Filmkritik: „Dark Light“ (2019)

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DARK LIGHT

Story

 
 
 

Eine junge Mutter zieht in das Haus aus ihrer Kindheit und erlebt dort einen Neuanfang des Schreckens.

 
 
 


 
 
 

DARK LIGHT – Kritik

 
 
 
Einmal Horrorfilm-Macher, immer Horrorfilm-Macher. PADRAIG REYNOLDS erfüllt das Klischee von jenen Regisseuren, die mit dem Inszenieren von Horrorschockern Erfolg haben und damit nicht mehr aufhören können. Der bekam mit dem Genre-Werk RITES OF SPRING den Fuß ins Filmgeschäft und legte anschließend mit nicht minder gruseliger Ware wie THE DEVIL’S DOLLS und OPEN 24 HOURS nach. Mittlerweile sind wir bereits bei Spielfilm Nummer vier angekommen und der ist – man mag es nicht glauben wollen – wieder ein Horrorthriller. DARK LIGHT nennt sich das Ganze und sollte ein Okkult-Schocker mit Dämonen werden. Doch die Idee zu THE DEVIL IS REAL – so der anfängliche Titel – war den Produzenten zu abgedroschen. Deshalb bat man Regisseur PADRAIG REYNOLDS darum, das Skript umzuschreiben und daraus einen Kreaturenfilm zu machen. Ein Vorschlag, der bei genanntem Filmemacher Anklang fand. Der wollte schon immer ein Creature-Feature machen und ging mit seiner Idee zu Kumpel AARON SIMS, der bereits Spezialeffekte für Kinohits wie READY PLAYER ONE und PLANET DER AFFEN beigesteuert hat. Der kreierte zusammen mit seinem Team ein groteskes Wesen, das sich durchaus sehen lassen kann – zumindest, wenn man es nicht bei voller Ausleuchtung zu Gesicht bekommt.
 
 
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Annie Knox (JESSICA MADSEN aus LEATHERFACE – THE SOURCE OF EVIL) muss noch einmal neu anfangen. Der Gatte hat sie betrogen und die Mutter ist plötzlich verstorben. Die Folge: ein Nervenzusammenbruch. Deshalb zieht sie aus der gemeinsamen Wohnung aus und nimmt Tochter Emily mit in das Landhaus der verstorbenen Mutter weit abseits der Stadt. Hier inmitten von Maisfeldern und Wäldern ist es still, hier will die gekränkte Frau wieder neue Kraft tanken. Doch daraus wird so schnell nichts. Kaum eingezogen, passieren seltsame Dinge. In der Nacht ziehen Lichtkegel um das Haus und mysteriöse Schritte sind zu hören. Hinzukommt, dass die kleine Emily immer wieder von starkem Nasenbluten geplagt wird. Sind hier übernatürliche Kräfte am Werk? Zumindest ist sich Annie Knox ganz sicher. Doch niemand will ihr Glauben schenken – nicht einmal die Polizei.
 
 
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Effektives Verwirrspiel. Die große Stärke von DARK LIGHT liegt in der Tatsache, dass lang unklar bleibt, um was es denn nun wirklich in diesem Film geht. Wird die junge Mutter tatsächlich von boshaften Wesen terrorisiert oder sind die Erscheinungen alles nur psychische Manifestationen einer gestressten Frau, die – ähnlich wie im Mysterythriller DER BABADOOK – einfach überfordert mit ihrer aktuellen Situation ist? Regisseur PADRAIG REYNOLDS hebt sich die Antworten darauf bis zum Finale auf und verwirrt den Zuschauer mit immer wieder unheimlich ausgeleuchteten Konfrontationen zwischen der Filmheldin und obskuren Kreaturen, die die Frage in den Raumen werfen, ob das alles echt oder nur Einbildung ist. Apropos Ausleuchtung: DARK LIGHT tischt in Sachen Atmosphäre groß auf. Der Streifen ist von allgegenwärtiger Dunkelheit umhüllt. Ab und an huschen eigensinnige Schatten durch die Kamera. Seltsame Lichtstrahlen und ein unheimlicher Klangteppich sorgen für dichte Atmosphäre. Da kann nichts mehr schiefgehen – oder?
 
 
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DARK LIGHT verfügt über gute Voraussetzungen für einen schaurigen Filmabend. Leider kann DARK LIGHT das hohe Gruselniveau nicht bis zum Abspann halten. Der Streifen wandelt beim Showdown auf konventionellen Pfaden. Vorbei der bedachte Aufbau von Gruselstimmung, Schluss mit doppeldeutigem Verwirrspiel. PADRAIG REYNOLDS entscheidet sich für den Massengeschmack und macht Nägel mit Köpfen. Die Antworten werden auf dem Silbertablett serviert und sind etwas sehr platt, generisch und vorhersehbar geraten. Als wäre das nicht alles schon ärgerlich genug, wird das Publikum auch noch durch hektische Bilder und (zu) laute Schockmomente verschreckt. Letztere werden beinahe inflationär eingesetzt und reißen oft wegen der Lautstärke aus dem Filmsessel. Somit könnte DARK LIGHT auch ein beliebiger Schocker aus dem amerikanischen BLUMHOUSE STUDIOS sein. Dort zählen durchgestylte Filme mit makellosen Jungdarstellern und aggressiven Schocks mehr, als frische Ideen aus den Köpfen kreativer Drehbuchautoren.
 
 
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DARK LIGHT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Anfangs Psychothriller, später Spukhausfilm, am Ende Kreaturen-Horror. DARK LIGHT ist ein atmosphärisch dichter Horror-Mix, der aber nach einem starken Auftakt so ziemlich hanebüchen wird. Dabei macht es das Creature-Feature vielen Horrorfilmen gleich, die es zu gut mit dem Zuschauer meinen. Die meisten Filmemacher legen sich anfangs ins Zeug, um möglichst gruselige Stimmung zu erzeugen. Leider sieht man sich nicht selten im Finale gezwungen, Selbiges mit Pauken und Trompeten abschließen zu müssen. Da überschlagen sich die Ereignisse und der Film muss zwangsläufig im lauten Effektegewitter enden. Dieser generische Ablauf ist auch in DARK LIGHT Programm. Anfangs wohlig schaurig, wird es vorm Abspann hektisch, laut und überladen. Aber das ist nicht der einzige Punkt, der übel aufstößt. DARK LIGHT erinnert stark an DEVIL’S GATE aus dem Jahr 2017. Auch darin wird ein junger Mann mit mysteriösen Dingen in einem Landhaus konfrontiert. Beinahe alles wurde aus genanntem Sci-Fi-Horror stibitzt: die Handlung, die Kulisse – selbst der Look. Das ist irgendwie frech.
 
 
 


 
 
 

DARK LIGHT – Zensur

 
 
 
DARK LIGHT hält sich in Sachen Gewalt zurück. Die Monster im Film knappern etwas an menschlichen Körpern herum. Ansonsten kommt mal kurz ein Schrottgewehr zum Einsatz. Hierzulande ist locker eine FSK16 drin.
 
 
 


 
 
 

DARK LIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Devil’s Gate (2017)
 
Extraterrestrial (2014)
 
A Dark Place (2018)
 
Vergeltung – Sie werden Dich finden (2006)
 
The Hole In The Ground (2019)
 

Filmkritik: „The Young Cannibals“ (2019)

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THE YOUNG CANNIBALS

(EATEN ALIVE!)

Story

 
 
 

Ein Monster macht Jagd auf junge Leute, die versehentlich von einer Leckerei genascht haben, von der sie besser die Finger gelassen hätten.

 
 
 


 
 
 

THE YOUNG CANNIBALS – Kritik

 
 
 
Wenn man von sogenannten Creature-Features hört oder liest, schwant alteingesessenen Horrorfilmfans Schlimmes. Dabei handelt es sich in der Regel um Filme in denen Monster ihr Unwesen treiben. In der Vergangenheit produzierten vor allem THE ASYLUM und SYFY derart Werke, die nicht unbedingt einen guten Ruf unter Fans des Genres genießen. Doch das schlechte Image kommt nicht von Ungefähr. Genannte Produktionsfirmen haben sich seit jeher nicht durch Qualität ins Gedächtnis der Zuschauer brennen können. Stattdessen drehte man günstige Horrorfilme am Fließband, die sich vor allem durch schlechte Effekte, untalentierte Schauspieler und sinnbefreite Drehbücher auszeichneten. Dass da mittlerweile auch Produktionen darunter leiden, die rein gar nichts mit genannten Trash-Fabriken zu tun haben, ist eine traurige Entwicklung. Viele (unerfahrene) Horrorfilmfans bringen nämlich Monsterkino gleichzeitig mit Trash in Verbindung – ob berechtigt oder nicht. Eine Tatsache, die auch dem Horrorthriller THE YOUNG CANNIBALS das Leben schwer machen dürfte. Von Trash ist die britische Produktion weit entfernt. Stattdessen wird spannendes Monsterkino geboten, das sich als Liebesbrief an das Horror-Genre entpuppt.
 
 
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Den 20. Geburtstag hat sich Nat (MEGAN PURVIS aus DON’T KNOCK TWICE) ganz anders vorgestellt. Die leidet unter Depressionen und sitzt nach einem gescheiterten Selbstmordversuch in der Psychiatrie. Aber gut, dass es Freunde gibt. Die verhelfen der jungen Frau zur Flucht, damit man an einem abgelegenen See feiern, trinken und kiffen kann. Da kommt ein kleiner Geburtstagssnack geradezu recht. Den bekommen die Kumpels von einem spendablen Einheimischen in Form von Hamburgerfleisch serviert. Doch das kulinarische Präsent hat seine Tücken. Statt Tierfleisch beinhaltet es das Fleisch von ermordeten Menschen, denn der Spender outet sich als Kannibale. Letzterer verfolgt mit der Tat eigene Interessen. Ein Monster hält die Gegend auf Trab. Das macht ausschließlich Jagd auf Kannibalen. Da nun Nat und Anhang unbeabsichtigt Menschenfleisch gegessen haben, befinden sich nun die Freunde im Fokus der erbarmungslosen Kreatur. Was folgt, ist für unsere Helden eine Nacht des Grauens, denn inmitten von Wald und Wiesen ist man als Monsterbeute nirgendwo sicher.
 
