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Beiträge mit Schlagwort “keine Jugendfreigabe

Filmkritik: „Truth or Dare“ (2017)

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TRUTH OR DARE

Story

 
 
 

Acht Studenten spielen in einem Spukhaus „Wahrheit oder Pflicht“. Dass das nicht gut ausgehen kann, dürfte auf der Hand liegen.

 
 
 


 
 
 

TRUTH OR DARE – Kritik

 
 
 
Wenn ein Produktionsstudio einen Film in Auftrag gibt, das sich vor allem durch Rachefilme einen Namen machen konnte, dürfte jeder Fan härterer Filmgangart hellhörig werden. CINETEL FILMS heißt der Laden, der für das Remake zu I SPIT ON YOUR GRAVE verantwortlich zeichnet und zwei Fortsetzungen folgen lies, weil die Neuverfilmung so gut ankam. Nun hat das Studio mal wieder einen Horrorfilm gedreht und versucht abermals mit der Angstsucht des Publikums Geld zu verdienen. Diesmal lässt man aber keine rächenden Kampfamazonen auf den Zuschauer los. In TRUTH OR DARE wird ein bekanntes Partyspiel zweckentfremdet, um nicht minder deftigen Gewaltquatsch auf die Mattscheibe zu bringen. Für den konnte man sogar eine Ikone des modernen Horrorfilms gewinnen. HEATHER LANGENKAMP wurde in den 1980ern durch NIGHTMARE – MÖRDERISCHE TRÄUME bekannt. Darin verkörperte sie einen furchtlosen Teenager, der es mit dem Filmmonster FREDDY KRUEGER aufnahm. Die großen Horrorzeiten sind aber längst vorbei. Mittlerweile verdient sich die Schauspielerin mit kleinen Rollen in Serien und B-Movies den Lebensunterhalt. Zu letzteren gehört auch der hier vorgestellte Film. Der wurde offenbar von jemandem inszeniert, der sich mit dem Drehen von Horrorfilmen auskennt. In der Tat gehen schon einige Genrestreifen auf das Konto von Regisseur NICK SIMON – darunter ein Slasher mit dem Titel THE GIRL IN THE PHOTOGRAPHS, welcher vom verstorbenen Kultregisseur WES CRAVEN im Jahr 2015 mitproduziert wurde. Von dem scheint Simon ein großer Verfechter zu sein, wie der Gastauftritt von HEATHER LANGENKAMP im Film TRUTH OR DARE vermuten lässt. Deren Karriere brachte nämlich Altmeister WES CRAVEN mit A NIGHTMARE ON ELM STREET ins Rollen. Das kann kein Zufall sein.
 
 
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Dummheit muss bestraft werden. Für acht College-Studenten wird grenzenloser Leichtsinn eine Lehre. Die mieten ein Haus an, wo sich in den 1980ern tragisches ereignet hat. Dort sind mehrere junge Leute unter schrecklichen Umständen ums Leben gekommen. Genau jene Bude hat man sich für eine Sause an Halloween ausgesucht. Doch zum Feiern kommt man gar nicht erst, denn hier lebt offenbar das Böse. So entpuppt sich die ausgesuchte Bretterbude als Spukhaus, wo plötzlich mysteriöse Dinge passieren. Alles beginnt nach einer Runde „Wahrheit oder Pflicht“. Da mischt sich plötzlich ein unsichtbarer Mitspieler unter die Anwesenden. Der treibt böse Späße und fordert von den Studenten unfassbare Taten. Kommt man den Aufgaben nicht nach oder hält man sich nicht an die Spielregeln, muss man einen grausamen Tod sterben. Da ist die Stimmung plötzlich im Keller – vor allem auch deshalb, weil kein Entkommen möglich ist. Die Türen und Fenster sind verriegelt, Handys funktionieren (mal wieder) nicht. Somit muss man sich den Aufgaben des unheimlichen Moderators stellen. Der will, dass man Stromkabel berührt, Knie zertrümmert oder verbranntes Fleisch eines der übrigen Mitspieler verspeist. Eine Runde Monopoly wäre wohl die bessere Alternative gewesen.
 
 
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Böse Machte spielen niemals fair. Das zeigt einmal mehr TRUTH OR DARE. Hier scheint eine boshafte Macht offenbar zu viel Langeweile zu haben und quält ahnungslose Studenten bis in den Tod. Sonderlich einfallsreich ist der Film leider nicht. Das ist auch kein Wunder, denn TRUTH OR DARE wurde fürs amerikanische Fernsehen produziert und richtet sich daher mit seichter Gruselei ans Massenpublikum. Konventioneller Ablauf ist daher die Folge. Die Figuren müssen nach Wegen suchen, wie der Spuk unbeschadet überstanden werden kann. Dabei entpuppt sich die Antwort als relativ plausibel. So müssen die drei Runden des Spiels innerhalb von 48 stunden beendet werden. Weil TRUTH OR DARE neue Wege scheut, ist der Ausgang vorhersehbar. Die Helden sterben nacheinander – abwechslungsreich und blutig. Parallelen zur FINAL DESTINATION-Reihe sind unverkennbar. Auch dort kam der Tod auf leisen Sohlen und sorgte mit unterschiedlichen Todesarten für Unterhaltung. Erfinderisch Sterben kann eben über ein dünnes Drehbuchtief hinweghelfen. Apropos Abwechslung: Auch wenn TRUTH OR DARE für seine rudimentäre Handlung wohl kaum einen Originalitätspreis gewinnen dürfte, zieht der Streifen einen Großteil seiner Spannung aus den verschiedenen Aufgabenstellungen. Die entscheiden über Leben und Tod und werden immer makabrer je näher sich der Streifen seiner Zielgeraden nähert. Da müssen Zähne gezogen oder Gift getrunken werden. Aber auch ein Runde russisches Roulette sorgt für kurzen Nervenkitzel. Handwerklich kann man nicht meckern. Von üblichem Low-Budget-Futter fürs Fernsehen ist TRUTH OR DARE weit entfernt. Die Effekte sind gut getrickst und auch die Darsteller können was. Von denen wird aber nicht viel abverlangt. Deren Rollen bleiben blass, weil sie nur als Kanonenfutter herhalten müssen. Dennoch ist TRUTH OR DARE nicht schlecht. Der Streifen ist kurzweilig und eignet sich demzufolge ideal für einen winterlichen Horrorfilmabend vorm Kamin.
 
 
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TRUTH OR DARE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
SAW meets FINAL DESTINATION. TRUTH OR DARE ist ein makabrer Horrorstreifen, der seinen Reiz aus zynischen Aufgabenstellungen zieht, die ahnungslose Protagonisten während eines Spiels lösen müssen. Wer keine Lust auf Spiele spielen hat, muss sterben – grausam und blutig. TRUTH OR DARE ist nichts Großes. Dafür sorgt der Streifen aber für Kurzweil und wurde zügig inszeniert, so dass der Zuschauer erst gar keine Zeit hat, sich über Sinn und Unsinn Gedanken zu machen. Schön, dass Horrorikone HEATHER LANGENKAMP mal wieder vorbeischaut. Die hat zwar nur eine kurze Rolle erhalten, dürfte aber alteingesessene Horrorfilmkenner in Verzückung setzen. Da werden Erinnerungen an die 1980er wach, wo man in Horrorfilmen gern mal mit Spezialeffekten experimentiert hat. Die sind auch in TRUTH OR DARE abwechslungsreich, wobei der Streifen vor allem gegen Ende ausgesprochen blutig daherkommt. Lobenswerterweise ist alles handgemacht. Etwas, das vor allem Puristen freuen dürfte. Werden doch mittlerweile gern mal (schlecht getrickste) Effekte aus dem Computer gezaubert. TRUTH OR DARE ist blutig, makaber und kurzweilig – was will das Horrorfanherz mehr?
 
 
 


 
 
 

TRUTH OR DARE – Zensur

 
 
 
Eigentlich wäre TRUTH OR DARE ein typischer FSK16-Kandidat. Doch das Finale hat es in sich. Da müssen sich Protagonisten Körperteile abschneiden, was dann doch sehr explizit zelebriert wird. Demzufolge dürfte der Streifen erst für ein erwachsenen Publikum geeignet sein.

 
 
 


 
 
 

TRUTH OR DARE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Cinetel Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Final Destination (2000)
 
Final Destination 2 (2003)
 
Final Destination 3 (2006)
 
13 Sins (2014)
 
Saw (2004)
 
The Midnight Game (2013)
 
Needle – Deinem Schicksal entkommst Du nicht (2010)
 

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Filmkritik: „Mayhem“ (2017)

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MAYHEM

Story

 
 
 

Ein von einem Virus infizierter Angestellter wird plötzlich zur rasenden Killerbestie und will den Geschäftsführer zu Rede stellen, weil er gekündigt wurde.

 
 
 


 
 
 

MAYHEM – Kritik

 
 
 
In jeder Firma gibt es sie: hinterhältige Angestellte, die für die eigene Karriere über Leichen gehen. Da werden für eigene Interessen gern mal die Kollegen in die Pfanne gehauen, die sich dann für Dinge rechtfertigen müssen, von denen sie gar nichts wissen. Leider ist es im wahren Leben schon lange nicht mehr so, dass man mit Ehrlichkeit weiterkommt. In einer Ellenbogengesellschaft, in der nur Leistung zählt, muss man schon ein Schwein sein, um erfolgreich bestehen zu können. Genau jene These vertritt auch der Action-Splatter MAYHEM, der schwarzhumorig vermittelt, wie sich die derzeitige Unternehmenskultur entwickelt hat. Hier wird gehörig gegen Unternehmensführer gewettert, in deren Händen das Schicksal des kleinen Mannes liegt. Damit spricht man natürlich all jenen aus der Seele, die im Job nichts zu lachen haben und sich unterwerfen müssen. Für genau diese Menschen gibt es Filme wie MAYHEM, die vermitteln wollen, dass auch boshafte Angestellte und Unternehmensbosse irgendwann mal an ihren Meister geraten.
 
