Filmkritik: „Lords of Chaos“ (2018)

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LORDS OF CHAOS

Story

 
 
 

„Lords Of Chaos“ beschreibt ein Zeitfenster der achtziger Jahre, in dem in Skandinavien die Keimzelle des über-extremen „Black Metal“ entsteht. Im Zentrum der Geschichte stehen die blonden, bald schwarzgefärbten und weiß getünchten Bübchen der Band „Mayhem“. Die suhlen sich in betont satanischer (hier begriffen als menschenfeindlicher) Haltung, ritzen und quälen sich selbst, bluten aufs Publikum und werfen auch mal Teile von Tierkadavern in die Menge. Ein perverser Band-Wettkampf, wer wohl am besten singe, nein, wer wohl am finstersten brüte, bricht los und endet in einer Spirale aus Brandstiftung, Gewalt und Tod.

 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Kritik

 
 
 
Aus dem unbeachteten Augenwinkel und eher der Rubrik „völlig unerwartet“ zuzuordnen steht da ein Monolith des Irrsinns im Raume, der „Lords Of Chaos“ heißt. Nicht nur unerwartet. Eigentlich noch extremer: Man würde sich diese Stories selbst nicht glauben. Selbst dann nicht, wenn man an geheimnisvollen Pilzen genuckelt hätte und sie sich auf einer Party selber erzählen würde. Das gilt für die Geschichte im Film genauso wie für dessen Entstehung und Hintergrund.
 
 
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Norwegen, Schweden, Finnland: Gelangweilte Mittelklasse-Rotzlöffel versuchen, sich in den Rubriken Menschenhass, Satans-Faschismus und allgemeiner spätpubertärer Kernigkeit zu überbieten. So weit, so normal. Hierfür gründen sie Bands und spielen eine nur noch aufs Extreme angelegte und mit derben Punk-Genres wie Grindcore verwandte Krachmucke und nennen sie Black Metal. Da der musikalischen Theorie auch praktische Taten folgen sollen, führt der Irrsinn zügig zu Mord, Totschlag und brennenden Kirchen. War aber nicht alles schlecht: Die Neurose, potentielle Plattenladen-Kunden erst einen fachlich anspruchsvollen Fragebogen ausfüllen zu lassen, bevor Eintritt gewährt wird, sollte wenigstens Schule machen. Bewundernswerte Konsequenz drückt sich eben nicht nur in Mord und Suizid aus.
 
 
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Michael Moynihan gelingt 1998 mit dem akribisch recherchierten und wahnsinnig unterhaltsamen Musik-Sachbuch gleichen Namens ein Erfolg, der sich – untypisch – eben nicht nur auf die Reihen der Metal- oder gar Black-Metal-Heads beschränkt. Nein, man konnte „Lords Of Chaos“ seinerzeit lesen, ohne sich für diese elendig unterproduzierten Lärmwände aus Röchelgesang, nach Küchengeräten klingenden Gitarren und albernen Stakkato-Drums zu erwärmen, die da eben Black Metal genannt werden. Obendrein wahrt der Amerikaner aus Boston eine politische Neutralität beim Berichten über die nach und nach immer faschistoider werdende Szene; und das obwohl er seine eigene, langjährige Musikkarriere mit Überzeugung im deutlich angebräunten Genre des sogenannten „Neofolk“ zelebriert. Für die Verfilmung des Sachbuch-Stoffs als Spielfilm ließ sich nach einigem Hin und her der Schwede Jonas Akerlund gewinnen. Der ist nicht nur vielfach ausgezeichneter Regisseur von Werbespots und Dutzenden weltberühmter Musikvideos, sondern auch noch in jungen Jahren als Schlagzeuger der Ur-Black-Metal-Schrubbkapelle „Bathory“ in Erscheinung getreten. So war’s natürlich ein echter Coup, den auch heute noch als bleichen Finsterling auftretenden skandinavischen Selbstvermarkter auf den Regiestuhl der „Lords Of Chaos“ packen zu können.
 
 
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Akerlund gelingt, ein eng miteinander verschweißtes Ensemble junger Schauspieler, unter anderen Abkömmlingen der infernalischen Showbusiness-Clans Culkin und Ochsenknecht, durch einen Alptraum von Tristesse und roher Gewalt zu dirigieren. „Lords Of Chaos“ ist gleichzeitig fesselnd und abstoßend, die Figuren, genau wie die realen Vorbilder eben, sind Arschlöcher sondersgleichen und die Ausbrüche in filmische Grausamkeit matschigster Splatter. Es bleibt einem glatt die Spucke weg und man möchte nie in einer Gegend verweilen, deren Grau-in-Grau die Gehirne der Beteiligten dermaßen in Haferflocken verwandeln konnte.
 
 
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Schwedischer Hipsterismus ist eine faszinierende Sache. Von dort kommen gerne mal Co-Autoren entsetzlicher Pop-Hits, angesagte Musiker mit beinahe „Blob“-artiger Anpassungsfähigkeit oder auch gesellschaftliche Trends, die sich nur Menschen mit viel Zeit, wenig Beschäftigung und staatlich gesicherten Einkommen ausdenken können. In diesem Geist wird uns das gleiche dünnbesiedelte Land demnächst mit der angeblich gleichzeitig emotionsunfähigen, weil aspergerkranken und trotzdem ständig ängstlich-aufgeladenen Greta Thunberg eine hanebüchene Friedensnobelpreis-Wahl bescheren. So bei it.
 
 
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Black Metal verkauft sich, Internet und Metal-Hype sei Dank, heute besser denn je und hat es inzwischen zu grotesken (wenn auch – siehe, im Knast zum Vollnazi mutiert, Varg Vikernes – nur folgerichtigen) Unterkategorien wie „NSBM“, das heißt tatsächlich „National Socialist Black Metal“, gebracht. Nazi-Satans-Metal ist genauso scheiße wie Du, geneigter Leser, Dir das hoffentlich gerade vorstellst.
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Wahre Geschichte, Motherfuckers! Das ist tatsächlich das Grellste an „Lords Of Chaos“. Die Moral von der Geschicht‘ scheint anzudeuten, dass Langeweile in nordeuropäischen Gefilden zu furchtbaren Szenarien führen kann. Oder doch eine Warnung vor der destruktiven Kraft schlechter Musik? Man weiß es nicht. Jedenfalls ist Alt-Hipster Jonas Akerlunds Biopic-Gore-Reißer ein Meisterstück der Verfilmung wahrer Ereignisse als Unterhaltungsfilm. Herausragend.
 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Zensur

 
 
 
„Lords of Chaos“ ist nicht nur verstörend – der Film ist auch sehr brutal. Da werden in diversen Szenen Morde derart lang zelebriert, dass dem Zuschauer Hören und Sehen vergeht. Umso überraschender, dass die FSK diesen Film ungeschnitten freigeben hat. Bis vor einigen Jahren wäre ein Film wie „Lords of Chaos“ wegen seiner zeigefreudigen Brutalität auf dem Index gelandet. Sammler und „Mayhem“-Fans können daher bedenkenlos zugreifen. Der Film ist mit seiner Erwachsenenfreigabe vollkommen komplett.
 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (KeepCase)

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(c) Studio Hamburg (Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Lords of Chaos; Großbritannien | Schweden 2018

Genre: Drama, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 117 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 05.04.2019

 

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LORDS OF CHAOS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Abbildungen stammen von Studio Hamburg)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Metalhead (2013)
 
This Is Spinal Tap (1984)
 
Almost Famous – Fast berühmt (2000)
 
Deathgasm (2015)
 
Until the Light Takes Us (2008)
 

Filmreview: „The Prank – Der Streich“ (2013)

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THE PRANK – DER STREICH

Story

 
 
 
Connor (Nick Renaud), Jordan (Henry Monfries) und Chunk (Gemmenne de la Pena ) sind drei Außenseiter, wie man sie an jeder Schule findet. Gerade Connor hat es im letzten Highschool-Jahr besonders schwer, muss er seit vielen Jahren die Demütigungen der Mädchenhelden Dax (Alastair Ferrie) und Omar (Rene Cadet) über sich ergehen lassen, die ihm zuletzt sogar ohne ersichtlichen Grund das Nasenbein gebrochen haben. Damit soll jetzt endgültig Schluss sein. Zusammen mit seinen besten Freund Jordan plant er, den beiden Proleten einen Streich zu spielen. Kaum ist eine Peinlichkeit auf Video gebannt, ist Dax darüber so rein gar nicht erfreut und und fordert Rache. Doch die Vergeltung findet einen unvorhersehbaren Ausgang …
 
 
 


 
 
 

THE PRANK – Kritik

 
 
 
Viele werden sich vermutlich gern an die herrlich unbeschwerte Jugendzeit zurückerinnern. Jene Zeit, in der die Welt scheinbar noch in Ordnung und weniger sorgenreich war und sich Jugendliche mit anderen Problemen konfrontiert sahen, als sie es als Erwachsene heute tun. Der Film THE PRANK – DER STREICH (Originaltitel: PRANK) dokumentiert in wackeligen und amateurhaften Bildern, mit welchen Konflikten sich Teenager auseinandersetzen müssen und zu welch schwerwiegenden Folgen die oftmals kränkenden Hänseleien führen können. Im Mittelpunkt der Geschehnisse stehen drei Außenseiter, die in ihrem bisherigen Leben nur wenig Freude gehabt haben. Sie werden nicht nur in der Schule gemieden, sondern auch von weniger intelligenten Altersgenossen zur Belustigung der Allgemeinheit gedemütigt und gemobbt. Grund genug, es den Übeltätern mit einem makabren Streich heimzuzahlen, der aber nicht die erhoffte Genugtuung bringt, die die drei Freunde vermutlich erwartet haben.
 
Nein, THE PRANK – DER STREICH ist keiner dieser üblichen Slasher, in denen sich unscheinbare Nerds zu wahrhaftigen Racheengeln aufspielen und ihren Kampf gegen die Ungerechtigkeit antreten. Vielmehr handelt es sich bei diesem Film um eine mehr oder weniger rabenschwarze Komödie, bei der dem Zuschauer wahrhaftig das Lachen im Halse stecken bleibt. Als Found-Footage-Movie getarnt, präsentiert uns Regisseur und Drehbuchautor YIUWING LAM einen ziemlich seltsamen Vertreter seiner Gattung, der sich bei allerlei Genres bedient und sich am Ende doch irgendwie nicht entscheiden kann, was er denn nun eigentlich sein möchte. Hier werden Elemente aus gängiger Terror- und Folterware ausgeliehen und mit kontroverser Alltagsproblematik und bitterbösen Humor zu einem schwerverdaulichen Drama vermischt. YIUWING LAM, der sich sein bisschen Filmerfahrung bisher nur durch Kurzfilme aneignen konnte, gibt mit THE PRANK sein Spielfilmdebüt und trifft damit sogar gleich ins Schwarze. Das mag vor allem daran liegen, dass seine Geschichte zwar konventionell klingt, aber bei weitem nicht das ist, was sie für den Zuschauer vorerst zu sein scheint: ein üblicher Revenge-Thriller. Hier erleben wir ein durchweg erfrischendes Szenario, dass mit unvorhersehbaren Wendungen gespickt wurde und den Zuschauer auf allerhand falsche Fährten lockt, nur um ihm am Ende rücksichtslos in die Magengegend zu boxen. Der Einsatz aktuell so beliebter und leider auch durchweg gehasster Wackelcam-Bilder ist in THE PRANK einmal mehr Thema, kommt dem Film aber recht gelegen, denn dadurch wirken die Geschehnisse authentischer. Auch wenn nicht immer nachvollziehbar scheint, warum in einigen unangenehmen Momenten die Kamera immer noch die Handlung filmen muss. Immerhin schafft es LAM, die gesamte Laufzeit über ein merklich konstant auftretendes, ungutes Magengefühl beim Zuschauer zu verursachen, der so rein gar nicht glauben möchte, was da im Verlauf der Handlung auf der Mattscheibe passiert. Die beiden Freunde überwältigen den aufgebrachten Muskelprotz und schleifen ihn in den Keller, wo er an einem Stuhl festgebunden fragwürdiges über sich ergehen lassen muss. Was anfänglich eigentlich nur Einschüchtern soll, gerät wenig später vollends aus den Fugen.
 
Natürlich wird hier nicht die Erwartungshaltung des blutgierigen Horrorfans befriedigt. THE PRANK – DER STREICH ist kein zeigegeiler Folteraufguss. Das intelligente Szenario kommt fast gänzlich ohne Ekeleffekte aus. Hier werden bevorzugt die Resultate der Demütigungen bebildert, die Opfer DAX an den Rand seiner Kräfte zwängen. Das wirkt zwar für den routinierten Allesseher wenig reißerisch und ist kein Vergleich zu Stoff wie ELI ROTH`s HOSTEL; dennoch dürften gerade zartbesaitete Filmfreunde mit den (im Vergleich zu ähnlichen Folterfilmen) zurückhaltenden Erniedrigungen am Unsympathen DAX so ihre Probleme besitzen. Auch wenn der Zuschauer am Ende mit einem ziemlich überraschenden Twist zu kämpfen hat, der die bisherigen Gegebenheiten aus einer ganz anderen Perspektive schildert, bleibt THE PRANK nicht frei von Ungereimtheiten. Zwar sind die schauspielerischen Leistungen für einen Low-Budget-Indie wie THE PRANK bemerkenswert, können aber nicht hinwegtäuschen, dass viele Interaktionen der wenigen Figuren ziemlich unglaubhaft wirken. Da wäre vor allem die Vorgehensweise der beiden Außenseiter CONNOR und JORDAN zu nennen, die zwar ziemlich nerdig wirken, aber im Verlauf der Handlung eine etwas seltsam anmutende Verwandlung durchleben. Anfänglich zurückhaltend und verängstigt, wächst gerade JORDAN im Verlauf der Handlung über sich hinaus und offenbart dem Zuschauer schnell, dass da mit dem vermeintlich geradlinigen Handlungsstrang irgendetwas nicht zu stimmen scheint. Auch wenn THE PRANK – DER STREICH zu keiner Zeit einen wirklichen Standpunkt einnehmen möchte und dem Filmfreund im Verborgenen bleibt, was Regisseur LAM denn nun eigentlich (wenn denn überhaupt) mit THE PRANK aussagen wollte, so bleibt ein ziemlich spannender Filmbeitrag, der sich wohlwollend vom üblichen Einheitsbrei abhebt.
 
 
 


 
 
 

THE PRANK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Kontroverser Indie-Geheimtipp. THE PRANK – DER STREICH ist ein kleiner Beitrag mit allerhand überraschenden Wendungen, der sich in kein Genre zwängen lässt. Mit Handkamera gefilmt, wird hier die Geschichte über Mobbing, Rache und eine Freundschaft geschildert, deren Vertrauen rasch auf eine harte Probe gestellt wird. Wer außergewöhnliche Filme jenseits des Mainstreams sucht, ist hier genau richtig!
 
 
 


 
 
 

THE PRANK – Zensur

 
 
 
Zwar ist THE PRANK – DER STREICH nicht sehr brutal oder zeigefreudig, dennoch ist das hier bebilderte Geschehen ziemlich haarsträubend. Auch einige grafischen Szenen gibt es zu sehen (wenn diese auch nicht sonderlich hart auf den „geübten“ Horrorfilmfan wirken). Trotzdem wurde THE PRANK in seiner ungeschnittenen Form in Deutschland bereits ab 16 Jahren freigegeben. Etwas verwunderlich, da die FSK mit ähnlichen Themen in der Vergangenheit immer ziemliche Probleme hatte. Den Horrorfan kann es egal sein und sich auf ungeschnittene Horrorware freuen. Wir wünschen schaurige Unterhaltung!
 
