Filmkritik: „The Evil – Die Macht des Bösen“ (1978)

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THE EVIL – DIE MACHT DES BÖSEN

(THE EVIL)

Story

 
 
 
Beim Herrichten eines alten Hauses gerät ein Psychologe mit seiner Frau und einer Gruppe Studenten an Mächte, die sie nicht für möglich gehalten hätten.

 
 
 


 
 
 

THE EVIL – Kritik

 
 
„Spukhaus“ bzw. „Haunted House“-Filme haben sich im Horrorgenre schon immer größter Beliebtheit auf Seiten des Publikums sowie der Produzenten erfreut, ist die tausendfach adaptierte Prämisse der als Ort des Rückzugs gedachten Behausung, die sich als Hort des Schreckens und Terrors entpuppt, doch gleichermaßen nah am Leben eines jeden, der je umgezogen ist, als auch aufgrund des singulären Settings, oftmals kosteneffizient zu produzieren. Gerade in den Sechziger-, und dann, dank „Amityville Horror“ 1979, Achtzigerjahren wurde mit den diversesten Beweggründen hantiert, alte, gruselige filmreife Villen, Anwesen und Schlösser von einer Gruppe oftmals junger und/oder forschungsaffiner, projektorientierter Studenten erkunden zu lassen, um dort dann wahlweise vages, subtiles und ungreifbares, oder aber allzu menschlich manifestiertes „Böses“, einen nach dem anderen umbringen zu lassen. Wo sich die Slasherstreifen der Achtziger und die übernatürlichen Werke voller Dämonen, Geister und mysteriösen Entitäten nun aber unterscheiden, das ist der schiere Rahmen der Möglichkeiten, mit denen hier Leute erschrocken, in die Irre geführt oder ermordet werden – denn Geister kennen oft genug keine nachvollziehbaren Regeln, müssen allenfalls ihrer eigenen Logik entsprechen, sind nicht so sehr an Raum und Zeit, ihre Sinne oder physikalische Gesetze gebunden, wie die maskentragenden Machetenschwinger der Folgedekaden. Eine etwas anders aufgelöste Herangehensweise an das Genre liefert „The Evil“ aus dem Jahre 1978.
 
 
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Regisseur Gus Trikonis, dessen Regiefilmographie sich von 1969 bis 1997 erstreckt, inszenierte in erster Linie Komödien, Dramen mit Thrillereinschlag und TV-Produktionen, dabei neben „The Evil“ aber nur zwei weitere Horror/Mysteryfilme ein Jahr später: „The Darker Side Of Terror“ und „She’s Dressed To Kill“, deren Drehbücher er jedoch beide nicht selber verfasste. Insofern ist der vorliegende 89-Minüter, der den Zuschauer in der neuen Blu-ray mit einem atmosphärischen, minimalistischen Menü einstimmt, eine doppelte Ausnahme, stellt er nicht nur einen Horrorfilm von Trikonis da, sondern einen von zwei der 23 Werke des ehemaligen „Westside Story“-Tänzers, die er selbst geschrieben hat – ob diese scheinbare Herzensangelegenheit ihr Genre also sinnvoll nutzt, einen spannenden und beunruhigenden Horrorfilm ins Leben zu rufen?
 
 
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Leise, hohe Geigen leiten ein liebliches Bläserstück ein, zu dem das prachtvolle Schloss im Sonnenaufgang erstahlt und die Opening Credits starten. Der Hausmeister Sam öffnet die Holztür zur riesigen, spinnenwebenbedeckten Eingangshalle und fängt an zu fegen, ein merkwürdiges Geräusch jedoch lässt ihn zum Schraubschlüssel greifen und die Villa erkunden. Die Credits laufen weiter, ein gackerndes Lachen ist zu vernehmen, langsames, mediokres Schleichen durch enge Kellergänge folgt. Ein Feuerstoß aus dem Kamin löst die kaum aufgekommene Spannung auf und Sam verbrennt leidend und brüllend, ein erstes Leitmotiv. Nach diesen sieben Minuten Intro bleibt hauptsächlich festzuhalten, dass die Blu-ray laut Backcover zwar keine Untertitel hat, sehr wohl aber eine deutsche Untertitelspur höchst sporadisch immer wieder mal ein paar Zeilen übersetzt – sollte man die BD überhaupt gestartet kriegen, der fehlerfreie Player hat sich anfänglich geweigert. Aber gut, ich schweife ab.
 
 
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Die eigentliche Geschichte des Films beginnt ohne weitere Umschweife: Der Psychiater C.J. Arnold, gespielt von „Rambo“-Star Richard Crenna, und seine Frau Dr. Caroline, werden von einem Makler zu der Villa mit der eindrucksvollen Kuppel gefahren. Zugleich fällt auf, dass der unzuverlässige Sam einfach nicht wie abgemacht aufgetaucht ist, zudem werden nebenbei Dorfgerüchte und abergläubisches Geschwätz der Anwohner erwähnt, die aber ja natürlich zu vernachlässigen sind, wink wink. Ebenso wie die Tatsache, dass die Villa auf einem ehemals aktiven Vulkan gebaut wurde, der „einfach so“, als sei er zugekorkt worden, aufgehört hat zu erupieren. Hmmmm…. Neben den Tracking Shots gefällt hier auch das Tempo des Films, da Caroline nach gerade einmal 11 Minuten die erste Lichtgestalt, den ersten ungruseligen, sehr an TV- Formate erinnernden, Geist sieht. Eine auf-, dann eine untersichtige Einstellung auf unsere Gruppe und aus dem nichts stürzt ein Teil der Holzdecke ein und trifft C.J., der hier dennoch eine Entzugsklinik eröffnen möchte. Die Kordschlaghosenträger verlassen das Anwesen, eine POV- Einstellung vom Dach sowie das dramatische Orchester kündigen Unheil an. Schnitt und wir befinden uns in einer ihrerzeit sicher modern gebauten Universität, in dem einer der Dozenten scheinbar seine studentische Affäre gebeten hat, mit zu der Villa zu kommen um aufzuräumen. An der Villa selber kehrt nun unser anfängliches Paar samt Ausrüstung zurück und wird vom Rest der insgesamt achtköpfigen Gruppe empfangen, inklusive Burt Reynolds-Look- und Talkalike Robert Viharo als Dwight und einem zuckersüßen Schäferhund. Nach 18 Minuten sieht Carolyn nun nicht nur erneut einen Geist, sondern auch noch wie eine der Wandbüsten sich bewegt und sie anstarrt – was als Effekt durchaus funktioniert, von ihrem Mann aber sehr schnell rationalisiert und nicht ernst genommen wird.
 
 
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Und wer bei komisch dreinguckenden Büsten in gruseligen Häusern an Scooby Doo denkt, der liegt auch ganz richtig, denn die Tonalität der folgenden Szene, in der die schlaghosentragende Gang aufgeregt nach dem weggelockten Hund sucht, der irgendwo im Keller wohl offscreen „The Evil“ zum Opfer gefallen sein muss, hat definitiv das Gefühl einer leicht goofigen, minimal gruseligen Kinderserie – inklusive herrlichem Blick des Hundes, der sich als besessen herausstellt und unblutig angreifen darf. „Caroll, that thing with the dog can be explained very easily!“, meint C.J., „for a doctor you have a very very vivid imagination“, gaslighted er seine Frau, die einen sehr richtigen Verdacht hat, weiterhin, nur damit sie nach einer knappen halben Stunde bereits den dritten Geistermann rumstehen sieht, mitten zwischen den arbeitenden Mitstreitern. Der Hintergrundgeschichte des Hauses wird sich nun in einer wenig spannenden und etwas unbeholfenen Szene gewidmet, in der Caroll eine alte, aber leere Familienchronik der Vorbesitzer findet und das Schmieden des Kreuzes unerklärt über das Feuer des Kamins geblendet wird. Weiteres erfolgloses Warnen ihres Mannes, dann werden zwei Studentinnen Opfer eines Pranks, der für den Zuschauer nicht nur als Jumpscare klappen kann, sondern auch für eine Argento- Gedächtniseinstellung genutzt wird. Diesen Schrecken überlebt, finden die beiden nun aber eine echte Leiche und diese ist nicht nur gut getrickst, sondern auch die erste Instanz von Horror, Schrecken oder Überraschung, die der Film nach geschlagenen 36 Minuten bieten konnte – aber, aber.
 
 
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Das Gefühl, dass dieses Corman-Vehikel endlich in die Vollen geht, kommt nach geschlagenen 40 Minuten auf, wenn die mysteriöse Falltür im Keller, an der auch schon der Hund gegraben hatte, nebellastig nachgibt und ein Erdbeben auslöst, das in erster Linie durch eine wackelnde Kamera, den pompösen Soundtrack und das Schauspiel inszeniert wurde, aber trotzdem angemessen wuchtig wirken kann. Sehr traurig also, dass der erste onscreen Kill dann so eine peinliche, trashige, schlecht getrickste Einlage ist, in der sich ein Kabel comichaft um Dwight schlängelt, um ihn wenig glaubhaft zu Tode zu schocken. Sämtliche Türen und Fenster verriegeln sich und können nicht mehr geöffnet werden, es folgen erst einmal sehr viel Lärm, Gebrülle, Verzweiflung, Heulerei, Schreierei und „durch die Luft geschleudert werden“, bevor sich in einer Diskussionsszene mit ruhiger, versierter Kamera wieder an oldschooligerem, klassischerem Horror versucht wird. Es ist weder eine besonders frustrierende, noch belohnende oder packende Erfahrung, diesen Spätsziebziger-Horror zu gucken, denn auch wenn die Performances immer wieder stimmen, die kunstvoll von der Kamera eingefangene Villa mit ihren hohen Decken und gemütlichen Ecken glänzen kann und der Killcount überraschend hoch ist, so schwankt der Film zugleich unentschlossen zwischen klassischeren, langsameren Passagen und schlichtweg nicht ernst zu nehmenden Geisterbahn-Horror, in dem die Protagonisten umhergeworfen oder zu Tode geschockt werden. Der einzig nicht-weiße Charakter ist laut Script heroinabhängig und wird zudem als einziges halb ausgezogen und vom „Bösen“ in Unterwäsche über den Boden geklatscht, auch wenn es keine Nacktheit in diesem Film gibt, so werden natürlich teilweise auch sichtlich keine BHs, oder die Jeans mal sehr weit unten getragen. Doch kaum will man sagen, dass dieser Film für Exploitationfans nichts bieten kann oder allgemein sehr harmlos ist für seine Freigabe, folgt eine echt nicht schlecht getrickste, überraschende Splattereinlage – auch wenn der Schaden im nächsten Shot direkt behoben scheint – sowie ein Finale, das man so sicher nicht erwartet hat.
 
