Filmkritik: „Blood Quantum“ (2019)

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BLOOD QUANTUM

Story

 
 
 
In „Blood Quantum“ gibt es eine weitere Zombie-Apokalypse zu sehen, nur mit dem Unterschied, dass dieses Mal Indianer immun gegen das Virus sind.

 
 
 


 
 
 

BLOOD QUANTUM – Kritik

 
 
Die Zombiefilm-Varianten hören wirklich nicht auf, aber es ist zur Abwechslung auch mal ganz schön, dass mit „Blood Quantum“ wieder ein ernster Vertreter mit an Bord ist, der teilweise sogar ein wenig auf Romero’s „Night of the living Dead“ Pfaden wandelt. Leider ist das Endresultat dann nur eindeutig zu wenig spannend geraten, um hier eine höhere Wertung zu zücken.
 
 
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In einem Indianer-Reservat in Kanada gehen merkwürdige Dinge vor sich. Tote Tiere fangen plötzlich wieder an zu leben und es dauert nicht lange, da verhalten sich auch die Menschen sehr aggressiv. Ein sechsmonatiger Sprung in die Zukunft zeigt: Die Zombie-Apokalypse ist über die Menschen eingebrochen. Allerdings sind die Indianer gegen diese Krankheit immun und konnten sich so erfolgreich verschanzen. Dort draußen gibt es jedoch weitere Überlebende und jeder Nicht-Indianer, den man hineinlässt, stellt eine potenzielle Gefahr dar. Genau dieses Spiel mit den Rassen erinnert dann auch einigermaßen an „Night of the living Dead“. Dass die Miꞌkmaq immun sind, ist eine interessante Idee, aus der man jedoch viel mehr herausholen hätte können. Die gesellschaftskritischen wie auch sozialkritischen Töne sind nämlich höchstens eine Randnotiz. Ein paar Male bekommt man mit, dass die Story an sich ihren Anspruch besitzt, ansonsten wird aber auch nur ein konventionelles Zombieszenario erzählt und gerade weil es davon schon tausende gab, wäre hier ein wenig mehr Mut zur Andersartigkeit echt nicht verkehrt gewesen.
 
 
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Immerhin ist mit Regisseur Jeff Barnaby ein echter Miꞌkmaq für den Film verantwortlich, was schon mal für Authentizität sorgt. Nebenbei hat er auch für eine indigene Besetzung gesorgt, was an den Darstellernamen wie Michael Greyeyes oder Elle-Maija Tailfeathers auch nicht schwer zu erkennen ist. Dies sorgt ebenfalls für Pluspunkte, denn so kommt das gesamte Szenario doch reichlich glaubwürdig daher. Über die handwerkliche Arbeit kann man sich kaum beklagen. Da gibt es besonders am Anfang und am Ende ein paar wunderschöne Kamerafahrten über die Landschaft, die Kulissen sind abwechslungsreich und der Horror wurde ebenfalls gut in Szene gesetzt. Die Atmosphäre gibt sich meistens ordentlich ernst und wirkt desöfteren auch recht dramatisch, was für eine dichte und bedrohliche Stimmung sorgt. Nur der gelegentliche Anflug von Humor in Form von amüsanten Sprüchen wirkt da etwas fehlplatziert. Über die Darsteller kann man sich ebenfalls nicht beklagen. Sie müssen keine Höchstleistungen präsentieren, wirken jedoch markant genug, um nicht sofort in Vergessenheit zu geraten, selbst wenn die Figurenzeichnung teilweise etwas zu dünn ist und es nicht verkehrt gewesen wäre die Hauptfiguren noch stärker in den Fokus zu rücken.
 
 
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Am schwächsten ist leider der Unterhaltungswert geraten und das ist für einen Horrorfilm niemals förderlich. Besonders der Anfang macht es dabei echt gut. Hier wird ganz langsam Spannung aufgebaut und wenn der elektronische Score das dezent begleitet, dann entsteht eine schön unheimliche Atmosphäre. Doch dann folgt der Bruch und hier hat man es sich zu leicht gemacht. Plötzlich sind Monate vergangen und die Zombies haben sich schon überall verbreitet. Nun muss man erneut in das Szenario hineinkommen, weshalb es streng genommen zwei Einleitungen gibt und das wäre hier nicht nötig gewesen. Obwohl es von da an immer mal Angriffe der Zombies gibt und die Mischung aus Horror und Drama relativ ausgewogen ist, kommt leider niemals so richtig viel Spannung auf. Dafür besitzt das Treiben dann im Endeffekt doch zu wenig Substanz. Der Gorehound kann sich immerhin noch über eine gute Menge an Splatter erfreuen, der überwiegend auch gut getrickst wurde. Wenigstens stammt hier nahezu alles von Hand und der Härtegrad ist für einen Zombiefilm definitiv ausreichend.
 
 
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BLOOD QUANTUM – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Blood Quantum“ schafft es auf jeden Fall dem Zombiefilm eine weitere Facette zu verleihen und mit seinen leicht sozialkritischen Tönen ist er sogar dem großen Romero auf den Fersen, aber im Endeffekt bekommt man dann doch nur wieder eine relativ konventionelle Variante geboten, die sich scheinbar nicht genügend traut völlig anders zu sein. An sich nicht weiter tragisch, da die handwerkliche Arbeit stimmt, die Darsteller etwas taugen und es auch genügend Splatter zu sehen gibt. Schade ist da eigentlich nur, dass der Film niemals so richtig an Tempo gewinnen will, deshalb nicht spannend ist und zu viele Längen besitzt. Für Freunde der ernsteren Zombieunterhaltung ist „Blood Quantum“ aber dennoch eine Sichtung wert, denn gut gemacht, ist er allemal!
 
 


 
 
 

BLOOD QUANTUM – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Blood Quantum“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „keine Jugendfreigabe“ erhalten. Filmsammler können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

BLOOD QUANTUM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (KeepCase Blu-ray)

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(c) Koch Films (DVD + Blu-ray im limitierten Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Blood Quantum; Kanada 2019

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 96 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Trailer, Making Of, Interviews, Q&A | zusätzlich im Mediabook: Booklet, Film auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 24.09.2020 | KeepCase: 24.09.2020

 

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BLOOD QUANTUM – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
28 Days Later (2002)
 
The Cured – Infiziert. Geheilt. Verstoßen. (2017)
 
Anger of the Dead (2015)
 
The Rezort (2015)
 
Hostile (2017)
 
The Day – Fight. Or Die (2011)

Filmkritik: „Party des Grauens“ (1976)

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PARTY DES GRAUENS

(DEATH WEEKEND | INFERNO IM MOOR | THE HOUSE BY THE LAKE)

Story

 
 
 

Der schmierige Zahnarzt Harry bumst gerne und lädt sich in diesem Sinne das ehemalige Model Diane in seine Ferienhütte ein. Er erzählt ihr zwar, dort würde eine Party steigen, sagt aber nicht, dass außer ihr und ihm (und seinem Aal) eigentlich keine weiteren Gäste eingeplant sind. Auf dem Weg ins ländliche Kanada legen sich die beiden mit dem angesoffenen Sportwagenfahrer Lep und seinen räudigen Kumpels an, als der die Power seiner Karre präsentieren will. Es kommt wie’s kommen muss und die Unholde lauern dem Pärchen, das keins ist, auf und veranstalten eine Menschenschinderei nach alter Väter Sitte.

 
 
 


 
 
 

PARTY DES GRAUENS – Kritik

 
 
 
William Fruet, mit strammen 87 noch immer unter den Lebenden, kann auf eine ungemein fruchtbare Karriere als Regisseur und Drehbuchdoktor zurückblicken. Neben zahllosen Episoden von Fernsehserien aller erdenklicher Genres fertigt der Kanadier in den Siebzigern und Achtzigern ein paar sichtlich kostengünstige aber sehr unterhaltsame Horror- und Exploitationfilme an, von denen der äußerst asoziale Backwoods-Schänder TRAPPED (1982) besonders erwähnenswert ist. 1976 entsteht, als Fruets zweiter Film, PARTY DES GRAUENS. Der ist nicht minder derb.
 
 
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In der wichtigsten Rolle des Films, als Drecksacks Lep nämlich, sehen wir Don Stroud, einen echten Beach Boy und Surfer erster Generation aus Hawaii, den es über die Arbeit als Stuntman irgendwann vor die Kamera geführt hat. Aus Interviews geht hervor, dass der Mann in Wirklichkeit ein ziemlich relaxter und dufter Typ ist. Das hält ihn aber nicht davon ab, in neun von zehn Rollen Lumpenhunde und Galgenstricke liederlichster Garnitur zu verkörpern. PARTY DES GRAUENS lässt ihn ein weiteres Mal alle Register seines schurkischen Könnens ziehen. Lep ist ein Baddie-Charakter, den man als Zuschauer vom ersten Auftritt an mit dem Schritt voran in eine Kreissäge werfen möchte. Das treue Gartengerät Häcksler wäre auch okay. Zusammen mit seinen debilen Kumpanen frönt der Saubock Schnaps und Marihuana in ungesundem Maß, was der Enthemmung im Quälen der Gefangenen ordentlich die Sporen gibt. Meine Herren!
 
 
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Vorbild der Produktion könnte durchaus Sam Peckinpahs STRAW DOGS – WER GEWALT SÄT sein. Der gilt in seiner Schonungslosigkeit schließlich als Klassiker unter den Filmen, in denen unbescholtene Protagonisten von Mordbrennern besucht und terrorisiert werden. Dort wie hier muss der belästigte Bürger das innere Wildschwein befreien, um den Spieß irgendwann in rächender Absicht herumzureißen. Diese Aufgabe fällt maßgeblich der armen Diane zu, was PARTY DES GRAUENS sogar noch eine als feministisch zu lesende Nuance verleiht.
 
 
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Angesiedelt zwischen der guten alten Menschenjagd, den Regeln des Rachefilms und dem, was man heutzutage Home Invasion nennt, nimmt der vom späteren GHOSTBUSTERS-Regisseur Ivan Reitman produzierte Fiesefilm hier – im Gegensatz zu Lep und seinen Teufeln – keine Gefangenen. Das wussten zu seligen Videozeiten auch die Zensurteufel verschiedener Länder und so landet der Film im panischen England zum Beispiel auf der ebenso berühmten wie paranoiden Liste der Video Nasties. Auch hierzulande hat Fruets grober Kino-Keil seinerzeit keinen leichten Stand. Das wird jetzt vielleicht anders.
 