 
 


 
 
 

THE PRANK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Sunfilm / Tiberius Film GmbH

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Prank; USA 2013

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1, Englisch DTS-HD MA 7.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 82 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow, Trailer

Release-Termin: 04.12.2014

 

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THE PRANK – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Carrie – Des Satans jüngste Tochter (1976)

Carrie 2 – Die Rache (1999)

Patrick (1978)

Red Mist (2008)

Filmreview: „The Afflicted“ / „Another American Crime“ (2010)

 
 
 

Maggi (Leslie Easterbrook) lebt zusammen mit ihren vier Kindern und dem treusorgenden Ehemann (Kane Hodder) in einem kleinen armen Vorort irgendwo in ländlichen Amerika.

Doch die bibeltreue Christin scheint zu oft zur Flasche zu greifen, als das sie geistig in der Lage wäre, ihr Leben und das der Familie in recht Bahnen lenken zu können.

Geistig umnebelt bestraft sie „im Auftrag Gottes“ erst ihren Mann, dem seine Ehefrau vollkommen fremd geworden zu sein scheint, und der außerehelich nach Nähe und Geborgenheit sucht.

Im Streit stößt sie ihn die Treppe hinab, und zertrümmert ihm in ihrer Wut den Schädel.

Mit dem Ableben des Vaters erwartet fortan die ahnungslosen Kinder eine wahres Martyrium.

Mutter Meggi scheint mit dem Leben ihrer Kinder bereits seit längerer Zeit abgeschlossen zu haben, denn emotionslos terrorisiert und schikaniert sie ihre noch minderjährigen Kindern – bis die Lage eskaliert.

 
 
 

Aktuelle Genreproduktionen, die angeblich auf wahren Begebenheiten beruhen scheinen derzeit ja absolut im Kommen zu sein. Ob sich die Geschichten dahinter wirklich so abgespielt haben, oder einzig den kreativen Köpfen der Drehbuchautoren entspringen ist oftmals schleierhaft. Auch das Regie-Erstlingswerk des ehemaligen Tontechnikers Jason Stoddard macht keinen Hehl daraus auf aktuelle Geschehnisse zurückzugreifen, wobei ich dennoch gestehen muss, dass ich das so, wie es der Film zumindest schildert, nicht so wirklich glauben möchte.

Vorab ein großes Lob an Darstellerin Leslie Easterbrook („The Devils Rejects„, „Halloween„), die in der Rolle der psychisch-debilen Terror-Mutter „Maggi“ wirklich alle Facetten eines verwirrten Geisteszustandes glaubhaft umzusetzen weiß.

Anfänglich noch als liebende Ehefrau und Mutter skizziert, zerfällt ihr vollkommen verletzlicher Geisteszustand von Filmminute zu Filmminute. Dabei zerschmelzen die Übergänge zwischen gottesfürchtigen Wahnvorstellungen, Alkoholismus, Schizophrenie und zermürbende Verachtung und Hass den Kindern zugegen fließend ineinander.

Als Zuschauer hat man keine Chance sich diesem exzellenten Schauspiel zu entziehen, und man mag wahrlich nicht glauben wollen, zu welchen Handlungen eine derart hilflose Mutter fähig sein kann.

Denn nachdem „Maggi“ realisiert hat, dass sie im Halbsuff ihren Ehemann erschlagen hat und ihn in der Gefriertruhe im Schuppen versteckt hält, scheint sie mit ihrem Leben gänzlich abgeschlossen zu haben und beginnt die eigenen Kinder zu terrorisieren.

Parallelen zum kontroversen Thriller „An American Crime“ (lose Verfilmung des Buches „Evil“ von Jack Ketchum) aus dem Jahre 2007 sind unverkennbar, wobei die Leidensgeschichte der Protagonistin aus der Ketum-Verfilmung, minimal schockierender, subtiler und bedrückender auf den Zuschauer einzuwirken weiß.

Die ebenso guten schauspielerischen Leistungen der drei Schwestern in „The Afflicted“ wissen trotzdem ebenso zu überzeugen. Dennoch, das Drehbuch offenbart hier einige wirklich offensichtliche Logiklücken.

Die drei vollkommen unterschiedlichen Schwestern (zwei von ihnen sind fast volljährig und machen nun keinen augenscheinlich hilflosen Eindruck) wissen sich kaum zu wehren und dulden die moralisch fragwürdigen Handlungen der vollkommen labilen und schwachen Mutter. Der einzige Sohn frönt dem makaberen Treiben wortlos bei und dient einzig als Handlanger für die Beseitigung des „Abfalls“ der Mutter. Aus Angst versuchen die Kinder erst kaum sich der Außenwelt zu offenbaren, da sich davon ausgehen, dass ihnen niemand Glauben schenken würde.

