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Filmkritik: „Scathing“ (2016)

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SCATHING

Story

 
 
 
Zwei Frischverliebte geraten in die Fänge eines skrupellosen Kannibalen.
 
 
 


 
 
 

SCATHING – Kritik

 
 
 
Wie sich Zeiten ändern. Vor zwanzig Jahren noch haben leidenschaftliche Filmliebhaber mit Videokamera und Freunden in der Garage ihre eigenen Horrorfilme gedreht. In den meisten Fällen war der hervorgebrachte Blödsinn wegen mangelnder Professionalität, fehlendem Budget und unzureichendem Equipment kaum zu ertragen. Dank Wegbereiter modernen Amateur-Horrors wie JÖRG BUTTGEREIT oder OLAF ITTENBACH konnte sich dennoch ein kleiner Nischenmarkt etablieren, der auch heute noch im Untergrund lauert und durchaus seine Fans hat. Mittlerweile hat sich das Blatt aber gewendet. Amateur-Horror lässt sich in einer hochmodernen Zeit wie der heutigen nicht mehr so einfach als solcher identifizieren. Dazu hat vor allem die allgegenwärtige Digitalisierung beigetragen, die ästhetische Videoschnipsel auf heimische TV-Geräte manövriert, die man zuvor mit dem Handy oder Urlaubskamera aufgenommen hat. Jeder kann Horrorfilme drehen. Ein Smartphone und zugehörige Handyprogramme reichen aus, um HD-Schocker zu inszenieren. Schnittsoftware und Farbfilter gibt’s im Internet als Downloads zuhauf. So kann man den Horrorfilm Marke Eigenbau mit individueller Handschrift versehen. Ein Grund mehr, warum Amateur-Schocker von heute so aussehen, wie Hollywood-Filme von vor 30 Jahren. Eine beunruhigende Entwicklung, die schon so einigen Horrorfilmfans Lebenszeit geraubt hat, weil sich hinter hochauflösender Grusel-Ästhetik nicht selten grauenhafte Amateur-Drehbücher und untalentierte Laiendarsteller versteckt haben.
 
 
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Auch für den Horrorfilm SCATHING trifft das zu. Der Film wurde mit 4K-Kameras gedreht und schaut dementsprechend auch fabelhaft aus. Leider dürfte schnell die Freude am visuellen Gaumenschmaus vergehen, wenn man genauer unter die Lupe nimmt, was überhaupt geboten wird. Viel ist das leider nicht, denn die Handlung ist erschreckend rudimentär und orientiert sich beim Aufbau am Slasher-Einerlei der letzten gefühlt 100 Jahre. Im Langfilmdebüt von Regisseur JOSEPH MAZZAFERRO will Teenager Amanda (ALLIE SPARKS) nicht auf die Eltern hören. Die darf nicht außer Haus, springt aber trotzdem ins Auto von Boyfriend Adam (MICHAEL FRASCINO), der Lust auf Fummeln und Anfassen hat. Der Flitzer wird auf menschenleerem Gelände geparkt, damit man ungestört knutschen kann. Doch Ungehorsam muss bestraft werden. So springt am nächsten Morgen der Motor nicht an. Freunde eilen zur Hilfe und geraten ins Visier eines gewissenlosen Kannibalen, der in seiner Hütte Menschen zerlegt und verspeist. Keine guten Voraussetzungen für Amanda und Adam. Die können sich noch rechtzeitig im Auto verschanzen, während die Freunde auf grausame Weise ihr Leben lassen müssen. Was folgt, hat man schon so oft gesehen. Der Killer spielt mit seinen Opfern perfide Spiele und sorgt damit für unerträgliches Opfergeschrei. Immerhin spritzt dabei reichlich Blut, sodass zumindest Gorehounds zufriedengestellt werden können. Alle übrigen Zuschauer dürften wegen stümperhafter Schnitte, schlechter Ausleuchtung und fiesem Schauspiel schon nach wenigen Minuten das Weite suchen.
 
 
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Willkommen zur Slasher-Version des King’schen Roman-Albtraums CUJO. So zumindest lässt sich am besten beschreiben, was dem Zuschauer in SCATHING zugemutet wird. Hier flüchten zwei nicht sonderlich kluge Teenager in ein Auto, das wenig später von einem langhaarigen Psychopathen belagert wird. Letzterer trägt aus nicht näher erläuterten Gründen einen Schweißerhelm und erinnert wegen seiner hünenhaften Erscheinung an Killer in Filmen wie BIKINI GIRLS ON ICE und HAZARD JACK. Weil der Filmbösewicht nicht gerade zimperlich zur Sache geht und gern mal an Menschenherzen oder Babys knabbert, wird ein gesunder Magen vorausgesetzt. Der ist vor allem deshalb wichtig, weil einige der billigen Effekte wegen ihrer schmuddeligen Inszenierung dann doch recht hart anzusehen sind. Da werden Opfer ausgeweidet und zerstückelt. Ganz zur Freude der Splatter-Fraktion, die an den kruden Ekelmomenten ihre Freude haben wird. Leider ist der technisch solide in Szene gesetzte Amateur-Backwood-Slasher trotzdem kein Hit. Die Gewaltmomente sind nämlich das einzige, was in Erinnerung bleibt. Der Rest ist unzumutbar, wobei vor allem das unerträgliche Schauspiel zu nennen wäre. Hier hat man wohl Leute von der Straße aufgelesen, die sich für eine Packung Chips vor der Kamera zum Apfel machen wollten. Gott sei Dank mussten die untalentierten Jungdarsteller nur wenig Text lernen, denn außer Schreien, Winseln und schließlich Sterben wird den Leutchen nicht viel abverlangt. Umso verwunderlicher, was Regisseur JOSEPH MAZZAFERRO in der Kickstarter-Kampagne zu SCATHING schrieb. Leicht selbstüberschätzt erklärte er spendablen Fans dort, was er sich vom ersten Langfilm erhofft: I aim to make the critics say this is the best horror film of it’s kind since Friday the 13th.
 
 
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SCATHING – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
BIKINI GIRLS ON ICE meets HAZARD JACK. SCATHING ist ein Amateur-Slasher der neuen Generation, der dank 4K-Kameras ziemlich gut ausschaut und zumindest visuell gesehen vielen Meuchelfilmen aus den 1980ern um Längen voraus ist. Inhaltlich wird hier aber auf Sparflamme geköchelt. Zwei Teenager werden von einem Psychopathen tyrannisiert, der Lust auf Katz- und Mausspiele hat. Die Atmosphäre mit ihrer dreckigen Optik und der Ablauf der Handlung erinnert an das TEXAS CHAINSAW MASSACRE aus der Mache des MICHAEL BAY. Trotzdem sollte man erst gar nicht versuchen, irgendwelche Vergleiche zu ziehen. SCATHING ist eine ganz andere Hausnummer und wurde vermutlich mit einem Minimum an Dollars umgesetzt. Das wird vor allem beim rudimentären Drehbuch und an den mehr als schlechten Schauspielern deutlich. Zumindest gewalttechnisch tischt SCATHING groß auf. Wer sich damit zufrieden gibt und sich dessen bewusst ist, dass es sich hier immer noch um Amateurware handelt, kann gern mal einen Blick wagen – sollte aber nicht zuviel erwarten.
 
 
 


 
 
 

SCATHING – Zensur

 
 
 
In SCATHING geht es nicht gerade zimperlich zu. Von Ausweidungen über Zerstückelung von Menschen gibt es einiges zu sehen. Zudem knabbert der Filmkiller gern mal an menschlichen Herzen oder brät sich ein Baby. Wegen des schlecht ausgeleuchteten Amateurlooks sehen die simpel getricksten Spezialeffekte doch recht heftig aus. Weil es in der Vergangenheit schon ähnliche Filme gegeben hat (u.a. SLASHER IN THE WOODS) dürfte SCATHING wohl nur geschnitten in Deutschland erscheinen – insofern der Film hier überhaupt ausgewertet werden sollte.
 
 
 


 
 
 

SCATHING – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte Film für Grafiken liegen bei Midnight Releasing)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Slasher in the Woods (2013)
 
Pinup Dolls on Ice (2013)
 
Girlhouse – Töte, was du nicht kriegen kannst (2014)
 
Hazard Jack (2014)


Filmkritik: „Bodom“ (2016)

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BODOM

(LAKE BODOM)

Story

 
 
 
Vier Jugendliche wollen einen mysteriösen Mordfall untersuchen, der sich 50 Jahre zuvor abgespielt hat und werden mit einer Bedrohung konfrontiert, die ihr Leben in Gefahr bringt.

 
 
 


 
 
 

BODOM – Kritik

 
 
 
Finnland ist nicht gerade das Land, was man in Horrorfilmfan-Kreisen als Genre-Schmiede bezeichnen würde. Was hier bisher an Grusel- und Schockermaterial gedreht wurde, lässt sich an einer Hand abzählen. So dürften zuletzt nur RARE EXPORTS und DARK FLOORS bei Kennern im Gedächtnis geblieben sein, die immerhin auf einschlägigen Festivals positive Resonanz erhielten und sich deshalb auch außerhalb Finnlands einen Namen machen konnten. Gleiches könnte nun auch mit dem Horrorthriller BODOM (der für den Weltmarkt in LAKE BODOM umgetauft wurde) wiederholt werden, der sich einem erfolgreichen – wenn auch makabren – Marketingtrick bedient. Regisseur TANELI MUSTONEN nutzt fürs Angstmachen historischen Background. Das bedeutet, dass die Ereignisse des Films von einem Verbrechen inspiriert wurden, das sich 1960 tatsächlich am finnischen Bodom-See nahe der Stadt Espoo, nicht weit von der Hauptstadt Helsinki zugetragen hat. Dort wurden vier Camper am frühen Morgen des 06. Juni 1960 von einem unbekannten Täter überrascht. Drei von ihnen überlebten das Massaker nicht. Trotz jahrelangen Ermittlungen konnte nicht ermittelt werden, wer die Tat begangen hat. Dennoch wurde der Vorfall im Jahr 2004 erneut aufgerollt. So geriet der damals 18-jährige Nils Wilhelm Gustafsson unter Verdacht. Der konnte sich in der Mordnacht schwer verletzt in Sicherheit bringen und wurde 2004 erneut am Mord seiner Freunde beschuldigt. Weil man aber keine aussagekräftigen Beweise finden konnte, sprach man ihn von allen Vorwürfen frei und zahlte 45.000 Euro Schadensersatz für unbegründete Untersuchungshaft.
 