 
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Gute Kollegen, schlechte Kollegen. Von den Letzteren gibt es im rabenschwarzen Splatterfilm MAYHEM offenbar zu viele. Die sind nämlich dafür verantwortlich, dass Derek seinen Job verliert. Der arbeitet für eine erfolgreiche Anwaltskanzlei, wo hinter verschlossenen Türen gern mal Bürointrigen gesponnen werden. Eine derer fällt nun auch Derek zum Opfer. Prompt folgt die Kündigung. Doch mit der Entscheidung der Geschäftsleitung ist der Entlassende so gar nicht einverstanden. Der pocht auf sein Recht, stößt aber auf taube Ohren. Da nehmen die Geschehnisse eine eigenartige Wendung. Der Bürokomplex wird unter Quarantäne gestellt. Der Grund dafür ist ein mysteriöser Virus, der Menschen in gewaltbereite Kreaturen verwandelt. Mit dem haben sich fast alle Angestellten angesteckt und gehen sich nun gegenseitig an den Kragen. Eine gute Chance für Derek der Geschäftsleitung für ihre skrupellosen Praktiken den Marsch zu blasen. Der bewaffnet sich bis auf die Zähne und arbeitet sich bis hoch in die letzte Etage, wo sich die Büros der Chefriege befinden. Bis er dort jedoch angekommen ist, fließt viel Blut. Splatterfans wird es freuen.
 
 
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Einige FILMCHECKER-Leser haben jetzt vermutlich ein Déjà-vu. Wir können aber versichern, dass MAYHEM keine Fortsetzung und kein Remake zum vor einiger Zeit hier besprochenen Das BELKO EXPERIMENT ist. Die Vermutung ist nicht unbegründet. Beide Filme sind nämlich thematisch ähnlich und zeigen streitsüchtige Angestellte, die plötzlich zu aggressiven Killermaschinen mutieren und dabei weder Freund noch Feind kennen. Interessanterweise nimmt sich MAYHEM trotz brutaler Gangart gern mal selbst auf die Schippe. Die Inszenierung gleicht nicht selten einer Film-gewordenen Comicverfilmung, wo sich Protagonisten Prügel aussetzen und danach aufstehen, als wäre nichts gewesen. Doch damit nicht genug. MAYHEM strotzt nur so vor Zynismus und schwarzen Späßen. Obwohl sich viele Figuren im Film ihrem Schicksal bewusst sind, haben sie stets trockene Sprüche auf den Lippen. Das mildert den Härtegrad der vielen Gewalteskapaden, die mit fortlaufender Spielzeit von Regisseur JOE LYNCH genüsslich zelebriert werden. Mit Splatter, Action und boshaften Späßen hat der Filmemacher übrigens Erfahrung. Der feierte seinen Regiedebüt mit der günstig produzierten Fortsetzung zum Backwood-Slasher WRONG TURN und übernahm danach die Inszenierung eines Segments der zitatreichen Horror-Anthologie CHILLERAMA. Seither sind viele Jahre vergangen und Lynch scheint recht sicher auf seinem Regie-Posten zu sitzen. Vorbei sind die Zeiten schlechter Spezialeffekte und mäßiger Low-Budget-Produktionen. MAYHEM ist bis zum Ende durchgestylt und macht einen professionellen Eindruck. Hinzukommt, dass der Regisseur gern mal die Speed-Taste drückt und euphorische Zerstörungslust auslebt. Da kommen auch Actionfreunde auf Ihre Kosten, die gern Filme sehen in denen sich Menschen gegenseitig vermöbeln.
 
 
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Unterm Strich entpuppt sich MAYHEM als unterhaltsamer Party-Splatter, der hemmungslos mit miesen Menschen aufräumt. MAYHEM besitz einen beißend kritischen Unterton, der nicht nur mit skrupellosen Praktiken profitgeiler Unternehmensbosse aufräumt. Der Film spricht gern auch jedem Arbeitnehmer aus dem Herzen, der für seinen Job alles tut, aber dennoch ersetzbar ist, wenn es darauf ankommt. Da ist es am Ende fast schon eine Genugtuung, wenn den Bösewichten der Garaus gemacht wird und sie für ihre selbstsüchtigen Missetaten bestraft werden. Leider ist MAYHEM nur ein Film. Im echten Leben kommen diese Menschen meist ungeschoren davon – leider!
 
 


 
 
 

MAYHEM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Der perfekte Partyfilm für hungrige Splatterfans. MAYHEM ist eine unsinnige Gewaltorgie, die man aber nicht ernstnehmen sollte. Das tut der Film nämlich selbst zu keiner Minute und zeigt wie sich ein gekündigter Arbeitnehmer in einem Hochhaus – ähnliche wie im Remake zu DREDD oder THE RAID – von unten nach oben durchmetzelt. Ziel ist die oberste Etage, wo der Geschäftsführer darüber entscheidet, wer aus dem Unternehmen fliegt und wer nicht. Bis er jedoch sein Ziel erreicht, muss er vielen kleinen Zwischengegnern die Rübe einschlagen, die ihm daran hindern den Oberbösewicht zur Rede zu stellen. MAYHEM gleicht in seiner brachialen Zerstörungs- und Wutorgie einem actiongeladenen Computerspiel. Die Figuren bestehen aus Stereotypen und viel Substanz ist auch nicht vorhanden. Aber intellektuell will MAYHEM überhaupt nicht sein. Regisseur JOE LYNCH will kurzweilig unterhalten. Das gelingt ihm ganz gut. In null Komma nichts befindet sich der Zuschauer im Geschehen und folgt einem gefrusteten Angestellten, der sich zynisch durch Büros metzelt. Wer eine Leidenschaft für Filme besitzt, die kaum Handlung, dafür viel Gewalt zu bieten haben, ist mit MAYHEM gut bedient. Angesichts überschaubarer Zutaten würde ein solcher Film auf FILMCHECKER normalerweise gnadenlos durchfallen. Weil MAYHEM sich selbst gern mal aufs Korn nimmt und einfach nur unterhalten will, drücken wir mal ein Auge zu. Zugegeben: wir haben uns zu keiner Minute gelangweilt.
 
 
 


 
 
 

MAYHEM – Zensur

 
 
 
In MAYHEM geht es nicht zimperlich zu. Hier kommen elektrische Sägen und Nagelpistolen zum Einsatz, um Arbeitskollegen das Lebenslicht auslöschen zu können. Gesplattert und geprügelt wird reichlich. Demzufolge dürfte der Film hierzulande erst für Volljährige geeignet sein, sollte er veröffentlicht werden. Die Grausamkeiten werden aber so überspitzt zelebriert, dass eine ungeschnittene Fassung denkbar ist. Da ist das in der Kritik erwähnte BELKO EXPERIMENT brutaler.

 
 
 


 
 
 

MAYHEM – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei RLJ Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Belko Experiment (2016)
 
Bloodsucking Bastards (2015)
 
Z-Office (2017)
 
Stalled (2013)
 
Botched (2007)
 


Filmkritik: „Night of the Virgin“ (2016)

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NIGHT OF THE VIRGIN

(LA NOCHE DEL VIRGEN)

Story

 
 
 
Ein Film dessen Handlung auch ein pubertierender Teenager mit Dauererektion zu Papier hätte bringen können. Darin gerät eine männliche Jungfrau in die Fänge einer älteren Dame, die den jungen Mann nicht seiner Unschuld berauben will, sondern … ach, Ihr werdet schon sehen.
 
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE VIRGIN – Kritik

 
 
 
Die Spanier trauen sich was. Nach umjubelten Gruselfilmen und hektischen Zombie-Krachern wird diesmal die Ekelkeule geschwungen. Das hat man nicht kommen sehen, zeichnet sich doch das spanische Genrekino dadurch aus, stets einen gewissen Anspruch zu bewahren, um auch Feingeister ansprechen zu können. Mit folgendem Streifen werden Erwartungen gebrochen. Die Horrorkomödie NIGHT OF THE VIRGIN ist nämlich aus einem anderen Holz geschnitzt und dürfte damit jedem Fan spanischen Horrorkinos vor den Kopf stoßen. Adé die Zeiten subtilen Grauens – dieser Film setzt auf niedere Instinkte und war bisher damit erfolgreich. Die groteske Horror-Produktion aus Spanien räumte auf Festivals Preise ab und ließ selbst Regisseur ELI ROTH erstaunen. Der urteilte streng und attestierte Mut. In Interviews erklärte der amerikanische Filmemacher, dass der Regisseur hinter NIGHT OF THE VIRGIN weitaus mehr zeigt, als sich Roth selbst trauen würde. Gemeint hat er damit ROBERTO SAN SEBASTIÁN. Der hat mit seinem blutigen Kammerspiel den ersten Spielfilm gedreht und damit auch gleich ins Schwarze getroffen. Bevor jedoch Jubelstimmung aufkommt sei gesagt: NIGHT OF THE VIRGIN ist blutig – keine Frage. Trotzdem ist das Machwerk weit weg von gut. Da hat Spanien schon bessere Tage gehabt.
 
 
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Was predigt Mutti bereits den ganzen Kleinen: Geht nicht mit fremden Leuten mit. Der 20-jährige Nico (JAVIER BÓDALO aus THE DEVIL’S BACKBONE) ist im besten Alter. Während Gleichaltrige Erfahrungen sammeln und junge Frauen daten, ist der unbeholfene Spanier immer noch Jungfrau. Doch das soll sich jetzt ändern. In der Silvesternacht beschließt der junge Mann seine Unschuld zu verlieren, nimmt all seinen Mut zusammen und tanzt auf einer Party attraktive Damen an. Die fühlen sich aber von den Annäherungsversuchen des eher schmächtigen Nicos belästigt und suchen das Weite. Für den Helden unserer kleinen Geschichte eine herbe Enttäuschung. Der steht nämlich unter Druck, weil er seinen Freunden Beweise für den Verlust seiner Unschuld liefern will. Da macht er Bekanntschaft mit der reifen Medea (MIRIAM MARTÍN). Die ist zwar deutlich älter als das Objekt ihrer Begierde, nimmt den unerfahrenen Nico aber mit zu sich nach Hause. Dort ist es zwar nicht sonderlich rein und Statuen einer nackten Gottheit erwecken alles andere als Vertrauen. Dennoch begibt sich die männliche Jungfrau in die Hände der erfahrenen Gastgeberin und erlebt dabei die Hölle auf Erden. Was folgt ist ein ekliger Albtraum aus Erbrochenem, Urin, Ejakulation, Blut und sonstigem Körperschleim in dem sich der Held dieser kleinen Geschichte suhlen wird. Mehr über die absurde Handlung zu verraten, wäre gemein.
 
