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Beiträge mit Schlagwort “keine Jugendfreigabe

Filmkritik: „The Barn“ (2016)

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THE BARN

Story

 
 
 
Einige Jugendliche entfachen in einer mysteriösen Scheune – natürlich pünktlich an Halloween – das Böse

 
 
 


 
 
 

THE BARN – Kritik

 
 
 
In den letzten Jahren haben wir sie hier schon ziemlich oft besprochen: Horrorfilme, die sich vor ihren Vorfahren längst vergangener Dekaden verbeugen. Was vor einigen Jahren noch als charmante Hommage an die Hochzeiten des Horrorfilms gefeiert wurde, hat leider längst an Glanz verloren. Der Grund ist denkbar einfach: Es gibt mittlerweile einfach zu viele Genre-Produktionen, die sich entweder von den Horrorfilmen aus den 1970ern oder den 1980ern inspirieren lassen. Der Splatter-Slasher THE BARN bildet da keine Ausnahme. Für diesen Low-Budget-Indiefilm musste mal wieder das goldene Jahrzehnt der Slasher-Streifen herhalten, das vor allem durch mal mehr, mal weniger brauchbare Plagiate und Fortsetzungen bekannter Meuchelklassiker wie A NIGHTMARE ON ELM STREET, HALLOWEEN oder FREITAG DER 13. berüchtigt wurde. Von genannter Kult-Ware ist THE BARN aber weit entfernt, auch wenn zweifelsohne dahinter eine Herzensangelegenheit steckt, die mit Hilfe von Crowdfunding fertiggestellt werden konnte. Dem Film mangelt es an Spannung, sympathischen Protagonisten und vor allem Neuerungen, die ihn hervorstechen lassen würden. Demzufolge ist es (zumindest für uns) unverständlich, weshalb der via Kickstarter finanzierte Old-School-Slasher auf Festivals mit Lob und Preisen nur so überhäuft wurde. Der technische Standard ist unterdurchschnittlich und nach Originalität sucht man vergebens. Da hat man in jüngster Vergangenheit weitaus Besseres gesehen, das derlei Lobpreisungen verdient hätte.
 
 
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An Halloween geht’s in amerikanischen Horrorfilmen meist rund. Ähnlich wie in NIGHT OF THE DEMONS von 1988 werden auch in THE BARN schaurige Legenden zu dämonischer Realität. Das müssen auch die besten Freunde Sam und Josh am eigenen Leib erfahren, die einen Heidenspaß daran haben, an Halloween Leute zu erschrecken und damit nicht immer auf Gegenliebe stoßen. Doch dieses Jahr soll alles anders werden. Treu der Devise „je oller, je doller“ wollen es die Kumpels im letzten Jahr an der High School noch mal so richtig krachen lassen. So soll das letzte Gruselfest vor dem Abschluss zum unvergesslichen Erlebnis werden. Dafür haben sich die Freunde ein Rockkonzert ausgesucht, das man gemeinsam mit der Clique besuchen möchte. Doch die Fahrt dahin endet anders als erwartet. Man macht einen kurzen Abstecher zu einer Scheune, über die man schaurige Geschichten erzählt. Die interessieren die Teenager nicht. Stattdessen macht man Scherze und dringt in das Gemäuer ein. Der Denkzettel folgt auf dem Fuße. Durch naive Unachtsamkeit entfachen Sie einen Fluch und erwecken drei dämonische Kreaturen zum Leben, mit denen nicht zu spaßen ist.
 
 
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THE BARN ist typisches Low-Budget-Futter, das man in den 1980ern vermutlich bis zum Erbrechen geschnitten und eingestaubt in den unteren Regalen der Videotheken vorgefunden hätte. Hier wird zitiert, was in genanntem Jahrzehnt horrorfilmtechnisch Rang und Namen hatte. Der Soundtrack bringt Klänge aus Coscarellis DAS BÖSE-Reihe zurück ins Gedächtnis, schaurige Lagerfeuer-Erzählungen erinnern an Camp-Schlitzereien der FREITAG DER 13.-Filme und blutige Dämonen-Schlachtereien wollen Raimis Amateur-Splatter TANZ DER TEUFEL Konkurrenz machen. Zumindest hinsichtlich der Blutmanschereien tobt man sich genüsslich aus und zelebriert handgemachte Spezialeffekte, die in ihrer absurden Zeigefreudigkeit tatsächlich das Horror-Feeling der 1980er einfangen. Leider lassen diese Splatter- und Meuchelmomente immer wieder auf sich warten. Bis die in ihrer vollen Pracht gezeigt werden, benötigt der Zuschauer Geduld. Erst nach knapp einer Stunde kommt das Massaker so richtig in Fahrt. Dann machen sich drei befreite Dämonen über die Bewohner eines verschlafenen Örtchens her, reißen Därme aus Bauchdecken oder schlagen Körperteile ab. Leider wird bis dahin viel gequasselt, ohne das sich überhaupt ein Spannungsbogen entwickeln kann. Das macht es nicht gerade einfach dem wenig originellen Treiben zu folgen. Demzufolge sollte man sich nicht zu viel vom ansprechend gestalteten Poster erhoffen. THE BARN ist trotz seines Retro-Charmes kaum der Rede wert, weil sich der Film zu verkrampft am Zitieren festhält und dabei vergisst, dass das Publikum von Heute dann doch ganz andere Sehgewohnheiten besitzt, wie noch vor 20 Jahren. Hier wird viel Retro aber mindestens genauso viel Leerlauf geboten, der die meisten Zuschauer zum frühen Abschalten bewegen wird. Weil THE BARN hinter dem Vorwand des gut gemeinten Zitierens trotzdem nur ein gemächlich und beliebig erzählter Slasher mit kurzen Morden und bekannter Geschichte ist, dürfte er gerade deswegen wohl auch niemanden mehr vom Hocker reißen – Hommage hin oder her. Auch wenn’s in den 1980ern schön war – neue Ideen sind heute im Horrorfilm so dringend nötig wie noch nie. Das scheinen die Macher dieses Horrorstreifens offenbar außer Acht gelassen zu haben.
 
 
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THE BARN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Eine Liebeserklärung an die Horrorfilme der 1980er. THE BARN ist ein Splatter-Slasher der alten Schule, der sich in der Machart an den vielen Horrorklassiker aus genanntem Jahrzehnt orientiert. Das bedeutet: Carpentereske Synthesizer-Klänge, schrille Rockmusik, handgemachte Spezialeffekte und dumme Teenager, die blutig über die Klinge springen müssen. In Interviews erläuterte Regisseur JUSTIN M. SEAMAN stolz, dass die Idee zum Film schon einige Jahre auf dem Buckel hat. THE BARN beruht nämlich auf einem Skript, das der Filmemacher bereits im Alter von blutjungen acht Jahren verfasst hat. Offenbar hatte der Horrorfan nach vielen Jahren der Leidenschaft zum Genre dann doch selbst mal das Verlangen, einen eigenen Horrorfilm nach seinem Geschmack zu drehen. Dank Crowdfunding war das einfacher als gedacht. Um das Gefühl jener Zeit auf Film bannen zu können, vor der man sich ehrfürchtig verbeugt, wurden gleiche Kameras und Belichtungsgerätschaften verwendet, die auch in den Horrorfilmen der 1980er zum Einsatz gekommen waren. Doch hat so viel Einsatz und Liebe zum Horrorkino gelohnt? Wir meinen nur bedingt, denn leider reduzieren sich die eigentlichen Höhepunkte in THE BARN auf die letzte halbe Stunde. Dann erst machen sich drei bekannte Horrorkreaturen (der Boogeyman, Hollow Jack, und die Vogelscheuche) auf, um einer Ortschaft die blutigen Leviten zu lesen. Weil zuvor jedoch kaum etwas passiert, dürften die meisten Zuschauer wegen aufkommender Müdigkeitserscheinungen erst gar nicht die kreativen Kills zu sehen bekommen, die sich im Finale ereignen. Wer wach bleibt wird aber entlohnt. Hinsichtlich der nett getricksten Kunstblut- und Latex-Manscherei gibt es Pluspunkte, denn einige der bösen Szenen schaffen es tatsächlich Erinnerung an jene Dekade wach werden zu lassen. Mehr originelle Ideen, ein durchdachtes Drehbuch und mehr Budget hätten aus THE BARN einen Hit gemacht. Weil aber an allen Ecken improvisiert und gespart werden musste und Regisseur JUSTIN M. SEAMAN was das Filmemachen angeht noch reichlich grün hinter den Ohren ist, ist der ambitionierte Retro-Horror dann doch mehr Grabbeltischware statt Geheimtipp. Übrigens hat man sich fürs Bewerben der Veröffentlichung etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Zeitgleich zum Erscheinen des Streifens, wurde in Amerika ein Videospiel fürs Handy veröffentlicht, das – wie hätte es auch anders sein sollen – mit 8-Bit-Animation an die Videospiele jener Dekade erinnert.
 
 
 


 
 
 

THE BARN – Zensur

 
 
 
Die meisten Schauwerte reduzieren sich in THE BArN auf die letzte halbe Stunde. Dann gibt es allerhand Hausgemachtes zu sehen, das aber trotzdem nicht sonderlich grausam anzuschauen ist. Mit viel Glück gibt es eine FSK16. Wahrscheinlicher ist aber eher eine Erwachsenenfreigabe mit rotem FSK-Flatschen auf dem Cover.
 
 
 


 
 
 

THE BARN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte Film für Grafiken liegen bei Nevermore Production Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Lost After Dark (2015)
 
Varsity Blood (2014)
 
Bloody Homecoming (2013)
 
Billy Club (2013)
 
Night of the Demons (1988)
 
Night of the Demons 2 (1994)
 
Night of the Demons – Remkae (2009)
 
Trailer Park of Terror (2008)
 
Hatchet (2006)
 
Hatchet 2 (2010)
 
Hatchet 3 (2013)
 


Filmkritik: „The Snare“ (2017)

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THE SNARE

Story

 
 
 
Drei Freunde wollen es sich einige Tage in einem leerstehenden Gebäudekomplex gemütlich machen. Leider muss man sich bald eingestehen, dass man dort eingeschlossen ist und der Magen knurrt.

