Filmkritik: „Stephen Kings Stark“ (1993)


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK

(THE DARK HALF)

Story

 
 
 

Schöngeist Thad Beaumont verfasst Horror-Romane, deren blutrünstigste niedergeschriebene Aussetzer er unter dem Nome de plume George Stark veröffentlicht. Als ein schmieriger Neider Beaumont erpressen will, es geht um die Enttarnung des Pseudonyms, werfen wir einen Blick in die sonderbare medizinische Vergangenheit des ach so harmlosen Autoren und werden Zeugen einer gänzlich andersartigen Manifestation des Unholds Mr. Stark.

 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Kritik

 
 
 
Als erstes ist STARK, das sieht der sprichwörtliche Blinde mit dem Krückstock, Stephen Kings Variation einer der bekanntesten Horrorliteratur-Ideen überhaupt: Der böse Zwilling, der Doppelgänger, das andere Ich. Populärstes Exempel R.L. Stevensons Dr. Jekyll & Mr. Hyde. Direkter Einfluss der Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden Erfolgsgeschichte der Psychoanalyse Siegmund Freuds auf das Genre des Schauerromans. Unter dieser ersten, inhaltlichen Oberfläche bekommt es der Leser, hier besser gesagt und fortgesetzt: der Zuschauer, mit dem möglicherweise am stärksten autobiographisch gefärbten Stoff des Meisters aus Maine zu tun. Schreiben, Saufen, Schreiben, Saufen, Ohnmacht, Saufen, Schreiben. Heute weiß man, wie heftig die Todeskämpfe mit König Alkohol getobt haben müssen, der besonders in der ersten Lebenshälfte Kings mehr und mehr Kontrolle über seine Person und sein kreatives Ich gewinnen sollte. Mit ein paar Jahrzehnten Distanz spricht der im Zweifel wichtigste Horror-Romancier nicht nur der Gegenwart offen, ehrlich und sogar ironisch von jenen Jahren, in denen zwar unbestrittene Meisterwerke des Horrors wie CARRIE – DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER entstanden, über die er jedoch vom herbeigesoffenen Filmriss bedingt keinerlei Erinnerung besitzt. Man kann sagen, Stephen King sind die misslichen Abenteuer seines Buchhelden Beaumont mit dem hemmungslosen Herrn Stark nur all zu bekannt. So lohnt sich mehrfaches Beschäftigen mit STARK ungemein, möchte man nicht nur hervorragend unterhalten werden, sondern auch noch intime Einblicke ins Unterbewusstsein seines Schöpfers gewinnen. Hier können jetzt Beaumont und King gemeint sein. Viele Häute hat die Zwiebel.
 
 
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Der erst jüngst – das wisst Ihr natürlich – abgetretene George A. Romero war nicht nur selbst langjähriger guter Freund der Whiskeyflasche, er teilte den Rausch auch regelmäßig mit seinem Bruder im Geiste King. Bei den Dreharbeiten zu CREEPSHOW etwa, waren beide nur mit vier Promille an Bord. Trotzdem oder gerade deswegen brachte die hochprozentige Zusammenarbeit der beiden Ostküsten-Spritmeister immer wieder schöne Ergebnisse mit sich. STARK ist ein Höhepunkt. Er funktioniert als Horror-Reißer und unterhält wirklich ganz prächtig. Dazu ist er einer der stärksten Filme, die Kings real life diabolischer Zwilling George abseits seiner ersten „…OF THE DEAD“- Zombie-Kultwerke hinbekommen würde, machen wir uns da mal nichts vor. Bei aller Verbundenheit zu Einkaufszentren in Pittsburgh.
 
