Filmkritik: „Havana Darkness“ (2019)

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HAVANA DARKNESS

Story

 
 
 

Drei neugierige Mittdreißiger bekommen ein Manuskript von Schriftsteller Ernest Hemingway in die Hände, das sie nach Havanna führt, wo sie an eine seltsame Organisation geraten, die eine Leidenschaft fürs Terrorisieren und Foltern hegt.

 
 
 


 
 
 

HAVANA DARKNESS – Kritik

 
 
 
Manchmal ist es besser, wenn man seine Nase nicht in Dinge steckt, die einen doch nichts angehen. Weise Worte, die leider Protagonisten in Horrorfilmen zu oft nicht ernst nehmen wollen. Da ist die Neugierde meist größer als der Verstand, was zur Folge hat, dass Figuren in Umstände hineingerissen werden, aus denen sie schnell nicht mehr entkommen können. Auch der mexikanische Regisseur GUILLERMO IVÁN liebt offenbar Horror-Klischees und nutzt die für etwas reißerisch in Szene gesetzten Horror. Der hat in Kuba im Filmfach studiert und verdient seit Jahren als Schauspieler, Produzent und Regisseur sein Lohn und Brot. Offenbar hat er während seiner Studienzeit ein paar düstere Ecken in Havanna gefunden, die geradezu prädestiniert dafür sind, dort einen Horrorfilm spielen zu lassen. Das Ergebnis ist HAVANA DARKNESS – ein beliebiger Folter-Slasher-Mix mit immerhin atmosphärischen Momenten.
 
 
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Wenn Neugierde in der Sackgasse endet. Carlos Carrasco ist Historiker und bekommt ganz zufällig ein unveröffentlichtes Manuskript in die Hände, das der Schriftsteller Ernest Hemingway während seiner Zeit im kubanischen Havanna geschrieben haben soll. Grund genug das Schriftstück genauer unter die Lupe zu nehmen und mit zwei Freunden nach Kuba zu reisen. Dort will man die Echtheit des Textes prüfen und geht dabei einem Abschnitt im Manuskript auf dem Grund, in dem von einer mysteriösen Mordserie erzählt wird. Die soll sich während des Aufenthalts Hemingways in einer Villa im Herzen der Stadt zugetragen haben. Düstere Legenden oder tatsächlich passiert? Eine Frage, die den drei Hobbydetektiven bald zum Verhängnis wird. Schnell hat man nämlich das geheimnisvolle Anwesen gefunden und verschafft sich trotz Warnung Einheimischer Zutritt. Ein fataler Fehler, der den Freunden zum Verhängnis wird.
 
 
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Ein Horrorfilm aus Kuba? Nun ja nicht ganz. HAVANA DARKNESS ist der erste englischsprachige Genre-Film, der in Kuba gedreht wurde und die Kulisse maroder Bausubtsanz dafür nutzt, um etwas HOSTEL-Feeling auf Zelluloid bannen zu können. Kuba ist nämlich nicht nur für karibisches Nächte und Salsa berüchtigt; das kommunistische Land hat auch enorme wirtschaftliche Probleme. Da bröckelt es an allen Ecken und Kanten. Doch Geld für die Restaurierung alter Gebäude ist nicht vorhanden. Ein Vorteil, der HAVANA DARKNESS förderlich ist. Der Horrorthriller entführt den Zuschauer schnell in eine dunkle Welt, die sich inmitten von Bauruinen auftut und eine Atmosphäre zutage fördert, wie man sie aus schmuddelig-dreckigen Folterwerken kennt. Da werden Erinnerung an so deftige Hausmannskost wie HOSTEL, SEE NO EVIL oder WHAT THE WATERS LEFT BEHIND wach. Wobei wir auch schon beim Film wären. HAVANA DARKNESS ist bei genauerer Betrachtung ein Mix aus Folterfilm und Slasher-Streifen, der sich aber erstaunlich zurückhält bei dem, was solche Filme eben ausmachen. Da wird Gewalt auf das Nötigste beschränkt. Eine etwas unsanfte Beinbehandlung mit einem Sägewerkzeug bildet da leider auch schon den Höhepunkt. Terror- und Folterfilme sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren.
 
 
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Doch bevor der Streifen überhaupt erst einmal an Fahrt gewinnen kann, hat der Film mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Da wird viel recherchiert und um den heißen Brei geredet. So müssen die Helden erst einmal die Fährte wittern und nach Havanna reisen. Der Handlungsverlauf wirkt hierbei unglaubwürdig und konstruiert. So stellt sich bald heraus, dass die Texte des Ernest Hemingway keineswegs echt sind. Die wurden von zwielichtigen Personen in Umlauf gebracht, um ahnungslose Menschen in eine Art unterirdische Kampfarena zu locken. Dort angekommen, werden Nägel mit Köpfen gemacht. Drei maskierte Killer spielen mit ihren Opfern und jagen sie mit Mordwerkzeugen ausgestattet durch blutbesudelte Flure und schlecht ausgeleuchtete Zimmer. Dabei wird die perfide Hetzjagd von einem geheimnisvollen Beobachter über verschiedene Überwachungskameras verfolgt. Das klingt krass, liest sich aber reißerischer, als es letztendlich ist.
 
 
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Viel Lärm um nichts also. HAVANA DARKNESS hat zwar eine Million Dollar gekostet, kann aber seine Video-Herkunft nicht verleugnen. Offenbar ist das gesamte Produktionsbudget in das schmuddelige Set und die immerhin gut kreierten Masken geflossen. Letztere erinnern an die Maskierung des Fallenstellers im Online-Survival-Game DEAD BY DAYLIGHT. Kenner des Horror-Spiels dürften zweifelsohne Parallelen entdecken. Das macht HAVANA DARKNESS aber nicht zum Highlight. Dem Streifen mangelt es an dem, was man eben von Slashern und Terrorfilmen erwartet. Das ist nun mal Gewalt, Gewalt und nichts als Gewalt. Die ist überschaubar und deren Mangel wohl auf fehlendes Budget zurückzuführen. Damit dennoch Spielfilmlänge erreicht werden kann, hetzt man die Protagonisten am Ende etwas zu lang durch ein dunkles Verlies. Da wird’s dem Zuschauer selbst bald düster vor Augen, weil er vom ewigen Gehetze und Verfolgen ganz müde wird. Immerhin fühlten sich die Schauspieler gefordert. In einem Interview erklärte Schauspielerin CAROLINA RAVASSA, dass HAVANA DARKNESS für sie der herausforderndste Film ihrer bisherigen Karriere gewesen sei: emotional, physisch und psychisch. So musste die Darstellerin unentwegt laufen, keuchen, weinen und zittern. Für ihren Körper eine Herausforderung, die die Schauspielerin an ihre Grenzen brachte.
 
 


 
 
 

HAVANA DARKNESS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
HAVANA DARKNESS zeichnet sich durch die schaurigste Killer-Maskierung aus, die man in einem Horrorfilm zu sehen bekommen hat. Zudem gefällt das schmuddelige Folter-Set, das Erinnerungen an Filme wie HOSTEL oder KILLER INK wach werden lässt. Leider war’s das dann aber auch schon mit den Höhepunkten. HAVANA DARKNESS ist ein B-Movie, dem oft das kleine Budget einen Strich durch die Rechnung macht. Das macht sich vor allem am mageren Blutzoll bemerkbar. Irgendwie will man das Gefühl nicht loswerden wollen, als hätten die Macher mehr gewollt, aber nicht mehr gekonnt. Für einen Film dieser Kategorie sind die gezeigten Grausamkeiten beinahe eine Beleidigung. Trotz Folter- und Überlebensthematik sollten Fans dieser Gattung Film demzufolge nicht zu viel erwarten. Hier winkt definitiv ein blauer FSK-Sticker – der Albtraum eines jeden Liebhabers härterer Horrorfilme.
 
 
 


 
 
 

HAVANA DARKNESS – Zensur

 
 
 
Man sollte sich nicht vom reißerischen Filmplakat blenden lassen. HAVANA DARKNESS ist kein Foltermeisterwerk in dem der Lebenssaft minütlich fließt. Der Fan für härtere Filmware darf sich nur an wenigen Gewaltmomenten erfreuen, die dazu auch noch sehr kurz gezeigt werden. Pfeile bohren sich in Körper, ein Kehlenschnitt hat es in den Film geschafft und eine festgebundene Filmheldin muss eine schmerzhafte Fußmaniküre über sich ergehen lassen. Weiterhin fällt ein Protagonist in eine Pfütze und erliegt anschließend einer Elektrobehandlung, weil Strom ins Wasser geleitet wird. HAVANA DARKNESS dürfte hierzulande ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

HAVANA DARKNESS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Gravitas Ventures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sportkill (2007)
 
Hostel (2003)
 
Raze – Fight or Die! (2013)
 
Are You Scared (2006)
 

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Filmkritik: „Hell Fest“ (2018)

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HELL FEST

Story

 
 
 

Wenn die Geisterbahn zur grausamen Realität wird: in einem Horror-Themenpark geht ein Killer um, der Gefallen daran findet junge Menschen zu töten.

 
 
 


 
 
 

HELL FEST – Kritik

 
 
 
Was nur ist mit dem Slasher passiert. Diese Unterart des Horrorfilms flimmert nun seit mehr als über 40 Jahren über die Leinwand – mit Ruhm bekleckert die sich aber seit Jahren nicht mehr. Den letzten wirklich großen Streifen dieser Gattung Film gab es 1996 mit SCREAM. Seither muss man nennenswerte Slasher-Produktionen mit der Lupe suchen. Doch man kann noch hoffen; zumindest wenn man sich den Trailer zum Meuchelstreifen HELL FEST anschaut. Der macht auf den ersten Blick eine gute Figur. Da wird mit rasanten Schnitten, glattgebügelten Bildern, panischer Musikuntermalung und einem furchterregenden Killer geworben. Leider alles heiße Luft. HELL FEST wird Erwartungen nicht gerecht, denn sonderlich spannend oder gar neu ist Gebotenes keineswegs. Ein großes Problem: Regisseur GREGORY PLOTKIN folgt zu engstirnig den Regeln, die der Slasherfilm zu seinen Anfangszeiten festgelegt hat. Wer demzufolge schon mal einen Streifen dieser Art gesehen hat, dürfte ahnen, was ihm blüht. Das hat zur Folge, dass alles absolut vorhersehbar bleibt. Spannung wird demnach zunichtegemacht. Das ist irgendwie ärgerlich.
 
