Filmkritik: „Phobia“ (2016)

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PHOBIA

Story

 
 
 
Nach einem traumatischen Erlebnis entwickelt Künstlerin Mehak eine krachende Angststörung und traut sich bald nicht mehr aus dem Haus. Mit fatalen Folgen.

 
 
 


 
 
 

PHOBIA – Kritik

 
 
 
Mit PHOBIA hat es nach der Fortsetzung zum Zombie-Film THE DEAD nun bereits der zweite indische Horror-Thriller auf FILMCHECKER geschafft. Das dürfte bei den meisten Lesern für Skepsis sorgen, weht doch in den meisten Filmen aus Indien ein anderer Wind. Hier wird in der Regel geschmachtet und getanzt. Doch es geht auch anders, wie der nachfolgend besprochene Psycho-Thriller beweist. Statt Dauergesang und Folklore fürs indische Massenpublikum oder trendige Auslandsfans auf Zelluloid festzuhalten, schielt man hier lieber gen Westen und übt ernstes Psychohandwerk aus, von dem sich mancher westliche Filmschaffende eine Scheibe abschneiden könnte. Weit weg von Bollywood, Kitsch und Gloria geht es diesmal nicht um Liebe, Freundschaft, Familienbunde oder den immer währenden Kampf gegen das Böse. PHOBIA versucht es mit Thrill und Suspense, fernab von Klischees. Wer sich drauf einlässt wird entlohnt, denn trotz stolzer Laufzeit von knapp zwei Stunden kann der Streifen etwas ganz gut: Verwirren und Manipulieren. So psychologisch geschickt aufgebaute Angstfilme wie DER BABADOOK oder SENSORIA lassen grüßen.
 
 
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Eine Geschichte über Angst und Wahnsinn. Die muss eine erfolgreiche Künstlerin durchleben und droht daran zu zerbrechen. Mehak (RADHIKA APTE) ist schön, jung und dazu noch talentiert. Doch das wird ihr zum Verhängnis. Als sie nach einer Feier mit dem Taxi nach Hause gefahren wird, passiert das Unfassbare. Der Fahrer vergeht sich an der jungen Frau und hinterlässt tiefe emotionale Narben. Die Vergewaltigung löst bei Mehak eine Art der Agoraphobie aus, die es dem Opfer unmöglich macht aus dem Haus zu gehen. Deshalb zieht sie sich immer mehr in ihre eigene Welt zurück. Vom einstigen Glanz der selbstbewussten Schönheit ist bald kaum noch etwas zu verzeichnen. Gott sei Dank nimmt sich der beste Freund des Problems an. Shaan (SATYADEEP MISHRA) will helfen und bringt die verstörte Frau in die Wohnung eines Bekannten, wo die traumatisierte Mehak lernen soll die Phobie in Griff zu bekommen. Doch kaum dort eingezogen, fangen die Probleme erst richtig an. Seltsame Dinge passieren und ein geheimnisvolles Tagebuch lässt darauf schließen, dass in dieser Wohnung schlimme Ereignisse passiert sein müssen. Spukt es hier etwa? Die Suche nach Antworten wird bald zu Mehaks Lebensinhalt. Leider will niemand der einst erfolgreichen Künstlerin Glauben schenken. Die verfällt immer mehr dem Wahn und ebnet sich damit den Weg in eine persönliche Katastrophe.
 
 
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Wie ein furchtbares Verbrechen das Leben einer jungen Frau verändern kann. PHOBIA bebildert den psychischen Verfall seiner Hauptdarstellerin in schonungsloser Detailfreudigkeit und lässt die mit RADHIKA APTE hervorragend besetzte Sympathieträgerin sprichwörtlich durch die Hölle gehen. Doch damit nicht genug. Auch der Zuschauer wird gefordert und soll ähnliche Qualen durchleben wie die Heldin des Films, die sich bald sicher ist, dass sie nicht mehr Herrin ihrer eigenen Sinne ist. Regisseur PAVAN KIRPLANI macht hierfür von hinterlistigen Taschenspielertricks Gebrauch. Ist die Protagonistin wirklich dem Wahnsinn nahe oder gibt es für all die unerklärbaren Ereignisse doch plausible Erklärungen? Die Antwort darauf wird möglichst lang hinausgezögert und mündet in jenem obligatorischen Überraschungstwist, ohne den im Genrefilm offenbar gar nichts mehr geht. Die Auflösung lässt sich dennoch nicht so einfach durchschauen und macht bei genauerer Untersuchung durchaus Sinn. Bis dahin gibt es ein ganz exzellent verschachteltes Verwirrspiel zu sehen, das geschickt zwischen knallhartem Psychothriller, schaurigem Geister-Film und erschreckendem Psychogramm einer Traumatisierten pendelt. Demzufolge ist PHOBIA für all jene ein gefundenes Fressen, die gern in die Psyche fehlgeleiteter Helden schauen wollen. Der indische Psycho-Horror macht vieles richtig – auch wenn die Idee dahinter wegen vieler ähnliche gestrickter Filme in letzter Zeit (u.a. THE DISAPPOINTMENTS ROOM, DER BABADOOK, THE NOONDAY WITCH) allmählich seinen Reiz verliert. Trotzdem gibt eine überdurchschnittliche Bewertung und die Empfehlung vom FILMCHECKER.
 