 
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Da weckt ein Titel falsche Erwartungen. Was einen Kannibalenfilm vermuten lässt, ist alles andere – nur nicht das. THE YOUNG CANNIBALS ist im Subgenre der Monsterfilme beheimatet und lässt eine Gruppe junger Leute vor dem Tod davonlaufen. Der tritt als Monster in Erscheinung, dessen Leibspeise es ist Menschen zu zerreißen, die gern Menschenfleisch verspeisen. Dass da nicht unbedingt das Hirn eingeschaltet werden muss, dürfte klar sein. Doch THE YOUNG CANNIBALS – der übrigens anfangs EATEN ALIVE heißen sollte und wegen der Titelgleichheit zu Tobe Hoopers Film aus dem Jahr 1976 umbenannt werden musste – ist deshalb nicht unbedingt schlecht. Klar verbringt der Streifen einen Großteil seiner Handlung damit, dass ahnungslose Leute vor dem Unbekannten davonlaufen und nacheinander in Stücke gerissen werden. Doch die Regisseure KRIS CARR und SAM FOWLER halten sich bedeckt. Im Dunkel der Nacht bleibt lang verborgen, wer da den Freunden an die Innereien möchte. Da verschwinden die Kumpels wie von Zauberhand von der Bildoberfläche und mysteriöses Keuchen deutet darauf hin, dass in den Wäldern etwas haust, das weit weg von normal ist.
 
 
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THE YOUNG CANNIBALS erinnert an so Schocker wie THE DESCENT oder DOG SOLDIERS, wobei in erster Linie die souveräne Inszenierung verblüfft. Atmosphärische Kameraeinstellungen, routinierter Schnitt, gelungene Spezialeffekte und ein fesselnder Synthesizer-Score deuten auf Expertenarbeit hin. Doch dem ist nicht so. Hinter dem kurzweiligen Überlebenstrip stecken unerfahrene Newcomer, die sogar Kredite abschlossen, um den Traum vom ersten Langfilm erfüllen zu können. Die Macher KRIS CARR und SAM FOWLER schlossen vor einiger Zeit erst ihr Studium an der Filmhochschule Bournemouth ab und outeten sich in Interviews als Horrorfilmfans. Die wollten selbst mal einen typisch amerikanischen Horrorfilm drehen und holten sich Inspirationen bei so Kultware wie CABIN FEVER, EVIL DEAD, BLAIR WITCH PROJECT und den bereits oben genannten Horror-Hits von der Insel. Aus all diesen Horrorfilmen stibitzten sie sich die besten Zutaten für den ersten eigenen Langfilm und drehten selbigen zusammen mit 30 weiteren Absolventen der gleichen Uni.
 
 
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Was dabei entstanden ist, lässt selbst alteingesessene Horrorfilmkenner erstaunen. Das ist Low-Budget? Niemals! THE YOUNG CANNIBALS ist schnörkelloses Monsterkino, das auf Trapp hält. Es wird geschrieen, gewimmert und gerannt. Praktische Effekte lassen längst vergangene Zeiten aufleben und zeigen vor was man sich hier verbeugt. Es sind die experimentellen 1980er, wo man vor allem im Horrorfilm mit kreativen Spezialeffekten die Aufmerksamkeit des Publikums für sich gewinnen konnte und gleichzeitig Jugendschützer in Alarmposition versetzte. Die Liebe zur Handarbeit hat aber seinen Grund. KRIS CARR und SAM FOWLER sahen sich auf Rat eines Kommilitonen diverse frühere Werke des verehrten PETER JACKSON an. Der fasste bekanntlich durch blutige Splatter-Eskapaden Fuß im Filmgeschäft. Das imponierte den beiden Neulingen und sie hatten eine Menge Spaß mit so Filmen wie BAD TASTE und BRAINDEAD aus dem umfangreichen Repertoire des Neuseeländers. Das hatte zur Folge, dass handgemachte Effektarbeit eben auch den ersten Langfilm hervorheben sollte. Betrachtet man sich das Filmmonster genauer, dürfte man schnell zur Erkenntnis kommen, dass die beiden Newcomer ihre Hausaufgaben mit großer Sorgfalt erledigt haben. Der Bösewicht glänzt nicht nur durch außergewöhnliche Fähigkeiten, sondern auch durch kreatives Design. Da können sich manch andere Filmemacher eine Scheibe abschneiden, die sich trotz des Erzählens der immer gleichen Geschichten nicht einmal mehr die Arbeit machen zumindest dem Filmbösewicht ein frisches und kreatives Design zu verpassen.
 
 
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THE YOUNG CANNIBALS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein Creature-Feature von Horrorfans für Horrorfans. THE YOUNG CANNIBALS ist ehrliches Monsterkino fürs Heimkino, das das Maximum aus seinem kleinen Budget herauskitzelt. Nichts mit billig. Den Low-Budget-Status sieht man diesem Horrorfilm keineswegs an – und das, obwohl unter Schwerstbedingungen gedreht werden musste. Die Dreharbeiten fanden während eines Tornados im amerikanischen Snowdonia-Nationalpark statt. Trotzdem schaut alles nach mehr aus, als es letztendlich gekostet hat. Dabei im Fokus: ein gelungen designtes Monster, das Potenzial für so einige Fortsetzungen besitzen dürfte. THE YOUNG CANNIBALS ist Anfängerarbeit und das sieht man diesem Film keineswegs an. Ob Soundtrack, Schnitt oder Kameraarbeit – hier waren Liebhaber des Genres am Werk. Die Regisseure KRIS CARR und SAM FOWLER setzten auf Oldschool und liefern dabei eine liebevolle Hommage an das Horrorkino der 1980er ab. Statt Computertechnik und CGI wird auf Handgemachtes zurückgegriffen. Schon aufgrund dieser Tatsache dürfte der atmosphärische THE YOUNG CANNIBALS bei vielen Horrorfilmfans ein Stein im Brett haben.
 
 
 


 
 
 

THE YOUNG CANNIBALS – Zensur

 
 
 
THE YOUNG CANNIBALS ist nicht sehr blutig. Die Protagonisten werden zwar nach und nach von einem Monster in Stücke gerissen. Ausufernde Splatter-Exzesse werden aber nicht gezeigt. Hinzukommt, dass der Streifen zu einem großen Teil bei Dunkelheit spielt. Da kann man diverse Spezialeffekte nicht immer genau erkennen. Hierzulande dürfte THE YOUNG CANNIBALS eine FSK16 erhalten. Das deutsche Label INDEED FILM hat sich die Auswertungsrechte für Deutschland gesichert und möchte den Film Anfang 2020 veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

THE YOUNG CANNIBALS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Bad Taste Pictures | Indeed Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Primal Rage (2018)
 
Jeepers Creepers 3 (2017)
 
SiREN (2016)
 
Feed the Gods (2014)
 
Exists (2014)
 
Neverknock (2017)
 
Scarecrows (2017)
 
Scarecrow – Das Grauen stirbt nie (2013)
 

Filmkritik: „The Cleanse“ (2016)

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THE CLEANSE

(THE MASTER CLEANSE)

Story

 
 
 

Neustart mit Hindernissen: Ein seltsames Programm soll Menschen von ihren Sorgen befreien und ein neues, besseres Leben ermöglichen. Doch dieser Kurs hat auch seine Tücken, wie der desorientierte Mittdreißiger Paul herausfinden muss.

 
 
 


 
 
 

THE CLEANSE – Kritik

 
 
 
Es ist immer wieder überraschend, wen man so alles in Indie-Horrorfilmen wiedertrifft. Nicht selten geben sich nämlich namhafte Schauspieler die Ehre und tauchen in Filmen auf, die sich eher auf einen kleinen, nischigen Publikumskreis konzentrieren. Zuletzt geschehen in der Romanverfilmung I AM NOT A SERIAL KILLER. Darin gab es ein Wiedersehen mit Zurück-in-die-Zukunft-Star CHRISTOPHER LLOYD, der sich offenbar nicht zu schade war, auch mal in einem Horrorfilm mitzuwirken, welcher nicht unbedingt für den Massenmarkt gemacht wurde. Gleiches trifft nun auch auf den vorliegenden THE CLEANSE (Arbeitstitel: THE MASTER CLEANSE) zu. Dabei handelt es sich ebenfalls um unabhängig produzierte Genre-Ware, die gleich zwei bekannte Gesichter zu bieten hat. Zum einen wäre da JOHNNY GALECKI, der sich vor allem durch Rollen in Erfolgsserien wie ROSEANNE und THE BIG BANG THEORY in die Hirne der Zuschauer brennen konnte. Zum anderen lässt sich Oscar-Preisträgerin ANJELICA HUSTON blicken. Die war während der 1990er und 2000er in einigen sehr erfolgreichen Kinostreifen zu sehen. So verwandelte sie in HEXEN HEXEN als Oberhexe Kinder in Mäuse und übernahm in der Kinoadaption zur beliebten TV-Serie ADDAMS FAMILY die Rolle der Morticia Addams. Auch in THE CLEANSE hinterlässt sie einen nicht minder prägnanten Eindruck. Hier spielt sie die Leiterin eines ominösen Programms, das Menschen wieder zurück auf die rechte Bahn bringen soll. Kleiner Film – große Stars. Da kann eigentlich nichts schiefgehen. Oder etwa doch?
 
 
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Ein ungewöhnlicher Neubeginn. Der Mittdreißiger Paul weiß nicht mehr weiter. Offenbar hat er einen Punkt in seinem Leben erreicht, an dem er nicht mehr weiterkommt. Er hat den Job verloren und auch das Beziehungsleben sieht alles andere als rosig aus. Da kommt ihm eine Werbung geradezu recht, die im Nachtprogramm über den TV-Bildschirm flimmert. Ein kostenloser Kurs verspricht den Start in eines neues Leben durch Befreiung innerer Dämonen. Eine Chance, die der desorientierte Paul nutzen will. Er trägt sich für das vielversprechende Programm ein und wird zusammen mit drei anderen Teilnehmern in ein mysteriöses Camp gebracht. Dort müssen die Probanden seltsame Flüssigkeiten konsumieren, um sich von innen selbst zu reinigen. Leider nimmt der Reinigungsprozess bald seltsame Ausmaße an. Nach mehreren Gläsern Reinigungsgebräu erbrechen die Anwesenden seltsame Kreaturen, die quasi den fleischgewordenen Ballast symbolisieren sollen, den die Leidtragenden seit Jahren mit sich tragen. Doch so putzig die Wesen auf den ersten Blick auch sind, THE CLEANSE ist immer noch im Horror-Genre beheimatet und wartet mit einer Wendung auf, die den Film dann doch erst für Erwachsene interessant macht.
 