 
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So sympathisch es auch ist, dass unser rationaler Protagonist als einziger einen kühlen Kopf behält und versucht, das Mysterium in Ruhe zu lösen, so absurd sind seine Thesen und Erklärungen, wenn eindeutig Übernatürliches geschieht. So tiefschürfend und funktionabel die vielen reinen Dialogszenen auch sein könnten, würden wir die Charaktere überhaupt je richtig kennen lernen, so sehr bremsen sie den Film auch aus. Und so unerwartet, eigenwillig und kindisch-diabolisch das Finale auch ist, so wenig entschädigt es doch leider für die ziemlich ereignislose, hölzerne und höchst repetitive Schrei- und „Spielen als würde man angegriffen werden“-Orgie bis dahin. Der Film tappt dramaturgisch auf der Stelle und lebt größtenteils nur von der marginalen Rätselspannung über das titelgebende Böse, sowie der immer wieder mal aufkommenden Kurzweil eines Siebziger-Geisterfilmes, in dem größtenteils ohne Effekte böse Entitäten inszeniert werden sollen. Ein einzelner Splattereffekt hier, eine wunderbar ausgeführte Szene dort, überraschend alptraumhafte Einschübe an anderer Stelle – man kann sich schon seine Highlights und Momente zum Verlieben, oder zumindest Würdigen dieses allzu üblichen, uramerikanischen Gut vs. Böse- Films zusammensuchen, und ich bereue es auch keinesfalls, ihn gesehen zu haben – doch mehr als ein leicht überdurchschnittlicher, kostengünstig produzierter Spätsziebziger-Grusler ist „The Evil“ dann doch nicht.
 
 


 
 
 

THE EVIL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Atmosphärischer Oldschool-Grusel mit ansprechendem Setting trifft auf billigen Genretrash mit peinlichen Effekten. Weiterhin sehen wir ein Starcast mit überzeugenden Performances, das auf ein halbgares, lahmes Script mit wenig Herausstellungsmerkmalen trifft. „The Evil“ ist trotz des unüblichen, erinnerungswürdigen Finales keine Sternstunde des Gruselkinos.
 
 


 
 
 

THE EVIL – Zensur

 
 
 
„The Evil – Die Macht des Bösen“ hatte es – wie viele Horrorfilme in den 1970ern / 1980ern – nicht leicht. Der Streifen erschien nur gekürzt auf VHS und landete von 1984 bis 2009 auf dem Index. Unverständlich! 2018 brachte CMV LASERVISION im Rahmen der hauseigenen Trash-Collection eine ungeschnittene Fassung in zwei DVD-Hardboxen auf den Markt. Danach folgte die deutsche HD-Premiere des Gruselfilms in zwei Mediabooks. Am 19.03.2021 legte CMV den Streifen der FSK zur Neuprüfung vor. Diese sah keine Jugendgefährdung und sprach eine Freigabe ab 16 Jahren aus. „The Evil – Die Macht des Bösen“ ist demnach ab sofort für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet. Aufgrund einiger höher eingestufter Trailer auf der erhältlichen DVD / Blu-ray ist die Blu-ray-Veröffentlichung aus dem CMV aber erst für Erwachsene geeignet.
 
 
 


 
 
 

THE EVIL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CMV Laservision (KeepCase Blu-ray)

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(c) CMV Laservision (Mediabook mit DVD + Blu-ray Cover A / auf 500 Stück limitiert)

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(c) CMV Laservision (Mediabook mit DVD + Blu-ray Cover B / auf 333 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Evil; USA 1978

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DD 2.0 (Mono), Englisch DD 2.0 (Mono)

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: Film: FSK16 | Blu-ray: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar von Christoph N. Kellerbach & Florian Wurfbaum, Original Trailer, TV-Spot
Trailer: The Unseen, Death House, Bloodmania | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach

Release-Termin: Mediabook: 21.05.2021 | KeepCase: 21.05.2021

 

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THE EVIL – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei CMV LASERVISION)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Amityville Horror (1979)
 
Das Grauen (1980)
 
Landhaus der toten Seelen (1976)
 

Filmkritik: „Psycho Goreman“ (2020)

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PSYCHO GOREMAN

Story

 
 
 
Was geschieht, wenn Kinder plötzlich über eine uralte, dämonische Macht verfügen, zeigt uns äußerst eindrucksvoll der Funsplatter „Psycho Goreman“.
 
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Kritik

 
 
Es ist immer erfreulich, wenn man endlich wieder eine gute Horrorkomödie vor sich hat, denn davon gibt es echt viel zu wenige. „Psycho Goreman“ klingt zwar eigentlich mehr nach einem echten Gorefest, bietet im Endeffekt aber erstaunlich harmonische Unterhaltung, die sich einen Dreck um politische Korrektheit schert, schön anarchisch und trotzdem irgendwie süß daherkommt. Ein Fest für jeden, der auf kuriose Unterhaltung steht.
 
 
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Die beiden Geschwister Mimi und Luke entdecken beim Spielen einen seltsamen Edelstein und ein ominöses Gerät in einem Erdloch. Ohne zu wissen, womit sie es da zu tun haben, setzen die Geschwister eine äußerst gefährliche außerirdische Kraft frei, die einst von einem anderen Planeten Lichtjahre entfernt verbannt wurde. Für Mimi ist das jedoch kein Grund, um Angst zu haben, denn mit dem Edelstein lässt sich das gruselige, zerstörerische Monster ganz leicht kontrollieren. Wer im Besitz des Edelsteins ist, hat das Sagen und deshalb richtet Mimi gemeinsam mit Luke so einigen Schaden an. Doch auf einem Planeten in weiter Ferne läuten die Alarmsignale und eine weitere Macht ist auf dem Weg, um dem Ungetüm Einhalt zu gebieten. Was für ein schriller Mix! Bei „Psycho Goreman“ fühlt man sich an unglaublich viele Dinge erinnert. An „Wishmaster“, an „Hellraiser“, an „Masters of the Universe“, an „Flash Gordon“, ja sogar irgendwie etwas an „Krieg der Sterne“ und sogar minimal an „Dragon Ball Z“. Dieser Film mischt sich wirklich von allem etwas zusammen und erscheint im Endeffekt trotzdem recht eigenständig. Man hatte herrlich schräge Ideen und formt diese zu einem kindlich-naiven, albernen und völlig sinnbefreiten Quatsch, welcher jedoch absolut Spaß macht. Das Drehbuch hat schon mal das Zeug zum Kult.
 
 
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Dass das so gut funktioniert, liegt vor allen Dingen an der Atmosphäre, die schrulliger einfach nicht hätte sein können. Wenn ein kleines Mädchen das Sagen über eine Bestie hat, dann kommt man sich fast vor wie in einem Werk von Disney. Im nächsten Moment fliegen dann aber die Gedärme herum. „Psycho Goreman“ ist ein Film der Gegensätze und das macht ihn so heiter. Dabei ist der Grundton überraschend soft und sogar ein wenig Coming-of-Age-Drama schafft es in die Handlung. Der übernatürliche Teil wirkt wie eine abgefahrene Mischung aus Science-Fiction, Fantasy und Horror, während ein Großteil der Laufzeit von der Komödie dominiert wird. Hier gilt wie immer: Humor ist Geschmackssache und nicht jeder wird die Gags gut finden. Viele davon sind nämlich wirklich over-the-top und wirken mächtig albern. Trotzdem ist die Trefferquote angenehm und das gesamte Treiben ist dermaßen locker und schräg, dass man sich sehr gut unterhalten fühlt.
 
 
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Mit Steven Kostanski ist sowieso immer wieder zu rechnen. Mit „The Void“ zeigte er seine ernste Seite, aber schon bei Streifen wie „Manborg“, „Father’s Day“ oder der überraschend guten Neuauflage „Leprechauns Returns“ bewies der Mann, dass er amüsanten Horror bestens beherrscht. Die Inszenierung ist kreativ, verspielt und teilweise ziemlich verrückt, nur um in manchen Momenten dann fast wieder kommerziell zu wirken. Hinzu gesellen sich abgefahrene Effekte, die herrlich retro erscheinen, weil sie eben überwiegend von Hand gemacht wurden. Die ganzen Wesen sehen richtig schön kreativ gestaltet aus und auch der Psycho Goreman ist eine Wucht. Die vielen Lichteffekte könnten so direkt aus den 80ern stammen, was hier positiv verstanden werden soll. Außerdem splattert es ab und zu noch schön, wobei die Freigabe ab 16 Jahren hier schon verrät, dass es nicht zu derb wird. Das ist etwas schade, denn mehr wäre definitiv nicht verkehrt gewesen, aber der Blutgehalt geht dennoch in Ordnung und der Soundtrack macht dem Wort „retro“ ebenfalls alle Ehre.
 
