Filmkritik: „D-Railed – Zugfahrt in die Hölle“ (2018)

d-railed-zugfahrt-in-die-hoelle-2018-poster
 
 
 

D-RAILED – ZUGFAHRT IN DIE HÖLLE

(D-RAILED)

Story

 
 
 

Eine Zugfahrt endet im Chaos und führt zum Tod. Der Grund: Ein Zugunfall und See-Monster.

 
 
 


 
 
 

D-RAILED – Kritik

 
 
In Zeiten, in denen Filme schon inflationär für verschiedenste Auswertungen produziert werden, ist es ganz schön schwer geworden, die Spreu vom Weizen zu trennen. Überall wird Stoff für ausgehungerte Horrorfilmfans benötigt. So dürstet es dem Fernsehen nach immer neuen Streifen, um seine Zuschauer versorgen zu können. Aber auch Streaming-Portale brauchen Inhalte, um Abonnenten zu ködern. Ganz nebenbei geht es dem Videomarkt nicht anders. Wird der nicht mit frischer Ware beliefert, verdient er keinen einzigen Cent. Die Nachfrage nach Horror ist dementsprechend groß. Da wird gern mal auf Qualität gepfiffen – gekauft wird es ja trotzdem. Eine traurige Entwicklung, wie mittlerweile jeder Horrorfilmliebhaber realisiert haben dürfte. Gute Schocker sind rar geworden. Stattdessen überfluten Billigproduktionen Händlerregale und Heimkinos, wegen denen so langsam die Lust am Genre vergeht. D-RAILED – ZUGFAHRT DES GRAUENS ist so ein Übeltäter. Bei dem ist bereits die Bewertung auf der IMDB Warnung genug. So ist schon dem Trailer das magere Budget anzusehen. Der fertige Film bestätigt die Vermutung. Ist hier etwa die für Trash-Horror berüchtigte Produktionsfirma THE ASYLUM am Werk? Wir geben Entwarnung. Die hat diesmal Sendepause. Qualitativ besser macht das D-RAILED aber nicht. Demzufolge ist dieser Gruselstreifen nur etwas für Hardcore-Low-Budget-Filmfans.
 
 
d-railed-zugfahrt-in-die-hoelle-2018-bild-4
 
 
D-RAILED – ZUGFAHRT DES GRAUENS erzählt die Geschichte eines ganz besonderen Abendschmauses. Daran nehmen gutzahlende Gäste teil, um im Stile der 1930er-Jahre an einem Krimi-Dinner teilzunehmen, das sich in einem fahrenden Zug abspielt. Die Stimmung ist ausgelassen und die Lok rollte los. Doch aus Spannung über das bevorstehende Spektakel wird bald unbändige Angst. Ein paar Kleinkriminelle haben sich unter die Schauspieler gemischt. Die wollen den Schmuck aller Anwesenden und erhoffen sich fette Beute. Doch Habgier bleibt ihnen im Halse stecken. Der Zug entgleist und landet im See. Dort warten auf die Verunglückten mysteriöse Fischmenschen (?), die großen Appetit haben.
 
 
d-railed-zugfahrt-in-die-hoelle-2018-bild-2
 
 
Dreiste Mogelpackung. Im Vorspann wird der Name eines Altstars eingeblendet. Kein geringerer als LANCE HENRIKSEN ist angeblich mit von der Partie und dürfte Horrorfilmfans kein Unbekannter sein. Den Amerikaner sah man schon in unzähligen Genre-Streifen. Einige davon genießen Kultstatus. Darunter: ALIENS und DAS HALLOWEEN MONSTER. Seit einigen Jahren geht es Henriksen langsamer an. Statt großer Blockbuster lässt er sich bevorzugt in B-Horrorfilmen oder Low-Budget-Ware blicken. Genau das tut er auch in D-RAILED und macht so indirekt Werbung für den Film. Was Zuschauer aber nicht wissen: Henriksen dient hier nur als Zugpferd, um Verkäufe anzukurbeln. Im Werk selbst ist er genau drei Minuten zu sehen. Eine enttäuschende Prämisse, die Fans des alternden Hollywood-Stars so gar nicht schmecken dürfte.
 
 
d-railed-zugfahrt-in-die-hoelle-2018-bild-3
 
 
Wenig erfreulich ist auch die Tatsache, dass D-RAILED dank des Kurzauftritts nicht besser wird. Der Film ist genau das, was man beim Einblenden des UNCORK’D-ENTERTAINMENT-Logos zu Beginn des Streifens erwartet. Das ist ein Vertrieb der Billig-Filme vertreibt, von denen nur die wenigsten was können. Genau das trifft auch auf die hier vorliegende Zugfahrt zu. Die beginnt mit einem Twist und entwickelt eine solide Dynamik, sodass mancherorts sogar so etwas wie ein Spannungsbogen entsteht. Leider ist nach dem Zugunglück damit Schluss. Das Fahrzeug stürzt ins Wasser, schlechte Bluescreen-Technik tut da ihr Übriges. Das Resultat: Schnee von gestern, denn ähnlich wie in FROM DUSK TILL DAWN wagt man auch hier einen riskanten Richtungswechsel. Schluss mit Geiselnahme und Ganoven. Was folgt, ist die Verwandlung zum Creature-Feature. Das passt nicht sonderlich gut zusammen und ist auch sonst eine äußerst lahme Nummer.
 
 
d-railed-zugfahrt-in-die-hoelle-2018-bild-1
 
 
Der Grund: Szenenabläufe wiederholen sich zu oft und die Überlebenden sind nicht unbedingt am Überleben interessiert. Wir sehen wie die wenigen Protagonisten von eigensinnigen See-Monstern attackiert und verspeist werden. Man muss sich zum Ufer vorkämpfen und verschanzt sich dort in einem Haus. Keiner der Charakter verhält sich rational, was in Kombination mit der nicht immer stimmigen, deutschen Synchronisation oftmals unfreiwillig komisch wirkt. So kommt, was man erwartet hat. D-RAILED wird der Vorahnung gerecht, die man bei Filmen aus dem Vertrieb von UNCORK’D ENTERTAINMENT eben grundsätzlich hat. Monster töten, töten, töten und Protagonisten schreien, schreien und sterben. Der Inbegriff purer Langeweile und Ideenlosigkeit, zumal sich Regisseur DALE FABRIGAR nicht einmal ansatzweise um Abwechslung bemüht. Das „Du-bist-der-Nächste“-Prinzip wird inflationär angewandt und nacheinander sterben alle Anwesenden. Ein schlussendlicher – aber zugegeben cleverer Twist – reißt da leider auch nichts mehr.
 
 


 
 
 

D-RAILED – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Low-Budget-Horror von der Stange, der ganz gut beginnt, aber nach 30 Minuten in die Belanglosigkeit abdriftet, weil er in die falsche Richtung abbiegt. Aus einem hitzigen Überfall in einem fahrenden Zug entwickelt sich auf einmal ein Creature-Feature. Die Idee ist skurril, aber an der Umsetzung hapert es. Beinahe mag man meinen die Drehbuchschreiberlinge hätten nach dem passablen Auftakt weder Lust noch Ideen gehabt, um die Geschichte zu Ende zu bringen. Das Ergebnis: Langweile, weil sich der Film ausschließlich mit dem unspektakulären Töten seiner wenig klugen Protagonisten beschäftigt. Die beginnen ziemlich schnell zu nerven, werden aber kurz und schmerzlos von See-Kreaturen umgebracht. Immerhin sind die Kreaturen-Effekte ganz okay. Besser wird – ZUGFAHRT DES GRAUENS aber dadurch nicht. Dazu fehlen dem Film einfach spannende Momente und frische Ideen.
 
 


 
 
 

D-RAILED – Zensur

 
 
 
D-RAILED – ZUGFAHRT IN DIE HÖLLE hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Diese Einstufung ist angemssen. Viel Gewalt gibt es nämlich nicht zu sehen. Diese begrenzen sich auf einen Kopfschuss, weitere Verletzungen durch Pistolenmunition und diverse Monsterangriffe, die aber kaum der Rede wert sind. Bei letzterem gibt es aber immerhin einen netten Spezialeffekt. Hier befindet sich ein Kopf im Schlund eines der Wesen. Dieser wird zerdrückt und die Augen quillen aus dem Schädel. Die deutsche Fassung ist übrigens ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

D-RAILED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
d-railed-zugfahrt-in-die-hoelle-2018-bluray

(c) White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: D-Railed; USA 2018

Genre: Horror, Thriller, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 26.06.2020

 

D-Railed – Zugfahrt in die Hölle [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

D-RAILED – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Grauen aus der Tiefe (1980)
 
Mosquito Man (2005)
 
Scarecrow (2013)
 
Leprechaun: Origins (2014)

Filmkritik: „Scars of Xavier“ (2017)

scars-of-Xavier-2017-poster
 
 
 

SCARS OF XAVIER

Story

Ein Serienmörder verursacht mit seinem brutalen Treiben in Prag Angst und Schrecken.

