Filmreview: „World War Z“ (2013)

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WORLD WAR Z

Story

 
 
 
Gerry (Brad Pitt) und Karen Lane (Mireille Enos) fahren mit Ihren beiden Töchtern in die Innenstadt Philadelphias, als sie plötzlich ins Verkehrschaos geraten. Die Frage nach der Ursache stellt sich nicht lange: Aggressive und blutrünstige Virusinfizierte, die sich mit jedem Biss rasend schnell vermehren, attackieren die Stadt. Mit allen Mitteln versucht der ehemalige UN-Spezialagent Gerry seine Familie aus dem unvorstellbaren Chaos in Sicherheit zu bringen. Dies gestaltet sich denkbar schwer, da die Zombies schneller und stärker als nicht-mutierte Menschen sind. Schließlich wird die Familie zusammen mit anderen Überlebenden auf einen Flugzeugträger mitten im Ozean gebracht, wo sie sich in Sicherheit wähnt. Gerry muss, um den Schutz seiner Familie zu gewährleisten, im Auftrag der UN ein Mittel finden, um das Virus zu stoppen. Es bleiben ihm nur noch 90 Tage, bevor es dafür endgültig zu spät ist. Ein aufregender Wettlauf gegen die Zeit beginnt …
 
 
 


 
 
 

WORLD WAR Z – Kritik

 
 
 
Das Zombiegenre ist so beliebt wie seit den 70ern nicht mehr. Langsam schlurfend, frei von Intelligenz oder Emotion, sind die lebenden Toten unentwegt auf der Suche nach menschlichem Frischfleisch und breiten sich dabei rapide aus. Die letzten Überlebenden kämpfen auf der Suche nach einem sicheren Ort vor der geifernden Bedrohung. So kennt und liebt der Zombiefan seine wandelnden Toten und wurde vor allem in den letzten Jahren mit einer wahren Schar blutrünstiger Werke versorgt. So erzielte beispielsweise die amerikanische Fernsehserie THE WALKING DEAD die Topquoten im Pay-TV. Zwar erfindet auch WORLD WAR Z die Sparte nicht neu, doch man darf sich auf viele Innovationen freuen, die den Hollywoodstreifen zumindest aus der Masse hervorstechen lassen. WORLD WAR Z ist trotz der negativen Kritik im Vorfeld ein überraschend cleverer, fesselnder und phantasievoller Beitrag zum Zombie-Genre.
 
Zunächst zeichnet die Geschwindigkeit in der alles abläuft, den Film besonders aus. Ganz anders als in den meisten älteren Zombiestreifen schlurfen, die Infizierten hier nicht schleppend durch die Gegend – darauf wartend, dass panische Dummköpfe unüberlegt in ihre Arme rennen, sondern stürmen in enormem Tempo durch die Städte. Unaufhaltsam, ohne Ablenkung jagen sie jeden Nichtinfizierten. Das Filmtempo scheint sich den Zombies anpassen zu wollen: Auf eine lange Einführphase oder große ruhige Abschnitte wird weitestgehend verzichtet. Auch der sicherste oder isolierteste Ort bietet keinen unüberwindlichen Schutz. Normalerweise würde man ein Dutzend oberflächlicher Charaktere erwarten, deren klischeehafte und vor allem kurze Filmleben keine tiefere Beziehung zum Zuschauer erlauben und deren Ableben somit kaum Mitgefühl auslöst. Glücklicherweise hat man diesen Qualitätseinbruch verhindert. Denn während der kompletten 113 Filmminuten folgt man konsequent nur einem einzigen Protagonisten. Und das funktioniert. Obwohl schon wenige Minuten nach der Öffnung des Kinovorhangs die Katastrophe beginnt und kein langer Einblick in das Alltagsleben der Familie Lane gewährt wird, baut sich trotzdem eine spannungsgeladene Verbindung zu der Hauptfigur Gerry auf. Und das ist in diesem Genre inzwischen nicht mehr selbstverständlich. Handelt es sich doch meist um einfältige Pinsel die, ohne zu überlegen, panikgetrieben in ihren sicheren Tod rennen, während die Zuschauer nur mit dem Kopf schütteln. Bei WORLD WAR Z wurde den Charakteren glücklicherweise Intelligenz geschenkt und ihre Handlungen meist logisch, überlegt und nachvollziehbar gezeichnet. Danke hierfür. Allerdings liegt der Fokus eben nur auf Gerry Lane. Über die Geschichte, Motive und Nebenfiguren erfährt man kaum etwas. Der Titel verspricht, dass es global wird und er verspricht nicht zu viel. So wird das Publikum an unterschiedliche Schauplätze der ganzen Welt geführt. Die Personen, denen man dort begegnet, wurden glücklicherweise mit Schauspielern aus den jeweiligen Ländern besetzt um so eine hohe Authentizität zu erreichen und um schlecht nachgeahmte Akzente zu vermeiden – zumindest in der Originalfassung. Zur Glaubhaftigkeit hat vor allem auch beigetragen, dass die Macher viel Mühe darin investiert haben, die Zombiemythologie wissenschaftlich zu begründen. Dafür wurden Experten unter anderem für Infektionskrankheiten, Entomologie oder Parasitismus zu Rate gezogen. So wird der Zombiefan nicht nur mit Theorien und Erklärungen über Ursprung und Wirkung des Virus beschenkt – was durchaus eine Seltenheit im Genre ist. Darüber hinaus klingen sie auch noch plausibel und einleuchtend. Der Horrorfaktor ist bei WORLD WAR Z eher ein Actionfaktor. So finden neckisch herumwedelnde Eingeweide, endlose Wellen aus Blut und kreatives Zombiezermansche wesentlich weniger Screentime als in vergleichbaren Filmen. Allerdings hat man für kreative Tötungsideen oder große Präsentationen von halb verwesten Menschenfressern auch kaum Zeit. Rennen, losschießen, rennen, verstecken, rumballern, noch mehr rennen, schleichen und doch wieder rennen. Die Handlung ist packend, dramatisch, der Puls erreicht durchweg Höchstwerte und ja, es wird auch wirklich viel gerannt. Dennoch gibt es auch Schleichpassagen in denen jede falsche Bewegung die Aufmerksamkeit der wilden Horde auf sich lenken könnte und damit den sicheren Tod bedeutet. Somit ist für Jeden etwas dabei um die Blutpumpe ordentlich zu beanspruchen.
 
