Filmkritik: „Life-Snatcher“ (2019)

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LIFE-SNATCHER

(ASSIMILATE)

Story

 
 
 

Könnte auch aus der Feder von Stephen King stammen: Zwei Teenager decken seltsame Vorkommnisse auf, die sich in einer verschlafenen Kleinstadt ereignen.

 
 
 


 
 
 

LIFE-SNATCHER – Kritik

 
 
 
Wenn die Indie-Schmiede GRAVITAS VENTURES mal wieder einen ihrer schnell und günstig gedrehten Produktionen auf die Horrorgemeinde loslässt, ist Vorsicht geboten. Noch vorsichtiger sollte man sein, wenn hinter genau diesem Genrefilm ein Regisseur steckt, der sich in der Vergangenheit beim auf Zelluloid gebannten Horror nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat. JOHN MURLOWSKI hat so ziemlich viele Videounfälle verbrochen. Der war in der Vergangenheit besonders fleißig und bescherte uns herausragende Videothekenperlen, über die nicht unbegründet heute keiner mehr reden will. Darunter so unvergessliche Highlights wie AMITYVILLE – A NEW GENERATION, RETURN OF THE FAMILY MAN oder FREEWAY KILLER. Genau dieser Regisseur hat mit LIFE-SNATCHER (im Original: ASSIMILATE) nun einen Film inszeniert, der so gar nicht zur zweifelhaften Qualität des bisherigen Schaffens passt. LIFE-SNATCHER wurde zwar auch mit kleinem Budget umgesetzt, macht aber das Beste aus dem schmalen Kapital. Das Ergebnis ist ein nettes Science-Fiction-B-Movie, das zwar fleißig bei großen Klassikern stibitzt, sich dennoch wacker schlägt. Das hätte man nicht erwartet.
 
 
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Die Teenager Zach Henderson und Randy Foster sind nicht nur beste Freunde; sie wollen auch den Leuten auf Youtube zeigen, dass ihr Heimatort gar nicht so langweilig ist, wie er auf den ersten Blick scheint. Deshalb wollen sie eine Reportage über die Stadt drehen, in der sie aufgewachsen sind und zur Schule gehen. Dass sich plötzlich seltsame Vorkommnisse in der Gegend häufen, kommt den Kumpels geradezu recht. Nachbarin Frau Bissette berichtet von einer Invasion seltsamer Insekten und auch sonst verhalten sich immer mehr Einwohner alles anderer als normal. Alles scheint, als hätten die Leute ihre Emotionen verloren. Stoff aus dem Hobbyfilmfan-Träume sind. Mit Kameras ausgestattet, geht es ans Recherchieren. Was die beiden Nachwuchsjournalisten während der Arbeit an einer Dokumentation über ihren Heimatort herausfinden, lässt das Blut sprichwörtlich in den Adern gefrieren.
 
 
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Hat ROBERT RODRIGUEZ heimlich eine Videofortsetzung zum Kassenhit THE FACULTY in Arbeit geben lassen? Oder haben sich findige Produzenten die Rechte an DIE NACHT DER CREEPS gekrallt, um schnell eine günstige Neuverfilmung des Kultfilms in die Wohnzimmer bringen zu können? LIFE-SNATCHER hat natürlich nichts mit genannten Horrorfilmen am Hut, schaut sich aber einige Kniffe ab. Hier wird eine jungendkonforme Version von DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN auf die Horrorgemeinde losgelassen, die besser ist, als man vermuten würde. Der Grund ist in den sympathischen Figuren und der rasanten Umsetzung zu suchen, die den Zuschauer regelrecht durch eine Handlung hetzt, in der es kaum Verschnaufpausen gibt. Die Bewohner einer Kleinstadt werden durch eine größere Macht geklont und ausgetauscht. Einige High School Kids tun sich zusammen, um das Schlimmste zu verhindern. Klingt natürlich nach einer weiteren INVASION VOM MARS-Kopie und ist es letztendlich auch. Dennoch unterhält LIFE-SNATCHER ungemein. Lang gefackelt wird nicht. Schnell ist man mittendrin und begibt sich mit dem talentierten Teenager-Cast auf eine Reise voller Gefahren. Da stößt man auf glibbrige Kokons und wird bald von zombiegleichen Horden ausgetauschter Kleinstadtmenschen verfolgt, die ein ganzes Haus im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf stellen.
 
 
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Regisseur JOHN MURLOWSKI zitiert nicht nur Science-Fiction-Horror der 1950er, sondern ließ es sich nicht nehmen auch eine Anspielung an den von Romero gedrehten NIGHT OF THE LIVING DEAD im Film unterzubringen. Da verschanzen sich unsere Freunde in einem Haus und werden plötzlich von vielen geklonten Menschen umzingelt, die nur eins wollen: ran an die noch nicht ausgetauscht Beute. Wir sehen Hände durch Spalten greifen und verzehrte Gesichter durch Fenster starren. Wer diese Hommage an genannten Klassiker übersieht, benötigt dringend eine Weiterbildung in Sachen Horrorfilm. LIFE-SNATCHER macht alles richtig. Statt sich darüber Gedanken zu machen, wie man die vielen Ideen mit kleinem Budget in Szene setzen kann, wird einfach umgesetzt. Natürlich bleibt bei den Spezialeffekten nicht verborgen, dass ein Sparkurs gefahren werden musste. Trotzdem tut dieser günstige Science-Fiction-Horror alles daran, um den Zuschauer auch mit kleinem Budget zu unterhalten. Mit einem Mordstempo eilt LIFE-SNATCHER dem Abspann entgegen und belehrt am Ende das Publikum eines Besseren. Letzter erkennt mal wieder, dass sich gute Horror-Unterhaltung nicht unbedingt an den Produktionskosten festmachen lässt. Billig bedeutet nicht unbedingt schlecht. Vorurteile, die man unbedingt ablegen sollte.
 
 
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LIFE-SNATCHER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Günstig – aber oho! Spannender Science-Fiction-Horror mit hohem Unterhaltungswert. Regisseur JOHN MURLOWSKI stibitzt für LIFE-SNATCHER wo es nur geht. Ob bei DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN, DICH KRIEGEN WIR AUCH NOCH oder DORF DER VERDAMMTEN – dieser Horrorthriller besteht beinahe nur aus Ideen anderer bekannter Horrorklassiker. Das ist zwar frech, aber unterhaltsam. Treu der Devise „Besser gut geklaut, als schlecht neu erfunden“ wird all das kopiert, was schon mal irgendwie im Horror-Genre funktioniert hat. Der dreiste Ideenklau zahlt sich aber aus. LIFE-SNATCHER besitzt zugängliche Helden und ein Mordstempo. Letzteres ist beachtlich und lässt dem Zuschauer kaum Zeit darüber nachzudenken, dass er all das hier im Film schon mal woanders gesehen hat. Ein cleverer Schachzug, denn wegen der rasanten Inszenierung fallen auch die Spezialeffekte nicht so sehr ins Gewicht, die wegen mangelndem Budget dann doch eher an so selbst produzierten Billigschund der Marken THE ASYLUM und SYFY-CHANNEL erinnern. Wäre mehr Kapital vorhanden gewesen, hätte es LIFE-SNATCHER vermutlich zum neuen Science-Fiction-Blockbuster gebracht. Das hätte man Regisseur JOHN MURLOWSKI gar nicht zugetraut, der seit den 1990ern eine Video-Schlaftablette nach der nächsten dreht.
 
 
 


 
 
 

LIFE-SNATCHER – Zensur

 
 
 
LIFE-SNATCHER hat kaum reißerische Schauwerte zu bieten. Einer Frau wird ein Gegenstand in die Brust gerammt, der Körper einer anderen Filmfigur wird so bearbeitet, dass er ohne Probleme in einen Wäschekorb gequetscht werden kann. Weiterhin sieht man Bisswunden, welche durch einen außerirdischen Käfer verursacht wurden. Hierzulande dürfte LIFE-SNATCHER ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

LIFE-SNATCHER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film | Replicate LLC.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dich kriegen wir auch noch! (1998)
 
Die Nacht der Creeps (1986)
 
The Faculty (1998)
 
Body Snatchers – Angriff der Körperfresser (1993)
 
Die Körperfresser kommen (1978)
 
Invasion vom Mars (1986)

Filmkritik: „Mollywood“ (2019)

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MOLLYWOOD

Story

 
 
 

Keine Macht den Drogen: Ein Drogen-Dealer vertickt nicht nur gern Rauschmittel auf einer Party. Er tötet auch die Konsumenten seiner bunten Pillen – blutig und grausam. Zur Abschreckung, als Lehre oder nur zum Spaß? Wer die langweiligsten 90 Minuten des Jahres 2019 übersteht, wird vermutlich nicht viel klüger sein.

 
 
 


 
 
 

MOLLYWOOD – Kritik

 
 
 
Hoch lebe die IMDB. Seit vielen Jahren gehört diese Webseite zum unverzichtbaren Nachschlagewerk für Filmemacher und Filmbegeisterte. Das Online-Portal hält nicht nur wichtige Fakten über jede erdenkliche Kino-, Video- oder TV-Produktion parat. Auch Filmbewertungen gehören zum obligatorischen Standard, damit sich Besucher über die Qualität des gesuchten Streifens informieren können. Oftmals verrät die viel, vor allem auch deshalb, weil Nutzer weltweit dazu beitragen können, die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Filmdatenbank ermöglicht es nämlich, dass Kinoliebhaber gesehen Filme bewerten können. Da werden schnell mal mehrere tausend Stimmen abgegeben, damit andere Besucher wissen, ob ein Film lohnt gesehen zu werden oder eben nicht. Eine wichtige Funktion, die so überflüssige Machwerke wie MOLLYWOOD entlarvt. Schenkt man nämlich den IMDB-Bewertungen Glauben, hat man es hier mit Bodensatz zu tun. Die Warnung können wir nur bestätigen. MOLLYWOOD ist Zelluloid-Verschwendung und ein gemeiner Zeiträuber dazu. Der Farbe beim Trocknen zuschauen ist spannender.
 
 
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Irgendwo in Chicago steht ein Club namens Mollywood, der zu den begehrtesten Diskotheken gehört, die die Stadt zu bieten hat. Die Gründe für die Beliebtheit liegen auf der Hand. Dort läuft nicht nur angesagte Mukke – auch neue Drogen bekommt man dort unter der Hand. Eine Tatsache, die ein Irrer namens Chase ausnutzt. Er verkauft jungen Menschen ein selbstgemachtes Betäubungsmittel und schlachtet seine Käufer in der Phase des Rauschzustandes ab. Da häufen sich so langsam die Leichen, was den Undercover-Polizisten Zach zu Ermittlungen zwingt. Leider ist die Suche nach dem selbsternannten Rächer nicht gerade einfach. Die Drahtzieher im Untergrund halten nämlich dicht, schließlich lässt sich mit Drogen und deren Konsumenten ganz schön viel Geld verdienen.
 