 
 
 


 
 
 

THE SNARE – Kritik

 
 
 
Skrupelloser und heimtückischer als jeder Geist, Dämon oder Zombie ist der Mensch selbst. Das wird vor allem dann besonders deutlich, wenn er sich in Extremsituationen befindet und der egoistische Überlebenswille Anstand und Moral vergessen macht. So haben sich schon einige Filmemacher mit menschlichen Urinstinkten beschäftigt, die das Tier im Menschen geweckt haben. Die Folgen waren nicht immer schön anzuschauen, denn wenn es um Leben und Tod geht, ist in den meisten Fällen kaum mehr Zeit für Menschlichkeit. Ganz ähnlich passiert das auch im folgenden Film. Eine verzwickte Situation erweckt hier den Drang zum Überleben. Fernab von Kitsch und Klischees wird in THE SNARE die ungeschönte Wahrheit präsentiert. Der Mensch ist keineswegs kompromissbereit und nächstenliebend, sondern ichbezogen und rücksichtslos. Eine brisante Botschaft, die von Regisseur C.A.COOPER nicht minder kontrovers fürs Heimkino aufbereitet wurde. Der steigt hier in die Fußstapfen von Filmen wie HUNGER oder THE HOLE in denen erschütternd vor Augen geführt wurde, zu was man doch fähig sein kann, wenn man überleben will. Entstanden ist recht deftiger Tobak, der aber trotzdem nur bedingt überzeugen kann. Trotz diskussionswürdiger Grundlage, macht mal wieder ein Twist alles zunichte. Der drängt THE SNARE in eine andere Richtung und verwirrt den Zuschauer unnötig. Leider kommt das im Horrorgenre mittlerweile zu häufig vor. Im Falle dieses Psychothrillers dürften gut gemeinte Absichten dann doch eher für verärgerte Gesichter sorgen – irgendwie funktioniert die Überraschungswendung nicht so recht. Manchmal ist eben weniger mehr.
 
 
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Im deprimierenden Kammerstück THE SNARE verschlägt es die drei Mittdreißiger Alice, Carl und Lizzy in einen verlassenen Apartmentkomplex irgendwo am Hintern der Welt. Die Schlüssel hat Lizzy dem Vater stibitzt. Nun will man in einer Wohnung im oberen Stock des Hauses ein paar nette Tage verbringen. Leider bekommt der Zuschauer bald mit, dass die introvertierte Alice nicht alle Latten am Zaun hat. Sie wird von Tagträumen, Visionen und Albträumen gequält und schreibt sich die Angst im Tagebuch von der Seele. Doch die traumatisierte Psyche der gequälten Protagonistin rückt bald in den Hintergrund. Kaum hat es sich das Trio in der verlassenen Wohnung gemütlich gemacht, passiert das Unfassbare. Der Fahrstuhl funktioniert nicht mehr und die Freunde sitzen fest. Es gibt keine Möglichkeit mehr, die Wohnung zu verlassen. Zudem funktionieren die Telefone nicht. Eine erschreckende Einsicht, die bald schaurige Ausmaße erreicht. Das Essen wird nämlich knapp und auch Wasser kommt nicht mehr aus der Leitung. Psychische Strapazen, die aus Freunden bald Gegner macht. Ob die Drei einen Weg aus dem Gefängnis finden werden?
 
 
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Wer sich vom Poster blenden lässt, wird enttäuscht. THE SNARE ist kein Geister- oder Okkult-Horror, wie es das Plakat zum Film suggeriert. Hinter dem Streifen steckt mehr Psychothriller und Drama, als waschechter Horror. Das Grauen ist hier psychologischer Natur, macht aber nicht vor ungemütlicher Bilderflut halt. Regisseur C.A.COOPER beschreibt im ersten Langfilm das psychische Martyrium einer vom Vater missbrauchten Frau, die ihrem seelischen Gefängnis zu entkommen versucht. Leider sorgt die Flucht für Komplikationen, denn kaum der einen Hölle entkommen, verirrt sie sich gleich in der nächsten. THE SNARE ist nicht leicht zu durchschauen. Passiert das hier alles im Kopf der ohnehin traumatisierten Filmheldin Alice, verfällt die Filmheldin im psychischen Inferno dem Wahnsinn oder sind hier wirklich drei Menschen in einem Apartment eingeschlossen und gehen sich hier wegen Hunger und Psycho-Stress gegenseitig an die Gurgel. Sonderlich aufschlussreich ist die Handlung von THE SNARE nicht und wirklich plausible Antworten gibt Filmemacher C.A.COOPER nicht. Das hat selbst uns alte Filmhasen gefordert, was nicht gerade für den Film spricht. THE SNARE ist schwer zu entschlüsseln und strotzt nur so vor Metaphern und Zweideutigkeiten. Demzufolge ist dieser Psycho-Horror nichts fürs anspruchslose Publikum, das sich von plakativen Schocks und handgemachten Ekelhaftigkeiten berieseln lassen möchte. Letztere sind hier nichtsdestoweniger mehr als genug vorhanden. Trotzdem lebt THE SNARE dann doch vorrangig von seiner klaustrophobischen Ausgangssituation und den psychischen Strapazen seiner Hauptdarsteller. Die Ekeleffekte sind da nur schmückendes Beiwerk und sollen die verstörende Stimmung des Films unterstreichen. Vor allem in der zweiten Hälfte gelingt das dem eher gemächlich inszenierten Streifen ganz gut. Trotzdem ist THE SNARE keine Referenz in Sachen Psycho-Horror. Mehrfachinterpretationen verwirren und sollen wohl bei genauerer Betrachtung die vielen Plot-Löcher kaschieren, mit denen der britische Debütstreifen des Öfteren zu kämpfen hat. Dann doch besser noch mal Psychothriller wie DAS EXPERIMENT, DIE HÖHLE oder CUBE in den Player legen. Die protokollieren in schockierendem Ausmaß, wie sich in der platzarmen Enge der Gefangenschaft unterdrückte Ängste, Aggressionen und Begierden ihren Weg bahnen und Menschen zu grauenhaften Taten anstiften.
 
 
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THE SNARE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Um was geht es denn hier eigentlich? Dieser Psycho-Horror ist ein ziemliches Durcheinander, das definitiv nichts für jene ist, die im Film immer plausible Antworten auf dem Silbertablett serviert bekommen möchten. THE SNARE hat gleich ein paar Interpretationsansätze in petto, die aber nicht sonderlich gut funktionieren. Der Film fordert den Zuschauer mit Metaphern und Mehrdeutigkeiten und nimmt zu keiner Zeit richtig Stellung. Da sieht der Zuschauer in den Kopf einer traumatisierten Protagonistin und wird mit verstörenden Visionen konfrontiert. Ein anderes Mal werden Figuren dabei gefilmt, wie sie in Folge von Hunger und Durst unfassbare Dinge tun. Dabei stellt sich stets die Frage, was denn nun real ist und was denn nun dem Kopf der ohnehin bereits psychisch vorgeschädigten Filmheldin entspringt. Als Psychogramm einer traumatisierten Frau funktioniert THE SNARE demnach nicht sonderlich gut. Dazu verwirren Rückblenden, Visionen und Träume unnötig. Sieht man THE SNARE als klaustrophobisches Kammerstück über drei Menschen, die in Folge von Hunger und Durst den Respekt voreinander verlieren, hat der Film durchaus Höhepunkte und Daseinsberechtigung. Weil hier aber Grenzen verschwimmen und der Zuschauer bald selbst keinen Überblick mehr über Geschehnisse im Film hat, dürfte sich dieser Psychothriller mit seiner verworrenen Machart nicht sonderlich viele Freunde machen.
 
 
 


 
 
 

THE SNARE – Zensur

 
 
 
Trotz Psychothriller sind in THE SNARE einige deftige Sachen zu sehen. Vom Vergewaltigen von Frauen, über das Verspeisen von menschlichem Fleisch ist hier allerhand kontroverses Zeug zu sehen, das wohl eine Erwachsenenfreigabe rechtfertigt. Wir vermuten, dass THE SNARE wohl einen roten FSK-Flatschen erhalten wird. Dafür aber in ungeschnittener Form.
 
 
 


 
 
 

THE SNARE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte Film für Grafiken liegen bei Bohemian Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hunger (2009)
 
The Noonday Witch (2016)
 
Vile – Pain (2011)
 
Die Höhle – Überleben ist ein Instinkt, keine Wahl (2014)


Filmkritik: „Scathing“ (2016)

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SCATHING

Story

 
 
 
Zwei Frischverliebte geraten in die Fänge eines skrupellosen Kannibalen.
 
 
 


 
 
 

SCATHING – Kritik

 
 
 
Wie sich Zeiten ändern. Vor zwanzig Jahren noch haben leidenschaftliche Filmliebhaber mit Videokamera und Freunden in der Garage ihre eigenen Horrorfilme gedreht. In den meisten Fällen war der hervorgebrachte Blödsinn wegen mangelnder Professionalität, fehlendem Budget und unzureichendem Equipment kaum zu ertragen. Dank Wegbereiter modernen Amateur-Horrors wie JÖRG BUTTGEREIT oder OLAF ITTENBACH konnte sich dennoch ein kleiner Nischenmarkt etablieren, der auch heute noch im Untergrund lauert und durchaus seine Fans hat. Mittlerweile hat sich das Blatt aber gewendet. Amateur-Horror lässt sich in einer hochmodernen Zeit wie der heutigen nicht mehr so einfach als solcher identifizieren. Dazu hat vor allem die allgegenwärtige Digitalisierung beigetragen, die ästhetische Videoschnipsel auf heimische TV-Geräte manövriert, die man zuvor mit dem Handy oder Urlaubskamera aufgenommen hat. Jeder kann Horrorfilme drehen. Ein Smartphone und zugehörige Handyprogramme reichen aus, um HD-Schocker zu inszenieren. Schnittsoftware und Farbfilter gibt’s im Internet als Downloads zuhauf. So kann man den Horrorfilm Marke Eigenbau mit individueller Handschrift versehen. Ein Grund mehr, warum Amateur-Schocker von heute so aussehen, wie Hollywood-Filme von vor 30 Jahren. Eine beunruhigende Entwicklung, die schon so einigen Horrorfilmfans Lebenszeit geraubt hat, weil sich hinter hochauflösender Grusel-Ästhetik nicht selten grauenhafte Amateur-Drehbücher und untalentierte Laiendarsteller versteckt haben.
 
