Kritik: „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ (2013)

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ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN

Story

 
 
 
Der Planet Arkanar ist der Erde in fast jeder Hinsicht gleich. Der einzige gravierende Unterschied ist die Entwicklungsstufe, in der er sich befindet. Der Stand von Flora und Fauna liegt im Vergleich zu unserem Heimatplaneten etwa 800 Jahre in der Vergangenheit. Folglich steht dem fremden Planeten die Renaissance, die die Menschheit in ein neues kulturelles und intellektuelles Zeitalter katapultiert hat, noch bevor. Eine Gruppe von Wissenschaftlern wird nach Arkanar geschickt um die dortigen Verhältnisse zu beobachten. Unter ihren bäuerlichen Mitmenschen leben sie als Gottheiten, verehrt von den Einheimischen. Allerdings dürfen sie unter keinen Umständen in die Entwicklung von Arkanar eingreifen. Für den Protagonisten Don Rumata (Leonid Yarmolnik) stellt diese Maßgabe eine besonders große Herausforderung dar, als die Intellektuellen seiner Zeit in Gefahr geraten. In seiner Rolle als Gott muss er entscheiden, ob und wie er das Schicksal des Planeten beeinflusst.

 
 
 


 
 
 

ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN – Kritik

 
 
 
Der Weg, den der russische Science-Fiction-Film bis zur deutschen Kino- und Heimkinoveröffentlichung zurückgelegt hat, ist schier unglaublich. Es grenzt an ein Wunder, dass „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ das Licht der Welt erblickt hat. Um sich dem vollen Ausmaß dieses außergewöhnlichen Films bewusst zu werden, ist es essentiell, ein Blick hinter die Kulissen zu werfen und sich mit der Geschichte des Films zu befassen. Das reichhaltige Bonusmaterial, das der deutschen Veröffentlichung beiliegt, ist ein guter Anhaltspunkt. Man erfährt, dass Regisseur Aleksei German schon 1968 mit Plänen begonnen hat, den gleichnamigen Roman der Schriftsteller Arkady und Boris Strugatsky zu verfilmen. Was folgt ist eine schier unendliche Geschichte, die mit den politischen Entwicklungen Russlands im 20. Jahrhundert verknüpft ist. Zahlreiche Machtwechsel und der Fall der Sowjetunion haben die Produktion des Films aufgeschoben, 1989 entstand unter der Regie Peter Fleischmanns gar eine deutsch co-produzierte Adaption. Im Jahr 2000 begannen in Tschechien schließlich die Dreharbeiten, die sich über mehrere Jahre und einige Unterbrechungen hinzog. Nach sechs Jahren war der Dreh abgeschlossen und „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ begann eine langwierige Postproduktion. Leider war es Aleksei German, der den Film als sein definierendes Werk verstanden hat, nicht vergönnt, die fertige Fassung zu sehen. Er starb im Februar 2013, einige Monate vor der Weltpremiere. Fertiggestellt wurde der Film von Germans Witwe und dem gemeinsamen Sohn. Mit der deutschen Veröffentlichung von „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ geht somit eine fast 50-jährige Geschichte zu Ende. Die Geschichte der vermutlich kompliziertesten und langwierigsten Filmproduktion seit Entdeckung des Mediums.
 
