FILMCHECKER – Die Seite im Netz für Horror. ☠☠☠ Kritiken zu den besten Horrorfilmen ☣☣☣ Slasher, Folterfilme, Thriller, Splatterfilme, Gruselfilme.

Beiträge mit Schlagwort “Kannibale

Filmkritik: „RAW“ (2016)

raw-2016-poster
 
 
 

RAW

(GRAVE)

Story

 
 
 

Eine überzeugte Vegetarierin verwandelt sich zur leidenschaftlichen Fleischesserin und richtet damit Unheil an.

 
 
 


 
 
 

RAW – Kritik

 
 
 
Man darf nicht immer alles glauben, was über Filme geschrieben wird. Was oft in Klatsch- und Tratschblättern ins Absurdum getrieben wird, damit mit den Schicksalen anderer Kasse gemacht werden kann, findet auch gut und gern mal in der Filmszene Verwendung, um den Kauf von Kinotickets anzukurbeln. So geschehen zur Weltpremiere des französischen Horror-Dramas RAW. Schenkt man nämlich Berichten Glauben, die im Internet die Runde machen, soll der Streifen so heftig sein, dass Zuschauer bei der Uraufführung in Cannes schockiert aus dem Kinosaal liefen. Doch es geht noch krasser. Als der Streifen zum Filmfestival im kanadischen Toronto gezeigt wurde, wurde sogar medizinische Betreuung benötigt, weil Zuschauer wegen unappetitlicher Szenen in Ohnmacht gefallen sein sollen. Das ist vermutlich absoluter Unfug, aber immerhin cleveres PR, um RAW bei Horrorfans interessant machen zu können. Letztere sollten sich aber von der verheißungsvollen Werbung nicht blenden lassen. RAW hat nämlich kaum Schauwerte zu bieten und ist ohnehin mehr Drama statt Horror. Regisseurin JULIA DUCOURNAU hält von reißerischen Grausamkeiten Abstand und verfolgt andere Intensionen. Damit macht sie alles richtig – auch wenn gleichzeitig enttäuschte Gesichter vorprogrammiert sein dürften, weil Frankreich in Sachen Horror seit Jahren einen härteren Kurs verfolgt.
 
 
raw-2016-bild-2
 
 
Ein neuer Lebensabschnitt bringt nicht selten neue Probleme mit sich. Diese Erfahrung muss auch die verschlossene Musterschülerin Justine (GARANCE MARILLIER) machen, die ihr Studium an einem Institut für Tiermedizin beginnt und es alles andere als leicht hat. Nicht nur, dass sie als Neuling die Demütigungen älterer Kommilitonen über sich ergehen lassen muss. Auch der Speiseplan an der Uni-Mensa hat mit dem von Hotel Mama nur wenig gemein. Hier isst man mit Vorliebe gebratenes Fleisch, was für die überzeugte Vegetarierin zum größten Problem wird. Leider nimmt auf Gaumenfreuden hier niemand Rücksicht – nicht einmal die eigene Schwester. Die stopft der verunsicherten Justine bei einem Aufnahmeritual eingelegte Hasennieren in den Mund und weckt somit neue Instinkte in der schüchternen Studentin. Leider führt die neue Vorliebe nach Fleisch zu Komplikationen. Einmal gekostet macht sich ein hässlicher Ausschlag breit, der mit Salbe behandelt werden muss. Doch es kommt noch schlimmer. Als bei einer Intimwachsstunde versehentlich Blut fließt, passiert das Unfassbare. Justine probiert neugierig vom Lebenssaft der großen Schwester und weckt so die Bestie in sich.
 
 
raw-2016-bild-1
 
 
Wenn Teenager erwachsen werden und dabei die Kontrolle verlieren. Viel mit Horror hat RAW nicht gemeint. Regie-Newcomerin JULIA DUCOURNAUS erzählt im ersten Langfilm vom Erwachsenwerden und welche Hürden gleichzeitig überwunden werden müssen. Dabei analysiert die Filmemacherin zerrüttete Seelenwelten von Teenagern und ruft so den Überraschungshit IT FOLLOWS ins Gedächtnis, der im Jahr 2015 mit nicht unähnlicher Thematik für Furore gesorgt hat. RAW ist ein zynisches Coming-of-Age-Drama, das mit den Mitteln des Horrorkinos erzählt wird. Hier kommt eine introvertierte Außenseiterin mit Menschenfleisch in Berührung und entwickelt kannibalistische Neigungen. Das Thema „Kannibalismus“ hat dabei jedoch nur Metapher-Funktion und symbolisiert die unterdrückte und unkontrollierbare Sexualität, welche allmählich von Heldin Justine Besitz ergreift. Die verliert bald die Kontrolle über sich und ihren Körper, ohne dabei zu ahnen, was für ein Chaos sie damit anrichtet. Sex und Triebe machen eben aus Menschen Tiere – Cronenbergs RABID lässt grüßen.
 
 
raw-2016-bild-3
 
 


 
 
 

RAW – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Weit weg vom einfältigen Genre-Kino oder reißerischen Ekelexzessen eines CANNIBAL HOLOCAUST. RAW besitzt zwar Body-Horror-Elemente und schneidet kontroverse Kannibalismus-Thematik an, ist aber unterm Strich eher ein rabenschwarzes Coming-of-Age-Drama, das sich irgendwo zwischen experimentellen Arthaus und mutigem Indie-Kino bewegt. Regisseurin JULIA DUCOURNAU – die sich offenbar vom Vater des Body-Horrors DAVID CRONENBERG inspirieren ließ – versucht im ersten Spielfilm Veränderungen eines Teenagers zu ergründen, der durch äußere und innere Einflüsse zum Erwachsenen heranreift. Leider ist der Reifeprozess alles andere als unkompliziert, denn Filmheldin Justine erlebt im Verlaufe von RAW eine schmerzhafte Verwandlung vom Mauerblümchen zur Frau, die vielen Versuchungen ausgesetzt ist – und keiner widerstehen kann. Der französische Indie-Geheimtipp hat kaum Schauwerte zu bieten und ist mehr Geschichte einer Außenseiterin, die aus gut behüteten Verhältnissen kommt und mit dem „richtigen“ Leben konfrontiert wird. Das bringt die Schülerin ins Stolpern, weil sie im neuen Lebensabschnitt mit Dingen in Berührung kommt, die ihr die Eltern bisher vorenthalten haben. RAW ist ein tragisch aber gleichzeitig komisches Genre-Erlebnis, für das man tiefer forschen muss, um es im Ganzen verstehen zu können. Deshalb lohnt eine Zweitsichtung, vor allem der vielen Metaphern wegen. Somit tritt Filmemacherin JULIA DUCOURNAU in die gleichen Fußstapfen wie bereits TOMAS ALFREDSONS. Der drehte mit SO FINSTER DIE NACHT im Jahr 2008 einen interessanten Streifen, der zumindest thematisch und atmosphärisch RAW nicht unähnlich ist. Demzufolge gilt auch hier: Wer den Anspruch im Horror-Genre sucht, ist mit RAW gut beraten, denn trotz kleiner Schwächen in der zweiten Filmhälfte ist dieses Genre-Drama für ein Erstlingswerk bemerkenswert tiefgründig.
 
 
 


 
 
 

RAW – Zensur

 
 
 
Wer trotz Kannibalismus-Thematik ausufernde Fressszenen erwartet, dürfte enttäuscht werden. RAW (der anfangs übrigens noch GRAVE hieß) ist mehr Drama statt Horror. Die Hauptdarstellerin knabbert an einem abgetrennten Finger, beißt sich in die eigene Hand und findet Gefallen daran, einem Kommilitonen in die Lippe zu beißen. Zudem gibt es einen abgenagten Unterschenkel eines Studenten zu sehen. Hierzulande dürfte das alles mit einer FSK16 in den Handel kommen, da die wirklich überschaubaren Ekelmomente nicht selbstzweckhaft zelebriert werden.
 
 
 


 
 
 

RAW – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Wild Bunch)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Alena (2015)
 
Eat (2013)
 
Excision (2012)
 
Naked Blood (1995)
 
Thanatomorphose (2012)
 
Rabid (1977)
 
Shivers (1975)
 
So finster die Nacht (2008)
 
Sensoria (2015)
 

Advertisements

Filmkritik: „Scathing“ (2016)

scathing-2016-poster
 
 
 

SCATHING

Story

 
 
 
Zwei Frischverliebte geraten in die Fänge eines skrupellosen Kannibalen.
 
 
 


 
 
 

SCATHING – Kritik

 
 
 
Wie sich Zeiten ändern. Vor zwanzig Jahren noch haben leidenschaftliche Filmliebhaber mit Videokamera und Freunden in der Garage ihre eigenen Horrorfilme gedreht. In den meisten Fällen war der hervorgebrachte Blödsinn wegen mangelnder Professionalität, fehlendem Budget und unzureichendem Equipment kaum zu ertragen. Dank Wegbereiter modernen Amateur-Horrors wie JÖRG BUTTGEREIT oder OLAF ITTENBACH konnte sich dennoch ein kleiner Nischenmarkt etablieren, der auch heute noch im Untergrund lauert und durchaus seine Fans hat. Mittlerweile hat sich das Blatt aber gewendet. Amateur-Horror lässt sich in einer hochmodernen Zeit wie der heutigen nicht mehr so einfach als solcher identifizieren. Dazu hat vor allem die allgegenwärtige Digitalisierung beigetragen, die ästhetische Videoschnipsel auf heimische TV-Geräte manövriert, die man zuvor mit dem Handy oder Urlaubskamera aufgenommen hat. Jeder kann Horrorfilme drehen. Ein Smartphone und zugehörige Handyprogramme reichen aus, um HD-Schocker zu inszenieren. Schnittsoftware und Farbfilter gibt’s im Internet als Downloads zuhauf. So kann man den Horrorfilm Marke Eigenbau mit individueller Handschrift versehen. Ein Grund mehr, warum Amateur-Schocker von heute so aussehen, wie Hollywood-Filme von vor 30 Jahren. Eine beunruhigende Entwicklung, die schon so einigen Horrorfilmfans Lebenszeit geraubt hat, weil sich hinter hochauflösender Grusel-Ästhetik nicht selten grauenhafte Amateur-Drehbücher und untalentierte Laiendarsteller versteckt haben.
 
