Filmkritik: „Extraterrestrial“ (2014)

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EXTRATERRESTRIAL

SIE KOMMEN NICHT IN FRIEDEN

Story

 
 
 
Im amerikanischen Hinterwäldler-Städtchen Echo Lake ist etwas gewaltig faul. Kleinstadtsheriff Murphy (Gil Bellows) muss sich zusätzlich zu seinem Tageswerk mit seltsamen Erscheinungen beschäftigen, darunter seltsam zerschnittene Kühe, panische Bürger und ein ganz besonderer Fall, bei dem eine Telefonzelle samt Insassin in den Himmel verschwand und wenig später in Einzelteilen wieder zu Boden krachte – allerdings ohne Insassin. Mit all seinen bizarren Vorfällen bildet Echo Lake das beste Setting für eine Gruppe von Jugendlichen, die einen Platz für ihren Sauftourismus suchen. Ihr Traumziel entdecken sie schließlich in einer verlassenen und ominösen Waldhütte. Das Wochenende nimmt seinen schicksalsträchtigen Lauf und wird schon bald von anderen Flüssigkeiten neben Alkohol durchtränkt.

 
 
 


 
 
 

EXTRATERRESTRIAL – Kritik

 
 
 
Das Autoren- und Regieduo Colin Minihan und Stuart Ortiz, besser bekannt als „The Vicious Brothers“ macht keinen großen Hehl aus der Ursache des grausigen Geschehens. Wie der bescheidene Titel bereits verrät, wird das klassische Waldhütten-Genre in „Extraterrestrial“ um den Auftritt einer nicht ganz friedfertigen außerirdischen Rasse bereichert. Die Fusion zweier Genres hört sich zunächst nach einer einigermaßen originellen Grundlage für einen spaßigen Horror-Reißer an. Auch der bisher einzige Film der Vicious Brothers mit dem Titel „Grave Encounters“ ist ein gutes Omen.
 
Leider krankt „Extraterrestrial“ an einigen Problemen, über die man nur schwer hinweg sehen kann. Als großer Störfaktor erweisen sich die ständigen Schwankungen in Ton und Struktur des Films. Anstatt sich auf die Eskapaden seiner jugendlichen Clique zu konzentrieren, etabliert er mit Sheriff Murphy und dem durchgeknallten Verschwörungstheoretiker Travis (Genre-Favorit Michael Ironside, bekannt aus „Total Recall“ und „Starship Troopers“) zwei Charaktere, die zunächst interessant wirken, aber schon recht bald in zweck- und ziellosen Nebenplots versanden. Die Wechsel zwischen Jugendlichen und Erwachsenen resultieren in einem Mischmasch aus Gruselthriller und Horrorkomödie, der zwar entfernt an einen „Tanz der Teufel 2“ erinnert, aber meilenweit von dessen Qualität entfernt ist. Eine viel größere Enttäuschung als das unfokussierte Drehbuch ist allerdings der Mangel an Schauwerten. Die Vicious Brothers schaffen es mit ihren sehr traditionell designten Aliens, eine bedrohliche Präsenz zu kreieren und als Horror-Fan man freut sich durchgehend auf eine Handvoll saftiger Kampfszenen, in denen irdische Projektilwaffen gegen hochentwickelte Laser antreten. Leider lassen die beiden Regisseure ihr Publikum vergeblich darauf warten und entscheiden sich stattdessen dafür, bei fast jeder Tötungsszene frühzeitig die Handbremse zu ziehen und sich mit einem Schnitt herauszumogeln. Mit dieser falschen Bescheidenheit betrügen sie leider die Erwartungen der Horrorgemeinde.
 
Der Grund für Letzteres scheint eine unglückliche Verteilung des Budgets zu sein. Erst in den letzten 20 Minuten von „Extraterrestrial“, auf die man viel zu lange warten muss, zeigt sich das Potential, das die Produktion hat. Wenn der Film schließlich beim versprochenen Konflikt ankommt, überzeugt er durch hochwertige Kulissen, gruselige Atmosphäre und sogar ein wenig Spannung. Leider ist der Weg dahin mit undurchdachten Plots und lieb- und konsequenzlosen Subplots gepflastert.
 