 
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Horrorfilme, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Das ist nach wie vor eine gut funktionierende Prämisse in der Filmlandschaft, um sensationslüsterne Zuschauer ins Kino locken zu können. Was bereits bei Filmen wie PSYCHO oder TEXAS CHAINSAW MASSACRE kassenwirksam angewandt wurde, funktioniert natürlich auch im Film BODOM hervorragend, der vier Jugendliche bei der Rekonstruktion besagter Morde aus dem Jahr 1960 begleitet. Die machen sich mit Sack und Pack zum Bodom-See auf, um die dort vorgefallenen Ereignisse 50 Jahre später in Eigenregie noch einmal zu untersuchen. Was aber mit Neugierde beginnt, entwickelt sich für die vier Schüler bald zum Albtraum. Kaum stehen die Zelte und die Nacht bricht herein, bekommen es die Jugendlichen mit der Angst zu tun. Offenbar schleicht hier jemand durch die Wälder, um ahnungslosen Campern das Fürchten zu lehren. So ist bald schon der erste Tote zu beklagen. Der Rest flüchtet panisch durchs Gebüsch und versucht im Dunkel der Nacht die Landstraße zu erreichen. Weil BODOM nun mal im Horrorgenre beheimatet ist, dürften erfahrene Horrorfilmkenner bereits erahnen, wohin die Reise gehen wird. Trotzdem hat BODOM einige Überraschungen zu bieten, die ihn zu nicht uninteressanter Horrorware machen. Mehr zu verraten wäre gemein.
 
 
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Was sich hier liest, wie ein beliebiger Slasher von der Stange ist weit mehr als gedacht. Der finnische Horrorthriller ist nämlich eine dieser fiesen Schauerproduktionen, die den Zuschauer versucht mit twistreicher Handlung an der Nase herumzuführen. Weil’s solche Horrorfilme aber mittlerweile wie Sand am Meer gibt, will sich BODOM dann doch gleich mit mehreren dieser Überraschungswendungen ein Denkmal setzen. Hier ist nichts wie es anfangs scheint. So besteht der Streifen aus zwei Filmhälften. Die erste entpuppt sich als atmosphärischer Slasher der alten Schule und mündet in eine zweite Hälfte, in der die Erfolgszutat gängiger Überlebens- und Terrorfilme Verwendung findet. Das bedeutet: gnadenlose Jagd durch dunkles Waldgebiet, die ein ungutes Bauchgefühl zurücklässt, weil Opfer bis zur psychischen Erschöpfung terrorisiert werden. Dabei kommt dem Film vor allem die unheimliche Kulisse zugute, die den Überlebenskampf zusätzlich erschwert. BODOM spielt mit menschlichen Urängsten, wobei die Angst vor Dunkelheit einen großen Stellenwert einnimmt. Die Jugendlichen irren hier durch ein minimalistisch ausgeleuchtetes Szenario und sehen die Hand vor Augen nicht. Dank hervorragender Kameraarbeit wird das Gefühl der Ausweglosigkeit zusätzlich verstärkt, denn Regisseur TANELI MUSTONEN lässt den Wald zu aussehen, als gebe es hier ohnehin kein Herauskommen mehr. Letzterer scheint übrigens viele Horrorfilme älteren und neueren Datum studiert zu haben. Der vermischt hier Oldschool-Lagerfeuer-Meuchelei mit unmenschlicher Kaltschnäuzigkeit, die man sonst eher in Filmen wie WOLF CREEK zu sehen bekommt. Das Resultat kann sich durchaus sehen lassen und braucht den Vergleich zum amerikanischen Horrormarkt nicht zu scheuen. Technisch und atmosphärisch fährt BODOM nämlich groß auf, was einmal mehr beweist, dass die wirklich mutigen, guten und innovativen Horrorfilme immer noch aus Europa kommen.
 
 
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BODOM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kompromisslos, wendungsreich und definitiv nichts für Weicheier. Wenn ein rätselhafter Mordfall Stoff für einen Horrorfilm liefert. Bisher mussten oft die schockierenden Tatsachenberichte des berüchtigten Kriminellen CHARLES MANSON als Grundlage dafür herhalten, um Kinogänger mit fiktiven Gruselgeschichten schaurige Horrorunterhaltung bieten zu können. Doch es geht auch anders. Ein grausamer Mordfall aus Finnland bietet nun in BODOM (internationaler Titel: LAKE BODOM) die Ausgangsituation für knapp 90 Minuten Angst, Terror und Geschrei. Nach eher familienfreundlichen Produktionen geht es Regisseur TANELI MUSTONEN blutiger an. Der hatte mit THE REUNION im Jahr 2015 einen der erfolgreichsten finnischen Kinofilme gedreht und probiert sich jetzt im Horrorgenre aus. Das Endresultat kann sich sehen lassen und dürfte Slasher-Fans spannende Minuten versprechen, denn BODOM versucht mit geschickten Wendungen den Konventionen gängiger Slasher-Streifen zu entkommen. Zwar hat der Film mit den zugrundeliegenden Morden, die sich in den 1960ern in Finnland ereignet haben, nichts mehr zu tun. Trotzdem spinnt der Filmemacher die Ereignisse konsequent weiter und bietet Horrorfans spannenden Horrorstoff, der sich positiv vom üblichen Videobrei aus Amerika abhebt. Statt immer nur anspruchsvolles Arthaus- und Dramenkino zu inszenieren, täte es Finnland gut, wenn man mehr für den internationalen Filmmarkt tätig wäre. Ein Film wie BODOM dürfte sich wohl auch international zügig verkaufen lassen, denn offensichtlich beherrscht man auch in Finnland kompromissloses Horrorhandwerk tadellos. Ein uneingeschränkt empfehlenswerter Horrorschocker.
 
 
 


 
 
 

BODOM – Zensur

 
 
 
Trotz Slasher ist BODOM nicht sonderlich brutal. Einige Teenager werden mit spitzen Gegenständen durch Hals und Rücken erstochen. Der Fokus liegt in diesem Horrorthriller aber in erster Linie auf Terror. Demzufolge ist eine FSK16 durchaus realistisch.
 
 
 


 
 
 

BODOM – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte Film für Grafiken liegen bei Don Films | Münchhausen Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
In Fear (2013)
 
Freitag der 13. (1980)
 
Manhunt Backwoods Massacre (2008)
 
Reykjavik Whale Watching Massacre (2009)
 
Vor Morgengrauen (1981)
 


Filmkritik: „Good Tidings“ (2016)

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GOOD TIDINGS

Story

 
 
 
Drei Killer im Weihnachtsmannkostüm sind unterwegs. Die möchten bestrafen und tauschen Ruten gegen Mordwerkzeuge aus. Leider müssen ahnungslose Obdachlose dran glauben. Die wollten in einem Gerichtsgebäude eigentlich das Weihnachtsfest feiern, merken aber schon bald, dass sie dort in der Falle sitzen.

 
 
 


 
 
 

GOOD TIDINGS – Kritik

 
 
 
Alle Jahre wieder kommen nicht nur weihnachtliche Animations- und Familienfilme in die Kinos. Auch an schockhungrige Horrorfans wird gedacht, die um die Weihnachtszeit mit bitterbösen Filmalbträumen versorgt werden wollen, damit die schönste Zeit des Jahres auch für Liebhaber des düsteren Genres zum Fest wird. So haben Horrorfilme wie SILENT NIGHT, BÖSE WEIHNACHT oder SAINT gezeigt, dass der Weihnachtsmann nicht zwangsläufig immer nur Gaben bringt. Manchmal hat er auch den Tod im Gepäck oder sorgt mit spitzem Werkzeug für Zucht und Ordnung. Für Freunde morbider Weihnachtsüberraschungen durchaus Grund zur Freude, die sich aber im Falle des folgenden Horrorstreifens schnell legen dürfte. GOOD TIDINGS nennt sich ein weiterer Horrorfilm, der weihnachtliche Bräuche und Sitten für Mord und Todschlag missbraucht. Darin sind rot vermummten Gabenschenker unterwegs, die offensichtlich keine Lust auf Besinnlichkeit haben und auf Zwang töten müssen. Klingt beim Lesen annehmbar, ist bei genauerer Betrachtung aber alles andere als erwähnenswert. GOOD TIDINGS besitzt nämlich kaum Spannung und ist mit 100 Minuten auch eindeutig zu lang. Da hat man definitiv schon besseren Horror unterm Weihnachtsbaum gehabt.
 
 
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Im Terror-Slasher GOOD TIDINGS wollen es sich Obdachlose so richtig gut gehen lassen. Die lassen sich am Weihnachtstag in einem Gerichtsgebäude nieder, um dort friedlich und sicher die Festtage verbringen zu können. Warme Suppe und heiße Getränke sollen Sorgen vergessen lassen. Doch die sind schneller wieder da, als es den Heimatlosen lieb ist. Drei Psychopathen haben besondere Pläne. Die wollen die besinnliche Zeit nutzen, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Sie verschaffen sich als Weihnachtsmänner verkleidet Zugang zum Obdachlosenfest und richten dort ein Blutbad an. Leider kann niemand raus, denn die Ausgänge sind versperrt. Doch der Kriegsveteran Sam Baker (ALAN MULHALL) lässt sich nicht einschüchtern. Der krempelt die Ärmel hoch und versucht sich zu wehren. Was folgt, wird für die Opfer eine lange Nacht des Grauens. Trotz Gegenwehr sterben die Menschen hier wie die Fliegen. Doch man wächst über sich hinaus und nimmt den Kampf gegen Gegner auf, die offenbar keine Gnade kennen.
 