 
scathing-2016-bild-1
 
 
Auch für den Horrorfilm SCATHING trifft das zu. Der Film wurde mit 4K-Kameras gedreht und schaut dementsprechend auch fabelhaft aus. Leider dürfte schnell die Freude am visuellen Gaumenschmaus vergehen, wenn man genauer unter die Lupe nimmt, was überhaupt geboten wird. Viel ist das leider nicht, denn die Handlung ist erschreckend rudimentär und orientiert sich beim Aufbau am Slasher-Einerlei der letzten gefühlt 100 Jahre. Im Langfilmdebüt von Regisseur JOSEPH MAZZAFERRO will Teenager Amanda (ALLIE SPARKS) nicht auf die Eltern hören. Die darf nicht außer Haus, springt aber trotzdem ins Auto von Boyfriend Adam (MICHAEL FRASCINO), der Lust auf Fummeln und Anfassen hat. Der Flitzer wird auf menschenleerem Gelände geparkt, damit man ungestört knutschen kann. Doch Ungehorsam muss bestraft werden. So springt am nächsten Morgen der Motor nicht an. Freunde eilen zur Hilfe und geraten ins Visier eines gewissenlosen Kannibalen, der in seiner Hütte Menschen zerlegt und verspeist. Keine guten Voraussetzungen für Amanda und Adam. Die können sich noch rechtzeitig im Auto verschanzen, während die Freunde auf grausame Weise ihr Leben lassen müssen. Was folgt, hat man schon so oft gesehen. Der Killer spielt mit seinen Opfern perfide Spiele und sorgt damit für unerträgliches Opfergeschrei. Immerhin spritzt dabei reichlich Blut, sodass zumindest Gorehounds zufriedengestellt werden können. Alle übrigen Zuschauer dürften wegen stümperhafter Schnitte, schlechter Ausleuchtung und fiesem Schauspiel schon nach wenigen Minuten das Weite suchen.
 
 
scathing-2016-bild-2
 
 
Willkommen zur Slasher-Version des King’schen Roman-Albtraums CUJO. So zumindest lässt sich am besten beschreiben, was dem Zuschauer in SCATHING zugemutet wird. Hier flüchten zwei nicht sonderlich kluge Teenager in ein Auto, das wenig später von einem langhaarigen Psychopathen belagert wird. Letzterer trägt aus nicht näher erläuterten Gründen einen Schweißerhelm und erinnert wegen seiner hünenhaften Erscheinung an Killer in Filmen wie BIKINI GIRLS ON ICE und HAZARD JACK. Weil der Filmbösewicht nicht gerade zimperlich zur Sache geht und gern mal an Menschenherzen oder Babys knabbert, wird ein gesunder Magen vorausgesetzt. Der ist vor allem deshalb wichtig, weil einige der billigen Effekte wegen ihrer schmuddeligen Inszenierung dann doch recht hart anzusehen sind. Da werden Opfer ausgeweidet und zerstückelt. Ganz zur Freude der Splatter-Fraktion, die an den kruden Ekelmomenten ihre Freude haben wird. Leider ist der technisch solide in Szene gesetzte Amateur-Backwood-Slasher trotzdem kein Hit. Die Gewaltmomente sind nämlich das einzige, was in Erinnerung bleibt. Der Rest ist unzumutbar, wobei vor allem das unerträgliche Schauspiel zu nennen wäre. Hier hat man wohl Leute von der Straße aufgelesen, die sich für eine Packung Chips vor der Kamera zum Apfel machen wollten. Gott sei Dank mussten die untalentierten Jungdarsteller nur wenig Text lernen, denn außer Schreien, Winseln und schließlich Sterben wird den Leutchen nicht viel abverlangt. Umso verwunderlicher, was Regisseur JOSEPH MAZZAFERRO in der Kickstarter-Kampagne zu SCATHING schrieb. Leicht selbstüberschätzt erklärte er spendablen Fans dort, was er sich vom ersten Langfilm erhofft: I aim to make the critics say this is the best horror film of it’s kind since Friday the 13th.
 
 
scathing-2016-bild-3
 
 


 
 
 

SCATHING – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
BIKINI GIRLS ON ICE meets HAZARD JACK. SCATHING ist ein Amateur-Slasher der neuen Generation, der dank 4K-Kameras ziemlich gut ausschaut und zumindest visuell gesehen vielen Meuchelfilmen aus den 1980ern um Längen voraus ist. Inhaltlich wird hier aber auf Sparflamme geköchelt. Zwei Teenager werden von einem Psychopathen tyrannisiert, der Lust auf Katz- und Mausspiele hat. Die Atmosphäre mit ihrer dreckigen Optik und der Ablauf der Handlung erinnert an das TEXAS CHAINSAW MASSACRE aus der Mache des MICHAEL BAY. Trotzdem sollte man erst gar nicht versuchen, irgendwelche Vergleiche zu ziehen. SCATHING ist eine ganz andere Hausnummer und wurde vermutlich mit einem Minimum an Dollars umgesetzt. Das wird vor allem beim rudimentären Drehbuch und an den mehr als schlechten Schauspielern deutlich. Zumindest gewalttechnisch tischt SCATHING groß auf. Wer sich damit zufrieden gibt und sich dessen bewusst ist, dass es sich hier immer noch um Amateurware handelt, kann gern mal einen Blick wagen – sollte aber nicht zuviel erwarten.
 
 
 


 
 
 

SCATHING – Zensur

 
 
 
In SCATHING geht es nicht gerade zimperlich zu. Von Ausweidungen über Zerstückelung von Menschen gibt es einiges zu sehen. Zudem knabbert der Filmkiller gern mal an menschlichen Herzen oder brät sich ein Baby. Wegen des schlecht ausgeleuchteten Amateurlooks sehen die simpel getricksten Spezialeffekte doch recht heftig aus. Weil es in der Vergangenheit schon ähnliche Filme gegeben hat (u.a. SLASHER IN THE WOODS) dürfte SCATHING wohl nur geschnitten in Deutschland erscheinen – insofern der Film hier überhaupt ausgewertet werden sollte.
 
 
 


 
 
 

SCATHING – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte Film für Grafiken liegen bei Midnight Releasing)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Slasher in the Woods (2013)
 
Pinup Dolls on Ice (2013)
 
Girlhouse – Töte, was du nicht kriegen kannst (2014)
 
Hazard Jack (2014)


Filmkritik: „The Evil in Us“ (2016)

the-evil-in-us-bild-poster
 
 
 

THE EVIL IN US

Story

 
 
 
Ein Drogentrip mit Folgen. Sechs Freunde verwandeln sich nach der Einnahme von Kokain in aggressive Killerfurien.

 
 
 


 
 
 

THE EVIL IN US – Kritik

 
 
 
Wenn unwissende Teenager zu einer Hütte in den Wald fahren, weiß der Horrorfan mittlerweile wie das ausgehen wird. Seit EVIL DEAD, CABIN FEVER oder THE CABIN IN THE WOOD sind einsame Bretterbuden in den Wäldern schon lange kein Garant mehr für Idylle, Romantik und Erholung. In Horrorfilmen sorgen diese klapprigen Waldbehausungen in der Regel für Tod, Verderben und Chaos. Das führt dazu, dass oft nur wenige ihrer Besucher lebend in die Zivilisation zurückfinden. Auch im folgenden Horrorthriller mit dem Titel THE EVIL IN US ist das nicht anders. Hier gibt bereits der Titel einen kleinen Vorgeschmack auf das, was den Zuschauer im Film erwarten wird. Das sprichwörtliche Böse frisst sich hier durchs Drehbuch, das in scheinbar friedliebenden Menschen entfacht wird und so niedere Instinkte weckt. Wenn das mal keine guten Aussichten für all jene sind, die eine Vorliebe für blutige Schlachtfeste besitzen.
 
 
the-evil-in-us-bild-1
 
 
Im kanadischen Horrorthriller THE EVIL IN US reisen sechs Freunde auf eine entlegene Insel irgendwo vor der Küste Washingtons, um dort den Unabhängigkeitstag zu feiern. Doch die kleine Feier soll ihr Verhängnis werden. Einer der Freunde hat nämlich Drogen dabei, die die Fete etwas auflockern sollen. Doch kaum sind die Drogen im Körper gelandet, passiert das Unfassbare. Die Kumpels legen eine unbändige Wut an den Tag und entwickeln kannibalistische Neigungen. So beginnen sie sich gegenseitig zu zerfleischen bis am Ende keiner mehr von ihnen am Leben ist. Doch die schockierende Verwandlung kommt nicht von ungefähr. Eine ominöse Organisation experimentiert im Untergrund mit aggressiven Viren, die das menschliche Nervensystem manipulieren sollen. Heimlich hat man diesen Killervirus in Drogen versteckt und auf den Markt gebracht. Was folgt gleicht einem Desaster, denn Menschen die diesen Übeltäter in sich tragen, werden zu unaufhaltsamen Killermaschinen. Das sind keine guten Aussichten für die gesamte Menschheit.
 