 
 


 
 
 

EXTRATERRESTRIAL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Die wohl gruseligste Begegnung der dritten Art. Fieser, kleiner Indie-Horror mit großartigen Effekten. „Extraterrestrial“ ist eine bunte Tüte, die zwar gute Ansätze bietet, aber viel Potential verspielt. Die Vicious Brothers schaffen es trotz kleinem Budget, einen gut aussehenden Film aus ihrer interessanten Prämisse herauszuholen. Leider scheinen sie sich nie wirklich sicher zu sein, ob sie einen legitimen Schocker oder einen spaßigen Horrorstreifen produzieren wollten, was beiden Aspekten des Films sichtlich schadet.
 
 
 


 
 
 

EXTRATERRESTRIAL – Zensur

 
 
 
Der Film kommt größtenteils sehr zahm daher. Wenn es dann endlich losgeht, liefert er matschige und schmutzige Szenen, die leider viel zu spärlich gesät sind. Der Film hat eine ungeschnittene Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

EXTRATERRESTRIAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film / Sunfilm

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Extraterrestrial; Kanada 2014

Genre: Horror, Science Fiction, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 – @24 Hz (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: exklusiver Audiokommentar mit den Regisseuren, Making of, Trailer

Release-Termin: 02.04.2015

 

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EXTRATERRESTRIAL – Trailer

 
 


 
 

Timo Löhndorf

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Filmreview: „The Den“ (2013)

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THE DEN

Story

 
 
 
THEDEN.com ist eine neue Social-Media-Plattform, wo User per Webcam miteinander kommunizieren können. Für Studentin Elizabeth Benton (Melanie Papalia) ein interessantes Forschungsprojekt, das sogar von der Universität finanziert wird. Leider tummeln sich im World Wide Web nicht nur friedlich gesinnte User. Die ambitionierte Hochschülerin gerät an ein äußerst penetrantes Community-Mitglied, das der Studentin schon bald das Leben zu Hölle macht …
 
 
 


 
 
 

THE DEN – Kritik

 
 
 
Achtung: Kritik enthält Spoiler!
 
 
 
Kein anderes Filmgenre ist so facettenreich wie der Horrorfilm. Die Filmgattung erfindet sich immer wieder neu und hat es mittlerweile zu einer stattlichen Anzahl verschiedenster Subgenres gebracht. In den letzten Jahren ist es vor allem der Found-Footage-Film, der es nahezu regelmäßig auf Leinwand und Mattscheibe schafft und dem Zuschauer mit wackeligen Bildern und meist amateurhafter Inszenierung den Nerv rauben will. Zu verdanken ist die Flut solcher Werke dem Engländer PETER WATKINS. Der brachte bereits 1971 einen der ersten Wackelkamerafilme in die Lichtspielhäuser. Sein PUNISHMENT PARK sorgte für reichlich Zündstoff und wurde nach Erscheinen äußerst kontrovers diskutiert. Richtig populär wurde die Filmmethode jedoch erst zehn Jahre später, als der italienische Schmuddelfilm-König RUGGERO DEODATO seinen CANNIBAL HOLOCAUST in die Kinos brachte und ganz nebenbei einen der erfolgreichsten Kannibalenschocker drehte, der sich in Deutschland selbst heute noch auf der Liste der jugendgefährdenden Medien befindet. Im Jahr 1999 griffen DANIEL MYRICK und EDUARDO SÁNCHEZ die Shaky-Cam-Methodik erneut auf und landeten mit THE BLAIR WITCH PROJECT einen Kassenhit. Die Raffinesse vom Aufnahmematerial, welches von verstorbenen oder vermissten Personen gedreht wurde und erst im Nachhinein gefunden wird zog nach BLAIR WITCH PROJECT weite Kreise. In regelmäßigen Abständen folgten mehr oder weniger brauchbare Wackelcam-Vertreter, die teils mit ewig gleicher Filmrezeptur schnell die Missgunst der Filmfans auf den Plan riefen. Immerhin schien mit der PARANORMAL ACTIVITY-Reihe der Höhepunkt erreicht. Für einige Filmemacher dennoch kein Grund nicht weiterhin fleißig Found-Footage-Müll zu produzieren, schließlich sind derart Machwerke kostengünstig in ihrer Umsetzung.
 
