Filmkritik: „Pledge“ (2018)

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PLEDGE

Story

 
 
 

Einige Außenseiter suchen Anschluss auf dem Campus und nehmen an einem Aufnahmeritual teil. Was sie nicht wissen: die Prozedur ist alles andere als schmerzfrei.

 
 
 


 
 
 

PLEDGE – Kritik

 
 
 
Schule kann grausam sein – vor allem dann, wenn Protagonisten im Horrorfilm zum Außenseiter auserkoren werden. Die müssen nicht selten grausame Schikanen über sich ergehen lassen, die sich Mitschüler ausdenken, um für die Betroffenen den täglichen Schulbesuch zum Albtraum zu machen. Doch wer meint, dass es mit dem Schulabschluss getan ist, der irrt. Auch auf dem Campus herrscht ein rauer Ton – zumindest, wenn es nach dem Horrorthriller PLEDGE geht. Der zieht drei Außenseiter in einen Strudel grausamer Umstände und lässt am Ende die Bombe platzen. Klingt nach einer Variation der King-Kurzgeschichte CARRIE, ist aber ne Schippe radikaler und kompromissloser. Versprochen!
 
 
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Für die Freunde David, Justin und Ethan ist das Leben an der Uni alles andere als schön. Die gehören zu den Außenseitern auf dem Campus, weshalb keine Verbindung die Studenten aufnehmen möchte. Dabei würden die Kumpels auch gern zu den coolen Leuten gehören, an aufregenden Partys teilnehmen und von attraktiven Mädels umgarnt werden. Da kommt eine Einladung zu einer dieser Veranstaltungen geradezu gelegen, um endlich den erhofften Anschluss finden zu können. Doch irgendwie scheint hier alles suspekt zu sein. Die attraktiven Leute auf dieser Party verhalten sich ziemlich eigenartig und sind dazu auch noch sonderbar nett. Kein Mobbing, keine Demütigungen, keine Schikanen. Ist das etwa das Paradies? Nun, nicht ganz. Weil PLEDGE immer noch ein Horrorfilm ist, lösen sich bald Träume in Luft auf. So nehmen die Freunde an einem Aufnahmeritual teil mit dem Ziel, in bessere Kreise zu kommen. Leider ist der Weg dahin steinig und blutig.
 
 
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Endlich mal keine Geister, Serienmörder oder Dämonen. Die dominieren zurzeit das Horror-Genre. Beinahe schon als erfrischend anders erweist sich da ein fieser Film, wie PLEDGE. Dessen Handlung ist zwar auch nicht unbedingt eine Sternstunde des Horror-Kinos. Dafür macht der Streifen Nägel mit Köpfen und geht dabei alles andere als zimperlich mit seinen Helden um. Regisseur DANIEL ROBBINS bringt Nachschub für jene, die es dann doch etwas deftiger im Horror-Bereich wünschen. Der Film ist irgendwo im Tortur-Genre beheimatet und lässt gutgläubige Außenseiter durch die Hölle gehen. Die werden im Film körperlich und psychisch von skrupellosen Studenten einer Verbindung zurechtgestutzt, damit Hobby-Masochisten feuchte Hosen bekommen. Zugegeben, die altbekannte Exploitationformel vom Quälen wehrloser Menschen funktioniert auch Jahre nach HOSTEL und Konsorten immer noch tadellos. Im Falle von PLEDGE liegt das wohl in erster Linie daran, weil lang unbeantwortet bleibt, was das denn hier alles soll. Haben hier Studenten aus gutbürgerlichen Kreisen einfach nur Spaß am Schikanieren ahnungsloser Erstsemester? Oder steckt hinter deren Taten doch etwas weitaus Größeres? Die Auflösung treibt die Handlung voran und funktioniert den Zuschauer zum heimlichen Mittäter um. Letzterer ist sich zwar durchaus bewusst, dass die Taten auf der Mattscheibe widerlich sind. Dennoch dürfte sich das Publikum dem Treiben aus Neugierde nicht entziehen können, weil es doch wissen will, wie und ob die Schandtaten ein Ende finden.
 