Es wird auf intensive Brutalität und krasse Ekelmomente verzichtet, wohl auch zugunsten der Jugendfreigabe ab 16, was dank der Dynamik nicht wirklich auffällt und somit kaum zu Lasten fällt. Marc Fosters buchabweichende Filmumsetzung von WORLD WAR Z ist eine gelungene Erfrischung im Filmgenre der lebenden Toten. Mit seinem fesselnden Verlauf, intelligenten Protagonisten und übermenschlichen Infizierten sorgt die fast zweistündige Hetzjagd um die Welt für gelungene Unterhaltung. Auch geeignet für Zombiefans mit schwachen Magen. Leute mit schwachen Herzen sollten den Kinosaal allerdings meiden.
 
 
 


 
 
 

WORLD WAR Z – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Ein spannendes und atemberaubendes Erlebnis, an dem Action- und auch erfahrene Zombieanhänger trotz weniger Ekelmomente (oder gerade deswegen) ihre wahre Freude haben werden.
 
 
 


 
 
 

WORLD WAR Z – Zensur

 
 
 
Der Film erscheint in Deutschland vollkommen ungeschnitten und ist sogar für Jugendliche geignet. WORLD WAR Z ist frei ab 16 Jahren!
 
 
 


 
 
 

WORLD WAR Z – Trailer

 
 


 
 

Sören C.

 
 
 
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THE PURGE – DIE SÄUBERUNG

Story

 
 
 
2022. Nach mehreren Wirtschaftskrisen, Kriegen und dem Fall des Dollars ins Bodenlose herrscht in den Vereinigten Staaten eine noch nie da gewesene Kriminalitätsrate. Um dem entgegenzuwirken erlassen die neuen Gründerväter wenige Monate nach ihrer Wahl die alljährliche Purge (deutsch: Säuberung). Pünktlich zum Frühlingsanfang darf nun ab jedem 21. März des Jahres ab 19 Uhr, zwölf Stunden jeder fröhlich metzeln, abrechnen, einfach mal ordentlich Druck ablassen, denn jedes Verbrechen inklusive Mord ist legal und damit auch nicht strafbar. Polizei, Feuerwehr und Krankenhäuser sind in dieser Zeit nicht im Einsatz. So hat jeder die Möglichkeit, das Biest in sich zu entfesseln und seine Seele zu säubern, um ein besserer Mensch zu werden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Arbeitslosenquote liegt bei unter einem Prozent, es gibt so gut wie keine Kriminalität und die Wirtschaft boomt. Normalerweise verläuft die Nacht bei der gut situierten Familie Sandin reibungslos. Schließlich verkauft Vater James (Ethan Hawke) Sicherheitssysteme erster Klasse, hat sogar die ganze Nachbarschaft im noblen Vorstadtviertel versorgt und kann seiner Frau Mary (Lena Headey) und den beiden Kindern so ein besseres Leben ermöglichen. Doch diesmal geht etwas schief. Als der gutherzige Sohn Charlie einem verletzten und fliehenden Obdachlosen Schutz in dem Haus gewährt, gerät die Situation außer Kontrolle. Die in Seidenkleid oder Uniform bekleideten Jäger, eine Gruppe maskierter junger Leute aus gutem Hause, möchten ihr Recht zur Säuberung wahrnehmen. Ihr Recht, die Stadt von Gesindel zu befreien, sei es schweren Herzens auch über Leichen aus ihrer Schicht.
 
 
 


 
 
 

THE PURGE – Kritik

 
 
 
God bless America! Ist der sarkastische Satz, der einem beim Abspann auf der Zunge liegt. Die Idee zu THE PURGE ist ziemlich spannend. Zwar erinnern Ansätze der Grundstory an BATTLE ROYAL bzw. dessen dreiste Mainstream-Kopie DIE TRIBUTE VON PANEM aber in dieser Form kam einem das noch nicht auf den Schirm. Es scheint zunächst absurd, der Bevölkerung einmal im Jahr Selbstjustiz und Triebbefriedigung zu gewähren um Kriminalität unten und Wirtschaft oben zu halten. So kann jeder seine negativen Gefühle rauslassen und seine Seele selbst reinigen – am Ende für ein besseres und friedlicheres Land. Und da letztendlich neben den gehassten Chefs, Ex-Partnern und Nachbarn vor allem die sozial Schwachen dran glauben müssen, die sich keinen sicheren Ort zum Schutz leisten können, dürfte dem Staat durchaus zugutekommen, machen doch die geschwind Platz für ein rasantes Wirtschaftswachstum. Wenn man sich dann allerdings die Diskussionen der Waffengesetze in den Staaten der letzten Monate zurück in den Kopf ruft, in der doch tatsächlich die Mehrheit der vernunftsimmunen Bevölkerung die Meinung vertritt, dass eine bewaffnete Lehrerin durchaus effektiver ist als ein strengeres Verbot von Waffen, scheint die Filmidee einfach nicht realitätsfern genug zu sein. So hinterlässt die grausame Vorstellung einer Nachbarschaft, die munter meuchelt und dabei nicht nur geduldet sondern auch akzeptiert und begünstigt wird, einen bitteren Beigeschmack.
 