 
the-evil-in-us-bild-3
 
 
THE EVIL IN US ist die x-te Version über flache Charaktere, die in eine Waldhütte fahren und dort den Terror erleben. Zombie und Hütten-Horrorfans wird’s vermutlich freuen, denn Blut fließt reichlich und eklige Momente gibt es auch zu sehen. Dennoch hat man auch bei diesem Horrorstreifen häufiger das Gefühl, als habe man genau jenen Film – nur mit anderen Schauspielern besetzt – schön öfters gesehen. Das liegt in erster Linie wohl daran, weil Regisseur und Drehbuchautor JASON WILLIAM LEE die Atmosphäre von CABIN FEVER mit bekannten Zombie-Klischees kombiniert und daraus Horrorunterhaltung macht, die bei genauerer Betrachtung eigentlich eher bei anderen Horrorfilmen stibitzt. Originalität, Neuerungen oder gar frische Ideen sind Mangelware, was THE EVIL IN US beliebig macht. So ist eine Virusinfektion auf Zeit die einzige neue Idee in diesem sonst eher einfallslosen Film, der einzig darauf aus ist am Ende den Holzhammer aus dem Sack zu lassen. Während in den meisten Zombiefilmen eine Infektion mit einem Virus den Tod bedeutet, haben die Protagonisten in diesem Film eine realistische Überlebenschance. Der Eindringling wütet nämlich nur wenige Stunden im Körper. Leider wissen das die Freunde nicht und zerfleischen sich im Blutrausch gegenseitig, noch bevor der Körper den Virus bekämpfen kann. Damit tritt der Film in die gleichen Fußstapfen wie der spanische SUMMER CAMP, der im Prinzip eine ganz ähnliche Geschichte erzählt hat, die aber weitaus spannender und atmosphärischer in Szene gesetzt wurde.
 
 
the-evil-in-us-bild-4
 
 
Unterm Strich ist THE EVIL IN US kein herausragender Horrorfilm. Fast alle Protagonisten sehen aus wie aus dem Ei gepellt und entsprechen den gängigen Stereotypen, die man schon so oft in dieser Art von Filmen zu sehen bekommen hat. Viel wird von denen auch nicht abverlangt – außer vielleicht, dass sie am Ende möglichst laut um ihr Leben kreischen sollen. Doch vorhersehbaren Erzählmechanismen und aufdringliche Klischees sind noch das kleinere Übel. Viel unerträglicher ist das oftmals hölzerne Schauspiel. Die jungen Darsteller geben zwar ihr Bestes, übertreiben es ab hin und wieder. Das hat zur Folge, dass Gezeigtes übertrieben und unnatürlich wirkt, was den Sehgenuss erheblich trübt. Demzufolge ist auch THE EVIL IN US nur all jenen zu empfehlen, die nach den vielen Zombiefilmen der letzten Jahre einfach nicht genug davon bekommen können. Der Film spult bekannte Mechanismen aus dieser Art von Streifen unkreativ ab und ergänzt sie mit Filmgewalt. Das langweilt leider ziemlich schnell. Wen es interessiert: Die blutigen Höhepunkte reduzieren sich auf die letzte halbe Stunde. Was sich davor abspielt, ist kaum der Rede wert.
 
 
the-evil-in-us-bild-2
 
 


 
 
 

THE EVIL IN US – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
28 DAYS LATER meets CABIN FEVER. Kompromisslose Überlebenshatz mit blutigem Showdown. Hinter dem ansprechenden Filmplakat verbirgt sich kein herausragender Horrorfilm. THE EVIL IN US ist ein beliebiger Schocker, der die allmählich nervende Zombiethematik streift und sich irgendwo zwischen CABIN FEVER und THE CRAZIES bewegt. Was passiert ist so ziemlich vorhersehbar. Allein die letzten 30 Minuten könnten das Interesse von Horrorfans wecken. Dort geht es nämlich relativ grob zur Sache. Nacheinander werden Mittzwanziger von einem Virus befallen, der ihre aggressive Seite entfacht – um mal wieder zum Titel des Films zu kommen. Das sorgt immerhin für blutiges Einerlei, weil sich die Protagonisten gegenseitig an die Gurgel gehen. Ob das allein ausreicht, um das Sehen eines Horrorfilms zu rechtfertigen, sollte aber jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Für uns als Kritikerteam ist das leider zu wenig.
 
 
 


 
 
 

THE EVIL IN US – Zensur

 
 
 
In der letzten halben Stunde geht die Post ab. Von Ausweidungen bis Verbrennungen ist einiges dabei, was Horrorfans zusagen dürfte. Trotzdem ist das alles noch im vertretbaren Rahmen, so dass eine Freigabe mit rotem FSK-Flatschen realistisch ist. Ungeschnitten und keine Jugendfreigabe versteht sich.
 
 
 


 
 
 

THE EVIL IN US – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Poster liegen bei Sandcastle Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Summer Camp (2015)
 
The Crazies – Fürchte deinen Nächsten (2010)
 
Carriers (2009)
 


Filmkritik: „Bleed“ (2016)

bleed-2016-poster
 
 
 

BLEED

Story

 
 
 

Sechs Freunde erleben den Horror ihres Lebens. Während einer kleinen Feier unter Freunden kommt man auf die Idee, unheimlichen Legenden eines verlassenen Gefängnisses genauer unter die Lupe zu nehmen. Wer schon einige Horrorfilme gesehen hat wird wissen, dass das kein gutes Ende nehmen wird.

 
 
 


 
 
 

BLEED – Kritik

 
 
 
Eigentlich hätte für Sarah (CHELSEY CRISP) und Ehemann Matt (MICHAEL STEGER) alles so schön werden können. Die beiden erwarten ein Baby und beziehen ein neues Haus irgendwo fernab der Großstadthektik, wo ein neues Leben für die noch junge Familie beginnen soll. Um den Anlass feiern zu können, werden Freunde und Sarahs Bruder Eric (RILEY SMITH aus GALLOWWALKERS) übers Wochenende ins neue Heim eingeladen. Letzterer ist ein Draufgänger und Frauenheld, der irgendwie nichts auf die Reihe bekommen will und sich bei der großen Schwester erstmal Geld leihen muss, um überhaupt über die Runden zu kommen. Wie es sich für einen Horrorfilm gehört, werden die Geschehnisse bald eine gruselige Wendung nehmen. Einer der Freunde berichtet von schaurigen Geschichten, die sich um die Gegend ranken. So soll sich in einem Gefängnis ganz in der Nähe Unheimliches ereignet haben. Serienkiller und Kannibale Kane (RAJINDER KALA) soll dort inhaftiert und bei einem Feuer ums Leben gekommen sein. Weil Neugierde größer ist als Verstand, macht sich die Gruppe auf, um den leerstehenden Gebäudekomplex genauer zu erforschen. Wie immer in solchen Filmen ein fataler Fehler, den die naiven Freunde mit dem Leben bezahlen müssen.
 
 
bleed-2016-bild-3
 
 
Wenn sich Horrorfilme nicht ins Gedächtnis einbrennen wollen, hat der Regisseur wohl sein Ziel verfehlt. BLEED (Arbeitstitel war THE CIRCLE bzw. THE HARVESTING) ist einer dieser Filme, die krampfhaft darum bemüht sind anders zu sein, aber es letztendlich trotzdem nicht schaffen, das Interesse des Zuschauers für sich zu gewinnen. Regie-Newcomer TRIPP RHAME hat viele Ideen gesammelt. Das ist eigentlich löblich, denn Neuerungen werden gern in einem Genre gesehen, dem offensichtlich nichts Neues mehr einfallen möchte. Leider ist BLEED förmlich zugemüllt mit zahlreiche Nebenhandlungen und Gedankenblitzen, dass schnell der Überblick verloren geht. TRIPP RHAME erzählt im Spielfilmdebüt von unerklärlichen Phänomenen, einem übernatürlichen Mörder und ominösen Hinterwäldlern, die eine Leidenschaft fürs Okkulte besitzen. Das Fatale: BLEED ist für die Fülle an Informationen einfach zu kurz geraten, so dass kaum einer der diversen Handlungsstränge zufriedenstellend und plausibel abgehandelt werden kann. Das hat am Ende der Macher wohl selbst gemerkt und macht von Taschenspielertricks Gebrauch. Fiese Schreckmomenten und nicht immer überzeugende Spezialeffekte sollen von der konfusen Handlung ablenken und dafür sorgen, dass der Zuschauer keine unbequemen Fragen stellt. Das funktioniert anfangs ganz gut. Doch je näher sich BLEED dem Ende nähert, umso gravierender werden Logiklücken, die sich auch nicht mehr mit kostengünstigen CGI-Effekten verschleiern lassen.
 
 
bleed-2016-bild-2
 
 
BLEED ist kein nennenswerter Horror-Indie. Der Streifen lässt mal wieder Figuren seltsame Dinge tun, an die kein normalsterblicher Mensch denken würde. So bleibt unverständlich, warum Erwachsene ausgerechnet in der Nacht ein verlassenes Gefängnis erkunden und darin sogar noch ein Schäferstündchen halten müssen. Außerdem unklar, wieso einer der Protagonisten die Geisterjagd fortsetzen möchte, nachdem er schwer verletzt wurde und dem Sensenmann noch einmal durch die Lappen gehen konnte. Möchte man in derart Situation nicht besser in einem Krankenhaus versorgt werden? In BLEED rauben ausgelutschte Horrorklischees den letzten Nerv. Das frustriert alteingesessene Horrorfans, die eigentlich Neuerungen im Horrorfilm suchen und sich mit dummen Charakteren und hanebüchenen Hokuspokus auseinandersetzen müssen. Doch das ist noch nicht alles, denn ein verworrener Mix der Subgenres vermasselt den Spannungsbogen, den man in BLEED ohnehin mit der Lupe suchen muss. Was bleibt sind eine Handvoll düstere Momente und ein schaurig geschminkter Bösewicht, der rastlos durch Gefängnisgänge spukt und immerhin für etwas Atmosphäre sorgt. Das allein macht aber noch keinen guten Horrorfilm, denn aufgrund billigem Indie-Looks (der Film hat gerade einmal 550.000 Dollar gekostet) verlieren die meisten gut gemeinten Schauer an Intensität. Demzufolge ist BLEED nur für Allesseher zu empfehlen, die auch jeden Horrorfilm schauen müssen, um mitreden zu können.
 
 
bleed-2016-bild-1
 
 
 


 
 
 

BLEED – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Große Ziele doch viel zu kleines Budget. Regisseur TRIPP RHAME hat sich in BLEED wohl etwas verzettelt. Der wollte Großes erreichen und hat in seiner Euphorie viel vermasselt. Sein erster Spielfilm ist überladen mit Ideen. BLEED ist ein Mix aus diversen Subgenres und kommt aufgrund der vielen Handlungsstränge ins Taumeln, die leider nur angerissen und oberflächlich zu Ende gebracht werden. So lässt sich nicht so recht einordnen, was BLEED denn nun eigentlich für ein Film ist. Der Streifen streift Spuk, Okkult- und Serienkiller-Genre, macht von minderwertigen Spezialeffekten Gebrauch, verwirrt unnötig und hält den Zuschauer mit unglaubwürdig handelnden Protagonisten für dumm. Leider hat Macher TRIPP RHAM nicht mit der List des Publikums gerechnet. Das hat die Macht über die Fernbedienung und schaltet einfach ab, wenn es zu dämlich wird. Im Falle von BLEED wäre das wohl angebracht, denn der Film ist weder spannend, klug noch sonderlich gruselig. Keine guten Voraussetzungen für einen Horrorfilm.
 