 
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Unterm Strich ist PLEDGE so etwas, dass man in Filmkreisen eine kleine Überraschung nennt. Die Horror-Zutaten, mit denen Regisseur DANIEL ROBBINS unterhalten will, sind simpel. Dennoch legt er mit seiner dritten Regiearbeit ein rasantes Tempo an den Tag, weshalb dem Zuschauer erst gar nicht auffällt, dass hier ausschließlich niedere Instinkte befriedigt werden sollen. Da werden falsche Fährten gelegt, die zu einem makabren Twist führen. Hektische Morde und panisches Geschrei runden das zynische Kammerspiel ab, das in seinen besten Momenten an so aktuelle Genre-Ware wie THE INVITATION oder GREEN ROOM erinnert. Weil auch noch auf technischer Ebene gute Arbeit geleistet wurde, die Spannung konstant gehalten wird und die Bösewichte mal wieder herrlich hinterlistig in Szene gesetzt werden, gehört PLEDGE schon jetzt zu den besseren Horrorfilmen des Jahres 2019. Da nimmt man als alteingesessener Cineast gern schon mal in Kauf, dass sich dieser glattgebügelte Thriller mit seiner doch schon sehr konventionellen Handlung eher an die Generation NETFLIX richten will. Die mag es bekanntlich wenig fordernd – dafür aber blutig. Das muss nicht immer Schlechtes bedeuten. Auch Filmfans mit Hang zur intellektuellen Arthaus-Kunst haben auch manchmal das Bedürfnis einfach nur schnörkellos-kompromissfreie Gewaltware zu sehen, damit der Kopf wieder frei werden kann.
 
 


 
 
 

PLEDGE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kompromisslos, fies und bitterböse. Nach der eher durchwachsenen Horrorkomödie UNCAGED gelingt Regisseur DANIEL ROBBINS mit PLEDGE ein Überraschungshit. Fast schon könnte man meinen hier einen Film aus dem horrorfilmerfahrenen Hause BLUMHOUSE zu sehen. Auch wenn PLEDGE mit seinen makellosen Bildern den Eindruck erweckt aus einem größeren Studio zu kommen, handelt es sich hier keineswegs um kostspieliges Mainstreamkino. Der Streifen ist ein waschechter Indie und konnte erst durch Crowdfunding fertiggestellt werden. Darin rechnet Regisseur DANIEL ROBBINS mit alten amerikanischen Traditionen ab. So sind es fragwürdige Aufnahmerituale an amerikanischen Universitäten, die immer mal wieder in den Medien für Furore sorgen. Das hatte bereits HANGOVER-Regisseur TODD PHILLIPS im Jahr 1998 erkannt. Der veröffentlichte mit FRAT HOUSE einen schockierenden Dokumentarfilm, um der Öffentlichkeit zu zeigen, wie brutal der Kampf nach Akzeptanz an amerikanischen Universitäten vonstattengeht. Von genau jenem Stück Zelluloid hat sich auch PLEDGE-Macher DANIEL ROBBINS inspirieren lassen, wenngleich sein Beitrag zum kontroversen Thema dann doch eher aus Unterhaltungszwecken gedreht wurde, statt wachzurütteln. Macht nichts – Horrorfilmfans wird’s gefallen.
 
 
 


 
 
 

PLEDGE – Zensur

 
 
 
PLEDGE ist was die Gewalt angeht so ziemich fies. Zwar hält nicht immer die Kamera explizit darauf und lässt den Streifen so im Blut ersäufen. Weitaus heftiger prasselt hier die Kombination aus psychischer und physischer Gewalt auf den Zuschauer aus. So werden die Opfer gleich zu Beginn mit einem heißen Eisen gebrandet, später schikaniert und am Ende mit Dolchen ermordet. In einer Szene frisst sich sogar eine Ratte durch die Bauchdecke eines der Opfer. Mit etwas Glück gibt es für PLEDGE eine FSK16. Wir gehen aber wegen der doch heiklen Thematik von einer Erwachsenenfreigabe aus. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die FSK mit Streifen gar keinen Spaß versteht, in denen Menschen sinnlos gequält und schikaniert werden.
 