So gesehen lässt bereits der Prolog dem Zuschauer einen Gänsehautschauer über den Rücken laufen. Bei erbaulicher Fahrstuhlmusik bewundert man Überwachungsvideos der letzten Purge, bei der Durchschnittsmenschen leichtfertig durch die Gegend schießen oder ihre geliebten Mitbürger enthusiastisch zu Tode prügeln, ohne dass ihre Opfer auf Hilfe hoffen brauchen oder die Täter Strafe fürchten müssen. Ab dann wird sich des innovationslosen amerikanischen Klischee-Repertoires bedient. THE PURGE wird wie ein Nationalfeiertag begangen: Blumen werden aufgestellt, der Rasen nochmals gemäht, den Nachbarn eine sichere Nacht gewünscht, mit der Familie gemeinsam zu Abend gegessen und die unvorstellbare Grausamkeit dieses Massakers weggelächelt. Leider ist ab da vieles vorhersehbar. Die Hintergedanken der Nachbarn, die psychopathische Gesinnung der weißen Elite-Jugend, die einen schwarzen Obdachlosen jagt, die Konflikte innerhalb der Familie… eigentlich die ganze Handlung. Der unglaublich überraschende der-Killer-holt-zum-finalen-Schlag-in-Zeitlupe-über-dem-Protagnisten-aus-und-wird-von-einer-plötzlich-auftauchenden-Figur-von-hinten-erschossen-Effekt findet gleich mehrmals Verwendung. Auch wenn das jedes Mal so aufregend und unerwartet erscheint wie eine neue DSDS-Staffel, trägt es zum Spannungsgrad verblüffenderweise nicht bei. Na sowas. Die Bilder sorgenloser und gleichgültig mordender junger oder vermeintlich freundlicher Mitmenschen lösen zwar im Kopf des Publikums üble Gedanken aus, der Spannungsbogen wird jedoch immer wieder durch viel zu vorhersehbare Ereignisse zerlegt. Auf einen Aha-Moment wartet man bedauerlicherweise vergebens.
 
Für die Protagonisten kann man kaum viel Mitgefühl aufbauen. Es handelt sich um die ausgelutschte Standard-Vorstadtfamilie die weder Tiefe noch Verstand besitzt. Die zuweilen absolut nicht nachvollziehbaren Handlungen regen einfach nur auf (Logisch lässt man die Taschenlampe an, wenn man sich im Dunkeln verstecken soll. Oder rennt ohne Deckung und sich einmal umzudrehen durchs Haus während eine Gruppe Meuchelnder sich in selbigen befindet). Überdies werden zwar zahlreiche Patronen verschossen und scharfgeschliffene Macheten von leichtfüßigen Fräuleins grazil geschwungen, Freunde von brutalen und kreativen Tötungsvorgängen werden jedoch trotzdem vergeblich auf ihre Kost warten müssen. Denn THE PURGE basiert zwar auf einem ziemlich gewalttätigen Konzept, das jedoch ausschließlich mittels wilder Ballereien und ungeschickter Messerhiebe umgesetzt wird. Auf drastisches Gemetzel, blutige Folter oder Wellen von Kunstblut wird größtenteils verzichtet. Zudem erscheinen die Antagonisten bis auf RHYS WAKEFIELD wenig furchteinflößend, verscheiden sie doch so unbedeutend und unspektakulär wie die Fliegen. Der Horror basiert eher auf der Selbstverständlichkeit des gegenseitigen Mordens und der einhergehenden Billigung und Förderung durch die Bevölkerung.
 
THE PURGE ist gesellschaftskritisch und spricht die soziologischen Probleme Amerikas an. Die oberflächliche Maske der Freundlichkeit, die die weisse Bevölkerung nur zu gern zur Schau trägt, das immer noch bestehende Rassen- und Schichtenproblem (auch die obligatorische Quotenschwarze in der Nobelnachbarschaft ändert daran wenig), die menschenverstandsfreie Haltung zur Waffenpolitik aber auch die Gewaltbereitschaft der Menschheit insgesamt. Was tut man wenn man morden kann, darf und soll? Was passiert wenn man die kulturelle Ordnung aufhebt und damit sämtliche Tabus nichtig werden lässt? Wem kann man noch vertrauen? Was dominiert? Mensch oder Bestie? Interessante Fragen mit der sich der Zuschauer und natürlich auch die Protagonisten auseinandersetzen müssen. Bedauerlich, dass die ernsthafte Behandlung dieser Fragen in der zweiten Hälfte des Films zugunsten eines stupiden Teen-Horror-Movie außer Acht gelassen wird.
 
THE PURGE setzt eher auf Sozio-Psycho-Horror, statt mit möglichst bestialischer Splatterei das Auge vergewaltigen zu wollen. Das kann man gut oder schlecht finden. Splatter-Fans wird der Psychotrip vermutlich kaum munden wollen, Fans düsterer Psycho-Thriller wohl schon eher. Die Grundidee nimmt der Genre-Fan erst mal spannungsgeladen und erwartungsvoll auf. Viele werden sich schon direkt beim Trailer nägelknabbernd wiederfinden. Bedauerlicherweise aber leidet JAMES DeMOCANOS 85-minütiges Werk durch eine überraschungsarme Handlung, zahlreiche Klischees, oberflächliche Charaktere und ein absehbares Ende beachtlich. Schade. THE PURGE startet mit einer grotesken und aufregenden Idee, lässt jedoch durch den einfallslosen Verlauf ziemlich nach. Für Horrorfans durchaus zu empfehlen wenn man auf große Überraschungen verzichten kann. Anhänger blutigen Splatters, die auf bizarres Gemetzel aus sind, werden eher ungesättigt den Kinosaal verlassen.
 