 
 


 
 
 

BLEED – Zensur

 
 
 
Am Ende erwacht der Film aus seiner Lethargie und es gibt Mord und Totschlag zu sehen. Neben aufgehängten Körperteilen wird in Köpfe geschossen und Hälse mit spitzem Gegenstand aufgeschlitzt. Klingt brutal, ist es aber nicht sonderlich. Eine FSK16 dürfte ausreichen.
 
 
 


 
 
 

BLEED – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
666 – Paranormal Prison (2013)

Zellblock 11 (2014)

House of Dust (2013)

Driftwood (2006)


Filmkritik: „Bone Tomahawk“ (2015)

bone-tomahawk-2015-poster
 
 
 

BONE TOMAHAWK

Story

 
 
 
Irgendwo im Nirgendwo stoßen vier Cowboys auf einen hungrigen Indianerstamm aus Kannibalen und müssen um ihr Leben fürchten.

 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Kritik

 
 
 
Der Western lässt sich einfach nicht unterkriegen. Seit einigen Jahren erlebt das immer wieder totgesagten Genres unregelmäßige Revivals und das, obwohl die Hochzeiten des Spät- und Italo-Western schon längst Dekaden zurückliegen. Dass man mit dieser Art von Filmen auch heute noch genug Asche verdienen und auch Oscars gewinnen kann, bewies 2012 Kultregisseur QUENTIN TARANTINO. Der lies mit dem Neo-Western DJANGO UNCHAINED nicht nur Kinokassen klingeln; ihm gelang sogar das Kunststück den staubigen Western einer neuen, jungen Generation schmackhaft zu machen, die bisher nur in Gesprächen mit den Eltern von der Existenz jener Filme erfahren hat. Im Fahrtwasser des aktuellen Cowboy-Hypes will nun auch Newcomer S. CRAIG ZAHLER ein Stück vom Erfolgskuchen abhaben. Der eifert mit BONE TOMAHAWK nicht nur genannten Tarantino nach, sondern holte sich beim obligatorischen Filmtwist kreativen Ideeninput bei FROM DUSK TILL DAWN (übrigens auch von Tarantino geschrieben) – jenem Roadmovie, das sich nach der Halbzeit unerwartet zum irrwitzigen Splatter-Trip verwandelt, in dem Vampire die Leinwand heimsuchen.
 
 
Bone-Tomahawk-bild-1
 
 
Ebenso blutig, aber weniger spaßig geht es in BONE TOMAHAWK zu. Der erzählt von seltsamen Ereignissen in der kleinen Stadt Bright Hope, wo plötzlich Menschen verschwinden oder tot aufgefunden werden. Wilde Tiere sollen für schlimm zugerichteten Leichen verantwortlich gemacht werden. Doch einer der Einheimischen weiß Genaueres. So sollen Kannibalen – sogenannte Troglodyten – in den Bergen ihr Unwesen treiben und sich vom Fleisch der Menschen ernähren. Als der Höhlenbewohner erneut in die Stadt einkehren, einen farbigen Stallburschen abschlachten, Pferde stehlen und Stadtbewohner in ihre Höhlen verschleppen, beschließt Sheriff Franklin Hunt (gespielt von Altstar KURT RUSSELL) dem grausamen Treiben ein Ende zu bereiten. Er trommelt eine Gruppe Freiwilliger zusammen und folgt den Entführern in die Berge. Leider sind die stärker als erwartet, denn bewaffnet mit Pfeil und Bogen trotzen sie den Gewehren ihrer Verfolger. Leider haben unsere tapferen Helden nicht mit der Zähheit ihrer Gegner gerechnet. Die befinden sich bald selbst auf dem Speiseplan der Kannibalen und müssen ums Überleben bangen.
 
 
Bone-Tomahawk-bild-2
 
 
Laut diversen Interviews schlug das Herz des amerikanischen Regie-Neulings schon immer für das Western-Genre. So wirkte er bereits als Kameramann und Drehbuchautor (darunter der Anstalts-Horror THE INCIDENT) an diversen Filmprojekten mit, nahm sich aber auch die Freiheit selbst Romane und Drehbücher über den Wilden Westen zu schreiben. Mit BONE TOMAHAWK konnte sich Macher S. CRAIG ZAHLER einen langjährigen Traum verwirklichen und eines seiner eigenen Western-Skripte auf die Leinwand bringen. Angelehnt an die schmuddligen Spaghetti-Western der späten 1960, überrascht Zahler mit unüblicher Kreuzung von Filmgenres. BONE TOMAHAWK ist kein lupenreiner Western in dem Postkutschen ausgeraubt oder Revolverduelle zelebriert werden. Vielmehr entpuppt sich der Streifen als Western-Spektakel der Extreme, das von deftigen Horrorelementen Gebrauch macht und das nicht gerade wenig.
 
 
Bone-Tomahawk-bild-4
 
 
Regisseur S. CRAIG ZAHLER verlangt einiges vom Zuschauer ab. Er setzt Sitzfleisch und Geduld voraus, belohnt dafür mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und überraschend brutalem Ende. So ist der erste Langfilm mit knapp 130 Minuten äußerst lang geraten, weil er sich zu viel Zeit lässt, um den beschwerlichen Fußmarsch seiner vier Helden auf Film zu bannen. Die erzählen viel und erreichen erst kurz vor der Zielgerade das Land der Kannibalen. Spätestens dann erwacht BONE TOMAHAWK aus seiner Lethargie. Dank drastischem Richtungswechsel hinterlässt der Film Eindruck, denn im Finale wird der anfängliche Neo-Western zum harten Überlebens-Horror, in dem die wohl deftigsten Gewaltmomente vor die Linse kommen, die man bisher im Cowboy-Genre gesehen hat. Statt lustigem Fun-Splatter zu zelebrieren, bleibt BONE TOMAHAWK todernst, sorgt aber immerhin für einige Schmunzler, weil die Helden trotz ernster Lage, coole Sprüche auf den Lippen haben. Trotzdem ist BONE TOMAHAWK ein zweischneidiges Schwert. Fans staubiger Wildwestfilme dürfte die schwerfällige Inszenierung und das zu grausame Ende abschrecken. Horrorfans werden sich dagegen mit der ersten Hälfte schwertun, die im Grunde kaum Schauwerte bietet und nur wenig zu erzählen hat. Dennoch sollte man S. CRAIG ZAHLER für den Mut zum Unkonventionellen beglückwünschen. Der hat trotz zähem Erzählstil einen Western geschaffen von dem man zweifelsohne behaupten kann, so etwas noch nie gesehen zu haben.
 
 
Bone-Tomahawk-bild-3
 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein seltsamer Mix zwei Filmgenres, die unterschiedlicher nicht sein könnten. BONE TOMAHAWK ist ein außergewöhnlicher Film der Extreme. So ist der Streifen mit knapp 130 Minuten nicht nur ziemlich lang; er hat auch 90 Minuten kaum Erwähnenswertes zu erzählen. So wohnt der Zuschauer vier Helden bei, die unermüdlich durch staubige Landschaften stiefeln und dabei über Gott und die Welt plaudern. Immerhin hat Regie-Newcomer S. CRAIG ZAHLER ein Ass im Ärmel. Der Neo-Western wird kurz vor der Zielgeraden zum harten Überlebens-Horror in dem Menschen wie Vieh vor der Kamera zerlegt werden. Leider dürfte die ungewöhnliche Machart nicht bei jedem Zuschauer gut ankommen, denn die teils ereignislose Machart, die lange Laufzeit und das behäbige Tempo machen die Augen des Publikums schwer.
 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Zensur

 
 
 
BONE TOMAHAWK hat wegen der kompromisslosen Splattereinlagen von der FSK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Verwunderlich ist das nicht, denn am Ende gibt es einige harte Hinrichtungen zu sehen. Löblicherweise ist der Film hierzulande ungeschnitten erschienen.
 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Bone-Tomahawk-bluray

(c) Constantin Film | Highlight Communications

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Bone Tomahawk; USA 2015

Genre: Horror, Western

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1920 x 1080p)

Laufzeit: ca. 132 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Kinotrailer, Trailershow

Release-Termin: 21.01.2016

 

Bone Tomahawk [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Constantin Film | Highlight Communications

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gallowwalkers (2012)

John Carpenters Vampire (1988)

Ravenous – Friss oder stirb (1999)
 


Filmkritik: „He Never Died“ (2015)

he-never-died-poster
 
 
 

HE NEVER DIED

Story

 
 
 
Jack (Henry Rollins) kommt einfach nicht zur Ruhe. Er ist dazu verdammt ewig auf Erden zu wandeln, um bösen Jungs die Hintern zu versohlen. Als seine 19-jährige Tochter Andrea (Jordan Todosey) unerwartet an der Wohnungstür klingelt und ihren Vater kennenlernen möchte, gerät das bisher geregelte Leben des eigenbrötlerischen Zeitgenossen aus den Bahnen.

