Filmkritik: „Sleepless Beauty – Gefangen im Albtraum“ (2020)

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SLEEPLESS BEAUTY – GEFANGEN IM ALBTRAUM

(YA NE SPLYU)

Story

 
 
 
Nach einem gescheiterten politischen Attentat wird die nichtsahnende, junge Mila entführt und wacht verängstigt in einem abgeriegelten Raum auf, in dem ihr Leben alsbald zum Alptraum mutiert.
 
 
 


 
 
 

SLEEPLESS BEAUTY – Kritik

 
 
Auf die Chance hin, hier eine internationale Außenseitermeinung einzunehmen: Meine Güte, was für ein verstörender, fieser, auswegsloser, alptraumhafter Streifen doch, meine Güte, was war ich mitgenommen. Und doch: Der vierte Langfilm des russischen Regisseurs Pavel Khvaleev ist kein wirklich „guter“ Film, kein clever geschriebenes, doppelbödiges, oder auch nur logisches Meisterwerk. Aber wenn er klappt, dann so richtig. Das durchaus gelungene Coverdesign der deutschen Blu-ray schmückt auch das Menü, in dem wir direkt russischen Synthiewave mit weiblichen Gesang lauschen, der inhaltlich wohl bereits über Hoffnungslosigkeit und Misstrauen reflektiert.
 
 
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In relativ schäbiger Qualität kriegen wir herangezoomtes Material einer feierlichen Museumseröffnung zu sehen, als plötzlich ein Schuss fällt und sich das Video als live im Darkweb gestreamt offenbart – im Chat herrscht Enttäuschung, da das Ziel des Attentats überlebt hat. Die beobachtende Kälte künstlicher Linsen wird in der ansprechend inszenierten Exposition nun fortgeführt, da mehrere Überwachungskameras unsere Protagonistin Mila, überzeugend gespielt von Polina Davydova, nun beim Kauf eines Fisches für ihren Vater, sowie der Ankunft in ihrem recht schäbigen Mietshaus, filmen. Sobald wir keinem Material diegetischer Kameras mehr folgen, setzt zum Glück auch moderner, stimmiger HD-Look mit behutsam kadrierten Aufnahmen ein, bevor Mila nach knappen 10 Minuten höchst effektiv ausgeknockt und entführt wird.
 
 
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Und wie in ideenlosen, eintönigen, niedrig budgetierten Genrefilmen fast schon üblich, wacht Mila nun in einem bunker/keller-ähnlichem Raum auf, aus dem sie so schnell nicht mehr herauskommt und in dem nun ein Großteil des Films spielen wird. Doch während das bei besagten innovationslosen Langweilern ein Grund zum baldigen Abschalten wäre, so weiß „Sleepless Beauty“ um die Limitierungen seiner Inszenierung und nutzt darum einen Clou, der sich deutlich vom Rest abhebt. Zuerst einmal tut es das grundsätzliche Level des Films schon, denn der Online-Livestream hat einen, soweit ich das nachvollziehen konnte, durchaus realistischen und nicht durchschaubar geschriebenen Chatbereich mit allerlei abfälligen bis schockierten oder gar gelangweilten Reaktionen, das Setting wird durch eine gruselige Raumatmo, regelmäßiges Piepen, Rauschen, Pochen und Flimmern audiovisuell bestens unterstützt, unsere Hauptdarstellerin scheint hilflos ausgeliefert, unschuldig und weder selber schuld, noch unsympathisch und die sadistischen Spiele, mit denen Mila u.a. gefoltert wird, sind üblicherweise rein psychischer, nicht physischer Natur.
 