 
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PARTY DES GRAUENS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Komischer Titel, ist doch der Auslöser der ganzen Misere im Wald, dass die Party gar nicht stattfindet. Nichtsdestotrotz ist William Fruets Film ein Mosaikstein im großen Bild der Seventies-Exploitation, den der Schweinefilmliebhaber von Rang mit Vergnügen seiner Videothek einverleiben wird.
 
 
 


 
 
 

PARTY DES GRAUENS – Zensur

 
 
 
PARTY DES GRAUENS lief im Kino ungeschnitten und frei ab 18 Jahren. Im Jahr 1983 wurde der Film indiziert und wurde nach Ablauf der 25 Jahre auf Liste A folgeindiziert. Das ist bis heute so. Doch NSM RECORDS interessiert das nicht. Das Filmlabel aus Österreich hat sich die Rechte geschnappt und den indizierten Streifen ungeschnitten zum ersten mal im deutschsprachigen Ausland auf Blu-ray veröffentlicht. Der Filmfan hat die Wahl zwischen diversen Mediabooks und einer Blu-ray KeepCase. Die auf den Scheibe gepresste Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

PARTY DES GRAUENS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray KeepCase)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover D – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover E – auf 222 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover F – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover G – auf 111 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Death Weekend | Kanada 1976

Genre: Horror, Thriller, Klassiker

Ton: Deutsch DTS HD 2.0, Englisch DTS HD 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: KeepCase: ungeprüft (ungeschnittene Fassung) | Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Audiokommentar von Marco Erdmann vom Wicked Vision Magazin,
Originaltrailer | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet von Lars Dreyer-Winkelmann und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 12.07.2019 | KeepCase: 28.08.2020

 
 
NSM hat 2019 sieben limitierte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film veröffentlicht. Seit August 2020 kann man PARTY DES GRAUENS auch als deutsche Blu-ray im KeepCase erwerben. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ebenso ungeschnitten und – wie die Mediabooks – von deutschen Zensurbehörden ungeprüft. Interessant: PARTY DES GRAUENS besitzt noch keine weltweite Blu-ray-Auswertung. NSM RECORDS hat einige Jahre nach verwertbarem HD-Material gesucht, weil das vom Lizensgeber gelieferte Material nicht brauchbar gewesen war. Nach langer Suche hat man zwei mehr oder weniger gute Filmrollen gefunden und das 35mm-Material-Material neu abtasten lassen. Auf dieser Grundlage besteht nun die erste weltweite Blu-ray. Diese ist natürlich keineswegs referenzwürdig, wie der teils sehr übertriebene Kontrast zeigt. Dennoch kann man froh sein den seltenen Rachefilm endlich in einer Qualität zu sehen, die immer noch besser ist, als jede DVD und VHS des Klassikers.
 
 

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PARTY DES GRAUENS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Wer Gewalt sät (1971)
 
Straw Dogs – Wer Gewalt sät (2011)
 
Funny Games (1997)
 
Ich spuck auf dein Grab (1978)
 
Trespass (2011)
 

Filmkritik: „Amityville II – Der Besessene“ (1982)

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AMITYVILLE II – THE POSSESSION

Story

 
 
 

Familie Montelli zieht in das aus AMITYVILLE HORROR bekannte schlimme Haus im Staate New York. Im Keller des Anwesens wohnt ein unfreundlicher Untermieter – ein Dämon. Der kommt des nächtens aus dem Versteck und poltergeistert durch die Räumlichkeiten. Sonny, der 17jährige Filius des Hauses, hat eine besondere Antenne fürs Okkulte und wird zum unfreiwilligen Erfüllungsgehilfen des Bösen.

 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE II – Kritik

 
 
 
Im Feld der befremdlichen Fortsetzungen der größten Horrorfilmhits der Siebziger gilt gemeinhin John Boormans EXORZIST II – DER KETZER als der Rettich mit der Silberkrone. Dessen Ruf ist – teils gar nicht unverdient – so verheerend gaga in seiner heuschreckenschwärmenden Pazuzu-Wahnwitzigkeit, dass andere Klassiker-Sequels mit Hang zum Überschnapp dadurch in Vergessenheit geraten. Womit wir bei „Amityville II – Der Besessene“ wären.
 
 
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Ronald DiFeo und seine bedauernswerte Familie waren – man liest es bereits aus dem Namem heraus – Italoamerikaner. Mit den Montellis des Films hier verbindet sie neben der ethnischen Zugehörigkeit auch das persönliche Glaubenssystem: knackigster Katholizismus natürlich. Mit all seinen Störungen und Schuldzuweisungen ans Individuum. Anzunehmen, dass hier das Interesse exakt derer geweckt wurde, die sich schließlich der Fortsetzung des ersten AMITYVILLE HORROR von 1979 annehmen sollten. Die „echte Backstory“ wird aufgegriffen: Ein Teenager hört Stimmen nachdem seine Familie in eine schicke kleine Holzvilla auf Long Island gezogen ist. Diesen Stimmen folgend greift er zum groben Werkzeug und schlachtet die Verwandschaft ab. In AMITYVILLE HORROR gehen die dämonischen Wesensheiten James Brolin und seiner nach den Bluttaten eingezogenen Familie auf die Nerven.
 
 
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Die Produktion ist zwar US-amerikanisch in Handlung und Drehort, verströmt jedoch aus allen Ritzen das tomatige Oregano-Aroma all der artverwandter Genre-Programme aus Italien. Finanziert vom römischen Filmindustriegiganten Dino De Laurentiis entsteht das Drehbuch unter dem sich im Horror mehr und mehr festigenden Amerikaner Tommy Lee Wallace und dem großen Dardano Sacchetti, der seit Anfang der siebziger Jahre Scripts für jeden von Dario Argento über Lucio Fulci bis hin zu Enzo G. Castellari verfasst hat. Ziel dürfte gewesen sein, die True-Crime-Vorlage ordentlich durch den Italo-Fleischwolf zu jagen und mit Zutaten aus allen artverwandten Werken zu würzen, die so auf dem Plan standen. So kennt und liebt man sie, die schamlosen Kino-Raubknechte der Cinecittà. AMITYVILLE II – DER BESESSENE ist unter deren Ägide folglich nicht bloß das Film-Prequel oder die Origin-Story des berühmten Spukhauses an der amerikanischen Ostküste. Ein kompletter Nebenhandlungsstrang über die Arbeit eines waschechten Exorzisten kommt zum Einsatz. Und taktlose Sleazemomente werden obendrein auch noch serviert, als es zwischen dem jungen Bekloppten und seiner Schwester zu inzestuösen Zärtlichkeiten kommt. Ja, da möchte der Zuseher sogleich Duschen gehen.
 
 
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Der größte Kopfkratzer ist natürlich der Einsatz von Damiano Damiani auf dem Regisseurs-Hocker. Der Filmemacher gilt als ein wahrer Großmeister des politisch ambitionierten Thrillerkinos in Europa und hat einige ganz herausragende Western- und moderne Justizfilme mit gesellschaftskritischer Note in seinem Werksverzeichnis. Was immer den von Haus aus serlösen Mann bewogen hat, die Herstellung eines Gruselschlockers wie AMITYVILLE II – DER BESESSENE zu dirigieren, weiß nur der liebe Gott oder die Mafia. Oh ja, und Burt Young nicht zu vergessen! In der Rolle des Familienvaters sehen wir tatsächlich den glatzköpfigen Taugenichts, der in den ROCKY-Filmen Sylvester Stallones versoffenen Versager-Schwager spielt. Wahrscheinlich einer der Lieblingsdarsteller von Produzent Di Laurentiis.
 
 
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AMITYVILLE II – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Verrückte, effektbetonte Geisterbahnfahrt von Horror-Kleinklassiker-Sequel/Prequel, das es in sich hat. Gedreht von einem waschechten Euro-Autorenfilmer im Auftrag eines bedeutenden Filmproduzenten, nimmt AMITYVILLE II – DER BESESSENE die Merkmale seines Vorgängers, überdreht sie und fügt italienische Exploitation-Schlagseite hinzu. Verwandelt Euer Wohnzimer in ein New Yorker Grindhousekino. Jetzt!
 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE II – Zensur

 
 
 
AMITYVILLE II – DER BESESSENE wurde in Deutschland nur in einer um sechs Minuten gekürzten Fassung veröffentlicht. Diese lief im Kino und wurde auch auf VHS und DVD herausgebracht. Nun hat sich NSM RECORDS die Rechte gesichert und brachte die erste Blu-ray mit der kompletten Filmfassung auf den Markt. Erst ungeprüft über das deutschsprachige Ausland im Mediabook. Danach neu geprüft und ab 16 Jahren im KeepCase für die deutschen Kaufhäuser. Die neu geprüfte FSK16-Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE II – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray KeepCase)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover D – auf 333 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Amityville II: The Possession; Mexiko | USA 1982

Genre: Horror, Thriller, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: KeepCase: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Audiokommentar mit Stephen Jones und Kim Newman, Erweiterte Lost Souls Szene, Filmographien, Bildergalerie, Originaltrailer | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet mit einem Text von Lars Dreyer-Winkelmann und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 30.04.2018 | KeepCase: 28.08.2020

 
 
NSM hat 2018 vier limitierte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film veröffentlicht. Seit August 2020 kann man AMITYVILLE II – DER BESESSENE auch als deutsche Blu-ray im KeepCase erwerben. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ebenso ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 

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AMITYVILLE II – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Amityville: The Awakening (2017)
 
Amityville Horror – Wie alles begann (2018)
 
Ouija: Ursprung des Bösen (2016)
 
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Amityville Horror (1979)
 
Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)
 

Filmkritik: „World Gone Wild – Die letzte Kolonie“ (1987)

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WORLD GONE WILD – DIE LETZTE KOLONIE

(LOST WORLD – DIE LETZTE KOLONIE | WORLD GONE WILD)

Story

 
 
Anno 2087. Die Welt ist mal wieder ein postapokalyptisches Jammertal. Nach dem letzten Knall ist Wasser in der globalen Wüstenei zum wertvollsten Gut geworden. Die Überlebenden des nukleraren Feuers gründen kleine friedliche Siedlungen, die den kriminellen Elementen unter der Restmenschheit natürlich ein Dorn im Auge sind. Unter der moralischen Führung der Moses-Figur Ethan gedeiht das Nest Lost Wells halbwegs vor sich hin und steht im Fadenkreuz der Post-Nuke-Unholde des irren Derek. Abhilfe gegen die Attacken der abgerissenen Schurken soll das Anheuern eines schlagkräftigen Söldnertrupps schaffen.