 
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PHOBIA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wenn die sicheren vier Wände zum Albtraum werden. PHOBIA ist ein psychologisches Verwirrspiel in der Machart von DER BABADOOK, das sich vor der westlichen Konkurrenz nicht verstecken muss. Trotz Produktion aus der Hindi-Filmindustrie sollte man sich nicht blenden lassen. Auch Indien kann ernst und ungemütlich. Hinter PHOBIA steckt ein cleverer und vor allem spannender Psychothriller, der mit seiner hervorragenden Hauptdarstellerin glänzt und in der zweiten Filmhälfte kontinuierlich die Spannungsschraube anzieht. Was belanglos beginnt, steigert sich nahezu minütlich zum Albtraum. Das sahen aber indische Kinogänger nicht ganz so. Den gelungenen Angstmacher wollte dort kaum jemand sehen. Trotzdem wurde PHOBIA von Presse und Kritikern gelobt. Das nahm Regisseur PAVAN KIRPLANI zum Anlass trotzdem eine Fortsetzung zu planen. Für Hauptdarstellerin RADHIKA APTE zumindest war der Dreh eine Erfahrung. Die hatte sich für die Dreharbeiten gut vorbereitet und mit Ärzten und Betroffenen gesprochen, um den geistigen und biologischen Aspekt einer Phobie besser verstehen zu können. Geholfen hat die Weiterbildung allemal. Ihre Leistungen im Film sind beachtlich und sollten demzufolge auch lobend hervorgehoben werden.
 
 
 


 
 
 

PHOBIA – Zensur

 
 
 
PHOBIA hat kaum Schauwerte zu bieten, da der Film eher auf Psycho und Suspense aus ist. Ein Finger wird abgeschnitten, ein Messer dringt in Körper ein und mysteriöse Visionen machen der Hauptdarstellerin das Leben schwer. Sollte PHOBIA in Deutschland veröffentlicht werden, dürfte eine FSK16 sicher sein.
 
 
 


 
 
 

PHOBIA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte Film für Grafiken liegen bei Next Gen Films | Eros International)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Babadook (2014)
 
Kaun? (1999)
 
The Noonday Witch (20156
 
The House on Pine Street (2015)
 
Darling (2015)
 

Filmkritik: „Hidden in the Woods“ – Remake (2014)

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HIDDEN IN THE WOODS (REMAKE)

Story

 
 
 

Zwei Mädchen können sich zusammen mit ihrem kleinen Bruder aus den Fängen des tyrannischen Vaters befreien und begeben sich auf eine Reise voller Gefahren.

 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Kritik

 
 
 
Nicht ein einziges Jahr vergeht, in dem mindestens ein Horrorfilm gedreht wird, der die Geister in zwei Lager teilt. Das passiert vor allem immer dann, wenn Filme entstehen, die einzig darauf abzielen, mit möglichst viel Gewalt und polarisierendem Inhalt maximalen Reibach zu machen. So geschehen auch im Falle des chilenischen EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD (internationaler Titel: HIDDEN IN THE WOODS), der 2012 aufgrund seiner recht kontroversen Thematik die Horrorfans gegeneinander aufbrachte. Sein Regisseur, PATRICIO VALLADARES, nutzte geschickt Stilmittel des Exploitationfilms der 1970er und eckte damit vor allem bei den Zensurbehörden an. Auch die deutsche FSK verstand angesichts der Erniedrigung, Demütigung und Vergewaltigung wehrloser Frauen keinen Spaß, was dazu führte, dass der krude Genre-Mix aus Kannibalismus, Rape-and-Revenge und Überlebens-Thriller hierzulande kräftig Federn lassen musste. Trotz der semi-professionellen Machart fand der chilenische Exploitationer trotzdem viele Fans. Zu denen rechnet sich wohl auch der amerikanische Schauspieler MICHAEL BIEHN, der laut der Filmzeitschrift FANGORIA bis dato noch nie einen so heftigen Film gesehen hatte. Wegen seines realen Hintergrunds (das Original beruht angeblich auf wahren Begebenheiten) nahm ihn Biehn nicht einmal als unnötig brutal oder sonst ausbeuterisch wahr. Die weltweit stattfindende Gewalt gegenüber Frauen und deren (sexuelle) Ausbeutung muss gestoppt werden, forderte er in Interviews. Noch immer sei es an der Tagesordnung, dass Frauen sexuell missbraucht würden.
 
 
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Warum er sich mit dieser Kontroverse anschließend nicht tiefgründig in Form eines glaubhaften Dramas beschäftigt hat, weiß wohl nur Biehn selbst. Stattdessen beauftragte er den chilenischen Regisseur PATRICIO VALLADARES, seinen EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD für den amerikanischen Filmmarkt neu zu interpretieren. Die Finanzierung des Streifens kam zwar vom hauseigenen Produktionsstudio, doch das perverse Endprodukt spottet jeglicher Beschreibung. Dem chilenischen Filmemacher PATRICIO VALLADARES gelang das Kunststück aus der ohnehin schon missratenen Vorlage ein noch schlechteres Remake zu inszenieren, das obendrein nur aus einer Aneinanderreihung fragwürdiger Szenen besteht. Das muss ihm erst mal jemand nachmachen.
 