 
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Kritik

 
 
Horrorfilme aus Deutschland werden in der Regel nicht staatlich gefördert. Demzufolge gehen diese nur selten in Produktion und existieren demzufolge kaum. Doch es gibt immer mehr Filmemacher, die das nicht hinnehmen wollen. Die gehen Risiken ein und finanzieren Horrorfilme mittlerweile selbst. Vorbei die Zeiten von übler Amateur-Ware aus dem Hause OLAF ITTENBACH. Der deutsche Horrorfilm hat sich im Untergrund längst weiter in Richtung Professionalität entwickelt. Das Ergebnis: DER NACHTMAHR oder LUZ. Eine Reihe mutiger und vor allem ungewöhnlicher Genre-Filme aus Deutschland, die nun mit SCARS OF XAVIER erweitert wird. Letzterer ist deftig und verursacht in erster Linie Aufsehen durch Brutalität. In Anbetracht dessen, wer da auf dem Regiestuhl sitzt, ist das kein Wunder. Regisseur und Drehbuchautor KAI E. BOGATZKI ist kein unbeschriebenes Blatt in der deutschen Independent-Horrorfilm-Szene. Der war schon an Genre-Streifen wie BLOOD FEST und HI8: RESURRECTIO als Editor beteiligt. Die Konsequenz daraus: Endlich mal selbst einen eigenen Horrorschocker drehen. Nach einigen Kurzfilmen ist der nun erschienen. SCARS OF XAVIER schlug auf Festivals ein, wie eine Bombe und erhielt jede Menge Lob. Deshalb erschien er jüngst auf Blu-ray und DVD im limitierten Mediabook.
 
 
scars-of-Xavier-2017-bild-2
 
 
SCARS OF XAVIER beschreibt nicht unbedingt die inneren Narben, Gewissensbisse und Ängste, welche die Taten als Serienkiller rechtfertigen. Stattdessen handelt der Film vom Treiben eines Mannes, der seinen fehlgeleiteten Emotionen in Form von Morden Herr werden muss. Xavier nennt sich der Einzelgänger und kann in Rom gerade noch so der Polizei entkommen, die seinen schrecklichen Taten auf die Schliche kommen konnte. Nun wird ein neues Versteck benötigt. Das Goldene Prag scheint hierfür prädestiniert zu sein. Schnell hat Xavier eine Anstellung als Fahrzeugreiniger an einer Tankstelle gefunden. Von hier aus kann er seinen Hass auf Frauen ungestört weiter ausleben. Der mordet unbemerkt in Diskotheken oder lockt Frauen zu sich nach Hause, um sie dort zu zerstückeln. Da trifft unser Held in einem Lokal auf eine junge Kellnerin mit Problemen. Offenbar scheint die anders zu sein, als alle andere Frauen zuvor. Doch Horrorfilmkenner ahnen: Diese Liebe wird nicht von langer Dauer sein.
 
 
scars-of-Xavier-2017-bild-3
 
 
Man muss SCARS OF XAVIER durch die rosarote Indie-Brille betrachten. Das ist kein Film für jedermann, der sich mal soeben von etwas Horrorfilmunterhaltung berieseln lassen möchte. SCARS OF XAVIER ist schon harter Tobak, der sich durch das Zelebrieren von Gewalt Eindruck verschafft. Wir sehen, wie Filmfigur Xavier einen wahren Blutrausch durchlebt, in dessen Verlauf diverse Menschen das Leben lassen müssen. Da werden Kehlen durchgeschnitten, Körper zerteilt und Fleischwunden zugefügt. Die Spezialeffekte fallen für Indie-Horror beachtlich professionell aus. Der technisch hohe Standard bekräftigt die Vermutung, dass hier wohl Menschen am Werk waren, die schon länger mit Filmen zu tun haben. Ob Schnitt, Kamera oder Filmmusik – SCARS OF XAVIER beweist eindrucksvoll, dass Indie-Horror aus Deutschland schon lange die Grenzen sinnbefreiter Amateur-Ware überschritten hat.
 
 
scars-of-Xavier-2017-bild-1
 
 
So viel Lob dem Visuelle zuzuschreiben ist, so enttäuschender jedoch die Handlung selbst. SCARS OF XAVIER ist bei genauerer Betrachtung ein zweischneidiges Schwert. Das Drehbuch ist nämlich sein größter Feind. Regisseur und Drehbuchautor KAI E. BOGATZKI (übrigens ein sehr sympathischer Zeitgenosse) treibt seinen Antihelden von Mord zu Mord. Letztere laufen nach immer gleichem Schema ab – nur Todesarten und die Frauen selbst unterscheiden sich voneinander. Spannung kommt da natürlich nur selten auf, was auch daran liegt, dass Filmfigur Xavier unnahbar bleibt. In Rückblenden, die stets in Egoansicht zu sehen sind, erfährt der Zuschauer Ursachen für die Taten. So ist mal wieder die Mutter an allem Schuld, die ihren Jungen in Jugendtagen missbraucht, gedemütigt und schikaniert hat. Klischees, die nur oberflächlich angerissen werden. Der innere Kampf mit sich selbst und seiner Vergangenheit findet im Film nur selten Erwähnung. Stattdessen werden Ängste, Traumata und Emotionen in Blut ersäuft. Jeder Psychologe dürfte da nicht unbegründet die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Als ernst zu nehmendes Psychogramm eines Psychopathen, der durch eine vermasselte Kindheit zum Serienkiller geworden ist, taugt SCARS OF XAVIER daher nicht unbedingt.
 
 
scars-of-Xavier-2017-bild-4
 
 
Übrigens bewiesen alle Beteiligten des Films Herzblut und Engagement. So erklärte Xavier-Darsteller MARC ENGEL im Making-of, welches sich auf Blu-ray und DVD zu SCARS OF XAVIER finden lässt, dass er seinen Charakter so glaubhaft wie möglich erscheinen lassen wollte. Hierfür hungerte er sich auf 52 Kilo herunter. Damit machte er es Schauspieler CHRISTIAN BALE gleich. Letzterer nahm für seine Rolle in DER MASCHINIST knapp 30 Kilogramm ab. Dass Engel offenbar für Filme lebt und quasi alles dafür gibt, zeigt auch der Mut für Extreme. So nahm der deutsche Schauspieler für eine Szene einen Lötkolben in die Hand und fügte sich damit schmerzhafte Verbrennungen zu. Die im fertigen Film gezeigte Wunde ist daher echt. Krasser Shit.
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Kontroverses Serienkiller-Gemetzel aus deutschen Landen, das Indie-Horrorfilme aus Deutschland auch international interessant machen dürfte. Zwar hat das Drehbuch so einige Schwächen. Die Professionalität und der hohe technische Standard sind aber beachtlich. SCARS OF XAVIER tritt in die Fußstapfen von so Filmen wie MANIAC oder HENRY. Mit denen kann diese Produktion zweifelsohne mithalten.
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von SCARS OF XAVIER ist ungeschnitten, aber auch ungeprüft. Wegen fragwürdiger Szenen dürfte es der Streifen generell schwer haben überhaupt durch eine FSK-Prüfung zu gelangen. Wer den ungeschnitten Streifen haben möchte, muss daher genauer suchen. Online-Shops mit großem FSK18-Sortiment dürften SCARS OF XAVIER im Sortiment haben. Alternativ kann man den Film auch im Webshop der WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH kaufen.
 
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
scars-of-Xavier-mediabooks-ajpg

(c) Wicked Vision | Rawside Entertainment (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 222 Stück limitiert)

scars-of-Xavier-mediabooks-b

(c) Wicked Vision | Rawside Entertainment (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 222 Stück limitiert)

scars-of-Xavier-mediabook-c

(c) Wicked Vision | Rawside Entertainment (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 222 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Scars of Xavier; Deutschland | Tschechien 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Mike Blankenburg, Nummerierte Sammelkarte (Nur für die ersten 100 Vorbesteller im Wicked Shop), Deleted Scenes, Making-of, Interviews, Making-of Synchronisation, Teaser, Trailer, Musikvideo, Kurzfilm, Bildergalerie, Hauptfilm auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 07.04.2020

 
Nachdem SCARS OF XAVIER seine Weltpremiere auf dem US-Nightmares Film Festival im Jahr 2017 feiert, wurde er seither u. a. in den Niederlande auf DVD (ab 16) sowie in Norwegen als VOD (ab 15) veröffentlicht. Nun – im Jahr 2020 – hat es der Streifen auch auf den deutschen Markt geschafft. Das beliebte Label WICKED VISION hat SCARS OF XAVIER als Teil seiner Uncut Rawside Edition veröffentlicht. Diese ziert die Nummer fünf. SCARS OF XAVIER kann demzufolge in drei Mediabooks mit unterschiedlichem Cover gekauft werden. Jedes Mediabook ist streng limitiert auf 222 Stück. In jedem Mediabook ist eine DVD und eine Blu-ray zum Film enthalten.
 

wicked-vision-shop

Unterstützt WICKED VISION und kauft hochwertige Sammlerveröffentlichungen im WICKED Shop zu Top Preisen!

 

Scars of Xavier [Mediabook – Cover A] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Scars of Xavier [Mediabook – Cover B] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Scars of Xavier [Mediabook – Cover C] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH | Rawside Entertainment)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
H6 – Tagebuch eines Serienkillers (2005)
 
Maniac (1980)
 
Enter the Dangerous Mind (2013)
 
Alexandre Ajas Maniac (2012)
 
Simon Killer (2012)
 

Filmkritik: „Two Heads Creek“ (2019)

two-heads-creek-2019-poster
 
 
 

TWO HEADS CREEK

Story

 
 
 

Bissige Sprüche und viel schwarzer Humor made in Großbritannien: Zwei Geschwister verschlägt es bei der Suche nach der leiblichen Mutter von England nach Australien, wo die Einwohner eines kleinen Dorfes unappetitliche Leidenschaften pflegen.

 
 
 


 
 
 

TWO HEADS CREEK – Kritik

 
 
 
Verschiedene Länder – aber dieselbe Sprache. Der Horrorfilm ist ein Genre mit Geschichten, die man fast überall auf dem Globus kennt, weil sie immer nach gleichem Erfolgsmodell abgespult werden. Hierbei besonders beliebt: der Backwood-Slasher. Meist wird da von Menschen abseits der Zivilisation berichtet, die auf dem Land nach ganz eigenen blutigen Regeln leben und gern mal fern des Gesetzes handeln. Da wird getötet, gefoltert und gedemütigt. Regeln, denen Filmemacher akribisch folgen – egal in welchem Land sich die Geschehnisse auch abspielen mögen. Da gab es Landeier im britischen INBRED, die mit Stadtmenschen kurzen Prozess veranstaltet haben. Aber auch im katalanischen SANT MARTÍ verstand man mit Durchreisenden im spanischen Hinterland so gar keinen Spaß. Letztere wurden von Einheimischen gejagt und anschließend verspeist. Ein Schicksal, das auch einigen Dokumentarfilmern im argentinischen WHAT THE WATERS LEFT BEHIND nicht vorenthalten blieb. Die wollten nur einen Film über eine verlassene Geisterstadt drehen und liefen dabei unfreiwillig in die Arme einer ominösen Menschenfresser-Sippe, die aus den Filmleuten ein leckeres Süppchen kochte.
 