 
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Rummelplatz des Grauens. Offenbar sind Horror-Themenparks, Geisterbahnen und Horror-Häuser seit einiger Zeit eine beliebte Kulisse, um dort Protagonisten an Halloween über die Klinge springen zu lassen. So haben wir zuletzt mit BLOOD FEST, THE FUNHOUSE MASSACRE oder TALON FALLS bereits ähnliche Streifen besprochen, in denen auf schaurigen Kirmes-Veranstaltungen das Böse Runden gedreht hat. In HELL FEST passiert etwas ganz ähnliches. Darin machen sich junge Menschen auf zu einer Attraktion, die Ihresgleichen sucht. Auf dem sogenannten „Hell Fest“ können sich Besucher zu Tode erschrecken lassen. Dieser riesige Themenpark hat sich dem Horror-Genre verschrien und entpuppt sich als riesige Freiluft-Geisterbahn, die dem Besucher das Blut in den Adern gefrieren lassen soll. Zumindest erhoffen sich den ultimativen Schock-Trip auch unsere fünf Helden. Die besorgen sich VIP-Bändchen und können es kaum erwarten sich von Zombies, Geistern und Serienmördern durch die Nacht hetzen zu lassen. Leider befindet sich auch unter den vielen Gästen auch einer, der nicht alle Latten am Zaun hat. Der macht nämlich aus Spaß Ernst und beginnt Besucher zu ermorden. Leider kann er auf dieser Veranstaltung ungestört töten. Die meisten der hier Anwesenden glauben nämlich, dass die Leichen zum Programm gehören. Doch Heldin Natalie (AMY FORSYTH) ist clever. Der kommt alles etwas spanisch vor und bringt sich so in große Gefahr. Der Killer will sich nämlich von ihr nicht den Spaß verderben lassen und heftet sich an ihre Fersen, um die neugierige Zeugin einen Kopf kürzer zu machen.
 
 
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Joar, ist halt ein Slasher. HELL FEST unterscheidet sich nicht unwesentlich von den üblichen Verdächtigen dieses nicht mehr ganz so frischen Subgenres des Horrorfilms. Der Streifen hakt die wichtigsten Regeln ab, die dieser Art von Filmen zugrunde liegen. Wer hier überleben wird, ist bereits zu Beginn klar. So haben wir die obligatorische Scream-Queen, die es am Ende mit dem Killer aufnehmen wird, vorher aber tatenlos zusehen muss, wie die nicht immer klugen Freunde nacheinander abgeschlachtet werden. Selbstverständlich wird dabei die Identität des Killers bewahrt. Der versteckt sich hinter einer schaurigen Maske und darf am Ende entkommen, damit HELL FEST bei Erfolg in eine zweite Runde gehen kann. Der rudimentäre Ablauf dürfte selbst alteingesessene Slasher-Fans unterfordern, denn eine richtige Handlung besitzt HELL FEST keineswegs. Vielmehr sehen wir, wie dumme junge Menschen von einer Themenpark-Attraktion zur nächsten laufen und dabei nacheinander das Zeitliche segnen. Das ist ermüdend, gerade auch deshalb, weil mehr Wert auf Kulisse gelegt wird, statt die Protagonisten und die Taten des Killers in den Mittelpunkt zu rücken. In HELL FEST ist nämlich der Ort der Geschnehnisse der eigentliche Star. Hier haben Bühnenbildern ganze Arbeit geleistet. Das Set glänzt durch Abwechslungsreichtum, die Masken der Schausteller sehen verdammt gut aus und jede Attraktion in diesem Freizeitpark besticht durch Liebe zum Detail. Das mag löblich sein, kann aber den Slasher nicht vor der Belanglosigkeit retten, weil visuelle Raffinessen allein einen Horrorfilm nicht tragen können.
 
 
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Unterm Strich bedeutet das: außen hui, innen pfui. HELL FEST kann nicht halten, was der aussichtsreiche Trailer verspricht. Der Streifen schaut zwar ziemlich gut aus, ist aber bei genauerer Betrachtung keine Spannungsgranate. Die Ereignisse passieren eben und wirkliche Höhepunkte muss man mit der Lupe suchen. Erst im Finale kommt endlich so etwas wie Herzklopfen auf. Dass zudem auch dem Gewaltpegel kaum Beachtung geschenkt wurde, dürfte vielen Slasher-Fans gar nicht gefallen. Mit beinahe schon übertriebener Zurückhaltung geht der Killer in HELL FEST zugange. Da kommen leider zu oft nur unscheinbare Stichwaffen zum Einsatz. Viel Blut fließt demzufolge nicht. Das ist dahingehend enttäuschend, weil deftige Gewalt für viele Zuschauer zum essenziellen Bestandteil in Horrorfilmen geworden ist.
 
 


 
 
 

HELL FEST – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
SCREAM auf dem Rummel. HELL FEST besitzt nennenswerte Voraussetzungen für einen guten Horrorfilm. Das Set ist ungewöhnlich und glänzt durch Liebe zum Detail, Kameraarbeit und Schnitt überzeugen und auch den Schauspieler kann man Talent bescheinigen. Ein großes Problem jedoch ist die Handlung selbst. Die passt auf einen Bierdeckel und bietet garantiert nichts Neues, das man nicht schon in über 40 Jahren Slasher-Geschichte zu sehen bekommen hat. HELL FEST ist so vorhersehbar und konventionell gestrickt, dass erfahrene Slasher-Kenner müde von den immer wieder gleichen Abläufen werden. Nun gut, mag man meinen, Regisseur GREGORY PLOTKIN hat Anlaufschwierigkeiten. Der hat mit HELL FEST gerade mal seine zweite Regiearbeit für einen Langfilm abgeliefert. Zuvor saß der Filmemacher für PARANORMAL ACTIVITY: GHOST DIMENSION auf dem Regiestuhl und kümmert sich für die übrigen vier Streifen genannter Grusel-Reihe um den Schnitt. Demzufolge sollte man Erwartungen herunterschrauben. Auch, wenn der Trailer zum Film neues Slasher-Fieber entfacht – ein Slasher-Highlight ist HELL FEST definitiv nicht. Da hat man weitaus Besseres auf dem Schirm gehabt. Vieles davon entstand aber während den Slasher-Hochzeiten in den 1980ern.
 
 
 


 
 
 

HELL FEST – Zensur

 
 
 
Für einen Slasher ist HELL FEST so ziemlich zurückhaltend ausgefallen. Die härteste Szene ist die, in der einem Protagonisten ein spitzer Gegenstand durch das Auge gejagt wird. Ansonsten wird meist nur kurz mit Stichwaffen in Körper gestochen. Hierzulande ist locker eine FSK16 drin.
 
 
 


 
 
 

HELL FEST – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei CBS FILMS / LIONSGATE / GRANVILLE PICTURES INC.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blood Fest (2018)
 
Bates Haunting – Das Morden geht weiter (2011)
 
The Funhouse Massacre (2015)
 
Scream Park (2013)
 
Dark Ride (2006)
 
Das Kabinett des Schreckens (1981)
 

Filmkritik: „The Strangers: Opfernacht“ (2018)

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THE STRANGERS: OPFERNACHT

(THE STRANGERS 2 | THE STRANGERS: PREY AT NIGHT)

Story

 
 
 

Auf in Runde 2: Nachdem in THE STRANGERS ein ahnungsloses Paar mit Beziehungsproblemen von maskierten Fremden terrorisiert wurde, muss sich in THE STRANGERS: OPFERNACHT eine vierköpfige Familie mit den gleichen Gestalten auseinandersetzen. Diese wird vom personifizierten Bösen in einem Trailerpark verfolgt und muss dort ums Überleben kämpfen.

 
 
 


 
 
 

THE STRANGERS 2 – Kritik

 
 
 
2008 war ein gutes Jahr für Regisseur BRYAN BERTINO. Mit gerade einmal zehn Millionen Dollar dreht der damals noch unerfahrene Newcomer einen fiesen Horrorstreifen, der am Ende über das achtfache an den Kinokassen einspielen konnte. Der Terrorfilm THE STRANGERS kam gut an und erhielt sogar von der Fachpresse positives Feedback. Dass da eine obligatorischen Fortsetzung gedreht werden musste, lag auf der Hand. Seltsamerweise kam die trotz erfolgreicher Auswertung leider nie. Das ändert sich aber jetzt. Zehn Jahre nach dem Erfolg von THE STRANGERS hatte man mit Fans Erbarmen und arbeitete an einem Sequel, das nahtlos an den Geschehnissen des Erstlings anknüpfen sollte. Treu der Devise „Mehr Leichen, mehr Action und mehr Gewalt“ hakte man die Erfolgsformel für Horrorfilm-Fortsetzungen ab und verzettelte sich dabei leidlich. THE STRANGERS: OPFERNACHT – so der deutsche Titel des zweiten Teils – hinkt dem Originalfilm in allen Belangen hinterher. Aus einem Terrorfilm ist nun ein Slasher geworden, der vor allem mit zwei Problemen zu kämpfen hat: der Dummheit seiner Protagonisten und der vorhersehbaren Handlung. Das sind keine guten Voraussetzungen für spannende Horrorunterhaltung, zumal THE STRANGERS 2 gleiche Geschichte erzählt, wie der Vorgänger und dabei auch nichts hinzuzufügen hat. Fans sollten sich auf das Schlimmste gefasst machen.
 
 
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Ein konventionell gewerkelter Hochglanz-Schnarcher für die Generation NETFLIX: Im zweiten Teil von THE STRANGERS geht es einer vierköpfigen Familie an den Kragen. Die Eltern wollen die rebellische Tochter Kinsey (BAILEE MADISON) in ein Internat bringen und machen unterwegs Halt in einem Trailerpark, der von Verwandten betrieben wird. Doch zum Rasten kommt man erst gar nicht. Kaum angekommen, klopft es an der Tür und drei vermummte Gestalten machen den Familienangehörigen das Leben zur Hölle. Die beginnen die ahnungslosen Opfer zu jagen und scheinen offenbar Freude daran zu haben mit den ahnungslosen Auserwählten boshafte Spiele zu spielen. Wie bereits im Originalfilm bleibt die Identität der Bösewichte ungeklärt. Neu hingegen ist, dass sich ihre neuen Opfer zu wehren wissen. Endlich bekommt das Böse auch mal den Marsch geblasen.
 
