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Filmkritik: „The Snare“ (2017)

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THE SNARE

Story

 
 
 
Drei Freunde wollen es sich einige Tage in einem leerstehenden Gebäudekomplex gemütlich machen. Leider muss man sich bald eingestehen, dass man dort eingeschlossen ist und der Magen knurrt.

 
 
 


 
 
 

THE SNARE – Kritik

 
 
 
Skrupelloser und heimtückischer als jeder Geist, Dämon oder Zombie ist der Mensch selbst. Das wird vor allem dann besonders deutlich, wenn er sich in Extremsituationen befindet und der egoistische Überlebenswille Anstand und Moral vergessen macht. So haben sich schon einige Filmemacher mit menschlichen Urinstinkten beschäftigt, die das Tier im Menschen geweckt haben. Die Folgen waren nicht immer schön anzuschauen, denn wenn es um Leben und Tod geht, ist in den meisten Fällen kaum mehr Zeit für Menschlichkeit. Ganz ähnlich passiert das auch im folgenden Film. Eine verzwickte Situation erweckt hier den Drang zum Überleben. Fernab von Kitsch und Klischees wird in THE SNARE die ungeschönte Wahrheit präsentiert. Der Mensch ist keineswegs kompromissbereit und nächstenliebend, sondern ichbezogen und rücksichtslos. Eine brisante Botschaft, die von Regisseur C.A.COOPER nicht minder kontrovers fürs Heimkino aufbereitet wurde. Der steigt hier in die Fußstapfen von Filmen wie HUNGER oder THE HOLE in denen erschütternd vor Augen geführt wurde, zu was man doch fähig sein kann, wenn man überleben will. Entstanden ist recht deftiger Tobak, der aber trotzdem nur bedingt überzeugen kann. Trotz diskussionswürdiger Grundlage, macht mal wieder ein Twist alles zunichte. Der drängt THE SNARE in eine andere Richtung und verwirrt den Zuschauer unnötig. Leider kommt das im Horrorgenre mittlerweile zu häufig vor. Im Falle dieses Psychothrillers dürften gut gemeinte Absichten dann doch eher für verärgerte Gesichter sorgen – irgendwie funktioniert die Überraschungswendung nicht so recht. Manchmal ist eben weniger mehr.
 
 
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Im deprimierenden Kammerstück THE SNARE verschlägt es die drei Mittdreißiger Alice, Carl und Lizzy in einen verlassenen Apartmentkomplex irgendwo am Hintern der Welt. Die Schlüssel hat Lizzy dem Vater stibitzt. Nun will man in einer Wohnung im oberen Stock des Hauses ein paar nette Tage verbringen. Leider bekommt der Zuschauer bald mit, dass die introvertierte Alice nicht alle Latten am Zaun hat. Sie wird von Tagträumen, Visionen und Albträumen gequält und schreibt sich die Angst im Tagebuch von der Seele. Doch die traumatisierte Psyche der gequälten Protagonistin rückt bald in den Hintergrund. Kaum hat es sich das Trio in der verlassenen Wohnung gemütlich gemacht, passiert das Unfassbare. Der Fahrstuhl funktioniert nicht mehr und die Freunde sitzen fest. Es gibt keine Möglichkeit mehr, die Wohnung zu verlassen. Zudem funktionieren die Telefone nicht. Eine erschreckende Einsicht, die bald schaurige Ausmaße erreicht. Das Essen wird nämlich knapp und auch Wasser kommt nicht mehr aus der Leitung. Psychische Strapazen, die aus Freunden bald Gegner macht. Ob die Drei einen Weg aus dem Gefängnis finden werden?
 
 
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Wer sich vom Poster blenden lässt, wird enttäuscht. THE SNARE ist kein Geister- oder Okkult-Horror, wie es das Plakat zum Film suggeriert. Hinter dem Streifen steckt mehr Psychothriller und Drama, als waschechter Horror. Das Grauen ist hier psychologischer Natur, macht aber nicht vor ungemütlicher Bilderflut halt. Regisseur C.A.COOPER beschreibt im ersten Langfilm das psychische Martyrium einer vom Vater missbrauchten Frau, die ihrem seelischen Gefängnis zu entkommen versucht. Leider sorgt die Flucht für Komplikationen, denn kaum der einen Hölle entkommen, verirrt sie sich gleich in der nächsten. THE SNARE ist nicht leicht zu durchschauen. Passiert das hier alles im Kopf der ohnehin traumatisierten Filmheldin Alice, verfällt die Filmheldin im psychischen Inferno dem Wahnsinn oder sind hier wirklich drei Menschen in einem Apartment eingeschlossen und gehen sich hier wegen Hunger und Psycho-Stress gegenseitig an die Gurgel. Sonderlich aufschlussreich ist die Handlung von THE SNARE nicht und wirklich plausible Antworten gibt Filmemacher C.A.COOPER nicht. Das hat selbst uns alte Filmhasen gefordert, was nicht gerade für den Film spricht. THE SNARE ist schwer zu entschlüsseln und strotzt nur so vor Metaphern und Zweideutigkeiten. Demzufolge ist dieser Psycho-Horror nichts fürs anspruchslose Publikum, das sich von plakativen Schocks und handgemachten Ekelhaftigkeiten berieseln lassen möchte. Letztere sind hier nichtsdestoweniger mehr als genug vorhanden. Trotzdem lebt THE SNARE dann doch vorrangig von seiner klaustrophobischen Ausgangssituation und den psychischen Strapazen seiner Hauptdarsteller. Die Ekeleffekte sind da nur schmückendes Beiwerk und sollen die verstörende Stimmung des Films unterstreichen. Vor allem in der zweiten Hälfte gelingt das dem eher gemächlich inszenierten Streifen ganz gut. Trotzdem ist THE SNARE keine Referenz in Sachen Psycho-Horror. Mehrfachinterpretationen verwirren und sollen wohl bei genauerer Betrachtung die vielen Plot-Löcher kaschieren, mit denen der britische Debütstreifen des Öfteren zu kämpfen hat. Dann doch besser noch mal Psychothriller wie DAS EXPERIMENT, DIE HÖHLE oder CUBE in den Player legen. Die protokollieren in schockierendem Ausmaß, wie sich in der platzarmen Enge der Gefangenschaft unterdrückte Ängste, Aggressionen und Begierden ihren Weg bahnen und Menschen zu grauenhaften Taten anstiften.
 
