Filmkritik: „Gate II – Das Tor zur Hölle“ (1990)

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GATE 2 – DAS TÖR ZUR HÖLLE

(GATE II: THE TRESPASSERS)

Story

 
 
 
Einige Jahre sind vergangen seit den horriblen Abenteuern, in die der Schüler Glen und sein Kumpel Terry verwickelt waren. Jetzt kreisen die Gedanken des Letztgenannten wieder zunahmend um das teuflische Portal in Glens Garten. Bloß ist der inzwischen weggezogen und kann so Terry auch nicht davon abhalten, seinen seit damals gewachsenen okkultistischen Interessen folgen zu wollen. Terrys Leben ist ein Saures. Sein Vater säuft und lässt die Familie an die Wand fahren. Da bietet sich ja quasi an, einen Dämonen zu beschwören, der die Sache in richtige Bahnen lenkt. Wenn diese Faust’schen Geschäfte nur nicht immer so schlecht enden würden…

 
 
 


 
 
 

GATE 2 – Kritik

 
 
Tibor Takaczs schlägt wieder zu. Drei Jahre nach seinem Debüt, dem überraschenden Achtungserfolg GATE – DIE UNTERIRDISCHEN, lässt der ungarisch-kanadische Regisseur mit der Punker-Vergangenheit seine satanischen Minimonster ein zweites Mal auf die gierige Fantasy- und Horror-Zuschauerschaft los. Bei GATE II – DAS TOR ZUR HÖLLE ist das Gebotene nicht mehr ganz so originell wie beim ersten Teil – aber immer noch bunt und wild genug, um das Videothekenpublikum von einst und jetzt auch uns ein weiteres Mal zu unterhalten.
 
 
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Koboldsmonster im Taschenformat sind 1990 noch ordentlich im Trend. Das zeigen die Fortsetzungen beliebter Filmreihen ähnlichen Zuschnitts wie CRITTERS oder GHOULIES und auch GREMLINS 2 und Charles Bands zahlreiche Puppenhorror-Projekte stehen in den Startlöchern. Ja, ganz besonders dessen produktionsstarke Full Moon Studios würden sich ab 1993 geradezu über schwarzhumorigen Horror mit Miniatur-Ungetümern definieren. Das ist bis in die Gegenwart der Fall. Die Effekte sind erwartungsgemäß kostengünstig und vom alten Schlag, also zwischen Stop-Motion, Hintergrundprojektionen und Belichtungstricks angesiedelt. Als so etwas wie eine CGI-Werkbank muss in jenen Tagen höchstens eine robuste elektronische Rechenmaschine wie der Commodore Amiga 500 rödeln.
 
 
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Stephen Dorff, Hauptdarsteller des ersten Teils, war seinerzeit zum saisonalen Anschmacht-Star fürs weibliche Publikum und somit zu teuer für ein Independent-Studio geworden und man musste das Drehbuch um seinen Freund Terry (Louis Tripp) herum schreiben. Auch ok – lebt ein Film wie GATE II – DAS TÖR ZUR HÖLLE ja nun nicht unbedingt vom besonders feinzeslierten und auf die exakte Besetzung zugeschnittenen Charakterstudium. Nein, der Plot ist ein Faust’sches Moralspiel mit modernisierenden Tupfern und an den richtigen Stellen auch mal ironischem Unterton. Dem Produktionsdesign und den FX sieht man ihre Entstehungszeit an. Das gibt natürlich Instant-Sonderpunkte im für Genreprogramme von einst so wichtigen Nostalgiebereich.
 
 
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GATE 2 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Auch GATE II – DAS TOR ZUR HÖLLE zählt mal wieder zu jener Art von Fantastischem Film, dessen Rezeptur im Sande der Zeit verlaufen zu sein scheint. Minimonster, Angst vorm wahren Horror des echten Lebens, grell gezeichneter Okkultismus. Alles Ingredenzien, von denen die Filmemacher Post-SCREAM und verhaftet im ästhetischen Kino- und Streaming-Einheitsbrei der Generation Netflix mehr Angst haben als der Deibel vorm Weihwasser. Deliziöser Film. Ja, ist so.
 
 


 
 
 

GATE 2 – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von GATE 2 – DAS TOR ZUR HÖLLE erschien hierzulande auf VHS ungekürzt mit FSK 18-Freigabe, aber auch als knapp dreiminütige zensierte 16er-Fassung – ebenfalls auf VHS. Auf dem Index stand der Streifen aber nicht. Trotzdem war nach der Video-Veröffentlichung viele Jahre Funkstille. Auch eine legale DVD-Auflage folgte nicht. Das Label WICKED VISION änderte das aber. Im Juni 2018 veröffentlichte das ambitionierte Indie-Label die Fortsetzung zum ersten Mal auf Blu-ray in deutscher Sprache. Die darauf enthaltene Fassung ist ungeschnitten und nach einer Neuprüfung sogar ab 12 (!) Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

GATE 2 – Deutsche Blu-ray

 
 
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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover A – auf 333 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover B – auf 222 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover C – auf 333 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (VHS-Retro-Edition inklusive Teil 1 – Cover A)

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(c) Wicked-Vision (VHS-Retro-Edition inklusive Teil 1 – Cover B)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Gate II: The Trespassers; Kanada | USA 1990

Genre: Horror, Mystery, Grusel, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook, VHS-Retro-Edition

Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Stuart Taylor Corman, (Deutsch/Englisch), 2K Scan vom Interpositive, Deutsche Nostalgie-Fassung (4:3), „Return to the Nightmare“: Ein Rückblick auf „Gate II“ inklusive Interviews mit Regisseur Tibor Takacs, Drehbuchautor Michael Nankin und Special Visual Effects Creator Randall William Cook, „From The Depths“: Interview mit Special Make-up Effects Creator Craig Reardon, Videotheken-Promo, Video-Promo, Deutscher, Trailer, Originaltrailer, Bildergalerie, Deutscher Trailer: „Gate – Das Tor zur Hölle“, zusätzliche DVD mit allen Inhalten wie auf der Blu-ray

Release-Termin: Mediabook: 15.06.2018 | VHS-Retro-Edition: 30.10.2019

 

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GATE 2 – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken und Packshots liegen bei Wicked-Vision)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gate – Die Unterirdischen (1987)
 
Ghoulis (1985)
 
The Hole – