Filmkritik: „Deep Dark“ (2015)

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DEEP DARK

Story

 
 
 
Zwischen einem Loch in der Wand und einem talentlosen Künstler (Sean McGrath) entwickelt sich eine etwas andere Liebesbeziehung.

 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Kritik

 
 
 
Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, welch mutige Horrorfilme fernab des Massenfilmmarkts gedreht werden. Wo große Filmstudios mit ausreichend Budget die immer gleichen Geschichten nach bekanntem Verlauf herstellen lassen und damit die Hirne nicht sonderlich anspruchsvoller Zuschauer vernebeln, erfreut es umso mehr die alteingesessenen Horrorfans, dass es auch anders geht. Indie-Horror hat 2015 mit originellen Ideen Kritiker überzeugt und Kassen klingeln lassen. So haben Filme wie ICH SEH ICH SEH, WE ARE STILL HERE und SPRING dem allmählich immer geistfreier werdenden Hollywood gezeigt, das es auch dem Publikum von Horrorfilmen nach Neuem dürstet. Originalität ist auch in DEEP DARK Programm. Regie-Newcomer MICHAEL MEDAGLIA kommt dem Wunsch vieler Genre-Fans nach und hat mit seinem Langfilmdebüt eine erfrischende und zugleich surreale Liebesgeschichte in unbequeme Bilder eingefangen, die auf Festivals genug Preise einheimsen konnte, weshalb sie daher auch auf Filmchecker Erwähnung finden soll.
 
 
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Der talentlose Künstler Hermann Haig (SEAN MCGRATH) hat kein einfaches Leben. Nicht nur, dass ihm kreative Gedankenblitze fehlen, um Kunst zu Geld machen zu können. Auch nötige Anerkennung für sein Tun bleibt aus, weshalb er den erfolgreichen Onkel kontaktiert und ihn um Hilfe bittet. Dieser schlägt vor weg vom Nest der Mutter in eines seiner Apartments zu ziehen, damit sich der selbsternannte Kunstexperte dort ungestört seiner Arbeit widmen kann. Leider entpuppt sich die teure Wohnung als heruntergekommene Absteige. Doch Hermann lässt sich nicht entmutigen. Fleißig baut er an Mobiles, um die Inhaberin einer Kunstagentur beeindrucken zu können. Die ist von den Arbeiten des Kunstschaffenden gar nicht begeistert und lässt den Künstler bald an sich selbst zweifeln. Da passiert Sonderbares: aus einem Loch in der Wand seines Apartments rankt ein Faden, an dem sich seltsame Zettelbotschaften befinden. Doch die seltsamen Notizen sind erst der Anfang. Bald dringt eine weibliche Stimme aus der Öffnung, die dem entmutigten Mieter der Wohnung einen Vorschlag unterbreitet. Sie verspricht Talent, Kreativität und Ruhm, wenn Hermann als Gegenleistung mit dem Loch Zeit verbringt. Der willigt ein und entwickelt schnell eine Gier nach Anerkennung. Als die Stimme des Lochs Gefühle für den Künstler entwickelt, überschlagen sich die Ereignisse und eine skurrile Dreiecksbeziehung führt zum Desaster.
 