 
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THE SNARE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Um was geht es denn hier eigentlich? Dieser Psycho-Horror ist ein ziemliches Durcheinander, das definitiv nichts für jene ist, die im Film immer plausible Antworten auf dem Silbertablett serviert bekommen möchten. THE SNARE hat gleich ein paar Interpretationsansätze in petto, die aber nicht sonderlich gut funktionieren. Der Film fordert den Zuschauer mit Metaphern und Mehrdeutigkeiten und nimmt zu keiner Zeit richtig Stellung. Da sieht der Zuschauer in den Kopf einer traumatisierten Protagonistin und wird mit verstörenden Visionen konfrontiert. Ein anderes Mal werden Figuren dabei gefilmt, wie sie in Folge von Hunger und Durst unfassbare Dinge tun. Dabei stellt sich stets die Frage, was denn nun real ist und was denn nun dem Kopf der ohnehin bereits psychisch vorgeschädigten Filmheldin entspringt. Als Psychogramm einer traumatisierten Frau funktioniert THE SNARE demnach nicht sonderlich gut. Dazu verwirren Rückblenden, Visionen und Träume unnötig. Sieht man THE SNARE als klaustrophobisches Kammerstück über drei Menschen, die in Folge von Hunger und Durst den Respekt voreinander verlieren, hat der Film durchaus Höhepunkte und Daseinsberechtigung. Weil hier aber Grenzen verschwimmen und der Zuschauer bald selbst keinen Überblick mehr über Geschehnisse im Film hat, dürfte sich dieser Psychothriller mit seiner verworrenen Machart nicht sonderlich viele Freunde machen.
 
 
 


 
 
 

THE SNARE – Zensur

 
 
 
Trotz Psychothriller sind in THE SNARE einige deftige Sachen zu sehen. Vom Vergewaltigen von Frauen, über das Verspeisen von menschlichem Fleisch ist hier allerhand kontroverses Zeug zu sehen, das wohl eine Erwachsenenfreigabe rechtfertigt. Wir vermuten, dass THE SNARE wohl einen roten FSK-Flatschen erhalten wird. Dafür aber in ungeschnittener Form.
 
 
 


 
 
 

THE SNARE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte Film für Grafiken liegen bei Bohemian Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hunger (2009)
 
The Noonday Witch (2016)
 
Vile – Pain (2011)
 
Die Höhle – Überleben ist ein Instinkt, keine Wahl (2014)


Filmkritik: „Shrew’s Nest“ (2014)

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SHREW’S NEST

(Musarañas)

Story

 
 
 
Als sich der attraktive Carlos bei einem Treppensturz das Bein bricht und von einem benachbarten Geschwisterpaar gepflegt wird, bringt er ein schockierendes Familiengeheimnis zutage, was lange Zeit im Verborgenen gehalten wurde.
 
 
 


 
 
 

SHREW’S NEST – Kritik

 
 
 
Egal was ALEX DE IGLESIAS anfasst, es wird zu Gold. Seit der spanische Regisseur mit der Science-Fiction-Komödie AKTION MUTANTE seinen ersten Langfilm inszenierte, wird der Meister des schwarzhumorigen, spanischen Horrorkinos für sein unkonventionelles Schaffen auf einschlägigen Filmfestivals gelobt und ausgezeichnet. Mittlerweile dreht der Spanier aber nicht mehr nur ausschließlich schräge Filme, sondern produziert Vielversprechendes für die große Leinwand. SHREW’S NEST ist eine dieser Arbeiten, die von DE IGLESIAS finanziell unterstützt wurde und dem jungen Regieduo ESTEBAN ROEL und JUANFER ADRÉS den Weg ins internationale Filmgeschäft ebnen dürfte.
 
 
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In MUSARANAS – so der Originaltitel – geht es absolut spaßfrei zu, denn nach dem speziellen Humor mit welchem ALEX DE IGLESIAS bekannt geworden ist, sucht man in diesem tiefgründigen und deprimierenden Stück Zelluloid vergebens. Statt einem absurd-humoristischen Bilderrausch zu zelebrieren, wenden sich die beiden Jungregisseure dem psychologischen Horror zu und bringen mit Hilfe beklemmender Bildsprache eine erschütternde Familientragödie zutage, die sich aufgrund herausragender schauspielerischer Leistungen positiv vom üblichen Horrorquatsch abhebt. Das tut Not, denn in einer Zeit in der sich der Horrorfilm hauptsächlich durch einfältige Grausamkeiten definiert und damit Zuspruch erntet, sind es gerade jene psychologischen Geschichten die verinnerlichen, dass man auch mit etwas Anspruch und Hirn Furcht bescheren kann.
 