 
 
 


 
 
 

WORLD GONE WILD – Kritik

 
 
Passt alles. Die Welt nach dem dumpfen Schlag, staubtrockene Wüstenaction, Brutalität und blöden Humor gibt’s als Bonus. Lee H. Katzins WORLD GONE WILD, in die stramm bestückten Reihen der Endzeit-Science-Fiction am hinteren Ende der Welle eingerückt, weiß durch einige charmante Eigenheiten zu überzeugen. Da hätten wir an erster Stelle die Handlung. Verzweifelt Gut gegen verzweifelt Böse am Abend aller Tage gibt es ja tatsächlich in einer endlosen Genre-Litanei. Hier bedienen sich die Macher zusätzlich beim Grundplot eines der beliebtesten Abenteuerfilme der Kinogeschichte.
 
 
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Die Rede ist natürlich von Akira Kurosawas DIE SIEBEN SAMURAI von 1954, dessen Prämisse seit dem Erscheinen des Films gefühlt tausend mal imitiert, persifliert oder schlichtweg übernommen wurde. Am Bekanntesten in diesem Zusammenhang sicher der legendäre All-Star-Western DIE GLORREICHEN SIEBEN, bereits sechs Jahre nach dem Japaner entstanden. WORLD GONE WILD jedenfalls lässt eine Gang brutaler Söldner gegen die Bösewichter ins Feld ziehen, die sich sehen lassen kann. Angeführt vom büffeligen Herrenfilm-Macker Michael Paré sehen wir unter anderem den erst kürzlich ins ewige Bahnhofskino abberufenen Anthony James bei der harten Arbeit. Einen Charakterdarsteller aus der Hölle, dessen genuine Superkraft war, in jeder Rolle zu wirken wie ein pervers schwitzender Sexualstraftäter. Kann auch nicht jeder. Eigenheit numero due ist die Besetzung von Derek Abernathy, dem wahnsinnigen Prediger. Dieser Gegenspieler des von Bruce Dern gegebenen Quasi-Heiligen Ethan (übrigens der letzte Schullehrer der Welt, behauptet man) wird von der leicht überforderten Schauspielkunst des britischen Sängers Adam Ant zum Leben erweckt.
 
 
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Adam war im sogenannten echten Leben ein echter Popstar, seine Band Adam & The Ants trat in Piratenkostümen auf und spielte eine entsetzliche Version an sich bereits auch schon entsetzlicher weil unterkühlt herzloser und klapprig abgemischter New-Wave-Kackmusik, die von der zeitgenössischen Presse als „New Romantic“ verkauft wurde. Weniger romantisch hingegen seine Idee eines übergeschnappten Endzeitpredigers, dessen Ersatz-Bibel aus den Schriften des Hippiegurus Charles Manson besteht. Ants Auftritt an der Schauspielfront ist der Musikpresse Ende der Achtziger beachtlich genug, WORLD GONE WILD für einen Young Artist Award zu nominieren und – unter anderem in der LA Times – in veritable Lobpreisungen über diese „lebendige Mixtur vom MAD MAX und DIE GLORREICHEN SIEBEN“ auszubrechen. Wir haben zwar mit Sonderpunkten wegen der Mitwirkung verblasster Pop-Idole von einst nix zu tun, mögen Katzins Endzeitvision aber trotzdem.
 
 
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WORLD GONE WILD – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
WORLD GONE WILD ist ein stets unterhaltsamer, zackiger Endzeitfilm aus amerikanischer Produktion. Die derbe Schmierigkeit der Genre-Counterparts aus Länder wie Italien oder gar den Philippinen weicht hier einer gewissen Hollywood-Poliertheit, was den Spaß an der „Sieben gegen die Nachzehrer Charles Mansons“ nicht schmälert. Die VHS-Kassette war nicht wirklich verbreitet und so ist die Wiedergeburt des Films in digitalen Zeiten hochwillkommen.
 
 


 
 
 

WORLD GONE WILD – Zensur

 
 
 
WORLD GONE WILD erschien in Deutschland direkt auf VHS, aber nur in einer entschärften Fassung. Diese gekürzte FSK18-Fassung wurde aber trotzdem indiziert. Erst 2014 wurde der Film wieder von der Index-Liste gestrichen. Leider erschien der Film bisher nicht auf DVD. Das ändert sich jetzt. Im Zug der ersten deutschen Blu-ray-Auswertung erscheint der Streifen nun zeitgleich auf DVD. Beide Medien (Blu-ray und DVD) befinden sich hierbei in einem limitierten Mediabook. Die wegen den damaligen Zensuren nicht synchronisierten Szenen wurden nicht übersetzt, sondern nur mit deutschen Untertiteln versehen. Immerhin liegt der Film in diesem Mediabook ungeschnitten vor. Sammler können zugreifen.
 
 
 


 
 
 

WORLD GONE WILD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (Limitiertes Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: World Gone Wild; USA 1987

Genre: Action, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: 16-seitiges Booklet mit Infos zu Film und Darstellern sowie vielen Bildern (kein Autor benannt), Originaltrailer, Artworkgalerie, DVD-Fassung des Films

Veröffentlichung: Mediabook: 21.08.2020

 
 

World Gone Wild – Die letzte Kolonie [Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

WORLD GONE WILD – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei White Pearl Movies | Daredo)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Mad Max (1979)
 
Mad Max II – Der Vollstrecker (1981)
 
Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel (1985)
 
Waterworld (1995)
 

Filmkritik: „Hatchet for the Honeymoon“ (1970)

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HATCHET FOR THE HONEYMOON

(RED WEDDING NIGHT | IL ROSSO SEGNO DELLA FOLLIA)

Story

 
 
 
Der Chef eines wohlhabenden Modehauses hat mit einem Kindheitstrauma zu kämpfen und kommt diesem nur näher, wenn er weiterhin junge Frauen umbringt…

 
 
 


 
 
 

HATCHET FOR THE HONEYMOON – Kritik

 
 
Wer Dario Argento seinen Lieblingsregisseur nennt, der sollte vermutlich schon früher einmal einen Mario Bava-Film gesehen haben, doch tatsächlich ist mir diese Freude bisher verwehrt geblieben, um nun also mit „Il Rosso segno della Follia“ aka. „Hatchet for Honeymoon“ aka „Red Wedding Night“ meinen Einstieg zu wagen. Mit zwischen sich verwischenden Farb- oder Blutspitzern auf Erde (oder Asche) aufblitzenden Porträts zu einer endlos schönen Score mit betörenden Trompeten gestaltet sich die dreiminütige Opening-Credit-Sequenz als neugierig machende, ästhetische Einstimmung, unvermittelt darauf rast ein Zug auf den Zuschauer und bereitet viszerale Kameraarbeit vor, bei der der Meister selber Hand angelegt hat. Modern wirkende, schnelle Schnitte spiegelnder Gesichter mahnen innerhalb von Sekunden an expressionistische Giallo-Sequenzen an, in der Tat inszeniert sich nun in verträumten, verzerrten Bildern mit hyperrealistisch stilisiertem Blut ein Doppelmord, in dem 7 Minuten lang bis auf „John!“ kein Dialog zu hören ist.
 
 
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John Harrington, so informiert uns ein Voiceover und laut dem gelungenem, 10-minütigen Bonusvideos von Marcus Stiglegger, ein Hitchcock-Verweis anhand eines Monologs über das Leben von Fliegen bzw. Insekten allgemein, der mich an Lees nächtliche Schneckenszene aus „The Wicker Man“ erinnert hat, heißt unser Protagonist und schnell offenbart er uns, dass er von Erinnerungen geplagt wird und aufgrund dieser bereits fünf Frauen umgebracht hat, die rund um sein Brautmodegeschäft vergraben liegen. Die zu Recht eifersüchtige Frau des in wunderbar farbenfrohen, grellen early 70s-Hemden posiernden Playboys schläft laut eigener Aussage nie und erwähnt recht nebensächlich dass sie zur einer Seance eingeladen wurde, das bildhübsche neue Model Helen schneit auch vorbei und biedert sich erfolgreich an. Ein großartig dekoriertes Set voller Schaufensterpuppen sorgt für eindrucksvolle Bilder, abseits des Ästhetikempfindens zieht sich der Film hier allerdings bereits nach knappen 18 Minuten, da John hier minutenlang „nur“ eine Puppe küsst und seine Mordwaffe präsentiert, das titelgebende Beil…
 
 
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Nachdem die Seance wenig ereignisvoll verläuft, besucht Inspektor Russel Johns Gewächshaus und lässt in blumigen Metaphern hervorschimmern, dass er dem umtriebigen Modelmörder längst auf der Schliche zu sein scheint. John wirkt überheblich unbekümmert und erinnert zu 70s-Reißzooms nur an den „richtigen Dünger“, die reizvolle Atmosphäre zwischen den Ermittlungen, der selbstüberhöhten, narzisstischen aber verstörten Darstellung Johns, dem schwarzen Humor und der Giallo-Ästhetik wird dabei durch eine nahezu experimentelle Score unterstützt, die spieluhrartige Melodien und an Italowestern erinnernde, große Gefühle mit schrillen E-Gitarrenriffs kontrastiert, die punktuell unfreiwillig komisch wirken können. In dem Ofen „für die Blätter“, der aber scheinbar in der Lage ist, menschliche Knochen zu verbrennen, den man eben so stehen hat im Gewächshaus, verbrennt John sein nächstes Opfer und kommt seinem Trauma wieder näher, als Zuschauer habe ich einzig durch generelles Genre-Vorwissen jetzt schon erraten können, wie sich sein Trauma wohl auflösen wird, was der Dramaturgie nicht in die Hände spielt. Die verzerrenden Spiegelbilder in bunten Farben und schneller Schnittfolge hingegen sind erneut als visuelles Schmankerl hervorzuheben – bitter nötig auch um die folgenden Szenen auszugleichen, in der partout nicht auf den Punkt kommen oder die Story weitertreiben wollende Dialoge die optisch ansprechenden Szenen inhaltlich sinnlos dehnen, während das zu oft genutzte, wenn auch harmonische Hauptstück des Soundtracks unpassenderweise auch in einer Clubszene gespielt wird, in der Leute wild tanzen.
 