 
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Die Neuverfilmung mit dem Titel HIDDEN IN THE WOODS beginnt für zwei heranwachsende Schwestern nebst kleinem Bruder nicht gerade rosig. Die Mutter ist früh gestorben, weshalb der Vater (MICHAEL BIEHN aus THE VICTIM, ALIENS – DIE RÜCKKEHR oder PSYCH: 9) die Kinder großzieht und sich regelmäßig an ihnen vergeht. Jahre nach den täglichen psychischen und physischen Attacken des Familienoberhaupts soll damit Schluss sein. Die Geschwister wollen sich der Polizei anvertrauen und die Behörden von den gesetzesfernen Machenschaften des Vaters unterrichten. Der missbraucht seine Kinder nicht nur regelmäßig, sondern handelt zudem mit größeren Mengen an Drogen. So wandert der Vormund nach einem blutigen Amoklauf sogar ins Gefängnis, ruft aber das Interesse seines Bruders auf den Plan. Der hat nun Sorge um seine Drogen, die der Inhaftierte bei sich zu Hause verstecken sollte. Ein fleißiges Familienunternehmen. Was folgt wird für die fliehenden Kinder kein Zuckerschlecken. Die sind nun nicht mehr nur auf der Flucht vor dem tyrannischen Vater, sondern müssen sich auch noch vor den Launen des psychopathischen Onkels in Sicherheit bringen, der seine Drogen zurückhaben möchte – koste es was es wolle.
 
 
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Von häuslicher Gewalt, gesetzesfremden Bürgern und einem ernstlich verschobenen Frauenbild. Das Remake zu HIDDEN IN THE WOODS bietet im Grunde viel Zündstoff, der aber durch die exploitationhafte Inszenierung an Schlagkraft verliert. Neben verrohter Sprache und ebensolcher Gewalt hat der Film eines der haarsträubendsten Drehbücher zu bieten, die man in den letzten Jahren zu sehen genötigt wurde. Darin passiert reichlich Willkürliches und Unglaubhaftes. Man schüttelt den Kopf in Fassungslosigkeit. Weil jeder Handlungsstrang ins Extreme abdriften muss, ist das was in HIDDEN IN THE WOODS geboten wird Gewalt-Fetischisierung pur. Der Film schert sich keinen Deut, tiefgründiger in die Seelen von Täter und Opfer zu blicken. Stattdessen zelebriert er Gewalt der Gewalt wegen und um Fans derberer Unterhaltung glücklich zu stimmen. Sonderlich glaubwürdig ist hier gar nichts. Quälend dumme Dialoge gesellen sich zu hündisch schlechten Schauspielleistungen, die aber zumindest das kaum vorhandene Niveau des Streifens noch einmal ganz trefflich unterstreichen. Damit bleibt die amerikanische Version zu HIDDEN IN THE WOODS weit hinter den Erwartungen jener Filmfans zurück, die daran geglaubt haben, dass mit größerem Budget mehr heftige und professionell inszenierte Gewalteffekte umgesetzt würden. Sicher, die Neuauflage bietet genaug brutales Material – zu genüge sogar. Leider verfehlen all die roh zelebrierten Abartigkeiten im Film die nötige Intensität, weil ihnen dieser gewisse semi-professionelle Schmuddel-Charakter fehlt, der manchen Brutalo-Moment im spanisch-sprachigen Original noch unangenehmer zur Geltung kommen ließ. Was bleibt ist ein leidlich spannender True-Crime-Thriller mit Hang zum Extremen, der zwar zahlreiche Gewaltakte abspult, aber den Fan des Groben doch unbeeindruckt vor der Glotze zurücklässt. Alles schon mal gesehen – und das sogar weitaus besser. Wir empfehlen: Abschalten.
 
 
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HIDDEN IN THE WOODS – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Ein Brutalo-Werk sondergleichen. HIDDEN IN THE WOODS ist die Neuverfilmung eines auch schon missratenen Films von 2012, dem das zweifelhafte Kunststück gelingt die miserablen Minus-Qualitäten der Vorlage noch in den Schatten zu stellen. Das Drehbuch ist eine lupenreine Schande, die Dialoge unter aller Kanone und die Schauspielleistungen mit viel gutem Willen als zweckmäßig zu betiteln. HIDDEN IN THE WOODS zielt ausschließlich darauf ab, einem bestimmten Publikum seinen Kick zu liefern. Zuschauer, denen im Genre gar nicht genug Frauen gequält, missbraucht und gefoltert werden können, werden hier definitiv auf ihre Kosten kommen. Weil man aber mittlerweile so viele ähnlich gestrickte Streifen gesehen hat, berührt das Gezeigte keineswegs. Vor allem auch deswegen, weil sich die Figuren so unsinnig verhalten, dass man sich kaum mit ihnen identifizieren kann oder auch nur möchte. So wird Gewaltexzess an Gewaltexzess geklebt und mit reichlich milieugeschädigter Sprache unterstrichen. Betrachtet man die Liste aller inszenierten Remakes der letzten zehn Jahre, ist die Neuverfilmung von EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD die wohl erbärmlichste Neuinterpretation, die überhaupt das Licht der Zelluloid-Welt erblickt hat. Gott sei Dank hat die deutsche FSK wegen der vielen fragwürdigen Szenen einige Schnitte gefordert, so dass dem Zuschauer mehr Lebenszeit bleibt. In solchen Momenten zahlt sich die Arbeit der sonst so oft kritisierten Zensurbehörde endlich mal aus.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Zensur

