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Beiträge mit Schlagwort “Kannibalenfilme 2013

Filmkritik: „The Green Inferno“ (2013)

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THE GREEN INFERNO

Story

 
 
 
Grünschnäbelige Umweltaktivisten erleben die Lektion ihres Lebens. Sie stürzen mit einem Flugzeug im Amazonas ab und werden von einem primitiven Waldvolk verspeist.
 
 
 


 
 
 

THE GREEN INFERNO – Kritik

 
 
 
Man muss ELI ROTH an dieser Stelle einmal Lob aussprechen. Nicht nur, dass der HOSTEL-Regisseur mit seinem Schaffen immer wieder für zweifelhaften Gesprächsstoff sorgt; dem Filmemacher gelingt es zudem stets neue dumme Machwerke zu kreieren, die sich vor allem durch eines auszeichnen: selbstzweckhafte und sinnlose Gewalt. Selbstverständlich macht da auch THE GREEN INFERNO keine Ausnahme – ein Kannibalenschocker, der eigentlich schon 2013 in die Kinos gebracht werden sollte. Leider wurde der Streifen nach dem überraschenden Abgang von CHRISTOPHER WOODROW (Ex-CEO bei der Film-Finanzierungsgesellschaft WORLDWIDE) immer wieder auf unbestimmte Zeit verschoben, so dass an eine internationale Auswertung kaum noch zu denken war. Zwei Jahre später hatte man mit Horrorfans Erbarmen und brachte THE GREEN INFERNO doch noch in die Kinos. Ein cleverer Schachzug, feierte Roths missratenes Terror-Remake KNOCK KNOCK parallel im Multiplex Premiere und lockte Fans des aneckenden Regisseurs ohnehin scharenweise in die Lichtspielhäuser.
 
 
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Nichts Neues aus der Welt des ELI ROTH. Der Meister des nicht sonderlich klugen Horrors macht’s wie eh und je. Das bedeutet, dass auch in THE GREEN INFERNO nur jene Zuschauer auf ihre Kosten kommen dürften, denen es im Horrorfilm nicht blutig genug zugehen kann. Die bekommen hier manch deftige Sauerei vor die Linse, die in ihrer radikalen Detailfreudigkeit leider zu keinem Moment jene schockierende und beunruhigende Härte bewirkt, die einst kontrovers diskutierten Filme aus der Mache der Italiener RUGGERO DEODATO, UMBERTO LENZI und JOE D’AMATO erreichen konnten. Vor deren Werke ließ sich Roth inspirieren, wobei herzulande nur wenige junge Zuschauer mit Kannibalenklassikern wie CANNIBAL HOLOCAUST oder CANNIBAL FEROX etwas anzufangen wissen, weil die sich auch dreißig Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung immer noch auf dem Index für jugendgefährdende Medien befinden.
 
 
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THE GREEN INFERNO nimmt den Besucher mit auf eine Reise voller Gefahren. Die führt direkt in die Tiefen des bewaldeten Amazonasgebiets, wo Studenten (darunter LORENZA IZZO aus THE STRANGER und ARIEL LEVY aus AFTERSHOCK) die Abholzung des Regenwaldes und die Ausrottung von Naturvölkern verhindern wollen. Ein demonstratives Anketten an Baumriesen verläuft nach Plan und das unbedachte Eingreifen des Menschen in die Natur kann erfolgreich gestoppt werden. Doch die Freude der Umweltaktivisten ist nur von kurzer Dauer, denn der Heimflug endet im Desaster. Die Maschine stürzt ab und reißt die Insassen in den Tod. Die Überlebenden werden von Eingeborenen entdeckt, betäubt und in ein Dorf verschleppt, wo man die Gestrandeten wie Vieh in einen Käfig sperrt. Was folgt gleicht einem Albtraum, denn die Studenten landen auf der Speisekarte derer, die sich eigentlich beschützen wollten.
 
