Filmkritik: „Masquerade – Try to survive the Night“ (2021)

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MASQUERADE – TRY TO SURVIVE THE NIGHT

(MASQUERADE)

Story

 
 
 
Für ein kleines Mädchen wird ein Abend zum Albtraum, weil zwei Diebe bei ihr und ihrer Babysitterin einbrechen. Werden die Eltern rechtzeitig zurück sein?

 
 
 


 
 
 

MASQUERADE – Kritik

 
 
Selbst der Home-Invasion-Thriller ist mittlerweile ziemlich totgenudelt, weil es in den letzten Jahren einfach zahlreiche solcher Prämissen gab. Die Grundzutaten sind dabei stets simpel und deshalb muss die Inszenierung schon sitzen, wenn der Zuschauer spannend unterhalten werden soll. „Masquerade“ stellt nun den gefühlt hunderttausendsten Film dieser Gattung dar und wirkt von Anfang an wenig originell. Doch das muss nicht heißen, dass das Werk nichts taugt. Ob sich eine Sichtung lohnt, erfahrt ihr nun Stück für Stück.
 
 
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Die elfjährige Casey ist alleine mit ihrer Babysitterin, denn ihre wohlhabenden Eltern befinden sich auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Dummerweise brechen genau an diesem Abend zwei Gauner ein, die es auf wertvolle Gemälde der Familie abgesehen haben. Schnell ist Casey auf sich alleine gestellt und muss sich gegen die beiden Einbrecher verteidigen, aber zum Glück sind ihre Eltern schon auf dem Weg nach Hause. Eine nette Barkeeperin hat nämlich angeboten, sie nach Hause zu fahren, aber steckt hinter diesem Angebot vielleicht mehr dahinter? Etwas schade ist, dass das Drehbuch gar nicht erst versucht, den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken. Von vornherein ist klar, was hier gespielt wird und deshalb bleiben Überraschungen auch komplett aus. Dabei hätte man die Sache mit Rose ruhig etwas undurchsichtiger gestalten können. Es wird zwar am Ende versucht noch eine Pointe zu servieren, aber diese ist dermaßen konstruiert und unwichtig für das vorherige Geschehen, dass sie eigentlich keine echte Rolle für die Wertung der Geschichte spielt. Ansonsten gibt die simple Home-Invasion-Prämisse natürlich sowieso eher weniger her. Die Geschichte ist in solchen Filmen meistens sehr simpel und das darf auch so sein, nur muss dann eben der Rest funktionieren und das tut er bei „Masquerade“ nur bedingt.
 
 
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Man kann dem Werk nicht wirklich vorwerfen, total billig zu wirken, wobei früh ersichtlich wird, dass nicht viel Budget zur Verfügung stand. Dieses braucht man für einen effektiven Film dieser Art aber eigentlich auch nicht, denn der Schauplatz sollte sowieso begrenzt sein. Genau hier will „Masquerade“ dann etwas zu viel, weil er einen ausufernden Nebenstrang präsentiert, der sich mit Rose und den Eltern beschäftigt. Ständig wechselt das Geschehen zwischen diesen Ereignissen und dem Einbruch bei Casey. Somit kann jedoch leider keinerlei klaustrophobische Stimmung aufkommen und der Fokus auf einen Strang wäre hier durchaus effektiver gewesen. Ansonsten kann man der Inszenierung allerdings nicht besonders viel vorwerfen. Regisseur Shane Dax Taylor, der bisher nicht sonderlich viel gedreht hat, versteht sein Handwerk einigermaßen und rein optisch geht der Film ebenfalls in Ordnung. Die überwiegend dunklen Bilder sind niemals zu dunkel, so dass man genügend erkennen kann, die Schnitte wirken sauber und allgemein ist die handwerkliche Arbeit für diese Preisklasse okay. Es mangelt zwar an echten Schauwerten, doch damit kann man leben.
 
 
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Deutlich schwerer wiegt da schon die Tatsache, dass es „Masquerade“ leider niemals so richtig gelingt, eine Spannung aufzubauen. Obwohl man keine Gefangenen macht und es früh eine Leiche gibt, sucht man nach der echten Bedrohung vergebens. Mit seinen gerade mal 80 Minuten Laufzeit ist der Film ganz schön kurz geraten und trotzdem lässt er sich kaum als kurzweilig bezeichnen. Bereits nach der ersten Hälfte führt man die zwei Handlungsstränge zusammen, aber die Splittung zuvor wirkt zu willkürlich und will keinen echten Sinn ergeben. Action ist Mangelware und einen Überlebenskampf im eigenen Haus durfte man schon deutlich aufregender beobachten. Mit viel Gewalt sollte man da nun auch nicht rechnen. Nicht, dass das Werk diese gebraucht hätte, aber so hätte das Szenario noch etwas roher wirken können. Allgemein ist die Atmosphäre nämlich eher seicht. „Masquerade“ ist sehr bemüht schön düster und böse zu wirken, aber es gelingt ihm einfach nicht so richtig. Nur der passable Score sorgt noch für etwas Stimmung.
 
 
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Wenigstens sind die Darsteller ganz okay. Mit Bella Thorne konnte man einen größeren Namen gewinnen und selbst wenn sie relativ gelangweilt agiert, ist ihr Schauspiel doch routiniert. Besonders die kleine Alyvia Alyn Lind überzeugt und ihr nimmt man die Emotionen sogar richtig ab. Bei ihr funktioniert auch die Figurenzeichnung einigermaßen, die insgesamt doch eher plump und sehr konstruiert wirkt. Es ist wirklich schade, dass es nicht packender ist, der kleinen Casey zuzuschauen, denn durch das Spiel von Lind wäre dies durchaus möglich gewesen, aber die restlichen Darsteller sind dann doch eher unwichtig, agieren nicht schlecht, aber auch niemals auffällig und ein Mitfiebern kommt kaum zustande.
 
 


 
 
 

MASQUERADE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Aus „Masquerade“ hätte mehr werden können, weil die Grundzutaten bewährt sind und an sich gar nicht so schlecht bedient werden. Die Story stellt sich allerdings selbst ein Bein, weil sie versucht das Geschehen komplexer zu gestalten, als es eigentlich ist und alleine mit dieser Erzählart wird das mit der Spannung nichts. Die handwerkliche Arbeit ist unspektakulär, aber sauber, die Darsteller sind okay, aber meistens belanglos. Nur die kleine Lind gibt sich mehr Mühe, als es der Film eigentlich verdient hätte. Trotz der kurzen Laufzeit ist diese filmische Angelegenheit ganz schön langatmig und Dinge wie Spannung oder Action kommen kaum auf. Die Atmosphäre versucht krampfhaft mächtig böse und düster zu sein, was ihr nur leider selten gelingt. Ein paar Momente sind ganz ordentlich und die Inszenierung erfüllt ihren Zweck, doch darüberhinaus hat „Masquerade“ leider relativ wenig zu bieten.
 
 


 
 
 

MASQUERADE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Masquerade – Try to survive the Night“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

MASQUERADE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Masquerade; USA 2021

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.00:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 80 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 09.12.2021

 

Masquerade [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

MASQUERADE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Mit der Nacht kommt der Tod (1998)
 
Kidnapped (2010)
 
Home Invasion (2016)
 

Filmkritik: „Demonic“ (2021)

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DEMONIC

Story

 
 
 
Per 3D-Simulation soll eine junge Frau den Kontakt mit ihrer im Koma liegenden Mutter aufnehmen. Dieses Experiment hat fatale Folgen.

 
 
 


 
 
 

DEMONIC – Kritik

 
 
Vor zehn Jahren hätte die Filmwelt wahrscheinlich noch begeistert aufgeschrien, wenn Neill Blomkamp einen neuen Film inszeniert. Mit seinem Debüt „District 9“ feierte der Südafrikaner 2009 nämlich einen großen Erfolg, der sowohl Filmfreunde, wie auch Kritiker begeistern konnte. Danach folgten zwei Filme, die an diese Qualitäten nicht anknüpfen konnten und auch der Posten als Regisseur für „Alien 5“ verpuffte im Nichts. Nun feiert Blomkamp mit „Demonic“ sein Comeback, doch bereits die ersten Kritiken ließen die Erwartungen sinken. Und leider kommt es so, wie man erwarten durfte: „Demonic“ will viel, bietet im Endeffekt aber so gut wie nichts und verkommt so zu einer lauen Luftnummer, die man echt nicht gesehen haben muss.
 
 
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Vor vielen Jahren hat Carly ihre Heimat verlassen, weil ihre Mutter des mehrfachen Mordes angeklagt wurde, worunter Carly sehr gelitten hat. Eines Tages meldet sich ein Pharma-Konzern bei Carly. Ihre Mutter liegt im Koma und die Wissenschaftler wollen unbedingt, dass Carly ihre neue Technologie ausprobiert. Mit Hilfe dieser kann sie per 3D-Simulation in die Gedanken ihrer Mutter schlüpfen und so Kontakt mit ihr aufnehmen. Carly ist von der Idee wenig begeistert, willigt jedoch ein, aber in dem Unterbewusstsein ihrer Mutter lauert Schreckliches. Neill Blomkamp kann Science-Fiction; das hat er besonders mit „District 9“ bewiesen und er schreibt an den Drehbüchern zumindest immer selbst mit. Im Falle von „Demonic“ stammt die Geschichte jedoch von ihm ganz alleine und storytechnisch versagt der Film leider nahezu vollkommen. Was auf dem Papier noch halbwegs interessant klingt, ist in der Umsetzung an Belanglosigkeit kaum zu überbieten. Man bekommt als Zuschauer nicht mal wirklich mit, weshalb sich die Geschehnisse ereignen, die man hier beobachtet. Auf eine clevere Pointe muss man ebenfalls verzichten und mit Dämonen hat das Ganze nun auch nicht gerade viel zu tun. Selbst als anspruchsloser Horrorfan wird man von dieser Story enttäuscht, obwohl verschiedene Einzel-Ideen ja an sich gar nicht mal schlecht wären.
 
