Filmreview: „Ghost of Goodnight Lane“ (2014)

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GHOST OF GOODNIGHT LANE

Story

 
 
 
Eine Filmcrew wird von einem wütenden Geisterkind bedroht, dass Spaß am Töten hat und den Crew-Mitgliedern das Fürchten lehrt …
 
 
 


 
 
 

GHOST OF GOODNIGHT LANE – Kritik

 
 
 
Immer dann, wenn man sie am wenigsten erwartet, krabbeln sie ganz unvorbereitet aus ihren modrigen Verstecken hervor und geben dem Horrorfan zu verstehen, dass pitschnasse Geistergören einfach nicht aus der Filmlandschaft wegzubekommen sind. Seit die asiatischen RING-Streifen rachsüchtige Geistermädchen populär gemacht haben, winden und wuseln jene Gestalten immer mal wieder durch düstere Filmszenarien und wollen nur eins: Die Protagonisten jener Filme möglichst hinterlistig um die Ecke bringen. Scream-Queen und Horrorsternchen DANIELLE HARRIS (HALLOWEEN 4+5, HATCHET 3) konnte vermutlich mal wieder einige freie Tage im Terminkalender entbehren und gab sich zusammen mit B-Movie-Dauergast BILLY ZANE die Blöße, beim vorliegenden Video-Murks GHOST OF GOODNIGHT LANE mitzumachen. Auch wenn die HARRIS schon in so einigen kultigen Schockern mitgewirkt hat, muss das noch lange nicht bedeuten, dass ein Horrorfilm auch gut sein muss, der mit der smarten Schauspielerin auf dem Cover wirbt. Aufgrund der unüberschaubaren Masse an amerikanischen B-Movies, die momentan den Videomarkt überschwemmen, gerät nämlich auch die HARRIS immer mal wieder an Drehbücher, die man besser als Kamin-Anzündhilfe verwendet.
 
GHOST OF GOODNIGHT LANE ist ein recht passendes Beispiel dafür, dass bekannte Schauspieler nicht zwangsläufig für Qualität stehen müssen, denn was Regisseur ALIN BIJAN hier auf die Beine gestellt hat ist eher hirnloses Fast-Food-Horrorfutter für zwischendurch, das man bereits wieder vergessen hat sobald der Abspann über den Bildschirm flimmert. Wie der Titel bereits vielversprechend verrät, spukt es im Haus auf der GOODNIGHT LANE und das nicht gerade wenig. Der hartnäckige Geist eines nervigen Kindes hat es sich im Postproduktionsstudio einer kleinen Filmcrew gemütlich gemacht und ist gar nicht damit einverstanden, dass das Haus bereits einen neuen Käufer gefunden hat und abgerissen werden soll. Die alte Thelma Perkins weiß Genaueres, flüstert aber in verschlüsselten Versen und scheint kein Interesse daran zu haben einfach mal Tacheles reden zu wollen. Stattdessen lässt sie die Filmleute der Reihe nach über die Klinge springen und offenbart erst am Ende die bittere Wahrheit über die Beweggründe des Geistes. Ihre Enkelin und gleichzeitig Tochter von Charles Manson ist für den tödlichen Schabernack verantwortlich, wurde sie doch in jenem Haus von der eigenen Großmutter ermordet. Am Ende plagen Oma Gewissensbisse. Grund genug das eigene Leben für das der Überlebenden zu opfern.
 
BILLY ZANE fällt zwar positiv durch trockenen Humor auf, hat aber offensichtlich vergessen, dass er sich hier eigentlich in einem Horrorfilm befindet. Während sich seine Schauspielkollegen laut um Kopf und Kragen schreien, steht Herrn ZANE die Lustlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Auch die sonst so taffe DANIELLE HARRIS wirkt ziemlich fehl am Platz, hat doch diesmal die Hauptrolle eine andere ergattert, so dass der beliebten Darstellerin nur noch eine kurze Besessenheitsszene übrig bleibt, um sich mal richtig austoben zu können. Ansonsten gibt es reichlich Trash und handgemachten Splatter zu sehen, was in GHOST OF GOODNIGHT LANE so ziemlich unspektakulär abgehandelt wird, denn eigentlich besteht das Machwerk hauptsächlich aus einer Aneinanderreihung bekannter Haunted-House-Klischees, und vorhersehbaren Jump-Scares, die wohl den Zuschauer am Einschlafen hintern sollen. Mit Ruhm hat sich für diesen austauschbaren Geister-Grusler keiner der Anwesenden bekleckert, denn nicht nur einmal dürfte sich der Zuschauer bei der Sichtung von GHOST OF GOODNIGHT LANE ertappen, wie er kurz zur Fernbedienung greifen möchte, um dem Abspann ein Stück näher kommen zu können. Knapp eine Stunde benötigt der Spukhaus-Quark bis er endlich aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Immerhin gibt es dann abwechslungsreiche Todesarten zu sehen, die aber ohnehin bereits im Trailer gezeigt wurden.
 