 
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NIGHT OF THE VIRGIN als neuen Kultstreifen zu bezeichnen ist ein wenig übertrieben. Der Film ist nämlich weder Fisch noch Fleisch und hat ein großes Problem mit dem Tempo. Viel Sitzfleisch wird vorausgesetzt, denn in den knapp zwei Stunden Laufzeit passiert nicht sonderlich viel. Das ist dahingehend enttäuschend, weil NIGHT OF THE VIRGIN im Vorfeld für Furore gesorgt hat. So fand die Horrorkomödie vor allem wegen Ekelmomente auf einschlägigen Filmfestivals Anklang. Dort wurden sogar – ähnlich wie bei Kinovorstellungen des Horrordramas RAW – Kotztüten im Publikum verteilt wurden, um die Vorfreude Ekel-erprobter Zuschauer steigern zu können. Leider ist NIGHT OF THE VIRGIN einer jener Filme, der wohl nur im Kino unter grölenden Gleichgesinnten Freude bereiten wird. Vor der heimischen Glotze verliert der Streifen einen Großteil seines Spaßcharakters und wird stattdessen zum Geduldsspiel. Regisseur ROBERTO SAN SEBASTIÁN nimmt sich zu viel Zeit mit dem Erzählen seiner skurrilen Geschichte. Das dürfte die meisten Horrorfans abschrecken. Die bekommen zwar hin und wieder provokante Szenen mit Körperflüssigkeiten zu sehen, müssen sich aber anschließend durch unwichtige Dialoge kämpfen bis sich der Streifen nach einer gefühlten Ewigkeit in weiteren Geschmacklosigkeiten suhlt. Da werden die Augen schnell schwer, zumal kein Spannungsbogen vorhanden ist und sich auch nicht erschließen will, welcher Sinn sich hinter NIGHT OF THE VIRGIN eigentlich verbergen soll. Filmemacher ROBERTO SAN SEBASTIÁN hat mit seinem ersten Spielfilm einen provokanten und absonderlichen Tabubrecher inszeniert, der durchaus seine Zuschauer finden wird. Letztere benötigen hier nicht nur einen gesunden Magen. Auch der vulgäre Humor ist nicht jedermanns Sache und dürfte den meisten Zuschauer mit seiner beinahe pubertären Primitivität vor den Kopf stoßen. Angesichts mancher Szenen im Film nicht verwunderlich. So wird von Menstruationsblut gekostet oder auf Babyfotos ejakuliert. Nun ja, wer sich bei so Ekelquatsch wie THE GREASY STRANGLER oder KUSO kringelig gelacht hat, wird vermutlich auch NIGHT OF THE VIRGIN als hohe Filmkunst bezeichnen. Wir zumindest haben uns bei NIGHT OF THE VIRGIN über weite Strecken einfach nur gelangweilt.
 
 
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NIGHT OF THE VIRGIN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Da hat sich wohl jemand von den tabufreien Anfangswerken des PETER JACKSON und den Anarcho-Exzessen des Spaniers ÀLEX DE LA IGLESIA inspirieren lassen. NIGHT OF THE VIRGIN ist ein Highlight des schlechten Geschmacks und versucht sämtliche Tabus zu brechen. Der Zuschauer bekommt hier zu sehen, was sich so alles aus Körperflüssigkeiten und Lebenssaft machen lässt. Das Resultat ist ein polarisierender Rausch aus Erbrochenem, Urin, Ejakulation, Blut und sonstigem Körperschleim. Trotz tabubrechenden Absichten klingt das alles zu schön um wahr zu sein. LA NOCHE DEL VIRGIN – so wie der spanische NIGHT OF THE VIRGIN im Original heißt – ist leider kein Hit. Der ambitionierte Filmexport hat unter seinem schleppenden Erzählstil zu leiden und wiederholt zu oft die gleichen Handlungsverläufe. Das dürfte die meisten Zuschauer zum frühzeitigen Abschalten bewegen. Weil viele der Ekelmomente erst ab Filmmitte zelebriert werden, könnte es gut sein, dass viele Horrorfans einen Großteil der unappetitlichen Szenen erst gar nicht zu sehen bekommen. Manchmal ist es eben besser, wenn man Filme mit Trompeten und Paukenschlägen einführt, um die Aufmerksamkeit des Publikums für sich beanspruchen zu können. Neuling ROBERTO SAN SEBASTIÁN geht es anders an. Der bombardiert den Zuschauer erst einmal mit unwichtigen Dialogen, bevor überhaupt erst einmal der Titelschriftzug auf der Mattscheibe angezeigt wird. So ähnlich geht es dann auch weiter. Eklige Szenen, die provozieren wollen sind eben nicht alles. In inflationären Horrorzeiten, wie der heutigen muss man sich schon mehr ausdenken, um das Interesse von Genrefans gewinnen zu können.
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE VIRGIN – Zensur

 
 
 
NIGHT OF THE VIRGIN wurde von der FSK erst für ein volljähriges Publikum freigegeben. Angesichts der nicht jugendfreien Szenen im Film berechtigt. Auf dem Cover der Heimkinofassung klebt das rote FSK-Zeichen: keine Jugendfreigabe. Hierzulande wurde die Horrorkomödie ungeschnitten veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE VIRGIN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) PIERROT LE FOU (Mediabook mit Blu-ray & DVD auf 5000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: La noche del virgen; Spanien 2016

Genre: Komödie, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 118 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnitten Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook auf 3666 Stück limitiert

Extras: Absurd Stuff, Trailer | zusätzlich im Mediabook: Poster, Kotztüte und umfangreiches Booklet. Außerdem ist im Mediabook eine Bonus DVD enthalten. Darauf befindet sich: Making-of, B-Roll, Lost Footage, Kurzfilm „YAYOS“ + einiges mehr!

Release-Termin: KeepCase + Mediabook: 17.11.2017

 

Night of the Virgin – Mediabook [DVD + Blu-ray + Bonus DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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NIGHT OF THE VIRGIN – Mediabook

 
 
 
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Anbieter PIERROT LE FOU veröffentlicht NIGHT OF THE VIRGIN zeitgleich zur herkömmlichen Veröffentlichung im KeepCase auch in einem limitierten Mediabook. Dieses ist auf 3666 Stück limitiert und beinhaltet zusätzlich einen Buchteil sowie ein Poster zum Film und eine Kotztüte als exklusiven Gimmick. Ebenso ist NIGHT OF THE VIRGIN im Buch als DVD und Blu-ray enthalten. Der Inhalt der beiden Scheiben ist identisch mit dem Inhalt der Einzelveröffentlichung. Zusätzlich im Mediabook ist aber noch eine Bonus-DVD enthalten. Diese beinhaltet noch weiteres filmbezogenes Bonusmaterial.
 
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE VIRGIN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei PIERROT LE FOU)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Night of Something Strange (2016)
 
Meet the Feebles (1989)
 
Bite (2015)
 
Septic Man (2013)
 
Crazy Murder (2014)
 
The Greasy Strangler (2016)
 
Crazy Murder (2014)
 


Filmkritik: „Stephen Kings Stark“ (1993)


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK

(THE DARK HALF)

Story

 
 
 

Schöngeist Thad Beaumont verfasst Horror-Romane, deren blutrünstigste niedergeschriebene Aussetzer er unter dem Nome de plume George Stark veröffentlicht. Als ein schmieriger Neider Beaumont erpressen will, es geht um die Enttarnung des Pseudonyms, werfen wir einen Blick in die sonderbare medizinische Vergangenheit des ach so harmlosen Autoren und werden Zeugen einer gänzlich andersartigen Manifestation des Unholds Mr. Stark.

 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Kritik

 
 
 
Als erstes ist STARK, das sieht der sprichwörtliche Blinde mit dem Krückstock, Stephen Kings Variation einer der bekanntesten Horrorliteratur-Ideen überhaupt: Der böse Zwilling, der Doppelgänger, das andere Ich. Populärstes Exempel R.L. Stevensons Dr. Jekyll & Mr. Hyde. Direkter Einfluss der Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden Erfolgsgeschichte der Psychoanalyse Siegmund Freuds auf das Genre des Schauerromans. Unter dieser ersten, inhaltlichen Oberfläche bekommt es der Leser, hier besser gesagt und fortgesetzt: der Zuschauer, mit dem möglicherweise am stärksten autobiographisch gefärbten Stoff des Meisters aus Maine zu tun. Schreiben, Saufen, Schreiben, Saufen, Ohnmacht, Saufen, Schreiben. Heute weiß man, wie heftig die Todeskämpfe mit König Alkohol getobt haben müssen, der besonders in der ersten Lebenshälfte Kings mehr und mehr Kontrolle über seine Person und sein kreatives Ich gewinnen sollte. Mit ein paar Jahrzehnten Distanz spricht der im Zweifel wichtigste Horror-Romancier nicht nur der Gegenwart offen, ehrlich und sogar ironisch von jenen Jahren, in denen zwar unbestrittene Meisterwerke des Horrors wie CARRIE – DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER entstanden, über die er jedoch vom herbeigesoffenen Filmriss bedingt keinerlei Erinnerung besitzt. Man kann sagen, Stephen King sind die misslichen Abenteuer seines Buchhelden Beaumont mit dem hemmungslosen Herrn Stark nur all zu bekannt. So lohnt sich mehrfaches Beschäftigen mit STARK ungemein, möchte man nicht nur hervorragend unterhalten werden, sondern auch noch intime Einblicke ins Unterbewusstsein seines Schöpfers gewinnen. Hier können jetzt Beaumont und King gemeint sein. Viele Häute hat die Zwiebel.
 
 
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Der erst jüngst – das wisst Ihr natürlich – abgetretene George A. Romero war nicht nur selbst langjähriger guter Freund der Whiskeyflasche, er teilte den Rausch auch regelmäßig mit seinem Bruder im Geiste King. Bei den Dreharbeiten zu CREEPSHOW etwa, waren beide nur mit vier Promille an Bord. Trotzdem oder gerade deswegen brachte die hochprozentige Zusammenarbeit der beiden Ostküsten-Spritmeister immer wieder schöne Ergebnisse mit sich. STARK ist ein Höhepunkt. Er funktioniert als Horror-Reißer und unterhält wirklich ganz prächtig. Dazu ist er einer der stärksten Filme, die Kings real life diabolischer Zwilling George abseits seiner ersten „…OF THE DEAD“- Zombie-Kultwerke hinbekommen würde, machen wir uns da mal nichts vor. Bei aller Verbundenheit zu Einkaufszentren in Pittsburgh.
 