 
 
 


 
 
 

HE NEVER DIED – Kritik

 
 
 
Anfang der 1980er gelang HENRY ROLLINS der musikalische Durchbruch. Als zweiter Sänger der einflussreichen Hardcore-Band BLACK FLAG brachte er Konzerthallen zum Kochen und gründete 1987 die erste Version der nach ihm benannten ROLLINS BAND. Aber Hank ist ein Multitalent. Er macht nicht mehr ausschließlich Musik, sondern verdient sich sein Lohn und Brot neben Spoken-Word-Performances auch als Autor, Verleger und Schauspieler. Leider musste er sich bisher immer nur mit Nebenrollen in Filmen zufriedengeben, in denen er meist noch vor dem Abspann das Zeitliche segnete (u.a. WRONG TURN 2 und FEAST). Das ändert sich jedoch in HE NEVER DIED, denn diesmal darf er überleben und andere in Jagdgründe befördern – herrlich schwarzhumorig und garantiert nicht unblutig.
 
 
He-Never-Died-2015-bild-1
 
 
Jack (HENRY ROLLINS in einer Rolle, die ihm offensichtlich auf den Leib geschneidert wurde) lebt seit Jahrhunderten kein einfaches Leben. Der Eigenbrötler kann nämlich nicht sterben, besitzt eine unbändige Gier nach Menschenfleisch und versucht die Lust am Töten durch eine gewissen Routine im Leben zu unterbinden. So besucht er jeden Abend das gleiche Restaurant, spielt regelmäßig Bingo und kauft illegal Blut von Krankenhäusern, um seinen Durst stillen zu können. Leider kommt der bisher minutiös geplante Tagesablauf ins Wanken, als Tochter Alexandra unerwartet an der Wohnungstür klingelt. Die will endlich ihren Vater kennenlernen, ist aber über dessen eigensinnigen Willkommensgesten nicht sonderlich erfreut. Leider bleibt nicht viel Zeit für tiefsinnige Gespräche, denn das Mädchen wird von bösen Jungs verschleppt. Keine gute Idee, denn Vater Jack wird zum Rächer und tötet unkontrolliert jeden, der sich ihm in den Weg stellt.
 
 
He-Never-Died-2015-bild-2
 
 
Kannibalismus und Rache in Kombination mit coolen Sprüchen, biblischen Motiven und viel schwarzem Humor. Das sind Genre-Zutaten, die Horrorfanherzen schneller schlagen lassen. Irgendwo zwischen JOHN WICK, THE PUNISHER und EIN MANN SIEHT ROT verkörpert HENRY ROLLINS einen schweigsamen Einzelgänger, der immer einen trockenen Spruch auf den Lippen hat, wenn er kriminelle Typen verprügelt. Dabei zuzusehen bereitet eine Menge Spaß, denn der etwas andere Superheldenfilm für Erwachsene glänzt durch clever geschriebene Dialoge, eine Menge einfallsreicher Ideen und abartig gute Lacher. Leider fällt – wie so oft in Indie-Produktionen – das magere Budget ins Gewicht, denn viel Spielraum stand nicht zur Verfügung. Das macht sich vor allem bei Bühnenbild und Kulissen bemerkbar, die eher zweckmäßig umgesetzt wurden und an TV-Ware erinnern, aber immerhin den düsteren Ton des Streifens unterstreichen. Das ist aber auch nicht sonderlich schlimm, liegt der Fokus ohnehin auf den skurrilen Figuren, die sich in HE NEVER DIED so schräg verhalten, dass man meinen könnte, sie wären einem Comic entsprungen.
 
 
He-Never-Died-2015-bild-3
 
 
Wenn Väter sich aufmachen, um ihre Kinder aus den Fängen des Bösen zu befreien: HE NEVER DIED ist zynisches Rachekino mit geheimnisvollen Antihelden, der Stoff für mindestens eine Fortsetzung liefert. Das sahen die Leute aus dem Produktionsstudio 108 MEDIA ähnlich. Dort hat man sich kurzerhand dazu entschlossen den Horrorspaß gleich in Serie gehen zu lassen. Weil Horrorserien im TV momentan der Renner sind, soll eine achtteilige Miniserie die Hintergründe von Filmcharakter Jack näher beleuchten. Der outet sich im Verlauf der Filmhandlung als biblische Figur Kain, die für den Mord an Bruder Abel von Gott dazu verdammt wurde, ewig in Form eines fleischfressenden Monsters auf Erden zu wandeln. Ob er von seinen Leiden erlöst werden kann, wird sich im Serienformat zeigen. Fakt ist, dass es Drehbuchautor und Regisseur JASON KRAWCZYK mit HE NEVER DIED gelungen ist, Kannibalismus- und Rachekino so zu verschmelzen, dass am Ende ein unterhaltsamer Film entstanden ist, den man so noch nicht gesehen hat. Im Dschungel der immer wieder gleichen Horrorgeschichten ist das schon als Kunststück zu bezeichnen.
 
 
 


 
 
 

HE NEVER DIED – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein abgefahrener Rache-Mix aus Humor und Gewalt, der dank Hauptdarsteller HENRY ROLLINS schwer unterhaltsam ist. Der etwas andere Superheldenfilm für Erwachsene glänzt durch abgefahrene Ideen und viel trockenem Humor, der allein das Sehen von HE NEVER DIED rechtfertigt. Buchautor und Musiker Rollins trägt den Film auf seinen breiten Schultern und liefert eine unglaubliche Leistung ab. Beachtlich, erklärte der Künstler in einem Interview mit der Zeitschrift ROLLING STONE, dass er bisher nie Schauspielunterricht besucht hat und sich bei den Verkörperungen seiner Rollen stets auf eigene Lebenserfahrung verlassen konnte. Die Figur des mürrischen Einzelgängers scheint Rollins wie auf dem Leib geschneidert und macht Lust auf mehr Filme in denen der Sänger als Held mit scharfer Zunge fiese Schurken verprügelt. Wir meinen: HE NEVER DIED ist ein Fest – nicht nur für HENRY ROLLINS-Fans. Unbedingt sehenswert!
 
 
 


 
 
 

HE NEVER DIED – Zensur

 
 
 
Einige böse Momente gibt es zu sehen. Die sind aber nicht sonderlich schlimm anzuschauen. Trotzdem wurde der Film von der FSK erst für Erwachsene (keine Jugendfreigabe) freigegeben. Natürlich ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

HE NEVER DIED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
he-never-died-mediabook

(c) I-ON (KeepCase Blu-ray)

he-never-died-bluray

(c) I-ON (limitiertes Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: He Never Died; Kanada 2015

Genre: Horror, Action, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Mediabook

Extras: Trailer | zusätzlich im Mediabook: Film-DVD und Booklet

Release-Termin: 27.05.2016

 

He never died – Limited Mediabook [Blu-ray] auf AMAZON bestellen

He never died – KeeCase Version [Blu-ray] auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

HE NEVER DIED – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Alle Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei I-ON)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
God’s Army (1995)
 
Constantine (2005)
 
Legion (2010)
 


Filmkritik: „Bastard“ (2015)

Bastard-2015-after-dark-films
 
 
 

BASTARD

Story

 
 
 
Was für ein Zufall: Ein frisch vermähltes und blutgeiles Killer-Duo (DAN CREED und ELLIS GREER) gabelt auf der Fahrt zu einem Liveauftritt ein verliebtes Tramper-Paar (darunter REBEKAH KENNEDY aus HOUSE HUNTING und THE UNDERNEATH) auf der Landstraße auf und nimmt es mit dem Auto mit. Die Anhalter outen sich später als Bruder und Schwester und landen zusammen mit den neuen mordgierigen Freunden in einer Herberge auf der Speisekarte von Kannibalen. Tja, das Leben geht manchmal seltsame Wege.
 
 
 


 
 
 

BASTARD – Kritik

 
 
 
Ein weiterer Streich von AFTER DARK FILMS. Nachdem man sich mit dem AFTER DARK HORRORFEST in Fankreisen einen Namen machen konnte, produziert man seit einigen Jahren selbst Horrorfilme, um Fans der schaurigen Unterhaltung mit immer neuen Horrorprodukten bei Laune halten zu können. Dabei liegt der Fokus vor allem auf Abwechslung, damit dem Publikum nicht langweilig wird. Ob mordende Zwillinge, ausgefuchste Serienmörder, turboschnelle Zombies oder hysterische Sektengurus – unter dem Banner AFTER DARK ORIGINALS wird im Akkord Gruselzeug fürs Heimkino fabriziert, um die gierige Horrormeute mit stets unterhaltsamen Indie-Schockern fernab des Mainstreams zu versorgen. Mittlerweile gehören die hauseigenen Produktionen aus den AFTER DARK-Studios zum Must-See für Horrorfans, denn anders als Horror-Verbrechen aus den Schrottpressen ASYLUM oder SYFY ist man bei AFTER DARK FILMS immer noch um ein gewisses Maß an Qualität und Schrecken bemüht. Trotz sehenswerte Angstmacher haben es leider immer noch nicht alle AFTER DARK ORIGINALS-Filme nach Deutschland geschafft. So warten vor allem ältere Produktionen, wie CHILDREN OF SORROW, RITUAL oder DARK CIRCLES auch weiterhin auf eine deutsche Auswertung und das, obwohl Letztgenannter zu einem der besten Machwerke gehört, die die Schauerschmiede bis heute produziert hat.
 
