Filmkritik: „Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes“ (1989)

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KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES

(CANNIBAL WOMEN IN THE AVOCADO JUNGLE OF DEATH)

Story

 
 
 

Die US-Regierung hat mal wieder Probleme. Mitten im Kalten Krieg und noch viel mittenererer im Regenwald von, ähm, Kalifornien ist die für das Volk lebenswichtige Avocado-Ernte bedroht. Oder geht es doch um mehr? Der wilde Amazonenstamm der Piranhas schneidet den entsandten Vertretern Washingtons den Weg ans Obst und bei der Gelegenheit auf gleich die Hälschen ab. Üble Kannibalinnen sind’s tatsächlich, die sich als neue Königin ausgerechnet eine Professorin für Feminismus-Studien (Adrienne Barbeau) ausgesucht haben. Diese Frau Doktor Kurtz ist kurzerhand übergeschnappt und so schickt man ihre Ex-Kollegin Margo Hunt (Shannon Tweed), auch am „Spritzer College“, jawohl, tätig, in die Tropen und der männerhassenden Neu-Primitiven auf die Spur.

 
 
 


 
 
 

KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Kritik

 
 
 
Was einst, wohl allein seinem geilen Titel geschuldet, in den VHS-Tauschlisten eines jeden Splatter-Bürschchens von Logales bis Madero zu finden war, dürfte exakt die Mitglieder dieser Fraktion so richtig ordentlich enttäuscht haben. „Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes“ ist viel weniger, wie man vermuten könnte, ein amerikanisches Pendant zu den besonders aus guter italienischer Herstellung berühmt-berüchtigten Gedärm-Manschereien in Spielfilmlänge. Nein, das Menschenfresser-Kino der europäischen Bahnhofslichtspiele der siebziger Jahre, diese „Cannibal Holocausts“ und „Mondo Cannibales“ wird höchstens am Rande touchiert. Tatsächlich ist dieser Dschungelfilm eine gar mal nicht so tumb orchestrierte Persiflage von Francis Ford Coppolas filmgewordener Größenwahns-Psychose „Apocalypse Now“ (aus Colonel Kurtz wird Frau Professor Kurtz), die ihrerseits ja eine in die Zeit des Vietnamkriegs verpflanzte Adaption von Joseph Conrads Afrika-zur-Kolonialzeit-Roman „Herz der Finsternis“ ist. Dieses verlockende Setting der Suche nach dem zu den primitiven Wurzeln der Menschheit zurückgekehrten Aussteiger verwendet Autor und Regisseur J.F. Lawton als Hintergrundkulisse für giftige Satire in Richtung wichtigtuerischer Feministinnen, wie sie in den 1980ern in ihrer ganzen zensurfreundlichen Zelotenhaftigkeit präsent waren. Ein 2019 gedrehter Film mit einer solchen Prämisse würde vermutlich zur medien-sozialen Hinrichtung aller Beteiligten führen.
 
 
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Als Persiflage auf andere popkulturelle Phänomene seiner Entstehungszeit rattern die „Kannibalinnen“ nicht ganz so stramm auf zwölf Zylindern wie die artverwandten Filme „Kentucky Fried Movie“ oder „Amazonen auf dem Mond“. Eher schon sind die Avocados im selben Beet zu finden wie die berüchtigten „Killertomaten“. Das heißt, man achtet die Vorbilder, über die man sich lustig macht, trotzdem noch irgendwo. Das merkt man als so etwas freundlich gesonnener Zuschauer und das tut gut! Mit an Bord als sexistische Witze reißender Dschungel-Guide ist der junge Bill Maher, heute einer der, wenn nicht sogar der bedeutendste US-amerikanische Links-Intellektuelle im Fernsehprogramm.
 
 
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Nicht zuletzt aufgeführt gehört selbstverständlich die erotische Kante des knackigen Filmchens hier. John Carpenters Ex-Frau und Muse Adrienne Barbeau spielt die Marlon-Brando-Rolle der Professorin Kurtz und erfüllt einmal mehr die harmlosen Nackedei-Wünsche eines Genre-Publikums. Verfolgt wird sie von Dr. Hunt. Die wiederum spielt keine Geringere als Shannon Tweed, damals ein enorm angesagtes Ex-Playmate und mittlerweile bekannter als die langjährige Gattin des KISS-Chefs und Profi-Kapitalisten Gene Simmons. Über jene Version von leichter Ferkelei im Film, für die seinerzeit Damen wie Shannon, gerne in Filmen von Meistern wie Jim Wynorski oder Fred Olen Ray, ihre nicht wirklich hübsch aufgeschraubten Silikon-Hupen während heißer Duschen oder in seidigen Laken präsentieren, könnte man Seiten füllen. Eine typisch amerikanische Harmlosigkeit, fast bubenhaft verschämt, nie derb oder allzu pornographisch. „Wholesome“ nennen die das dort. Könnte man grob mit „gesund“ übersetzen. Frauenzuchthaus-Exploitation funktioniert ähnlich.
 
 
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KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Sowas könnte man sich nicht ausdenken. Außer, wenn man für „Family Guy“ arbeiten würde vielleicht. J.F. Lawton, seines Zeichens der Drehbuchautor hinter einem der entsetzlichsten Schmierig-Feelgood-Schmonzetten der Kinogeschichte – „Pretty-Würg !-Woman“ – schreibt und inszeniert nur ein Jahr vor diesem Mega-Hit mit Julia Roberts eine schneidige Parodie auf Abenteuer- und Dschungelfilme. Einige der Pointen sind naturgemäß nicht so schön gealtert, andere sitzen noch immer. Puritanische Verbotsmeierinnen gibt es heute schließlich mehr denn je. Obendrauf noch softe Erotik, wie sie in den frühen 90ern das amerikanische Kabelfernsehen über Wasser gehalten hat. Nettes Paket. Hashtag Menschenfleischmetoo.
 