 
 


 
 
 

PLEDGE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Stag Pictures | IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cruel Summer (2016)
 
The Invitation (2015)
 
Green Room (2015)
 
The Final – Nächste Stunde: Rache! (2010)
 
The Lesson (2015)
 

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Filmkritik: „The Lesson“ (2015)

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THE LESSON

Story

 
 
 

Ein Lehrer sieht rot: Mr. Gale wird von seinen Schülern im Unterricht so lange schikaniert, bis ihm die Sicherungen durchbrennen. Mit Folterspielchen will er zwei besonders unbelehrbare Exemplare zurück auf den Pfad der Tugend bringen.

 
 
 


 
 
 

THE LESSON – Kritik

 
 
 
Wenn alle Stricken reißen, mach was mit Folter, schließlich kommt brutale Menschenquälerei beim Horrorpublikum immer gut an. Ähnliches dürfte sich wohl auch Regisseurin RUTH PLATT gedacht haben, die sich mit dem Spielfilm THE LESSON in einem Subgenre behaupten muss, das in erster Linie von männlichen Kollegen dominiert wird. Die Regie-Newcomerin war in der Filmbranche bisher stets als Schauspielerin (in DER PIANIST und diversen TV-Serien) unterwegs, wollte aber wohl auch mal etwas anderes ausprobieren und nahm so auf dem Regiestuhl Platz. Entstanden ist kontroverser Torture-Horror mit gesellschaftskritischen Ansätzen, der sich nicht ausschließlich auf brutales und zeigefreudiges Misshandeln hilfloser Menschen konzentriert. RUTH PLATT beweist Mut zum Analysieren, denn neben Foltern und Quälen versucht die Autorin und Filmemacherin die Wurzeln der Gewalt zu erforschen – wenngleich nicht sonderlich tiefgründig.
 
 
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Wenn Schüler nicht mehr bloß Mitschüler mobben. Im ersten eigenen Spielfilm der Regisseurin wird ein brisantes Thema unter die Lupe genommen, mit dem sich wohl immer häufiger auch Lehrer in Brennpunkt-Gegenden konfrontiert sehen. Dort ist es nicht selten, dass auch Dozenten, Lehrer und Pädagogen ins Visier respektloser Schüler geraten, die die Autorität der Schutzbeauftragten mit Füßen treten. So auch geschehen zu Jugendzeiten der Filmemacherin. Die berichtete in einem Interview, dass sie sich für das Filmdebüt von Erlebnissen aus der eigenen Schulzeit inspirieren lies. RUTH PLATT erinnerte sich an einen Vorfall bei dem ein Lehrer von Schülern in einem Schrank eingeschlossen wurde und in Tränen ausbrach. Schon damals stellte sie sich die Frage, was Schüler zu solch Verhalten getrieben haben könnte. Weiterhin beunruhigte ein Zeitungsartikel. Darin lass der Regie-Neuling von einem Lehrer, der zuvor nie straffällig gewesen war und einem Schüler unerwartet schwere Kopfverletzungen zugefügt hatte. Das rief Interesse für Ursachenforschung hervor. Demzufolge setzte sich Platt an einen Tisch und begann an einem Drehbuch zu schreiben, in dem sie mögliche Indikatoren und Auswirkungen für solche Taten genauer unter die Lupe nehmen wollte.
 