 
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Nur leider kann Blomkamp diese einfach nicht zu einem stimmigen Gesamtbild formen. Das größte Problem wird wohl sein, dass der Science-Fiction-Experte nun gerne ins Horrorfach wandern wollte. Und Horror kann der Mann eben nicht, was man an „Demonic“ eindrucksvoll erkennen kann. Die Inszenierung wirkt insgesamt eher gelangweilt und die Horror-Szenen stammen dermaßen von der Stange, dass man auch gleich in billige C-Movie-Gefilde abdriften kann. Ein großes Budget stand Blomkamp nicht mehr zur Verfügung, doch es mangelt auch gar nicht mal so sehr am Geld. Eine schicke Optik ist nämlich dennoch gelungen und zu billig wirkt der Film optisch niemals. Dass die 3D-Simulationen nicht perfekt aussehen, ist sogar relativ authentisch. Hier hat man mit der Volumetric-Capture-Technik gearbeitet, welche echte Welten nachträglich virtuell darstellt. Das Ergebnis sieht durchaus interessant aus und bedient dann wieder die Science-Fiction-Elemente, die Blomkamp so gut beherrscht. Nur wie bereits erwähnt, funktioniert die Symbiose mit dem Horror so gar nicht, weil der Regisseur hier nur den billigsten Standard bedient.
 
 
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Man hätte über die ein oder andere Schwäche noch hinwegsehen können, doch das endgültige Aus beschert „Demonic“ die Figurenzeichnung. Gerade auch in diesem Punkt war Blomkamp zuvor viel besser. Was er hier jedoch geschrieben hat, lässt sich am treffendsten mit dem Adjektiv lieblos beschreiben. Von Anfang an erhält der Zuschauer überhaupt keinen Draht zu den Charakteren. Die Hintergrundgeschichte von Carlys Mutter wird fast gar nicht erwähnt und die Protagonistin selbst wird einem auch nicht näher gebracht. Alles daran ist künstlicher, als die Bilder der virtuellen Realität und so stellt sich ein Mitfiebern mit den Figuren bereits ab der ersten Filmminute ein. Die Darsteller haben da natürlich von vornherein einen ganz undankbaren Job. Carly Pope gibt sich alle Mühe und agiert durchaus brauchbar, kann aber eben auch nichts an der miesen Figurenzeichnung ändern. Alle anderen Schauspieler sind okay, doch niemand kann hier einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
 
 
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Es sollte nun keine große Überraschung sein, dass der Unterhaltungswert nicht viel taugt. Den Anfang lässt man sich noch gerne gefallen und das Potenzial wirkt im ersten Drittel noch relativ vielversprechend, doch bereits hier kommt eigentlich gar keine Spannung auf. Im weiteren Verlauf verschlechtert sich dieser Zustand zusehends. Der mittlere Teil ist fad und will nicht so richtig auf den Punkt kommen, während das Finale dann versucht besonders aufregend auszufallen. Plötzlich gibt es irre Wendungen und viel mehr Action, aber profitieren kann „Demonic“ davon niemals, weil man als Zuschauer hier bereits lange das Interesse verloren hat. Es mangelt im Endeffekt einfach ganz erheblich an Atmosphäre. Der Film ist nämlich überhaupt nicht gruselig, nicht ansatzweise unheimlich oder beängstigend. Als Horror versagt das also auf ganzer Linie, aber selbst die Science-Fiction-Elemente wirken beliebig. Am Ende bleibt ein generischer Score und viel heiße Luft um nichts, wobei die Effekte noch ganz schick ausgefallen sind. Wirklich brutal wird es aber natürlich auch nicht.
 
 


 
 
 

DEMONIC – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
Selbst wenn Geschmäcker im Endeffekt natürlich sehr verschieden sind, fragt man sich bei „Demonic“ schon zurecht, was dieser Film eigentlich soll. Zur Unterhaltung dient er jedenfalls nicht. Die Grundprämisse hätte reizvoll sein können, ein paar Ideen sind solide und die optische Umsetzung ist nun auch nichts, was man alle Tage sieht. Außerdem agieren die Darsteller doch ganz passabel. Das bringt dem Streifen jedoch alles nichts, weil die Inszenierung völlig langweilig erscheint und die Atmosphäre nicht den Hauch von Horror besitzt. Die gesamte Geschichte könnte belangloser kaum sein, aber diese lieblose 08/15-Figurenzeichnung stellt „Demonic“ schlussendlich komplett das Bein. Von diesem Sturz kann sich der Film nicht erholen, selbst wenn das Finale viel Action bieten will. So ambitioniert die Idee von Blomkamp also vielleicht mal gewesen sein mag, so fad ist das Ergebnis und für eine Empfehlung reicht das leider nicht ansatzweise aus!
 
 


 
 
 

DEMONIC – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Demonic“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DEMONIC – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Koch Films (DVD + Blu-ray im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Demonic; Kanada 2021

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.00:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 104 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Trailer | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet

Release-Termin: KeepCase: 31.12.2021 | Mediabook: 31.12.2021

 

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DEMONIC – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Cell (2000)
 
eXistenZ (1999)
 
Virtuosity (1995)
 

Filmkritik: „Outback“ (2019)

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OUTBACK

Story

 
 
 
Für ein junges, verliebtes Paar wird ein Trip ins australische Outback zum wahren Horrortrip, als es sich verirrt und plötzlich ums Überleben kämpfen muss.

 
 
 


 
 
 

OUTBACK – Kritik

 
 
Der Survival-Thriller kommt nicht besonders oft mit Vertretern daher, aber diesem Szenario etwas abzugewinnen, stellt sich auch als gar nicht so leicht heraus. Wenn es keinerlei anderweitige Gefahr gibt und der Überlebenskampf in der Wildnis alleine im Fokus steht, braucht man schon ein sehr gutes Drehbuch, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. „Outback“ gibt sich diesbezüglich wirklich die größte Mühe und ist handwerklich ordentlich gemacht, scheitert aber an dermaßen vielen Unglaubwürdigkeiten, dass das Zuschauen wahrlich keine Freude darstellt.
 
 
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Wade und Lisa, ein amerikanisches Paar, reisen nach Australien. Wade hat sich die Reise sicher etwas anders vorgestellt, denn er macht seiner Lisa einen Heiratsantrag, den diese ablehnt. Trotzdem muss man den Urlaub nun irgendwie verbringen und da verschlägt es das angeschlagene Paar ins australische Outback. Ohne überhaupt großartig vorbereitet zu sein, führt sie das GPS in die Irre und ehe sich die Beiden versehen, müssen sie auch schon ums nackte Überleben kämpfen. Menschen verhalten sich nicht selten doof, unterschätzen Gefahren und sind an ihrem Schicksal gerne mal selbst Schuld. „Outback“ soll auf einer wahren Begebenheit basieren und es ist nur zu hoffen, dass sich dies nicht so zugetragen hat, wie das Drehbuch es uns schildert, denn hier haben sich wirklich viele Fehler eingeschlichen, die jeder, der auch nur eine Folge von Bear Grylls und Konsorten gesehen hat (oder aber auch ein wenig gesunden Menschenverstand) besitzt, verhindern könnte. Natürlich gibt die Handlung nicht sonderlich viel her, aber das muss sie auch in dieser Form nicht tun. Hier wäre es nur sehr wichtig gewesen, das Geschehen authentischer zu gestalten und in diesem Punkt versagt vor allen Dingen eines: Die Figurenzeichnung!
 
 
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Wade und Lisa werden uns als sympathisches, junges Paar vorgestellt, welches wohl etwas unterschiedliche Ansichten über die Zukunft besitzt. Der Streit um den gescheiterten Heiratsantrag wäre nicht notwendig gewesen, denn er sorgt nicht gerade für Tiefe, aber er stört auch nicht wirklich. Am Anfang verhalten sich beide noch einigermaßen plausibel und man kauft ihnen ihre Figurenzeichnung durchaus ab. Doch sobald man sich dann im Outback befindet, sagt man dem Realismus auf Wiedersehen. Wade soll angeblich bei der Army sein und macht die simpelsten Fehler, die man in der Natur machen kann. Natürlich läuft man einfach mal los, um dann bei Sonnenuntergang den Rückweg anzutreten! Noch schlimmer ist allerdings der Überlebenskampf, denn dieser will null authentisch wirken. Wenn Lisa nach etlichen Tagen ohne einen einzigen Tropfen Flüssigkeit (was alleine schon sehr unrealistisch ist) sich immer noch so sehr davor scheut Urin zu trinken, dann wirkt das einfach unglaubwürdig. Selbst wenn man sich noch nie in einer solchen Situation befand, was jedem zu wünschen ist, kann man schnell erkennen, dass der Regisseur und Drehbuchautor es scheinbar ebenfalls noch nie hat.
 