 
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Ist das ein Remake? Zumindest geht THE STRANGERS: OFERNACHT den gleichen Weg, wie die meisten amerikanischen Hochglanz-Horrorfilme neueren Datums. Viele Fortsetzungen erfolgreicher Hollywood-Streifen werden so konzipiert, dass sie für sich allein stehen können. Das hat zur Folge, dass Sequels quasi gleiche Geschichte erzählen wie ihre Vorgänger, um so den Einstieg für jene zu erleichtern, die die Vorgängerfilme nicht gesehen haben. Was für den einen Segen ist für den anderen ein Fluch. THE STRANGERS: OFERNACHT fühlt sich an, wie ein überflüssiger Nachschlag eines beklemmenden wie hochspannenden Horrorstreifens, der gerade wegen seiner dialogarmen Handlung und messerscharfem Psychoterror zu einem der besten Home-Invasion-Schocker unserer Zeit avancierte. Große Fußstapfen, in die nun Teil 2 treten muss und dabei kläglich scheitert. Viel Neues hat die Fortsetzung nämlich nicht zu erzählen. So wurden einzig Figuren und Schauplätze ausgetauscht. Der Rest ist identisch zum Originalfilm und wurde wenig packend auf Zelluloid gebannt. Das ist dahingehend enttäuschend, weil Regisseur JOHANNES ROBERTS zuletzt gezeigt hat, dass er es eigentlich kann. So drehte er mit THE OTHER SIDE OF THE DOOR und 47 METERS DOWN zwei gelungene Genre-Beiträge, die auch bei Kritikern und Publikum bestehen konnten. THE STRANGERS: OFERNACHT ist dagegen enttäuschend und erweckt den Eindruck, als habe der Filmemacher schnell unter Druck irgendwas drehen müssen. Das Drehbuch wurde dahingeschludert und lässt seine wenigen Figuren nur selten klug handeln. Das erhöht schnell den Nervfaktor beim Publikum, dem es erst gar nicht gelingt, Sympathien für die Protagonisten zu entwickeln, weil diese so irrational handeln. Was bleibt, ist ein wenig origineller Horrorfilm, der offenbar nur deswegen gedreht wurde, um noch einmal schnell Kasse zu machen. Was Horrorfilmfans wollten, war den Machern dabei aber egal. Normalerweise landet sowas wie THE STRANGERS: OFERNACHT direkt auf dem Videomarkt. Weil ein bekanntes Franchise dahintersteckt, musste es trotz qualitativer Schwächen auf Biegen und Brechen ins Kino gebracht werden. Damit macht man sich keine Freunde, zumal vielen weitaus besseren Filmen ein Kinostart vorenthalten wird.
 
 
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THE STRANGERS 2 – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
THE STRANGERS: OFERNACHT ist die Horrorenttäuschung des Jahres 2018. Während THE STRANGERS von 2008 noch ein Horrorfilm war, der mit erbarmungsloser psychologischer Härte schockieren konnte, ist die Fortsetzung ein schnell aufgewärmtes Horrorlüftchen, das offenbar der schnellen Mark wegen ins Lichtspielhaus gebracht wurde. Die Macher haben sich nach zehn Jahren Wartezeit nicht einmal ansatzweise Gedanken darüber gemacht, wie man den kompromisslosen Originalfilm würdig fortsetzen könnte. Warum hat man im zweiten Teil nicht versucht, die Geschehnisse aus der Sicht der Täter zu erzählen? Die bekommen zwar in der Fortsetzung ihr Fett weg, verhalten sich aber oftmals dümmer als ihre aufgescheuchten Opfer. So entpuppt sich das Ergebnis als beliebiger Horror-Slasher von der Stange, der weder Spannung aufbauen kann, noch Mitleid oder Sympathien für seine Opfer entstehen lässt. Statt Einfälle und Neuerungen gibt es noch einmal Aufgewärmtes. Erfahrene Horrorfilmkenner werden da schnell gelangweilt sein, zumal die Abläufe so schablonenartig abgearbeitet werden, dass die Fremden schnell zu Nervensägen avancieren, die hoffentlich bald vom Blitz getroffen werden. Immerhin hat es ein nennenswertes Stilmittel in die Fortsetzung geschafft. THE STRANGERS 2 schaut nämlich aus, wie ein Horrorfilm der 1980er, was offenbar zu verstehen geben soll, dass die Macher ein Herz für die Filme jener Zeit und vor allem für Altmeister JOHN CARPENTER haben. Letzterer dürfte für diesen zwanghaft konventionell gestickten Blödsinn nicht mal ein Lächeln übrig haben. Verständlich!
 
 
 


 
 
 

THE STRANGERS 2 – Zensur

 
 
 
Im direkten Vergleich zum Vorgänger ist die Fortsetzung von THE STRANGERS in Sachen Gewalt weitaus zeigefreudiger. Hier kommt das obligatorische Messer ebenso zum Einsatz, wie Axt und Schrotgewehr. Das alles ist aber derart schnell geschnitten, dass sich die Gewaltmomente nicht so hart anfühlen wie noch im Originalfilm. Hierzulande hat THE STRANGERS: OPFERNACHT eine FSK16 erhalten. Diese ist angemessen.
 
 
 


 
 
 

THE STRANGERS 2 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UNIVERSUM FILM (Blu-ray im Keepcase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Strangers: Prey at Night; USA 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Trailershow, Trailer

Release-Termin: 26.10.2018

 

The Strangers – Opfernacht [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE STRANGERS 2 – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei UNIVERSUM FILM | SQUAREONE)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Strangers (2008)
 
The Purge – Die Säuberung (2013)
 
Them (2006)
 
You’re Next (2012)

Filmkritik: „My Friend Dahmer“ (2017)

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MY FRIEND DAHMER

Story

 
 
 

Außenseiterdasein, Pubertät und Probleme im Elternhaus. Auch Serienmörder – wie Jeffrey Dahmer – mussten sie einmal durchleben: die Jugend.

 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Kritik

 
 
 
Ein neuer Trend im Horror-Genre ist die Erforschung von Jugendjahren bekannter Horror-Ikonen. So sind schon lange nicht mehr nur Fortsetzungen beliebter Horror-Reihen eine sichere Bank. Auch sogenannte Prequels – also Vorgeschichten – haben sich in den letzten Jahren zu einer lukrativen Geldeinnahmequelle entwickelt, sobald man mit Fortsetzungen nicht mehr weiterkommt. Hierbei immer wieder gern verfilmt: die Kindheit gerissener Filmkiller. So musste nicht nur der Mythos LEATHERFACE für den schnellen Dollar genauer unter die Lupe genommen werden. Auch die Jugendjahre von Killer-Kollegen MICHAEL MEYERS oder NORMAN BATES füllten die Bankkonten profitorientierter Studiobosse und nahmen so den legendären Filmbösewichten einen Teil ihres Schreckens. Doch nicht immer muss nur Fiktives genauer ergründet werden. Mit MY FRIEND DAHMER geht es einem an den Kragen, der tatsächlich gelebt hat. Wie es der Titel des Films bereits vermuten lässt, dreht sich in diesem Streifen alles um einen der grausamsten Serienmörder des 20. Jahrhunderts: Jeffrey Dahmer. Der wurde von der Presse auch als „Monster von Milwaukee“ betitelt, weil er zwischen 1978 und 1991 siebzehn Männer ermordete, vergewaltigte und teilweise sogar aufgegessen hatte. Doch Dahmer wurde nicht als Killer geboren. Der folgende Film behandelt einen unbekannten Teil von Dahmers Leben. Rückten alle bisher erschienen Filme in erster Linie die Taten des Mörders in den Fokus, geht es dieser Film etwas anders an. MY FRIEND DAHMER erzählt von der Highschool-Zeit des späteren Serienkillers. Ein interessanter Blickwinkel, um vielleicht einige Ursachen seiner Taten verstehen zu können.
 
 
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Amerika in den 1970ern: Der Teenager Jeffrey Dahmer ist schon ein komischer Kauz. Der beschäftigt sich lieber mit überfahrenen Tieren, die er sammelt und in Säure einlegt, statt sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. In der Schule nimmt kaum jemand Notiz von ihm, bis er unter viel Gelächter seltsame Ticks inszeniert und so die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Plötzlich verwandelt sich Dahmer vom Niemand zum Pausenclown. Dessen komödiantische Gabe erkennt auch Mitschüler John Backderf, der kurzum den Dahmer-Fanclub gründet und den Sonderling zu komischen Taten anstiftet. Doch Dahmer hat Sorgen – große Sorgen. Die Eltern liegen im ständigen Streit und auch die Sexualität des einsamen Teenagers bereitet Probleme. Da kommt der neue Freund „Alkohol“ gerade recht. Leider führt der den desorientierten Jugendlichen genau in den Abgrund.
 
 
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Bevor falsche Erwartungen geschürt werden: MY FRIEND DAHMER ist kein reißerischer Schocker über die Taten des berüchtigten Serienkillers. Wer Blut und Gewalt sucht, ist hier an der falschen Adresse. Der Film rückt nicht die Bestie „Dahmer“ in den Mittelpunkt, sondern untersucht den Mensch dahinter. Dafür stand die Graphic Novel „My Friend Dahmer“ Pate, die von einem Schulfreund Dahmers gezeichnet wurde, der zu Schulzeiten mit dem Eigenbrötler gemeinsam die Bank drückte. Nachdem die Taten des Serienkillers durch die Medien gingen und Dahmer 1994 von einem Mithäftling getötet wurde, begann Schulfreund JOHN BACKDERF Material zu sammeln und seine Begegnungen mit dem Sonderling zu Papier zu bringen. Dabei entstanden Kurzgeschichten, die nicht die Taten des Mörders in den Fokus rücken sollten. Stattdessen analysierte der talentierte Comicautor die Probleme und Sorgen mit denen Dahmer in der Schule und Elternhaus zu kämpfen hatte. Das Resultat entpuppte sich als traurige und erschreckende Charakterstudie eines einsamen Heranwachsenden, die mehrfach Auszeichnungen erhielt. Auf genau jenen Bildergeschichten basiert nun der hier vorliegende Film, der weit tiefgründiger ausgefallen ist, als erwartet.
 
 
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So hat man für die Rolle des jungen Jeffrey Dahmer jemanden gefunden, der wohl sein Image als Kinderstar loswerden wollte. ROSS LYNCH machte sich vor allem mit Auftritten in bekannten Disney-Produktionen einen Namen. Offenbar war ihm leichte Unterhaltung auf Dauer zu wenig, weshalb er mit der Hauptrolle in MY FRIEND DAHMER einen mutigen Richtungswechsel antritt, der ihm außerordentlich gut steht. Der haucht der Rolle des Jeffrey Dahmer eine gewisse Menschlichkeit ein und verdeutlicht dem Zuschauer eindrücklich, was für ein bemitleidenswerter Mensch der spätere Serienkiller tatsächlich war. Seine Verkörperung des wortkargen Sonderlings mutet unheimlich an, faszinierend aber zugleich. Das macht MY FRIEND DAHMER vor allem bei denen interessant, die sich weniger mit Taten sondern eher mit der Psyche fehlgeleiteter Menschen auseinandersetzen wollen. Regisseur MARC MEYERS dämonisiert seinen Filmhelden nicht. Stattdessen kümmert er sich behutsam um seine Filmfigur und studiert sie ausführlich, ohne zwangsläufig ihre Taten zu beurteilen. Das macht die filmische Umsetzung der Graphic Novel besonders, weil man mit dem Namen „Jeffrey Dahmer“ wohl etwas ganz anderes erwartet hat, als es der Film zu vermitteln versucht. Sehenswert!
 