GHOST OF GOODNIGHT LANE hat wie jeder zweite hastig heruntergeleierter Video-Trash das Problem, dass ihm einfach Spannung fehlt, denn wirklich gruselig oder atmosphärisch will BIJAN austauschbarer Geisterfilm irgendwie nicht werden. Der Grund hierfür ist schnell gefunden, denn nicht der billige Low-Budget-Look bereitet Probleme, sondern das vollkommen uninspirierte Drehbuch, dass mal wieder nach Schema F abgehandelt wird. Die Geschehnisse rund um GHOST OF GOODNIGHT LANE sind nicht neu und hat man mittlerweile einfach schon bedeutend besser erzählt auf der Mattscheibe gehabt. Seltsamerweise weicht Macher ALIN BIJAN kurz von der schablonenhaften Erzählung ab. In einer Szene bekommen wir besessene Puppen vor die Linse. Ein wunderbar nostalgischer Moment, der kurz die legendäre PUPPET MASTER-Reihe und den charmanten Gordon-Puppenhorror DOLLS ins Gedächtnis zurückkehren lässt. Leider dauert der magische Moment nur wenige Sekunden, danach richtet BIJAN das Augenmerk erneut auf das Langweilen des Zuschauers. Was für eine Verschwendung!
 
 
 


 
 
 

GHOST OF GOODNIGHT LANE – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
GHOST OF GOODNIGHT LANE ist die weitaus blutigere Antwort auf die subtile RING-Filmreihe, in der ein verärgertes Geistergör pitschnass aus TV-Apparaten krabbelt und das Fürchten lehrte. Das Geistermädchen in GHOST OF GOODNIGHT LANE hat andere Probleme. Nicht nur, dass sie mit fettigem Haupthaar zu kämpfen hat; so wirklich beängstigend wirken ihre Wutausbrüche nicht auf den Zuschauer, dem vor allem die nicht enden wollenden Müdigkeitserscheinungen Sorgen bereiten dürften, schließlich hat GHOST OF GOODNIGHT LANE mit permanenter Ideenarmut zu kämpfen. Das Problem dürfte Regisseur ALIN BIJAN bereits beim Schreiben des Drehbuchs erkannt haben, so dass er die Handlung um nette Splatter-Momente und Jump-Scares bereichert hat. Was dem Streifen dennoch fehlt ist Spannung und Atmosphäre, denn Blut und coole Sprüche allein machen aus eigentlich totgefilmten Geschichten keine guten Horrorfilme. Wer übrigens DANIELLE HARRIS mal wieder in einer vollkommen überflüssigen Rolle sehen mag, dürfte sich immerhin über ihren Auftritt in GHOST OF GOODNIGHT LANE freuen. Dennoch bleibt hier einmal mehr die Frage unbeantwortet, warum die HARRIS ihren Namen für diesen unnützen Käse hergegeben hat. Ihr Bankkonto dürfte die Antwort liefern.
 
 
 


 
 
 

GHOST OF GOODNIGHT LANE – Zensur

 
 
 
Die wenigen Splatter-Momente wurden geschickt getrickst. Nägel bohren sich in Augen, eine Protagonistin schlitzt sich ein Hackenkreuz auf die Stirn und ein Gesicht wird von einem Ventilator zermatscht. Klingt zwar alles blutig und schaut lustig aus, dürfte aber für eine FSK16 reichen – ungeschnitten versteht sich.
 