 
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Von leicht zu erobernden Frauen und prolligen Alphamännchen – Herr wirf Hirn vom Himmel. Die Welt von Drehbuchautor KEN HOYD scheint ziemlich verschoben zu sein. Der hat mit MOLLYWOOD einen Horrorthriller zu Papier gebracht, dessen intelligenzfreien Figuren man besser nicht im Dunkeln begegnen möchte. Frauen werden hier zu unterwürfigen und nicht immer hellen Begattungswesen deklariert; Männer dagegen verhalten sich wie allseits potente Macho-Gangster, die sofort zum Messer greifen, wenn man zu persönlich wird. So oberflächlich die Charakterisierung, so oberflächlich gestalten sich auch die Gespräche zwischen den Protagonisten. Der beschränkte Wortschatz besteht ausschließlich aus einer Aneinanderreihung vulgärer Floskeln. Im Vergleich dessen sind die Dialoge in TV-Formaten privaten Fernsehanstalten preisverdächtig.
 
 
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MOLLYWOOD besitzt keinerlei Sympathieträger und auch sonst quält sich der Streifen damit eine Geschichte zu erzählen. Regisseur MOROCCO VAUGHN hat seinen Film mit vielen unwichtigen Szenen gefüllt, in denen uninteressante Figuren etwas sagen, das ohnehin nicht von Bedeutung ist. Irgendwo dazwischen passieren Morde, die MOLLYWOOD offenbar ihre Daseinsberechtigung geben. Betrachtet man sich das Machwerk nämlich genauer fällt schnell auf, dass die Handlung um die wenigen Gewaltexzesse geschrieben wurde und nur Alibifunktion besitzt, damit MOLLYWOOD überhaupt Spielfilmlänge erreicht. Nun gut, mag man meinen. Im Slasher-Film der 1980er Jahre hat man das nicht anders gemacht. Das ist korrekt. Nur war dort das abwechslungsreiche Morden der eigentliche Höhepunkt jedes Meuchelthrillers. Anders dagegen in MOLLYWOOD. Zwar sind auch hier sadistische Kills vorhanden; die einfältigen Effekte sind aber so durchschaubar, billig und hektisch geschnitten, dass selbst Fans härterer Filme gelangweilt abwinken. Alles wirkt hingeschludert und wirklich böse oder gar schonungslos ist MOLLYWOOD zu keiner Minute. Angesichts dessen, dass viele Horrorfilme neueren Datum zumindest versuchen mit grausamen und perfiden Gewalteinlagen zu schockieren ist das, was in MOLLYWOOD gezeigt wird, kaum der Rede wert. Selten so einen schlechten Horrorstreifen gesehen. Das sahen wohl auch die vielen Nutzer der Filmdatenbank IMDB so. Die hinterließen auf dem Portal ein vernichtendes Feedback zu MOLLYWOOD, das sich mit unseren negativen Eindrücken deckt. Besser meiden!
 
 


 
 
 

MOLLYWOOD – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Die wohl langweiligste Suche nach einem perfiden Killer im aktuellen Filmjahr. Okay, MOLLYWOOD hat ein paar Gewaltmomente zu bieten in denen ein fanatischer Serienkiller aus Bestrafung jungen Menschen tötet, die kurz zuvor noch selbstgebraute Drogen beim Mörder gekauft haben. Die Morde machen dieses Machwerk aber auch nicht zur Sternstunde des Slasher-Kinos, weil die wenigen Kills schlichtweg beliebig sind. Da wird ein Bein abgesägt und Chemikalien ins Auge geträufelt. Sieht alles billig und semiprofessionell aus, was wohl vermutlich von den Machern nicht so gewollt war. MOLLYWOOD will in seinen Gewaltexzessen brutal und schonungslos sein. Das Resultat ist ernüchternd, weil man wegen mangelnder Sympathie zu den Opfern kaum Interesse am Ableben der Opfer hegt. Die mangelnde Qualität der Spezialeffekte tut da ihr Übriges. Dass dieser miserable Anti-Drogen-Propaganda-Film dazu noch kaum Handlung besitzt, macht ihn gleich doppelt unbrauchbar. Immerhin lässt man kurz einige Horror-Kultfilme der 1980/90er aufleben. MOLLYWOOD erinnert mit seinem vermummten Rächer an jene Horrorfilme in denen Polizisten aus der Hölle das Gesetz selbst in die Hand nahmen und Opfer wie Täter kaltblütig des Spaßes wegen ausradiert haben. Wer jetzt nicht weiß welche Filme gemeint sind: PSYCHO COP oder MANIAC COP sind einige derer.
 
 
 


 
 
 

MOLLYWOOD – Zensur

 
 
 
MOLLYWOOD hat in der zweiten Filmhälfte einige Gewaltszenen zu bieten. Es werden u.a. Chemikalien in das Auge eines Frau geträufelt, die zur Folge haben, dass die Haut verätzt. Weiterhin wird das Bein eines soeben mit Drogen benebelten Opfers abgesägt. Die meisten Gewaltszenen reduzieren sich auf die letzte halbe Stunde. MOLLYWOOD ist ein FSK18-Kandidat. Eine Indizierung muss nicht befürchtet werden.
 
 
 


 
 
 

MOLLYWOOD – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Momentum Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Psycho Cop (1989)
 
Maniac Cop (1988)
 
Maniac Cop 2 (1990)
 
Maniac Cop 3 (1993)
 

Filmkritik: „Head Count“ (2018)

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HEAD COUNT

Story

 
 
 

Zehn Freunde erwecken die Aufmerksamkeit einer unsichtbaren Präsenz, die raffinierte Methoden besitzt, um die Kumpels für einen perfiden Plan zu missbrauchen.

 
 
 


 
 
 

HEAD COUNT – Kritik

 
 
 
Eigentlich sind Filmtrailer dazu gemacht, die Neugier des Publikums zu wecken. Hin und wieder kommt es aber schon mal vor, dass ein Trailer die Spannung vorwegnimmt und die wichtigsten Szenen eines Films aneinanderreiht, sodass man sich die Sichtung des eigentlichen Streifens sparen kann. Aber es gibt auch das andere Extrem – wie der Kinotrailer zu HEAD COUNT beweist. Der reiht ebenfalls viele Filmschnipsel aneinander, die letztendlich nicht ansatzweise erahnen lassen, um was es eigentlich im fertigen Film geht. Zurückbleiben verwirrte Zuschauer, die man so natürlich nicht dazu bewegt einen Film wie HEAD COUNT zu kaufen. Manche Marketingstrategien wird man wohl nie verstehen.
 
 
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Umso besser, dass es Seiten wie FILMCHECKER gibt. Wir klären Euch deshalb auf. HEAD COUNT rückt die Brüder Evan und Peyton in den Mittelpunkt. Beide sehen sich nach langer Zeit mal wieder und wollen ein gemeinsames Wochenende verbringen. Doch der jüngere Evan lernt bei Streifzügen durch die Gegend eine Gruppe junger Leute kennen und verguckt sich dort in die attraktive Zoe. Letztere lädt den smarten Einzelgänger in eine angemietete Villa ein, wo die Freunde ein wildes Wochenende mit Drogen und Alkohol verbringen wollen. Das klingt für Evan nach Spaß. Der lässt seinen Bruder sitzen und zieht lieber mit Fremden durch die Nacht. Ein fataler Fehler – wie sich bald herausstellen wird. Bei einem Trinkspiel stöbert man auf einer ominösen Webseite und findet dort eine schaurige Legende über einen Gestaltenwandler namens Hisji, die man vorliest, um sich etwas Angst zu machen. Danach ist nichts mehr so, wie es mal war. Offenbar scheint an der Geschichte etwas dran zu sein, denn plötzlich wird man von einer unsichtbaren Präsenz verfolgt, die es nicht gut mit den Kumpels meint. Die imitiert die Freunde und scheut auch nicht davor Besitz von den jungen Leuten zu ergreifen. Doch wie kämpft man gegen einen Gegner, der nicht greifbar ist? Nun ja, wir verraten besser nicht zu viel.
 
 
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Von Doppelgängern und dem unsichtbaren Bösen. HEAD COUNT ist nicht unbedingt der beste Horrorfilm des Jahres 2019, hat aber eine frische Geschichte zu bieten, die nicht so abgedroschen ist, wie die meisten Handlungen im Genrefilm. Letztere erinnert etwas an den 2014 veröffentlichten IT FOLLOWS, wo ebenfalls ein unsichtbares Wesen jede erdenkliche Gestalt annehmen konnte, um damit Chaos anrichten zu können. Trotz Parallelen liegen zwischen beiden Filmen aber Welten. HEAD COUNT tut sich nämlich schwer damit seine nicht uninteressante Story spannend zu verpacken. So plätschern die Ereignisse in der ersten Hälfte dahin, ohne das überhaupt etwas passiert. Wir sehen Mittzwanziger beim Trinken, Kiffen und Smalltalk halten, wobei viele derer ohnehin nur oberflächlich skizziert werden, um das vornehmlich junge Publikum nicht zu überfordern. Keine kluge Entscheidung zumal HEAD COUNT damit schnell das Interesse beim Zuschauer verlieren dürfte, der sich berechtigterweise fragt, wann denn hier überhaupt mal die eigentliche Handlung losgetreten wird. HEAD COUNT als Kurzfilm wäre daher die bessere Alternative gewesen. Das unnötig lange Vorgeplänkel erweckt den Eindruck, als hätte man auf Biegen und Brechen Inhalt finden müssen, um auf Spielfilmlaufzeit kommen zu können.
 