 
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In THE LESSON erteilt ein Lehrer (ROBERT HANDS) zwei Schülern mit problematischem Elternhaus die Lektion ihres Lebens. Die nehmen die Schule nicht sonderlich ernst, treiben in der Freizeit nur Unfug und schikanieren im Unterricht mit unbändiger Unverfrorenheit Lehrer Mr. Gale. Der hat irgendwann die Nase voll. Er entführt die beiden Teenager, verschleppt sie in den Keller seines Hauses und erteilt ihnen dort schmerzhaften Privatunterricht. Die müssen sich ihrem Schicksal beugen und zur Abwechslung genau zuhören, was der Lehrer zu sagen hat. Das ist auch zwingend notwendig, denn Ungehorsamkeit wird in THE LESSON mit Nagelpistole und Bohrmaschine bestraft. Werden die Burschen die etwas andere Schulstunde heil überstehen und fürs Leben lernen?
 
 
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Von unterprivilegierten Familien Großbritanniens, Schwächen im britischen Bildungssystem und Problemen des Erwachsenwerdens. THE LESSON greift gesellschafskritische Debatten auf und bietet viel Zündstoff – reist kontroverse Problematiken jedoch nur oberflächlich an und untersucht nichts detaillierter. Während fiesen Bestrafungs- und Foltermomenten vergisst Regisseurin RUTH PLATT verdächtig schnell, dass sie eigentlich analysieren wollte. So verpufft die Intension der Filmemacherin zügig. Dabei war sie anfangs doch so ambitioniert darum bestrebt, die Entstehung aggressiven Verhaltens von Lehrern wie Schülern zu studieren. Immerhin kommt sie zur Erkenntnis, dass Boshaftigkeit nicht angeboren ist. So wachsen die Teenager im Film in familiär verkorksten Verhältnissen auf und sind erschreckend oft auf sich allein gestellt, so dass sie sich letztendlich selbst erziehen müssen – ohne Regeln, Normen und Werte. Ein Teufelskreis, denn der Film stellt klar, dass fehlgeleitetes und aggressives Verhalten nur Reflektion einer fehlerbehafteten und inkonsequenten Erziehung ist, das früher oder später für Chaos sorgt, weil es jene ansteckt, die in gutbehüteten Familien aufgewachsen sind. Leider werden die guten Ansätze im Film zu Gunsten zeigefreudiger Folterei rasch abgehandelt. Demzufolge ist THE LESSON dann doch mehr Horror statt ernstzunehmendes Gesellschaftsdrama mit dem man sich im Anschluss auseinandersetzen möchte. Ob Gezeigtes mindest der Gewaltfraktion zusagen dürfte, bleibt fraglich. Zwar gibt es einige schmerzhafte Bestrafungen zu sehen; reichen dürfte das aber den meisten Gorebauern weniger, denn in THE LESSON wird eindeutig zu viel gequasselt. So entpuppt sich das Debüt als unausgegorener Schnellschuss, der sich nicht so recht entscheiden kann, in welche Genre-Schublade er gesteckt werden möchte. Immerhin: Technisch ist trotz ungeschliffenem Indie-Look zumindest schon mal Potenzial vorhanden und auch die Schauspieler waren gut gewählt. Trotzdem ist THE LESSON weit entfernt von jenem Ausnahmefilm, der bei der Regisseurin großen Eindruck hinterlassen hat: FUNNY GAMES.
 
 
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THE LESSON – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Kontrovers, ungemütlich und brisant. Regie-Neuling RUTH PLATT versucht im ersten Spielfilm die Ursachen dafür zu ergründen, was Schüler dazu treibt Lehrer zu schikanieren und wie es dazu kommen kann, dass Lehrer plötzlich rot sehen. Einige Interpretationsansätze sind ganz interessant; dennoch stiert THE LESSON zu angestrengt Richtung Torture-Genre und zeigt schmerzhafte Quälerei von Minderjährigen. Im Geschrei der Opfer verliert die anfänglich aufgegriffene Gesellschaftskritik ihre Wichtigkeit. Das macht THE LESSON austauschbar, denn aus der Idee über Ursachenforschung von Mobbing und Gewalt wird schnell 08/15-Folterblödsinn für die, die so etwas mögen. Anfänglich Drama mit Hintergrund, später Gewalt-Horror ohne Sinn. Passt vorn und hinten nicht zusammen.
 