Angespornt vom Erfolg der letzten Found-Footage-Streifen (V/H/S und V/H/S 2) versucht nun Nachwuchs-Angstmacher ZACHARY DONOHUE ebenfalls sein Glück auf dem B-Movie-Markt und nimmt sich die unbeliebte Filmgattung vor, um daraus was Brauchbares zu zimmern. Bevor jedoch einen Stöhnen die Runde macht: THE DEN ist wirklich gut, was vor allem daran liegen mag, dass DONOHUE dem Ganzen einen eigenen Stempel aufdrückt und dem Wackelkamerafilm neuen Impulse durch frische Ideen verleiht. Diesmal findet das Treiben auf Elizabeths (MELANIE PAPALIA) Laptop statt. Die Studentin hat von der Universität finanzielle Unterstützung erhalten, um ihre Studienarbeit über Sozialen Medien und zeitgenössische Kommunikation voranbringen zu können. Ihr Ziel: Soviel Zeit wie möglich auf der Chat-Plattform THE DEN zu verbringen, wo sie sich mit nur wenigen Mausklicks durch die Webcams der Community-Nutzer klicken und sich mit ihnen live am Bildschirm unterhalten kann. Schnell macht sie Bekanntschaft mit einem gar penetranten Chatpartner, der ihr schon bald eine Heidenangst einjagt. Der hackt sich nicht nur in das Betriebssystem ihres Rechners ein und bombardiert die Freunde mit merkwürdigen Emails; die unwissende Studentin wird zu einer ganz besonderen Videoübertragung eingeladen und Zeuge eines Live-Mords via Webcam. Leider will so wirklich niemand Elisabeths Aufregung verstehen und das, obwohl sie doch die Tat aufgezeichnet hat. Die Polizei glaubt an einen Scherz und die Freunde der Studentin raten zu mehr Vorsicht. Doch für neunmalkluge Ratschläge scheint es ohnehin zu spät, denn der irre Chat-Stalker hat sich bereits in das Leben der eifrigen Hochschülerin geschlichen. Bald schon verschwinden nahestehende Personen auf unerklärliche Weise. Wenig später soll die verängstigte Elisabeth den schlimmen Misshandlungen an ihren Freunden per Webcam beiwohnen.
 
Was unterscheidet THE DEN von den bisherigen Vertretern innerhalb des Found-Footage-Genres? Es ist die Machart mit welcher ZACHARY DONOHUE schnell die ganz üblen Vertreter vergessen lässt. Die Geschichte spielt sich fast gänzlich auf dem Laptop der Besitzerin ab, die sich in einem Chatkarussell von einem Cam-Partner zum nächsten bewegt und dabei die eigenartigsten Persönlichkeiten innerhalb des Internets kennenlernt. Regisseur ZACHARY DONOHUE verwendet hierbei unterschiedliche Kameratechniken. So sind die Community-Teilnehmer entweder per Handykamera online oder sitzen vor der implementierten Kamera ihrer Rechner. Im späteren Verlauf hackt sich der ausgefuchste Internet-Psycho in Elisabeths Computer und verbindet das Gerät mit Überwachungs-, Helm- und Handkameras, so dass eine anhaltende Dynamik entsteht, die durch den Einsatz von Message-Boxen, Email-Nachrichten und Chat-Fenstern bis zum Ende konstant gehalten werden kann. Neu im Wackelcam-Sektor scheint Gesellschaftskritik zu sein. Macher DONOHUE nimmt die rasante Entwicklung neuer Kommunikationswege genauer unter die Lupe und stellt rasch fest, dass das Internet nicht nur Vorteile bietet. Das World Wide Web ist nicht frei von Gefahren und zwielichtigen Gestalten, die hier ganz anonym ihren perversen Phantasien und abartigen Neigungen nachgehen können. Protagonistin Elisabeth bekommt das in THE DEN am eigenen Leib zu spüren. Hinter dem mysteriösen Chatprofil versteckt sich eine gerissene Untergrundorganisation, die auf Social-Media-Plattformen nach möglichen Opfern für ihre skrupellose Geldmacherei sucht. Die Auserwählten werden vor der Kamera qualvoll getötet, der Mord auf Video festgehalten und die Snuff-Clips möglichen Interessenten auf einer eigenen Seite gegen Bares zum Download angeboten. In THE DEN ist das zwar alles rein fiktiv; angesichts der Möglichkeiten, die das Internet bietet würde es nicht wundern, wenn ähnliche Praktiken in irgendeinem Hinterhofschuppen auf gleiche Weise veranstaltet werden.
 