 
 


 
 
 

GHOST OF GOODNIGHT LANE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Fear Lives Here (2013)
 
The Unbroken (2012)
 
Aberration (2013)
 

Kritik: „Scarecrow – Das Grauen stirbt nie“ (2013)

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SCARECROW – DAS GRAUEN STIRBT NIE

Story

 
 
 
Schüler einer High School werden dazu verdonnert, zusammen mit Lehrer Aaron Harris (Robin Dunne) zu einer nahe liegenden Farm zu fahren, um von dort einiges an Equipment und die gar grausig drein schauende Vogelscheuche für das alljährliche Vogelscheuchenfest abzubauen und in die Stadt zu karren. Unterstützt werden sie dabei von Aarons Ex Kristen (Lacey Chabert), die das mysteriöse Anwesen von den Eltern vererbt bekommen hat und es nun verkaufen möchte, weil sie knapp bei Kasse ist. Da der Hof den Besitzer wechselt, muss der Festivalstandort kurzum in die Stadt verlagert werden, was den Schülern etwas unheimlich anmutet. Keiner Wunder, ranken sich gruselige Legenden um die vermeintlich verfluchte Farm, die den Ursprung des jährlichen Vogelscheuenfestes begründen. Leider ist die eigentliche Bedeutung des beliebten Festes der Stadtjugend vollkommen fremd, so dass die schuftenden Kids etwas verdutzt aus der Wäsche schauen, als sie plötzlich Bekanntschaft mit dem Bösen machen, das seit Ewigkeiten unter dem fruchtbaren Farmboden verborgen liegt …
 
 
 


 
 
 

SCARECROW – Kritik

 
 
 
Neben der Trash-Filmstudio THE ASYLUM gehört auch der amerikanische Pay-TV-Sender SYFY zu jenen Produktionswerkstätten, die Liebhaber leidlich intelligenter Horrorware in bescheidener Regelmäßigkeit zum Jauchzen bringen. Möglichst billig heißt hier die Devise, wobei die hervorgebrachten Eigenproduktionen meist eher mit katastrophalen Effekte trumpfen, als mit ausgefeilten Geschichten oder herausragenden Schauspielleistungen. Schließlich will man das Fernsehpublikum nicht allzu sehr überfordern. Dennoch hat sich der Standard der aktuellen Low-Budget-Werke erheblich gesteigert. Zwar sind die Filmchen immer noch erschreckend anspruchslos, die meist computeranimierten Spezialeffekte haben jedoch schon längst das Niveau früherer SYFY-Filmchen hinter sich gelassen und brauchen den Vergleich zum aktuellen Mainstream nicht scheuen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der neuste Clou aus der SYFY-Kreativschmiede, der in punkto Creature-Design gar keine schlechte Figur macht. Hier hat man sich in einem raren Nischen-Genre bedient, wobei der Vogelscheuchenhorror bisher im Horrorfilm eher stiefmütterlich behandelt wurde. Im Vergleich zu den üblichen Verdächtigen lassen sich jene Schauerstücke an einer Hand abzählen, wobei DIE NACHT DER VOGELSCHEUCHE (1981), SCARECROWS (1988) und NIGHT OF THE SCARECROW – DER PAKT MIT DEM DÄMON (1995) zu den wohl bekanntesten Vogelscheuchen-Schockern gehören dürften. Nach HUSK (2011) gab´s seither nix Neues von der Vogelscheuchenfront, was für TV-Sender SYFY vermutlich Pflicht genug gewesen sein dürfte, gleich mal einen weiteren Kandidaten dieser Art auf die Festplatten zu bannen.
 