 
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STEPHEN KINGS STARK – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Stephen Kings sehr persönlicher Stoff, verständnisvoll und doch effektiv von seinem echten Freund George A. Romero auf die Leinwand gebracht. Hier wurde tatsächlich mal alles richtig gemacht.
 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Zensur

 
 
 
STEPHEN KINGS STARK hatte es bisher in Deutschland nicht leicht. Wenige Monate nach der Veröffentlichung landete der Gruselstreifen im Jahr 1994 auf dem Index. Die Indizierung besteht bis heute. Neben der ungeschnittenen, indizierten Fassung wurde eine FSK-geprüfte Filmversion auf VHS veröffentlicht. Diese musste knapp sechs Minuten geschnitten werden, um eine Freigabe erhalten zu können. Im Jahr 2017 feierte der King-Klassiker seine HD-Premiere. OFDB FILMWORKS erwarb die Rechte und warf den Streifen in einer limitierten Sonderausgabe auf den Markt. Diese Filmversion ist ungeschnitten, ist aber wegen der Indizierung nur in einschlägigen Onlineshops erhältlich und darf nur an volljährige Filmfans verkauft werden. Weil sich Sehgewohnheiten geändert haben, ist die Indizierung jedoch ungerechtfertigt. Für heutige Verhältnisse befinden sich die Gewaltakte im Film aus FSK16-Niveau. Sollte die Indizierung irgendwann aufgehoben und STARK neu geprüft werden, ist eine Jugendfreigabe nicht unwahrscheinlich.
 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) OFDB Filmworks (Digipack – Front)

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(c) OFDB Filmworks (Digipack – Rückseite)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Dark Half; USA 1993

Genre: Horror, Thriller, Klassiker

Ton: Deutsch (Linear PCM 2.0), Englisch (Linear PCM 2.0)

Untertitel: Film: Deutsch, Englisch | Extras: Deutsch

Bild: 1,85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 121 Min.

FSK: Ungeprüfte Fassung – indiziert (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Digipack – limitiert auf 2000 Stück

Extras: Audiokommentar mit Regisseur George A. Romero (englisch), Audiokommentar von Kai Naumann & Marcus Stiglegger (deutsch), The Directors: George A. Romero – Dokumentation über den Regisseur, The Sparrows Are Flying Again – The Making of „The Dark Half“, Deleted Scenes, Behind The Scenes Footage: Special Effects, Behind The Scenes Footage: On The Set, Vintage Making of Featurette, Vintage Interviews, deutscher und englischer Kino-Trailer, TV-Spot, Booklet mit einem Text von Thorsten Hanisch

Veröffentlichung: Digipack: 07.07.2017

 
 
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Stephen Kings Stark [3-Disc Digipak mit DVD + Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Trailer

 
 

 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei OFDB FILMWORKS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Unzertrennlichen (1988)
 
Schwestern des Bösen (1973)
 


Filmkritik: „Talon Falls“ (2017)

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TALON FALLS

Story

 
 
 

Von dummen Teenagern und foltergeilen Bösewichten. In einer Geisterbahn in einem Vergnügungspark werden Menschen gefoltert, um Besucher zu schockieren. Das finden vier Jugendliche seltsam und wollen herausfinden, was wirklich dahintersteckt. Wie dämlich …

 
 
 


 
 
 

TALON FALLS – Kritik

 
 
 
Kennst Du einen, kennst Du alle. Der folgende Schocker macht es vielen Horrorfilmen gleich, die während der 2000ern entstanden sind. Dort herrschte im Heimkino ein raues Lüftchen, was vor allem durch brutale Gewaltkicks wie SAW, HOSTEL oder der französischen Terrorwelle begünstigt wurde. Weil auch unbekannte Filmemacher bekannt werden wollten, entstanden so viele grausame Ableger mit kleinem Budget, die es erst gar nicht ins Kino schafften und gleich auf dem Videomarkt veröffentlicht wurden. Zu einem derer gehört auch TALON FALLS – einer weiterer ach so krasser Horrortrip, der auf die niederen Instinkte des Filmfans abzielt. Leider kommt TALON FALLS mit Verspätung. Mittlerweile sind Folterfilme nämlich nicht mehr sehr lukrativ, weil sich die meisten Zuschauer daran sattgesehen haben. Das kümmert aber Regisseur JUSHUA SHREVE nicht. Der ist zwar noch relativ frisch im Filmbusiness, lässt aber reißerische Torture Porn-Zeiten wieder aufleben.
 
 
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Der günstig gedrehte Nachzügler handelt von vier jungen Amerikanern, die mal wieder nicht sonderlich helle sind. Die tun Dinge, die kein normalsterbliche Menschen machen würde und entscheiden während eines Camping Trips einen Umweg zu fahren. Man erfährt von einer interessanten Attraktion, die man gesehen haben muss. Dabei handelt es sich um eines dieser legendären Spukhäuser in Amerika, die während der Halloween-Zeit im ganzen Land zum Erschrecken einladen und von Privatpersonen betrieben werden. Eine solche Geisterbahn befindet sich in einem ominösen Vergnügungspark und den wollen sich auch unsere vier Freunde nicht entgehen lassen. Doch weil man zu neugierig ist, wird man dafür bestraft. Die dort gezeigten Grausamkeiten kommen den Darstellern dieses Films nämlich spanisch vor. Deshalb schnüffelt man durch die Keller der Attraktion und findet heraus, dass es sich bei den Opferszenen nicht um Statisten handelt, sondern dass dort echte Menschen gequält werden. Leider wird die Erkenntnis zum Verhängnis. Die Macher der Geisterbahn überwältigen die neugierigen Schnüffelnasen und sperren sie in Käfige. Was kommt, kann man sich ausmalen. Unsere vier Helden werden selbst zu Statisten, die bald selbst ums Überleben winseln werden. Leider denken die Besucher der Attraktion, dass das alles nur Spaß ist. Wie makaber.
 
 
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Man kann Regisseur JUSHUA SHREVE keine Talentlosigkeit vorwerfen. TALON FALLS schaut trotz Low-Budget-Herkunft nach etwas aus und sticht daher aus der Masse an ähnlich gestrickten Billigfilmen hervor. Der Mix aus HAUS DER 1000 Leichen und HOSTEL überzeugt durch atmosphärisches Folterset, stimmungsvollen Kamerafahrten und dreckigem Videolook. Zudem verfehlen die deftigen Folterszenen – vermutlich auch wegen der einfachen Machart – ihre schmerzhafte Wirkung zu keiner Minute. Was aber gar nicht gefallen will, ist das Schauspiel. Offenbar musste man wegen kleinem Budget Abstriche machen. Viel zu sagen haben die Darsteller nicht. Trotzdem ist offensichtlich, dass keiner derer je eine Schauspielschule von innen gesehen hat. Das stößt bitter auf und verleiht TALON FALLS Amateurfilmstatus, der immerhin ab Filmmitte an der Gewalt- und Temposchraube dreht. Horrorfans mit einer Vorliebe für Ekelhandwerk dürfte das freuen. Die werden durch eine kurzweilige Folterachterbahn gejagt in der reichlich geschrien und gestorben wird. Wer Substanz erwartet, ist hier jedoch falsch. Aufgrund des schmuddeligen Trailers war das aber abzusehen. Demzufolge richtet sich TALON FALLS eher an die, die Roths Folter-Hit HOSTEL als große Filmkunst betiteln. Nur jene werden mit diesem unsinnigen Gewaltrauch ihre Freude haben und sich nicht an genannten Mankos stören. Übrigens wurde der Film in einem bekannten amerikanischen Vergnügungspark gedreht. Der schimpft sich Talon Falls Screampark und befindet sich in Melber, Kentucky. Damit geht man gleichen Schritt wie andere Filme. Darunter so Gurken wie THE BATES HAUNTING oder HOUSES OF TERROR. Bei genauerer Betrachtung waren das eigentlich Werbefilme in Spielfilmlänge für unheimliche Freizeitparks, wo man Geld zahlen kann, um sich erschrecken lassen zu können.
 
 


 
 
 

TALON FALLS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Dreckig-blutiger Mix aus HOSTEL, TEXAS CHAINSAW MASSACRE und HAUS DER 1000 LEICHEN. Da muss wohl jemand eine Menge Terror- und Folterfilme geguckt haben. Parallelen zu vielen bekannten Filmen dieser Subgenres sind nicht von der Hand zu weisen, denn hier wird ausführlich zitiert und kopiert. Die simple Geschichte von TALON FALLS kann man in zwei Sätzen zusammenfassen, ist hier aber nicht sonderlich wichtig. Untalentierte wurden von der Straße aufgelesen und sollen nun in einem Horrorfilm ums Überleben winseln. Das Schauspiel ist haarsträubend und als eher zweckmäßig zu betiteln. Unterm Strich keine schlimme Angelegenheit, denn der Fokus liegt in TALON FALLS eher auf das Sterben. Wer das ausklammern kann, dürfte gut unterhalten werden. Zuschauer, die aber von hastig heruntergerasselten Billigproduktionen so langsam die Nase voll haben, sollten am besten schnell die nächste Kritik lesen. TALON FALLS ist nämlich eines dieser Machwerke, die man in erster Linien für den Videomarkt dreht, um rasch etwas Geld verdienen zu können. Nachhaltig ist Gebotenes nicht und dürfte wenige Tage nach Veröffentlichung schon wieder in den Wühltischen landen, weil sich niemand mehr dafür interessiert. TALON FALLS ist kein Horrorfilm für die Ewigkeit, sondern austauschbarer Horror-Trash, der aber wegen plakativer Gewalt dennoch sein Publikum finden wird.
 
 
 


 
 
 

TALON FALLS – Zensur

 
 
 
TALON FALLS hat einige schmerzhafte Szenen zu bieten. Der heftigste Part reduziert sich auf eine sehr lang zelebrierte Folterszene in der Ohren abgeschnitten und Zehennägel abgeschlagen werden werden. Sollte TALON FALLS veröffentlicht werden, kann man von einer Erwachsenenfreigabe ausgehen – vermutlich ungeschnitten mit rotem FSK-Flatschen.