Sei bedacht mit dem, was Du im Netz über dich preisgibst und vor allem wem du welche Informationen anvertraust. Die Botschaft ist in THE DEN unüberhörbar und wird zudem von Techniker Max (ADAM SHAPIRO) immer wieder aufs Neue wiederholt, der die gutgläubige Elisabeth vor einer leichtfertigen Nutzung des Internets warnt. Aber weil es sich bei THE DEN nun mal um einen Horrorfilm handelt dürfte klar sein, dass derart Warnungen grundsätzlich nicht ernst genommen werden. Es kommt zu einem Aufeinandertreffen in bester THE STRANGERS-Manier. Die mit Jutesäcken maskierten Killer verschleppen das unwissende Opfer in ihren Bau und terrorisieren die verstörte Elisabeth bis zum letzten Atemzug. In THE DEN geht es freilich nicht zimperlich zu, was vor allem dem Found-Footage-Stilmittel zuzuschreiben ist, das das ruppige Treiben recht authentisch bebildert. Gerade dann, wenn hier wehrlose Menschen bestialisch vor der Kamera ermordet werden, geht das ziemlich an die Nieren und dürfte demnach nicht jedermanns Sache sein. Auch wenn nach kurzen 70 Minuten so jedes Wackelcam-Klischee abgehakt wurde bleibt die überraschende Erkenntnis, dass man aus dem verhassten Found-Footage-Genre doch noch halbwegs interessante Filmstoffe herauskitzeln kann, wenn man sich nur die Mühe macht nach cleveren Plots zu grübeln.
 
 
 


 
 
 

THE DEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Warum Kontakte im wahren Leben knüpfen, wenn man Chat-Plattformen wie THE DEN nutzen kann? Neuling ZACHARY DONOHUE hat mit THE DEN einen erschreckenden Warnschuss gedreht, der die Möglichkeiten des Internets in einem ganz anderen Licht betrachtet. Sieht man einmal vom obligatorischen Horrorgemetzel ab, wird auf sehr unangenehme Weise verdeutlicht was passieren kann, wenn man sich zu leichtfertig durch das Internet bewegt und wie einfach es ist soziale Medien für Zwecke zu missbrauchen, für die sie eigentlich gar nicht gedacht sind. THE DEN ist einer der besten Found-Footage-Schocker, die man in letzter Zeit gesehen hat, was vor allem an der innovativen Machart liegt, wie man den Zuschauer versucht das gewöhnungsbedürftige Wackelcam-Genre erneut schmackhaft zu machen. Am Ende bleiben rund 70 Angstschweiß verursachende Horrorminuten, die den Appetit nach jener Filmmethodik steigert von der man eigentlich annahm, dass sie keiner mehr sehen will. Darum: Hoch lebe der Found-Footage-Film!
 
 
 


 
 
 

THE DEN – Zensur

 
 
 
Trotz Wackelkamera-Methode ist THE DEN nichts für Zuschauer mit schwachen Nerven. Die diversen Snuff-Morde haben es in sich und werden ziemlich kaltblütig dargestellt. Demnach wird THE DEN hierzulande ungeschnitten mit KEINE JUGENDFREIGABE-Flatschen in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

THE DEN – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
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SMILEY

Story

 
 
