Filmkritik: „Green Room“ (2015)

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GREEN ROOM – ONE WAY IN. NO WAY OUT

Story

 
 
 

Auf der Tournee der Ain’t Rights ist Chaos vorprogrammiert. Die Band, die aus jungen Punkrockern und Rebellen besteht, zieht eine Schneise aus Alkoholmissbrauch und schlechtem Verhalten durch die ländlichen USA. Als obskure Punk-Band ohne Social-Media-Auftritt sind sie stolz darauf, abseits des Radars zu leben und zu musizieren. Nach der jüngsten verkaterten Nacht finden sie sich allerdings etwas zu weit neben dem verhassten Mainstream wieder. Ein Kontakt hat ihnen einen lukrativen Auftritt organisiert, der allerdings auch seine Schattenseiten mit sich bringt. Dass die Location mitten im verlassenen Nirgendwo einer Waldlichtung liegt, ist noch das kleinste Problem. Die Spannung steigt merklich, als die rotzigen Punker vor einer Meute Skinheads spielen müssen, die von der Message der Ain’t Rights offenbar nicht begeistert sind. Gerade noch so kommt die Band mit dem Schrecken davon, doch dann werden die Mitglieder unfreiwillig Zeuge einer unfassbaren Tat hinter der Bühne. Kein gutes Omen für die Musiker, die nun um ihr Leben bangen müssen. Eingeschlossen in den ranzigen Mauern des Hinterwald-Nazi-Clubs beginnt ein blutiges Duell ums Überleben: Punks gegen Skinheads.

 
 
 


 
 
 

GREEN ROOM – Kritik

 
 
 
Schon mit seinem Zweitwerk „Blue Ruin“ etablierte der amerikanische Indie-Regisseur Jeremy Saulnier seine Visitenkarte. Der Film um einen ängstlichen Mann und dessen Wunsch nach blutiger Rache lief auf dem Filmfestival in Cannes und avancierte in Filmkreisen schnell zum Geheimtipp – vor allem unter Freunden rabiater Thriller. Mit dem Stichwort „rabiat“ lässt sich Saulniers Stil und vor allem seine Art und Weise, filmische Gewalt zu inszenieren, gut umschreiben. In seinen Filmen verfängt er sich nicht im Gemetzel, häuft keine riesigen Bodycounts an und vergießt auch keine grotesken Mengen an Kunstblut. Seine Form von Gewalt ist eine, die nicht bei den Augen aufhört, sondern direkt an die Nieren geht. Die filmischen Gewaltspitzen erzielen mit ihrer nüchternen, distanzierten Inszenierung nicht selten den Effekt, dass man als Zuschauer solidarisch mitleidet – und das nicht gerade wenig.
 
 
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Natürlich ist das subtile Gewaltkonzept auch in Saulniers neuen Film „Green Room“ präsent, wobei diesmal von allem etwas mehr geboten wird, denn wer erfolgreich polarisierende Horrorfilme drehen möchte, muss sich auch in Sachen Filmgewalt weiterentwickeln. War es in “Blue Ruin” noch eine intimen Geschichte über einen Mann und seine Rachegelüste, die es verstand zu beunruhigen, ist es in “Green Room” gleich ein ausgewachsener Kleinkrieg zwischen Links und Rechts, der an die Substanz geht. Auf der einen Seite die Vertreter des ansässigen Hakenkreuz-Fanclubs, auf der anderen Seite eine chaotische Gruppe junger Musiker, deren Sounds sich aus linken Parolen und viel Geschrei zusammensetzen. Dadurch, dass Saulnier mit seinen beiden Parteien in Extreme abschweift, entwischt ihm das feine Gespür für Charaktere, das noch in „Blue Ruin“ Programm gewesen war. Weder die Nazis noch die Steinewerfer sind wirklich sympathisch, ein tatsächliches Drama ergibt sich in „Green Room“ keineswegs. Abgesehen von den Auftritten der Schauspieler Macon Blair (der Protagonist aus „Blue Ruin“) und Patrick Stewart (der übrigens mit voller Kraft gegen seinen Typ spielt), bleiben die Figuren weitgehend blass und das schauspielerische Talent ungenutzt. Vor allem die Darsteller Imogen Poots und Anton Yelchin gehören zu den größeren Talenten ihrer Altersklasse. Leider können sie ihre schauspielerischen Fähigkeiten im Film kaum unter Beweis stellen.
 