 
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Wer also eine exploitativ halbnackte junge Frau leiden sehen wollte, die aufgeschnitten oder gar vergewaltigt wird, um sich zu rächen oder auch nicht, der wird hier enttäuscht werden. Doch diese oberflächliche Ebene der Verstörung und des ziellosen Horrors ist es nicht, die in diesem Film vorherrscht. Das Böse sitzt tiefer. Nach 19 Minuten Film und der Vorstellung der Grundprämisse beginnt das eigentliche Märtyrium und zeitgleich die Ermittlungsarbeit der Polizei, Letzteres geerdeter und realistischer, als Ersteres. Und dann, ein „Saw“ nicht unähnlich sadistisches Spiel später, geschieht es das erste Mal: Ich hab mich erschrocken, war schockiert, kurz panisch, habe pausiert und durchgeatmet. Geht es jetzt etwa derart höllisch und mich packend weiter? Noch nicht ganz – nach dem gelungenen Einstieg und Teaser der absoluten Hölle folgt nun die vermutlich schwächste, wenn auch kurze und immer noch solide Phase des Films, da nun weder in den – teils ganz kreativ geschriebenen – Demütigungen bzw. „Spielen“, die mit Mila getrieben werden, noch in der Ermittlungsarbeit im Mietshaus allzu viel passiert, oder nach vorne getrieben wird. Zudem muss zu diesem Zeitpunkt, nach Tagen der Folter und Entführung, mal festgehalten werden, dass der Titel des Films, „Sleepless Beauty“, imo darum total fehl am Platz ist, weil der Film selber die Idee der Schlafentzugs-Folter nie weiter aufgreift oder erklärt und Mila auch nach Tagen der Folter, des Stresses und des angeblichen nicht-Schlafen-Könnens unbewacht auf dem Boden rumliegt, aber es trotzdem schafft, die Augen offen zu halten?
 
 
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Aber gut, das Hinterfragen der Logik ihrer Situation bzw. der Details einiger Szenen schadet eher, was dafür keinesfalls schadet, das ist fast alles von nun an. Denn hat man die generischeren Szenen geschafft, die sich zwischen 20 Minuten Exposition und 10 Minuten marginal enttäuschendem Ende tummeln, so bleibt nur noch das Main Meat, die größte Stärke dieses russischen Brainfucks. Und ohne diese zu spoilen, kann ich nur preisgeben dass ich die Hölle gesehen habe, und das sie kein angenehmer Platz ist. Nein, diese übersexualisierte, fleischige Vision von endlosem Schmerz, dem Zyklus unentrinnbar riesiger, Dali bis Giger bis Clive Barker-esquer Architektur endlosen Leidens und Schmerzens, so drückend mit irrem Sounddesign und hallenden Schreien inszeniert, verwoben in diese äußerst greifend intensiv abgefuckt hoffnungslose Situation der Entführung und Folter, ist nichts anderes als mutig und gar innovativ. Noch in keinem Film habe ich, ohne dass das Genre leicht gewechselt wird oder es für sich steht, eine solche Sequenz mit einem solchen Gänsehaut-Faktor in einem Horrorfilm gesehen und seit etwa einem Jahr hab ich auch keinen Film mehr gesehen, der eine solch viszerale, physische „Fight or flight“-Reaktion getriggert hat.
 
 
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Guckt diesen Film alleine, guckt ihn im Originalton, guckt ihn auf großer Leinwand und mit Headset oder aufgedrehter Anlage – schafft man es, über die Genrekonventionen und ggf. aufkeimenden Logikprobleme hinwegzugucken, wird man hier mit einer Grenzerfahrung konfrontiert, die keine Splatter-FX oder typische Exploitation nötig hat, um druckvoll einen immerhin durchschnittlichen Plot auf ein ganz anderes Niveau zu heben, nur durch die Inszenierung.
 
 


 
 
 

SLEEPLESS BEAUTY – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Wie alltägliche Genrekost wirkender und anfangender Horrorfilm, der sich nach und nach als höllischer Alptraum entpuppt. Nicht ohne Logikfehler, aber sehr gut inszeniert und gespielt, mit kraftvollem Sounddesign, starkem Soundtrack, gekonnten Bildern und absolutem Verstörfaktor, wenn man für „sowas“ empfänglich ist. Unfassbar knapp noch 8/10.
 