 
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Dabei muss man Mike Green, der mit „Outback“ sein Spielfilmdebüt gab, immerhin zu gute heißen, dass er das Werk handwerklich wirklich gut hinbekommen hat. Die Schauplätze machen etwas her, sehen hübsch aus und werden von der Kamera toll eingefangen. Billig wirkt daran überhaupt nichts und die Inszenierung holt aus dem simplen Szenario genügend heraus. Gut gemacht, ist „Outback“ also auf jeden Fall und zusätzlich profitiert er von grundsoliden Darstellern. Die einzigen, beiden Hauptrollen werden von Taylor Wiese (sehr ordentlich) und Lauren Lofberg (immerhin passabel) gut verkörpert. Wäre ihre Figurenzeichnung nicht so an den Haaren herbeigezogen, dann hätte man mit diesen Charakteren durchaus mitfiebern können. Leider geht einem das dämliche Verhalten der beiden Figuren jedoch alsbald auf die Nerven, so dass es einem relativ egal ist, was mit ihnen geschieht. Auch hier sei noch mal erwähnt: Man muss sich selbst nicht unbedingt in einer solchen Situation befunden haben, um auf ein paar clevere Ideen zu kommen.
 
 
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Was bleibt, ist am Ende ein Unterhaltungswert, der kaum überzeugend ist. Dabei gefällt der Start sogar noch einigermaßen gut. Das erste Drittel ist unspektakulär, lädt jedoch zum Australien-Trip ein, bietet viele Kulissenwechsel und zwei Menschen, mit denen man noch etwas anfangen kann. Sobald dann der Survival-Thriller beginnen soll, verliert sich „Outback“ in seiner eigenen Belanglosigkeit. Da werden zwar alle typischen Zutaten aufgefahren, doch irgendwie verharmlost man sie auch alle. So steht die Suche nach Wasser nie im Fokus, selbst giftige Tierchen können einem nicht wirklich etwas anhaben. Stattdessen beschwert man sich weiter darüber, dass es ekelig ist, Urin zu trinken. Spannung will da keine aufkommen, weil man es den Charakteren bei diesem dümmlichen Verhalten ehrlich gesagt auch gar nicht gönnt zu überleben. Nur weil das Schauspiel doch ambitioniert wirkt und manchmal ein paar Qualen glaubhaft herüberbringt, versagt die an sich echt trostlose Atmosphäre an wenigen Stellen nicht. Für einen guten Unterhaltungswert reicht dies alleine jedoch nicht aus und weshalb der Film ab 16 Jahren freigegeben ist, bleibt ebenfalls ein Rätsel. Sogar „127 Hours“ war da viel drastischer in seiner Darstellung und wurde mit einer Freigabe ab 12 Jahren gesegnet. Effekte gibt es so gut wie keine zu sehen.
Der Score macht seine Sache ganz gut.
 
 


 
 
 

OUTBACK – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
„Outback“ macht aus handwerklicher Sicht nahezu alles richtig, sieht gut aus, bietet einige Schauwerte und macht optisch einfach etwas her. Zudem besitzt er zwei brauchbare Hauptdarsteller. Der Rest versagt leider, was vor allen Dingen an einer mageren Story liegt, die es überhaupt nicht hinbekommt, ein authentisches Szenario zu kreieren. Am schlimmsten trifft es jedoch die Figurenzeichnung, denn wie sich die beiden Charaktere verhalten, ist einfach sehr unrealistisch und unglaubwürdig. So entsteht leider gar keine Spannung und der Survival-Thriller verpufft zur Nullnummer. Das besitzt eine brauchbare Einleitung und vermag kurzzeitig auch mal zu unterhalten, doch anstatt mit den Figuren mitzufiebern, muss sich der Zuschauer eher über ihre Dämlichkeit aufregen. Von daher gut gemeint, aber schlecht geschrieben!
 
 


 
 
 

OUTBACK – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Outback“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

OUTBACK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) KOCH FILMS (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Outback; Australien 2019

Genre: Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 25.11.2021

 

Outback [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

OUTBACK – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei KOCH FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
127 Hours (2010)
 
Cast Away – Verschollen (2000)
 
Backcountry – Gnadenlose Wildnis (2014)
 

Filmkritik: „Run Hide Fight“ (2020)

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RUN HIDE FIGHT

Story

 
 
 
Als vier Schüler an einer Schule zum Amoklauf einladen, gibt es nur eine 17-jährige, die sich dagegen zu wehren weiß.

 
 
 


 
 
 

RUN HIDE FIGHT – Kritik

 
 
Amokläufe an Schulen gibt es leider immer wieder. Besonders Amerika ist davon geplagt und da darf man sich durchaus fragen, ob man diese schlimme Prämisse für einen Actionthriller nutzen muss. „Run Hide Fight“ muss sich eine solche Kritik durchaus gefallen lassen, weil er im Endeffekt doch eher brachiale Unterhaltung bieten will. Zum Glück gibt es nebenbei aber auch ein bisschen Gesellschaftskritik und deshalb ist das Resultat nicht dermaßen fragwürdig, dass es zur Provokation einlädt. Leider hat man sich mit dem Thema gleichzeitig ziemlich plump auseinandergesetzt, weshalb das Ganze irgendwo im Mittelmaß verpufft.
 
 
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Die 17-jährige Zoe hat früh ihre Mutter verloren, von ihrem Vater jedoch umfangreiche Kenntnisse in der Jagd und im Überleben erworben. In der Schule ist Zoe eher eine Außenseiterin und als der Schulball ansteht, sehnt sie sich weit hinfort. Dieser Wunsch soll in Erfüllung gehen, denn am letzten Schultag stürmen plötzlich vier Jugendliche die Schule. Mit reichlich Waffengewalt im Gepäck planen sie einen lupenreinen Amoklauf, aber das Ganze soll auch live per Stream im Internet landen. Nur haben die Vier ihre Rechnung nicht mit Zoe gemacht, die gar nicht daran denkt sich selbst oder die anderen aufzugeben. Das Drehbuch, welches Regisseur Kyle Rankin selbst schrieb, ist komplett zerfahren, besitzt gute, wie auch schlechte Seiten und lässt sich deshalb kaum einheitlich bewerten. Es gibt schon ein paar Filme, die sich mit Amokläufen an Schulen befassen, doch „Run Hide Fight“ kommt wie ein normaler Actionthriller daher, der nicht selten an „Stirb langsam“ erinnert und das wirkt aufgrund der ernsten Thematik dann doch erst mal befremdlich. Dass Rankin ein Thema, welches immer mal wieder grausame Realität darstellt, ausnutzen würde, kann man allerdings auch nicht behaupten, denn er streut immer wieder kleine Seitenhiebe in Form von Gesellschaftskritik mit ein. Da werden Dinge wie die Handysucht der Jugend angesprochen etc. So wirklich treffsicher will das jedoch niemals wirken und insgesamt macht das alles einen etwas zu plumpen Eindruck, weshalb das Drehbuch echt durchwachsen wirkt.
 
 
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Ein Film wie „Run Hide Fight“ steht und fällt mit seiner Figurenzeichnung und in diesem Punkt geht es ähnlich zwiespältig zur Sache. Der Anführer der Täter besitzt seine Motivation und diese wird einigermaßen gut herüber gebracht, wirkt aber auch gleichzeitig nicht komplett ausgearbeitet. Eli Brown gibt sich zum Glück alle Mühe, um seinen Charakter möglichst durchgeknallt wirken zu lassen und spielt das ziemlich stark. Bei unserer Heldin sieht es ähnlich kompliziert aus. Zoe muss viel Trauer aufarbeiten und deshalb erscheint ihr immer wieder ihre Mutter als Art der Halluzination. Zur Geschichte trägt dies nicht viel bei. Zwar bekommt der Zuschauer so manchmal kurz Radha Mitchell zu sehen, aber auch hier wird man das Gefühl nicht los, dass die Ideen nicht zu Ende gedacht wurden. Isabel May macht ihre Sache als Heldin jedoch ordentlich und die Figurenzeichnung ist hier zweckdienlich konstruiert. Der Rest der Charaktere bleibt blass. Obwohl Thomas Jane, Barbara Crampton und Treat Williams zu sehen sind, bleibt auch das Schauspiel eher unauffällig. Leider verhalten sich die Personen auch nicht gerade schlau, so dass z.B. die Polizei dümmlich agiert, die Geiseln niemals einen Versuch der Flucht unternehmen etc. Für einen doofen Actionfilm wäre das nicht weiter tragisch, aber eben weil man doch versucht Anspruch mit einzubauen, fällt dieser Umstand doch arg auf.
 
 
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Die Inszenierung hat Kyle Rankin ganz gut hinbekommen; da kann man nichts sagen. Die Schauplätze sind zwar nicht spektakulär, aber sie sehen authentisch aus. Die Inszenierung wirkt an manchen Stellen etwas holprig und auf Feingefühl sollte man hier nicht setzen, aber insgesamt macht „Run Hide Fight“ handwerklich schon einen guten Eindruck. Ganz harmlos geht es dabei ebenfalls nicht zur Sache, weshalb die deutsche Freigabe ab 16 Jahren schon leicht verwundert. Da wird zwar selten explizit Blut vergossen, doch gerade in Kombination mit der Thematik ist das Szenario schon relativ derb. Der Score erledigt seine Sache passabel.
 
 
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Mit dem Unterhaltungswert kann man allerdings hadern. Die kleine Einleitung passt ziemlich gut und macht zunächst neugierig. Es dauert jedoch nicht lange, bis Themen wie Mobbing und doofe Schüler grobschlächtig behandelt werden und schon hier verliert „Run Hide Fight“ an Authentizität. Bis es dann zur ersten Action kommt, vergeht gar nicht mehr so viel Zeit, aber die größten Schauwerte sollte man hier nicht erwarten. Manche Szenen sind ganz gut gestaltet, viele allerdings auch sehr gewöhnlich. Es liegt auf der Hand, bei diesem Szenario den Namen „Stirb langsam“ öfter zu nennen, aber die Action wirkt dann doch eher bodenständig. Das muss nicht schlecht sein, kommt bei diesem Film jedoch eher langweilig daher. Richtige Spannung will leider nicht aufkommen, denn obwohl die Figurenzeichnung so bemüht ist, juckt einen das Schicksal der Charaktere kaum. So wirkt die, bei diesem Thema eigentlich angemessene, Laufzeit von 110 Minuten am Ende doch relativ zäh und man ist nicht böse drum, wenn das Treiben beendet ist.
 