 
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Auch für den Horrorfilm SCATHING trifft das zu. Der Film wurde mit 4K-Kameras gedreht und schaut dementsprechend auch fabelhaft aus. Leider dürfte schnell die Freude am visuellen Gaumenschmaus vergehen, wenn man genauer unter die Lupe nimmt, was überhaupt geboten wird. Viel ist das leider nicht, denn die Handlung ist erschreckend rudimentär und orientiert sich beim Aufbau am Slasher-Einerlei der letzten gefühlt 100 Jahre. Im Langfilmdebüt von Regisseur JOSEPH MAZZAFERRO will Teenager Amanda (ALLIE SPARKS) nicht auf die Eltern hören. Die darf nicht außer Haus, springt aber trotzdem ins Auto von Boyfriend Adam (MICHAEL FRASCINO), der Lust auf Fummeln und Anfassen hat. Der Flitzer wird auf menschenleerem Gelände geparkt, damit man ungestört knutschen kann. Doch Ungehorsam muss bestraft werden. So springt am nächsten Morgen der Motor nicht an. Freunde eilen zur Hilfe und geraten ins Visier eines gewissenlosen Kannibalen, der in seiner Hütte Menschen zerlegt und verspeist. Keine guten Voraussetzungen für Amanda und Adam. Die können sich noch rechtzeitig im Auto verschanzen, während die Freunde auf grausame Weise ihr Leben lassen müssen. Was folgt, hat man schon so oft gesehen. Der Killer spielt mit seinen Opfern perfide Spiele und sorgt damit für unerträgliches Opfergeschrei. Immerhin spritzt dabei reichlich Blut, sodass zumindest Gorehounds zufriedengestellt werden können. Alle übrigen Zuschauer dürften wegen stümperhafter Schnitte, schlechter Ausleuchtung und fiesem Schauspiel schon nach wenigen Minuten das Weite suchen.
 
 
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Willkommen zur Slasher-Version des King’schen Roman-Albtraums CUJO. So zumindest lässt sich am besten beschreiben, was dem Zuschauer in SCATHING zugemutet wird. Hier flüchten zwei nicht sonderlich kluge Teenager in ein Auto, das wenig später von einem langhaarigen Psychopathen belagert wird. Letzterer trägt aus nicht näher erläuterten Gründen einen Schweißerhelm und erinnert wegen seiner hünenhaften Erscheinung an Killer in Filmen wie BIKINI GIRLS ON ICE und HAZARD JACK. Weil der Filmbösewicht nicht gerade zimperlich zur Sache geht und gern mal an Menschenherzen oder Babys knabbert, wird ein gesunder Magen vorausgesetzt. Der ist vor allem deshalb wichtig, weil einige der billigen Effekte wegen ihrer schmuddeligen Inszenierung dann doch recht hart anzusehen sind. Da werden Opfer ausgeweidet und zerstückelt. Ganz zur Freude der Splatter-Fraktion, die an den kruden Ekelmomenten ihre Freude haben wird. Leider ist der technisch solide in Szene gesetzte Amateur-Backwood-Slasher trotzdem kein Hit. Die Gewaltmomente sind nämlich das einzige, was in Erinnerung bleibt. Der Rest ist unzumutbar, wobei vor allem das unerträgliche Schauspiel zu nennen wäre. Hier hat man wohl Leute von der Straße aufgelesen, die sich für eine Packung Chips vor der Kamera zum Apfel machen wollten. Gott sei Dank mussten die untalentierten Jungdarsteller nur wenig Text lernen, denn außer Schreien, Winseln und schließlich Sterben wird den Leutchen nicht viel abverlangt. Umso verwunderlicher, was Regisseur JOSEPH MAZZAFERRO in der Kickstarter-Kampagne zu SCATHING schrieb. Leicht selbstüberschätzt erklärte er spendablen Fans dort, was er sich vom ersten Langfilm erhofft: I aim to make the critics say this is the best horror film of it’s kind since Friday the 13th.
 
 
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SCATHING – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
BIKINI GIRLS ON ICE meets HAZARD JACK. SCATHING ist ein Amateur-Slasher der neuen Generation, der dank 4K-Kameras ziemlich gut ausschaut und zumindest visuell gesehen vielen Meuchelfilmen aus den 1980ern um Längen voraus ist. Inhaltlich wird hier aber auf Sparflamme geköchelt. Zwei Teenager werden von einem Psychopathen tyrannisiert, der Lust auf Katz- und Mausspiele hat. Die Atmosphäre mit ihrer dreckigen Optik und der Ablauf der Handlung erinnert an das TEXAS CHAINSAW MASSACRE aus der Mache des MICHAEL BAY. Trotzdem sollte man erst gar nicht versuchen, irgendwelche Vergleiche zu ziehen. SCATHING ist eine ganz andere Hausnummer und wurde vermutlich mit einem Minimum an Dollars umgesetzt. Das wird vor allem beim rudimentären Drehbuch und an den mehr als schlechten Schauspielern deutlich. Zumindest gewalttechnisch tischt SCATHING groß auf. Wer sich damit zufrieden gibt und sich dessen bewusst ist, dass es sich hier immer noch um Amateurware handelt, kann gern mal einen Blick wagen – sollte aber nicht zuviel erwarten.
 
 
 


 
 
 

SCATHING – Zensur

 
 
 
In SCATHING geht es nicht gerade zimperlich zu. Von Ausweidungen über Zerstückelung von Menschen gibt es einiges zu sehen. Zudem knabbert der Filmkiller gern mal an menschlichen Herzen oder brät sich ein Baby. Wegen des schlecht ausgeleuchteten Amateurlooks sehen die simpel getricksten Spezialeffekte doch recht heftig aus. Weil es in der Vergangenheit schon ähnliche Filme gegeben hat (u.a. SLASHER IN THE WOODS) dürfte SCATHING wohl nur geschnitten in Deutschland erscheinen – insofern der Film hier überhaupt ausgewertet werden sollte.
 
 
 


 
 
 

SCATHING – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte Film für Grafiken liegen bei Midnight Releasing)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Slasher in the Woods (2013)
 
Pinup Dolls on Ice (2013)
 
Girlhouse – Töte, was du nicht kriegen kannst (2014)
 
Hazard Jack (2014)


Filmkritik: „Good Tidings“ (2016)

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GOOD TIDINGS

Story

 
 
 
Drei Killer im Weihnachtsmannkostüm sind unterwegs. Die möchten bestrafen und tauschen Ruten gegen Mordwerkzeuge aus. Leider müssen ahnungslose Obdachlose dran glauben. Die wollten in einem Gerichtsgebäude eigentlich das Weihnachtsfest feiern, merken aber schon bald, dass sie dort in der Falle sitzen.

 
 
 


 
 
 

GOOD TIDINGS – Kritik

 
 
 
Alle Jahre wieder kommen nicht nur weihnachtliche Animations- und Familienfilme in die Kinos. Auch an schockhungrige Horrorfans wird gedacht, die um die Weihnachtszeit mit bitterbösen Filmalbträumen versorgt werden wollen, damit die schönste Zeit des Jahres auch für Liebhaber des düsteren Genres zum Fest wird. So haben Horrorfilme wie SILENT NIGHT, BÖSE WEIHNACHT oder SAINT gezeigt, dass der Weihnachtsmann nicht zwangsläufig immer nur Gaben bringt. Manchmal hat er auch den Tod im Gepäck oder sorgt mit spitzem Werkzeug für Zucht und Ordnung. Für Freunde morbider Weihnachtsüberraschungen durchaus Grund zur Freude, die sich aber im Falle des folgenden Horrorstreifens schnell legen dürfte. GOOD TIDINGS nennt sich ein weiterer Horrorfilm, der weihnachtliche Bräuche und Sitten für Mord und Todschlag missbraucht. Darin sind rot vermummten Gabenschenker unterwegs, die offensichtlich keine Lust auf Besinnlichkeit haben und auf Zwang töten müssen. Klingt beim Lesen annehmbar, ist bei genauerer Betrachtung aber alles andere als erwähnenswert. GOOD TIDINGS besitzt nämlich kaum Spannung und ist mit 100 Minuten auch eindeutig zu lang. Da hat man definitiv schon besseren Horror unterm Weihnachtsbaum gehabt.
 
 
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Im Terror-Slasher GOOD TIDINGS wollen es sich Obdachlose so richtig gut gehen lassen. Die lassen sich am Weihnachtstag in einem Gerichtsgebäude nieder, um dort friedlich und sicher die Festtage verbringen zu können. Warme Suppe und heiße Getränke sollen Sorgen vergessen lassen. Doch die sind schneller wieder da, als es den Heimatlosen lieb ist. Drei Psychopathen haben besondere Pläne. Die wollen die besinnliche Zeit nutzen, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Sie verschaffen sich als Weihnachtsmänner verkleidet Zugang zum Obdachlosenfest und richten dort ein Blutbad an. Leider kann niemand raus, denn die Ausgänge sind versperrt. Doch der Kriegsveteran Sam Baker (ALAN MULHALL) lässt sich nicht einschüchtern. Der krempelt die Ärmel hoch und versucht sich zu wehren. Was folgt, wird für die Opfer eine lange Nacht des Grauens. Trotz Gegenwehr sterben die Menschen hier wie die Fliegen. Doch man wächst über sich hinaus und nimmt den Kampf gegen Gegner auf, die offenbar keine Gnade kennen.
 
 
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Als Liebesbrief an die blutigen Slasher der 1970er und 1980er beschreibt Regisseur STUART W. BEDFORD den von ihm fabrizierten Blödsinn, für den er sich von bekannten Genre-Filmen hat inspirieren lassen. So haben nicht nur alte Klassiker wie BLACK CHRISTMAS, SILENT NIGHT DEADLY NIGHT oder ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT beim Macher Eindruck hinterlassen. Auch Schocker neueren Datums wie YOU’RE NEXT und THE PURGE fanden in Interviews namentlich Erwähnung und sollen für den Regie-Neuling als Inspirationsgrundlage gedient haben. Leider erreicht dieses Filmdebüt nicht einmal ansatzweise die Qualitäten genannter Horrorware, denn in Erinnerung bleibt hier nichts. Drei stumme Killer schlitzen sich in diesem Streifen teils hölzern durch das Fleisch ahnungsloser Menschen. Die Beweggründe werden nicht genannt und Schockwirkungen bleiben auch aus, weil es dem Film an Kompromisslosigkeit mangelt. GOOD TIDINGS lebt ausschließlich von seinen Morden, die aber aus Budgetgründen nur selten gezeigt werden. Das bedeutet, dass der Zuschauer in der Regel die Resultate der hinterlistigen Taten zu sehen bekommt, was in Zeiten kaltschnäuziger Hochglanz-Slasher irgendwie altbacken anmutet.
 
