Filmkritik: „Big Daddy – Make America Stoned Again“ (2019)

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BIG DADDY – MAKE AMERICA STONED AGAIN

(HIGH ON THE HOG)

Story

 
 
 
Schweine- und Marihuana-Farmer „Big Daddy“ lebt mit seiner Sippe friedlich dealend im idyllischen Council Hill, bis ein alternder Agent auf seine Spur kommt….

 
 
 


 
 
 

BIG DADDY – Kritik

 
 
Fuck Mann. Was zum Teufel war das gerade nur, was in Gottes Namen habe ich hier gerade erdulden müssen? Entschuldigt den Einstieg aber es ist Sonntag, 16 Uhr, ich bin seit etwa 6 Stunden wach und einfach nur weil ich bereits knapp 100 Minuten davon mit „Big Daddy – Make America Stoned Again“ (Originaltitel: „High on the Hog“) gefüllt habe, kann ich mich jetzt schon zurücklehnen und sagen „Wow, was ein Tag doch.“. Nur leider nicht im positiven, gemütlichen Sinne, als hätte man gerade erfolgreich den Garten umgegraben oder seinen Roman beendet, nein, viel eher als hätte man gerade 2,5 Stunden „The Turin Horse“ gesehen, nur ohne die Ästhetik oder den atmosphärischen Mehrwert. Was ich abgesehen von der geöffneten Energydrinkdose gerade vor mir liegen habe, das sind jedenfalls 8 Din A4-Seiten Notizen denn ja, das hier könnte lang werden, gar einer meiner ausführlichsten Texte überhaupt. Erlebt habe ich so etwas nämlich noch nicht und auch wenn ich vor dem Genuss des Films tunlichst warnen werde, so möchte ich doch eben deswegen einen kleinen Einblick geben – also kommt mit mir auf eine Reise in den mit unerträglichsten Wahnsinn, der je auf Blu-ray gepresst wurde.
 
 
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Der vor 40 Jahren in Illinois geborene Tony Wash besuchte erst die legendäre Special F/X-School von Horror-Urgestein Tom Savini in Pennsylvania, bevor er 2007 mit „It’s my Party and I’ll die If I want to“ einen durchaus in Festivalkreisen gefeierten Indiefilm auf die Welt losgelassen hat, dessen positive Resonanz wohl genügte, um einen Fuß zu fassen, einige Kurzfilme zu kreieren und schlußendlich noch die mir bisher unbekannten Werke „Chop Shop“ und „The Rake“ zu drehen. Bevor dann, letztes Jahr, „High on the Hog“ verbrochen wurde, hierzulande wenig sinnvoll in „Big Daddy – Make America stoned again“ umbenannt – was einfach nur der Name von Sid Haigs Charakter zusammen mit einer Tagline ist, die weder inhaltlich noch wörtlich je vorkommt.
 
 
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Sid Haig selber war so überzeugt von Wash und seiner Arbeit als Regisseur, dass er den Film direkt mitproduziert hat – und dass Haig seine simple und nie fordernde Rolle mochte, in der er kiffend zwischen 50 Jahre jüngeren Frauen auf seiner Farm chillt und kaum was tun muss, kann ich mir auch vorstellen. Aber wie sich dieses sehr lose „Konzept“ als Film präsentiert, das ist noch einmal eine ganz, ganz andere Frage. „For Bobby Z“ lautet die Widmung im Intro dieses Werks, da der im März 2015 bereits verstorbene Charakterdarsteller Robert Zdarsky, mir schon aus den Otto & Caesar-Filmen, anderen Lesern vielleicht eher aus „Tango & Cash“ bekannt war, hier als Mayor seine wohl vorletzte Rolle innehat – danke, Robert, dass du den Streifen mit deiner Präsenz veredelt hast, gerade da deine Szenen das wohl beste Acting dieses Trauerspiels beinhalten. „So it begins“ erzählt Sid Haig zu Drohnenfahrten über sonnige nordamerikanische Farmgebäude & Felder, und direkt fällt das körnige Bild auf, direkt die bemühten 70s-Farben, direkt das in „Grindhouse“ von Rodriguez und Tarantino deutlich zurückhaltender, deutlich pointierter benutzte Filtern von eigentlich ganz netten Aufnahmen, die möglichst gritty werden sollen. Wieso, fragt ihr euch? Bietet sich eine Story über einen Marihuana-Farmer, in dem echtes Material von aktuellen Ausgabestellen bzw. deren Razzias reingeschnitten werden, unbedingt für ein Throwback-Retro-Grindhouse-Erlebnis an? Nein? Nun, dann habt ihr jetzt wohl schon mehr über das Konzept nachgedacht, als der Regisseur.
 
 
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Ich will wirklich nicht die ganze Zeit austeilen, ich würd mich freuen über einen gelungenen Hybrid aus exploitativem Trash á la „Pervert!“ und entspanntem Kifferfilm, aber nichts von beidem braucht einen Fake-Bezug zu den Siebzigern, erst Recht nicht mit FSK 16 und ohne mit diesem Edi– egal, bleiben wir chronologisch. „Ain’t nobody gonna take our family farm away!“ slangt sich Haig durch das Voiceover, dann direkt zeigt der Editor sein hässliches Gesicht und in einem epileptischen Tobsuchtanfall von Opening Credits fährt ein schmissiges Muscle Car durch die Gegend, während generischer Hard Rock läuft und Splitscreen an Splitscreen an Splitscreen gereiht wird. Mal sehen wir das Auto gleichzeitig von der Seite und von oben, mal nur die Reifen ganz nah, dann wieder teilt sich das Bild in drei um simultan die mehrfach eingeblendete, amerikanische Flagge, die immer wieder identische Aufnahme einer Marihuanapflanze und das rumrasende Vehikel festzuhalten. Das ist noch deutlich anstrengender als es sich liest und würde selbst als Musikvideo nicht durchgehen, aber hey, im Intro toben sich überengagierte Editoren ja gerne mal aus und der Film hat schließlich noch nicht einmal richtig begonnen – denkste. Das Muscle Car fährt zum Stripclub, Stahlkappen auf den Lederboots des Fahrers, im Club direkt ein paar nackte Damen und ein schmieriger, schwitzender Typ, der einen geblasen bekommt. Das Schauspiel der gesamten Szene ist direkt auffallend grauenhaft, wenngleich auch nicht viel Dialog ausgetauscht wird, der Sound ist unverständlich und schlecht abgemischt, die Musik und Geräusche der Umgebungsatmosphäre wirken absolut nicht, als kämen sie aus dem Nebenraum.
 
 
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Kaum hat man das Intro halbwegs verdaut und kratzt sich fragend am Kopf, kommt der unfassbarste, anstrengendste, belastendste Part des gesamten Films, der Grund für mein Trauma: Es fängt damit an, dass völlig unvermittelt und ohne jede Vorstellung von irgendwem eine Frau panisch schreiend zu lauter Metalmusik und mit tausend Schnitten eine nächtliche Straße entlang rennt, und sich dabei bis auf die Unterwäsche entkleidet. Wer das ist oder warum wissen wir nicht, nur wie unfassbar es auch für den Zuschauer schmerzt, immer wieder festgefrorene Aufnahmen. Zu. Haben. Und. Dann. Wiedergehtesganzschnellweitermittausendschnitten. Und. Dann. Wieder. Einzelne. Frames. Unddannsiehtmanwiederwiesierenntundschreitundrennt. Unkonsumierbar, unzusammenhängend, unverständlich. Nächste Szene des gleichen Szenenblocks, ein Typ hat ne Schere im Kopf stecken, er und drei weitere junge Leute stehen scheinbar unter Schock am Krankenwagen, Polizei ist auch da. „How did this happen?“, Schreierei, mehr laute „Wuusch!“-Geräusche, überlagernde Tonspuren, Freeze Frames, Jumpcuts, der ganze Wahnsinn. Jetzt, nach der Frage also, FLASHBACK, denn diese uns völlig unbekannte Gruppe, die auch nichts mit der Farm oder dem Stripclub zu tun haben scheint, scheint zu diesem Zeitpunkt der eigentliche Fokus der Geschichte zu sein, als Aufhänger für den ganzen Film zu dienen – schließlich haben wir sonst noch nichts bekommen bis auf ein Voiceover von Sid Haig und einen ominösen Auftrag im Stripclub, richtig? Denkste.
 
 
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2 Stunden vorher, so informiert uns der hässliche Schriftzug, in diesem von hässlichen Einblendungen und Effekten und flackernden Einstellungen nicht gerade verschont gebliebenem Film, wollte die Gruppe „shit from some new guy“ holen. Durchschnittliche, generische Musik läuft zu laut im Vordergrund, dann geht der Film nach stolzen 8 Minuten Laufzeit auch direkt in die Vollen: War die bisherige, durchschnittliche Einstellungslänge bereits bei etwa 1-2 Sekunden, so wird jetzt in der Gruppe schlecht und unauthentisch wie sonst was gekifft und wenn dieser Film, mit diesem geisteskrankem Editor, der bereits da schon das mit Anstrengendste geliefert hat, das ich je gesehen habe, einen „bad trip“ inszenieren will, eine geistige Überforderung von drogeninduzierten Sinneseindrücken also, ja heilige Scheiße, verzeiht die Wortwahl, aber dann kann das Intro von „Enter the Void“ echt einpacken. Mit Verdopplungen und Zeitraffer und Zeitlupe und tausend Winkeln und hyperschnellem schwindelig machendem Editing und viel zu vielen Sounds und Eindrücken versehen wird sich hier durch eine Claymation-Splattersequenz gefiebert und genau diese Mischung aus hektischen Breakbeats und Panik und Desorientierung und Angst und Schweiß und Psychose verursachendem Editing ist es, die ich als „filmischen Bad Trip“ bezeichnen würde. Absolut unaushaltbar unangenehm, sehr immersiv und keine Ahnung was diese Szene, die wirklich nichts erzählt bis auf dass es gepanschtes Gras gibt, in diesem furchtbaren Film macht, aber so mitgenommen und unerwartet abgefuckt so völlig aus dem Nichts und ohne Warnung war ich lange nicht mehr. Alles wird viel zu schnell abgespielt, die unglückliche Kifferin rastet aus und sticht den Typen mit der Schere ab, den wir vor wenigen Minuten gesehen haben, ihr ist heiß, sie rennt weg und zieht sich aus, dann kommt ein Auto und überfährt sie – Cut, zurück zu der Stelle von vorher. Wofür das alles? Wieso diese Erzählstruktur? Wie zum Teufel hat dieser kurze Vorgang 2 Stunden gedauert? Ich weiß es nicht und es verwirrt nur noch mehr, darüber nachzudenken, aber einzigartig war dieser Höllentrip definitiv. Zu diesem Zeitpunkt, etwa 10 Minuten in „Big Daddy – Make America Stoned Again“ also, wünschte ich mir bereits einfach nur dass Entschleunigung stattfindet, dass auch nur eine Einstellung mal länger laufen darf als ein paar Sekunden, dass wir keine Shakycam auf engsten Raum haben mit tausend Überblenden und Filtern, sondern Tarkovsky-mäßige, ruhige, langsame Einstellungen zum Reinsetzen und Genießen. Doch selbst wenn Sid Haig als „Big Daddy“ einfach nur auf der Terasse sitzt und einen Joint raucht schafft der Editor es, das ganze sehr sehr kräftezehrend zu gestalten. B-Movie Legende Joe Estevez darf den eindimensionalen und wenig spannenden oder witzigen „Agent Dick“ spielen, der Big Daddy auf die Spur kommt und einen Durchsuchungsbefehl für die Farm möchte, bis auf Alkoholismus und eine leichte Verwirrung, die vermutlich eher von Estevez selber kommt, hat auch dieser Charakter aber leider keine weiteren Eigenschaften bekommen. In einer hässlichen, rot-blau-grün beleuchteten Wohnung steht Estevez nun im peinlichen Kostüm vor ein paar Dealern und erzählt zu weiterhin irritierendem Editing genau die Szene des Unfalls nach, die wir gerade gesehen haben. Drei bewaffnete „bad ass bitches“ dealen wohl das giftige Gras im Stripclub, so werden wir informiert. Der „Scene missing“-Gag wird zum zweiten Mal wiederholt, der Dealer schlecht getrickst verkloppt, Estevez nuschelt sich irgendwas in seinen Bart. Szene Ende. 14 Minuten im Film, 83 also noch, wie soll ich das nur aushalten?
 