 
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Der Film selbst ist nur schwer in Worte zu fassen. Er wird bestimmt von einer akribisch konstruierten mittelalterlichen Welt, die auf der Leinwand und dem Bildschirm so lebendig wird, dass man den allgegenwärtigen Dreck fast schmecken kann. Ein dichter Nebel liegt über der fremden, abstoßenden Welt von Arkanar. Die audiovisuelle Wucht des Films erinnert nicht selten an alte Gemälde, die eine der düstersten Episoden der Geschichte zeigen. Hier bekommt das Mittelalter einen Puls verpasst, der in jedem, sorgfältig ausgestatteten Szenenbild und in der dichten Tonkulisse spürbar ist. Aleksei Germans Opus ist ein sperriger und komplizierter Film, der selbst für hartgesottene Cineasten eine Zerreißprobe ist. Über drei Stunden bombardiert der Film sein Publikum mit schwarz-weißen Bildern, die trotz der ekligen Welt absolut faszinierend daherkommen. Die wahre Herausforderung liegt dabei nicht unbedingt in der unangenehmen Atmosphäre des Films, sondern vielmehr in seiner Handlungsebene. Es empfiehlt sich, vorher eine Zusammenfassung der Geschichte zu lesen, da man ihr während des Films nur schwer folgen kann. Die „Bedienungsanleitung“, die der deutschen Veröffentlichung in Form eines Booklets beiliegt, ist ein hervorragender Ausgangspunkt hierfür. Doch selbst wenn man die Handlung im Voraus kennt, verlangt „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ von seinem Zuschauer eine unglaublich hohe Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne.
 
 
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Geht man einen Schritt zurück, handelt es sich bei Germans Meisterwerk um einen russischen Science-Fiction-Film, der sich in der Tradition des frühen Andrei Tarkovsky verstehen dürfte. Sein mittelalterliches Setting nutzt er, um Grundfragen philosophischer, ethischer und politischer Natur zu stellen. Auf der Basisebene behandelt der Film den inneren Konflikt von Don Rumata, der zwischen Verantwortung und Mission hin- und hergerissen ist. Die Frage des vergötterten Führers, inwiefern er in die Entwicklung Arkanars und seiner Bevölkerung eingreifen soll, ist zeitlos und lässt sich ohne Mühe auf politische Diskussionen der Gegenwart beziehen.
 
 
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ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
„Es ist schwer, ein Gott zu sein“ ist ein Film, der mit Vorsicht genossen werden muss. Keineswegs ist er eine cineastische Mahlzeit für zwischendurch. Er ist ein höchst außergewöhnliches Kunstwerk, und das in jedem Belang. Dazu gehören die epische Geschichte seiner Produktion, sein kompliziertes Konstrukt aus ethischen Grundsatzfragen und nicht zuletzt auch seine beeindruckende Optik. Dem Gelegenheitsgucker sei Aleksei Germans Film nur bedingt empfohlen. Für Freunde von anspruchsvoller Science Fiction und gehobener Filmkost ist er jedoch ein Juwel, das unter keinen Umständen verpasst werden sollte.
 
 
 


 
 
 

ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN – Zensur

 
 
 
„Es ist schwer, ein Gott zu sein“ ist in seiner ungeschnittenen Form in Deutschland ab 16 freigegeben. Freunde ungewöhnlicher Filme können demnach bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

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(c) Bildstörung

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Trudno byt bogom; Russland 2013

Genre: Drama, Science Fiction

Ton: Russisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.66:1 (1080p) | s/w | @24 Hz

Laufzeit: ca. 177 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover – Erstauflage im Schuber

Extras: Filmbegleitendes Gespräch mit Barbara Wurm und Olaf Möller (Deutsch), „Aleksei German“ – Interview von 1988 mit dem Regisseur (45:18 Min.), Dokumentarfilm „Jenseits der Kamera“ (51:59 Min.), Dokumentarfilm „Germans Blutdruck ist heute 122/85“ (42:41 Min.), Interview mit Drehbuchautorin und Witwe des Regisseurs Svetlana Karmalita (37:00 Min.), Interview mit Aleksei German Jr., Sohn des Regisseurs (9:35 Min.), „Die Geschichte des Arkanar-Massakers“ (Englisch mit dt. UT, 27:14 Min.), Kinotrailer zum Film (1:46 Min.), Bildergalerien, 40-seitiges Booklet

Release-Termin: 27.11.2015

 

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ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN – Trailer

 
 


 
 
 

Timo Löhndorf

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Ähnche Filme:
 
Es ist nicht leicht ein Gott zu sein (1989)
 
Solaris (1972)
 
Andrej Rublev (1966)

Filmreview: „The Raven“ (2012)

The Raven
 
 

The Raven

Story

 
 
