Filmkritik: „The Demolisher“ (2015)

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THE DEMOLISHER

Story

 
 
 
Für den Technikinstallateur Bruce (Ry Barrett) und seine Frau Samantha (Tianna Nori) ist der Traum geplatzt. Samantha, eine ehemalige Polizistin, wurde bei einem Einsatz schwer verletzt und ist seitdem an den Rollstuhl gefesselt. Bruce kümmert sich um sie und zusammen versuchen die Beiden, die unerwarteten Hürden des Lebens zu meistern. Doch hinter jeder Ecke wartet ein neues Hindernis. Geplagt von irrationalen Schuldgefühlen und zügelloser Wut beginnt Bruce mit nächtlichen Streifzügen durch die Stadt. Dabei klopft er alles kurz und klein, was ihm in den Weg kommt und kriminell aussieht. Eine Krise bahnt sich an, als sein zerstörerischer Pfad den der jungen Marie (Jessica Vano) kreuzt.

 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Kritik

 
 
 
Unter Fans von Actionfilmen, Horror und sonstiger Genrekost ist der Begriff „Arthouse“ nicht unbedingt populär. Verständlich, denn wo Genrefilme oft mit hoher Geschwindigkeit, Brutalität und ausgefallenen Ideen aufwarten, setzen sich Arthousefilme gerne mit anspruchsvollen Themen auseinander und beleuchten verschiedene Aspekte der (Zwischen)Menschlichkeit. Umso verblüffter dürfte der durchschnittliche Genre-Freund sein, wenn er mit den ersten Minuten von „The Demolisher“ konfrontiert wird. Es gibt lange, rätselhafte Einstellungen und Szenen, die zunächst ohne ersichtlichen Grund aneinandergeschnitten sind. Über weite Strecken erzählt der Film episodenhaft, springt zwischen Handlungssträngen und Zeitebenen und verzichtet gerne auf Dialoge. Allem Anschein nach handelt es sich bei „The Demolisher“ also um eine Kombination aus anspruchsvollem Arthouse-Kino und der brutalen Grobheit des Action- und Thrillerkinos. Oder zumindest um einen Versuch, dies zu tun.
 
 
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Sofort fallen zahlreiche Parallelen zu Nicolas Winding Refns „Drive“ auf. Ein Beispiel für eine ähnliche Kombination, die funktioniert hat und dafür mit jeder Menge Lob und Ruhm belohnt wurde. Im Vergleich zum offensichtlichen Vorbild fällt jedoch schnell auf, warum das selbe Rezept bei „The Demolisher“ überhaupt nicht aufgeht. Der namenlose Fahrer in „Drive“ ist ein interessanter und tiefgehender Charakter, der den Zuschauer auf einer feinen Linie zwischen Sympathie und Antipathie spazieren lässt. Hinter Bruces Augen sieht man nichts außer einer gähnenden Leere und dem unterschwelligen Zorn eines dumpfen Grobians. Hinzu kommt die Motivation der verletzten Frau, die schwerlich erklärt, warum der Proleten-Protagonist fast wahllos Leute krankenhausreif schlägt.
 
 
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Trotzdem erkennt man stellenweise, was Regisseur und Autor Gabriel Carrer mit „The Demolisher“ erreichen wollte. Es ist eine Geschichte über blinde Wut, die daraus resultierende Gewalt und die Konsequenzen, wenn diese Gewalt zu weit geht. Umgesetzt wird diese Geschichte allerdings mit einem Stil, der kaum durchdacht ist und seine Vorbilder ausschließlich imitiert. Stilmittel – wie das episodische Erzählen oder eine viel zu oft eingesetzte Zeitlupe – ermüden schnell und behindern den Film eher, als dass sie ihn bereichern. Das hölzerne Schauspiel der Akteure, allen voran Ry Barrett, tut sein Übriges, um „The Demolisher“ zu einem inkompetenten Mix aus Stil und Inhalt werden zu lassen, bei dem nichts wirklich stimmt.
 