Die drei Schwestern unterscheiden sich enorm voneinander. Die älteste Schwester Cathy scheint souverän und erfahren und muss den Großteil der Schikanen ertragen, die 16jährige Carla gibt die taffe Rebellin und Grace, die jüngste der drei Schwestern verkriecht sich lieber wortlos in ihr Zimmer und dokumentiert die Geschehnisse in ihrem Tagebuch.

Warum sich zumindest die älteren Geschwister nicht zu wehren wissen und warum sie kaum versuchen den wirren Wortfetzen der Mutter zu kontern und stattdessen alles brav über sich ergehen lassen, entzieht sich, zumindest mir, jeglicher Logik.

Demnach ist das Ende auch relativ ernüchternd und etwas zu spitz dargestellt und hinterlässt, trotz einem knallharten und konsequenten Abschluss, einen unweigerlich unbefriedigenden Eindruck beim Zuschauer.

 
 

The Afflicted“ ist ein recht ordentlicher Thriller, der mit seiner kontroversen Thematik sicher für gehörig Gesprächsstoff sorgen dürfte. Gerade die, im Wind wehende Amerikanische Flagge, welche im Verlauf des Filmes des öfteren vor dem Fenster der Gepeinigten flattert suggeriert, dass derart Geschehnisse scheinbar tagtäglich unentdeckt in diversen gutbürgerlichen und frommen amerikanischen Kleinfamilien vorfallen sollen.

Hält man sich vor Augen, dass es sich bei dieser Produktion um ein niedrig budgetiertes Independent-Werk handelt und Regisseur Jason Stoddard bisher keine Regie-Erfahrung vorweisen kann, so kann man letztendlich behaupten, dass das Endresultat beachtlich sehenswert ausgefallen ist.

Regisseur-Neuling Stoddard kann mit Easterbrook und Hodder zwei einschlägig bekannte Größen aus der Horrorfilmszene vorweisen und hat in den Castriege einige höchst talentierte Schauspieler am Start, die wirklich überzeugend agieren.

Leider erschwert die leidlich glaubhafte Geschichte das Mitfiebern und Mitleiden des Zuschauers und gerade aufgrund des fragwürdig nachvollziehbaren Plots, macht sich nach Filmende etwas Ernüchterung breit, und man mag als Zuschauer das Gefühl nicht loswerden wollen, dass aus „The Afflicted“ mehr herauszuholen gewesen wäre, hätte man das Drehbuch abschließend noch einmal auf grobe Schnitzer in der Handlung überprüft.

Dennoch, offenen Filmfreunden, die eine Vorliebe für authentische und kontroverse Filmen/Dramen besitzen sei „The Afflicted“ ans Herz gelegt. Hier gibt es keine Schlachterplatte (die Gewalthandlungen passieren im Off), sondern hier zählt allein der zermürbende und hilflose Grundton des arg fragwürdigen Geschehens.

Wem „The American Crime“ zugesagt hat, der dürfte vermutlich auch mit „The Afflicted“ gut unterhalten werden, zumal die beiden Geschichten minimal ähnliche Handlungsverläufen besitzen.

Im übrigen ist der Titel („Another American Crime“), der bevorstehenden deutschen Filmversion (Sommer 2012) vollkommen irreführend.

Die deutsche Titelschmiede offeriert einen indirekten Bezug zur Ketchum Verfilmung „An American Crime“ aus dem Jahre 2007, was natürlich vollkommener Quark ist.

 
 
 

Fazit: 6,5/10 Punkte

 
 

Ambitioniertes Indiwerk, mit einer hervorragenden „Leslie Easterbrook“, aber einer etwas minder glaubhaften Story. Für ein Regiedebüt trotzdem beachtlich!

 
 

(FSK-Freigabe: ungeschnitten – keine Jugendfreigabe)
 
 
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Hellraiser80