 
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Als Liebesbrief an die blutigen Slasher der 1970er und 1980er beschreibt Regisseur STUART W. BEDFORD den von ihm fabrizierten Blödsinn, für den er sich von bekannten Genre-Filmen hat inspirieren lassen. So haben nicht nur alte Klassiker wie BLACK CHRISTMAS, SILENT NIGHT DEADLY NIGHT oder ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT beim Macher Eindruck hinterlassen. Auch Schocker neueren Datums wie YOU’RE NEXT und THE PURGE fanden in Interviews namentlich Erwähnung und sollen für den Regie-Neuling als Inspirationsgrundlage gedient haben. Leider erreicht dieses Filmdebüt nicht einmal ansatzweise die Qualitäten genannter Horrorware, denn in Erinnerung bleibt hier nichts. Drei stumme Killer schlitzen sich in diesem Streifen teils hölzern durch das Fleisch ahnungsloser Menschen. Die Beweggründe werden nicht genannt und Schockwirkungen bleiben auch aus, weil es dem Film an Kompromisslosigkeit mangelt. GOOD TIDINGS lebt ausschließlich von seinen Morden, die aber aus Budgetgründen nur selten gezeigt werden. Das bedeutet, dass der Zuschauer in der Regel die Resultate der hinterlistigen Taten zu sehen bekommt, was in Zeiten kaltschnäuziger Hochglanz-Slasher irgendwie altbacken anmutet.
 
 
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Doch nicht nur die mangelnde Zeigefreudigkeit alle Morde dürfte Slasher-Fans enttäuschen. Auch mit dem traurigen Rest lässt sich wohl kaum ein Blumentopf gewinnen. Zwar wirkt das Szenario wegen des ungeschliffenen Low-Budget-Looks stimmungsvoll und an der musikalischen Untermauerung in Form von grummelnden Männerstimmen lässt sich nichts aussetzen. Trotzdem fehlt es GOOD TIDINGS an Tempo und Spannung, was gerade in jenen Filme unverzichtbar ist, die die Nerven der Zuschauer strapazieren wollen. Letztere dürften schnell die Lust am zwanghaft auf Terror getrimmten Slasher-Reigen verlieren und das Laufzeit-Display des Filmabspielgerätes im Auge behalten. GOOD TIDINGS ist ein Schnarcher vor dem Herrn und spult das langweilig ab, was man in den vielen Meuchelfilmen zu Genüge gesehen hat, vor denen sich der Filmemacher ehrfürchtig verbeugt. Dann doch lieber noch einmal SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT anschauen. Der Klassiker von 1981 wirkt zwar für heutige Verhältnisse reichlich antiquiert, erfreut aber mit naiven Charme und einigen wirklich schmerzhaften Spezialeffekten. Weihnachtshorrorfilme sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren.
 
 
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GOOD TIDINGS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein atmosphärischer Slasher der alten Schule, welcher sich irgendwo zwischen ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT und SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT bewegt. Leider handelt es sich bei GOOD TIDINGS um keinen Beitrag der Sparte „Weihnachts-Horror“ den man unbedingt erwähnen müsste. Der Terror-Slasher ist furchtbar spannungsarm, weil hier mal nur das Morden im Vordergrund steht. Eine Geschichte gibt es nicht. Stattdessen vergeudet der Streifen knapp 100 Minuten damit, ohnehin schon bemitleidenswerte Menschen zu terrorisieren und abzuschlachten. Wer jetzt aber glaubt, dass das blutig, brutal und grausam anzuschauen ist, wird eines Besseren belehrt. GOOD TIDINGS ist kein neuer MARTYRS oder HIGH TENSION. Der Streifen zitiert zwar viele Slasher der 1980er, blendet aber meist weg, wenn es für Splatterfans interessant wird. Auf die Frage, warum man GOOD TIDINGS gedreht habe, antworteten die Macher, dass es einfach immer noch zu wenige Horrorfilme gibt, die in der Weihnachtszeit spielen. Da hat man eindeutig recht. Trotzdem bereichert GOOD TIDINGS das Weihnachts-Horror-Genre keineswegs. Hier gibt es nämlich kaum Neuerungen zu sehen. Alles wird nach bekannter Slasher-Formel abgespult. Da fühlt man sich als Zuschauer schon etwas verschaukelt, wenn man in Interviews liest, dass Regisseur STUART W. BEDFORD versucht hat gegen den Strom zu schwimmen und mit GOOD TIDINGS etwas Neues zu inszenieren. Angeblich hat er hier versucht die Konventionen des Slasher-Genres zu verdrehen und äußert sogar Gesellschaftskritik. Zudem wird der Film sogar als metaphernreiche Horror-Satire beworben. Sicher, dass er den gleichen Film meint?
 
 
 


 
 
 

GOOD TIDINGS – Zensur

 
 
 
Zwar ist GOOD TIDINGS keine Gewaltgranate. Trotzdem gibt es einiges zu sehen. Eine Machete wird durch einen Körper gerammt, Köpfe abgeschlagen und Zuckerstangen in Augen gebohrt. Zwar wird oft weggeblendet und Resultate gezeigt. Dennoch hat der Streifen zahlreiche Gemeinheiten zu bieten – von einem Slasher hätte man wohl auch nichts anderes erwartet. Im Vergleich zu neueren Streifen dieser Art, ist die gezeigte Gewalt aber nicht sonderlich grausam anzuschauen. Sollte GOOD TIDINGS hierzulande einen Rechteinhaber finden, dürfte es ohne Probleme für eine Erwachsenenfreigabe in ungeschnittener Form reichen.
 
 
 


 
 
 

GOOD TIDINGS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
All trough the House (2015)
 
Silent Night (2012)
 
Rare Exports (2010)
 
Black Christmas – Stille Nacht, tödliche Nacht (2006)
 
Deadly Games – Alleine gegen den Weihnachtsmann (1989)
 
Santa’s Slay – Blutige Weihnachten (2005)
 


Filmkritik: „Blutnacht – Das Haus des Todes“ (1972)

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BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES

(SILENT NIGHT, BLOODY NIGHT | NIGHT OF THE DARK FULL MOON)

Story

 
 
 
Ein junger Kerl erbt das Haus seines Großvaters, das schon in dessen Jugend kein schöner Ort war. Noch früher war in dem Kasten gar eine Klapsmühle untergebracht, die maßgeblich forensisch Betroffenen bewachtes Obdach geboten hatte. Opa hat dort dann auch ein schreckliches Ende gefunden. Großbrand, Ursache unbekannt. Jedenfalls übernimmt der geschäftstüchtige Enkel eine ganze Zeit nach dem Unfall die unsympathische Immobilie und will sie zügig verkaufen. Gefällt den Anwohnern überhaupt nicht. Der angegriffene Kasten gilt als verflucht, soll laut deren Meinung aber bitte in Familienbesitz bleiben. Seltsam. Wie bestellt bricht aus der nächsten aktuell in Betrieb befindlichen Psychiatrie ein Schlitzer aus und macht Tabula Rasa in der Gemeinde. Offenbar kennt der wiederum die Hintergründe für die Katastrophen, die auch den Großvater röststeten.
 
 
 


 
 
 

BLUTNACHT – Kritik

 
 
 
BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES (Original: SILENT NIGHT, BLOODY NIGH) ist ein klassischer Fall eines unter dem Radar durchgeflogenen Films. Falsche Zeit, falscher Ort; und das gleich mehrfach. Seine Veröffentlichung auf VHS erlebte der Film mit dem so ungemein austauschbaren deutschen Titel weiland am abebbenden Ende der Slasher-Zeit. Hier liegt auch die Erklärung dafür, dass er maßgeblich von Horror-Fans gesichtet wurde, die sich jeden Film mit maskierten und messerschwingenden Bekloppten plus den Verstümmelungs-Exzessen á la TOM SAVINI im Kopf antun wollten. Da war THEODORE GERSCHUNYS kantiger Seventies-Reißer natürlich völlig vorbei an Trend und Stimmung. Zwar gibt´s hier auch einen übergeschnappten Mörderer und die Splattereffekte lagen deutlich über dem, was zeitgenössische Regisseure den Mägen ihrer Autokino-Zuschauer zumuteten (wenn sie nicht gerade Herschell Gordon Lewis hießen), man ließ der Handlung im Vergleich zu Jason siebenunddreißig aber viel Luft zum atmen. Atmosphärisch lässt sich auch nichts aussetzen – wenn man weiß, was man von einem Independent-Horrorfilm aus den frühen Siebzigern zu erwarten hat, dessen einziger Schauspieler mit gewissem Bekanntheitsfaktor das in seiner Rollenwahl über Jahrzehnte hinweg berüchtigt völlig schmerzfreie Schlachtross JOHN CARRADINE ist. Der Charme eines solchen Kleisterwerks ist krude, wie man so sagt. Poliert ist hier nichts und niemand, keine Kante all zu gerade. Aber stört das?
 
 
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Mitnichten! Verwirrende Entwicklungen auf jeden Fall, die BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES sowohl den Freunden des klassischen Horrors als auch den Videotheken-Splatter-Fetischisten durch die Lappen gehen ließ. Den einen was zu sudelig, den anderen nicht sudelig genug. Schade. Regisseur THEODORE GERSCHUNY (1933-2007), ansonsten einigen noch bekannt als Mann hinter dem für das frühe TROMA gedrehte gefertigte, an ein Bühnenstück erinnernde Erotik-Lustspiel SUGAR COOKIES, war ein mit Ex-Warhol-Girl und B-Film-Ikone Mary Woronov verheirateter Künstler, der sich nur nebenbei mit dem Medium Film beschäftigte. Seine Credits sind nicht sehr umfangreich. Vielleicht erklärt sich so die so untypische Gestalt seines Horrorfilms hier.
 
 
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BLUTNACHT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Horrorfilm-historisch interessanter Grindhouse-Schocker, in dessen Verlauf sich altmodisch-atmosphärisch gelungener Spukhaus-Grusel und schweinischer Früh-Splatter immer wieder die Hand reichen. Jetzt findet eine schöne, limitierte Wiedergeburt des Films für den Heimkino-Markt, nachdem die Videokassette in wilden Slasher-Zeiten unverdient untergegangen war, statt. Hat er sich verdient, wie wir finden.
 
 


 
 
 

BLUTNACHT – Zensur

 
 
 
Auch BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES – der übrigens 2013 ein äußerst miserables Remake erhielt – hatte es in Deutschland nicht leicht. Er wurde hierzulande Anfang der 1980er erstmals auf VHS ungekürzt veröffentlicht. Doch wie die meisten Horrorfilme zu jener Zeit hatten Zensurwächter auch mit diesem Titel so ihre Probleme. 1983 indizierte die BPjS den seltenen Horrorklassiker. 25 Jahre später wurde er vom Index gestrichen. Das sah das Label SCHRÖDER MEDIA zum Anlass ihn hierzulande noch einmal unter die Leute zu bringen. Die Blu-ray zu BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES ist trotz Kaufhausfassung ungeschnitten. Sammler und Nostalgiker können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

BLUTNACHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) WGF | Schröder Media (auf 1000 Stück limitiertes BD KeepCase im Schuber)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Silent Night, Bloody Night; USA 1972

Genre: Horror, Klassiker

Ton:Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo), Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo), Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo)

Untertitel: Keine

Bild: 1,78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK18 – keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover und Schuber

Extras: Originaltrailer (1:13 Min.)

Release-Termin: 11.08.2016

 

Blutnacht – Das Haus des Todes [Blu-ray im Schuber auf 1000 Stück limitiert] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

BLUTNACHT – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Packshot, Abbildungen und Szenenbilder liegen bei WGF | Schröder Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Silent Night, Bloody Night: The Homecoming (2013)
 
Vor Morgengrauen (1981)
 
Halloween (1978)
 
Black Christmas (1974)


Filmkritik: „Recovery“ (2016)

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RECOVERY

Story

 
 
 
Auf der Suche nach ihrem gestohlenen Telefon verschlägt es Teenager Jessie samt Freunden (darunter SAMUEL LARSEN aus THE REMAINS) in ein Anwesen, in dem der Horror regiert. Was folgt ist eine Nacht unbeschreiblichen Terrors, den die jungen Leute ein Lebtag nicht wieder vergessen werden.

 
 
 


 
 
 

RECOVERY – Kritik

 
 
 
Was sind die Vorteile eines Handyvertrags? Ohne Frage: Neues Telefon. Doch die Freude kann schnell in Panik umschlagen, wenn das neue Smartphone verloren geht oder gestohlen wird. Zehntausende Handys werden Jahr für Jahr in Deutschland geklaut. Das ist für Betroffene nicht nur ärgerlich, sondern auch beunruhigend, schließlich befinden sich auf den meisten Telefonen private Inhalte, die in den falschen Händen so richtig Schaden anrichten können. Mit dieser Angst spielt auch der Horrorfilm RECOVERY, der einmal mehr anprangert, wie leichtfertig wir mit unseren privaten Daten umgehen. Ob Bilder in sozialen Netzwerken, Bankdaten auf dem Telefon oder freizügige Inhalte im internen Speicher des Handys – ist das Smartphone erst einmal geklaut, liegt das eigene Leben in der Hand fremder Menschen. Eine mehr als brisante Thematik, über die es lohnt länger darüber nachzudenken, auch wenn der Horrorthriller RECOVERY dann doch eher damit beschäftigt ist, die Nerven des Zuschauers mit Schocks zu strapazieren. Das zumindest kann er gut.
 
 
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Wenn das Handy plötzlich abhanden kommt. Eine Katastrophe die auch Teenager Jessie (KIRBY BLISS BLANTON – die Blonde aus THE GREEN INFERNO) durchleben muss. Sie erfährt am letzten Schultag an der High School, dass sie der Liebste betrügt und will auf einer angesagten Party zusammen mit der neuen Freundin Kim (RACHEL DIPILLO) den Schmerz in Alkohol ertränken. Dort angekommen, läuft nichts nach Plan. Der erste Kokain-Konsum bekommt der High-School-Absolventin gar nicht gut und von der neuen Freundin ist plötzlich weit und breit nichts mehr zu sehen. Hat die etwa das neue Telefon gestohlen, das Jessie einigen Stunden zuvor von den Eltern geschenkt bekommen hat? Weil die Teenagerin nichts von der neuen Freundin weiß, hat Bruder Miles (ALEX SHAFFER) eine Idee. Er ortet das gestohlene Telefon der Schwester mittels GPS und folgt dem Signal. Das führt zu einem Haus, dessen Bewohner offenbar ausgeflogen sind. Schnell ist ein Weg nach drinnen gefunden, der zu Ernüchterung führt. Die gesuchte Kim ist nicht anzutreffen. Stattdessen stößt man auf Überwachungskameras, die jede Bewegung im Haus festhalten. Was Horrorfans vermuten, wird bald Realität. Mit diesem Haus und seinen Eigentümern stimmt etwas nicht. Eine schaurige Einsicht, die den ungewünschten Gästen bald zum Verhängnis wird.
 
 
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Den Namen DARRELL WHEAT sollte man sich merken. Das ist der Regisseur dieses durchaus spannenden Horrorthrillers, der hin und wieder an WES CRAVENS zu Unrecht verschmähten DAS HAUS DER VERGESSENEN erinnert. Dessen Erstling verläuft nämlich nach ähnlichem Muster wie das von Craven geschriebene Schauermärchen und führt junge Menschen unwissend in das Haus einer gestörten Familie, die hinter verschlossenen Türen unchristliche Dinge veranstaltet. Für einen ersten Spielfilm beweist Regisseur DARRELL WHEAT ein talentiertes Händchen für Schocks, Wendungen und Atmosphäre. Lang bleibt ungewiss, was den Jugendlichem blühen wird, Wheat lässt sich reichlich Zeit mit dem Horror. Erst in der letzten halben Stunde wird es ernst und die naiven Filmhelden werden Teil eines grimmigen Home-Invasion-Thrillers, in dessen Mittelpunkt sich ein Haus befindet, das für die jungen Eindringlinge zum Gefängnis wird. Natürlich wird hier reichlich überzogen. So wirken die Helden durchweg sympathisch. Dennoch wird von ihnen nicht viel abverlangt. Die verhalten sich horrorfilmtypisch und gehen wenig taktisch vor, um den (entstellten) Familienmitgliedern durch die Lappen zu gehen. Aber auch den Letztgenannten will man nichts Gutes. Deren Ambitionen sind dann doch weit hergeholt und haben mit der Realität nur wenig am Hut. RECOVERY ist eben auch nur ein weiterer Horrorfilm.
 
 
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Trotzdem will man mit diesem Horrorthriller nicht zu hart ins Gericht gehen. Was den Film nämlich aus der Masse an schlechten Horrorstreifen hervorstechen lässt, ist der durchdachte Spannungsbogen, der kurzweiliges Herzklopfen verursacht. Nach einem zähen Einstieg in dem Figuren eingeführt werden, zieht Filmemacher DARRELL WHEAT minütlich seine Daumenschrauben an und jagt Helden wie Zuschauer durch ein spartanisch eingerichtetes Haus, in dem es viel Boshaftes zu entdecken gibt. Erst nach und nach kommen die Eindringlinge drauf, was von hinter den dicken Mauern nicht nach außen dringen darf. Dabei geht es fürs Horrorgenre überraschend züchtig zugange. Horror muss sich eben nicht immer zwangläufig durch Gewalt und Blut definieren. Hier wird eher mit Spannung gearbeitet. Das steht dem Streifen gut und macht Lust auf weitere Arbeiten des Nachwuchsregisseurs.
 
 
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RECOVERY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Spannender Home-Invasion-Schocker mit gesellschaftskritischer Note, die aber schnell verfliegt, weil sich RECOVERY dann doch eher mit Schocks und Horror beschäftigt. Für einen Debütfilm ist dieser Horrorthriller sauber – und vor allem spannend – inszeniert. Aufgrund der vielen schlechten Horrorfilme in jüngster Zeit, kann man das schon als regelrechte Wohltat bezeichnen. RECOVERY definiert den Begriff „Familie“ neu und sorgt so für 80 kurzweilige Minuten, die bis zum Abspann fesseln. Macher DARRELL WHEAT scheint genug Horrorfilme studiert zu haben. Er weiß, wie man erzählen muss, um fesseln können. RECOVERY ist ein kleiner Film, der hinsichtlich Spannungsaufbau vielen großen Produktionen überlegen ist. Das muss dem noch unerfahren Wheat erst mal jemand nachmachen!
 
 
 


 
 
 

RECOVERY – Zensur

 
 
 
Sonderlich viel Blut fließt in RECOVERY nicht. Zu Beginn setzt sich eine Protagonistin mit einem Gegenstand zur Wehr und zertrümmert den Unterkiefer eines Bösewichts. Weiterhin gibt es Messerstiche zu sehen und eine Hiebwaffe wird in einen Rücken geschlagen. RECOVERY dürfte problemlos eine FSK16 erhalten. Der Streifen wird im Februar 2017 von I-ON / SPLENDID FILM veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

RECOVERY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei I-ON / SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Den (2014)
 
GirlHouse (2014)
 
Don’t Breathe (2016)
 
Tigerhouse (2015)
 


Filmkritik: „Downhill“ (2016)

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DOWNHILL

Story

 
 
 
Wenn Hilfsbereitschaft mit grausamem Terror belohnt wird: Ein paar Radfahrer stoßen im Wald auf einen Fremden, der sich dem Anschein nach mit einer nicht näher zu identifizierenden Krankheit infiziert hat. Ohne Bedenken wird geholfen. Doch der gute Wille hat Konsequenzen: Die gute Tat führt auf direktem Wege ins Desaster.

 
 
 


 
 
 

DOWNHILL – Kritik

 
 
 
Will man mit einem PKW über Landstrassen fegen, benötigt man einen Führerschein. Möchte man mit dem Boot Gewässer erkunden, wird ein Bootsschein vorausgesetzt. Zum Führen einer Schusswaffe wird vom Gesetzgeber sowieso ein Nachweis gefordert, der dazu berechtigt ein solches Ding besitzen zu dürfen. Bei derartigem Sicherheitsdenken fragt man sich doch glatt, warum ein solches Dokument nicht langsam auch von Regisseuren, Drehbuchautoren und Produzenten gefordert wird, die immer noch straffrei das drehen, schreiben und produzieren können, wonach ihnen der Sinn steht. Eine erschreckende Entwicklung, denn in Zeiten eines kaum noch überschaubaren Videomarktes entstehen seit Jahren Filme, die man dem Zuschauer eigentlich nicht mehr zumuten kann. So werden sinnbefreite Horrorfilme gedreht, die ausschließlich dadurch hervorstechen, möglichst brutal und grausam zu sein. Grips und Logik ist da in der Regel Mangelware. Stattdessen wird Mord und Totschlag serviert, der sich in den meisten Fällen nicht einmal die Mühe macht, kreativ zu sein. Horrorbodensatz eben.
 