 
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Die Bildfehler nerven, Sid Haig kriegt von seiner 50 Jahre jüngeren Frau/Freundin einen Blowjob, zu dieser wenig appetitlichen Vorstellung gesellt sich noch sein erzwungener Catchphrase „Pack it tight!“. Weil sinnloses Gelaber über das Joint drehen aber noch nicht genug sinnloses Gelaber für einen Film ist, wird zum Zeit füllen und zur Tortur des Zuschauers noch regelmäßig eine Radiomoderatorin eingeblendet, die, natürlich sinnloserweise oben ohne und notwendigerweise die ganze Zeit kiffend, „Queen Kush“ (!!!) heißt und ihren Sender auch wirklich einfach nur „Kush“ genannt hat, ohne jeden Witz dahinter oder auch nur den Versuch eines cleveren Wortspieles. Die mit ästhetischsten Aufnahmen, mit Rauchschwaden im pinken Licht, stammen dabei zwar von eben dieser Location, aber weil alles was sie labert leider nur unbrauchbarer Müll der unwitzigsten Sorte ist, kann ich selbst diese Inserts nichts als Pluspunkt verbuchen. Die restlichen Frauen auf Big Daddys Hof werden vorgestellt, sind aber unerwarteterweise weder sonderlich prägnant geschrieben, noch dargestellt, noch gecastet, noch halbnackt, einzig das Schauspiel fällt wie erwartet unterdurchschnittlich aus. Der Soundtrack begnügt sich derweil damit, uninspirierten Stock-Rock zu spielen, der so auch in 2000er-Rennspielen im Menü laufen könnte. 22 Minuten im Streifen, ich will sterben. Nach diesem überlang aufgebauten und verwirrenden Intro und einer weiteren unnötigen Szene, in der Dick einen Dealer beschattet oder so, kickt dann auch langsam mal die Hauptstory ein, da ein junger, weiblicher Cop sich zu außerordentlich grässlicher Musik auf der Toilette entscheidet, undercover als Prostituierte in den Stripclub zu gehen, um von den „bad bitches“ auf die Farm gebracht zu werden und den Fall endlich zu knacken. Immer die gleichen Bildfehler, flackernden Lichter und Überblenden erschweren das Sehvergnügen, fast als sei der gerade gelieferte Ansatz einer Story aber schon wieder zu viel für den Film, lehnt er sich jetzt narrativ im Stripclub erneut einmal komplett zurück und lässt einfach nur die Bilder und das gelungen groovige Rockcover sprechen, das im Hintergrund läuft. So verkommt die Seherfahrung also minutenlang endgültig zur unmotivierten und unerotischen Fleischbeschau ohne Dialog, ohne Handlung, ohne Substanz – und der schickste Shot ist ironischerweise der von Estevez, der draußen im Auto wartet.
 
 
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Nach 29 Minuten ging mir ein Herz auf, da es hier tatsächlich einen etwa 10-sekündigen Take gibt, in dem nicht geschnitten wurde – eine Insel der Ruhe in diesem endlosen Chaos. Die Polizistin wird wie geplant undercover weggefahren und zieht zum Verbrennen ihrer Kleider im Wald blank – doch so archaisch dem Exploitationfilm zugehörig dieses Szenenkonzept sich liest, der Zuschauer darf hieran nicht teilhaben. Lucy, unser Cop, wacht auf der Farm nackt im Bett auf und wird von Sid Haig begrüßt, der ohne Fragen ein Outfit bereit hat und sie hier arbeiten und leben lassen will. Warum eine dieser belanglosen Einstellungen plötzlich schwarz/weiß ist, weiß wohl auch nur der Regisseur selber, auch hab ich Sid Haig noch nie SO dermaßen schlecht spielen sehen, wie in dieser kleinen Szene, in der er seine anderen Frauen angiftet. Lucys Backstory steht als nächstes auf dem Menü, natürlich shit childhood, wird wortwörtlich so gesagt im Film, Frau #2 hatte auch ne schwierige Vergangenheit versteht sich, prinzipiell würd ich die Szene loben weil es endlich mal relativ ruhig ist und das Editing nicht ganz so verrückt rumspringt, aber dann kommen wieder laute Schreie und unfreiwillig komische Einblendungen zu eigentlich so ernsten Themen und der Film hat mich wieder völlig verloren. Es wird einfach erzählt, wie in einer Comedy – wenn erzählt werden soll, dass Zeit vergeht, sehen wir wirklich eine große Uhr, die schnell abläuft. Wenn es um Misshandlung in der Vergangenheit geht, hören wir ein Schlaggeräusch wie bei „Ups! Die Pannenshow“, wenn in der Vergangenheit jemand ermordet wurde, gibt’s nen Stock-Schrei von freesound und ne Blutspur auf dem Bildschirm. Nach dieser tiefschürfenden Szene wird erneut nur rumgesessen und, well, absolut gar nichts getan, bis auf dass Lucy mit Sid und den Mädels einen raucht, obwohl sie wenige Minuten vorher noch entschieden abgelehnt hat. Dick ist sich derweil alleine im Büro am wegsaufen, weil der Film natürlich vermitteln will Gras = Gut und Alkohol = Böse, auch wird die Tatsache dass es Alkohol ist ganz dezent mit einem Neonschild kommentiert, wie quirky doch. Fast so quirky, wie wenn in der folgenden Sexszene zwischen Daddy und einem seiner Girls ein filmfremdes stock-Pärchen reingeschnitten wird, das Sex hat, oder wenn eine Gurke eingeblendet wird für einen kurzen Moment, weil ein Mann nackt durch das Haus läuft. Haha, pickle rick!
 
 
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Magischwerweise sind wir, obwohl kaum etwas passiert ist, bereits bei 45 Minuten Editingunfall und alles was im hier und jetzt geschieht, ist, dass Lucy von einer der Frauen angemacht wird. Zudem offenbart sich langsam ein weiteres Problem des Editings, denn abgesehen vom Tempo und davon, dass es augenkrebsverursachend anstrengend und nervig ist, fehlen auch einfach jegliche Markierungen, Zäsuren oder Hinweise für den Zuschauer, wie viel Zeit vergangen ist, was gerade echt oder ein Traum oder ein Flashback ist, wo welche Stelle beginnt oder aufhört. Wenn man alles betont, wie bei Transformers z.B. auch, dann wird gar nichts mehr betont – wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig. Und wenn fast jede Szene ähnlich hektisch und flirrend und verwirrend geschnitten ist, dann geht alles in einem reinen Schnipselmatsch unter, aus dem man sich kaum noch zu helfen weiß. Und warum ständig „Scene missing“, soll das wirklich witzig sein? Warum regelmäßig Stellen in schwarz/weiß, ohne dass es konsistent oder clever genutzt wäre? Die One-Liner von Queen Kush gehen weiterhin auf den Senkel, während zu wie gewohnt schlechter und austauschbarer, zu lauter Musik auf n paar Glasflaschen geballert wird – wie in einem meiner Lieblingsfilme, Donnie Darko. Da schießt unser Protagonist zusammen mit seinen Freunden auch auf ein paar Glasflaschen und wie kommt es nur, dass ich bei Donnie Darko sofort erinnere, wie die Jungs einen legendären Dialog über die Schlümpfe und deren Sexualität führen, ich bei „Big Daddy“ aber nicht nur nicht den Inhalt erinnere, sondern mir gar keine Notizen zu der Szene gemacht habe, bis auf „null Charisma“? Ich lasse das Rätsel mal so stehen. Eine Collage von Gras-induzierten Unfällen bzw. Vergiftungen wird gezeigt und treibt irgendwo am Rand also auch diesen „Plot“ an, danach kommt als kurioser Szenenübergang, der witzig wäre wenn nicht der ganze Film so random und dumm wäre, ein zweisekündiger Einspieler von einer schweinemasketragenden Frau, die oben ohne zwei Pistolen auf den Zuschauer richtet und abdrückt. Ja, bitte, erlöse mich. 50 Minuten im Film, schlappe 47 also nur noch, haha, da scheinen sich die Dinge eeeeeendlich zuzuspitzen: In einer erträglichen, fast schon normal editierten und nett beleuchteten Barszene wird etwas diskutiert und schlecht gespielt, („So I’ll uuuhh…get you your icecream now.“) bevor Lucy wenig versteckt Dick anruft, von der Farm erzählt und dabei von Blondie entdeckt wird.
 
 
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Sie gibt direkt zu dass sie undercover ist und wird vermöbelt und siehe da, Sid Haig, von unten gefilmt, hühnenhaft in der dunklen Scheune, eine bestrafte Frau vor ihm auf dem Boden, das hätte prinzipiell wirklich Exploitation-Charakter und wirkt für ein paar Sekunden so sehr als Genrehommage und gelungenes Fanprojekt, wie es vermutlich wirken sollte – nur draus gemacht wird leider überhaupt nichts, erst Recht nicht mit dem Wissen dass wir unsere Protagonistin scheinbar nicht nackt sehen sollen und der Film eine FSK 16 bekommen hat. Eine Stunde im Werk, wieso muss es jetzt nur noch 37 Minuten gehen, statt 10? Während ich noch darüber nachgedacht habe, ob ich Queen Kushs Spruch „We put the oui in Weed“ oder doch lieber „We put the joy in Joint“ witziger fand, macht sich Big Daddy bereit, die ausspionierte Farm zu verlassen und mit den Mädels nen Neustart an einem anderen Grundstück zu versuchen, das er zum Glück noch besitzt. Im Intro und allgemein immer wieder wurde uns ellenlang erzählt, wie wichtig dieses spezifische Stück Farmland hier ist, das seit Generationen im Familienbesitz ist, aber sei’s drum. Einen unverständlichen „Semper Fi Motherfucker!“-Ausruf und erzwungen pseudocoole Dialoge später folgt dann, nach 64 Minuten die erste tatsächlich ganz okay bis gut gespielte Szene zwischen Zdarsky als parteiischen Mayor und Estevez als wütenden Dick, der endgültig die Schnauze voll hat. Großes Kino ist anders, für B-Moviefans aber definitiv eine spaßige kleine Konfrontation und vermutlich auch das traurige Highlight des Films. Echte Aufnahmen werden reingeschnitten um extrem tumbe Pro-Weed-Propaganda am Zuschauer auszulassen, mit der Subtilität von „Cool Cat saves the kids!“ und ohne, dass es je in die Story oder Szene passen würde. Das Niveau wird mit Big Daddy’s Maxime „Better pissed off than pissed on“ immerhin konsequent gehalten, mit unfassbar lautem Dröhnen und Schreien darf Daddy dann auch noch einen Alptraum erleben, einzig um Zeit zu strecken. Wieso muss dieser Film noch gleich 97 Minuten lang sein?
 
 
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Oh nein, der anstrengende, speedziehende, dadurch das Editing natürlich wieder sehr belastend machende, Dealer vom Anfang ist wieder da mit viel zu lauter Musik doch tut nichts wirklich Wichtiges, viel eher ist aber traurig wie dieser Film nun, nach 75 Minuten, 22 Minuten vor dem Ende der Chose, noch versucht für Sid „Big Daddy“ Haig eine Backstory zu erzählen, die natürlich lange nicht mehr interessiert. So prinzipiell nett diese Szene, mit ruhiger Erzählung und einer sympathischen Gitarrenmusik mit Geige und Ambient-Note im Hintergrund auch sein mag, so verschenkt ist die Möglichkeit. Weniger als eine Sekunde lang darf man dabei tatsächlich einen ziemlich brutalen und rabiaten Splattereffekt bewundern, aber wenn dann eine Szene später Agent Dick IMMER NOCH versucht den Durchsuchungsbefehl zu kriegen, frage ich mich echt womit zum Teufel ich die letzten 80 Minuten verbracht habe, da absolut nichts passiert ist. Die gorigste Szene des Films ist dann überraschenderweise echt, da die Jungs von Big Daddys Farm jetzt wohl für die ganze Stadt ein BBQ hosten und es sich nicht genommen wurde, echte Szenen des Ausweidens und Häuten und Schneidens des Schweins in den Film zu packen. Gehört zu der Vorbereitung und sieht auch recht horrorlastig, gut saftig, aus, aber wie so oft muss ich hinterfragen, was zum Fick damit bezweckt werden sollte. Der Mayor kommt auch dazu, 15 Minuten Film noch halleluja gleich geschafft, und auch einen Haufen Statisten hat man sogar gefunden für die überzeugende Kleinfeier auf dem Land, nur musst ich leider spätestens dann an den marginal besseren, aber immer noch sehr schlechten „Daddy’s Girl“ denken, als Sid Haig, also Daddy, „Welcome to Hell, Assholes“ sagt. 12 Minuten vor Ende, nachdem man sich durch dieses Schnittmassaker von einem fiebrigen Alptraum bar jedes Plots gekämpft hat, startet dann endlich auch mal eine Konfrontation und wie erwartet ist diese unlogisch, sinnlos, unrealistisch und mit (falschen) Stock-Sounds versehen. Eine Schrotflintenhülse fällt auf den Boden zum Sound einer 9mm-Hülse, Einschüsse sind nicht existent oder offscreen, sowohl auf Seiten der Farmbewohner, aber gerade auf Seite der Polizei, verhalten sich alle haltlos dämlich und gegen jede Vorschrift.
 
 
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Quer über die flüchtende Menschenmasse wird geballert, ohne jegliche Deckung auf kurze Distanz am Feind vorbei gerannt, Inkompetenz wo man hinsieht. Es gibt einen überraschenden und überraschend blutigen, erbarmungslosen Kill und der Versuch einen schlechten Catchphrase zu etablieren ist so absurd, dass ich wirklich lachen musste, aber dann sagt Sid Haig auch schon wortwörtlich „Well that’s a shitty ass way for it all to end“ und ich kann nur zustimmend nicken, Amen. Was bleibt zu diesem einmaligen Verbrechen zu sagen? „Big Daddy – Make America Stoned Again“ ist definitiv DER eine, herausstechende Film mit dem anstrengendsten, schlimmsten Editing, das ich je gesehen habe. Es ist ein Film, der es gleichzeitig schafft an den Problemen eines hochbudgetierten, seelenlosen Studio-Schrotts wie „Suicide Squad“ zu scheitern, da er sich anfühlt wie ein ewiges, auf Speed von Grundschülern editiertes Musikvideo, als auch an den schauspielerischen Unzugänglichkeiten und Budget-Makeln, die überambitionierte oder schlichtweg misslungene Indieproduktionen oftmals plagen. Song an Song, mal ok bis gut mal ganz fürchterlich wird aneinandergereiht, aber ebenso vergessenswert und kräftezehrend wie das Editing, das keine scheiß Einstellung mal zu Ende wirken lassen kann, werden auch die Lieder stets nur angespielt und dürfen kaum mal durchlaufen – und wenn doch, dann aber ohne, dass gleichzeitig etwas erzählt wird, oder passiert. Dass ich 100 Minuten mit einem Haufen Charaktere verbringe, die alle nicht durch ihre Taten oder Optik glänzen sollen, da es eben kein Exploitationfilm ist, und trotzdem niemanden davon näher kennenlerne, ist schon fast bemerkenswert.
 