 
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Über die Darsteller kann man sich übrigens nicht beklagen. Es ist immer mutig Kinder in Hauptrollen zu stecken, denn viele Filme scheiterten schon daran. Mit der Figur von Mimi macht es sich „Psycho Goreman“ ebenfalls nicht leicht, denn nicht jeder wird etwas mit dem rotzfrechen Gör anfangen können. Da befindet man sich auf einer schmalen Linie zwischen cool und nervig. Nita-Josee Hanna macht ihre Sache aber ganz ordentlich und Owen Myre agiert angenehm zurückhaltend. Die Rollen der Eltern hätten etwas markanter ausfallen dürfen, gehen jedoch in Ordnung und Matthew Ninaber ist in der Rolle des Psycho Goreman einfach herrlich. Zum Glück verfehlt hier auch die deutsche Synchronisation ihren Zweck nicht. Nebenbei bekommt man sogar eine einigermaßen stimmige Figurenzeichnung geboten, die teilweise bewusst kitschig ist, teilweise aber auch erfreulich stark auf gewisse Klischees verzichtet.
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
„Psycho Goreman“ besitzt ganz klar seine Schwächen, aber diese können dem Sehgenuss kaum etwas anhaben und man hat es hier mit einem potenziellen Kultfilm zu tun. Die Story ist völlig simpel, aber herrlich kreativ und man hat hier einfach dermaßen viele Zutaten vermischt, dass die Atmosphäre kaum vielseitiger sein könnte. Das geht über Sci-Fi bis hin zu Fantasy und endet in einer albernen Komödie, die manchmal sehr kindlich-naiv wirkt. Mit dem Humor muss man sich arrangieren können, aber das ist einfach Geschmackssache. Auch sollte man auf altmodische Effekte stehen, aber sowieso schreit einfach alles an „Psycho Goreman“ nach retro. Das wurde handwerklich ordentlich gemacht, besitzt einen klasse Unterhaltungswert, gute Darsteller, wunderbare Effekte und ein paar echt gelungene Lacher. Zwar können einem manche Figuren etwas auf den Keks gehen und für mehr Gore wäre man bei dem Titel ebenfalls dankbar gewesen, doch alles in einem ist dieser Film köstlich und dass er mit viel Herz gemacht wurde, bemerkt man ebenfalls. Gerne eine Fortsetzung davon!
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Psycho Goreman“ ist ungeschnitten und überraschenderweise bereits für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Koch Films (Mediabook – Cover C)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Psycho Goreman; Kanada 2020

Genre: Horror, Komödien, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover | Mediabooks

Extras: Audiokommentar des Regisseurs, Interview mit Steven Kostanski, Interviews mit Cast & Crew, Deleted Scene, Behind the Scenes, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 22.04.2021 | Mediabook: 25.02.2021

 

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PSYCHO GOREMAN – Trailer

 
 



 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wes Craven’s Wishmaster (1997)
 
Hellraiser – Das Tor zur Hölle (1987)
 
Masters of the Universe (1987)
 
Flash Gordon (1980)
 
Turbo Kid (2015)
 

Filmkritik: „Das Gift des Bösen“ (1963)

Gift des Böse
 
 
 

DAS GIFT DES BÖSEN

(TWICE-TOLD TALES)

Story

 
 
 
Erste Geschichte: DR. HEIDEGGERS EXPERIMENT. Zwar ist der gute Doktor dieses Namens kein Nazi-Philosoph, hat jedoch in einer Krypta seine verstorbene Verlobte auf Kühlung. Dort fließt nämlich ein veritabler Jungbrunnen. Zwei Herren finden die Wirksamkeit der Flüssigkeit heraus, denken aber nicht an die Schattenseiten derselben. Zweitens: RAPPACINIS TOCHTER. Eben diese ist ein gefährliches Mädchen, bei aller äußeren Schönheit. Ihr Vater sperrt sie deshalb weg, was einen verknallten Studenterich freilich nicht von der Balz abhält. Nummer drei: DAS HAUS MIT DEN SIEBEN GIEBELN. Der letzte Hinterbliebene männlichen Geschlechts kehrt zurück in das verfluchte Herrenhaus seiner Jugend. Dort hat die Schwester des Helden das Regiment und schweigt eisern über den angeblichen Familienschatz und die übersinnliche Gefahr, die gleichzeitig lauert.

 
 
 


 
 
 

DAS GIFT DES BÖSEN – Kritik

 
 
Dieser Omnibus-Film nach den schaurigen Geschichten Nathaniel Hawthornes knüpft, das dürfte klar sein, an die Sixties-Edgar-Allan-Poe-Adaptionen des Gespanns Roger Corman (Regie/Produktion) und Vincent Price (Amok vor der Kamera) an. Dieser Zyklus von Gothic-Gruselfilmen prägt das US-amerikanische Horrorkino der sechziger Jahre entscheidend und sorgt für die Festigung seines wunderbaren Hauptdarstellers als Gesicht des Genres in der Wahrnehmung des Publikums. Hierbei pendelt die stets am Chargieren vorbeischrammende Spielweise, das fast schon sprichwörtliche Dick-Auftragen des charismatischen Mimen, beeindruckend zwischen bitterernster Bösewichts-Portraitkunst und dem comichaften Überzeichnen seiner Figuren. Vincent Price‘ Spielweise ist nie kopiert oder gar erreicht worden. Den drei Geschichten kommt die exzentrische Versatilität des Kunstsammlers, Hobbykochs und leidenschaftlichen Brokatmantelträgers an der Vorderfront zu Gute. Price spielt vor liebevoll ausstaffierten Kulissen, die direkt aus den Seiten schwerer Bände der Romantik gebeamt sein könnten. Ein Muss für den Fan von Horrorfilmen der alten Schule.
 
 
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Wie sein Zeitgenosse Poe oder der freundschaftlich mit ihm verbundene Herman Melville auch, bedient sich Nathaniel Hawthorne der stilistischen Muster der amerikanischen Romantik, legt sein Augenmerk aber bevorzugt auf die wirklich schlechten Eigenschaften des Menschen. Somit bietet sein Gesamtwerk den einen oder anderen im Horrorkontext verfilmbaren Stoff auf. Sein berühmtestes Buch, DER SCHARLACHROTE BUCHSTABE, beschäftigt sich mit den tödlichen Konsequenzen eifersuchtsgetriebener Entscheidungen. Den zeitgeschichtlichen Rahmen der mehrfach adaptierten Geschichte, die Zeit der Hexenverfolgung in Neu-England, wählt der Romancier sehr bewusst, waren doch seine Vorfahren direkt am Aburteilen der armen Seelen während der entsetzlichen Salem Witch Trials beteiligt.
GIFT DES BÖSEN ist natürlich nicht so komplett ernsthaft finster – mit Vincent Price als Leading Man (wir Verehrer des größten Helden Baltimores wissen das) geht das ja kaum, erfüllt aber trotzdem das Gruselversprechen der Gothic Horror Novel. Die Vorlage für Story drei, DAS HAUS MIT DEN SIEBEN GIEBELN gehört zu Hawthornes bekanntesten Geschichten und ist praktisch seine „Version“ von Poes DER UNTERGANG DES HAUSES USHER oder zumindest dessen Atmosphäre und dem Thema der als Familienfluch vererbten Schlechtigkeiten der Welt.
 
 
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DAS GIFT DES BÖSEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Poe-artiger Anthologienfilm mit einem auf vollem Schaum operierenden Vincent Price. GIFT DES BÖSEN ist ein Pflichtkauf für Horrorfreunde, die sich auch für die Zeit vor Splatter begeistern können. Ohne die Anwesenheit des Stars wäre der Film wohl noch obskurer als so. Heil Vincent Price !
 
 


 
 
 

DAS GIFT DES BÖSEN – Zensur

 
 
 
Der blutarme Grusler lief im TV ungeschnitten mit einer FSK16. Danach folgten einige DVD-Veröffentlichungen, wobei das Label Ostalgica im Jahr 2011 hierfür extra eine neue Freigabe-Prüfung bewirken konnte. Seitdem ist DAS GIFT DES BÖSEN bereits für Zwölfjährige geeignet.
 
 
 


 
 
 

DAS GIFT DES BÖSEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM RECORDS (Blu-ray + DVD im Mediabook – Cover A auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM RECORDS (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Twice-Told Tales; USA 1963

Genre: Horror, Importe, Mystery, Liebesfilme, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.33:1 (1080p) | @23,976 Hz Hz

Laufzeit: ca. 120 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann und Dr. Rolf Giesen, Originaltrailer | zusätzlich im Mediabook: Hauptfilm auf DVD, 16-seitiges Booklet von Nando Rohner

Release-Termin: Mediabooks: 30.08.2019 | KeepCase: 26.03.2021

 

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DAS GIFT DES BÖSEN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei NSM RECORDS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Grab der Lygeia (1964)
 
Die Todeskarten des Dr. Schreck (1965)
 
Trilogy of Terror (1975)
 
Dr. Terrors Haus des Schreckens (1965)
 
Asylum (1972)
 

Filmkritik: „Roboman“ (1988)

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ROBOMAN

(ROBOWAR – ROBOT DA GUERRA)

Story

 
 
 
Dschungelkrieg, Vietnam oder so. Strahlende, als Yankees verkleidete Italiener werden der Aufständischen Asiaten nicht mehr Herr. Da setzt das US-Militär den Kriegsroboter Omega-1/Robowar ein. Als dem metallischen Zornespfarrer die Sicherungen durchfliegen und er durch den Busch pflügt, ohne noch zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, landet Dr. Mascher, der Designer des Roboters, unter dem Geleitschutz von Captain Murphy Black (Reb Brown) und seinen Meistern der Martialität, im Grün des Todes.

 
 
 


 
 
 

ROBOMAN – Kritik

 
 
Italo-Urwald (Cast und Crew hospitieren auf den Philippinen) – Check. Ohne Rücksicht auf die guten Sitten zusammengeklaute Eighties-Actionhandlung – Check. Dem Zuschauer-Unterbewusstsein wohlbekannte Zuchthäusler-Visagen aus zahllosen Spaghetti-Krachfilmen der zweiten Garnitur – Check. Was kann der Fan stühlernen Bahnhofskinos aus europäischen Landen denn noch mehr verlangen? Vielleicht die Direktion des gesegneten Dilettanten Bruno Mattei? Selbst die ist gegeben. Reb Brown und seine Einheit knochenharter Buschwiesel in Basilikum geben dem blechernen Mordbrenner Saures. Hierbei grinst der ehemalige Footballer Brown gerne so dämlich, wie er es in Antonio Margheritis Ultra-Schlocker EINER GEGEN DAS IMPERIUM 1983 vor deliriösen Fantasy-Kulissen vielleicht am unappetitlichsten tun darf. Der cineastische „claim to fame“, den der blonde Athletikus vor sich her tragen kann und der 25 Jahre lang eigentlich niemanden interessiert hat, ist, dass er den Titelhelden in einer Früh-Version von CAPTAIN AMERICA spielen darf. Jener pinienkernige Superhero-Film von 1979 entsteht fürs amerikanische Fernsehen, wirft im gleichen Jahr noch ein Sequel mit Christopher Lee ab und kostet etwa insgesamt so viel wie das Abendcatering eines Marvel-Films an einem müden Donnerstag. In Italien schießen Browns geilste Videotheken-Exploitationer wie die Funghi aus dem Boden und er glänzt als tomatensoßige Kopie diverser Schwarzeneggers, Stallones und anderer zeitgenössischer Hollywood-Muskelböcke ohne Mienenspiel-Belastung. DIE VERWEGENEN SIEBEN, 1983 gedreht, ist einer von Browns ernsthafteren Leistungen und der Film selbst ein Meilenstein des US-Kriegsfilms, dessen Wiederentdeckung in der Moderne immer noch auf sich warten lässt.
 