 
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Der chilenische Trivialgeschichtenerzähler und Filmgurkenzüchter PATRICIO VALLADARES gehört – wie auch schon „Mr. Exploitation“ ELI ROTH – zu jenen Herrschaften, denen man das Filmen langsam mal verbieten sollte. Scheinbar ist auch diesem Filmemacher gar nicht bewusst, dass hinter dem Inszenieren von Horrorfilmen weit mehr steckt, als das bloße Aneinanderreihen von Gewalt und ekligen Momenten. Zuletzt ist PATRICIO VALLADARES zu fragwürdiger Berühmtheit gekommen, nachdem er mit HIDDEN IN THE WOODS auf den ach so populären Rape’n Revenge-Zug aufgesprungen war. Dahinter verbarg sich frauenverachtender No-Budget-Schund, der mit schmuddeliger Rache- und Kannibalismusthematik die niederen Instinkte des Publikums befriedigen wollte. Leider kam der Streifen – vor allem der billigen Machart und den schlechten Schauspielern wegen – bei den meisten Zuschauern nicht sonderlich gut an, weshalb der Regisseur seinen pseudokontroversen Heuler noch einmal mit mehr Budget und der Unterstützung von MICHAEL BIEHN neu interpretierte. Hierbei wurde die Gewaltschraube noch etwas fester gedreht, um zu schocken. Leider ging der Schuss nach hinten los, denn das Remake litt unter den gleichen Schwächen wie die chilenische Vorlage und spulte zudem eine unglaubliche Geschichte ab, die kaum Identifikationsmöglichkeiten zuließ. Offenbar scheint Regisseur PATRICIO VALLADARES unbelehrbar und ebenso uneinsichtig zu sein. Der ließ sich nach den vernichtenden Kritiken nicht entmutigen und machte exakt dort weiter, wo er aufgehört hatte. Entstanden ist DOWNHILL – abermals cineastisches Chaos, das ausnahmsweise zumindest auf technischer Ebene überzeugen kann. Der Rest entpuppt sich als heilloses Durcheinander, bei dem der Frustfaktor hoch ist. Ärger ist da vorprogrammiert.
 
 
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In DOWNHILL geht es um das Paar Joe (BRYCE DRAPER aus ANOTHER DEADLY WEEKEND) und Stephanie (NATALIE BURN), die für den Radsport leben. Besonders das Fahren mit Downhill-Bikes durch unebenes Gelände hat sich für die beiden zur Leidenschaft entwickelt. Als einer der besten Freunde bei einem dieser Radrennen verunglückt, will Joe das Hobby für immer an den Nagel hängen. Doch die Sucht nach dem Nervenkitzel ist größer. So lädt der alte Freund Pablo (ARIEL LEVY) zu einem neuen Radrennen in Chile ein, was sich die Liebenden nicht entgehen lassen wollen. Doch die Freude schlägt bald in Terror um. Als man die Rennstrecke testen möchte, stößt man auf einen, scheinbar durch einen Autounfall, verletzten Mann. Schnell ist Hilfe vor Ort. Doch die wird allen Beteiligten zum Verhängnis. Eine ominöse Bande beginnt auf die Helfer zu schießen. Die flüchten in die Wälder und verstecken sich im Dickicht. Leider schreckt das die Fremden nicht ab, denn die machen Jagd auf Alles und Jeden. Was die Radfahrer nicht wissen: Der Verunglückte trägt einen geheimnisvollen Parasiten in sich und die Killer haben offensichtlich etwas damit zu tun. Kein gutes Omen für Joe und Stephanie, die jetzt in tiefer Wildnis ums Überleben kämpfen müssen.
 
 
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Weg vom Amateurstandard hin zu richtigem Kino-Feeling. Visuell und technisch macht DOWNHILL eine erstaunlich souveräne Figur, was wohl auf mehr Budget zurückzuführen ist. Zu sehen gibt es atmosphärische Kamerafahrten, Lichtspielereien und immerhin Schauspieler, die womöglich mal eine Schauspielschule von Innen gesehen haben. Minimalistisch ausgeleuchtete Kulissen und eklige Make-up-Effekte sorgen für so manch schaurigen Moment und die Skrupellosigkeit der Filmbösewichte geht richtig an die Nieren. Leider ist der Rest wie gehabt und PATRICIO VALLADARES verfällt zu schnell weder dem alten Schema. Das bedeutet: Viel Exploitation, wenig Hirn. So hat das arg verschobene Frauenbild des Regisseurs auch in DOWNHILL Bestand und die haarsträubende Handlung besitzt weder Hand noch Fuß. Der Filmemacher selbst beschreibt seinen Streifen als Mix aus PARANORMAL ACTIVITY und CLIFFHANGER, der an die alten Filme des legendären DAVID CRONENBERG erinnern will. Das ist natürlich vollkommener Unfug und beweist einmal mehr, dass Valladares nicht sonderlich viel Ahnung von Genrefilmen oder sonst etwas besitzt. DOWNHILL macht in ein paar Momenten vom Found-Footage-Stilmittel Gebrauch und protokolliert das Geschehen aus Sicht von Helmkamera, die die Fahrradfahrer auf dem Kopf tragen. Hier aber Vergleiche zu PARANORMAL ACTIVITY zu ziehen, wirkt reichlich übertrieben, denn die wenigen Found-Footage-Elemente lassen sich an einer Hand abzählen. Weitaus schlimmer als die irreführenden Vergleiche des chilenischen Regisseurs, ist die diffuse Handlung mit der DOWNHILL den Zuschauer quält. Valladares – der übrigens mal wieder das Drehbuch selbst geschrieben und vermasselt hat – vermischt verschiedene Subgenres. Leider wirkt der wirre Mix unbeholfen und unglaubwürdig, zumal der Initiator dieses Horror-Quatschs Antworten scheut. Je näher sich DOWNHILL der Zielgeraden nähert, umso länger wird die Liste an Fragen. So stellt sich im Verlauf der Handlung heraus, dass die Helden von einer Art Kult terrorisiert werden, der seltsame Parasiten in die Körper ahnungsloser Spaziergänger verpflanzt. Was damit bezweckt wird und in welchem Zusammenhang Tentakelparasiten mit dem Teufel stehen bleibt weitestgehend offen. Für den Zuschauer eine unbefriedigende Prämisse. Der wird DOWNHILL ziemlich schnell unter Humbug abstellen, weil die Geschehnisse im Film keinen Sinn ergeben wollen.
 
 
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DOWNHILL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Außen Hui – inhaltlich pfui. Nach Rape’n Revenge versucht sich der chilenische Regisseur PATRICIO VALLADARES im Stilmix. DOWNHILL ist eine technisch souverän abgehandelte Mischung aus BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE, Okkultismus-Horror und Quasi-Lovecraft-Kreaturen-Schauer. Was ansprechend klingt, ist in seiner Umsetzung ziemlich einfältig, weil DOWNHILL keinen Sinn ergeben möchte. Lang bleibt unklar, wohin die Reise gehen soll, denn die Helden werden grundlos von Einheimischen durch Wälder gejagt. Erst in den letzten Minuten versucht der Film aufzuklären. Leider werfen Erklärungsversuche nur Fragen auf, die Filmemacher PATRICIO VALLADARES unzureichend erklärt. Das erhöht den Frustfaktor beim Zuschauer, der sich schnell verschaukelt fühlen wird, will er doch wissen, was er da gerade gesehen hat. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn der Regisseur mehr Sorgfalt ins Drehbuch investiert hätte, statt von reißerischer Exploitation Gebrauch zu machen. Wie in den vorherigen Filmen des Regisseurs gibt es manche gewaltverherrlichende Szene zu sehen, die nicht unbedingt hätte sein müssen. Das mag zwar Gewaltfans freuen; die mangelhafte und löchrige Auflösung dürfte aber sogar jene reichlich verärgern.
 
 
 


 
 
 

DOWNHILL – Zensur

 
 
 
DOWNHILL zeigt einiges an blutigem Material. Neben ekligem Mutations-Make-up gehen vor allem einige Einschüsse in menschliche Köpfe und Körper an die Nieren. Weiterhin wird ein Gegenstand durch eine Hand gejagt und ein Kopf mit einem Stein eingeschlagen. Man darf von einer Freigabe mit rotem FSK-Flatschen ausgehen.
 
 
 


 
 
 

DOWNHILL – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
A Lonely Place to Die – Todesfalle Highlands (2011)

Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)

Outback – Tödliche Jagd (2011)

Carnage Park (2016)


Filmkritik: „Fender Bender“ (2016)

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FENDER BENDER

Story

 
 
 
Ein perverser Stalker in S/M-Lederkluft (der obskure Reißer ZIPPERFACE von 1992 lässt grüßen) macht Jagd auf attraktive Frauen. Das neueste Objekt seiner Begierde ist Teenager Hilary.

 
 
 


 
 
 

FENDER BENDER – Kritik

 
 
 
Schon einige Jahren herrscht die Mode, Horrorfilme bewusst auf nostalgisch zu trimmen, um sich in Ehrfurcht vor bestimmten Filmepochen, Stilen oder Regisseuren zu verbeugen. Ganz vorn mit dabei: die 1980er – eine Zeit in der das Horror-Genre Dank des stürmisch tobenden Videotheken-Booms für viele Filmproduzenten zum hochlukrativen Geschäft wurde. Die Folge des Horrorfilm-Hypes waren vor allem Fortsetzungen erfolgreicher Horror-Streifen und schmuddeliger Videomurks, der es – hierzulande besonders – wegen der genüsslich zelebrierten Gewalt nicht immer leicht mit den Zensurbehörden hatte. Auch das gezeichnete Filmplakat von FENDER BENDER lässt die Vermutung aufkommen, dass es sich hier um einen Film aus erwähnter Ära handeln muss. Damals war es noch üblich, dass Videocover und Kinoplakate mit Pinsel und Farbe erstellt wurden. Doch auch FENDER BENDER ist eigentlich kein Film aus genannter Zeit. Vielmehr verbirgt sich hinter dem Horror-Thriller eine Kooperation zwischen dem Horror-TV-Sender CHILLER und dem Heimkino-Label SHOUT! FACTORY, die hier gemeinsame Sache gemacht haben. Entstanden ist ein Horrorfilm neueren Datums, der längst vergessene Zeiten aufleben lässt und sich vor den Horror-Slashern der goldenen 1980er verbeugt. Da wird der Fan neugierig.
 