 
 
 


 
 
 

TALON FALLS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von der Webseite zum Film.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Darkroom – Das Folterzimmer (2013)
 
Hostel (2005)
 
Haus der 1000 Leichen (2003)
 
Slasher in the Woods (2013)
 
Deadly Weekend (2013)
 
Another Deadly Weekend (2015)
 


Filmkritik: „Happy Hunting“ (2017)

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HAPPY HUNTING

Story

 
 
 

Alkoholiker (MARTIN DINGLE WALL) verirrt sich bei seiner Reise nach Mexiko in das Jagdgebiet gewissenloser Landeier, die gern mal auf Menschenhatz gehen.

 
 
 


 
 
 

HAPPY HUNTING – Kritik

 
 
 
Eigentlich wollte der alkoholabhängige Warren nur nach Mexiko reisen, um dort einem ominösen Telefonanruf nachzugehen. Eine Mexikanerin hat kurz vor ihrem Tod erklärt, dass der Herumtreiber der Vater ihres Kindes sei. Deshalb will Waren die lange Reise aufnehmen, um seinen Sohn kennenzulernen. Leider entpuppt sich die Fahrt dorthin als Horrortrip. Der Alkoholiker verirrt sich in das kleine Städtchen Bedford Flats irgendwo in der Wüste an der mexikanischen Grenze, wo nach anderen Regeln gelebt wird. Hier wird alljährlich ein Fest der Superlative gefeiert bei dem unschuldige Menschen gejagt werden. Leider stolpert Warren genau während der Festvorbereitungen in den Ort und wird so zum unfreiwilligen Opfer einer Menschenjagd, die mit nichts und niemand Gnade kennt.
 
 
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HAPPY HANUTING ist kein einfach zu verdauender Horrorthriller, denn die kaltschnäuzigen Bilder sind nicht für jedermann bestimmt. Inmitten flirrender Wüstenhitze wird hier eine kompromisslose Menschenjagd veranstaltet. In ihrer derben Zurschaustellung erinnert die nicht selten an das harte Exploitationkino der 1970er, wo so Survival-Horror wie BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE oder der reißerische Mutanten-Schocker THE HILLS HAVE EYES für Furore gesorgt haben. Doch das Duell zwischen Mensch und Mensch ist nicht nur brutal und zeigefreudig. Im Unterschied zu vielen ähnlich gelagerten Streifen in denen Menschen gejagt, gefoltert und ermordet werden, mangelt es HAPPY HAUNTING nicht an gesellschaftspolitischer Kritik. So prangern die beiden Regisseure JOE DIETSCHS und LOUIE GIBSON nicht nur die lapidaren Waffengesetze in den Vereinigten Staaten an, wo das Recht Waffen zu besitzen, verfassungsrechtlich geschützt ist. Auch die politisch vergessenen Teile Amerikas werden kritisch beäugt, wo offenbar an eigenen Traditionen und Bräuchen festgehalten wird, weil man sich von der Politik im Stich gelassen fühlt.
 
 
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Unterm Strich also kein belangloses Gewaltspektakel, sondern Horror mit Hirn, der durchaus kurzweilig über die Leinwand flimmert und – der Titel lässt es erahnen – gern auch mal von schwarzhumorigen Untertönen Gebrauch macht. Übrigens ist LOUIE GIBSON kein Niemand. Hier handelt es sich um einen der Söhne von Schauspieler MEL GIBSION. Letzterer probiert sich seit einigen Jahren auch gern mal als Regisseur aus. Offenbar hat dessen Sohnemann auch Gefallen am Drehen von Filmen gefunden. Mit HAPPY HUNTING feiert der Nachwuchs nämlich sein Spielfilm-Regiedebüt. Angesichts der schnörkelfreien Inszenierung darf man gespannt auf das sein, was da noch kommen wird. Talent hat der Gibson-Spross definitiv.
 
 
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HAPPY HUNTING – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Kompromisslose Mischung aus Actionfilm, Survival-Thriller und Neo-Western, der an das harte Exploitationkino der 1970er erinnert. Der Film überzeugt mit versiertem Umgang der Kamera, atemberaubenden Bildern sowie spannender Erzählweise und beweist einmal mehr, dass visuell überzeugende Filme nicht immer nur aus Hollywood kommen müssen. Als i-Tüpfelchen gibt es neben viel Gewalt und zynischer Note auch noch jede Menge Bezüge und Seitenhiebe auf die aktuelle Politik des DONALD TRUMP. Dessen Vision einer Mauer an der Grenze zu Mexiko wird in HAPPY HUNTING Wirklichkeit. Ganz zum Leidwesen von Filmheld Warren. Der muss vor einer Meute schießwütiger Amerikaner nach Mexiko flüchten, kommt aber nicht auf die andere Seite, weil eine Mauer an der Grenze gebaut wurde. Was für ein makabres Unterfangen. HAPPY HUNTING ist intelligent, brutal und sehenswert. Demzufolge ein Fest für anspruchsvolle Horrorfans.
 
 
 


 
 
 

HAPPY HUNTING – Zensur

 
 
 
HAPPY HUNTING ist ziemlich hart und die Gewaltszenen sehr zeigefreudig. Vor allem unerwartete Einschüsse in menschliche Körper lassen zusammenzucken und sind nichts für empfindsame Gemüter. Sollte HAPPY HUNTING in Deutschland erscheinen, könnte es Probleme mit der FSK geben. Dennoch gehen wir von einer ungeschnittenen Erwachsenenfreigabe mit rotem Freigabesticker aus.

 
 
 


 
 
 

HAPPY HUNTING – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Selective Collective | Waterstone Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Reach – In der Schusslinie (2014)
 
Desierto – Tödliche Hetzjagd (2015)
 
King of the Hill (2007)
 


Filmkritik: „Leatherface“ (2017)

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LEATHERFACE

Story

 
 
 

LEATHERFACE erweitert die Vorgeschichte des kultigen Horrorfilms TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Darin wird dem Zuschauer erklärt, wie sich der kleine Jed Sawyer in das bestialische Monster Leatherface verwandelt.

 
 
 


 
 
 

LEATHERFACE – Kritik

 
 
 
Und wieder wird eine Ikone des modernen Horrorfilms entmystifiziert. Was bereits mit dem unaufhaltsamen Monstrum MICHAEL MEYERS aus HALLOWEEN und der heimtückischen Kreatur aus ALIEN wenig eindrucksvoll fürs Kino aufbereitet wurde, muss nun auch Filmkiller LEATHERFACE aus dem berüchtigten TEXAS CHAINSAW MASSACRE über sich ergehen lassen. Dessen Jugendjahre werden nun ausführlich von den französischen Regisseuren JULIEN MAURY und ALEXANDRE BUSTILLO unter die Lupe genommen, die sich seit dem kontroversen Terrorhit INSIDE mit deftigem Gewalthorror gut auskennen. Leider zeigt sich im Falle von LEATHERFACE mal wieder, dass die Qualität von Horrorfilmen durch möglichst lang und häufig zelebrierte Gewalt nicht unbedingt gesteigert wird. LEATHERFACE hat davon zwar reichlich; blickt man aber tiefer bekommt man das kalte Grausen. Da fragt man sich doch glatt, was die beiden Filmemacher für ein Drehbuch gelesen haben. Schenkt man nämlich Interviews Glauben, war das französische Regie-Duo so angetan von der Vorgeschichte, dass sie es kaum erwarten konnten den Film zu drehen. Offenbar hat man da wohl ein anderes Drehbuch in den Händen gehabt. Was man nämlich mit LEATHERFACE auf Zelluloid gebannt hat, ist weit weg von gut. Ob da wohl das Produktionsstudio Einfluss gehabt und die Visionen der Filmemacher zunichte gemacht hat? Angesichts der verspäteten Veröffentlichung und einem gestrichenen Kino-Release kann man davon ausgehen, dass man vom fertigen Produkt nicht sonderlich überzeugt gewesen ist.
 
 
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LEATHERFACE entführt den Zuschauer nach Texas. Im Jahr 1955 feiert dort der kleine Jed Sawyer seinen Geburtstag und wird von der Familie zum ersten Mord mit einer Kettensäge angestiftet. Weil der Junge noch unbeholfen agiert, muss Opa nachhelfen. Doch es kommt noch schlimmer. Wochen später kommt es in einer Scheune zu einem folgenschweren Vorfall. Die Tochter von Texas Ranger Hal Hartman (STEPHEN DORFF) wird dort vom gewissenlosen Nachwuchs der Kannibalenfamilie bestialisch ermordet, so dass der Vater des Opfers Rache schwört. Was folgt, ist für die heranwachsenden Jed Sawyer kein Zuckerschlecken. Weil Mutter Verna in ihrer Erziehung versagt hat, wird ihr der Sohn weggenommen und in ein Sanatorium für Problemkinder gesteckt. Zehn Jahre später ist Jed Sawyer zu einem attraktiven Mann herangewachsen. Nun fordert Mutter Verna mit Hilfe eines Anwalts Besuchsrecht ein. Dies wird ihr verständlicherweise verwehrt, was das Familienoberhaupt aber nicht davon abhält den Sohn auf eigene Faust in der Anlage zu suchen. Kein guter Tag für die Angestellten der Einrichtung. Weil die Mutter des berüchtigten Sawyer-Clans bei Ihrer Suche nach dem Sohnemann gegen jegliche Sicherheitsauflagen verstößt, bricht in der Klinik das Chaos aus. Es kommt zu einer Revolte der inhaftierten Jugendlichen, die letztendlich fliehen können. Darunter auch: Jed Sawyer.
 