 
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STEPHEN KINGS STARK – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Stephen Kings sehr persönlicher Stoff, verständnisvoll und doch effektiv von seinem echten Freund George A. Romero auf die Leinwand gebracht. Hier wurde tatsächlich mal alles richtig gemacht.
 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Zensur

 
 
 
STEPHEN KINGS STARK hatte es bisher in Deutschland nicht leicht. Wenige Monate nach der Veröffentlichung landete der Gruselstreifen im Jahr 1994 auf dem Index. Die Indizierung besteht bis heute. Neben der ungeschnittenen, indizierten Fassung wurde eine FSK-geprüfte Filmversion auf VHS veröffentlicht. Diese musste knapp sechs Minuten geschnitten werden, um eine Freigabe erhalten zu können. Im Jahr 2017 feierte der King-Klassiker seine HD-Premiere. OFDB FILMWORKS erwarb die Rechte und warf den Streifen in einer limitierten Sonderausgabe auf den Markt. Diese Filmversion ist ungeschnitten, ist aber wegen der Indizierung nur in einschlägigen Onlineshops erhältlich und darf nur an volljährige Filmfans verkauft werden. Weil sich Sehgewohnheiten geändert haben, ist die Indizierung jedoch ungerechtfertigt. Für heutige Verhältnisse befinden sich die Gewaltakte im Film aus FSK16-Niveau. Sollte die Indizierung irgendwann aufgehoben und STARK neu geprüft werden, ist eine Jugendfreigabe nicht unwahrscheinlich.
 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) OFDB Filmworks (Digipack – Front)

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(c) OFDB Filmworks (Digipack – Rückseite)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Dark Half; USA 1993

Genre: Horror, Thriller, Klassiker

Ton: Deutsch (Linear PCM 2.0), Englisch (Linear PCM 2.0)

Untertitel: Film: Deutsch, Englisch | Extras: Deutsch

Bild: 1,85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 121 Min.

FSK: Ungeprüfte Fassung – indiziert (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Digipack – limitiert auf 2000 Stück

Extras: Audiokommentar mit Regisseur George A. Romero (englisch), Audiokommentar von Kai Naumann & Marcus Stiglegger (deutsch), The Directors: George A. Romero – Dokumentation über den Regisseur, The Sparrows Are Flying Again – The Making of „The Dark Half“, Deleted Scenes, Behind The Scenes Footage: Special Effects, Behind The Scenes Footage: On The Set, Vintage Making of Featurette, Vintage Interviews, deutscher und englischer Kino-Trailer, TV-Spot, Booklet mit einem Text von Thorsten Hanisch

Veröffentlichung: Digipack: 07.07.2017

 
 
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Stephen Kings Stark [3-Disc Digipak mit DVD + Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei OFDB FILMWORKS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Unzertrennlichen (1988)
 
Schwestern des Bösen (1973)
 

Filmkritik: „Das Belko Experiment“ (2016)

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DAS BELKO EXPERIMENT

(THE BELKO EXPERIMENT)

Story

 
 
 

Stellenabbau mit Todesfolge. In einem Unternehmen werden plötzlich Todesspiele gespielt und Mitarbeiter müssen sich gegenseitig töten, um zu überleben.

 
 
 


 
 
 

DAS BELKO EXPERIMENT – Kritik

 
 
 
Wie gut kennt man eigentlich die eigenen Arbeitskollegen? Eine interessante Frage, mit der man sich vermutlich nicht alle Tage beschäftigt. Hat man DAS BELKO EXPERIMENT gesehen, würde es wohl lohnen sich darüber den Kopf zu zerbrechen, denn hinter der Fassade scheinbar freundlicher Kollegen, kann auch gern mal das personifizierte Böse schlummern, das sein hässliches Antlitz in Extremsituationen zeigt. Wenn aus Schafen Wölfe werden, die Überlebensinstinkte aktivieren. Mit dieser Thematik wird in DAS BELKO EXPERIMENT kontroverser Zündstoff geliefert, der an die Nieren geht. Hier wird auf subtile Angstmacherei gepfiffen. Stattdessen hält die Kamera reißerisch drauf und zeigt zu was Menschen im Stande sein können, wenn der eigene Überlebenswille über Leichen gehen lässt. Das ist definitiv nichts für Weicheier, denn im Falle von DAS BELKO EXPERIMENT hält der Film auch das, was der blutige Trailer versprochen hat. Geboten wird kein Kinderfasching, sondern Hausmannskost. In diesem Streifen wird geschossen, geschlitzt und gemordet – viel und detailliert. Normalerweise würden wir so etwas verteufeln. Bei DAS BELKO EXPERIMENT ist das aber diesmal anders. Trotz simpler Formel hat uns das minimalistische und blutrünstige B-Movie gefallen. Auch anspruchsvolle Feingeister schalten gern mal ab.
 