 
 
 
Es werden Frauen missbraucht und wild um sich geschossen. Zudem kommt eine Kettensäge zum Einsatz. Was im Film gezeigt wird ist keineswegs für Kinder und Jugendliche geeignet. Das sah auch die FSK so. Die deutsche Fassung wurde zwar erst für Erwachsene freigegeben, ist aber um knapp drei Minuten geschnitten.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hidden in the Woods; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,78:1 (1080p) | 24 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Trailer

Veröffentlichung: 02.06.2016

 
 
 

Hidden in the Woods [Blu-ray] auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei Tiberius Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hidden in the Woods (2012)
 
I Spit on your Grave 2 (2013)
 
I’ll never die alone (2008)
 

Filmkritik: „Martyrs“ (2015)

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Achtung: Diese Kritik verrät viel über das Original. Wer MARTYRS aus dem Jahre 2008 noch nicht gesehen hat, sollte besser erst den Vorgängerfilm sehen. Zudem beinhaltet die Kritik viele Spoiler zum Remake.
 
 
 

MARTYRS

Story

 
 
 
Eine sektenartige Organisation quält Menschen, bis sie nach verlorenen Todeskampf die Schwelle zum Jenseits betreten und berichten können, was sie dort sehen. Eines ihrer Opfer kann entkommen und fordert Jahre nach der Tat Vergeltung.

 
 
 


 
 
 

MARTYRS – Kritik

 
 
 
Niemand mag Neuverfilmungen – zumindest niemand, der eine Vorliebe für Horrorfilme besitzt. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass man sich mit Neuinterpretationen liebgewonnener Genre-Klassiker kaum Freunde macht. Ob A NIGHTMARE ON ELM STREET, IT’S ALIVE oder DAS OMEN – kaum ein erfolgreicher Horrorfilm aus den experimentierfreudigen 70er und schrillen 80er Jahren kam nicht in den zweifelhaften Genuss eines glattpolierten Remakes. Ihren Originalen das Wasser reichen konnten die wenigsten. Weil mittlerweile die wichtigsten Horrorfilme neu gedreht wurden, gehen profitgierigen Produzenten aus Amerika die Vorlagen aus. Die haben aber gemerkt, dass der Horrormarkt in Europa brodelt und dort viel Material in die Kinos gebracht wird, das unbedingt recycelt werden muss. So geschehen mit dem skandinavischen LET THE RIGHT ONE IN. Weil das Vampirdrama viel internationales Lob erhielt, musste eine amerikanische Fassung her. Die erschien unter dem Titel LET ME IN und hatte nur mäßigen Erfolg. Hierzulande dürften vermutlich nur die Wenigsten wissen, dass es diesen Aufguss überhaupt gibt.
 
 
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Weitaus populärer ist da schon der nächste Kandidat – ein kontroverser Psychoschocker, der während der Terrorfilm-Welle veröffentlicht wurde, die zwischen 2003 und 2008 in Frankreich wütete. Unter dem Namen MARTYRS bekannt, bekam der Zuschauer eine psychologische Studie über Gewalt und ihre erschütternden Folgen zu sehen, die aufgrund schroffer Spezialeffekte für viele Horrorfans als das wohl Härteste gilt, das man in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat. Umso verständlicher die kritischen Stimmen, die sich häuften, als 2011 Informationen über eine Neuverfilmung aufkamen. Die sollte eigentlich der Deutsche DANIEL STAMM inszenieren, der mit THE LAST EXORCISM einen Großerfolg feierte, dieses Projekt aber verließ, weil ihm das Budget zu knapp war. Demzufolge ging das Regiezepter an die Brüder KEVIN und MICHAEL GOETZ, die aus dem bekannten Stoff einen deftigen Horrorstreifen gemacht haben, der aber keineswegs die zermürbende und nervenzehrenden Atmosphäre der Vorlage erreicht.
 
 
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Natürlich greift das Remake eine ähnliche Geschichte auf, wie sie auch der Franzose PASCAL LAUGIER zu Papier und auf Zelluloid gebracht hat. So kann sich die kleine Lucie aus den Fängen einer geheimnisvollen Organisation befreien, die den Menschen Furchtbares antut. Das Mädchen kommt in ein katholisches Waisenhaus und lernt dort Anna kennen, von der sie sich verstanden fühlt. Doch Lucie wird von schrecklichen Dämonen verfolgt, die sich in ihrem Unterbewusstsein manifestiert haben, als sie in ihrem Gefängnis gefoltert wurde. Zehn Jahre später findet die Gepeinigte (jetzt verkörpert von TROIAN BELLISARIO) die Täter und ermordet sie im Vergeltungsrausch. Mit dabei die langjährige Freundin Anna (BAILEY NOBLE aus der Serie TRUE BLOOD), die im Haus der Beschuldigten einen geheimen Gang entdeckt, der in ein unterirdisches Kellergefängnis führt. Dort stößt man auf die kleine Samantha, die hier ebenfalls für mysteriöse Versuche festgehalten wird. Doch ein Ende der Qualen ist nicht in Sicht. Die übrigen Organisationsmitglieder erfahren von der Bluttat, fangen die Mädchen ein und halten sie fest. Für die ohnehin labile Lucie beginnt der Albtraum von Neuem.
 
