten lassen wird.
 
 
 


 
 
 

Sleep Tight – Zensur

 
 
 

Der Film wurde ungeschnitten bereits ab 16 Jahren freigegeben.

 
 

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Sleep Tight – Trailer

 
 
 


 

Hellraiser80

Filmreview: „Julias Eyes“ (2010)

Spanien ist bekannt für umfangreiches, tiefgründiges und phantasiereiches Gruselkino.

Nachdem Guillermo del Toro mit “Das Waisenhaus”, „The Devils Backbone“ und “Pans Labyrinth” das Spanische Horror-Genre sozusagen ver-märchlicht hat, erscheinen neuerdings hin und wieder wahre Überraschungen aus dem Land des Flamencos, der Stiere und der Paella.

Julias Eyes“ ist so ein derartiges Juwel.

Julia leidet an einer unheilbaren Erbkrankheit. Nach dem unerwarteten Suizidtod ihrer geliebten Schwester verliert sie allmählich Augenlicht und Verstand. Ein scheinbar für andere unsichtbarer Mann verfolgt sie, oder ist es ein Geist? Bei ihren Nachforschungen muss Julia schmerzlich feststellen, dass zwischen dem Tod ihrer Schwester und den aktuellen Geschehnissen Parallelen existieren.

Suspense at his best. “Julias Eyes” ist Thrillerkino in seiner Reinform. Wohlmöglich bisher das Beste was in Sachen Thriller zuletzt über die Matscheibe geflimmert ist.

Warum Kinowelt auf einen nationalen Kinostart verzichtet hat und den Film direkt für den Heimkinomarkt veröffentlicht, entzieht sich mir jeglicher Kenntnis.

Zumal „Julias Eyes“ es hätte verdient, auf der großen Kinoleinwand zu gruseln.

Guillem Morales´ nutzt in seinem zweiten abendfüllendem Spielfilm alle technischen Möglichkeiten des modernen Genrekinos. Klaustrophobische Kameraeinstellungen fehlen ebenso wenig wie ein langsamer Erzählfluss, der den Charakteren Zeit gibt sich in die, doch arg unangenehme, Situation „einzuleben“.

Dabei zieht Morales´die Spannungsschraube konsequent von Filmkapitel zu Filmkapitel fester an. Selten hat man so mitgelitten, so mitgefiebert.

Sicherlich erfindet „Julias Eyes“ das Rad nicht neu, überrascht aber dennoch mit einem konstanten Spannungsverlauf und einigen wirklich unangenehmen Überraschungen und Wendungen. Wer stille Horrorfilme mit Thrillerelementen mag ist definitiv bei „Julias Eyes“ bestens aufgehoben.

Gorehounds sollten eher Abstand nehmen – „Julias Eyes“ ist leider keine Schlachterplatte geworden, auch wenn zum Ende hin etwas roter Lebenssaft sprudeln darf.

Fazit: 8/10 Punkte

Genialer stiller Gruselthriller, den man gesehen haben sollte. Sicher gibt’s für „Julias Eyes“ keinen Preis für die Innovativste Filmgeschichte. Aber mit seiner extrem beklemmender Grundstimmung und seiner unerträglichen Spannungsschraube hebt sich „Julias Eyes“ enorm positiv, von der Masse an Standartproduktionen Marke Schema „F“, ab.

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