 

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Kein guter Tag zum Arbeiten für die Angestellten der Firma Belko. Denn die schauen komisch aus der Wäsche, als plötzlich Türen und Fenster des Bürokomplexes verriegelt werden und eine Stimme aus Lautsprechern schallt, die zum Mord anstiftet. So soll man sich gegenseitig ausradieren. Wird die Aufgabe nicht binnen weniger Stunden erfüllt, werden wahllos Angestellte getötet. Weil die Botschaft niemand ernst nehmen will, explodierten plötzlich Köpfe. Das sorgt für Panik, vor allem auch deshalb, weil offenbar jedem Belko-Mitarbeiter heimlich eine Mini-Bombe in den Kopf eingepflanzt wurde. Nun ist guter Rat teuer. Deshalb schmiedet man Pläne und überlegt, wie man dem vordiktierten Schicksal entkommen kann. Leider sind nicht alle Kollegen guter Natur. Einige nehmen die Aufgaben des unbekannten Moderators ernst und greifen zum Mordwerkzeug, um das eigene Leben zu retten. Doch es gibt auch Gegenwehr. So versucht Mitarbeiter Mike (JOHN GALLAGHER JR. aus HUSH) dem Treiben auch ohne Töten ein Ende zu bereiten. Leider findet auch er keine Antworten, denn offenbar ist die Firma Belko Teil eines perfiden Experiments, das mit nichts und niemandem Gnade kennt. Gut für hungrige Gorehounds, denen es in Horrorfilmen nicht blutig genug zugehen kann. Denen werden viele Schauwerte geboten, die auf das Konto von Regisseur GREG MCLEAN gehen.
 
 

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Der gebürtige Australier kennt sich nämlich mit kontroverser Kinogewalt aus. Im Zuge der Folterwelle, die in den 2000ern durch Multiplexe wütete, tüftelte der damals noch unbekannte Regisseur an einem fiesen Horror-Franchise, das sich mittlerweile zur festen Adresse für Fans grober Schlachtorgien gemausert hat. WOLF CREEK hieß ein ruppiger Überlebensstreifen, der bereits 2005 nicht jedermanns Sache war. Weil der Streifen trotzdem Kasse machen konnte, musste eine Fortsetzung her. Die folgte Jahre später mit WOLF CREEK 2 und kannte in Sachen Gewalt weder Tabus noch Grenzen. Gleiches gilt auch für DAS BELKO EXPERIMENT. Hier geht es nicht minder zimperlich zu, was vor allem jene ansprechen dürfte, die es brutal und kompromisslos im Genrefilm mögen. Der Streifen folgt quasi ähnlichem Prinzip, das bereits bei Kinoware wie DIE TRIBUTE VON PANEM, DIE TODESKANDIDATEN oder BATTLE ROYAL Verwendung fand. Auch dort mussten sich Protagonisten gegenseitig auslöschen, um überleben zu können. Überraschenderweise macht die Schlachtformel im Falle von DAS BELKO EXPERIMENT Laune. Der Film wurde nämlich – trotz rudimentärer Handlung – spannend inszeniert. Dabei verblüfft der Streifen mit straffem Tempo, das schnell vergessen lässt, dass hier eigentlich nur niedere Instinkte befriedigt werden sollen. Wirklich Sinn ergibt die Metzelorgie leider nicht. Sozialkritik, ethische Gewissenskonflikte oder gar glaubhafte Charakterentwicklung? Fehlanzeige! Stattdessen suhlt sich der Streifen in Blut und unterhält mit abwechslungsreichen Todesmomenten. Das kann DAS BELKO EXPERIMENT erstaunlich gut, denn im derben Überlebenskampf ist sich bald jeder selbst der Nächste. So werden aus Freunden Feinde, die sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Trotz zynischer Note, dürfte da so manchem Zuschauer das Popcorn im Halse stecken bleiben. Ungeübte Horrorfans sollten wissen, dass dieser harte Büro-Horror kein Zuckerschlecken ist.
 