 
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Immerhin ist es ab der Halbzeit dann endlich soweit – insofern das Publikum nicht bereits wegen Leerlauf abgeschalten hat. Dann passieren Dinge, die die Feiernden anfangs als Streiche abstempeln, aber schnell eines Besseren belehrt werden. Plötzlich geschehen mysteriöse Unfälle und Freunde scheinen sich im Haus an unterschiedlichen Orten gleichzeitig aufzuhalten. Das sorgt dann doch schon mal für Gänsehaut, zumal ein beunruhigender Score eingespielt wird und Regisseurin ELLE CALLAHAN sich lang bedeckt mit den Erklärungen hält. Was soll das alles hier und warum spielt eine Kreatur mit dem Erschaffen von Doppelgängern seine ahnungslosen Opfer gegeneinander aus? Das unheimliche Detektivspiel hat was, schwächelt aber etwas aufgrund des Budgets. Ein großes Problem, das wohl den meisten Indie-Horrorfilmen Probleme bereitet. Viel Geld dürfte nicht zur Verfügung gestanden haben, was sich in erster Linie an den Möglichkeiten bemerkbar macht. Die Handlung spielt sich in nur wenigen Räumen eines Sommerhauses ab und auch die überschaubaren Spezialeffekte sind nicht das Gelbe vom Ei. Tatsachen, die einen faden Beigeschmack hinterlassen und HEAD COUNT dann – trotz interessanter Story – wenig reizvoll machen. HEAD COUNT eignet sich demnach zur einmaligen Sichtung. Lang im Kopf bleibt der Streifen leider nicht. Dazu fehlen dem Film interessante Figuren, eindringliche Schocks und kontinuierliche aufgebaute Spannung, die den Zuschauer vor der Glotze fesselt und von Anfang bis Abspann präsent ist. Von all jenen Zutaten besitzt HEAD COUNT bedauerlicherweise einfach zu wenig.
 
 
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HEAD COUNT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Der kleine Bruder von IT FOLLOWS. Dass wir diesen Film hier nennen, dürfte aber auch im Sinne von Regisseurin ELLE CALLAHAN sein. Die ließ in Interviews verlauten, dass sie sich fürs Spielfilmdebüt von Filmen wie IT FOLLOWS und THE WITCH Inspiration holte. An diesen Filmen beeindruckte die Filmemacherin der langsame Aufbau und wie sich die Filme damit Zeit ließen das Grauen heraufzubeschwören. Beides gelingt in HEAD HUNT nicht unbedingt – auch wenn Callahan immer wieder beteuert, dass sie mit dem ersten Langfilm Ängste schaffen wollte, die nachhaltiger Natur sein sollten und mit denen sich das Publikum auch nach dem Abspann auseinandersetzt. Leider langweilt der Film in der ersten Hälfte enorm. Die Quintessenz von HEAD COUNT ist dessen Idee und sein Mysterium. Um beides wurde aber eine Geschichte geschrieben, die nur wenig begeistert. Die Figuren sind austauschbar, die Geschehnisse plätschern vor sich hin und wirkliche Höhepunkte besitzt HEAD COUNT nicht. Alles wirkt etwas halbherzig und mancherorts auch unfertig. Klar, diesem Indie-Film macht das Budget einen Strich durch die Rechnung. Dennoch hätte eine Bearbeitung des Drehbuchs Wunder bewirken können. Die Handlung kommt nämlich nur schleppend in Fahrt, was sich auch an der holprigen Spannungskurve bemerkbar macht. Letztere ist im Horrorfilm das A und O. Für die benötigt man nicht zwingend ein millionenschweres Kapital. HEAD COUNT kann man mal anschauen, dürfte aber wohl keinen Horrorfilmfan dazu bewegen sich diesen Mystery-Grusler ein zweites Mal zu Gemüte zu führen. Immerhin erfüllte sich Regisseurin ELLE CALLAHAN mit HEAD COUNT einen Traum. Die erklärte, dass sie ein großer Fan von Folklore sei. Sie wuchs in Neuengland auf und lauschte als Kind vielen gruseligen Geschichten. Umso mehr wollte sie auch einmal etwas Schauriges erschaffen, das anderen Angst bereitet. Im Falle von HEAD COUNT sah sie eine Möglichkeit. Die Bedrohung im Film ist eine Symbiose dessen, vor dem die Filmemacherin als Kind immer Angst hatte. Darunter befanden sich Legenden über den Skinwalker, den Wendigo und Hexen. Zugegeben: so kann man auch Kindheitsängste verarbeiten.
 
 
 


 
 
 

HEAD COUNT – Zensur

 
 
 
HEAD COUNT hält sich mit Gewalt weitestgehend zurück. Gegen Ende bekommt man dann aber doch etwas Rot zu sehen. So schneidet sich eine Protagonistin die Pulsadern auf. In einer anderen Szene fällt eine Filmfigur von einem Felsen und schlägt unsanft auf. Hierzulande dürfte HEAD COUNT eine ungeschnittene FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

HEAD COUNT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Godmother Industries | Hisji, LLC | Samuel Goldwyn Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
It Follows (2014)
 
Skinwalkers (2006)
 

Filmkritik: „Zoo“ (2018)

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ZOO

Story

 
 
 

Das letzte Paar auf der Erde: Zwei Menschen am Ende ihrer Beziehung finden während einer Zombie-Apokalypse plötzlich wieder zusammen.

 
 
 


 
 
 

ZOO – Kritik

 
 
 
Mal wieder ein Film über einen Zombie-Virus, der unbescholtene Bürger in aggressive Furien verwandelt. Och nee, nicht schon wieder – das gab es doch in den letzten Jahren zu Genüge in Kino und Fernsehen. Das zumindest dürften sich Stammleser von FILMCHECKER denken. Seit Gründung dieser Seite im Jahr 2011 haben wir so ziemlich viele dieser Kandidaten besprochen. Einige derer sind einfallsreich, kreativ und manchmal sogar kritisch mit der abgenutzten Zombie-Thematik umgegangen. Andere wiederum haben einfach nur des schnellen Geldes wegen bekannte Zombie-Klischees aneinandergereiht und sind damit kläglich gescheitert. Irgendwo dazwischen bewegt sich der folgende Indie-Horror. ZOO ist eine europäische Genre-Produktion, die den Mut wagt, den Zombie-Ausbruch aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Weniger Zombies, dafür mehr Figurenentwicklung und Drama. Ob sowas bei eingefleischten Fans von Zombiefilmen positiv ankommt?
 
 
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Wenn eine Zombie-Apokalypse eine Ehe kittet: Genau im ungünstigsten Moment stellen Karen und John fest, dass die Beziehung so gar keinen Sinn ergibt. Beide haben sich voneinander entfernt und stehen kurz vor ihrer Scheidung. Da wird plötzlich der Ausnahmezustand ausgerufen. Eine ominöse Seuche breitet sich in London aus und macht auch nicht im Haus der verzweifelten Streithähne Halt. Was tun? Am besten gar nichts. So zumindest entscheiden die Helden der Genre-Komödie ZOO. Sie verbarrikadieren sich in den eigenen vier Wänden und hoffen auf Hilfe. Bis dahin plündert man die Wohnungen der übrigen Mietparteien, um nicht auf den täglichen Wohlstand verzichten zu müssen. Eine gute Sache, die sich auch positiv auf die Beziehung von Karen und John auswirkt. Die lernen sich neu kennen und sind sich auf einmal vertrauter denn je. Ob die Ehe doch noch gerettet werden kann? Eine Frage mit der ZOO viel Zeit verbringt.
 
 
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ZOO ist kein konventioneller Horror-Spaß, was vermutlich auch darauf begründet ist, weil hinter dem Streifen jemand steckt, der bisher eher eine Schwäche für Geschichten jenseits des Massengeschmacks hegt. ANTONIO TUBLÉN nennt sich der schwedische Filmemacher, der bereits auf Festivals wegen seiner eigensinnigen Regiearbeiten wie dem Science-Fiction-Drama LFO oder der Komödie ORIGINAL viel Lob erhielt. Die individuelle Handschrift des Filmemachers und dessen Liebe fürs Unkonventionelle ist auch im dritten Spielfilm unverkennbar. Dabei irritiert vor allem die Richtung in welche ZOO tendiert. Viel mit Zombie-Horror hat der Streifen nichts am Hut. ZOO nutzt eine Zombie-Seuche als Alibi-Funktion aus, um den Fokus auf eine der wohl sonderbarsten Beziehungskonstellationen zu richten, die man im Horror-Genre zu sehen bekommen hat. Unsere beiden Filmhelden finden nämlich im Film bisher ungeahnte Dinge über sich heraus, die wohl im Verlauf der Beziehung unentdeckt blieben.
 
 
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Während sich Karen plötzlich als Expertin für Betäubungsmittel entpuppt und in der Wohnung ein ganzes Arsenal an harten Drogen vor ihrem Mann versteckt hält, gewährt Gatte John endlich Zutritt in seine emotionale Festung und ermöglicht seiner Partnerin so tiefe Einblicke in dessen emotionales Seelenchaos. Mit neu gewonnenen Erkenntnissen schmiedet man perfide Pläne und geht damit sogar über Leichen. Nein, ZOO ist nicht der Liebesfilm, den man sich wohl in erster Linie vorstellt, wenn man sich die Inhaltsangabe durchliest. Regisseur ANTONIO TUBLÉN schmückt seine etwas andere Liebesschmonzette mit allerhand schwarzem Humor aus, der seine Bahnen unterschwellig durch die Handlung zieht. Da bekommt man plötzlich Besuch von den Nachbarn, deren Wohnungen man zuvor noch geplündert hat. Als die nach etwas Proviant fragen und um Hilfe bitten, denkt man lieber über Mord nach, statt die Nachbarn höflichst darum bitten, nach einer Stärkung doch wieder die Wohnung zu verlassen. Mit Zynismus geizt ZOO keineswegs. Wer diese Art des Humors schätzt, dürfte sich an so einigen bitterbösen Wendungen erfreuen.
 
 
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Leider kann ZOO aber nicht die ganze Laufzeit überzeugen. Während sich die erste Filmhälfte alle Türen offenhält und durch schwarzhumorige Späße nicht immer bierernst nimmt, wendet sich in der letzten halbe Stunde das Blatt. Da verliert ZOO plötzlich seinen Humor und verläuft sich in überschwänglicher Sentimentalität und bedeutungsschwangeren Gesprächen – Tränen inklusive. Aus Spaß wird Ernst, was irgendwie so gar nicht zum Rest des übrigen Films passen will. So nimmt eine aufgesetzte Beziehungstragödie ihren Lauf, die die beiden Protagonisten plötzlich über den Sinn der Liebe fachsimpeln lässt. Da werden viele Zugeständnisse gemacht, die man innerhalb der Beziehung nie eingehen wollte und plötzlich ist man sich näher, als man sich zuvor nie war. Alles gut und schön, nur warum belästigt man damit den Zuschauer? Der plötzliche Wandel und die gekommene Einsicht machen aus zuvor coolen und überzeichneten Antihelden, teils langweilige und dazu auch noch gewöhnliche Menschen. Eine etwas unglückliche Entscheidung.
 