 
two-heads-creek-2019-bild-4
 
 
Die Horrorkomödie TWO HEADS CREEK macht da nichts anderes. Der Streifen entführt den Zuschauer diesmal nach Australien, wo in der Provinz natürlich auch wieder seltsame Eigenbrötler hausen, die ohne Furcht und Tadel Dinge veranstaltet, über die zivilisierte Menschen nicht einmal ansatzweise nachdenken würden. Genau diese Erfahrung müssen auch die Geschwister Annabelle und Norman machen. Die leben in einer britischen Kleinstadt und haben es statt von den Einheimischen wegen ihrer polnischen Herkunft schikaniert zu werden. Doch das Leben hat bald einen neuen Sinn. Die Mutter stirbt ganz plötzlich und der Nachwuchs bekommt davon Wind, dass er eigentlich adoptiert wurde. So werden aus Polen auf einmal Australier, weil der leibliche Vormund im Land der Kängurus verweilt. Ein Grund Koffer zu packen und nach der leiblichen Familie zu suchen. Kaum angekommen, ist die Freude nicht sonderlich groß. Man landet in einem rückständigen Kaff am Hinter der Welt. Hier ist man auf Ausländer gar nicht gut zu sprechen, was unsere Helden in Teufels Küche bringt. Das macht die Suche nach den Eltern kompliziert, denn der Besuch im australischen Hinterland entwickelt sich auf einmal zum Überlebenskampf.
 
 
two-heads-creek-2019-bild-3
 
 
Rabenschwarzer Spaß-Horror mit mehr dahinter. TWO HEADS CREEK nimmt das Stereotyp des trinkfesten, fleischfutternden, ländlichen Australiers auf die Schippe, der vor allem durch Fremdenfeindlichkeit auffällig wird. Letzteres ist Hauptthema des Films, denn wie sich im Verlauf herausstellen wird, ist in diesem Kaff Endstation für jene, die gern einen Neuanfang auf dem fünften Kontinent beginnen möchten. Statt neuem Leben wartet der Tod auf Immigranten. Die werden kurzerhand zu Wurst verarbeitet. Für die Regierung ist so das Problem der Einwanderung gelöst. Das wird in dieser Horrorkomödie freilich überspitzt dargestellt und mit typisch britischem Humor verfeinert. Dennoch sind gesellschaftskritische Töne unüberhörbar.
 
 
two-heads-creek-2019-bild-1
 
 
Als „respektlose, verrückte und skurrile Horrorkomödie, die mehr Komödie ist als Horror“ beschreibt Regisseur JESSE O’BRIEN den zweiten Spielfilm. Schaut man genauer hin, hat er damit gar nicht so Unrecht. TWO HEADS CREEK nimmt kein Blatt vor dem Mund, teilt gehörig gegen alles und jeden aus und hat damit auch noch den Zuschauer auf seiner Seite. Der Wortwitz ist grandios, die Pointen messerscharf. Viele bissige Kommentare treiben konservativen Filmfans die Schamröte ins Gesicht. So viel political incorrectness hat man seit der Erfolgsserie LITTLE BRITAIN schon lange nicht mehr im Heimkino erlebt.
 
 
two-heads-creek-2019-bild-2
 
 
Doch neben vielen gesellschaftskritischen Späßen fernab des guten Geschmacks wird natürlich auch Horrorfans was geboten. Das Finale macht dem Horror-Genre alle Ehre. Da mutiert die bitterböse Satire zum regelrechten Splatterfest. Gliedmaßen werden abgetrennt und Köpfe rollen. Zwar fließt viel Blut und geschrien wird reichlich – der Härtegrad hält sich aber wegen der selbstironischen Machart in Grenzen. Das tut dem Unterhaltungswert aber keinen Abbruch. So bleiben viele der schrägen Charaktere im Gedächtnis. Diese entpuppen sich als Karikaturen der teils abgehängten Landbevölkerung Australiens, die schon längst den Glauben in die Politik verloren haben und jegliche Veränderung scheuen. Wachrüttelnder Unsinn, der spätestens nach dem Abspann einen Beigeschmack hinterlässt. Wenn Lacher verhallen und das Kopfkino läuft, dürfte schnell einleuchten, dass TWO HEADS CREEK nicht nur Schabernack war. Die Grundaussage des Films ist nämlich bitter. So wird schon lange nicht mehr nur in Australien gegen Immigration gewettert. Die Angst vor dem Fremden ist mittlerweile in beinahe jedem Land der Welt angekommen. Wir in Deutschland bilden da keine Ausnahme – wie die Flüchtlingshetze der letzten Jahre gezeigt hat.
 
 


 
 
 

TWO HEADS CREEK – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Respektlos, schwarzhumorig – aber dennoch grundehrlich. TWO HEADS CREEK ist eine mit Splatter gefüllte Satire auf das australische Hinterland, die vielen modernen Staaten den Spiegel vorzeigt. Zwar spielt hier alles im Land der Kängurus. Die Geschehnisse könnten sich aber genauso in Deutschland, Amerika, Polen oder Ungarn zutragen. Es geht um Immigration und wie Menschen damit umgehen. Ein brisantes Thema, das im Falle von TWO HEADS CREEK satirisch verpackt wird. Dennoch dürfte vielen Zuschauern das Lachen im Halse stecken bleiben, wenn die Filmbrille abgenommen wird und man aus der Kinowelt auftaucht, um zurück in die Realität zu finden. Letztere kann bitter sein.
 
 
 


 
 
 

TWO HEADS CREEK – Zensur

 
 
 
Die zweite Hälfte von TWO HEADS CREEK hat einige blutige Splatter-Späße zu bieten. Da wird viel Rot gezeigt. Dennoch wird die Gewalt derart überzeugen zelebriert, dass eine ungeschnittene FSK16 nicht undenkbar wäre.
 
 
 


 
 
 

TWO HEADS CREEK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Two Heads Creek Holdings Pty Ltd)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tucker and Dale vs Evil (2010)
 
100 Bloody Acres (2012)
 
2001 Maniacs (2005)
 

Filmkritik: „The Jack In The Box“ (2019)

the-jack-in-the-box-2019-poster
 
 
 

THE JACK IN THE BOX

Story

 
 
 

Spieluhr des Grauens. In einem Spielzeug haust ein boshafter Dämon, der mal wieder der Menschheit nichts Gutes will.

 
 
 


 
 
 

THE JACK IN THE BOX – Kritik

 
 
 
Es gibt Filmemacher, die wiederholen eigene Erfolgsrezepte wieder und wieder. Da hat man mit einem Film gut Kasse gemacht und flink inszeniert man einen weiteren Streifen nach ähnlichem Aufbau. Der Brite LAWRENCE FOWLER scheint so ein Kandidat zu sein. 2018 mutete er den Zuschauern mit CONJURING OF THE WITCH’S DOLL so einiges zu. Darin wurde von einer lebensgroßen Puppe berichtet, die ein schauriges Eigenleben führte. Das Ergebnis: Puppen-Horror für den Videomarkt auf Amateur-Niveau ohne nennenswerte Höhepunkte, der dazu auch noch stinklangweilig war. Der Filmtrailer und die Bewertung auf IMDB sprechen natürlich Bände. Demzufolge mutet es schon beinahe fahrlässig an, dass der Filmemacher sein ermüdendes Gruselprinzip gleich noch mal für seinen Folgefilm anwendet. THE JACK IN THE BOX nennt sich das Ganze und ist bei genauerer Betrachtung eine Kopie des Vorgängers mit dem Unterschied, dass die Puppe gegen eine Spieldose ausgetauscht wurde. Da fragt man sich berechtigterweise, warum der liebe Herrgott nicht Erbarmen mit allen Horrorfilm-Fans gehabt hat. Doch wir sind zur Stelle und übernehmen die Rolle der Geschmackspolizei zum Schutze aller Genre-Liebhaber.
 
 
the-jack-in-the-box-2019-bild-1
 
 
Eine mysteriöse Spieluhr bringt nur Unglück. Deshalb landet sie um Zuge einer Haushaltsauflösung in einem Museum, wo neben alter Militärausrüstung auch antikes Spielzeug ausgestellt wird. Für den engagierten Museumsangestellten Casey eine phänomenale Entdeckung. Der ist für das seltene Fundstück gleich Feuer und Flamme und versucht mehr über die Box herauszufinden. Doch wie es im Horrorfilm nun mal so ist, entpuppen sich geheimnisvolle Gegenstände oft als unglücksbringende Grußbotschaften direkt aus der Hölle. Genau von dort kommt jene Spieluhr, um die sich die Geschehnisse in THE JACK IN THE BOX drehen. Im Inneren versteckt sich nämlich ein als Clown getarnter Dämon, der Jagd auf ahnungslose Menschen macht. Der will sich sechs menschliche Seelen krallen und dabei gleichzeitig Chaos stiften. Doch Antiquitäten-Liebhaber Casey kommt den Fiesling auf die Schliche. Der tut alles daran, dem Bösen das Handwerk zu legen und riskiert dabei Kopf und Kragen.
 
 
the-jack-in-the-box-2019-bild-3
 
 
Passt irgendwie nicht mehr in die heutige Zeit. Der britische THE JACK IN THE BOX ist einer dieser Filme, der zu Videotheken-Zeiten ganz gut gelaufen wäre. Er erinnert an die günstigen Produktionen aus der Mache von Produzent und Regisseur CHARLES BAND, der sich Ende der 1980er und während der 1990er mit der Herstellung von B-Filmen ein goldenes Näschen verdiente. Davon genießen heute sogar einige Kultstatus. Darunter trashiger Puppen-Spaß wie PUPPET MASTER, DEMONIC TOYS oder GHOULIES, über die heutige Horrorfilm-Fans wohl eher lachen, statt sich davor zu fürchten. Genau dieses Schicksal dürfte auch THE JACK IN THE BOX ereilen, der sich zu ernst nimmt und mit allen Mitteln dagegen sträubt, nicht in die Trash-Schublade gesteckt zu werden. Da wird vehement auf möglichst schaurige Ausleuchtung geachtet, das Schauspiel bewegt sich auf ordentlichem Niveau und auch bei der akustischen Untermalung lässt THE JACK IN THE BOX nicht darauf schließen, dass hier wohl alles zum Spartarif inszeniert werden musste.
 
 
the-jack-in-the-box-2019-bild-5
 
 
Was THE JACK IN THE BOX aber albern erscheinen lässt und somit zwangsläufig zum Trash-Blödsinn deklariert ist die Tatsache, dass starr dreinschauende Clown-Puppen und Statisten, die sich in Ganzkörper-Monsterkostüme quetschen, im Jahr 2020 nicht mehr gruselig sind. Mit diesen Taschenspielertricks versucht THE JACK IN THE BOX Albträume zu bescheren. Wir sehen, wie die Figur einer Spieluhr ab und an unbemerkt ihren steifen Holzkopf bewegt. Wow, spooky. Nähert sich ein Opfer zu offensiv der Spielbox, krabbelt ein schmächtiger Clown-Dämon aus seinem Versteck und macht mit der Beute kurzen Prozess. Blutig wird es nur selten. Die Kamera blendet schnell weg, wenn es für die Gewaltfraktion endlich mal interessant wird. Spätestens jetzt macht sich das fehlende Budget bemerkbar.
 