 
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MY FRIEND DAHMER – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Mehr Drama, statt Horror. Beunruhigende und deprimierende Charakterstudie, die niemanden kalt lässt. MY FRIEND DAHMER geht das Thema „Jeffrey Dahmer“ vollkommen anders an. Normalerweise erwartet man hier eine detaillierte und reißerische Ausschlachtung der Taten des berüchtigten Serienmörders. Aber Regisseur MARC MEYERS macht alles anders. Der betrachtet die Jugendjahre des Einzelgängers und versucht damit dem Zuschauer nahezubringen, was für ein desorientierter und verunsicherter Mensch Jeffrey Dahmer wirklich war. Statt die „Bestie“ Dahmer zu analysieren, betrachtet der Filmemacher den „Mensch“ Dahmer mit all seinen Ängsten, Sorgen und Problemen. Damit nimmt dieser Streifen eine Sonderstellung in der Reihe an Verfilmungen über den Serientäter ein. MY FRIEND DAHMER ist ein interessantes und vor allem unkonventionelles Filmprojekt, das neugierigen Cineasten ans Herz gelegt sei. Ein Geheimtipp, der auch bei Filmfestivals wegen des anderen Umgangs mit dem kontroversen Thema „Dahmer“ gelobt wurde.
 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Zensur

 
 
 
MY FRIEND DAHMER hat keine Gewaltmomente zu bieten. Es gibt einige tote Tiere zu sehen, die der Antiheld von der Straße kratzt und in Säure einlegt. Eigentlich wäre der Film daher ein sicherer FSKL12-Kandidat. Wegen des kontroversen Zusammenhangs mit dem Serienmörder Jeffrey Dahmer dürfte der Film aber eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei FilmRise)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Enter the Dangerous Mind (2013)

Hemorrhage (2012)

Simon Killer (2012)

Filmkritik: „Hellraiser: Judgment“ (2018)

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HELLRAISER: JUDGMENT

(HELLRAISER 10)

Story

 
 
 

Drei Police Officer kommen einem grausamen Killer auf die Spur. Doch je weiter die Ermittlungen voranschreiten, umso gefährlicher wird es für die gründlichen Gesetzeshüter.

 
 
 


 
 
 

HELLRAISER: JUDGMENT – Kritik

 
 
 
Manche Filmmonster sind einfach nicht totzukriegen. Die kommen wieder und wieder, weil es die Horrorfilmfans wollen. Es gibt aber auch Filmbösewichte, die kommen wieder und wieder, weil es Studiobosse möchten. Letzteres dürfte wohl auf die Filme mit Kultfigur Pinhead zutreffen, die neben den Killerkollegen Chucky, Michael Myers und Freddy Krueger zu den wichtigsten Kreaturen gehört, die das Horror-Genre hervorgebracht hat. Doch leider tritt man seit Jahren das Höllenmonster mit Füßen. Was 1987 mit Raffinesse, Kreativität und Herzblut ins Leben gerufen wurde, ist längst nicht mehr das was es mal war. Das Hellraiser-Franchise wurde skrupellos ausgebeutet und seinem Schrecken beraubt. Grund hierfür sind schlechte Fortsetzungen, die oft kaum noch etwas mit dem eigentlichen Konzept der Filmreihe zu tun haben. Und so kam, was kommen musste. Statt die Geschichten rund um die Kreaturen der Hölle im Kino weiterzuspinnen, verbannt man die Zenobiten auf den Videomarkt, wo die von CLIVE BARKER ins Leben gerufenen Horror-Monster mittlerweile Dauergast sind.
 
 
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Der groß als Comeback bezeichnete zehnte Film mit dem Titel HELLRAISER: JUDGMENT stellt da freilich keine Ausnahme dar. Der erscheint nun sieben Jahre nachdem man mit HELLRAISER: REVELATIONS den bis dato schlechtesten Teil der gesamten Reihe veröffentlicht hatte. Fans sei aber versichert: Film Nr. 10 ist besser – aber auch nicht besonders gut. Wieder einmal tritt man in altbewährte Fußstapfen. Statt was Hochwertiges fürs Kino zu drehen, produzierte man direkt für den Videomarkt. Somit folgte man gleicher Vermarktungsstrategie, die offenbar schon bei den letzten fünf Fortsetzungen funktioniert hat. Die wurden mit schmalem Budget fürs Heimkino gedreht, was man den meisten dieser Filme auch ansah. Geändert hat sich seither nichts. Kleines Kapital stand nämlich auch für den mittlerweile zehnten Film der Hellraiser-Saga zur Verfügung. Mit gerade einmal 500.000 US-Dollar musste man haushalten, was angesichts der komplexen Bilderwucht eine Lachnummer ist, mit der zumindest die ersten beiden Filme im Kino noch beeindrucken konnten. Dass bei so wenigen Dollar Enttäuschungen vorprogrammiert sein dürften, liegt auf der Hand. Und in der Tat: Enttäuschungen bleiben nicht aus, ist doch HELLRAISER: JUDGMENT weit weg von dem, was sich Fans seit Jahren wünschen. Schnell abgedreht und ins Wohnzimmer gebracht. Da klingelt höchstens das Bankkonto raffgieriger Studiobosse.
 
 
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Die Story zu HELLRAISER: JUDGMENT ist überschaubar und hält erst zum Ende hin Überraschungen parat. Im Grunde genommen geht es um drei Police Officer, die es mit mysteriösen Morden zu tun bekommen. Diese scheinen einen religiösen Hintergrund zu besitzen, stehen doch die grausamen Verstümmelungen mit Versen aus der Bibel in Zusammenhang. Doch die Suche nach dem Täter führt zu keinem Erfolg. Bis man Bekanntschaft mit Zenobiten macht – jene Kreaturen der Hölle, die in nahezu jedem Hellraiser-Film das Highlight sind. Horrorfilmkenner wissen, dass diese Zeitgenossen weder Spaß noch Erbarmen kennen. Einmal in deren Fängen gelandet, gibt es kein Entkommen mehr. Auch die Polizisten schauen dumm aus der Wäsche, als sie plötzlich mit einem seltsamen Spielwürfel hantieren und so das Tor zur Hölle öffnen. Ihnen droht ein blutiger Denkzettel.
 
 
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Eigentlich sollte HELLRAISER: JUDGMENT bereits 2017 veröffentlicht werden, da die Hellraiser-Reihe in jenem Jahr ihren 30. Geburtstag feierte. Offenbar wurde man nicht rechtzeitig fertig und verschob das Sequel um wenige Monate. Die kleine Schonfrist hat dem zehnten Film nicht sonderlich gut getan, denn HELLRAISER: JUDGMENT bleibt weit hinter den Möglichkeiten. Lieblos wurde gedreht, was angesichts der Produktionsgeschichte kein Wunder ist. Böse Zungen behaupten nämlich, dass HELLRAISER: JUDGMENT gefertigt werden musste, damit das Produktionsstudio DIMENSION FILM die Rechte am Franchise behalten kann. Ganz abwegig sind die Gerüchte nicht, denn der hier besprochene Film wirkt hastig und eher zweckmäßig zusammengeschustert. Die Kulisse ist minimalistisch, die Splatter-Szenen überschaubar und der günstige Videolook tut sein Übriges. Wirklich Spaß macht HELLRAISER: JUDGMENT wenig, denn sonderlich viel Spannung will nicht aufkommen. Das liegt vor allem auch daran, weil der Verlauf der Geschichte – zumindest für Kenner der Filmreihe – vorhersehbar ist. So stoßen die ermittelnden Polizisten am Ende auf Kreaturen des Hellraiser-Universums und müssen um ihr Leben bangen. Hier liegt die eigentliche Stärke. Offenbar floss das ganze Produktionsbudget in das Design der Kreaturen. Da hat man viel Herzblut walten lassen, um die grotesken Masken möglich detailverliebt in Szene zu setzen. Doch die können HELLRAISER: JUDGMENT nicht vor dem Untergang retten, denn immer wieder stellt sich die Frage, was das wirre Aneinanderfügen von Versatzstücken aus Filmen wie RESURRECTION, SAW und auch SIEBEN überhaupt noch mit ursprünglichen HELLRAISER zu tun hat? Der Schöpfer dieser Welten dürfte da vermutlich ebenso ratlos sein, wie die meisten seiner Fans. Autor CLIVE BARKER schuf mit HELLRAISER – DAS TOR ZUR HÖLLE einen der wichtigsten Vertreter modernen Horrorkinos, der wegen ekligen Spezialeffekten und sonderbaren Filmmonstern Kinogeschichte schrieb. Im Gegensatz zum Kultfilm ist der zehnte Teil ein laues Lüftchen. Vollkommen überflüssig.
 
 
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HELLRAISER: JUDGMENT – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Hellraiser auf Sparflamme! Ein Mix aus RESURRECTION, SAW und SIEBEN, dem es aber an kreativen Albtraum-Szenarien mangelt, die einst CLIVE BARKER mit HELLRAISER auf die Leinwand gebracht hatte. Was in HELLRAISER: JUDGMENT gezeigt wird, ist äußerst dürftig. Viel Substanz hat der Streifen leider nicht zu bieten. Ein paar Monster hier, eine konstruiert wirkende Serienkiller-Story da und am Ende ein paar Blutmomente – mit mehr darf sich die neuste Hellraiser-Fortsetzung nicht zufriedengeben. Man merkt dem Film an, dass er schnell notdürftig und zügig abgedreht werden musste. Viel Zeit und vor allem Budget stand nicht zu Verfügung. Ein Schelm wer da denkt, dass hier aus irgendeinem Grund irgendwas gedreht werden musste. Einzig die gut entworfenen Filmmonster bleiben in Erinnerung. Da fragt man sich doch glatt, was das Low-Budget-Theater soll. Warum kein Remake mit mehr Budget für die große Leinwand, um einen Neuanfang zu starten? Seit Jahren fristet die bekannte Horror-Reihe ein jämmerliches Video-Markt-Dasein und hat dem beliebten Franchise mit billigen Fortsetzungen die Ernsthaftigkeit geraubt. HELLRAISER: JUDGMENT tritt da in die gleichen Fußstapfen. Da bekommen Fans das kalte Grausen. Übrigens ist diesmal DOUG BRADLEY nicht in seiner Paraderolle des „Nagelkopfes“ zu sehen. Der verkörperte in acht Filmen den kultigen „Pinhead“, wurde danach aber kein weiteres Mal verpflichtet. Der zehnte Film der langlebigen Filmserie muss auch ohne Bradley auskommen. Allein dessen schon ist HELLRAISER: JUDGMENT eine Enttäuschung – auch wenn Schauspieler PAUL T. TAYLOR in der Rolle des Filmmonsters Herrn Bradley zum Verwechseln ähnlich sieht. Nur Original ist legal!
 
 
 


 
 
 

HELLRAISER: JUDGMENT – Zensur

 
 
 
HELLRAISER: JUDGMENT ist keine Splatter-Granate. Es geht überraschend zurückhaltend zu. Demzufolge steigt der zehnte Teil in die gleichen Fußstapfen, wie alle bisherigen Video-Fortsetzungen der Reihe. Es gibt einige kurze Gewaltmomente zu bestaunen, die aber hauptsächlich im Finale zelebriert werden. Hier gibt es auch eine Hommage an den ersten Hellraiser-Film zu sehen. Einer Filmfigur wird das Gesicht mit Ketten auseinandergerissen. Ansonsten reduziert sich HELLRAISER: JUDGMENT auf einige surreale Filmsequenzen in denen dem Treiben der Zenobiten beigewohnt wird. Weiterhin sieht man verstümmelte Leichen, die von den Höllenkreaturen übel zugerichtet wurden. Mit etwas Glück dürfte der hier besprochene Streifen mit einer FSK16 passieren. Wer’s deftig mag, wird daher enttäuscht werden.
 