 
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Madrid in den 1950ern: die fromme Schneiderin Montse (MACARENA GOMEZ) leidet an Agoraphobie und schafft es nicht ihre Wohnung zu verlassen. Seit Mutter und Vater gestorben sind, kümmert sie sich um die jüngere Schwester und ist ihr Ersatz für die verschiedenen Eltern. Als Nachbar Carlos aus dem oberen Stockwerk die Treppe herunterfällt und sich beim Sturz das Bein bricht, wird eine Kette von Umständen in Gang gesetzt, die die Geschwister vor ungeahnte Herausforderungen stellt. Montse nimmt den Verletzten heimlich bei sich auf und beginnt ihn zu pflegen. Von der streng autoritären Erziehung des sadistischen Vaters zerfressen, entwickelt die hilfsbereite Hausbewohnerin eine sonderbare Obsession zu ihrem Nachbarn und tut alles daran, dass der die Wohnung nicht mehr verlassen kann. Als die jüngere La Niña (NADIA DE SANTIAGO) erkennt, dass die große Schwester abnormales Verhalten an den Tag legt und nach Wegen sucht, um den eingesperrten Carlos aus seinem Gefängnis zu befreien, wird eine Spirale der Gewalt in Bewegung gesetzt, die nur im Chaos enden kann.
 
 
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SHREW’S NEST ist eine außergewöhnliche aber auch schockierende Psychoanalyse einer fehlgeleiteten Frau, die in der Kindheit Furchtbares erdulden musste. Die beiden Regisseure decken in ihrem sorgfältig gespielten Kammerspiel auf, was lang verborgen gehalten wurde. Zwei Schwestern, wie sich nicht unterschiedlicher sein könnten, durchleben in diesem beunruhigenden Melodrama eine Gradwanderung der Gefühle und entdecken zwischen Hass und Liebe, dass sie sich einander näher sind, als immer gedacht. MACARENA GOMEZ spielt hier mit viel Facettenreichtum eine bemitleidenswerte, psychisch gestörte Frau mit einem sonderbaren Verhältnis zur Liebe und lässt so selbst Oscar-Preisträgerin KATHY BATES aus der gelungenen King-Verfilmung MISERY weit hinter sich. Beide Filme sind thematisch ähnlich; SHREW’S NEST erforscht jedoch detaillierter die Umstände des Handelns und schockiert am Ende mit tragischen Familienkonstellationen, die den Zuschauer mit flauen Magen vor den heimischen TV-Apparaten zurücklassen.
 
 
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Visuell ist SHREW’S NEST für ein Debütstück ganz ordentlich. Die Macher ESTEBAN ROEL und JUANFER ADRÉS ernteten mit ihrem vierminütigen Kurzfilm „036“ bereits auf Youtube und Filmfestivals viel Lob und bleiben für SHREW’S NEST dem typisch spanischen Horrorlook treu. Das bedeutet bildgewaltiges Unbehagen in modern gotischer Gruselästhetik, die bereits inländischen Schauerproduktionen wie DAS WAISENHAUS, PARA ELISA oder JULIAS EYES zum Erfolg an den Kinokassen verholfen haben. Das Gänsehautkonzept geht auch diesmal auf. Dank einem außerordentlichen Gespür fürs Visuelle, guten Darstellern und einem gründlichen Drehbuch, in dem sich ganz langsam zermürbender Terror seinen Weg durch die klaustrophobische Geschichte bahnt, gehört SHREW’S NEST zur Königsklasse des spanischen Horrorkinos. Da kann man nur hoffen, dass Hollywood nicht auf den Trichter kommt, diesen Film neu interpretieren zu müssen. Sollte das irgendwann doch mal der Fall sein, kann man davon ausgehen, dass man die Neuverfilmung zu recht gnadenlos in der Luft zerreißen wird.
 
 
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SHREW’S NEST – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Spanien übertrumpft sich mal wieder selbst in Sachen Horror! SHREW’S NEST ist spanisches Horror-Kino par excellence und die weitaus bessere, spanische Antwort auf eine der wenigen, gelungenen King-Verfilmungen: MISERY. Dass sich der neue Genre-Beitrag aus dem Land der Stierkämpfe sehen lassen kann ist auch kein Wunder. Kein geringerer als Urgestein ALEX DE IGLESIAS zeichnet als Produzent verantwortlich und beweist mal wieder ein gutes Händchen bei der Auswahl interessanter Filmstoffe. Sein abgedrehter Humor und die schwarzhumorigen Gewaltausbrüche haben diesmal Sendepause. Stattdessen bewegen sich die beiden Regieneulinge ESTEBAN ROEL und JUANFER ADRÉS im Psycho-Sektor und machen alles richtig. SHREW’S NEST ist ein ungemütliches, klaustrophobisches Horror-Drama, das sich einmal mehr jener gotischen Gruselatmosphäre bedient, die viele spanische Horror-Produktionen seit einigen Jahren auszeichnet. Der kränkelnd-depressive Look des Streifens untermauert aber nur die morbide Stimmung des Films, der am Ende mehr Drama ist als Horror. Wer hier viele böse Szenen erwartet liegt falsch. Auch wenn gegen Ende etwas Rot über die Mattscheibe fließt, beunruhigt SHREW’S NEST vornehmlich auf psychologischer Ebene. Das zeichnet den Film aus und macht ihn zum Geheimtipp – vor allem wegen den außergewöhnlichen Darstellern, von denen manch Schauspieler in Hollywood noch etwas lernen kann. SHREW’S NEST gehört zur Königsklasse des spanischen Horrorkinos. Absolut empfehlenswert!
 