 
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Doch nicht nur die mangelnde Zeigefreudigkeit alle Morde dürfte Slasher-Fans enttäuschen. Auch mit dem traurigen Rest lässt sich wohl kaum ein Blumentopf gewinnen. Zwar wirkt das Szenario wegen des ungeschliffenen Low-Budget-Looks stimmungsvoll und an der musikalischen Untermauerung in Form von grummelnden Männerstimmen lässt sich nichts aussetzen. Trotzdem fehlt es GOOD TIDINGS an Tempo und Spannung, was gerade in jenen Filme unverzichtbar ist, die die Nerven der Zuschauer strapazieren wollen. Letztere dürften schnell die Lust am zwanghaft auf Terror getrimmten Slasher-Reigen verlieren und das Laufzeit-Display des Filmabspielgerätes im Auge behalten. GOOD TIDINGS ist ein Schnarcher vor dem Herrn und spult das langweilig ab, was man in den vielen Meuchelfilmen zu Genüge gesehen hat, vor denen sich der Filmemacher ehrfürchtig verbeugt. Dann doch lieber noch einmal SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT anschauen. Der Klassiker von 1981 wirkt zwar für heutige Verhältnisse reichlich antiquiert, erfreut aber mit naiven Charme und einigen wirklich schmerzhaften Spezialeffekten. Weihnachtshorrorfilme sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren.
 
 
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GOOD TIDINGS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein atmosphärischer Slasher der alten Schule, welcher sich irgendwo zwischen ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT und SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT bewegt. Leider handelt es sich bei GOOD TIDINGS um keinen Beitrag der Sparte „Weihnachts-Horror“ den man unbedingt erwähnen müsste. Der Terror-Slasher ist furchtbar spannungsarm, weil hier mal nur das Morden im Vordergrund steht. Eine Geschichte gibt es nicht. Stattdessen vergeudet der Streifen knapp 100 Minuten damit, ohnehin schon bemitleidenswerte Menschen zu terrorisieren und abzuschlachten. Wer jetzt aber glaubt, dass das blutig, brutal und grausam anzuschauen ist, wird eines Besseren belehrt. GOOD TIDINGS ist kein neuer MARTYRS oder HIGH TENSION. Der Streifen zitiert zwar viele Slasher der 1980er, blendet aber meist weg, wenn es für Splatterfans interessant wird. Auf die Frage, warum man GOOD TIDINGS gedreht habe, antworteten die Macher, dass es einfach immer noch zu wenige Horrorfilme gibt, die in der Weihnachtszeit spielen. Da hat man eindeutig recht. Trotzdem bereichert GOOD TIDINGS das Weihnachts-Horror-Genre keineswegs. Hier gibt es nämlich kaum Neuerungen zu sehen. Alles wird nach bekannter Slasher-Formel abgespult. Da fühlt man sich als Zuschauer schon etwas verschaukelt, wenn man in Interviews liest, dass Regisseur STUART W. BEDFORD versucht hat gegen den Strom zu schwimmen und mit GOOD TIDINGS etwas Neues zu inszenieren. Angeblich hat er hier versucht die Konventionen des Slasher-Genres zu verdrehen und äußert sogar Gesellschaftskritik. Zudem wird der Film sogar als metaphernreiche Horror-Satire beworben. Sicher, dass er den gleichen Film meint?
 
 
 


 
 
 

GOOD TIDINGS – Zensur

 
 
 
Zwar ist GOOD TIDINGS keine Gewaltgranate. Trotzdem gibt es einiges zu sehen. Eine Machete wird durch einen Körper gerammt, Köpfe abgeschlagen und Zuckerstangen in Augen gebohrt. Zwar wird oft weggeblendet und Resultate gezeigt. Dennoch hat der Streifen zahlreiche Gemeinheiten zu bieten – von einem Slasher hätte man wohl auch nichts anderes erwartet. Im Vergleich zu neueren Streifen dieser Art, ist die gezeigte Gewalt aber nicht sonderlich grausam anzuschauen. Sollte GOOD TIDINGS hierzulande einen Rechteinhaber finden, dürfte es ohne Probleme für eine Erwachsenenfreigabe in ungeschnittener Form reichen.
 
 
 


 
 
 

GOOD TIDINGS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
All trough the House (2015)
 
Silent Night (2012)
 
Rare Exports (2010)
 
Black Christmas – Stille Nacht, tödliche Nacht (2006)
 
Deadly Games – Alleine gegen den Weihnachtsmann (1989)
 
Santa’s Slay – Blutige Weihnachten (2005)
 


Filmkritik: „Beyond the Gates“ (2016)

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BEYOND THE GATES

Story

 
 
 
Ein mysteriöses Video-Brettspiel wird für zwei sich entfremdete Brüder zu Herausforderung. Wer es einmal begonnen hat, muss es zu Ende spielen. Anderenfalls ist der Tod bereits vorprogrammiert.
 
 
 


 
 
 

BEYOND THE GATES – Kritik

 
 
 
Wir begeben uns jetzt zurück in eine Zeit, wo man sich als Fan noch von der Couch erheben musste, um neue Filme sehen zu können. Die hat man bis vor einigen Jahren noch ganz unkompliziert in der Videothek leihen können, wo selbst ausgefallene Nischenfilme ihre Daseinsberechtigung fanden. Was aber mit der Einführung der Videokassette Anfang der 1980er zu einem regelrechten Heimkino-Boom führte, ist im Zeitalter der Digitalisierung Schnee von gestern. Die Videotheken erleben seit Jahren ein Massensterben, weil die Kinohits dank schnellem Breitbandanschluss aus dem Internet in die Wohnzimmer kommen. Dass in solch fortschrittlichen Filmzeiten kaum noch jemand in müffelnden Videotheken stöbern oder auf bereits verliehene Streifen warten möchte, dürfte eine bittere Konsequenz sein mit der sich einige Filmemacher nicht so recht anfreunden möchten. Die lassen längst vergessene Zeiten in ihren Streifen erneut aufleben und versuchen einer neuen Generation an Filmfans nahe zu bringen, wie noch die Eltern in der Jugend Film geschaut haben.
 
 
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Nicht zurück in die Zukunft, dafür zurück in die 1980ern geht es mit dem Indie-Horror BEYOND THE GATES, der sich ehrfürchtig vor längst vergessene VHS-Zeiten verbeugt. Darin müssen sich die beiden Brüder Gordon (GRAHAM SKIPPER aus THE MIND’S EYE und ALMOST HUMAN) und John (CHASE WILLIAMSON aus SIREN) durch das Vermächtnis des Vaters arbeiten. Von dem ist seit geraumer Zeit weit und breit keine Spur, weshalb sich die entfremdeten Geschwister aufmachen, um die Videothek des verschollenen Familienoberhauptes auszuräumen. Bei der Entrümpelung stoßen sie auf ein merkwürdiges Video-Brettspiel, das wohl der Vater zuletzt benutzt haben muss. Weil man noch einmal kurz die schmuddelige Videotheken-Ära aufleben lassen und in Erinnerungen schwelgen möchte, beginnt man das mysteriöse Game mit dem eigensinnigen Titel „Beyond the Gates“ zu spielen. Was daraufhin folgt, lässt den Brüdern das Blut in den Adern gefrieren. Die Moderatorin auf der Videokassette zum Spiel scheint ein schauriges Eigenleben zu führen. Deren Kommentare passen aus unerklärbaren Gründen immer zum Spielablauf, was den Geschwistern Sorgen bereitet. Die ist auch berechtigt, denn bald passieren weitaus mysteriösere Dinge. Erst sind es furchterregende Albträume, die die Männer um den Schlaf bringen. Später ist es eine allgegenwärtige Aura des Bösen, die das Verhältnis der Geschwister auf die Probe stellt. Natürlich ist der Ursprung allen Übels im Brettspiel zu suchen. Leider lässt sich „Beyond the Gates“ nicht ohne Weiteres beenden. Wer das Spiel einmal begonnen hat zu spielen, muss es auch zu Ende bringen. Tut man es nicht, wartet der Tod. Tja, manchmal ist es eben besser, wenn man Gebrauchsanleitungen studiert.
 
 
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Willkommen zur Erwachsenen-Version von JUMANJI. So lässt sich BEYOND THE GATES nämlich am besten beschreiben, bei dem es sich mal wieder um einen ungeschliffenen Horror-Indie handelt, der sich was traut. Regisseur JACKSON STEWART versucht hier gegen den Strom zu schwimmen und scheut Konventionen. Das bedeutet, dass der Handlungsverlauf vor allem auch wegen der teils surrealen Einfälle nicht einfach zu durchschauen ist. In BEYOND THE GATES kommen nicht nur zarte Synthesizerklänge aus den 1980ern zum Einsatz, bei denen man schwören könnte, dass man die schon in anderen Horrorfilmen jener Zeit zu hören bekommen hat. Hier wird sich zudem vor Genre-Regisseuren genannter Dekade verbeugt, die dieses Jahrzehnt vor allem bei Zensurwächtern so berüchtigt gemacht haben. Da erinnert Filmemacher und Newcomer JACKSON STEWART mit befremdlichen Farbspielereien an die Werke des mittlerweile eingerosteten DARIO ARGENTO. Handgemachte Splatter- und Matschorgien lassen Revue passieren, wie kreativ man mit Glibber, Gips, Kunstblut und Latex in der Blütezeit des Horrorfilms noch experimentiert hat. Zwar braucht BEYOND THE GATES ein wenig um in Fahrt zu kommen. Hat er endlich seine Richtung gefunden, dürfte der mutige Brettspiel-Horror vor allem Nostalgiker in Verzückung setzen. Wir meinen: Leidenschaftlicher Retro-Horror von einem ambitionierten Horrorfan, der mit Sicherheit die halbe Jugend in den Gruselabteilungen verschiedener Videotheken verbracht hat. Alte Horrorfilmkenner wird die extravagante Hommage Freudentränen bescheren. Wer’s makellos und glatt poliert braucht, ist hier an der falschen Adresse.
 
 
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BEYOND THE GATES – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wenn ein mysteriöses Brettspiel das Tor in eine andere Dimension öffnet. BEYOND THE GATES ist nichts fürs Massenpublikum. Dieser Streifen entpuppt sich als cineastische Herzensangelegenheit und richtet sich in erster Linie an jene, die in den 1980ern aufgewachsen sind. Dieses interessante Regie-Debüt vereint eine clevere Geschichte mit handgemachten Spezialeffekten und reichlich Retro-Feeling, das Nostalgiker ein Grinsen bescheren wird. Regisseur JACKSON STEWART, der sich selbst als großer Horrorfan bezeichnet und schon als Assistent für STUART GORDON tätig war, konnte für seinen ersten Spielfilm sogar eine namhafte Größe des Horrorgenres gewinnen. So war BARBARA CRAMPTON anfangs nur als Produzentin angedacht, ließ sich dann aber überreden in BEYOND THE GATES auch noch eine kleine Rolle als unheimliche Spielmoderatorin zu übernehmen. Die erfahrene Kult-Schauspielerin scheint nach Auftritten in Splatter-Granaten wie RE-ANIMATOR und FROM BEYOND offenbar Gefallen am Angstkino gefunden zu haben, weshalb man die beliebte Genre-Ikone immer mal wieder in solchen Streifen zu sehen bekommt. Zuletzt war das in YOU’RE NEXT und WE ARE STILL HERE der Fall. Dahinter verbarg sich gelungene Horrorunterhaltung neueren Datums, die man durchaus empfehlen kann. Gleiches gilt auch für BEYOND THE GATES, der wirklich gelungen ist – insofern man etwas mit den Horrorfilmen aus den 1980er und deren Machart anfangen kann. Atmosphärisch bewegt sich der Streifen irgendwo zwischen Euro-Horror aus der Mache des LUCIO FULCI und DARIO ARGENTO, was aber keinesfalls negativ zu bewerten ist. Ganz im Gegenteil. Hinter BEYOND THE GATES steckt ein leidenschaftliches und ehrgeiziges Filmprojekt mit viel Liebe zum Detail und jeder Menge Herzblut. Wer das zu schätzen weiß, wird gut unterhalten werden.
 