 
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Typisch amerikanisch, aber ganz okay. Wer mit vorurteilsbehafteter Meinung diese Neuverfilmung sieht, wird eines Besseren belehrt, denn der MARTYS-Aufguss ist nicht so schlecht, wie anfangs befürchtet. Während sich die erste Hälfte so nah wie möglich am Original orientiert, gehen die Goetz-Brüder in den übrigen 45 Minuten eigene Wege. So liegt hier weniger Terror, Angst und Folter im Mittelpunkt, sondern Rache, Adrenalin und Tempo. Der amerikanische MARTYRS ist vornehmlich um aussagekräftige Bilder und plausible Erklärungen bemüht. Das ist dahingegen nicht ungewöhnlich, weil man Zuschauern in Übersee vornehmlich Antworten auf dem Silbertablett servieren muss – vermutlich, um ihre Hirne nicht zu überfordern. Demzufolge werden Beweggründe der Filmsekte genauer studiert und das psychische Martyrium der Filmfiguren in den Hintergrund gerückt. Die schießen sich am Ende mit scharfem Gerät durch eine stattliche Anzahl an Bösewichten und wollen nur eins: in die Freiheit. Leider wirkt die neue Verfilmung nicht lange nach, wohl auch deswegen, weil die psychische Qual von Heldin Lucie nicht sonderlich viel Spielraum erhält. Die darf zwar bis kurz vor dem Abspann überleben, muss aber bis dahin seltsame Versuche über sich ergehen lassen, während Komplizin Anna Forschungsräume mit Lebenssaft der Täter besudelt. Trotz weitaus blutigeren Bildern, bleiben Schockwirkung und unwohliges Magengefühl aus. Stattdessen fiebert der Film zu überhastet seinem Finale entgegen und verliert die Angst und das psychische Ungleichgewicht seiner Hauptdarstellerinnen aus dem Auge. Immerhin: Das alles erreicht zwar nie die psychologische Härte des französischen Originals; kurzweilig ist das Reboot aber erstaunlicherweise allemal. Wer sich bisher nicht an die Vorlage herangewagt hat, weil er schlaflose Nächte befürchtet, sei der Griff zum Remake empfohlen. Das ist nicht perfekt und hinkt dem von PASCAL LAUGIER inszenierten Angstmacher hinterher. Dafür ist es nicht ganz so unerträglich und über weite Strecke spannend – trotz konventionellerer Machart.
 
 
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MARTYRS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Konventionell und nicht so hart, wie der Vorgänger – aber spannend. Vergleicht man den amerikanischen MARTYRS mit der französischen Vorlage, zieht die von den Goetz-Brüdern inszenierte Neuauflage definitiv den Kürzeren. Das überrascht wenig, gehört das französische Terrorstück zum Besten, was das moderne Horrorgenre hervorgebracht hat. Trotzdem, nach vielen missratenen Remakes in den letzten Jahren, sollte man nicht zu vorurteilsbehaftet mit dem 2015er MARTYRS ins Gericht gehen. Zu aller Überraschung kann der neue Film was – nämlich unterhalten. Statt Angst, Terror und Psychoqual stehen im Neuaufguss Tempo, Hektik und Rache auf dem Umsetzungsplan. Das ist zwar nicht gerade das, mit dem die Vorlage ihren Siegeszug angetreten hat. Dennoch, der neue MARTYRS überzeugt als kurzweiliger und packend Inszenierter Überlebens- und Rachethriller in allen Belangen. Leider mangelt es dem Streifen in der zweiten Hälfte an Logik, denn die Figuren verhalten sich auf ihrer Flucht vor bösen Sektenmitgliedern etwas hanebüchen. Zudem fehlen dem neuen MARTYRS psychischen Strapazen, die das Original auszeichneten und unwohliges Baugefühl verursacht haben. Das ist bedauerlich, weil das MARTYRS-Remake trotz souveräner Machart zwar kurzweilige 90 Minuten verspricht; aufgrund fehlender Terror-, Holzhammer- oder Schockmethoden leider nur ein weiterer Rache- und Überlebensthriller unter so vielen bleiben dürfte.
 
 


 
 
 

MARTYRS – Zensur

 
 
 
Während das Original hauptsächlich mit psychischem Terror überzeugen konnte, fehlt der im Remake fast gänzlich. Hier zählen hauptsächlich blutige Schauwerte, die zum größten Teil aus Schussverletzungen mit einer Schrotflinte bestehen. Außerdem gibt es Elektro-Folterung und Menschenverbrennung zu sehen, sowie eine kurze Häutungsszene. Weil es in der zweiten Hälfte sehr hektisch zugeht, verpuffen jedoch die Gewaltdarstellungen im Eifer des Gefechts. Dennoch musste das MARTYRS-Remake geschnitten werden, um eine FSK-Freigabe erhalten zu können. Diese zensierte Fassung besitzt den roten FSK-Flatschen. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

MARTYRS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

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(c) Tiberius Film (Mediabook mit dem Original von 2008 und Remake)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Martyrs; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Trailer, Trailershow, Inside the Creature – Featurette | zusätzlich im Mediabook: Booklet, der Originalfilm Martyrs von 2008

Release-Termin: 03.11.2016 (BD KeepCase und Mediabook)

 