 
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Was bleibt ist ein gemeiner, stylischer aber doch irgendwie generischer Thriller. Wenn man von der effektiven und expliziten Inszenierung der Gewalt im Film absieht, ist Saulniers dritter Spielfilm dennoch kaum mehr als ein gewöhnlicher Slasher-Film, in dem die Figuren in schöner Regelmäßigkeit ins Jenseits befördert werden. Nichts davon macht den Streifen jedoch schlecht. Ganz im Gegenteil – Fans der härteren Gangart werden gut unterhalten, denn mit beunruhigenden Bildern zieht der Film trotz Oberflächlichkeiten schnell in den Bann. „Green Room“ ist ein weiterer Erfolg für Jeremy Saulnier, der seinen Status als stilsicherer und mutiger Indie-Regisseur zementiert. Er liefert dem hungrigen Horrorpublikum einen spannenden und kurzweiligen Thriller, der zwar hinter den Erwartungen zurückbleibt, aber trotzdem eine Menge Spaß bereitet. Packende und harte Unterhaltung ist garantiert.
 
 
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GREEN ROOM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Im Horrorthriller „Green Room“ verlegt „Blue Ruin“-Regisseur Jeremy Saulnier sein Talent in ein abgelegenes Nazi-Clubhaus, füllt das mit Skinheads sowie Punks und strickt daraus ein Pulverfass. Auf der Drehbuch-Ebene lässt der Film zwar zu wünschen übrig. Auf seiner Plus-Seite glänzt der Streifen durch grobe Inszenierung von Gewalt – was mit Sicherheit Fans härterer Filmproduktionen zusagen dürfte. Zudem bleibt der Film wegen charismatischer Auftritte von Macon Blair und Patrick Stewart im Gedächtnis. „Green Room“ ist ein durchgestylter, schmutziger, schneller und rücksichtsloser Thriller, für den man ohne Bedenken eine Empfehlung aussprechen kann.
 
 
 


 
 
 

GREEN ROOM – Zensur

 
 
 
Der Film lief bereits im Frühsommer 2016 über UNIVERSUM FILM ungeschnitten in den deutschen Kinos. Da der Film mitunter recht hart ans Eingemachte geht, hat „Green Room“ in ungeschnittener Form eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Allerdings werden die brutalen Exzesse zu keiner Zeit so grotesk oder übertrieben zelebriert, dass sie eine Indizierung oder Freigabeverweigerung der später erscheinenden Heimkinoveröffentlichung rechtfertigen. Diese ist ebenfalls ungeschnitten und besitzt den roten FSK-Flatschen: keine Jugendfreigabe!
 
 
 


 
 
 

GREEN ROOM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UNIVERSUM FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Green Room; USA 2015

Genre: Horror, Thriller, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailershow, Featurettes

Release-Termin: 07.10.2016

 

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GREEN ROOM – Trailer

 
 


 
 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.de zu lesen

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Universum Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blue Ruin (2013)
 
Don’t Breathe (2016)
 
The Invitation (2015)
 

Filmkritik: „Jessabelle – Die Vorhersehung“ (2014)

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JESSABELLE – DIE VORHERSEHUNG

Story

 
 
 
Nach einem tragischen Autounfall verschlägt es Jessabelle in das Haus des ihr entfremdeten Vaters, wo es nicht mit rechten Dingen zugeht ….