 
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Vertraue niemals großen Kulleraugen im Horrorfilm, denn dahinter verbirgt sich gern mal das Böse. Niedlichkeit im Gruselgenre ist trügerisch. So lehrte uns die Gruselkomödie GREMLINS – KLEINE MONSTER, dass kleine Knuddelgnome nicht unbedingt nett sein müssen. Regisseur JACOB VAUGHAN bestätigte jene These in BAD MILO. Dort machte ein knuffiger Dämon einem Mann das Leben zur Hölle, der sich im Hintern seines Opfers eingenistet hatte. Das Spiel mit dem trügerischen Kindchenschema ist auch im Horrorspaß THE CLEANSE Programm. Auch hier blinzeln herzallerliebste Kreaturen in die Kamera, die von ahnungslosen Menschen erbrochen werden und danach im Eiltempo zu wachsen beginnen. Was sich aber liest wie ein vielversprechendes Creature-Feature mit hohem Fun-Faktor, ist trotz bekannter Gesichter dann doch eine enttäuschende Angelegenheit. Das Problem: dem Film fehlt ein Wendung, das Treiben gestaltet sich als relativ „brav“ und auf ein richtiges Finale hat man gleich ganz verzichtet. Filmemacher BOBBY MILLER fokussiert sich zu verkrampft auf seine Helden. Die begeben sich in die Obhut einer ominösen Organisation und müssen sich anschließend mit ihrem seelischen Ballast auseinandersetzen, der als fleischgewordener Minidämon durchs Bild saust. Wer jetzt aber meint, dass die Kreaturen noch etwas anderes können, als niedlich zu sein, wird enttäuscht werden. Wo in GREMLINS plötzlich alles aus dem Ruder läuft, weil man die Gefährlichkeit der Kobolde unterschätzt, plätschert das Treiben in THE CLEANSE relativ familienfreundlich über die Leinwand. Kein Kobold-Schabernack, keine Kills. Stattdessen entwickeln die Charaktere emotionale Beziehungen zu ihren Dämonen und können sich am Ende nur schwer von ihrem fleischgewordenen Ballast lösen. Fans gut getrickster Monster-Filme werden da zu Recht dumm aus der Wäsche schauen, denn THE CLEANSE verschenkt Potenzial in allen Belangen.
 
 
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THE CLEANSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Dieses Dämonen-Movie ist mehr kuschelig als schrecklich. THE CLEANSE ist für einen Horrorfilm schlichtweg zu brav inszeniert, um ernst genommen zu werden. Für Kinder ist das Treiben zu düster ausgefallen, allen erwachsenen Genre-Fans mutet Gebotenes zu lapidar und belanglos an. Da fragt man sich doch glatt, für welches Publikum Regisseur BOBBY MILLER seine Horrorkomödie gemacht hat. Der hat namhafte Schauspieler für THE CLEANSE gewonnen, die den Streifen nach mehr aussehen lassen, als er wohl gekostet hat. Die Dämonen-Kreaturen, welche hier von Menschen erbrochen werden, sind handgemacht und Situationskomik zündet in der ersten Filmhälfte. Leider geht es danach bergab, denn offenbar schien Regisseur BOBBY MILLER beim Schreiben des Drehbuchs nicht klar zu sein, in welche Richtung er seinen Monster-Spaß lenken sollte. So gipfeln die Geschehnisse in einem zwar konsequenten Ende, das aber die Frage in den Raum wirft, was denn das alles hier soll. Die Monster verhalten sich weitestgehend friedlich und bis auf einige Entwicklungsstadien der Kreaturen hat man gänzlich auf Höhepunkte verzichtet. Demzufolge sollte man THE CLEANSE mit Vorsicht genießen.
 
 
 


 
 
 

THE CLEANSE – Zensur

 
 
 
THE CLEANSE ist relativ harmlos. Der Fokus liegt auf Humor. Ein Mann wird von einem Monster ermordet. Der Zuschauer bekommt nur das Ergebnis zu sehen. Weiterhin stirbt eine Protagonistin. Man sieht nur ihren toten Körper. Sollte THE CLEANSE hierzulande ausgewertet werden, gibt es eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

THE CLEANSE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gremlins – Kleine Monster (1984)
 
Gremlins II – Die Rückkehr der kleinen Monster (1990)
 
Bad Milo (2013)
 
Spookies – Die Killermonster (1986)
 
Ghoulies (1985)

Filmkritik: „Jeepers Creepers 3“ (2017)

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JEEPERS CREEPERS 3

(JEEPERS CREEPERS 3: CATHEDRAL)

Story

 
 
 

Eine jahrhundertealte Kreatur hat es auf die Bewohner einer amerikanischen Kleinstadt abgesehen. Die setzen sich zur Wehr und versuchen dem boshaften Fremden Paroli zu bieten.

 
 
 


 
 
 

JEEPERS CREEPERS 3 – Kritik

 
 
 
2001 war ein gutes Jahr für Regisseur VICTOR SALVA. Der hatte es zuvor nicht leicht und wurde immer wieder mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert, für die er sich rechtfertigen musste. Doch Anfang der 2000er folgte ein Lichtblick. Mit dem düsteren Monster-Grusler JEEPERS CREEPERS gelang ihm der Durchbruch. Über Nacht mauserte sich der Horror-Trip zum Überraschungserfolg und konnte bei einem Budget von knapp zehn Millionen US-Dollar über das sechsfache an den Kinokassen wieder einspielen. Dass bei einem derartigen Erfolg ein Nachzügler gedreht werden musste, war abzusehen. Zwei Jahre später folgte JEEPERS CREEPERS 2, der aber wegen seiner flachen Handlung von Kritikern und Publikum nicht mehr so gut angenommen wurde, weil sich der Film vom subtilen Schauer abwandte und mehr in Richtung Splatter-Slasher abdriftete. Dennoch wurde auch die Fortsetzung ein finanzieller Erfolg und konnte sich im Heimkino behaupten. Leider wurde es danach ruhig. Eigentlich wollte Salva ein weiteres Sequel nachschieben, doch es scheiterte an der Suche nach einem Filmstudio, das die Fortsetzung produzieren sollte. Angesichts der kontroversen Vergangenheit des Filmemachers nicht unbegründet. So hatte VICTOR SALVA bereits in seinen Anfangsjahren als Regisseur Schlagzeilen gemacht, weil er sich während der Dreharbeiten zum Regiedebüt CLOWNHOUSE an einen Kinderdarsteller verging und die Handlungen auf Video aufgezeichnete. Dafür wurde er verurteilt und musste ins Gefängnis. Jahre später scheint Salva die Vergangenheit immer wieder einzuholen, was die Produktionen zu Wunschprojekten verzögert. Immerhin hatte man Erbarmen mit Filmfans. Aufgrund großer Resonanz wurde man dennoch fündig und ließ JEEPERS CREEPERS 3 folgen. Der lange Planungs- und Entstehungsprozess hat dem dritten Film aber nicht gutgetan. Sonderlich gelungen ist der nämlich nicht. Was lange währt, wird nicht unbedingt gut.
 
 
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Die Handlung von JEEPERS CREEPERS 3 siedelt sich irgendwo zwischen dem ersten und dem zweiten Teil an. So macht sich alle 23 Jahre ein Monster (JONATHAN BRECK aus MASKERADE) für wenige Wochen auf, um seinen unstillbaren Hunger zu stillen. Doch das Wesen, welches sich in einem alten Truck von Ort zu Ort bewegt, hat nicht etwa eine Leidenschaft für Huhn, Schwein oder Rind. Der „Creeper“ bevorzugt Menschenfleisch auf der Speisekarte, weshalb er durch die Landschaft streift, um ahnungslose Kleinstadtbewohner zu fressen. Auch die Einwohner eines nicht näher erwähnten Ortes im amerikanischen Hinterland sehen die Ankunft des Bösen kommen. Man findet besagten Truck, der jede Menge Leichen beherbergt. Da klingeln bei Sheriff Dan Tashtego (STAN SHAW) die Alarmglocken. Der hat so seine Ahnung und weiß mit welchem Gegner er es hier zu tun hat. Er scharrt eine Einsatz-Truppe um sich, damit dem Übeltäter das Handwerk gelegt werden kann. Doch der „Creeper“ lässt sich davon nicht beirren. Dieser streift durchs Land und sammelt Körper ein, an denen er später knabbern kann. Darunter soll auch der von Teenagerin Addison Brando (GABRIELLE HAUGH aus THE MIDNIGHT MAN) gehören. Die ist unsterblich in Händlersohn Buddy verschossen, traut sich aber nicht es ihm zu sagen. Leider müssen Liebesbotschaften warten. Das Mädchen muss es nämlich erstmal mit jener Kreatur aufnehmen, die ihr nach dem Leben trachtet.
 
 
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Qualitativer Rückschritt. Während sich der erste Teil noch als origineller Road-Movie-Horror-Mix entpuppte, der ein spannendes Mysterium um seinen Filmbösewicht webte, entstand mit JEEPERS CREEPERS 2 beliebiger Teenie-Horror, der sich in erster Linie auf das Ausradieren von Jugendlichen konzentrierte. Die rudimentäre Handlung ist auch im dritten Ausflug Programm, der es nur noch in wenige amerikanische Lichtspielhäuser schaffte. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. JEEPERS CREEPERS 3 wurde nicht nur 14 Jahren zu spät gedreht, weshalb wohl Horrorfilmfans jüngeren Semesters wohl kaum etwas mit der Reihe anfangen können. Das Sequel ist zudem auch handlungstechnisch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Der Film setzt das fort, mit dem sich sein Vorgänger bereits über die Runden schlagen musste. Das bedeutet, dass hier vorwiegend Bewohner einer Kleinstadt von einer jahrhundertealten Kreatur gejagt und mit allerhand ominösen Tötungswerkzeugen in die ewigen Jagdgründe befördert werden. Da macht sich natürlich schnell Müdigkeit breit, was vermutlich auch Regisseur VICTOR SALVA aufgefallen sein muss, der in letzter Instanz die Notbremse zieht. Um Abwechslung in die dünne Geschichte bringen zu können, versucht man den Zuschauer mit Neuerungen zu überraschen. So rückt schnell das mysteriöse Gefährt des Monsters in den Mittelpunkt, das bald mehr Aufmerksamkeit erhält, als der Filmbösewicht selbst. Der unkaputtbare Truck des Creepers ist nämlich mit Fallen bestückt, die es in sich haben. Ein geschickter Schachzug um Abwechslung in die Geschehnisse zu bringen. Leider hat JEEPERS CREEPERS 3 das Problem, dass er sich zu sehr auf seinen boshaften Antihelden und dessen Eigenarten konzentriert. Das hat zur Folge, dass dem Bösen schnell der Schrecken genommen wird. Beinahe jedes Mysterium wird ergründet, was die Frage in den Raum wirft, mit was sich mögliche Fortsetzungen beschäftigen sollen. Zudem wirkt hier alles durcheinander. Filmemacher und Drehbuchautor VICTOR SALVA nimmt zu viele Handlungsstränge auf, bei denen sich nicht mal mehr klare Kurven erkennen lassen. Das macht den dritten Ableger konfus, weil sich ein roter Faden schwer finden lässt. Anders als der Erstling ist JEEPERS CREEPERS 3 weder gruselig noch spannend, was es schwer macht das Interesse des Publikums für weitere Filme der Reihe zu gewinnen. Vermutlich wird das aber weder Schöpfer VICTOR SALVA noch profitgeile Studiobosse interessieren. Die deuten kurz vor dem Abspann eine Fortführung der Geschehnisse sowie die Rückkehr von Heldin Trish Jenner (GINA PHILIPS) aus dem ersten Teil an. Vermutlich wird’s ne Serie, laut Salva soll die nämlich nach dem dritten Film kommen und die Ursprünge der Kreatur in 13 Folgen beleuchten. Es wäre nicht das erste Mal, wenn Horrorfilm-Reihen auf Streaming-Plattformen fortgesetzt werden. Lieber Filmgott, habe erbarmen mit uns.
 