 
 


 
 
 

SHREW’S NEST – Zensur

 
 
 
Auch wenn SHREW’S NEST im Psycho-Genre beheimatet ist, gibt es etwas Gewalt zu sehen. Eine Protagonistin wird geköpft, der Körper zersägt und der Torso als Kleiderständer verwendet. Andere Figuren werden mit einer Stricknadel in die ewigen Jagdgründe befördert. Zudem wird ein Bein ans Bett genäht und Köpfe auf Boden und Wände geschlagen. Aufgrund der kurzen Gewaltmomente und der verstörenden Auflösung am Ende des Films hat Rechteinhaber OFDB Filmworks für SHREW’S NEST einen blauen FSK-Flatschen erhalten: FSK16.
 
 
 


 
 
 

SHREW’S NEST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) OFDB Filmworks

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

 

Originaltitel: Shrew’s Nest; Spanien 2014

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Spanisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Making of, Deleted Scenes, Alternatives Ende, Trailer

Release-Termin: 08.01.2016

 

Shrew’s Nest [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

SHREW’S NEST – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller Grafiken liegen bei OFDB Filmworks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Misery (1990)
 
House at the End of the Street (2012)
 
One Hour Photo (2002)
 
Sleep Tight (2011)


Filmkritik: „Flowers“ (2015)

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FLOWERS

Story

 
 
 
Ein experimenteller Bilderrausch! Sechs Frauen erwachen in sechs Räumen – miteinander durch das Schicksal verbunden. Auf der Suche nach Antworten werden sie nicht nur mit den eigenen Ängsten konfrontiert, sondern durchleben zudem Stunden voller Qualen.
 
 
 


 
 
 

FLOWERS – Kritik

 
 
 
Einige Jahrzehnte sind mittlerweile ins Land verstrichen, seit Underground-Horror aus Deutschland Erwachsenenabteilungen hiesiger Videotheken unsicher gemacht und pseudokünstlerische Ekelperlen wie NEKROMANTIK oder Amateur-Schlaftabletten aus der Schmiede eines unerfahrenen OLAF ITTENBACH hervorgebracht hat. Momentan erlebt diese deutsche Filmnische mit GERMAN ANGST ein kleines Revival und auch im Ausland brodelt es im Untergrund gewaltig. FLOWERS ist eines dieser obskuren Filmchen, das nicht für den Massengeschmack gemacht wurde und aus Zeiten stammen könnte, als JÖRG BUTTGEREIT mit seiner gefeierten Leichenfledderei weit über die Landegrenzen hinaus für Brechreiz sorgte. Der Amerikaner PHIL STEVENS zeichnet für den künstlerischen Ekeltrip verantwortlich und hat mit knapp 20.000 Dollar eine surreale Bilderflut inszeniert, die er selbst lobpreisend in die Kategorie des Arthaus-Horrors einordnet. Nun ja, reichlich Phantasie wird während der Sichtung von FLOWERS vorausgesetzt, folgt doch der Film keinem linearen Handlungsfaden und lässt stattdessen mehrdeutige Bilder für sich sprechen. Jedermanns Sache ist das höchstwahrscheinlich nicht.
 
 
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Regisseur und Drehbuchautor PHIL STEVENS berichtet in seinem experimentellen Horrorstück von sechs Frauen, die eines Tages im Zimmer eines Hauses erwachen und feststellen müssen, dass sie nicht mehr unter den Lebenden weilen. Gefangen in einer Art Fegefeuer durchleben die sechs „Blumen“ quälende Stunden voller Angst, krabbeln durch Innereien und verspeisen verdorbene Lebensmittel. Auf ihrer Suche nach Erlösung finden sie Hinweise aus ihren früheren Leben und erfahren die Gründe, die zu ihrem Ableben geführt haben. Weil FLOWERS nun mal im Horror angesiedelt ist dürfte klar sein, dass die Todesursachen eher drastischer Natur gewesen sein müssen, schließlich beeindruckt man mit Krebstot und Herzinfarkt keinen Horrorfan.
 
 
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Die Idee zum klaustrophobischen Experimental-Horror kam STEVENS während einer Sinnkrise vor mehreren Jahren. Nichts bereitete ihm mehr Freude und er fühlte sich uninspiriert, um neue Projekte in Angriff zu nehmen. Da kam ihm der Geistesblitz von mehreren Kurzgeschichten in den Sinn, die in irgendeiner Weise miteinander in Verbindung stehen und durch eine Rahmenhandlung zusammengehalten werden sollten. Schnell entstand das Drehbuch zu FLOWERS, in dem nun mehrere Räume das Fundament bilden, in denen sich STEVENS künstlerisch austoben konnte. Schenkt man den Aussagen des Filmemachers Glauben, ist er ein Gegner des gesprochenen Wortes. Er bevorzugt es visuell und versucht in seinem Kunstwerk daher gänzlich auf Dialog zu verzichten. Demzufolge vertraute er vollends auf das Improvisationsgeschick und den schauspielerischen Fähigkeiten seiner Hauptdarstellerinnen. Die bringen Gefühle ausschließlich mit Händen, Füßen, Mimik und Gestik zum Ausdruck damit sich der Zuschauer ein mitfühlendes Bild ihrer Qualen machen kann.
 