 
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Alle Jahre wieder scheint Herr Roth unweigerlich mitteilen zu wollen, dass er zwar einen ausgeprägtem Sinn fürs Visuelle besitzt, dafür kein talentiertes Händchen für guten Horror. Erneut steckt hinter dem Schaffen von ELI ROTH nichts mit Hirn und Tiefsinn. Vielmehr beschäftigt sich der Regisseur wie bisher mit dem Zelebrieren von reißerischem Exploitation, in dem krudes Sterben besonderes Augenmerk erhält. Dabei beginnt THE GREEN INFERNO eigentlich ganz vielversprechend. Der Film besitzt interessante Ansätze und macht sogar von der Moralkeule gebrauch. So versucht man die rigoroses Abholzung des Regenwaldes und die Vernichtung von Lebensräumen zu thematisieren. Leider wird die anfängliche Kritik nur als Alibifunktion missbraucht, um wenig später Protagonisten grausam sterben zu lassen. Das mag zwar der Gewaltfraktion ausreichen – alteingesessenen Horrorliebhabern dürften Splatter und Gore allein nicht ausreichen, damit sich Horrorfilme auf Dauer ins Gedächtnis einbrennen können. Letztendlich verschwendet THE GREEN INFERNO viel Potenzial. Die Landschaftsaufnahmen sind überwältigend und der glatt gebügelte Look überzeugt. Inhaltlich wird auf Sparflame geköchelt und anfängliche Kritik schnell aus den Augen verloren. Bedauerlich, wenn man bedenkt, was für ein brachiales Horrorwerk THE GREEN INFERNO hätte werden können. So bleibt ein austauschbarer Splatterfilm übrig, der vergebens nacheifert, was einst schmuddelige Kannibalen-Reißer vor knapp 40 Jahren bedeutend besser und unbequemer auf Zelluloid gebannt haben.
 
 
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THE GREEN INFERNO – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Gewalt und Blut allein zeichnen noch lange keinen guten Horrorfilm aus. THE GREEN INFERNO ist Roths Antwort auf die vielen italienischen Kannibalenfilme, die in den 1970ern Kinosäle heimsuchten. Während Roths Vorbild RUGGERO DEODATO in CANNIBAL HOLOCAUST noch mit dreckigen Dschungelaufnahmen, für damalige Verhältnisse cleverer Found-Footage-Idee und herber Gesellschaftskritik auf den Magen schlug, macht sich’s ELI ROTH zu einfach und liefert auf Hochglanz gebügelten Kannibalenquatsch ab, der denn einfach nur blutig ist. THE GREEN INFENO ist typischer Horror-Brei, wie man ihn letztendlich aus der Mache des polarisierenden Regisseurs auch erwartet hat. Das bedeutet: geschmackloser und zu keinem Zeitpunkt lustiger Humor, schablonenhafte Charaktere, eine triviale Geschichte und jede Menge Gewaltmomente. Immerhin ist das alles kurzweilig inszeniert, was aber vermutlich auch darauf zurückzuführen sein dürfte, weil das Kannibalen-Genre im Gegensatz zu anderen Subgenres noch relativ unverbraucht ist. Wir meinen: Glotze an, Film rein und Hirn abschalten. Großes Kannibalenkino sieht aber anders aus.
 
 


 
 
 

THE GREEN INFERNO – Zensur

 
 
 
Viel böses Zeug wird in THE GREEN INFERNO gezeigt. Das wird reißerisch in Szene gesetzt. Ob eklige Ausweidungen, das Abtrennen von Körperteilen oder das Herausreißen von Augäpfeln – zimperlich geht es in diesem Kannibalenschocker nicht zu. Die FSK hat dem Film eine Freigabe ab 18 attestiert. Überraschenderweise handelt es sich dabei sogar um die ungeschnittene Filmfassung. Das mag dahingegen absurd erscheinen, da THE GREEN INFERNO hinsichtlich der gezeigten Abartigkeiten weitaus blutiger ist, als all die vielen Menschenfresser-Streifen aus den 1970ern. Letztere befindet sich bis heute auf dem Index und dürfen demnach nicht in Deutschland verkauft werden.
 