 


 
 
 

BEYOND THE GATES – Zensur

 
 
 
Auch wenn es der Film auf den ersten Blick nicht vermuten lässt – in einigen Szenen geht ordentlich die Post ab. Der wird die Splatter-Keule geschwungen und Köpfe zermatscht oder Därme aus Körpern gezogen. Hierzulande dürfte es für diese Zeigefreudigkeit vermutlich eine Erwachsenenfreigabe geben. Aber immerhin angeschnitten. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

BEYOND THE GATES – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen und Trailer liegen bei IFC Midnight)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jumanji (1995)
 
Zathura – Ein Abenteuer im Weltraum (2005)
 
Stay Alive (2006)
 


Filmkritik: „Night of Something Strange“ (2016)

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NIGHT OF SOMETHING STRANGE

Story

 
 
 
Einige notgeile Freunde infizieren sich auf der Reise zum Spring Break mit einem hochansteckenden Zombievirus.
 
 
 


 
 
 

NIGHT OF SOMETHING STRANGE – Kritik

 
 
 
Es scheint Regisseure zu geben, denen nichts peinlich ist. Man denke an die vielen High School- und College-Komödien, die sich seit den Erfolgen der AMERICAN PIE-Filme mit Scherzen weit unter der Gürtellinie gegenseitig Konkurrenz machen wollen. Wer aber meint, dass die Ejakulation in einen Apfelkuchen die Spitze geschmackloser Absurditäten gewesen ist, hat wohl noch nicht NIGHT OF SOMETHING STRANGE gesehen. Diese Indie-Produktion zeigt eindrucksvoll, dass Niveau noch weitaus tiefer sinken kann, als man es sich je zu träumen gewagt hat, denn was man hier vor die Linse bekommt, hat man definitiv noch in keinem Horrorfilm zu sehen bekommen. Hinter der intellektbefreiten Trash-Gurke steckt Newcomer JONATHAN STRAITON. Der hofft mit Zombies, Splatter und Ekel Käufer zu finden und hat für knapp 40.000 US-Dollar Budget Mülltonnen-Horror gemacht, der zumindest auf technischer Ebene überzeugen kann. Trotz zweifelhafter Ekel-Show verblüfft NIGHT OF SOMETHING STRANGE mit souveränem Umgang von Schnitt, Musik und Kamera. Die lassen den Film nämlich nach deutlich mehr ausschauen, als er gekostet hat. In dieser Hinsicht ist der Streifen vielen Low-Budget-Filmen und Indie-Produktionen weit voraus. Dennoch bleibt ein übler Nachgeschmack, weil peinliche Dialoge und noch peinlichere Ideen der versierten technischen Machart den Rang ablaufen.
 
 
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Von immergeilen Stereotypen und einem Zombievirus, der eigentlich keiner ist. NIGHT OF SOMETHING STRANGE erzählt eine Geschichte, die so oft abgespult wurde, dass man sie auch in einem Satz zusammenfassen könnte. Mal wieder machen sich einige oberflächlich charakterisierte Teenager auf, um bei Alkohol und Sonnenschein zu feiern. Doch die feucht-fröhliche Spring Break-Party werden die Jugendlichen nie erreichen, denn eine unbekannte Bedrohung folgt ihnen auf dem Weg. Ein Virus in Form einer Geschlechtskrankheit zwingt die naiven Partygänger in die Knie. Während man in einem abgelegenen Motel Rast einlegt und ungeniert durch die Betten springt, schlägt die Krankheit zu und verwandelt die Freunde in aggressive Monster. Die kennen nur eins: töten, töten, töten. Große Erklärungen bedarf es nicht, denn die Ursache des Übels wird bereits im Prolog erwähnt. Ein triebgesteuerter Hausmeister vergeht sich im Leichenschauhaus an einer attraktiven Toten und wird so zum Überträger. Sollte hier jemand mahnende Worte zum Thema ungeschützten Geschlechtsverkehr und seine Folgen vernehmen, kann er diese getrost streichen. In Anbetracht der vielen Geschmacklosigkeiten im Film, waren die wohl mit Sicherheit nicht beabsichtigt.
 
 
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Die Idee zum Film kam Filmemacher JONATHAN STRAITON bereits vor vielen Jahren. Um genau zu sein 2007, als ROBERT RODRIGUEZ und QUENTIN TARANTINO das vielgelobte Grindhouse-Projekt bestehend aus PLANET TERROR und DEATH PROOF in die Kinos brachten. Auch Straiton wollte ein ähnliches Double-Feature zusammen mit Produzent RON BONK drehen und hatte bereits die Idee von einer Geschlechtskrankheit im Kopf, die sich wie ein Zombievirus unkontrolliert ausbreiten sollte. Letztendlich legte man das Vorhaben aber auf Eis und machte aus NIGHT OF SOMETHING STRANGE dann doch einen eigenen Spielfilm, der sich vor jenen Streifen verbeugen sollte, mit denen die beiden Filmemacher aufgewachsen waren: die Horrorfilme der 1980er. Trotz Herzensprojekt ist JONATHAN STRAITON mit dem Regiedebüt kein Hit gelungen. Hier werden hilflose Menschen angepinkelt, Leichen begattet, in Gesichter gekotet und blutgetränkte Tampons zum Mitternachtssnack geifernder Zombiefurien umfunktioniert. Nein, NIGHT OF SOMETHING STRANGE ist definitiv nichts für Feingeister und die, die es meinen zu sein. Der Film versucht mit pubertärer Fäkal- und Ekelunterhaltung bei Laune zu halten und ist dabei nicht einmal gut darin. Das Gebotene wirkt in seiner plumpen Einfachheit und zeigefreudigen Schamlosigkeit vielerorts beschämend und die vielen Geschmacklosigkeiten erzielen zu keiner Zeit den Effekt, den sich Macher JONATHAN STRAITON wohl gewünscht hat. Gute Lacher bleiben nämlich aus, was nicht gerade für NIGHT OF SOMETHING STRANGE spricht, der sogar als Horrorkomödie beworben wird. Zu Lachen gibt es herzlich wenig, außer man ist so einfach gestrickt, um sich darüber amüsieren zu können, wie sich ein testosterongesteuerte Womanizer im Film in ein dunkles Hotelzimmer schleicht und statt einer der heißen Bräute versehentlich den dicken Fettsack penetriert. Das ist selbst mit fünf Flaschen Bier intus definitiv nicht komisch.
 
 
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NIGHT OF SOMETHING STRANGE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Trashiger Splatter-Mix aus EVIL DEAD, CABIN FEVER und NIGHT OF THE DEMONS, der zwei Dinge voraussetzt: einen gute Magen und Hang zu pubertärem Humor. Von – ohne Mist – Säure speienden Vaginas bis gefräßigen Penissen gibt es hier allerhand abartiges Zeug zu sehen, was bei den meisten erwachsenen Zuschauern auf Unverständnis stoßen dürfte. NIGHT OF SOMETHING STRANGE ist einer dieser geschmacklosen Produktionen, die man so ähnlich – wenn aber oft mit immerhin Gesellschaftskritik – in den 1980ern von TROMA zu sehen bekommen hat. Das kultige Trash-Studio steckt diesmal nicht dahinter. Stattdessen fügt Regisseur JONATHAN STRAITON (der sich übrigens die hirnrissige Story zum Trash-Debakel ausgedacht hat) eine Schippe bildgewaltiger Abartigkeit hinzu und versucht mit Ekelrezeptur zu polarisieren. Ekel wird hier weniger durch professionelle Gewalt- und Spezialeffekte bewirkt. In diesem Film sind es vor allem Körperflüssigkeiten und Fäkalhumor die Brechreiz verursachen. NIGHT OF SOMETHING STRANGE beweist mehr als deutlich, dass man nicht sonderlich helle sein muss, um das Interesse von Horrorfans zu wecken. Was hier über die Mattscheibe flimmert, entspricht in etwa der Kreativität und Phantasie eines pubertierenden 14-Jährigen, der es offenbar lustig findet, wenn in weibliche Geschlechtsorgane getreten wird bis der Schuh darin stecken bleibt. Was hier an unterirdischer Platt- und Dummheit zelebriert wird, ist kaum in Wort zu fassen – zumal der Quatsch auch kein Ende finden will. Knapp 100 Minuten zieht sich der cineastische Irrsinn, der zudem auch keinen Spannungsbogen besitzt und sich zäh von Geschmacklosigkeit zu Geschmacklosigkeit hangelt. Da ist es schon fast grotesk zu behaupten, dass die Streifen aus den schundigen SYFY und THE ASYLUM-Studios im Vergleich zu dem was hier geboten wird, ernstzunehmende Filmkunst sind. Demzufolge ist NIGHT OF SOMETHING STRANGE auch nur für jene zu empfehlen, die auch wirklich gar keinen Geschmack besitzen. Selbst von schlechtem Geschmack ist dieser Zombie-Schiss nämlich weit entfernt.
 
 


 
 
 

NIGHT OF SOMETHING STRANGE – Zensur

 
 
 
In NIGHT OF SOMETHING STRANGE wird zwar etwas an Splatter gezeigt. Der ist aber derart überzogen, dass es keine Probleme geben mit einer ungeschnittenen Freigabe geben dürfte. Man darf aber – vor allem wegen des sehr ekelhaften Humors – eine Erwachsenenfreigabe erwarten. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

NIGHT OF SOMETHING STRANGE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen, Szenenbilder liegen bei Hurricane Bridge Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ghost Team One (2013)
 
Hell Baby (2013)
 
Bloody Bloody Bible Camp (2012)
 
Piranha 3DD (2012)
 
Tucker and Dale vs. Evil (2010)
 
Scary Movie (2000)
 
Scary Movie 2 (2001)
 


Filmkritik: „Drifter“ (2016)

drifter-2016-posterPoster-Copyright: ©Jonathan B Perez
 
 
 

DRIFTER

Story

 
 
 
Zwei Brüder verirren sich in die Höhle des Löwen. In einer verlassenen Wüstenstadt geraten sie in die Fänge gewissenloser Psychopathen, die ihre ganz eigenen Willkommensrituale mit Durchreisenden zu feiern pflegen.
 