 
Bastard-After-Dark-Films-bild-3
 
 
Mit dem Horror-Thriller BASTARD probieren die Experten für kurzweiligen Schauer etwas Neues aus. Der Streifen gehört nämlich so jener Art von Filmen, die sich nicht unbedingt in eine Schublade stecken lassen. So vermischen die Regisseure POWELL ROBINSON und PATRICK ROBERT YOUNG (die mit BASTARD übrigens ihr Regiedebüt feiern) zig Subgenres zu einem skurrilen Horror-Mix, der gut startet, aber im haarsträubenden Gewaltrausch vom rechten Weg abkommt. Erzwungen blutig geht es hier zu, denn was als anarchische Bonnie-und-Clyde-Kopie beginnt, wandelt ganz schnell auf Tortur, Slasher- und Kannibalenpfaden – bösem Zynismus inklusive. Was sich jedoch für den Liebhaber deftigeren Filmhandwerks als Offenbarung entpuppt, gerät beim Blick über den Tellerrand zum wirren Horrordebakel, in dem man nicht nach Logik suchen sollte. Glaubwürdigkeit scheint nämlich abhandengekommen zu sein, was BASTARD dann doch immer mal wieder unfreiwillig komisch erscheinen lässt – gewollt war das definitiv nicht. Doch damit nicht genug. Das eifrige Kombinieren unterschiedlicher Subgenres will nicht so recht funktionieren. Oftmals kann man sich dem Gefühl nicht entziehen, als habe man versucht Drehbücher zu unfertigen Filmen in irgendeiner Weise zusammenzuführen, um daraus gewaltigen Horrorquatsch zu machen. Der Verdacht kommt nicht von ungefähr. Schenkt man Interviews der Macher im Netz glauben, so sollte die Idee von einem Killer-Pärchen anfänglich in Form eines Kurzfilmes Verwendung finden, das Drehbuch hierzu war bereits in Arbeit. Letztendlich entschied man sich jedoch dazu, die mordlüsternen Liebenden zusammen mit anderen Protagonisten (aus ebenso selbst geschriebenen, unfertigen Skripten) in einem Film unterzubringen und von bösen Kannibalen schlachten zu lassen. Ob das wirklich so gut gewesen ist, wie es die Regisseure POWELL ROBINSON und PATRICK ROBERT YOUNG in euphorischen Lobgängen bekunden, mag bezweifelt werden, denn Fakt ist: in BASTARD passt irgendwie kaum etwas zusammen.
 
 
Bastard-After-Dark-Films-bild-2
 
 
Dabei waren die Ambitionen groß. So orientierte man sich visuell an Klassikern wie FREITAG DER 13. oder CARRIE. Inspirationen für die akustische Untermalung lieferten die Kultwerke HALLOWEEN und SUSPIRIA. BASTARD verbeugt sich als selbsternannter Retro-Slasher mit pumpenden Synthesizer-Klängen, abrupten Schnitten und heftigen Kills (die handgemachten Effekte sehen übrigens klasse aus) vor den bösen Meuchelfilmen der späten 70er und frühen 1980er, von denen viele auch heute noch ihr Dasein auf der Liste für jugendgefährdende Medien fristen. Trotz ähnlicher Machart sollte dennoch unterschieden werden. Während man heutzutage gern an viele der aktuell immer noch beschlagnahmten Filme zurückblickt, dürfte sich in dreißig Jahren wohl kaum jemand an diese AFTER DARK-Produktion erinnern können. BASTARD ist ein komisches Machwerk, über dessen Sinn und Unsinn man sich definitiv streiten kann. Umso mehr lässt der Gedanke erschauern, dass dieser Horror-Thriller in Serien gehen könnte. Über drei mögliche Fortsetzungen und einem Prequel witzeln die Regisseure mit der Fachpresse. Da kann man nur hoffen, dass es auch wirklich beim Spaß bleibt.
 
 
Bastard-After-Dark-Films-bild-1
 
 


 
 
 

BASTARD – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Eine haarsträubende Geschichte über Inzucht, Kannibalismus und deftigen Morden. BASTARD ist ohne Zweifel ein Fest für Liebhaber der härteren Filmgattung. Leider wurden für diesen AFTER DARK-Film zu viele Subgenres miteinander kombiniert, weshalb sich der Retro-Slasher dann doch in allerhand unglaubwürdigen und konstruiert wirkenden Handlungsverläufen verfängt. Nichts will in BASTARD zusammenpassen, weil hier offensichtlich Ideen gesammelt und unbedacht zusammengeführt wurden. Für den kurzen Adrenalinschub mag das ausreichen. Klammert man jedoch die Gewaltmomente aus, bleibt nur eine löchrige Handlung übrig, die im Grunde genommen kaum Sinn ergibt. Als Horror-Thriller kann man BASTARD nicht ernst nehmen. Trotz dezentem Zynismus und viel unfreiwilliger Komik funktioniert das Machwerk auch als rabenschwarze Horrorkomödie nicht – dazu ist der Film einfach nicht lustig genug.
 
 


 
 
 

BASTARD – Zensur

 
 
 
BASTARD ist kein Film, der sich in Sachen Gewalt zurückhält. Einem Protagonisten wird die Wirbelsäule bei lebendigem Leib herausgerissen, ein Kind wird aus dem Mutterleib einer Heldin herausgeschnitten und in menschlichem Gedärm wird auch herumgewühlt. Das ist teils hart anzuschauen. Demnach könnte es Probleme mit der FSK geben. Man darf gespannt sein.
 
 


 
 
 

BASTARD – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Among the Living (2014)
 
GirlHouse (2014)
 
Awaiting (2015)
 
Starve (2014)
 


Filmkritik: „Awaiting“ (2015)

awaiting-2015
 
 
 

AWAITING

Story

 
 
 
Zu Besuch bei komischen Menschen: Anwalt Jake soll sich nach einem Autounfall kurz im Haus von Farmer Morris und dessen Tochter ausruhen. Leider bekommt der Gast schnell davon Wind, dass diese Familie eine Gefahr für jeden unangemeldeten Besucher ist.
 
 
 


 
 
 

AWAITING – Kritik

 
 
 
Blut ist dicker als Wasser – ein bedeutsames Sprichwort, das vor allem im Horrorfilm gern Verwendung findet. Dort ist es keine Seltenheit mehr, dass sich hinter der Fassade glücklicher Familien gern auch mal das Böse verstecken kann. Mit einer sehr speziellen Familie bekommt es der Zuschauer auch im Horror-Thriller AWAITING zu tun, in dem ganz unverfroren mit der Psychokeule geschwungen und dazu rigoros geschockt wird. Für den britischen Genrebeitrag zeichnet MARK MURPHY verantwortlich. Der hat zuvor hauptsächlich Drehbücher für britische TV-Serien geschrieben, die er als Regisseur auch gleich eigenhändig verfilmt hat. Mit AWAITING wechselt er quasi vom TV ins Kinofach über und bannt seine Leidenschaft zum Genre auf Zelluloid. Obwohl er damit Neuland betritt überrascht die souveräne Inszenierung, denn AWAITING ist zur Abwechslung kein Horrorfilm von der Stange. Regisseur MARK MURPHY erweist sich als talentierter Geschichtenerzähler, fesselt mit stetig wachsendem Spannungsbogen und geizt nicht mit blutigen Ideen. Letztere dürften der Gewaltfraktion zusagen. Die bekommt im Finale deftige Schauwerte geboten, welche in ihrer professionellen Machart schmerzhaft anzusehen sind.
 
 
awaiting-2015-bild-2
 
 
AWAITING erzählt die Geschichte des Anwalts Jake (RUPERT HILL). Der findet sich nach einem Autounfall im Haus von Farmbesitzer Morris (TONY CURRAN) und dessen attraktiven Tochter Lauren (DIANA VICKERS) wieder. Leider lebt man dort nach anderen Regeln. Nicht nur, dass Weihnachten im September gefeiert wird; Gast Jake stellt schnell fest, dass Vater und Tochter ein eher abnormales Verhältnis zueinander pflegen. Als der das Haus nach seiner Genesung verlassen möchte, nehmen die Dinge ihren Lauf. Vater Morris versucht alles daran zu tun, den aufmüpfigen Gast nicht gehen zu lassen. Das hat seine Gründe, denn das Familienoberhaupt behütet ein furchtbares Geheimnis von dem besser niemand erfahren sollte.
 
 
awaiting-2015-bild-1
 
 
Schön, dass es sie gibt! Diese kleinen fiesen Indie-Produktionen von denen man wenig erwartet und die letztendlich härter treffen, als Prominent besetzte und hochbudgetierte Dutzendware. Eine Spirale des Schreckens wird hier in Gang gesetzt, die nach und nach zum Vorschein bringt, was lang verborgenen gehalten wurde. Drei hervorragende Darsteller tragen das Horrorstück und glänzen mit beachtlichen Leistungen. Allen voran TONY CURRAN, der als hingebungsvoller Vater schnell offen legt, dass ihn ihm ein unberechenbarer Psychopath schlummert, dem jedes Mittel recht ist, um seine Familie zu schützen. Ihm steht RUPERT HILL als ahnungsloses Opfer gegenüber, der vehement versucht einen Keil zwischen seine Peiniger zu treiben, um einem morbiden Gefängnis entfliegen zu können. Schnell erreicht die Konfrontation ihren Höhepunkt und gipfelt in einem blutigen Albtraum, in dem Macher MARK MURPHY mit einem feinen Gespür fürs Makabre zeigt, wie einfach man dank des Computers menschliche Gliedmaßen verschwinden lassen kann. So wird mit Hilfe eine Gitarrensaite – tricktechnisch beachtlich – ein Fuß abgetrennt und lässt jene Szene aus SAW Revue passieren, in der sich Filmopfer CARY ELWES (TWISTER und SHADOW OF THE VAMPIRE) auf ähnliche Weise seines Fußes entledigen musste, um das eigene Leben retten zu können. Das ist zwar heftiger Tobak und nicht jedermanns Sache. Trotz unappetitlicher Szenen und überflüssiger Schlusspointe ist AWAITING unterm Strich weitaus besser als das, was man sonst im Horrorbereich vorgesetzt bekommt. Dafür darf man Regisseur MARK MURPHY an dieser Stelle Dank aussprechen.
 
 
awaiting-2015-bild-3
 
 


 
 
 

AWAITING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
SAW meets MISERY: Wenn Menschen gegen ihren Willen gefangen gehalten werden und sich im Überlebenskampf ihrer Gliedmaßen abtrennen müssen. AWAITING gehört zweifelsohne zum Besten, was das Horror-Genre im Filmjahr 2015 hervorgebracht hat. Der Psychotrip überzeugt mit unbequemer Spannungsschraube, die Regisseur MARK MURPHY mit gnadenloser Härte minütlich fester dreht. In diesem Psychothriller wird ein vermeintlicher Rettungsversuch zur tödlichen Falle aus der es kein Entkommen gibt. Drei talentierte Schauspieler lassen die Situation eskalieren und sorgen dafür, dass AWAITING packend bis zum Schluss bleibt. Horror aus Großbritannien – hart, fesselnd und nicht so schnell zu durchschauen. Bitte mehr davon!
 