 
 
 


 
 
 

JESSABELLE – Kritik

 
 
 
Mysteriös und ungewöhnlich handzahm geht es im neuen Film von KEVIN GREUTERT zu, der nach SAW 6 (2009) und SAW 3D – VOLLENDUNG (2010) eher ruhige Töne anschlägt. Der Regisseur probiert sich mal in subtiler Gruselei aus und scheint damit im Trend zu liegen, denn das aktuelle Filmjahr dürfte wohl als das Jahr in die Geschichte des Horrorfilms eingehen, in dem es überraschend oft durch Lichtspielhaus und Heimkino gespukt hat. Glücklicherweise gehört JESSABELLE aber immer noch zu den besseren Geisterfilmen, die man in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat, schließlich ist in Zeiten billigster Found-Footage-Ware vor allem der Geister-Horror zum Massenprodukt verkommen. Die Qualität lässt da oftmals zu wünschen übrig, so dass manch Horror-Fan zu stöhnen beginnt, wenn er von der Veröffentlichung neuer Spuk-Streifen erfährt.
 
JESSABELLE ist ein nicht uninteressanter Grusel-Thriller mit umfangreichem Mystery- und Rätselanteil, denn wie im Haunted-House-Genre typisch, rührt Spuk nicht von ungefähr. Die junge Jessabelle (SARAH SKNOOK) muss das am eigenen Leib erfahren, denn nach einem tragischen Autounfall ist sie an den Rollstuhl gebunden und muss sich im Haus des ihr entfremdeten Vaters auskurieren. Der gewährt vorübergehend Unterschlupf und bietet ihr an das Zimmer der verstorbenen Mutter zu beziehen, die vor vielen Jahren an Krebs gestorben ist und der Tochter ein kleines Vermächtnis in Form von Videobändern hinterlassen hat. Darauf warnt die Verstorbene vor drohendem Unheil, das sie in Tarotkarten gesehen hat, die sie in einem kleinen Kästchen vor dem Ehegatten versteckt hält. Natürlich hat die tote Mutter mit ihren Weissagungen nicht ganz Unrecht, denn mit Jessabelles Ankunft geschehen plötzlich seltsame Dinge im Haus der Eltern, die der ohnehin schon traumatisierten Frau Sorgen bereiten. Eine finstere Kreatur schleicht des Nachts durch die staubigen Zimmer und folgt Jessabelle bis in ihre Träume, wo sie der Heimgesuchten zu verstehen gibt, dass sie im Haus nicht willkommen ist. Als auch der Vater unter mysteriösen Umständen sein Leben lassen muss und die böse Präsenz von stärkeren Geschützen Gebrauch macht, ist es an der Zeit dem Geheimnis des Hauses sowie den unheimlichen Träume auf dem Grund zu gehen. Im ehemaligen Schulfreund Preston (MARK WEBBER aus 13 SINS) findet Jessabelle einen Verbündeten.
 
Regisseur KEVIN GREUTERT überrascht mit Wandlungsfähigkeit, denn irgendwie hat er es nach eher durchwachsenem Tortur-Porn geschafft, einen durchweg gruseligen Mystery-Streifen zu inszenieren, fernab von Quälerei und Gewaltpornografie. Statt Mord und Totschlag verirrt sich GREUTERT im atmosphärischen Gruselkino und findet sichtlich Gefallen daran Spannung langsam aufzubauen, um das Herz des Zuschauers durch möglichst fiese Schreckmomente in die Hose rutschen zu lassen. Protagonistin JESSABELLE wird im gleichnamigen Film von einem wütenden Geistergör heimgesucht, das sich ähnlich wie in den vielen asiatischen RINGU-Plagiaten auf dem Boden krabbelnd durch den Film bewegt. Sprechen mag die jämmerliche Kreatur nicht, was der geplagten Filmheldin vermutlich eine Menge Zeit und Ärger erspart hätte. Stattdessen bahnt sich der Geist fauchend seinen Weg durch das Drehbuch und scheut nicht davor seinem ahnungslosen Opfer schlammigen Mageninhalt ins Gesicht zu kotzen.
 
Geschichten über wütende Geisterwesen und spukende Herrenhäuser scheinen irgendwie nie aus der Mode kommen. Obwohl stets die immer wieder gleichen Gruselregeln zum Einsatz kommen, strömen dennoch Scharen mutiger Zuschauer in Kinosäle, um sich dort in eine Welt des Schreckens entführen zu lassen. JESSABELLE revolutioniert das Spuk-Genre keineswegs. Vielmehr folgt GREUTERT den gängigen Konventionen, die den Geisterfilm zu beliebt gemacht haben. So darf die rastlos spukende Kreatur ebenso wenig fehlen, wie das Geheimnis ihres Ablebens, das es zu ergründen gilt. Auch wenn im Grunde genommen alles so bleibt, wie gehabt versteht es Macher KEVIN GREUTERT gekonnt, das Auflösung seines Filmes möglichst lang hinauszuzögern. Ähnlich wie im Schauermär DER VERBOTENE SCHLÜSSEL (2005) verschlägt es Filmheldin JESSABELLE bei Ihrer Suche nach Antworten in sumpfige Teichlandschaften, wo sie inmitten schwüler Hitze mit Voodoo konfrontiert wird und am Ende einer erschütternden Familientragödie auf die Schliche kommt. Auch wenn JESSABELLE zu jenen Gänsehautwerken gehört, für die man jeglichen Hang zur Logik ausknipsen sollte, weil normal denkende Zuschauer beim Zählen der Filmungereimtheiten den Überblick verlieren dürften, hat Folterexperte KEVIN GREUTERT dennoch einen schwer unterhaltsamen Film gemacht, der sein schlichtes Konzept gut zu verkaufen versteht. Dank wendungsreicher Detektivgeschichte, düstere Gruselstimmung und hervorragend platzierten Schockmomenten ist die filmische Umsetzung von JESSABELLE weitaus ansprechender geworden, als die dünne Geschichte vermuten lassen würde. Deshalb sei all jenen die Reise in die Welt der Toten geraten, die dringend mal wieder einen deftigen Gänsehaut-Kick benötigen.
 
 
 


 
 
 

JESSABELLE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein atmosphärisches Gruselspektakel, fernab ausufernder Splatter-Exzesse. Nach SAW 6 und dem ziemlich desaströsen SAW 3D – VOLLENDUNG hätte vermutlich niemand damit gerechnet, dass Regisseur KEVIN GREUTERT doch noch in der Lage sein würde, halbwegs brauchbare Horrorstreifen zu drehen. Für JESSABELLE legte er kurzum die Folterinstrumente nieder und widmete sich dem eher subtilen Horror – mit Gänsehaut, knarrenden Türen und geheimnisvollen Voodoo-Ritualen. Entstanden ist ein ziemlich packendes Gruselmär, das den Zuschauer in die Welt der Geister entführt, die – wie sollte es auch anders sein – mal wieder ziemlich schlecht gelaunt sind und nichts Gutes im Schilde führen. Wie bereits im Mystery-Thriller DER VERBOTENE SCHLÜSSEL (2005) macht auch GREUTERT Gebrauch von schwülem Südstaaten-Flair, wo inmitten von Plantagen und Sümpfen geheimnisvolle Magie betrieben wird, die als Voodoo oder Hoodoo jedem halbwegs interessierten Horrorfan von Begriff sein dürfte. Auch wenn JESSABELLE mit allerhand Logiklücken zu kämpfen hat und Geschichten von wütenden Geistergören seit RING nicht gerade vor Einfallsreichtum strotzen, erntet der gut aufgebaute Rätselanteil Beifall. Der Zuschauer folgt einer mysteriösen Schnitzeljagd, die nur zaghaft verrät, welch dunkles Familiengeheimnis über Jahre im Verborgenen gehalten wurde. Somit sei JESSABELLE all jenen Horrorfans empfohlen, die eine Leidenschaft für mysteriöse Schauergeschichten pflegen und gern mal heftig erschreckt werden wollen. Für Gorebauern gilt hier: Sendepause.
 