 
Die unbeholfene und zurückhaltende Ashley ist neu an der Uni und findet Halt bei ihrer Kommilitonin, Mitbewohnerin und Freundin Proxi, die ihr Unterschlupf in ihrer Villa bietet. Bei einer trinkfreudigen Party erfahren die beiden von der urbanen Legende des SMILEY. Einem ominösen Serienkiller, der durch das World Wide Web spukt und seinen Opfern in diversen Cam-Chat-Räumen auflauert. Glaubt man den mysteriösen Erzählungen, so meuchelt die ominöse Gestalt den ahnungslosen Chatpartner kaltblütig nieder, sobald man virtuell drei mal nach ihr ruft. Zuvor noch als Hirngespinst belächelt, beginnt die seltsame Legende das Interesse der beiden Freundinnen zu wecken. Schnell durchstöbern die beiden die unzähligen Chaträume des Internets um nach einem potenziellen Probanden für ihr makabres Experiment zu suchen. Der lässt nicht lange auf sich warten und so staunen die beiden Mädchen nicht schlecht, als das Gegenüber von SMILEY höchstpersönlich ins Jenseits befördert wird, nachdem die Freundinnen drei Mal den Satz „I did it for the lulz“ in das Dialogfeld ihres Laptops hämmern. Anfänglich noch für einen schlechten Scherz gehalten, ist es Ashley die nach und nach von Schuldgefühlen geplagt wird und scheinbar den Verstand zu verlieren scheint, weil sie glaubt von SMILEY verfolgt und tyrannisiert zu werden.
 
Ist der Killer wirklich real, oder entspringt er allein nur der Vorstellungskraft der labilen Ashley?
 
 
 


 
 
 

SMILEY – Kritik

 
 
 
Wer kennt sich nicht, die urbane Legende der Bloody Mary, die auch heute noch Stoff für immer wieder neue Horrorfilm-Produktionen bietet. Unzählige Unwissende haben in den bisher diversen Genre-Filmen mit ihrem Leben gepokert, nachdem sie drei mal erwartungsvoll nach dem Geist der jungen Damen gerufen haben. Und auch der aktuelle Horrorbeitrag SMILEY macht keinen Hehl daraus, sich dreist dieser altbekannten Geschichte zu bedienen, um sie ins 21.Jahrhundert zu transferieren und die Erzählung rundum erneuert ins Internet zu verlegen, damit sie unweigerlich zum aktuellen Zeitgeschehen passt. Eigentlich keine schlechte Idee, wäre da nicht das unglaublich miese, unwichtige und vollkommen hirnrissige Drehbuch, dass dem Film regelrecht das Genick bricht. Denn SMILEY ist einer dieser kleinen Horrorproduktionen, die Dank eines hübsch-ansprechenden Trailers mehr versprechen, als der Film selbst überhaupt zu bieten hat. So wirklich einordnen lässt sich MICHAEL J. GALLAGHERS aktuelle Regiearbeit nämlich nicht. Denn gänzlich der Erwartungen der Fan-Base handelt es sich bei SMILEY um keinen traditionellen Teenie-Slasher, wie man es vermutlich nach Sichtung des Trailers erwarten dürfte. Vielmehr beschäftigt sich Gallagher mit dem Phänomen „Internet“, dessen Verbreitungs- und Manipulationsmöglichkeiten und dem Tabuthema des „Cyber-Mobbings“, dessen Auswirkungen meist katastrophale Auswirkungen für die Betroffenen zur Folge hat. Hierbei jongliert der Nachwuchsregisseur derart engstirnig mit der kontroversen Thematik, dass er gänzlich den Bezug zum eigenen Film zu verlieren scheint und vollkommen vergisst, dass er eigentlich einen Horrorfilm erzählen möchte. Warum er letztendlich ein derart brisantes Thema überhaupt mit einem Genre-Film verbindet vermag Regisseur MICHAEL J. GALLAGHER vermutlich selbst nur allein zu beantworten wissen, denn SMILEY kocht derart Erklärungs- und Interpretationsansätze auf Sparflamme. Filmfreunde, die hier einen bluttriefenden Slasher-Flick erwarten, dürften bedingungslos enttäuscht werden, denn von derben Morden ist (abgesehen zu Beginn und kurz gegen Ende) weit und breit keine Spur. Stattdessen konzentriert sich die Geschichte einzig und allein auf die labile Ashley, die in regelmäßigen Abständen das mysteriösen Internet-Phantom zu Gesicht bekommt, davon läuft und allmählich den Versand zu verlieren scheint, zumal ihr niemand Glauben schenken und ihr bei dem Kampf gegen den Killer beistehen möchte.
 