Martyrs – Remake [KeepCase Blu-ray] auf AMAZON bestellen

Martyrs – Original & Remake [Mediabook] auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

MARTYRS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Martyrs (2008)

Eden Lake (2008)

Funny Games (1997)

Menschenfeind (1998)

Inside (2007)

Undocumented (2010)

Filmreview: „Dark Touch“ (2013)

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DARK TOUCH

Story

 
 
 
Die kleine Neve (Missy Keating) hat Furchtbares durchgemacht. Nachdem die Eltern und der kleine Bruder bei einem mysteriösen Ereignis ums Leben gekommen sind, wird sie von den befreundeten Galins aufgenommen und liebevoll betreut. Doch jedwede Form von Zuneigung stößt das verstörte Mädchen mit heftigen Widerstand zurück. Neves Wut und Verzweiflung manifestieren sich in Telekinese und richten unerwarteten Schaden an. Ihre unzugängliche Art stößt bei den Pflegeeltern auf Unverständnis. Während Schulpsychologin Tanya (Charlotte Flyvholm) Neves Verhalten auf elterlichen Missbrauch zurückführt, ist die Pflegemutter schnell am Ende mit ihrem Latein …
 
 
 


 
 
 

DARK TOUCH – Kritik

 
 
 
Frankreich ist immer für eine Überraschung gut. Da schwappte 2003 mit HIGH TENSION (2003) eine neue Terrorwelle über den Globus und ließ die amerikanische Traumfabrik neidvoll nach Europa glotzen. Nun viele Jahre nach Extremhorror Made in France ist es bei unseren Nachbarn recht ruhig geworden, haben sich die bekannteren französische Genre-Regisseure nach Amerika abgesetzt und verdienen sich dort ein goldenes Näschen. Immerhin hat die Französin MARIA DE VAN mit ihrem gar verstörenden Gruselstreifen DARK TOUCH mal wieder frischen Gruselstoff aus Europa in die Kinos gebracht. Der Film ist zwar eine Kooperation zwischen Frankreich, Irland und Schweden steht aber mit seiner gar grausigen Bildsprache jüngsten europäischen Horrorfilmen wie LIVID (Frankreich, 2011), JULIA´S EYES (Spanien, 2010) oder THE AWAKENING (England, 2011) in Sachen subtiler Schrecken in nichts nach. DE VAN hat bereits mit ihren kontroversen Streifen IN MY SKIN (2002) und DONT LOOK BACK (2009) für Aufsehen in der Filmszene gesorgt. Die Filmemacherin kümmert sich in ihren Werken mit einer unbändigen Leidenschaft um das Verhältnis von Frauen zu ihren Körpern. Der Körperhorror ist auch in ihrem ersten englischsprachigen Streifen DARK TOUCH Programm, wobei sich diesmal alles um ein elfjähriges Mädchen dreht, die nach dem sexuellen Übergriff durch ihre Eltern lernen muss, sich neu mit ihrer Umwelt zu arrangieren. Dabei wird der Zuschauer auf erschreckend eindringliche Weise mit den kindlichen Qualen der Hauptdarstellerin konfrontiert, die ihre Wut in Form von Telekinese freien Lauf lassen muss und damit erheblichen Schaden anrichtet. Da sausen Möbel unkontrolliert durch das Kinderzimmer, Scherben zerspringen wie von Geisterhand und Feuer flackert an den Wänden. Wer beim unkontrolliertem Möbelrücken hilflos im Weg steht, wird kurzum ausradiert, wobei natürlich all diejenigen auf der Todesliste stehen, die zuletzt ihrem Spross Böses angetan haben.
 
 
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Auch wenn DARK TOUCH in seinen blutigsten Momenten etwas sehr an BRIAN DE PALMAS CARRIE (1976) erinnert, so ist DE VANS Mystery-Beitrag keines dieser plakativen Splatterfeste, die möglichst viel Tod und Leid auf Film bannen müssen. DARK TOUCH ist eher Drama als Horror. Die wenigen Todesszenen dienen einzig dem Zweck, die hilflose Verzweiflung und das angestaute Leid der kleinen Hauptdarstellerin in Bilder zu packen. Die Tochter von Ex-Boyzone Sänger RONAN KEATING legt in ihrer Rolle als schwer traumatisierte Neve eine erstaunliche Glanzleistung hin. Die kleine Darstellerin spricht zwar wenig, ihre Mimik dafür Bände. Nach den schrecklichen Ereignissen kann das geschundene Mädchen keinerlei Vertrauen aufbauen. Ihre Angst vor Berührungen und Nähe manifestiert sich in unkontrollierbarer Wut und Aggression. Bald schon kann die kleine Seele nicht mehr zwischen guten und bösen Intentionen unterscheiden und beginnt, sich mit ihren Peinigern zu identifizieren. Sie nutzt ihre Fähigkeit, um Anderen zu schaden und eine Kettenreaktion des Verderbens wird in Gang gesetzt, an deren Ende selbst die bestraft werden, die es eigentlich nur gut mit dem kleinen Mädchen gemeint haben. Auch wenn es vielleicht etwas geschmacklos anmutet, die Thematik des Kindesmissbrauchs und der Gewalt innerhalb der Familie zum Mittelpunkt eines Gruselfilms zu machen, so muss man doch Regisseurin MARIA DE VAN zugestehen, dass sie die Thematik mit der angemessenen Ernsthaftigkeit betrachtet. Der Film geht nah, vor allem dann wenn zwischen Neve und der Pflegefamilie scheinbar unlösbare Hindernisse liegen und man sich nicht verständigen kann. Unüberbrückbare Kommunikationsbarrieren treiben Pflegekind- und Familie auseinander und lassen DARK TOUCH ins Desaster driften. Auch wenn die wenigen Szenen des Missbrauchs fast schon poetisch dargestellt werden, ist das was Protagonistin Neve erlebt, schon ziemlich schwer verdaulich. Die Ambitionen der Täter bleiben ungeklärt, die emotionale und psychische Verfassung des Opfers wird in düsterer und leidvoller Bildsprache in den Mittelpunkt gerückt. Leider verderben die letzten zehn Minuten den ansonsten durchweg sehenswerten Mysteryfilm. Das Ende verliert sich in einem sehr überzogenem Horrorfinale und verfängt sich in einer haarsträubenden Mischung aus besagtem CARRIE und DORF DER VERDAMMTEN (1960). Die letzte Szene zeigt sich kompromisslos und hart – hier hätte man sich dann doch lieber in einem Happy End gewähnt. Nichtsdestotrotz ist DARK TOUCH definitiv eine Empfehlung wert und Diskussionsbedarf dürfte nach Sichtung auf jeden Fall gegeben sein!
 