 
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ZOO – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein etwas anderer Beitrag zum Subgenre des Zombiefilms. Viele Zombies und die für diese Art des Films obligatorischen Fress- und Knabber-Szenen gibt es nicht zu sehen. Vielmehr nutzt man den Hintergrund einer Zombie-Apokalypse aus, um eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zu erzählen. ZOO spielt sich fast die gesamte Laufzeit über in den Räumen einer Wohnung ab. Dabei passieren allerhand schräge Dinge, die vor allem durch eines glänzen: schwarzer Humor. Leider ist ZOO aber kein nennenswerter Film. Irgendwie kann sich der Streifen nicht entscheiden, was er denn nun eigentlich sein will. Regisseur ANTONIO TUBLÉN will seinen dritten Spielfilm offenbar nicht krampfhaft in eine Schublade stecken. Er bedient sich Elementen aus apokalyptischen Zombie-Szenarien, kramt aber auch Zutaten klaustrophobischer Kammerspiele hervor, wo sich Handlungen auf nur begrenzte Schauplätze fokussieren. Als wäre das nicht schon eine Menge, schmückt der Filmemacher die Handlung dazu noch mit viel Dramatik, schwarzem Humor und überschwänglicher Sentimentalität aus. Ein ganz schön kalorienlastiger Cocktail, der wohl nicht jedem Zuschauer schmecken wird.
 
 
 


 
 
 

ZOO – Zensur

 
 
 
ZOO hat wenige Gewaltszenen zu bieten. Zwei Protagonisten werden vergiftet und einer Filmfigur wird in den Hals gestochen, sodass diese verblutet. Weiterhin gibt es Zombies zu sehen und Wunden, die die Kreaturen ahnungslosen Protagonisten zugefügt haben. Außerdem kommen Schusswaffen zum Einsatz. Hierzulande dürfte ZOO ohne Probleme eine FSK16 erhalten. Sonderlich blutig ist der Film nicht.
 
 
 


 
 
 

ZOO – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei PingPongFilm)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dead Within (2014)
 
Chrysalis (2014)
 

Filmkritik: „Shed of the Dead“ (2019)

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SHED OF THE DEAD

Story

 
 
 

Ein fauler und unsympathischer Möchtegerngärtner verschläft beinahe eine Zombie-Invasion und wird am Ende als Held gefeiert. Sowas kann es eigentlich nur im Film geben.

 
 
 


 
 
 

SHED OF THE DEAD – Kritik

 
 
 
Vor einiger Zeit hatten wir so etwas schon einmal auf dem Schirm. Da wollte man es dem Actionkracher THE EXPENDABLES gleich machen und möglichst viele bekannte Horrorfilmstars in einen Splatterstreifen pressen, um dem Genre-Fan feuchte Höschen bescheren zu können. Leider war DEATH HOUSE – trotz stattlicher Anzahl an bekannten Gesichtern – alles andere als gut. Kein Hals- und Beinbruch dachte sich Filmemacher DREW CULLINGHAM. Der wagt einen weiteren Versuch in eine ähnliche Richtung. Für den konnte er ebenso Ikonen des Horrorfilms gewinnen, die nun ein weiteres Mal vereint das Genre unsicher machen wollen. SHED OF THE DEAD nennt sich das Resultat, das trotz verheißungsvoller Sprüche auf dem DVD- und Blu-ray-Cover auch wieder nicht das geworden ist, das man von einem derartigen Vorhaben erwarten würde. Hier versuchen namhafte Schlitz- und Splattergrößen wie KANE HODDER, MICHAEL BERRYMAN und BILL MOSELEY einen miserablen Film zu tragen, der schon nach wenigen Minuten langweilt, weil er einfach nichts Neues zeigt und all das mit Füßen tritt, was gute Horrorkomödien auszeichnet. Keine sympathischen Figuren, keine zündenden Gags und eine Story, die das Dümmste ist, was man zuletzt im Horrorfilm zu sehen bekommen hat. Wenigstens hatten alle Beteiligten Spaß. Schade nur, dass sich Letzterer überhaupt nicht auf den Zuschauer übertragen will. Sowas nennt man normalerweise Bruchlandung. Setzen, 6!
 
 
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Der gefühlt tausendste Film über ein Zombie-Invsion, die aus heiterem Himmel ausbricht. Genau jenes Szenario muss auch Verlierer Trever durchleben, der aber davon kaum etwas mitbekommt, weil er mit sich selbst und seinem vermasselten Leben beschäftigt ist. Privat läuft es nämlich nicht so gut. Um der nervigen Ehegattin aus dem Weg zu gehen, hat sich der arbeitslose Trevor einen Schrebergarten gemietet, wo er heimlich Wodka aus gestohlenen Kartoffeln braut und mit Kumpel Graham Tabletop-Figuren bemalt. Eigentlich ein entspannter Rückzugsort vom Alltagsstress. Würde da nicht der spießige Gartenbesitzer Mr. Parsons Probleme bereiten. Der hat nämlich bereits Wind davon bekommen, dass Trevor ein fauler Schmarotzer ist. Deshalb will er ihn aus der Gartenidylle vertreiben. Er startet eine Petition und findet unter den übrigen Schrebergärtnern Verbündete, die ebenso den Abgang des Störenfrieds wünschen. Da kommt es zur Konfrontation und plötzlich ist Mr. Parsons tot. Was nun? Eine gute Frage, die unser Antiheld mit der Säge löst. Er zerteilt den Körper der Leiche in kleine Teile und staunt nicht schlecht, als der eigentlich tote Schrebergärtner plötzlich wieder von den Toten aufersteht. Willkommen zu einer weiteren Episode: Zombie gegen Menschen und umgekehrt.
 
 
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SHED OF THE DEAD hat mal wieder die of the Dead-Kreation im Titel. Erfahrene Zuschauer wissen mittlerweile, dass eine an die Kult-Klassiker des verstorbenen GEORGE A. ROMERO angelehnte Titelbezeichnung in der Regel den regelmäßigen Zombie-Wahnsinn einleitet. Im Falle von SHED OF THE DEAD ist aber so langsam das Maß aller Dinge erreicht. Der Film will nämlich in die Fußstapfen des britischen Horrorspaßes SHAUN OF THE DEAD treten. Leider befindet sich die Produktion weit weg von den Qualitäten jener Horrorkomödie, die unter Fans des Genres seit Jahren Kult genießt. Dafür verantwortlich sind infantile Witze, Fäkal-Humor und Späße weit unter der Gürtellinie. Wirklich clever oder gar einfallsreich ist hier nichts. SHED OF THE DEAD ist plump, quält mit nervigen Hauptdarstellern und zieht ermüdend Zombie-Klischees durch den Kakao, bereits so oft persifliert wurden, dass man darüber schon lange nicht mehr lachen kann. Regisseur und Drehbuchautor DREW CULLINGHAM füllt seine belanglose Geschichte mit pubertären Zoten, die wohl ein Teenager besser zu Papier gebracht hätte. Hinzukommt, dass der Zombie-Ulk zu keiner Minute witzig ist. Für eine Komödie fatal, die das Publikum eigentlich zum Lachen bringen möchte.
 
 
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SHED OF THE DEAD erweckt den Eindruck, als habe man das Budget falsch investiert. Offenbar floss das meiste Geld in die Auftritte der bekannten Schauspieler, um damit zugkräftige Verkaufsargumente für die Fanbase zu besitzen. Deshalb musste anderenorts gespart werden. So kommen die für Zombiefilme essenziellen Splatter-Szenen größtenteils aus dem Computer. Die wenigen Schauplätze zeichnen sich durch Minimalismus aus und über das fertige Drehbuch konnte man offenbar nicht noch einmal einen Profi lesen lassen, weil der wohl zu viel Kapital verschlungen hätte. Nein, SHED OF THE DEAD ist keine Sternstunde des Zombiefilms und dürfte wohl nur deshalb etwas Aufmerksamkeit erhalten, weil man drei bekannte Ikonen des modernen Horrorkinos engagieren konnte, denen offenbar mittlerweile vollkommen egal ist, für was man seinen bekannten Namen hergibt, solange es dafür Geld gibt. Hier wird im wahrsten Sinne des Wortes BAD TASTE geboten – wenngleich auch im negativen Sinne.
 
 
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SHED OF THE DEAD – Fazit

 
 
 

5 Punkte Final

 
 
 
BAD TASTE meets SHAUN OF THE DEAD. Auch wenn wir zwei ganz große Streifen des Horror-Genres in einem Atemzug nennen, um damit in etwa ausdrücken zu können, wohin die Reise in SHED OF THE DEAD gehen soll, hält man hier alles andere als nennenswerte Zombie-Unterhaltung in den Händen. Regisseur und Drehbuchautor DREW CULLINGHAM klaut von überall etwas zusammen. Ob ein paar Ideen aus Jacksons Kult-Titel BRAINDEAD oder dem rabenschwarzen SHAUN OF THE DEAD – an Zitaten mangelt es freilich nicht. Die Huldigungen hätte man diesem Zombiefilm auch gerne gegönnt, wenn SHED OF THE DEAD nicht undankbar witzfrei wäre. Der Streifen entpuppt sich als Sammelsurium infantiler Späße, die wohl nicht mal pubertäre Teenager witzig finden werden. Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, kommt auch die Geschichte nur selten in Schwung. Da kann man es vielen Horrorfilmfans nicht vergönnen, wenn die behaupten, dass das Zombie-Genre so langsam die besseren Tage hinter sich hat. Ein ideenloser Film wie SHED OF THE DEAD unterstreicht diese These geradewegs.
 
 
 


 
 
 

SHED OF THE DEAD – Zensur

 
 
 
SHED OF THE DEAD hat von der FSK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Das ist für eine Zombiekomödie etwas ungewöhnlich. Zwar fließt etwas Blut und ein paar Splatter-Momente gibt es auch zu sehen. Diese sind aber so überzogen, dass die Erwachsenenfreigabe verwundert. SHED OF THE DEAD wurde in Deutschland ungeschnitten veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

SHED OF THE DEAD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Meteor Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Shed of the Dead; Großbritannien 2019

Genre: Horror, Splatter, Komödie

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,39:1 / (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Behind the Scenes, B-Roll, Bildergalerie

Release-Termin: 31.05.2019

 

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SHED OF THE DEAD – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Meteor Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Stalled (2013)
 
Shaun of the Dead (2004)
 
Zombieland (2009)
 
Tucker and Dale vs Evil (2010)
 
Braindead (1992)
 
Scouts vs. Zombies – Handbuch zur Zombie-Apokalypse (2015)
 
Cooties (2014)
 

Filmkritik: „Isabelle“ (2018)

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ISABELLE

(THE WANTING | ISABELLE’S WANTING)

Story

 
 
 

Ein bleiches Mädchen bringt durch das ständige Beobachten der neuen Nachbarn genau jene um den Verstand. Letztere fühlen sich so langsam genervt – zumal ihnen der Neuanfang am Rande der Stadt alles andere als einfach fällt.