 


 
 
 

SLEEPLESS BEAUTY – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Sleepless Beauty – Gefangen im Albtraum“ ist ungeschnitten und für Zuschauer ab 18 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

SLEEPLESS BEAUTY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) M-Square Pictures / daredo (Soulfood) (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ya ne splyu; Russland 2020

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Russisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 84 Minuten

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 28.05.2021

 

Sleepless Beauty – Gefangen im Albtraum [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SLEEPLESS BEAUTY – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei M-Square Pictures / daredo (Soulfood) )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Experiment Killing Room (2009)
 
Truth or Dare (2012)
 

Filmkritik: „A Night of Horror: Nightmare Radio“ (2019)

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A NIGHT OF HORROR: NIGHTMARE RADIO

Story

 
 
 

In einer Radiostation gehen schaurige Dinge vor sich, die einem Moderator Angst bereiten.

 
 
 


 
 
 

A NIGHT OF HORROR: NIGHTMARE RADIO – Kritik

 
 
 
Anthologie-Filme sind seit einigen Jahren richtige Verkaufsrenner. Darin werden meist mehrere Kurzgeschichten erzählt, die durch eine Rahmenhandlung miteinander verknüpft sind. Ein Prinzip, das vor allem seit den Erfolgen von so Episodenfilmen wie THE ABCS OF DEATH oder die V/H/S-Reihe lukrativ geworden ist. Leider haben Anthologie-Streifen ein großes Problem. Obwohl sie unter Horrorfans ziemlich beliebt sind, lassen sie sich in der Gesamtheit nur schwer bewerten. Das liegt in erster Linie am Qualitätsgehalt jeder Kurzgeschichte. Meist ist der unterschiedlich und es gesellen sich zu guten Gruselerzählungen auch gern mal richtige Rohrkrepierer. Das ist im Falle von A NIGHT OF HORROR – NIGHTMARE RADIO nicht anders. Hierbei gibt es Nachschub für Liebhaber schauriger Gruselhappen. Neun mal mehr, mal weniger unheimliche Segmente und zehn Regisseure wollen den Zuschauer um den Schlaf bringen. Da ist vermutlich für jeden etwas dabei – vor allem für jene, die es gern makaber mögen. Einige der Kurzfilme punkten nämlich mit zynischer Pointe. Die legendäre Erwachsenenausgabe der GESCHICHTEN AUS DER GRUFT lässt grüßen.
 
 
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In der Kürze liegt die Würze. A NIGHT OF HORROR – NIGHTMARE RADIO hat nichts mit der etwas ähnlich klingenden Anthologie A NIGHT OF HORROR – VOLUME 1 von 2015 am Hut. Bei letzterer handelte es sich um eine Sammlung von Kurzfilmen, die auf dem gleichnahmigen Filmfestival liefen. Das ist bei A NIGHT OF HORROR – NIGHTMARE RADIO nicht der Fall. In dieser eigenständigen Sammlung unheimlicher Kurzfilme leitet Moderator Rod eine Radiosendung, die Gänsehaut verursachen soll. Darin können Zuhörer anrufen und live am Telefon von gruseligen Erfahrungen berichten, die man mit der paranormalen Welt gemacht hat. Aber auch der Radioansager selbst ist ein richtiges Plappermaul. Der hat schon viel Mysteriöses erlebt aber auch gehört, das er natürlich seinem Publikum nicht vorenthalten möchte. Doch während all der Geschichtenerzählerei gehen plötzlich seltsame Dinge in der Radiostation vor sich. Ein verängstigtes Kind ruft immer wieder an und bittet um Hilfe. Ein Telefonstreich? Zumindest glaubt Rod anfangs noch daran. Da A NIGHT OF HORROR – NIGHTMARE RADIO immer noch im Horror-Genre verankert ist, dürfte schnell klar sein, dass die kleine Anruferin Gründe hat. Die offenbaren sich nach und nach und hinterlassen ein ungutes Bauchgefühl.
 