 
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Wie bei jedem Streifen aus dem umfangreichen Fundus des amerikanischen Spartensenders handelt es sich auch bei SCARECROW – DAS GRAUEN STIRBT NIE um Fast-Food-Horror. Anspruch gibt es keinen. Ein halbwegs spannendes Drehbuch ebenso wenig. Lang gefackelt wird hier nicht, der magere Plot kommt erstaunlich zügig zu Potte. Ehe die austauschbaren Kids die Gefahr wittern, schlagen auch schon die kreativen CGI-Effektkünstler zu. Seltsame Wurzeln sprießen aus dem Boden und formen sich zu einer Art Vogelscheuche zusammen, die nun eine unerbitterliche Jagd auf die Jugendlichen veranstaltet. Die verschanzen sich ähnlich wie in NIGHT Of THE LIVING DEAD (1968) in der klapprigen Holzbehausung der Farm und hoffen, von den Attacken der Vogelscheuche verschont zu bleiben. Natürlich werden dem Blutzoll wegen gleich zu Beginn die nervigsten Protagonisten ausradiert, wobei man trotz der eher bescheidenen Geschichte immerhin sagen muss, dass SCARECROW actionlastig und zügig abgehandelt wird. Die Überlebenden hetzen von einem Schauplatz zum nächsten und werden nach bekanntem Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip in den Slasherhimmel gemeuchelt. Die ziemlich gut designte Vogelscheuche scheint allgegenwärtig zu sein und eine Leidenschaft für das möglichst kreative Abschlachten seiner Opfer zu hegen. Die werden abwechslungsreich um die Ecke gebracht, wobei Splatternerds vermutlich aufgrund der eher zurückhaltenden Schauwerte schnell das Interesse an SCARECROW – DAS GRAUEN STIRBT NIE verlieren dürften.
 
 
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Den neusten Ableger der SYFY ORIGINAL MOVIE-Reihe hat SHELDON WILSON inszeniert. Der dürfte Horrorfilm-Allesguckern kein Unbekannter sein. Bereits 2004 konnte er mit SHALLOW GROUND Erfolge erzielen und heimste auf Filmfestivals Preise ein. Was danach kam, war eher weniger der Rede wert. Nacht KAW (2007) und SCREAMERS: THE HUNTING (2009) fristete er sein Dasein als durchschnittlicher Regisseur für unbedeutenden TV-Mist, einiges darunter hat er sogar für den sagenumwobenen SYFY-Channel gedreht. Auch sein neuster Streich SCARECROW – DAS GRAUEN STIRBT NIE ist zwar ein recht kurzweiliger TV-Film mit sehenswerten Effekten; wirklich bleibenden Eindruck hinterlässt dieser Grusler aber nicht. Die rund 90 Minuten vergehen wie im Flug; flimmert jedoch der Abspann über den Bildschirm dürfte der Thriller auch schon wieder gänzlich aus den Köpfen der Zuschauer entschwunden sein. Auch wenn der Vogelscheuchenhorror im Pool der sich immer wiederholenden Filmstoffe eine fast schon aussterbende Gattung darstellt, so gehört SCARECROW zu jenen Art Slashern, die man vermutlich nur dann sehen sollte, wenn man wirklich schon jeden erdenklichen Horrorfilm gesehen hat und dringend unheimlichen Nachschub benötigt, egal wie mies er auch ist.
 
 
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SCARECROW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Im Vergleich zum üblichen eigens produzierten Trash-Mist des TV-Senders ist SCARECROW – DAS GRAUEN STIRBT NIE der vermutlich bisher beste SYFY-Streifen. In SCARECROW sind die Spezialeffekte zur Abwechslung einmal wirklich als schauerhaft zu beurteilen. Zusammen mit der düsteren Atmosphäre und der ationlastigen Inszenierung eignet sich SCARECROW ideal für die Sichtung an einem verregneten Sonntag. Wirklich bleibenden Eindruck hinterlässt dieser Vogelscheuchenhorror trotz toller CGI-Effekte jedoch nicht – Fast Food Horror für Zwischendurch eben!
 
 
 


 
 
 

SCARECROW – Zensur

 
 
 
Bei SCARECROW – DAS GRAUEN STIRBT NIE handelt es sich um einen TV-Film. Sonderlich gewalttätig oder gar splattrig wird´s in SCARECROW leider nicht. Die Gewaltakte bewegen sich auf FSK16-Niveau! Das sah auch die Prüfbehörde so. SCARECROW ist ungeschnitten mit FSK16 erschienen.
 