 
 


 
 
 

THE LESSON – Zensur

 
 
 
Wie es sich für Folterfilme gehört, gibt es auch in THE LESSON diverse Gemeinheiten zu sehen. Die Opfer müssen jede Menge Quälerei über sich ergehen lassen. So werden Nägel in Hände geschlagen. Mit einer Nagelpistole werden zudem Nägel in Körper und Hälse geschossen. Selbstverständlich kommen auch andere Werkzeuge zum Einsatz. Zwar halten sich die Gewaltakte in Grenzen; weil im Film aber Heranwachsende von Schutzbefohlenen gequält werden, hat die FSK dem Film eine Erwachsenenfreigabe spendiert. Ungeschnitten, keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

THE LESSON – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) MFA Film Distribution (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Lesson; Großbritannien 2015

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: ohne Bonusmaterial

Release-Termin: 03.03.2017

 

The Lesson [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE LESSON – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei MFA Film Distribution)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Big Bad Wolves (2013)
 
The Tortured – Das Gesetz der Vergeltung (2010)
 
Hard Candy (2005)
 

Filmreview: „The Den“ (2013)

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THE DEN

Story

 
 
 
THEDEN.com ist eine neue Social-Media-Plattform, wo User per Webcam miteinander kommunizieren können. Für Studentin Elizabeth Benton (Melanie Papalia) ein interessantes Forschungsprojekt, das sogar von der Universität finanziert wird. Leider tummeln sich im World Wide Web nicht nur friedlich gesinnte User. Die ambitionierte Hochschülerin gerät an ein äußerst penetrantes Community-Mitglied, das der Studentin schon bald das Leben zu Hölle macht …
 
 
 


 
 
 

THE DEN – Kritik

 
 
 
Achtung: Kritik enthält Spoiler!
 
 
 
Kein anderes Filmgenre ist so facettenreich wie der Horrorfilm. Die Filmgattung erfindet sich immer wieder neu und hat es mittlerweile zu einer stattlichen Anzahl verschiedenster Subgenres gebracht. In den letzten Jahren ist es vor allem der Found-Footage-Film, der es nahezu regelmäßig auf Leinwand und Mattscheibe schafft und dem Zuschauer mit wackeligen Bildern und meist amateurhafter Inszenierung den Nerv rauben will. Zu verdanken ist die Flut solcher Werke dem Engländer PETER WATKINS. Der brachte bereits 1971 einen der ersten Wackelkamerafilme in die Lichtspielhäuser. Sein PUNISHMENT PARK sorgte für reichlich Zündstoff und wurde nach Erscheinen äußerst kontrovers diskutiert. Richtig populär wurde die Filmmethode jedoch erst zehn Jahre später, als der italienische Schmuddelfilm-König RUGGERO DEODATO seinen CANNIBAL HOLOCAUST in die Kinos brachte und ganz nebenbei einen der erfolgreichsten Kannibalenschocker drehte, der sich in Deutschland selbst heute noch auf der Liste der jugendgefährdenden Medien befindet. Im Jahr 1999 griffen DANIEL MYRICK und EDUARDO SÁNCHEZ die Shaky-Cam-Methodik erneut auf und landeten mit THE BLAIR WITCH PROJECT einen Kassenhit. Die Raffinesse vom Aufnahmematerial, welches von verstorbenen oder vermissten Personen gedreht wurde und erst im Nachhinein gefunden wird zog nach BLAIR WITCH PROJECT weite Kreise. In regelmäßigen Abständen folgten mehr oder weniger brauchbare Wackelcam-Vertreter, die teils mit ewig gleicher Filmrezeptur schnell die Missgunst der Filmfans auf den Plan riefen. Immerhin schien mit der PARANORMAL ACTIVITY-Reihe der Höhepunkt erreicht. Für einige Filmemacher dennoch kein Grund nicht weiterhin fleißig Found-Footage-Müll zu produzieren, schließlich sind derart Machwerke kostengünstig in ihrer Umsetzung.
 