 
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Leicht überlagernde Tonspuren sorgen für falsche Erwartungen, die Bava freudig mit überraschend-schwarzhumorigen Bildschnitten unterwandert oder enttäuscht, das perfideste und prägnanteste Bild des Films dürfte dann die deutlich an „Tenebre“ oder „Suspiria“ erinnernde Szene sein, in der die kunstvoll blutende und ausgestreckte Hand eines Opfers sich mitten zwischen den suchenden Inspektoren spiegelt, die ahnungslos unter der sterbenden Person liegen. Waren die Szenenverläufe bis zu diesem Zeitpunkt, etwa der 50-Minutenmarke, noch allzu vorhersehbar bis repetitiv und schienen zu geradlinig auf ihr Finale zuzusteuern, so überrascht Bava nun mit einem neuen Genreelement, das die Dynamik des Films ändert und einerseits für Verlaufsspannung sorgt, andererseits aber auch eine groteske Note mit sich bringt, die sich für mich nicht ganz in die Tonalität des Films gefügt hat. So läuft beim zweiten Clubbesuch zwar passend funkige und schnelle Musik, dafür aber ist der Besuch selber recht absurd in seiner Bildsprache, auch wirkt die Thematik plötzlich weniger seriös und beängstigend und deutlich ähnlicher einer „Geschichten aus der Gruft“-Folge, die auf teils abstrusen, unterhaltsamen Grusel aus ist. Die entfesselte Kameraführung entlang der malerischen Sets, die zahlreichen Schwenks und Neigungen sowie spannende Winkel vertrösten, das Finale kann mit poetisch-romantischem Dialog aufwarten und der gekonnte Schnitt sorgt für reibungslose, inspirierende Übergänge – dazu wird der Soundtrack so dissonanz und ambient-ähnlich wie noch nie. Doch wenn am Ende eine letzte, optisch sehr ansprechende Sequenz zum ein letztes Mal triumphal aufkommendem Soundtrack präsentiert wird, überwiegt leider nicht der Eindruck eines Films der so wild oder expressionistisch war, wie seine besten Passagen.
 
 
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Schauspielerische Extrapunkte dürften Genrefans gut und gerne nicht nur für die unterkühlte, charmante und überzeugend soziopathische, wenn auch nie sonderlich nahe gehende Performance von Stephen Forsythe vergeben, sondern zweifelsohne auch für die umwerfende Genrediva Dagmar Lassander als Helen und Laura Betti, einer Grande Dame des italienischen Kinos, als Johns Frau. Dass dieser so geradlinig und minimalistisch wirkende Film an Argento sowie Geschichten aus der Gruft, an eine Mörderkomödie ebenso wie an ein ernstes Psychodrama erinnern würde, hätte ich nach den teilweise sehr schleppenden, ersten 60 Minuten nicht gedacht und sehenswert kurios vermischt auf Genre- sowie tonaler Ebene ist „Hatchet for Honeymoon“ definitiv – nur von einem dramaturgisch versierten Film kann schwerlich geredet werden.
 
 
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HATCHET FOR THE HONEYMOON – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Wunderschöne Stilübung mit Kostümen, Perspektiven, Setdesigns und expressionistischen Morden zum Verlieben, ein wichtiger Film für Giallo-Fans und ein sehenswerter Bava zweifelsohne – doch so verziert die Rahmenbedingungen, so mager das Script, das weder als ernstes Psychodrama, noch als Thriller je wirklich klappt und zu langsam erzählt wird. Fast sieben, nach erster Sichtung aber „nur“ 6/10.
 
 


 
 
 

HATCHET FOR THE HONEYMOON – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Hatchet for the Honeymoon“ erschien hierzulande stets ungeschnitten. Das war auf VHS so und ändert sich auch auf der jetzt erhältlichen Blu-ray des Kassikers nicht. Der wurde sogar neu geprüft und ist bereits für Zwölfjährige geeignet.
 
 
 


 
 
 

HATCHET FOR THE HONEYMOON – Deutsche Blu-ray

 
 
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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover A – auf 888 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover B – auf 444 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Blu-ray KeepCase Erstauflage)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Blu-ray KeepCase Zweitauflage)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Il rosso segno della follia; Italien | Spanien 1970

Genre: Horror, Mystery, Krimil

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Italienisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | KeepCase

Extras: Deutscher Audiokommentar von Bava- Experte Pelle Felsch, Vorwort von Schauspielerin Dagmar Lassander, „A Hatchet for Dagmar“: brandneues & exklusives Interview mit Schauspielerin Dagmar Lassander, „My Dying Bride“: brandneues & exklusives Video-Feature mit Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Deutsche Titel- & Endsequenz, Italienische Titel- & Endsequenz,Spanischer Werberatschläge, Fotobuste (Italienischer Aushang), Artwork Galerie, Hidden Features, Originatrailer, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: DVD mit dem Hauptfilm, 24-seitiges Booklet mit Text von Dr. Marcus Stiglegger

Release-Termin: Mediabook: 30.03.2016 | KeepCase-Erstauflage: 30.03.2016 | KeepCase-Zweitauflage: 25.05.2020

 

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HATCHET FOR THE HONEYMOON – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken und Packshots liegen bei Wicked-Vision)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blutige Seide (1964)
 
The Girl Who Knew Too Much (1963)
 
Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe (1970)
 
Tenebrae (1982)
 

Filmkritik: „The Dunwich Horror“ (1970)

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THE DUNWICH HORROR

(VOODOO CHILD)

Story

 
 
 
Wilbur Whateley hypnotisiert eine junge Studentin und nimmt sie mit nach Dunwich, um dort Unvorstellbare Kräfte zu wecken…

 
 
 


 
 
 

THE DUNWICH HORROR – Kritik

 
 
Beim Namen „Lovecraft“ düfte einem jeden Horrorfan vermutlich erst einmal warm ums Herz werden, geht es um die filmischen Adaptionen seiner Werke aber, so stammt der Grusel nicht vom kosmischen Horror, sondern der zumeist mangelnden Qualität derer. Gehversuche den zumeist subtilen, unaussprechlichen und phantasmagorischen Grusel auf die Leinwand zu bannnen gab es im Laufe der Geschichte viele, einige ambitionierter als andere, und genau auf diese Eigenschaft sollten die Titel auch geprüft werden, um Ihnen gerecht zu werden.
 
 
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„Ambition“ war beim Dunwich Horror, bei uns im Zuge des Zeitgeistes und Zombie/Voodoo-Flairs unverständlicherweise in „Voodoo Child“ umbenannt, definitiv vorhanden, sollte der Film doch erst von Mario Bava inszeniert werden und Horror-Urgestein Christopher Lee ebenso besetzen wie Peter Fonda, selbst Boris Karloff sollte in der ewig in der Produktionshölle steckenden Partie mitmischen. Doch statt Genrestars mit Weltruhm vor und hinter der Kamera zu kriegen, oder auch nur eine Herzblutangelegenheit von Fans für Fans, ist diese AIP-Produktion mit weniger als einer halben Million Dollar Budget nicht nur für Lovecraftpuristen ungenießbar, sondern vermutlich auch ganz allgemein weit, weit weg von der ursprünglichen Vision des Projekts.
 
 
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Eine schwitzende, stöhnende Frau mit einem Kreis auf der Stirn liegt auf lila Bettlaken und windet sich, relativ unvermittelt und nichtssagend danach folgt dann das schicke Cartoon-Intro mit Silhouetten und einer klassischen Score, die frappierend an Willow’s Song aus „The Wicker Man“ erinnert. Wieso man hier einen sexy posenden Teufel vorfindet, wo Lovecraft mit den üblichen, christlichen Vorstellungen von Himmel und Hölle doch eigentlich recht wenig zu tun hat, ist mir zwar ein Rätsel, zumal das auch zu dem „deutschen“ Titel „Voodoo Child“ null passt, aber gut.
 
 
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Amüsant-absurd wird innerhalb der ersten Minuten Film dann direkt mit dem Necronomicon locker über den halben Unicampus gelaufen, bevor erste Überblenden zum Meer und druidischen Kulten, atmosphärisch rotes Licht in der Bar und eine Backstory über einen gehangenen Verwandten aus Dunwich dann tatsächlich recht schnell Assoziationen zum guten Howard Phillips aufkommen lassen. Hauptdarsteller Dean Stockwell wirkt zu diesem Zeitpunkt dabei noch am ehesten geistesabwesend overactend oder schlafwandelnd-gelangweilt, Ed Begley kann dafür charismatisch aufdrehen und eine denkwürdige Performance als Dr. Henry Armitage abliefern. Sandra Dee als naive Nancy darf unbedarft ihre erste Genreerfahrung sammeln, wird aber den gesamten Film über einfach unter Drogen gesetzt und trink fortlaufend fröhlich ihren vergifteten Tee, ohne die ständige Müdigkeit und Folgen des Konsums je zu hinterfragen, was für vergnügliche Trashmomente sorgt. 18 Minuten im Film dann, kündigen sich erste Horrorvisionen an, die mit der Fahrt auf einen leuchtenden Stein enden.
 
 
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Sam Jaffe darf als kauziger Opa unseres Antihelden (?) Wilbur kurz Nancy erschrecken, anschließend kontrastiert der Film das impressionistische Setdesign der argentoesquen, bunten Farben und Lichter und Wände, mit alptraumhaften, unzusammenhängenden Einstellungen wilder, undefinierter Kannibalenstämme, die am ehesten an die unangenehmste Seite von Lovecrafts Werk erinnern, seinem beiläufigen bis inhärenten Rassismus. Das verdaut, gilt es jedoch definitiv die langsam einsetzenden, interessant-psychdelischen Stilmittel des Films zu loben, da „The Dunwich Horror“ viel mehr ein Kind seiner Zeit und Produktionsumstände ist, denn eine Lovecraft-Adaption, die mit dem Autor des Originals zu verbinden sei. Soll heißen, dass wir eine leicht progressive/durch Trommeln ergänzte Version des erneut sehr an „Wicker Man“ erinnernden main themes zu hören kriegen, eine verriegelte und rüttelnde Tür mit unsagbarem Schrecken dahinter, Nacktheit in den Kannibalenträumen…..und nur noch etwa jede zweite Szene Leerlauf.
 