 
 


 
 
 

THE GREEN INFERNO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Constantin Film / Highlight Communications

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Green Inferno | Chile, USA 2013

Genre: Thriller, Horror, Splatter

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2,40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras:Der Dreh (ca. 1,5 Min.), Die Dorfbewohner (ca. 1,5 Min.), Eli Roth über „The Green Inferno“ (ca. 1 Min.), Lorenza Izzo über die Arbeit im Amazonas (ca. 1 Min.), Lorenza Izzo über die Rolle Justine (ca. 1 Min.), DJ Ashba – Musikvideo (ca. 1,5 Min.), Deutscher Trailer „The Green Inferno“ (ca. 1 Min.), Englischer Trailer „The Green Inferno“ (ca. 1 Min.)

Veröffentlichung: 03.02.2016

 
 
 

The Green Inferno [Blu-ray] ungeschnitten im Director’s Cut auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE GREEN INFERNO – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei CONTANTIN FILM / HIGHLIGHT COMMUNICATIONS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Omnivoros – Das letzte Ma(h)l (2013)
 
Butcher Boys (2012)
 
Nackt und zerfleischt (1980)
 
Mondo Cannibale (1972)
 
Mondo Cannibale 2 – Der Vogelmensch (1977)
 
Cannibal Terror (1981)
 
Lebendig gefressen (1980)
 

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Filmkritik: „Eat“ (2013)

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EAT

ICH HAB MICH ZUM FRESSEN GERN

Story

 
 
 
Der Misserfolg im Job macht eine junge Frau krank und fördert einen unstillbaren Hunger auf das eigene Fleisch …

 
 
 


 
 
 

EAT – Kritik

 
 
 
Einfach nur Zufall, kreativer Gedankenschub oder pure Absicht? Mit EAT erscheint nun schon der zweite Horrorfilm in Folge, in dem die zweifelhaften Machenschaften der Hollywood-Maschinerie an den Pranger gestellt werden. Hollywood ist nicht nur Glitzer und Glamour – dort hat sich das Filmemachen zum knallharten Business entwickelt, wo schon lange nicht mehr menschliche Befindlichkeiten zählen, sondern Geld, Gier, Macht und Erfolg eine erhebliche Rolle spielen. Nirgendwo scheinen Ruhm und Bedeutungslosigkeit, Armut und Reichtum, Illusion und Wirklichkeit so dicht beieinander zu liegen wie hier, was bereits schon unzählige Filmemacher dazu veranlasst hat, das wahre Hollywood zum Thema ihrer Filme zu machen. Zuletzt gelang das KEVIN KOLCH und DENNIS WIDMEYER ganz souverän. Mit ihrem STARRY EYES zeigten sie in beunruhigenden Bildern die andere Seite der schillernden Filmmetropole, wo der tägliche Kampf ums Überleben zur Tagesordnung gehört und strebsame Schauspieler auf vernünftig bezahlte Aufträge hoffen, damit die Miete gezahlt werden kann.
 
Knapp 300.000 Schauspieler leben in Los Angeles, von denen gerade einmal fünf Prozent in der Filmindustrie arbeiten. Die meisten von ihnen verdienen sich anderweitig ihr Geld, um überhaupt über die Runden kommen zu können. Zu einer dieser erfolglosen Filmdarstellerinnen gehört auch Novella McClure (MEGGIE MADDOCK), die sich im Horrordrama EAT mehr schlecht als recht von Casting zu Casting hangelt, um ausschließlich Absagen zu ernten. Die Miete ist bereits seit drei Monaten im Rückstand und im Kühlschrank herrscht gähnende Leere, was die Mittdreißigerin immer wieder dazu veranlasst in Stresssituationen an den eigenen Knochen zu nagen. Erst ist es ein blutiger Finger, der zum Lutschen einlädt. Später sind es die eignen Füße, die der arbeitslosen Schauspielerin Gaumenfreuden bereiten. Leider bleiben die selbst zugefügten Verstümmelungen nicht unbemerkt und die verzweifelte Novella muss sich in psychiatrische Behandlung begeben. Dort lernt sie Dr. Simon (JEREMY MAKE) kennen, der sich jedoch Hals über Kopf in die adrette Blondine verliebt. Ein fataler Fehler wie sich bald herausstellen wird, denn die zwanghafte Selbstzerstörung seiner Patienten nimmt bald sonderbare Züge an.
 