 
 


 
 
 

THE PURGE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Düsterer Psycho-Thriller im Hochglanzformat. Brillante Idee, akzeptable aber leidenschaftslose Umsetzung. Gorehounds schauen übrigens dumm aus der Wäsche!
 
 
 


 
 
 

THE PURGE – Zensur

 
 
 
Die Heimkinofassung wurde ungeschnitten mit dem FSK16-Flatschen veröffentlicht, was vollkommen in Ordnung geht, da der Film nicht sonderlich grausam ist.
 
 
 


 
 
 

THE PURGE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Purge; USA/Frankreich 2013

Genre: Horror, Science Fiction, Thriller

Ton: Deutsch DTS 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS 5.1, Italienisch DTS 5.1, Spanisch DTS 5.1, Japanisch DTS 5.1, Indonesisch DTS 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Japanisch, Dänisch, Niederländisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch, Portugiesisch

Bild: 2.40:1 (1920x1080p), @24 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Überlebe die Nacht: Das Making Of von „The Purge“ (neun Minuten, hochauflösend)

 
 
 
Etwas unkreativ geht es aktuell bei UNIVERSAL PICTURES HOME ENTERTAINMENT zugange, denn wie bereits bei CURSE OF CHUCKY geht es nach dem Einlegen der Blu-ray von THE PURGE direkt in ein eher zweckmäßig gestaltetes Hauptmenü, das mit einem Standbild nicht gerade gestaltungstechnisch dem heutigen Blu-ray-Standard entspricht. Hier darf sich der Zuschauer durch die für UNIVERSAL typischen Menüsymbole klicken, was sich jedoch schnell als dumme Geduldsprobe entpuppt, da man dahinter nie das zu sehen bekommt, was man eigentlich sehen wollte. Bild und Ton sind, wie eigentlich zu erwarten war, auf hohem Niveau. Gerade in den wenigen Tagesszenen überrascht eine gute Schärfe. Aber auch die dunklen Szenen überzeugen mit sattem Schwarzwert und durch ein hervorragendes Bildtransfer. Die Dialoge sind klar verständlich und das Meiste spielt sich im Frontbereich ab; wird es dann doch einmal hektisch und laut grummelt es aus allen Boxen. Da es sich bei der deutschen Blu-ray zu THE PURGE um ein scheinbar einheitliches Release für ganz Europa handelt, gibt es den Film nicht nur in Deutsch und Englisch zu sehen. Sieben Tonspuren sind auf der Veröffentlichung zu finden, wobei man sich den Film auch in Indonesisch und Japanisch anschauen kann. Wer Untertitel benötigt wird in einem umfangreichen Sammelsurium an unterschiedlichen Untertitelspuren mit Sicherheit fündig. Bei den Extras sieht es leider etwas mau aus, was etwas unverständlich anmutet, hat doch THE PURGE ordentliche Erfolge an den Kinokassen verbuchen können. So gibt es gerade einmal ein Making-of zu Film zu sehen. Das ist mit gerade einmal neun Minuten ganz schön kurz geraten, liegt aber in hochauflösender Bildqualität vor und wurde mit Untertiteln ausgestattet. Den Originaltrailer sucht man übrigens vergebens. Ebenso gibt es nicht einmal eine Trailershow mit anderen Titeln des Publisher auf der vorliegenden Kauf-Blu-ray. Das ist leider für einen Mainstreamtitel etwas sehr ernüchternd. Immerhin gibt´s ein Wechselcover gratis dazu!
 
 
 

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THE PURGE – Trailer

 
 


 
 

Sören C.

 
 
 
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ATTACK OF THE UNDEAD

Story

 
 
 
Nach einer verheerenden Explosion in einer Chemiefabrik herrscht in einer Kleinstadt der Ausnahmezustand. Das freigesetzte, toxinhaltige Gas verwandelt die Bürger in rastlose Killer, die durch die Strassen sausen und über jeden Überlebenden herfallen, um ihn daraufhin in Stücke zu reißen. Einer dieser Überlebenden, Jim (Jay Hayden), kann sich in das Büro einer leer stehenden Scheune retten und versucht nun den schmerzlichen Verlust seiner Verlobten Emilie zu verarbeiten. Hilfe scheint unerreichbar zu sein, bis plötzlich das Telefon klingelt und weitere Überlebende aus der Lagerhalle nebenan versuchen, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Schnell beginnt man einander zu vertrauen und im Kampf der Horden infizierter Mitbürger Herr zu werden. Doch noch ist keine Rettung in Sicht und die Nahrungsmittel werden knapp …
 
 
 


 
 
 

ATTACK OF THE UNDEAD – Kritik

 
 