 


 
 
 

AWAITING – Zensur

 
 
 
Die gezeigte Gewalt im Film ist nicht ganz ohne. Vor allem im Finale geht es heftig zur Sache. Höhepunkt ist eine Szene in der ein Fuß mit einer Gitarrensaite abgetrennt wird. Die Kamera hält schonungslos drauf und protokolliert jedes Detail. Weiterhin gibt es einen Kopfschuss zu sehen, Äxte werden in Körper geschlagen und Arme mit einer Säge zurechtgestutzt. Hierzulande dürfte AWAITING deshalb erst für Erwachsene freigegeben werden. Wir rechnen mit: keine Jugendfreigabe.
 
 


 
 
 

AWAITING – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Harvest (2013)
 
American Gothic (1988)
 
The Strange Vengeance of Rosalie (1972)
 
Das düstere Haus (1965)


Filmkritik: „Lost After Dark“ (2015)

Lost-after-Dark-2015
 
 
 

LOST AFTER DARK

Story

 
 
 
Teenager verirren sich in ein abgelegenes Landhaus und geraten dort an den letzten Überlebenden einer Kannibalensippe.
 
 
 


 
 
 

LOST AFTER DARK – Kritik

 
 
 
Egal wie einfallslos das Horrorgenre oft sein mag – Teenie-Slasher werden aus unerfindlichen Gründen immer gern gesehen. Seit das Teenager-in-Angst-Kino mit HALLOWEEN seinen Siegeszug antrat, in den 1980ern breitgetreten zum Kassenmagneten avancierte, ist es aus der Welt der Horrorfilme nicht mehr wegzudenken. Das hat sich auch 40 Jahre später nicht geändert. So lange gibt es dieses Subgenre bereits mindestens und trotz der ewig gleichen Handlungsverläufe sind Teenie-Slasher für Fans der derberen Filmunterhaltung unverzichtbar. Retro-Horror schimpft sich der Trend, der neuerdings im Horrorbereich Einzug hält und sich in seiner Machart vor filmischen Stilrichtungen verbeugt, die dem Horrorfilm von Heute den Weg geebnet haben. Ob Retro-Slasher, Neo-Giallo oder Oldschool-Splatter – die Rückbesinnung scheint eine gut gemeinte Geste zu sein, nimmt aber so langsam Überhand, weil immer mehr aktuelle Filme künstlich auf alt getrimmt werden.
 
 
lost-after-dark-bild-3
 
 
Auch Neuling IAN KESSNER bringt Jugenderinnerungen zurück auf Kinoleinwände und Fernsehschirme. Er ist mit den Horrorstreifen der 1980er aufgewachsen und will nun Zuschauer jüngeren Semesters zu verstehen geben, dass früher im Horrorfilm alles besser war. Mit seinem ersten Langfilm LOST AFTER DARK hat er eine Hommage an die legendäre Ära der Teen-Slasher auf Film gebannt, die mit ihren bewusst auf alt getrimmten Bilderflut suggerieren will, dass man soeben einen Thriller aus jener Dekade zu sehen bekommt. Hier tragen nicht nur die Protagonisten die Namen bekannter Horrorschauspieler- und Regisseure der 80er; auch Kulisse, Ausstattung und Geschichtenaufbau sind zu konzipiert, dass man meinen könnte dieser Film wäre auch in den 1980ern entstanden. Das mag zwar aufrichtig und lobenswert sein. Genauer betrachtet ist LOST AFTER DARK gerade deshalb alles andere als sehenswert, weil sich Macher IAN KESSNER zu sehr darauf konzentriert, alles genauso aussehen zu lassen, wie in den Filmen des goldenen Slasher-Zeitalters.
 
 
lost-after-dark-bild-5
 
 
LOST AFTER DARK spielt im Jahr 1984 und der Frühlingsball an einer amerikanischen High School ist in vollem Gange. Für einige Teenager nicht ausreichend. Sie wollen ihre ganz eigene Party feiern, schließen den Schulbus kurz und machen sich auf zu einer Jagdhütte in den Wäldern. Leider geht dem Schulbus unterwegs das Benzin aus und guter Rat ist teuer. Da entdeckt man im Dunkel der Nacht ein verlassenes Farmhaus. Darin soll die Party weitergehen. Doch ein Psychopath ist gar nicht darüber erfreut, dass sich unangemeldeter Besuch in seiner Bleibe eingenistet hat. Einer nach dem anderen muss für den rücksichtlosen Lärm mit dem Leben bezahlen. Da bekommt Schulleiter Mr. Cunningham (!) davon Wind, dass einige Teenager ungefragt den Schulball verlassen. Zusammen mit einem Vater der Schülerinnen folgt er der Spur der Ausreißer.
 
 
lost-after-dark-bild-1
 
 
Neuerungen haben Sendepause und das ist das eigentliche Problem dieses Regiedebüts. LOST AFTER DARK handelt genau jene Regeln und Etappen ab, die man von dieser Art von Filmen erwartet. So werden jugendliche Protagonisten von Schauspielern verkörpert, die seit Jahren keine Schule mehr besucht haben. Die schlüpfen in die Rollen von Stereotypen, die selbstverständlich nacheinander von einem herzlosen Psychopathen nach allen Regeln des Slasher-Handwerks in den Filmhimmel transferiert werden. Spannung bleibt aus, weil sich Drehbuchautor und Regisseur IAN KESSNER keinen Deut darum kümmert, vom rechten Pfad austauschbarer Meuchelstreifen abzukommen. Den Horrorfilmfans tut er damit keinen Gefallen, denn wer schon einige Teen-Slasher gesehen hat, dürfte die rudimentäre Handlung vorausahnen können, ohne überhaupt eine Inhaltsangabe gelesen zu haben. Skurrilerweise hatte Kessner bereits indirekt Kontakt mit einer der ganz großen Slasher-Legenden. Im Jahr 1998 zeichnete er für den Nachdreh einiger Szenen zum Remake des Gruselklassikers CARNIVAL OF SOULS verantwortlich. Die Neuauflage wurde von keinem Geringerem als WES CRAVEN mitproduziert – jenem Altmeister, den Kessner auch in seinem Erstling zitiert. Leider liegen zwischen den Werken des bekannten Filmemachers und dem Retro-Horror LOST AFTER DARK Welten. Während Craven mit A NIGHTMARE ON ELM STREET einer ganzen Generation den Schlaf raubte, gelingt es dem beliebigen LOST AFTER DARK das Publikum in den Schlaf zu wiegen. Wie man Retro-Horror zeitgemäß an den Filmfan bringt, bewies Craven vor 20 Jahren. Mit SCREAM – SCHREI holte er ein ganzes Subgenre aus der Versenkung und verhalf dem tot geglaubten Slasher zu neuem Leben. Vermutlich hätte Kessners Horrorprojekt Früchte getragen, wenn er sich an der selbstironischen Slasher-Persiflage orientiert hätte. So aber ist der überflüssige LOST AFTER DARK nur jenen Liebhabern zu empfehlen, die trotz immer gleicher Handlungen, Dialoge und Klischees nicht genug von Slashern bekommen können. Der Rest dürfte trotz hausgemachter Tötungsarten ziemlich schnell die Minuten bis zum erlösenden Finale zählen.
 
 
lost-after-dark-bild-4
 
 


 
 
 

LOST AFTER DARK – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Eine visuell bemerkenswerte Verbeugung vor den Slasher-Streifen der 80er Jahre. Leider ist dieser nett ausgestattete Teen-Slasher der alten Schule frei von eigenen Ideen – außer vielleicht der, dass die vermeintliche Scream-Queen und Heldin als erstes getötet wird. Trotz handgemachter Spezialeffekte und schmuddeligem Vintage-Look, der hin und wieder an zu oft abgespielte Filmrollen erinnert, besitzt LOST AFTER DARK nichts, was erwähnenswert wäre. In seinem Erzählstil bleibt er der nicht mehr ganz so frischen Slasher-Formel treu und zeigt dumme Teenager, die gerade wegen dieser unerträglichen Dummheit mit dem Tod bestraft werden müssen. Weil Macher IAN KESSNER jedoch zu verkrampft nach den erfolgreichsten Slaher-Streifen der 1980er schielt ohne seinem Film etwas Neues hinzuzufügen, entpuppt sich LOST AFTER DARK als schläfriger Ausflug in das berüchtigte Schlitzer-Filmmilieu und bleibt so austauschbar, wie die meisten Slasher seiner Zeit und viele neueren Datums.
 
 


 
 
 

LOST AFTER DARK – Zensur

 
 
 
Der Film bietet zwar handgemachte Tötungsarten – sonderlich raffiniert, extravagant oder brutal sind diese jedoch nicht. In ihrer Machart orientieren sie sich an die alten Freitag der 13.-Teilen. Für heutige Verhältnisse ist das kaum der Rede wert. LOST AFTER DARK ist hierzulande ungeschnitten mit KEINE JUGENDFREIGABE in den Handel gekommen.
 
 
 


 
 
 

LOST AFTER DARK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
lost-after-dark-bluray

(c) Mad Dimension

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Lost After Dark; Kanada 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 04.03.2016

 

Lost After Dark (Blu-Ray) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

LOST AFTER DARK – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken & Abbildungen liegen bei MAD DIMENSION)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Headless (2015)
 
Discopath (2013)
 
Hayride 2 (2015)
 
Varsity Blood (2014)
 
Bloody Homecoming (2013)
 


Filmkritik: „Clown“ (2014)

clown-2014
 
 
 

CLOWN

Story

 
 
 
Familienvater Kent schlüpft in ein altes Clownskostüm, das von ihm Besitz ergreift und schreckliche Dinge von seinem Träger fordert.