 
the-jack-in-the-box-2019-bild-7
 
 
Regisseur LAWRENCE FOWLER eifert nach. Der war wohl vom Erfolg des Low-Budget-Splatters TERRIFIER so entzückt, dass er schnell selbst Clown-Horror fürs Heimkino geschrieben und inszeniert hat. Zwar ist hier alles wie in den 1980ern Handarbeit, aber wirklich herausragend ist THE JACK IN THE BOX zu keiner Minute. Was gezeigt wird, befindet sich trick- und handlungstechnisch auf ähnlichem Level wie jüngste Puppen-Schnarcher. Darunter zählen Filme mit wohlklingenden Vornamen wie ROBERT oder ANNA genauso wie die Schlaftablette DOLLS – SCHAU HIN ODER STIRB. Alles schnell und lieblos abgedrehte Low-Budget-Gurken, die immer nach ähnlichem Konzept aufgebaut wurden. Da laufen keine Puppen à la CHUCKY durchs Bild. Statt bemerkenswerte Animatronik, liebenswertes Stop-Motion oder gar professionelles CGI einzusetzen, bringt man den Zuschauer mit dilettantischen Effekten zum Gähnen. Da machen es sich Puppen auf Schaukelstühlen gemütlich, um anschließend ihre Pupillen hektisch hin- und her zu bewegen. Oder man sieht Leichen am Boden liegen, neben denen die starrblickenden Spielkameraden bewegungslos sitzen. Mit so belangloser Tricktechnik lockt man selbst Zehnjährige nicht hinterm Ofen hervor. Für Puppen-Horror der im Gedächtnis haften soll, braucht man mittlerweile mehr als nur bunt angemaltes Holz.
 
 
the-jack-in-the-box-2019-bild-4
 
 


 
 
 

THE JACK IN THE BOX – Fazit

 
 
4 Punkte Final
 
 
Puppen-Horror meets Clown-Terror. Klingt eigentlich nach vielversprechender Genre-Unterhaltung. Ist es aber nicht wirklich. Nach den erfolgreichen Neuverfilmungen von ES und CHILD’S PLAY war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf den Trichter kam, die Rezepturen beider Kassenhits irgendwie in einem Film zu verwursteln. Das Ergebnis ist Low-Budget-Quatsch ohne Überraschungen. Simple Prämisse, simple Ausführung. In einer Spieluhr haust ein Dämon. Die Verläufe sind wenig originell. Ein paar Protagonisten sterben, bis jemand dahinter kommt, dass das Spielzeug für das Sterben verantwortlich ist. Nun gilt es den Übeltäter aufzuhalten. Mit genau gleicher Handlung vertreiben sich gefühlt mehrere zehntausend B-Horror-Schnarcher die Zeit. Weil sich die Spezialeffekte außerdem auf Trash-Niveau bewegen und oftmals unfreiwillig komisch wirken, dürfte THE JACK IN THE BOX zum heiß ersehnten Kandidaten für eine Ausstrahlung auf SchleFaZ werden lassen.
 
 
 


 
 
 

THE JACK IN THE BOX – Zensur

 
 
 
THE JACK IN THE BOX hat kaum Gewalt zu bieten. Ein Kehlenschnitt gibt es zu sehen. Der Rest besteht eher aus Gruselmomenten. Meist blendet die Kamera weg, wenn Gewalt passiert. Daher dürfte THE JACK IN THE BOX problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE JACK IN THE BOX – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von 4Digital Media | Up A Notch Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gremlin
 
Robert – Die Puppe des Teufels (2015)
 
Robert 2 – Die Rückkehr der Teufelspuppe (2016)
 
Amityville – Das Böse stirbt nie (1996)
 

Filmkritik: „We Summon the Darkness“ (2019)

we-summon-the-darkness-2019-poster
 
 
 

WE SUMMON THE DARKNESS

Story

 
 
 

Nach einem Heavy Metal Konzert kommen sechs junge Leute sprichwörtlich in Teufels Küche.

 
 
 


 
 
 

WE SUMMON THE DARKNESS – Kritik

 
 
 
Wenn Schauspieler Teenager verkörpern, die schon jenseits der 30 sind und laute Gitarrenmusik aus den Lautsprecher dröhnt, die manch Feingeist die Haare zu Berge stehen lässt, wissen Horrorfilmfans: die 1980er sind zurück. Mittlerweile dürfte jeder Genre-Fan erkannt haben, dass kein Jahrzehnt das Genre so geprägt hat, wie die Ära der Videotheken, der „Neuen Deutschen Welle“ und des Commodore 64. Da waren nicht nur Zombies, Kannibalen und Horrorfilm-Fortsetzungen en vogue. Auch schrille Rockgesänge und düsterer Heavy Metal wurden nicht selten dazu verwendet, um die Gruseltrips jener Zeit akustisch zu unterstreichen. Horror und Gitarrenmusik – eine Kombination, die ganz willkürlich miteinander verknüpft wurde, weil man laute Rockmusik gern mal mit dem Gesang des Teufels gleichsetzte, der die Jugend verderben wollte, was natürlich auch für den Horrorfilm galt. Eine Tatsache, die die Grundlage für den folgenden WE SUMMON THE DARKNESS bildet. Der geht auf das Konto von Regisseur MARC MEYERS, welcher schon mit MY FRIEND DAHMER Aufmerksamkeit erhielt, in welchem er die Jugendtage von Serienkiller JEFFREY DAHMER analysierte. Dessen Filmadaption einer Graphic Novel von JOHN BACKDERF erhielt auf Festivals viel Zuspruch. Daher interessant zu erfahren, ob der zweite Ausflug ins Genre von gleichbleibender Qualität ist.
 
 
we-summon-the-darkness-2019-bild-1
 
 
Amerika im Jahr 1988. Drei Freundinnen machen sich auf dem Weg zu einem Heavy Metal Konzert und nehmen Warnungen nicht ernst, die aus dem Radio schallen. Darin wird von Morden berichtet, die auf das Konto einer satanistischen Sekte gehen, welche in der Gegend ihr Unwesen treibt. Für die drei jungen Frauen halb so wild. Die sind mit ihren Gedanken ganz woanders und lernen auf dem Musikevent drei Halbstarke im gleichen Alter kennen, die sie zu einer privaten After-Show-Party zu sich nach Hause einladen. Doch die Sause nimmt sonderbare Wendungen. Da verläuft plötzlich alles ganz anders, als erwartet und die jungen Leute waten im Blut. Sind hier etwa satanistische Mächte im Spiel, die den Musikfans nach dem Leben trachten wollen? Wir verraten an dieser Stelle nichts.
 
 
we-summon-the-darkness-2019-bild-2
 
 
Das ist auch besser so, denn WE SUMMON THE DARKNESS lebt vom Überraschungseffekt. Der Thriller nimmt das Wort „Twist“ besonders ernst. Davon gibt es im Film jede Menge. So ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Regisseur MARC MEYERS scheint Gefallen daran zu finden, den Zuschauer auf falsche Fährten zu schicken. Immer, wenn man meint den richtigen Weg gefunden zu haben, mischt der Regisseur die Karten neu und treibt die Handlung damit ins Absurdem. So wird Spannung mit fiesen Wendungen bewirkt, die im Zehn-Minuten-Takt über die Mattscheibe flimmern und sich beinahe versuchen selbst zu übertreffen. Eine raffinierte Taktik, um den Zuschauer vor der Glotze halten. Letzterer will wissen, wohin die Geschehnisse des bissigen Thrillers führen werden und dürfte sichtlich Spaß daran haben, wie WE SUMMON THE DARKNESS mit reichlich Zynismus versucht, das konservative Amerika auf die Schippe zu nehmen.
 
 
we-summon-the-darkness-2019-bild-3
 
 
So galt Heavy Metal während der 1980er in vielen ländlichen Teilen der Vereinigten Staaten als Teufelsmusik. Um die Jugend zu schützen, machten sich viele selbst ernannte Moralapostel und konservative Geistliche auf, um mit teils absurden Protesten gegen diese Musikrichtung zu wettern. Für Regisseur MARC MEYERS Grund genug, sich die von Vorurteilen geprägten ländliche Areale Amerikas vorzuknöpfen, wo im Namen Gottes selbst heute noch die krudesten Verschwörungstheorien gerechtfertigt werden. Aus der brisanten Thematik ist ein rabenschwarzer Horrorthriller geworden, der sich als solider Genre-Mix entpuppt. Was hier anfängt, wie jeder beliebige Teenager-Horror bedient sich bald Home-Invasion-Rezepturen genauso, wie Slasher-Regeln und Okkult-Horror-Klischees. Unterhaltsam ist der wilde Ritt ganz ordentlich, was vor allem an der undurchsichtigen Geschichte liegt, deren Ausgang man nicht kommen sieht. Dass WE SUMMON THE DARKNESS auch noch von guten Schauspielern getragen wird, ist für diesen Horrorspaß ein Glücksgriff. Hier sticht vor allem ALEXANDRA DADDARIO hervor, die schon in Genre-Werken wie WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE, BEREAVEMENT und TEXAS CHAINSAW 3D beweisen konnte, dass sie sich gut durchs Horrorfilmgeschäft schreien kann. Die durchlebt im Film eine unerwartete Metamorphose und verhilft WE SUMMON THE DARKNESS so über den Durchschnitt. Für Genre-Fans ist dieser Horrorfilm daher ganz brauchbar – zumal es in einer Nebenrolle sogar noch ein Wiedersehen mit Jackass-Star JOHNNY KNOXVILLE gibt.
 
 
we-summon-the-darkness-2019-bild-4
 
 


 
 
 

WE SUMMON THE DARKNESS – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Horror-Reminiszenz an die schrillen 1980er. WE SUMMON THE DARKNESS ist ein wilder Ritt vollgepackt mit rabenschwarzen Wendungen. Hier ist nichts, wie es zu Beginn scheint, was für diesen Horrorthriller von Vorteil ist. Wo andere Filmemacher auf eine sichere Bank setzen und einfach Geschehnisse abspielen, wie man sie schon in unzähligen Horrorfilmen gesehen hat, versucht MARC MEYERS Erwartungshaltungen des Zuschauers erst gar nicht zu erfüllen. Man braucht im Falle von WE SUMMON THE DARKNESS auf keine vertrauten Abläufe hoffen. Hier kommt alles anders. Dass sich der Streifen zu keiner Minuten bierernst nimmt und sich mit zynischen Dialogen und bösen Späßen die Zeit vertreibt, dürfte vor allem bei Liebhabern sarkastischer Horrorware gut ankommen.
 