 
Es gibt Sub-Genres im Bereich des Horrorfilms, die sind einfach nicht totzukriegen. Neben Slasher-, Spuk- und Folterfilmen ist es vor allem der Zombiefilm, der sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut und es immer wieder in irgendeiner Form schafft, das Interesse vorfreudiger Horrorfilmfans für sich zu gewinnen. Kaum ein Monat vergeht, ohne das nicht mindestens einer dieser Filme auf den Markt geworfen wird und man versucht, den Filmfreund, mit teilweise haarsträubend miesen Umsetzungen um sein hart verdientes Geld zu bringen. Gerade im Low-Budget- und Independentsektor ist die Anzahl solcherlei günstig heruntergekurbelter Dutzendware kaum noch überschaubar, so dass es keine Seltenheit ist, wenn aufgrund der Masse ähnlich thematisierter Horrorfilmchen gerade jene Werke zu Unrecht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, die es eigentlich verdient hätten, gesehen zu werden. Der unscheinbare britische Indie-Kracher ATTACK OF THE UNDEAD (im Original: STATE OF EMERGENCY) ist einer jener Filme, der vermeintlich zur falschen Zeit veröffentlicht wurde und nun im Fahrtwasser der durchaus erfolgreichen Untoten-Hatz THE WALKING DEAD hilflos mitzuschwimmen versucht aber vermutlich kaum die Aufmerksamkeit verdienen wird, die er offenkundig verdient hätte. Schade drum, denn neben all den fast schon inflationär thematisierten Zombie-Gurken der letzten Dekaden, weiß sich ATTACK OF THE UNDEAD wohlwollend abzuheben. Das äußert sich vor allem darin, dass es sich bei diesem Film um keinen dieser derben Reißer handelt, die ihre Existenz nur dadurch rechtfertigen können, den Blutdurst splattergeiler Gorehounds befriedigen zu wollen und versuchen, sich durch allerhand ekelerregende Fress- und Ballerszenen selbst zu feiern. Wer von ATTACK OF THE UNDEAD ein schön deftiges Henkersmahl erwartet, dürfte schnell enttäuscht werden, denn hier schafft es ein Regisseur endlich einmal wieder, eine halbwegs glaubhafte und nachvollziehbare Geschichte zu erzählen, die dem Begriff Horror dennoch nur bedingt gerecht werden möchte.
 
Newcomer TURNER CLAY, der sich zudem auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, ist vermutlich einer der wenigen Horrorfilm-Macher der letzten Jahre, die sich keinen Deut darum scheren, ihre kleinen Geschichte in literweise Kunstblut und genreüblichen Klischees ertränken zu müssen, um die Gunst der Fanbase für sich gewinnen zu können. Hier stehen die Charaktere im Mittelpunkt, nicht die Zombies, wobei der Begriff des „Untoten“ in ATTACK OF THE UNDEAD wohlmöglich auch vollkommen falsch gewählt scheint. Vielmehr handelt es sich im Film um Menschen, die aufgrund einer Umweltkatastrophe und der hierbei freigesetzten Toxine, ein erhöhtes Gewaltpotenzial entwickelt haben und nun unkontrolliert niederen Instinkten gehorchen. Auch wenn die infizierten Bürger der Stadt gierig lechzend durch die Gassen des Ortes flitzen, unterscheiden sie sich dennoch wesentlich von den Bestien aus den typischen Zombiefilmen der letzten Zeit. Ihr Agieren wirkt menschlicher, wobei es ihnen nicht einmal verwehrt bleibt, sogar mittels Sprache kommunizieren zu können; obgleich auch aus reinem Selbstzweck, um das potenzielle Opfer der Begierde um den Finger wickeln zu können. In ATTACK OF THE UNDEAD herrscht Klasse statt Masse. Horden von Untoten, die sich auf hilflose Überlebende stürzen, sucht man hier vergebens. Die infizierten Bürger der Kleinstadt sind zwar überraschend schnell und verhalten sich erstaunlich schlau, dennoch sind sie nicht im Rudel anzutreffen, sondern tauchen allein irgendwo in der Ferne auf, so dass die noch menschlichen Opfer durchaus die Möglichkeit besitzen, sich in Sicherheit zu bringen. Das mag den eingefleischten Zombiefan vermutlich bitter aufstoßen, dennoch funktioniert der Film mit seinen spärlich gestreuten Actionszenen besser als so manch dummer Zombie-Heuler, der sich allein nur auf das möglichst immer gleiche Filmthema konzentriert: Töten, Fressen und erschossen werden.
 
ATTACK OF THE UNDEAD überrascht mit einem erstaunlich ruhigen und langsamen Erzählfluss, was gerade in Zeiten effektüberladener Actionkost etwas altbacken wirkt, aber nicht zwangsläufig schlecht sein muss. Der Film lässt dem Zuschauer erstaunlich viel Zeit sich mit den wenigen Protagonisten zu identifizieren, die allesamt nahbar und zugänglich wirken. Immerhin, und das muss man diesem Endzeit-Thriller hoch anrechnen, schafft es TURNER CLAY gänzlich ohne Unsympathen auszukommen. Hier haben wir es mit Figuren zu tun, die einmal nicht dem typischen Klischee gängiger Horrorfilmware entsprechen. CLAY achtet penibel darauf, dass sich die wenigen Protagonisten so glaubhaft und nachvollziehbar wie möglich verhalten. Statt unüberlegt mit dem Schrotgewehr in den Krieg gegen die Infizierten zu ziehen, geht man lieber unnötigen Konfrontationen aus dem Weg, denkt erst, um anschließend zu reagieren. Die Zombies werden in ATTACK OF THE UNDEAD nicht der Erwartungshaltung des Zuschauers wegen ins Jenseits befördert, sondern nur dann um die Ecke gebracht, wenn es wirklich von Nöten ist und sich die Protagonisten aus der Verteidigung heraus wehren „müssen“. Das ist im modernen Horrorfilm keine Selbstverständlichkeit, denn oftmals werden die Figuren beabsichtigt in Gefahr gebracht, um dann schön hölzern und selbstzweckhaft in den Filmhimmel gemeuchelt zu werden. Gerade aufgrund des bedachten Handelns und der Unvorhersehbarkeit der folgenden Geschehnisse, wirken gerade die Begegnungen mit den infizierten Opfern erstaunlich schweißtreibend und deren Angriffe geschickt inszeniert, so dass diese Momente packend zu unterhalten wissen.
 