 
 


 
 
 

KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Zensur

 
 
 
KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES erschien 1989 als Videopremiere bereits ungeschnitten mit FSK16. Das hat sich mit der DVD-Auswertung im Jahr 2008 und ebenso bei der nun erhältlichen HD-Veröffentlichung nicht geändert. Auch die von WICKED VISION veröffentlichte Blu-ray ist ungeschnitten und bereits ab 16 Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) WICKED VISION MEDIA (Scanavo-Box)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Cannibal Women in the Avocado jungle of Death; USA 1989

Genre: Action, Komödie, Trash

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK16 – ungeschnittene Fassung

Verpackung: Scanavo-Boxen mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Deutscher Trailer

Release-Termin: 06.05.2019

 

Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes (Full Moon Classic Slection Nr.2) [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
Anbieter Wicked Vision feiert die HD-Premiere von „Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes“ in einer neuen Sammler-Reihe. Unter dem Banner „Full Moon Classic Selection“ werden ab sofort diverse Produktionen der trashigen FULL MOON Schmiede in bester Qualität und zu einem erschwinglichen Preis veröffentlicht. Alle Veröffentlichungen werden nicht wie gewohnt im Mediabook veröffentlicht. Stattdessen setzt das Label dieses Mal auf Scanavo-Boxen mit Wendecover-Motiv. Auf Bonusmaterial muss selbstverständlich auch nicht verzichtet werden. Dass die Film ungeschnitten veröffentlicht werden, liegt auf der Hand. Sammler greifen schnell zu.

 
 
 


 
 
 

KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei WICKED VISION MEDIA)

 
 
Ähnche Filme:
 
Amazonen auf dem Mond oder Warum die Amis den Kanal voll haben (1987)
 
Elvira, Herrscherin der Dunkelheit (1988)
 
Stay Tuned – Höllische Spiele (1992)

Filmkritik: „Eat“ (2013)

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EAT

ICH HAB MICH ZUM FRESSEN GERN

Story

 
 
 
Der Misserfolg im Job macht eine junge Frau krank und fördert einen unstillbaren Hunger auf das eigene Fleisch …

 
 
 


 
 
 

EAT – Kritik

 
 
 
Einfach nur Zufall, kreativer Gedankenschub oder pure Absicht? Mit EAT erscheint nun schon der zweite Horrorfilm in Folge, in dem die zweifelhaften Machenschaften der Hollywood-Maschinerie an den Pranger gestellt werden. Hollywood ist nicht nur Glitzer und Glamour – dort hat sich das Filmemachen zum knallharten Business entwickelt, wo schon lange nicht mehr menschliche Befindlichkeiten zählen, sondern Geld, Gier, Macht und Erfolg eine erhebliche Rolle spielen. Nirgendwo scheinen Ruhm und Bedeutungslosigkeit, Armut und Reichtum, Illusion und Wirklichkeit so dicht beieinander zu liegen wie hier, was bereits schon unzählige Filmemacher dazu veranlasst hat, das wahre Hollywood zum Thema ihrer Filme zu machen. Zuletzt gelang das KEVIN KOLCH und DENNIS WIDMEYER ganz souverän. Mit ihrem STARRY EYES zeigten sie in beunruhigenden Bildern die andere Seite der schillernden Filmmetropole, wo der tägliche Kampf ums Überleben zur Tagesordnung gehört und strebsame Schauspieler auf vernünftig bezahlte Aufträge hoffen, damit die Miete gezahlt werden kann.
 
Knapp 300.000 Schauspieler leben in Los Angeles, von denen gerade einmal fünf Prozent in der Filmindustrie arbeiten. Die meisten von ihnen verdienen sich anderweitig ihr Geld, um überhaupt über die Runden kommen zu können. Zu einer dieser erfolglosen Filmdarstellerinnen gehört auch Novella McClure (MEGGIE MADDOCK), die sich im Horrordrama EAT mehr schlecht als recht von Casting zu Casting hangelt, um ausschließlich Absagen zu ernten. Die Miete ist bereits seit drei Monaten im Rückstand und im Kühlschrank herrscht gähnende Leere, was die Mittdreißigerin immer wieder dazu veranlasst in Stresssituationen an den eigenen Knochen zu nagen. Erst ist es ein blutiger Finger, der zum Lutschen einlädt. Später sind es die eignen Füße, die der arbeitslosen Schauspielerin Gaumenfreuden bereiten. Leider bleiben die selbst zugefügten Verstümmelungen nicht unbemerkt und die verzweifelte Novella muss sich in psychiatrische Behandlung begeben. Dort lernt sie Dr. Simon (JEREMY MAKE) kennen, der sich jedoch Hals über Kopf in die adrette Blondine verliebt. Ein fataler Fehler wie sich bald herausstellen wird, denn die zwanghafte Selbstzerstörung seiner Patienten nimmt bald sonderbare Züge an.
 