 
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Da der Schnitt so desaströs ist, kommt allerdings die Frage auf wie dieser Celluloidhaufen ohne einen arrhythmisch auf der Tastatur breakdancenden Editor aussähe und die Antwort lautet, dass man auch dann noch mit relativ großen Namen und ziemlich viel Aufwand einen merkwürdig genrelosen und leeren Film geschaffen hat, der nun nicht mehr nervt, aber dafür einfach nur langweilt. Wirklich gemütlich, so dass wir einfach mit den Charakteren Zeit verbringen wollen, wird es nie, narrativ tut sich aber leider auch nichts. Script und Dialoge sind leider Müll ohne ausgleichende Faktoren, das Schauspiel hapert meistens an den sinnlosen Lines, ob es optisch ansprechende Szenen gab kann man wirklich kaum sagen, da durch die penetranten Bildeffekte kein Shot goutiert werden kann. Irgendwo zwischen peinlich stumpf politische Propaganda betreibendem Kifferfilm, Grindhouse-Abgesang und Stroboskoplichtclubbesuch nach der zehnten Nase mit Rattengift gestreckten Dingern hat „Big Daddy – Make America Stoned Again“ es sich gemütlich gemacht, als Film möglichst ungemütlich für jeden Zuschauer zu sein. Egal ob als Sid Haig-Fan oder Kiffer, egal ob auf der Suche nach einer Comedy oder einer reinen Stilhommage, egal was man sucht bis auf einen „How not to edit“-Kurs, man wird es hier wirklich nicht finden. Wenn man denkt, dass es das endlich war, folgen immerhin noch zwei durchaus gelungene Schmankerl: Einereits kifft „Queen Kush“ nämlich natürlich noch etwas, nur um auf die bereits bekannte, wenn auch abgeschwächte Bad-Trip-Art zu krepieren, inklusive erneut sehr starker Claymation-Effekte und effektiv abfuckendem Editings. Und dann folgt der beste Part des Films, mit Abstand: Die Credits am Ende. Hier nämlich tanzen die drei Darstellerinnen des Films alle oben ohne zu einem Lied, am Rand neben den Namen, das wars. Keine Schnitte, keine Überblenden, keine lauten Geräusche, keine schrecklichen Dialoge und ein Lied, das am Stück durchläuft. Es sind immer die gleichen drei Frauen in den immer gleichen Outfits, herausstechend bezaubernd finde ich persönlich niemanden davon und das Lied ist auch kein Kracher – aber im Vergleich zu allem vorher, muss ich die Ending Credits doch definitiv positiv betonen.
 
 


 
 
 

BIG DADDY – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Handwerklich prinzipiell deutlich über Tauberts Werken angesiedelt, schafft „Big Daddy – Make America Stoned Again“ es, durch das unangenehmste Editing, das ich je miterleben musste, einen Platz im Olymp der nervigsten und ungenießbarsten Filme aller Zeiten zu sichern. Als alptraumhafter Bad Trip, und das beweist der Film ganz eindeutig, funktioniert das bestens – als Langfilm aber eine reine Tortur im negativen Sinne.

 
 


 
 
 

BIG DADDY – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Big Daddy – Make America Stoned Again“ wurde von der FSK in der ungeschnittenen Fassung mit einer FSK16 freigegeben. Filmsammler können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

BIG DADDY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: High on the Hog; USA 2019

Genre: Action, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 15.05.2020

 

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BIG DADDY – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
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96 Hours – Taken 3 (2014)
 

Filmkritik: „Bloody Summer – Schrei. Lauf. Stirb.“ (2017)

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BLOODY SUMMER – SCHREI. LAUF. STIRB.

(RED SUMMER | VERANO ROJO)

Story

 
 
 

Gefährliches Spanien: Auf Mallorca machen einige Einheimische Jagd auf Touristen.

 
 
 


 
 
 

BLOODY SUMMER – Kritik

 
 
 
Spanien ist immer eine Reise wert. Hierbei besonders im Fokus: die spanische Urlaubsinsel Mallorca. Alljährlich wird das kleine Paradies im Mittelmeer von Millionen Touristen besucht, die dort nur eines wollen: sonnen, saufen und Party machen. Mittlerweile muss man aber vorsichtig sein. Schenkt man nämlich dem Horrorfilm BLOODY SUMMER (Originaltitel: VERANO ROJO) Glauben, sollte man sich bei einem Urlaub auf Mallorca vorsehen. Inmitten traumhafter Urlaubsidylle hat sich dort auch das Böse ein Plätzchen im Schatten gesichert. So zumindest propagandiert das der Spanier CHARLES JOFRE. Der hat mit dieser Urlaubswarnung seinen ersten Langfilm auf Zelluloid gebannt, der sogar für den internationalen Filmmarkt – mehr schlecht als recht – englisch synchronisiert wurde. Weitaus professioneller sieht es da schon mit der deutschen Übersetzung aus. Die ist ganz passabel, macht BLOODY SUMMER aber nicht besser. Wohl ein Grund, warum hierzulande der Rechteinhaber mit plakativen Mitteln versucht die Gunst des Käufers zu gewinnen. Da wird auf dem Cover mit „SCHREI. LAUF. STIRB.“ geworben, um Horrorfilmfans neugierig zu machen. Leider alles heiße Luft. Sonderlich Spaß bereitet das Zuschauen beim Sterben nicht. Eben ein typischer Fall von irreführendem Marketing.
 
 
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Vier junge Leute aus Madrid wollen den Sommerurlaub auf der balearischen Insel Mallorca verbringen. Das Mietauto ist gebucht und auch die Urlaubslaune stimmt. Leider schlägt Vorfreude bald in Angst um. Auf einer Landstraße stößt man auf einen verletzten Einheimischen. Der hatte einen Unfall und schafft es nicht allein zurück ins Dorf. Gut, dass unsere Freunde zur Stelle sind. Die nehmen den Fremden mit dem Auto mit und ahnen nicht, dass sie soeben den Teufel chauffieren. Das vermeintlich orientierungslose Landei gehört zu einer Sippe Hinterwäldler, die nur auf Urlauber warten, um sie anschließend zu Wurst zu verarbeiten. Gleiches wird bald auch den jungen Leuten widerfahren. Klingt vertraut!
 
 
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Und täglich grüßt das Murmeltier. BLOODY SUMMER ist nichts Einfallsreiches und bei genauerer Betrachtung eigentlich eine Kopie des berüchtigten TEXAS CHAINSAW MASSACRE von TOBE HOOPER. An eigenen Ideen mangelt es. Dafür kommen die Abläufe mehr als bekannt vor. Zu sehen gibt es vier junge Durchreisende, die sich im Hinterland verirren und an eine Familie geraten, welche so gar nicht gut auf Stadtmenschen zu sprechen ist. Es wird geschrien, gewinselt und gestorben. Die für Backwood-Horror vertrauten Handlungsverläufe werden abgeklappt, ohne den Zuschauer zu fordern. Überraschungen? Fehlanzeige! Stattdessen wird ein Backwood-Horror-Klischee ans nächste gereiht. Da fehlt der für Hinterwäldler-Horror mittlerweile geläufige dreckige Look ebenso wenig, wie der an Leatherface angelehnte Bösewicht, der sich aus nicht näher erläuterten Gründen den gesamten Film über maskiert durch das Fleisch seiner dummen Opfer arbeitet. Geübte Horrorfilmkenner werden da schnell gelangweilt sein. Zurecht, denn der mit Crowdfunding finanzierte BLOODY SUMMER bekleckert sich beim Schockieren nicht unbedingt mit Ruhm.
 
 
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Wo der US-amerikanische Regisseur und Filmproduzent MICHAEL BAY mit seiner Neuauflage des kultigen BLUTGERICHT IN TEXAS alle Register gewalttätiger Filmunterhaltung zog und ein kompromissloses Gewaltfeuerwerk sondergleichen auf der Leinwand zelebrierte, gleicht das was uns Filmemacher CHARLES JOFRE mit seinem Debütfilm BLOODY SUMMER vorsetzt an belanglose Nachmittagunterhaltung auf dem Kinderkanal der Öffentlich-rechtlichen. Die Morde wirken amateurhaft und dilettantisch und auch das Schauspiel befindet sich auf Laienniveau. Sonderlich Lust bekommt man also nicht dem vorhersehbaren Treiben bis zum Schluss zu folgen, zumal BLOODY SUMMER in den letzten dreißig Minuten auch noch das Tempo drosselt und der Heldin fast schon gelangweilt beim Flüchten, Verstecken und Wimmern beiwohnt. Das macht müde und spricht nicht gerade für qualitativen Horror.
 
 
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Immerhin hat Regisseur CHARLES JOFRE an Kritik gedacht. Der spricht vielen Mallorquinern aus dem Herzen, die das Inselparadies mit vielen Touristen teilen müssen. Letztere haben auf dem spanischen Eiland das Zepter übernommen. Ganz zum Leidwesen der einheimischen Bevölkerung. Die hat unter dem Massentourismus zu leiden. Der führt seit Jahren zur Vertreibung der Einheimischen aus Städten und verändert das Bild der Insel zum Nachteil. Eine Tatsache, die der Macher des Horrorfilms nicht hinnehmen möchte. Der macht in BLOODY SUMMER kurzen Prozess mit Urlaubern und lässt sie kurzerhand über die Klinge springen, damit die Insel wieder den Einheimischen gehört – und nicht den Touristen. Ob die Warnung aber nach diesem durchschnittlichen Horror-Erlebnis ernstgenommen wird, dürfte bezweifelt werden. Das Gelbe vom Ei ist BLOODY SUMMER leider nicht.
 
 


 
 
 

BLOODY SUMMER – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein spanischer Versuch, dem legendären TEXAS CHAINSAW MASSACRE das Wasser zu reichen. VERANO ROJO – der übrigens für internationalen als RED SUMMER vermarktet wird und für den deutschen Handel in BLOODY SUMMER umgetauft wurde – ist Low-Budget-Horror von der Stange, der versucht dem großen Vorbild nachzueifern. Es wird viel kopiert, ohne eigene Ideen hinzuzufügen. Dass eine solche Vorgehensweise nur scheitern kann, war abzusehen. Regisseur CHARLES JOFRE liefert mit BLOODY SUMMER einen beliebigen Backwood-Slasher ab, der keine Höhepunkte besitzt. Die Figuren verhalten sich dämlich, die Abläufe sind bekannt und auch in Sachen Gewalt wird – wohl aus Budgetgründen – Sparflamme gefahren. Horrorfilmfans werden enttäuscht sein. Da fragt man sich nicht unbegründet, wo denn nur die gut gemachten und vor allem kompromisslosen Backwood-Slasher geblieben sind, die vor allem jenen den Atem stocken lassen, die meinen bereits alles gesehen zu haben? Lässt man die letzten Jahre Revue passieren, haben sich sehenswerte Backwood-Slasher leider rar gemacht. Die wirklich Guten kann man an einer Hand abzählen können. Daher wird es endlich mal Zeit für gelungenen Nachschub. Los Ihr Filmemacher, traut Euch!
 
 
 


 
 
 

BLOODY SUMMER – Zensur

 
 
 
Für einen Backwood-Slasher ist BLOODY SUMMER sehr zurückhaltend. Einer Protagonistin wird mitten durchs Herz geschossen, ein Finger wird abgeschnitten und sexuelle Demütigungen gibt es auch zu sehen. Oft wird aber weggeblendet, wenn es ans Eingemachte geht. Hierzulande erhielt der Streifen in seiner ungeschnittenen Fassung eine FSK18. Die scheint etwas übertrieben. Eine FSK16 hätte es auch getan.
 
 
 


 
 
 

BLOODY SUMMER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment | Best Movies (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Verano Rojo; Spanien 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 21.02.2020

 

Bloody Summer – Schrei. Lauf. Stirb [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BLOODY SUMMER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment | Best Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
What the Waters Left Behind (2017)
 
Sant Martí (2018)
 
Inbred (2011)
 
Escape from Cannibal Farm (2017)
 

Filmkritik: „The Axiom – Das Tor zur Hölle“ (2018)

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THE AXIOM – DAS TOR ZUR HÖLLE

(THE AXIOM)

Story

 
 
 

Fünf Freunde geraten auf der Suche nach einer vermissten Bekannten in eine Parallelwelt, wo sie ums Überleben kämpfen müssen.