 
 


 
 
 

SCARECROW – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Concorde Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Scarecrow; USA | Kanada 2013

Genre: Horror, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch 2.0, Englisch Dolby Digital 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 20.05.2016

 

Scarecrow – Das Grauen stirbt nie [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

SCARECROW – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei Concorde Home Entertainment)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Die Nacht der Vogelscheuche (1981)
 
Scarecrows (1988)
 
Night of the Scarecrow – Der Pakt mit dem Dämon (1995)
 
Husk (2011)
 

Filmreview: „Sanitarium – Anstalt des Grauens“ (2013)

sanitarium2013
 
 
 

SANITARIUM

ANSTALT DES GRAUENS

Story

 
 
 
Eine psychiatrische Klinik erhält drei neue Insassen. Für Dr. Stenson (Malcolm McDowell) Grund genug, sich einen ersten Eindruck von den Patienten zu verschaffen und ihre Schicksale zu beleuchten …
 
 
 


 
 
 

SANITARIUM – Kritik

 
 
 
Nach den beachtlichen Erfolge von Filmen wie V/H/S und THE ABCS OF DEATH war es nur eine Frage der Zeit, bis ein nächster dieser aktuell mal wieder so beliebten Kurzgeschichtensammlungen das Licht der Filmwelt erblicken sollte. In Expertenkreisen auch als Anthologien betitelt, finden derartige Episodenfilme vor allem unter Horrorfilmfans immer ihre Befürworter. Verwunderlich ist das natürlich nicht, genießen nicht wenige dieser Filme heute Kultstatus (CREEPSHOW, TALES FROM THE CRYPT, NECRONOMICON) und sind aus dem Genre nicht mehr wegzudenken. Grund genug mit SANITARIUM einen weiteren dieser Filme ins Rennen zu schicken, auf dass dieser Beitrag gleichen Erfolg verbuchen wird, wie die vielen beliebten Horror-Episodenfilme der 70er und 80er Jahre zuvor. Wie bereits im Beitrag ASYLUM (1972), verschlägt es den Zuschauer in eine Psychiatrie, wo ihm die Schicksale jüngst eingelieferter Patienten geschildert werden. Im Mittelpunkt der Gegebenheiten steht Dr. Stenson (MALCOLM MCDOWELL) Oberarzt der Klinik, der auch die Neuzugänge der Klinik überwacht. Als Erzähler agierend, erklärt er dem Zuschauer nun, wie die drei neuen Patienten ihren Weg in die Heilanstalt gefunden haben und verbindet so die einzelnen Segmente stimmig miteinander.
 
Künstler Gustav (vollkommen durchgeknallt: JOHN CLOVER) hat nicht nur die Haare schön, sondern verhält sich auch durchweg verhaltensauffällig. Er soll seine in tadelloser Handarbeit modellierten Puppen für ein stattliches Sümmchen verkaufen. Doch Gustav scheint es nicht über das Herz zu bringen, sein Lebenswerk zu veräußern. Fortan sprechen die Puppen mit ihm und zwingen ihm zu einen teuflischen Plan. Während der Überraschungsauftritt von Legende ROBERT ENGLUND im Segment mit dem Titel PATIENT 46 ein erschreckend frühes Ende nimmt, gefällt hier die liebenswerte Hommage an die berüchtigte PUPPET MASTERS-Reihe. Eine kleine Stop-Motion-Szene alter Schule erinnert an das grandioses-melancholische Animationskino eines TIM BURTON.
 
Die zweite Episode, PATIENT 26, berichtet vom traurigen Leben des Grundschülers Steven (DAVID MAZOUZ), der nicht nur vom eigenen Vater missbraucht, sondern auch von einem augenlosen Wesen mit spitzen Zähnen und gruseliger Kutte verfolgt wird. Klassenlehrerin Ms. Lorne (LACEY CHABERTZ) ahnt Schlimmes und will dem verschüchterten Jungen helfen; ist aber zur falschen Zeit am falschen Ort. PATIENT 26 ist mehrschichtiges Mystery-Kino, dass jedoch mehr Drama sein will als waschechter Horror. Auch wenn der Zuschauer hier Zitate aus berüchtigten Schockern entdecken wird (Schulszene aus HALLOWEEN) so ist diese Episode vollgestopft mit psychologischen Deutungen und Sinnbildern, die durchaus Diskussionsgrundlage bieten dürften.
 
Die letzte Geschichte handelt von Professor James Silo (beachtlich paranoid verkörpert von LOU DIAMOND PHILLIPS), der den Untergang der Welt kommen sieht und einen Luftschutzbunker für sich und seinen Familie im Garten bauen lässt. Letztendlich kommt jedoch alles anders als erwartet und der Zuschauer erlebt eine erschütterndes Story, die in einem unglaublich depressiven Ende gipfelt.
 