 
 
 


 
 
 

CLOWN – Kritik

 
 
Egal was ELI ROTH anpackt, es wird aus unerklärlichen Gründen zu Gold. Seit der Filmemacher mit dem unabhängig verwirklichten Horrorfilm CABIN FEVER einen Überraschungshit landete und mit HOSTEL das selbstzweckhafte Foltern im Kino salonfähig machte, sorgt er stets für Aufregung unter Fans „böser“ Filme, wenn er an neuem Horrormaterial arbeitet. Diesmal hat ROTH aber nicht selbst Regie geführt. Für den grimmigen Splatter-Horror CLOWN übergab er das Regiezepter an JON WATTS, der bisher für TV-Zeug verantwortlich zeichnete und fungierte – wie schon bei THE LAST EXORCISM – als Produzent, um im Hintergrund die Strippen zu ziehen. Auch wenn ROTH den Film nicht selbst gedreht hat; die unverkennbare Handschrift des Filmemachers zieht sich durch den gesamten Streifen, schließlich lässt sich mit Ekligkeiten, makabrem Humor und reichlich Gewalt am Besten polarisieren und Geld verdienen.
 
 
clown-bild-3
 
 
Schluss mit lustig: seit jeher wissen Horrorfans, dass Clowns im Genre oft andere Intentionen hegen, als uns zum Lachen zu bringen. Hier steht meist blutiger Ernst statt harmloser Spaß auf der Tagesordnung, was nicht selten dazu führt, dass Psychopathen bunte Kostüme überstreifen, um mit spitzem Mordwerkzeug unschuldige Menschen zu ermorden. CLOWN macht da einiges anders, wenn auch nicht unbedingt besser. Um sich im Subgenre der mordgeilen Serienkiller ein wenig Kontur zu verpassen, bedient man sich beim Okkulten und lässt einen lustig verkleideten Familienvater zur dämonische Kreatur werden, die nur eines im Sinn hat: Kinder fressen.
 
 
clown-bild-1
 
 
Ein teuflisches Narrenkostüm sorgt für eine schmerzhafte Metamorphose. Immobilienmakler Kent wollte dem Sohnemann zum 10. Geburtstag nur eine Überraschung bereiten und schlüpft in eine alte Clowns-Verkleidung, die er in einer Kiste im Keller einer zum Verkauf stehenden Immobilie entdeckt. Doch die modrige Kleidung führt ein seltsames Eigenleben und saugt sich am Körper ihres Trägers fest, der fortan von unbändigem Hunger nach Kinderfleisch getrieben wird. Doch es kommt noch schlimmer. Familienvater Kent beginnt sich zu verändern. Mit fortschreitendem Appetit nimmt er die Gestalt eines furchtbaren Dämons an, der fünf unschuldige Kinder fordert, um sich an ihnen laben zu können.
 
 
clown-bild-2
 
 
Wenn aus Fake-Trailern richtige Horrorfilme werden. Seit sich ROBERT RODRIGUEZ und QUENTIN TARANTINO mit ihrem GRINDHOUSE (2007) vor den schmuddeligen B-Movies der 60er und 70er verbeugten, scheint in der Filmwelt zum Sport geworden zu sein, erst Kinotrailer zu zeigen und wenig später die zugehörigen Filme zu drehen. Im Fall des genannten GRINDHOUSE, das aus dem trashigen Double-Feature DEATH PROOF und PLANET TERROR bestand, waren es fiktive Kinoclips zu HOBO WITH A SHOTGUN und MACHETE, die zwischen den beiden Machwerken gezeigt und erst einige Jahre später umgesetzt wurden. Ähnlich verhielt es sich auch bei CLOWN. Regisseur JON WATTS brachte weit vor der eigentlichen Verfilmung im Jahr 2010 einen zweiminütigen Werbefilm zu einem fiktiven Horrorstreifen in Umlauf, der bei ROTH auf Interesse stieß. Weil dem bekannten Angstmacher die Idee dahinter so gut gefiel, beschloss er aus dem Fake-Trailer einen abendfüllenden Spielfilm zu machen und stand als Geldgeber zur Seite. Viel vom eigentlichen Spot, der durchaus beängstigend in Szene gesetzt wurde, ist letztendlich nicht mehr übrig geblieben. Statt Angst und Schrecken auf subtilem Wege in die Wohnzimmer zu bringen, wird Horror mit dem Holzhammer geboten, der sich dann doch eher an ein sehr magenstarkes Publikum richtet. Da werden Kinder vor den Augen des Zuschauers zermatscht, durchbohrt und angeknabbert – für ROTH-Fans nicht uninteressant, fühlen die sich von der stattlichen Anzahl bebilderten Grausamkeiten vermutlich bestens unterhalten.
 
 
clown-bild-4
 
 
Auch wenn CLOWN mit eigenartigem, fast schon geschmacklosem Humor an die Werke von ELI ROTH anknüpft und sich beim Angst einjagen nicht gerade mit Ruhm bekleckert, findet der Film bei den Spezialeffekten zu eigentlicher Stärke. Die Figur des Besessenen durchlebt im Verlauf des Films eine nicht immer schmerzfreie Verwandlung vom besorgten Familienvater hin zur Marionette des Teufels. Dank hervorragender Arbeit kreativer Make-up-Künstler bekommt der Zuschauer am Ende eine deformierte Gestalt zu sehen, die endlich auch richtigen Horror auf die Mattscheibe bringt. Bis dahin verzettelt sich CLOWN im plumpen Aneinanderreihen fragwürdiger Tötungsarten von Kindern und gerät während des Mittelteils etwas ins Stolpern, weil die nicht uninteressante Thematik dann doch etwas zu wenig Material hergibt, um daraus einen 90-minütigen Horrorfilm drehen zu können. Immerhin wird im Finale geklotzt und nicht gekleckert. Da werden schon mal Erinnerungen an die abscheulichsten Metamorphosen der Kinogeschichte wach, in denen Wissenschaftler zu Fliegen mutierten (Cronenbergs DIE FLIEGE) und sich amerikanische Studenten (AMERICAN WEREWOLF) in Werwölfe verwandelten. Dennoch; so schön die Spezialeffekte in CLOWN auch sein mögen und so atmosphärisch die Dämonenhatz am Ende auch in Szene gesetzt sein mag – der aufdringliche Blutzoll ist irgendwie allgegenwärtig und erstickt jeden wohligen Schauer sofort wieder im Keim, weil ROTH als Werbemittel auf dem Cover nun mal triviales Metzelfutter und hirnloser Blutreigen bedeuten muss.
 
 


 
 
 

CLOWN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wem bereits Stephen Kings ES schlaflose Nächte bereitet hat, wird nach der Sichtung von CLOWN nur bei Licht einschlafen können. Dieser Horror-Trip ist kein Film für jene, die unter Coulrophobie leiden. Hier werden bei vielen Zuschauern Kindheitstraumata wach, denn CLOWN bringt Filme wie POLTERGEIST oder genannte King-Adaption in Erinnerung, die mit der Clown-Thematik Albträume bescherten. Leider setzt die von ELI ROTH produzierte Filmumsetzung eines Fake-Trailers weniger auf subtile Gänsehaut-Taktik. Vielmehr war man darum bestrebt eine interessante Eigeninterpretation um den Jahrhunderte alten Clown-Mythos zu weben, die letztendlich mal wieder im Splatter-Fegefeuer enden muss. Nach einem starken Einstieg, hat CLOWN im Mittelteil so seine Probleme das vorgelegte Tempo halten zu können. Erst am Ende findet der Film Dank sehenswerter Maskeneffekte zu eigentlicher Stärke. Da ist es aber dann auch schon zu spät, denn so schön grimmig das Finale auch in Szene gesetzt wurde, so zügig flimmert auch schon der Abspann über den Bildschirm. Letztendlich will man das Gefühl nicht loswerden, einen Film mit unverbrauchter Thematik gesehen zu haben, bei dem mehr möglich gewesen wäre. Die interessante Geschichte hinter der Entstehung des menschenfressenden Kostüms bleibt weitestgehend unangetastet. Zudem stößt bitter auf, dass im Film Kinder grafisch getötet werden müssen, um die Sensationsgierig des blutgeilen Publikums befriedigen zu können? Splatter-Fans und Gore-Bauern dürfte das jedoch kaum stören. Für die gilt ELI ROTH ohnehin als der Meuchelkönig des Horrorfilms.
 
 


 
 
 

CLOWN – Zensur

 
 
 
Mittlerweile geht auch die FSK lockerer mit der Bewertung von Horrorfilmen um. Was vor zehn Jahren undenkbar ungeschnitten auf die deutschen Filmzuschauer losgelassen werden konnte, schafft es heutzutage ohne Probleme mit dem roten KJ-Flatschen in die Händlerregale. Ähnlich ist das auch bei CLOWN geschehen. Hier werden zwar Kinder vor der Kamera ermordet; trotzdem wurde der Film ungeschnitten in Deutschland veröffentlicht: Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

CLOWN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
clown-bluray

(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

clown-steelbook

(c) Tiberius Film (limitiertes Steelbook mit BD & DVD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Clown; USA | Kanada 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1, Englisch DTS-HD MA 7.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Steelbook

Extras: Originaltrailer, Trailershow | Zusätzlich im Steelbook: Poster A3, Postkarten-Set (3xA6)

Veröffentlichung: 01.03.2016

 
 
 

Clown [Blu-ray im Keepcase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Clown [Limitiertes Steelbook mit DVD & BD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

CLOWN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Mockingbird (2014)
 
Stitches – Böser Clown! (2012)
 
100 Tears (2007)
 
Gacy (2003)
 
Stephen Kings Es (1990)
 
Clownhouse (1989)