 
 


 
 
 

JESSABELLE – Zensur

 
 
 
Gewalt hat hier keinen Stellenwert. Immer wenn es unangenehm wird, blendet die Kamera weg und springt über zur nächsten Szene. Verwunderlich ist der zurückhaltende Gewaltgrad nicht, denn bereits in Amerika lief JESSABELLE bereits mit PG-13 in den Kinos. Hierzulande dürfte der Film aufgrund der teils gruseligen Spukmomente nicht so einfach mit Kinderfreigabe in die Heimkinos kommen. KOCH MEDIA hat sich die Rechte am Film gesichert. Dieser hat eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

JESSABELLE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) KOCH MEDIA HOME ENTERTAINMENT

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Jessabelle; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englischh DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar, Entfallene Szenen (ca. 8 Min.), Interviews (ca. 9 Min.), Outtakes (ca. 3 Min.), Verlängertes Ende (ca. 1 Min.), Kinotrailer

Release-Termin: 26.11.2015

 

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JESSABELLE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
At the Devil’s Door (2014)
 
The Visitant (2012)
 
Gallows Hill (2013)
 
Haunt – Das Böse erwacht (2013)
 
Der verbotene Schlüssel (2005)
 

Filmreview: „13 Sins – Spiel des Todes“ (2014)

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13 SINS – SPIEL DES TODES

Story

 
 
 
Elliot wird Teilnehmer einer makabren Spielshow am Telefon. Um einen Batzen Geld gewinnen zu können, soll er 13 Aufgaben erfüllen. Leider ahnt der Kandidat schnell, dass er hier in keiner gewöhnlichen Gewinnshow gelandet ist. Bald soll Elliot nämlich über Leichen gehen, um das Preisgeld einstreichen zu können …
 
 
 


 
 
 

13 SINS – Kritik

 
 
 
In Amerika hat man es wieder getan und die Recycling-Maschine angeworfen, um bereits Dagewesenes aus dem Ausland wiederverwerten zu können. Diesmal hat es den thailändischen 13 BELOVED (auch bekannt als 13: GAME OF DEATH) erwischt, der eigentlich vor knapp sieben Jahren vom damaligen Rechteinhaber E-M-S auf Heimkinomedium veröffentlicht werden sollte. Weil das Dortmunder Label aber rote Zahlen schrieb und Insolvenz anmelden musste, wurde die Veröffentlichung des asiatischen Horror-Hits kurzfristig gestrichen. Seitdem warten Filmfans in Deutschland immer noch sehnsüchtig auf eine deutsche Auswertung des thailändischen Geheimtipps, der bereits nach Erscheinen im Jahr 2006 bei Horror-Fans auf der ganzen Welt für feuchte Höschen gesorgt hat. Immerhin dürfte die hiesige Veröffentlichung des Remakes weniger lang auf sich warten lassen, wie die des Originals. Regisseur DANIEL STAMM hat nämlich saubere Arbeit abgeliefert und an einen Neuaufguss getüftelt, wie man ihn nun schon seit Beginn der Horror-Remake-Welle vor über zehn Jahren serviert bekommt: Glattpoliert, durchgestylt und überdreht blutig. Den verwöhnten Mainstream-Zuschauer dürfte das mit Sicherheit freuen, schließlich ist 13 SINS (so der Titel der Neuverfilmung) rasantes Horror-Popcornkino in Reinform, für das man den Grips ausschalten darf, um sich an überzogener Splatter-Pampe erfreuen zu können.
 