 
 


 
 
 

HELLRAISER: JUDGMENT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Lionsgate Home Entertainment | Dimension Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hellraiser V: Inferno (2000)
 
Sieben (1995)
 
Resurrection – Die Auferstehung (1999)
 
Der Knochenjäger (1995)
 
Tattoo (2002)
 
8mm – Acht Millimeter (1999)
 

Filmkritik: „Escape from Cannibal Farm“ (2017)

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ESCAPE FROM CANNIBAL FARM

Story

 
 
 
ESCAPE FROM CANNIBAL FARM fängt passabel an, wird aber schnell unfreiwillig albern. Eine Familie gerät an eine Sippe, die auf einer Farm Menschen mit der Kettensäge in kleine Wurstscheiben schneidet.

 
 
 


 
 
 

ESCAPE FROM CANNIBAL FARM – Kritik

 
 
 
Es war einmal ein kleiner Junge, der hat sich während seiner Jugend Horrorfilme im Überfluss angeschaut. Irgendwann kam ihn ein krasses Stück Genre-Kino vor die Funzel, das ihn derart beeindruckt hat, weshalb er später auch mal einen ähnlichen Schocker drehen wollte. So oder so ähnlich dürfte es zur Entstehung des folgenden Streifens gekommen sein, der bereits Dank plakativ gewähltem Titel mit der Tür ins Haus fällt und sich nicht um Subtilität oder Geheimniskrämerei kümmert. Bei ESCAPE FROM CANNIBAL FARM ist die Titelkreation Programm. Die klärt auf, dass es wohl etwas blutiger zugehen wird. Und in der Tat. Der Trailer erfreut durch härtere Gangart und zeigt, wo der Splatter-Frosch die Locken hat. Leider der einzig nennenswerte Bonus in diesem sonst eher stumpfsinnigen Plagiat eines umjubelten Horrorfilmklassikers. ESCAPE FROM CANNIBAL FARM ist eine blutige Schlachtplatte eines noch unerfahrenen Regisseurs, der sich erst noch im Genre ausprobieren und finden muss. Hier ist der Blutzoll zwar hoch, aber das Drehbuch hätte dringend einen Lektor benötigt. Offenbar war es dem (Horrorfilm-begeisterten) Regisseur wichtiger einen Film mit viel Rot zu inszenieren, der bei Gleichgesinnten gut ankommt. Nun ja, das Resultat ist – sagen wir mal so – zweckmäßig.
 
 
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Von nervenden und unsympathischen Figuren, die (Gott sei Dank) Bekanntschaft mit der Kettensäge machen. Ein Wochenendtrip mit Familie und Wohnwagen. Das wollen Mutter und Stiefvater Harver. Die sammeln die drei Kinder ein und nehmen auch gleich noch den Fast-Schwiegersohn in spe mit auf die Reise ins britische Hinterland. Das kommt natürlich bei den Kids gar nicht gut an. Die müssen Handys und Laptop abgeben und sollen das Wochenende ohne Elektrosmog überstehen. Eine unglückliche Entscheidung, denn auf Elektrogeräte wird man bald angewiesen sein. So brennt während der Nachtruhe plötzlich das Zelt der Eltern lichterloh. Dumm nur, dass die Mutter darin geschlafen hat und schlimmste Verbrennungen erleidet. Wie kann das sein? Handelt es sich hier um Brandstiftung? Aber selbstverständlich. In dieser Gegend haust eine seltsame Sippe, die es nicht gut mit Durchreisenden meint. Auf einer Farm werden die zu Gulasch verarbeitet und das Fleisch an gut zahlende Kunden verkauft. Ganz ähnliches Schicksal müssen nun auch unsere Wohnwagen-Camper befürchten. Die werden zu besagter Farm verschleppt und in Käfige gesperrt. Ein Teenager mit Menschenhaut-Maske und Kettensäge hält Wache. Das kommt einen doch irgendwie bekannt vor.
 
 
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Was für ein Blödsinn. ESCAPE FROM CANNIBAL FARM macht in visueller Hinsicht eine hervorragende Figur. Das Szenario ist atmosphärisch, düster und dreckig. Zumindest hier erinnert der Streifen gut und gerne mal an jenen Film, von dem sich ESCAPE FROM CANNIBAL FARM offensichtlich hat inspirieren lassen: dem TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Was aber bitter aufstößt ist das haarsträubende Drehbuch mit dem sich dieser Backwood-Slasher mehr schlecht als recht über die Runden schlägt. Der Film übertrumpft sich förmlich selbst mit unerwarteten Wendungen, die aber so konstruiert wirken, dass sich einem beinahe schon die Zehennägel kräuseln. So wird hier unter fadenscheinigen Gründen nicht nur Menschenfleisch zubereitet. Ein abstruser Streit zwischen Familien lässt vor allem Feingeister die Haare zu Berge stehen. Der Zank muss – wie hätte es anders auch sein sollen – im Blutrausch ausgetragen werden, damit Gorehounds etwas zu sehen bekommen. Doch nicht nur die einfältige Handlung hinterlässt Magengrummeln. Auch seltsames Schauspiel macht den Horrorthriller zum Geduldsspiel. Hier sind zwar talentierte Darsteller am Winseln. Dennoch spielen die Akteure derart überzogen, dass man meinen könnte, hier eine Parodie auf das legendäre Meisterwerk aus der Mache des 2017 verstorbenen TOBE HOOPER zu sehen. Auch wenn ESCAPE FROM CANNIBAL FARM einige zynische Momente zu bieten hat, ist der Streifen weit weg von lustig. Man meint Gezeigtes im wahrsten Sinne des Wortes ernst, was vor allem mit Hilfe von deftigen Gewaltmomenten unterstrichen wird. Demzufolge bleibt schleierhaft, was sich Regisseur, Drehbuchautor und Produzent CHARLIE STEED mit seinem unausgereiften Plagiat zum berüchtigten TEXAS CHAINSAW MASSACRE gedacht hat. Was soll der Quatsch und warum eine so aufgeblähte Handlung, wenn alles ohnehin nur auf ein Blut- und Eingeweidefest hinausläuft? Fans heftiger Gewaltmomente wie WRONG TURN, INBRED und dem Remake zu THE HILLS HAVE EYES wird’s vermutlich weniger stören. Die bekommen als Entschädigung für Sondermüll gut getrickste Spezialeffekte vor die Linse und ein paar knackige Szenen in denen die Motorsäge knattert. ESCAPE FROM CANNIBAL FARM ist nur für Hardcore-Backwood-Horror-Fans geeignet. Für alle anderen dürfte diese britische Blutsauerei zur Farce werden.
 
 
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ESCAPE FROM CANNIBAL FARM – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
The British Chainsaw Massacre. Es hätte so schön werden können: Eine Familie gerät an Hinterwäldler und muss sich mit spitzem Werkzeug zur Wehr setzen, um dem Schicksal entkommen zu können. Leider schießt sich ESCAPE FROM CANNIBAL FARM mit üblen Nebensträngen und schwachsinnigen Wendungen selbst ins Aus. Die Erklärungsversuche für das im Film zelebrierte Massaker sind nicht nur unglaubhaft. Das Splatterfest wirkt dilettantisch und konstruiert. Hier wird eine simple Ausgangssituation mit komischen Nebenhandlungen aufgebläht, die ohnehin darauf hinauslaufen wird, möglichst viele blutige Szenen zu zeigen. Wozu der ganze überflüssige Schnickschnack? Die Frage darauf dürfte wohl nur Regisseur CHARLIE STEED beantworten können. Fakt ist, dass das unnötige Füllmaterial ESCAPE FROM CANNIBAL FARM zu lang macht und das Treiben zu schwerfällig gestaltet. Manchmal funktioniert gradlinig und simpel gestrickt besser – vor allem dann, wenn man sich in einem Subgenre bewegt, das ohnehin nur auf die niederen Instinkte des Zuschauers abzielt.
 
 
 


 
 
 

ESCAPE FROM CANNIBAL FARM – Zensur

 
 
 
ESCAPE FROM CANNIBAL FARM hat schon fiese Szenen zu bieten. Hinsichtlich Spezialeffekte fährt der Backwood-Slasher groß auf und gibt sich äußerst zeigefreudig. Es werden Hände abgerissen, nachdem ein Protagonist einen Käfig angefasst hat, der unter Starkstrom steht. Weiterhin verbrennt eine Filmfigur in einem Ofen. Eine andere kann gerade noch so aus einem brennenden Zelt gezogen werden, sieht danach aber nicht mehr ganz so frisch aus. Da im Film eine Kettensäge rattert, muss diese natürlich auch zum Einsatz kommen. Diese wird zweckentfremdet und für das Abschneiden von Gesichtshaut benötigt. Hierzulande bleibt fraglich ob ESCAPE FROM CANNIBAL FARM ungeschnitten erscheinen wird. Einige der Szenen sind hart anzuschauen und kommen allein deshalb zum Einsatz, um zu schockieren. Sollte die FSK einen guten Tag haben, könnte es gut sein, dass der Kannibalen-Kracher vollständig mit einer Erwachsenenfreigabe passieren wird. Wir rechnen aber eher mit dem Schlimmsten.
 
 
 


 
 
 

ESCAPE FROM CANNIBAL FARM – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Dark Temple Motion Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wrong Turn (2003)
 
Inbred (2011)
 
Killbillies (2015)
 
The Horde (2016)
 
The Hills Have Eyes (2006)
 
The Texas Chainsaw Massacre (1974)
 

Filmkritik: „Desolation“ (2017)

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DESOLATION

Story

 
 
 
Eine Mutter muss sich mit ihrem Sohn gegen einen Psychopathen zur Wehr setzen, der ihnen in der Wildnis nach dem Leben trachtet.

 
 
 


 
 
 

DESOLATION – Kritik

 
 
 
Ein weiterer Horrorthriller, der zumindest in Amerika vom Label IFC MIDNIGHT vertrieben wird. Erfahrene Horrorkenner wissen, was sie da zu erwarten haben. Der amerikanische Filmverleih hat sich nämlich auf sehenswerte Genre-Produktionen aus dem Indie-Sektor spezialisiert, die auch gern mal auf einschlägigen Filmfestivals mit Preisen überschüttet werden. Diesmal hatte man aber leider kein Glück bei der Filmauswahl. DESOLATION wirbt zwar mit verheißungsvollem Retro-Poster, ist aber ein waschechter Rohrkrepierer, den man besser meidet, um sich nicht den Tag verderben zu lassen. Doch der Fehlschlag ist keine Überraschung. DESOLATION entpuppt sich nämlich als Debütwerk eines Regisseurs, der sich zuvor als Produktionsassistent an so Filmen wie THE CALL, THE PURGE oder THE DARKNESS verdient gemacht hat. Wer öfter FILMCHECKER liest weiß, dass die ersten Gehversuche ambitionierter Regisseure nur selten glücken. Das ist auch bei DESOLATION der Fall, der kaum Eigenständigkeit besitzt und Unerfahrenheit im Regiefach an den Tag legt. Vielleicht wird’s beim nächsten Film besser. DESOLATION zumindest ist schwach und kaum der Rede wert, denn hier wird der Begriff „Langsamkeit“ zu ernst genommen. Für Survival-Horror der Todesstoß.
 