 

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DAS BELKO EXPERIMENT – Fazit

 
 
 

8 Punkte Final

 
 
 
Eine fiese Nummer. Dennoch: Welche Botschaft will man dem Zuschauer mit DAS BELKO EXPERIMENT eigentlich vermitteln? Handelt es sich hier um ein übertriebenes Gemetzel, das als Metapher für kapitalistische Interessen fungieren soll? Oder will man mit dem Film nur die Gier des nach Blut lechzenden Publikums befriedigen, dem es nach immer härterem Kinostoff dürstet? Wir vermuten wohl eher Letzteres, denn DAS BELKO EXPERIMENT hält zwar schwarzen Humor parat, ist aber unterm Strich Hardcore-Brutalo-Horror, der unerfahrene Zuschauer verstören dürfte. Der Film tarnt sich als actionreicher Überlebenskampf. Bei genauerer Betrachtung wird aber eher Exploitation geboten, die die niederen Instinkte des Horrorfans befriedigen soll. Keine Schwarzmalerei: Trotz einfacher Zutaten wurde DAS BELKO EXPERIMENT schnörkellos inszeniert. Hier geht es Schlag auf Schlag zum Ziel – schnell, kompromisslos und hart. Unnötige Längen gibt es nicht, weil mit Hektik gern mal Spannung vorgetäuscht wird. Die abwechslungsreichen Spezialeffekte tun ihr übriges. DAS BELKO EXPERIMENT ist Erwachsenenunterhaltung wie sie im Buche steht. Wer Nerven wie Stahlseite besitzt, kann gern mal einen Blick wagen.
 
 
 


 
 
 

DAS BELKO EXPERIMENT – Zensur

 
 
 
DAS BELKO EXPERIMENT lief in deutschen Kinos ungeschnitten mit einer Freigabe ab 18 Jahren. Weil im Film das Töten als letzter Ausweg beschrieben wird, verwundert die Freigabe der Blu-ray und DVD-Fassung. Im Film werden Äxte in Gesichter geschlagen, Köpfe explodieren und Gewehrmunition wird in Körper gejagt. Umso überraschender die Entscheidung der FSK. Diese hat die Heimkinoversion ungeschnitten passieren lassen. Vor zehn Jahren hätte man solche Filme auf den Index gesetzt. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

DAS BELKO EXPERIMENT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Twentieth Century Fox Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Belko Experiment; Kolumbien | USA 2016

Genre: Horror, Thriller, Splatter

Ton: Deutsch DTS 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Regeln des Spiels: Das Geheimnis hinter „Das Belko Experiment“, Lee Hardcastles Überlebenstipps, Entfallene Szenen, Bildergalerie, Original Kinotrailer

Release-Termin: 19.10.2017

 

Das Belko Experiment [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DAS BELKO EXPERIMENT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Twentieth Century Fox Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Divide – Die Hölle sind die anderen (2011)
 
Battle Royale (2000)
 
Die Tribute von Panem (2012)
 
Die Todeskandidaten (2007)
 
As the Gods Will (2014)
 
Raining Blood (2014)
 
Die Insel der Verdammten (1982)
 
Raze – Fight or Die! (2013)
 

Filmreview: „Hypothermia – The Coldest Prey“ (2010)

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Hypothermia – The Coldest Prey

Story

 
 
 
Es hätte ein erholsames Wochenende beim Eisfischen für Ray Pelletier und seine Familie werden können, wären da nicht Vater Stevie Cote und sein Sohn Stevie Jr., die plötzlich wie aus dem Nichts auf dem Eis auftauchen und ihr Lager wenige Meter entfernt aufschlagen. Mit ihrem unkläglichen Lärm stören die beiden nicht nur den friedlichen Familienausflug der Pelletiers, sondern verjagen zudem auch noch alle Fische. Schnell sind jedoch die Fronten geklärt und die beiden Familien lernen sich kennen. Doch der Frieden währt nicht lange, denn unter dem Eis lebt etwas unbeschreiblich Böses, dass bereits alle Fische verschlungen hat und nun an die Oberfläche krabbeln muss, um seinen unermüdlichen Appetit nach frischem Fleisch stillen zu können …
 
 
 


 
 
 

Hypothermia – Kritik

 
 