 
 


 
 
 

DRIFTER – Kritik

 
 
 
Wie hätte sich das moderne Horror-Genre wohl entwickelt, wenn es nicht Regisseure wie WES CRAVEN, JOHN CARPENTER oder TOBE HOOPER gegeben hätte, die Generationen schockiert und so dem Horrorfilm zur Popularität verholfen haben? Letztgenannter brachte mit dem College-Film THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE 1974 einen einflussreichen Wegbereiter des modernen Angstkinos in die Lichtspielhäuser, der nicht nur maßgeblich am Erfolg schmuddeliger Exploitation-Filme beteiligt war. Hoopers Paradebeispiel für kompromissloses Terrorkino polarisierte die Zuschauer und inspirierte ungezählte Filmemacher, mal mehr, mal weniger gelungene Plagiate des fix berüchtigt gewordenen Kettensägenmassakers zu drehen. Weit über 40 Jahre später hat sich da nichts geändert, wie der Indie-Horror DRIFTER beweist. Der lockt zwar nicht mit einem verheißungsvollen Massaker im Titel, ist aber bei genauerer Betrachtung nichts weiter als eine Neuinterpretation des Klassikers aus der Mache TOBE HOOPERS.
 
 
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Die zwei Brüder Miles (ARIA EMORY) und Dominic Pierce (DREW HARWOOD) kämpfen ums Überleben. In einer Zeit, in der die Welt kurz vor dem Untergang steht. Sie sind auf der Suche nach den Übeltätern, die für den Tod des geliebten Vaters verantwortlich sind und schlagen sich durch trostlose Wüstenlandschaften in denen es keine Freunde, sondern nur Feinde gibt. Nachdem ihnen mal wieder einige Fieslinge ans Leder wollen und Miles an der Hand verletzt wird, muss ein Arzt her. Doch den zu finden scheint in einem standesgemäßen Weltuntergangsszenario wie diesem schier unmöglich zu sein. So reisen die Brüder durchs Land und geraten in eine Geisterstadt, die ihnen zum Verhängnis wird. Eine Gruppe Kannibalen treibt dort ihr Unwesen und nimmt keine Gefangenen. Im übertragenen Sinn. Tatsächlich überwältigen sie die Brüder und verschleppen sie in ihren Bau. Was ihnen dort widerfährt, dürften Filmkenner bereits aus erwähntem TEXAS CHAINSAW MASSAKER sowie dessen Fortsetzungen und Prequels kennen.
 
 
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Wüsten-Massaker – nur ohne Kettensäge diesmal. Nein, DRIFTER ist trotz des Bades in der Reminiszenz keine Katastrophe. Ganz im Gegenteil. Regisseur CHRIS VON HOFFMANN hat mit seinem Spielfilmdebüt einen passablen Terrorfilm geschaffen, der vor allem durch seine durchdachte Optik zu bestechen weiß. Zu sehen gibt es durchgestylte Bilder, ungewöhnliche Kamerablickwinkel und ein schwüles Wüsten-Setting, das hin und wieder an den nachgerückten und bisher kommerziell erfolgreichsten Teil der Mad-Max-Reihe erinnert: MAD MAX – FURY ROAD. Unterstrichen wird das für Indie-Verhältnisse visuelle beeindruckende Treiben von grummelnden Bässen, Synthesizer-Klängen und verstörenden Soundeffekten, die unverkennbar durchscheinen lassen, wer Einfluss auf den Regisseur gehabt haben muss. So dürften Filmkenner akustische Anleihen zu Klassikern wie SUSPIRIA (während des Abspanns) oder dem Frühwerk des JOHN CARPENTER erkennen.
 
 
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Auf der Crowdfunding-Seite zu DRIFTER gab Filmemacher CHRIS VON HOFFMANN weiterhin zu verstehen, dass ihn aber auch Regisseure wie MARTIN SCORSESE, WILLIAM FRIEDKIN, JEAN-PIERRE MELVILLE und ABEL FERRARA beeinflusst haben sollen. DRIFTER zumindest haben die vielen Inspirationsquellen gut getan, denn die für Terror- und Backwood-Horror untypische Kulisse in Kombination mit der gelungenen akustischen Untermauerung, stellt eine gelungene Abwechslung zum teils bedeutungslosen Horror-Brei dar, der heute beinahe täglich ins Händlerregal gestellt wird. Da sieht man doch verständnisvoll darüber hinweg, dass DRIFTER im Mittelteil ein wenig schwächelt. Aufgrund der visuellen Raffinessen verliert der Regieneuling ab und an das Drehbuch aus den Augen. Das macht sich durch Leerlauf und Tempoeinbußen bemerkbar. Doch der nächste Gewaltmoment lässt nicht auf sich warten. Die sind im Film reichlich vorhanden und dürften wegen ihrer professionellen Machart Fans fürs grobe Gewaltkino zufriedenstellen. Wer sich an die härtere Gangart eines TEXAS CHAINSAW MASSACRE – THE BEGINNING gewöhnt hat, dürfte sich auch bei DRIFTER gut aufgehoben fühlen. In Sachen filmischer Kompromisslosigkeit hat Regisseur, Drehbuchautor und Produzent CHRIS VON HOFFMANN sich manchen Handgriff und Einfall von den Altmeistern abgeschaut.
 
 


 
 
 

DRIFTER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
MAD MAX trifft auf TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Das sind zumindest neben WOLF CREEK und THE PROPOSITION zwei weitere Titel, die der Regie-Newcomer im Informationstext seiner Crowdfunding-Kampagne aufzählt und die ihn zum Dreh seines Debütstreifens DRIFTER inspiriert haben sollen. Offensichtlich scheint er damit reichlich Interesse beim Horrorfilmliebhaber geweckt zu haben, weshalb Filmfans auf einer bekannten Crowdfunding-Plattform Geld spendeten, damit DRIFTER fertiggestellt werden konnte. Trotz bekannter Verweise ist DRIFTER aber dann doch mehr TEXAS CHAINSAW MASSACRE mit Protagonisten aus dem Modelkatalog, die nacheinander mit diversen Schieß- und Schneideutensilien ausradiert werden. Das allein ist natürlich nicht der Rede wert, wäre da nicht die versierte Symbiose aus Technik, Optik und Akustik. Diese Kombination lässt den Film nach deutlich mehr ausschauen, als er vermutlich gekostet hat und hebt ihn aus der grauen Masse an beliebigen Backwood- und Terrorstreifen hervor. Talent und Erfahrung zahlen sich eben aus. Letzteres hat Regisseur, Drehbuchautor und Produzent CHRIS VON HOFFMANN ausreichend während der Arbeit zu diversen Kurzfilmen gesammelt, die er mit viel Liebe zum Genre inszeniert hat. Mit einigen davon gewann er sogar Preise auf einschlägigen Festivals. Chapeau!
 
 


 
 
 

DRIFTER – Zensur

 
 
 
Wie es sich für einen TEXAS CHAINSAW MASSACRE-Klon gehört, geht es auch in DRIFTER nicht gerade zimperlich zur Sache. Von einem abgeschlagenen Schädel, über Einschusswunden bis zu übel zugerichteten Leichen und Gesichtern gibt es einige äußerst schmerzhafte Spezialeffekte zu sehen. Hierzulande dürfte das aber für eine Erwachsenenfreigabe reichen, ohne das geschnitten werden muss.
 
 
 


 
 
 

DRIFTER – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen, Szenenbilder liegen bei Green Star Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blutgericht in Texas (1974)
 
Kill, Granny, Kill! (2014)
 
The Redwood Massacre (2014)
 
Wolf Creek 2 (2014)
 
Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003)
 
Texas Chainsaw 3D
 


Filmkritik: „Blutnacht – Das Haus des Todes“ (1972)

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BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES

(SILENT NIGHT, BLOODY NIGHT | NIGHT OF THE DARK FULL MOON)

Story

 
 
 
Ein junger Kerl erbt das Haus seines Großvaters, das schon in dessen Jugend kein schöner Ort war. Noch früher war in dem Kasten gar eine Klapsmühle untergebracht, die maßgeblich forensisch Betroffenen bewachtes Obdach geboten hatte. Opa hat dort dann auch ein schreckliches Ende gefunden. Großbrand, Ursache unbekannt. Jedenfalls übernimmt der geschäftstüchtige Enkel eine ganze Zeit nach dem Unfall die unsympathische Immobilie und will sie zügig verkaufen. Gefällt den Anwohnern überhaupt nicht. Der angegriffene Kasten gilt als verflucht, soll laut deren Meinung aber bitte in Familienbesitz bleiben. Seltsam. Wie bestellt bricht aus der nächsten aktuell in Betrieb befindlichen Psychiatrie ein Schlitzer aus und macht Tabula Rasa in der Gemeinde. Offenbar kennt der wiederum die Hintergründe für die Katastrophen, die auch den Großvater röststeten.
 
 
 


 
 
 

BLUTNACHT – Kritik

 
 
 
BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES (Original: SILENT NIGHT, BLOODY NIGH) ist ein klassischer Fall eines unter dem Radar durchgeflogenen Films. Falsche Zeit, falscher Ort; und das gleich mehrfach. Seine Veröffentlichung auf VHS erlebte der Film mit dem so ungemein austauschbaren deutschen Titel weiland am abebbenden Ende der Slasher-Zeit. Hier liegt auch die Erklärung dafür, dass er maßgeblich von Horror-Fans gesichtet wurde, die sich jeden Film mit maskierten und messerschwingenden Bekloppten plus den Verstümmelungs-Exzessen á la TOM SAVINI im Kopf antun wollten. Da war THEODORE GERSCHUNYS kantiger Seventies-Reißer natürlich völlig vorbei an Trend und Stimmung. Zwar gibt´s hier auch einen übergeschnappten Mörderer und die Splattereffekte lagen deutlich über dem, was zeitgenössische Regisseure den Mägen ihrer Autokino-Zuschauer zumuteten (wenn sie nicht gerade Herschell Gordon Lewis hießen), man ließ der Handlung im Vergleich zu Jason siebenunddreißig aber viel Luft zum atmen. Atmosphärisch lässt sich auch nichts aussetzen – wenn man weiß, was man von einem Independent-Horrorfilm aus den frühen Siebzigern zu erwarten hat, dessen einziger Schauspieler mit gewissem Bekanntheitsfaktor das in seiner Rollenwahl über Jahrzehnte hinweg berüchtigt völlig schmerzfreie Schlachtross JOHN CARRADINE ist. Der Charme eines solchen Kleisterwerks ist krude, wie man so sagt. Poliert ist hier nichts und niemand, keine Kante all zu gerade. Aber stört das?
 