Body-Horror extrem, denn das in EAT gezeigte Spezial-Menü ist garantiert nicht jeden Filmzuschauer zu empfehlen. Man muss schon ein Faible für blutige Raffinessen besitzen, um das hier Gezeigte verdauen zu können, denn Nachwuchsregisseur JIMMY WEBER macht ziemlich oft Gebrauch von blutigen Fressszenen, die dazu noch in Nahaufnahme zelebriert werden. In diesem Film wird aus purer Verzweiflung das eigene Fleisch gegessen, was trotz ekliger Gore-Momente auch noch Hintergrund besitzt, schließlich sind psychische Erkrankungen in Zeiten von Leistungsdruck, Mobbing und Burnout keine Seltenheit mehr und werden auch bei Erwerbslosen immer häufiger diagnostiziert, die am sozialen Abstieg zu zerbrechen drohen. Stress macht krank – eine medizinische Diagnose, die in EAT horrorfilmtypisch auf die Spitze getrieben wird, jedoch nach wie vor brisant bleibt, weil der Film die bittere Realität vor Augen hält. Auch wenn die grafischen Kannibalismusmomente ziemlich selbstzweckhaft zum Einsatz kommen und EAT mit einigen Längen zu kämpfen hat, bekommt der Zuschauer hier außergewöhnlich mutiges Indie-Kino geboten, das sich sogar mit ernsthafter Gesellschaftskritik auseinandersetzt, statt ausschließlich sinnlose Gewalt der Gewalt wegen zu zeigen. Bitte mehr davon!
 
 
 


 
 
 

EAT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
EAT ist schockierend, eklig und dennoch faszinierend, quasi ein Drei-Gänge-Menü für anspruchsvolle Horror-Gourmets. EAT zeigt eindrucksvoll, dass kleine Indie-Produktionen meist die besseren Ideen haben, als manch teurer Film aus Hollywood – auch wenn studiounabhängige Streifen nicht unbedingt für jeden Filmgeschmack geeignet sind. EAT ist knüppelharter Body-Horror mit sonderbarer Thematik, die jedoch nicht sonderlich weit hergeholt ist und jeden treffen kann. Wenn Erfolg oder Misserfolg krank macht: hier werden psychische Erkrankungen in Folge von Stress unter die Lupe genommen, die in EAT natürlich etwas sehr drastisch untersucht werden, damit der Horrorfan auch kräftiges Rot zu sehen bekomme. Regieneuling JIMMY WEBER erzählt in seinem Debüt vom psychischen und körperlichen Zerfall einer verzweifelten Jobsuchenden, die sich von Ängsten getrieben selbst verstümmelt, um mit sich ins Reine zu kommen. Das beginnt ganz harmlos mit Nägelknabbern und endet im Verzehr der eigenen Gliedmaßen, wobei man den Effekte-Machern an dieser Stelle Lob für die abartigen Kannibalismusmomente aussprechen muss, die dann doch ziemlich grenzwertig bebildert werden. Wer kontroverse Filme mit Botschaft sucht, ist mit EAT gut beraten. Horrorfans, die nur des Härtegrades wegen Filme schauen, dürften schnell enttäuscht werden, denn die weniger Splatter-Momente lassen auf sich warten, weil in EAT viel gequasselt wird.
 
 
 


 
 
 

EAT – Zensur

 
 
 
EAT ist schon sehr speziell und vermutlich nicht für jeden Zuschauer geeignet. Die Heldin zieht sich genüsslich das Fleisch von den Knochen und verspeist es in aller Ruhe. Die Kamera hält drauf und die recht gut umgesetzten Spezialeffekte verfehlen ihre Wirkung keineswegs. Die FSK war gnädig und hat EAT bereits für Zuschauer ab 16 Jahren freigegeben. Aufgrund des Bonusmaterials auf der erhältlichen Heimkinoscheibe ist EAT aber erst für Volljährige geeignet: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

EAT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Mad Dimension

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Eat; USA 2013

Genre: Drama, Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: Film: FSK16 – Aufgrund der Extras auf der BD: Keine Jugendfreigabe (ungeschnitten)

Verpackung: Schwarze KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 21.03.2015

 

EAT [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

EAT – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Naked Blood (1995)
 
Thanatomorphose (2012)
 
Starry Eyes (2014)
 
In My Skin

Filmkritik: „American Burger“ (2014)

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AMERICAN BURGER

Story

 
 
 
Für eine Gruppe amerikanische Schüler sollte es der beste Sommer ihres Lebens werden. Auf einem Kulturtrip durch Europa machen Sie Halt an einem wenig vertrauenerweckenden Schlachthof, in dem das Fleisch für amerikanische Hamburger hergestellt wird. Weil es in Europa natürlich nichts anderes zu entdecken gibt und Kids ausschließlich Nahrung aus dem eigenen Land bevorzugen, werden die naiven Touristen vom anderen Ende der Welt für ihren ungesunden Ernährungsstil kurzum vom Chefmetzger der Fabrik bestraft. Der ruft nach seinen uniformierten Handlangern, die die nichtsahnenden Kids überwältigen und zu Hackfleisch verarbeiten. Eine Gruppe Teenager kann dem Gemetzel entkommen und flüchtet in die angrenzenden Wälder, wo aber bereits fiese Bärenfallen auf die törichten Protagonisten warten.