 
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Wer LEATHERFACE folgen möchte, muss zwingend den Verstand ausschalten. Was Drehbuchautor SETH M. SHERWOOD nämlich hier zu Papier gebracht hat, ist jenseits von Gut und Böse. Entweder hat der gute Mann nicht legale Substanzen geraucht oder sich den Verstand mit Alkohol benebelt. Anders lässt sich der intelligenzhemmende Blödsinn nicht erklären, der dem Zuschauer nun mit LEATHERFACE zugemutet wird. Hier wird auf Biegen und Brechen nach Erklärungen gesucht, die erläutern sollen wie es dazu kam, dass der mit Menschenhaut maskierte Killer aus dem von TOBE HOOPER geschaffenen TEXAS CHAINSAW MASSACRE-Universum zur unberechenbaren Bestie wurde. Das Resultat ist haarsträubend. Wohl auch deshalb, weil es reichlich konstruiert und unglaubwürdig ist – Logiklöcher und Plotungereimtheiten gibt es inklusive. Statt das Hauptaugenmerk auf den Filmhelden und dessen Verwandlung zu richten, stehen Nebenfiguren im Mittelpunkt. Die sind dafür da, um die Geschehnisse im Blut zu ersäufen. Generell ist Gewalt hier – wer hätte auch etwas anderes erwartet – der eigentliche Star des Films. Bereits in der Neuverfilmung zum Terrorklassiker von 2003 wurden dazu erste Weichen gestellt. So bekam das Kettensägen-Franchise durch Regisseur MARCUS NISPEL nicht nur einen neuen, düsteren Anstrich, auch hinsichtlich Gewalt wurde groß aufgefahren, was Zensurwächter schlaflose Nächte bereitete. Die hatten auch mit dem neusten Ableger der Reihe so gar keinen Spaß. In Deutschland musste daher zur Schere gegriffen werden und das nicht ohne Grund, denn LEATHERFACE strotzt nur vor zwanghaft eingestreuter Gewaltausbrüche, die generell den Anschein machen, als müsste man der nach Blut lechzenden Fangemeinde irgendwie gerecht werden. So bietet jede noch so banale Situation kontroversen Zündstoff. Da fliehen gewaltbereite Jugendliche aus einer psychiatrischen Anstalt und verstecken sich in einem leerstehenden Wohnwagen. Dort finden sie die verweste Überreste des Besitzers jener Unterkunft. Weil das allein nicht ausreicht, um zu schockieren, musste nachgeholfen werden. Deshalb müssen zwei der Teenager die modernden Knochen der Leiche in ihre Sexspiele mit einbeziehen. Ein Sinn dahinter bleibt verborgen. Freunde fragwürdiger Exploitation und Gewaltfans wird’s dennoch freuen.
 
 
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Unterm Strich ist LEATHERFACE nichts, das Nachdruck verleiht. Der Film ist grob und hart. Darüber hinaus bleibt aber nichts im Gedächtnis hängen, das sich von ähnlichen Streifen dieser Art abheben könnte. Weil der eigentliche Antiheld des Films im Zuge dummer Gewaltausbrüche verblasst ist dieser Brutalo-Blödsinn eine herbe Enttäuschung für jene, die mit den mehr oder weniger gelungenen Fortsetzungen des TEXAS CHAINSAW MASSACRE aufgewachsen sind. Dennoch wird das vermutlich kein Grund sein, weitere Ableger folgen zu lassen. Die werden mit Sicherheit kommen – ob man es will oder nicht.
 
 
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LEATHERFACE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Haarsträubendes Blut-Chaos wirr erzählt. Mit LEATHERACE bekleckern sich die Franzosen JULIEN MAURY und ALEXANDRE BUSTILLO nicht gerade mit Ruhm. Der Film beginnt als Psychiatriethriller, verwandelt sich anschließend zum blutigen Roadmovie und findet erst in den letzten Minuten zu eigentlicher Stärke zurück, durch die das TEXAS CHAINSAW MASSACRE bekannt geworden ist. Die Verwandlung von LEATHERFACE zum unberechenbaren Monster ist unglaubhaft und auch nicht gerade ausführlich. Der Grund: hier stehen andere Figuren im Mittelpunkt und der eigentliche Filmheld kommt zu kurz. Statt sich von bekannten Pfaden zu distanzieren und wirklich mal die Jugendjahre des Serienkillers und dessen moralischen Abstieg zu beleuchten, setzt der Film erst mit der Volljährigkeit des Kettensägenmörders ein und überschlägt sich mit sinnloser Gewalt. Was bleibt ist ein unnötiges Sequel, das eigentlich niemand braucht und Fans der Reihe vor den Kopf stößt. Letztere werden gerade wegen unglaubhafter Erklärungsversuche so ziemlich enttäuscht über das sein, was Drehbuchautor SETH M. SHERWOOD mit der geliebten „Lederfresse“ angestellt hat. Manchmal ist es eben besser, wenn man das Analysieren von Filmmonster unterlässt damit ihnen nicht der Schrecken geraubt wird.
 
 
 


 
 
 

LEATHERFACE – Zensur

 
 
 
Die Bildsprache in LEATHERFACE ist hart. Das sahen auch die Prüfer der FSK so. LEATHERFACE musste vom Rechteinhaber EUROVIDEO MEDIEN geschnitten werden. Die bald erhältliche deutsche Kaufhausfassung ist demnach geschnitten. Aber Liebhaber filmischer Grausamkeiten dürfen sich freuen. TURBINE MEDIEN wird die ungeschnittene Fassung vertreiben.

 
 
 


 
 
 

LEATHERFACE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei EUROVIDEO MEDIEN)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003)
 
Texas Chainsaw Massacre: The Beginning (2006)
 
Texas Chainsaw 3D (2013)
 
Drifter (2016)
 
Wolf Creek 2 (2014)
 
The Redwood Massacre (2014)
 


Filmkritik: „Cult of Chucky“ (2017)

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CULT OF CHUCKY

Story

 
 
 
Die Killerpuppe Chucky ist wieder da. Die treibt nun in einer psychiatrischen Anstalt ihr Unwesen und hat es auf Patientin Nica Pierce (FIONA DOURIF) abgesehen, die dem fiesen Bösewicht vor einiger Zeit schon einmal das Handwerk gelegt hat.

 
 
 


 
 
 

CULT OF CHUCKY – Kritik

 
 
 
Was waren die 1980er kreativ und abwechslungsreich. Da hat man sich was getraut und mit einfallsreichen Spezialeffekten Horrorfans Freudentränen beschert. Zu einer dieser Trick-Meisterleistungen gehört zweifelsohne die Auferstehung der Mörderpuppe Chucky, die sich vermutlich gerade wegen ausgeklügelter Tricktechnik über die Jahrzehnte zum Lieblingskiller unter Horrorfans gemausert hat. Knapp 30 Jahre nach dem ersten Leinwandauftritt ist der Plastikkiller immer noch in aller Munde und auch immer noch nicht totzukriegen. So wurde der Antiheld über die Jahre verbrannt, erschossen, in Stücke zerteilt und sogar eingeschmolzen. Dennoch kam der Mörderwicht immer wieder zurück, was vermutlich auch auf die Beliebtheit der Horror-Kreatur zurückzuführen sein dürfte. Mittlerweile gehen die Geschichten rund um Chucky und seine mehr oder weniger zähen Opfer bereits in die siebte Runde. Darin mutet man dem Zuschauer Neuerungen zu, die das langlebige Franchise dringend nötig hat.
 
 
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Um dem nunmehr siebten Abenteuer des Plastikkillers folgen zu können, sollte man den Vorgänger gesehen haben. CULT OF CHUCKY knüpft nämlich genau da an, wo CURSE OF CHUCKY geendet hat und zeigt, wie sich die im Rollstuhl sitzende Nica Pierce (FIONA DOURIF aus ARBOR DEMON) ihren Ängsten stellen muss. Die wurde in eine psychiatrische Anstalt für geisteskranke Straftäter eingeliefert, weil ihr niemand Glauben schenken möchte, dass eine Puppe viele Menschen im Teil zuvor getötet hat. Nach vier Jahren Aufenthalt ist die Patientin aber zum Entschluss gekommen, dass sie wohl selbst das Massaker an der eigenen Familien begangen hat und nicht die von einem Serienkiller besessene Puppe Chucky. Leider passieren – als habe man es geahnt – plötzlich wieder seltsame Dinge. Alles beginnt mit einer neuen Therapiemethode bei der die traumatisierte Nica mit der Vergangenheit konfrontiert werden soll. Doch der neue Heilungsansatz nimmt schnell blutige Ausmaße an. Die bösartige Horrorpuppe hat nämlich einen Weg gefunden, wie sie der ohnehin schon verstörten Heldin das Leben zur Hölle machen kann und hinterlässt dabei eine grausame Spur der Verwüstung. Gott sei Dank ist Andy Barclay (ALEX VINCENT) zur Stelle. Der bekam die finsteren Machenschaften des Mörderwichts bereits in Kindertagen zu spüren und will nun der inhaftierten Nica helfen. Hoffentlich kommt er da nicht zu spät, denn wer die Chucky-Filme gesehen hat weiß, dass die Killerpuppe zäh, hartnäckig und einfallsreich ist.
 
 
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Kleiner Mann ganz groß. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet mit CULT OF CHUCKY ein neues Kapitel in der langlebigen Chucky-Saga aufgeschlagen wird. Der mittlerweile siebte Teil geht andre Pfade und lenkt die Reihe damit in eine neue Richtung. Die Mörderpuppe hat endlich einen Weg gefunden in andere Körper zu schlüpfen und muss nun nicht mehr zwangsläufig im alten Puppenkadaver das Killer-Dasein fristen. Das öffnet dem beliebten Puppenfranchise neue Türen und bringt frischen Wind in die allmählich nicht mehr ganz so frische Horror-Serie, die im Jahr 1988 mit für damalige Verhältnisse ausgefeilter Puppenmechanik Millionen Kinofans das Fürchten lehrte. Doch damit nicht genug. CULT OF CHUCKY bleibt seiner Gruselrichtung treu. Die wurde bereits im Vorgänger CURSE OF CHUCKY eingeschlagen, weil es Horrorfans nach eher komödiantischen Ablegern der Horror-Serie so wollten. Zu sehen gibt es sterile Psychiatrie-Atmosphäre, gorige Splatter-Momente und jede Menge Schocks. Überhaupt nimmt Regisseur DON MANCINI die Meinungen und Wünsche seiner Fans ernst und hat abermals einen Fanfilm inszeniert. So scharrte er für CULT OF CHUCKY nicht nur bekannte Gesichter aus früheren Teilen vor die Kamera (unbedingt bis nach dem Abspann warten!). Auch Anspielungen und Querverweise zu den bisherigen Filmen werden endlich beantwortet und machen das Chucky-Universum zu einer runden Angelegenheit. Dennoch muss man wieder Abstriche machen. CULT OF CHUCKY ist nämlich eine Videofortsetzung, die es erst gar nichts ins Kino geschafft hat. Das sieht man der Produktion an, die trotz frostigem Klinik-Look dann doch ihre Video-Herkunft nicht verbergen kann. Dem Plastik-Killer fehlt der Detailreichtum aus den Anfangsjahren. Dort war man besonders darum bemüht Mimik und Gestik der Puppe so menschlich wie möglich zu gestalten. Wegen Budgetgründen musste darauf verzichtet werden. Chucky sieht daher nicht mehr wie ein Kino-Chucky aus, sondern eben wie eine Killerpuppe für den Videomarkt – günstig aber zweckerfüllend. Nichtsdestotrotz dürfte das eingefleischte Fans nicht weiter stören. Die bekommen das zu sehen, was man eben von einem Chucky-Film erwartet. Die Mörderpuppe tötet abwechslungsreich und hat wie eh und je einen zynischen Spruch auf den Lippen. Dass aufgrund der Beliebtheit des Killer-Spielzeugs ein offenes Ende obligatorisch ist, dürfte wohl niemanden wundern. Wegen der neuen Richtung darf man gespannt sein, was da noch kommen wird – vielleicht auch mal wieder was auf der großen Leinwand. Verdient hätte es der Freddy Krueger aus Plastik allemal.
 