 
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Aber auch akustisch wird Freunden beklemmenden Filmgedudels einiges geboten. Die bedrohliche Soundkulisse ist allgegenwärtig und bewirkt nicht nur ein permanent flaues Gefühl in der Magengegend, sondern unterstreicht den kränklich und surreal anmutenden Filmlook dieses auf Fäulnis getrimmten Fiebertraums. Bei all den im Film gezeigten Kadaverbergen und Tierorganexzessen kann man nur froh darüber sein, dass es immer noch kein Geruchsfernsehen gibt. STEVENS treibt seine Protagonistinnen durch faulige Erde, modriges Wasser und Berge von menschlichen Plastikgliedern. Die Suche nach Antworten schaut nicht sonderlich appetitlich aus und macht aus dem surrealen Kunst-Horror eher leidlich spannendes Kotzkino mit pseudointellektuellem Anspruch. Immerhin zeigt FLOWERS mal wieder, dass man auch mit wenig Geld ungemütliche Atmosphäre bewirken kann. Hier wächst dieses eigensinnige Filmexperiment zu eigentlicher Stärke heran. Schade nur, dass viele der ungeschönten Bilder durch Leerlauf an Intensität einbüßen. Dieses Kunstmachwerk hat mit reichlich Längen zu kämpfen, die den Filmgenuss trüben. So richtet sich FLOWERS wohl ausschließlich an ein kunsterprobtes Publikum, das in Horrorfilmen – ob vorhanden oder nicht – nach Anspruch sucht. Wer stattdessen ein Gore-Fest erwartet, wird schnell enttäuscht werden. Auch wenn damit im Trailer geworben wird hält man im Film von selbstzweckhafter Gewalt Abstand.
 
 
 


 
 
 

FLOWERS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Verstörend beklemmender Arthaus-Horror mit Ekelgarantie – für Zuschauer mit Reizmägen definitiv ungeeignet. FLOWERS setzt da an, wo Underground-Filme wie NEKROMANTIK oder SUBCONSCIOUS CRUELTY vor mehr als einem Jahrzehnt in der Horror-Szene für Furore gesorgt haben. Regisseur PHIL STEVENS macht es den genannten Filmwerken gleich und mixt Horror mit Kunst, um mit Anspruch Albträume zu bescheren. Das ist nur bedingt gelungen, denn sein FLOWERS hat das, was weit schlimmer ist, als eine Woche schlaflose Nächte: quälende Langeweile. Der Film lebt ausschließlich von seiner unheilvollen Bilderflut und lässt so reichlich Interpretationsspielraum offen. Eine richtige Handlung gibt es nicht – Dialoge ebenso wenig. Stattdessen quält sich der Zuschauer durch ein pseudointellektuelles Untergrundfilmchen, das zwar mit experimentellem Erzählstil Neues zu bieten, aber gleichzeitig unter erheblichen Längen zu leiden hat. Trotz Matsch und Ekel ist FLOWERS ein spezieller Film, der sich rein gar nicht an die Hardcore-Fraktion richtet. Die dürfte aufgrund des gemächlichen Erzähltempos ohnehin nach wenigen Minuten die Nase voll haben und abschalten. Wer nicht genug von oben genannten Filmen bekommen kann ist hier richtig, denn für ausschließlich jene ist FLOWERS gemacht.
 
 
 


 
 
 

FLOWERS – Zensur

 
 
 
FLOWERS ist kein Gewaltepos. Hier werden rein gar keine Menschen vor der Kamera umgebracht. Die Protagonisten befinden sich teils allein in finsteren Räumen wieder und erkunden in langsamen Schritten die Umgebung. Dabei stoßen sie auf Skelette, wühlen in Organen oder essen Erde. Die Atmosphäre ist dennoch verstörend, trotzdem vermuten wir eine Freigabe ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

FLOWERS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

Alle Grafiken dieser Review stammen von der FB-Seite zum Film.

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nekromantik (1987)
 
Nekromantik 2 (1991)
 
Subconscious Cruelty (2000)
 
The Bunny Game (2010)
 


Filmkritik: „Dead Within“ (2014)

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DEAD WITHIN

Story

 
 
 
Inmitten einer post-apokalyptischen Welt haben sich Kim und Mike in einer kleinen Hütte verschanzt und versuchen nun zu überleben. Doch leider gehen sechs lange Monate des Versteckens aus Schutz vor virusinfizierten Kreaturen nicht spurlos an Kim vorüber. Die leidet unter der momentanen Situation und verliert allmählich den Bezug zur Realität …
 
 
 


 
 
 

DEAD WITHIN – Kritik

 
 
 
Ein Zombiefilm ohne blutgeile Zombies – das geht? Mit DEAD WITHIN zumindest dürfte sich Regisseur BEN WAGNER unter den Fans solcher Filme keine Freunde machen, was angesichts der etwas anderen Herangehensweise an die totgefilmte Zombie-Thematik etwas bedauerlich ist, hat er doch mit seinem Horror-Drama einen gar nicht mal so üblen Vertreter jener Gattung Streifen gemacht. In diesem Film hat das wahllose Erschießen Infizierter und die fürs Genre typischen Fressattacken Selbiger Sendepause. Stattdessen rückt der Macher zwei Menschen in den Mittelpunkt seiner Geschichte, die sich in einer Hütte vor infizierten Menschen und diesmal auch Tieren in Sicherheit gebracht haben und allmählich den Verstand verlieren, weil ein gefahrloses Leben in Freiheit ohne Weiteres nicht möglich scheint. Interessanterweise geht es WAGNER anders an als sonst. Diesmal passiert alles auf kleinstem Raum. Sein klaustrophobische Kammerspiel spielt sich in nur zwei Zimmern ab und rückt ausschließlich die Differenzen zwischen den beiden Protagonisten innerhalb der eigenen vier Wände in den Fokus. Was sich letztendlich auf der anderen Seite der Haustür abspielt wird nie gezeigt. Ein intelligenter Schachzug, wird die Bedrohung hinter der Tür ausschließlich in Form von Geräuschen beschrieben, so dass der Schrecken im Kopf des Zuschauers entstehen kann. Mal ist es der infizierte Hund des Paares, der vor dem Haus knurrend seine Kreise zieht. Ein anderes Mal ist es das Lechzen wilder Zombies, die hungrig an der Tür kratzen und dem Paar nichts Gutes wollen. Der Minimalismus zahlt sich aus, denn WAGNER schafft es mit Leichtigkeit dem Zombiefilm neue Impulse zu verleihen, weil er sich schlicht und einfach den Konventionen jenes Sub-Genres widersetzt.
 