 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Kritik

 
 
 
Wer sich mit Horrorfilmen auskennt weiß schon lange, dass reißerisch gestaltete Filmplakate schon lange nicht mehr die Qualität eines Horrorfilms widerspiegeln. Da wird gern mal mit Blut, Gedärm oder entstellten Fratzen geworben, um die Neugierde des Zuschauers zu wecken. Leider wird so nur vom eigentlichen Inhalt abgelenkt. Bei den meisten neueren Horrorfilmen sieht es damit mau aus. Zum Leidwesen des Käufers. Dem wird einmal mehr bewusst, dass man sich nicht vom Filmplakat leiten lassen soll. In der Regel steckt nämlich genau bei jenen Covergestaltungen Schund dahinter, die auf Biegen und Brechen um die Gunst des Käufers buhlen. Gute Horrorfilme habe ausgefeilte Poster-Kreationen nicht nötig.
 
 
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Bei der folgenden Genre-Produktion mit dem Titel ISABELLE trifft genau diese Formel zu. Da schaut eine verängstigte Frau vom Cover und suggeriert so dem Zuschauer, dass er hier wohl einen der gruseligsten Filme der letzten Jahre zu sehen bekommt. Die Realität sieht anders aus. Der von ROBERT HEYDON inszenierte Horrorstreifen hat zwar mit ADAM BRODY (aus FINAL DESTINATION 3) und SHEILA MCCARTHY (aus STILL/BORN) bekannte Gesichter zu bieten. In Sachen Grusel wird aber nur beliebige Standardware geboten, die eher ermüden lässt, statt den Zuschauer vor Angst um den Schlaf zu bringen. Vielleicht wäre eine gelangweilte Frau auf dem Poster aufschlussreicher gewesen, statt den Käufer mal wieder mit Fehlinformationen hinter das Licht zu führen. Dann hätte der Zuschauer auch direkt verstanden, was ihn erwarten wird.
 
 
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Nervige Stalkerin: In ISABELLE zieht es werdende Eltern in ein gemütliches Häuslein in ruhiger Gegend. Eigentlich das Beste, was der schwangeren Larissa und dem Gatten Matt passieren konnte. Würde da nicht plötzlich ein schrecklicher Schicksalsschlag ereilen. Der ungeborene Sohn stirbt ganz unerwartet und das junge Paar fällt in ein tiefes Loch. Kein guter Start in das gemeinsame Leben, was sich vor allem bei Larissa bemerkbar macht. Die hat mit Depressionen zu kämpfen und sieht sich plötzlich von der schaurigen Nachbarstochter verfolgt. Letztere sitzt im Rollstuhl und beobachtet die neuen Nachbarn von ihrem Dachfenster aus. Da überkommt der traumatisierten Larissa ein unangenehmes Gefühl. Zurecht, denn es dauert nicht lang, bis das bleiche Mädel von Gegenüber auch noch in der Wohnung der jungen Eltern auf Entdeckungsreise geht – unaufgefordert versteht sich. Alles nur Einbildung und doch real? Eine Frage, der Ehemann Matt auf den Grund gehen muss. Ob er schnell professionelle Hilfe finden wird?
 
 
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ISABELLE ist kein cleverer Horrorfilm. Der Gruselstreifen versucht erst gar nicht, dass Beste aus der dünnen Story zu machen. Wo man in Filmen wie THE HOUSE ON PINE STREET oder DARK CIRCLES ähnliche Themen aufgriff und den Zuschauer durch falsche Fährten an der Nase herumführte, geht man in ISABELLE den Weg des geringsten Widerstandes und fällt gleich mit der Tür ins Haus. Dabei entpuppt sich bereits der Trailer als katastrophale Spannungsbremse. Der verrät gleich mal genau jenen Plot, der anfangs noch verschleiert wird und den Zuschauer vor der Glotze halten soll. So ist Regisseur ROBERT HEYDON kläglich darum bemüht ein Mysterium um die Geschehnisse in ISABELLE zu weben. Unsere Filmheldin verliert ihr neugeborenes Kind und beginnt plötzlich Dinge zu sehen, die gar nicht da sind. Alles nur Folgen eines schwerwiegenden Traumas oder ist Larissa auf einmal empfänglich für paranormale Ereignisse? Der Sprung vom Psychothriller zum Geisterfilm ist kurz und macht aus ISABELLE ziemlich austauschbaren Gruselbrei, der sich wirklich jedem Klischee bedient, das man nun schon in gefühlt 1000 Filmen über zornige Geister zu sehen bekommen hat. Das ist angesichts der Tatsache ermüdend, weil es mittlerweile einfach zu viele Gruselproduktionen gibt, in den es spukt oder poltert. Weil die nach immer gleichen Schema abgehandelt werden, hat sich allmählich ein Sättigungsgefühl eingestellt. Das macht sich auch im Falle von ISABELLE bemerkbar. Ja, hier ist ein böses wütendes Geistermädchen am Werke, das dem Gör aus dem japanischen RING-Universum Konkurrenz machen will. Will das jemand sehen? Wir meinen: nein! Etwas mehr Grips und Einfallsreichtum tut beim Gruselhandwerk zwingend Not.
 
 
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ISABELLE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein weiterer Versuch dem aus TV-Geräten und Brunnen krabbelnden Mädchen der Horrorfilm-Reihe RING den Rang abzulaufen. Der Gruselfilm ISABELLE ist ein solider Gruselfilm für Anfänger – mehr aber auch nicht. Regisseur ROBERT HEYDON versucht mit ausgelutschten Rezepturen des Geisterfilm-Genres irgendwie Spannung aufzubauen. Vergebens! Der Streifen verrät viel zu früh, dass die stalkende Nachbarstochter eigentlich ein Geist ist und einen Weg sucht, trotz Geisterhülle irgendwie unter den Lebenden verweilen zu können. Für die Filmhelden Grund genug, nach den sterbliche Überresten der toten Stalkerin zu suchen, um dem Geist ins Reich der Toten abschieben zu können. Ja, jetzt haben wir den wenig überraschenden Plot aufgelöst. Den vorausahnen zu können ist aber auch keine Kunst. Erfahrene Zuschauer wittern bereits nach wenigen Minuten die Fährte. Der dumm geschnittene Trailer verrät den Rest. Wer sich den angeschaut hat, kann sich Sichtung des eigentlichen Films sparen. ISABELLE ist paranormale Dutzendware – ohne echten Spannungsbogen. Austauschbar, beliebig, unnötig.
 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Zensur

 
 
 
ISABELLE hat kaum Gewalt zu bieten. Eine Filmfigur erstickt, weil man ihr eine Plastiktüte über den Kopf zieht. Weiterhin bringt sich ein Charakter selbst um und eine Protagonistin stürzt aus dem Fenster. Das ist alles sowas von FSK16 – man glaubt es kaum.
 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei The Wanting Film Inc.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jessabelle – Die Vorhersehung (2014)
 
Gallows Hill (2013)
 
Haunt – Das Böse erwacht (2013)
 
Dark Circles (2013)
 
The House on Pine Street (2015)
 

Filmkritik: „We Have Always Lived in the Castle“ (2018)

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WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE

(WIR HABEN IMMER SCHON IM SCHLOSS GELEBT)

Story

 
 
 

Wenn eine heile Welt zerstört wird und dennoch neue Möglichkeiten eröffnet: Zwei Geschwister erleben in einem alten Anwesen die Hölle. Glattgebügelte Romanverfilmung mit guten Darstellern.

 
 
 


 
 
 

WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE – Kritik

 
 
 
Wenn STEPHEN KING in höchsten Tönen über Literatur spricht, dürften Leseratten hellhörig werden. Es kommt nämlich nicht so oft vor, dass sich der Schreiberling so lobend über Schriftsteller äußert und sich von Selbigen auch noch fürs eigene Schaffen inspirieren lässt. In diesem Fall richtet sich das Lob an die bereits 1965 verstorbene Autorin SHIRLEY JACKSON. Die Queen des Horrors – so wie man sie heute oft bezeichnet – veröffentlichte im Jahr 1948 eine Kurzgeschichte mit dem Titel THE LOTTERY im NEW YORKER. Leider kam die düstere Erzählung gar nicht gut an. Viele Leser kündigten ihr Zeitungsabonnement und sendeten der Schriftstellerin Hassbriefe. Doch die Kontroverse spornte die fantasiebegabte Autorin nur weiter an. Das Resultat sind viele Horrorromane und -geschichten, über die man auch heute noch spricht. Neben dem Roman SPUK IN HILL HOUSE – der mittlerweile schon mehrfach verfilmt wurde (unter anderem als Serie von NETFLIX) – hat es auch WIR HABEN IMMER SCHON IM SCHLOSS GELEBT zu beachtlichem Erfolg geschafft. Der Mysterythriller wurde drei Jahre vor dem Tod der Autorin veröffentlicht und gilt bis heute als Jacksons bester Roman. Das sah man offenbar auch in Hollywood so. Weil die NETFLIX-Adaption von SPUK IN HILL HOUSE gute Resonanz erhielt, nahm man sich WIR HABEN IMMER SCHON IM SCHLOSS GELEBT vor und adaptierte das Buch unter dem Originaltitel für die Leinwand.
 
 
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Die Spielfilmumsetzung mit dem Titel WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE handelt von den Geschwistern Merricat und Constance Blackwood. Die leben nach einem Schicksalsschlag zurückgezogen mit Onkel Julian in einem alten Anwesen weit weg von der Stadt und verlassen so gut wie kaum noch das Haus. Das hat auch seinen Grund. In der Kleinstadt ist man nämlich fest davon überzeugt, dass die ältere Constance die Eltern mit Arsen vergiftet hat. Seither werden die Blackwoods von den Einwohnern verachtet – jeder Besuch der Außenseiter im Städtchen verbreitet bei den Menschen Wut und Hass. Doch damit haben sich die Schwestern über die Jahre abgefunden und beginnen mit der Situation zu leben. Leider kommt bald Unordnung in den zurückgezogenen Alltag. Die introvertierte Merricat wird plötzlich von schrecklichen Vorahnungen geplagt. Letztere Bewahrheiten sich auch schnell. Da klopft es unerwartet an der Tür und Cousin Charles will nach dem Rechten sehen. Von dem hat man seit Ewigkeiten nichts mehr gehört. Umso merkwürdiger sein plötzliches Interesse für die Verwandten. Er beginnt die Schwestern zu manipulieren und sorgt für Probleme, die schnell zu Chaos führen und eine Katastrophe heraufbeschwören.
 