 
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CULT OF CHUCKY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Alles wie eh und je und doch irgendwie neu. Nach Schauer im Herrenhaus, einem Abstecher nach Las Vegas und blutigem Treiben beim Militär, verschlägt es die zynische Mörderpuppe nun in die Klapse. Chucky-Schöpfer und Regisseur DON MANCINI verlegt das Geschehen von CULT OF CHUCKY (vermutlich aus Budgetgründen) in eine Psychiatrie und profitiert von der Atmosphäre kühl-karger Klinikoptik. Somit werden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Weil man für triste Irrenhauskulisse nicht sonderlich viel Ausstattung benötigt, um Schauer einjagen zu können, war mehr Geld für Puppenmechanik und Splatter-Einlagen verfügbar. Leider kann CULT OF CHUCKY seine Videoherkunft nicht verleugnen und auch sonst vermisst man den abwechslungsreich gestalteten Kinolook vergangener Streifen der beliebten Puppen-Reihe. CULT OF CHUCKY benötigt ein wenig bis er an Fahrt gewinnt. Abermals wird zu Beginn verschleiert, wer hier Schabernack treibt. Weil jeder Zuschauer weiß, wer fürs Morden verantwortlich zeichnet, ist die künstlich aufgebaute Spannung fehl am Platz. Trotzdem ist der siebte Ableger besser, als er sich hier vermutlich liest. Ein Großteil dessen ist auf Neuerungen zurückzuführen, denn CULT OF CHUCKY geht überraschend innovative Wege und haucht so dem angestaubten Horror-Franchise frischen Wind ein. Den hat die Gruselserie auch dringend nötig, entwickelten sich die letzten Teile der Reihe nicht sonderlich weiter. Trotzdem gilt auch bei CULT OF CHUCKY bekannte Faustregel: Entweder man liebt die kultige Mörderpuppe oder man mag sie eben nicht. Da man für den siebten Aufguss die bisherigen Fortsetzungen der Horror-Serie gesehen haben muss, um auch alle Anspielungen auf die Vorgänger verstehen zu können, richtet sich CULT OF CHUCKY ohnehin an eingefleischte Fans des etwas anderen Serienkillers. Wir zumindest haben uns gut unterhalten gefühlt und sind froh Chucky wieder in blutiger Aktion gesehen zu haben. Das rabenschwarze Töten hat der Antiheld freilich nicht verlernt und ist auch im siebten Teil Programm. Der ist im Übrigen reichlich splattrig ausgefallen. CHUCKY 7 gehört demnach zum blutigsten Film der Reihe.
 
 
 


 
 
 

CULT OF CHUCKY – Zensur

 
 
 
CULT OF CHUCKY hat einige sehr blutige Szenen zu bieten. Die sind zwar überschaubar, aber dennoch sehr deftig. Dabei dürfte der blutigste Moment jener sein, in dem eine Protagonistin von herabfallenden Glasscherben zerstückelt wird. Hierzulande gab es für CHUCKY 7 eine Erwachsenenfreigabe – keine Jugendfreigabe. Geschnitten musste nichts werden.
 
 
 


 
 
 

CULT OF CHUCKY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universal Pictures Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Cult of Chucky; USA 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS 5.1, Italienisch DTS 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Niederländisch, Türkisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Dänisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch, Isländisch, Arabisch, Hindi

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Unveröffentlichte Szenen (05:43), Im Wahnsinn von Cult of Chucky (06:42), Good Guy Gone Bad: Die Inkarnation Chuckys (05:01), Das Puppenhaus (07:36)

Release-Termin: 09.11.2017

 

Cult of Chucky [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

CULT OF CHUCKY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Universal Pictures Deutschland)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Robert the Doll (2015)
 
Annabelle 2 (2017)
 
Dolly Dearest (1991)
 
Chucky – Die Mörderpuppe (1988)
 


Filmkritik: „Clowntergeist“ (2017)

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CLOWNTERGEIST

Story

 
 
 

Eine Studentin wird von einem heimtückischen Killer-Clown namens Ribcage terrorisiert. Doch die weiß sich zu wehren – was anderes hätte man von dieser Gattung Film auch nicht erwartet.

 
 
 


 
 
 

CLOWNTERGEIST – Kritik

 
 
 
Solche Heuler wie CLOWNTERGEIST werden nicht einfach zufällig gedreht. Dahinter steckt Kalkül – vor allem dann, wenn Filme mit ähnlichem Thema Kinokassen klingeln lassen. Die Neuverfilmung des Stephen King-Klassikers ES dürfte ausschlaggebender Punkt gewesen sein, warum dieser Streifen überhaupt das Licht der Welt erblicken durfte. In Fachkreisen bezeichnet man daher solche Filme wie CLOWNTERGEIST als Mockbuster, die nur deshalb entstehen, um im Fahrwasser anderer erfolgreicher Machwerke schnelles Geld verdienen zu können. Keine unkluge Entscheidung von Regisseur AARON MIRTES. Der will mit der Angst vor gemein grinsenden Spaßmachern Kasse machen und springt auf dem Clown-Horror-Trend auf, der seit dem Herbst 2017 wieder in aller Munde ist. Trotz Marketingmasche ist interessant, wie es überhaupt zum Film kam. Die Idee wurde bereits 2012 geboren. Da war der Filmemacher noch in der High School und sollte für die Theaterklasse eine Geschichte vor Publikum erzählen, die ihn bereits das ganze Leben beunruhigt. So berichtete der phantasiebegabte Schüler von einer schaurigen Legende über eine mysteriöse Clown-Statue, die ihn seit Kindertagen keine Ruhe ließ. Die Geschichte kam gut an und man sprach Mirtes Mut zu, doch den Stoff als Film auf die Leinwand zu bringen. Gesagt getan. Im selben Jahr entstand unter dem Titel THE CLOWN STATUE ein Kurzfilm des Regisseurs. Weil der Fünfminüter Lob erhielt, griff der Filmemacher die Idee mehrere Jahre später erneut auf und machte daraus einen abendfüllenden Spielfilm, denn er pünktlich zum Kinostart des Stephen King-Horror ES unter dem Titel CLOWNTERGEIST in die Händlerregale brachte. Wenn das mal kein Zufall ist.
 
 
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Von Ballons, die den Tod voraussagen und Killer-Clowns, die ganz schön nerven können. In CLOWNTERGEIST wird die taffe Emma (BRITTANY BELLAND) mit Ängsten konfrontiert. Die leidet an Coulrophobie und hat eine panische Angst vor Clowns. Nicht unbegründet, wie der Film beweist, in dem sie die erste Geige spielt. Die Studentin wird nämlich in Träumen von einem bösartigen Killer verfolgt, der auch bald im richtigen Leben alle Regeln des Terrorisierens beherrscht. So entdeckt die Heldin Ballons auf denen ihr Todesdatum vermerkt ist. Zwei Tage hat sich nun Zeit ihrem tödlichen Schicksal zu entkommen, denn die fiese Kreatur aus ihren Träumen macht nun auch im richtigen Leben jagt auf die Studierende. Gut, dass sie einige Freunde hat, die sich um das Wohl der Verfolgten sorgen machen. Die lernen auch bald den bösartigen Verfolger kennen und müssen um ihr Leben bangen. Wie sich herausstellt ist der Killer von dämonischen Kräften besessen und hat große Ziele. Von denen erfährt der Zuschauer erst am Ende von CLOWNTERGEIST. Sonderlich erbaulich sind die aber nicht, denn die Geschichte dieses seltsamen Streifens macht nicht viel Sinn.  
 
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Übel, was mittlerweile alles unter dem Begriff Horror verkauft wird. Hier stimmt einfach gar nichts. CLOWNTERGEIST ist ein Schnarcher vor dem Herrn und hat weder roten Faden noch Spannung zu bieten. In diesem Fall haben einschlägige Filmportale recht. Liest man nämlich Bewertungen auf der internationalen Filmdatenbank IMDB zum Streifen, dürfte sich manch flaues Gefühl im Bauch bewahrheiten. Das Poster zu CLOWNTERGEIST wurde nämlich verdächtig reißerisch in Szene gesetzt. Erfahrene Horror-Gucker wissen, dass das in der Regel nichts Gutes verheißt, denn sehenswerte Horrorfilm müssen nicht mit plakativen Werbebildchen um die Gunst der Horrorgemeinde buhlen. CLOWNTERGEIST ist Horror im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht, weil der Film so unvorstellbar gruselig oder brutal ist. Vielmehr ist CLOWNTERGEIST Horror pur, weil er den Zuschauer vor Langeweile lähmt und sich damit auch noch unverschämt viel Zeit lässt. Der Streifen entpuppt sich als unstimmige Abfolge von Szenen, die so gar keine Spannung aufkommen lassen wollen. Immer wieder werden hier Menschen von einem dämonisch besessenen Clown terrorisiert, der im späteren Verlauf allmählich zu nerven beginnt. Die Kreatur taucht plötzlich in allen erdenklichen Situationen verschiedener Protagonisten auf und erschreckt mit roten Luftballons und komischen Visionen. Das mag sich beim Lesen vermutlich schaurig anhören, ist aber weder gruselig noch furchteinflößend. Stattdessen pendelt CLOWNTERGEIST unentschlossen zwischen Geister-Horror und Serienkiller-Genre und lässt den Zuschauer fordernd vor der Glotze zurück. Letzter verlangt nach Erklärungen, muss sich dazu aber bis zum Finale quälen in dem dann eine haarsträubende Auflösung über die Mattscheibe flimmert. Oh man, als Horrorfan muss man schon eine dicke Haut haben, um das ertragen zu können, was unerfahrene Filmemacher einem regelmäßig zumuten.
 