 


 
 
 

RUN HIDE FIGHT – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
„Run Hide Fight“ ist ein sehr unentschlossener, zwiespältiger Film, der sich nicht entscheiden kann, ob er nun Gesellschaftskritik oder doch nur stumpfen Unterhaltungsfilm bieten will. Das Drehbuch mag auf den ersten Blick fragwürdig erscheinen, zaubert dann ein paar feine Pointen, ist im Endeffekt aber kaum schlüssig, weil viele Zutaten in einen Topf geschmissen wurden, die zusammen nicht wirklich sinnvoll erscheinen. Als reines Drama hätte das sicher besser funktioniert, aber als Actionthriller bietet der Film zu wenig packende Action und vor allen Dingen zu wenig Spannung. Zum Glück kann man sich auf die guten Darsteller verlassen und die handwerkliche Arbeit geht ebenfalls in Ordnung. In Anbetracht des ernsten Themas hätte man sich jedoch ein besser ausgearbeitetes Drehbuch gewünscht. Oder aber – wenn man dieses nicht bieten kann – gleich völlige Hau-Drauf-Action fernab jeglicher politischer Korrektheit. Beides kann „Run Hide Fight“ nicht bieten und deshalb wird er auch schnell vergessen sein, selbst wenn er an sich nicht schlecht gemacht ist!
 
 


 
 
 

RUN HIDE FIGHT – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Run Hide Fight“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

RUN HIDE FIGHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 

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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Run Hide Fight; USA 2020

Genre: Thriller, Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 113 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 28.10.2021

 

Run Hide Fight [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

RUN HIDE FIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Klass (2007)
 
Stirb langsam (1988)
 
Falling Down – Ein ganz normaler Tag (1993)
 

Filmkritik: „Anti-Life – Tödliche Bedrohung“ (2020)

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ANTI-LIFE – TÖDLICHE BEDROHUNG

(BREACH)

Story

 
 
 
Bruce Willis ist zurück und macht den B-Movie-Sektor mal wieder unsicher. In „Anti-Life“ muss er sich gegen einen außerirdischen Parasiten verteidigen.

 
 
 


 
 
 

ANTI-LIFE – Kritik

 
 
Es gab mittlerweile genügend Intros zu Filmkritiken, die auf Bruce Willis basieren. Wenn man sein gelangweiltes Gesicht auf einem Cover von einem neueren Werk sieht, zieht das scheinbar noch immer genügend Publikum an, aber hochwertige Kost erwartet dahinter sicher kaum noch jemand. „Anti-Life – Tödliche Bedrohung“ klang von vornherein wenig vielversprechend, hätte aber mit einer besseren Inszenierung sogar noch durchschnittlich sein können. So mies ist der Film nicht, nur leider mal wieder ziemlich langweilig.
 
 
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Mit der Erde, unserem Heimatplaneten, ist es vorbei, weshalb eine große Anzahl an Auserwählten mit einem Raumschiff auf einen erdähnlichen Planeten transportiert werden soll. Das Ganze würde auch funktionieren, wenn sich auf dem Schiff nicht irgendwie eine unbekannte Lebensform einquartiert hätte. Das parasitäre Wesen schlüpft in die Körper der Besatzung und schon bald regiert auf dem Raumschiff das Chaos. Wirklich originell klingt das nicht, aber jeder, der schon ein paar Science-Fiction-Filme mit Aliens gesehen hat, weiß, dass es nicht immer die kreativen Einfälle sind, die für Unterhaltung sorgen. Nur gut gemacht, sollte es sein. Bei „Anti-Life – Tödliche Bedrohung“ trifft dies leider eher weniger zu, weshalb die magere Handlung auch nicht so wohlwollend aufgenommen wird. Die Grundzutaten sind allesamt kopiert, hätten jedoch das Zeug dazu gehabt, einen unterhaltsamen Film zu entwerfen. So schlecht geht man das Szenario eigentlich auch gar nicht an. Hier und da wird zwar zu viel Zeit mit Belanglosigkeiten verschwendet, doch hinterher treibt man die Geschichte immerhin schnell voran. Dass das Ganze kaum funktionieren will, liegt am ehesten an der Inszenierung.
 
 
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Diese hat der Regisseur John Suits, der auch schon zuvor ein paar Werke gedreht hat, nämlich ganz schön versemmelt. Wie ein vernünftiger Spannungsaufbau funktioniert, scheint dem Mann jedenfalls fremd zu sein. Erst herrscht Stille, dann kommt die Gefahr ins Bild gehopst, es wird geballert und die Szene ist zu Ende. Das wiederholt sich etliche Male in „Anti-Life“ und da darf sich niemand wundern, wenn so keine Spannung entsteht. Außerdem sind die Kulissen echt ziemlich langweilig. Dass das Szenario wirklich in einem Raumschiff im Weltall stattfinden soll, wird dem Zuschauer nur selten authentisch verkauft. Da wird zwar mit reichlich öden Lichtern gespielt, doch eine Atmosphäre entsteht so kaum. Wenn sich die infizierten Menschen dann wie Zombies verhalten, werden zwar Erinnerungen an „Ghosts of Mars“ wach, doch selbst wenn der Film nicht zu den besten Werken von Carpenter gehört, hat man das Actionspektakel dort trotzdem stimmungsvoller kreiert. Hier fehlt es einfach ganz eindeutig an Schauwerten und das Budget war scheinbar nicht groß genug, um ein paar Visionen so richtig hinzubekommen.
 
 
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So muss der Zuschauer dann auch größtenteils auf gute Effekte verzichten, wobei es unfair wäre zu behaupten, dass alle total billig aussehen würden. Okay, den Flammenwerfer hätte man sich besser gespart, doch das blaue Zeug hinterher sieht sogar ganz nett aus. Außerdem wird doch eine gute Portion gesplattert und so harmlos kommt „Anti-Life“ gar nicht mal daher. Am Ende darf man sogar eine große Alien-Kreation begutachten, die nicht toll, aber auch nicht miserabel ausschaut. Den Unterhaltungswert macht das alles nicht fett, jedoch kann man behaupten, dass der Film in seinen besten Momenten sogar halbwegs anziehend wirken kann. Die Dialoge sind zwar selten interessant und die Prämisse gibt nicht viel her und dennoch gibt es immer wieder Phasen, in denen „Anti-Life – Tödliche Bedrohung“ dank reichlich Action kurzweilig erscheint. Leider sind es im Endeffekt aber nicht genügend solcher Momente und dass das Ende dann dermaßen offen und abrupt geschieht, wirft auch eher ein Fragezeichen auf.
 
 
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Selbstverständlich muss man noch auf die Darsteller zu sprechen kommen. Bruce Willis – Dieser Name, der wohl bei keinem Filmfreund heutzutage noch ein Lächeln aufkommen lassen will. Er stört in „Anti-Life“ gar nicht mal und noch überraschender ist: Er spielt tatsächlich eine vollwertige Hauptrolle. Dabei darf er ein paar Sprüche klopfen, wie das in der guten, alten Zeit der Fall war. Normalerweise ist das eigentlich keine Leistung, die man erwähnen müsste, aber man muss sie dennoch erwähnen, weil sie eben nicht ganz so gelangweilt wirkt, wie man das mittlerweile von Willis gewohnt ist. Daneben gibt es noch ein paar andere bekannte Namen in kleineren Rollen zu sehen. Thomas Jane schaut kurz vorbei, aber echt nur kurz, Ralf Moeller ist kurz zu vernehmen, Timothy V. Murphy kann kurz in Erinnerung bleiben und Johnny Messner ist auch kurz mit dabei. Die eigentliche Hauptrolle wird von Cody Kearsley reichlich unspektakulär gespielt. Insgesamt gilt jedoch: Die Schauspieler sind in Ordnung. Nur haben sie bei der dünnen Figurenzeichnung natürlich so gut wie keine Chance. Die Charaktere werden dem Zuschauer herzlich egal sein, weshalb es auch nicht stört, wenn mal jemand stirbt. Da kommen zu wenig Sympathien auf und richtig markant will es leider auch nicht wirken, es sei denn das Aussehen des Darstellers sorgt dafür.
 
 
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ANTI-LIFE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
„Anti-Life – Tödliche Bedrohung“ ist keine Totalkatastrophe, teilweise sogar ganz okay und kann dennoch nicht empfohlen werden, weil er einfach nur wenig zu bieten hat. Mal ganz abgesehen davon, dass wieder mit prominenten Namen geworben wird. Im Falle von Bruce Willis ist das immerhin keine Mogelpackung, denn der spielt eine richtige Hauptrolle und stört in dieser nicht mal. In erster Linie ist es der ideenarmen, langweiligen Inszenierung zu verdanken, dass „Anti-Life“ keine echte Freude aufkommen lassen will, denn das ist doch alles reichlich plump und generisch gestaltet. Zwar kommt nach einem langweiligen, ersten Drittel doch überraschend viel Action auf, aber das ist alles ohne echtes Gespür gestaltet. Die Story wirkt so, als wäre sie schon tausende Male zuvor erzählt worden und die Figurenzeichnung hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. So muss man sich doch eher langweilen, selbst wenn es ein paar unterhaltsame Momente gibt. Die Effekte sind okay, nur der Sound lädt ebenfalls zum Einschlafen ein. Unterm Strich ist „Anti-Life“ nicht so schlecht, wie man bei einem Mitwirken von Willis hätte vermuten können, aber wirklich viel taugen, tut er ebenfalls nicht!
 