 
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Denn der Plot von „Dunwich Horror“ ist derart simpel, geradlinig und vorhersehbar gestrickt, dass man auch ohne jedes Lovecraft-Vorwissen schnelll weiß, was Wilbur plant, warum Dr. Armitage und Elizabeth hinterher reisen und wieso diese Produktion eine Laufzeit von nur 88 Minuten hat, denn selbst die zu füllen, fällt teils schon wirklich schwer.
 
 
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Die Backstory ist relativ aufwendig und künstlich mysteriös gehalten, nur um im Endeffekt sehr wenig Auswirkungen auf das Hier und Jetzt zu haben, die Vorlage von Lovecraft ist nur noch in den grobsten Zügen enthalten und spielt sich fast nur im Dialog ab. Visuelles Erzählen mit einer orchestralen Score, kargen Stimmung und verlassenen Ländereien hätten bestens gepasst, stattdessen erklingt hier kein Soundtrack oder immer nur der gleiche und die wenige interessanten Sets weichen im späteren Verlauf fast durchgängig einem einzelnen Altar, an dem sich der Film nach etwa der Hälfte seiner Laufzeit auch ausschließlich aufhält.
 
 
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Wilbur präsentiert nämlich Tattoos und eine behaarte Brust, erklärt noch wie wichtig es sei dass Nancy nackt auf dem Altar liege, entkleidet sie aber zu keinem Moment. Deplatziertes Betouchen oder den Po streicheln scheint dabei wenig ritualistisch bemüht, ikonisch sind zweifelsohne aber die Szenen des eigentlichen Rituals, in denen Stockwell angenehm spezifisch und doch routiniert wirkend seine präzisen Bewegungen ausführt. Gleichzeitig dreht „The Dunwich Horror“ mit seinen wohl impressionistischsten, einprägendsten und besten Szenen der gesamten Laufzeit dann richtig auf, wenn eine im perfekten Ausmaß gezeigte bzw. verdeckte, beunruhigende Kreatur mit grellenden schreien im psychdelisch-bunten 70s-Farbenfilter Opfer sucht und aus der verriegelten Tür ausbricht…
 
 
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Ich würde an dieser Stelle jetzt keine weitere Nacherzählung mehr betreiben aus Ängsten der Spoiler, doch aufgrund des enorm behäbigen, langsam Pacings des Films und der merkwürdigen Entscheidung, das Finale so zu inszenieren, wie es inszeniert wurde, macht es wirklich keinen Unterschied mehr – „The Dunwich Horror“ ist minimalistisch, kurz und kommt ohne große Überraschungen aus. Komplett ohne Soundtrack oder Atmosphäre folgen nur noch skurill-witzige bis behäbig-langweilige Szenen, in denen sich in der Bibliothek gekloppt wird, in denen Polizisten sinnlos in ihren Tod rennen, in denen die Tiere aus Angst durchdrehen oder wenig aufwendige Autounfälle in nebligen Wäldern inszeniert wurden. Das ist immer wieder charmant, kultig, retro, mit ein paar stimmig untersichtigen POV-Perspektiven gedreht und durch kreischende Synthesizer und die handgemachte Kreatur ziemlich unterhaltsam, aber eben auch mindestens genau so trashig, plump, unlogisch und repetitiv.
 
 
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Wieso niemand anders am Altar ist, wo doch gerade noch ein ganzer Lynchmob hinter Wilbur her war, ob jede Fehlgeburt zu einem kosmischen Monster zwischen den Welten wird oder nicht, warum durch einen Blitz gefühlt göttliche Intervention symbolisiert wird nachdem im Intro bereits unpassend der christliche Teufel abgebildet war, wieso es zwischendurch einen Bildfilter gibt der aussieht wie ein über die Kamera gelegtes Stofftuch und wieso die Nacktheit und Jungfräulichkeit Nancys mehrfach erwähnt wird, nur um dann nie wieder wichtig zu werden, das sind so Fragen, auf die man vermutlich keine Antwort mehr kriegen kann und ja, massive Pacingprobleme sorgen für einen zu langen, zu langsamen Retrotrip von Gruselfilm, der insbesondere Lovecraftfans absolut nicht empfohlen werden kann. Doch wer Lust auf stellenweise atmosphärische, leicht psychdelische Late60s/70s-Kost hat, wahlweise zum Reinfühlen oder Beömmeln, mit ein paar netten Performances und Effekten, der darf defnitiv mal einen Blick werfen.
 
 


 
 
 

THE DUNWICH HORROR – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Trotz seiner Kürze noch zu langer, von Produktionsproblemen geplagter, leicht psychdelischer 70s-Grusel mit trashigen sowie atmosphärischen Einlagen und maximal oberflächlichstem Lovecraft-Bezug, der durch sein Design und seinen Zeitgeist aber durchaus eine Entdeckung wert sein kann.
 
 


 
 
 

THE DUNWICH HORROR – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „The Dunwich Horror“ erschien hierzulande nur ein einziges Mal legal – und das auf VHS. Die damalige Videoveröffentlichung war ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Erst 2007 hörte man wieder etwas vom Gruselklassiker. Dieser wurde ungeschnitten im PayTV ausgestrahlt. Danach folgte 2010 ein illegales DVD-Bootleg in schlechter Qualität. Nun liegen die Rechte bei Wicked-Vision. Das Label hat sich dem Streifen angenommen und in einer hochwertigen Blu-ray-Sammlerveröffentlichung in den Handel gebracht. Der Release in ungeschnitten und ebenso frei ab 16 Jahren. Toll!
 
 
 


 
 
 

THE DUNWICH HORROR – Deutsche Blu-ray

 
 
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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover A – auf 333 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover B – auf 222 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover C – auf 333 Exemplare limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Dunwich Horror; USA 1970

Genre: Horror, Mystery, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Trailer beim Start: Die Monster Die! (1:55 Min.), Monster Squad (1:49 Min.), Audiokommentar 1: von Dr. Gerd Naumann und Dr. Rolf Giesen, Audiokommentar 2: von Jörg Kopetz (vom Wicked-Vision Magazin), Deutscher VHS-Vorspann (4:36 Min.), Deutsche Nostalgie-Fassung (4:3), „Trailers from Hell“ mit Darren Bousman (2:36 Min.), Originaltrailer (2:17 Min.), Selbstlaufende Bildergalerie (3:49 Min./ 44 Bilder), DVD mit dem Hauptfilm, Hörbuch-CD „Das Grauen von Dunwich auf 2 CDs, 24-seitiges Booklet mit Text von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad.

Release-Termin: Mediabook: 14.09.2018

 

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THE DUNWICH HORROR – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken und Packshots liegen bei Wicked-Vision)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Junges Blut für Dracula (1970)
 
Der Todesschrei der Hexen (1970)
 
Im Todesgriff der roten Maske (1969)
 

Filmkritik: „Slithis – Das Schlimmste was die Hölle zu bieten hat“ (1978)

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SLITHIS – DAS SCHLIMMSTE WAS DIE HÖLLE ZU BIETEN HAT

(SPAWN OF THE SLITHIS)

Story

 
 
Verdammte gewerbsmäßige Rücksichtslosigkeit der Industrie! Auch im sonnig-schönen Südkalifornien nimmt man es an jenem Tage, Ende der Siebziger Jahre, nicht so eng mit der verflixten Reaktorsicherheit. Die satanische Uransuppe läuft dann auch aus und versaut die regionalen Gewässer tüchtig. Ein unschuldig im Nass ruhendes Reptil zieht die Goldene Arschlochkarte und bekommt den größten Teil der giftigen Sauerei ab. Jetzt schleicht der missmutige Giftmüll-Sasquatch durch die Peripherie und reißt, was ihm vor die fiesen Klauen kommt. Das wären Penner, Omis, Frauen, Kinder und andere Futtermittel. Der SPAWN OF THE SLITHIS (so der edle Originaltitel alter Schule, den diese Preziose von Monster-Schlock trägt) hat einen nur wenig unausgewogenen Diätplan, meine Damen und Herren.

 
 
 


 
 
 

SLITHIS – Kritik

 
 
Die Atomkraft hat Schuld. So. Früher wurde eine solche, vollends vernunftfundierte Allgemeinwahrheit im Reiche des Films noch als Selbstverständlichkeit erachtet. Dem alten SLITHIS ging’s da nicht anders. Seine verstrahlte Genetik entstammt direkt dem nuklearen Klärschlamm von Venice Beach in Kalifornien. Diesem entsteigt der schuppige Strolch, zwei Meter groß und insgesamt sowas wie ein glibbergrüner Rieseneidechs‘ im Aufrechtgang und mit mächtigen Aggressionsproblemen.
 
 
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SLITHIS vermittelt durchgehend den Eindruck, schon zu seiner Aufführungszeit knapp fünfundzwanzig Jahre zu spät gekommen zu sein. Unsympathisch ist das natürlich beileibe nicht. Ja, das klassische Gummimonster-lässt-die Kacke-fliegen-Zelluloidabenteuer ist 1978 durchaus längst ein Relikt der halbvergessenen Genrefilm-Vergangenheit. Blindmaskiert umhertapernde Herren, gerne Stuntmänner, in gleichermaßen phantasievollen wie sofort erkennbar kostengünstigen Kostüm-Alpträumen aus Plaste, Latex und Pappmaché wirken kurz vorm Anbruch der futuristisch anmutenden Achtziger Jahre bereits ganz gehörig aus der Zeit gefallen.
 
 
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Zwischenzeitlich hatte sich das Horror-Kino umwälzenden Veränderungen unterzogen. Die ängstlichen Monsterinvasionen wurden von nackter Haut und dem Früh-Splatter-Kino der vollen Ketchup-Eimer abgelöst und danach, etwa von Regisseuren wie George A. Romero oder Larry Cohen, mit politischem, genauer linkem Bewusstsein aufgeladen. SLITHIS stellt quasi – wenn wir hier mal für dreißig Sekunden filmhistorisch ernsthaft sein wollen – eine Vollendung des Kreises dar: Nur wenig turbulenter Monster-Trash der Fünfziger mit Gewaltanteil straight aus den Sixties und dem Siebziger-Beigeschmack des politischen Vorwurfs an eine skrupellose Atomenergie-Wirtschaft. Wunderbar!
 