 
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Den Roboter gibt Bruno Matteis Lehrling Claudio Fragasso, der neben der Schauspielerei auch als Regisseur tätig ist und ein paar der perversesten italienischen Sau-Filme auf dem Kerbholz hat. Allein sein Kinoverbrechen TROLL 2 (1990), in den Listen halbwissender Film-Nerds gerne mal als „schlechtester Film aller Zeiten“ geführt, hat zu gegen den Regisseur gefällten Todesurteilen auf drei Kontinenten geführt. Nein, das war jetzt erfunden. Zwei Kontinente.
 
 
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ROBOMAN, ein Name vom Film und Ungetüm, den man schnell wieder vergisst, treffen hier doch ein schon bei DOCTOR WHO zur Verwendung gekommener Titel, ROBOCOP und jeder Superheld US-amerikanischer Prägung aufeinander. Im Film selbst sind’s auch der berühmte Detroiter Blechbulle (inklusive der Wiederkunft seines Menschennamens „Murphy“ in Reb Browns Hauptfigur hier) plus die Dschungelabenteuer um den PREDATOR und sogar ein wenig UNIVERSAL SOLDIER. Bei letztgenanntem ist mal wieder Assessor Zufall am Werk, da Roland Emmerichs Zombie-Soldaten van Damme und Dolph ja erst vier Jahre später über die Leinwände toben. Wir wollen uns einmal nicht an jenem einst beliebten Nischenfilm-Paranoia-Game beteiligen, laut dem jeder zweite Mainstream-Hit dem Trashkino gestohlen wurde. Nächstes Mal wieder. Versprochen.
 
 
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Fast wie in alten Tagen, als Brutalo-VHS-Labels wie Mike Hunter noch den kompletten Film, einschließlich sämtlicher Tode und Handlungs-Twists, minutiös auf den Backcovers ihrer Videokassetten verbrieten, findet sich auf Amazon eine ähnliche Nacherzählung von ROBOMAN. Aber wie dem auch sei, schließlich braucht man nach dem Konsum eines durchschnittlichen, quälend langen Kinotrailers heutzutage auch keine zweieinhalb Stunden Lebenszeit mehr für den neuesten AVENGERS-Teil aufwenden. Wenn schon der Erwerb einer Pappschachtel für fünfzig Taler nötig scheint: Augen zu beim Einkaufs-Schmuh!
 
 
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ROBOMAN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Über die Debüt-LP der kalifornischen Hardcore-Punk-Urgesteine Suicidal Tendencies schrub mal ein Kritikaster: „Wenn morgen die Aliens landen und wissen wollen, was ist Hardcore?“, muss man ihnen bloß erwähnte Schallplatte vorspielen. ROBOMAN lässt den launigen Rezensenten diese Anekdote auf das Subgenre des italienischen Raubkopien-Actionfilms übertragen. Das Erscheinen von Bruno Matteis Vietnam-Androiden-Rasselbock von Film wird von uns ausdrücklich begrüßt.
 
 


 
 
 

ROBOMAN – Zensur

 
 
 
ROBOMAN erschien hierzulande nur auf VHS und das sogar geschnitten – trotz einer FSK18. Diese geschnittene Fassung wurde zwischen 1991 bis 2016 indiziert. Auf DVD erschien der Film leider ebenso nur geschnitten. Das ändert sich jetzt. Das Label CINESTRANGE EXTREME hat sich die Rechte gesichert und brachte die DVD- und HD-Premiere des Streifens Ende 2020 auf den Markt. Fans kultiger Trash-Actioner wird das sicher freuen. Die erhältliche Blu-ray und DVD ist ungeschnitten und aktuell noch ungeprüft. Ob eine von der FSK geprüfte Fassung für die Kaufhäuser folgen wird, ist noch nicht sicher.
 
 
 


 
 
 

ROBOMAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Cinestrange Extreme (Blu-ray + DVD im Mediabook – Cover A auf 250 Stück limitiert)

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(c) Cinestrange Extreme (Blu-ray + DVD im Mediabook – Cover B auf 150 Stück limitiert)

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(c) Cinestrange Extreme (Blu-ray + DVD im Mediabook – Cover C auf 100 Stück limitiert)

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(c) Cinestrange Extreme (Blu-ray im KeepCase auf 300 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Robowar – Robot da guerra; Italien 1988

Genre: Horror, Abenteuer, Action, Komödien, Science Fiction

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0, Italienisch DD 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover | Hardbox | Mediabook

Extras: Alternative Intros, Bildergalerie, Trailer | zusätzlich im Mediabook: Hauptfilm auf DVD, 24-seitiges Booklet mit einem Text von Nando Rohner

Release-Termin: Mediabooks: 13.11.2020 | KeepCase: 23.12.2020

 

Roboman [Blu-ray + DVD im Mediabook – Cover A] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Roboman [Blu-ray + DVD im Mediabook – Cover B] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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Roboman [diverse Veröffentlichungen] ungeschnitten im CINESTRANGE EXTREME ONLINE SHOP kaufen

 
 


 
 
 

ROBOMAN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei Cinestrange Extreme)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Predator (1987)
 
Predator 2 (1990)
 
Predators (2010)
 

Filmkritik: „Der Kampfgigant“ (1987)

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DER KAMPFGIGANT

(DOUBLE TARGET)

Story

 
 
 
Bob Ross (Miles O’Keeffe) wird immer wieder an die Schauplätze amerikanischer Kriegskonflikte gejagt und überlebt diese Stahlbäder auch noch. Jetzt schickt ihn der Senat, verkörpert von Donald Pleasence, nach Nordvietnam, ein Nest von kommunistischen Schurken ausheben. Ross hat aber noch privaten Grund zur Anreise. Sein mit einer einheimischen Frau in die Welt gesetzter Sohn soll mit ihm heim nach Amerika kommen. Die feindlichen Schlagetote des sowjetischen Offiziers Galkin (Bo Svensson) würden die Gebeine des eisernen Super-Gis lieber im asiatischen Dschungelboden versumpfen sehen und lassen so richtig das Blei fliegen. In späteren Jahren, das wissen wir alle, ist Bob Ross zum Star seiner eigenen, hochmeditativen Malerei-Sendung geworden. Oder war das ein anderer?

 
 
 


 
 
 

DER KAMPFGIGANT – Kritik

 
 
Brutal, asozial, faschistoid. Das sind die Schlagworte zum Thema dieser Kategorie des nächtlichen Videothekenprogramms von einst. Die amerikanischen Cousins der Einzelkämpferfilme, nehmen wir als Beispiele nur den groben zweiten und dritten Teil der RAMBO-Filmreihe, werden seinerzeit als Propaganda-Werkzeug gegen die vermeintliche Bedrohung durch die Russen gesehen und vom Verteidigungsministerium mit großzügigen Finanzspritzen bedacht. Wie bei jeder auch nur halbwegs erfolgreichen Spielart Kino aus den Vereinigten Staaten ziehen auch die rüden Dschungelrattenfilme ihre Imitatoren aus Italien nach sich.
 
 
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So ist der auf den Philippinen abgedrehte DERE KAMPFGIGANT geradezu ein Faksimile besonders von RAMBO II – DER AUFTRAG oder diversen Chuck-Norris-Vehikeln, in denen der zähnefletschende Bodybuilder der Stunde in ehemalige Kriegsgebiete fliegt, dort eins mit seiner feindlichen Umwelt wird und jeden aufs Viehischste ausradiert, der sich wagt, die Hand gegen ihn zu erheben. Ist aber okay, schließlich beschreiben diese Filme ihrem Publikum den Feind schlicht als unter- bis unmenschliches Gewürm. Solche Schweinereien (die zeittypische Kneipengebrüll-Synchronisation ist dann noch das Sahnehäubchen auf dem Hass-Becher) abseits aller politischen Korrektheit sind heute undenkbar und wurden zum letzten Mal vielleicht bei Frank Millers Sparta-Gemetzel 300 (2007) gesichtet.
 
 
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Hauptdarsteller Miles O’Keeffe ist eigentlich gebürtiger Amerikaner, hat die für uns schönsten Jahre seiner Karriere aber in Italien verbracht. Nach dem Studium der Psychologie und passender Fachanstellung im Zuchthaus gibt O’Keeffe seinen Hollywood-Einstand 1981 als Playgirl-kompatibler Dschungelkönig im unsäglichen, die damalige Schönheitskönigin Bo Derek schwer hypenden Halberotik-Schinken TARZAN – HERR DES URWALDS. In Europa angelangt, gerät er in die Tentakel des mächtigen Perversen Joe D’Amato. Der macht in jenen Jahren wie immer das, was Kohle bringt – zu der Zeit Barbaren-Fantasyfilme – und hat mit den schlockigen Abenteuern des ATOR seinen eigenen CONAN-Clon im Rennen. Den darf der gute Miles dreimal spielen. Ein paar weitere lustige Genrefilme folgen. DER KAMPFGIGANT bedient die blutdurstigen Eighties-Filmfans, deren Gebetbuch das Evangelium nach RAMBO ist. Einzelkämpfer gegen den Rest der Sauwelt – mit dem Rücken zur Wand und die Eier straußengroß vor Testosteron. Miles gibt seinen Stallone so zuverlässig wie er bei ATOR vor sich hin schwarzeneggert. Auch wenn sich D’Amato retrospektiv über die schauspielerischen Fähigkeiten des US-Schönlings lustig macht. Als ob Arnold oder Sylvester ihre Laufbahnen bei der Royal Shakespeare Company begonnen hätten. Die Regie von Müllkommandant Bruno Mattei ist routiniertes Italo-Fast-Food, inklusive der von dem Mann gewohnten und liebgewonnenen inszenatorischen und handwerklichen Schlampereien und fordert von der Muskulatur seines Stars mehr ein als von seiner Mimik. Von dieser Arbeitseinteilung haben alle was. Ruggero Deodato, der Regisseur des legendären Kotztütenfilms CANNIBAL HOLOCAUST, hat dem Autor dieser Zeilen mal erzählt, wie fotogen und zur gleiche Zeit vollkommen unbegabt O’Keeffe, bei Deodato anno 1986 in der Endzeit-Silberzwiebel FLASH FIGHTER vor der Kamera tätig, war. Die alte deutsche Videokassette (Firma VPS) seines Films hat Signore Deodato dann auch postwendend von mir vererbt bekommen, hatte er ihn doch nach den Dreharbeiten nie mehr angeschaut. Das sind die Anekdoten!
 