 


 
 
 

ANTI-LIFE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Anti-Life – Tödliche Bedrohung“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

ANTI-LIFE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) KOCH FILMS (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Breach; USA 2020

Genre: Action, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase mit Schuber

Extras: Trailershow, Trailer, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 21.10.2021

 

Anti-Life – Tödliche Bedrohung [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

ANTI-LIFE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei KOCH FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ghosts of Mars (2001)
 
Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979)
 
Life (2017)

Filmkritik: „Light Sleeper“ (1992)

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LIGHT SLEEPER

Story

 
 
 
Der 40-jährige Drogendealer und Ex-Junkie John LeTour sieht wie seine Umwelt sich langsam von ihm abwendet, Träume sich verflüchtigen und überlegt selbst, das Business zu verlassen, um eine Musikkarriere zu verfolgen. Zeitgleich wird die Leiche einer neunzehnjährigen Studentin gefunden, die eine große Menge ungestrecktes Koks bei sich trug..

 
 
 


 
 
 

LIGHT SLEEPER – Kritik

 
 
Auch wenn die Filme inhaltlich sowie formal quasi überhaupt gar nichts miteinander zu tun haben, bis auf irgendeine Relevanz oder Erwähnung von Schlaf, so sind „Strange Dreams“ und „Light Sleeper“ doch bestens für einen Vergleich geeignet, als Beispiel für zwei komplett gegensätzliche Werke die es mir als Kritiker maximal leicht bzw. schwierig machen.
 
 
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Während „Strange Dreams“ nämlich kein Genre so wirklich, mehrere aber ansatzweise bedient und ziemlich unentschlossen sowie innerlich aufgebraust ist, von Szene zu Szene verunsichert und interessant zu sezieren, so ist „Light Sleeper“ hingegen eine simple, geradlinige, minimalistische Sozial- bzw. Charakterstudie, die sich keine tonalen Ausfälle, ungeahnten Ambitionen oder auch nur bemerkenswerte Szenen zu Schulden kommen lässt. Zu Singer-Songwriter Countrymusik, Rockballaden oder immer wieder aufkommendem Saxophon beschwört Schrader eine oft gesehene Neo-Noir-Atmosphäre, in der unser einsamer Drogenkurier, ein ungewohnt authentischer und zurückgehaltener Willem Dafoe, durch die Nacht gefahren wird und eine nichtige Begegnung nach der anderen macht.
 
 
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Mit mitreißender Cinematographie, nahe gehenden Szenen emotionaler Schauspielkunst oder einer wirklichen Story hatte diese Prämisse alle Möglichkeiten der Welt, weder Schrader noch der Cast sind unerfahren anno 1992, doch leider sollte der geneigte Zuschauer hier nicht mehr erwarten als eine gleichförmige Sozialstudie, die nie so konsequent oder radikal wie die Werke eines Abel Ferrara daherkommt, trotzdem nicht deutlich mehr Spannung oder Storytelling liefert.
 
 
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Dafoes Voiceover über seine endlos geschriebenen, dann wieder weggeworfenen Bücher und sein vergeudetes Talent, gepaart mit nebligen, nächtlichen Pflastersteinen, Alltagsbewegungen und dem omnipräsent leidenden, stöhnenden, keuchenden Soundtrack ist anfangs noch atmosphärisch und vielversprechend, doch mit jeder weiteren Zeile á la „It feels like the world’s on fire“, „Everything you need is around you – the only danger is inside you.“ oder „You were an encyclopedia of suicidal fantasies!“ wird es selbstbemitleidender, redundanter, beliebiger und belangloser.
Eine wenig verdiente und „tragische“ Rache wird zu einem späteren Zeitpunkt, zu dem ich mich längst mit der rein beobachtenden Art des Films zufrieden gegeben hatte, als erster echter Konflikt inszeniert – doch Spannung kommt dadurch keine auf, Motivationen oder Wahrheiten bleiben genreüblich unklar, „retten“ kann diese kurze Aufregung diesen sehr unaufgeregten, aber eben auch nicht tiefgründig seine Charaktere erforschenden Film auch nicht mehr retten.
 
 

„I can change. I can become a good person.“

 
 
Kitschige Musik drückt auf die Tränendrüse, ein paar hübsche Hotellobbies mit ansprechender Architektur offenbaren, wie endlos hässlich, grau und langweilig große Teile dieses Films doch aussehen – unabhängig davon, ob dies als Stilmittel zur Charakterisierung dient, eine optisch anstrengende bis ermüdende Entscheidung. Doch nicht nur kitschig ist die Musik, nein, denn wem die fehlenden Spannungsbögen zu vage sind, der bekommt das Innenleben des Protagonisten in den Texten der minutenlangen Songs dafür quasi noch ausbuchstabiert und erklärt, sodass jegliches Miträtseln oder Interpretieren auch seinen Reiz verliert.
 
 
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Wem die Reihung leicht drogeninduzierter Gespräche mit gesellschaftskritischen Aussagen, blau schimmernden Nachtaufnahmen mit Saxophonsoundtrack und ein paar realistische Performances der Szene und Zeit also reichen, dem könnte „Light Sleeper“ vielleicht mehr Unterhaltung oder Mehrwert bereiten als mir. Doch so amüsant und tragikomisch die Szenen mit Paul Jabara als ausgebrannter Cokehead z.B. auch sind, so sehr gehen sie unter in der laissez-faire Attitüde des Films, in der von Anfang an offensichtlich scheint, dass weder die Ziele noch romantischen Ambitionen unseres Protagonisten erfüllt werden können.
 
 


 
 
 

SLIGHT SLEEPER – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Routiniert gelangweiltes, stilles Drama im sachlichen, nüchternen Stil, das mit schmalziger manipulativer Musik, Noir-Anleihen und fehlender Charaktertiefe zunichte macht, was der inszenatorische Stil an Potential vorgibt. Gut gespielt und mit ein paar atmosphärischen Szenen, als Gesamtwerk jedoch unterwältigend, zudem im hässlichen Look einer 90s-Soap-Opera.
 
 


 
 
 

LIGHT SLEEPER – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Light Sleeper“ war bereits bei der deutschen Kinoauswertung im Jahr 1994 ungeschnitten und ab 16 Jahren. Das hat sich auch mit der nun erhältlichen HD-Fassung des Thrillers nicht geändert. Diese ist ebenso ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

LIGHT SLEEPER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Light Sleeper; USA 1992

Genre: Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD Master Audio 1.0, Englisch DTS-HD Master Audio 1.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 103 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Mediabook

Extras: 4-seitiges Buchteil mit einem Text von Nicolai Bühnemann, Film auf DVD, The Guardian Interview mit Willem Dafoe, The Midlife Movie: Paul Schrader Interview, Audiokommentar von Paul Schrader, Szenenkommentar von Willem Dafoe und Susan Sarandon, Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial

Release-Termin: Mediabook: 26.08.2021

 

Light Sleeper [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

LIGHT SLEEPER – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
King of New York – König zwischen Tag und Nacht (1990)
 
‚R Xmas (2001)
 

Filmkritik: „Strange Dreams“ (2020)

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STRANGE DREAMS

(COME TRUE)

Story

 
 
 
Eine jugendliche Ausreißerin nimmt an einer Schlafstudie teil, die zu einem alptraumhaften Abstieg in die Tiefen ihres Geistes und einer erschreckenden Untersuchung der Macht der Träume wird.

 
 
 


 
 
 

STRANGE DREAMS – Kritik

 
 
Nachdem der kanadische Regisseur und Drehbuchautor Anthony Scott Burns sich anno 2016 bereits an der meiner Meinung nach unterschätzten, überdurchschnittlich gelungenen Horrorfilmanthologie „Holidays“ beteiligen durfte, folgte 2018 sein Langfilmdebüt „Our House“, das bereits wissenschaftliche Experimente mit übernatürlichem Horror verquickt hat, zu teils polarisierter, größtenteils aber mäßiger Resonanz. Weitere zwei Jahre später folgte dann diese genreunabhängige Indieproduktion „Come True“, die in Deutschland unsinnigerweise in „Strange Dreams“ umbenannt wurde. Warum das bei diesem Film speziell ein Problem darstellt, wäre ein Spoiler zu viel, doch warum diese durchaus kreative, sehr ansprechend inszenierte Traumreise auch mich zwiegespalten zurücklässt – das werde ich nun versuchen, zu erklären.
 
 
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Die Eröffnungssequenz stimmt dabei bestens auf die ruhige, behutsame, leicht retrofuturistische Erfahrung der folgenden 100 Minuten ein, da nach den Opening Credits, die auf einem alten Röhrenfernseher abgespielt werden, direkt die erste der zahlreichen, höchst atmosphärisch inszenierten Traumsequenzen folgt, in denen mit langsamer POV-Kamerabewegung durch überzeugend animierte Höhlen und Berge, neblige, enge Gänge, knarzende, schwebende Holztüren und postapokalyptisch, ja gar dämonisch wirkende Umgebungen gefahren wird. Von eben jenen, mehrfach in voller Länge ausgespielten, aber nie langweilenden Traumsequenzen geplagt wird unsere Protagonistin Sarah, eine junge Frau die bei ihren Eltern auf eigene Faust ausgezogen ist und auf einem Spielplatz aus dem Alptraum erwacht.
 