 
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Was SLITHIS in den Kinos an halsbrecherischer Action und zähnezerbröselnder Spannung vermissen lässt, versucht man auf Produzentenseite seinerzeit frechweg mit dem Verteilen eines kostenlosen Billig-Überlebenssets für den Fall eines allgegenwärtig ad portas angedrohten Atommonster-Angriffs wettzumachen. Neben albernen Quizfragen zum Thema kann man für einen mickrigen Centbetrag ein geiles Autogrammfoto des Ungetüms erstehen. Unsigniert. Aus Gründen. Der Club befand sich im Bundesstaat Iowa. Dort gibt’s zwar keine kalifornischen Strände, jedoch einen überdurchschnittlichen Anteil an mutierten Amerikanern. Trump-Quote A-Plus, will man sagen. Regisseur Stephen Traxler hat nur bei SLITHIS und zwanzig Jahre später einem öligen Fernsehfilm als Regisseur gewirkt. Ansonsten tut er sich als Produktionsmanager in Edelprogramm wie Chuck Norris faschistischstem Prachtfilm INVASION U.S.A. (1985) oder Lord Costners sagenumwobenem Endzeit-Sauflop WATERWORLD im Jahre 1997 hervor. Wir finden, im Hause TROMA wäre für den Mann bestimmt ein Spind übrig gewesen.
 
 


 
 
 

SLITHIS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Popcornisiertes Herrenmonster-Kino wie SLITHIS hat im Bahnhofskino nur der härteste Kern der Trashologenzunft gesehen, auf nicht unbedingt verbreiteter VHS landet der Film dann in Fass-ohne-Boden-Sammlungen wie denen des Rezensenten hier. Jetzt gibt es SLITHIS in einer Herrlichkeit zu bewundern, die woanders nur seriöse Filmkunst verpasst bekommt. Hallelujah und verdammte gewerbsmäßige Rücksichtslosigkeit der Industrie!
 
 


 
 
 

SLITHIS – Zensur

 
 
 
SLITHIS – DAS SCHLIMMSTE WAS DIE HÖLLE ZU BIETEN HAT erschien bereits zu VHS-Zeiten ungeschnitten. Das hat sich auch im HD-Zeitalter nicht geändert. Alle deutschen Blu-ray-Veröffentlichungen besitzen noch die alte FSK18-Freigabe. Sammler können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

SLITHIS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (Mediabook – Limitiert auf 1500 Stück)

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(c) White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Spawn of the Slithis; USA 1978

Genre: Horror, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Artwork-Bildergalerie, Trailer | zusätzlich im Mediabook: DVD-Fassung des Films, Booklet

Veröffentlichung: Mediabook: 09.11.2018 | KeepCase: 07.08.2020

 
 

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SLITHIS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei White Pearl Movies | Daredo)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Nightbeast (1982)
 
Humanoids from the Deep (1980)
 

Filmkritik: „The Nightingale – Schrei nach Rache“ (2018)

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THE NIGHTINGALE – SCHREI NACH RACHE

(THE NIGHTINGALE)

Story

 
 
 
Jennifer Kent präsentiert eine verstörende Rachegeschichte im dunkelsten Kapitel der australischen Geschichte

 
 
 


 
 
 

THE NIGHTINGALE – Kritik

 
 
Da ist er also, so fühlt es sich also an, ich hatte es schon fast vergessen. Von den allzu abtrünnigen, widerwärtigen, Gewalt- und Erniedrigungspassagen durchexerzierenden Auswürfen transgressiver bis hin zu ziellos schockender, niederträchtiger Filmkunst habe ich bisher mein ganzes Leben lang wohlweislich Abstand gehalten. Denn so interessant und spannend Pseudosnuff und Torture Porn, Babygematsche im Amateursplatter und unerträglich explizite Demütigung halbnackter Opfer sein kann, so wenig Unterhaltungs- oder Mehrwert hab ich in solchen Filmen meistens gesehen, zumal ich – und das dürfte der eigentliche Grund sein – auch einfach keine Lust habe, völlig abzustumpfen, nicht mehr geschockt werden zu können, bis dahin aber umso traumatisierender verstört zu werden. Abstecher in den extremeren Horrorbereich sind dabei natürlich trotzdem dann und wann im Programm, teils absolut berechnet und erwartet wie bei Brian Paulins Undergroundsplatter „Fetus“, der aber eben so trashig und billig und schlecht gespielt und inszeniert ist, dass man vieles kaum noch ernst nehmen kann, oder auch unerwartet und nachhaltig packend wie bei dem spanischen Weihnachtskurzfilm „Merry Little Christmas“ geschehen, der häusliche Gewalt, Inzest und Traumata mit einer manifestierten Alptraumfigur gemixt hat, um in Rekordzeit das Nervenkostüm des Zuschauers zu zerfetzen. Auch der französische „Inside“ hat mich bei der ersten Sichtung, damals noch als Jugendlicher, böse erwischt und fast katatonisch werden lassen, doch hier waren es dann Unlogik und -realismus, die das Gezeigte im Nachinein rationalisieren konnten. Als jüngste Beispiele meiner drastischeren Seherfahrungen seien Douglas Buck‘ exzellentes Episodendrama „Family Portraits: A Trilogy of America“ sowie Satos legendärer „Splatter: Naked Blood“ genannt, beide zweifelsohne auch mit Verstörungspotential gesegnet, nicht nur selbstzweckhaft und trotzdem drastisch bis zum Anschlag.
 
 
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Doch was all diese Filme teilen, all diese Titel die mir nahe gegangen sind auf einer viszeralen, physisch spürbaren, unangenehmen Ebene mit ihren teils allzu realistischen Szenarien, das ist, dass wir es hier stets noch mit „fairen“ Umständen oder zumindest zahlenmäßig ausgewogenen Konfrontationen zu tun haben, eine einelne Person verletzt eine andere, oder sich jemand selber, oder es ist der Protagonist, der mehreren anderen, gar Unschuldigen, Leid widerfahren lässt. Doch es ist keine Gruppe, keine sadistische Mentalität organisierter Gewalt oder Folter, keine Ohnmacht gegenüber Zuständen, denen man kampflos ausgeliefert ist, weil ein einzelnes Messer oder eine glückliche Sekunde nicht reichen würde, um zu entkommen. Grenzt man die Auswahl effektiv verstörender Filme, die ich gesehen habe, auf diese Weise weiter ein, so gelangt man schnell zu einem sehr kleinen Pool: Den sehenswerten Indiehorror „REEL“ hab ich aufgrund genau der Thematik z.B. überlegt abzubrechen, „Eden Lake“ sitzt auch wie ein Stein im Magen, am Ärgsten hat mich aber tatsächlich der deutsche Film „Das Experiment“ erwischt, der auf allzu realistische und ungeschönte Weise von einer eskalierenden Spirale aus Gewalt, Erniedrigung und Sadismus erzählt.
 
 
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Was man bei keinem dieser Filme, die ich allesamt zu unterschiedlichen Graden empfehle, findet, das ist ein historisches Setting, das seltenst im Film behandelt oder erzählt wurde, und zwar das des „Black Wars“, dem erbarmungslosen Genozid an den australischen Ureinwohnern und das grausame Leben in den Strafkolonien der Briten im 19. Jahrhrundert, denn genau so eine war ganz Tasmanien, „Van Diemen’s Land“, damals noch. Eine Zeit, in der von den Briten gefangen genommene, weiße Männer bereits leiden mussten und unfair behandelt und ausgebeutet wurden, ja, aber erst recht eine, in der von Gleichberechtigung, Frauenrechten oder Black lives matter-Bewegungen noch dekadenlang nichts gehört wurde. Und mit diesem Setting, das auf dem Papier also schon eine absolut toxische und lebensfeindliche Umgebung ist, im Hinterkopf, erzählt Jennifer Kent eine tief mit seinem historischen Setting verwobene Geschichte, die von schreiender Ungerechtigkeit und dem Drang nach Rache, aber auch Humanismus in den schwersten Zeiten der Menschheit und kultureller Identität erzählt.
 
 
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137 Minuten lang eine solche erdrückend hoffnungslose Geschichte erzählt zu bekommen, das könnte wahlweise ermüdend oder einfach nur durchgängig unerträglich sein, doch die atemberaubende Cinematographie, die die makellosen und oscarwürdigen Kostüme der Generäle und Offiziere ebenso bildgewaltig einfängt wie die unbändige Natur Tasmaniens, die kerzenbeleuchteten, kargen Innenräume verarmter Sträflinge oder die gefährlichen Steilpässe und sich durch sie windenen Vollblüter ebenso wie sich einbrennende Nahaufnahmen in Angst erstarrter Gesichter, hat es mir keine Sekunde lang erlaubt, wegzuschauen. Und das darf man auch nicht und das sollte man auch nicht, denn alles was hier ungeschönt gezeigt wird, wurde präzise recherchiert, mit viel Aufwand übersetzt und so gottverdammt intensiv und perfekt gespielt, dass ich aus der Gänsehaut teils nicht mehr heraus kam, den Tränen nahe war. Eine gute halbe Stunde lang ist „The Nightingale“ zwar bereits hochästhetisch und erinnert an Eggers Werke, erzählt sich aber gleichzeitig so unfassbar grausam, unerbitterlich, bösartig und echt, dass einem wirklich schlecht werden kann.
 
 
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Doch genau wie die Cinematographie nun das volle Potential des Settingwechsels nutzt, Waldatem verbreitet und den Morgentau spürlich schmecken können lässt, speist die Narrative des Films auf vorallem emotionaler Ebene von dem schrecklichen Einstieg, den wir zusammen erleben mussten, und mahnt durch pointierte, kurz gehaltene Träume immer wieder die schiere Brutalität an, mit der alles begann. Und das soll keinesfalls heißen, dass der Film das Tempo nach dem Einstieg runter nehmen oder sich entspannen würde, ganz im Gegenteil – „The Nightingale“ bleibt durch das perfekte technische Niveau, die authentische Mehrsprachigkeit, die oscarreifen Performances, allen voran von Aisling Franciosi und Sam Claflin als gebrochen-nuancierte, kalte, zielstrebrige aber im Endeffekt völlig überforderte Protagonistin, bzw. extrem hassenswerten und wiederwärtigen Antagonisten und die ultimative Synchronisierung mit unserer Heldin zu jeder Sekunde sehenswert, spannend, atmosphärisch, ästhetisch und emotional packend wie selten ein Film.
 