 
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Manchmal ist es besser auf die eigenen Kinder zu hören, auch wenn sie erst 13 Jahre alt sind. Zumindest hat der kleine Sam das Gefühl, dass ihn seine Mutter gern mal wie ein kleines Kind behandelt. Beide wollen zusammen mit der besten Freundin der Mutter einen Ausflug in die Berge unternehmen, um dort die Asche des verstorbenen Vaters zu verstreuen. Doch der Ausflug wird für alle zur emotionalen aber auch gefährlichen Gratwanderung. Sie werden nämlich schon bald von einem mysteriösen Fremden mit Sonnenbrille verfolgt, der offenbar nichts Gutes im Schilde führt. Für die Frauen ein Albtraum. Die verfallen in Panik und werden zu leichter Beute. Gut, dass Sam einen kühlen Kopf bewahrt. Der weiß wie man sich in einer solchen Situation verhalten muss und nimmt es mit dem personifizierten Bösen auf.
 
 
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DESOLATION hat nicht viel, um das Interesse des Zuschauers für sich beanspruchen zu können. Die Geschichte ist schnell erzählt und deren Ausgang bereits früh ersichtlich. Drei Protagonisten irren im Wald umher und werden von einem Fremden terrorisiert. Das klingt nach einer weiteren Variation von BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE, ist aber bei genauerer Betrachtung ein ermüdender Überlebenstrip auf den man getrost verzichten kann. Dabei hat der Mix aus Drama und Survival-Horror ein großes Problem: Er nimmt sich zu viel Zeit für Nebensächlichkeiten. So wird in DESOLATION zu viel über verletztes Seelenheil und Familienprobleme geschnattert, was dahingehend unnötig ist, weil die Figuren – trotz Entwicklung – dennoch fad und langweilig bleiben. Die eigentliche Überlebenshatz erhält daher nur wenig Aufmerksamkeit und wird in den letzten fünfzehn Minuten per Eiltempo abgehandelt. Dort erst gewinnt DESOLATION an Fahrt und erwacht aus seinem Dornröschenschlaf. Ob das aber Zuschauer interessieren wird, bleibt fraglich. Weil das Angebot an besseren Filmen riesig ist und der Horrorfilmmarkt weitaus deftigere Schocker bereithält, dürften die meisten Horrorfans bereits frühzeitig abgeschalten und einen anderen Horrorstreifen gestartet haben. Manch Filmemacher sollte daher Publikumswünsche genauer analysieren, um in Erfahrung bringen zu können, was Zuschauer denn von einem Horrorfilm erwarten. Mit langweilig inszenierten Gurken und den ewig gleichen und unoriginellen Geschichten macht man sich keine Freunde.
 
 
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DESOLATION – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Perfides Katz- und Mausspiel. DESOLATION ist trotz hinterlistiger Story nur ein weiterer, banaler Survival-Horror, der den Zuschauer müde macht, statt ihn zu schockieren. DESOLATION macht zwar mit reißerischem Poster neugierig, das an das Exploitationkino der 1970er erinnert. Doch von den harten Horrorthrillern dieser Zeit ist dieser Schnarcher weit entfernt. Wer daher Einschlafprobleme besitzt, sollte sich diesen Horrorthriller verschreiben lassen. Es muss nicht immer die Chemiekeule sein. Schlechte und langweilige Filme können ebenso Wunder bewirken. Wir wünschen friedliche Träume.
 
 
 


 
 
 

DESOLATION – Zensur

 
 
 
Sonderlich brutal ist DESOLATION nicht. Erst in den letzten 20 Minuten fließt etwas Lebenssaft. Zu sehen gibt es eine ausgeweidete Leiche, ein Taschenmesser wird in eine Ferse gestochen und ein Zahn gezogen. Hierzulande dürfte der Streifen ohne Probleme eine FSK erhalten.
 
 
 


 
 
 

DESOLATION – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC Midnight)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Killing Ground (2016)
 
Carnage Park (2016)
 
The Mooring (2012)
 
Quarries (2016)
 
Preservation (2014)
 
Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)
 

Kritik: „Wolf Creek – Staffel 2“ (2017)

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WOLF CREEK: STAFFEL 2

Story

 
 
 
Berge von Leichen und viele vermisste Personen. Leider interessiert das kaum noch überschaubare Verschwinden von Touristen im WOLF-CREEK-Universum niemanden. Deshalb hat der unberechenbare Touristen-Mörder Mick Taylor hier leichtes Spiel. Der hat Lust einen Reisebus zu entführen und die Gäste bis in den Tod zu terrorisieren. Die Gegend um den Meteoritenkrater am WOLF CREEK ist eben ein heißes Pflaster.

 
 
 


 
 
 

WOLF CREEK: STAFFEL 2 – Kritik

 
 
 
Das Seriengeschäft boomt – nicht nur bei Streaming-Plattformen, wie NETFLIX, AMAZON und SKY. Auch weniger bekannte Portale ringen mit aktuellen Serien-Highlights um Abonnenten und drehen exklusives Zeug, das man nur dann sehen kann, wenn man Geld für ein Abo locker macht. So geschehen im Falle von WOLF CREEK – einem derben Slasher, dessen Fortsetzung sich sogar bis an die Spitze der australischen Kinocharts vorarbeiten konnte. Ein Grund für den australischen Streaming-Anbieter STAN sich die Rechte zu sichern und die kompromisslose Backwood-Slasher-Reihe in Serie gehen zu lassen. Leider blieb der erste Serienanlauf hinter Erwartungen zurück. Vielen Fans fehlten die detailreichen Grausamkeiten der Kinofilme. Die werden jetzt nachgereicht. Der Streaming-Anbieter STAN ließ weitere Folgen produzieren und hat diese nun als WOLF CREEK – STAFFEL 2 für zahlende Kunden zur Verfügung gestellt. Das Konzept ist das gleiche, wie bei den Kinofilmen und auch WOLF-CREEK-Schöpfer und Regisseur GREG MCLEAN ließ es sich nicht nehmen, für die ersten beiden Folgen der zweiten Season noch einmal selbst auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. Der verkündete in Interviews stolz, dass man weiter auf die „Psyche eingehen und den Schockfaktor in bislang ungekannte Höhen schrauben“ wolle. Viel irreführendes Marketing-Geschwätz. Auch die zweite Staffel der WOLF CREEK-Serie ist kein Burner. Die Grausamkeiten sind zwar da, verteilen sich aber überschaubar auf knapp sechs Stunden Laufzeit. Dazwischen wird viel geweint, gequasselt und planlos durchs Outback gelaufen. Etwas mehr Drive, Fokus auf das Wesentliche und kürzere Folgen hätten der Serie gut getan.
 
 
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Alles auf Anfang. WOLF CREEK – STAFFEL 2 hat nichts mit den Filmen und der vorhergehenden Season am Hut. Die Serie ist eine Anthologie-Serie, was bedeutet, dass jede Staffel eine eigenständige und abgeschlossene Geschichte erzählt und nur mit Filmkiller Mick Taylor Gemeinsamkeiten zu den übrigen Produktionen des WOLF CREEK-Franchise besitzt. Diesmal muss eine Gruppe Reisender ums Überleben bangen. Die unternimmt mit einem Reisebus eine Spritztour durch Zentralaustralien, um das Outback besser kennenzulernen. Das findet auch WOLF CREEK-Killer Mick interessant. Der ermordet kurzerhand den ortskundigen Reiseführer und nimmt den Platz des Busfahrers ein. Den Urlaubern wundert der plötzliche Fahreraustausch wenig. Doch die naive Gutgläubigkeit schlägt bald in Panik um. Outback-Killer Mick betäubt nämlich die Reisegruppe, lässt den Bus tief in der Wildnis stehen und verschwindet mit Satellitentelefon und Busbatterie. Für die gestrandeten Touristen der Horror. Die haben nämlich bald nicht nur mit Wasserknappheit und Nahrungsmangel zu kämpfen. Weitaus schlimmer ist die Tatsache, dass sie in der freien Wildbahn leichte Zielscheiben für die Schießübungen des skrupellosen Touristen-Jägers sind. So zeichnet sich schnell ab, mit was sich WOLF CREEK – STAFFEL 2 beschäftigen wird. Im Mittelpunkt steht der gnadenlose Überlebenskampf verschiedener Menschen, die sich mit einem Feind konfrontiert sehen, der weder Erbarmen noch Gnade kennt. Natürlich erweist sich eines der Opfer als taff genug, um am Ende dem Killer die Stirn bieten zu können. Ob das Filmfigur Mick Taylor beeindrucken wird? Nach sechs (zu) langen Folgen wird man schlauer sein.
 
 
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Killer Mick Taylor wird zur australischen Nervensäge. Bisher hat das Konzept vom unberechenbaren Killer gut funktioniert, der im australischen Outback Urlauber jagt und anschließend blutig um die Ecke bringt. In Staffel 2 der WOLF CEEK-Serie machen sich aber langsam Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Der Antiheld entwickelt sich nämlich nicht weiter, sondern verfolgt wie eh und je gleiche Pläne, um gerecht werden zu können, was Fans des Franchises erwarten. So stiefelt der Outback-Mörder weiterhin ziellos durch karges Hinterland, um Menschen aufzulauern, die er dann abschlachtet. Angesichts der langen Laufzeit ein Geduldsspiel. Auch Staffel 2 besitzt Stoff, der gerade einmal für einen Spielfilm reicht. Dennoch wurde er auf sechs Einzelfolgen verteilt, damit man daraus eine Season machen konnte. Da bleibt Platz für viel Leerlauf, der sich nicht gerade förderlich auf die Spannungskurve auswirkt. Immerhin bekommt der Zuschauer im Unterschied zur Vorgängerstaffel den Filmbösewicht öfters vor die Linse. Dieser glänzt mal wieder mit zynischen Humor und macht das was er am besten kann: töten. Mehr verlangt das Drehbuch nicht von Schauspieler JOHN JARRED, der diesmal zwar mehr morden darf, dafür aber langsam zum nervtötenden Störfaktor avanciert. Im Gegensatz zu seinen Opfern scheint der – trotz Alter – mit übermenschlicher Intelligenz, abnormaler Vitalität und Bärenkräften gesegnet zu sein. Egal wo sich Opfer in den Weiten australischer Natur verstecken, sie werden von Mick Taylor gefunden. Ein fairer Überlebenskampf wird da zunichte gemacht, zumal das Prinzip vom Davonlaufen, Gefundenwerden und Abschlachten in knapp sechs Stunden Laufzeit so oft wiederholt wird, dass man müde vom Zuschauen wird. Da fragt man sich doch glatt, was sich Drehbuchautoren einfallen lassen, um eine weitere Season rechtfertigen zu können. Als hätte man es geahnt, überlebt Killer Mick am Ende der Staffel den Blutrausch und kann sich in Sicherheit bringen. Weil dem Franchise keine Neuerungen einverleibt wurden, macht sich langsam ein Sättigungsgefühl bemerkbar. Demzufolge macht eine weitere Serienstaffel wenig Sinn. Aber wie heißt es so oft: Die Kuh muss gemolken werden, bis sie keine Milch mehr gibt. Habt Erbarmen mit uns Horrorfilmfans.
 