 
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Nimm nichts von Fremden und sprich nicht mit Unbekannten. Das, was Müttern ihren Kindern aus Sorge immer predigen, wird in FENDER BENDER zu bitteren Realität für die 17-jährige Hilary (MAKENZIE VEGA). Die ist erst seit Kurzem in Besitz eines Führerscheins und wird in einen Autounfall verwickelt. Doch der Verfall wird schnell abgehandelt. Statt die Polizei zu rufen, tauscht man Adressen und Telefonnummern aus – den Rest soll die Versicherung richten. Leider hat der Zwischenfall weit größere Konsequenzen für die Teenagerin als erwartet. Der Unfallbeteiligte (BILL SAGE) tickt nämlich im Kopf nicht ganz richtig und stellt der Schülerin nach. Was folgt, ist kein Zuckerschlecken. Der Unbekannte entpuppt sich als kompromissloser Stalker, der eine todbringende Leidenschaft für hübsche Frauen besitzt. Dass Hilary auch noch allein zu Hause ist und die Eltern auf Reisen, kommt dem Psychopathen gerade recht. Er schmiedet einen perfiden Plan und macht seinem neuen Opfer die Nacht zum Wach-Albtraum.
 
 
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MARK PAVIA ist wieder da. Der war länger von der Bildfläche verschwunden und dürfte noch vielen Horror-Zuschauern als Regisseur der atmosphärischen King-Verflimung THE NIGHT FLIER von 1997 in Erinnerung geblieben sein. Seither ist es um den Filmemacher verdächtig ruhig geworden. Mit FENDER BENDER feiert er nun seine Rückkehr als Regisseur und liefert zwar solide Arbeit hat, die Anbetracht der namhaften Geldgeber dann doch etwas enttäuscht. FENDER BENDER ist kein Überflieger, aber auch nicht unbedingt schlecht. Was den Gesamteindruck madig macht, sind die Anlaufschwierigkeiten mit denen der Streifen zu kämpfen hat. Lang dauert es nämlich, bis der ohnehin kurze Film Fahrt aufnimmt. So plätschert das Treiben nach dem bitterbösem Auftakt gemächlich daher, zeigt viel nutzloses Zeug und langweilt mit unwichtigen Szenenverläufen. Erst in den letzten 30 Minuten wächst FENDER BENDER (was übrigens so viel heißt wie „leichter Blechschaden“) zur eigentlichen Größe heran und entschädigt mit rasanter Killerhatz und fiesen Morden. Hier geht es ohne Längen zum Ziel. Unter Einsatz aggressiver Retro-Sounds, die vermutlich nicht ohne Grund an die Werke des jungen JOHN CARPENTER erinnern, geht der Killer reichlich schonungslos mit seinen Opfern um und bringt sie kaltblütig um die Ecke. Spätestens hier muss man zugeben, dass Regisseur MARK PAVIA weiß, was Horror-Zuschauer wollen. Die werden mit atmosphärischen Bildern und unbequemen Kameraeinstellungen verwöhnt, die mancherorts dann tatsächlich kurz die rauen und sleazigen 1980er aufleben lassen. Das straffe Tempo und ein makabres Ende lassen den schwierigen Start rasch vergessen. So reicht’s immerhin für einen kurzen Filmabend mit Bier und Chips. Das Slasher-Genre revolutionieren wird FENDER BENDER definitiv nicht.
 
 
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FENDER BENDER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein bitterböser Mix aus DEATH PROOF und THE HITCHER, der die rauen Slasher der 1980er aufleben lässt. FENDER BENDER ist solide und schwächelt hauptsächlich wegen seinem unoriginellen Drehbuch, das zu lange braucht, um aus seinem Dornröschenschlaf zu erwachen. Nicht nur einmal hat man hier das Gefühl, als habe man versucht einen Gedankenblitz auf Spielfilmlänge zu blasen. Die Geschichte hinter FENDER BENDER gibt eigentlich nicht genug Substanz her, um daraus einen Langfilm zu machen. Trotzdem hat Regisseur MARK PAVIA daraus Unterhaltung fürs amerikanische Fernsehen gemacht, die zumindest in den letzten 30 Minuten funktioniert. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sich Pavia die Geschichte für eine Horror-Serie oder als Segment in einer Horror-Anthologie aufgehoben hätte. Spätestens dort wäre FENDER BENDER ein Highlight geworden.
 
 
 


 
 
 

FENDER BENDER – Zensur

 
 
 
Für einen Slasher neueren Datums hält sich FENDER BENDER recht zurück – was jetzt aber nicht heißen soll, dass der Horrorthriller nicht auch Schauwerte zu bieten hat. Die meisten Morde sind nicht sehr zeigefreudig. Meist sticht der Killer nur mehrere Male mit einem Teppichmesser in die Körper seiner Opfer. Weiterhin wird ein Opfer von einem Auto überfahren – die Kamera hält drauf. Zudem wird eine andere Filmfigur angezündet. Man kann mit einer FSK16 rechnen.
 
 
 


 
 
 

FENDER BENDER – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hitcher – Der Highway Killer (1986)
 
The Hitcher – Remake (2007)
 
Death Proof (2007)
 
Zipperface (1992)
 
Ratter – Er weiß alles über dich (2015)
 
Captivity (2007)
 
Come Back to Me (2014)
 
Crush – Gefährliches Verlangen (2013)
 


Filmkritik: „All Through the House“ (2015)

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ALL THROUGH THE HOUSE

(A NIGHTMARE CHRISTMAS | SANTA’S KNOCKING)

Story

 
 
 
Ein Mörder im Weihnachtsmannkostüm hält eine amerikanische Kleinstadt auf Trab. Der rüstet sich mit Heckenschere und Machete aus und hinterlässt eine blutige Spur der Verwüstung.

 
 
 


 
 
 

ALL THROUGH THE HOUSE – Kritik

 
 
 
Was zeichnet gute Slasher eigentlich aus? Brutale Effekte und kaltblütige Killer? Wenn es danach ginge, wäre wohl der folgende US-amerikanische-Horrorthriller ganz vorn mit dabei, denn gemeuchelt wird hier nicht selten blutig und kreativ. Dennoch erfindet der Film mit dem eigensinnigen Titel keineswegs das Slasher-Rad neu. Ganz im Gegenteil. ALL THROUGH THE HOUSE (der in England als A NIGHTMARE CHRISTMAS vermarktet wird) hakt all das ab, was seit den ersten Slasherfilmen in den 1970er bereits über Kinoleinwände geflimmert ist und bekleckert sich damit nicht gerade mit Ruhm. Newcomer TODD NUNES macht es Regisseur CHARLES E. SELLIER, JR. gleich und lässt Santa Claus schlitzen. Letztgenannter Filmemacher brachte während der Slasher-Welle in den 1980ern mit SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT einen der wohl bekanntesten Weihnachtshorrorfilme in die Kinos, dem später vier (schlechtere) Fortsetzungen und ein Remake folgten. Von genau jenem Horrorhit lies sich ALL THROUGH THE HOUSE inspirieren. Auch hier läuft ein Fremder – diesmal mit einer Vorliebe für Kastrationen – im Weihnachtsmannkostüm durchs Drehbuch und schlachtet wahllos sexhungrige Teenager ab, die ihm vor Heckenschere oder Machete kommen. Im Unterschied zum genannten Horrorklassiker von 1984 geht das aber relativ lustlos und spannungsarm über die Bühne, was das Folgen dieser Metzelorgie nicht gerade einfach gestaltet. So wird der Zuschauer von einem Mord zum nächsten getrieben. Dazwischen wird irgendwie auf Biegen und Brechen eine Geschichte erzählt, die ziemlich früh erahnen lässt, wer hier nicht alle Latten am Zaun hat und deshalb Menschen tötet.
 
 
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Im Mittelpunkt des blutigen Treibens steht die attraktive Rachel (ASHLEY MARY NUNES aus HEADHUNT). Die besucht wegen dem Weihnachtsfest die Heimatstadt und wird dort gleich wieder mit schlechten Erinnerungen aus der Vergangenheit konfrontiert. Der Empfang ist nämlich alles andere als einladend. So nervt mal wider die spitzzüngige Großmutter mit ihren dreisten Sprüchen und die durchgeknallte Nachbarin sorgt einmal mehr mit eigensinniger Art für Gänsehaut. Doch die nicht sonderlich warmherzige Begrüßung ist das kleinere Übel. Mit Rachels Ankunft beginnt das Sterben. Ein kaltblütiger Killer (LITO VALASCO, der übrigens die Filmmusik zum Horrorthriller FOUND beigesteuert hat) im Weihnachtsmannkostüm geht auf Beutejagd und ermordet Menschen – bevorzugt die, die Sex haben. Der trifft bald auch auf die Heimkehrende und bittet zum blutigen Duell. Hat man so leider schon ganz oft gesehen und verursacht weitestgehend Langeweile. Warum denken sich die Macher solcher Filme nicht langsam mal etwas Neues aus?
 