Dabei beginnt dieser Horror-Schnell-Schluss eigentlich recht vielversprechend. Die Einführungssequenz beweist Talent sowie handwerkliches Geschick und der obligatorische Intro-Mord sitzt mit all seinen vorhersehbaren Schocks deftig. Auch der ominöse Killer, der in seiner Darstellung eher Übernatürliches vermuten lässt, weiß mit seiner grotesken Maske zu überzeugen. Doch statt auf konventionellen Wege altbekannte Regeln und Klischees abzuhaken verliert sich SMILEY in purer Langeweile. Der gesamte Film hat damit zu kämpfen, überhaupt irgendeine halbwegs vernünftige Geschichte zu erzählen. Dabei darf der Zuschauer der jungen Ashley beiwohnen, wie sie verwirrt und planlos von einem Setting zum nächsten irrt. Die junge Protagonistin kämpft sich durch das stressigen Uni-Leben, vergnügt sich mit einem seltsamen Außenseiter und sitzt verzweifelt auf der Polizeiwache, um die Beamten von der Existenz eines Internet-Killers zu überzeugen. Wirklich spannend wird es zu keiner Zeit, ganz Geschweige davon, dass der maskierte Mörder überhaupt erwartungsgemäß zur Tat schreitet.
 
Bis kurz vor Ende bleibt ungewiss, ob der Killer real oder fiktiv ist, wobei der unerwartete Story-Twist einmal mehr beweist, wie armselig so mancher Drehbuchschreiber um sein Überleben pinseln muss, um seine unlogischen Drehbücher an den Mann bringen zu können. Die letztendliche Auflösung der Geschichte gestaltet sich derart hanebüchen und aufdringlich konstruiert, dass man sich als hungriger Horrorfilmfreund schon irgendwie hintergangen fühlt und am liebsten das Geld für das Kinoticket zurück erstreiten möchte. Mit seinen gerade einmal 24 Jahren hat Regisseur MICHAEL J. GALLAGHER einen wahrhaft souverän gedrehten Film abgeliefert – zumindest was technische Belange betrifft. Inhaltlich ist SMILEY null die Bohne wert, denn selten hat man einen Film gesehen, der soviel Potenzial verschenkt hat. Der Killer ist Bombe, dessen Maske wahrlich unheimliche und die Tatsache, dass er aus dem Internet heraus auf unnatürlichem (?) Wege seinen Blutdurst stillt, eigentlich überaus spannend. Das Endergebnis ist eine einzige Enttäuschung. Keiner der guten Ansätze wurde überhaupt genutzt und so bleibt ein überaus unwichtiger und gehaltloser Film, der absolut unspannend vor sich her plätschert und dessen durchaus konstruiert wirkendes Ende diesen bedeutungslosen Film auch nicht mehr über den Durchschnitt rettet.
 
 
 


 
 
 

SMILEY – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Selten hat man einen Film gesehen, der trotz guter Voraussetzungen sein gesamtes Potenzial verschenkt hat. SMILEY ist trotz gutem Killer-Design ein arg öder Gruselstreifen, der des reißerischen Covers/Trailers wegen vollkommen falsche Erwartungen weckt.
 
 
 


 
 
 

SMILEY – Zensur

 
 
 
Aufgrund kaum vorhandener Morde ist die deutsche Fassung ungeschnitten mit FSK16 durch die Prüfstelle gekommen. Demnach kann der Horrorfan beruhigt zugreifen. Für eine Freigabe musste nämlich an SMILEY nicht geschnippelt werden.
 
 
 


 
 
 

SMILEY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
SMILEY Blu-ray

(c) Ascot Elite Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Smiley; USA 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Deleted Scenes, Gag Reel, Trailer

Release-Termin: 25.02.2014

 
 
 

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Smiley – Trailer

 
 
 


 
 
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