 
 


 
 
 

WE SUMMON THE DARKNESS – Zensur

 
 
 
WE SUMMON THE DARKNESS hat einige kurze Gewaltszenen zu bieten, die aber teils derart zynisch über die Mattscheibe flimmern, dass sich ein humoristischer Unterton nicht von der Hand weisen lässt. Hierzulande steht die FSK-Prüfung noch aus. Man darf aber von eienr FSK16 ausgehen. Der Film wird im August 2020 durch SPLENDID FILM nach Deutschland gebracht.
 
 
 


 
 
 

WE SUMMON THE DARKNESS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Satanic Panic (2019)
 
Der Hexenclub (1996)
 
Der letzte Exorzismus (2010)
 

Filmkritik: „You Die: Get the App, Then Die“ (2018)

you-die-get-the-app-then-die-2018-poster
 
 
 

YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE

Story

 
 
 

Die eigentlich lebensfrohe Asia verfällt in Panik, als sie mitbekommt, dass jemand eine mysteriöse App auf ihr Telefon gespielt hat, die den baldigen Tod bringen wird.

 
 
 


 
 
 

YOU DIE – Kritik

 
 
 
Neue Technologien verlangen neue Horrorfilme. Eine derer nennt sich Smartphone und gehört mittlerweile zum festen Bestandteil des Alltags. Kaum eine Minute vergeht, ohne das man nicht einen Blick aufs Mobiltelefon wirft. Da werden Nachrichten gelesen, in Dating-Apps gestöbert oder sinnfreie Youtube-Videos geschaut – der unverzichtbare Begleiter bietet Kurzweil ohne Grenzen. Doch je einfacher Handyanwendungen in der Handhabe auch werden, umso leichtsinniger wird man mit deren Umgang. Da werden bedenkenlos Spiele und Programme aus App-Stores geladen ohne dabei Konsequenzen zu bedenken. Viele derer beinhalten Viren oder Schadprogramme. Einmal auf dem Handy ist der Ärger groß. Unseriöse Programmierer sind nämlich auf persönliche Daten aus. Die versuchen durch eigentlich witzige Erweiterungen an Kreditkartendaten oder Bankkonten von Nutzern installierter Apps zu kommen. Eine Tatsache, die die Heldin des folgenden Films wohl lieber in Kauf genommen hätte, als das, was ihr durch Leichtsinn in YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE passiert.
 
 
you-die-get-the-app-then-die-2018-bild-1
 
 
Asia heißt die Gute und wollte sich eigentlich nur mit zwei Freunden einen netten Filmabend machen. Doch eine seltsame Begegnung im Supermarkt um die Ecke wirft schaurige Schatten voraus. Dort wird sie nämlich von einem Fremden angesprochen, der um das Telefon bittet, weil er einer Bekannten eine SMS schreiben möchte. Eine Entscheidung, die unserer Heldin zum Verhängnis wird. Die gibt bedenkenlos das Smartphone aus der Hand, ahnt aber nicht, dass der Fremde ihre eine Todesapp auf das Handy spielt. Nun bekommt Asia regelmäßig Anrufe von einem Programm namens „You Die“, das nicht nur dafür sorgt, dass die Mittzwanzigerin plötzlich Geister sieht. Ein Todescountdown lässt darauf schließen, dass nach 24 Stunden etwas Schlimmes passieren wird. Ganz Unrecht hat Asia mit ihrer Vorahnung nicht. Die verfällt in Paranoia, weil ihre Lebenszeit schwindet. Da heißt es nun: Lösungen finden. Zusammen mit Freunden versucht sie daher hinter das Geheimnis der App zu kommen, um den eigenen Todescountdown stoppen zu können.
 
 
you-die-get-the-app-then-die-2018-bild-2
 
 
Horror aus Italien, der sich einer Thematik bedient, die frisch ist und kreative Möglichkeiten bietet, dem Zuschauer schlaflose Nächte zu bereiten. Doch alles weit weg von charmant. YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE ist ein einfältiges Filmchen mit Geister- und Found-Footage-Elementen, das nichts mit seiner unverbrauchten Idee anzufangen weiß. Die Verläufe sind vorhersehbar und bedienen sich altbekannten Horrorfilmregeln, welche bereits auch schon bei den vielen RING-Filmen aus Fernost auf Zelluloid gebannt wurden. Ein Todescountdown und grausige Gestalten, die für Angst und Schrecken sorgen sollen. Klingt nach einer sicheren Bank, ist aber im Falle von YOU DIE ein langweiliges Unterfangen, das sich zieht wie Kaugummi.
 
 
you-die-get-the-app-then-die-2018-bild-3
 
 
Wir sehen, wie eine junge Frau permanent Anrufe von einem mysteriösen Handyprogramm erhält, die als Vorboten für die immer gleichen Schreckmomente dienen sollen. Jump-Scares hat diese italienische Produktion aber auch dringend nötig. Während unsere Hauptdarstellerin mit ihren Ängsten überall auf Unverständnis stößt, weil sie Dinge sieht, die andere nicht sehen können, verrennt sich der Film in eine Schleife immer wieder gleicher Abläufe. Paranoia, Anruf, Schreckmoment. Paranoia, Anruf, Schreckmomente. Da stellt sich eine gewisse Monotonie ein und dem Zuschauer werden die Augen schwer. So reißen billige Schocks immer wieder aus dem Dämmerschlaf und lassen schnell zur Erkenntnis kommen, dass man nichts verpasst, wenn man YOU DIE nicht gesehen hat.
 
 
you-die-get-the-app-then-die-2018-bild-4
 
 
YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE ist kein herausragender Gruseltrip. Zwar machen einige Make-up-Effekte was her, die fies entstellte Protagonisten zeigen, welche es nicht geschafft haben, das Rätsel der Software vor Ablauf des Countdowns zu lösen. Dass allein macht das Kraut aber nicht fett und lässt in der Vergangenheit schwelgen, wo italienische Horrorfilme – wie SUSPIRIA oder CANNIBAL HOLOCAUST – sichere Garanten für potenzielle Kultfilme waren. YOU DIE erinnert stark in der Machart an den kürzlich erschienenen COUNTDOWN. Dieser ist zwar auch keine Sternstunde des Horrorkinos, besitzt aber Drive. Darin wird der Zuschauer durch einen konventionellen Film gehetzt, der mit extravaganten Todesmomenten im Stile eines FINAL DESTINATION für Abwechslung sorgt. Von Extravaganz ist YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE dagegen weit entfernt. Der Film baut immer nur kurze Spannungsfragmente auf und versucht erst gar nicht Wege zu finden, um den Spannungsbogen halten zu können. Das Ergebnis: Ein Schnarcher vor dem Herrn, der so schnell aus den Köpfen verschwunden sein wird, ehe man bis drei zählen kann.
 
 


 
 
 

YOU DIE – Fazit

 
 
4 Punkte Final
 
 
Das ist alles nur geklaut – ejo, ejo. Für den Gruselfilm YOU DIE zeichnen drei (!) Regisseure verantwortlich. ALESSANDRO ANTONACI, DANIEL LASCAR und STEFANO MANDALA stecken hinter YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE und zeigen eindrucksvoll, dass zu viele Köche den Brei verderben können. Die Ereignisse plätschern behäbig dahin und wirklich gruselig will es partout nicht werden. Statt zu gruseln, wird das Nervenkostüm des Zuschauers strapaziert. Im Film selbst klingelt nämlich ständig das Telefon. Damit will sich die diabolische App zu Wort melden, die im Fokus dieser italienischen Produktion liegt. Leider nervt der etwas andere Bösewicht mit seinem ständigen Geklingel so ziemlich früh, was durch unkoordinierten Einsatz von zu lauten Jump-Scares zusätzlich verstärkt wird. YOU DIE besitzt wohl eines der unoriginellsten Drehbücher des Filmjahres 2020 und klaut frech bei Genre-Hits wie RING, SHUTTER und diversen asiatischen Gruselkandidaten. Viele eigene Ideen werden nicht mitgebracht. Stattdessen wird geklaut, kopiert und nachgemacht. Ein Zeichen dafür, dass die Macher besser nach etwas anderem suchen sollten, mit dem sie ihr Geld verdienen wollen. Wer als ambitionierter Filmemacher weder Kreativität beweist noch eigene Ideen besitzt, sollte keine Horrorfilme mehr drehen. Letztere entpuppen sich häufig als Kopien weitaus besserer Filme. Mit solchen Methoden schwindet die Leidenschaft zum Horror allmählich. Wo sind die kreativen Schocker mit Hirn, deren Verläufe man nicht kommen sieht?
 
 
 


 
 
 

YOU DIE – Zensur

 
 
 
YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE hat wenig Gewaltmomente zu bieten. Der Film bietet eher lautet Schreckmomente, als blutiges Gemetzel. Hierzulande dürfte da mit Sicherheit eine FSK16 drin sein.
 
 
 


 
 
 

YOU DIE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Dark Sky Films )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Countdown (2019)
 
Killer App (2017)
 
Bedeviled – Das Böse geht online (2016)
 

Filmkritik: „The Other Lamb“ (2019)

the-other-lamb-2019-poster
 
 
 

THE OTHER LAMB

Story

 
 
 

Wenn das klassische Rollenbild von Mann und Frau ins Wanken gerät. THE OTHER LAMB erzählt die Geschichte einer Sekte, deren Mitglieder bald alles infrage stellen und dadurch einen Strudel von Umständen in Gang treten, der zu blutigen Konsequenzen führt.

 
 
 


 
 
 

THE OTHER LAMB – Kritik

 
 
 
Zwar haben alle Menschen in modernen Gesellschaften die gleichen Rechte – dennoch wird nach wie vor unterschieden. Vor allem die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau scheint immer noch große Probleme zu bereiten. Frauen werden nicht gefördert, schlechter bezahlt und teilweise sogar ausgebremst. Der häufigste Grund: Uralte Rollenklischees, die aus einer Zeit stammen, als sich Frauen den Männern unterordnen mussten und zu parieren hatten. Doch so langsam tut sich was, wie die #MeToo-Bewegung bewiesen hat. In der machten sich mutige Frauen Luft, die von Männern sexuell belästigt oder gar vergewaltigt wurden. Ein brisantes und wichtiges Thema, über das immer noch gesprochen werden muss. THE OTHER LAMB ist ein solcher Film, der mit Vorurteilen aufräumen will und Frauen dazu aufruft, für Freiheit, Unabhängigkeit und Gleichstellung zu kämpfen.
 