 
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WOLF CREEK: STAFFEL 2 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Nun ist aber gut. Mit Staffel 2 der WOLF CREEK-Serie wird die beliebte Reihe um einen furchtlosen Outback-Killer gleichzeitig zu Grabe getragen. Das Konzept, welches dem Franchise Daseinsberechtigung gibt, wird hier bis zum Erbrechen ausgereizt. Unterm Strich bedeutet das, dass verängstigte Reisende orientierungslos durch das australische Outback laufen und sich vor den Attacken besagten Mörders in Sicherheit bringen müssen. Doch egal, was sie zum Schutze tun, es nützt letztendlich nichts. Psychopath Mick Taylor ist immer einen Schritt voraus und seine Opfer nicht die hellsten Kerzen auf der Torte. Der unfaire Überlebenskampf hat zwar vor allem dann seine Höhepunkte, wenn die Blutkeule geschwungen wird. Klammert man aber die Gewaltmomente aus, beginnt der Antiheld spätestens in der Halbzeit zu nerven, weil er offenbar mehr Leben besitzt, als zehn Katzen zusammen. Vielleicht wäre es besser gewesen, man hätte auf die Serie zum Horror-Hit verzichtet und stattdessen zwei eigenständige Spielfilme gedreht. Staffel 2 ist nämlich über weite Strecken träge und dürfte dafür sorgen, dass Zuschauer zur Fernbedienung greifen, um Kapitel überspringen zu können. Da nützen auch Fan-Wünsche nichts. Im Gegensatz zur Vorgänger-Season, orientiert sich Staffel 2 nämlich mehr an der Machart der Filme und bietet zudem mehr Screentime für den eigentlichen Star des Franchise: Killer Mick Taylor. Leider entwickelt der sich nicht weiter, sondern verharrt in der ihm auferlegten Rolle. Sinnfreies Morden ohne Konsequenzen und rastloses Umherirren in der australischen Einöde kann eben auch irgendwann mal langweilig werden. WOLF CREEK – STAFFEL 2 ist bis auf die letzten zwei Folgen eine eher ermüdende Angelegenheit. Das müssen sich auch eingefleischte Fans eingestehen.
 
 
 


 
 
 

WOLF CREEK: STAFFEL 2 – Zensur

 
 
 
Im direkten Vergleich zum splattrigen WOLF CREEK 2 ist die zweite Season der Serie Kinderfasching. Zwar wurde im Gegensatz zur ersten Staffel der Gewaltpegel erhöht. Dennoch dürfte der Fans der Reihe enttäuschen. Fast alle der 13 Urlauber des Reisebusses und einige Nebenfiguren sterben. Dabei wird auf gute alte Handarbeit zurückgegriffen. Zu sehen gibt es Verbrennungen, Kopf- und Gesichtsschüsse, Messerstiche in Bauch oder Hals, Erdrosselungen und anderer Splatterkram. Hierzulande reicht das dennoch für eine Erwachsenenfreigabe. Man darf mit einer ungeschnittenen Freigabe mit rotem FSK-Flatschen rechnen.
 
 
 


 
 
 

WOLF CREEK: STAFFEL 2 – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Stan Australia)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wolf Creek: Die Serie – Staffel 1 (2016)
 
Wolf Creek (2005)
 
Wolf Creek 2 (2013)
 
Outback – Tödliche jagd (2011)
 
Crawl (2011)
 
Drifter (2016)
 

Filmkritik: „Dementia 13“ (2017)

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DEMENTIA 13

(HALORAN MANOR)

Story

 
 
 

Eine wohlhabende Familie wird beim alljährlichen Gedenken eines verstorbenen Familienmitglieds mit seltsamen (blutigen) Vorkommnissen konfrontiert.

 
 
 


 
 
 

DEMENTIA 13 – Kritik

 
 
 
Vermutlich ist der Klassiker DEMENTIA 13 nur den wenigsten Horrorfilmfans ein Begriff. Das ist auch kein Wunder, war der Streifen bereits bei seinem Erscheinen im Jahr 1963 kein sonderlich nennenswertes Gruselerlebnis, ist aber trotzdem keine Nullnummer, weil er vom damals erst 24-jährigen FRANCIS FORD COPPOLA gedreht wurde. Letzterer brachte es Jahre später mit Kultfilmen wie DER PATE oder APOCALYPSE NOW zu Weltruhm, begann die Karriere aber mit eher bescheidenen Horrorfilmen bei denen er sogar Unterstützung von B-Movie-Legende ROGER CORMAN erhielt. Weil viele amerikanischen Filmstudios keine neuen Ideen haben und immer den Weg des geringsten Widerstandes gehen, hat man sich nun erwähnten DEMENTIA 13 gekrallt, durch den Zelluloid-Fleischwolf gejagt und was Kommerzielles draus gemacht. Entstanden ist mal wieder eine auf Hochglanz gebürstete Neuauflage eines (nicht grundlos) vergessenen Horrorklassikers, der immerhin das Kunststück gelingt besser zu sein, als die Vorlage. Wunder geschehen. Lobpreiset den Herrn!
 
 
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Von Axtmördern, habgierigen Kleinkriminellen und mysteriösen Stimmen. Im Remake zu DEMENTIA 13 entfacht der tragische Tod eines kleinen Mädchens eine Spirale der Gewalt. Eine wohlhabende Familie kommt jedes Jahr aufs neues zusammen, um einem furchtbaren Schicksalsschlag zu gedenken. Vor vielen Jahren ist das damals sechsjährige Familien-Nesthäkchen Kathleen im Teich ertrunken. Damit der Tod nicht in Vergessenheit gerät, hat man eine Zeremonie ins Leben gerufen, an der sich alle Familienmitglieder einmal im Jahr beteiligen müssen. Doch diesmal steht die Zusammenkunft unter keinem guten Stern. Ein Axtmörder treibt nämlich sein Unwesen und hat es auf die trauernden Gäste abgesehen. Doch nicht nur der Killer bringt den Familienfrieden ins Wanken. Auch zwei Kriminelle machen auf dem Anwesen Halt. Die möchten sich aber nicht am Trauermarsch beteiligen, sondern sind nur am Geld der Gesellschaft interessiert. Leider ist es damit nicht genug. Offenbar sieht man in diesem Horrorstreifen auch noch Geister, was eine Kette von Umständen in Gang bringt, die für viele Figuren dieser Neuauflage den Tod bedeutet. Ein Film – viele Nebenstränge. Man hat sich schon schlechter unterhalten gefühlt.
 
 
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Als FRANCIS FORD COPPOLA vor über fünfzig Jahren die Vorlage inszenierte, musste er seinem Produzenten und Gönner ROGER CORMAN versprechen so viel Sex und Gewalt in den fertigen Film zu packen, dass dem Publikum davon übel wird. Natürlich ist die Sensationsgier des gewaltgeilen Zuschauers auch heute noch ungebremst, wobei dieser in der Neuverfilmung von DEMENTIA 13 Erwartungen herunterschrauben muss. Der hübsch gefilmte Slasher hat natürlich böse Szenen zu bieten, verläuft sich dabei aber nicht im Blut- und Gewaltrausch. Doch die bebilderten Grausamkeiten im Remake sind ohnehin nur Nebensache. Vielmehr versucht Regisseur RICHARD LEMAY zu verwirren. Der ist darum bestrebt das Publikum auf falsche Fährten zu locken, um die Identität des Axtmörders möglichst lang verschleiern zu können. Deshalb treibt er den Zuschauer durch unterschiedliche Horror-Subgenres. So macht DEMENTIA 13 erst im Slasher-Genre halt, streift anschließend das Home-Invasion-Fach und schließt den Schauer-Cocktail mit Geister-Puppen-Grusel im Stile eines DOLLS ab. Wer denkt, dass zu viele Zutaten den Brei verderben, irrt gewaltig. Wenn man DEMENTIA 13 etwas nicht vorwerfen kann, dann ist es mangelnde Abwechslung und fehlende Originalität. Der Mix aus verschiedenen Subgenres fordert den Zuschauer und macht DEMENTIA 13 zu einem interessanten Verwirrspiel, das in der zweiten Filmhälfte auch noch richtig spannend wird. Was ist hier des Pudels Kern und warum müssen vermeintlich unschuldige Menschen sterben? Was hat es mit den flüsternden Stimmen auf diesem alten Landsitz auf sich? Spuken hier etwa Geister umher und wer versteckt sich hinter der Maske eines abgebrühten Axtmörders? Alle Antworten des atmosphärischen Horrorkrimis werden im Finale gelüftet und machen DEMENTIA 13 zu einem sehenswerten Horrorbeitrag, der im Gegensatz zur Vorlage auch noch andere Wege geht. Das dürfte auch jene freuen, die den Originalfilm kennen. Statt originalgetreu zu adaptieren, hat man im Remake Neuerungen und genug Überraschungen eingebaut, um das Rätselraten auch für Kenner der Vorlage zum Erlebnis zu machen. Gerade weil die Neuauflage eigene Wege geht, gehört DEMENTIA 13 zu den besseren Remakes von denen man in den letzten Jahren zweifelsohne zu viele aufgetischt bekommen hat. Leider waren die meisten einfach nur schlecht, beliebig oder überflüssig. Da ist ein Film wie DEMENTIA 13 eine regelrechte Wohltat. Gute Horrorunterhaltung – kurzweilig und schnörkellos.
 
