Filmkritik: „The Abandoned“ (2015)

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THE ABANDONED

(THE CONFINES)

Story

 
 
 
Eine junge Mutter erlebt den Horror ihres Lebens. Im neuen Job geht es nämlich nicht mit rechten Dingen zu. Als Wachfrau entdeckt sie im Keller eines unbewohnten Luxus-Gebäudes Unheimliches von dem der Arbeitgeber nichts erzählt hat.

 
 
 


 
 
 

THE ABANDONED – Kritik

 
 
 
Wer heutzutage mit einem Horrorfilm Erfolg verbuchen möchte, braucht nicht viel. So sind neben Blut und Gewalt vor allem Schreckmomente das Salz in der Suppe, von denen der Film THE ABANDONED jede Menge zu bieten hat. Ein Sammelsurium unerwarteter Schocks bildet hier das Fundament für 90 Minuten Unbehagen, die schreckhaften Gemütern einiges abverlangen. Die sollten Vorsicht walten lassen, denn laute Jump-Scares sorgen für schnellen Herzschlag – Besitzer von Heimkinoanlagen wird’s freuen. Regienewcomer EYTAN ROCKAWAY probiert sich im Angstmachen aus und versucht es auf dem subtilen Wege. Statt Mord- und Totschlag steht Spuk im Mittelpunkt, der sich in einem verlassenen Luxus-Apartment-Gebäude abspielt und durch die Unachtsamkeit von Filmfigur Streak (gespielt von LOUISA KRAUSE) ausgelöst wird.
 
 
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Die hat psychische Probleme und bekommt Schwierigkeiten mit dem Staat, weil der ihr das Sorgerecht für die kleine Tochter wegnehmen möchte. Um zu zeigen, dass in der von Sorgen geplagten Frau eine verantwortungsvolle Mutter steckt, nimmt sie eine letzte Chance wahr und sucht sich einen Job. Der ist schnell gefunden und führt zu einem 30-stöckigen Gebäudeblock, der seit Jahren leersteht. Dort soll sie als Wachfrau für Ordnung sorgen, damit sich Landstreicher, Junkies und Möchtegern-Hausbesetzer nicht ungefragt Zutritt verschaffen. Doch die einfache Arbeit wird zur Herausforderung, denn irgendwas Unheimliches geht im Keller des Hauses vor. Während ihrer regelmäßigen Kontrollgänge klopft es plötzlich hinter jahrelang verschlossenen Türen. Kollege und Griesgram Cooper (JASON PATRIC) beobachtet mittels Überwachungskameras, kann aber nichts Mysteriöses finden. Leider entbrennt in Filmfigur Streak die Neugier. Sie öffnet die verrostete Tür in den Katakomben des Gebäudes und befreit unwissend Geschöpfe, die jahrelang dahinter ihr Dasein fristen mussten.
 
 
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Gruselige Flure, endlose Korridore und dunkle Gänge – THE ABANDONED macht es auf klassischem Wege und beschert Gruselatmosphäre durch versiertes Zusammenspiel von Licht, Schatten und beunruhigenden Geräuschen. Statt plakative Gewalt zu zeigen, will der Streifen Angst durch altmodisches Handwerk bescheren und lässt Heldin Streak geduldig schlecht ausgeleuchtete Räume und finstere Katakomben erkunden, in denen der Zuschauer Schauriges vermutet. Leider gelingt es Regisseur-Neuling EYTAN ROCKAWAY nicht lang, des Pudels Kern geheim zu halten, denn das Mysterium jenen Gemäuers wird zu früh in Form deformierter Kindergeister auf die Leinwand gebracht, die nur eins wollen: spielen. Immerhin befindet sich der Gruselfaktor auf konstant hohem Niveau, denn der Macher beweist ein talentiertes Händchen für unwohlige Stimmung, perfektes Schock-Timing und klaustrophobische Atmosphäre. Wie wichtig Letztere für einen Horrorfilm ist, bewies bereits der kürzlich besprochene LAST SHIFT, in dem – ähnlich wie in THE ABANDONED – die Filmheldin durch ein menschenleeres Gebäude gejagt und mit bösen Mächten konfrontiert wird. Zwar ist die Auflösung in THE ABANDONED thematisch ein ganz anderer Schuh; trotzdem unterscheiden sich die beiden Filmen von der Machart nicht unwesentlich voneinander – außer vielleicht beim Blutgehalt.
 