 
 
 
Wer glaubt, schon alle Regeln des modernen Zombiefilms zu kennen, dürfte mit ATTACK OF THE UNDEAD eines besseren belehrt werden. Hohle Stereotypen und dumme Klischees sucht man hier vergebens. Stattdessen erzählt uns Regisseur und Drehbuchautor TURNER CLAY mit seinem neuen Film ein packendes, apokalyptisches Szenario, das gerade aufgrund der logischen Interaktion seiner Charaktere sympathisch und echt wirkt. Die wenigen Überlebenden verhalten sich nachvollziehbar, sodass hier einmal gänzlich auf das allseits bekannte 10-kleine-Negerlein-Prinzip verzichtet wird, was den Film wohlwollend von der Masse ähnlich gestrickter Ware abhebt. Es wäre vermutlich auch vollkommen unangebracht, ATTACK OF THE UNDEAD als waschechten Zombiefilm zu bezeichnen. Aufgrund der vermehrt in Rückblenden geschilderten Schicksale der Überlebenden und ihrer auswegslosen Hoffnung auf Rettung, wirkt der Film oftmals eher wie ein Drama, das mit einigen Horrorelementen bestückt wurde. Die bleichenden Filter und Stilelemente des vorliegenden Beitrages steigern nicht nur die Endzeitstimmung in ATTACK OF THE UNDEAD, sondern bereichern den Film ungemein, sodass CLAYs Beitrag trotz minimalistischen Settings oftmals hochwertiger ausschaut, als er letztendlich überhaupt ist. Wer apokalyptische Weltuntergangsszenarien a la 28 DAYS LATER oder THE CRAZIES mag, ist mit ATTACK OF THE UNDEAD optimal beraten – ein sehenswerter und spannender Genre-Beitrag!
 
 
 


 
 
 

ATTACK OF THE UNDEAD – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Es muss nicht immer laut, blutig und grausam sein – ATTACK OF THE UNDEAD oder im Original STATE OF EMERGENCY ist ein spannender Schocker, für Freunde atmosphärisch dichter Endzeit-Thriller.
 
 
 


 
 
 

ATTACK OF THE UNDEAD – Zensur

 
 
 
Der Film ist nicht sonderlich brutal, geizt aber nicht mit der ein oder anderen Kopfschuss-Szene, so dass ATTACK OF THE UNDEAD bzw. STATE OF EMERGENCY (OT) hierzulande ungeschnitten mit einer „Keine Jugendfreigabe„-Kennzeichung veröffentlicht wurde.
 
 
 


 
 
 

ATTACK OF THE UNDEAD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Attack-of-the-Undead-Bluray-

(c) Sunfilm / Tiberius Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: State of Emergency; England 2010

Genre: Drama, Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1, Englisch DTS-HD MA 7.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 90 Minuten (uncut)

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 08.05.2014

 
 
 

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ATTACK OF THE UNDEAD – Trailer

 
 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
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THE BAY

Story

 
 
 
Es ist der 4. Juli 2009 und das kleine amerikanische Städtchen „Claridge“ feiert den Unabhängigkeitstag. Was keiner ahnt, dass dieses Fest für viele das Letzte sein wird. Denn unzählige Bewohner werden sich an diesem Tag mit einem todbringenden Parasiten infizieren. Grund für das Desaster ist in den skrupellosen Machenschaften des Bürgermeisters zu suchen, denn der fördert die Massen-Tierhaltung und lässt Hühner mit erfolgsversprechenden Steroiden mästen. Um sich den Exkrementen der Tiere zu entledigen, werden diese einfach in die angrenzende Bucht geschüttet, aus welcher ebenso das Trinkwasser für die Menschen der Kleinstadt gefördert wird. Kaum haben die Feierlichkeiten begonnen, beginnen auch schon die ersten Gäste über körperliches Unwohlsein zu klagen. Wenig später kommt es zu ersten Todesopfern, die allesamt groteske Fressspuren am Körper aufweisen. Nachdem Panik unter den Bewohnern ausbricht und erste Untersuchungen an den Leichen vorgenommen werden, erkennen Wissenschaftler, dass sich etwas im Wasser befindet, dass sich von menschlichen und tierischen Lebewesen ernährt und sich seinen Weg vom Inneren des Wirts nach außen frisst …
 
 
 


 
 
 

THE BAY – Kritik

 
 
 
Nicht scheint grausamer, als die Tatsache, dass sich die Natur an all den Vergehen rächt, die ihr die Menschheit alltäglich ungeniert zumutet. Im Falle von THE BAY scheint dies tatsächlich der Fall zu sein, denn in dieser fiktiven Dokumentation hat Mutter Natur eindeutig genug von der unachtsamen Umweltverschmutzung und sagt den Menschen den Kampf an. Im Vergleich zu heutigen Vergehen an unsere Umwelt rührt der Plot gar nicht einmal von ungefähr, denn THE BAY zeigt, was passieren könnte, wenn die verschwenderische Menschheit nicht bald aus ihren Fehlern lernt und rücksichtsvoller mit seinem Lebensraum umgeht. Natürlich hat Regisseur BERRY LEVINSON die Gegebenheiten ein wenig arg phantastisch skizziert, handelt es sich schließlich, trotz der kontroversen Thematik, um einen Horror-Thriller. Dennoch, mit erschreckendem Realismus konfrontiert er dem Zuschauer mit welch Chaos der Mensch im Falle einer Umwelt-Katastrophe rechnen müsste.
 
Die Geschichte wird hierbei aus der Sicht von Donna Thompson geschildert, die am Tag der Gegebenheiten als Praktikantin für einen ansässigen TV-Sender arbeitete und die tragischen Geschehnisse protokollierte. Sie überlebte wie durch ein Wunder die furchtbare Epidemie, die am 4.Juli 2009 eine kleine amerikanisches Stadt heimsuchte und innerhalb von nur wenigen Stunden fast alle Bewohner des Ortes dezimierte. Die tragischen Umstände von einst wurden jahrelang von der Regierung verschwiegen. Nun, da sich diverse Dokumente im Internet zusammengesammelt haben, trägt sie die Fakten erneut zusammen und schildert die Erlebnisse anhand von YouTube-Clips, eigenen Interviews und Home-Video-Aufnahmen einiger Opfer, die die Ereignisse nicht überlebt haben.
 