 
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Zehn Regisseure wollen erschrecken, schockieren und für wohliges Gruselvergnügen sorgen. Darunter in erster Linie unbekannte Filmemacher, die bisher durch Kurzfilme auf Festivals in Erscheinung getreten sind. Von dort haben sich die Macher von A NIGHT OF HORROR – NIGHTMARE RADIO auch das meiste Füllmaterial besorgt. Diverse Kurzfilme des vorliegenden Gruselkompendiums liefen bereits erfolgreich auf großen Filmfestivals – andere hingegen wurden bisher noch gar nicht veröffentlicht. Neu hingegen ist die Rahmenhandlung. Die hat man extra für A NIGHT OF HORROR – NIGHTMARE RADIO anfertigen lassen. Das hört sich zwar nach schneller Geldmacherei an, ist aber durchaus löblich. Viele Kurzfilme einschlägiger Horrorveranstaltungen verschwinden schnell in den Archiven. Während Langfilme irgendwann Videopremiere feiern, bleibt so eine Veröffentlichung vielen Kurzfilmen vorenthalten. Eine traurige Tatsache, die immerhin manch einer nicht hinnehmen möchte. So tut zum Beispiel das deutsche Label CONCORDE etwas dagegen. Unter dem Banner SHOCKING SHORTS werden jedes Jahr einige der besten Horrorkurzfilme auf Blu-ray und DVD gepresst. Für Anthologie-Fans ein Pflichtkauf.
 
 
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Der Pflichtkauf ist natürlich auch bei A NIGHT OF HORROR – NIGHTMARE RADIO vorprogrammiert. Darin sehen wir zynische Friseure, mordende Meerjungfrauen, diabolische Kreaturen, eigensinnige Bestrafungsmethoden und Kämpfe gegen innere Dämonen. Die Liste makabrer Erzählungen ist lang und abwechslungsreich, wobei aber gesagt werden muss, dass nicht jedes Segment auch überzeugen kann. So sehen wir gleich zu Beginn eine der gruseligsten und besten Geschichten der Sammlung. Die spielt irgendwann im späten 19. Jahrhunderts und berichtet von einem kleinen Mädchen, das mit einem der ersten Fotoapparate den Leichnam eines toten Kindes fotografieren soll. Hingegen weniger gelungen: Ein Segment in dem ein Kind der Spur einer clownähnlichen Kreatur folgt. Die lockt mit bunten Luftballons und stiert fies in die Kamera. Was folgt, ist eine Aneinanderreihung schauriger Kameraeinstellungen – ohne dass etwas Nennenswertes passiert. Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt.
 
 
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A NIGHT OF HORROR: NIGHTMARE RADIO – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Schauriges Gruselfutter mit Gänsehautpotenzial. A NIGHT OF HORROR – NIGHTMARE RADIO ist eine hochwertige Horror-Anthologie im Stile der V/H/S-Reihe und bietet neun Gruselgeschichten, die von zehn Regisseuren möglichst gruselig in Szene gesetzt wurden. Die meisten derer sind weniger bekannt. Nur die Onetti-Geschwister NICOLAS und LUCIANO dürften einigen Horrorfilmkennern von Begriff sein. Letztere haben mit WHAT THE WATERS LEFT BEHIND und FRANCESCA schon einiges an Horror-Material inszeniert, das es sogar nach Deutschland geschafft hat. Für die hier vorliegende Kurzgeschichtensammlung haben sie die Regie für die Rahmenhandlung übernommen und beweisen erneut ein gutes Gespür für Atmosphäre. Nach Giallo und Backwood-Horror nun Gruselkino. Steht den Brüdern ganz gut. Die bewirken mit wenigen Mitteln maximales Unbehagen. Dazu gehören gerade mal Farbspielereien und Farbfilter. Der Rest ist eine Symbiose aus Licht und Schatten. Was dabei entstanden ist, kann gern so auch als Langfilm fortgesetzt werden. Im Gegensatz zum bisherigen Schaffen der Onetti-Brüder ist die Zuarbeit für A NIGHT OF HORROR – NIGHTMARE RADIO eine beachtliche Steigerung. Am Rande: natürlich sind auch die anderen Segmente dieser Anthologie brauchbar. Ob makaber, gut getrickst, gehaltlos oder wirklich schaurig – das Angebot ist reichhaltig und besitzt all das, was man eben von einer gut durchmischten Horror-Anthologie erwartet. Wer daher ein Faible für diese Art von Filme besitzt, kommt an A NIGHT OF HORROR – NIGHTMARE RADIO nicht umher. Das ist gelungene Horror-Unterhaltung für ungemütliche Herbstabende. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
 