 
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Doch auch wenn die zweite Traumsequenz mit ihren aus den Wänden der bedrückenden Architektur des Sanatoriums heraushängenden Leichen direkt deutlich düsterer und beängstigender anmutet als die erste, und auch wenn Traum #3 daraufhin dann gar mit einem funktionierenden, abstrakten Jump-Scare punktet und rasant folgende Horrorgefilde erahnen lässt, so ist „Strange Dreams“ in seiner gesamten ersten Hälfte gar nicht interessiert daran, zu schockieren, verstören oder auch nur auf wirkliche Spannung zu setzen. Stattdessen wird, mit unterkühlten Farben, hübscher Beleuchtung und mysteriösem Soundtrack in „The Persona“, dem ersten Kapitel, erst kurz Sarahs Situation geschildert, bevor der etwaige Ausweg aus der finanziellen Not und Schlaflosigkeit durch die bezahlte Schlafstudie etabliert wird. Nach 20 Minuten starten dann sowohl die Studie, mit ihren leicht an Sci-Fi- oder Retrofuturismus anmutenden Outfits, dem hübsch beleuchteten Kontrollraum und einer handvoll weiterer Probanden, sowie auch der Film selbst, dessen manchmal unmotiviert- einlullender, dann wieder hypnotischer, einfühlsamer Stil und Synthie-Soundtrack, nun noch mit einem atmosphärischen Voiceover über die Schlafphasen und Panflöten versehen, Hand in Hand geht mit den schwelgerischen Nahaufnahmen, nächtlichen Einstellungen der Großstadt, Ungewissheit des Experiments und beunruhigenden Träumen.
 
 
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Nach dem ersten Tiefschlaf im Forschungsinstitut wird Sarah mit einer Reihe Bilder konfrontiert, auf die sie äußerst heftig reagiert – mit dabei ist ein dunkler Hüne, eine schattenhafte, große, beängstigende Gestalt, mit der jeder ihrer Träume endet – was hat es mit diesem wiederkehrenden Schrecken auf sich? Und was mit dem Nerd aus der Bibliothek, der sie zu verfolgen scheint? Nachdem die erste halbe Stunde sich fast ausschließlich auf ihre audiovisuellen Reize und Atmosphäre ausgeruht hat, gelingt es Burns kurz daraufhin tatsächlich, erstmalig so etwas wie Rätselspannung und Anflüge von einem Plot aufkommen zu lassen, der mehr als eine reine
 
 
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Situation ist. Doch auch wenn auf dem Weg zur Halbzeit eine kurze, prägnante, effektiv geschnittene Terror-Sequenz mit hämmerndem Bass folgt, so ist die anschließende „Offenbarung“ für den Zuschauer leider lange keine Offenbarung mehr und langsam aber sicher stellt sich die Frage, worauf der Film eigentlich hinaus will, warum er sich so langsam und zäh inszeniert, welche versteckten Karten er wohl noch alle bei sich hält.
Doch wer nach dem verpatzten Mehrwert der letzten Szene noch nicht entnervt aufgegeben hat, der wird definitiv noch belohnt – vor der Bestrafung. Denn nachdem mir ein unstimmiges Plotdetail einfach nicht aus dem Kopf gegangen ist und ich schon potentiell eher enttäuscht war, von dieser „Maniac“ (die Netflix-Serie)-ähnlichen, nur gefühlt noch belangloseren Prämisse, taucht auf einmal der Schriftzug „The Shadow“ auf und läutet das dritte Kapitel ein. Und hier wird der Zuschauer nun zuerst effektiv verunsichert mit einem fragmentierten Gesicht und einer sich endlos durch das Treppenhaus drehenden Kamera, bis sich dann durch eine tatsächlich überraschende Beobachtung und Aussage wohliges Gruseln einstellt. Welches sich dann, finalement, in so etwas wie einer „Horror-Sequenz“, gekonnt entlädt. Der Soundtrack verlässt die Ambient-Gefilde und lässt die Synthesizer anschwillen, die Kontrolle entgleitet, in einer intensiven Szene mit großartigem Aufbau und unheimlichem pay-off zeigt „Strange Dreams“ zu was er fähig wäre, wollte er ein Genre-Film sein.
 
 
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Nur um daraufhin wieder ganz eindeutig zu beweisen, dass er genau das nicht sein möchte. Denn was nun als mit wichtigste Schlüsselszene des Films inszeniert wird, ohne etwa einen Twist vorweg zu nehmen, das ist ein romantischer Subplot, der als einzige Instanz auch mit einem Song unterlegt ist, der Lyrics hat. Doch so für sich genommen gelungen die Stelle sein mag, so verwirrend und gefühlt unpassend ist sie für den Zuschauer in diesem Moment, da nicht nur zum zweiten Mal eine mehrfach bereits implizit erwähnte, für den Zuschauer offensichtliche Beobachtung ausgesprochen wird, sondern diese neue Route nun auch noch fernab von jeglichem Horror für eine überraschend lange Laufzeit verfolgt und ernst genommen wird, wo sich die Dramaturgie doch eigentlich Richtung Finale bewegen sollte. Wobei „Dramaturgie“ ohnehin ein schwieriges Wort ist, wenn wir trotz des soliden bis gelungenen Schauspiels doch stets recht unbewegt und distanziert bleiben, aufgrund des allzu am Geschehen, nicht aber an den Charakteren interessierten Scripts, das zwischenmenschliche Szenen auf ein Minimum reduziert und wenig Mitfiebermotivation, oder auch nur Einblicke in Sarahs Psyche oder Charakter erlaubt. Die mit Abstand verängstigendste, gelungenste Horror-Stelle des gesamten Films ist dabei zwar nur wenige Sekunden lang und inhaltlich relativ unmotiviert, aber so grandios inszeniert, abgemischt, designt und editiert, dass ich beim bloßen dran denken eine Gänsehaut bekomme – doch so genial wird es in der Hinsicht nie wieder, egal in welcher Hinsicht. Dass sich diese Sequenz also auch noch nach weit über einer Stunde im Film befindet, zu einem Zeitpunkt, zu dem reine Horrorfans vermutlich längst abgesprungen sind, ist da natürlich ärgerlich.
 
 
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Das Finale des Films ist dann wieder höchst atmosphärisch geraten und gelungen gefilmt, mit deutlichen Stranger-Things-Anleihen und schön zurückhaltender Effektarbeit, aber dabei deutlich weniger Aufmerksamkeit oder Worte wert, als das Ende: Denn gaaaaaanz am Ende dieser 100 Minuten wird der Film dann tatsächlich nochmal deutlich interessanter, aber auch enttäuschender, irgendwo gewitzter aber eben auch witzloser und unnötig verwirrend, da hier natürlich noch ein großer Twist folgen muss. Und der ergibt rein inhaltlich auch Sinn und der wird auch ein Stück weit vorher angedeutet und erklärt ein paar Fragezeichen oder Fehler der vorherigen Szenen, ja, gleichzeitig aber stellt er auch den gesamten Film, die Existenzberechtigung der gesamten Story und die Motivation des Regisseurs, diesen Film überhaupt zu machen, komplett in Frage. Wer den ebenfalls höchst kuriosen „Boarding School“ gesehen hat, der weiß, wie man radikal unterschiedliche Ideen oder Konzepte mit einem einmaligen Ende umdeuten oder im letzten Moment noch etablieren kann, etwas ähnliches wurde hier auch gemacht.
 
 


 
 
 

STRANGE DREAMS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Ungewöhnlicher, eigenständiger, hübsch fotografierter, langsamer Indiefilm, der das Interesse des Zuschauers zumeist aufrecht erhalten kann, hinter der hübschen Verpackung und dem feinfühligen Soundtrack aber leider nur zwei wirklich intensive, spannende Szenen aufzuweisen hat und abseits seiner Genre-Inserts relativ zahm, minimalistisch und unspektakulär inszeniert wurde. Stimmungsvoll, interessant, mit schimmernd-leichten, idyllischen, bis hin zu mysteriös-nächtlichen Synthesizern und Assoziationen sowie natürlichen Performances, aber auch einem schleppenden Erzähltempo und verschenkten Möglichkeiten.
 
 


 
 
 

STRANGE DREAMS – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Strange Dreams“ (Originaltitel: „Come True“) ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

STRANGE DREAMS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
strange-dreams-2020-bluray

(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Koch Films (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Come True; USA 2020

Genre: Horror, Drama, Fantasy, Science-Fiction

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Making Of, Trailer, Bildergalerie, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: Booklet + Film auf DVD

Release-Termin: KeepCase: 23.09.2021 | Mediabook: 23.09.2021

 

Strange Dreams [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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STRANGE DREAMS – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Boarding School (2018)
 

Filmkritik: „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ (2020)

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THE NIGHT – ES GIBT KEINEN AUSWEG

(THE NIGHT | AN SHAB)

Story

 
 
 
Ein iranisches Pärchen verliert sich Nachts in einer amerikanischen Großstadt und findet in einem Hotel Zuflucht, das seine Gäste nicht ohne weiteres wieder gehen lassen will..

 
 
 


 
 
 

THE NIGHT – Kritik

 
 
Der letztes Jahr entstandene, dieses Jahr in Deutschland herausgebrachte Horrorfilm „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ von Spielfilmdebütant Kourosh Ahari handelt von einem iranischen Pärchen, das mit scheinbar verfluchten oder dämonischen Umständen in einem Hotel zu kämpfen hat. Klingt spontan wenig originell, doch wird vom Label mit „The Shining“ von Stanley Kubrick verglichen, kommt online immerhin durchschnittlich weg – eine Genre-Erfahrung, die es wert ist?
 