Über sechs Monate fristen Mike (DEAN CHEKVALA) und Kim (AMY CALE PETERSON) in einer provisorischen Behausung ihr Dasein, denn vor der Tür hat sich Tragisches ereignet. Ein globaler Virusausbruch hat dazu geführt, dass sich Menschen und Tiere zu wilden Bestien verwandelt haben, die den Nichtinfizierten nach dem Leben trachten. Während Kim die Hausarbeit übernimmt und versucht, den plötzlichen Tod ihres infizierten Babys zu verarbeiten, erkundet Mike tagtäglich die Umgebung nach Essbarem. Doch die Situation zerrt an den Nerven, was sich vor allem bei Kim bemerkbar macht für die das sichere Heim allmählich zum Gefängnis wird. Bald schon hört sie seltsame Funksprüche und hat grausige Visionen, die die Grenzen zwischen Einbildung und Realität verwischen lassen. Als dann auch noch die Wasserversorgung erlischt, scheint sie den Verstand zu verlieren.
 
Es ist schön, wenn Filmemacher an neuen Ideen tüfteln, damit der Zuschauer auch einmal etwas anderes zu sehen bekommt, als immer nur die gleichen Filmstoffe. DEAD WITHIN ist trotz irreführendem Filmplakat und einem etwas unglücklich gewähltem Filmnamen mit dem kaufwirksamen „Dead“ im Titel ein erschütterndes Zeugnis dafür, welch psychischen Verfall Menschen durchleben, wenn Sie in Extremsituationen ihrer Freiheit beraubt werden. Mit nahezu durchdachter Präzision beleuchtet WAGNER hier die Etappen des Wahnsinns seiner Filmheldin Kim, die in ihrer Paranoia schon bald am Vertrauen des Partners zweifelt, weil der das Haus verlassen darf – sie jedoch nicht. Der erlegt auf seinen Streifzügen durch die Stadt nicht nur Horden von Zombies, sondern bringt der Frau auch Unterwäsche von seinen Reisen mit nach Hause, damit das Liebesleben wieder aufgefrischt werden kann. Dass Kim jedoch andere Sorgen plagen, als sich mit dem Gatten im Bett zu vergnügen, dürfte mehr als verständlich sein. Die fühlt sich bald eingeengt und missverstanden, weil der Geliebte partout nicht auf ihre Bedürfnisse eingehen will. In ihrer kleinen Welt und inmitten des ewig gleichen, geregelten Tagesablaufs flüchtet sie sich in Tagträume, die jedoch bald schon einen ungemütlicheren Ton einschlagen.
 
DEAD WITHIN benötigt etwas um in die Gänge zu kommen, wobei WAGNER bewusst auf eine eher langsame Erzählmethode zurückgreift, damit der psychische Zerfall seiner Protagonistin umso schmerzlicher protokolliert werden kann. Dabei verwendet der Regisseur verschiedene Stilmittel, um die seelische Wandlung seiner Heldin besser zum Ausdruck bringen zu können. Mit fortlaufendem Abstieg verändert sich auch die Bildsprache, die in düstere und ungeschönten Farben getaucht wird. Zudem gelingt es WAGNER immer wieder neue Kameraeinstellungen zu finden, um das bedrückende und beschränkte Setting nie langweilig aussehen zu lassen. Die Quintessenz des Streifens sind jedoch die hervorragenden Darsteller, die DEAD WITHIN um eine glaubhafte Charakterisierung bereichern – etwas, was im vor Klischees und Stereotypen strotzenden Horrorfilm mittlerweile ziemlich selten geworden ist. AMY CALE PETERSON verkörpert die Verstand verlierende Kim mit beeindruckender Glaubwürdigkeit und schafft es selbst ihren männlichen Schauspielkollegen im direkten Vergleich blass erscheinen zu lassen. Auch wenn das weniger erfreuliche Happy End wie ein Faustschlag ins Gesicht wirkt und Fans blutiger Zombie-Massaker mit diesem eher anspruchsvoll inszenierten Ausnahme-Horrorfilm nur wenig anfangen dürften, ist DEAD WITHIN eine positive Randerscheinung im stumpfsinnigen und meist wenig originellen Untoten-Genre.

 
 
 


 
 
 

DEAD WITHIN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Der etwas andere Zombiefilm, der eigentlich gar kein Zombiefilm sein will. Regisseur BEN WAGNER geht die Untoten-Problematik anders an und verzichtet auf die üblichen Splatter- und Gewalteskapaden, die man ja sonst in dieser Art von Filmen zu sehen bekommt. Er reduziert seinen Film auf zwei Figuren, die anfänglich einander nahe stehen und sich im Verlauf des Filmes emotional voneinander distanzieren. Statt hohler Zombie-Action hat WAGNER ein minimalistisches und psychologisch feinfühliges Horror-Kammerspiel gemacht, das den Konventionen gängiger Zombie-Streifen trotzt und die bekannte Zombie-Thematik aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Demnach rückt DEAD WITHIN nicht den Überlebenskampf seiner Protagonisten gegen Horden Infizierter in den Mittelpunkt, sondern beleuchtet das Seelenheil seiner Helden während eines post-apokalyptischen Weltuntergangsszenarios. Wer Anspruch in Horrorfilmen voraussetzt und Horror nicht ausschließlich mit Gewalt in Verbindung setzt, sollte unbedingt einen Blick riskieren. Gorebauern werden jedoch mit DEAD WITHIN rein gar nicht warm werden – versprochen!
 