 
 


 
 
 

A NIGHT OF HORROR: NIGHTMARE RADIO – Zensur

 
 
 
A NIGHT OF HORROR – NIGHTMARE RADIO ist keine Splattergranate. Es gibt einige Gewalspitzen. Diese sind aber nur kurz. A NIGHT OF HORROR – NIGHTMARE RADIO hat hierzulande in der ungeschnittenen Fassung eine Erwachsenenfreigabe erhalten: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

A NIGHT OF HORROR: NIGHTMARE RADIO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) M-Square Pictures (KeepCase Blu-ray)

 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: A Night of Horror: Nightmare Radio; Argentinien | Großbritannien | Neuseeland 2019

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Englisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 25.09.2020

 

A Night Of Horror – Nightmare Radio [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

A NIGHT OF HORROR: NIGHTMARE RADIO – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Black Mandala | M-Square Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Stories Of The Dead – Die Farm (2019)
 
The ABCs of Death (2012)
 
Holidays (2016)
 
Tales of Halloween (2015)
 
V/H/S Viral (2014)
 
Southbound (2015)
 
Monsterland (2016)
 
P.O.E. Project of Evil (2012)
 
5 Senses of Fear (2013)
 

Filmkritik: „Compulsion – Abgründe der menschlichen Seele“ (2017)

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COMPULSION – ABGRÜNDE DER MENSCHLICHEN SEELE

(COMPULSIÓN)

Story

 
 
 

Eine Ehefrau findet heraus, dass der eigene Gatte ein brutales Doppelleben führt.

 
 
 


 
 
 

COMPULSION – Kritik

 
 
 
ÁLEX DE LA IGLESIA, JAUME BALAGUERÓ und PACO PLAZA – alles namhafte Größen im spanischen Horror-Genre, die wegen herausragendem Gruselfutter auch außerhalb der Landesgrenzen Fans gefunden haben und auch gern mal Filme drehen, die sich nicht zwingend an Konventionen modernen Horrorkinos orientieren. Zu jener Gruppe einflussreicher Filmemacher gesellt sich nun ein weiterer ambitionierter Regisseur dessen Karriere man unbedingt im Auge behalten sollte. Der Grund hierfür: COMPULSION – ABGRÜNDE DER MENSCHLICHEN SEELE. Mit seinem nicht zimperlichen Spielfilmdebüt hat ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ gleich mal ins Schwarze getroffen und einen Geheimtipp gedreht, der auf den wenigen Festivals gut ankam, auf denen er bisher gezeigt wurde. So lobten Publikum wie Kritiker den wortkargen Inszenierungsstil und die dadurch resultierende Hochspannung mit der es der spanischen Indie-Produktion gelingt den Zuschauer in den Bann zu ziehen. Das können wir von FILMCHECKER bestätigen. Viel gesprochen wird in COMPULSION [Originaltitel: COMPULSIÓN) freilich nicht. Der Thriller lebt von seinen ungemütlichen Bildern und von der Ungewissheit seiner Hauptdarstellerin. Die bleibt – übrigens wie der Zuschauer – lang im Ungewissen darüber, was in COMPULSION wirklich im Argen liegt. ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ dreht an der Spannungsschraube und steuert auf ein ungemütliches Finale zu, in dem mal wieder der Geschlechterkampf zum Thema gemacht wird. Der kürzlich hier besprochene HOUNDS OF LOVE lässt grüßen.
 