 
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DER KAMPFGIGANT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Derber und alkoholpartytauglicher Dschungelkämpfer-Actiontrash von einem Italo-Kultregisseur der zweiten Garnitur. Vietnamveteranen-Stier Miles O’Keeffe kämpft gegen den Iwan und seine eigenen schauspielerischen Behinderungen. Die abgebrühteren Reihen der Videothekengeier-Brigade applaudieren diesem Flashback aus einfacheren Zeiten mit Gusto.
 
 


 
 
 

DER KAMPFGIGANT – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von DER KAMPFGIGANT lief ungeschnitten im Kino und kam auch ungekürzt auf VHS heraus. Leider wurde der italienische Actionfilm von 1988 bis 2013 auf den Index gesetzt und war indiziert. Auf DVD erschien der Streifen nie. Das ändert sich aber jetzt. Das Label CINESTRANGE EXTREME hat sich die Rechte gesichert und brachte die DVD- und HD-Premiere des Streifens Ende 2020 auf den Markt. Fans kultiger Trash-Actioner wird das sicher freuen. Die erhältliche Blu-ray und DVD ist ungeschnitten und aktuell noch ungeprüft. Ob eine von der FSK geprüfte Fassung für die Kaufhäuser folgen wird, ist noch nicht sicher.
 
 
 


 
 
 

DER KAMPFGIGANT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Cinestrange Extreme (Blu-ray + DVD im Mediabook – Cover A auf 250 Stück limitiert)

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(c) Cinestrange Extreme (Blu-ray + DVD im Mediabook – Cover C auf 100 Stück limitiert)

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(c) Cinestrange Extreme (Blu-ray im KeepCase auf 300 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Double Target; Indien | Italien | Philippinen 1987

Genre: Action, Thriller, Kriegsfilme

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0, Italienisch DD 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz Hz

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover | Hardbox | Mediabook

Extras: Bildergalerie, alternative Intros, Trailer | zusätzlich im Mediabook: Hauptfilm auf DVD, 24-seitiges Booklet “Rambo auf italienisch – Ein Blick auf DER KAMPFGIGANT” von Nando Rohner. Im Mediabook Cover C ist zusätzlich noch eine DVD zu „DER KAMPFGIGANT 2“ enthalten

Release-Termin: Mediabooks: 30.10.2020 | KeepCase: 15.12.2020

 

Der Kampfgigant [Blu-ray + DVD im Mediabook – Cover A] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Der Kampfgigant [Blu-ray + DVD im Mediabook – Cover B] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Der Kampfgigant [Blu-ray + DVD im Mediabook – Cover C] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Der Kampfgigant [diverse Veröffentlichungen] ungeschnitten im CINESTRANGE EXTREME ONLINE SHOP kaufen

 
 


 
 
 

DER KAMPFGIGANT – Trailer

 
 



 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei Cinestrange Extreme)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nico (1988)
 
Rambo – First Blood (1982)
 
Das Phantom-Kommando (1985)
 

Filmkritik: „Abrakadabra“ (2018)

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ABRAKADABRA

Story

 
 
 
30 Jahre nachdem sein Vater bei einem tragischen Bühnenunfall verstorben ist, hat Lorenzo Mancini selber eine Karriere als Magier. Doch neben dem Alkoholismus und der überfälligen Miete muss er sich jetzt auch noch mit einem blutrünstigen Mörder rumschlagen, der seine Opfer auf Mancinis Bühne drapiert….

 
 
 


 
 
 

ABRAKADABRA – Kritik

 
 
Die Gebrüder Onetti dürften Genrefans nach den letzten Jahren bereits bekannt sein, zeichnet sich Luciano Onetti doch mitverantwortlich für die Regie, und eigenverantwortlich für die Score zu den bisherigen Neo-Gialli „Sonno Profondo“ und „Francesca“ sowie dem grimmigen Slasher „What the Waters left Behind“, während Nicolás Onetti sich hauptsächlich als (Mit-)Produzent bei Werken wie „Asylum“, – dessen Job als Creative Director er auch belegte – „Aquaslash“ oder gar „Trauma“ betätigt hat, aber neben den eigenen Filmen z.B. auch als Segment Director bei „A Night of Horror: Nightmare Radio“ vertreten war.
 
 
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Einige Jahre an Übung zur Perfektionierung der hauseigenen Low- bis No-Budget-Giallohommage also, und die Zeit hat sich gelohnt: Der mittlerweile dritte Langfilmanlauf setzt voll und ganz auf die audiovisuellen Stärken des Genres und versteht sich zugleich als Hommage, Stilübung und augenzwinkernde Parodie des – in erster Linie – Argentoschen Giallo, dezimiert jeden Anflug von Langeweile oder Aufgeblähtheit mit einer Kürze von gerade einmal 69 Minuten (mit Abspann!) und dürfte jedem Genrefan munden, der die abstrusen Geschichten, endlosen Twists und unbedarft chargierenden Charaktere der alten Filme ebenso genießen konnte, wie die oppulente Optik.
 
 
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Nach einem sehr stumpf brutalen Labelintro mit peinlichem 2000er-CGI, eben jenem Label, das bei der Laufzeitangabe auf dem Backcover stolze 24 Minuten dazu gedichtet hat, nehme ich an, beginnt „Abrakadabra“ mit einem Flashback ins Turin der 50er Jahre, direkt fällt auf wie die kräftig übersättigten Technicolor-Farben die roten Vorhänge nahezu glühen lassen, wie die Font 1:1 aus den Argentofilmen geliehen wurde, wie im Intro eine Femina Ridens-Anspielung zu finden ist, wie eine in Zeitlupe zerberstende Glasscheibe zusammen mit progressiven, verzerrten Gitarrensounds und einem auf der Bühen gehaltenem Vortrag über das Übernatürliche ganz eindeutig „Profondo Rosso“ sowie „Vier Fliegen auf grauem Samt“ Tribut zollen.
 
 
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30 Jahre später, so informiert uns die altmodische Texttafel, wird zu großartigen Panflöten und Chören eine Lustfahrt auf dem Mofa durch den Turiner Sommer gefeiert und von den Kostümen bis hin zum Framing der Einstellungen, Pacing der einzelnen Szenen für sich als auch in der Montage oder den Dialogen fühlt man sich in Rekordzeit in das Jahrzehnt, die Stadt, das Genre hineinversetzt. Als dann das erste Opfer vor dem Auftritt unserers Zauberers Lorenzo Mancini sowie auf dessen Bühne sein Schicksal erleiden darf, tobt sich der Film dermaßen aus was Stilmittel und Argento-Rhetorik angeht, – Nahaufnahmen panischer Augen, Puppen, Reißzooms, mörderische Kunst, artifizierte Tötungen, ermordete Künstler, Bühne als entkoppelter Raum, schnelle Schnittmontagen – dass erstmalig die Idee einer Parodie aufkommt. Auf dem Rückweg vom Theater wird Lorenzo nun fotografiert, was in schwarzweißen Freeze Frames festgehalten wird, erneut ganz wie beim italienischen Meister. Das Radio spricht derweil gelangweilt von einem weiteren Verbrechen im Theater, ich grinse und stelle schockiert fest, dass wir uns erst sieben Minuten im Film befinden.
 
 
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Lorenzo Mancini, der dauerhaft saufende, Schulden habende Magier, ist der Sohn des im Intro verstorbenen Dante des Großen und wird nun des Mordes verdächtigt, dazu findet er nach seiner überraschend zahm inszenierten Zaubershow einen mysteriösen Brief in der Post. Die folgenden Szenen könnte man nun wahlweise konfus, sinnlos oder langsam nennen, ist man rein auf der Suche nach Slasher-Action oder Dialogen, die die Story vorantreiben, doch schon in den Originalfilmen ist szenenweise „nichts“ passiert und auch hier IST der Stil die Substanz. Bei besagter Bühnenshow wird aus Versehen für eine halbe Sekunde der nächste Track angespielt, beim rauchigen Pokerspiel werden drei Augenpaare gleichzeitig eingeblendet, wird nach einer Duschszene herumstolziert, dann natürlich im roten Handtuch und steht irgendwo eine dekorative Flasche rum, ist es selbstverständlich J&B.
 
 
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Wem dieser letzte Block zu zäh war, der dürfte durch das stimmungsvolle, farbenfrohe Licht und die einfallsreichen Winkel hoffentlich trotzdem noch am Ball bleiben, denn nun imitiert Onetti eine astreine Goblin-Score, die mit Hexenchören, Hammond-Orgel, Synthesizern und catchiger Bassgitarre in die Vollen geht, bevor als Nächstes die obligatorische 70s-Barszene mit Progressive Rock und anschließender Schmuseszene von der Genrefilmliste abgehakt wird. Weder die Duschszene, noch diese trippige Einlage mit Mehrfachbelichtung sind dabei je ausgewalzt oder exploitativ, da hier offensichtlich eher dem stilvollen, langsamen und sich auf Charaktere, ihre Umgebungen, und Ermittlungen konzentrierendem Giallo gehuldigt wird, denn den sleazigeren Machwerken der Marke Bianchi.
 
 
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Eine unfassbar stilvolle, mehrfach verspiegelte Präsentation der nächsten Leiche weiß zu beeindrucken, auch wenn die Schauspielerin natürlich noch atmet, etwas Recherche im Zeitungsarchiv, die nächste archetypische Genrestation, offenbart die ersten Hintergrundinformationen. Was von nun an geschieht, ist herrlich angedeutet und doch im Detail unvorhersehbar, leicht verworren präsentiert, blutig, nach gerade einmal 65 Minuten wieder vorbei und bis dahin jede Sekunde wert – denn ich möchte nicht spoilern, doch die Story versteht es trotz der wenigen Charaktere bestens, Giallo-Formulare zu adaptieren, zu überraschen und zu unterhalten. Okkultes, rituelles Zischen wechselt sich mit einem waschechten 80s-Beat ab, gotischer Horror mit neumodischer Parodie, Fulci-Puppen mit expliziten Tenebrae-Zitaten. Hier fühl ich mich wohl.
 
 


 
 
 

ABRAKADABRA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Ein bildhübscher, witziger, charmanter, atmosphärischer und größtenteils kurzweiliger Neo-Giallo mit guten bis „stimmigen“ Darstellern und einem unverwechselbarem Gespür für die Zeit und das Genre. Ein Fantraum im richtigen Bildformat, mit der richtigen Font, den richtigen Farben, Kostümen, Charakteren, Dialogen, Settings, Twists, Kills, Morden usw., ein kurzer Happen verspielter Nostalgie.
 