 
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Regisseur EYTAN ROCKAWAY hält sich an Regeln gängigen Geisterkinos und macht das ganz gut. So wird munter erschreckt, damit die Spannung gehalten und des Zuschauers Nerven gekitzelt werden können. Seltsame Ereignisse werden mittels Überwachungskameras (etwas Found-Footage muss in Geisterfilmen immer sein!) zutage gebracht, die im gesamten Gebäude platziert wurden und Paranormales aufzeichnen. Dem geht die Filmheldin auf den Grund und lüftet ein Geheimnis, das – wie könnte es auch anders sein – durch klischeehaftes Finale inklusive Überraschungstwist an das Publikum gebracht werden muss. Leider wirkt die Auflösung des Spuks aufgesetzt, weil THE ABANDONED aufgrund zu weit hergeholter Erklärungsversuche auf Zwang in eine andere Schublade gepresst werden soll. So wird aus dem mysteriösen Geister-Thriller plötzlich ein metapherreiches Drama mit deprimierendem Ausgang, das all die zuvor protokollierten Geschehnisse in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Eine verwirrende Angelegenheit für den Zuschauer und ein missratener Abschluss dazu. Trotzdem gehört THE ABANDONED (der übrigens anfangs THE CONFINES heißen sollte) zu den besseren Beiträgen innerhalb des Geister- und Spukgenres und sollte von Fans dieses Subgenres nicht ungesehen bleiben.
 
 
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THE ABANDONED – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Unheimliche Gruselware für schreckerprobte Gruselfans mit vielen, gelungenen Gruselmomenten. Regienewcomer EYTAN ROCKAWAY macht Horror der altmodischen Art und schwört Unheil mit klassischer Methodik herauf. Statt mit der Tür ins Haus zu fallen, erzählt er eine gemächliche Schauergeschichte, die sich Zeit für Atmosphäre und Figuren lässt. Als Salz in der Suppe erweisen sich deftige (Er)Schreckmomente, die selbst alteingesessene Kenner des Genres zusammenzucken lassen. Leider lässt der Macher den Zuschauer bereits nach 30 Minuten wissen, was hier für Ärger sorgt. Es sind deformierte und geistig behinderte Kinder, die einen grausamen Tod erlitten haben und nun rastlos durch Gänge geistern. Trotzdem; auch wenn das Mysterium im Film zu früh verraten wird, gruselt’s sich gut mit THE ABANDONED, weil Filmemacher EYTAN ROCKAWAY offensichtlich viele der alten Schauerklassiker genau studiert hat. So fällt talentiertes Spiel mit menschlichen Urängsten sowie souveräner Gebrauch von Licht, Schatten und unheilverkündenden Geräuschen positiv auf, mit dem die Spannung bis zum bitteren Ende gehalten werden kann und Gänsehautatmosphäre heraufbeschworen wird. Deutlich weniger gelungen ist dagegen das Finale. Das trägt mal wieder das Etikett „besonders kreativ“, weil es mit einem Überraschungstwist aufwartet (M.NIGHT SHYAMALAN lässt grüßen). Die Auflösung wirkt leider so deplatziert, überflüssig und erzwungen, dass der positive Gesamteindruck von THE ABANDONED Federn lassen muss. Daher am besten nach der Unterwasserszene kurz vorm Abspann abschalten, sonst ärgert man sich nur.
 