 
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DARK TOUCH – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
DARK TOUCH ist Beweis dafür, dass die besten Filmideen der letzten Zeit aus Europa kommen. Ein eindringlich gespieltes und erschreckend brisantes Gruselstück, das mehr der kontroversen Thematik wegen Magengrummeln verursacht, anstatt aufgrund unheimlicher Bildsprache. DARK TOUCH ist definitiv eines des Gruselhighlights im Filmjahr 2013 – Grandios!
 
 
 


 
 
 

DARK TOUCH – Zensur

 
 
 
DARK TOUCH ist eher Drama als Horror. Es geht hier eher ruhig zugange, wobei auch einige Splatterszenen in typischer CARRIER-Manier gezeigt werden. Selbstzweckhaft sind die jedoch nicht, so dass DARK TOUCH in Deutschland mit FSK16 veröffentlicht wurde. Ungeschnitten versteht sich!
 
 
 


 
 
 

DARK TOUCH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dark Touch; Frankreich, Irland, Schweden 2013

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover und Glanzschuber

Extras: Trailershow, Originaltrailer

Release-Termin: 19.08.2016

 

Dark Touch [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DARK TOUCH – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei MARITIM PICTURES)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Carrie (1976)

Das Dorf der Dammten (1960)

Das Dorf der Verdammten (1995)

The Children (2008)

Teufelskind Jushua (2007)

Filmreview: „I Spit on your Grave 2“ (2013)

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I SPIT ON YOUR GRAVE 2

Story

 
 
 
New York City: Das Model Katie (Jemma Dallender) braucht neue Fotos für die Bewerbungsmappe und gerät dabei an ein krankes Trio von Hobbyfotografen, das die smarte Schönheit vergewaltigen, unter Drogen setzen und nach Bulgarien entführen, wo sie gedemütigt, missbraucht und am Schluss lebendig begraben wird …
 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOUR GRAVE 2 – Kritik

 
 
 
Im Jahre 2010 entfachte das Remake eines schmuddeligen 70er Jahre Streifens allerhand kontroverse Diskussionen. Bereits im Vorfeld sorgte die Neuverfilmung des berüchtigten Rape’n Revenge Schockers I SPIT ON YOUR GRAVE (1978) für ausreichend Furore unter Horrorfans und Skeptikern, wobei er nach Erscheinen nicht nur von Presse und Kritikern zerrissen, sondern in Deutschland in seiner ungeschnittenen Form sogar beschlagnahmt wurde. Da sich Opfer Jennifer Hills (gespielt von SARAH BUTLER) trotz Kontroverse erfolgreich in die Herzen der weltweiten Zuschauer winseln und rächen konnte, war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Sequel folgen würde. Es sind Zeiten lukrativem Folterabfalls und man scheint nach wie vor mit frauenverachtendem Content genug Zaster verdienen zu können, um das Vorhandenseins einer I SPIT ON YOUR GRAVE-Fortsetzung rechtfertigen zu können, denn sieht man einmal von der menschenunwürdigen Quälerei der neuen Hauptdarstellerin und deren Rachefeldzug gegen ihre Peiniger ab, hat I SPIT ON YOUR GRAVE 2 nichts zu bieten, was man nicht bereits im Teil zuvor gesehen hätte. Diesmal muss sich Model Katie (JEMMA DALLENDER) die Blöße geben und sich von drei Vollpfosten aufs ungnädigste demütigen und missbrauchen lassen. Da man als unbedeutendes Model stets mit chronischer Geldnot zu kämpfen hat, kommt eine Anzeige für ein kostenloses Fotoshooting gerade recht. In der Hoffnung ihr Portfolio an aussagekräftigen Bewerbungsfotos kostengünstig erweitern zu können, wählt sie die Telefonnummer der Anzeige und wird auch gleich zu einem Fototermin geladen. Dort läuft den drei widerwärtigen Foto-Amateuren bereits das Wasser im Munde zusammen und Katie wird aufgefordert mehr Haut zu zeigen. Für die selbstbewusste Frau Grund genug, das Shooting wieder zu verlassen. Doch einer der Brüder ist von Katie fasziniert und folgt dem nichtsahnenden Model nach Haus in ihre New Yorker Wohnung. Dort wird sie unter Drogen gesetzt, vergewaltigt und in eine Kiste gesperrt. Als sie wieder erwacht befindet sie sich in einem tristen Kellerloch und erlebt ein wahrhaftiges Martyrium. Sie findet heraus, dass sie nach Bulgarien verschleppt wurde, wo sie sogleich von einem zahlenden Kunden vergewaltigt und mit einem Elektroschocker vaginal penetriert wird. Als die Kerle mit ihrem wehrlosen Opfer nichts mehr anzufangen wissen, wird Katie zusammengeschlagen, erneut in die Kiste gesperrt und lebendig begraben.
 