 
 
 


 
 
 

AMERICAN BURGER – Kritik

 
 
 
Reisende aus Übersee haben es in Europa nicht leicht, denn schenkt man so manchem Horrorfilm aus der Traumfabrik Glauben, lecken wir uns Europäer nach amerikanischem Menschenfleisch die Finger. Dass es vor allem in Osteuropa etwas „einfacher“ zugeht, hat bereits ELI ROTH in HOSTEL (2005) festgestellt, wo er im slowakischen Hinterland amerikanische Rucksacktouristen gegen Geld foltern lies. Aber auch GIDEON RAFF wusste ähnliches in TRAIN – NÄCHSTER HALT: HÖLLE (2008) zu berichten. Hier witterte man das schnelle Geld mit Innereien amerikanischer Sportler, die es im Zug nach Odessa mit den finsteren Machenschaften osteuropäischer Organhändler zu tun bekommen. Auch der schwedische Horrorfilm AMERICAN BURGER lässt kein gutes Haar an den Menschen aus dem östlichen Europa. In diesem Film werden abermals osteuropäische Landgenossen zu primitiven Zeitgenossen deklariert, die eher animalischen Instinkten folgen, statt sich gesittet und anständig zu benehmen. Diese verarbeiten in einer abgelegenen Schlachthalle das Fleisch amerikanischer Highschool-Kids zu wohlschmeckenden Hamburgern, die sich natürlich in der Umgebung gut verkaufen lassen. JOHAN BROMANDER und BONITA DRAKE haben sich diesen Horrorstoff ausgedacht und umgesetzt, waren aber nicht daran interessiert ausschließlich ernsten Tortur-Porn auf der Mattscheibe zu zeigen. Sie parodieren in ihrem gemeinsamen Film das Kannibalen-Genre und machen sich gleichzeitig über die geistige Beschränktheit amerikanischer Highschool-Teenager lustig, die in den meisten Horror-Produktionen nicht gerade als sonderlich helle abgestempelt werden.
 
Skurrilerweise haben sich die Regisseure JOHAN BROMANDER und BONITA DRAKE auf der Universität von Wales, Newport kennen und lieben gelernt. Kurze Zeit später folgte die Idee zu einem eigenen Film, dessen Budget die beiden fast gänzlich allein aufbringen mussten. Um den Film fertig stellen zu können, wurde eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen, die im Internet Fans aufrief, das Projekt zu unterstützen. Natürlich folgten dem Hilferuf enthusiastische Horror-Freunde, die die leere Crowdfunding-Kasse füllten, so dass AMERICAN BURGER in den Genuss einer internationalen Heimkinoauswertung kommen konnte.
 
Man nehme diverse Teenager-Klischees, werfe sie zusammen mit reichlich Selbstironie in einen Topf und würze das Gebräu mit Sex- und Fäkalwitzen, um anspruchslosen Zuschauern einen albernen Fernsehabend zu garantieren. JOHAN BROMANDER und BONITA DRAKE scheinen die vielen Horror-Parodien der letzten Jahre ausführlich studiert zu haben. Seit SCARY MOVIE (2000) sind die vor allem im Land der unbegrenzten Möglichkeiten äußerst beliebt, weil meist darin ausgiebig gealbert und unterhalb der Gürtellinie geblödelt werden kann. In AMERICAN BURGER ist das natürlich nicht anders. Die schwedischen Macher bedienen sich ganz unverfroren allerhand Geschmacklosigkeiten, die zugegebenermaßen oftmals so daneben sind, dass ein beschämendes Lachen nicht ausbleiben wird. Ob Witze auf Kosten von Minderheiten, Persiflage auf die Sexualisierung von Frauen oder Kotz- und Furz-Plattheiten, die die Schamesröte ins Gesicht treiben lassen – in AMERICAN BURGER wird all das abgehakt, was beim Parodieren von Horrorfilmen nun mal dazugehören muss. Hierbei muss man aber immerhin sagen, dass die inszenierte Schlachtplatte oftmals so übertrieben von Trivial-Humor Gebrauch macht, dass man AMERICAN BURGER zu keiner Zeit ernst nehmen kann. Dass macht Laune, Zumal die beiden Regisseure das Geschehen so unglaubhaft erscheinen lassen, dass das Gebotene der filmischen Real-Adaption eines Comics gleichkommt. Die teils namenlosen Protagonisten (warum Namen geben, wenn sie eh das Zeitliche segnen müssen) handeln nach dem fürs Horror-Genre bekannten Muster. Angst zu sterben hat hier keiner, was vor allem durch teils bewusst eingesetztem Overacting verstärkt wird. So sind attraktive Cheerleaderinnen mal wieder äußerst knapp bekleidet und kommen ihrem Ruf der Intelligenzbremse nach; einzelgängerische Nerds dagegen behalten einen kühlen Kopf und werden am Ende der brenzlichen Situation Herr.
 
Leider hat auch AMERICAN BURGER so seine Schwächen, denn dem teils gar nicht so unwitzigen Gagfeuerwerk gehen nach nicht einmal der Hälfte des Films die guten Lacher aus. Zudem wird das anfänglich straff vorgelegte Tempo im Verlauf der ohnehin kurzen Horrorkomödie erheblich gedrosselt, so dass man sich dann doch ab und an dabei erwischt, wie man auf den Timer des Abspielgerätes schauen muss, um sich nach der übrigen Laufzeit zu erkundigen. Trotzdem, auch wenn AMERICAN BURGER mit fadem Nachgeschmack zu kämpfen hat, sollten Fans von Horror-Parodien auf jeden Fall einen Blick riskieren. Besser als die beiden Rohrkrepierer GHOST MOVIE (2013) und dessen noch schlimmere Fortsetzung (2014) ist AMERICAN BURGER allemal.