 
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In einem Interview verriet Macher MICHAEL MEDAGLIA, dass der Grundstein zum Film bereits vor mehreren Jahren gelegt wurde. Zu jener Zeit hatte er Schwierigkeiten eine Balance zwischen beruflicher Karriere und Liebesleben zu finden. So erläuterte Medaglia in Gesprächen mit der Fachpresse, dass jene Szene des späteren Films eine der ersten Ideen des Regisseurs war, in der Filmfigur Herman an Fäden festgeknotete Botschaften aus einem Loch in der Wand zog. Nach einigen Kurzfilmen griff er jene Gedanken erneut auf, schrieb darum eine doppeldeutige Geschichte und entwickelte ein komplettes Drehbuch, das Medaglia dank spendabler Produzenten sogar selbst verfilmen durfte. Entstanden ist dabei nicht nur ein gesellschaftskritisches Filmdebüt über Erfolgssucht und Habgier. Die makabre und metaphernreiche Satire über das zwanghafte und eigennützige Streben nach Ruhm und Anerkennung erntete auf diversen Filmfesten vorwiegend positive Resonanz und dürfte MICHAEL MEDAGLIA manche Tür ins stark umkämpfte Filmgeschäft geöffnet haben. Der lies sich für DEEP DARK übrigens nicht nur von ROMAN POLANSKIES Psycho-Horror DER MIETER begeistern. Auch viele alte Universal-Monsterfilme der 1930er und 1940er lieferten nach Aussage des Regisseurs für das Loch in der Wand Inspiration. Wenn das kein Grund ist, dem ungewöhnlichen und doch sehenswerten DEEP DARK eine Chance zu geben. Der entpuppt sich neben IT FOLLOW und dem zu Unrecht von vielen Horrorfans in der Luft zerrissenem THE BABADOOK als einer der besten Indie-Horrorperlen, die das Jahr 2015 hervorgebracht hat. Nach ideenlosem Fortsetzungs-Horror kommerziell erfolgreicher Gruselfilme, sind solch sonderbare Horrorgeschichten wie DEEP DARK sie erzählt gefragter denn je. Schließlich bleiben die länger im Kopf, als überflüssige Pre- und Sequels von so Horrorstreifen, wie CONJURING, INSIDIOUS und Co.
 
 
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DEEP DARK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
DEEP DARK ist bizarres Indie-Horrorkino, das man so garantiert noch nicht gesehen hat, schließlich kommt es nicht alle Tage vor – pornografische Filme ausgeschlossen – dass ein Mann mit einem Loch in der Wand eine Beziehung eingeht. Die auf Festivals ausgezeichnete Horrorsatire ist mal wieder auf dem Mist eines Regie-Newcomers gewachsen, der mit seiner ungewöhnlichen und zugleich makabren Geschichte an viele der schwarzhumorigen TALES FROM THE CRYPT-Episoden erinnert. Mit erhobenem Zeigefinger prangert er die Erfolgssucht der heutigen Gesellschaft an, die für Ruhm und Anerkennung sogar über Leichen geht. Dank guter Schauspieler, unerwarteter Wendung und bitterbösem Humor ist so eine etwas andere Liebesgeschichte entstanden, die auf jeden Fall am Ende die Interpretationsgabe des Zuschauers entfacht. DEEP DARK bleibt garantiert länger im Kopf, als manch ausgelutschter Horrorschinken aus Hollywood. Demzufolge meinen wir: Kompliment Herr Medaglia für diese ungewöhnliche Leistung und bitte drehen Sie mehr davon!
 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Zensur

 
 
 
DEEP DARK ist nicht sonderlich brutal. Einem Protagonisten wird der Darm aus dem Körper gezogen. Einem andere Charakter werden die Finger an beiden Händen abgetrennt. Hierzulande wird DEEP DARK demzufolge eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Videodrome (1983)
 
Elmer (1988)
 

Filmkritik: „Mr. Jones“ (2013)

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MR. JONES

Story

 
 
 
Filmemacher Scott (JON FOSTER) ist mit seiner Freundin Penny (SARAH JONES) in den örtlichen Wäldern unterwegs. Man arbeitet an einer Naturdokumentation und ist miserabler Stimmung, da Penny einen lukrativen Job an den Nagel gehängt hat, um ihrem arbeitsblockierten Lover bei den Dreharbeiten zur Seite zu stehen. Es macht das allgemeine Befinden nicht besser, als Scott mitten im Forst Opfer eines Diebes wird und man sich auf die Suche nach den entwendeten Dingen machen muss. Die Schnitzeljagd durch den unangenehmen Wald führt die beiden zu einer verlassenen Hütte, Eigentümer der Mister Jones des Titels, ein äußerst öffentlichkeitsscheuer Kunstschaffender, der hier unheimliche Figürchen und Gegenstände hortet, die er willkürlich an ihm fremde Menschen sendet. Scott ist begeistert von der Aussicht auf eine Dokumentation über den ominösen Künstler und macht sich auf die Suche nach Betroffenen oder zumindest Zeugen dessen Existenz. Doch niemand hält all zu viel vom Plan, den Mystery Man zum Sujet einer Zurschaustellung vor breitem Publikum zu machen. Im Gegenteil – Warnungen werden ausgesprochen.
 