Angespornt vom Erfolg der letzten Found-Footage-Streifen (V/H/S und V/H/S 2) versucht nun Nachwuchs-Angstmacher ZACHARY DONOHUE ebenfalls sein Glück auf dem B-Movie-Markt und nimmt sich die unbeliebte Filmgattung vor, um daraus was Brauchbares zu zimmern. Bevor jedoch einen Stöhnen die Runde macht: THE DEN ist wirklich gut, was vor allem daran liegen mag, dass DONOHUE dem Ganzen einen eigenen Stempel aufdrückt und dem Wackelkamerafilm neuen Impulse durch frische Ideen verleiht. Diesmal findet das Treiben auf Elizabeths (MELANIE PAPALIA) Laptop statt. Die Studentin hat von der Universität finanzielle Unterstützung erhalten, um ihre Studienarbeit über Sozialen Medien und zeitgenössische Kommunikation voranbringen zu können. Ihr Ziel: Soviel Zeit wie möglich auf der Chat-Plattform THE DEN zu verbringen, wo sie sich mit nur wenigen Mausklicks durch die Webcams der Community-Nutzer klicken und sich mit ihnen live am Bildschirm unterhalten kann. Schnell macht sie Bekanntschaft mit einem gar penetranten Chatpartner, der ihr schon bald eine Heidenangst einjagt. Der hackt sich nicht nur in das Betriebssystem ihres Rechners ein und bombardiert die Freunde mit merkwürdigen Emails; die unwissende Studentin wird zu einer ganz besonderen Videoübertragung eingeladen und Zeuge eines Live-Mords via Webcam. Leider will so wirklich niemand Elisabeths Aufregung verstehen und das, obwohl sie doch die Tat aufgezeichnet hat. Die Polizei glaubt an einen Scherz und die Freunde der Studentin raten zu mehr Vorsicht. Doch für neunmalkluge Ratschläge scheint es ohnehin zu spät, denn der irre Chat-Stalker hat sich bereits in das Leben der eifrigen Hochschülerin geschlichen. Bald schon verschwinden nahestehende Personen auf unerklärliche Weise. Wenig später soll die verängstigte Elisabeth den schlimmen Misshandlungen an ihren Freunden per Webcam beiwohnen.
 
Was unterscheidet THE DEN von den bisherigen Vertretern innerhalb des Found-Footage-Genres? Es ist die Machart mit welcher ZACHARY DONOHUE schnell die ganz üblen Vertreter vergessen lässt. Die Geschichte spielt sich fast gänzlich auf dem Laptop der Besitzerin ab, die sich in einem Chatkarussell von einem Cam-Partner zum nächsten bewegt und dabei die eigenartigsten Persönlichkeiten innerhalb des Internets kennenlernt. Regisseur ZACHARY DONOHUE verwendet hierbei unterschiedliche Kameratechniken. So sind die Community-Teilnehmer entweder per Handykamera online oder sitzen vor der implementierten Kamera ihrer Rechner. Im späteren Verlauf hackt sich der ausgefuchste Internet-Psycho in Elisabeths Computer und verbindet das Gerät mit Überwachungs-, Helm- und Handkameras, so dass eine anhaltende Dynamik entsteht, die durch den Einsatz von Message-Boxen, Email-Nachrichten und Chat-Fenstern bis zum Ende konstant gehalten werden kann. Neu im Wackelcam-Sektor scheint Gesellschaftskritik zu sein. Macher DONOHUE nimmt die rasante Entwicklung neuer Kommunikationswege genauer unter die Lupe und stellt rasch fest, dass das Internet nicht nur Vorteile bietet. Das World Wide Web ist nicht frei von Gefahren und zwielichtigen Gestalten, die hier ganz anonym ihren perversen Phantasien und abartigen Neigungen nachgehen können. Protagonistin Elisabeth bekommt das in THE DEN am eigenen Leib zu spüren. Hinter dem mysteriösen Chatprofil versteckt sich eine gerissene Untergrundorganisation, die auf Social-Media-Plattformen nach möglichen Opfern für ihre skrupellose Geldmacherei sucht. Die Auserwählten werden vor der Kamera qualvoll getötet, der Mord auf Video festgehalten und die Snuff-Clips möglichen Interessenten auf einer eigenen Seite gegen Bares zum Download angeboten. In THE DEN ist das zwar alles rein fiktiv; angesichts der Möglichkeiten, die das Internet bietet würde es nicht wundern, wenn ähnliche Praktiken in irgendeinem Hinterhofschuppen auf gleiche Weise veranstaltet werden.
 