 
 
 


 
 
 

THE AXIOM – Kritik

 
 
 
Mal wieder ein Indie-Filmemacher, der es wissen will. Seit einigen Jahrzehnten bietet das Horror-Genre ambitionierten Nachwuchsregisseuren die Möglichkeit mit Low-Budget-Produktionen im Filmbusiness Fuß zu fassen. Darunter nicht Wenige, denen mit kreativem Schrecken der große Coup gelungen ist und die es damit sogar bis nach Hollywood geschafft haben. Zu solchen Glückspilzen gehören SAM RAIMI oder PETER JACKSON. Die experimentierten in den Anfangsjahren mit Filmblut, Horror und Gewalt. Mittlerweile drehen sie millionenschwere Blockbuster für die ganze Familie, die man hin und wieder auch schon mal mit einem Oscar auszeichnet. Ganz klein und doch noch so viel vor hat auch NICHOLAS WOOD. Der hat mit dem Langfilmdebüt THE AXIOM einen gelungenen Erstling auf Zelluloid gebannt, mit dem der noch unerfahrene Filmemacher seine Leidenschaft zum Horror-Genre ausdrücken möchte. Von Unerfahrenheit spürt man aber im Debütwerk nichts. THE AXIOM glänzt durch sympathische Figuren, einer guten Handlung und souveräner Inszenierung. Das sah man auch auf diversen Filmfestivals so. Dort nahm man den Streifen mit ins Programm – darunter auch die deutschen Kollegen vom HARD:LINE FILMFESTIVAL im Jahr 2018.
 
 
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Schwester wo bist du? Genau jene Frage stellen sich McKenzie und Martin. Seit sich die Schwester der beiden aufgemacht hat, um sich in einem Nationalpark die Füße zu vertreten, hat man nichts mehr vom geliebten Familienmitglied gehört. Ob da etwas passiert ist? Zumindest will man nach dem Rechten sehen und kommt mit einem sonderbaren Landsmann über die sozialen Medien in Kontakt, der angeblich weiß, wo sich die verschollen geglaubte Schwester befinden soll. Ein Grund die Koffer zu packen und mit Freunden zum Cinder Park zu reisen. Hier will der ominöse Leon auf die Suchenden warten. Doch kaum angekommen faselt der mysteriöse Fremde kryptisches Zeug, berichtet von einem geheimnisvollen Portal in den Wäldern und rüstet die Freunde mit seltsamen Fläschchen aus, die angeblich drohendes Unheil abwenden sollen. Brauchbares Equipment oder nur fauler Hokuspokus? Die Antwort auf diese Frage wartet nicht lang. Weil THE AXIOM nun mal ein Horrorfilm ist und dazu auch noch schaurige Gestalten auf dem Filmplakat abgebildet sind, dürfte klar sein, dass diese Suche alles andere als gemütlich werden wird.
 
 
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Handwerklich ganz gut – nur im Finale happerts. Wir von FILMCHECKER haben in den letzten Jahren reichlich Billig-Trash gesehen, der allein schon mit schludrigem Video-Look und schlechten Schauspielern unbeabsichtigt Gänsehaut verursacht hat. THE AXIOM ist zwar auch unabhängiges Horrorkino, das mit kleinem Kapital umgesetzt wurde, kann sich aber immerhin durch eine gewissen Professionalität behaupten. Stimmige Kamerafahrten und eine unheimliche Geschichte treiben diesen Mysteryfilm voran, der nie zu viel verrät, damit das Geheimnis über das Verschwinden der gesuchten Mary lang bewahrt werden kann. Demzufolge tappen Protagonisten und Zuschauer lang im Dunkeln, weil NICHOLAS WOOD immer nur kleine Anhaltspunkte verteilt, um die Katze möglichst lang im Sack zu lassen. Ein geschickter Schachzug, der THE AXIOM über weite Strecken spannend macht. Da tauchen plötzlich seltsame Kreaturen auf, die Sonne will irgendwie nie untergehen und die Freunde verhalten sich plötzlich wie von Sinnen. Was kann das alles für Ursachen haben? Nach dem Abspann ist man nicht unbedingt schlauer.
 
 
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Regisseur und Drehbuchautor NICHOLAS WOOD treibt es nämlich irgendwann zu weit. Nach einem überraschendem Twist gipfeln die absurden Vorkommnisse in einem Finale, das sich nicht nur in effekthascherischen Schocks verrennt. Auch die Erklärungsnot macht dem Zuschauer zu schaffen. Da will plötzlich kaum noch etwas Sinn ergeben und der Filmemacher scheut sich vor Antworten. Offenbar war Wood zu sehr darum bemüht seinen ersten Langfilm mit Pauken und Trompeten zu beenden. Das Resultat ist eine haarsträubende Auflösung, wie man sie in solch abstruser Weise schon lange nicht mehr auf der Mattscheibe hatte. Das schmälert das sonst doch ganz passable Gruselvergnügen, das zumindest über weite Strecken schon irgendwie an EVIL DEAD erinnert.
 
 
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THE AXIOM – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Sonntagsfahrt mit Bruchlandung. THE AXIOM ist ein atmosphärischer Haunted-Place-Mysterythriller, der in der ersten Filmhälfte wegen seiner undurchsichtigen Handlung ganz kurzweilig geraten ist. Offenbar scheint Regisseur und Drehbuchautor NICHOLAS WOOD nicht nur eine Schwäche für Horrorfilme zu haben. Auch überraschende Filmwendungen dürften eine Leidenschaft des ambitionierten Regie-Newcomers sein. In Sachen Kreativität kann man Wood nichts vorwerfen. Leider ist die Phantasie im Falle von THE AXIOM mit dem noch jungen Filmemacher durchgegangen. Die Auflösung des vorliegenden Films gehört nämlich mit zum Haarsträubendsten, was man in den letzten Jahren auf der Mattscheibe hatte. Fragen über Fragen und doch so wenige Antworten. Vielleicht hat der kreative Neuling plausiblere Erklärungen für eine Fortsetzung aufgehoben. Irgendwie legt es THE AXIOM darauf an irgendwann fortgesetzt zu werden. Hier wäre weniger mehr gewesen, zumal der sinn- und logikfreie Twist den Eindruck erweckt, als habe man hier versucht zwei verschiedene Filme in eine Handlung pressen wollen. Schade.
 
 
 


 
 
 

THE AXIOM – Zensur

 
 
 
THE AXIOM ist kein harter Horrorfilm. Eine Frau wird mit einer Kette erdrosselt, ein Messer wird in einen Körper gerammt und eine Axt sorgt dafür, dass ein Protagonist seine Gedärme verliert. Hierzulande hat THE AXIOM eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE AXIOM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Axiom; USA 2018

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 23.08.2019

 

The Axiom – Das Tor zur Hölle [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE AXIOM – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment | Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Curtain (2015)
 
Evil Dead (2013)
 
Bornless Ones (2016)
 
Cabin of the Dead (2012)
 

Filmkritik: „Obsessed – Tödliche Spiele“ (2018)

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OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE

(BRAID)

Story

 
 
 

Drei Freundinnen aus Kindertagen finden plötzlich wieder zusammen. Leider haben zwei von ihnen nur ein Ziel: sie wollen an das Vermögen der Dritten.

 
 
 


 
 
 

OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE – Kritik

 
 
 
Kreative Geister haben es nicht leicht in Hollywood. Was sich nämlich fernab des Mainstreams bewegt, wird einfach nicht von großen Studios produziert, weil sich damit schlecht Geld verdienen lässt. Doch mittlerweile gibt es auch Möglichkeiten unkonventionelle Geschichten auf Zelluloid zu bannen. Eine derer nennt sich Crowdfunding und hat sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Boom entwickelt – vor allem im Genrefilm. Da machen spendable Horrorfilmfans einfach etwas Geld locker, damit die Schocker gedreht werden können, die die privaten Geldgeber sehen wollen. Mittlerweile sind so schon einige Filme entstanden, die in Genre-Kreisen Kultstatus genießen. Ob das auch OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE gelingen kann?
 
 
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Der amerikanische Psychothriller von Regisseurin MITZI PEIRONE ist nämlich etwas ganz besonderes. Nicht, weil er das Genre revolutioniert. Bei diesem Film handelt es sich um das erste Crowdfunding-Projekt, das allein mittels Kryptowährung finanziert wurde. Alles begann im Jahr 2017. Noch vor dem großen Bitcoin-Durchbruch verkaufte die Filmemacherin Blockchain-Tokens. Deren Käufer beteiligten sich zu 30 Prozent an künftigen Profiten des Streifens. Ein lukratives Angebot, das dafür sorgte, dass binnen weniger Monate knapp 1,7 Millionen Dollar zusammenkamen. Von so einem stattlichen Budget kann manch anderer Indie-Film nur träumen.
 
 
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OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE (Originaltitel: BRAID) handelt von zwei Drogendealerinnen, die vor der Polizei fliehen müssen. Problem: einen Teil der Dealer-Ware müssen die beiden zurücklassen. Das sehen die Drogenbosse gar nicht gern. Die wollen verständlicherweise ihr Geld zurück, was die Freundinnen vor große Probleme stellt. Doch Tilda (SARAH HAY) und Petula (IMOGEN WATERHOUSE) haben eine Idee. Die besuchen Freundin Daphne (MADELINE BREWER) mit der sie die Kindheit verbracht haben. Letztere hat es in den letzten Jahren zu einem beachtlichen Vermögen gebracht, das nun zum Begleichen der Schulden dienen soll. Doch wie an das Geld kommen? Ganz einfach: man erschleicht sich das Vertrauen der ehemaligen Seelenverwandten und bestiehlt das Opfer in einem günstigen Moment. Leider hat die Sache nur einen Haken. Daphne hat einen an der Klatsche und scheint nicht von Sinnen. Die hat sich in eine Fantasiewelt zurückgezogen in der die drei Freundinnen als Kinder viel Zeit verbrachten. Während Tilda und Petula schon lange den Absprung geschafft und den Weg zurück in die Realität gefunden haben, verharrt die psychotische Daphne immer noch in der seltsamen Traumwelt. Das macht die Suche nach der Kohle nicht gerade einfach.
 
 
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OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE ist ein eigensinniger und schwer zugänglicher Streifen, auf den man sich einlassen muss. Regisseurin MITZI PEIRONE nutzt die Möglichkeiten des Indie-Kinos aus, um eine Geschichte zu erzählen, die sich große Studios nicht trauen zu verfilmen. Was gezeigt wird, ist ziemlich unkonventionell und deshalb auch nicht jedermanns Sache. So gestaltet sich das Wiedersehen zwischen den Freundinnen als reichlich grotesk. Kaum angekommen verfallen nämlich alle drei Frauen in die gleichen Rollen, in die sie bereits als Mädchen geschlüpft waren. Während die eine einen Arzt verkörpert, sind die beiden anderen fortan Mutter und Tochter. Das wirkt auf den Zuschauer bizarr und befremdlich, hat aber seinen Sinn. Das Spiel der beiden Kleinkriminellen Tilda und Petula ist nur Schein. Die erhoffen sich so Zeit, um den Safe mit dem Vermögen ihrer psychisch labilen Gastgeberin zu finden. Weil OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE immer noch im Horror-Genre beheimatet ist, dürfte den meisten Zuschauern schwanen, dass der Plan scheitern wird. In der Tat passieren sonderbare Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat. Da tun sich Abgründe auf und die fürs Horror-Genre mittlerweile obligatorisch gewordenen Plotwendungen fehlen natürlich ebenso nicht.
 
 
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Bei letzteren wird deutlich, dass Regisseurin MITZI PEIRONE das Spiel mit der Manipulation des Zuschauers ziemlich gut beherrscht. Die hat nicht nur ein ausgeprägtes Gespür für ästhetische Bilder, sondern scheint auch richtig viel Spaß daran zu haben das Publikum an der Nase herumzuführen. In OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint und der Streifen endet demnach so, wie man es definitiv nicht vorhergesehen hat. Gute Attribute, die diesen kuriosen Psychotrip weit über den Durchschnitt heben. In Interviews gab die in Italien geborene, aber in New York lebende Filmemacherin MITZI PEIRONE interessante Hintergrundinformationen preis. So wurde das Drehbuch bereits im Jahr 2015 geschrieben. Bis aber die Finanzierung sichergestellt und Schauspieler gefunden waren, vergingen drei Jahre. Im Film verarbeitet die Newcomerin eigene Schicksalsschläge. Als die damals 22-jährige von Italien nach Amerika zog, um dort Karriere machen zu können, wurde sie schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die von Erfolg süchtige Italienerin verlor unerwartet ihren Job, stand nun als arbeitsloser Immigrant ohne Geld da und machte sich Gedanken über den Sinn des Lebens, selbstgebaute Fantasiewelten und Träume, die den Blick auf die Realität vernebeln. Komplizierte Gedankengänge, die ins Drehbuch eingeflossen sind und in OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE Gewichtung erhalten – aber nicht immer plausibel erläutert werden. Je näher der Streifen nämlich seiner Zielgrade entgegensteuert, umso wirrer werden die Ereignisse. Kennt man demzufolge den privaten Background von Newcomerin MITZI PEIRONE nicht, könnte manch einem der Sinn dieses Regiedebüts verborgen bleiben. Ein wesentlicher Kritikpunkt in einem sonst engagierten und gleichzeitig interessanten Filmprojekt.
 