 
 


 
 
 

THE ABANDONED – Zensur

 
 
 
Gewalttechnisch wird auf Sparflamme geköchelt. Ein Obdachloser wird in einem schmierigen Bad von den Geistergören im Off etwas zu rabiat behandelt. Mehr böse Szenen gibt es nicht zu sehen. THE ABANDONED ist ein Geisterfilm mit Augenmerk auf subtile Angstmacherei. Demzufolge gibt es dafür hierzulande von der Prüfbehörden eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

THE ABANDONED – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Fear Lives Here (2012)

Out of the Dark (2014)

The Awakening (2011)

Filmkritik: „Game of Assassins“ (2013)

Game-of-assassins-2013
 
 
 

GAME OF ASSASSINS

(THE GAUNTLET)

Story

 
 
 
Fünf unwissende Menschen finden sich in einer Art unterirdischem Labyrinth wieder und sind nicht bereit irgendwelche Spiele zu spielen. Doch der Weg nach draußen ist verschlossen, so dass den unfreiwilligen Teilnehmern keine andere Wahl bleibt, als sich durch eine fallenbespickte Arena vorzuarbeiten. Schnell entdeckt man Gemeinsamkeiten, denn ein jeder der hier Anwesenden soll für begangene Sünden bezahlen. So werden aus Freunden schnell Feinde, schließlich kennt das Spiel wie im richtigen Leben nur einen Sieger…
 
 
 


 
 
 

GAME OF ASSASSINS – Kritik

 
 
 
Lasst die Schlachtspiele beginnen – so zumindest verspricht es der Trailer, in dem sich scheinbar ahnungslose Protagonisten gegenseitig zerfleischen müssen, um überleben zu können! Das Grundgerüst der Geschichte ist nicht neu, denn MATT ESKANDARI ließ sich für seinen GAME OF ASSASSINS offensichtlich von Überlebensfilmen wie BATTLE ROYALE, DIE TODESKANDIDATEN und der TRIBUTE VON PANEM-Reihe inspirieren und mixt sogar etwas dezentes SAW dazu. Im Unterschied zu den genannten Actionern leidet GAME OF ASSASSINS jedoch unter seinem überschaubaren Budget, was der Freude am Mitfiebern schnell einen Dämpfer verpasst. Die mittelalterlich anmutende Kulisse schaut unverkennbar nach Pappmaschee aus und der Nervenkitzel will auch ausbleiben, weil ESKANDARI vermutlich aus Budgetgründen auf fiese Todesarten und gemeine Fallen verzichten musste. Stattdessen werden die Protagonisten in einer Art Schnitzeljagd von einem Schauplatz zum nächsten getrieben, wo sie mit Rätseln konfrontiert werden, deren Lösung meist den Tod eines Anwesenden zur Folge hat. Der wird entweder durch eine Falle ausgelöst oder durch die Hand eines Charakters, der sich nicht selten entscheiden muss wen er opfert, um dem Weg in die Freiheit ein Stück näher kommen zu können. Klingt vielversprechend – ist aber öde.
 
Ursprünglich als THE GAUNTLET betitelt, handelt es sich bei GAME OF ASSASSINS um ein Sammelsurium an Oberflächlichkeiten, Horror-Klischees, Stereotypen und faden Ideen, die hier auf knapp 75 Minuten verteilt werden, damit der Film auf seinen Spielzeit kommt. Dabei fehlt dem Film vor allem das, was ihn wahrscheinlich beim Horrorfan interessant gemacht hätte: Gewalt. Auf die wird nämlich hier weitestgehend verzichtet, obwohl die Überlebensthematik des Streifens wohl dafür prädestiniert gewesen wäre, möglichst viel selbstzweckhaftes Gemeuchel vor der Linse zu zeigen in dem sich die Protagonisten gegenseitig auf die Zwölfe hauen. Stattdessen menschlicht Regisseur MATT ESKANDARI etwas arg gekünstelt mit seinen Helden und schafft sogar das Kunststück, dass der Zuschauer keinerlei Sympathien für die Protagonisten entwickeln kann. Der Grund hierfür dürfte vermutlich in der oberflächlichen Charakterisierung der Teilnehmer liegen. Deren Schicksale werden im Eiltempo mittels eingestreuter Rückblenden überflogen, damit der Film rasch zum Punkt kommen kann. Der Zuschauer erfährt, dass jeder der Mitspieler so seine Leichen im Keller versteckt hält und daher nicht grundlos von einem bis dato noch unbekannten Initiator in einer Kampfarena eingesperrt wurde. So hat Teenager Tyler (NICK LANE) seinen Mitschüler erschossen, weil er dessen Mobbing-Attacken nicht mehr ertragen konnte; Fitness-Trainerin Lee Kim (BAI LING) hat dagegen kurzen und tödlichen Prozess mit einem aufdringlichen Spanner veranstaltet. Der Rest der kleinen Gruppe verbirgt ähnliche Geheimnisse und wird als Konsequenz für das skrupellose Vorgehen im Film mit dem Tod bestraft. Auch wenn Drehbuchautor ADAM LAWSON (der übrigens als Regieassistent an Filmen wie HATCHET 2 oder SNAKES ON A PLAN beteiligt war) jeder seiner Figuren eine kurze Hintergrundgeschichte einräumt, ist es dem Zuschauer mangels Identifikationsmöglichkeiten am Ende gleichgültig, ob und wie die eingesperrten Protagonisten das Zeitliche segnen.
 