 
Das Amerika des 19. Jahrhunderts – düster, kühl und unheimlich. Inmitten dessen seltsam verstümmelte Leichenfunde, zu deren Handlungen es keine Verbindungen zu geben scheint. Als in einem abgeschlossen Zimmer die ermordeten Körper einer Mutter und deren Tochter entdeckt werden, gerät der ermittelnde Polizeidetektiv „Emmett Fields“ abermals in Erklärungsnot. Dennoch, schnell findet er groteske Parallelen zu einem fiktiven Mord aus der Horrorgeschichten-Sammlung des geächteten Schriftstellers Edgar Allan Poe, der zugleich als Tatverdächtiger vernommen und verhört wird, aber letztendlich seine Unschuld beweisen kann. Nur wenige Tage später werden erneut grausig zugerichtete Leichen gefunden, die allesamt eine Gemeinsamkeit vorweisen können: ihre Darstellung entspricht genau den detailliert beschriebenen fiktiven Morden der Werke des Horrorautoren. In seiner Ratlosigkeit bittet Shilds den Autoren um Mithilfe um den mysteriösen Fall zu lösen und den wahnsinnigen Serienkiller zu stellen. Doch kaum mit den Ermittlungsarbeiten begonnen, verschwindet die Verlobte des Schriftstellers …
 
 
 


 
 
 

The Raven – Kritik

 
 
 
Nach „Sherlock Holmes“ und „Abraham Lincoln“ darf nun ein weitere „Superheld“ aus Literatur und Politik auf Verbrecher- und Monsterjagd gehen. Dass es sich bei „The Raven“ ebenfalls um kein ernstzunehmendes autobiografisches Werk handelt und das simpel zusammengeschusterte Story-Fragment einzig aus den „kreativen“ Köpfen phantasiebegabter Drehbuchautoren und kommerz-orientierter Filmbosse entsprungen sein muss, dürfte findigen Filmfreunden bereits bei Sichtung der Inhaltsangabe aufgefallen sein, liest diese sich doch verdammt hanebüchen. In der aktuellen Genre-Produktion „The Raven“ verschlägt es den Zuschauer diesmal nicht in das düstere und dreckige England des 19. Jahrhunderts, sondern nach Übersee Amerika, dass in seiner tristessen, vernebelten und unheimlichen Darstellung wie für einen Serienkiller-Film dieses Kalibers geschaffen zu sein scheint. Und in der Tat, das Setting weiß vollends zu überzeugen, nie zuvor war das Amerika vor über 150 Jahren ungemütlicher, gespenstiger und dreckiger, als es der Zuschauer letztendlich in „The Raven“ eindrucksvoll zu Gesicht bekommt. Filmliebhaber des „Jack the Ripper“-Thrillers „From Hell“ aus dem Jahre 2001 dürfen sich überraschenderweise schnell heimisch fühlen, scheint die Ausstattung und das Bühnenbild der beiden Filme erstaunlicherweise wie aus einem Guss gefertigt. Gruselfeeling ist definitiv Programm, auch wenn in „James McTeigue´s“ aktueller Regiearbeit weniger der Horror Einzug hält, sondern dieser Thriller mit geradlinigem und spannendem Suspense überzeugen möchte. Bedingt ist das „The Raven“ auch herrlich unheimlich geglückt. Das muntere „Wer-ist-der-Mörder“-Ratespiel zieht sich, trotz minimaler Vorhersehbarkeit, spannend hindurch bis zum plausiblen Schluss, wobei der eigentlich Reiz in „The Raven“ die recht fragwürdige Art und Weise darstellt, mit welcher der Killer seine Taten plant, dokumentiert und ausübt. Fast schön möge der Filmfreund denken, er hätte sich in einer mittelalterlichen Episode des „Saw“-Franchise verirrt, denn einige der Greueltaten des überaus erfinderischen Serienkillers erstrahlen in unglaublich zeigefreudigem Sadismus, der mit blutroten Lebenssaft und markerschütternden Angstschreien nicht geizt. Leider sind diese optisch recht ansprechend in Szene gesetzten Mordszenen rar gesät, was den Sehgenuss gerade für blutgierige Gorehounds und Horrorfilmfans ein wenig schmälert, zumal der Zuschauer oftmals nur das Resultat eines Kills erlebt, den eigentlichen Umstand des Todes jedoch fast nie. Trotzdem, die akribisch durchdachte Planung des Mörders und das spektakuläre Einbeziehen der Kurzgeschichten Edgar Allan Poes in seine fragwürdigen Handlungen, machen erstaunlich Laune.
 