 
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Nachdem der Trailer zum unterirdischen „The Banishing“ verkraftet wurde, startet „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ mit Oboen, orientalisch anmutenden Flöten und einer sechsköpfigen Gruppe von Freunden, die sich auf persisch unterhalten und ein Gesellschaftsspiel á la „Werwolf“ spielen. Unser scheinbarer Protagonist, Babak, kann eine verwirrende Sekunde lang sein Spiegelbild nicht sehen, abseits davon bleibt das Foreshadowing in den ersten Dialogen wunderbar ungenau und falsche Fährten legend, da direkt vom Konflikt Männer vs. Frauen, einem rächenden Geist und den Härten eines Krankenhausjobs geredet wird, was sich alles realistisch und authentisch anfühlt, zudem in nahezu jede Richtung ausschlagen könnte. Wenige Minuten später sondern sich unser Protagonisten-Pärchen, Babak und Neda, ab, und fährt nach Hause, wobei durch das inzwischen altbekannte, mysteriöse Trommeln und Klicken in den Opening Credits, zusammen mit der Drohnenfahrt über das durch die Nacht fahrende Auto, wohl eine ähnlich intensiv-beunruhigende Atmosphäre wie bei „The Invitation“ aufkommen soll, was aber nur so halb funktioniert. In einer hübschen Einstellung kreist die Kamera bis sie kopfüber steht und fährt auf das Auto zu, ein paar Klischees – das vergessene Ladegerät, das spinnende Navigationssystem, die scheinbar überfahrene, aber dann verschwundene Gestalt – danach sind diese ungewöhnlichen, aber atmosphärischen, ersten 16 Minuten vorbei und eine Gestalt in dunkler Kutte steht am Wegesrand.
 
 
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Etwas später platziert, man könnte diese Erscheinung als das Ankommen des allzu generischen Standard-Horrors sehen, der diesen bisher sehr kompetenten, ggf. politisch motivierten, ggf. einfach an Authentizität interessierten Thriller oder Horror in die Sackgasse leitet – doch so bleibt noch etwas Zeit, bevor der bittere Geschmack sich verbreitet. Aufgrund der Komplikationen wird trotz schwarzer Katze auf dem Weg nämlich das Hotel „Normandie“ als Unterschlupf für die Nacht genutzt und nicht nur ist die Lobby dieses Hotels das größte optische Highlight des Films, nein, auch die leicht schrullige, mysteriöse, herzliche dann wieder schroffe Performance von George Maguire als stilsicherer, klassischer Rezeptionist sorgt für Anspannung und Unterhaltung.
 
 
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Die gespenstische, traumhaft beleuchtete, noble Lobby mit argentoesquer, roter Tür die direkt aus Suspirira stammen könnte, einem gruseligen, prunkvollen Gemälde und in der Tat an den Gänsehaut erzeugenden Ballroom aus The Shining erinnernder, leise im Hintergrund absgespielter Musik mit perfekter Produktion machen richtig Lust auf den weiteren Film, stellen die Frage, welche gruseligen Geschichten oder auswegslosen Situationen sich in diesem alten Gebäude verbergen, laden ein auf noch ganze 80 Minuten Horrorfilm. Doch besser wird es leider nicht.
Denn was die hübschen HD-Einstellungen, die anfänglich noch reizvoll zwischen kunstvoll beleuchteten Bildern und quasidokumentarischen Perspektiven hin- und herwechselten, von nun an erzählen dürfen, das ist altbekannt: Lange Hotelflure bei Nacht sind gruselig, ermüden sich nach ein paar Einstellungen aber, ein wiederholt weinendes, quengelndes, zum Aufstehen aufforderndes Baby ist nervig aber auch wenig spannend. Einzig die ominösen, düsteren Andeutungen des Rezeptionisten bescheren dem ersten Drittel noch etwas Mehrwert und angedeutete Geschichte, abseits davon beginnt die Geduld des Zuschauers aber bereits nach rund 35 Minuten strapaziert zu werden.
 
 
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Auch das subtile, überzeugend abgemischte Sounddesign von den flirrenden Neonröhren über tropfende Wasserhähne, knarzende Schritte oder alte Musikboxen ist hervorragend gewählt und könnte wahrlich beunruhigende Szenen zaubern, würde inhaltlich nicht die altbekannte Mischung aus Träumen, Erinnerungen, Andeutungen und verschwindenen Plagegeistern aufgetischt. Extradiegetische, laute Jumpscare-Sounds in eigentlich nicht schockierenden Einstellungen rauben jede Subtilität wieder, die gezupften Seiten im bis dato schon bekannt wirkenden Soundtrack klingen später wirklich 1:1 wie die aus „The Invitation“. Schade nicht nur um das Sounddesign und die starke Performance von Maguire, sondern so einige Elemente, die prinzipiell stimmen: So kommt nach knapp einer Stunde, als die Luft das erste Mal so wirklich raus ist, noch Michael Graham für einen amüsanten Einschub als Cop vorbei und auch die Technik ist teilweise richtig ansprechend, in der Golden Hour auf dem Hausdach gefilmt, professionell editiert, mit ein paar beklemmenden Szenenkonzepten.
 
 
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Doch wer 100 Minuten lang Horror mit nur einem Setting und hauptsächlich nur zwei Charakteren inszenieren will, der muss inhaltlich viel früher für einen Hook, eine Konsequenz, eine Fallhöhe oder Anspannung sorgen, als es hier der Fall ist – denn erst nach rund 70 Minuten werden für das Finale Dinge ausbuchstabiert, und dann mit dem Holzhammer die Läuterung inszeniert. Eins der Motive ist moralisch gelinde gesagt fragwürdig und als „Erklärung“ unzureichend, das andere oft gesehen und ohne weiteren Belang für die Story. Und so endet also auch „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ nach hart erkämpfter, unverdienter Lauflänge und nicht einer Szene, die sich nachhaltig einbrennt.
 
 


 
 
 

THE NIGHT – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
Ein weiterer moderner, professionell aussehender, solide bis gut gespielter, überlanger Slowburn-Horror über Sünde und Sühne, endlose Korridore und düstere Vergangenheiten. Nie gruselig, sehr schnell ermüdend, oft gesehen.
 
 


 
 
 

THE NIGHT – Zensur

 
 
 
Die deutsche Veröffentlichung von „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE NIGHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Night; Iran / USA 2020

Genre: Thriller, Horror, Drama, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 26.08.2021

 

The Night – Es gibt keinen Ausweg [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE NIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Banishing – Im Bann des Dämons (2020)
 
Zimmer 1408 (2007)
 
Under The Shadow (2016)
 

Filmkritik: „She Dies Tomorrow“ (2020)

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SHE DIES TOMORROW

Story

 
 
 
Amy spürt, dass sie morgen sterben wird. In einer Mischung aus Panik, Befreiung, Disassoziation und Manie steckt sie ungewollt ihre Freundin mit dem Gedanken an, die ihrerseits auf eine Party eingeladen ist…

 
 
 


 
 
 

SHE DIES TOMORROW – Kritik

 
 
Die US-amerikanische Produzentin, Schauspielerin und, nach mehreren Kurzfilmen und dem Florida-Thriller „Sun Don’t Shine“ (2012), auch Regisseurin Amy Seimetz dürfte Genrefans spätestens durch Adam Wingard’s „You’re Next“, Shane Carruths grandiosen „Upstream Color“, in letzterer Zeit sonst durch das Pet Sematary-Remake oder „Alien: Covenant“ ein Begriff sein. Weniger „Alien“, Mainstream, Genreware und Action, mehr Arthouse-Anleihen, introvertiertes Reflektieren und persönliches Erzählen gilt es nun in ihrem zweiten Langfilm zu erwarten, dessen Protagonistin nicht zufällig den Vornamen mit der Regisseurin teilt.
 
 
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Der erste Akt des Films ist ein langsames Einatmen und realisieren, taktile Reize werden ausgespielt, haptisches, sinnliches Ergreifen der Umwelt sichtbar gemacht, kunstvolle Kameraarbeit und Lichtsetzung trifft auf eine One-Man-Show von Kate Lyn Sheil, einer begabten jungen Darstellerin die sich bereits in etlichen Indie-Perlen wie „The Comedy“, „Buster’s Mal Heart“ oder „The Sacrament“ beweisen konnte, häufig an Seimetz‘ Seite. In dieser Phase werden das behutsame Tempo des Films, der persönliche Ansatz an das Thema einer zutiefst beunruhigenden Vorahnung des eigenen Todes sowie die vortreffliche, soghafte Cinematographie etabliert. Und dadurch eine Erwartungshaltung aufgebaut, der die folgende Stunde leider nicht standhält. Sobald sich die durch „Happiness“, „Twin Peaks: The Return“ oder „Eternal Sunshine of the spotless mind“ berühmte Jane Adams nämlich als nächste Protagonistin herausstellt, deren Panik und Beunruhigung üblicherer und extrovertierter Natur ist, gleitet der Film in eine Reihe von Vignetten oder Episoden, in denen sich die Verzweiflung und Ängste wie eine Epidemie verbreiten.
 
 
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Langsamer, modern gefilmter, eindringlich persönlich gespielter sowie geschriebener, existentieller Grusel mit metaphorischer Doppelbödigkeit und Symbolgehalt, der den schwarzen Humor der Absurdität seiner konstruierten Situationen nicht zu kurz kommen lässt, liest sich erstmal wie der Traum vom perfekten Indie-Projekt und auch ich war sehr angetan, bin vorfreudig bei Nacht und mit Headset gewappnet an diesen Film getreten. Doch durch die Zerfaserung des Scripts in mehrere Einzelsituationen und -schicksale gehen Identifikationsfaktor und Stringenz einer einzelnen Protagonistin leider verloren. Dazu leider auch die Bildgewaltigkeit der Cinemtatographie, da die ansprechendsten Einstellungen und interessantesten Konzepte direk zu Beginn präsentiert werden.
 