 


 
 
 

ABRAKADABRA – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Abrakadabra“ ist ungeschnitten und ungeprüft. Da bisher noch keine FSK-Prüfung erfolgte, ist die Veröffentlichung automatisch erst für Erwachsene geeignet. Sollte eine FSK-Prüfung erfolgen, kann man von einer ungeschnittenen Freigabe ab 16 Jahren ausgehen.
 
 
 


 
 
 

ABRAKADABRA – Deutsche Blu-ray

 
 
 

(c) Cinestrange Extreme (Blu-ray Hardbox Cover A auf 66 Stück limitiert)

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(c) Cinestrange Extreme (Blu-ray Hardbox Cover B auf 66 Stück limitiert)

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(c) Cinestrange Extreme (Blu-ray + DVD im Quer-Mediabook auf 99 Stück limitiert)

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(c) Cinestrange Extreme (Blu-ray + DVD im Mediabook – Cover A auf 666 Stück limitiert)

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(c) Cinestrange Extreme (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Abrakadabra; Argentinien | Mexiko | Neuseeland 2018

Genre: Horror, Mystery, Thriller, Krimi

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 2.0, Italienisch DTS-HD MA 5.1, Italienisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 70 Min.

FSK: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover | Hardbox | Mediabook

Extras: Behind The Scenes „Abrakadabra Raw“ (11:25 Min.), Bildergalerie (2:15 Min.), Trailer (1:51 Min.) | zusätzlich im Mediabook: Hauptfilm auf DVD, Soundtrack, 24-seitiges Booklet von Leonhard Elias Lemke

Release-Termin: Mediabooks: 04.01.2021 | Hardbox: 15.12.2020

 

Abrakadabra [Blu-ray + DVD im Quer-Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Abrakadabra [Blu-ray + DVD im Mediabook Cover A] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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ABRAKADABRA – Trailer

 
 



 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Cinestrange Extreme)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Francesca (2015)
 
The Editor (2014)
 
Amer (2009)
 
Der Tod weint rote Tränen (2013)
 
Symphony in Blood Red (2009)
 
Masks (2012)
 
Tulpa (2012)
 

Filmkritik: „Reborn“ (2018)

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REBORN

Story

 
 
 
In „Reborn“ erfahren wir was passiert, wenn eine Totgeburt von einem Psychopathen aufgezogen wird und an ihrem sechzehnten Geburtstag mehr über ihre Vergangenheit wissen will.

 
 
 


 
 
 

REBORN – Kritik

 
 
Paranormale Fähigkeiten haben es natürlich besonders dem Horrorbereich schon immer sehr angetan. Einer der größten Klassiker in diesem Bereich kam wohl 1976 heraus, nämlich die Romanverfilmung von „Carrie“. Seitdem versuchen sich immer mal wieder Filmchen an Figuren, die eine übernatürliche Begabung haben. So auch „Reborn“, dem allerdings kaum etwas einfällt, was ihm eine Daseinsberechtigung verschaffen würde.
 
 
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Tess landet als Totgeburt im Leichenschauhaus. Hier arbeitet ein Psychopath mit Vorliebe für Leichen. Als plötzlich ein mächtiges Gewitter anbricht, wird die kleine Tess wie durch Zauberhand wieder lebendig. Der Irre nimmt sie daraufhin mit nach Hause und zieht sie auf. Sechzehn Jahre später hat Tess Fragen über ihre Herkunft und sie muss bald feststellen, dass sie auch im Besitz einiger Fähigkeiten ist. Aber ob sie diese für den guten Zweck einsetzt auf der Suche nach ihrer Mutter, ist eher fraglich. Dass die Story nicht besonders viel zu erzählen hat und keineswegs originell erscheint, lässt sich noch am ehesten verzeihen, denn gut geklaut ist manchmal eben doch besser, als schlecht selber ausgedacht. Leider wirkt das Drehbuch in „Reborn“ aber enorm konstruiert und ziemlich hölzern. Man kauft dem Werk seine Geschichte einfach nicht richtig ab. Außerdem ist das Szenario arg vorhersehbar, so dass der Zuschauer sich stets denken kann, was als nächstes geschieht und damit auch immer Recht behält.
 
 
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Das raubt vor allen Dingen Spannung. Obwohl „Reborn“ nur 77 Minuten (mit Abspann) lang ist, zieht er sich spätestens in der zweiten Hälfte ganz schön in die Länge. Hier ist aber auch wirklich kaum etwas los. Die flotte Einleitung geht dabei noch in Ordnung und danach kann man kurz die Hoffnung haben, dass man die Fähigkeiten von Tess für Action nutzen wird, aber der Bodycount bleibt erschreckend gering und mehr als sich von einem lahmen Mord zum nächsten zu hangeln, geschieht hier nicht. Abgesehen davon, dass Tess nur Dinge mit Strom steuern kann, ist ihre Begabung nun auch nichts Neues, aber es wird sowieso viel zu selten Gebrauch davon gemacht. Scheinbar versteht sich das Ganze auch fast mehr als Drama und so kommt es zu vielen ruhigen Szenen, in denen es um die Mutter geht. Wäre das nicht alles so platt und unglaubwürdig, hätte es funktionieren können, aber die Drama-Anteile sind eher misslungen, weil man überhaupt keinen Draht zu den Charakteren erhält. Die Figurenzeichnung ist einfach nur konstruiert und wirkt als Mittel zum Zweck, was sie ja nun mal auch ist. Das Finale hält ebenfalls keine Highlights parat und so muss man sich überwiegend langweilen. Wer es gerne etwas blutiger hat, wird enttäuscht sein, denn die Morde sind sehr harmlos und besitzen leider keine so guten Effekte.
 
 
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Nun hat man es trotzdem nicht mit einer Totalkatastrophe zu tun, denn „Reborn“ besitzt tatsächlich ein paar Qualitäten. So überzeugt schon mal die Optik und aus handwerklicher Sicht ist das Produkt sogar ganz gut zu gebrauchen. Man sieht zwar, dass nicht so viel Geld zur Verfügung stand, aber die Inszenierung von Julian Richards ist an manchen Stellen ambitioniert und allgemein sieht der Film ganz schick aus. Außerdem sind die Darsteller in Ordnung. Scream Queen Barbara Crampton übernimmt eine überraschend große Rolle, gibt sich nicht zu viel Mühe, agiert aber auf einem passablen Niveau. Auch über Kayleigh Gilbert kann man nicht so viel meckern, denn eine solche Rolle kann man wesentlich mieser spielen. Mit Michael Paré ist noch ein bekannter Name mit dabei, aber er hat hier nur die Rolle des unnötigen Polizisten erhalten und kann daraus nun wirklich nichts machen. Die restliche Anzahl der Darsteller ist sehr überschaubar und hier wird sonst nicht viel verlangt.
 
 


 
 
 

REBORN – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
„Reborn“ wäre solide gewesen, wenn er nicht so ereignislos daher käme. Die Story ist zwar ausgelutscht und das Drehbuch nicht gut geschrieben, doch gerade weil die Inszenierung passabel ist und die Darsteller (samt anhörbarer, deutscher Synchronisation) nicht zu negativ auffallen, hätte man daraus etwas machen können. Es passiert nur leider fast nichts, das Drama ist unglaubwürdig und die paar Morde machen kaum einen Horrorfilm daraus. Etwas mehr Action, mehr Gewalt und allgemein höhere Schauwerte wären nicht verkehrt gewesen. So bekommt man einen ziemlich lustlosen Versuch „Carrie“ mit „Der Feuerteufel“ zu paaren, der zwar noch deutlich schlechter hätte ausfallen können, für den man aber leider auch keine Empfehlung aussprechen kann.
 
 


 
 
 

REBORN – Zensur

 
 
 
„Reborn“ erschien in Deutschland ungeprüft auf Blu-ray und DVD im Mediabook. Sollte dennoch irgendwann mal eine FSK-geprüfte Filmveröffentlichung erscheinen, dürfte „Reborn“ ohne Probleme eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

REBORN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) RAWSIDE ENTERTAINMENT / WICKED VISION (Mediabook mit BD + DVD – Cover A – auf 222 Stück limitiert)

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(c) RAWSIDE ENTERTAINMENT / WICKED VISION (Mediabook mit BD + DVD – Cover B- auf 222 Stück limitiert)

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(c) RAWSIDE ENTERTAINMENT / WICKED VISION (Mediabook mit BD + DVD – Cover C – auf 222 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Reborn; USA 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 77 Min.

FSK: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Making-of Synchro, Trailer, Slideshow, Film auf DVD und 24-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach

Release-Termin: Mediabook: 04.12.2020

 

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REBORN – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei RAWSIDE ENTERTAINMENT / WICKED VISION)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Carrie – Des Satans jüngste Tochter (1976)
 
Der Feuerteufel (1984)
 
Stephanie – Das Böse in ihr (2017)
 
Dark Touch (2013)
 

Filmkritik: „Death House“ (1986)

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DEATH HOUSE

(SORORITY HOUSE MASSACRE)

Story

 
 
 
Ein Mann tötet Studentinnen mit einem Messer.

 
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Kritik

 
 
Zur Mitte der 2000er hin, als meine Horrorfilmfaszination gerade so richtig begonnen hatte und ich, im jungen Teeniealter, auch noch generell einfacher zu beeindrucken war, hatte eine kleine Animation es mir sehr angetan, in dem ein hockeymaskentragender, macheteschwingender Smiley einem unbekannten-Standardsmiley hinterhergerannt ist. Grund für meine Euphorie war nicht nur die süße Animation selber, sondern die Beobachtung, hier die Quiessenz des „Standardslashers“ gefunden zu haben, ein 2-sekündiger, ewig vor sich hin spielender Loop generischer Opfer, die vor ebenso generischen, maskierten Killern wegrennen. Mit „Camp Blood“ glaube ich, war es, bin ich dieser Idee des absolut unmotivierten Fließbandslashers, den man perfekt nur mit diesem Smiley beschreiben könnte, ohne wichtige Details auszusparen, dann relativ nah gekommen – doch nun, 12 Jahre später, schein ich mit „Sorority House Massacre“ einen weiteren Kandiaten gefunden zu haben, der sich mit seiner tausendmal besser sowie schlechter gesehenen Bierdeckelsynopsis ideal anbietet, die Kritik möglichst kurz zu halten. (Anmerkung des Autor: Vergesst den Satz.)
 