 
 


 
 
 

DEAD WITHIN – Zensur

 
 
 
Einiges an Gewalt gibt es natürlich auch in DEAD WITHIN (der eigentlich mal WHAT REMAINS heißen sollte) zu sehen. So rammt sich die Heldin eine Stricknadel in die Hand und klemmt ihrem Gatten mit einer Zange ein paar Finger ab. Zudem wird eine Machete durch einen Körper gejagt. In Deutschland dürfte es der Streifen dennoch bedenkenlos mit einer 16er-Freigabe durch die FSK schaffen.
 
 
 


 
 
 

DEAD WITHIN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Chrysalis (2014)
 
Attack of the Undead (2010)
 
The Last Days (2013)
 
28 Days Later (2002)
 
28 Weeks Later (2007)
 


Filmkritik: „Septic Man“ (2013)

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SEPTIC MAN

Story

 
 
 
Abwasserarbeiter Jack soll nach einer verheerenden Wasserverschmutzung in seiner Heimatstadt nach dem Rechten sehen. Leider fällt er bei seinen Arbeiten in einen Abwassertank und kommt nicht mehr heraus – nun ist guter Rat teuer …
 
 
 


 
 
 

SEPTIC MAN – Kritik

 
 
 
Lang ist es her, seit LLOYD KAUFMAN und MICHAEL HERZ eine der bedeutendsten Independent-Filmproduktionsfirmen ins Leben gerufen haben, die in Zeiten des Videokassetten-Booms ordentlich Asche machen konnte, weil sie billige Trash-Perlen voller Gewalt und derben Humor in die Videotheken brachte und damit genau den Nerv der Filmfans traf. Zwar ist es seit den großen Erfolgen in den 80ern erstaunlich ruhig um TROMA geworden, trotzdem genießen hervorgebrachte Werke wie THE TOXIC AVENGER, CLASS OF NUKE’EM HIGH oder COMBAT SHOCK selbst 30 Jahre nach Entstehung Kultstatus unter Liebhabern der blutigen Filmkunst. Leider ist es in Zeiten permanenter Einfallslosigkeit im (Heim)Kino mittlerweile zum unvermeidbaren Übel geworden, dass man sich kreativen Input bei jenen Filmen holt, die schon einmal Erfolge verbuchen konnten.
 
Auch wenn Regisseur JESSE THOMAS COOK (MONSTER BRAWL) in Interviews immer wieder beteuert, dass er anfänglich eigentlich ein klaustrophobisches Kammerspiel drehen wollte, das von einem Mann erzählen sollte, der von zwei Serienmördern in einem Brunnen gefangen gehalten wird, so bleibt unübersehbar wo man sich für SEPTIC MAN Inspiration geholt hat. Es ist der wichtigste Film TROMAS und gleichzeitig Aushängeschild der weltbekannten B-Movie-Schmiede, der hier Pate stehen musste, um 90 haarsträubende Filmminuten füllen zu können, für die man jedoch jeglichen Hang zur Logik ausklammern sollte. Wie in TROMAS bitterbösen Satire vom THE TOXIC AVANGER wird auch in SEPTIC MAN ein Protagonist mit kontaminierten Abfällen überschüttet und beginnt allmählich zu mutieren. Wo jedoch Superheld Toxi in TOXIC AVENGER neben skurrilen Fäkalhumor und viel Gematsche noch Mordsgaudi verbreiten konnte, zieht COOK die Spaßbremse und protokolliert alles todernst.
 
In SEPTIC MAN wird dem Abwasserarbeiter Jack (JASON DAVID BROWN) von einem mysteriösen Mann namens Phil Prosser viel Geld angeboten, damit er nach Gründen für die Wasserverschmutzung seiner Heimatstadt sucht, die das Trinkwasser ungenießbar und die Einwohner krank gemacht hat. Der Bürgermeister von Collingwood hat eine Zwangsevakuierung verordnet, weil bereits 16 Menschen an den Folgen von kontaminiertem Wasser ihr Leben lassen mussten. Für Jack Grund genug die schwangere Frau zurückzulassen und in der stadteigenen Kläranlage nach Ursachen zu suchen. In einem unterirdischen Abwassertank meint er den Ursprung der Verunreinigung zu finden. Er klettert hinein und verliert die Luke des Tanks aus den Augen. Die schließt sich versehentlich hinter Jack und der „SEPTIC MAN“ sitzt in der Falle. Leider entpuppt sich das stinkende Gefängnis als kleineres Übel. Zwei mordgeile Brüder hausen in den Gängen der Kläranlage und haben einen Spaß daran ungebetene Gäste um die Ecke zu bringen und sie anschließend im Tank zu beseitigen. Für Jack kein guter Arbeitstag, denn verseuchtes Wasser lässt die Haut des Gefangenen mutieren.
 