SANITARIUM ist einer jener Filme, der die Horrorfilmwelt in zwei Lager spalten dürfte und nicht bei jedem Zuschauer auf Zustimmung stoßen wird. Schuld daran dürfte vor allem das reißerisch gestaltete Filmplakat sein, dass eine gänzliche falsche Erwartungshaltung schürt. Horror wird hier nur vage zum Thema gemacht. Stattdessen wird der Filmfreund mit drei ziemlich erschütternden Tragödien konfrontiert, die in ihrer Gesamtheit schon arg aufs Gemüt schlagen. Hier werden drei Schicksale vermeintlich geistig gesunder Menschen geschildert, die am Ende unfreiwilligerweise in der Psychiatrie landen. In SANITARIUM wird die Langsamkeit neu entdeckt. Die drei Regisseure BRYAN ORTIZ, BRYAN RAMIREZ und KERRY VALDERRAMA lassen sich viel Zeit mit dem Erzählen ihrer Geschichten. Ekelhaftes Gemetzel und plakativen Schrecken sucht man hier vergebens. Stattdessen haben die Protagonisten ausreichend Zeit, sich zu entwickeln, was sich vor allem beim typischen Genre-Publikum in gähnender Langeweile äußern dürfte. Wer SANITARIUM jedoch mit einer ganz anderen Erwartungshaltung goutiert, erlebt einen der vermutlich besten Anthologie-Streifen der letzten Zeit. Vor allem der außerordentlichen Schauspielleistung von JOHN CLOVER und LOU DIAMOND PHILLIPS ist es zu verdanken, dass sich der Film vom typischen Einheitsbrei abzuheben weiß und letztendlich durch Mark und Bein geht. Selten hat man einen so depressiven Genre-Beitrag gesehen, der wegen und auch trotz seiner dramalastigen Inszenierung ein Gefühl des Unbehagens auslöst. Wer eine Schwäche für psychologischen Horror besitzt und mit der teilweise gemächlichen Inszenierung leben kann, sollte sich ausreichend Zeit nehmen, das vorliegende SANATARIUM zu besuchen. Mit fast zwei Stunden Spielzeit ist diese Kurzgeschichtensammlung nicht gerade kurz. Auch wenn der vorliegende Psychotrip so ziemlich speziell ist, verdient er es definitiv, von jedem offenen Horrorfilmfan gesehen werden.
 
 
 


 
 
 

SANITARIUM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Düster, makaber und doch so wunderschön! Eine sonderbare und vollkommen unkommerzielle Anthologie, die mit ähnlichen Filmen rein gar nicht vergleichbar ist. Ein herrlich melancholischer, stellenweise fast schon depressiver Psychotrip, der jedem offenen Horrorfilmfan zu empfehlen ist. SANITARIUM ist vermutlich kein Meisterwerk, weiß sich aber erfrischend vom üblichen Horror-Einerlei abzuheben.
 
 
 


 
 
 

SANITARIUM – Zensur

 
 
 
SANITARIUM ist eher Drama als Horror. Blut oder Gewalt gibt es hier nur selten zu sehen. Von daher dürfte der Film in Deutschland keine Probleme in seiner ungeschnittenen Form erhalten und bereits für Jugendliche geeignet sein. Die hiesige Heimkinoauswertung von SANITARIUM wurde mit dem blauen FSK16-Flatschen von der Zensurbehörde freigegeben. Aufgrund der Trailer im Bonusmaterial ist die Scheibe jedoch erst für Volljährige zu haben: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

SANITARIUM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sanitarium; USA 2013

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1

Laufzeit: ca. 113 Min.

FSK: Film: FSK 16 (ungeschnittene Fassung) – BD aufgrund Bonusmaterial: keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 24.03.2015

 
 

Sanitarium – Anstalt des Grauens [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

SANITARIUM – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Asylum (1972)

Insanitarium (2008)

Creepshow – Die unheimlich verrückte Geisterstunde (1982)

The Ward (2010)

Psych:9 (2010)

The ABC´s of Death (2012)

Chillerama (2011)