 
 
 


 
 
 

AMERICAN BURGER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die urkomische Antwort auf HOSTEL und TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Auch wenn hier keiner der Protagonisten amerikanisches Englisch spricht, aber im Film gebürtige Amerikaner verkörpern sollen ist die Horror-Parodie auf den Kannibalenfilm und die fürs Genre typischen (amerikanischen) Teenager-Klischees gar nicht so unbeholfen, wie anfänglich vermutet. Die Macher JOHAN BROMANDER und BONITA DRAKE machen zwar ziemlich oft Gebrauch von allerhand Plattheiten jenseits der Gürtellinie; hin und wieder findet aber dann ein ganz guter Schenkelklopfer seinen Weg in den Film, der für schwedische Verhältnisse übrigens ganz schön splattrig geworden ist. Dass man AMERICAN BURGER überhaupt nicht ernst nehmen kann, verrät ohnehin bereits der ansprechend geschnittene Trailer. Dass jedoch das Tempo unter dem Gagfeuerwerk erheblich zu leiden hat, verraten wir Euch von FILMCHECKER. AMERICAN BURGER ist zwar kein neuer SCARY MOVIE, lohnt aber gerade deswegen gesehen zu werden, weil seine schrägen und unglaublich furchtlosen Helden so stereotyp und unlogisch handeln, dass man meinen könnte, hier ein weitere abgedrehte Comicverfilmung zu sehen.
 
 
 


 
 
 

AMERICAN BURGER – Zensur

 
 
 
Auch wenn AMERICAN BURGER eigentlich eine Komödie ist, geht es hier erstaunlich splattrig zugange. Zwar ist das Treiben aufgrund des humoristischen Untertons nicht sonderlich hart anzuschauen. Trotzdem wird vor allem zu Beginn ein regelrechtes (wenn auch selbstironisches) Massaker an amerikanischen Teenagern begangen, dass der Film hierzulande vermutlich mit dem roten 18er Stempel in den Handel kommen wird.
 
 
 


 
 
 

AMERICAN BURGER – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
100 Bloody Acres (2012)
 
Buck Wild (2013)
 
Ghost Team One (2013)
 
Tucker & Dale Vs. Evil (2010)
 
Scary Movie (2000)
 
Scary Movie 2 (2001)

Filmkritik: „Hidden in the Woods“ (2012)

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HIDDEN IN THE WOODS

(EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD)

Story

 
 
 
Nach dem Mord an ihrer Mutter gehen zwei Schwestern durch die Hölle. Die Hölle der Erniedrigung, Misshandlung, Vergewaltigung durch den eigenen Vater. Als das Familienoberhaupt schließlich im Gefängnis landet, nutzen die Mädchen die Gunst der Stunde und flüchten in die Freiheit …
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Kritik

 
 
 
„Tief in den Wäldern hört dich niemand schreien“ … ein treffender Untertitel, der das Heimkino-Cover des vorliegenden Schmuddelfilms mit dem Titel HIDDEN IN THE WOODS sichtlich aufgewertet hätte. Auch in Chile ist man auf den Geschmack von grausamen Rape’n Revenge-Thrillern gekommen – jenes Sub-Genre, das es zumindest hier in Deutschland bei der FSK nicht gerade leicht hat. Betrachtet man die Entwicklung dieser Filmgattung in den letzten Jahren genauer, ist das aber auch kein Wunder. Mittlerweile ist es unter den Regisseuren dieser Streifen zum Sport geworden, sich in punkto Grausamkeit übertreffen zu wollen. Dabei kennt die Kreativität der Drehbuchautoren keine Grenzen, die sich immer kränkere Methoden einfallen lassen, um ihre meist weiblichen Heldinnen noch menschenverachtender zu quälen und zu demütigen. Der zweifelhafte Höhepunkt jener Art von Filmen wurde bereits im Jahr 2013 erreicht, als sich STEVEN R. MONROE mit seinem I SPIT ON YOUR GRAVE 2 ein Denkmal in Sachen Frauengewalt setzte und einen Rachestreifen inszenierte, der alle bis dato gedrehten Rape’n Revenge-Arbeiten in den Schatten stellte. Hierzulande verstand man mit der überflüssigen Gewaltorgie keinen Spaß – I SPIT ON YOUR GRAVE 2 erlitt das gleiche Schicksal, wie manch ähnlicher Film zuvor: Er wurde eingezogen und auf den Index gesetzt. Der chilenische Filmemacher PATRICIO VALLADARES führt mit seinem HIDDEN IN THE WOODS die traurige Saga sinnloser Gewalt gegen wehrlose Frauen fort und tut es dem Spanier ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO gleich. Letzterer brachte Jahre vor seinem gelobten HERE COMES THE DEVIL einen ebenso schmuddeligen Gewalt-Mix in die Wohnzimmer, der es unter dem Titel I’LL NEVER DIE ALONE (wenn auch in zerschnippelter Form) sogar in deutsche Händlerregal brachte.
 
Von der Machart her ist HIDDEN IN THE WOODS besagtem I’LL NEVER DIE ALONE nicht unähnlich, denn auch in diesem trivialen Machwerk bekommt der Zuschauer alle Checkpunkte gängiger Exploitation-Kunst aufgetischt, ohne die Stoffe wie die berüchtigte I SPIT ON YOUR GRAVE-Reihe wohl niemals den Erfolg gehabt hätten, den sie heute unter Horror-Jüngern genießen. Unter der brennenden Sonne Südamerikas müssen hier abermals Frauen ums nackte Überleben kämpfen, die von ihren männlichen Filmkollegen auf Niederträchtigste durch die Filmhölle gejagt werden. Jahrzehnte der Emanzipation verlieren binnen weniger Minuten an Bedeutung, schließlich scheint die Nachfrage nach Filmen immer größer zu werden, in denen Frauen wie Vieh behandelt werden. Wie zu den Anfängen von Exploitation im Kino nutzt auch HIDDEN IN THE WOODS-Macher PATRICIO VALLADARES reißerische Themen, um sie dem Zuschauer in Kombination mit möglichst sadistischer Gewalt und kontroversen Sexszenen zu verkaufen. So finden neben grässlichen Vergewaltigungsszenen, eigentlich sensibel zu behandelnde Themen wie Kindesmissbrauch, Inzest und Kannibalismus Verwendung, die jedoch nur selten ernsthaft beleuchtet werden. Stattdessen bilden sie die Grundlage fragwürdigen Treibens, das ohnehin nur darauf hinausläuft, möglichst viel Leid und Lebenssaft auf der Mattscheibe zeigen zu können.
 