Ob nun in einem Sarg lebendig begraben, wie in „Lebendig begraben“ oder von einem schwingenden Pendel, ähnlich wie in „Die Grube und das Pendel“ unpraktisch halbiert zu werden, – fast alle wichtigen und bekannten Poe-Werke bahnen sich ihren Weg in den Film und finden Einsatz beim frivolen Ableben der nur wenigen Protagonisten. Dass sich gerade aufgrund der straffen, auf Suspense getrimmten Inszenierung, diverse Filmfehler in die Geschichte eingeschlichen haben, mag man „The Raven“ verzeihen. Denn von modernen forensischen Beweis- und Untersuchungstechniken (Haarproben, Fingerabdrücke etc. pp)scheinen die Wissenschaftler und Polizeibeamten im Jahre 1849 noch nicht einmal ansatzweise etwas gewusst zu haben, ganz geschweige davon, dass es in dieser Zeit überhaupt schon souverän geführte Polizeiämter, oder Detektiv-Büros gegeben hätte.
 
Mit „The Raven“ erhält der Zuschauer einen soliden und recht kurzweiligen Horror-Thriller, der einmal mehr Realität mit Fiktion vermischt. Unter dem Deckmantel einer fiktiven Biografie über die letzten Lebenstage des berüchtigten Schriftstellers Edgar Allan Poe serviert Regisseur James McTeigue dem Zuschauer recht unterhaltsame und arg düstere Serienkiller-Kost, die aber wenig bis kaum etwas mit dem wirklichen Leben des Horror-Legende zu tun hat. John Cusack, als versoffen zynischer Zeitgenosse und mittelloser Schriftsteller, spielt die Rolle des „Edgar Allan Poe´s“ verdammt souverän und selbstsicher, ganz so als hätte er in seinem Leben bisher nichts anderes zum Besten gegeben. Ob dennoch hinter seinem überzeugenden Schauspiel überhaupt ein Fünkchen Wahrheitsgehalt steckt, und ob der Echte „Poe“ wirklich ein derart zynisch-versoffener Zeitgenossen gewesen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Nichts desto trotz will man als Filmfan nicht meckern, denn „The Raven“ ist gar nicht mal so übel, wie anfänglich gedacht. Die Ausstattung ist grandios, die Kostüme pompös und die Inszenierung spannend, echten Höhepunkte vermisst man stattdessen schmerzlichst – wären die Mordszenen etwas prägnanter und zeigefreudiger ausgefallen und wäre das Finale etwas runder und pompöser inszeniert worden, hätte aus „The Raven“ ein echter Hit werden können. So jedoch bleibt der Ausflug in das düstere Amerika des 19. Jahrhunderts einmal mehr kurzweilige Durchschnittskost, die man zwar einmal gesehen hat, aber danach ebenso schnell wieder aus dem Gedächtnis radiert! Schade!
 
 
 


 
 
 

The Raven – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Guter Serienkiller-Film, bei dem jedoch dennoch das gewisse Etwas vermisst und dem prägnante Höhepunkte fehlen.
 
 
 


 
 
 

The Raven – Zensur

 
 
 
Im Film selbst sieht man nur die Resultate der Morde, aktives Morden wird nur in 2 Szenen optisch ausgereizt, welches zudem auch noch arg krude zur Schau gestellt wird. Aufgrund der sadistischen „Pendel“-Szene wurde der Film aktuell von der FSK ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben.
 
 

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The Raven – Trailer

 
 


 
 

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