Man muss schon eine unbeschreibliche Leidenschaft für derartige Filme besitzen, um I SPIT ON YOUR GRAVE 2 überhaupt genießen zu können. Nicht, dass eine solche Leidenschaft etwas erstrebenswertes wäre. Ganz nach der Devise „sensationsgeiler, brutaler und menschenverachtender“ wird in dieser Fortsetzung die Sadismus-Schraube ein wenig fester gedreht, damit der Hobby-Sadist auch ja das zu sehen bekommt, was er von Filmen dieser Gattung erwartet: leidende, wimmernde Opfer, die möglichst lange gequält und misshandelt werden. Der Hauptteil dessen wird natürlich Kandidatin Katie zuteil, die nach knappen 15 Minuten schreiend auf dem Boden liegt und zusehen muss, wie ihr sympathischer Nachbar erbarmungslos erdolcht wird. Danach wird die adrette Hauptdarstellerin vergewaltigt, wobei der grausame Missbrauchsakt in seiner ekelerregenden Detailfreudigkeit dem des Vorgängertitels in nichts nachsteht. Als wäre das nicht schon grausam genug, wird die leidtragende Protagonistin wenig später ein weiteres Mal sexuell missbraucht, während ihr minutiös ein Elektroschocker vaginal eingeführt wird. Die Kamera hält erbarmungslos drauf. Warum derartige Szenen voyeuristisch gefeiert werden müssen, entbehrt jeglicher Logik, bis auf die der Gewaltpornographie. Scheinbar hat die Erwartungshaltung der Zuschauer dazu beigetragen, dass Vergewaltigen in gewaltgeilen Folterzeiten wie diesen einfach nicht mehr ausreicht, um ausreichend schockieren zu können. Umso erstaunlicher, dass dem Gewaltporno trotz haarsträubender Wendungen am Ende doch etwas die Puste ausgeht. Der Racheakt wird erstaunlich kurz und unspektakulär abgehandelt. Waren die Tötungsarten in der Neuverfilmung aus dem Jahr 2010 noch reichlich grotesk, wird die Genugtuung der Protagonistin jetzt erstaunlich realistisch bebildert.
 
STEVEN R. MONROE zeichnet für diesen unnötigen Folter-Aufguss verantwortlich. Der hat bereits den Vorgänger inszeniert und sich gleich mal die Freiheit genommen, den Nachfolger zu drehen. Für Fans des Films durchaus erfreulich, denn MONROE hält mit seinem I SPIT ON YOUR GRAVE 2 konstant den technischen Standard des 2010er Remakes. Trotz neuer Szenerie schaut sein Sequel ebenso düster, dreckig und trist aus, was der kranken Atmosphäre des Films durchaus förderlich ist. Dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass dem Zuschauer mit I SPIT ON YOUR GRAVE 2 ein zwar handwerklich perfektes, aber nicht minder fragwürdiges weiteres Remake des eigentlich 1978er Originals von MEIR ZARCHI serviert wird. Denn damit der Intellekt des Zuschauers nicht zu sehr beansprucht wird, wurden in diesem vermeintlichen Sequel einzig Handlungsort und Namen der Figuren ausgetauscht – der Rest ist wie gehabt. Unterm Strich bleibt ein vollkommen überflüssiger und vor allem austauschbarer Film, der auch hätte ICH JÄTE DEIN GRAB 10 oder ICH HATTE WAS MIT DEM FRIEDHOFSGÄRTNER 23 heißen können und einzig darin Daseinsberechtigung besitzt, Freunde der fragwürdigen Filmkunst für knapp 100 Minuten in das Hirn eines anscheinend verstörten und frauenhassenden Drehbuchautoren zu entführen.
 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOUR GRAVE 2 – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Mehr Gewalt – weniger Story. Ein Film, der mehr Remake statt Fortsetzung ist und der vermutlich nur existiert, damit Filmsammler prahlen können, welch derbes Filmchen sie doch im Regal stehen haben!
 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOUR GRAVE 2 – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung zu I SPIT ON YOUR GRAVE 2 ist geschnitten. Wer den Film ungekürzt sehen möchte, muss einmal mehr den Umweg über Österreich in Kauf nehmen. Dort wird der Film ungekürzt angepriesen. Der Film wird definitiv zeitnah in seiner ungeschnittenen Variante beschlagnahmt werden!
 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOUR GRAVE 2 – Trailer

 
 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
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