 

 
 
Irgendwo in den Wäldern lebt eine autarke Gemeinschaft nach eigenen Regeln. Die besteht aus einer Gruppe Frauen, über die ein Mann die Oberhand hat, der sich selbst als Hirte bezeichnet und von seinen Schäfchen als Messias verehrt wird. Doch hinter der Fassade unterwürfiger Frömmigkeit brodelt es schon lange. Einige Frauen zweifeln die Lehren ihres Erlösers an. Der versucht seine Anhänger vor der Verderbnis der Welt zu schützen, bedient sich aber hin und wieder den Körpern seiner Gruppenmitglieder. Genau das muss auch bald Teenager Selah erkennen. Die 15-Jährige kommt in die Pubertät und erhält ihre erste Periode. Schluss mit Ponyhof und Kindlichkeit. Der Welpenschutz löst sich in Luft auf. Nun muss sich auch die junge Frau den sexuellen Spielregeln ihres Führers unterwerfen. Eine Einsicht, die Selah zu schaffen macht. Das bis dato unauffällige und glaubensstarke Lämmchen wird zum Problem, weil Selah zunehmend beginnt ihren Glauben an alles infrage zu stellen, was innerhalb der Gemeinschaft passiert.
 
 
the-other-lamb-2019-bild-3
 
 
Kein Film für die breite Masse. THE OTHER LAMB ist ein Sektendrama, das nicht so recht ins typische Genre-Bild passen will. Viel mit Horror hat es nicht gemein und ist dennoch irgendwie damit verwurzelt. Wo andere Regisseure mit Sekten-Horror wie MIDSOMMAR, MANDY oder THE SACRAMENT durch grafische Gemeinheiten und lautem Geschrei schockieren wollen, wird es in THE OTHER LAMB unangenehm ruhig. Hier ebnet sich das Grauen mit leisen Schritten den Weg durch das Drehbuch und macht diesen unkonventionellen Streifen vermutlich auch deshalb so intensiv. THE OTHER LAMB erzählt in poetischen und metapherreichen Bildern die Geistreinigung einer heranwachsenden Frau, welche versucht aus einem angestaubten Rollenbild zu entkommen, in dem meist Männer die Zügel über das weibliche Geschlecht in der Hand haben. Eine nicht mehr zeitgemäße Denke mit der – wen wundert es – eine Frau aufräumen will. MALGORZATA SZUMOWSKA zeichnet verantwortlich und hat mit dem Coming-of-Age-Drama nicht nur polarisierenden Filmstoff auf Zelluloid gebannt. THE OTHE LAMB ist gleichzeitig der erste englischsprachige Spielfilm, den die gebürtige Polin inszeniert hat.
 
 
the-other-lamb-2019-bild-4
 
 
Der glänzt vor allem durch eine hervorragende – beinahe schon experimentelle – Kameraarbeit und atemberaubenden Landschaftspanoramen, die die allgegenwärtige Freiheit symbolisieren sollen, welche aber dennoch für die Frauen des Kults unerreichbar bleibt. Unterstrichen wird der positive Gesamteindruck durch talentierte Schauspieler, von denen vor allem RAFFEY CASSIDY besonders hervorsticht. Was anfangs als zartes Pflänzchen in Erscheinung tritt, entpuppt sich schnell als aufmerksame Beobachterin, die die Frauen zu neuen Erkenntnissen leitet. Da sieht man mal wieder, wie ein Film mit seinen Darstellern steigt oder fällt. Ohne die wäre THE OTHER LAMB vermutlich nur halb so intensiv geworden.
 
 
the-other-lamb-2019-bild-2
 
 
Letztendlich bleibt zu sagen, dass THE OTHER LAMB eine Überraschung am Genre-Himmel ist. Regisseurin MALGORZATA SZUMOWSKA geht die Sektenproblematik anders an und widmet sich psychologischen Aspekten innerhalb dieser Gemeinschaften. Hierbei zieht sie aber auch gesellschaftskritische Parallelen und hinterlässt am Ende ausreichend Diskussionsstoff. So etwas bleibt im Gedächtnis. Demzufolge ist THE OTHER LAMB genau der Film für all jene, die einen gewissen Anspruch im Horrorkino suchen. Der Streifen rückt Figuren in den Mittelpunkt und analysiert diese akribisch. Grafische Gemeinheiten haben da Sendepause. Das ist nicht weiter tragisch, denn manchmal kann das Kopfkino unbequemer sein, als abgetrennte Gliedmaßen oder ausgeweitete Körper.
 
 


 
 
 

THE OTHER LAMB – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
THE WITCH trifft auf THE HANDMAID’S TALE. THE OTHER LAMB ist eine Geschichte über Emanzipation und dem Kampf von Frauen gegen sexuelle Unterdrückung. Das unangenehme Coming-of-Age-Drama berichtet in poetischen Bildern über einer Sekte, die ganz plötzlich aus dem Gleichgewicht gerät, weil Mitglieder aufdiktierte Strukturen berechtigterweise hinterfragen. Statt Blut und Gewalt glänzt der Streifen durch ästhetische Inszenierung und durch eine virtuose Bildsprache voller Doppeldeutigkeit. THE OTHER LAMB ist der richtige Film für Arthaus-Fans und solche die es werden wollen. Weit weg von Effekthascherei wird sich in erster Linie auf Figuren, deren Entwicklung und ihre Gewissenskonflikte konzentriert. Regisseurin MALGORZATA SZUMOWSKA nimmt sich dafür viel Zeit. Das Resultat ist unbequemer als manch kruder Folterstreifen. Sehenswert – vor allem für all jene, die auch gern mal über den Genre-Tellerrand schauen wollen.
 
 
 


 
 
 

THE OTHER LAMB – Zensur

 
 
 
THE OTHER LAMB ist ein Drama mit Horror-Elementen. Erst am Ende wird gestorben. Das ist aber nicht selbstzweckhaft. Die Kills passieren im Off. Hierzulande gibt es für THE OTHER LAMB eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

THE OTHER LAMB – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von IFC MIDNIGHT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Charlie Says (2018)
 
Manson Girl (2009)
 
Regression (2015)
 
Die unbarmherzigen Schwestern (2002)
 

Filmkritik: „Z“ (2019)

z-wants-to-play-2019-poster
 
 
 

Z

Story

 
 
 

Der imaginäre Kumpel eines kleinen Jungen beginnt aus heiterem Himmel eine Familie zu terrorisieren.

 
 
 


 
 
 

Z – Kritik

 
 
 
Sie sind immer da. Am Tisch muss für sie stets ein Platz freigehalten werden. Sie helfen bei wichtigen Entscheidungen und sind der beste Spielkamerad. Manchmal sind sie aber auch Schuld, wenn sich etwas Schlimmes ereignet hat. Fakt ist jedoch: Sie können nur von Kindern gesehen werden. Imaginäre Freunde sind im Kindesalter nichts Ungewöhnliches und kein Grund zur Beunruhigung. Die unsichtbaren Kumpel dienen als Seelentröster, Berater, Begleiter aber auch als Sündenböcken und treten oft dann in Erscheinung, wenn ein Kind neue Eindrücke und Erfahrungen verarbeiten muss. Fantasiefreunde helfen Kindern dabei, die eigenen Gefühle zu verstehen und zu regulieren. Leider können sie Eltern aber auch zur Verzweiflung treiben, wie der folgende Horrorfilm erklärt.
 
 
z-wants-to-play-2019-bild-3
 
 
Der geht auf die Kappe von Regisseur BRANDON CHRISTENSEN, welcher Genre-Fans bereits vor einiger Zeit mit dem Psychothriller STILL/BORN beglückte. Darin stiftete der Filmemacher Verwirrung und erzählte die Geschichte einer jungen Frau, die nach der Geburt ihres Kindes dem Wahnsinn verfällt. Psychologischer Horror, der auch den Zweitling dominiert. Letzterer nennt sich Z und ist ebenfalls Genre-Ware, die das Kopfkino aktivieren soll. Leider ist dieser nicht ganz so clever gestrickt, wie das Debütstück. Was schaurig beginnt, verrennt sich im Finale in Sphären, die kein Filmfan versteht. Dazu aber später mehr.
 
 
z-wants-to-play-2019-bild-2
 
 
Z berichtet von einer Familie, deren Leben aus dem Gleichgewicht gerät. Sohnemann Joshua beginnt sich nämlich plötzlich mit einem geheimnisvollen Freund zu unterhalten, den nur er sehen kann. Z wird er genannt und bestimmt den Alltag des kleinen Jungen. Was anfangs als vorübergehende Phase abgewertet wird, entwickelt bald eine erschreckende Dynamik. Joshua verhält sich in der Schule verhaltensauffällig und auch die Mitschüler beginnen das Kind aus Angst zu meiden. Alarmsignale, die bald auch die Eltern des fehlgeleiteten Jungen ernstnehmen müssen. So ist Schluss mit lustig, als der Nachwuchs einen Klassenkameraden über ein Treppengeländer wirft. Doch damit nicht genug. Vor allem Mutter Elizabeth fühlt sich bald ihres Lebens nicht mehr sicher. Die spürt in den eigenen vier Wänden die unheimliche Präsenz des imaginären Freundes. Alles nur Einbildung oder ist da doch etwas Wahres dran? Die Antwort darauf versucht die zweite Filmhälfte von Z zu ergründen.
 
 
z-wants-to-play-2019-bild-1
 
 
Dabei wären wir auch schon beim eigentlichen Problem. Was nach konventionellem Grusel-Horror riecht, der einzig darauf aus ist das Publikum mit plumpen Schocks zu unterhalten, geht plötzlich andere Wege. Das mag sich erst mal ganz gut anhören, weil das Horror-Genre Neuerungen nötig hat. Wie Z aber nach Erklärungen ringt, ist nicht sonderlich erbaulich. Da wird plötzlich vom Gaspedal gegangen und in der Psyche von Mutter Elizabeth gegraben. Hä? Waren wir nicht eigentlich gerade beim Sohnemann Joshua, der plötzlich seltsames Verhalten an den Tag legt? Ein Richtungswechsel, der sich erzwungen anfühlt. Offenbar wollte es Regisseur BRANDON CHRISTENSEN dem Erstling gleich machen. Der hielt mit falschen Fährten bei Laune und versuchte durch Doppeldeutigkeit die Interpretationslust des Zuschauers anzukurbeln. Alles nur Manifestation einer traumatisierten Psyche oder doch irgendwo im fantastischen Genre beheimatet? Ein Verwirrspiel, das in STILL/BORN einfallsreich und stimmig über die Mattscheibe flimmert.
 
 
z-wants-to-play-2019-bild-4
 
 
Z fühlt sich hingegen so an, als hege Filmemacher BRANDON CHRISTENSEN den Anspruch gleichen Überraschungseffekt noch mal wiederholen zu müssen. Das Ergebnis: ein undurchschaubarer Wirrwarr an Erklärungsansätzen, die überhaupt nicht funktionieren wollen und sich wie ein künstlicher Rattenschwanz anfühlen. Hier passt hinten und vorne nichts zusammen. Christensen driftet zu verkrampft ins Psychologische ab und gibt wenig acht auf sein Publikum. Das kann nicht folgen und wird am Ende mit vielen Fragen ratlos vor dem TV-Apparat zurückgelassen. So kann man den Zuschauer auch vergraulen. Vielleicht wäre es im Falle von Z besser gewesen, man hätte es beim konventionellen Horror für jedermann gelassen. So wären alle glücklich gewesen.
 