GAME OF ASSASSINS ist überraschungsarmes Videofutter das viel Potenzial vergeudet und etwas unfertig wirkt. Die dünne Handlung spielt sich nach dem „Du-bist-der-Nächste“-Prinzip ab und besitzt einen nahezu kaum vorhandenen Spannungsbogen. Zudem schafft es ESKANDARI in den schmalen Gängen und Kammern der Katakomben nur selten eine beklemmende und klaustrophobische Stimmung zu bewirken. Drum sollte sich ein jeder, der eine Leidenschaft für diese Art von Filmen hegt, seine kostbare Lebenszeit in bessere Vertreter jener Gattung investieren. So können wir neben den oben bereit genannten auch die thematisch ähnlichen Streifen THE TOURNAMENT (2009) und THE HUMAN RACE (2013) empfehlen. Dem Letzteren dürfte in etwa das gleiche Budget zur Verfügung gestanden haben. Im Gegensatz zu GAME OF ASSASSINS glänzt der dafür aber mit bitterböser Gewalt, kritischer Botschaft und einfallsreicher Machart.

 
 
 


 
 
 

GAME OF ASSASSINS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Für gerade noch fünf Punkte hat es gereicht und auch nur deswegen, weil MATT ESKANDARI sein schwach inszeniertes Überlebenstraining kurz hält und nach 75 überraschungsarmen Minuten abrupt enden lässt. Man sollte hier seine Erwartungen dämpfen, denn wer bei dem nett zusammengeschnippelten Trailer einen Film in der Machart eines BATTLE ROYALE erwartet, dürfte schnell enttäuscht werden. GAME OF ASSASSINS fehlt der gewisse Biss und natürlich der für das Genre wichtige Gewaltpegel, um ihn bei Fans überhaupt interessant machen zu können. Zudem versucht ESKANDARI seine kämpfenden Protagonisten sympathisch erscheinen zu lassen, bewirkt aber genau das Gegenteil. In GAME OF ASSASSINS pfeift es aus allen Löchern, denn hier hat man auf ein nötiges Feintuning am Drehbuch verzichtet und Filmstoff auf Zelluloid gebannt, der mit Budget, Logik- und Plotlücken zu kämpfen hat. Demnach ist THE GAUNTLET (so wie der Film anfänglich heißen sollte) nur all denen zu empfehlen, die jede Horror-Veröffentlichungen sehen müssen und sei sie auch noch so schlecht.
 
 
 


 
 
 

GAME OF ASSASSINS – Zensur

 
 
 
Anders als erhofft ist GAME OF ASSASSINS keine Gewaltorgie, die man bei einer derartigen Geschichte vermutlich erwartet hätte. Zwar wurden einige Fallen in den unterirdischen Katakomben verstreut, wirklich viel Lied wird aber nicht gezeigt, wenn ahnungslose Protagonisten hineintreten. Einem Charakter wird das Bein aufgespießt; ein anderes Opfer von Ketten zerquetscht. Zudem kommen vermehrt Macheten und Messer zum Einsatz, die sich durch die Leiber der Überlebenden bohren – nichts Spektakuläres und eher KJ-tauglich. Demzufolge dürfte GAME OF ASSASSINS in Deutschland mit rotem Flatschen und ungeschnitten in die Händlerregal kommen.
 