 
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THE DEMOLISHER – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
„The Demolisher“ macht das Gleiche wie seinerzeit „Drive“. Allerdings um Einiges schlechter. Flache Charaktere, Schwache Schauspieler und unangebrachte Stilmittel machen den Film zu einer Herausforderung. Immerhin lässt sich sehr viel Gelächter aus der Tatsache ziehen, dass sich „The Demolisher“ aus unerklärlichen Gründen extrem ernst nimmt. Im Gegensatz zum Film kann sich die deutsche Veröffentlichung aus dem Hause Meteor Film sehen lassen. In einem schicken Future-Pack, ausgestattet mit Extras wie Poster und Postkarten sowie lobenswert technischer Präsentation erhält „The Demolisher“ hierzulande eine weitaus bessere Veröffentlichung, als der Film letztendlich verdient hätte.
 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Zensur

 
 
 
Selbst die Gewaltspitzen, die „Drive“ gewürzt haben, kommen sehr kurz. Abgesehen von der umstrittenen Selbstjustiz-Thematik hat der Film nicht viel im Gewalt-Sektor zu bieten. In Deutschland erscheint er ungeschnitten mit einer Freigabe ab 16 Jahren. Wegen „bösem“ Bonusmaterials wurde die Heimkinoveröffentlichung aber erst für Erwachsene freigegeben. Die besitzt den roten KJ-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Meteor Film

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(c) Meteor Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Demolisher; Kanada 2015

Genre: Action, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: Limitiertes 2-Disc Blu-ray FuturePack

Extras: CD mit Original-Score plus Bonus-Tracks (70:36 Min), A3-Retro-Miniposter mit 2 Wendemotiven, 3 Sammelkarten mit, Alternativ-Artworks, Q&A mit Cast + Crew, Behind the Scenes, Musikvideo LA GARCONNE – SUPER HERO, Deutscher Trailer, Originaltrailer

Release-Termin: 26.02.2016

 

The Demolisher (Limited FuturePak Blu-ray-Disc inkl. Soundtrack-CD) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Trailer

 
 


 
 
 

Timo Löhndorf

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(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei METEOR FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Drive (2011)

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Kritik: „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ (2013)

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ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN

Story

 
 
 
Der Planet Arkanar ist der Erde in fast jeder Hinsicht gleich. Der einzige gravierende Unterschied ist die Entwicklungsstufe, in der er sich befindet. Der Stand von Flora und Fauna liegt im Vergleich zu unserem Heimatplaneten etwa 800 Jahre in der Vergangenheit. Folglich steht dem fremden Planeten die Renaissance, die die Menschheit in ein neues kulturelles und intellektuelles Zeitalter katapultiert hat, noch bevor. Eine Gruppe von Wissenschaftlern wird nach Arkanar geschickt um die dortigen Verhältnisse zu beobachten. Unter ihren bäuerlichen Mitmenschen leben sie als Gottheiten, verehrt von den Einheimischen. Allerdings dürfen sie unter keinen Umständen in die Entwicklung von Arkanar eingreifen. Für den Protagonisten Don Rumata (Leonid Yarmolnik) stellt diese Maßgabe eine besonders große Herausforderung dar, als die Intellektuellen seiner Zeit in Gefahr geraten. In seiner Rolle als Gott muss er entscheiden, ob und wie er das Schicksal des Planeten beeinflusst.

 
 
 


 
 
 

ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN – Kritik

 
 
 
Der Weg, den der russische Science-Fiction-Film bis zur deutschen Kino- und Heimkinoveröffentlichung zurückgelegt hat, ist schier unglaublich. Es grenzt an ein Wunder, dass „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ das Licht der Welt erblickt hat. Um sich dem vollen Ausmaß dieses außergewöhnlichen Films bewusst zu werden, ist es essentiell, ein Blick hinter die Kulissen zu werfen und sich mit der Geschichte des Films zu befassen. Das reichhaltige Bonusmaterial, das der deutschen Veröffentlichung beiliegt, ist ein guter Anhaltspunkt. Man erfährt, dass Regisseur Aleksei German schon 1968 mit Plänen begonnen hat, den gleichnamigen Roman der Schriftsteller Arkady und Boris Strugatsky zu verfilmen. Was folgt ist eine schier unendliche Geschichte, die mit den politischen Entwicklungen Russlands im 20. Jahrhundert verknüpft ist. Zahlreiche Machtwechsel und der Fall der Sowjetunion haben die Produktion des Films aufgeschoben, 1989 entstand unter der Regie Peter Fleischmanns gar eine deutsch co-produzierte Adaption. Im Jahr 2000 begannen in Tschechien schließlich die Dreharbeiten, die sich über mehrere Jahre und einige Unterbrechungen hinzog. Nach sechs Jahren war der Dreh abgeschlossen und „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ begann eine langwierige Postproduktion. Leider war es Aleksei German, der den Film als sein definierendes Werk verstanden hat, nicht vergönnt, die fertige Fassung zu sehen. Er starb im Februar 2013, einige Monate vor der Weltpremiere. Fertiggestellt wurde der Film von Germans Witwe und dem gemeinsamen Sohn. Mit der deutschen Veröffentlichung von „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ geht somit eine fast 50-jährige Geschichte zu Ende. Die Geschichte der vermutlich kompliziertesten und langwierigsten Filmproduktion seit Entdeckung des Mediums.
 