Erstaunlicherweise funktioniert das wahllose Zusammenschneiden der diverser FOUND-FOOTAGE-Elemente erstaunlich gut. Alles hat den Anschein als würde man authentisches Material präsentiert bekommen, dass in penibler Kleinstarbeit von irgendeinem Redakteur zusammengetragen wurde. Die Gegebenheiten werden Stück für Stück entziffert und in chronologischer Reihenfolge abgehandelt. Regisseur BERRY LEVINSON beweist hierbei ein selbstsicheres Händchen für unangenehme Einstellungen und deftige Schocks, denn einige Szenen haben es wahrlich in sich. Überhaupt überrascht es, dass gerade eine Oscar-Preisträger, wie LEVINSON (RAIN MAN) sich an derart totgefilmtes Subgenre wagt, hat doch der FOUND-FOOTAGE-Film unlängst besser Zeiten erlebt. Dennoch, er schafft es dem gebeutelten FOUND-FOOTAGE-Genre, nach all den trivialen und katastrophal-zusammengeschusterten Wackel-Kamera-Filmen der letzten Dekaden, gänzlich neue Impulse zu verleihen. Die Tatsache allein, dass in THE BAY keine unzureichend talentierten Laiendarsteller auf Heller und Pfennig ihre Handykamera zücken und auf Zwang und Drang jede noch so brenzligen Situation dokumentieren müssen, macht diesen Film so sehenswert und glaubhaft. Vielmehr nutzt LEVINSON eine Kombination der verschiedensten Kommunikationsmöglichkeiten unserer Zeit. Da verschmilzt ein Skype-Chat mit SMS-Dialogen und Fragmente aus TV-Sendungen werden virtuos mit persönlichen Home-Video und Polizeiüberwachungs-Aufnahmen kombiniert. Erzählerisch ein geschickt gewählter Schachzug, entsteht bereits nach dem recht temporeichen Beginn beim Zuschauer ein gesteigerter Drang nach mehr Informationsgehalt über die Ereignisse. Die filmischen Hinterlassenschaften der Opfer treiben dabei die Spannung auf Höchstmaß, möchte doch der Filmfreund gern wissen, welche mysteriösen Wesen für das planlose Massensterben verantwortlich gemacht werden.
 
Die Auflösung gestaltet sich als äußerst unangenehm und dürfte vor allem zartbesaitete Gemüter unschön aufstoßen lassen. In THE BAY geht es teilweise nicht zimperlich von statten. Sicher darf der Filmfreund keine Splatter-Granate der Extraklasse erwarten. Vielmehr schockieren hier einige recht unangenehme Creature-Effekte der Parasiten, die sich raffiniert in den Wirtskörper einnisten und gerade in unerwarteten Momenten über die Kinoleinwand flitzen. Auch der optisch ansprechend in Szene gesetzte Hautausschlag, der als Vorbote für das qualvolle Ableben der diversen Leidtragenden gilt, schaut alles andere als gesund aus und sorgt in Kombination mit derart realistischen Bildern für gehörig Gänsehaut beim Zuschauer.
 
Mit THE BAY erhält der Filmfreund einen weiteren Wackelcam-Thriller, der aber zu den besseren Vertretern seiner Gattung gehört und uneingeschränkt zu empfehlen ist. Hier werden keine altbackenen Brötchen erneut unter die Leute gebracht, sondern innovativ und erschreckend realistisch frisch zubereitet. Der packende Umwelt-Thriller im Mockumentary-Stil gehört zu einem der Besten seiner Gattung und läutet die Renaissance des klassischen Öko-Horrorfilms der 70er Jahre ein. Bereits vor mehr als 30 Jahren bewiesen findige Filmemacher mit Schockern wie FROGS(1972) und LONG WEEKEND (1977), dass Mutter Natur durchaus mit gnadenloser Härter durchgreifen kann, wenn sie sich von der Menschheit ungerecht ausgebeutet fühlt. Dass Regisseur BERRY LEVINSON sein Handwerk selbstsicher beherrscht zeigt eindrucksvoll die recht straffe Inszenierung und die schroffe Schonungslosigkeit der Darstellung aller Gegebenheiten, die im Verlauf des Filmes an den Tag gelegt wird. Die knapp 80 Minuten Filmlaufzeit vergehen wie im Flug, die Geschehnisse fesseln und werden zudem packend erzählt. Trotz des recht sachlichen Erzählstils lässt THE BAY niemanden kalt. Die kontroverse Erkenntnis, dass wie Menschen uns selbst die schlimmsten Feinde sind, wirkt noch lang nach und bietet vermutlich Anlass zu einer Selbstanalyse, um letztendlich festzustellen, was man selbst dazu beitragen könnte, damit auch Generationen nach uns die Schönheit unserer einzigartigen und vielfältigen Umwelt genießen können.
 
 


 
 
 

THE BAY – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Packender und erschreckend-unangenehmer Umwelt-Thriller im FOUND-FOOTAGE-Stil, dessen Botschaft aktueller denn je ist und noch lange nachwirkt. Absolut sehenswert!
 
 
 


 
 
 

THE BAY – Zensur

 
 
 
Der Film wurde in Deutschland ungeschnitten mit FSK16 veröffentlicht. Kein Wunder, denn der Film zeigt kaum explizite Gewaltakte.
 