 
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JEEPERS CREEPERS 3 – Fazit

 
 
 

5 Punkte Final

 
 
 
JEEPERS CREEPERS 3 siedelt sich qualitativ weit hinter seinen Vorgängern an. Die unheimliche und zugleich mysteriöse Atmosphäre des Originalfilms wird nicht einmal annähernd erreicht. Stattdessen werden viele Handlungsstränge aufgenommen, die den Film wirr erscheinen lassen. Beinahe will man das Gefühl nicht loswerden wollen, als habe Regisseur VICTOR SALVA auf Krampf einen dritten Ableger drehen müssen, für den er nicht viel Zeit hatte, um ein durchdachtes Drehbuch verfassen zu können. So verliert der Filmemacher schnell seine von ihm erschaffene Filmkreatur aus den Augen, die hier zum neuen JASON VOORHEES mutiert und ausschließlich zum Töten deklariert wird. Deren unheimliche Aura wird zugunsten einer Menschenjagd geopfert. Spätestens ab dem dritten Film verliert die JEEPERS CREEPERS-Reihe somit ihren Reiz. Spannung und Atmosphäre? Fehlanzeige. Stattdessen wir getötet und geschrien. So kann man eine gute Grundidee auch zu Grabe tragen.
 
 
 


 
 
 

JEEPERS CREEPERS 3 – Zensur

 
 
 
Die Gewalt in JEEPERS CREEPERS 3 ist nicht so dolle. Alles geht recht schnell und ist auch nicht sehr zeigefreudig. Eine Axt wird in einen Schädel geschlagen. Weiterhin bohren sich Wurfspeere durch Körper. Außerdem wird eine Stange durch einen Kopf gejagt. Hierzulande hat der dritte Teil eine FSK16 in ungeschnittener Fassung erhalten.
 
 
 


 
 
 

JEEPERS CREEPERS 3 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Jeepers Creepers 3; USA 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Interview mit dem Creeper

Release-Termin: 23.03.2018

 

Jeepers Creepers 3 [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

JEEPERS CREEPERS 3 – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte führ Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jeepers Creepers (2001)
 
Jeepers Creepers (2003)
 
Hatchet (2006)
 
Hatchet II (2010)
 
Hatchet III (2013)
 

Filmkritik: „Gremlin“ (2017)

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GREMLIN

(GIVE IT TO SOMEONE YOU LOVE)

Story

 
 
 

Die Büchse der Pandora: Aus einer Box krabbelt ein seltsames Ding, das einer Familie das Leben zur Hölle macht. Leider kann die Box weder zerstört oder weggeworfen werden. Wer sie einmal sein Eigen nennt, kann dem Fluch nicht mehr entkommen. Eine Erkenntnis, die auch Familienvater Adam Thatcher Sorgen bereitet.

 
 
 


 
 
 

GREMLIN – Kritik

 
 
 
Ach herje, die Gremlins sind wieder da. Zumindest liegt die Vermutung nahe, wenn man den Titel zu folgendem Horrorfilm liest. Der lässt nämlich unweigerlich Koboldschabernack ins Gedächtnis rufen, der in den 1980ern unter dem Titel GREMLINS – KLEINE MONSTER für Aufsehen gesorgt hat. Leider ist die Titelkreation im Falle von GREMLIN irreführend. Mit dem Monsterspaß aus der Mache von JOE DANTE hat dieser Streifen nämlich gar nichts gemein. Hier wird günstiger Nachschub für den Videomarkt geboten, der wegen seiner teils schlechten Effekte eher das Interesse von Trash-Fans auf den Plan rufen dürfte, die selbst an üblen Trash-Produktionen aus den legendären THE ASYLUM-Studios etwas Positives abgewinnen können. Wer jetzt aber glaubt, dass hinter GREMLIN genannte Produktionsschmiede steckt, dürfte eines Besseren belehrt werden. Weder THE ASYLUM noch der Trash-erfahrene Horrorsender SYFY haben sich diesen Käse ausgedacht und auf Film gebannt. Stattdessen geht der Monster-Blödsinn auf das Konto von RYAN BELLGARDT, der hier das Drehbuch geschrieben, Regie übernommen und auch noch produziert hat. Manch einer scheint offenbar zu viel Zeit und kaum gute Ideen zu haben. Anders lässt sich nicht erklären, warum in den letzten Jahren so viele dieser schlechten Billigschandtaten das Licht der (Heim)Kinowelt erblickt haben. GREMLIN ist weit weg von gut. Wer sich diesen Monster-Trash demnach freiwillig gibt und am Ende enttäuscht wird, ist selber Schuld. Viel erwarten sollte man nicht.
 
 
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Du kannst es nicht töten. Du kannst ihm nicht entkommen. Du kannst es nur jemandem übergeben, den Du auch wirklich liebst. So zumindest wird auf dem immerhin ansprechenden Poster für Aufmerksamkeit geworben, das immer noch zum Besten gehört, was der Film zu bieten hat. In GREMLIN erhält Familienvater Adam Thatcher (ADAM HAMPTON) von der Mutter ein mysteriöses Kästchen, das bald ein schauriges Eigenleben führt. Daraus schlüpft in regelmäßigen Abständen eine seltsame Kreatur, die es auf die übrigen Familienmitglieder abgesehen hat. Nachdem Großmutter und der Freund von Tochter Anna durch Attacken des geheimnisvollen Wesens ihr Leben lassen mussten, wird schnell klar, dass ein schrecklicher Fluch auf der rätselhaften Box liegen muss. Grund genug, um dem Geheimnis auf dem Grund zu gehen. Offenbar ist die Kiste ein uralter Kriegsgegenstand, der dem Besitzer Schaden bringen soll. Er tötet die Nahestehenden und am Ende den Eigentümer selbst. Doch dem Schicksal kann entkommen werden. Wer die Box an vertraute Menschen weiter verschenkt, kann sich und seine Lieben retten. Leider steht Familienoberhaupt Adam da vor unüberwindbaren Problemen. In seiner Familie haben bereits alle das Zeitliche gesegnet, die ihm gut und teuer waren. Deshalb muss er dem Bewohner der Box die Stirn bieten. Eine heikle Angelegenheit, denn die Büchse der Pandora kennt mit nichts und niemand Gnade.
 
 
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Schlechte Effekte und unerfahrene Schauspieler. Letztere handeln nicht immer helle und erinnern an Darsteller von TV-Soaps. Ein Problem, das offenbar immer mehr Indie-Horrorfilme haben, weil untalentierte Akteure wohl weniger kosten, als welche die was können. Überhaupt scheint in GREMLIN ein harter Sparzwang geherrscht zu haben. Das ist vor allem am Kreaturen-Design bemerkbar, das kaum überzeugen kann. Statt furchteinflößender Teufelskreatur, krabbelt eine Art Alien-Gnom aus der Box, der im überstürzten Finale zum Riesen mutiert und auf das Dach eines Hauses krabbelt. Komischerweise bricht die Bretterhütte nicht unter der Last des Mehrfüßlers ein, während ahnungslose Polizisten mit Gewehren ziellos ins Nichts feuern. Unfreiwillige Ironie nennt man so etwas oder auch in Fachkreisen: Filmfehler. In Interviews erklärte Regisseur RYAN BELLGARDT, dass sein GREMLIN eine Hommage an die B-Movies der 1950er und 1960er sein soll. Doch nicht nur die GODZILLA und viele RAY HARRYHAUSEN-Filme sollen Inspiration geliefert haben. Auch 80er Jahre Kult aus der Mache von STEVEN SPIELBERG oder RIDLEY SCOTT standen Pate und haben nachhaltig geprägt. Leider ist GREMLIN (der anfangs übrigens noch GIVE IT TO SOMEONE YOU LOVE) trotz gut gemeinter Absichten nicht der Rede wert. Der Streifen hat kaum Höhepunkte zu bieten und ist weit weg von clever oder gar originell. Da fragt man sich doch glatt, warum der Film ausgerechnet einen Namen wie GREMLIN trägt, obwohl im Film gar kein Kobold zu sehen ist. Vermutlich ist die Antwort in der Zugkraft genannten Wortes zu suchen. Das suggeriert ein Remake des Kassenschlagers GREMLINS, der 1984 bei einem Budget von 11 Mio. Dollar allein in den USA 148 Mio. Dollar einspielen konnte. Von solchen Summen kann RYAN BELLGARDT nur träumen. Der dürfte wohl erleichtert aufatmen, wenn er mit den Einnahmen seines zweiten Spielfilms die Cateringkosten der Filmcrew begleichen kann.
 
 
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GREMLIN – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
THE ZWILIGHT ZONE trifft auf OUTHER LIMITS. Günstig produzierter Monster-Trash, der Ähnlichkeit mit dem hat, was sonst Trash-Buden wie THE ASYLUM oder SYFY verbrechen. Während Gedrehtes dort mit einem Augenzwinkern und einer gehörigen Portion Selbstironie genossen werden kann, nimmt sich GREMLIN bierernst. Der Film spult ein lustloses Ausradieren von Familienmietgliedern ab, die in den Besitz einer mysteriösen Schachtel kommen, auf der ein tödlicher Fluch liegt. Leider muss man den Spannungsbogen mit der Lupe suchen, denn die Geschichte von GREMLIN ist so vorhersehbar, dass wohl die meisten Zuschauer – vor allem auch wegen der miesen CGI-Effekte – rasch das Weite suchen werden. Da bereits der Trailer den halben Film zeigt, kann man sich die knapp 90 Minuten Spielfilm sparen. So ist GREMLIN nur etwas für hartgesottene Trash-Liebhaber.
 