 
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Lange Zeit war ich völlig hin und weg davon, wie dieses Meisterwerk die mit besten Einstellungen der letzten Jahre mit einer Welt paart, die nur auf Sadismus und Machtspielen, Befehlen und Erniedrigung, Folter und Vergewaltigung aufgebaut scheint, wie der Konflikt zwischen „Will ich unbedingt nochmal sehen!“ und „Will ich nie wieder sehen!“ sich immer wieder in den Vordergrund drängt und wie ich am laufenden Band an Filme erinnert werden, die ich alle für Meisterwerke halte – doch dann, leider kamen kleine Stolpersteine im Pacing des dritten Akts. Das Ende ist zwar beiweitem nicht beliebig, aber mir war es nicht pointiert oder perfekt genug gewählt, auch hätte „The Nightingale“ mit ziemlich genau 10 Minuten weniger zum Ende hin auskommen können, ohne etwas von seiner Wucht oder Brillianz zu verlieren. Aber das soll diese einmalige Seherfahrung trotzdem kein bisschen abwerten. Wer mitreißende Genrefilme schätzt, Thriller oder Rachefilme, historische Dramen oder feministisches Kino, wer Robert Eggers und A24-Fan ist, wer keine Angst vor erbarmungslosen Filmen hat, wer geschichtliches Interesse hat oder auch nur kulturelles, wer Kostüme designen oder Fotos machen und sich mit Framing auseinandersetzen will, wer filmische Überlebenskämpfe mag oder auch „nur“ elaborierte Rape & Revenge-Filme, dem sei dieser Film explizit ans Herz gelegt. Egal aus welchem Blickwinkel, kalt dürfte „The Nightingale“ niemanden lassen, der das Handy weglegt und sich 2 Stunden auf diese Reise einlässt. Ich habe nach langer Zeit nicht einmal pausiert, nicht einen Schluck getrunken, nicht einen Blick auf die Timeline geworfen und keinen hämischen Kommentar zu irgendwas gehabt – „The Nightingale“ war fast zu jeder Sekunde eine lohnenswerte Seherfahrung, und das erste Mal in einer langen Zeit, dass ich a) fast eine 10/10 vergeben hätte und b) von einem Film so derart verstört wurde, dass ich in dem Moment geschwitzt, mich elendig schlecht gefühlt habe und mein Herzschlag rapide hochgeschellt ist. Wichtiges, nahezu transgressives, fantastisch inszeniertes, makellos gespieltes, unbarmherziges, ehrliches Kino.
 
 


 
 
 

THE NIGHTINGALE – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
Wahnsinnsfilm. Schauspiel und Drehbuch auf höchstem Niveau, Kameraeinstellungen und Kulissen zum Verlieben, eine unbändige Wildnis mit perfekten Kostümen, ein period piece mit Bildern zum Niederknien, perfekt geframed im 1.37:1-Format. Und das alles dann effektivst kontrastiert mit einer erbarmungslosen, selten so intensiv inszenierten Vergewaltigung, mit konstanten Befehlen und Machtspielen, Erniedrigungen und sadistischem Rassismus, der ungeschönt gezeigt wird. Kein perfekter Film, mit dem dritten Akt und Ende hatte ich ein paar Probleme, aber wenn ich je große Werbephrasen dreschen konnte, dann hier: Eine Meisterwerk, das an „The Revenant“ erinnert, Rassismus und Sklaverei noch ungeschönter und ehrlicher angeht als „Django Unchained“, Trauma und Auswegslosigkeit so intensiv inszeniert wie „I Spit on Your Grave“ und ästhetisch an ein experimentelleres „The Witch“ erinnert. Ganz starke 9/10
 
 


 
 
 

THE NIGHTINGALE – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „The Nightingale“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „keine Jugendfreigabe“ erhalten. Die Freigabe ist berechtigt, denn neben einer Vergewaltigung gibt es auch diverse Morde zu sehen, die es in sich haben.
 
 
 


 
 
 

THE NIGHTINGALE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (KeepCase Blu-ray)

 
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(c) Koch Films (Mediabook)

 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Nightingale; Australien | Kanada | USA 2018

Genre: Thriller, Abenteuer, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.37:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 136 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Making of, The Nightingale in Context | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD + Booklet

Release-Termin: Mediabook + KeepCase: 25.06.2020

 

The Nightingale – Schrei nach Rache [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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THE NIGHTINGALE – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Revenant – Der Rückkehrer (2015)
 
I Spit on Your Grave (2010)
 
The Witch (2015)
 
Van Diemen’s Land (2009)
 

Filmkritik: „Seven – Die Super-Profis“ (1979)

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SEVEN – DIE SUPER-PROFIS

(SEVEN)

Story

 
 
 
Hawaii – schließlich haben wir hier einen Film des großen Andy Sidaris auf dem Schirm – ist in die groben Pfoten des organisierten Verbrechens gefallen. Eine Bande von sieben Gangstern teilt das Inselreich unter sich auf. Als man sich auf Behördenseite nicht mehr zu helfen vermag, heuert man den einstigen Agenten und jetzt professionellen Problemlöser Drew „Seven“ Savano (William Smith) und seine Gang von kampferprobten Haudegen an, um dem Gesindel die Leviten zu lesen. Drei Mal Sieben – feiner Sand!

 
 
 


 
 
 

SEVEN – Kritik

 
 
Nehmen wir unsere wohlwollende Nachbetrachtung von SEVEN – DIE SUPER-PROFIS doch mal ganz launig zum Anlass, das Loblied auf einen Schauspieler anzustimmen, dessen meistens schnauzbärtige Großartigkeit inzwischen zumindest in seiner amerikanischen Heimat zu den anerkannten Tatsachen zählt: William Smith. Heute stolze 87 Lenzen auf dem Buckel, beginnt seine Showbusiness-Karriere als Kinderschauspieler, bevor er sein wohl angeborenes Talent für Fremdsprachen erst bei der Armee im Korea-Krieg und später im Studium schulen kann. William Smith, ein echter Renaissance-Man, ist also nicht nur Code-Knacker beim Militärgeheimdienst, Amateurboxer, Gewichtheber mit noch heute bestehenden Rekorden, Stuntman und Schauspieler.
 
 
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Nein, William Smiths Art, seine Rollen anzugehen, ist auf eine interessante Weise eigen und singulär. In seinem Spiel trifft amerikanische Charakterdarsteller-Kunst auf die toughe körperliche Präsenz eines kurz vor zwei Meter großen Bodybuilders mit Pockennarben und den Herrenausstatter-Looks der entsprechenden Handlungsjahre. Wenig verwunderlich spielt er zum größten Teil Bösewichter. In der auch hierzulande erfolgreichen Miniserie REICH UND ARM liefert er eine seiner bösartigsten Leistungen ab. Positive Rollen sind klein – etwa der Vater des Helden am Anfang von CONAN DER BARBAR oder eben in obskuren Filmen wie SEVEN – DIE SUPER-PROFIS. Im New Beverly Cinema, einem wunderschönen, klassizistischen, der Vergangenheit auch des B-Movies gewidmeten Kino-Palast in Los Angeles, der heute niemand geringerem als Quentin Tarantino gehört, ist Smith gern gesehener Gast und beantwortet freudig Fragen zu seinen Filmen, die dort immer wieder vor vollem Hause laufen.
 
 
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Wenn wir schon bei faszinierenden Figuren sind: Regisseur Andy Sidaris (1931 – 2007) war auch ein Phänomen. Finanziell hat der Mann aus Chicago schon recht früh ausgesorgt. Als Fernsehmacher zeichnet er verantwortlich für die ersten wirklich zu nationalen TV-Events aufgeblasenen Boxkämpfe und vor allem die millionenschwere „Monday Night Football“ Show der NFL. Erfahrungen im Bereich Handlungs-Programm sammelt Sidaris in den Siebzigern als Regisseur populärer Krimiserien wie EINSATZ IN MANHATTAN. Seine Filmographie trashiger Girls-With-Guns-Reißer ist somit eigentlich nur ein schrulliges Hobby und strotzt nur so von klirrendem Action-Schlock, der sich über kein Klischee erhaben fühlt und nur im guten Exploitation-Stil der alten Schule unterhalten will. Zwischen den Siebzigern und den Neunzigern schickt Sidaris immer wieder Amazonen mit großen Hupen und noch größeren Frisuren in den Kampf gegen räudige Drogenbarone und anderes Dunkelmänner-Material. Handlungsorte sind bevorzugt Las Vegas, Kalifornien oder eben Hawaii. Hauptsache Hitze. Es wird geschossen und gedroschen, Zeugs in die Luft gesprengt und natürlich auch im schlimmsten Playboy-Channel-Softsex-Stil das harte Silikon begrabbelt. Herrlich!
 
 
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SEVEN – DIE SUPER-PROFIS ist optisch noch nicht ganz so glatt wie die späteren Sidaris-Filme, atmet stattdessen die Luft der zahllosen geilen und unbarmherzig politisch unkorrekten Söldner-Actioner aus jenen Jahrzehnten, wo, angelehnt ans filmhistorische Vorbild der GLORREICHEN SIEBEN oder, um noch eine Generation weiter in die Vergangenheit zu reisen, DIE SIEBEN SAMURAI, eine schlagkräftige Truppe für testosterongeschwängerte Ordnung sorgt. Zu VHS-Zeiten war der Film zwar stilecht in einem der rosafarbenen Covers zu finden, die bei der Firma VPS für das Actionprogramm standen, dafür aber geschnitten.
 
 
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SEVEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Den Scherz mit den 7 Punkten konnten wir uns jetzt nicht sparen. Geht aber auch mit gutem Gewissen klar. SEVEN – DIE SUPER-PROFIS ist eine reine William-Smith-Tough-Guy-Show, in der Action-Trash-Regiemeister extraordinär Andy Sidaris so richtig die Fetzen fliegen lässt. Spät-Siebziger-US-Exploitation reinsten Wassers, kurzweilig und wild, obendrein mit einer kernigen deutschen Synchro gesegnet. Macht man als Freund des Bahnhofskinos oder der einen oder anderen vergessenen Expedition ins Videothekenreich nix falsch.
 