 
 


 
 
 

MR. JONES – Kritik

 
 
 
Regisseur KARL MUELLER unternimmt in seinem Langfilmdebüt ein interessantes Experiment. Er nimmt die Grundlagen des legendären Found-Footage-Ahnen THE BLAIR WITCH PROJECT, also die Urangst vor Dunkelheit und unbekannten Wäldern, angedeutete oder im Ansatz erklärte Lokalmythologie und kombiniert sie mit der surrealistischen Erzählweise eines DAVID LYNCH. Wie dieses große Vorbild bedient sich Mueller bei den Tempos und der Logik, wie sie der Zuschauer am ehesten im Horrorkino des eigenen Unterbewusstseins, gemeint ist der Alptraum, erfahren haben dürfte. Dazu kommen autobiographische Elemente wie Kindheitserinnerungen aus dem ländlichen Minnesota, einem Bundesstaat im amerikanischen Mittelwesten, der in seinen pastoralen Landschaften voller endloser Wälder und den namensgebenden „tausend“ Seen schon fast etwas nordeuropäisches hat. Das Bild der Waldhütte voller seltsamer Gegenstände und auch präparierter Tierkadaver konnte Mueller direkt von hier projizieren, war ihm doch ein Einsiedler bekannt, der in einem solchen Verschlag hauste. Realer Horror bietet noch immer noch den idealen Grundstock, ob für Mainstream-Reißer oder Independent-Kino. Dort vermutlich sogar noch stärker. Schauspielerisch macht MR. JONES eine Menge richtig. Die Besetzung übertreibt nicht, nimmt den Zuschauer so nahtlos mit in das Spannungsfeld zwischen Horror und Alptraum. Natürlich – aber das ist wohl klar – darf man sich auch diesen Film nicht auf Deutsch ansehen. Die Sychronfassung ist gewohnt grauenhaft. Die Interviewsegmente sind gelungen und stellenweise in ihrer nahe am bewunderten BLAIR WITCH PROJECT orientierten Stimmung authentischer als in vergleichbaren Genrebeiträgen. Den beliebten und doch weitestgehend überschätzten Psychiatrieschocker GRAVE ENCOUNTERS möchte ich hier zum Vergleich erwähnt haben. Was MR. JONES am eindeutigsten über das Gros der noch immer Beliebten Pseudorealitäts-Horrorfilme hebt, ist die erwähnte Beschäftigung mit der auf Bild gebannten Alptraumästhetik eines DAVID LYNCH.
 
 
 


 
 
 

MR. JONES – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bildschweres Independent-Genrekino aus den verhexten Wäldern Nordamerikas. Als wenn das Gehölz von DAVID LYNCH’S TWIN PEAKS noch mehr schwarze Hütten zu bieten gehabt hätte als die Black Lodge.
 
 
 


 
 
 

MR. JONES – Zensur

 
 
 
MR. JONES ist ein subtiler Found-Footage-Streifen gänzlich ohne Blut und Gewalt. Die hiesige Filmfassung wurde daher von der FSK bereits Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

MR. JONES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Mr.-Jones-Blu-ray

(c) UNIVERSUM FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Mr. Jones; USA 2013

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 – @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 29.08.2014

 

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MR. JONES – Trailer

 
 


 
 

Christian Ladewig

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Possession of Michael King (2014)
 
The Devil Incarnate (2013)
 
Willow Creek (2013)
 
Afflicted (2013)
 
Absence (2013)
 
Apollo 18 (2011)