 
 


 
 
 

GREMLIN – Zensur

 
 
 
GREMLIN hat kaum Schauwerte zu bieten. Die Kreatur im Film schneidet Hälse auf, bohrt sich durch den Bauch einer Frau und sticht mit seinen Gliedmaßen in einen Brustkorb. Der Film dürfte locker mit einer Freigabe ab 16 Jahre durch die FSK kommen.
 
 
 


 
 
 

GREMLIN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Hole – Wovor hast Du Angst? (2009)
 
Don’t Be Afraid of the Dark (2010)
 
Don’t Be Afraid of the Dark (1973)
 
The Gate (1987)
 
Gate II – Das Tor zur Hölle (1990)
 

Filmkritik: „The Monster“ (2016)

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THE MONSTER

(THERE ARE MONSTERS)

Story

 
 
 
Ein zerrüttetes Mutter-Tochter-Verhältnis erlebt eine Wendung, als man nach einem Autounfall im Wald auf ein Monster stößt und jetzt mit vereinten Kräften ums Überleben kämpfen muss.

 
 
 


 
 
 

THE MONSTER – Kritik

 
 
 
Es ist mal wieder Zeit für einen guten Monsterfilm – so richtig mit Tiefgang und düsterer Stimmung, wollen wir sagen. Das alles und noch mehr wird nun endlich wieder in Form eines Indie-Horrorfilms in die Wohnzimmer gebracht, der den unaufhaltsamen Legionen der Monster-Heuler bekannter Trash-Verbrechern selbstbewusst den Mittelfinger zeigt. Das ist auch bitter nötig, haben vor allem Täter-Studios wie THE ASYLUM oder SYFY das Genre des Monsterfilms zu oft durch den Kakao gezogen, dass diese Art von Streifen – vor allem aufgrund der schlechten Effekte – komplett des Schreckens beraubt wurde. Da ist es für das blutende Horrorfan-Herz eine regelrechte Wohltat, wenn dann solche Filme gedreht werden, wie THE MONSTER (sollte anfangs eigentlich THERE ARE MONSTERS heißen). Dieser Kreaturen-Streifen quält nämlich mit all dem nicht, was die Werke der oben genannten Müllschmieden auszeichnen. Statt schlechter Effekte, mieser Darsteller und (unfreiwilliger) Komik werden endlich mal wieder Ernsthaftigkeit, Atmosphäre und gute Schauspieler geboten. Aufgrund der vielen schlechten Filme der letzten Zeit klingt das doch durchaus vielversprechend, oder?
 
 
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Und Monster gibt es doch! Das zumindest müssen Mutter und Tochter am eigenen Leib erfahren. Die beiden haben sich leider mit der Zeit vollkommen voneinander entfremdet. Mutter Kathy (ZOE KAZAN) säuft wie ein Loch und lebt perspektivlos in den Tag hinein, während die kleine Lizzy (beeindruckend: ELLA BALLENTINE) tatenlos zusehen muss, wie sich das nächste Familienmitglied selbst zerstört. Als sich nach einem Streit die Fronten verhärten, will das Mädchen nur noch eins: beim getrennt von der Mutter lebenden Vater aufwachsen. Doch die Reise ins neue Leben schlägt eine ebenso sonderbare wie grauenhafte Wendung ein. Auf der Fahrt zum Vater überkreuzt ein Wolf die Landstraße und verwickelt Mutter und Tochter in einen Autounfall. Zwar sitzt der erste Schock tief, aber Hilfe ist schnell gerufen. Leider hat das Schicksal aber andere Pläne mit der kleinen Familie. Während Kathy und Lizzy im defekten Auto geduldig auf Polizei und Krankenwagen warten, zieht im Wald eine bösartige Kreatur ihre Kreise. Ob noch rechtzeitig Rettung eintreffen wird?
 
 
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Was für ein verheißungsvoller Titel zu einem doch eher kleinen Film, der mit weniger als drei Millionen US-Dollar Budget produziert wurde. Hinter THE MONSTER steckt BRYAN BERTINO. Der hat dem Zuschauer mit THE STRANGERS und PLAY – TÖDLICHES SPIEL schon zweimal Albträume beschert und wandelt auch im dritten Streifen auf Horror-Pfaden. Wer jetzt aber meint, dass hier 08/15-Monsterfutter vorgesetzt wird, dürfte sich schnell eines besseren belehrt fühlen. THE MONSTER ist nämlich keines dieser stumpfsinnigen Machwerke, in denen dumme Figuren von schlecht animierten Computerkreaturen gejagt und verspeist werden. Ganz im Gegenteil. Der Filmemacher legt in der selbst geschriebenen Geschichte Wert auf Drama und Hirn. So zeichnet sich THE MONSTER – wie bereits auch schon das Debütwerk THE STRANGERS – nicht nur durch einen fesselnden Spannungsbogen aus, der Zuschauern wie Protagonisten einiges abverlangt. Letztere durchleben im Verlauf der Handlung eine entscheidende Entwicklung und finden inmitten von Angst und Terror wieder zueinander. Überhaupt ist hier das gefräßige Monster nur Beiwerk. THE MONSTER ist eher Familiendrama mit Horror-Elementen in dem das zerrissene Verhältnis einer Mutter und ihrer Tochter in den Mittelpunkt gerückt wird. Warum sich die Figuren voneinander entfernt haben, wird in Rückblenden geschildert. Dazwischen wird mit allen Mitteln gegen ein Wesen gekämpft, das sich erbarmungslos gegen alles und jeden wendet, der zur Rettung eilt.
 
 
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Ist das Wesen hier wirklich so echt, wie auf der Mattscheibe gezeigt? THE MONSTER lässt mehrere Interpretationsmöglichkeiten zu. So funktioniert der Film als lupenreines Monsterkino ebenso, wie als beunruhigender Blick in die Seele eines desorientierten Kindes, das sich auf eine verstörende Suche nach Liebe, Zugehörigkeit und Geborgenheit begibt. Das Monster ist da freilich nur Metapher für das seelische Ungleichgewicht eines verletzten Mädchens, das jeden Hoffnungsstrang verschlingt, an den sich die kleine Hauptdarstellerin klammert. Sieht man THE MONSTER mit diesen Augen, dürften schnell Erinnerungen zu Filmen wie THE BABADOOK oder THE NOONDAY WITCH wach werden. Auch hier wurden Monster als Metapher geschaffen, um das seelische und psychische Ungleichgewicht der Filmhelden zum Ausdruck zu bringen. Allein schon der Vergleich zu genannten Psychodramen wegen, sollten Zuschauer mit Vorliebe für intelligentes und Horror-Kino einen Blick wagen. THE MONSTER reiht sich in die Gruppe mutiger und mehrdeutiger Gruselstreifen ein, die sich siegessicher gegen den austauschbaren Horror-Markt behaupten wollen und können. Klein aber oho!
 
 
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THE MONSTER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Hervorragend gespieltes Horror-Drama, das tiefgründiger ist, als es auf den ersten Blick scheint. Wer einen hektischen Horrorfilm mit deftigen Schocks erwartet, wird enttäuscht werden. THE MONSTER ist ein ruhig erzählter Gruselfilm mit psychologischem Einschlag, der mehr als nur eine Interpretation zulässt. Nach dem eher bescheidenen Found-Footage-Streifen PLAY – TÖDLICHES SPIEL, findet Regisseur BRYAN BERTINO zu eigentlicher Größe zurück. Mit THE MONSTER hat er einen sehenswerten, intelligent inszenierten Beitrag mit Substanz inszeniert, bei dem weit mehr dahintersteckt, als nur das Abhaken von Monster- und Horrorklischees. Was ruhig und subtil beginnt, wird ab der Halbzeit immer ungemütlicher und gipfelt in einem kompromisslosen Finale, dass vor allem für die kleine Hauptdarstellerin Qual, Erlösung und Neuanfang zugleich ist. Aufgrund der guten Darstellerleistung, dem cleverem Spannungsbogen und der permanent bedrohlichen Stimmung gibt es von uns eine Empfehlung. Wer Fast-Food-Horror mit blutigem Gemansche sucht, ist hier an der falschen Adresse. Auch wenn die beiden Hauptdarsteller – wie auch im Erstlingswerk des Regisseurs: THE STRANGERS – isoliert gegen das ultimativ Böse kämpfen müssen, bleiben ausufernde Gewaltexzesse aus. Dafür wird übrigens viel handgemachtes Kreaturen-Zeugs geboten. Das Ding im Film wurde nicht mittels Computer zum Leben erweckt, sondern besteht aus Elektronik und Kunststoff. Schon allein das macht THE MONSTER sympathisch über den BRYAN BERTINO übrigens folgendes schrieb: „Geschichten über die Angst vor dem Unbekannten sind mir die liebsten. Horror lässt die üblichen Verwicklungen des Lebens außer Acht und zwingt uns dazu, etwas Tieferes in uns selbst zu entdecken. Was ist uns wirklich wichtig im Leben? Angst zeigt es auf,“ (Quelle des Zitats: blairwitch.de).
 
 
 


 
 
 

THE MONSTER – Zensur

 
 
 
THE MONSTER bietet nicht das, was man sich bei einem Film mit diesem Titel vorstellt. Der Film beschert Gänsehaut vornehmlich auf subtilem Wege. Es gibt einen toten Wolf zu sehen, einen abgeschlagenen Arm und einige Attacken der Kreatur auf Menschen. Aufgrund der dunklen Kulisse und den schnellen Schnitten, erkennt man aber kaum, was die Kreatur da in den Wäldern mit seinen Opfern genau macht. Eine FSK16 ist demnach absolut realistisch und hat der Film auch bekommen.
 