 
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Immer der Nase nach. WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE hält sich erstaunlich nah am Roman und scheut – bis auf eine kleine Änderung in der letzten Szene – Abkürzungen und Umwege. Kenner des Buches werden daher kaum Überraschungen erleben und trotzdem nicht enttäuscht werden. Was die Verfilmung nämlich auszeichnet, ist die Tatsache, dass der Streifen richtig gute Schauspieler besitzt – darunter namhafte Größen Hollywoods wie CRISPIN CLOVER und TAISSA FARMIGA. Letztere hat man nun schon in einigen Genre-Produktionen zu sehen bekommen. Darunter so Filme wie MINDSCAPE, THE NUN und THE FINAL GIRLS. Bereits dort konnte sie mit facettenreichem Schauspiel überzeugen. Das prägt sich auch durch die Rolle der stillen Einzelgängerin in WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE ins Gedächtnis. Anfangs noch in einer Traumwelt verharrend, wird ihre Figur bald aus dem sicheren Kosmos gezogen und in eine ungewisse Zukunft geworfen, die den Filmcharakter über sich hinauswachsen lässt. Da passieren plötzlich Ereignisse die alle Beteiligten an die Grenzen bringen. Die dabei von Regisseurin STACIE PASSON entwickelt Dynamik ist bemerkenswert. Was zu Beginn noch ein verträumtes Familienmärchen vermuten lässt, entwickelt sich schnell zu einem ausgeklügelten Psychothriller über Manipulation und Hass. Das dadurch heraufbeschworene Unheil wird auf die Spitze getrieben und endet mit einem lauten Knall. Weil das cineastische Pulverfass ohne Gewalt auskommt und das Chaos allein durch Dialoge und durch das Miteinander der Protagonisten heraufbeschworen wird, gehört WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE zu einem der interessantesten Genre-Beiträge der letzten Jahre.
 
 
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WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE schafft es, ohne blutige Bilder ein beklemmendes Gefühl zu erzeugen. Mit einem Minimum an Handlung wird ein Maximum an Spannung bewirkt. Das ist große Kunst, die Autorin SHIRLEY JACKSON besonders gut beherrschte. Dennoch geizt der Streifen – wie bereits das Buch – mit Antworten. Die Geschichte nimmt sonderbare Wendungen und auch die wenigen Hauptfiguren scheinen – vermutlich auch der Isolation wegen – nicht immer von Sinnen zu handeln. Die befremdlich wirkende Handlung dürfte manch Zuschauer verwirren. Ein Blick auf die Biografie von Schriftstellerin SHIRLEY JACKSON sorgt für Aufschluss und bringt Licht ins Dunkel. Die macht in ihren Werken oft Außenseiter zum Thema, die von engstirnigen Kleinstadtbewohnern verfolgt werden. Das ist auch in WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE der Fall. Dort entwickelt die Abneigung gegenüber den Außenseitern eine besorgniserregende Wendung. Erst sind es nur Beschimpfungen, die unsere Filmhelden über sich ergehen lassen müssen. Im späteren Verlauf werden die Figuren beinahe schon wie Vieh von den Menschen des Ortes gejagt. Parallelen zum Leben von Autorin SHIRLEY JACKSON sind nicht von der Hand zu weisen. Die lebte einst selbst in einem dieser Kleinode an denen die Menschen nach eigenen Regeln leben. So wurde sie in der Kleinstadt North Bennington im amerikanischen Bundesstaat Vermont regelmäßig selbst mit reflexhaften Antisemitismus und Anti-Intellektualismus konfrontiert. Genau jenes verträumtes Städtchen ist Schausplatz in vielen Werken der Schriftstellerin. Offenbar hatte Jackson so versucht einschneidenden Erlebnisse durch das Schreiben von Romanen zu verarbeiten, wenngleich sie in WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE die Folgen vergifteter Gedanken dann doch befremdlich intensiv auf die Spitze treibt. Immerhin war sie nicht die Erste die Erlebtes in Schriftform aufarbeitet hat.
 
 
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WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Subtiler Psychothriller – hervorragend gespielt. WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE ist eine längst überfällige Romanverfilmung und handelt von einem Mädchen, das in einer Traumwelt lebt, alles Fremde hasst und versucht, die schräge Idylle mit allen Mitteln vor Veränderung zu schützen. WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE entpuppt sich als finsteres Panorama, das Elemente aus Psychodrama, Krimi und Märchen vereint. Statt den Holzhammer zu schwingen, wird das Grauen in erster Linie durch Dialoge und mysteriöse Stimmung erzeugt. Gorebauern kommen hier nicht auf ihre Kosten. Ebenso nicht Leute, die sich gern von unterbelichteter Kommerzware berieseln lassen, die der Streaming-Anbieter NETFLIX am Fließband produziert. Dazu ist der Erzählstil äußerst unkonventionell und manch Frage bleibt am Ende unbeantwortet. Etwas Kopf und ein wenig Fantasie für die Eigeninterpretation sollten schon vorhanden sein, denn im Falle von WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE kommt das Grauen auf leisen und anspruchsvollen Sohlen. Sollte nach der Sichtung dennoch Verwirrung die Folge sein, hält Wikipedia einige Antworten parat. Dabei scheint folgende Information besonders wertvoll für den Aufschluss der Handlung zu sein: „… Typisch für Jacksons Werk ist die Erschaffung einer Atmosphäre des Befremdlichen sowie die tiefe Vertrautheit mit der Alltäglichkeit des Bösen und dessen Auswirkungen auf die Dorfgemeinschaft, die Familie und das Individuum. Was WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE jedoch von ihren anderen Werke unterscheidet, ist die gleichzeitige Ergründung von Liebe und Hingabe, allem die Handlung durchziehendem Unbehagen zum Trotz …“
 
 
 


 
 
 

WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE – Zensur

 
 
 
WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE hat bis auf eine Szene am Ende keine Gewalt zu bieten. Der Streifen fokussiert eher subtile und psychologische Angst. Liebhaber für blutige Handarbeit werden vermutlich enttäuscht sein. Hierzulande dürfte WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE wegen besagter Gewaltszene am Ende eine ungeschnittene FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei One Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bis das Blut gefriert (1963)
 
In einer kleinen Stadt (1993)
 

Filmkritik: „The Haunting Of Sharon Tate“ (2019)

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THE HAUNTING OF SHARON TATE

Story

 
 
 

Die hochschwanger SHARON TATE wird von schrecklichen Träumen geplagt, in denen Sie den eigenen Tod kommen sieht. Alles nur Einbildung oder doch drohendes Unheil?

 
 
 


 
 
 

THE HAUNTING OF SHARON TATE – Kritik

 
 
 
Der Sommer 1969 schockierte ein ganzes Land. Am 9. August genannten Jahres zogen Mitglieder einer rassistischen Sekte los, um in den Hollywood Hills ein grausames Verbrechen auszuüben, das selbst heute noch Schauer verursacht. Im Fokus: Die damals hochschwangere Frau von Kult-Regisseur ROMAN POLANSKI. Sie galt zu ihrer Zeit als eine der schönsten Frauen der Welt und als Stilikone der Swinging Sixties. Leider wurde ihr der Erfolg zum Verhängnis. Zusammen mit einigen Freunden wurde sie von Anhängern der Hippie-Kommune MANSON FAMILY ermordet, die von Psychopath CHARLES MANSON gegründet und geleitet wurde. Kontroverser Stoff, der offenbar auch heute noch für so einige Regisseure von Interesse ist, um ihn kommerziell ausschlachten zu können. Zu einem dieser Filmemacher gehört DANIEL FARRANDS. Der war schon an so einigen Horrorfilm-Produktionen beteiligt und scheint ein großes Herz für Genre-Ware zu besitzen. So schrieb er nicht nur das Drehbuch zu HALLOWEEN 6 und HAVENHURST. Auch als Produzent bewies er den richtigen Riecher und finanzierte so Horrorfilme wie HAUS DER DÄMONEN oder AMITYVILLE – THE AWAKENING mit. Dass bei so viel Liebe zum Horror auch THE HAUNTING OF SHARON TATE jene Schiene bedient, verwundert wenig. Statt einen informativen Tatsachenbericht über die Manson Morde abzuliefern, werden eher niedere Instinkte befriedigt. Damit tritt man in die gleichen Fußstapfen, wie der ähnlich gelagerte WOLVES AT THE DOOR. Auch dort wurde der Kriminalfall für einen Horrorthriller missbraucht, um möglichst detailreich das Ableben der Opfer zeigen zu können. Das ist irgendwie den Opfern und Angehörigen pietätlos gegenüber.
 
 
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Die Frau von Regisseur ROMAN POLANSKI ist im neunten Monat schwanger. Leider befindet sich der Gatte bei Dreharbeiten in London, weshalb sich SHARON TATE (gespielt von HILARY DUFF) in das gemeinsam angemietete Haus über den Hügeln Hollywoods zurückgezogen hat und sich dort mit Freunden die Zeit vertreibt. Leider erlebt die attraktive Sharon bald den Horror auf Erden. Sie wird von schrecklichen Albträumen und Visionen geplagt, in denen sie den eigenen Tod und den der Freunde voraussieht. Als wäre das nicht schon schaurig genug, fühlt sich die junge Frau auch noch verfolgt. Ein Fremder dringt in das Anwesen ein und hinterlässt Tonaufnahmen mit satanistischen Versen. es Sharon da mit der Angst bekommt ist verständlich. Leider will niemand der Freunde Glauben schenken. Die führen die plötzlichen Panikattacken auf die Schwangerschaft zurück. Eine Fehlinterpretation – wie sich bald herausstellen wird. Da klopft es plötzlich an der Tür und einige Fremde meinen es nicht gut mit der aufgebrachten Feiergesellschaft.
 