 
Wer sich selbst als Horrorfilmfan bezeichnet, wird vermutlich unlängst erkannt haben, dass die im Genre ansässigen Filmregisseure durchaus als eifrige Arbeitstiere betitelt werden können und in einer erschreckenden Regelmäßigkeit teilweise haarsträubende Kost auf Zelluloid bannen, um diese dann wenig später lukrativ auf dem Heimkinomarkt zu verscherbeln. Die Betonung liegt hierbei leider Gottes zu oft auf „B“ wie „billig“, denn günstig produzierte Filmchen kosten nun mal wenig „Dollars“ und spielen erschreckend viele „Dollars“ ein, ohne großartig Aufwand für die Realisierung aufbringen zu müssen. Von der minderen Qualität dieser Werke erfährt der Filmfreund leider erst dann, wenn es letztendlich zu spät ist und er die Scheibe in seinen DVD-Player wirft. Dass diese Low Budget Mentalität die Freude am Konsumieren phantastischer Filmkost mittlerweile erheblich geschmälert hat, dürfte auf der Hand liegen, denn der Horrorfilmmarkt wird aktuell von Unmengen derartiger Werke überschwemmt, sodass es kaum noch möglich scheint, die wirklich sehenswerten Beiträge darunter herauszufischen.
 
Der nun vorliegende „Hypothermia“ ist eines dieser seltenen Exemplare, dass in der Masse an momentan veröffentlichten No-Budget-Werken vollkommen untergeht. Unverständlich, denn „Hypothermia“ hat eigentlich all das, was man von einem Genre-Film erwartet: eine durchaus klaustrophobische Grundstimmungen, gute Schauspieler, ein bedrückendes Setting und endlich mal wieder ein vernünftiges Drehbuch, dass sich Zeit für das Wesentliche nimmt und nicht Knall auf Fall ins Getümmel taumelt. Regisseur „James Felix McKenney“ hat sich bisher mit diversen Null-Budget-finanzierten Beiträgen über Wasser halten können und überrascht mit dem vorliegenden „Hypothermia“ endlich durch ein wirklich ansprechendes Gruselfilmchen, dass nun auch einmal der Bezeichnung „Film“ vollends gerecht werden kann. Waren seine bisherigen Ausflügen in die Welt des „bösen“ Films mit einer nicht vorhandenen Fingerfertigkeit gesegnet, so verblüfft umso mehr, was der Filmemacher mit seinem Hybriden-Schocker auf die Beine gestellt hat. Lobenswert, dass auch Kult-Legende „Michael Rooker„, („The Walking Dead“, „Henry – Portrait Of A Serial Killer“) das durchaus vielversprechende Potenzial dieser kleinen unscheinbaren Geschichte entdeckt und sich zur durchaus stimmigen Gesamt-Schauspielriege dazugesellt hat.
 
Hypthermia“ ist ein typischer Vertreter des Creature-Feature-Genre. Die Geschichte thematisiert ein mysteriöses Wesen, dass sich unbemerkt unter dem Eis entwickeln konnte und sich nun vermutlich in seiner Ruhe bedroht fühlt. Zumindest deutet das die Geschichte an. Wie es in den Teich gekommen ist und welche Intentionen das Geschöpft letztendlich wirklich hegt, weiß der Film durchaus ansprechend zu verschleiern, sodass dem Zuschauer am Ende einige lose Interpretationsmöglichkeiten geboten werden, die durchaus zum Nachdenken anregen dürften. Die kritische Botschaft an der unüberlegten Ausbeutung des eigenen Lebensraums durch den Menschen ist unüberhörbar. Während die Männer versuchen die Bedrohung durch eine planlose und gewaltgeile Herangehensweise zu bekämpfen, versuchen die Frauen einen kühlen Kopf zu bewahren und das Problem taktisch zu lösen. Ihnen ist es in erster Linie wichtig, unversehrt an das Festland zu gelangen. Über die Vernichtung des Wesens machen sie sich keinerlei Gedanken. Ein kluger Schachzug, denn am Ende ist es ausgerechnet das schwache Geschlecht, dass durchaus effektiver der Bedrohung zu entkommen weiß und sich in Sicherheit bringen kann.
 