 
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Mitnichten! Verwirrende Entwicklungen auf jeden Fall, die BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES sowohl den Freunden des klassischen Horrors als auch den Videotheken-Splatter-Fetischisten durch die Lappen gehen ließ. Den einen was zu sudelig, den anderen nicht sudelig genug. Schade. Regisseur THEODORE GERSCHUNY (1933-2007), ansonsten einigen noch bekannt als Mann hinter dem für das frühe TROMA gedrehte gefertigte, an ein Bühnenstück erinnernde Erotik-Lustspiel SUGAR COOKIES, war ein mit Ex-Warhol-Girl und B-Film-Ikone Mary Woronov verheirateter Künstler, der sich nur nebenbei mit dem Medium Film beschäftigte. Seine Credits sind nicht sehr umfangreich. Vielleicht erklärt sich so die so untypische Gestalt seines Horrorfilms hier.
 
 
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BLUTNACHT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Horrorfilm-historisch interessanter Grindhouse-Schocker, in dessen Verlauf sich altmodisch-atmosphärisch gelungener Spukhaus-Grusel und schweinischer Früh-Splatter immer wieder die Hand reichen. Jetzt findet eine schöne, limitierte Wiedergeburt des Films für den Heimkino-Markt, nachdem die Videokassette in wilden Slasher-Zeiten unverdient untergegangen war, statt. Hat er sich verdient, wie wir finden.
 
 


 
 
 

BLUTNACHT – Zensur

 
 
 
Auch BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES – der übrigens 2013 ein äußerst miserables Remake erhielt – hatte es in Deutschland nicht leicht. Er wurde hierzulande Anfang der 1980er erstmals auf VHS ungekürzt veröffentlicht. Doch wie die meisten Horrorfilme zu jener Zeit hatten Zensurwächter auch mit diesem Titel so ihre Probleme. 1983 indizierte die BPjS den seltenen Horrorklassiker. 25 Jahre später wurde er vom Index gestrichen. Das sah das Label SCHRÖDER MEDIA zum Anlass ihn hierzulande noch einmal unter die Leute zu bringen. Die Blu-ray zu BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES ist trotz Kaufhausfassung ungeschnitten. Sammler und Nostalgiker können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

BLUTNACHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) WGF | Schröder Media (auf 1000 Stück limitiertes BD KeepCase im Schuber)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Silent Night, Bloody Night; USA 1972

Genre: Horror, Klassiker

Ton:Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo), Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo), Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo)

Untertitel: Keine

Bild: 1,78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK18 – keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover und Schuber

Extras: Originaltrailer (1:13 Min.)

Release-Termin: 11.08.2016

 

Blutnacht – Das Haus des Todes [Blu-ray im Schuber auf 1000 Stück limitiert] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

BLUTNACHT – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Packshot, Abbildungen und Szenenbilder liegen bei WGF | Schröder Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Silent Night, Bloody Night: The Homecoming (2013)
 
Vor Morgengrauen (1981)
 
Halloween (1978)
 
Black Christmas (1974)


Filmkritik: „Downhill“ (2016)

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DOWNHILL

Story

 
 
 
Wenn Hilfsbereitschaft mit grausamem Terror belohnt wird: Ein paar Radfahrer stoßen im Wald auf einen Fremden, der sich dem Anschein nach mit einer nicht näher zu identifizierenden Krankheit infiziert hat. Ohne Bedenken wird geholfen. Doch der gute Wille hat Konsequenzen: Die gute Tat führt auf direktem Wege ins Desaster.

 
 
 


 
 
 

DOWNHILL – Kritik

 
 
 
Will man mit einem PKW über Landstrassen fegen, benötigt man einen Führerschein. Möchte man mit dem Boot Gewässer erkunden, wird ein Bootsschein vorausgesetzt. Zum Führen einer Schusswaffe wird vom Gesetzgeber sowieso ein Nachweis gefordert, der dazu berechtigt ein solches Ding besitzen zu dürfen. Bei derartigem Sicherheitsdenken fragt man sich doch glatt, warum ein solches Dokument nicht langsam auch von Regisseuren, Drehbuchautoren und Produzenten gefordert wird, die immer noch straffrei das drehen, schreiben und produzieren können, wonach ihnen der Sinn steht. Eine erschreckende Entwicklung, denn in Zeiten eines kaum noch überschaubaren Videomarktes entstehen seit Jahren Filme, die man dem Zuschauer eigentlich nicht mehr zumuten kann. So werden sinnbefreite Horrorfilme gedreht, die ausschließlich dadurch hervorstechen, möglichst brutal und grausam zu sein. Grips und Logik ist da in der Regel Mangelware. Stattdessen wird Mord und Totschlag serviert, der sich in den meisten Fällen nicht einmal die Mühe macht, kreativ zu sein. Horrorbodensatz eben.
 
 
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Der chilenische Trivialgeschichtenerzähler und Filmgurkenzüchter PATRICIO VALLADARES gehört – wie auch schon „Mr. Exploitation“ ELI ROTH – zu jenen Herrschaften, denen man das Filmen langsam mal verbieten sollte. Scheinbar ist auch diesem Filmemacher gar nicht bewusst, dass hinter dem Inszenieren von Horrorfilmen weit mehr steckt, als das bloße Aneinanderreihen von Gewalt und ekligen Momenten. Zuletzt ist PATRICIO VALLADARES zu fragwürdiger Berühmtheit gekommen, nachdem er mit HIDDEN IN THE WOODS auf den ach so populären Rape’n Revenge-Zug aufgesprungen war. Dahinter verbarg sich frauenverachtender No-Budget-Schund, der mit schmuddeliger Rache- und Kannibalismusthematik die niederen Instinkte des Publikums befriedigen wollte. Leider kam der Streifen – vor allem der billigen Machart und den schlechten Schauspielern wegen – bei den meisten Zuschauern nicht sonderlich gut an, weshalb der Regisseur seinen pseudokontroversen Heuler noch einmal mit mehr Budget und der Unterstützung von MICHAEL BIEHN neu interpretierte. Hierbei wurde die Gewaltschraube noch etwas fester gedreht, um zu schocken. Leider ging der Schuss nach hinten los, denn das Remake litt unter den gleichen Schwächen wie die chilenische Vorlage und spulte zudem eine unglaubliche Geschichte ab, die kaum Identifikationsmöglichkeiten zuließ. Offenbar scheint Regisseur PATRICIO VALLADARES unbelehrbar und ebenso uneinsichtig zu sein. Der ließ sich nach den vernichtenden Kritiken nicht entmutigen und machte exakt dort weiter, wo er aufgehört hatte. Entstanden ist DOWNHILL – abermals cineastisches Chaos, das ausnahmsweise zumindest auf technischer Ebene überzeugen kann. Der Rest entpuppt sich als heilloses Durcheinander, bei dem der Frustfaktor hoch ist. Ärger ist da vorprogrammiert.
 
 
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In DOWNHILL geht es um das Paar Joe (BRYCE DRAPER aus ANOTHER DEADLY WEEKEND) und Stephanie (NATALIE BURN), die für den Radsport leben. Besonders das Fahren mit Downhill-Bikes durch unebenes Gelände hat sich für die beiden zur Leidenschaft entwickelt. Als einer der besten Freunde bei einem dieser Radrennen verunglückt, will Joe das Hobby für immer an den Nagel hängen. Doch die Sucht nach dem Nervenkitzel ist größer. So lädt der alte Freund Pablo (ARIEL LEVY) zu einem neuen Radrennen in Chile ein, was sich die Liebenden nicht entgehen lassen wollen. Doch die Freude schlägt bald in Terror um. Als man die Rennstrecke testen möchte, stößt man auf einen, scheinbar durch einen Autounfall, verletzten Mann. Schnell ist Hilfe vor Ort. Doch die wird allen Beteiligten zum Verhängnis. Eine ominöse Bande beginnt auf die Helfer zu schießen. Die flüchten in die Wälder und verstecken sich im Dickicht. Leider schreckt das die Fremden nicht ab, denn die machen Jagd auf Alles und Jeden. Was die Radfahrer nicht wissen: Der Verunglückte trägt einen geheimnisvollen Parasiten in sich und die Killer haben offensichtlich etwas damit zu tun. Kein gutes Omen für Joe und Stephanie, die jetzt in tiefer Wildnis ums Überleben kämpfen müssen.
 
 
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Weg vom Amateurstandard hin zu richtigem Kino-Feeling. Visuell und technisch macht DOWNHILL eine erstaunlich souveräne Figur, was wohl auf mehr Budget zurückzuführen ist. Zu sehen gibt es atmosphärische Kamerafahrten, Lichtspielereien und immerhin Schauspieler, die womöglich mal eine Schauspielschule von Innen gesehen haben. Minimalistisch ausgeleuchtete Kulissen und eklige Make-up-Effekte sorgen für so manch schaurigen Moment und die Skrupellosigkeit der Filmbösewichte geht richtig an die Nieren. Leider ist der Rest wie gehabt und PATRICIO VALLADARES verfällt zu schnell weder dem alten Schema. Das bedeutet: Viel Exploitation, wenig Hirn. So hat das arg verschobene Frauenbild des Regisseurs auch in DOWNHILL Bestand und die haarsträubende Handlung besitzt weder Hand noch Fuß. Der Filmemacher selbst beschreibt seinen Streifen als Mix aus PARANORMAL ACTIVITY und CLIFFHANGER, der an die alten Filme des legendären DAVID CRONENBERG erinnern will. Das ist natürlich vollkommener Unfug und beweist einmal mehr, dass Valladares nicht sonderlich viel Ahnung von Genrefilmen oder sonst etwas besitzt. DOWNHILL macht in ein paar Momenten vom Found-Footage-Stilmittel Gebrauch und protokolliert das Geschehen aus Sicht von Helmkamera, die die Fahrradfahrer auf dem Kopf tragen. Hier aber Vergleiche zu PARANORMAL ACTIVITY zu ziehen, wirkt reichlich übertrieben, denn die wenigen Found-Footage-Elemente lassen sich an einer Hand abzählen. Weitaus schlimmer als die irreführenden Vergleiche des chilenischen Regisseurs, ist die diffuse Handlung mit der DOWNHILL den Zuschauer quält. Valladares – der übrigens mal wieder das Drehbuch selbst geschrieben und vermasselt hat – vermischt verschiedene Subgenres. Leider wirkt der wirre Mix unbeholfen und unglaubwürdig, zumal der Initiator dieses Horror-Quatschs Antworten scheut. Je näher sich DOWNHILL der Zielgeraden nähert, umso länger wird die Liste an Fragen. So stellt sich im Verlauf der Handlung heraus, dass die Helden von einer Art Kult terrorisiert werden, der seltsame Parasiten in die Körper ahnungsloser Spaziergänger verpflanzt. Was damit bezweckt wird und in welchem Zusammenhang Tentakelparasiten mit dem Teufel stehen bleibt weitestgehend offen. Für den Zuschauer eine unbefriedigende Prämisse. Der wird DOWNHILL ziemlich schnell unter Humbug abstellen, weil die Geschehnisse im Film keinen Sinn ergeben wollen.
 