 


 
 
 

Z – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Fängt flott und unheimlich an, hat aber am Ende mit Erklärungsnot und Langeweile zu kämpfen. Z ist das beste Beispiel dafür, wenn Filmemacher auf Biegen und Brechen Erfolge wiederholen wollen. Die versuchen Filme nach ähnlichem Konzept zu inszenieren, mit welchem bereits das Erfolgsstück glänzen konnte. Im Falle von Regisseur BRANDON CHRISTENSEN war das STILL/BORN. Der Zweitling mit dem Titel Z ist aus ähnlichem Holz geschnitzt, kann aber nicht ansatzweise dessen Niveau erreichen. Was gradlinig als schauriges Gruselstück über ein unheimliches Kind über die Mattscheibe flimmert, wird nach der Halbzeit holprig und wirr. Die erste Hälfte passt nicht zum restlichen Film. Irgendwie will man da den Eindruck nicht loswerden, als wusste Macher BRANDON CHRISTENSEN zu Beginn selbst nicht so wirklich, wohin die Reise führen soll. Ein Twist im Finale fühlt sich erzwungen, konstruiert und unausgegoren an. Von Geheimtipp ist da keine Spur. Übrigens zeichnete COLIN MINIHAN als Co-Autor am Drehbuch mitverantwortlich. Der hat schon einige Horror-Fantasien auf Papier gebracht. Darunter den Zombie-Horror IT STAINS THE SANDS RED, den Wackelcam-Hit GRAVE ENCOUNTERS 2 und die Alien-Invasion EXTRATERRESTRIAL. Offenbar war bei Z die Puste raus. Anders lässt sich nicht erklären, warum der Streifen einen wenig kreativen Eindruck hinterlässt.

 
 
 


 
 
 

Z – Zensur

 
 
 
Z hat kaum Gewalt zu bieten. Meist wird nur angedeutet oder es passiert im Off. Hierzulande dürfte der Mix aus Gruselfilm und Psychothriller ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

Z – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Digital Interference Productions | Hadron Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Orphan – Das Waisenkind (2009)
 
Teufelskind Joshua (2007)
 
Hide and Seek – Du kannst dich nicht verstecken (2005)
 
Das Omen (1976)
 
Daniel Isn’t Real (2019)
 

Filmkritik: „Sea Fever“ (2019)

sea-fever-2019-poster
 
 
 

SEA FEVER

Story

 
 
 

Während einer Fischereiexpedition machen Wissenschaftlicher Bekanntschaft mit einem tödlichen Parasiten.

 
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Kritik

 
 
 
Es gibt immer noch Welten auf diesem Planeten, die von der Menschheit weitestgehend unerkundet geblieben sind. Eine dieser nennt sich Tiefsee und beherbergt Individuen, die so grotesk aussehen, dass man meinen könnte, sie wären aus einem Horrorfilm entsprungen. Was fantastisch anmutet, ist natürlich für die Filmindustrie immer wieder Grund genug daraus irgendwelche Schocker zu basteln. Da dringen nach Millionen von Jahren plötzlich Kreaturen vom Meeresboden an die Oberfläche, die nur ein Ziel kennen: ahnungslose Fischer, Taucher oder Badegäste zu terrorisieren. Offenbar auch Traumfilmstoff für Regisseurin NEASA HARDIMAN. Die hat in der Vergangenheit eher an Episoden für TV-Serien gearbeitet und liefert mit SEA FEVER ihr Langfilmregiedebüt ab.
 
 
sea-fever-2019-bild-5
 
 
Darin ließ sich die Filmemacherin als bekennender Sci-Fi-Horror und Psychothriller-Fan von Streifen wie ARRIVAL, AUSLÖSCHUNG und THE THING inspirieren. Aber auch die aktuelle Klimakrise hatte maßgeblich Einfluss beim Entstehungsprozess des Drehbuchs. Letzteres wurde von Hardiman in Eigenregie verfasst, in welchem sie dem Thema Verantwortung auf den Grund geht. So erklärte die Regisseurin in Interviews, dass wir Menschen zwar nicht viel über den tiefen Ozean wissen, aber durch unser umweltfeindliches Handeln prägenden Einfluss auf die riesigen Ökosysteme unter Wasser haben. Zudem wirft sie in SEA FEVER die Frage in den Raum, inwieweit wir Verantwortung für uns selbst und für andere übernehmen müssen. Themen, die komplex erscheinen, aber nicht unbedingt tiefgründig erforscht werden. SEA FEVER ist mehr Horrorfilm als kritisches Unterfangen. Das muss aber nichts Schlechtes bedeuten.
 
 
sea-fever-2019-bild-2
 
 
SEA FEVER erzählt die Geschichte der schüchternen Studentin Siobhan. Die landet im Rahmen ihres Meeresbiologiestudiums auf einem irischen Hochseefischereischiff, das hinaus aufs Meer fahren möchte, um dort einige wissenschaftliche Untersuchungen vornehmen zu können. Doch diese Seefahrt verläuft nicht nach Plan. Die Crew ignoriert Warnungen der Küstenwache und ändert den Kurs. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Ein riesiger und nicht identifizierbarer Tintenfisch heftet sich an den Rumpf des Schiffes. Was jedoch anfangs als Sensation gefeiert wird, schlägt bald in pure Angst um. Das Wasserwesen meint, in dem Schiff tierische Beute gefunden zu haben und stößt blauen Schleim aus seinen Tentakeln aus. Darin enthalten: tödliche Parasiten, die die Crew-Mitglieder infizieren. Da stellt sich verständlicherweise Panik ein, denn niemand weiß, wie man sich vor dem mikroskopisch kleinen Killer schützen kann. Doch Studentin Siobhan hat einen Plan. Die kombiniert richtig und beweist Köpfchen. Was für ein Glücksfang.
 
 
sea-fever-2019-bild-1
 
 
CABIN FEVER auf dem Meer. So ähnlich lässt sich SEA FEVER mit knappen Worten beschreiben, der ebenso von der Prämisse Gebrauch macht, dass eine mysteriöse Krankheit Menschen befällt und diese anschließend tötet. Statt tödlicher Viren werden hier jedoch kurzerhand kleine Larven für ein Massensterben verantwortlich gemacht. Minimale Unterschiede, die aber das gleiche Ziel haben: den Zuschauer mit ekligen Spezialeffekten bei Laune zu halten. Da explodieren schon mal Augäpfel. Zartbesaitet schüttelt es da verständlicherweise nicht unbegründet. Doch SEA FEVER hat mehr zu bieten als handgemachte Manschereien. Der Streifen macht sich Themen wie Klaustrophobie und Paranoia zu Eigen. Kaum mit der Gefahr konfrontiert, wird das Wasserfahrzeug zum Gefängnis. Umgeben von Wasser kann niemand entkommen, was sich natürlich auch auf die Stimmung des Films auswirkt. Da entsteht plötzlich Panik unter den Anwesenden, zumal bald niemand mehr weiß, wer als Wirt dient und den tödlichem Eindringling überträgt. Wem kann man vertrauen? Wer trägt den Erreger in sich? Und wer bringt anderen den Tod? Fragen, die vertraut klingen und Tempo in den anfangs gemächlich erzählten Film bringen.
 
 
sea-fever-2019-bild-3
 
 
SEA FEVER verfügt nämlich über ein ähnliches Handlungskonzept, das sich bereits JOHN CARPENTER mit seinem DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT zunutze machte. Dort konnte eine außerirdische Lebensform jede Gestalt von Lebewesen annehmen, was dazu führte, dass Antarktis-Forscher bald nicht mehr wussten, wer von den Kumpels menschlich ist und wer imitiert. So wurden aus Freunden Feinde, was natürlich die Spannung unter den Protagonisten ankurbelte und für psychologischen Horror sorgte. Letzterer ebnet sich auch in SEA FEVER den Weg zum Ziel. Da kippt in der Halbzeit die Stimmung. Aus Neugierde und Forscherdrang wird Ausweglosigkeit und Chaos. Rezepturen, die dem Spannungsaufbau förderlich sind. Kaum ist der erste infiziert, wird eine wissenschaftliche Expedition zum Überlebenstrip. Das bannt vor dem TV-Gerät und der Herzschlag wird schneller. Für einen Horrorfilm unabdinglich.
 
 
sea-fever-2019-bild-4
 
 
Unterm Strich ist SEA FEVER ein standardisierter Horrorthriller, den sich Fans von Körper-Horror schon mal ansehen können. Die Darsteller sind gut gewählt, in technischer Hinsicht macht der Streifen eine hervorragende Figur und auch die Atmosphäre stimmt. In puncto Originalität gewinnt SEA FEVER aber keinen Filmpreis. Spätestens hier kann Regisseurin NEASA HARDIMAN die TV-Herkunft nicht leugnen. Ihr Langfilmdebüt ist kurzweilig – wie die Episode einer Fernsehserie. Blickt man aber hinter die Fassade makelloser Bilder, bleibt ein austauschbares Handlungsgerüst über, auf dem die meisten Horrorfilme aufbauen. Auch SEA FEVER bedient sich dem vertrautem Prinzip moderner Genrefilme. Darin geht es in der Regel ums Erschrecken oder zeigefreudiges Sterben. Letzterem widmet sich SEA FEVER besonders ausgiebig. Wem das bewusst ist, wird trotzdem gut unterhalten werden.
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Spannender Körper-Horror, der Filme wie THE ABYSS, CABIN FEVER und THE THING zitiert. SEA FEVER gewinnt keinen Originalitätspreis. Viel Substanz besitzt dieser Streifen nicht. Der Film zieht seinen Reiz aus der Tatsache, dass darin auf eine Weise gestorben wird, die in Zeiten von COVID-19 erschreckender denn je ist. Hier stecken sich Filmfiguren mit einem Parasiten an, der mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist. Als wäre das nicht schon erschreckend genug, trägt man den Übeltäter aus Unachtsamkeit von Mensch zu Mensch weiter. Unterstrichen wird die unbequeme Thematik mit Hilfe ekliger Spezialeffekte. Regisseurin NEASA HARDIMAN weiß, wie Spannung geht. Ihr gelingt es einfach klaustrophobische Atmosphäre zu erzeugen und Panik entstehen zu lassen. Ein geschickter Schachzug, denn so bekommt der Zuschauer nicht unbedingt davon Wind, dass die Story von SEA FEVER gerade einmal auf einen Bierdeckel passt.