 
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Mittlerweile muss man mit einer gesunden Skepsis an Filme herangehen, die Themen aufgreifen, welche sich tatsächlich ereignet haben. So auch bei THE HAUNTING OF SHARON TATE. Der Film suggeriert dem Publikum nämlich, dass Kult-Schauspielerin SHARON TATE vor ihrem Tod schreckliche Visionen vom eigenen Ableben durchlebt hat. Das ist dreiste Blendung am Zuschauer, denn die Schwester der Ermordeten beteuerte in Interviews, dass es derartige Vorhersehungen in keinster Weise gegeben haben soll. Doch bei dieser Falschaussage soll es nicht bleiben. Neben wüsten Verschwörungstheorien, die hier beinahe ungeniert ins Drehbuch geschrieben wurden, ist es vor allem auch Filmemacher ROMAN POLANSKI, der eine Menge einstecken muss. Der wird zwar von keinem Schauspieler im Film verkörpert, ist aber dennoch ziemlich oft Thema. So wird er als ignoranter Ehepartner im Film beschrieben, der sich einen Deut um seine Gattin schert und sich stattdessen mit anderen Frauen vergnügt. Das ist irgendwie unverschämt.
 
 
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Doch THE HAUNTING OF SHARON TATE vermittelt nicht nur ein falsches Bild von Vorfällen und Opfern. Der Streifen kann sich auch nicht entscheiden, was er denn nun eigentlich sein will. Regisseur, Drehbuchautor und Produzent DANIEL FARRANDS vermischt hier Tatsachenberichte mit Mystery und Horrorelementen. Das Resultat ist verwirrend. Da träumt Filmfigur SHARON TATE vom eigenen Tod und ist plötzlich ihren Peinigern einen Schritt voraus. Sie überwältigt die Täter und bringt sie mit ihren Freunden um die Ecke, nur um in der folgenden Szene plötzlich doch von der Polizei tot aus dem Vorgarten herausgetragen zu werden. Abschließende Wort über Schicksal und Vorhersehung geben keinen Aufschluss und lassen das Publikum ratlos vor der Glotze zurück. Da stellt sich zu Recht die Frage, was uns Initiator DANIEL FARRANDS mit seinem doch ziemlich einfältigen THE HAUNTING OF SHARON TATE sagen wollte. Weil ein Regie-Audiokommentar auf der Blu-ray und DVD-Veröffentlichung fehlt, dürfte man als Zuschauer wohl nur spekulieren können.
 
 


 
 
 

THE HAUNTING OF SHARON TATE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Zum 50. Jahrestag der Manson-Morde folgt ein weiterer Film über die Ereignisse, den man aber nicht ernst nehmen kann. Was dem Zuschauer hier vermittelt wird, ist haarsträubend. Unter dem Deckmantel eines schockierenden Kriminalfalls, der sich in den 1960er Jahren tatsächlich in Amerika abgespielt hat, wird hier Wahrheit mit Fiktion vermischt. Das Resultat ist ein Horrorthriller, der zum Ende hin äußerst wirr anmutet und auch noch ins Esoterische abdriftet. Einzig der bedrohliche Score von FANTOM in Kombination mit der soliden Kameraarbeit von CARLO RINALDI retten THE HAUNTING OF SHARON TATE vor dem völligen Untergang. Im Strudel aus totgefilmten Jump-Scares und komischen Handlungsverläufen tut dann auch Sängerin und Ex-Disney-Vorzeigesternchen HILARY DUFF leid. Nach kleiner Schauspielabstinenz meldet die sich mit einem kontroversen Horrorthriller zurück, der gerade wegen seiner reißerischen Zurschaustellung tatsächlich geschehener Ereignisse und unnötiger Falschaussagen von Kritikern und Publikum verrissen wurde. Duff verkörpert im Film die schwangere SHARON TATE und spielt die von Albträumen geplagte und paranoid werdende Frau Polanskis glaubhaft. Dennoch ein Kampf gegen Windmühlen. THE HAUNTING OF SHARON TATE ist unnötig und auch nicht sonderlich spannend. Ein paar Gewaltszenen gehen dann aber doch etwas zu weit – zumindest für die von der FSK attestierte Freigabe ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE HAUNTING OF SHARON TATE – Zensur

 
 
 
Wenn die Sektenmitglieder unzählige Male auf ihre Opfer einstecken, ist das doch schon sehr hart anzusehen. Da wundert es schon etwas, dass THE HAUNTING OF SHARON TATE hierzulande ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben wurde. Offenbar hatte die FSK einen guten Tag und ließ den Film passieren.
 
 
 


 
 
 

THE HAUNTING OF SHARON TATE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UNIVERSUM FILM (Blu-ray im Keepcase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Haunting of Sharon Tate; USA 2019

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Trailershow, Trailer, Interviews

Release-Termin: 10.05.2019

 

The Haunting of Sharon Tate [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE HAUNTING OF SHARON TATE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei UNIVERSUM FILM )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wolves at the Door (2016)
 
The Manson Family (2003)
 
Once Upon a Time… in Hollywood (2019)
 
Helter Skelter – Die Nacht der langen Messer (1976)
 

Filmkritik: „The Convent“ (2018)

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THE CONVENT

(HERETIKS)

Story

 
 
 

Eine der Hexerei beschuldigte Frau landet in einem Kloster und erlebt dort das Grauen auf Erden.

 
 
 


 
 
 

THE CONVENT – Kritik

 
 
 
Die Zeit der Inquisition war nicht unbedingt eine Sternstunde der Geschichte. Da wurden unschuldige Frauen, Männer und sogar Kinder der Hexerei beschuldigt und anschließend zum Tode verurteilt, weil man der Meinung war, dass jene ahnungslosen Seelen mit dem Teufel im Bunde standen. Ein trauriges Kapitel, das natürlich auch im Horrorfilm aufgearbeitet werden musste. Das Resultat: so reißerischer Exploitation wie DER HEXENJÄGER, HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT oder HEXEN – GESCHÄNDET UND ZU TODE GEQUÄLT. Darin wurden geschichtliche Fakten zur Nebensache. Stattdessen wurde gefoltert, ermordet, vergewaltigt und gedemütigt. Die Kamera hielt stets darauf. Ende der 1960er und zu Beginn der 1970er war das schon harter Tobak.
 
 
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Der Horrorfilm THE CONVENT ist auch einer dieser Streifen, der das Thema Inquisition als Alibi nutzt, um Horror zeigen zu können. Da kommt natürlich gleich Freude bei Liebhabern blutiger Exploitationfilme auf. Denen sei gesagt, dass THE CONVENT weitestgehend von der Zurschaustellung grausamer Gewalt absieht und eher eine atmosphärische Geschichte vor Mittelalter-Kulisse erzählt, die sich Elementen aus Okkult- und Dämonen-Horror bedient. Weil seit dem CONJOURING-Spinoff THE NUN auch Nonnen wieder in Mode sind, gibt es die gleich mit dazu. Letztere beweisen in diesem Horrorstreifen Talent fürs Quälen ahnungsloser Novizinnen. Da werden Erinnerung an Nunsploitation-Streifen der 70er Jahre wach. Darin wurde tabuloser Sex und unmenschliche Gewalt hinter Kirchentüren zelebriert. THE CONVENT schlägt ähnliche Richtung ein. Auch hier werden junge Nonnen-Anwärterinnen von Obernonnen schikaniert, bestraft und gebrochen. Nur mit schonungslosen Sexszenen geizt der Streifen – leider!
 
 
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Vom Regen in die Traufe. Die junge (HANNAH ARTERTON) ist ein Pechvogel, wie er im Buche steht. Die wird wegen Hexerei angeklagt, weil sie den Tod der Mutter vorausgeahnt hat. Nun soll das junge Ding auf dem Scheiterhaufen brennen. Ihr Schicksal scheint besiegelt. Da taucht eine geheimnisvolle Nonne (CLAIRE HIGGINS) auf, die eine religiösen Zufluchtsort in der Nähe leitet. Die wortgewandte Alte überzeugt das Gericht und darf die Beschuldigte mit in das von ihr geführt Konvent nehmen, wo sie den Weg zurück zu Gott finden soll. Doch dort soll der Horror für die ahnungslose erst beginnen. Nicht nur, dass sich der Neuling den harten Regeln der Ordensgemeinschaft unterwerfen muss. Hinter den dicken Mauern dieses Klosters herrscht offensichtlich das Böse. Da passieren plötzlich seltsame Dinge und macht Bekanntschaft mit einer bösartigen Präsenz. Als wäre das nicht alles schon schaurig genug, verhalten sich auch die Leiterinnen des Klosters seltsam. Offenbar wissen die, was hier passiert. Ein Rätsel, das nun auch lösen muss.
 
 
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Nein, THE CONVENT ist kein Remake, Reboot oder Sequel vom grotesken Kirchen-Splatter aus der Mache des MIKE MENDEZ, welcher 2000 unter gleichem Titel in den Lichtspielhäusern gezeigt wurde. Der hier besprochene THE CONVENT – der anfangs noch HERETIKS hieß – hat mit der spaßigen Genre-Produktion überhaupt nichts zu tun und will auch sonst nicht spaßig sein. Regisseur PAUL HYETT zeichnet verantwortlich. Der überraschte 2012 mit dem unangenehmen THE SEASONING HOUSE und lies anschließend in HOWL Werwölfe folgen. Spielfilm Nummer drei geht düstere Wege, ist Okkult-Horror der alten Schule und eigentlich bis Filmmitte ganz brauchbar. So muss eine junge Novizin herausfinden, welche geheimnisvollen Legenden um ein düsteres Konvent ranken, in dem immer mal wieder unschuldige Nonnen verschwinden. Weil die Heldin lang im Dunkeln tappt und THE CONVENT auch sonst ein großes Geheimnis über mysteriöse Vorkommnisse hinter Klostermauern macht, bleibt THE CONVENT spannend. Danach wird es leider dämlich.
 
 
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Leider kann der Spannungsbogen nicht lang gehalten werden. Spätestens nach der Halbzeit vertrödelt dieser gotisch angehauchte Kloster-Horror zu viel Zeit mit dem Abhandeln von Dämonen-Klischees, bedient sich bei dazu noch bei anderen Horror-Subgenres und verkommt so zu Dutzendware. Da werden nicht nur vorhersehbare Schreckmomente und fast schon grotesk anmutende Blutmanschereien abgehakt, die gar nicht zum restlichen Film passen. Auch dem Dämonen-Make-up mangelt es an Glaubwürdigkeit. So trägt das Böse im Film eigensinnige Kontaktlinsen, die leuchten. Ähnliche Anfertigungen hatten wohl feiernde Techno-Anhänger zu Loveparade-Zeiten in den Augen. Furchterregend ist etwas anderes.
 