 
 


 
 
 

GAME OF ASSASSINS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Devil’s Dozen (2013)

Unter Freunden – Komm, lass uns spielen (2012)

Would You Rather (2012)

Pain (2011)

The Human Race (2013)

Die Todeskandidaten (2007)

The Tournament (2009)

Panic Button (2010)

Battle Royale (2000)

Die Tribute von Panem – The Hunger Games (2012)

Filmreview: „The Crypt“ (2009)

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THE CRYPT

Story

 
 
 
Sechs Kleinkriminelle träumen vom großen Geld und folgen der smarten PJ (Sarah Oh) in Katakomben unter der Stadt. Schnell werden Gräber aufgebrochen und kostbarer Schmuck der hier Ruhenden entwendet. Leider ruft das skrupellose Vergehen die Wut der Toten auf den Plan, die natürlich so rein gar nicht darüber erfreut sind, dass man ihnen ihre Kostbarkeiten stibitzt hat. So stürzen Wände ein und die habgierige Meute sitzt in der Fall. Doof nur, dass die rastlosen Geister hier unten ihre ganz eigenen Regeln besitzen, wie man mit gerissenen Gauner ins Gericht zu gehen hat …
 
 
 


 
 
 

THE CRYPT – Kritik

 
 
 
Kleinkriminelle sind auch nicht mehr das was sie einmal waren. In THE CRYPT nämlich, schauen die aus wie Kandidaten aus Klums Modelshow und hätten mit makelloser Optik freilich mehr Kohle einnehmen können, als beim planlosen Grabraub im vorliegenden Gruselfilm. Hier haben wir es mal wieder mit attraktiven aber höchst dummen Protagonisten zu tun, die sich reichlich unvorbereitet in ein kleines Abendteuer stürzen und sich später darüber wundern, warum sie partout vom Pech verfolgt werden. Initiator CRAIG MCMAHON wollte mit seinem Billigding vermutlich nur schnell ein paar Bündel Dollarscheinchen verdienen und investierte nur wenig Liebe zum Detail. Er brachte eine simple und nicht gerade vor Ideenvielfalt strotzende Geschichte zu Papier, die es selbstverständlich so schnell und günstig wie möglich umzusetzen galt. Da wurden flink ein paar Elemente aus THE DESCENT stibitzt und mit ständige wiederholenden Geisterelementen aus diversen Spukhits kombiniert. Fertig war mal wieder ein Gruseltrip unter vielen, der mit knapp fünf Jahren Verspätung nun auch in Deutschland ausgewertet wird. Dass Macher MCMAHON nicht gerade eine Leuchte seines Fachs ist beweist nicht nur der lieblos heruntergekurbelte THE CRYPT, welcher eigentlich was ganz Großes hätte werden können. Bereits 2007 lies er den nicht minder gehaltlosen Beitrag zur damals beliebten Torturwelle mit dem Titel SPORTKILL auf die Menschheit los, der jedoch in Deutschland der Zensurproblematik wegen sprichwörtlich in der Luft zerrissen wurde. Immerhin hat es sein THE CRYPT da wesentlich einfacher bei der FSK gehabt. Die hat der Katakomben-Exkursion eine ungeschnittene KJ-Freigabe attestiert, was jetzt nicht sonderlich verwundert, geht es doch in diesem Geisterspuk erheblich züchtig vonstatten. Lobenswerterweise muss man dennoch gestehen, dass THE CRYPT trotz inhaltlicher Leere in technischen Belangen gefällt. Die Kulisse ist finster und glänzt mich vielen unheimlichen Momenten; die wenigen Geistererscheinungen- und Schockmomente sind zwar ALLE vorhersehbar, lassen aber schrecksame und wenig erfahrene Horrorzuschauer des Öfteren zusammenzucken. Besonderes Augenmerk gilt jedoch den teils wirklich grausigen Geistern, die in THE CRYPT wirklich sehr schauderhaft in Szene gesetzt werden. Die bewegen sich stakkatoartig durch die düsteren Gänge der Gruft und rächen sich blutig an denen, die sich habgierig dem Schmuck der Verstorbenen bemächtigt haben. Es werden Köpfe zermatscht und Arme abgerissen, was angesichts der handgemachten Spezialeffekte einen gewissen Charme versprüht und an all die netten Old School Horrorstücke der 80ern erinnert.
 