In HIDDEN IN THE WOODS begleitet der Zuschauer Ana und Anny – zwei traumatisierte Frauen, die allein mit ihrem Vater irgendwo in den Wäldern Chiles leben und unter dem täglichen Terror des Familienoberhauptes zu leiden haben. Der bunkert auf seinem Grundstück nämlich nicht nur Drogen des heimtückischen Drogenbarons „Onkel Costello“, sondern vergeht sich nach dem Mord an der eigenen Frau hin und wieder an seinen beiden Schützlingen. Als die älteste Tochter Ana nach jahrelanger Inzucht schwanger wird, sperrt der Vater den Säugling in eine dunkle Kammer und beginnt ihn mit rohem Fleisch zu füttern. Jahre später tauchen zwei Polizeibeamte auf, die durch Zufall auf das missgestaltete Kind Manuel stoßen. Bevor sie jedoch das gesetzeswidrige Treiben unterbinden können, greift der Vater zur Kettensäge und macht mit den Polizisten kurzen Prozess. Die kaltblütige Tat hat schwerwiegende Konsequenzen, denn wenig später wartet das Gefängnis auf das hinterlistige Familienmitglied. Für die Mädchen die einzige Möglichkeit endlich der Terrorherrschaft des Vaters entkommen zu können. Leider ist die Welt nicht von Gefahren gefreit. Bald schon nimmt Drogenboss „Onkel Costello“ die Witterung der flüchtenden Töchter auf, schließlich fordert der die versteckten Drogen von den Mädchen zurück, die jedoch keinen blassen Schimmer haben, wo sie der Vater versteckt hat.
 
Günstige 90000 Dollar hat die Schmuddel-Orgie gekostet, die dem Exploitation-Genre so alle Ehre macht. In HIDDEN IN THE WOODS wird geschlagen, geschossen, geschändet und sogar Menschenfleisch gefressen, damit die Sensationsgier des Zuschauers befriedigt werden kann. Die Kamera hält das konfuse und an den Haaren herbeigezogene Treiben in ungeschönt-dreckigen Bildern ein, um die Authentizität bewahren zu können. PATRICIO VALLADARES hat sich wie so oft im Horror-Bereich von Geschichten inspirieren lassen, die das Leben im südamerikanischen Hinterland nun mal so schreibt. Dementsprechend darf der Hinweis im Opening nicht fehlen, der dem Zuschauer vorheuchelt, dass das Gezeigte auf wahre Begebenheiten zurückzuführen sei. Ob dem wirklich so gewesen ist, dürfte einmal mehr stark bezweifelt werden, denn mittlerweile gehört der „Alles total wahr“-Slogan zum Horrorfilm, wie das Kruzifix in die Kirche, weil sich mit pseudo-realem Hintergrund eigentlich immer besser Kasse machen lässt. Bei so viel Liebe zur Exploitation stellt sich natürlich die Frage, ob es dem Film gelingt unter Hobby-Sadisten überhaupt Laune zu verbreiten. Im Gegensatz zum Heiligen Folter-Gral I SPIT ON YOUR GRAVE (2010) und dessen Fortsetzung aus dem Jahre 2013 ist das Geschehen trotz aller Liebe zur Frauenverachtung weit entfernt von den perversen Phantasien eines STEVEN R. MONROE. Das mag vor allem an der etwas hölzernen Darbietung von Opfer und Täter liegen, die teilweise so unglaubwürdig agieren, weil mal wieder unbekannte und maximal leidlich talentierte Jungdarsteller gecastet wurden, die dazu auch noch einem unausgereiften Drehbuch folgen. Zudem verliert der Streifen immer wieder an Tempo, weil VALLADARES auf Krampf darum bestrebt ist, den Protagonisten seiner hanebüchenen Geschichte eine gekünstelte Charakterentwicklung einräumen zu wollen. Immerhin zieht der Regisseur in Momenten der Langeweile die Reißleine. Immer wenn HIDDEN IN THE WOODS mit Längen zu kämpfen hat, greift VALLADARES auf Exploitation zurück und lässt sein Treiben in Gewalt und Blut ersaufen. Zur Freude des Horrorfans ist die Kamera immer nah am Geschehen, damit der für die langen Wartezeiten mit grafischen Grausamkeiten entschädigt werden kann.
 