Sei bedacht mit dem, was Du im Netz über dich preisgibst und vor allem wem du welche Informationen anvertraust. Die Botschaft ist in THE DEN unüberhörbar und wird zudem von Techniker Max (ADAM SHAPIRO) immer wieder aufs Neue wiederholt, der die gutgläubige Elisabeth vor einer leichtfertigen Nutzung des Internets warnt. Aber weil es sich bei THE DEN nun mal um einen Horrorfilm handelt dürfte klar sein, dass derart Warnungen grundsätzlich nicht ernst genommen werden. Es kommt zu einem Aufeinandertreffen in bester THE STRANGERS-Manier. Die mit Jutesäcken maskierten Killer verschleppen das unwissende Opfer in ihren Bau und terrorisieren die verstörte Elisabeth bis zum letzten Atemzug. In THE DEN geht es freilich nicht zimperlich zu, was vor allem dem Found-Footage-Stilmittel zuzuschreiben ist, das das ruppige Treiben recht authentisch bebildert. Gerade dann, wenn hier wehrlose Menschen bestialisch vor der Kamera ermordet werden, geht das ziemlich an die Nieren und dürfte demnach nicht jedermanns Sache sein. Auch wenn nach kurzen 70 Minuten so jedes Wackelcam-Klischee abgehakt wurde bleibt die überraschende Erkenntnis, dass man aus dem verhassten Found-Footage-Genre doch noch halbwegs interessante Filmstoffe herauskitzeln kann, wenn man sich nur die Mühe macht nach cleveren Plots zu grübeln.
 
 
 


 
 
 

THE DEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Warum Kontakte im wahren Leben knüpfen, wenn man Chat-Plattformen wie THE DEN nutzen kann? Neuling ZACHARY DONOHUE hat mit THE DEN einen erschreckenden Warnschuss gedreht, der die Möglichkeiten des Internets in einem ganz anderen Licht betrachtet. Sieht man einmal vom obligatorischen Horrorgemetzel ab, wird auf sehr unangenehme Weise verdeutlicht was passieren kann, wenn man sich zu leichtfertig durch das Internet bewegt und wie einfach es ist soziale Medien für Zwecke zu missbrauchen, für die sie eigentlich gar nicht gedacht sind. THE DEN ist einer der besten Found-Footage-Schocker, die man in letzter Zeit gesehen hat, was vor allem an der innovativen Machart liegt, wie man den Zuschauer versucht das gewöhnungsbedürftige Wackelcam-Genre erneut schmackhaft zu machen. Am Ende bleiben rund 70 Angstschweiß verursachende Horrorminuten, die den Appetit nach jener Filmmethodik steigert von der man eigentlich annahm, dass sie keiner mehr sehen will. Darum: Hoch lebe der Found-Footage-Film!
 
 
 


 
 
 

THE DEN – Zensur

 
 
 
Trotz Wackelkamera-Methode ist THE DEN nichts für Zuschauer mit schwachen Nerven. Die diversen Snuff-Morde haben es in sich und werden ziemlich kaltblütig dargestellt. Demnach wird THE DEN hierzulande ungeschnitten mit KEINE JUGENDFREIGABE-Flatschen in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

THE DEN – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Evidence (2013)
 
The Helpers (2012)
 
V/H/S 2 (2013)