 
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Die Filmheldin (MARINA ESTEVE) von COMPULSION hat schon seit längerer Zeit Albträume. Die sind nicht unbegründet, quält schon seit Tagen ein Verdacht, der die Beziehung der Eheleute ins Wanken bringt. Gatte Robert (PACO MANZANEDO) ist nämlich verdächtig viel unterwegs, kommt meist spät von der Arbeit und führt des Öfteren geheimnisvolle Telefonate, die Misstrauen schüren. Ist hier etwa ein Ehebrecher am Werk? Um das herauszufinden wird die Liebste zur Privatdetektivin und stellt dem Mann nach. Recherchen führen zu einem abgelegenen Haus, in dem schlimme Dinge passieren. Offenbar frönt Robert perversen Neigungen von denen niemand wissen darf. Kein guter Tag für die besorgte Ehefrau. Die erlebt einen der schlimmsten Tage ihres Lebens und zweifelt bald daran ihren Gatten je gekannt zu haben.
 
 
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Das hier soll Low-Budget sein? Der gerade einmal in zehn Tagen gedrehte COMPULSION schaut für Indie-Verhältnisse bemerkenswert professionell aus und wurde von der Produktionsfirma SCHOCK FILMS produziert, die Regisseur ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ zusammen mit JOSÉ PASTOR gegründet hat. Der erste Spielfilm aus genannter Produktionsschmiede hält sich nicht lang mit Nebensächlichkeiten oder gar Hintergründe auf. Stattdessen wird der Zuschauer gleich ins Geschehen geworfen und direkt mit dem Holzhammer konfrontiert. Lang gefackelt wird nicht. Ungemütliche Stimmung und Schockwirkung wird über ungeschönte Bilder transportiert, die wegen Dialogarmut gern mal an alte Stummfilme erinnern und den Zuschauer schnell da treffen, wo es besonders wehtut. Doch der raue visuelle Einschlag kommt nicht von ungefähr. Schenkt man Informationen im Internet Glauben, zählen koreanische Thriller und klassische Terrorfilme zu den Haupteinflüssen der Arbeit des spanischen Regie-Newcomers. Letztere haben definitiv Spuren hinterlassen, erinnert COMPULSION – ABGRÜNDE DER MENSCHLICHEN SEELE doch gern mal an das harte Exploitation-Kino der 1970er, in dem es weder Tabus noch Grenzen gab. Filmemacher ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ hat scheinbar viele Vertreter genannten Subgenres studiert. Mit einfachen Mitteln bewirkt er schnell eine Atmosphäre schonungslosen Unbehagens und zeigt mit fiesen Gewaltakten, dass er die raue Sprache genannter Filmgattung tadellos beherrscht. COMPULSION fordert nicht nur Figuren im Film psychisch. Auch dem Zuschauer gehen bald die Geschehnisse durch Mark und Bein. Das ist aufgrund des überschaubaren Budgets eine Glanzleistung vor der man seinen Hut ziehen sollte. Deshalb darf man gespannt darauf sein, was der Spanier in Zukunft fabrizieren wird. Im Horrorgenre zumindest fühlt sich ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ offensichtlich wohl. Weitere Horrorstreifen sind nämlich schon in Planung. Ob die dann auch das Nervenkostüm des Zuschauers überstrapazieren werden? Man kann es nur hoffen.
 