 
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DEMENTIA 13 – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Originell, spannend und im Finale auch noch herrlich schaurig. Der Slasher DEMENTIA 13 ist ein Horror-Remake, das endlich mal wieder Daseinsberechtigung besitzt und besser ist, als das Original. In dieser Neuauflage ist ziemlich viel los, denn Regisseur RICHARD LEMAY verbindet mehrere Subgenres miteinander. Was woanders wohl für Chaos gesorgt hätte, harmoniert in DEMENTIA 13 erstaunlich gut. Der Genre-Mix wirkt zu keiner Zeit störend. Ganz im Gegenteil. Durch die Kombination diverser Subgenres gelingt das Kunststück der falschen Fährten. Für einen Slasher unabdinglich, in dem vor allem die Identität des Killers möglichst lang geheim gehalten werden muss, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers gewinnen zu können. Weil sich DEMENTIA 13 nicht so schnell durchblicken lässt, ist der Horrorthriller vor allem für Slasher-Fans interessant. Die bekommen hier nicht die ewig gleiche Geschichte vor die Linse, in der ein meuchelnder Killer spannungsfrei Menschen abmeuchelt. Stattdessen hat man an Neuerungen gefeilt, um auch mal etwas Abwechslung in das etwas eingerostete Slasher-Genre zu bringen. Aufgrund dessen ist das DEMENTIA 13-Remake eine Bereicherung für diese Filmgattung. Horrorfilmfans, die schon so ziemlich viele (Schema-F-)Schocker gesehen haben und es nach Originalität dürstet, wird´s vermutlich freuen.
 
 
 


 
 
 

DEMENTIA 13 – Zensur

 
 
 
DEMENTIA 13 ist zwar ein Slasher, aber nicht unbedingt der brutalste. Die Gewalteinlagen bewegen sich auf FSK16-Niveau. So wird einer Protagonistin der Brustkorb mit einer Axt eingeschlagen. Gegen Ende werden Köpfe mit Schusswaffen bearbeitet und eine Filmfigur im See ertränkt. Sollte der Streifen hierzulande erscheinen, gibt es definitiv eine Jugendfreigabe – vermutlich mit blauem FSK16-Flatschen.

 
 
 


 
 
 

DEMENTIA 13 – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Chiller Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dementia 13 (1963)
 
Dislike (2016)
 
You’re Next (2011)
 

Filmkritik: „Never Hike Alone“ (2017)

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NEVER HIKE ALONE

Story

 
 
 

Blogger Kyle McLeod wandelt auf den Spuren des Kultkillers JASON VOORHEES und trifft dabei schnell auf den Antihelden höchstpersönlich. Mit blutigen Folgen.

 
 
 


 
 
 

NEVER HIKE ALONE – Kritik

 
 
 
Was Fans nicht alles für ihre Lieblings-Horrorfilmhelden tun. Die werden gern mal vergöttert wie richtige Stars, obwohl es eigentlich fiktive Figuren sind, die von irgendwelche Drehbuchschreibern und Tricktechnikern zum Leben erweckt wurden. Da werden nicht selten regelrechte Filmaltare im heimischen DVD-Regal gebaut, sich verkleidet wie der kultige Antiheld oder auch mal gern selbst zur Kamera gegriffen. Letzteres hat auch VINCENTE DISANTI gemacht. Der scheint ein großer Verfechter der wohl beliebtesten Slasher-Reihe der Welt zu sein und hat sich mit einem selbst gedrehten Fanfilm ein Denkmal gesetzt. Die Rede ist von NEVER HIKE ALONE – einem Horrorfilm, der durch Crowdfunding finanziert wurde und die legendäre FREITAG DER 13.-Filmserie rund um Kult-Killer JASON VOORHEES weiterspinnt. Entstanden ist professionelles Filmmaterial, das so souverän inszeniert wurde, dass man meinen könnte NEVER HIKE ALONE sei wirklich ein weiterer Ableger des Camp-Gemetzels, der vom tatsächlichen Rechteinhaber in Auftrag gegeben wurde. Leider scheint Filmstudio PARAMOUNT PICTURES nach dem finanziellen Flop RINGS kein sonderlich großes Interesse mehr am Franchise zu besitzen. Jegliche Pläne für Fortsetzungen wurden aufs Eis gelegt, obwohl Anhänger der Reihe sehnlichst auf ein neues Sequel warten. Umso mehr dürfte es FREITAG DER 13.-Fans freuen, was hier mit viel Herzblut entstanden ist. NEVER HIKE ALONE überzeugt durch gute Kameraarbeit, stimmungsvollen Klangteppich und punktgenaue Schocks. Da kann man nur hoffen, dass der Film Anklang findet und die Studiobosse von PARAMOUNT hellhörig macht, damit die Abenteuer rund um den Machete schwingenden Killer JASON in die nächste Runde gehen können.
 
 
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In NEVER HIKE ALONE will sich ein erfolgreicher Vlogger auf eine Erkundungsreise begeben mit dem Ziel das berüchtigte Camp am Crystal Lake zu finden in dem sich in den 1980ern Schauriges zugetragen hat. Dort ist ein ertrunkener Junge von den Toten zurückgekehrt, um den Tod seiner Mutter zu rächen. Dabei tötete er unzählige Jugendliche, die dort im Camp einfach nur Spaß haben wollten. Natürlich findet Kyle McLeod das legendäre Ferienlager nach langer Suche in den Wäldern. Doch er ist da nicht allein. Der Killer mit der Hockey-Maske treibt nämlich dort noch immer sein Unwesen und radiert jeden aus, der das Camp ohne Einladung betritt. Jene Erfahrung muss bald auch Kyle machen. Der trifft auf Serienmörder JASON VOORHEES und muss um sein Leben bangen. Er versucht zu flüchten. Doch die Flucht aus dem Camp ist gar nicht so leicht, wie gedacht. Der unkaputtbare Killer lässt sich nämlich nicht so leicht abschütteln und nimmt die Verfolgung auf. Ob es dem neugierigen Blogger gelingt, lebend zurück in die Zivilisation zu finden? Nach knapp 53 Minuten wird man es wissen.
 
 
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NEVER HIKE ALONE ist ein Film von Fans für Fans der beliebten Filmreihe. Obwohl der Streifen nicht einmal Spielfilmlänge erreicht, entwickelt der Slasher schnell eine bemerkenswerte Dynamik, die es vor allem in den letzten 20 Minuten versteht zu packen. Da erscheint die Horrorfilmikone endlich auf der Mattscheibe und nimmt eine atemstockende Verfolgungsjagd auf, die teilweise schon spannender ist, als einige der älteren Fortsetzungen zusammen. Bis jedoch gemetzelt werden kann, muss auch eine Geschichte erzählt werden. Die fokussiert sich auf die erste halbe Stunde und begleitet Held Kyle auf der Suche durch die Wälder nach dem sagenumwobene Schauer-Camp. Dabei macht Regisseur und Drehbuchautor VINCENTE DISANTI hin und wieder von Found-Footage-Elementen Gebrauch in denen der Hauptdarsteller durch Einsatz einer Handkamera mit dem Zuschauer spricht, um ihm alle wesentlichen Details seiner Suche zu erläutern. Offensichtlich scheint Filmemacher VINCENTE DISANTI die bisher zwölf gedrehten Filme um den Hockeymaskenmörder akribisch analysiert zu haben. Dessen Bewegungen und Gestiken wurden exakt aus den bereits veröffentlichten Filmen entnommen. Auch die Optik des Killers – der übrigens im Film auch kurz ohne Maske gezeigt wird – entspricht haargenau der Vorlage und macht NEVER HIKE ALONE deshalb zu einem Fanfilm, der wegen seiner Professionalität schon fast Kinoqualität erreicht.
 
 
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In Interviews erklärte Regisseur VINCENTE DISANTI, dass ihm die Idee zum Fanfilm ganz nebenbei kam. So baut er ein Jason-Kostüm und wollte davon im Wald einige Fotos machen. Das bereitete offenbar soviel Freude, dass daraus bald mehr wurde. So kam ihm eine Geschichte über einen Wanderer in den Sinn, der fernab der Zivilisation von JASON VOORHEES gejagt werden sollte. Von dieser Idee erzählte er DREW LEIGHTY – einem Produktionsassistenten mit dem er zusammen am Animationsfilm ROCK DOG arbeitete. Auch der war sofort Feuer und Flamme. So kam was kommen musste: Man trommelte ein kleines, ambitioniertes Team zusammen, das in den Wäldern Szenen für einen kleinen Filmtrailer anfertigte, um das Interesse all derer gewinnen zu können, die eine Leidenschaft für die FREITAG DER 13.-Filme besitzen. Das Feedback war überwältigend. Deshalb sammelt man Geld auf KICKSTARTER, um aus dem Trailer einen Fanfilm inszenieren zu können. Das kam schnell zusammen und die Dreharbeiten konnten starten. Der Rest ist Geschichte – das Resultat bemerkenswert.
 
 
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NEVER HIKE ALONE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Von einem dem es Leid war, vergebens auf eine weitere Fortsetzung von FREITAG DER 13. zu warten. Regisseur VINCENTE DISANTI ist großer JASON VOORHEES-Fan und wollte schon immer mal einen Film über seinen Lieblingskiller machen. Zwar landete er in der Filmindustrie, aber nicht dort, wo es ihm hätte ermöglicht werden können Filme zu drehen. Gleiches Schicksal erlitt auch DREW LEIGHTY. Der wollte sich schon immer mal als Schauspieler ausprobieren, wurde aber letztendlich „nur“ Produktionsassistent. Demzufolge taten sich beide zusammen und erfüllten sich Träume. Der eine machte den Film, den er schon immer mal machen wollte und der andere konnte darin seine Fähigkeiten als Schauspieler unter Beweis stellen. Entstanden ist etwas Großartiges, das vor allem Fans der legendären Filmreihe begeistern wird. Zwar ist NEVER HIKE ALONE nicht ganz so blutig ausgefallen, wie die Originalfilme des Franchise. Dennoch kann sich der professionell gemachte Fanfilm sehen lassen. Billig? Fehlanzeige! NEVER HIKE ALONE hinterlässt einen hochwertigen Eindruck und macht Lust auf mehr. Vielleicht schafft es der Streifen bis hoch in die Chefetage von PARAMOUNT und überzeugt die Studiobosse davon, dass Regisseur VINCENTE DISANTI nicht nur eingeschworener Fanboy ist, sondern auch der richtige Mann auf dem Regiestuhl für eine weitere Fortsetzung der Original-Filmreihe. Talente hat der Freitag-Fan definitiv.
 
 
 


 
 
 

NEVER HIKE ALONE – Zensur

 
 
 
Für einen inoffiziellen FREITAG DER 13.-Film ist der hier besprochene NEVER HIKE ALONE erstaunlich züchtig ausgefallen. Erst gegen Ende kommt etwas Gewalt ins Spiel, die aber nicht sonderlich zeigefreudig ausfällt. Ein Kopf wird von Jason zerquetscht, eine Machete bohrt sich durch Körper und auch Kultkiller Jason wird mit einer Axt bearbeitet. Sollte der Film überhaupt hierzulande erscheinen, dürfte der Slasher problemlos eine FSK16 erhalten.

 
 
 


 
 
 

NEVER HIKE ALONE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Womp Stomp Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Freitag der 13. (1980)
 
Freitag der 13. Teil 2 (1981)
 
Und wieder ist Freitag der 13. (1982)
 
Freitag der 13. – Das letzte Kapitel (1984)
 
Freitag der 13. Teil V – Ein neuer Anfang (1985)
 
Freitag der 13. – Jason lebt (1986)
 
Freitag der 13. – Jason im Blutrausch (1988)
 
Freitag, der 13. (2009)