DER LETZTE EXORZISMUS-Macher DANIEL STAMM hält sich mit seinem 13 SINS (übersetzt: 13 Sünden) weitestgehend an die morbide Vorlage aus Thailand und erzählt die Geschichte vom hoch verschuldeten Verkäufer Elliot, der eines Tages seinen Job und den Mut verliert, die schwangere Freundin zu heiraten. Da klingelt unverhofft das Telefon und die Geldsorgen scheinen ein Ende zu haben. Eine unbekannte Stimme will ein Spiel spielen, macht den Verlierer zum Gewinner und verspricht ihm sechs Millionen Dollar, wenn er nur 13 Herausforderungen bewältigt. Die ersten Aufgaben sind schnell abgehakt. So muss eine Fliege erschlagen und verspeist werden, um das leere Bankkonto klingeln zu lassen. Später soll er Feuer legen und ein Kind zum Weinen bringen. Leider werden die Aufgaben des perversen Showmasters mit jedem Anruf schwieriger und bringen den dollargierigen Helden in Teufels Küche. Der überschreitet aus Liebe zum Geld und aus Angst vor sozialem Abstieg bald Moral und Gesetz und wird zur ferngesteuerten Marionette eines perfiden Spiels. Auch wenn Elliot schon bald über Leichen geht und die Gesetzeshüter dicht auf den Fersen sind, so hat die Teilnahme an der Show einen kleinen Haken: Das Spiel muss zu Ende gespielt werden, um das gewonnene Geld behalten zu können.
 
Seit SAW im Jahr 2004 die Kinolandschaft heimgesucht hat, weht im Horrorfilm ein rauer Wind. Der deutsche DANIEL STAMM hat die diversen Tortur-Streifen der letzten Jahre studiert und in 13 SINS ziemlich viel Splatter untergebracht. Im Unterschied zum Original hält die Kamera nämlich drauf, wenn Arme abgesägt oder Köpfe abgetrennt werden. Bei soviel kommerzieller Gewalt verliert STAMM manchmal die gesellschaftskritische Botschaft des Films aus den Augen. Denn im Strudel selbstzweckhaftem Blutgemansche verliert die eigentlich diskussionswürdige Thematik des Streifens an Gewichtung. Charakter Elliot durchlebt im Film eine Verwandlung. Aus dem unscheinbaren Verlierer wird rasch ein gewissenloser Gesetzesbrecher, der getrieben von der Gier des Geldes mit moralischen Entscheidungen konfrontiert und allein aufgrund seiner sozialen Situation gezwungen wird am Spiel teilnehmen zu müssen. Aus Angst vor dem sozialen Abstieg hinterfragt Elliot schon bald nicht mehr die Handlungsanweisung des Telefon-Moderators und beginnt allmählich den Bezug zur Realität zu verlieren.
 
Statt sich ernsthaft mit den Folgen der rechtswidrigen Taten seines Protagonisten auseinanderzusetzen ersäuft Macher DANIEL STAMM sein Horror-Flick im Blut und das zugegeben erheiternd schwarzhumorig. Neben den teils abwechslungsreichen und äußerst makabren Aufgaben wird das erstaunlich temporeich inszenierte Filmchen im Gegensatz zum Original um reichlich Zynismus bereichert. So wird Antiheld Elliot zum Kaffeeplausch mit einer modrigen Leiche aufgefordert und in einer anderen Szene ganz unfreiwillig zum tollpatschigen Feuerteufel. Seltsamerweise hat es jene kontroverse Szene aus der thailändischen Vorlage nicht in die Neuverfilmung geschafft, in der dem Hauptprotagonisten ein Teller Exkremente serviert wird, die verspeist werden sollen. Ein etwas seltsam anmutender Entschluss des Regisseurs die Szene aus dem Remake zu streichen, sind die Amis doch sonst so gierig darin, reißerische Momente für ihre glattgebügelten Hochglanzfilmchen wiederverwenden zu können. Auch wenn 13 SINS eigentlich ein unnötiger Aufguss eines bereits sehenswerten Filmes ist und die Frage nach dem Sinn der Wiederverwurstung weitestgehend unschlüssig bleibt, unterhält STAMM mit seinem Reboot ungemein. Trotz oberflächlich thematisierter Gesellschaftskritik und deftigem Blutzoll entpuppt sich die SAW-Light-Version als packende Action-Achterbahn, die ihren Reiz aus den abwechslungsreichen Handlungsanweisungen des ominösen Spielmoderators zieht. Bei so schnörkelloser Umsetzung mag man eigentlich gar nicht so recht glauben wollen, dass 13 SINS eigentlich ein waschechter Indie sein soll, der mit gerade einmal fünf Millionen Dollar Produktionskosten auskommen musste. DANIEL STAMM kitzelt das Maximum aus dem mageren Budget heraus und hat einen schwer unterhaltsamen Horror-Thriller auf die Beine gestellt, der trotz Indie-Status mehr dem Mainstream munden dürfte, als Fans unkommerzieller Filme.
 