Groteskerweise stieß die eher mittelmäßige Gewaltgurke bei den Amerikanern auf große Aufmerksamkeit. In solchen Fällen ist es meist unvermeidbar, dass dem Original eine glattgebügelte Neuverfilmung nachgeschoben wird. Schauspieler, Produzent und Regisseur MICHAEL BIEHN (THE VICTIM) zeichnet in diesem Fall verantwortlich und hat das Remake unter gleichem Namen produziert, für das PATRICIO VALLADARES gleich noch einmal auf dem Regiestuhl platz nehmen durfte. Ob er sich verbessern konnte bleibt abzuwarten. Der große Wurf ist ihm mit seinem Original HIDDEN IN THE WOODS leider nicht gelungen. Denn: Ein paar kontroverse Szenen und eine handvoll Matscheffekte machen aus einem unglaubwürdig zusammengewürfelten Plot noch lange keinen guten Horrorfilm.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Ein grausamer Schocker, der stahlharte Nerven voraussetzt. Leider ist HIDDEN IN THE WOODS keine Sternstunde des schmuddeligen Exploitation-Kinos, das sich seit den 1960ern bis weit in die 80er hinein großer Beliebtheit erfreut hat und seit der Remake-Welle der letzten Jahren durch alles von RODRIGUEZ und TARANTINO bis hin zu Bodensatz wie I SPIT ON YOUR GRAVE wiederbelebt wurde. EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD (so der Originaltitel) hat zwar alles zu bieten, was jene Art von Filmen so erfolgreich gemacht hat; Macher PATRICIO VALLADARES verliert aber zu oft die Geschichte und seine Heldinnen aus den Augen. Sie haben über weite Strecken schlichtweg nichts zu tun. Der Cocktail aus Inzuchtthematik, Kannibalismus, Gewalt und Sex ist teils arg wirr geraten und hat nicht selten mit ziemlichen Längen zu kämpfen. Vielleicht wäre es demnach besser gewesen, wenn sich VALLADARES auf nur ein Thema konzentriert hätte, statt seine Geschichte mit Kontroversem schlicht zu überfrachten. Immerhin findet er die Notbremse stets zur rechten Zeit. Immer dann, wenn es langweilig wird, gibt es Gewalt satt für alle Liebhaber frauenverachtender Filmware. Dass des Öfteren die Logik ausgeklammert wird, dürfte Fans jener Filme aber weniger stören. Die bekommen nämlich von der Vergewaltigung hin zu Motorsägen-Maniküre all das zu sehen, was in waschechtes Exploitation-Cinema nun einmal gehört: Gewalt als Mittel zum Selbstzweck.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Zensur

 
 
 
Gerade weil HIDDEN IN THE WOODS den gängigen Exploitation-Regeln folgt und nicht zimperlich mit seinen Protagonisten zugange geht, hat der Streifen in Deutschland keine ungeschnittene Freigabe erhalten. Hier werden Frauen erniedrigt und misshandelt, Kannibalismus zelebriert und Körperteile vor der Kamera mittels Kettensäge abgetrennt. Demzufolge musste die Schere angesetzt werden, um die FSK besänftigen zu können. Die deutsche Fassung kann zwar erst von volljährigen Zuschauern erworben werden, ist aber geschnitten.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hidden in the Woods; Chile 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DD 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Behind the Scenes, Deleted Scenes

Release-Termin: 23.06.2015

 

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HIDDEN IN THE WOODS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

Die Rechte aller für diese Kritik verwendeten Grafiken liegen bei MARITIM PICTURES

 
 
 
Ähnche Filme:
 
I Spit on your Grave 2 (2013)

Savaged (2013)

Autumn Blood (2013)

The Mooring (2012)

If a Tree falls (2010)

Girls against Boys (2012)

Black Rock (2012)

Eden Lake (2008)

The Last House on the Left (2009)

I Spit on your Grave (2010)

I’ll never die alone (2008)

Straw Dogs – Wer Gewalt sät (2011)

Filmreview: „Caníbal“ (2013)

Canibal 2013
 
 
 

CANíBAL

Story

 
 
 
Einzelgänger Carlos führt ein Doppelleben. Tagsüber ist er Schneider für Herrenmode, der von allen wegen seines Könnens geschätzt wird. Abends verwandelt er sich in ein Monster und ermordet ausländische Frauen, um seinen Vorrat an menschlichem Fleisch aufzufüllen. Als er der schönen Nina begegnet gerät sein bisher geregeltes Leben aus den Fugen und sein Geheimnis droht aufzufliegen …
 
 
 


 
 
 

CANíBAL – Kritik

 
 
 
Carlos (ANTONIO DE LA TORRE) ist schon ein eigensinniger Kerl. Freunde hat er keine und Erfüllung findet er wenn dann nur im Berufsleben. Er ist Schneider, hat einen ausgeprägten Sinn für schöne Dinge, ist diszipliniert und beherrscht. Leider frönt er auch einer sehr speziellen Leidenschaft, denn in der Filmwelt ist es nicht selten der Fall, dass gerade die unscheinbaren Charaktere dutzende Leichen im Keller stapeln. Wie der Titel bereits verrät ist der stille Schönling ein Kannibale, besitzt eine schlichte Hütte in den Bergen, wo er bevorzugt schöne Damen ausnimmt um anschließend deren Fleisch in das Stadtapartment zu bringen. Dort versteckt er das Schlachtgut akkurat übereinandergelegt im Kühlschrank und gönnt sich allabendlich menschliches Steak zu gutem Wein. In Spanien scheint man neuerdings die Vorzüge von Kannibalismus im Kino erkannt zu haben, denn nach OMNíVOROS kommt nun mit CANíBAL bereits der zweite Streifen in Folge in die weltweiten Wohnzimmer, der sich mit der kontroversen Problematik der Menschenfresserei beschäftigt. Doch bevor der Horrorfan bei derart zusagender Inhaltsangabe Freudensprünge veranstaltet, dürfte die euphorische Stimmung schnell wieder einen Dämpfer bekommen, schließlich wird mit CANíBAL eher anspruchsvoll in Szene gesetztes Arthouse-Kino geboten und keine dieser unnötigen Blutorgien, in denen die Opfer möglichst detailgenau und blutig ermordet werden.
 