 


 
 
 

THE CONVENT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Was atmosphärisch beginnt, endet in einer klischeebeladenen Dämonen- und Zombie-Achterbahn mit schlechten Effekten. Als Liebhaber des klassischen britischen Horrors wollte Regisseur PAUL HYETT genau dieser Film-Epoche eine moderne, härtere und stilvolle Note verleihen. Das ist leider nur bedingt gelungen. Atmosphärisch fährt die dritte abendfüllenden Spielfilm-Produktion des Filmemachers groß auf. Leider wird THE CONVENT ab der Halbzeit ziemlicher Käse. Da wird alles abgefeuert, was das Horror-Genre so hergibt. Regisseur PAUL HYETT wirft Elemente aus Grusel, Zombie, Okkult, Dämonen und Kloster-Horror in einen Topf, rührt um und würzt mit miesen Effekten nach. Das Gebräu ist keine Glanzleistung in Sachen Schrecken. Vielmehr endet THE CONVENT in einer beinahe schon lächerlichen Farce in der nach Dämonen-Beschwörung und bestrafungsgeilen Nonnen plötzlich die Zombies aus ihren Gräbern steigen. Was für ein Quark. Von Regisseur PAUL HYETT hätte man was Besseres erwartet.
 
 
 


 
 
 

THE CONVENT – Zensur

 
 
 
THE CONVENT ist eigentlich ein unheimlicher Gruselfilm, der eher Wert auf unheimliche Atmosphäre liegt. Eigentlich! Wären da nicht einige zufällig eingestreute Splatter-Szenen, die blutige Schauwerte zeigen. Da reißt sich eine Nonne selbst die Augäpfel aus den Augenhöhlen. In einer anderen Szene werden Nonnen zu Zombies umfunktioniert und radieren sich gegenseitig aus. Da fließt das Blut munter über die Mattscheibe. Hierzulande dürfte THE CONVENT dennoch eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE CONVENT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Nun (2018)

The Crucifixion (2017)

Der Exorzist III (1989)

The Rite – Das Ritual (2011)

Incarnate – Teuflische Besessenheit (2016)

Filmkritik: „Prey“ (2016)

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PREY

(PROOI)

Story

 
 
 

Ein riesiger Löwe streift durch Amsterdam und schlägt sich den Magen voll, indem er einfach unzählige Stadtbewohner vertilgt.

 
 
 


 
 
 

PREY – Kritik

 
 
 
Tier-Horror erfreut sich seit den 1970ern besonders großer Beliebtheit. Nicht selten haben es sich in dieser Art Filme mutierte, zornige oder besonders gefräßige Tiere zur Aufgabe gemacht der Menschheit einen Denkzettel zu verpassen, weil diese so ignorant und ausbeuterisch mit Natur und Umwelt umgeht. Ein Thema, das auch heute noch aktueller denn je ist. Dennoch genießen Tierhorrorfilme mittlerweile einen zweifelhaften Ruf, was in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass es so profitorientierte Filmstudios wie SYFY oder THE ASYLUM gibt. Die drehen zwar gern mal Horrorfilme mit und über Tiere. Statt aber Kritik an der Zerstörung der Umwelt durch die Menschheit und dem damit verbundenen Zerfall wichtiger Ökosysteme auszuüben, ist man dort eher daran interessiert trashige Unterhaltung mit schlechten Spezialeffekten zu drehen, die die Hirnzellen des Zuschauers zerstören sollen.
 
 
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Da erwartet man von einem Film mit dem Titel PREY auch nicht unbedingt feingeistige Filmware. Dennoch ist dieser Horrorstreifen über einen nimmersatten Löwen eine Erwähnung wert. Der Film ist nämlich in den Niederlanden entstanden und hat mit Regisseur DICK MAAS auch noch einen bekannten Holländer am Start, der sich im Horror-Genre bereits einen Namen gemacht hat. Erfahrener Kenner erheben da verständlicherweise den Zeigefinger und zeigen sich interessiert. Das nicht ohne Grund. Herr Maas war nämlich an einigen Horrorproduktionen beteiligt, die in Holland gedreht und sogar international vermarktet wurden. Darunter bekannte Genre-Ware wie VERFLUCHTES AMSTERDAM, FAHRSTUHL DES GRAUENS und der grimmige Weihnachts-Horror SAINT. Wem das alles nichts sagt, dürfte aber trotzdem gleich eine Wissenslücke füllen können. Eine der in Deutschland bekanntesten Komödien wurde von ihm in den 1990ern inszeniert. DICK MAAS schrieb und inszenierte den kultigen FLODDER-Film. Wir sind uns sicher, bei den meisten Lesern macht es jetzt Klick.
 
 
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In Amsterdam herrscht Ausnahmezustand. Dort sind die Einwohner sehr aufgeregt, weil sich in der Stadt eine Bestie herumtreibt, die eine Spur der Verwüstung hinterlässt. Da werden zerfetzte Menschen gefunden und die Polizei steht vor einem Rätsel. Doch eine Kommissarin weiß sofort, was los ist. Sie hat eine Spur und macht einen riesigen Löwen verantwortlich, der offenbar jegliche Scheu vor der Menschheit verloren hat. Leider will der besorgten Kriminalbeamtin niemand Glauben schenken. Ein fataler Fehler, wie sich bald herausstellen wird. Die hungrige Raubkatze dezimiert unschuldige Menschen und macht vor nichts und niemandem halt. Weil sie sich auch noch gut verstecken kann, scheint es nicht leicht, dem Tier das Handwerk zu legen. Da muss ein Experte ran. Ein erfahrener Jäger wird eingeflogen und soll das Problem lösen. Leider sitzt der im Rollstuhl und hat Probleme mit dem Alkohol. Wenn das mal nicht gute Voraussetzungen sind.
 
 
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PREY – der übrigens im Entstehungsland als PROOI vermarktet wird – ist nicht unbedingt das, was man sich von einem erfahrenen Filmemacher wie DICK MAAS vorgestellt hat. Der Streifen ist weit weg von den Qualitäten jener Filme, mit denen der Regisseur Fuß im Filmbusiness gefasst hat. Trotzdem ist der Raubkatzen-Horror PREY immer noch weit besser als das, was der Horror-Videomarkt mittlerweile zu bieten hat. Hier ist ein computeranimiertes Raubtier zu sehen, das die Straßen der niederländischen Hauptstadt unsicher macht und nicht zimperlich zur Sache geht. Das Resultat: zerfetzte Körper und große Blutlachen. Das dürfte jene freuen, die gern sattes Rot im Film sehen wollen, denn PREY geizt zweifelsohne nicht mit Schauwerten. Tier verspeist nicht nur ahnungslose Golfspieler und Essenslieferanten. Auch spielende Kinder müssen dran glauben und werden nach einer Rutschpartie auf dem Spielplatz direkt ins Maul des Tieres befördert. Irgendwie gemein.
 
 
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Generell nimmt sich PREY nicht immer ernst. Der Streifen scheint sich seiner trashigen Handlung bewusst zu sein und zieht daraus Unterhaltungsfaktor. Da geht die riesige Katze in einer vollen Straßenbahn(!) auf Beutefang und übereifrige Hobby-Jäger wollen das Tier in Eigenregie fangen – fallen letztendlich aber selbst in die aufgestellten Fallen. In einer anderen Szene sehen wir, wie ein flüchtender Mann in der Amstel landet und sich in Sicherheit wähnt. Als er aus dem Wasser taucht, um nach dem Rechten zu sehen, wird ihm der Kopf abgebissen. Als wäre das nicht alles schon zynisch genug, landet das abgefressene Haupt anschließend versehentlich in der Müllpresse der Stadtreinigung. Rabenschwarzer Humor lässt sich da freilich nicht von der Hand weisen. Mit derart Späßen hält sich PREY über weite Strecken über Wasser. Die hat die niederländische Produktion aber auch zwingend nötig.
 
 
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Der Streifen ist nämlich knapp zwei Stunden lang und hat vor allem im Mittelteil mit einigen Hängern zu kämpfen. Da werden Figuren eingeführt, die natürlich auch so etwas wie Charakterisierung und eine Hintergrundgeschichte erhalten müssen. Vielleicht etwas zu viel Hintergrund und Dialog, der hätte gestrafft werden können. Das nimmt dem tierischen Horror-Spaß oft den Drive. Trotzdem will man nicht meckern. PREY macht Laune – keine Frage und ist der beste Beweis dafür, dass man nicht unbedingt immer nach Übersee schielen muss, wenn man soliden Horror mit Bluteinlage sehen will. Hier bekommt der Horrorfan all das, was er eben von kurzweiliger Horror-Ware erwartet: Spaß, Gore und jede Menge Blut. Europa kann eben auch blutigen Horror.
 
 


 
 
 

PREY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Löwenstarker Tier-Horror aus Holland. Unsere Nachbarn trauen sich was und experimentieren mit CGI-Effekten. Das Ergebnis ist PREY, der als Horrorfilm keine üble Figur macht. Regisseur DICK MAAS erzählt in dieser Produktion von einem amoklaufenden Löwen, der Amsterdam in Schach hält. Das Tier tritt als computeranimierter Killer in Erscheinung, frisst sich aber auch als Puppe durch das Fleisch seiner Opfer. Die Bezeichnung fressen wird dabei besonders zeigefreudig in Szene gesetzt. Wie zuletzt in BOAR ist auch PREY in Sachen Gewalt ganz offen und zelebriert jede Menge blutiger Handarbeiten, die Splatterfans in Verzückung versetzen werden. Offenbar sahen das auch die Horrorfilm-Liebhaber in China so. Schenkt man der Facebook-Webseite zum Film Glauben, schaffte es PREY dort sogar in die Top10 der chinesischen Kinocharts. Das gelingt nicht vielen europäischen Horrorfilmen.
 
 
 


 
 
 

PREY – Zensur

 
 
 
PREY – der in Holland als PROOI vermarktet wird – hält sich nicht unbedingt mit Schauwerten zurück. Es gibt verstümmelte Leichen zu sehen, abgetrennte Köpfe und Gliedmaßen. Ein Jäger fällt weiterhin mit dem Gesicht in eine Bärenfalle. Der Löwe im Film reißt Schädel ab und beißt auch sonst alles tot, was ihm zwischen die Zähne kommt. So muss sogar ein unschuldiges Kind sterben dem der Hals zerbissen wird. Hierzulande dürfte PREY trotz aller Gewalt eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

PREY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Shooting Star Filmcompany BV | Dutch FilmWorks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Roar – die Löwen sind los (1981)
 
Burning Bright – Tödliche Gefahr (2010)
 
Maneater (2007)