 
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Bereits 2011 versuchte sich Nachwuchsregisseur TODD NUNES im Angstmachen vor weihnachtlicher Kulisse aus. Der Kurzfilm HERE COMES SANTA erzählt nämlich eine ähnliche Geschichte wie ALL THROUGH THE HOUSE und präsentierte bereits einen ersten Vorgeschmack auf das, was er dem Zuschauer nun mit ALL THROUGH THE HOUSE zumuten möchte. Der Weihnachts-Slasher entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als typisches Videofutter mit schmalem Budget, das wohl in erster Linie in die Effekte geflossen ist. Der Rest ist unterirdisch. Schlechtes Schauspiel macht den Film unerträglich und abrupte Schnitte und Szenenübergänge mit plötzlich endender Musik erwecken den Anschein, als wenn hier Filmmaterial im Nachhinein beschnitten wurde. Ob die Schnitten aus Zensurgründen vorgenommen werden mussten, darf bezweifelt werden. Vielmehr dürfte sich hier ein Cutter mit wenig Berufserfahrung am Schnittpult ausgetobt haben, der seine Arbeit unprofessionell gemacht hat. Unprofessionalität ist demzufolge die passende Umschreibung für den gesamten Film, der nicht einmal annähernd versucht aus der grauen Masse an mittlerweile nicht mehr zählbaren Slasher-Werken hervorzustechen. Was hier gezeigt wird, hat man alles schon weitaus besser gesehen. Demzufolge kann man bei so liebloser Machart auch nicht mehr vom gut gemeinten Zitieren sprechen, wenn Regisseur TODD NUNES die Morde aus Slasher-Klassikern wie THE BURNING oder FREITAG DER 13. kopiert. Angesichts der unzureichenden Qualitäten von ALL THROUGH THE HOUSE ist das nicht mehr als Hommage zu bezeichnen, sondern als dreister Diebstahl. Dieser Film ist ein hinterlistiger Zeiträuber ohne Charme, Originalität und Spannung bei dem man sich fragt, wie er auf einigen Horrorfestivals Preise abstauben konnte. Vermutlich saßen wohl Bekannte und Freunde des Regisseurs in der Jury. Kann man daher getrost liegenlassen.
 
 
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ALL THROUGH THE HOUSE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Heißer Sex und harte Kills vor weihnachtlicher Kulisse. Dieser Film ist nicht für jedermann, sondern nur Hardcore-Slasherfans zu empfehlen. ALL THROUGH THE HOUSE (deutscher Titel: SANTA’S KNOCKING) ist kein guter Horrorthriller, weil ihm einfach jegliche Spannung fehlt. Die Schauspieler sind schlecht und das (vom Regisseur selbst geschriebene) Drehbuch überraschungsarm. Zudem schleppt sich der Film träge von Mord zu Mord, was ALL THROUGH THE HOUSE zum Geduldsspiel macht. Immerhin wurden die diversen Kills ordentlich umgesetzt. So darf man sich über handgemachte Manschereien freuen, für die sich Regisseur TODD NUNES offensichtlich von diversen Slasher-Klassikern hat inspirieren lassen. Leider machen blutige Morde allein noch keinen guten Horrorfilm. Im Vergleich zu vielen Klassikern, die Regisseur TODD NUNES zitiert, fehlen ALL THROUGH THE HOUSE nämlich nicht nur Spannung und Substanz – auch Alleinstellungsmerkmale und neue Ideen sucht man in diesem Schnarcher vergebens. Wer demzufolge schon einige Slasher gesehen hat, dürfte schnell das Gähnen bekommen und frustriert abschalten. Besser meiden und sich nicht vom Filmplakat blenden lassen.
 
 
 


 
 
 

ALL THROUGH THE HOUSE – Zensur

 
 
 
In ALL THROUGH THE HOUSE (der in Österreich, Deutschland und der Schweiz unter dem Titel SANTA’S KNOCKING zu haben ist) gibt es viele Morde zu sehen, die recht grafisch zelebriert werden. Da werden Heckenscheren und Macheten in vielen erdenklichen Varianten in Köpfe und Körper gerammt. Zudem werden relativ häufig Penisse abgetrennt. In den 1980ern wäre das definitiv aus dieser Art von Filmen entfernt worden. Heute ist die FSK da schon etwas offener. Dennoch dürfte bezweifelt werden, dass es ALL THROUGH THE HOUSE hierzulande ungeschnitten in den Handel schaffen wird. Um die deutschen Zensurproblematik umgehen zu können, hat ihn das Label EXTREME ungeprüft im deutschsprachigen Ausland veröffentlicht. So kann der Film dort als Mediabook mit dem Titelschriftzug SANTA’S KNOCKING gekauft werden. Ob dieser schlechte Film eine so besondere Verpackung überhaupt verdient hat, sollte aber jeder für sich entscheiden. Die knapp 33 Euro sind es definitiv nicht wert.
 
 
 


 
 
 

ALL THROUGH THE HOUSE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Grafiken stammen von der Webseite zum Film: allthroughthehousemovie.com)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Silent Night, Deadly Night (1984)
 
Silent Night – Leise rieselt das Blut (2012)
 
Saint (2010)
 
Böse Weihnacht (1980)
 
Fröhliche Weihnacht (1984)
 


Filmkritik: „The Windmill Massacre“ (2016)

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THE WINDMILL MASSACRE

(THE WINDMILL)

Story

 
 
 
Tod allen Sündern. Einige Touristen bekommen es in THE WINDMILL MASSACRE mit einem übermenschlichen Killer zu tun. Der hat kein Erbarmen mit seinen selbstsüchtigen Opfern und bestraft sie für ihre Vergehen.

 
 
 


 
 
 

THE WINDMILL MASSACRE – Kritik

 
 
 
Komm, wie fahren nach Amsterdam: Aus dem Land der Tulpen, Coffeeshops und Windmühlen kommt mal wieder ein Horrorfilm, der wegen seines ansprechend zusammengeschnittenen Trailers zuletzt im Internet für Aufsehen gesorgt hat. Das ist dahingehen lobenswert, weil die Mehrheit aller Horrorproduktionen immer noch in den Vereinigten Staaten entstehen, wo man schon lange nicht mehr darüber nachdenkt, was Horrorfans eigentlich wollen. Dort werden nahezu im Akkord anspruchslose Horrorfilme gedreht, die die stets gleichen Geschichten nur mit ausgetauschter Besetzung erzählen – Hauptsache der Umsatz stimmt. Umso schöner zu sehen, dass sich auch andere Länder am Drehen von Horrorfilmen beteiligen. So hat vor allem Europa in den letzten Jahren mächtig Gas gegeben und einiges an Horrormaterial drehen lassen, das sich durchaus gegen die graue Masse aus Übersee behaupten konnte. Ob das auch für den niederländischen THE WINDMILL MASSCRE gilt, bei dem es sich nach DE POEL und SNEAKWEEK schon um den dritten Horrorfilm aus Holland handelt, den wir im Jahr 2016 auf FILMCHECKER vorstellen?
 
 
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Diese Windmühlen malen kein Korn, sondern die Knochen der Sünder. THE WINDMILL MASSACRE folgt der traumatisierten Jenny. Die ist wegen eines Schicksalsschlags von Amerika nach Amsterdam geflüchtet und schlägt sich nun als Au-pair und Kindermädchen bei einer gutbetuchten Familie durch. Leider ist bald Schluss mit lustig, denn der Vater ihrer Gastfamilie konfrontiert das Mädchen mit zwei Pässen und unterschiedlichen Identitäten. Aus Angst vor Konsequenzen und der Polizei sucht Jenny das Weite. In einem Reisebus mit Touristen wähnt sie sich in Sicherheit. Der klappert das niederländische Hinterland ab und fährt ländliche Sehenswürdigkeiten an, damit sich die Gäste von den Wahrzeichen des Landes ein Bild machen können. Was die Teilnehmer dieser Tourismusattraktion aber noch nicht wissen ist, dass bald ihr letztes Stündlein geschlagen hat. Weil der Bus eine Panne hat und nicht weiterfahren kann, sucht man Zuflucht in einer nahe gelegenen Windmühle. Leider bietet das morsche Gemäuer keinen Schutz, sondern bringt den Tod, denn hier treibt der geheimnisvolle Miller sein Unwesen – eine Kreatur, um die sich schaurigen Legenden ranken.
 
 
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Das ist nicht die Hölle, das ist Holland. Hinter dem holländischen Genrebeitrag steckt zumindest jemand, der schon Erfahrungen mit Horrorfilmen hat. Regisseur NICK JONGERIUS fungierte bereits als Produzent für den Found-Footage-Horror FRANKENSTEIN’S ARMY und den Gruselausflug HAUS DER TOTEN SEELEN. Nach Regiearbeiten fürs niederländische Fernsehen und einigen Kurzfilmen probiert der sich nun auch im Regieführen von Horrorfilmen aus. Entstanden ist durchaus atmsphärische Horrorware, die wegen der düsteren Kulisse ab und an Gänsehaut entstehen lässt. Trotz netter Optik, blutigen Spezialeffekten und ansprechend geschminktem Bösewicht verbirgt sich hinter THE WINDMILL MASSCRE aber nichts Großes. Der Film spult ab, was man in nahezu jedem Slasher-Film zu sehen bekommt. Ein (diesmal nichtmenschlicher) Killer macht Jagd auf Touristen und tötet sie nacheinander auf unterschiedliche Weise. Warum er das macht, wird vor jedem Mord erläutert. Die Opfer haben Dreck am Stecken und einige Leichen im Keller. Für ihre Sünden müssen sie daher bestraft werden – blutig und abwechslungsreich. Demzufolge steht das Ausradieren von Sündern im Fokus. Sonderlich geistreich ist das nicht – dafür aber immerhin kurzweilig.
 
 
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Nicht überall wo mit einem Massaker geworben wird, gibt’s auch wirklich ein Massaker zu sehen. THE WINDMILL MASSACRE tischt groß auf, wird aber den Versprechungen keinesfalls gerecht. So lassen im Film Protagonisten zwar ihr Leben; hierbei jedoch von einem Massaker zu sprechen, wirkt reichlich übertrieben. Vielmehr weckt der reißerisch gewählte Titel den Anschein, als ob man Verkäufe ankurbeln wollte. Mit THE WINDMILL (so wie der Streifen anfangs heißen sollte) hätte man da wohl kaum Interesse beim Horrorfan geweckt. Ein Massaker im Titel macht da schon neugieriger. Trotz irreführendem Filmtitel und fehlender Schlachtorgie ist THE WINDMILL MASSACRE nicht unbedingt schlecht. Der Film erinnert in seiner Machart und Ausstattung an diverse Eigenproduktionen des amerikanischen TV-Senders SYFY – freilich ohne die schlechte Effekte, welche man zwangsläufig mit den SYFY-Filmen in Verbindung bringt. Hier wäre unter anderem der SYFY-Horrorfilm SCARECROW zu nennen, der dieser holländischen Gruselproduktion nicht unähnlich ist und ebenso kurzweilige Schauer mit einem nett animierten Filmmonster bot. Wer sich dessen bewusst ist und Erwartungen herunterschraubt, könnte auch mit THE WINDMILL MASSACRE seinen Spaß haben. Demzufolge ist dieser Streifen für Slasher-Fans durchaus einen Blick wert. Wer jedoch seinen Kopf gebrauchen möchte, sollte besser nach anderen europäischen Horrorfilmen Ausschau halten. THE WINDMILL MASSACRE kopiert zu engstirnig diverse Slasher-Vorbilder, von denen viele leider dann doch aus den USA kommen. Intelligentes Horrorfutter sieht anders aus.
 