Body-Horror extrem, denn das in EAT gezeigte Spezial-Menü ist garantiert nicht jeden Filmzuschauer zu empfehlen. Man muss schon ein Faible für blutige Raffinessen besitzen, um das hier Gezeigte verdauen zu können, denn Nachwuchsregisseur JIMMY WEBER macht ziemlich oft Gebrauch von blutigen Fressszenen, die dazu noch in Nahaufnahme zelebriert werden. In diesem Film wird aus purer Verzweiflung das eigene Fleisch gegessen, was trotz ekliger Gore-Momente auch noch Hintergrund besitzt, schließlich sind psychische Erkrankungen in Zeiten von Leistungsdruck, Mobbing und Burnout keine Seltenheit mehr und werden auch bei Erwerbslosen immer häufiger diagnostiziert, die am sozialen Abstieg zu zerbrechen drohen. Stress macht krank – eine medizinische Diagnose, die in EAT horrorfilmtypisch auf die Spitze getrieben wird, jedoch nach wie vor brisant bleibt, weil der Film die bittere Realität vor Augen hält. Auch wenn die grafischen Kannibalismusmomente ziemlich selbstzweckhaft zum Einsatz kommen und EAT mit einigen Längen zu kämpfen hat, bekommt der Zuschauer hier außergewöhnlich mutiges Indie-Kino geboten, das sich sogar mit ernsthafter Gesellschaftskritik auseinandersetzt, statt ausschließlich sinnlose Gewalt der Gewalt wegen zu zeigen. Bitte mehr davon!
 
 
 


 
 
 

EAT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
EAT ist schockierend, eklig und dennoch faszinierend, quasi ein Drei-Gänge-Menü für anspruchsvolle Horror-Gourmets. EAT zeigt eindrucksvoll, dass kleine Indie-Produktionen meist die besseren Ideen haben, als manch teurer Film aus Hollywood – auch wenn studiounabhängige Streifen nicht unbedingt für jeden Filmgeschmack geeignet sind. EAT ist knüppelharter Body-Horror mit sonderbarer Thematik, die jedoch nicht sonderlich weit hergeholt ist und jeden treffen kann. Wenn Erfolg oder Misserfolg krank macht: hier werden psychische Erkrankungen in Folge von Stress unter die Lupe genommen, die in EAT natürlich etwas sehr drastisch untersucht werden, damit der Horrorfan auch kräftiges Rot zu sehen bekomme. Regieneuling JIMMY WEBER erzählt in seinem Debüt vom psychischen und körperlichen Zerfall einer verzweifelten Jobsuchenden, die sich von Ängsten getrieben selbst verstümmelt, um mit sich ins Reine zu kommen. Das beginnt ganz harmlos mit Nägelknabbern und endet im Verzehr der eigenen Gliedmaßen, wobei man den Effekte-Machern an dieser Stelle Lob für die abartigen Kannibalismusmomente aussprechen muss, die dann doch ziemlich grenzwertig bebildert werden. Wer kontroverse Filme mit Botschaft sucht, ist mit EAT gut beraten. Horrorfans, die nur des Härtegrades wegen Filme schauen, dürften schnell enttäuscht werden, denn die weniger Splatter-Momente lassen auf sich warten, weil in EAT viel gequasselt wird.
 
 
 


 
 
 

EAT – Zensur

 
 
 
EAT ist schon sehr speziell und vermutlich nicht für jeden Zuschauer geeignet. Die Heldin zieht sich genüsslich das Fleisch von den Knochen und verspeist es in aller Ruhe. Die Kamera hält drauf und die recht gut umgesetzten Spezialeffekte verfehlen ihre Wirkung keineswegs. Die FSK war gnädig und hat EAT bereits für Zuschauer ab 16 Jahren freigegeben. Aufgrund des Bonusmaterials auf der erhältlichen Heimkinoscheibe ist EAT aber erst für Volljährige geeignet: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

EAT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Mad Dimension

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Eat; USA 2013

Genre: Drama, Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: Film: FSK16 – Aufgrund der Extras auf der BD: Keine Jugendfreigabe (ungeschnitten)

Verpackung: Schwarze KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 21.03.2015

 

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EAT – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Naked Blood (1995)
 
Thanatomorphose (2012)
 