 
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Der opulente Soundtrack impliziert Gänsehaut-Momente oder große Realisierungen, setzt aber zu hohe Ansprüche an die Bildebene des Films, die diegetische, sehr stimmige, klassische Musik der Exposition, ein letztes Feiern der Künste und Menschlichkeit vorm Abstieg, weicht immer öfter Szenen ohne Musikuntermaltung, die sich nur auf der Situation, dem Schauspiel und den Dialogen ausruhen. Trockener Humor, bunt beleuchtete, leicht trippige Szenen mit erhebender Score, tragisch angedachte Momente und romantisch-nostalgische Erinnerungen geben sich die Hand, doch vieles davon geht in der Montage und akuten Überlänge leider Gottes unter.
 
 
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Denn so kurz dieser knapp 80-minütige, leicht halluzinogene, lobenswert ambitionierte, von Ängsten und Neurosen und der Ahnung, dass etwas Schlimmes geschehen wird bestimmte Film, dessen spätere Cameos Spaß machen, dessen Schauspiel größtenteils sehr lobenswert ist, dessen Bilder sich einprägen und sehen lassen können und dessen Score ich immer wieder genießen konnte auch ist, so sehr fühlt es sich an, als würde sich hier ein prinzipiell überragender Kurzfilm verstecken, der, auf seine Langfilmzeit gestreckt, zu selten dazu kommt, seine Visionen und Stärken adäquat auszuspielen.
 
 
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SHE DIES TOMORROW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Eigenständiges, sehenswertes und technisch nahezu makelloses, existentielles Drama im Gewand eines Horrorfilms, mit starken Peformances und super Exposition, aber auch einigen Längen und zu hinterfragenden Entscheidungen.

 
 


 
 
 

SHE DIES TOMORROW – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „She Dies Tomorrow“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

SHE DIES TOMORROW – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: She Dies Tomorrow; USA 2020

Genre: Horror, Mystery, Thriller, Drama, Fantasy, Komödien, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray + DVD im Mediabook

Extras: Original Trailer, Trailershow, Booklet, Film auf DVD

Release-Termin: KeepCase: 22.07.2021

 

She Dies Tomorrow [Blu-ray + DVD im Mediabook] auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SHE DIES TOMORROW – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Signal (2014)
 
The Other Lamb (2019)
 

Filmkritik: „Superdeep“ (2020)

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SUPERDEEP

(KOLSKAYA SVERHGLUBOKAYA)

Story

 
 
 

Ein rund zwölf Kilometer tiefes Bohrloch bringt mysteriöse Erscheinungen zu Tage. Eine Gruppe von Wissenschaftlern soll die Sache erforschen.

 
 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Kritik

 
 
 
Es ist nichts Neues, dass die Ungewissheit des Horrors besten Freund darstellt. Eine Gefahr, die man nicht kennt, wirkt am bedrohlichsten. Kombiniert man das mit Orten, an denen der Mensch eigentlich nichts verloren hat oder mit Dunkelheit, wie z.B. der geniale „The Descent“ das getan hat, dann darf man sich auf einen unheimlichen Horrorfilm freuen. Der russische Streifen „Superdeep“ versucht sich an einem solchen Szenario, scheitert daran zwar nicht wirklich, kann im Endeffekt aber leider kaum einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
 
 
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Die Wissenschaftlerin Anna wird zu einem Job gerufen. Ein mehr als zwölf Kilometer tiefes Bohrloch wirkt nämlich sehr mysteriös. Noch nie zuvor haben Menschen so tief gebohrt und als man Schreie im Erdinneren vernehmen kann, weiß niemand, wie man damit umgehen soll. Also sollen Anna und ein paar weitere Forscher die Sache untersuchen. Doch was sie dort unten finden, soll ihnen die Sprache verschlagen. Die Story basiert auf der echten Kola-Bohrung, die mit ihren 12.262 Metern Tiefe lange Zeit als die tiefste Bohrung aller Zeiten galt. Sich diese reale Begebenheit als Vorbild für einen Horrorfilm zu nehmen, liegt eigentlich auf der Hand. Schon Ende der 80er Jahre gab es Gerüchte, dass man die Hölle angekratzt hätte und über das Internet verbreiteten sich solche Informationen noch schneller. Genügend Substanz sollte also vorhanden sein oder? Eigentlich ja, denn man paart den übernatürlichen Anteil noch mit der Paranoia des Kalten Krieges und storytechnisch sind so durchaus genug Zutaten vorhanden und trotzdem will das Drehbuch niemals so richtig zünden. Mit Informationen hält man sich insgesamt nämlich ziemlich bedeckt, so richtig logisch will das Geschehen ebenfalls nie wirken und man redet im Endeffekt viel um den heißen Brei, ohne ihn denn mal wirklich zu zeigen. Gewisse Vorbilder wie z.B. „The Thing“ haben das zudem klar beeinflusst und obwohl gute Zutaten vorhanden sind, erreicht „Superdeep“ niemals eine richtige Eigenständigkeit.
 
 
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Zumal der Film leider auch recht langatmig wirkt. Die Einleitung lässt sich zu viel Zeit und bis es überhaupt mal etwas mehr zur Sache geht, ist bereits eine gute halbe Stunde vergangen. Wären die Charaktere interessanter, hätte der Zuschauer damit gut leben können, doch allgemein sind die Figuren hier doch viel zu belanglos. Lediglich die Hauptprotagonistin Anna bekommt etwas Hintergrund spendiert. Darstellerin Milena Radulovic nimmt dies dankend an und bietet solides Schauspiel. Die anderen Darsteller profitieren nicht gerade davon, dass die Figurenzeichnung langweilig gestaltet wurde. Zwar kann man sich auch über ihre Leistungen nicht unbedingt beschweren, aber im Gedächtnis bleibt dies sicher nicht. Somit ist dem Zuschauer das Schicksal der Protagonisten leider auch ziemlich egal, was natürlich wenig spannungsfördernd ist.
 
 
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Die deutsche Fassung basiert auf dem Alternate Cut und ist mit 100 Minuten Laufzeit noch gnädigerweise kürzer ausgefallen, als die Originalversion, welche knapp 15 Minuten länger läuft. Wichtiges Material entgeht einem hier eigentlich nicht, weshalb die gekürzte Fassung hier tatsächlich mal eine Daseinsberechtigung besitzt. So verleiht man „Superdeep“ noch etwas mehr Tempo, wobei das selbst in dieser Version selten auffällt. Insgesamt ist der Film nämlich einfach zu langsam. Natürlich will man damit Stimmung aufbauen, nur gelingt dies eben zu selten. Mit Spannung braucht man nämlich nicht zu rechnen und Action lässt sich auch eher selten blicken. Immerhin erhält der Horror im letzten Drittel ein paar Höhepunkte, die schon einen gewissen Unterhaltungswert aufkommen lassen.
 
 
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Aus handwerklicher Sicht gibt es an „Superdeep“ zudem nicht so viel auszusetzen. Regisseur Arseny Syuhin, der zuvor nur einige Kurzfilme drehte und mit diesem Werk sein Langfilmdebüt gab, macht seine Sache gar nicht mal so verkehrt. Sicherlich wäre mit mehr Budget auch deutlich mehr drin gewesen, aber die Inszenierung funktioniert und selbst wenn die Atmosphäre längst nicht so bedrohlich erscheint, wie sie es wohl gerne getan hätte, bemerkt man doch gerade im letzten Drittel, dass Syuhin sein Fach beherrscht. Hier kommt nämlich doch noch eine gute Stimmung auf, die auch von den soliden Effekten unterstützt wird. Diese stammen nämlich überwiegend von Hand und wirken schön oldschool. Die Kulissen machen im Endeffekt ebenfalls etwas her, hätten sicherlich mehr Schauwerte bieten können, wissen jedoch trotzdem zu überzeugen.
Der Score ist in Ordnung, aber nicht besonders einprägsam.
 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
„Superdeep“ will ganz schön viel und scheitert an seinen eigenen Ambitionen, macht allerdings trotzdem auch einiges richtig. Die Story, welche reale Ereignisse benutzt, ist interessant, besteht aus vielen Zutaten und wird am ehesten dadurch zerstört, dass die Figurenzeichnung so mau ist. Hier hätte man gerne mehr Feingefühl investieren dürfen. Der Film ist insgesamt zu ruhig und lässt zu selten Spannung aufkommen, wobei der Horror besonders im letzten Drittel doch noch einigermaßen intensiv geraten ist. Das ist zwar zu spät, aber besser als nichts. Der Unterhaltungswert pendelt so zwischen langweilig und passabel. Die Darsteller sind brauchbar, aber fast niemand kann aus seiner dünnen Figur etwas machen. Positiv sind noch die handgemachten Effekte zu vermerken. Alles in einem ist „Superdeep“ also sicher nichts, was man gesehen haben muss, doch wenn man auf langsamen, atmosphärischen Sci-Fi-Horror aus ist, bekommt man immerhin ein paar ziemlich starke Szenen geboten!
 
 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Zensur

 
 
 
„Superdeep“ wurde von der FSK für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben und ist komplett ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Kolskaya sverhglubokaya; Russland 2020

Genre: Horror, Thriller, Splatter

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.66:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Featurette „Wie ein Monster entsteht“, Trailer

Release-Termin: KeepCase: 24.06.2021

 
 

Superdeep [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Abbildungen stammen von Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
 
The Thing (2011)
 
Ghosts of Mars (2001)
 
Blutgletscher (2013)