 
 


 
 
 

THE MONSTER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Media Home Entertainment (Blu-ray im Keepcase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Monster; USA 2016

Genre: Horror, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover im Schuber

Extras: „Eyes in the Darkness“ Featurette, Trailer, Trailershow

Release-Termin: 23.03.2017

 

The Monster [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE MONSTER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen in dieser Kritik liegen bei Koch Media Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Babadook (2014)
 
Cujo (1983)
 
Burning Bright – Tödliche Gefahr (2010)
 
The Noonday Witch (2016)
 
The Descent – Abgrund des Grauens (2005)
 
Feed the Gods (2014)
 
Under the Bed – Es lauert im Dunkeln (2012)
 
Hypothermia – The Coldest Prey (2010)
 

Filmkritik: „Metal Beast“ (1995)

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METAL BEAST

(PROJECT METALBEAST)

Story

 
 
 
In den Siebzigern hat es ein Duo amerikanischer Geheimdienstsöldner ins ländliche Ungarn verschlagen. Ziel der schwerbewaffneten Todesboten: Werwolfsblut fürs Verteidigungsministerium. Nach Kämpfen kann Butler, einer der Agenten, eine Probe zurück in die Staaten schaffen. Dort pfeift sich der Patriot den Stoff aus Frust über die Bürokratie selbst ein, muss nach Randale gerichtet werden du landet in der Kühltruhe. Schließlich ist er das Behältnis der mühsam besorgten Monsterblutkörperchen. Die Jahre, dann Jahrzehnte vergehen und die Perversität der Waffeningenieure ist selbstverständlich gestiegen. Supersoldaten-Experimente mit einer panzerartigen Stahlhaut und – natürlich – der gefrosteten Leiche Butlers gerate aus dem Ruder, als sich der tote Waffengänger pünktlich zum Vollmond in den stählernen Werwolf METAL BEAST verwandelt.
 
 
 


 
 
 

METAL BEAST – Kritik

 
 
 
Mitte der Neunziger, der europäische Ostblock hatte sich gerade an den Postkommunismus gewöhnt und stand in den Startlöchern zum Kapitalismus. In diesen Flohmarktjahren begann die Praktik der dortigen Staaten, mittelalterliche Kulissen und auch die landeseigenen Filmproduktionsstätten an amerikanische Filmemacher zu vermieten. Die üblichen Independent-Verdächtigen, also Roger Corman, Fred Olen Ray oder Charles Band verlagerten ihre Wirkungsstätten fast gänzlich nach Ungarn, Rumänien, Bulgarien, etc. Die Major Studios zogen erst im Anschluss, nach vorsichtiger Analyse der Erfolge der schmutzigen kleinen Brüder hinterher. Erwähnte Kleinfilm-Ferkel liefen, unterstützt von den kostengünstig aber knallhart geschult und professionell arbeitenden ortsansässigen Mitarbeitern zur Hochzeit auf. Eine zarte Blütezeit, immer als Osteuropa-gedreht erkennbarer B-Horror-Filmkunst fand statt.
 
 
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Ein weiteres ungeschriebenes Gesetz der Genrefilm-Exploitation dieser Jahre empfahl das Casting eines Stars mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum. Sicher, diese Praktik ist auch in der Gegenwart, mit ihren fünfzig CGI-Monsterhaien im Jahr noch Gang und so weiter. Nur möchte man den vor selbstgerechter, ach so postmoderner Ironie triefenden Produzenten-Zuhältern für das Anheuern von David Hasselhoff, gescheiterten B-Stars oder Pornomops Ix Ypsilon sofort ein paar aufs Maul hauen. In ein paar Jahren wird man den Kopf über PENISPROTHESENSHARK VS. BACKOFENREINIGERWOLF 3 genauso den Kopf schütteln wie über weibische Studenten-Bürschchen mit Zwirbelschnurrbart. Fucking fuck. Zurück zu METAL BEAST, dessen Prominenzwert sich mit Barry Bostwick begnügen muss. Der Gute war einst ein Hauptdarsteller der ROCKY HORROR PICTURE SHOW und dann schnell unter die Räder gekommen, bis ihn die Rolle des eitel-blöden Bürgermeisters in der gelungenen Comedy-Serie CHAOS CITY wieder mit ein wenig Oberwasser versorgen konnte. Hier läuft er planlos durch die Sets und ermurmelt sich sein Honorar. Im Kostüm des blecheren Lupus steckt niemand anderes als Stuntman-Schlachtross und Motorradfan KANE HODDER, der sich 1995 auch nicht gedacht hätte, für ähnlich anspruchsvolle Auftritte in diversen Installments von FREITAG DER 13. ein paar Jahre später zum Stammgast bezahlter Autogramm-Conventions und namhaftem Darsteller zahlloser günstig produzierter Neo-Horror-Vergessenswertigkeiten zu werden. Es sei ihm von Herzen gegönnt.
 
 
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METAL BEAST profitiert vom alles ausgleichenden Faktor Zeit. Hat der Horrorfan der Neunziger – es war die Epoche der VHS-Bootlegs und später sogar offiziellen Veröffentlichungen ungeschnittener Splatter-Klassiker aus Italien und anderswo – bei erscheinen nur im Notfall (also wenn EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL gerade ausgeliehen war) aktuelle Genrefilme in den Rucksack gepackt, betrachtet er sich einen METAL BEAST heute mit der Milde, gemeinsam mit diesem Film zwanzig Jahre älter geworden zu sein. Nicht zu vergessen hat so ziemlich jede Osteuropa-Reise amerikanischer Horror-Häcksler mehr Sympathie und Fanfreundschaft als bereits erwähnte Haischeiße aus dem Computer zu bieten. Der Werwolf an sich ist ja schon ein blutrünstiger Kamerad, die Fetzen in PROJECT: METALBEAST, wie der Film des nur wenig in Erscheinung getretenen Auftragsregisseurs ALESSANDRO DE GAETANO im amerikanischen Original heißt, fliegen ebenso kurzweilige wie ungekürzte achtundachtzig Minuten – mit leichtem Punktabzug für einen schleppenden Mittelteil – tüchtig.
 
 
 


 
 
 

METAL BEAST – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ironiefreier, sympathischer Neunziger Monsterfilm mit ordentlich Gehacke. Hätte man sich 1995/96 nicht ausgeliehen. Heute aber ist’s die schiere Freude über eine schändlicherweise längst vergangene Genrefilm-Kultur, die METAL BEAST zu einer DVD-Anschaffung erklärt, die man als traditionsbewusster Horrorfilmliebhaber nicht bereuen dürfte.
 
 
 


 
 
 

METAL BEAST – Zensur

 
 
 
Wie bereits die von NEW VISION veröffentlichte Videokassette ist auch die nun erschienene DVD komplett. Wer sich gern umgeschnittene Horrorklassiker ins Regal stellt, kann bedenkenlos zugreifen. METAL BEAST ist angeschnitten – aber erst für Erwachsene freigegeben (keine Jugendfreigabe).
 
 
 


 
 
 

METAL BEAST – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Mig Filmgroup | Eurovideo

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Project: Metalbeast; USA 1995

Genre: Horror, Monster, Thriller

Ton: Stereo 2.0 Deutsch, Stereo 2.0 Englisch, Stereo 2.0 Französisch

Untertitel: Keine

Bild: 1,33:1

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: keine

Release-Termin: 07.04.2016

 
 
 

Metal Beast (DVD) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

METAL BEAST – Trailer

 
 


 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken / Packshot liegen bei MIG FILMGROUP | EUROVIDEO)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Howl (2015)
 
Late Phases (2014)
 
Wolves (2014)
 
Wer – Das Biest in Dir (2013)
 
Xtro II – Die zweite Begegnung (1990)
 
X-Tro 3 (1995)
 

Filmkritik: „Harbinger Down“ (2015)

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HARBINGER DOWN

Story

 
 
 
Einige Studenten wollen die Auswirkung der globalen Erwärmung auf Orca-Wale in der Beringsee erforschen und kommen nach der Bergung eines Eisblocks mit einer tödlichen Bedrohung in Berührung
 
 
 


 
 
 

HARBINGER DOWN – Kritik

 
 
 
Rache kann, so sagt man, süß sein, vor allem dann, wenn große Studiobosse im Affekt entscheiden und handgemachte Effektarbeit durch die aus dem Computer ersetzen. So ähnlich erging es dem F/X-Künstler ALEC GILLIS. Dem Gründer des Spezialeffektunternehmens ADI (IM LAND DER RAKETENWÜRMER, STARSHIP TROOPERS, ALIEN VS. PREDATOR) wäre im Jahr 2011 beinahe ein großer Traum in Erfüllung gegangen. Sein Talent war gefragt und er wurde von den UNIVERSAL STUDIOS damit beauftragt, die Monster-Metamorphosen im THE THING-Remake beizusteuern. Gillis investierte viel Herzblut in die Erstellung handgemachter Puppeneffekte und war dann umso enttäuschter, als er das Resultat zu sehen bekam. Nur wenige seiner Monsterkreationen waren in der teuren Neuverfilmung zu sehen. Stattdessen wurden sie in der Post-Production durch Computereffekte ersetzt, um der neuen Generation von Horrorfans keine Illusionen zu nehmen. Nachdem das Remake in den Kinos anlief und Filmfans kaum welche der versprochenen Effekte der ADI STUDIOS zu sehen bekamen, stellte Gillis einige Filmschnipsel seiner Arbeiten am Remake auf Youtube und erhielt überwiegend positive Resonanz. So entstand die Idee einen eigenen Film im Stile von THE THING auf die Beine zu stellen – ganz ohne digitale Spielereien, künstlichen CGI und Launen kommerzorientierter Major-Studios. Die Idee zu HARBINGER DOWN war geboren, dessen Finanzierung durch Crowdfunding auf der Plattform KICKSTARTER ermöglicht wurde. Ganz nebenbei gelang Gillis mit der Kampagne ein neuer Rekord: mit großzügigen 384.181 Dollar war HARBINGER DOWN der bis dato erfolgreichste Horror/Sci-Fi-Aufruf für den begeisterte Genre-Fans auf KICKSTARTER Geld spendeten, so dass ALEC GILLIS genug Kapital zur Verfügung stand, um seiner unbändigen Kreativität freien Lauf lassen zu können.
 
 
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HARBINGER DOWN handelt von Sadie (gespielt von CAMILLE BALSAMO), die zu einem Team von Studenten gehört, die in der Antarktis die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf Orcas untersuchen möchte. Unter dem Kommando des Schiffskapitän Graff (LANCE HENRIKSEN) stößt man mit dessen Krabben-Kutter namens Harbinger auf ein seltsames Objekt im Eis, das geborgen und aufgetaut wird. In einer verkrusteten Kapsel entdeckt man die Überreste eines sowjetischen Astronauten, der Jahrzehnte zuvor nach einer Monderkundung abgestützt und im ewigen Eis gestrandet war. Doch der Leichnam ist nicht die einzige Entdeckung. Mit an Bord wurde ein mutierter Organismus geborgen, der seinen Aggregatzustand von fest zu flüssig und von flüssig zu fest verändern kann. Kein gutes Omen für die Besatzung, die nacheinander von der tödlichen Bedrohung infiziert wird und erkennen muss, dass das Grauen nicht außerirdischen Ursprungs ist, sondern von Menschenhand gemacht wurde.
 