Starry Eyes (2014)
 
In My Skin


Filmreview: „Caníbal“ (2013)

Canibal 2013
 
 
 

CANíBAL

Story

 
 
 
Einzelgänger Carlos führt ein Doppelleben. Tagsüber ist er Schneider für Herrenmode, der von allen wegen seines Könnens geschätzt wird. Abends verwandelt er sich in ein Monster und ermordet ausländische Frauen, um seinen Vorrat an menschlichem Fleisch aufzufüllen. Als er der schönen Nina begegnet gerät sein bisher geregeltes Leben aus den Fugen und sein Geheimnis droht aufzufliegen …
 
 
 


 
 
 

CANíBAL – Kritik

 
 
 
Carlos (ANTONIO DE LA TORRE) ist schon ein eigensinniger Kerl. Freunde hat er keine und Erfüllung findet er wenn dann nur im Berufsleben. Er ist Schneider, hat einen ausgeprägten Sinn für schöne Dinge, ist diszipliniert und beherrscht. Leider frönt er auch einer sehr speziellen Leidenschaft, denn in der Filmwelt ist es nicht selten der Fall, dass gerade die unscheinbaren Charaktere dutzende Leichen im Keller stapeln. Wie der Titel bereits verrät ist der stille Schönling ein Kannibale, besitzt eine schlichte Hütte in den Bergen, wo er bevorzugt schöne Damen ausnimmt um anschließend deren Fleisch in das Stadtapartment zu bringen. Dort versteckt er das Schlachtgut akkurat übereinandergelegt im Kühlschrank und gönnt sich allabendlich menschliches Steak zu gutem Wein. In Spanien scheint man neuerdings die Vorzüge von Kannibalismus im Kino erkannt zu haben, denn nach OMNíVOROS kommt nun mit CANíBAL bereits der zweite Streifen in Folge in die weltweiten Wohnzimmer, der sich mit der kontroversen Problematik der Menschenfresserei beschäftigt. Doch bevor der Horrorfan bei derart zusagender Inhaltsangabe Freudensprünge veranstaltet, dürfte die euphorische Stimmung schnell wieder einen Dämpfer bekommen, schließlich wird mit CANíBAL eher anspruchsvoll in Szene gesetztes Arthouse-Kino geboten und keine dieser unnötigen Blutorgien, in denen die Opfer möglichst detailgenau und blutig ermordet werden.
 
Getreu dem Motto „Auch Kannibalen brauchen Liebe“ thematisiert CANíBAL eine sehr sonderbare Liebesgeschichte, die von einem Mann handelt, der im Grunde genommen keinerlei Sympathien oder Mitgefühle für seine Mitmenschen entwickeln kann. Umso leichter geht ihm das Töten von der Hand. Er inszeniert Unfälle, um an menschliche Beute zu gelangen und geht dabei stets nach gleichem Muster vor. Sein gesamtes Leben folgt einer präzisen Choreografie und gleiche Abläufe helfen dem Eigenbrödler den Alltag zu bestreiten. Doch die genau durchgeplante, tägliche Linearität verliert an Gewichtung als Carlos die attraktive und zurückhaltende Nina (OLIMPIA MELINTE) kennenlernt. Die hat schon seit Ewigkeiten nichts mehr von der Schwester gehört und hofft nun auf Antworten über ihren Verbleib. Nina bezieht die Wohnung ihrer Zwillingsschwester und freundet sich mit Carlos an, der im Haus gegenüber wohnt. Schnell entwickelt sich Sympathie zwischen den beiden und eine innige Zuneigung beginnt sich anzubahnen. Natürlich erahnt Nina schon bald, dass mit ihrem neuen Nachbarn so einiges nicht zu stimmen scheint, denn je näher sie dem Sonderling kommt, um so zwanghaft distanzierter verhält sich Carlos.
 