 
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OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bizarrer Rollentausch mit bitterbösem Ausgang. OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE ist der erste Horrorfilm, der allein durch Kryptowährung finanziert wurde. Der psychologischer Thriller stiftet mit seiner teils abstrusen und nicht immer schlüssigen Handlung Verwirrung. Als würde das den Zuschauer nicht schon genug fordern, hält sich Drehbuchautorin und Regisseurin MITZI PEIRONE auch nicht mit plötzlichen Plotwendungen zurück, die das Folgen der verschachtelten Handlung unnötig erschweren. Trotzdem, einen solchen Horrorthriller wie OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE hat man schon lange nicht mehr auf der Mattscheibe gehabt. Der Film ist mit seinen kuriosen Antiheldinnen und der ungewöhnlichen Handlung so unkonventionell gestrickt, dass sich eine gewisse Abneigung der Filmemacherin gegenüber den kommerziellen und massentauglichen Strukturen Hollywoods nicht von der Hand weisen lässt Vielleicht ist OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE auch gerade deswegen eine Sichtung wert.
 
 
 


 
 
 

OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE – Zensur

 
 
 
OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE ist nicht sonderlich brutal. Es wird eine längere Szene gezeigt, in der ein Polizist lang mit Hiebwaffen zusammengeschlagen wird, sodass Blut spritzt. Ansonsten bekommt der Zuschauer zu sehen, wie sich eine Filmfigur erhangen hat, eine andere schneidet sich die Pulsadern auf. Zudem wird eine Filmfigur aus Strafe mit einem Messer bearbeitet, sodass ihr Gesicht nicht mehr ganz so frisch ausschaut. Hierzulande hat BRAID – so der Originaltitel – überraschenderweise eine Erwachsenenfreigabe erhalten. Auf dem Cover ist ein roter FSK-Flatschen zu finden. Auch in der Datenbank der FSK kann man nachzulesen, dass der Streifen eine FSK18 erhalten hat. Die Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Braid; USA 2018

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 24.01.2020

 

Obsessed – Tödliche Spiele [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

OBSESSED – TÖDLICHE SPIELE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment | Blue Fox Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
68 Kill (2017)
 
Tragedy Girls (2017)
 

Filmkritik: “ Torture – Einladung zum Sterben“ (2018)

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TORTURE – EINLADUNG ZUM STERBEN

(PLEDGE)

Story

 
 
 

Einige Außenseiter suchen Anschluss auf dem Campus und nehmen an einem Aufnahmeritual teil. Was sie nicht wissen: die Prozedur ist alles andere als schmerzfrei.

 
 
 


 
 
 

TORTURE – Kritik

 
 
 
Schule kann grausam sein – vor allem dann, wenn Protagonisten im Horrorfilm zum Außenseiter auserkoren werden. Die müssen nicht selten grausame Schikanen über sich ergehen lassen, die sich Mitschüler ausdenken, um für die Betroffenen den täglichen Schulbesuch zum Albtraum zu machen. Doch wer meint, dass es mit dem Schulabschluss getan ist, der irrt. Auch auf dem Campus herrscht ein rauer Ton – zumindest, wenn es nach dem Horrorthriller TORTURE – EINLADUNG ZUM STERBEN (Originaltitel: PLEDGE) geht. Der zieht drei Außenseiter in einen Strudel grausamer Umstände und lässt am Ende die Bombe platzen. Klingt nach einer Variation der King-Kurzgeschichte CARRIE, ist aber ne Schippe radikaler und kompromissloser. Versprochen!
 
 
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Für die Freunde David, Justin und Ethan ist das Leben an der Uni alles andere als schön. Die gehören zu den Außenseitern auf dem Campus, weshalb keine Verbindung die Studenten aufnehmen möchte. Dabei würden die Kumpels auch gern zu den coolen Leuten gehören, an aufregenden Partys teilnehmen und von attraktiven Mädels umgarnt werden. Da kommt eine Einladung zu einer dieser Veranstaltungen geradezu gelegen, um endlich den erhofften Anschluss finden zu können. Doch irgendwie scheint hier alles suspekt zu sein. Die attraktiven Leute auf dieser Party verhalten sich ziemlich eigenartig und sind dazu auch noch sonderbar nett. Kein Mobbing, keine Demütigungen, keine Schikanen. Ist das etwa das Paradies? Nun, nicht ganz. Weil TORTURE – EINLADUNG ZUM STERBEN immer noch ein Horrorfilm ist, lösen sich bald Träume in Luft auf. So nehmen die Freunde an einem Aufnahmeritual teil mit dem Ziel, in bessere Kreise zu kommen. Leider ist der Weg dahin steinig und blutig.
 
 
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Endlich mal keine Geister, Serienmörder oder Dämonen. Die dominieren zurzeit das Horror-Genre. Beinahe schon als erfrischend anders erweist sich da ein fieser Film, wie TORTURE – EINLADUNG ZUM STERBEN. Dessen Handlung ist zwar auch nicht unbedingt eine Sternstunde des Horror-Kinos. Dafür macht der Streifen Nägel mit Köpfen und geht dabei alles andere als zimperlich mit seinen Helden um. Regisseur DANIEL ROBBINS bringt Nachschub für jene, die es dann doch etwas deftiger im Horror-Bereich wünschen. Der Film ist irgendwo im Tortur-Genre beheimatet und lässt gutgläubige Außenseiter durch die Hölle gehen. Die werden im Film körperlich und psychisch von skrupellosen Studenten einer Verbindung zurechtgestutzt, damit Hobby-Masochisten feuchte Hosen bekommen. Zugegeben, die altbekannte Exploitationformel vom Quälen wehrloser Menschen funktioniert auch Jahre nach HOSTEL und Konsorten immer noch tadellos. Im Falle von TORTURE liegt das wohl in erster Linie daran, weil lang unbeantwortet bleibt, was das denn hier alles soll. Haben hier Studenten aus gutbürgerlichen Kreisen einfach nur Spaß am Schikanieren ahnungsloser Erstsemester? Oder steckt hinter deren Taten doch etwas weitaus Größeres? Die Auflösung treibt die Handlung voran und funktioniert den Zuschauer zum heimlichen Mittäter um. Letzterer ist sich zwar durchaus bewusst, dass die Taten auf der Mattscheibe widerlich sind. Dennoch dürfte sich das Publikum dem Treiben aus Neugierde nicht entziehen können, weil es doch wissen will, wie und ob die Schandtaten ein Ende finden.
 
 
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Unterm Strich ist TORTURE – EINLADUNG ZUM STERBEN so etwas, dass man in Filmkreisen eine kleine Überraschung nennt. Die Horror-Zutaten, mit denen Regisseur DANIEL ROBBINS unterhalten will, sind simpel. Dennoch legt er mit seiner dritten Regiearbeit ein rasantes Tempo an den Tag, weshalb dem Zuschauer erst gar nicht auffällt, dass hier ausschließlich niedere Instinkte befriedigt werden sollen. Da werden falsche Fährten gelegt, die zu einem makabren Twist führen. Hektische Morde und panisches Geschrei runden das zynische Kammerspiel ab, das in seinen besten Momenten an so aktuelle Genre-Ware wie THE INVITATION oder GREEN ROOM erinnert. Weil auch noch auf technischer Ebene gute Arbeit geleistet wurde, die Spannung konstant gehalten wird und die Bösewichte mal wieder herrlich hinterlistig in Szene gesetzt werden, gehört TORTURE schon jetzt zu den besseren Horrorfilmen des Jahres 2019. Da nimmt man als alteingesessener Cineast gern schon mal in Kauf, dass sich dieser glattgebügelte Thriller mit seiner doch schon sehr konventionellen Handlung eher an die Generation NETFLIX richten will. Die mag es bekanntlich wenig fordernd – dafür aber blutig. Das muss nicht immer Schlechtes bedeuten. Auch Filmfans mit Hang zur intellektuellen Arthaus-Kunst haben auch manchmal das Bedürfnis einfach nur schnörkellos-kompromissfreie Gewaltware zu sehen, damit der Kopf wieder frei werden kann.
 
 


 
 
 

TORTURE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kompromisslos, fies und bitterböse. Nach der eher durchwachsenen Horrorkomödie UNCAGED gelingt Regisseur DANIEL ROBBINS mit TORTURE – EINLADUNG ZUM STERBEN (Originaltitel: PLEDGE) ein Überraschungshit. Fast schon könnte man meinen hier einen Film aus dem horrorfilmerfahrenen Hause BLUMHOUSE zu sehen. Auch wenn TORTURE mit seinen makellosen Bildern den Eindruck erweckt aus einem größeren Studio zu kommen, handelt es sich hier keineswegs um kostspieliges Mainstreamkino. Der Streifen ist ein waschechter Indie und konnte erst durch Crowdfunding fertiggestellt werden. Darin rechnet Regisseur DANIEL ROBBINS mit alten amerikanischen Traditionen ab. So sind es fragwürdige Aufnahmerituale an amerikanischen Universitäten, die immer mal wieder in den Medien für Furore sorgen. Das hatte bereits HANGOVER-Regisseur TODD PHILLIPS im Jahr 1998 erkannt. Der veröffentlichte mit FRAT HOUSE einen schockierenden Dokumentarfilm, um der Öffentlichkeit zu zeigen, wie brutal der Kampf nach Akzeptanz an amerikanischen Universitäten vonstattengeht. Von genau jenem Stück Zelluloid hat sich auch TORTURE-Macher DANIEL ROBBINS inspirieren lassen, wenngleich sein Beitrag zum kontroversen Thema dann doch eher aus Unterhaltungszwecken gedreht wurde, statt wachzurütteln. Macht nichts – Horrorfilmfans wird’s gefallen.
 
 
 


 
 
 

TORTURE – Zensur

 
 
 
TORTURE – EINLADUNG ZUM STERBEN ist was die Gewalt angeht so ziemich fies. Zwar hält nicht immer die Kamera explizit darauf und lässt den Streifen so im Blut ersäufen. Weitaus heftiger prasselt hier die Kombination aus psychischer und physischer Gewalt auf den Zuschauer aus. So werden die Opfer gleich zu Beginn mit einem heißen Eisen gebrandet, später schikaniert und am Ende mit Dolchen ermordet. In einer Szene frisst sich sogar eine Ratte durch die Bauchdecke eines der Opfer. Wegen der doch heiklen Thematik hat TORTURE – EINLADUNG ZUM STERBEN eine Erwachsenenfreigabe erhalten. Das ist kein Wunder. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die FSK mit Streifen gar keinen Spaß versteht, in denen Menschen sinnlos gequält und schikaniert werden.
 
 
 


 
 
 

TORTURE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (KeepCase)

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(c) Lighthouse Home Entertainment (Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Pledge; USA 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 78 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover | Mediabook

Extras: Trailer, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet

Release-Termin: 26.06.2020

 

Torture – Einladung zum Sterben [Blu-ray im KeepCase] ungeschniten auf AMAZON kaufen

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TORTURE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cruel Summer (2016)
 
The Invitation (2015)
 
Green Room (2015)
 
The Final – Nächste Stunde: Rache! (2010)
 
The Lesson (2015)
 

Filmkritik: „Killer Kate – Rache ist Familiensache“ (2018)

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KILLER KATE – RACHE IST FAMILIENSACHE

(KILLER KATE!)

Story

 
 
 

Die Gäste eines Junggesellinnenabschieds bekommen Besuch, den sie aber nicht eingeladen haben. Da stellt sich schnell die Frage, wie man den wieder losbekommt. Offenbar nur mit Baseballschläger, Axt und Gewehr.

 
 
 


 
 
 

KILLER KATE – Kritik

 
 
 
Wenn Frauen in Horrorfilmen die Hutschnur reißt, wird es in der Regel blutig und kompromisslos. Seit einigen Jahren sind Rachefilme wieder hoch im Kurs. In der Regel erleben in diesen Filmen ahnungslose Menschen Grausames, die wenig später über sich hinauswachsen und zu Schrotgewehr, Motorsäge oder Axt greifen, um den Peinigern die Leviten zu lesen. Was vor allem in den 1980ern männlichen Helden vorbehalten war, ist seit dem Erfolg der Neuverfilmung von I SPIT ON YOUR GRAVE schon längst nicht mehr allein Männersache. Die Frauenwelt rächt mindestens genauso unberechenbar, wie zuletzt im französischen REVENGE geschehen. Auch dort ließ sich eine attraktive Femme fatale nichts von Herren sagen, griff zum Mordwerkzeug und veranstaltete kurzen Prozess – etwas, das nun auch Kate im Horrorfilm KILLER KATE übernimmt. In dieser amerikanischen Indie-Produktion hat sich mal wieder ein Newcomer ausprobiert. ELLIOT FIELD zeichnet für Regie und Drehbuch verantwortlich und hat auch gleich noch die Gattin als Darstellerin gepachtet. Viel Engagement, das aber kaum der Rede wert ist. KILLER KATE ist kein nennenswerter Horror-Beitrag. Von einem Film mit so reißerischem Titel hat man doch etwas mehr erhofft.
 
 
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Eigentlich freut sich Kate grade über ein Date mit dem Arbeitskollegen, in den sie schon seit einiger Zeit verschossen ist. Doch die Freude über die Verabredung wird durch einen Anruf vom schwerkranken Vater gedämpft. Der möchte unbedingt, dass die junge Frau an der Hochzeit der Schwester teilnimmt. Mit der hat Kate nämlich schon seit längerem keinen Kontakt mehr. Als die zu einer Junggesellinnenparty einlädt, gibt sich die taffe Einzelgängerin einen Ruck. In einer gemieteten Ferienwohnung soll die Sause stattfinden. Doch irgendwie hat man hier ein mulmiges Gefühl. Das ist auch berechtigt. Es dauert nämlich nicht lang bis die Gäste von Fremden überfallen werden. Nur was wollen die? Das Finale von KILLER KATE gibt Erleuchtung – auch wenn die Auflösung zu dem Schwachsinnigsten gehört, was die Horrorfilmwelt seit langem zu bieten hatte.
 