 
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Viele Effekte für kleines Geld. Mit seinem Kinodebüt tut es Gillis dem legendären Altmeister JOHN CARPENTER gleich. Mit schmalem Budget wird dank detailverliebten Monstereffekte maximales Grauen heraufbeschworen, das gerade wegen der handgemachten Metamorphosen an Filme aus einer längst vergessenen Ära erinnert. HARBINGER DOWN ist ein Monsterfilm der alten Schule, der atmosphärisch unverkennbare Parallelen zu DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT ausweist. Das bedeutet, dass sich die Protagonisten durch eine frostige, klaustrophobische Kulisse durcharbeiten müssen und sich mit ekligen Verwandlungen konfrontiert sehen. Ganz ähnlich hat das übrigens vor einiger Zeit auch der Österreicher MARVIN KREN versucht. Mit seinem BLUGLETSCHER (2013) verbeugte er sich ehrfürchtig vor Carpenters Arktis-Horror THE THING und erntete auf einschlägigen Festivals viel Lob. Demzufolge dürften sich auch bei HARBINGER DOWN Fans der THE THING-Verfilmung aus den 80ern sofort heimisch fühlen, denn auch dieser Streifen orientiert sich in seiner Machart an all die Creature-Movies der 80er in denen Helden den Kampf gegen schleimigen Wesen aus fremden Gefilden aufnehmen mussten.
 
 
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Leider hat die charmante Hommage an handgemachten Sci-Fi-Horror der 80er auch so ihre Schwächen, denn zu oft wird deutlich, dass Macher ALEC GILLIS nun mal Effekt-Profi und kein Regisseur oder gar Geschichtenerzähler ist. Ach wenn er für seinen Erstling B-Film-Schauspiellegende LANCE HENRIKSEN (u.a. HOLLOWS GROVE, ALIENS, IT’S IN THE BLOOD, PUMPKINHEAD oder GINGERCLOWN) gewinnen konnte, hat sein erster abendfüllender Spielfilm unter ziemlich haarsträubenden Plot-Verläufen und einem sehr trivialen Drehbuch zu leiden. Das hat Gillis selbst geschrieben und es glänzt nicht gerade mit Einfallsreichtum. Die Dialoge sind schwach, der Handlungsverlauf vorhersehbar und die Protagonisten bringen das Publikum zu Verzweiflung, weil sie nicht nach logischem Menschenverstand handeln wollen. Zudem hat HARBINGER DOWN so seine Probleme mit Spannung und Charakterausarbeitung. Letztere sind zwar da und müssen sterben – dem Zuschauer wird es nicht ermöglicht, überhaupt zu einer der Figuren eine Bindung aufzubauen. So ist HARBINGER DOWN zwar ein nettes Werbevideo für das kreative Effekt-Können von ALEC GILLIS; Geschichte und Charaktere sind jedoch so flach, wie der Pegel von Flüssen an trockenen Sommertagen.
 
 
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HARBINGER DOWN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ekliger und atmosphärisch dichter Indie-Horror der Machart von THE THING und ALIEN. Die Voraussetzungen hätten nicht besser sein können: HARBINGER DOWN ist ein düsterer Monster-Schocker der alten Schule, der gerade wegen der handgemachte Effekte an die vielen Monster- und Alien-Ekelorgien der 1980er erinnert. Hier kämpfen sich verzweifelte Protagonisten durch eine eisige Welt voller Gefahren. Vergleiche zu Carpenters THE THING sind nicht zufällig, denn Macher ALEC GILLIS war bereits beim THE THING-Remake aus dem Jahre 2011 involviert und hat mit seinem Spielfilmdebüt quasi eine eigene Version von DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT auf Zelluloid gebracht. Leider ist Gillis hauptberuflich F/X-Künstler und kein Regisseur oder Geschichtenerzähler. Die Tatsache bekommt auch HARBINGER DOWN zu spüren, der zwar für mageres Geld gute Effekte zeigt, aber unterm Strich doch mehr Werbevideo für die Arbeiten des Spezialeffekte-Meisters ALEC GILLIS ist, statt packend inszeniertes Monster-Feature. So sind die Tricks im Film der eigentliche Star. Der übrige Cast geht im Zuge des schwach geschriebenen Drehbuchs und dessen Ungereimtheiten komplett unter. Das ist bitter!
 
 


 
 
 

HARBINGER DOWN – Zensur

 
 
 
Wer Carpenters DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT und das THE THING-Remake aus dem Jahre 2011 gesehen hat, dürfte in etwa einschätzen können, was in Sachen Gewalt auf ihn zukommen wird. HARBINGER DOWN orientiert sich auch beim Gewaltpegel an genannte Werke. Das bedeutet: statt plakativer Gewalt liegen eher eklige Monsterverwandlungen im Fokus. Diese sind vorhanden und haben HARBINGER DOWN hinzulande das blaue FSK-Zeichen beschert. Der Film hat ungeschnittenen eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

HARBINGER DOWN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Harbinger Down; USA 2015

Genre: Horror, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.40:1 (1920 x 1080p)

Laufzeit: ca. 83 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 29.01.2016

 

Harbinger Down – Das Grauen lauert im Eis [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

HARBINGER DOWN – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen und Szenenbilder liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blutgletscher (2013)
 
The Thing (2011)
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
 
Der Blob (1988)
 
Pandorum (2009)
 
Virus – Schiff ohne Wiederkehr (1999)
 

Filmkritik: „Dark was the Night“ (2014)

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DARK WAS THE NIGHT – DIE WURZELN DES BÖSEN

Story

 
 
 
Etwas Böses terrorisiert die keine Stadt Maiden Woods. Zerfetzte Körper werden gefunden und seltsame Dinge geschehen. Sheriff Paul Shields (KEVIN DURAND) will den Bewohnern die Angst nehmen und geht den mysteriösen Ereignissen auf den Grund.
 
 
 


 
 
 

DARK WAS THE NIGHT – Kritik

 
 
 
Monsterfilme sind auch nicht mehr das, was sie mal waren – und das ist auch gut so. Seit einiger Zeit sind ambitionierte Filmemacher daher bestrebt, dummen Monsterstreifen so etwas wie Anspruch einzuhauchen. Entstanden sind so herausragende Horrordramen wie SPRING oder LATE PHASES, die auf eindrucksvolle Weise zeigten, dass sich Kreaturen-Horror nicht zwangsläufig in eine Schublade packen lässt. Auch BAD MILO– und STATIC-Produzent JACK HELLER versucht mit seinem DARK WAS THE NIGHT Tiefe in die Materie der Monsterheuler zu bringen. Statt Augenmerk auf Böses zu richten, sind ihm seine Figuren wichtig. Die haben in erster Linie mit Schicksalsschlägen und inneren Dämonen zu kämpfen – gefräßige Monster haben zu warten.
 
 
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KEVIN DURAND spielt den sensiblen Sheriff Paul Shields, der entgegen dem stereotypen Bild des Helden auch einmal weinen darf und sogar Angst kennt. Er hat kein einfaches Los gezogen und befindet sich nach dem tragischen Unfalltod des Sohnemanns in einer Lebenskrise. Das Familieleben leidet darunter, denn der Zweitgeborene hat erkannt, dass sich die Eltern nach dem Ableben des Bruders voneinander entfernt haben. Als plötzlich Dinge im Ort geschehen, muss der Sheriff aus seiner Lethargie erwachen. Er soll dem Mysterium auf den Grund gehen, denn die Bewohner seiner Stadt Maiden Woods vermuten, dass etwas Böses aus den Wäldern gekommen ist und nichts Gutes im Schilde führt. Für den rational denkenden Gesetzeshüter eine Herausforderung. Der muss sich nämlich bald eingestehen, dass es auf der Welt Dinge gibt, die sich nicht so einfach erklären lassen.
 
 
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Deprimierende Familientragödie mit Monstern: eigentlich macht Regisseur JACK HELLER fast alles richtig. DARK WAS THE NIGHT besitzt Tiefgang, authentische Protagonisten, unwohlige Atmosphäre und einen ständig wachsenden Spannungsbogen. Auch räumt man Publikum und Figuren genügend Zeit ein, damit sich Charaktere entwickeln und Zuschauer mit den Geschehnissen vertraut machen können. Was trotzdem übel aufstößt ist die Tatsache, dass das Monster nicht vor die Linse darf. Das tritt den blutigen Rachefeldzug gegen die Menschheit bereits im Prolog an – in voller Pracht wird es nur für wenige Sekunden im Finale gezeigt. Filmemacher JACK HELLER übertreibt das Spiel mit der Andeutung. Das Monster scheint allgegenwärtig zu sein und dennoch bekommt der Zuschauer nur dunkle Schatten zu sehen oder vernimmt unheilverkündendes Stampfen. Warum das so ist, wird im Endkampf klar. Ein rigoroser Sparkurs zwang die Produktion in die Knie. Um wirtschaften zu können, musste der Filmbösewicht am Rechner geboren werden – leider mehr schlecht als recht. Die Animationen wirken unglaubhaft und das Wesen derart künstlich, das es nicht in die Szenerie passen will. Dass da das Gänsehautgefühl in den Keller saust und aufgebaute Illusionen zu Staub verpuffen, ist nur die logische Konsequenz. Da kann auch der rabenschwarze Schlussgag nichts reißen, der die Tür für eine mögliche Fortsetzung offen hält. DARK WAS THE NIGHT ist eine Enttäuschung und das trotz Tiefgang. Wer demzufolge in Monsterstreifen fressgierige Bestien sehen will, sollte sich fern halten – dieser Film macht’s eher subtil.
 