Getreu dem Motto „Auch Kannibalen brauchen Liebe“ thematisiert CANíBAL eine sehr sonderbare Liebesgeschichte, die von einem Mann handelt, der im Grunde genommen keinerlei Sympathien oder Mitgefühle für seine Mitmenschen entwickeln kann. Umso leichter geht ihm das Töten von der Hand. Er inszeniert Unfälle, um an menschliche Beute zu gelangen und geht dabei stets nach gleichem Muster vor. Sein gesamtes Leben folgt einer präzisen Choreografie und gleiche Abläufe helfen dem Eigenbrödler den Alltag zu bestreiten. Doch die genau durchgeplante, tägliche Linearität verliert an Gewichtung als Carlos die attraktive und zurückhaltende Nina (OLIMPIA MELINTE) kennenlernt. Die hat schon seit Ewigkeiten nichts mehr von der Schwester gehört und hofft nun auf Antworten über ihren Verbleib. Nina bezieht die Wohnung ihrer Zwillingsschwester und freundet sich mit Carlos an, der im Haus gegenüber wohnt. Schnell entwickelt sich Sympathie zwischen den beiden und eine innige Zuneigung beginnt sich anzubahnen. Natürlich erahnt Nina schon bald, dass mit ihrem neuen Nachbarn so einiges nicht zu stimmen scheint, denn je näher sie dem Sonderling kommt, um so zwanghaft distanzierter verhält sich Carlos.
 
Der Spanier MANUEL MARTIN CUENCA hat mit seinem CANíBAL einen sehr unkonventionellen Kannibalenfilm gedreht, der die Thematik vom Menschenfleisch verzehrenden Außenseiter nur als Alibifunktion benutzt und eigentlich mehr Drama als Horror ist. Die Kannibalenthematik wird, insofern sie dann überhaupt einmal an Bedeutung gewinnt, nur sehr oberflächlich angerissen. Stattdessen ist CUENCA damit beschäftigt die verbohrte Persönlichkeit eines gefühlskalten Mannes zu beleuchten, der vehement versucht gegen Gefühle und Emotionen anzukämpfen. Für hohle Gewalt und blutgeilen Splatter bleibt da keine Zeit, schließlich ist CUENCA bestrebt einen gewissen Anspruch zu bewahren. Wir sehen lange Kameraeinstellungen, in denen kaum gesprochen wird, nahezu spartanisch und altmodisch eingerichtete Bühnenbilder sowie einen stillen Killer, der eine distanzierten Haltung zu menschlichen Nähe besitzt und bedrückend authentisch von Schauspieler ANTONIO DE LA TORRE verkörpert wird. Der gehört in Spanien zur Schauspielelite, ist Multitalent und sowohl in Spielfilmen und Theateraufführungen als auch in TV-Serien präsent.
 
Auch wenn die unmenschlichen Verbrechen im Film zu keiner Zeit bebildert, die Beweggründe für die Morde nicht näher beleuchtet werden und es sich bei Carlos um keinen dieser kaltblütigen Irren handelt, die in ähnlichen Horrormachwerken partout damit beschäftigt sind die Leinwand rot zu färben, lohnt eine Sichtung des Streifens. Die langsam erzählte Charakterstudie konzentriert sich auf das Wesentliche, nimmt sich Zeit für seine Figuren und besitzt gute Schauspieler, die auch mit wenigen Worten einander verständigen können. So dürfte das minimalistische Drama zumindest für jene Horrorfans von Interesse sein, die sich hin und wieder lieber gut durchdachte und präzis erzählte Geschichten mit Anspruch gönnen, als reißerische Horrorfilme, in denen sich Foltergesellen ausschließlich im Blut ihrer Opfer suhlen.
 
 
 


 
 
 

CANíBAL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Der Kannibalenfilm goes Arthouse. Spanien entdeckt das Menschenfresser-Genre für sich, bringt aber mit CANíBAL einen etwas ungewöhnlichen Streifen dieser Art in die internationalen Wohnzimmer. Hier wird weder blutgeil vor der Kamera gemordet, noch das gar abartige Fressen von Menschenfleisch zelebriert. Statt Exploitation gibt es hier Drama satt für all jene, die einen gewissen Anspruch auch bei Horrorfilmen erwarten. Für den Streifen hat man hervorragende Schauspieler gewinnen können, deren Figuren genügend Entwicklungsmöglichkeiten eingeräumt werden, damit sich der Zuschauer schnell mit ihnen identifizieren kann. Kannibale Carlos nimmt hier eine Sonderstellung ein. Der wird nämlich nicht zur unberechenbaren Killermaschine deklariert, sondern entpuppt sich als gesitteter und geheimnisvoller Schönling, dem die Frauen zu Füßen liegen. Hat man sich erst einmal an die seltsamen Umstände dieser etwas andere Liebesgeschichte gewöhnt, lässt CANíBAL so schnell nicht wieder los. Ein Grund mehr, warum sich Horrorfilmmacher so langsam mal bewusst werden sollten, dass man Genrestreifen nicht zwangsläufig im Blut ertränken muss. Anständiges Niveau, intelligente Geschichten und Sinn für Ästhetik sind auch im Jahr 2014 stets willkommene Filmzutaten – auch im Horrorfilm.
 
 
 


 
 
 

CANíBAL – Zensur

 
 
 
CANíBAL ist keiner dieser Filme, in denen schaufreudig Menschenfleisch gefressen wird. Es gibt nicht einen expliziten Gewaltakt zu sehen. Das Meiste passiert im Off und in den Köpfen der Zuschauer. Dennoch gehen wir aufgrund der heiklen Thematik des Films von einer ungeschnittenen FSK16 aus.
 
 
 


 
 
 

CANíBAL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Butcher Boys (2012)
 
Hannibal (2001)
 
Lebendig gefressen (1980)
 
Ravenous – Friss oder stirb (1999)
 
Cannibal (2006)