 
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Kein Brüller. KILLER KATE macht handwerklich eine gute Figur und auch die Schauspieler agieren ordentlich. Was den Sehgenuss trübt, ist die Tatsache, dass dem Zuschauer nicht wirklich einleuchten will, was das alles hier eigentlich soll? KILLER KATE ist kein ernstzunehmender Horrorthriller. Die Killer verhalten sich merkwürdig, die Opfer sind alles andere als schlau und auch die Auflösung des Films ist an Blödheit nicht zu überbieten. KILLER KATE nimmt sich bewusst nicht immer ernst und wurde wohl eher als schwarze Komödie konzipiert. Leider zündet kein einziger Gag und auch die Ereignisse kommen nur schleppend in Fahrt. So nimmt man sich anfangs zu viel Zeit, um die Opfer einzuführen. Die schnattern knapp 45 Minuten über längst vergangene Zeiten, bevor sie davon Wind bekommen, dass offenbar Einbrecher im Haus umhergehen. Was folgt, ist Rache-Horror light, der zwar einige blutige Szenen zu bieten hat, die aber wegen unlustiger Humoreinlagen nicht sonderlich hart anzuschauen sind. KILLER KATE gehört wohl zu den unsinnigsten Horrorkomödien, die jemals gedreht wurden. Da sollte man sich nicht vom vielversprechenden Titel verführen lassen, der handfeste Brutalo-Action suggeriert. Wer auf die wartet, wird sich schwarz ärgern.
 
 
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KILLER KATE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Aller Anfang ist schwer. Das Regiedebüt von ELLIOT FELD ist kein großer Wurf. Der als Home-Invasion-Thriller getarnte Horror-Spaß hat ein großes Problem. Der Film verfehlt sein Ziel. Eigentlich sollten solide Gags das Genre der Home-Invasion-Filme auf die Schippe nehmen. Doch die Miene des Zuschauers wird im Falle von KILLER KATE ernst bleiben. Hier verfehlen gut gemeinte Lacher ihre Wirkung. Ein paar nervige Ulk-Floskeln hier, dumme Sprüche unter der Gürtellinie da – das allein macht noch lange keine gute Horrorkomödie. KILLER KATE ist weit weg von den Qualitäten ähnlich gelagerter Filme wie TUCKER & DALE VS EVIL DEAD oder COTTAGE COUNTRY. Die Witze sind flach, die Handlung quälend langweilig und sonderlich blutig wird es auch nie. Demzufolge ist es besser, wenn man diesen Home-Invasion-Flop und Rache-Quatsch besser im Regal stehen lässt. So entgeht man einer Enttäuschung.
 
 
 


 
 
 

KILLER KATE – Zensur

 
 
 
Es gibt ein paar Morde zu sehen. Ein mit Stacheldraht umwickelter Baseballschläger kommt zum Einsatz und Körper werden auch mit Stich- und Hiebwaffen bearbeitet oder durchbohrt. Wegen des komödiantischen Einschlags ist das nicht alles sonderlich hart anzuschauen. Hierzulande hat KILLER KATE eine FSK16 bekommen. Diese Freigabe ist angemessen.
 
 
 


 
 
 

KILLER KATE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse HOME ENTERTAINMENT (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Killer Kate!; USA 2018

Genre: Horror, Thriller, Komödie

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 26.07.2019

 

Killer Kate – Rache ist Familiensache [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

KILLER KATE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse HOME ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blood Fest (2018)

Tragedy Girls (2017)

Mercy Christmas (2017)

68 Kill (2017)

Peelers (2016)

Bloody Knuckles (2014)

Filmkritik: „Blood Fest“ (2018)

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BLOOD FEST

Story

 
 
 

Auf einer Horror-Convention ist die Hölle los. Kreaturen aus Horrorfilmen werden lebendig und fallen über die Gäste her.

 
 
 


 
 
 

BLOOD FEST – Kritik

 
 
 
Wenn es nach Horror-Fans geht, dürfte es wohl nichts Schöneres geben, als einmal im Leben die Stars zu treffen, die das Gruselfilmfach groß gemacht haben. Diese Träume werden seit einigen Jahren wahrgemacht. Auf sogenannten Conventions können sich Filmliebhaber treffen und die Liebe zum Genre miteinander teilen. Hin und wieder werden die sogar von Genre-Größen besucht. Eine der wenigen Möglichkeiten für Fans ein Foto mit dem Lieblingsschauspieler zu knipsen ohne dafür um die halbe Welt reisen zu müssen. Horror-Conventions haben sich längst zum Mekka fürs horrorbegeisterte Publikum gemausert. Hier werden Kontakte geknüpft, Autogramme besorgt und Horrorfilme uraufgeführt, die man vermutlich sonst nie wieder vor die Linse bekommt. Umso interessanter, wenn genau eine dieser Pilgerstätten zum Thema eines Horrorstreifens gemacht wird, der sich auch noch als unterhaltsamer Fun-Splatter entpuppt.
 
 
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Dax (ROBBIE KAY) ist ein großer Fan blutiger Horrorfilm. Ein Grund, warum er sich Karten für das BLOOD FEST besorgt hat. Hierbei handelt es sich um ein riesiges Festival, dass sich ganz dem Genre verschrieben hat. Leider ist Vater Dr. Conway (TATE DONOVAN) gar nicht erfreut über die Teilnahme des Sohnemanns. Weil der mit Horrorfilmen auf Kriegsfuß steht, zerschneidet er die Eintrittskarte für die Convention und zerstört Träume binnen weniger Sekunden. Doch Dax lässt sich nicht unterkriegen. Der nutzt Vitamin B und erhält über Umwege Eintritt zur Horror-Fete. Vielleicht hätte er das lieber bleiben sollen, denn das Schicksal meint es nicht gut mit dem Genre-Liebhaber. Kaum die Veranstaltung betreten, passieren furchtbare Dinge. Nachdem Festivalorganisator Anthony Walsh (OWEN EGERTON) die Eröffnungsrede gehalten hat, erscheinen Killer auf der Bühne und arbeiten sich mit Kettensäge und Messern durchs Publikum. Da bricht Panik aus, denn das Eintrittstor ist plötzlich verschlossen und ein Entkommen ist unmöglich. Da bleibt nur noch die Konfrontation. Leider wird hier unfair gekämpft. Offenbar hat jemand Kreaturen der Horrorfilmwelt zum Leben erweckt, die nun über die Gäste der Convention herfallen. Da hilft nur Augen zu und durch. Waschechte Horrorfilmkenner wissen aber was zu tun ist. Gott sei Dank ist Dax einer derer. Der hat schon so viele Schocker gesehen, dass er Horrorfilmregeln beherrscht. In einer Situation wie dieser ist dieses Wissen pures Gold wert.
 
 
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Ein unterhaltsamer Mix aus HATCHET, CABIN IN THE WOODS und 2001 MANIACS. Passender lässt sich nicht beschreiben, was dem Zuschauer mit BLOOD FEST aufgetischt wird, bei dem vor allem eines im Vordergrund steht: Spaß. Mit letzterem machte sich die Produktionsfirma ROOSTER TEETH PRODUCTIONS einen Namen. Die Unternehmensgründer begannen vor über 15 Jahren damit mehr oder weniger gehaltvolle Videoclips zu drehen, die sie anschließend auf Youtube stellten. Offenbar kam der Quatsch gut an, den man regelmäßig für Nutzer der bekannten Videoplattform produzierte. Der gedrehte Irrsinn fand viele Zuschauer und spülte genug Geld in die Gründerkassen, um damit expandieren zu können. Diverse Web-Serien, Let’s Play-Videos, Podcasts und allerhand Youtube-Nonsens später, stieg man ins Spielfilmbusiness ein. Auch hier ging man nicht minder abgefahren zur Sache. Der Horror-Spaß BLOOD FEST zeigt’s eindrucksvoll.
 
 
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Viel Gehalt hat BLOOD FEST demnach nicht. Den erwartet man natürlich von einer Splatter-Komödie auch nicht. Dafür unterhält der Horror-Ulk. So schöpft man gleich zu Beginn aus den Vollen. Schweinemaskentragenden Killer packen ihre Kettensägen aus und sägen sich durch dutzende Horror-Fans, die plötzlich einen Kopf kürzer gemacht werden. Da werden Körper zerteilt und Hälse aufgeschlitzt. Endlich mal wieder Hausmannskost, die in gut dosierten Abständen eine Wiederholung findet. Regisseur und Drehbuchautor OWEN EGERTON hat mit BLOOD FEST einen waschechten Fan-Film gemacht. Der gibt gleich zu Beginn seines Fun-Splatters zu verstehen, was er von den Horrorfilmen neueren Datums hält. So erklärt Festivalorganisator Anthony Walsh während der Eröffnungsansprache im Film, dass Horrorfilme schon längst nicht mehr das sind, was sie mal waren. Gruselig oder furchteinflößend sind die schon lange nicht mehr. Da spricht er dem Zuschauer wohl aus der Seele. In Zeiten des inflationären Filmmarktes muss man Schocker mit der Lupe suchen, die den Schlaf rauben.
 
 
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Leider spuckt BLOOD FEST große Töne. Zwar wird das fehlende Schockpotenzial von Horrorfilmen kritisiert; BLOOD FEST selbst steigt aber in die gleichen Fußstapfen der Filme, die an den Pranger gestellt werden. Das bedeutet: Herzklopfen und Nervenkitzel haben Sendepause. Stattdessen wird viel gealbert und in der Klischee-Kiste für Horrorfilme gekramt. Nicht unbedingt die feine Art, zumal sich der Streifen oft durch zu lange Dialoge selbst ausbremst, aber Genre-Kenner immerhin versucht mit Anspielungen auf das Horror-Genre aus der Reserve zu locken. Zugegebenermaßen funktionieren einige Zitate auf bekannte Horrorfilme ganz gut. Mehr Gore und Schocks wäre den meisten Zuschauern aber wohl lieber gewesen. Kommen wir daher zurück zu den eigentlichen Stärken von BLOOD FEST. Die liegen nun mal im Unterhaltungswert. Der ist zweifelsohne vorhanden. Taffe Sprüche, nett getrickste Spezialeffekte und unverbrauchte Thematik sorgen für Kurzweil. Langweilig wird’s daher nicht, denn verschiedene Bösewichte bringen Abwechslung auf die Mattscheibe. So hat man vermutlich wegen fehlender Rechtslage – ähnlich wie in CABIN IN THE WOODS – kurzerhand eigene Filmmonster erschaffen, die regelmäßig vor der Linse ihr Unwesen treiben. Neben Seitenhiebe auf SAW und die unzähligen Slasher-Gurken, fehlen natürlich Zombies genauso wenig wie altbekannte Vampire. Dabei verirren sich unsere Filmhelden gern mal in verzwickte Situationen, vergessen aber trotz misslicher Lage ihren Humor nicht. Lustig wird’s allemal, auch wenn weder das Nervenkostüm noch die grauen Zellen gefördert werden. BLOOD FEST ist Fast-Food-Horror mit Spaß-Garantie und kleinen Schwächen. Für verregnete Herbsttage zweifelsohne eine Empfehlung.
 
 
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BLOOD FEST – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Unterhaltsamer Splatter-Spaß mit zynischen Seitenhieben auf das Horror-Genre. BLOOD FEST ist kurzweiliger Meta-Horror, der aus Versatzstücken des Horrorfilms besteht und die bekannten Klischees des Genres auf die Schippe nimmt. Das wird zwar nicht immer sonderlich clever umgesetzt und wirkt mancherorts etwas flach. Spaß macht der Streifen aber dennoch, weil er keinen Hehl daraus macht, dass er einfach nur unterhalten will. Zu flachen Humor und netten Zitaten gesellen sich Blut und Gewalt. Letztere hätte gern etwas intensiver zelebriert werden können. Dann hätte BLOOD FEST in einer Linie mit so Splatter-Komödien wie BAD TASTE, BRAINDEAD oder CABIN IN THE WOODS stehen können. Demzufolge einfach das Hirn abschalten und berieseln lassen.
 
 
 


 
 
 

BLOOD FEST – Zensur

 
 
 
Zu Beginn wird mächtig gesplattert. Es werden Körper gespalten und Kehlen aufgeschlitzt. Da schlägt das Herz eines jeden Splatterfilmfans schneller. Leider hält sich BLOOD FEST nach dem fulminanten Auftakt mit Schauwerten zurück. Das bedeutet natürlich nicht, dass sie nicht vorhanden wären. Sie werden nur wohldosiert eingesetzt. BLOOD FEST hat von der FSK in ungeschnittener Form eine Erwachsenenfreigabe erhalten: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

BLOOD FEST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Blood Fest; USA 2018

Genre: Horror, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 13.12.2019

 

Blood Fest [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

BLOOD FEST – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Rooster Teeth Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cabin in the Woods (2011)
 
Night of the Demons 2 (1994)
 
Demon Night (1997)
 
2001 Maniacs 2 – Es ist angerichtet (2010)
 
2001 Maniacs (2005)
 
Shaun of the Dead (2004)
 
Tucker and Dale vs Evil (2010)
 
Scream – Schrei! (1996)
 

Kritik: „Campus Killer – Das Böse kehrt zurück“ (2017)

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CAMPUS KILLER – DAS BÖSE KEHRT ZURÜCK

(DEL PLAYA)

Story

 
 
 

Das Tier in uns: Einem Mobbing-Opfer brennen die Sicherungen durch. Er greift zum Mordwerkzeug und begeht einen blutigen Amoklauf.