 
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COMPULSION – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wenn der Gatte ein blutiges Doppelleben führt, wird es ultraspannend, kompromisslos und hart. COMPULSION – ABGRÜNDE DER MENSCHLICHEN SEELE ist ein kleines Horror-Juwel aus Spanien, der aus wenig viel macht. Mit überschaubaren Mitteln hat hier Regisseur ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ eine ungemütliche Geschichte verfilmt, die an schonungslose Exploitation-Kracher der 1970er erinnert. Trotz Spielfilmdebüt beweist der spanische Newcomer ein talentiertes Händchen für Spannungsbau und Schockwirkung. Grundvoraussetzung für Horror, der im Gedächtnis bleibt. COMPULSION ist ein Survival-Thriller, der vermutlich auch wegen seiner kurzen Laufzeit kaum Längen besitzt. Das Resultat kann sich sehen lassen. Der spanische Genre-Beitrag ist packend, hart und gut gespielt. Ob da jemand in die gleichen Fußstapfen treten wird, wie mach bekannter Filmemacher aus Frankreich? Einige derer haben in den 2000ern harte Terrorfilme gemacht und drehen seither erfolgreich Schocker für den amerikanischen Filmmarkt. Auch ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ besitzt gute Voraussetzungen, um bald mit mehr Geld krude Horrorfilme drehen zu können. Der nicht minder kontroverse COMPULSION ist zumindest schon mal ein überzeugender Anfang.
 
 
 


 
 
 

COMPULSION – Zensur

 
 
 
Die Gewaltmomente in CCOMPULSION – ABGRÜNDE DER MENSCHLICHEN SEELE sind verstörend. Dennoch wird häufig weggeblendet und man bekommt in späteren Einstellungen das Resultat der Gewaltausbrüche zu sehen. Höhepunkt ist zweifelsohne eine Szene in der ein Schwangerschaftstest in ein Auge gestochen wird. Hierzulande hat der gebotene Gewaltrausch für eine FSK16 ausgereicht. Die Veröffentlichung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

COMPULSION – Deutsche Blu-ray

 
 
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(c) M-Square Pictures | daredo (Soulfood)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Compulsión; Spanien 2017

Genre: Horror, Thriller, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 24.07.2020

 

Compulsion – Abgründe der menschlichen Seele [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

COMPULSION – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Schock Films | M-Square)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hounds of Love (2016)
 
A Good Marriage (2014)
 
Stepfather (2009)
 
The Stepfather (1987)
 
The Stepfather 2 (1989)
 

Filmkritik: „Radio Silence – Der Tod hört mit“ (2012)

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RADIO SILENCE

DER TOD HÖRT MIT

Story

 
 
 
Ein deutscher Genre-Film der es mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen kann? Gibt’s nicht? Gibt´s doch. Denn genau das ist „Radio Silence“ vom Regie-Duo Marco Riedl und Carsten Vauth. Die Story folgt dem Radiomoderator Dock Rock, der während seiner eigenen Live-Sendung von einem wahnsinnigen Serienkiller in ein perfides Katz- und Maus-Spiel verwickelt wird. Der Übeltäter nennt sich selbst „der Nachtschlitzer“ und droht damit eine unschuldige Frau zu töten, wenn Dock Rock ihn nicht während seiner Live-Sendung davon überzeugt von seinem Vorhaben abzulassen…

 
 
 


 
 
 

RADIO SILENCE – Kritik

 
 
 
Bei dieser knappen Inhaltsangabe sei es an dieser Stelle belassen, denn jedes weitere Wort könnte schon zu viel über die Handlung verraten. Der auf einem Kurzfilm basierende Horror-Thriller bemüht sich von Anfang an um internationales Flair. Die Optik orientiert sich überdeutlich an amerikanischen Vorbildern. Besonders David Finchers „Sieben“ oder James Wans „Saw“ standen für die optische Gestaltung der Geschehnisse Pate. Die Kamera fängt tolle Perspektiven ein und gibt sich auch sonst sehr dynamisch und variabel. Der Soundtrack ist ebenfalls toll komponiert und perfekt auf die Geschehnisse abgestimmt, die sich auf der Leinwand abspielen. Formal ist der Film also wirklich gelungen.
 