 
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THE WINDMILL MASSACRE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Für Fans der HATCHET-Reihe durchaus einen Blick wert, auch wenn THE WINDMILL MASSACRE nicht das Massaker zelebriert, das im Titel versprochen wird. Der niederländische Horrorbeitrag gefällt durch düstere Kulisse und geheimnisvollen Filmbösewicht, der kaum Worte verschwendet und schnell zur Tat schreitet. Leider ist THE WINDMILL MASSACRE letztlich aber auch nur ein weiterer Slasher-Streifen von der Stange, in dem es eigentlich nur ums Ausradieren von Filmfiguren geht. Mehr Witz, Hirn und Abwechslung hätten THE WINDMILL MASSACRE sichtlich gut getan. Stattdessen wandelt der Horrorfilm mal wieder auf bekannten Slasher-Pfaden und quält mit Klischees, Vorahnungen und Stereotypen. Trotzdem will man mit THE WINDMILL MASSACRE nicht zu hart ins Gericht gehen. Der blutige Gruseltrip ist ins sich stimmig und hat durchaus seine Momente. Zudem unterhält der Streifen trotz der bekannten Slasher-Rezeptur kurzweilig. Das ist etwas, das vielen Meuchelschockern neueren Datums nicht unbedingt gelingen möchte. Fortsetzung wir hören dich tapsen.
 
 
 


 
 
 

THE WINDMILL MASSACRE – Zensur

 
 
 
Trotz angedeutetem Massaker im Titel ist THE WINDMILL MASSACRE keine Splatter-Orgie. Ein paar kurze Gewaltmomente gibt es dennoch zu sehen. So werden mit einer Sense Füße abgetrennt, Köpfe eingetreten und abgeschlagen. Außerdem wird ein Gesicht mit einem Messer verunstaltet und sogar in einen Brustkorb gerammt. Klingt hart, ist es aber nur bedingt. Eine FSK16 könnte möglich sein.
 
 
 


 
 
 

THE WINDMILL MASSACRE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hatchet (2006)
 
Scarecrow – Das Grauen stirbt nie (2013)
 
The Devil’s Nightmare (1971)
 


Filmkritik: „Tell Me How I Die“ (2016)

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TELL ME HOW I DIE

Story

 
 
 
Ein Medikamententest wird für die attraktive Anna (VIRGINIA GARDNER) zum Albtraum. Kaum ist der Wirkstoff im Blut sieht sie die übrigen Probanten sterben. Das ist kein gutes Omen.

 
 
 


 
 
 

TELL ME HOW I DIE – Kritik

 
 
 
Man stelle sich vor, man könne den nahenden Tod vorausahnen und dementsprechend eingreifen. Interessanter Filmstoff, der ziemlich oft von der beliebten FINAL DESTINATION-Reihe aufgegriffen und spannend ins Kino gebracht wurde. Fünf Filme entstanden aus der frischen Idee, in denen Protagonisten hellseherische Fähigkeiten entwickelten und dem Tod versuchten von der Schippe zu springen. Dass das gut ankam, haben in erster Linie die guten Einspielergebnisse bewiesen. Bis heute gehört die FINAL DESTINATION-Serie zu den finanziell erfolgreichsten Horrorfilm-Reihen, die man im Multiplex zu sehen bekommen hat. Da wundert es vermutlich niemanden, dass man nach dem eigentlich abschließenden Teil FINAL DESTINATION 5 schon wieder an einem weiteren Ableger tüftelt. Visionen über zu frühes Ableben sind auch in TELL ME HOW I DIE Programm. Hier lässt bereits der Titel erahnen, dass jemand einen guten Draht ins Reich der Toten besitzt. So sind Parallelen zum angesprochenen FINAL DESTINATION-Franchise nicht von der Hand zu weisen – auch wenn das Sterben hier nicht von Gevatter Tod inszeniert wird, sondern durch Menschenhand geschieht.
 
 
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Im Film von D.J. VIOLA nehmen einige Studenten an einem Medikamenten-Test teil. In einer Forschungsstation soll ein Mittel getestet werden, das angeblich die Alzheimer-Krankheit heilen soll. Auch die attraktive Anna wagt sich mit mulmigen Magen in die Höhle des Löwen, weil sie mit permanentem Geldmangel zu kämpfen hat. Doch ihr Bauchgefühl ist berechtigt, denn das gespritzte Medikament verfügt über mysteriöse Nebenwirkungen. So werden die Probanten von seltsamen Visionen gequält in denen die Testpatienten sehen, wie sie auf unbequeme Art das Zeitliche segnen. Leider ist die Freude über die neu erworbene Fähigkeit nicht sonderlich groß. Die Todesvisionen verunsichern und sorgen für Angst. Die sollten die Teilnehmer auch haben, denn bald schon beginnt das Sterben. Einer nach dem anderen lässt auf genau jene Weise sein Leben, wie man es vorausgesehen hat. Doch die Bedrohung ist greifbar. Ein Killer hat sich Zugang zur Forschungseinrichtung verschafft und richtet ein Blutbad an. Da stellt sich die Frage, wer von den verängstigten Studenten diesen kompromisslosen Amoklauf überstehen wird?
 
 
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FINAL DESTINATION trifft auf HALLOWEEN. So in etwa lässt sich TELL ME HOW I DIE in wenigen Worten beschreiben, der sich in erster Linie an die Generation Smartphone richtet, die sich gern mal im Kino erschrecken lassen möchte. Makellose Jungdarsteller aus der Modelkartei müssen mal wieder ums Überleben bangen und stellen sich dabei – wie hätte es auch anders sein sollen – nicht sonderlich clever an. Das ist dahingehend bedauerlich, weil der Plot zum Film nicht unbedingt schlecht ist. Regisseur D.J. VIOLA spielt hier mit der Erwartungshaltung der Zuschauer und führt das Publikum auf falsche Fährten. So sind es anfangs verstörende Zukunftsvisionen, die Fragen aufwerfen. Warum können Probanten plötzlich in die Zukunft schauen? Was bewirkt die gespritzte Flüssigkeit im Hirn? Handelt es sich hier wirklich um ein Mittel gegen Alzheimer? Der Macher hält sich dezent mit Antworten zurück und macht den Psychotrip so zur packenden Angelegenheit. Leider kann die aufgebaut Spannung nicht lang gehalten werden, denn die erfrischen Richtung und das Prinzip der vorhersehenden Tode muss zugunsten eines Richtungswechsels weichen. So wird aus dem gut gemeinten FINAL DESTINATION-Plagiat ein beliebiger Slasher in dem es nur um eines geht: dem Töten.
 
 
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Sobald der Killer die Bühne betritt, geht es mit TELL ME HOW I DIE bergab. Die verschreckten Studenten müssen ums Überleben bangen und handeln dabei fast ausschließlich nach den für Slasher-Filme vordiktierten Regeln. Demzufolge wird gerannt, versteckt und gewimmert bevor die jungen Stereotypen endlich dahinter kommen, mit wem sie es hier eigentlich zu tun haben. Sonderlich überraschend ist die Auflösung nicht – zumal Regisseur D.J. VIOLA die Identität der unberechenbaren Killermaschine ziemlich früh verrät. Die bringt die Teilnehmer auf gleiche Weise um, wie in ihren Visionen. Gott sei Dank steht er bald der tapferen Heldin gegenübersteht. Die versucht den Bösewicht zu überlisten und ist dabei selbstverständlich erfolgreich. Was anderes hätte man wohl auch nicht erwartet. Bleibt zu erwähnen, dass aus TELL ME HOW I DIE vermutlich ein ganz ordentlicher Horrorthriller geworden wäre, wenn man das mit dem Killer weggelassen hätte. Dessen Erscheinen wirkt konstruiert und die Erklärungsansätze haarsträubend. Zudem fehlt es im letzten Drittel an Tempo. Das ist angesichts der packenden ersten Filmhälfte äußerst bedauerlich.
 
 
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TELL ME HOW I DIE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein ungewöhnlicher Mix aus FINAL DESTINATION und HALLOWEEN, der leider nur ein Problem hat: das mit dem HALLOWEEN. TELL ME HOW I DIE beginnt stark und spannend, baut aber nach der Halbzeit rapide ab. So verwandelt sich ein Psychothriller über die Nebenwirkungen eines mysteriösen Medikaments in 08/15-Slasher-Kino, das lustlos abklappert, wie sich Protagonisten in Todesvisionen haben zuvor sterben sehen. Dennoch will man mit diesem glattgebügelten Indie-Horror nicht zu stark ins Gericht gehen. Der Film wurde in erster Linie für ein junges Publikum gemacht, das nicht unbedingt ausgeklügeltes Horrorfutter erwartet. Schraubt man Erwartungen herab und klammert Logik aus, wird immerhin so viel Kurzweil geboten, dass man an einem verregneten Herbstsonntag unterhalten wird. Demzufolge Chipstüte zur Hand und Dosenbier geöffnet. Lasst das Schreien beginnen.
 
 
 


 
 
 

TELL ME HOW I DIE – Zensur

 
 
 
Brutal ist TELL ME HOW I DIE – trotz Slasher – keineswegs. Zu einem der deftigsten Morde gehört der Fall mit dem Gesicht in eine Bärenfalle. Wer aber jetzt glaubt, dass das reißerisch zelebriert wird, der irrt. Die Kamera blendet in den meisten Fällen schnell weg oder es wird nur angedeutet. Demzufolge ist eine FSK16 sicher.
 
 
 


 
 
 

TELL ME HOW I DIE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Supercravity Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Final Destination (2000)
 
Final Destination 2 (2003)
 
Final Destination 3 (2006)
 
Final Destination 4 (2009)
 
Final Destination 5 (2011)
 
Déjà-vu (2006)
 
The Jacket (2005)
 
Wayward Pines (2015)