 
 


 
 
 

THE BAY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Bay; USA 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover/ 3D-Schuber

Extras: Original Kinotrailer, Deutscher Kinotrailer, Interview mit dem Regisseur (11 min./dt. UT), Audiokommentar mit dem Regisseur (keine dt. UT), 3 Trailer anderer Filme aus dem hause KOCH MEDIA

 
 
 
Rechteinhaber KOCH MEDIA sah genug Potenzial in der Veröffentlichung von THE BAY und steckt die deutsche Blu-ray in einen schicken Hologrammschuber. Aber nicht nur die Präsentation kann sich sehen lassen. Auch der Inhalt ist nicht von schlechten Eltern. Zwar darf bei dieser Art von Film keine Referenz erwartet werden, dennoch kann die technische Umsetzung als durchaus solide bezeichnet werden. Da es sich hier um einen Found-Footage-Film handelt, der aus verschiedenen Filmschnipseln diverser Kameraarten zusammengeschnitten wurde, wird selten HD-Feeling erreicht. Die Tonspur fällt sehr dialoglastig aus und das Geschehen spielt sich vorwiegend im Frontbereich ab – keine Offenbahrung aber man sollte bedenken, dass es sich hier um eine Fake-Dokumentation handelt. Immerhin bekommt man eine anständige Synchronisation geboten, was man KOCH MEDIA lobend anrechnen sollte. Nicht selten verzichtet man gerade bei Filmen aus dem Horror-Bereich auf eine gescheite Übersetzung. Die Extras sind überschaubar. Neben einem Audiokommentar mit dem Regisseur (ohne deutsche Untertitel), gibt es noch den Trailer in Deutsch und Englisch und ein elfminütiges Interview (mit deutscher Untertitlung) mit dem Filmemacher. Drei Trailer hauseigener Filme runden den Bonussektor ab. Wer mit dem FSK-Flatschen nicht warm werden möchte, kann das Cover umdrehen. KOCH MEDIA bringt THE BAY mit Wendecover und edlem 3D-Schuber in den Handel.
 
 

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THE BAY – Trailer

 
 


 
 

Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
 
Apollo 18 (2011)

If a Tree falls (2010)

The Dinosaur Project (2012)

Apartment 143 (2011)

Filmreview: „Panic at Rock Island“ (2011)

 

Auf einer Insel im Sydneyer Hafen soll ein spektakuläres Musik-Festival 3 Tage für unausgelassenen Tanzstimmung sorgen. Das junge Paar Ari und Zed versuchen über Umwege auf das Festival zu gelangen. Um dem teuren Ticketkauf zu umgehen, schleichen die beiden durch einen unterirdischen Tunnel, der Festland und Insel miteinander verbindet. Dort stoßen sie auf einem übel zugerichteten Mann, der scheinbar Symptome einer mysteriösen Krankheit aufweist. Kaum die Behörden eingeschaltet und in Kontakt mit dem infizierten Kranken gekommen breitet sich das Virus rasend aus. Unwissend, das, das Pärchen mit dem Virus infiziert ist bringen die beiden es auf das Festival und lösen eine katastrophale Kettenreaktion aus. Ein Festivalbesucher nach dem Anderen infiziert sich mit der todbringenden Seuche und Panik bricht aus. Jim, ein junger euphorischer Arzt, ruft sofort Quarantäne aus – der Staat unternimmt nichts. Als Jim schmerzlich feststellen muss, dass sich seine Kinder mit auf dem Festival befinden, greift er selbst ein.

 

Das ich so was noch erleben darf. Ein Thriller über einen Killervirus, der Menschen ausnahmsweise mal nicht zu fleischgierigen Killermaschinen mutieren lässt.

Der für den Amerikanischen Pay-TV Sender „Sci-Fi“ produzierte „Panic at Rock Island“ ist weniger Zombie-Gurke als vielmehr Katastrophen-Film, der eigentlich recht ordentlich zu unterhalten weiß.

Aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Charakteren konzentriert sich der Film auf eine handvoll Protagonisten und schildert die Geschichte aus deren Sicht.

Da recht ordentlich was los ist in den knappen 90 Minuten Filmlaufzeit, kommen dabei jedoch die ein oder anderen Schicksalsschläge diverse Hauptfiguren ein wenig zu kurz, ganz zum Leidwesen der Dramaturgie und der Charakterentwicklung. Auch sind mir die penetrant aufgesetzt wirkenden Zufälle, die das Geschehen versuchen rasant vorantreiben , etwas zu unglaubwürdig geraten – etwas mehr Realitätssinn hätte dem Film ersichtlich produktiver gemacht.

Das ist aber alles weiter nicht schlimm, zumal man von einem günstig produzierten TV-Event eigentlich weniger tiefgründige Unterhaltung erwartet und dennoch positiv überrascht ist, wie sehr die Produktion doch zu fesseln vermag.

Überraschenderweise geizt der Film nicht mit genretypischen Ekel- und Effektsequenzen. Sicherlich kommt der Genrefan nicht in Genuss irgendwelcher völlig grotesken Blut- und Splatterexzesse, dennoch das Make-up Design der infizierten Opfer schaut schon recht fies aus und bietet ordentlich Abwechslung zwischen den verschiedenen Status der Krankheit.

Leider waren mir die nervenden Kotz- und Brechszenen der Infizierten mit der Zeit etwas zuwider, diesen Effekt hat man sprichwörtlich bis zum „Erbrechen“ ausgereizt, was gerade zum Ende hin eher peinlich wirkt, als spannend überzeugend.

Nichtsdestotrotz: ein wenig „28 Days later“ ,eine Priese „George A. Romero“ (nur ohne Zombies) gewürzt mit etwas „Emergency Room“ machen dieses, fürs TV gedrehte Katastrophen-Movie, zu einem kurzweiligen Filmvergnügen ohne viel überflüssigen Schnick-Schnack.

 

 

Fazit 5,5 / 10 Punkte

 

TV-Event wie er im Buche steht. Rasanter Katastrophenfilm der kaum Platz fürs Verschnaufen bietet. Coole Make-up Effekte runden das Spektakel ab. Kann man sich anschauen!

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