 
 


 
 
 

13 SINS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
SAW meets THE MOST DANGEROUS GAME. STAMMS Neuverfilmung des thailändischen 13: GAME OF DEATH ist eine durchgestylte Splatter-Achterbahn mit einer erheiternden Priese schwarzem Humor. Auch wenn es sich beim Remake mit dem Titel 13 SINS um waschechten Indie-Horror handelt, so lässt hier kaum noch etwas darauf schließen, dass nur wenig Geld zu Verfügung gestanden hat. Der Streifen befindet sich auf einem technisch hohen Standard und die souveräne Inszenierung des Regisseurs lässt kaum Zeit zum Verschnaufen. Anders wie in der asiatischen Vorlage fließt reichlich Blut, um gierige Gorehounds zufriedenstellen zu können. Das euphorische Splatter-Gemetzel ist hier das Salz in der Suppe, wird doch die Schlachterplatte mit allerlei makabren Beilagen aufgetischt. Unterm Strich bleibt eine schwer unterhaltsame Horror-Hatz nach dem großen Geld, die ohne Längen auskommt und spannend bis zum Schluss bleibt – auch wenn mal wieder der überraschende Storytwist nicht fehlen darf. Zwar war uns der Sinn dieser Neuverfilmung nicht einleuchtend; dennoch muss das FILMCHECKER-Team gestehen, dass wir uns während der Sichtung des überraschend kurzweiligen 13 SINS gut unterhalten gefühlt haben. Wer nicht auf die tägliche Dosis Gewalt verzichten kann, ist daher mit dem zynischen 13 SINS optimal beraten. Ein sehenswerter Horrorfilm!
 
 
 


 
 
 

13 SINS – Zensur

 
 
 
Zimperlich geht es in 13 SINS nicht gerade zu. Im späteren Verlauf des Streifens werden Köpfe mit einer Drahtschnur abgetrennt, die über eine Strasse verlegt wurde. Außerdem muss Antiheld Elliot einem anderen Filmprotagonisten einen Arm absägen. Blut fließt reichlich und Gewalt wird ziemlich oft eingesetzt. In Deutschland hat 13 SINS – SPIEL DES TODES trotzdem überraschenderweise eine FSK 16 erhalten – warum auch immer.
 
 
 


 
 
 

13 SINS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Media Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: 13 Sins; USA 2014

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080P Full HD)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Audiokommentar mit Regisseur und Darstellern, Making of, Alternatives Ende, Entfallene Szene, Anatomy of a Meltdown

Release-Termin: 09.10.2014

 
 
 

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13 SINS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Saw (2004)
 
Saw II (2005)
 
Saw III (2006)
 
Saw IV (2007)
 
Saw V (2008)
 
Saw VI (2009)
 
Saw 3D – Vollendung (2010)