 
 
 


 
 
 

CAMPUS KILLER – Kritik

 
 
 
Außenseiter und Mobbing im Horrorfilm. Das ist Stoff, aus dem man gerne Horror-Slasher macht. Filmkenner wissen, dass in dieser Art von Filmen gern Rache genommen wird, und zwar von Menschen, mit denen man es nicht immer gut gemeint hat. Was bereits mit CARRIE in den 1970ern bei Zuschauern gut ankam, ist auch heute noch gängiger Horrorstoff, den man häufig ins (Heim)Kino bringt. Der Grund ist in der Brisanz dieses Themas zu suchen, das auch heute genauso aktuell ist, wie noch vor über 30 Jahren. Mobbing an Schulen und deren Folgen ist auch im Horrorthriller CAMPUS KILLER – DAS BÖSE KEHRT ZURÜCK (im Original: DEL PLAYA) Programm. Doch Vorsicht. Dieser Thriller ist ein hinterlistiger Blender. Der Trailer suggeriert nämlich ein kontroverses Rachedrama, das auf tiefgründige Ursachenforschung hoffen lässt und sich auf einen tatsächlichen Kriminalfall von 2014 stützt. Hat man den Film im Player, kommt schnell die Ernüchterung. CAMPUS KILLER will ein kontroverser Amokbericht mit Hintergrund sein, ist aber unterm Strich ein beliebiger Slasher mit Fokus auf Langeweile. Hier hält man leider keinen Beitrag für die DVD-Reihe KINO KONTROVERS in den Händen.
 
 
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Jede High School hat seine Außenseiter. So auch in jener, in der die attraktive Teenagerin Claire für die Zukunft paukt. Die kann sich vor Verehrern nicht retten und hat demzufolge die Qual der Wahl, wenn es um ihre Begleitung zum Schulball geht. Auch der introvertierte Matthew hat ein Auge auf die unnahbare Schönheit geworfen. Leider bleibt das Objekt seiner Begierde unerreicht und auch sonst hat der Einzelgänger an der Schule nichts zu lachen. Tagtäglich sieht sich der schüchterne Schüler mit den Mobbing-Attacken seiner Klassenkameraden konfrontiert. Aber auch zu Hause herrscht ein rauer Ton. Dort gibt es regelmäßig Prügel vom Stiefvater, was zur Folge hat, dass der Sonderling rot sieht und einen Mitschüler im Affekt tötet. Fünf Jahre später genießt die schöne Claire ihr Studentenleben auf dem Campus. Auch hier verdreht sie den Kommilitonen den Kopf und hat Spaß auf Partys. Doch ihre Stunden sind gezählt. Der Außenseiter aus High-School-Zeiten ist zurück und hat über die Jahre eine Obsession für unsere Filmheldin entwickelt. Er radiert Liebhaber und Freunde der taffen Claire aus, um so der Studentin besonders nahe zu sein. Da stellt sich die Frage, wie man mit so aufdringlichen Verehrern umgeht. In diesem Falle hilft nur eines: weglaufen.
 
 
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Viel Lärm um nichts. CAMPUS KILLER – DAS BÖSE KEHRT ZURÜCK sorgte 2015 mit einem Filmtrailer für Trubel. Darin wohnte man einen skrupellosen Amoklauf bei, der nicht unwesentlich an ein tragisches Ereignis erinnerte, welches sich ein Jahr zuvor in Amerika ereignet hatte. Beim sogenannten Amoklauf von Isla Vista ermordete der damals 22-jährige Elliot Rodger sechs Menschen und verletzte dreizehn andere Personen, bevor er sich selbst tötete. Obwohl Regisseur und Drehbuchautor SHAUN HART zwar Parallelen erkannte, beteuerte der Filmemacher gleichzeitig, dass sein Horrorthriller nicht mit dem tatsächlichen Amoklauf in Verbindung steht, sondern nur davon inspiriert wurde. Das war einem erbosten UCSB-Studenten aber zu wenig. Der startete auf change.org eine Petition und forderte den Veröffentlichungsstopp von CAMPUS KILLER. Weil sich über 29000 Unterstützer fanden, musste die Veröffentlichung des Streifens auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Drei Jahre nach der Kontroverse kommt CAMPUS KILLER – DAS BÖSE KEHRT ZURÜCK nun in die Heimkinos.
 
 
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Das Resultat rechtfertigt den Ärger in keiner Weise. CAMPUS KILLER ist nämlich ein schlechter Streifen, der sich als langweiliger Slasher von der Stange entpuppt. Da mutet es schon etwas grotesk an, wenn Macher SHAUN HART in Interviews zu verstehen gibt, dass er in seinem Horrorthriller nach einem ernsthaften „Warum“ für Amokläufe forscht. Das Ergebnis ist leider alles andere als glaubhaft und lässt sich keineswegs ernst nehmen. So wird im Film in Turbogeschwindigkeit Ursachenforschung fürs kaltblütige Morden betrieben und kurz in der Horror-Klischeekiste gewühlt. Schlechtes Elternhaus, Mobbing und unerwiderte Liebe. Das macht also einen Psychopathen aus? Damit macht es sich Hart zu einfach – ein Buch über Psychologie hätte in diesem Falle mehr Aufschluss über die Taten fehlgeleiteter Teenager gegeben. Sieht man von der oberflächlichen Suche nach Antworten ab, ist CAMPUS KILLER auch als Slasher kaum zu gebrauchen. Zu sehen gibt es kaum Inhalt. Die Handlung ist rudimentär. Wir sehen, wie sich Hauptprotagonistin Claire mit Männern verabredet, Beziehungsprobleme klärt, auf Partys feiern geht und immer wieder an jenen tragischen Tag vor fünf Jahren zurückdenkt, der einem rebellischen Teenager das Leben gekostet hat. Ein klar definiertes Drehbuch mit Charakterentwicklung, Geschichte oder gar Spannung gibt es nicht. Stattdessen taucht der Streifen in den Alltag eines unwichtigen Teenagers ein, der mit unwichtigen Figuren verkehrt, die ebenso unwichtige Dinge erleben. Das alles ist trotz technisch ansprechender Umsetzung vor allem wegen fehlender Spannung, kaum vorhandenem Tempo und wenig talentierter Schauspieler eine Zumutung. Knapp 100 Minuten Lebenszeit kann man auch sinnvoller investieren.
 
 
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Immerhin rütteln die für Slasher üblichen Gemeinheiten aus dem Tiefschlaf. Die sind anfangs ganz ordentlich. So muss ein Mobbing-Opfer ziemlich viel Gewalt von Mitschülern und dem Stiefvater über sich ergehen lassen. Doch mit fortlaufender Spielzeit wird auch der Gewaltpegel reduziert. So wird die Filmheldin vom gepeinigten Klassenkameraden verfolgt, der erst Claires Freunde wenig spektakulär in die Jagdgründe befördert und dann auch noch das Objekt der Begierde mit Küchenutensilien bearbeitet, als die nicht dessen Liebe erwidern möchte. Wer jetzt aber denkt, dass sich die Mattscheibe blutrot färben wird, dürfte bitterlich enttäuscht werden. Kreatives und vor allem deftiges Töten ist nicht gerade die Stärke von Drehbuchschreiber und Regisseur SHAUN HART. Somit darf man CAMPUS KILLER – DAS BÖSE KEHRT ZURÜCK an dieser Stelle als waschechten Rohrkrepierer bezeichnen, denn weder für Slasher-Fans noch für Liebhaber kontroverser Schocker ist dieser Blödsinn zu gebrauchen. Ein gemeiner Zeiträuber.
 
 
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CAMPUS KILLER – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Monster werden nicht geboren, sie werden erschaffen. So steht es auf dem Kinoplakat von CAMPUS KILLER – DAS BÖSE KEHRT ZURÜCK (Originaltitel: DEL PLAYA). Das lässt auf einiges hoffen. Doch in diesem Falle ist der verheißungsvolle Spruch nur überflüssiges Marketing-Geplapper. CAMPUS KILLER ist ein wenig origineller Slasher, der einen gepeinigten Schüler Amok laufen lässt. Die Hintergründe sind oberflächlich und auch die Handlung ist rudimentär. Alles läuft nach dem gleichen Schema ab, wie man es von den meisten Horror-Slashern her kennt. Ein Killer meuchelt sich durch das Fleisch diverser Jungdarsteller und wird am Ende vom Final Girl zur Strecke gebraucht. Viel Originelles hat CAMPUS KILLER nicht zu bieten. Die Morde sind beliebig und wenig spektakulär. Aber auch den Darstellern hätte man vor den Dreharbeiten empfehlen sollen, vielleicht noch ein paar Schauspielstunden zu nehmen. Was dem Zuschauer nämlich da geboten wird, verursacht Gänsehaut. Unsere Empfehlung: Besser Finger weg von diesem viel zu lang geratenen Horrorthriller.
 
 
 


 
 
 

CAMPUS KILLER – Zensur

 
 
 
Der Beginn von CAMPUS KILLER – DAS BÖSE KEHRT ZURÜCK ist schon hart anzusehen. Hier wird ein Schüler immer wieder von Mitschülern zusammengeschlagen. Was aber anfangs noch heftig in Szene gesetzt wird, dürfte Fans härterer Filme schnell enttäuschen. Die weiteren Gewaltszenen sind Slasher-Standard und kaum der Rede wert. Dennoch hat CAMPUS KILLER für die ungeschnittene Fassung hierzulande eine Erwachsenenfreigabe erhalten.
 
 
 


 
 
 

CAMPUS KILLER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Del Playa; USA 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 102 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 14.12.2018

 

Campus Killer – Das Böse kehrt zurück [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

CAMPUS KILLER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Terror Films | Lighthoue Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Rob Zombie’s Halloween (2007)
 
The Final – Nächste Stunde: Rache! (2010)
 
Tormented (2009)
 

Filmkritik: „The Hollow Child“ (2017)

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THE HOLLOW CHILD

Story

 
 
 

Eine boshafte Kreatur schlüpft in den Körper eines kleinen Mädchens und stiftet so Unruhe.

 
 
 


 
 
 

THE HOLLOW CHILD – Kritik

 
 
 
Dämonen sind schon heimtückische Kreaturen. Die lassen nichts unversucht, um der Menschheit das Leben schwer zu machen. So schlüpfen sie nicht selten in die Körper ahnungsloser Opfer, um so unbemerkt Schrecken und Leid zu verursachen. Dabei ganz besonders beliebt als Versteck: unschuldig dreinschauende Kinder, denen man nichts Böses möchte. Die werden im Genrekino gern mal als willenlose Marionetten umfunktioniert, weil niemand vermuten würde, dass in ihnen der Teufel hausen könnte. Eine heimtückische Gruselrezeptur, die auch im Horrorfilm THE HOLLOW CHILD angewandt wird. Ähnlich wie im Okkult-Klassiker DAS OMEN verbirgt sich hier ebenso das Böse hinter vermeintlich unschuldigen Kinderaugen mit dem Ziel, möglichst viel Chaos entstehen zu lassen. Überraschenderweise ist dieser Versuch geglückt. Trotz Erstlingswerk hat der noch unbekannte Nachwuchsregisseur JEREMY LUTTER einen durchweg gelungenen Film hervorgebracht, der vor allem von seiner sympathischen Hauptdarstellerin getragen wird. Letztere wird von JESSICA MCLEOD verkörpert, welche sich mit einer Außenseiterrolle vom üblichen Helden-Klischee abhebt. Gute Voraussetzungen also um Mitfiebern zu können.
 
 
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Olivia (HANNAH CHERAMY) und Samantha (JESSICA MCLEOD) sind zwei Waisenkinder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Beiden werden von einem gutbürgerlichen Pärchen aufgenommen und erhalten so die Möglichkeit ein ganz normales Leben zu beginnen. Während die jüngere Olivia schnell einen Draht zu den neuen Eltern findet, fällt es der rebellischen Teenagerin Samantha schwerer sich in die neue Familie zu integrieren. Doch das Schicksal meint es mit beiden Mädchen nicht sonderlich gut. Die jüngere Olivia verschwindet plötzlich im Wald, weil ihre Adoptivschwester nicht auf sie aufgepasst hat. Trotz Suche bleibt das neue Familienmitglied verschwunden. Das lenkt die Enttäuschung der verzweifelten Eltern auf sich, die sich plötzlich gar nicht mehr so sicher sind, ob es eine gute Idee gewesen ist, eine pubertierende Teenagerin zu adoptieren. Nach drei Tagen voller Kummer taucht das verschollene Mädchen plötzlich wieder auf. Zwar scheint dem Kind nichts passiert zu sein, trotzdem ist Olivia nicht mehr dieselbe. Die reißt ihren Stofftieren die Augen aus und hat offenbar ihre guten Manieren verloren. Ist das Mädchen etwa vom Teufel besessen? Genau jenen Verdacht hegt Adoptivschwester Samantha, die mit Recherchen beginnt, weil ihr niemand Glauben schenken möchte.
 