 
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CLOWNTERGEIST – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final

 
 
 
CLOWNTERGEIST ist undurchdachtes Horrorkino, das man am liebsten wieder aus dem Gedächtnis streichen möchte. Dabei ist das Hauptproblem dieses Clown-Horrors die Geschichte selbst, der es zu keiner Minute gelingt das Interesse des Zuschauers für sich zu beanspruchen. Der Film plätschert behäbig vor sich hin und versucht Schrecken mit plakativen Schreckmomenten zu erzeugen. Leider scheitert das Vorhaben, weil der Film einfach nicht spannend werden will und das obwohl Regisseur AARON MIRTES vehement versucht Gruselstimmung mit Neonlichtern, Synthesizer-Klängen und gelegentlichem Nebeleinsatz zu bewirken. Unterm Strich werden ausgelutschte Horrorklischees und bald nicht mehr ertragbare Wiederholungen geboten. Trotz kurzer Laufzeit von gerade einmal 80 Minuten war man schon nach eine halben Stunde ratlos, wie man die Geschichte fortführen soll. Daher werden immer gleiche Szeneverläufe nacheinander abgespult, um auf Spielfilmlänge zu kommen. So gewinnt man den Zuschauer leider nicht für sich. Die haarsträubende Auflösung tut da ihr Übriges. Finger weg von diesem Unsinn.
 
 
 


 
 
 

CLOWNTERGEIST – Zensur

 
 
 
Nicht nur der Film ist ein Schnarcher – CLOWNTERGEIST ist auch hinsichtlich gezeigter Gewalt ein Gähner. Viel gibt es davon nicht zu sehen. Die härteste Szene reduziert sich auf einen Luftballon in dem die pürierten Überreste eines Hundes gefüllt wurden. Diese soll die Filmheldin unter Zwang essen. Parallelen zu einer Szene aus NIGHTMARE ON ELM STREET 5 sind da vermutlich nur rein zufällig. Hierzulande dürfte CLOWNTERGEIST ohne Probleme eine FSK16 erhalten.

 
 
 


 
 
 

CLOWNTERGEIST – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Stitches – Böser Clown! ( 2012)
 
Killer Holiday (2013)
 
A Nightmare in Elm Street (1984)
 
ClownTown (2016)
 
Play: Tödliches Spiel (2014)
 
Traumdämon – Dream Demon (1988)
 
The Drownsman (2014)
 


Filmkritik: „Circus Kane“ (2017)

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CIRCUS KANE

Story

 
 
 

Ein Spiel mit Todesfolge: Einige Social Media Stars werden in ein gruseliges Anwesen geladen, wo sie schnelles Geld verdienen können. Leider wird den Gästen schnell klar, dass man schon mal sprichwörtlich über Leichen steigen muss, wenn man 250.000 Dollar gewinnen will.

 
 
 


 
 
 

CIRCUS KANE – Kritik

 
 
 
Das Filmjahr 2017 dürfte zweifelsohne in die Annalen des Horror-Genres eingehen. Horrorfilmkenner wissen auch wieso, denn jenes Jahr ist das Jahr fies grinsender Clown-Fratzen, die nicht lustig sein wollen, sondern töten möchten. Ganz weit vorn: die Neuverfilmung des Stephen King-Bestsellers ES. Die brach bereits vor dem offiziellen Kinostart diverse Rekorde und bescherte Rechteinhaber WARNER ein goldenes Näschen. Der Trailer wurde am Erstveröffentlichungstag so oft angeklickt, wie kein anderer Trailer bei Erscheinen zuvor. Doch dazu nicht genug. Die ES-Neuverfilmung entwickelte sich zum regelrechten Vorverkaufsrenner und wurde auf so mancher Kinoplattform zum Streifen mit den meisten vor dem Kinostart verkauften Eintrittskarten. Dass im Zuge des wiederauflebenden Clown-Hypes natürlich auch andere mitverdienen wollen, dürfte auf der Hand liegen. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. Doch man sollte sich nicht vor lauter Clown-Euphorie in die Irre führen lassen. Nicht überall wo schelmisch grinsende Spaßmacher aufs Cover gedruckt wurden, ist Horror im Stile eines ES enthalten. Wer sich zu leichtfertig blenden lässt gerät nämlich an Film wie CIRCUS KANE – ungenießbarer Billigmüll, den man nicht mal Menschen schenkt, die man nicht mag.
 
 
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Eine leicht abgeänderte Version des HOUSE ON HAUNTED HILL-Themas. In diesem unverschämt schlechten C-Movie geraten austauschbare Protagonisten (darunter ein nerviger TED MONTE, der Schauspieler Robert Downey Jr. wie aus dem Gesicht geschnitten ist) in die Fänge eines hinterlistigen Herren. Der tarnt sich als Clown und lädt seine Opfer in ein Haus des Schreckens ein. Dort können die naiven Social Media Stars eine Menge Geld verdienen – insofern sie die Nacht heil überstehen. 250.000 Dollar werden dem versprochen, der die nächsten Stunden furchtlos bleibt. Doch was sich anfangs als leichte Aufgabe herausstellt, wird bald zum Kraftakt. Im Gruselhaus wurden nämlich gefährliche Fallen platziert, die den Tod der Teilnehmer verursachen sollen. Doch die Todesfallen sind noch das kleinere Übel. Weitaus mehr Sorgen verursachen Mörder im Clown-Kostüm. Die schleichen leise durchs Gemäuer und tauchen just in Momenten auf, in denen die ahnungslosen Spielteilnehmer es nicht erwartet hätten und töten. So muss einer nach dem anderen sein Leben lassen, bis der letzte am Ende übrig bleibt – nur um dem Zuschauer den Sinn dieses blutigen Theaters zu erklären. Klingt irgendwie beliebig. Ist es auch.
 
 
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Genug über Inhalt und Spaßbremsen gesprochen – kommen wir zum eigentlichen Kern dieses günstig zusammengeschusterten Clown-Horrors. Anders als im Film verursacht der Streifen beim Zuschauer leider keine Gänsehaut. Vielmehr liegt der Fokus auf dem Zelebrieren blutiger Gewaltmomente, die in CIRCUS KANE jedenfalls so ziemlich oft zu sehen sind. Da wird ein Held während einer Zaubervorstellung – wie in WIZARD OF GORE – zersägt und erliegt seinen Verletzungen. Andere Protagonisten verfangen sich in Stacheldraht und sterben einen grausamen Tod – Argentos SUSPIRIA lässt grüßen. Überhaupt zitiert und kopiert dieser Film überraschend freizügig namhafte Horrorstreifen und ist darin nicht einmal gut. Ob trashige Splatter-Szenarien des kongenialen HERSCHELL GORDON LEWIS oder hinterhältige Folterfallen, die an den von JAMES WAN inszenierten SAW erinnern – CIRCUS KANE ist ein dreistes Hommage-Flickwerk, das sich lieber mit fremden Federn schmückt, statt Neuerungen zu bieten. Doch dreister Ideenklau ist nicht das einzige Problem dieses schnell für den Videomarkt gedrehten Horror-Blödsinns. Weitaus schlimmer wiegt da der Look von CIRCUS KANE, der sein überschaubares Budget nicht verbergen kann. Der Film schaut billig aus und lässt dabei jeglichen Hauch von Atmosphäre missen. Weil Darsteller kaum was können und hier mehr unbeholfen statt talentiert in Panik geraten entwickelt sich CIRCUS KANE schnell zur unfreiwilligen Parodie, die selbst Streifen aus den legendären ASYLUM STUDIOS wie intellektuelle Filmkunst aussehen lassen. Apropos THE ASYLUM: Regisseur CHRISTOPHER RAY kennt sich mit Zelluloidabfall aus. Der hat nämlich schon reichlich Stoff für genannte Filmschmiede verbrochen. Darunter Trash-Sternstunden wie 2-HEADED SHARK ATTACK oder BLOOD LAKE. Allein jene Tatsache dürfte für viele Horrorfans bereits Warnung genug sein, denn CIRCUS KANE bekleckert sich beim Unterhalten nicht gerade mit Ruhm.
 
 
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CIRCUS KANE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final

 
 
 

Uncharmantes C-Horror-Movie, das permanent Déjà-vu-Gefühle auslöst. Man muss schon eine große Leidenschaft für Trash und schlechte Filme besitzen, um CIRCUS KANE ertragen zu können. Klar gibt es hier viel Splatter zu sehen. Aber was nützen blutige Gewaltakte, wenn das Drumherum nicht stimmt. Der Clown-Horror schaut billig aus, ist spannungsarm und kann seine Videoherkunft nicht verbergen. Aber auch nervige Laiendarsteller und ein geistloses Drehbuch lassen Nackenhaare zu Berge stehen. Letzteres entpuppt sich als spannungsarmes Flickwerk, das die besten Ideen aus anderen Horrorfilmen stibitzt hat. Ist das Horror oder kann das weg? In diesem Falle gehört der genannte Zeiträuber eindeutig in die Tonne, denn das Leben ist einfach zu kurz für ungenießbare Filme.
 
 
 


 
 
 

CIRCUS KANE – Zensur

 
 
 
CIRCUS KANE ist billiger Videomüll, der schon sehr trashig in Szene gesetzt wurde. Zimperlich geht es hier nicht zu. Blut fließt reichlich – Gezeigtes wirkt aber zu keiner Zeit übertrieben hart, weil man der unprofessionellen Produktion das mangelnde Budget anzieht. Hierzulande dürfte der Clown-Horror eine Erwachsenenfreigabe in ungeschnittener Form erhalten.

 
 
 


 
 
 

CIRCUS KANE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Uncork’d Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Saw (2004)
 
Stitches – Böser Clown! ( 2012)
 
Killer Holiday (2013)
 
House on Haunted Hill (1999)
 
ClownTown (2016)
 
Play: Tödliches Spiel (2014)
 
The Funhouse Massacre (2015)