Leider ist das hervorragende Geisterdesign auch das einzig Positive, was es in THE CRYPT hervorzuheben gilt. Denn auch wenn der Trailer mit all den hektischen Schnitten und der kuriosen Hochglanzästhetik an fettes Mainstream-Kino erinnert, so dürfte schnell Ernüchterung einsetzen, wenn man das Filmchen letztendlich zu sehen bekommt. Ein ungenießbarer Charme günstig heruntergekurbelter Dutzendware durchzieht den gesamten Grusler, was angesichts der stümperhaften deutschen Übersetzung auch noch verstärkt wird. Immerhin wird nicht so viel gesprochen, schließlich sind die handvoll Protagonisten vehement damit beschäftigt vor den Geistererscheinungen zu flüchten. Damit der Film auf seine Laufzeit kommt werden die immer gleichen Szenenabläufe geboten, die zudem mit reichlich trivialen Dialogfetzen bestückte wurden, deren Sinn man erst gar nicht hinterfragen sollte. Das alles gipfelt in einem kaum nachvollziehbaren Ende, welches eben nur aus der Feder jener Script- und Drehbuchdichter stammen kann, die null Plan vom Schreiben und Kreativsein haben. Schlussendlich wird dem Zuschauer erneut klar, dass gerade jene Streifen nur von minderwertiger Qualität sein können, auf deren Blu-ray-Einlegern plakativ mit EXTREME HORROR COLLECTION geworben wird. Denn auch wenn THE CRYPT erst für ein volljähriges Publikum geeignet ist, so ist dieser reißerische Vermerk auf dem Heimkinomedium schon arg weit hergeholt.
 
 
 


 
 
 

THE CRYPT – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Es gibt Filme, die haben enormes Potenzial und scheitern doch kläglich an der mangelnden Leidenschaft ihrer Macher. SPORTKILL-Regisseur CRAIG MCMAHON hat mit THE CRYPT einen austauschbaren Geisterfilm dahingerotzt, der eigentlich kaum der Rede wert ist und eigentlich nur aus einer Aneinanderreihung der ewig gleichen Szenen besteht. THE CRYPT ist quasi THE DESCENT nur ohne Monster. Dafür gibt es altmodische Geister-Thematik zu bestaunen, die hin und wieder sogar ihre Momente besitzt. Leider ist das meiste an Budget in die wirklich gelungene Umsetzung der Geistermasken und der lobenswerten akustischen Untermalung geflossen. Mehr Kohle war scheinbar nicht vorhanden, um ein gescheites Drehbuch zu Papier zu bringen. So musste sich MCMAHON selbst an den Schreibtisch setzten, um an einen 08/15-Plot zu kritzeln. Wer SPORTKILL gesehen hat sollte so ungefähr einschätzen können, was dem Zuschauer hier an filmischen Abfall zugemutet wird.
 
 
 


 
 
 

THE CRYPT – Zensur

 
 
 
THE CRYPT wurde von der FSK für ein erwachsenen Publikum freigegeben. Die deutsche Fassung ziert der rote KJ-Stempel. Angesichts der eher zurückhaltenden Gewaltdarstellungen geht die Einstufung völlig in Ordnung, auch wenn hier der blaue FSK16-Stempel vollkommen ausgereicht hätte.
 
 
 


 
 
 

THE CRYPT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Edel Germany

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Crypt; USA 2009

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Deutsch Dolby Digital 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer

Release-Termin: 31.01.2014

 
 
 

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THE CRYPT – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Underneath (2013)
 
The Descent (2005)
 
The Descent 2 – Die Jagd geht weiter (2009)
 
The Cave (2005)