 
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Des Weiteren werden größtenteils amerikanische Namen für die Protagonisten verwendet (Dock Rock, Vince, Briggs, Betty etc. pp.) und beinahe alle Figuren durch bekannte Synchronsprecher besetzt. Der Einsatz ihrer markanten Stimmen und die Tatsache, dass dieser Film über weite Strecken noch einmal nachsynchronisiert wurde unterstreichen das internationale Flair noch einmal deutlich. Hier zeigt man dann auch erfreulichen Mut zum Risiko, denn einen Film fast ausschließlich mit Synchronsprechern (zu hören gibt es u.a. die deutschen Synchronstimmen von Robert Downey Jr., Jean Claude Van Damme, Brad Pit und Harrison Ford) zu besetzen, die hauptsächlich hinter den Kulissen einer Produktion zum Einsatz kommen ist schon beachtlich. Und, die Rechnung geht erstaunlich gut auf. Vor allen Dingen die beiden Protagonisten, der Schauspieler Martin Knüfken als Dock Rock und Synchronsprecher Charles Rettinghaus als irrer „Nachschlitzer“ machen ihre Sache erstaunlich gut. In Nebenrollen sind dann noch Wolfgang Pampel, Ronald Nitschke und eine Menge weitere bekannte Stimmen zu sehen bzw. zu hören. Und auch zu Beginn des Films nutzt man die Möglichkeiten der vorhandenen Synchronsprecher und bietet ein witziges „Zurück in die Zukunft“-Zitat in dem sich die Stimmen vom „Doc“ und „Marty“ in die Live-Sendung von Dock Rock einwählen.
 
 
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Aber auch abseits der Besetzung kann der Film Pluspunkte sammeln. Denn neben der gelungenen audio-visuellen Gestaltung, nimmt auch die Geschichte erstaunlich schnell an Fahrt auf und entwickelt sich schnurstracks zu einem unterhaltsam-bösen Psycho-Spielchen, das jede Menge falsche Fährten und doppelte Böden in petto hat, um den Zuschauer bis zum Finale nie das Interesse verlieren zu lassen. Klar, etwas überkonstruiert ist das ganz schon, vor allem im Finale, wenn sich in einem Mordstempo diverse „Twist´n Turns“ die Klinke in die Hand geben – dem Unterhaltungswert schadet es aber zu keiner Zeit. Und auch die Mischung aus perfidem Psycho-Thriller und Elementen, die eher in Richtung Slasher-Film gehen, funktionieren erstaunlich gut und greifen szenenweise beeindruckend stimmig ineinander. Etwas ruppig darf es dann auch noch zugehen, wobei der Film sich aber nie allzu grafisch im Umgang mit Gewalt zeigt. Die FSK 16-Freigabe für die ungekürzte Fassung geht in Ordnung.
 
 
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RADIO SILENCE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Insgesamt ist „Radio Silence“ ein gutes Beispiel dafür, dass mit dem Genre-Film aus Deutschland wieder zu rechnen ist. Dem Regie Duo Marco Riedl und Carsten Vauth ist es gelungen aus ihrem eigenen Kurzfilm einen kleinen, fiesen, sympathisch-bösen Horror-Thriller in Spielfilmlänge zu machen, der zwar etwas überkonstruiert daher kommt, über weite Strecken aber bestens funktioniert.
 
 
 


 
 
 

RADIO SILENCE – Zensur

 
 
 
Der Film wurde von der FSK bereits für Jugendliche freigegeben. Die hiesige Heimkinofassung ist bereits für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet und kommt ohne Zensuren aus. Wer beim Kauf von Horrorfilmen nur komplette Filme im Regal stehen haben mag, kann bedenkenlos zugreifen RADIO SILENCE ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

RADIO SILENCE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) M-Square Pictures / daredo (Soulfood)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: On Air; Deutschland / USA 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Making Of; Preview-Mini-Serie; Alternativer Anfang; Visuelle Effekte; entfernte Szenen; Outtakes; Interviews; Audiokommentar

Release-Termin: 27.02.2015

 

Radio Silence – Der Tod hört mit [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

RADIO SILENCE – Trailer

 
 


 
 

Sebastian

Die Rechte der für die Review verwendeten Bilder liegen bei M-Square Pictures/daredo (Soulfood)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Todesschrei per Telefon (1980)
 
Pontypool – Radio Zombie (2008)