 
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Der Film selbst ist nur schwer in Worte zu fassen. Er wird bestimmt von einer akribisch konstruierten mittelalterlichen Welt, die auf der Leinwand und dem Bildschirm so lebendig wird, dass man den allgegenwärtigen Dreck fast schmecken kann. Ein dichter Nebel liegt über der fremden, abstoßenden Welt von Arkanar. Die audiovisuelle Wucht des Films erinnert nicht selten an alte Gemälde, die eine der düstersten Episoden der Geschichte zeigen. Hier bekommt das Mittelalter einen Puls verpasst, der in jedem, sorgfältig ausgestatteten Szenenbild und in der dichten Tonkulisse spürbar ist. Aleksei Germans Opus ist ein sperriger und komplizierter Film, der selbst für hartgesottene Cineasten eine Zerreißprobe ist. Über drei Stunden bombardiert der Film sein Publikum mit schwarz-weißen Bildern, die trotz der ekligen Welt absolut faszinierend daherkommen. Die wahre Herausforderung liegt dabei nicht unbedingt in der unangenehmen Atmosphäre des Films, sondern vielmehr in seiner Handlungsebene. Es empfiehlt sich, vorher eine Zusammenfassung der Geschichte zu lesen, da man ihr während des Films nur schwer folgen kann. Die „Bedienungsanleitung“, die der deutschen Veröffentlichung in Form eines Booklets beiliegt, ist ein hervorragender Ausgangspunkt hierfür. Doch selbst wenn man die Handlung im Voraus kennt, verlangt „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ von seinem Zuschauer eine unglaublich hohe Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne.
 
 
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Geht man einen Schritt zurück, handelt es sich bei Germans Meisterwerk um einen russischen Science-Fiction-Film, der sich in der Tradition des frühen Andrei Tarkovsky verstehen dürfte. Sein mittelalterliches Setting nutzt er, um Grundfragen philosophischer, ethischer und politischer Natur zu stellen. Auf der Basisebene behandelt der Film den inneren Konflikt von Don Rumata, der zwischen Verantwortung und Mission hin- und hergerissen ist. Die Frage des vergötterten Führers, inwiefern er in die Entwicklung Arkanars und seiner Bevölkerung eingreifen soll, ist zeitlos und lässt sich ohne Mühe auf politische Diskussionen der Gegenwart beziehen.
 
 
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ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
„Es ist schwer, ein Gott zu sein“ ist ein Film, der mit Vorsicht genossen werden muss. Keineswegs ist er eine cineastische Mahlzeit für zwischendurch. Er ist ein höchst außergewöhnliches Kunstwerk, und das in jedem Belang. Dazu gehören die epische Geschichte seiner Produktion, sein kompliziertes Konstrukt aus ethischen Grundsatzfragen und nicht zuletzt auch seine beeindruckende Optik. Dem Gelegenheitsgucker sei Aleksei Germans Film nur bedingt empfohlen. Für Freunde von anspruchsvoller Science Fiction und gehobener Filmkost ist er jedoch ein Juwel, das unter keinen Umständen verpasst werden sollte.
 
 
 


 
 
 

ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN – Zensur

 
 
 
„Es ist schwer, ein Gott zu sein“ ist in seiner ungeschnittenen Form in Deutschland ab 16 freigegeben. Freunde ungewöhnlicher Filme können demnach bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Bildstörung

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Trudno byt bogom; Russland 2013

Genre: Drama, Science Fiction

Ton: Russisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.66:1 (1080p) | s/w | @24 Hz

Laufzeit: ca. 177 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover – Erstauflage im Schuber

Extras: Filmbegleitendes Gespräch mit Barbara Wurm und Olaf Möller (Deutsch), „Aleksei German“ – Interview von 1988 mit dem Regisseur (45:18 Min.), Dokumentarfilm „Jenseits der Kamera“ (51:59 Min.), Dokumentarfilm „Germans Blutdruck ist heute 122/85“ (42:41 Min.), Interview mit Drehbuchautorin und Witwe des Regisseurs Svetlana Karmalita (37:00 Min.), Interview mit Aleksei German Jr., Sohn des Regisseurs (9:35 Min.), „Die Geschichte des Arkanar-Massakers“ (Englisch mit dt. UT, 27:14 Min.), Kinotrailer zum Film (1:46 Min.), Bildergalerien, 40-seitiges Booklet

Release-Termin: 27.11.2015

 

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ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN – Trailer

 
 


 
 
 

Timo Löhndorf

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Ähnche Filme:
 
Es ist nicht leicht ein Gott zu sein (1989)
 
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Andrej Rublev (1966)