Die Idee zu SEPTIC MAN kamen Regisseur JESSE THOMAS COOK und Drehbuchautor TONY BURGESS als eine verstopfte Toilette unüberwindbare Herausforderungen nach sich zog. Prompt kamen den beiden Machern Flausen von einem eingesperrten Kerl in den Kopf, der in einer Klärgrube ums Überleben kämpfen sollte. In Anbetracht dessen, was Drehbuchautor TONY BURGESS vor SEPTIC MAN an gutem Horrorstoff ablieferte, kann man es schon als kleine Enttäuschung bezeichnen, was er mit diesem klaustrophobischen Mutanten-Nonsens verbrochen hat. Zwischen seinem grandios geschriebenen Horror-Szenario PONTYPOOL (2008) und dem vorliegenden Trivial-Quatsch SEPTIC MAN liegen nämlich Welten, was nicht ausschließlich daran liegt, dass hier beherzt gefurzt, gekackt und erbrochen wird. SEPTIC MAN hat mit storybedingten Schwächen zu kämpfen, denn nicht nur einmal will man während der Sichtung das Gefühl nicht loswerden wollen, dass ganze Handlungsstränge am Schnittpult abhanden gekommen sein müssen. Viele Szenen machen keinen Sinn, wirken unlogisch und erzwungen. Manchmal scheint es sogar so, als ob Autor TONY BURGESS selbst nicht wusste, wohin die Reise gehen sollte, denn die meisten Szenenverläufe hinterlassen einen arg konstruierten Eindruck. Viel passiert demnach in SEPTIC MAN nicht, bis auf dass sich in diesem Horror-Trash ein Mann knapp anderthalb Stunden in kontaminiertem Gewässer suhlt und regelmäßig Besuch von zwei sich entfremdeten Brüdern erhält, die ab und an durch die Öffnung des Abwassertank lugen, um tote Körper hineinwerfen zu können. Immerhin wird in puncto Spezialeffekte einiges geboten. Die wurden für Indie-Verhältnisse beachtlich souverän in Szene gesetzt. Da werden Rattenkörper ausgesaugt, Körper mit einer Kettensäge halbiert und verweste Leichen aus verstopften Abwasserrohren gezerrt. Das FX-Team hat ganze Arbeit geleistet, damit zumindest Horrorfans auf Ihre Kosten kommen und Defizite im Drehbuch wettgemacht werden können. Überhaupt legt der Streifen in technischer Hinsicht ein beachtliches Niveau an den Tag, das meist nur wenige, unabhängig produzierte Horrorfilme erreichen, weil nicht selten viel zu wenig Budget zur Verfügung steht, um auch alle kreativen Ideen in die Tat umsetzen zu können.
 
Leider sind die überschaubaren Effekte auch das einzige, was SEPTIC MAN erträglich gestaltet. Schreiber BURGESS konzentriert sich zu versteift über weite Strecken auf eine kaum vorhandene Geschichte, die fast nichts zu erzählen hat. Das schien er vermutlich schnell selbst bemerkt zu haben, so dass er seinen SEPTIC MAN um einen überflüssigen und vollkommen unglaubwürdigen Nebenplot ergänzte, der von zwei geistig umnebelten Brüdern handelt, die in den entscheidenden Momenten irrationale Dinge veranstalten. Mit SEPTIC MAN ist BURGESS und COOK kein großer Wurf gelungen. Statt dem Zuschauer ekelhafte Transformationseffekte zu präsentieren, die er bei einem Film wie SEPTIC MAN vermutlich erwartet hätte, verlaufen sich die beiden Macher in Nebensächlichkeiten, die eigentlich niemanden interessieren. Bei so einfältiger Filmware packt den Filmfreund am Ende das Grausen: Jack kriecht am Ende wutentbrannt aus den Rohren der Abwasserschächte, um unter monströsem Gebrüll die Fortsetzung einläuten zu können. Die kann gut und gerne noch 30 Jahre warten. Denn: Keiner macht so atomarisch gute Filme, wie TROMA. Alles andere ist Kindergarten.
 
 
 


 
 
 

SEPTIC MAN – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Ekelhaft, widerlich und Brechreiz erregend – TROMA bekommt mit diesem deftigen Ekel-Exzess Konkurrenz. Regisseur JESSE THOMAS COOK und Drehbuchautor TONY BURGESS lassen erneut die guten, alten TROMAVILLE-Zeiten aufleben und hantieren mit kontaminiertem Wasser, um ein paar widerliche Mutationsmomente zurück auf die Mattscheibe bringen zu können. Was während der TROMA-Ära in den 80ern in ATOMIC HERO noch mit viel bitterbösem Humor garniert wurde, erhält im Falle von SEPTIC MAN einen ernsten Unterton und verbreitet keine Laune. Die erhofften Transformationsmomente machen sich rar, stattdessen flimmert ein ereignisloses Kammerspiel über den TV-Apparat, das um konstruiert wirkende Handlungsstränge bereichert wurde, damit der Streifen mit seinen hart erkämpften 90 Minuten als Spielfilm bezeichnet werden konnte. Trotz grafischem Ausscheiden von Körperflüssigkeiten und gewöhnungsbnedürftigem Körper-Horror ist der Fun-Faktor gering. Stattdessen gibt es einen Film zu sehen, der trotz Umweltproblematik keinen tieferen Sinn vermitteln will und sich zieht wie Kaugummi. So etwas braucht die Filmwelt nicht. Nur schade um die guten Spezialeffekte.
 
 
 


 
 
 

SEPTIC MAN – Zensur

 
 
 
Die wohl grafischste Szene ist die, in der einer der Brüder mit einer Kettensäge zerteilt wird. Ansonsten gibt es einige Mutationseffekte sowie eine Ratten-Fressszene zu begutachten. Ein ultra-brutales Splatterfest ist SEPTIC MAN erstaunlicherweise nicht geworden. Der rote KJ-Flatschen auf dem Cover dürfte deshalb ausreichen.
 
 


 
 
 

SEPTIC MAN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:

 
The Toxic Avenger (1984)
 
Body Melt (1993)
 
Street Trash (1987)