 
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Zensur

 
 
 
SEA FEVER ist keine Gewalt oder Splattergranate. Die Spezialeffekte sind zwar eklig, befinden sich aber im FSK16-Bereich. Daher kann man getrost von einer Jugendfreigabe für diesen Body-Horror ausgehen.
 
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Dust)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
 
The Thing (2011)
 
Cabin Fever (2016)
 

Filmkritik: „1BR“ (2019)

1br-2019-poster
 
 
 

1BR

Story

 
 
 

Dieser Film treibt den Puls in die Höhe. Studentin Sarah will in Los Angeles einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Doch der Start ins neue Leben schlägt bald in blanken Horror um.

 
 
 


 
 
 

1BR – Kritik

 
 
 
Wie wichtig ist Freiheit? Würdest Du auch weiter nach Selbstentfaltung, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung streben, wenn Du Dein Leben dadurch in Gefahr bringen würdest? Eine wichtige Frage, über die wir uns in deutschen Landen nicht unbedingt den Kopf zerbrechen müssen. Hier ist der Freiheitsgedanke selbstverständlich. Anders sieht es da schon im Ausland aus. In Überwachungsstaaten wie Nordkorea oder China genügt bereits Querdenken, um mit tödlichen Konsequenzen rechnen zu müssen. Da ordnet man sich als Teil der Gemeinschaft unter, um in Ruhe leben zu können und akzeptiert unter Zwang Regeln, die in demokratischen Ländern unvorstellbar sind. Frieden durch Angst – brisanter Stoff, der sich natürlich auch gut als Film verpacken lässt. Einer dieser nennt sich 1BR, kommt aus Amiland und ist komplexer, als es der Trailer vermuten lässt. Dieser Horrorthriller ist beunruhigender Shit, der dort trifft, wo es am meisten wehtut und so ein mulmiges Gefühl beim Publikum hinterlässt, wie man es zuletzt bei Filmen wie MARTYRS oder EDEN LAKE erleben konnte. Da werden Horrorfilmfans nicht unbegründet neugierig. Ein Grund mehr die erste Horror-Überraschung des Filmjahres 2020 genauer unter die Lupe zu nehmen.
 
 
1br-2019-bild-4
 
 
Newcomer DAVID MARMOR zeichnet für Drehbuch und Regie verantwortlich. Der erzählt hier die Geschichte von Studentin Sarah (NOCOLE BRYDON BLOOM), welche sich nach dem Tod der Mutter von der Familie abkapselt, um auf eigenen Beinen zu stehen. Die plötzliche Flucht hat auch ihren Grund. Sarahs Vater hat die krebskranke Gattin am Totenbett mit der Krankenschwester betrogen. Deshalb will die labile Mittzwanzigerin nichts mehr vom Familienoberhaupt wissen. Doch das eigene Leben in Los Angeles ist nicht so einfach wie gedacht. Gute Jobs sind Mangelware und auch in Sachen Wohnungen ist die Auswahl nicht sonderlich gut. Umso erfreulicher für Sarah, als die ein Apartment findet und direkt einziehen kann. Die Nachbarn sind freundlich und nehmen die junge Frau herzlich auf. Doch die Sache hat einen Haken. 1BR ist nämlich ein Horrorfilm. Demzufolge wendet sich bald das Blatt und aus Freude über die neue Wohnung wird grenzenlose Angst. Etwas stimmt leider nicht mit der neuen Behausung. Erst wird Sarah durch laute Geräusche aus dem Schlaf gerissen, die aus den Rohren schallen. Später fühlt sich die Studentin von Tag zu Tag schlapper. Was mag das für Ursachen haben? Die Antwort darauf ist krank und pervers.
 
 
1br-2019-bild-1
 
 
Eingesperrt und unter Kontrolle – Big Brother is watching you. 1BR ist so ein Film, der nach dem Abspann schockiert vor dem Fernsehgerät zurücklässt. Regisseur DAVID MARMOR vermischt in seinem Erstling Horror mit Originalität, würzt mit gesellschaftskritischer Note und kombiniert auch noch diverse Subgenres des Horrorfilms. So muss die Heldin im Film bald feststellen, dass ihr neues Apartment weit mehr ist, als es auf den ersten Blick scheint. Schlafplatz allein wäre zu langweilig. Stattdessen wird um die kleine Wohnung ein komplexes Handlungsgestrüpp gewebt, das Heldin wie Zuschauer durch eine Achterbahn des Grauens jagt. Somit wären wir auch schon bei der geheimen Quintessenz von 1BR. Filmemacher DAVID MARMOR hat sich nämlich einen Twist ausgedacht, auf dem sich alles aufbaut. Der wird zwar früh gelüftet, bildet aber das Fundament für eine Handlung, welche in puncto Einfallsreichtum und Spannung die letztjährigen Eigenproduktionen des Streaming-Anbieter NETFLIX mit Leichtigkeit gegen die Wand spielt.
 
 
1br-2019-bild-3
 
 
Regisseur DAVID MARMOR kreiert in 1BR ein schockierendes Paralleluniversum, in dessen Mittelpunkt eine scheinfriedliche Gesellschaft ihr Dasein fristet, die nur durch Angst und Terror zusammengehalten wird. Dabei lassen sich Parallelen zum aktuellen politischen Weltgeschehen nicht von der Hand weisen. Dennoch hatte der Regie-Newcomer mit seinem Film in erster Linie anderes im Sinn. Wie die Hauptprotagonistin im 1BR kam Marmor mit jungen Jahren vom Land in die Stadt. Eine befremdliche Angelegenheit für den damals Anfang Zwanzigjährigen, der sich in der riesigen Großstadt alleingelassen fühlte. Die beinahe schon surreal anmutende Anonymität ängstigte und machte dem Neuhinzugezogenen zu schaffen. Just in diesem Moment entstand die Idee zu 1BR. Im ersten Entwurf stellte sich der Filmemacher die Frage, was die vielen freundlichen aber dennoch fremden Nachbarn seines Apartmentkomplexes hinter verschlossenen Türen veranstalten könnten. Gleichzeitig hörte Marmor von utopischen Gemeinschaften und Randreligionen, die sich seit Jahren in L.A. im Untergrund entwickeln. Ein Cocktail interessanter Ansatzpunkte, der letztendlich zu einem pulstreibenden Filmerlebnis führt.
 
 
1br-2019-bild-2
 
 
Mehr über 1BR zu verraten wäre unfair jedem Zuschauer zugegen. Dieser sollte am besten so wenig wie möglich über 1BR lesen, um maximale Schockintensität genießen zu können. 1BR ist Nervenkitzelfutter, das unaufgeregt beginnt und den Zuschauer ganz plötzlich in tiefe Abgründe zieht. Statt physischer Gewalt kriecht psychologischer Horror über die Mattscheibe. Weil sich die Handlung nicht leicht durchschauen lässt, gehört dieser Psychothriller zum wohl spannendsten, was das Horrorgenre derzeit zu bieten hat. Wer daher mit Kopf-Horror schlaflose Nächte durchlebt, sollte diese Wohnungsbesichtigung mit Vorsicht genießen. Was sich dort hinter verschlossenen Haustüren abspielt, lässt nicht nur fassungslos vor der Glotze zurück, sondern dürfte zartbesaiteten Zuschauern so einige Albträume bescheren.
 
 


 
 
 

1BR – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Sauspannend, schockierend und unangenehm. 1BR ist so ein Kandidat, der in der beliebten Film-Reihe KINO KONTROVERS gut aufgehoben wäre. Mit seiner gesellschaftskritischen Botschaft eckt der Film nämlich nicht nur an, sondern zeichnet sich auch gleichzeitig durch genug Originalität aus, um bis zum Ende vor der Glotze bibbern zu lassen. Die Hintergründe sind nicht so schnell zu entziffern. Regisseur DAVID MARMOR spickt seine Handlung mit vielen Wendungen, damit der Spannungsbogen gehalten werden kann. Der zieht sich wie ein roter Faden durch den Streifen und schockt am Ende mit einer unbequemen Auflösung. Da mag man es gar nicht glauben wollen, dass 1BR auf das Konto eines Newcomers geht. Grünschnabel DAVID MARMOR hat sich nicht nur den Plot ausgedacht, sondern auch gleich auf dem Regiestuhl platzgenommen. Dass der damit direkt ins Schwarze trifft, ist beachtlich. Das Drehbuch ist für doppeldeutigen Horror bemerkenswert und auch auf technischer Ebene kann sich mancher Filmemacher Hollywoods eine Scheibe abschneiden. Mit derart Voraussetzungen darf man gespannt auf das sein, was Marmor in Zukunft auf die Leinwand bringen wird. Talentfreiheit kann man diesem ambitionierten Neuling zweifelsohne nicht unterstellen. Klasse!
 
 
 


 
 
 

1BR – Zensur

 
 
 
1BR setzt in erster Linie auf psychologischen Horror. Gewalt gibt es daher nur wenig zu sehen. Zwei Nägel werden in Hände geschlagen. Die übrige Gewalt reduziert sich auf das Finale in dem eine Schusswaffe zum Einsatz kommt. Hierzulande dürfte der Psychothriller eine FSK16 in ungeschnittener Form erhalten.
 
 
 


 
 
 

1BR – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Dark Sky Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Community of Fear (2012)
 
Dark Society (1989)
 
The Sacrament (2013)