 


 
 
 

SEVEN – Zensur

 
 
 
Alle Veröffentlichungen von SEVEN – DIE SUPER-PROFIS waren bisher geschnitten. Die nun auf Blu-ray erhältliche Fassung ist nicht nur zum ersten Mal ungeschnitten. Die Veröffentlichung des Actionklassikers beinhaltet zudem den ungekürzten Director’s Cut. Fans des Streifens sollten daher schnell zugreifen. Der Release im Mediabook ist streng limitiert. Info am Rande: Auf der deutschen Blu-ray ist ein roter FSK-Flatschen zu finden.
 
 
 


 
 
 

SEVEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Classics (DVD + Blu-ray im Mediabook – Auf 1500 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Seven; USA 1979

Genre: Action, Drama, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Keine

Bild: 1.85:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: 16-seitiges Booklet mit Fotos und weiteren interessanten Zusatzinformationen, Originaltrailer (1:01 Min.), Artworkgalerie (2:18 Min./ 23 Bilder)

Release-Termin: Mediabook: 26.06.2020

 

Seven – Ungekürzter Director`s Cut [Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SEVEN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Classics)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Wildgänse kommen (1978)
 
Kommando Leopard (1985)
 

Filmkritik: „Scars of Xavier“ (2017)

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SCARS OF XAVIER

Story

Ein Serienmörder verursacht mit seinem brutalen Treiben in Prag Angst und Schrecken.

 
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Kritik

 
 
Horrorfilme aus Deutschland werden in der Regel nicht staatlich gefördert. Demzufolge gehen diese nur selten in Produktion und existieren demzufolge kaum. Doch es gibt immer mehr Filmemacher, die das nicht hinnehmen wollen. Die gehen Risiken ein und finanzieren Horrorfilme mittlerweile selbst. Vorbei die Zeiten von übler Amateur-Ware aus dem Hause OLAF ITTENBACH. Der deutsche Horrorfilm hat sich im Untergrund längst weiter in Richtung Professionalität entwickelt. Das Ergebnis: DER NACHTMAHR oder LUZ. Eine Reihe mutiger und vor allem ungewöhnlicher Genre-Filme aus Deutschland, die nun mit SCARS OF XAVIER erweitert wird. Letzterer ist deftig und verursacht in erster Linie Aufsehen durch Brutalität. In Anbetracht dessen, wer da auf dem Regiestuhl sitzt, ist das kein Wunder. Regisseur und Drehbuchautor KAI E. BOGATZKI ist kein unbeschriebenes Blatt in der deutschen Independent-Horrorfilm-Szene. Der war schon an Genre-Streifen wie BLOOD FEST und HI8: RESURRECTIO als Editor beteiligt. Die Konsequenz daraus: Endlich mal selbst einen eigenen Horrorschocker drehen. Nach einigen Kurzfilmen ist der nun erschienen. SCARS OF XAVIER schlug auf Festivals ein, wie eine Bombe und erhielt jede Menge Lob. Deshalb erschien er jüngst auf Blu-ray und DVD im limitierten Mediabook.
 
 
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SCARS OF XAVIER beschreibt nicht unbedingt die inneren Narben, Gewissensbisse und Ängste, welche die Taten als Serienkiller rechtfertigen. Stattdessen handelt der Film vom Treiben eines Mannes, der seinen fehlgeleiteten Emotionen in Form von Morden Herr werden muss. Xavier nennt sich der Einzelgänger und kann in Rom gerade noch so der Polizei entkommen, die seinen schrecklichen Taten auf die Schliche kommen konnte. Nun wird ein neues Versteck benötigt. Das Goldene Prag scheint hierfür prädestiniert zu sein. Schnell hat Xavier eine Anstellung als Fahrzeugreiniger an einer Tankstelle gefunden. Von hier aus kann er seinen Hass auf Frauen ungestört weiter ausleben. Der mordet unbemerkt in Diskotheken oder lockt Frauen zu sich nach Hause, um sie dort zu zerstückeln. Da trifft unser Held in einem Lokal auf eine junge Kellnerin mit Problemen. Offenbar scheint die anders zu sein, als alle andere Frauen zuvor. Doch Horrorfilmkenner ahnen: Diese Liebe wird nicht von langer Dauer sein.
 
 
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Man muss SCARS OF XAVIER durch die rosarote Indie-Brille betrachten. Das ist kein Film für jedermann, der sich mal soeben von etwas Horrorfilmunterhaltung berieseln lassen möchte. SCARS OF XAVIER ist schon harter Tobak, der sich durch das Zelebrieren von Gewalt Eindruck verschafft. Wir sehen, wie Filmfigur Xavier einen wahren Blutrausch durchlebt, in dessen Verlauf diverse Menschen das Leben lassen müssen. Da werden Kehlen durchgeschnitten, Körper zerteilt und Fleischwunden zugefügt. Die Spezialeffekte fallen für Indie-Horror beachtlich professionell aus. Der technisch hohe Standard bekräftigt die Vermutung, dass hier wohl Menschen am Werk waren, die schon länger mit Filmen zu tun haben. Ob Schnitt, Kamera oder Filmmusik – SCARS OF XAVIER beweist eindrucksvoll, dass Indie-Horror aus Deutschland schon lange die Grenzen sinnbefreiter Amateur-Ware überschritten hat.
 
 
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So viel Lob dem Visuelle zuzuschreiben ist, so enttäuschender jedoch die Handlung selbst. SCARS OF XAVIER ist bei genauerer Betrachtung ein zweischneidiges Schwert. Das Drehbuch ist nämlich sein größter Feind. Regisseur und Drehbuchautor KAI E. BOGATZKI (übrigens ein sehr sympathischer Zeitgenosse) treibt seinen Antihelden von Mord zu Mord. Letztere laufen nach immer gleichem Schema ab – nur Todesarten und die Frauen selbst unterscheiden sich voneinander. Spannung kommt da natürlich nur selten auf, was auch daran liegt, dass Filmfigur Xavier unnahbar bleibt. In Rückblenden, die stets in Egoansicht zu sehen sind, erfährt der Zuschauer Ursachen für die Taten. So ist mal wieder die Mutter an allem Schuld, die ihren Jungen in Jugendtagen missbraucht, gedemütigt und schikaniert hat. Klischees, die nur oberflächlich angerissen werden. Der innere Kampf mit sich selbst und seiner Vergangenheit findet im Film nur selten Erwähnung. Stattdessen werden Ängste, Traumata und Emotionen in Blut ersäuft. Jeder Psychologe dürfte da nicht unbegründet die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Als ernst zu nehmendes Psychogramm eines Psychopathen, der durch eine vermasselte Kindheit zum Serienkiller geworden ist, taugt SCARS OF XAVIER daher nicht unbedingt.
 
 
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Übrigens bewiesen alle Beteiligten des Films Herzblut und Engagement. So erklärte Xavier-Darsteller MARC ENGEL im Making-of, welches sich auf Blu-ray und DVD zu SCARS OF XAVIER finden lässt, dass er seinen Charakter so glaubhaft wie möglich erscheinen lassen wollte. Hierfür hungerte er sich auf 52 Kilo herunter. Damit machte er es Schauspieler CHRISTIAN BALE gleich. Letzterer nahm für seine Rolle in DER MASCHINIST knapp 30 Kilogramm ab. Dass Engel offenbar für Filme lebt und quasi alles dafür gibt, zeigt auch der Mut für Extreme. So nahm der deutsche Schauspieler für eine Szene einen Lötkolben in die Hand und fügte sich damit schmerzhafte Verbrennungen zu. Die im fertigen Film gezeigte Wunde ist daher echt. Krasser Shit.
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Kontroverses Serienkiller-Gemetzel aus deutschen Landen, das Indie-Horrorfilme aus Deutschland auch international interessant machen dürfte. Zwar hat das Drehbuch so einige Schwächen. Die Professionalität und der hohe technische Standard sind aber beachtlich. SCARS OF XAVIER tritt in die Fußstapfen von so Filmen wie MANIAC oder HENRY. Mit denen kann diese Produktion zweifelsohne mithalten.
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von SCARS OF XAVIER ist ungeschnitten, aber auch ungeprüft. Wegen fragwürdiger Szenen dürfte es der Streifen generell schwer haben überhaupt durch eine FSK-Prüfung zu gelangen. Wer den ungeschnitten Streifen haben möchte, muss daher genauer suchen. Online-Shops mit großem FSK18-Sortiment dürften SCARS OF XAVIER im Sortiment haben. Alternativ kann man den Film auch im Webshop der WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH kaufen.
 
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Wicked Vision | Rawside Entertainment (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 222 Stück limitiert)

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(c) Wicked Vision | Rawside Entertainment (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 222 Stück limitiert)

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(c) Wicked Vision | Rawside Entertainment (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 222 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Scars of Xavier; Deutschland | Tschechien 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Mike Blankenburg, Nummerierte Sammelkarte (Nur für die ersten 100 Vorbesteller im Wicked Shop), Deleted Scenes, Making-of, Interviews, Making-of Synchronisation, Teaser, Trailer, Musikvideo, Kurzfilm, Bildergalerie, Hauptfilm auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 07.04.2020

 
Nachdem SCARS OF XAVIER seine Weltpremiere auf dem US-Nightmares Film Festival im Jahr 2017 feiert, wurde er seither u. a. in den Niederlande auf DVD (ab 16) sowie in Norwegen als VOD (ab 15) veröffentlicht. Nun – im Jahr 2020 – hat es der Streifen auch auf den deutschen Markt geschafft. Das beliebte Label WICKED VISION hat SCARS OF XAVIER als Teil seiner Uncut Rawside Edition veröffentlicht. Diese ziert die Nummer fünf. SCARS OF XAVIER kann demzufolge in drei Mediabooks mit unterschiedlichem Cover gekauft werden. Jedes Mediabook ist streng limitiert auf 222 Stück. In jedem Mediabook ist eine DVD und eine Blu-ray zum Film enthalten.
 

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SCARS OF XAVIER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH | Rawside Entertainment)

 
 
 
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