In „Hypothermia“ werden kurzum aus Jägern Gejagte und aus Gejagten letztendlich Jäger. Die Bestie Mensch, die sich für das Ausrotten diverser Tierarten verantwortlich zeichnet und dabei unweigerlich dem ökologischen Gleichgewicht schadet, wird hier für das Vergehen an seiner kostbaren Umwelt bestraft. Regisseur „James Felix McKenney“ schafft es die nicht unwichtige Botschaft in ein überzeugend gespieltes Filmchen zu verpacken. Sein Film ist trotz mangelndem Budget durchweg spannend, geschickt gefilmt und unglaublich stimmig; wäre da jedoch nicht das etwas sehr groteske Monster, dessen Glaubwürdigkeit spätestens dann zu bröckeln beginnt, als es das erste Mal durch die Linse dackelt. Hierbei wäre vermutlich weniger mehr gewesen, denn dem Zuschauer bleibt leider nicht verborgen, dass hier vermutlich aus Budgetgründen auf ein geschmacklich sehr „spezielles“ Gummikostüm zurückgegriffen werden musste, dass in seinem unprofessionellen Design schon arg lächerlich wirkt. Der trashige Unterton trübt hier leider den anfänglich hervorragenden Gesamteindruck, da hilft es dem Film letztendlich auch wenig, dass die Kamera permanent versucht, die missglückte Fingerfertigkeit des Effekt-Teams durch hektisches Umhergewackel zu vertuschen.
 
Dennoch, wem Atmosphäre und das glaubhafte Interagieren der Anwesenden durchaus wichtiger ist, als ausufernde Spezialeffekte, ist bei „Hypothermia“ genau richtig. Die Geschichte beginnt unspektakulär und steigert sich in ihrer Intensität von Minute zu Minute. Während anfänglich noch unklar scheint, von welcher Gefahr die Familie bedroht wird, so ist selbige umso unberechenbarer, je später der Abend wird. „Hypothermia“ ist ein geradliniges Monster-Filmchen, dass sich an die traditionellen Komponenten eines jeden Creature-Features orientiert. Neue, frische Ideen sucht man hier zwar vergebens, dennoch ist es der Film durchaus wert, gesehen zu werden.
 
 
 


 
 
 

Hypothermia – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Zwar erfindet „Hypothermia – The Coldest Prey“ das Rad nicht neu, unterhält aber dennoch durchaus packend. Wenn da nicht das vollkommen missratende Monster wäre, dass den eigentlich positiven Gesamteindruck schmälert – Schade!
 
 
 


 
 
 

Hypothermia – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung ist mit der „FSK 16„-Kennzeichnung vollkommen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

Hypothermia – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hypothermia; USA 2010

Genre: Horror/Thriller

Ton: Deutsch + Engl. DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1080p, 1.78:1, 16:9

Laufzeit: 73 Min.

FSK: FSK 16

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: The Making of Hypothermia (Die Dreharbeiten wurden mit einer Videokamera begleitet – 21min), Ron & Reel (kleiner Insider-Gag des Films – ca. 5min), deutscher Trailer (ca. 2min), Bildergalerie, Give me Shelter: An Ice Fishing House … Halfway across the Country (Regisseur gibt kurze Einblicke in die Entstehung des Films – 11min), 5 Clips anderer Filme des Labels

 
 
 
Für eines Low Budget-Film, wie Hypothermia ist das Bonus erstaunlich umfangreich ausgefallen, zudem kann sich die Abmischung des Tons hören lassen. Immer dann, wenn das groteske Wesen Screentime erhält, hat der Subwoofer ordentlich zu meckern, sodass einige Schauer und Schreckmomente durchaus sitzen werden. Alle Extras wurden löblicherweise deutsch untertitelt. Bildtechnisch sieht man dem Film seine Herkunft an. In hellen Momenten ist der HD-Effekt offensichtlich. Sobald es dunkel wird, treten hier diverse Mankos auf. Dennoch, alles im grünen Rahmen. Wer auf spannenden Trash mit kritischer Öko-Botschaft steht, ist hier definitiv gut beraten.
 
 

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Hypothermia – Trailer

 
 
 


 
 

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