 
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DARK WAS THE NIGHT – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärischer Monster-Grusler alter Schule. Bei diesem Indiestück handelt es sich in erster Linie um ein deprimierendes Drama, das sich als Monsterfilm tarnt. Statt blutige Fressorgien oder hektische Hetzjagden zu zelebrieren, geht es Regisseur JACK HELLER ruhiger an und beschäftigt sich in erster Linie mit seinen Protagonisten, die mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen haben. Dennoch; was hätte DARK WAS THE NIGHT – DIE WURZELN DES BÖSEN für ein großartiger Film werden können – wenn mehr Geld zur Verfügung gestanden hätte! In diesem Monsterfilm steckt zwar Hirn; weil Budget knapp war musste man wohl improvisieren und auf subtile Weise Gänsehaut heraufbeschwören. DARK WAS THE NIGHT ist ein Monsterfilm ohne Monster. Nicht, dass es nicht da wäre. Ganz im Gegenteil, die Filmkreatur ist allgegenwärtig. Dennoch wird sie erst am Ende für wenige Sekunden gezeigt wohl, weil man keine Dollars für ausuferndes Creature-Design übrig hatte. Mit den miserablen CGI-Effekten verpuffen auch die Illusionen, die Regisseur JACK HELLER zuvor mit viel Liebe für Oldschool-Horror aufgebaut hat. Übrigens: dieser Film ist nichts für die Liebhaber hektisch geschnittener Hochglanzfilme aus der Mache eines Michael Bay. DARK WAS THE NIGHT ist langsam erzählte Gruselware, die den Anspruch bewahrt. Zuschauer, die nichts mit Horror der alten Schule anfangen können, dürften gelangweilt abschalten.
 
 


 
 
 

DARK WAS THE NIGHT – Zensur

 
 
 
Sonderlich zeigefreudig ist DARK WAS THE NIGHT – DIE WURZELN DES BÖSEN nicht. Die meisten Gewaltmomente passieren im Off. Zudem setzt der Streifen vordergründig auf subtilen Horror. Hierzulande hat es dafür eine FSK16 gegeben.
 
 
 


 
 
 

DARK WAS THE NIGHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Eurovideo Medien

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dark was the Night; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Keine Extras

Release-Termin: 07.04.2016

 

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DARK WAS THE NIGHT – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshots liegen bei: Eurovideo Medien)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Indigenous (2014)
 
Feed the Gods (2014)
 
Exists (2014)
 
Leprechaun: Origins (2014)
 

Filmkritik: „Tusk“ (2014)

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TUSK

Story

 
 
 
Auf der Suche nach interessanten Menschen stößt der verrückte Podcaster Wallace Bryton auf den betagten Howard Howe, der den taffen Moderator auch gleich in seinem Anwesen festhält, um seinen abartigen Neigungen nachgehen zu können …

 
 
 


 
 
 

TUSK – Kritik

 
 
 
Seit seiner letzten Regiearbeit, dem Sektenthriller RED STATE (2011) ist es verdächtig still um KEVIN SMITH geworden. In letzter Zeit vorwiegend als Produzent in Erscheinung getreten hat er in der Vergangenheit manch abgedrehte Kinofilme abgeliefert, wobei CLERKS und DOGMA (1999) zu den wohl bekanntesten Amüsier-Spulen gehören dürften, die der amerikanische Indie-Filmer bisher fabriziert hat. Nach knapp dreijähriger Regieabstinenz meldet sich SMITH mit der bizarren Horrorkomödie TUSK zurück, für die er wieder einige bekannte Schauspielgrößen versammeln konnte. Der einstige Kinderstar HALEY JOEL OSMENT (THE SIXTH SENSE) agiert zusammen mit Hollywood-Star JOHNNY DEPP vor der Kamera. Letzterer hat es sich nicht nehmen lassen die Rolle eines chaotischen Eigenbrötlers zu übernehmen, für die eigentlich QUENTIN TARANTINO vorgesehen war. Weil der kein Interesse am Mitwirken hatte, rückte DEPP nach und macht mal wieder das, was er am Besten kann: sonderbare Charaktere verkörpern, die ihm in schöner Regelmäßigkeit auf den Leib geschneidert werden.
 
Die Idee zu TUSK ist auf einen gemeinsamen Audio-Podcast namens „SModcast“ zurückzuführen, in dem sich Multitalent KEVIN SMITH und Produzent SCOTT MOSIER über eine Wohnungsanzeige lustig machten, in der ein Mann eine kostenlose Wohngelegenheit anbot und als Gegenleistung forderte, dass der neue Mitbewohner sich als Walross verkleiden möge. Weil SMITH das Wohnungsgesuch so absurd fand und auch Potenzial für eine mögliche Verfilmung sah, machte er daraus eine witzige Aktion und rief die Zuhörer der Folge 259 dazu auf, mit Hilfe des Hashtags „#WalrusYes“ ihr Interesse über eine Verfilmung zu bekunden. Vermutlich war das Feedback überragend, so dass aus der Idee schnell Ernst wurde und wenige Zeit später in San Diego auf der ComicCon ein erster Trailer zu TUSK gezeigt werden konnte. Doch dazu noch mehr: Glaubt man den diversen Interviews des Regisseurs, soll TUSK nur der Auftakt einer ganzen Film-Reihe werden. Eine True-North-Trilogie ist geplant, die um die ebenfalls in Kanada spielenden Filme YOGA HOSERS und JAWS ergänzt werden soll und alle Beteiligten zurückkehren lässt, die bereits im ersten Streifen zu sehen waren. So auch die Töchter von JOHNNY DEPP und KEVIN SMITH, die es ihren Vätern gleichtun und sich als Schauspielerinnen behaupten wollen.
 
TUSK erzählt die Geschichte von Podcaster Wallace Bryton (JUSTIN LONG), der für seine schwarzhumorige Internetsendung immer auf der Suche nach durchgeknallten Persönlichkeiten ist, die ihm abgefahrene Anekdoten aus ihrem Leben erzählen. Auf seinen Rundreisen entdeckt er in einer Bar den Brief des abenteuerlustigen Howard Howe (MICHAEL PARKS, aus RED STATE), der viel in seinem bisherigen Leben erlebt und zu erzählen hat. Nach einem kurzen Telefonat wird auch schon das erste Treffen vereinbart und Bryton reist nach Kanada, um den betagten Abenteurer zu besuchen. Leider erfährt das erhoffte Interview eine unerwartete Wendung, denn Howe hat mit seinem naiven Gesprächspartner Anderes im Sinn. Er überwältigt den ahnungslosen Podcaster, beraubt ihm seiner Beine und wandelt ihn Schritt für Schritt zum Walross um.
 
THE HUMAN CENTIPEDE lässt grüßen, denn irgendwie will man nach Sichtung von TUSK das Gefühl nicht loswerden wollen, als habe sich SMITH Ideen-Input beim Ekel-Horrormurks aus der Feder von TOM SIX geholt. Der hatte mit seiner kontroversen Frankenstein-Version im Jahr 2009 einen der skurrilsten Filme der letzten Jahre gedreht, der jedoch aufgrund der ungewöhnlichen Idee und der drastischen Darstellung von aneinandergenähten Menschen hier in Deutschland so schnell keinen Verleih fand. Anders sah es da jedoch international aus, wo der Film bis heute eine riesige Fangemeinde besitzt und sogar unzählige Parodien nach sich zog. TUSK könnte gleiche Richtung einschlagen, denn SMITH hat mal wieder Kino inszeniert, das ähnliches Kult-Potenzial besitzt, schließlich wird dem Zuschauer hier ein Sammelsurium schräger Charakter geboten, das allein schon das Sehen von TUSK rechtfertigt. Trotz weniger unappetitlicher Szenen kommt der Humor nicht zu kurz. SMITH lässt auch in seiner neusten Produktion das für seine Werke typische Sprüche-Feuerwerk auf den Zuschauer los, das man entweder mag oder nicht. Da wird zynisch über das kanadisch-amerikanische Verhältnis gewitzelt und kein gutes Haar an der amerikanischen Waffenpolitik gelassen. In TUSK wird nicht mit Gesellschaftskritik gespart, wenngleich diese auf eher erheiternde Weise geliefert wird, damit dem Zuschauer die mahnenden Seitenhiebe nicht auch noch auf den Magen schlagen.
 
Leider hat TUSK auch mit einigen Mankos zu kämpfen, denn inmitten schräger Geschwätzigkeit aber auch punktgenauer Wortpointen, verliert SMITH des Öfteren seine Geschichte aus den Augen. Weil TUSK aber nie erahnen lässt, wohin die Geschehnisse führen werden und neugierig auf das macht, was noch kommen wird, sind die wenigen Längen im Drehbuch zu verschmerzen. Demnach empfehlen wir diesen Höllenspaß all jenen Fans der düsteren Unterhaltung, die meinen, alles gesehen zu haben. TUSK gehört zu jenen Filmen, die so abgefahren sind, dass man es gesehen haben muss, um es überhaupt glauben zu können. Deshalb: Schaurig-komischer Geheimtipp fernab der Kommerzunterhaltung.
 
 
 


 
 
 

TUSK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Einzigartiger Absurditäten-Overkill, der seinesgleichen sucht. TUSK ist abgedrehter Filmnonsens, fast schon im Grad eines HUMAN CENTIPEDE. Wer in TUSK jedoch blutige Abartigkeiten erwartet, wird enttäuscht werden, denn Macher und Drehbuchschreiber KEVIN SMITH benutzt bevorzugt skurrilen Humor, statt die haarsträubende Geschichte im Blut zu ersäufen. TUSK glänzt nicht nur mit bizarren Ideen, sondern gefällt durch seine grotesken Charaktere, die allein schon die Sichtung rechtfertigen. Allen voran JOHNNY DEPP, der sich hier mal wieder selbst übertroffen hat und überspitzt einen Detektiv verkörpert, der das tut, was er am Besten kann: reden. Ansonsten bekommt der Zuschauer die wohl seltsamste Metamorphose der Filmgeschichte zu sehen, wenn ein Mann zum Walross umoperiert wird. Wer unkommerzielle Horror-Flicks abseits des Mainstreams bevorzugt, ist mit TUSK gut beraten, schließlich bekommt man nicht alle Tage solch sonderbare Horror-Ware auf den Bildschirm, die dazu noch schwer unterhaltsam ist.
 
 
 


 
 
 

TUSK – Zensur

 
 
 
THE TASK ist in Sachen Gewalt natürlich absolut nicht mit HUMAN CENTIPEDE 2 zu vergleichen, denn explizites Gemetzel gibt es hier nicht zu sehen. Meist bekommt der Zuschauer nur das Resultat schlimmer Szenen vor die Linse, die aber aufgrund der ironischen Inszenierung kaum hart wirken. Demzufolge ist TUSK ist Deutschland ab FSK 12 zu haben.
 
 
 


 
 
 

TUSK – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Human Centipede – Der menschliche Tausendfüßler (2009)
 
The Human Centipede II – Full Sequence (2011)