Der Spanier MANUEL MARTIN CUENCA hat mit seinem CANíBAL einen sehr unkonventionellen Kannibalenfilm gedreht, der die Thematik vom Menschenfleisch verzehrenden Außenseiter nur als Alibifunktion benutzt und eigentlich mehr Drama als Horror ist. Die Kannibalenthematik wird, insofern sie dann überhaupt einmal an Bedeutung gewinnt, nur sehr oberflächlich angerissen. Stattdessen ist CUENCA damit beschäftigt die verbohrte Persönlichkeit eines gefühlskalten Mannes zu beleuchten, der vehement versucht gegen Gefühle und Emotionen anzukämpfen. Für hohle Gewalt und blutgeilen Splatter bleibt da keine Zeit, schließlich ist CUENCA bestrebt einen gewissen Anspruch zu bewahren. Wir sehen lange Kameraeinstellungen, in denen kaum gesprochen wird, nahezu spartanisch und altmodisch eingerichtete Bühnenbilder sowie einen stillen Killer, der eine distanzierten Haltung zu menschlichen Nähe besitzt und bedrückend authentisch von Schauspieler ANTONIO DE LA TORRE verkörpert wird. Der gehört in Spanien zur Schauspielelite, ist Multitalent und sowohl in Spielfilmen und Theateraufführungen als auch in TV-Serien präsent.
 
Auch wenn die unmenschlichen Verbrechen im Film zu keiner Zeit bebildert, die Beweggründe für die Morde nicht näher beleuchtet werden und es sich bei Carlos um keinen dieser kaltblütigen Irren handelt, die in ähnlichen Horrormachwerken partout damit beschäftigt sind die Leinwand rot zu färben, lohnt eine Sichtung des Streifens. Die langsam erzählte Charakterstudie konzentriert sich auf das Wesentliche, nimmt sich Zeit für seine Figuren und besitzt gute Schauspieler, die auch mit wenigen Worten einander verständigen können. So dürfte das minimalistische Drama zumindest für jene Horrorfans von Interesse sein, die sich hin und wieder lieber gut durchdachte und präzis erzählte Geschichten mit Anspruch gönnen, als reißerische Horrorfilme, in denen sich Foltergesellen ausschließlich im Blut ihrer Opfer suhlen.
 
 
 


 
 
 

CANíBAL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Der Kannibalenfilm goes Arthouse. Spanien entdeckt das Menschenfresser-Genre für sich, bringt aber mit CANíBAL einen etwas ungewöhnlichen Streifen dieser Art in die internationalen Wohnzimmer. Hier wird weder blutgeil vor der Kamera gemordet, noch das gar abartige Fressen von Menschenfleisch zelebriert. Statt Exploitation gibt es hier Drama satt für all jene, die einen gewissen Anspruch auch bei Horrorfilmen erwarten. Für den Streifen hat man hervorragende Schauspieler gewinnen können, deren Figuren genügend Entwicklungsmöglichkeiten eingeräumt werden, damit sich der Zuschauer schnell mit ihnen identifizieren kann. Kannibale Carlos nimmt hier eine Sonderstellung ein. Der wird nämlich nicht zur unberechenbaren Killermaschine deklariert, sondern entpuppt sich als gesitteter und geheimnisvoller Schönling, dem die Frauen zu Füßen liegen. Hat man sich erst einmal an die seltsamen Umstände dieser etwas andere Liebesgeschichte gewöhnt, lässt CANíBAL so schnell nicht wieder los. Ein Grund mehr, warum sich Horrorfilmmacher so langsam mal bewusst werden sollten, dass man Genrestreifen nicht zwangsläufig im Blut ertränken muss. Anständiges Niveau, intelligente Geschichten und Sinn für Ästhetik sind auch im Jahr 2014 stets willkommene Filmzutaten – auch im Horrorfilm.
 
 
 


 
 
 

CANíBAL – Zensur

 
 
 
CANíBAL ist keiner dieser Filme, in denen schaufreudig Menschenfleisch gefressen wird. Es gibt nicht einen expliziten Gewaltakt zu sehen. Das Meiste passiert im Off und in den Köpfen der Zuschauer. Dennoch gehen wir aufgrund der heiklen Thematik des Films von einer ungeschnittenen FSK16 aus.
 
 
 


 
 
 

CANíBAL – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Butcher Boys (2012)
 
Hannibal (2001)
 
Lebendig gefressen (1980)
 
Ravenous – Friss oder stirb (1999)
 
Cannibal (2006)