 
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Vom Bösen besessene Kinder. Das ist ein Thema, dass gern im Horrorkino Verwendung findet. So denke man an den ganz großen Film dieser Gattung: DER EXORZIST. Der verstörte in den 1970ern gerade deswegen, weil sich das Böse in einem Kind formierte, dem man kein Leid zufügen wollte, um den Teufel wieder vertreiben zu können. Was aber vor über 40 Jahren im Kino zu Tode ängstigte, ist natürlich mittlerweile Horror-Alltag geworden und schockiert kaum noch jemanden, der regelmäßig Horrorfilme sieht. Die Zeiten sind vorbei, in denen sich Tricktechniker makabere Spezialeffekte einfallen lassen und so alteingesessene Horrorfilmkenner in Entzückung versetzen. Der Videomarkt ist groß und demzufolge auch die Anzahl sich ständig wiederholender Geschichten und totgefilmter Klischees, die dem Horrorgenre allmählich die Puste rauben, weil mehr auf Quantität Wert gelegt wird, statt Qualität walten zu lassen. Da verblüfft es dennoch, dass ein Film wie THE HOLLOW CHILD eines Besseren belehren kann. Der Streifen ist mutiges Indie-Kino und kommt auch ohne Ekel-Metamorphosen oder schnellem CGI-Overkill aus. Stattdessen beruft sich Filmemacher JEREMY LUTTER auf die klassische Kunst des Erzählens und vermeidet hektische Schnitte oder übertriebene Blut-Sauereien. Das stellt sich glatt die Frage, ob altes Gruselhandwerk in einer Zeit überhaupt noch funktioniert, in welcher Streaming-Portale wie NETFLIX & Konsorten immer trivialeren Fast-Food-Horror auf den zahlungswilligen Zuschauer loslassen. Wir meinen ja. THE HOLLOW CHILD nimmt sich nämlich noch Zeit für seine Protagonisten und hakt deren Charakterisierung nicht im Eiltempo ab. So kann sich der Zuschauer auf die Figuren einlassen und leidet mit ihnen mit.
 
 
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Mehr Drama statt Horror lautet im Falle von THE HOLLOW CHILD die Devise. Der Film besitzt natürlich Horror-Elemente und webt ein Mysterium um Filmfigur Olivia. Die Antworten auf plötzlich seltsames Verhalten des kleinen Mädchens besitzen aber wenig Gewichtung. Stattdessen fokussiert sich der Film weitestgehend auf seine rebellische Hauptdarstellerin, die in THE HOLLOW CHILD eine regelrechte Verwandlung durchlebt. Während die sonst so brave Olivia zum garstigen Teufel mutiert, wird deren Adoptivschwester und Teenagerin Samantha plötzlich vom pubertierenden Problemfall zur einsichtigen Mutter Theresa. Auf ihrem Weg der Erleuchtung muss sie erkennen, was wahre Freundschaft bedeutet und dass Familie etwas ist, was auch in schlechten Zeiten stützt. Somit ist THE HOLLOW CHILD trotz Gruselelementen mehr Drama über Selbstfindung und Erwachsenwerden, das letztendlich hätte auch ganz auf den Horror-Part verzichten können. Der mutet mancherorts störend an, musste aber wohl sein, um das Interesse von Horrorfans gewinnen zu können. Manchmal sind die subtileren Wege die besseren.
 
 
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THE HOLLOW CHILD – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Mix aus Coming-of-Age-Drama und Dämonen-Horror, der vor allem wegen seiner sympathischen Filmheldin in Erinnerung bleibt. Wer hier den ultimativen Okkult-Schocker mit Infarktrisiko erwartet, wird schnell enttäuscht werden. In THE HOLLOW CHILD regieren die leisen Töne und ja, es wird ziemlich viel geredet. Das dürfte schnell jene abschrecken, die sonst eher schnell abgedrehten Hochglanz-Horror aus dem Hause BLUMHOUSE bevorzugen. THE HOLLOW CHILD ist – trotz Dämonenthematik – eher ein Gruseldrama über einen Teenager, der nach Zugehörigkeit sucht und diese natürlich auch findet. Dass das alles unter dem Deckmantel eines Horrorfilms passieren muss, ist etwas unglücklich entschieden, aber dennoch ganz passabel. Wer demzufolge gern Horrorfilme schaut, in denen die Figuren der Star sind und nicht die Spezialeffekte, dürfte durchaus positiv überrascht sein – auch wenn im Finale etwas zu sehr in der angestaubten Horror-Mottenkisten nach Dämonen-Klischees gekramt wird.
 
 
 


 
 
 

THE HOLLOW CHILD – Zensur

 
 
 
Sonderlich brutal ist THE HOLLOW CHILD nicht. Erst gegen Ende gibt es einige Gewaltmomente zu sehen. Die werden aber eher zurückhaltend eingesetzt, weshalb der Streifen hierzulande problemlos eine FSK16 erhalten hat.
 
 
 


 
 
 

THE HOLLOW CHILD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Hollow Child; USA 2016

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 28.09.2018

 

The Hollow Child [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE HOLLOW CHILD – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment | Broken Mirror Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Omen (1976)
 
Orphan – Das Waisenkind (2009)
 
Mickey (1992)
 

Filmkritik: „Havenhurst“ (2016)

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HAVENHURST

Story

 
 
 

Ein alter Apartmentkomplex mitten in New York. Darin geht es nicht mit rechten Dingen zu, wie die neue Mieterin Jackie (JULIE BENZ – diesmal mit dunklen Haaren) bald herausfinden wird.

 
 
 


 
 
 

HAVENHURST – Kritik

 
 
 
Ein nostalgisches Mietshaus zwischen modernen Wolkenkratzern irgendwo in New York. Das lässt nicht unbegründet Horrorklassiker wie ROSEMARIES BABY oder HEXENSABBAT Revue passieren, in den sich das Grauen subtil seinen Weg durchs Drehbuch gebahnt hat. Von subtiler Angstmacherei oder gar altem Gruselhandwerk ist im folgenden Film aber kaum etwas zu verzeichnen. Der feierte seine Deutschlandpremiere bereits 2016 auf dem beliebten FANTASY FILMFEST, wo er eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Filmkritiker und Publikum bemängelten die schwache Regie, den löchrigen Plot und konstruiert wirkende Handlungsverläufe mit denen sich Regisseur ANDREW C. ERIN mehr schlecht als recht über Wasser hält. Ganz unbegründet ist die teils negative Kritik jedoch nicht. In der Tat bekleckert sich HAVENHURST nicht sonderlich mit Ruhm. Der stielt dreist bei Filmen wie HOUSEBOUND, THE COLLECTION oder TOOLBOX MURDERS und nimmt sich dabei auch noch bierernst. Eigene Ideen sucht man vergebens und mehr Sorgfalt im Drehbuch hätten Wunder bewirken können. Stattdessen quält HAVENHURST mit Klischees, Lustlosigkeit und Logiklücken und braucht dazu auch noch lang, bis er endlich mal an Fahrt gewinnt. Mit nennenswerter Gruselunterhaltung hat das freilich nichts zu tun.
 
 
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Eigentlich sollte sich für Jackie (JULIE BENZ aus der TV-Serie DEXTER) nun alles zum Guten wenden. Die junge Mutter war alkoholabhängig und hat durch ihre Trinksucht den Tod der kleinen Tochter zu verantworten. Nach langer Trauer und einigen Therapien soll nun ein neues Leben beginnen. Doch der Start ist schwerer als gedacht. Mit der neuen Wohnung im alten Apartmentkomplex „Havenhurst“ liegt etwas im Argen. So kann Freundin Danielle (DANIELLE HARRIS) nicht gefunden werden. Die hat hier ebenfalls ein Apartment gemietet und scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Selbstverständlich bewahrheiten sich die Vorahnungen bald. Offenbar geht in diesem Haus etwas nicht mit rechten Dingen zu, denn immer wieder verschwinden Mieter spurlos. Das weckt die Neugierde der ehemaligen Alkoholikerin. Jackie beginnt Nachforschungen anzustellen und stößt dabei auf ein furchtbares Geheimnis, das von der aristokratisch Hausleiterin Eleanor (FIONNULA FLANAGAN) bisher gut gehütet wurde. Hinter den Wänden lebt nämlich das Böse. Das sieht es gar nicht gern, wenn Mieter unsittliche Dinge in ihren Wohnungen veranstalten. So muss einer nach dem anderen sterben, der sich nicht an die Hausordnung hält. Ob die vom Leben gezeichnete Mittdreißigerin diesem Albtraum ein Ende bereiten wird?
 
 
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Von alten Gemäuern mit dunklen Geheimnissen. In der Regel bedeutet das: Spuk und Geister. Diesmal kommt aber alles etwas anders, denn auch wenn HAVENHURST mit schlecht ausgeleuchteten Fluren und gotischer Gruseloptik Gänsehaut verursachen möchte, ist dieser Streifen nicht im Geistergenre beheimatet. Das Böse ist hier menschlicher Natur und das ist auch schon das größte Problem dieses Horrorthrillers, denn in Sachen Glaubwürdigkeit spielt der Streifen in einer anderen Liga. Offenbar interessiert es in HAVENHURST nicht einmal die Polizei, wenn in einem riesigen Wohnkomplex plötzlich Mieter aus heiterem Himmel verschwinden. Trotz eindeutiger Hinweise und mysteriösen Hausplänen unternimmt niemand etwas. Währenddessen sterben im Keller Menschen. Mit Logik oder Glaubwürdigkeit hat das nichts zu tun. Nichtsdestotrotz will man nicht so hart ins Gericht gehen. Horrorfilme sind nicht dazu da, um logische Handlungen abzuspielen. Sie sollen das Fürchten lehren und das Herz schneller schlagen lassen. Letzteres gelingt Regisseur ANDREW C. ERIN in den letzten 30 Minuten – naja, zumindest ein wenig. Wenn das Mysterium des Films entschlüsselt wird und HAVENDURST einen deutlich raueren Ton einschlägt, überschlagen sich Ereignisse und der Gruselkrimi gewinnt an Fahrt. So wird aus seichter und atmosphärischer Gruselei ein dreckiger Überlebenskampf gegen das personifizierte Böse, der die Heldin durch Luftschächte krabbeln und in Fallen stolpern lässt. Trotz kurzem Adrenalinkick wirkt das Ende aufgesetzt. Offensichtlich wollte man sich da eine Hintertür für die obligatorische Fortsetzung offen halten. Anders lässt sich nicht erklären, warum man die krampfhaft auf sympathisch getrimmte Filmheldin kurz und schmerzlos über den Jordan springen lässt, damit das Böse triumphieren darf. Den meisten Zuschauern dürfte man mit diesem hinterlistigen Finale wohl vor den Kopf stoßen. Immerhin besitzt HAVENHURST einen Lichtblick. Horror-Ikone DANIELLE HARRIS spielt nämlich auch im Film mit. Leider ist die beliebte Genre-Schauspielerin nur in einer kurzen Rolle zu sehen, wobei am Rande erwähnt werden sollte, dass ihr Gastauftritt kaum der Rede wert ist. Die Harris stirbt nämlich bereits im Prolog den Leinwandtod. Irgendwie schade.
 
 
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HAVENHURST – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärischer Horrortrip mit fiesem Finale. Letzteres ist in seiner Boshaftigkeit aber leider sehr enttäuschend. Nicht nur weil es mit seinem unerfreulichem Ausgang vollkommen unbefriedigend ist. Es wirkt zudem erzwungen und flimmert vollkommen abrupt über die Mattscheibe. Ist den Verantwortlichen etwa das Budget ausgegangen oder hatte man vielleicht keine Lust mehr HAVENHURST um ein ansprechendes Ende zu bereichern? Letztendlich sind die Beweggründe irrelevant, denn dieser Horrorthriller ist nichts, was man unbedingt gesehen haben muss. Die Schauspieler machen zwar ihre Sache gut und auch die Atmosphäre stimmt. Was einen faden Beigeschmack hinterlässt ist der dümmliche Plot. Da wollte wohl jemand ganz raffiniert sein und hat unbeholfen bei Filmen wie TOOLBOX MURDERS und HOUSEBOUND stibitzt. Herausgekommen ist unglaubwürdiger und einfältiger Blödsinn, der erfahrener Zuschauer kopfschüttelnd auf der Couch zurücklassen dürfte. Da kann die reißerische Plotauflösung auch nichts mehr reißen.
 
 
 


 
 
 

HAVENHURST – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt gibt es in HAVENHURST nicht zu sehen. Trotzdem gibt es eine Szene in der einem Pärchen schreckliche Dinge angetan werden und die Kamera hält drauf. Wie die beiden Protagonisten „bearbeitet“ werden ist nicht ganz ohne. HAVENHURST hat eine ungeschnittene FSK16 erhalten. Wegen Bonusmaterial auf der Blu-ray besitzt diese aber einen roten FSK-Sticker.
 
 
 


 
 
 

HAVENHURST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Havenhurst; USA 2016

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.40:1 (1080i) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 82 Min.

FSK: Blu-ray wegen Extras: Keine Jugendfreigabe | Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 18.05.2018

 

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HAVENHURST – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Toolbox Murders (2004)
 
Toolbox Murders (1978)
 
13 Gantry Row (1998)
 
Within (2016)
 
Housebound (2014)