 
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DOWNHILL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Außen Hui – inhaltlich pfui. Nach Rape’n Revenge versucht sich der chilenische Regisseur PATRICIO VALLADARES im Stilmix. DOWNHILL ist eine technisch souverän abgehandelte Mischung aus BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE, Okkultismus-Horror und Quasi-Lovecraft-Kreaturen-Schauer. Was ansprechend klingt, ist in seiner Umsetzung ziemlich einfältig, weil DOWNHILL keinen Sinn ergeben möchte. Lang bleibt unklar, wohin die Reise gehen soll, denn die Helden werden grundlos von Einheimischen durch Wälder gejagt. Erst in den letzten Minuten versucht der Film aufzuklären. Leider werfen Erklärungsversuche nur Fragen auf, die Filmemacher PATRICIO VALLADARES unzureichend erklärt. Das erhöht den Frustfaktor beim Zuschauer, der sich schnell verschaukelt fühlen wird, will er doch wissen, was er da gerade gesehen hat. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn der Regisseur mehr Sorgfalt ins Drehbuch investiert hätte, statt von reißerischer Exploitation Gebrauch zu machen. Wie in den vorherigen Filmen des Regisseurs gibt es manche gewaltverherrlichende Szene zu sehen, die nicht unbedingt hätte sein müssen. Das mag zwar Gewaltfans freuen; die mangelhafte und löchrige Auflösung dürfte aber sogar jene reichlich verärgern.
 
 
 


 
 
 

DOWNHILL – Zensur

 
 
 
DOWNHILL zeigt einiges an blutigem Material. Neben ekligem Mutations-Make-up gehen vor allem einige Einschüsse in menschliche Köpfe und Körper an die Nieren. Weiterhin wird ein Gegenstand durch eine Hand gejagt und ein Kopf mit einem Stein eingeschlagen. Man darf von einer Freigabe mit rotem FSK-Flatschen ausgehen.
 
 
 


 
 
 

DOWNHILL – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
A Lonely Place to Die – Todesfalle Highlands (2011)

Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)

Outback – Tödliche Jagd (2011)

Carnage Park (2016)


Filmkritik: „Fear, Inc.“ (2016)

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FEAR, INC.

Story

 
 
 
Horror-Fan Joe gerät an ein mysteriöses Unternehmen, das seinen furchtlosen Kunden die ultimative Erfahrung in Sachen Horror verspricht. Wie es in unserem Lieblingsgenre nun mal üblich ist, wird das für blutige Momente sorgen. Was die Angstmacher sich so ausdenken, dürften die Auftraggeber ihr Lebtag so schnell nicht wieder vergessen.

 
 
 


 
 
 

FEAR, INC. – Kritik

 
 
 
Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen. Mit diesem alten Märchentitel lässt sich in wenigen Worten ein Film beschreiben, der auf einschlägigen Festivals mit Lob und Preisen ausgezeichnet wurde. FEAR, INC. heißt der neuer Horror-Spaß, der eigentlich gar nicht zum Lachen ist, weil Regisseur VINCENT MASCIALE es gar nicht gut mit dem Zuschauer meint. Statt mit lauten Schocks für schnellen Puls zu sorgen, schockiert der Filmemacher mit rabenschwarzer Handlung, die sich so schnell nicht durchschauen lässt. FEAR, INC. basiert auf einem Kurzfilm gleichen Titels, den VINCENT MASCIALE bereits 2014 gedreht und veröffentlicht hat. Einige der Beteiligten haben sich die Ehre gegeben, auch in der Spielfilmfassung mitzuwirken, die natürlich ein Stück professioneller in Szene gesetzt wurde, als es der Vierminüter war. So wird Meta-Horror á la SCREAM – SCHREI geboten in dem man sich über Horrorfilme und deren Klischees lustig macht. Doch das heitere Filme Zitieren verwandelt sich bald zum ultimativen Horror, denn FEAR, INC. schlägt nach der Halbzeit eine Wendung ein, die es in sich hat. Was dort gezeigt wird, ist definitiv nichts für zartbesaitete Gemüter.
 
 
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Joe Fost (leider äußerst anstrengend: LUCAS NEFF) ist ein Horrorfilm-Junkie, wie er im Buche steht. Er hat nahezu jeden Schocker gesehen und kennt sich im Genre bestens aus. Leider bringt der tägliche Horror-Konsum auch einige Nachteile mit sich, denn der Film-Nerd fühlt sich so langsam übersättigt und abgestumpft. Weil ihn kein Horror-Streifen mehr schocken kann, sucht er nach neuen Adrenalinkicks. Die versprechen die Leute hinter FEAR, INC. – einer ominösen Organisation, die sich auf das Erschrecken von Menschen spezialisiert hat. Leider ist Joe spät dran, denn das Unternehmen erklärt dem Interessenten am Telefon, dass man aufgrund der hohen Nachfrage dem gestellten Auftrag nicht nachkommen kann. Doch das Schicksal hat andere Pläne mit dem unerschrockenen Horrorfilm-Fan. Kaum zu Hause angekommen, wird er zusammen mit seinen Freunden von einer vermummten Gestalt bedroht. Die macht Jagd auf die Clique und kennt kein Erbarmen. Nacheinander sterben die Freunde wie Fliegen und Joe muss sich einem Albtraum stellen, den er so vermutlich nicht kommen gesehen hat.
 
 
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Ist das ein unnötiges Sequel des Überraschungs-Hits SCARE CAMPAIGN? Zumindest legt das die Vermutung nahe, wenn man die Handlung zum Film liest und regelmäßig die Filmvorstellungen auf FILMCHECKER verfolgt. So haben wir vor einiger Zeit bereits einen ähnlichen, von David Finchers THE GAME (1997) beeinflussten Streifen besprochen, der dem hier vorliegenden FEAR, INC. nicht unähnlich ist. Natürlich können wir Entwarnung geben. FEAR, INC. ist selbstverständlich kein dreistes Plagiat zum wendungsreichen SCARE CAMPAIGN, in dem bitterböse Scherze eine neue Dimension des Schreckens einläuten. Dennoch hält sich der von Regisseur VINCENT MASCIALE inszenierte Horror-Spaß weitestgehend an dessen Machart und geht das Angstmachen überraschungsreich und schwarzhumorig an. Für Zuschauer und Protagonisten bedeutet das: Manipulativer Horror mit makabrer Note, der einzig darauf aus ist, hinters Licht zu führen. Drehbuchautor LUKE BARNETT hat sich für FEAR, INC. einige hinterlistige Wendungen ausgedacht, die man so vermutlich nicht kommen sehen wird. So folgt hier Twist auf Twist – eine Portion Zynismus gibt’s inklusive. Mehr über den raffinierten Plot zu verraten wäre fatal, denn FEAR, INC. lebt von seinen unerwarteten Wendungen und gemeinen Überraschungen. Wer demzufolge eine Leidenschaft für blutigen Galgenhumor besitzt, ist mit dieser fiesen Horror-Komödie bestens bedient – auch wenn ihm das Lachen schnell im Halse stecken bleiben wird.
 
 
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FEAR, INC. – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Einfallsreiche Horror-Komödie mit bitterbös-zynischer Note, bei der einem das Lachen schnell vergehen wird. FEAR, INC. wurde nicht umsonst auf einschlägigen Filmfestivals von Kritikern und Filmfans gelobt. Der Film überzeugt nämlich durch frische Ideen, die das Horror-Genre dringend nötig hat. Hier erhält das Wort „Erschrecken“ eine gänzlich neue Bedeutung, was scheinbar aktuell in Mode zu sein scheint. Statt einen gruseligen Clown auf ahnungslose Fußgänger zu hetzen, hat sich hier eine skrupellose Organisation auf makabre Scherze spezialisiert. Wegen der unvorhersehbaren Handlung kann man da begründeterweise eine Empfehlung aussprechen, denn hier hält man endlich mal Horror in den Händen, der schockieren kann. In FEAR, INC. wird von THE SIXTH SENSE bis A NIGHTMARE ON ELM STREET alles zitiert, was in der Horror-Welt Rang und Namen hat. Das dürfte alteingesessene Genre-Fans freuen, die mit Sicherheit über die ein oder andere Anspielung ihrer Lieblingsfilm schmunzeln werden. Leider entwickelt sich die spaßige Hommage an beliebte Horrorklassiker bald zum blutroten Albtraum. FEAR, INC. besteht nämlich aus zwei Filmhälften. Die erste brennt sich durch Selbstironie und Filmzitate ins Gedächtnis, die zweite durch Blut, Splatter und bitterböse Wendungen. Mehr über die Handlung zu verraten, wäre dem Zuschauer unfair gegenüber. Der bekommt hier nämlich einen originellen Schocker vor die Linse, den man nicht alle Tage zu sehen bekommt.
 
 
 


 
 
 

FEAR, INC. – Zensur

 
 
 
Die zweite Hälfte von FEAR, INC. hat es ganz schön in sich. So gibt es eine an SAW angelehnte Szene zu sehen, in der ein Gegenstand aus dem zugenähten Körper eines noch lebenden Protagonisten geholt werden muss. Hinzu gesellen sich Messerstiche, Kehlenschnitte, Kopfschüsse und ein Pfeil, der sich durch ein Auge einer Filmfigur bohrt. Mit etwas Glück gibt es für all das eine FSK16. Wir rechnen aber eher mit einer Freigabe für Erwachsene.
 
 
 


 
 
 

FEAR, INC. – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scare Campaign (2016)
 
The Prank – Der Streich (2013)
 
The Jokesters (2015)
 
Cabin in the Woods (2011)