 
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Der bei uns als „Death House“ verkaufte Slasher ist dabei nämlich nicht in den späten Sechzigern oder frühen Siebzigern verstanden und somit als Proto-Slasher oder Genre-Blaupause zu verstehen, nicht als rabiate, genreshiftende Giallo-Krimi-Thriller-Erfahrung die ihrer Zeit voraus war, sondern stammt aus dem Jahre 1986, als ein Gros der Genre-Formulare längst etabliert war und eine Welle, den ikonsichen Werken der Zeit nachahmender Billigproduktionen im Wochentakt auf den Markt geworfen wurden. In dieser Welle dürfte dann auch Carol Franks einziger Langfilm erschienen sein, der knackig-kurze 74 Minuten mit Abspann lang sein bestes tut, schnell wieder vergessen zu werden. Denn während einige dieser minimalistischen und oftmals vorhersehbaren oder trashigen Werke ihren ganz eigenen Charme, Wahnsinn oder Betrachtungsgrund mit sich bringen, so ist „Death House“ allenfalls im Detail inspiriert oder eigensinnig zu nennen.
 
 
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Anfänglich wissen die bedeutungsschwangeren Synthesizer und Glockenspiele vor der bedrohlich beleuchteten Studentenverbindung vielleicht noch zu gefallen, mit der Zeit plätschert der Soundtrack aber immer unpassender und belangloser vor sich hin. Die surrealen, fast schon an Argento oder Fulci erinnernden Traumszenen mit leeren Puppengesichtern und aus der Decke sickerndem Blut haben sich auch eingeprägt, werden aber zu redundant immer und immer wieder in den Film geschnitten, was bisweilen an eine schwache Kopie der Nightmare on Elm Street-Filme erinnert, gerade wenn der Killer seine Waffe – ein Messer, wie herausstechend – durch Objekte drückt oder aus dem Nichts auftauchen lässt. So originell oder gewitzt wie Kruegers perfide Missetaten sind die Sequenzen dabei freilich nie. Auch die unmarkierten Schnitte zwischen Psychiatrie und Studentenverbindung sind als netter Kniff zu verstehen und erfordern Aufmerksamkeit, die teils sogar mit interessanten Match Cuts oder Versuchen derer belohnt wird, doch schnell realisiert der Zuschauer dass es auch eben keinen Clou, kein Whodunnit, keine weiteren Charaktere oder Rätselspannungen mehr geben wird, sondern der Film sich einfach nur mit dem Grundprinzip eines messerstechenden, lahmen Typen zufrieden gibt, der seine größtenteils wehr- und charakterlosen Opfer umbringt.
 
 
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Die Backstory könnte dabei generischer nicht mehr sein, die Dialoge sind erträglich, aber nicht sonderlich ertragreich. POV-Aufnahmen des Killers wurden spannender und atmosphärischer in Black Christmas, kunstvoller in diversen Gialli Jahre zuvor inszeniert, die Mode in diesem Film gehört mit zu den schreiend hässlichsten Flickenresten, die je aus den Tiefen der 80s-Mottenhölle geborgen wurden, bevor eine ganze Reihe an Outfits zum Glück das selektive Gedächtnis der Kollektivnostalgie verlassen durfte. Der dilletantische Ausbruch aus der Psychiatrie ist reichlich lächerlich inszeniert, da unser wortloser Killer am hellichten Tag über den scheinbar unbewachten Vorhof rennt und über den Zaun klettert, als sei dies sein täglich Brot. Der übernatürliche angehauchte Teil der Geschichte wird nie relevant, die klischeehafte Motivation des Killers wird in einem Nebensatz abgespeist und der einzig nennenswert brutale Effekt ist wenige Minuten vor Ende zu sehen.
 
 
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Als guilty pleasure trashig-amüsant wird der Film allenfalls in einer Montagesequenz zu abartig schmalziger E-Gitarren und Saxophonmusik, in der unsere Hauptdarstellerinnen Outfits anprobieren und wir natürlich alle davon halbnackt sehen dürfen, bis auf unser tugendtreueres Final Girl, das mit den paar Krümmelchen Plot zu kämpfen hat. In diesen Szenen, spezifisch wenn später über phallische Symbole und Traumdeutung diskutiert wird, wirkt der Film überraschend selbstreflektiert und seiner Generik bewusst, doch zur Parodie oder ernsthaften Dekonstruktion des Genres reicht es offensichtlich nie. Dass jede dieser jungen Damen auch einen abgestimmten Konterpart aus der Highschool-Stereotypkiste abbekommt überrascht zu diesem Zeitpunkt wohl niemanden mehr, so darf also auch der zahnspangen- und brilletragende Obernerd mit der Klinge in Kontakt kommen, natürlich nicht ohne vorher für mindestens einen Fake-Scare zu sorgen.
 
 
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Gute 50 der 74 Minuten kommen fast ohne Kills oder akute Bedrohung für unsere Protagonisten aus, Füllerszenen sowohl in der Psychiatrie als auch im Verbindungshaus, nur leider bis auf die anfänglichen Traumszenen und die ein oder andere Nacktheit keine, die auch nur Genre-Ansprüchen gerecht werden. Durch die kurze Laufzeit und teilweise solides Schauspiel, eine handvoll nette Bilder und weil der Film nichts generell falsch macht, kann sich „Sorority House Massacre“ noch auf eine knapp unterdurchschnittliche Erfahrung für Slasherfans und -allesgucker retten, doch einen derart vergessenswerten, belanglosen und unmotivierten Beitrag durfte ich zuletzt nur bei aktuellen Produktionen beäugen.
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Sehr kurzer, trotzdem langweiliger Slasher nach Schema F, für Puristen oder Menschen die noch nie einen solchen Film gesehen haben. Nicht weit davon weg, einfach in 2D Strichmännchen zu animieren, die sich umbringen. Durch anfängliches Unbehagen und einen halbwegs stimmigen Cast noch knappe 4 Punkte.
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Zensur

 
 
 
„Sorority House Massacre“ oder „Death House“ erschien in Amerika auf VHS ungeschnitten. Leider wurde auf DVD und Blu-ray nur eine geschnittene Fassung veröffentlicht, die knapp elf Minuten vermissen lässt. Das entfernte Material beinhaltete hauptsächliche Handlungsszenen. Eine kurze Gewaltszene war auch dabei. Auf dieser Fassung basiert nun auch die deutsche Blu-ray. Zwar wird auf dem Cover mit „100% Uncut“ geworben. Das stimmt so aber nicht. Auch der deutschen HD-Fassung fehlen offenbar knapp 11 Minuten Filmmaterial! Das betrifft alle bisherigen deutschen Blu-ray-Releases des Slashers.
 
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CMV Laservision (KeepCase Blu-ray – Erstauflage)

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(c) Centurio Entertainment (KeepCase Blu-ray – Zweitauflage)

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(c) CMV Laservision (Mediabook mit DVD + Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sorority House Massacre; USA 1986

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 74 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | KeepCase mit Wechselcover

Extras: Original Trailer, Entfernte Szenen, Programmtrailer | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach

Release-Termin: Mediabook: 09.03.2018 | KeepCase – Erstauflage: 23.02.2018 | KeepCase – Zweitauflage: 30.10.2020

 

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DEATH HOUSE – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei CMV LASERVISION | Centurio Entertainment

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Goodnight – Die Nacht, als Knecht Blutbrecht kam (1980)
 
Communion – Messe des Grauens (1975)
 
Madhouse – Party des Schreckens (1980)
 
Examen (1981)
 

Filmkritik: „Amityville III“ (1982)

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AMITYVILLE III

(AMITYVILLE 3-D | AMITYVILLE 3: THE DEMON)

Story

 
 
 

Journalist John Baxter geht der durch die Vorfälle in Häusern wie dem Spuktempel von Amityville, Long Island ausgelöste Trend, wieder an Besessenheit und Dämonen zu glauben, ganz gewaltig auf die Nüsse. Er macht es sich zur Aufgabe, die zunehmend dreist grassierende Scharlatanerie im Umfeld dieser Phänomene aufzudecken. Über einen Makler bekommt er die Gelegenheit, den Kasten in Amityville käuflich zu erwerben. Nach und nach passieren auch John und den Menschen um ihn herum Dinge, die ihn an seinem unerschütterlichen Glauben an Logik und die aufgeklärte Moderne zweifeln lassen.

 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE III – Kritik

 
 
 
tatsächlichen Familie am Hacken. Da wollen die Macher des dritten Teils nicht in den lauernden Fettnapf treten und bringen eine Geschichte ins Kino, die weniger mit den direkten Erlebnissen ihrer unbedarften Figuren mit einem Haunted House, als an modernen Paranormal-Investigator-Hits wie den INSIDIOUS- oder CONJURING-Reihen verwandt ist. Wobei der skeptische Journalist Baxter nicht, wie etwa die Eheleute Warren, die Monetarisierung des Übersinnlichen im Hinterkopf hat. Er glaubt schlicht nicht dran oder will das zumindest nicht. Als er mit seinem Latein der Vernunft am Ende ist, lässt er seinen Freund Dr. West ins Haus, der sich tatsächlich als Erforscher des Okkulten und Übersinnlichkeits-Ermittler im Sinne der berühmten Warrens sieht.
 
 
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AMITYVILLE III haucht der Story um den Gruselschuppen im Bundesstaat neues Leben ein. Man spart sich, einfach nochmal nur leidende Durchschnittsmenschen gegen die Wand donnern zu lassen und verlagert den Fokus auf den zweifelnd beobachtenden Protagonisten. Sein Kampf gegen die Erschütterungen seiner Einstellungen macht ihn zum Leidensgenossen etwa der diversen innerlich und äußerlich gequälten Priester aus dem Orbit des DER-EXORZIST-Franchise. Eine Ebene, die dem Film sehr guttut. Der Unique Selling Point, wie wir topbezahlten Marketingprofis sagen, liegt bei Erscheinen in den 3D-Tricks, mit denen der Film seinen Zuschauern im Kino die horrortypischen Brocken um die Ohren fliegen lässt. Ja, Anfang der Achtziger ist’s mal wieder soweit und die Industrie entdeckt das Gimmick des plastischen Filmkonsums für sich.
 
 
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Damals lacht man eher über dieses Aufwärmen eines retrofuturistischen Gags aus den Fünfzigern. Keiner ahnt, dass sich im nächsten Jahrtausend mit der 3D-Verwurstung jedes noch so miesen Kinofilms dumm und dämlich verdient wird. Jedenfalls stützen sich die Produzenten des zweiten AMITYVILLE-Sequels so sehr auf ihre Idee, dass die es sogar in den amerikanischen Originaltitel – AMITYVILLE 3-D lautet der nämlich ganz plump – schafft. In kleinen Rollen sehen wir die später zur Prominenz aufsteigenden Neunziger-Schnecken Meg Ryan und Lori Loughlin. Frau Ryan immerhin lange Zeit Garantin für den Erfolg biederer Romantic Comedies, während die letztgenannte Schönheit jetzt im Knast schmort, was aber nix mit dem Film hier zu tun hat. Hier eiern die Mädels auf dem Dachboden mit einem Ouija-Brett herum. Das gibt natürlich Ärger.
 
 
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Regisseur Richard Fleischer, vierzig Jahre lang einer der grundsolidesten Handwerker der Hollywood-Geschichte, dessen Filmographie eine wahre Schatztruhe amerikanischen Unterhaltungskinos darstellt, erlaubt sich auch bei einem vergleichsweise weniger prestigestarken Projekt wie AMITYVILLE III keine groben Fehler. Der Rhythmus stimmt, Atmosphäre hat er auch, die Schocks sitzen wie angegossen und das Extra der Dreidimensionalität trägt zumindest im Kinosaal – zu einem gelungenen Gruselabend bei. Doch auch ohne die krampfhafte Konzentration auf die optischen Späße, mit denen seinerzeit sogar ein Teil von FREITAG DER 13. den ungeschlachten Eishockeyfreund Jason Vorhees seine Machete aufs Publikum niedersausen lässt, ist AMITYVILLE III ein ordentlicher Horrorfilm.

 
 


 
 
 

AMITYVILLE III – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Zweites Sequel des überraschend erfolgreichen Spukhaus-Hits von 1979, der sich vom Rezept der von Dämonen geknechteten Spießerfamilien wegbewegt und einen zweifelnden Journalisten in den Mittelpunkt rückt. So wirkt AMITYVILLE III gelegentlich wie ein Vorfahr von CONJURING und Co. Gute Entscheidung – guter Film.
 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE III – Zensur

 
 
 
Offenbar kam AMITYVILLE III nur geschnitten in die deutschen Kinos. Das änderte sich auch auf VHS und DVD nicht, obwohl der Spukklassiker frei ab 16 Jahren war. Erst 2009 brachte Anbieter EPIX den Horrorfilm uncut in Deutschland auf DVD heraus. Nun erschien der Streifen zum ersten Mal in Deutschland in HD. Die veröffentlichte Blu-ray-Fassung im Mediabook und KeepCase ist vollkommen ungeschnitten und ebenfalls frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE III – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray KeepCase)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover A – limitiert auf 333 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover B – limitiert auf 333 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover C – limitiert auf 111 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover D – limitiert auf 111 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover E – limitiert auf 111 Stück)

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(c) NSM Records (Mediabook – Cover F – limitiert auf 111 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Amityville III: The Demon; USA 1983

Genre: Horror, Thriller, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: KeepCase: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Anaglyphe 3D-Version, Audiokommentar mit Stephen Jones & Kim Newman, Original Trailer, Filmographien, Bildergalerie | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet mit Text von Lars Dreyer-Winkelmann und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 22.11.2019 | KeepCase: 30.10.2020

 
 
NSM hat 2019 sechs limitierte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film veröffentlicht. Seit Oktober 2020 kann man AMITYVILLE III auch als deutsche Blu-ray im KeepCase erwerben. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ebenso ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 

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AMITYVILLE III – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Amityville: The Awakening (2017)
 
Amityville Horror – Wie alles begann (2018)
 
Amityville II – Der Besessene (1982)
 
Ouija: Ursprung des Bösen (2016)
 
The Axe Murders of Villisca (2016)
 
Amityville Horror (1979)
 
Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)
 

Filmkritik: „The Terror Within“ (1989)

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THE TERROR WITHIN

(GOOD NIGHT HELL)

Story

 
 
 
Aus der Rubrik Corona und Co. Ein aus dem Ruder gelaufenes Biowaffen-Experiment putzt in damals naher Zukunft die Platte leer. Schlabberdibapp. Ein Grüppchen verzweifelter Überlebender – wie immer – brütet in der Mojave-Wüste in einer weitläufigen unterirdischen Bunkerlandschaft der Armee und erkundet gelegentlich das seuchenzerfressene Amerika nach anderen Übriggebliebenen. Oben herrschen säuische Tiermutanten, die von den Kellermenschen als „Gargoyles“ bezeichnet werden. Als die Belegschaft eine junge und verwundete Frau bei sich aufnimmt, macht sie einen gravierenden Fehler. Mademoiselle ist nämlich gerade von einer der Bestien vergewaltigt worden und trägt dessen viehische Saat im Leibe. Der Nachwu

 
 
 


 
 
 

THE TERROR WITHIN – Kritik

 
 
Geilste Idee vorneweg: Der wunde Punkt der zwei Meter großen Echsenmutanten mit genetisch eingebauter Anabolika-Leidenschaft liegt nicht bei ihrer Reaktion auf Atomwaffen, Motorsägen oder anderer Arten von Knüppel aus dem Sack. Nein, die Pestilenz aus dem Labor hat die Biester mit empfindlichen Hörorganen geschlagen, die mit Hundepfeifen an den Rand des Kollapses geführt werden können. Als Filmemacher auf eine solch brillante Art am Waffen-Budget zu sparen, muss man erst einmal kommen, Brüder und Schwestern.
 
 
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Erster deutscher Auftritt: Zu späteren VHS-Zeiten gab’s den spaßigen Stinker unter dem Titel GOOD NIGHT HELL in einer schicken Großbox. In Übersee erfährt er als eine der letzten nach typischer Facon hergestellten Produktionen aus der Verantwortung des mächtigen Roger Corman ein dementsprechendes Marketing. Die vorliegende digitale Auflage bedient sich endlich auch dieses werbewirksamen Prädikats. Tatsächlich erinnert der Aufbau von THE TERROR WITHIN an ganz frühe Filme des Königs der B-Movies. Eine minimal gehaltene Besetzung im Kampf gegen ein Billigheimer-Ungeheuer in Kulissen, die diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient haben. Man gibt sich schon mit geeigneten Räumlichkeiten aus dem Bereich verlassener Industriegebäude zufrieden. Langt ja auch. In ernsthaftem Cineasten-Kontext würde man wohl von einer kammerspielartigen Atmosphäre schwadronieren. Zum Glück müssen wie an dieser Stelle keine Seriosität simulieren. Das Setting der Welt nach dem großen Knall oder der reinigenden Seuche (wobei die Bunkeranlage auch in jeder nicht postapokalyptischen Umgebung stehen könnte) ist ebenfalls ein Stilmittel, das El Gran Rogerio schon 1955 in seinem Frühwerk DIE LETZTEN SIEBEN zu nutzen weiß. California über alles, wie eine berüchtigte Musikkapelle schon Ende der Siebziger zu singen wusste. Dort wie hier sind die Schauspieler ein Potpourri aus Nobodys und verstrahlten Kultstars mit beschädigter interner Qualitätskontrolle.
 
 
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In THE TERROR WITHIN stehen 1989 der unverwüstliche, aus geschätzten achttausend Filmen bekannte Schrank George Kennedy und Widerling Andrew Stevens ihren Mann. Besonders Stevens scheint so ein Vergnügen an der Chose zu haben, dass er zwei Jahre später in der Fortsetzung mitspielt und obendrein auch noch Regie führt. Den wuchtigen Gargoyle mit vorbildlichem Fortpflanzungstrieb spielt ein Stuntman und Kampfsportler mit dem beneidenswerten Namen Jack van Landingham. Die Art der Action, also menschliche Monsternahrung, die durch enge Schächte gejagt wird, bevor schließlich gar blutig Sense ist, entlehnt Regisseur Thierry Notz natürlich Ridley Scotts ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT (1979). Auch die Brutzeit im menschlichen Wirtskörper – die ist kurz, höchstgradig schmerzhaft und beim Wurf splatterig-tödlich – kennt der geschulte Filmfreund von den Brustzerplatzer-Crashgeburten der Xenomorph-Außerirdischen aus der Alptraumwerkstatt HR Gigers. Ja, wie dort auch haben die Monstrositäten in allererster Linie den Erhalt der Spezies auf dem Ticker und schändet jedes menschliche Wesen, das ihnen vor die pochende Schleimrute läuft. Pfui.
 
 
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THE TERROR WITHIN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
THE TERROR WITHIN ist knuspriges Trash-Unterhaltungskino aus geschulter Hand. Produzent Roger Corman mixt wild Ideen aus Nach-dem-Weltuntergangs-Film und den Tunnelhetzjagden und Chest-Burster-Exzessen aus dem 1979er Science-Fiction-Horror-Klassiker ALIEN. So einen Film 1989 zu servieren zeugt von der Furchtlosigkeit seiner Macher. Mit dem gütigen Auge des Retro-Fandoms betrachtet, gewinnt der Spaß gleich noch einen Old-School-Sympathiebonus. Jetzt schauen wir mal aus dem Kellerfenster, ob uns COVID-19 schon Gargoyles beschert hat.
 
 


 
 
 

THE TERROR WITHIN – Zensur

 
 
 
THE TERROR WITHIN erschien ungeschnitten mit FSK18-Einstufung auf VHS-Kassette, wurde aber danach schnell auf dem Index gesetzt. Dort verweilte er zwischen 1990 und 2015. Während dieser Zeit wurde der Monster-Trash mehrfach auf DVD in unterschiedlichen Schnittfassungen veröffentlicht. Dank M-Square Pictures kommt der Ex-Indexfilm nun endlich ungeschnitten und legal als Blu-ray in die deutschen Wohnzimmer. Die aktuell im Handel erhältliche Blu-ray im Mediabook ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

THE TERROR WITHIN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) M-Square Classics (Mediabook – limitiert auf 1200 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Terror Within; USA 1989

Genre: Horror | Trash | Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Film zusätzlich auf DVD, 16-seitiges Booklet mit tollen Fotos und Hintergrundinformationen, Erstmals auf DVD und Blu-ray als limitierte Mediabook-Edition, Weltpremiere in HD auf Blu-ray, Uncut Fassung, Digital Remastered (Neues HD Master), FSK Logo ablösbar, Open-Matted Original Deutsch VHS Version, Originaltrailer, Artwork Galerie

Release-Termin: Mediabook: 25.09.2020

 

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THE TERROR WITHIN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei M-Square Classics)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Terror Within II – Die Gene schlagen zurück (1991)
 
Das Nest (1988)
 
Mutant – Das Grauen im All (1982)
 
Anthony (1987)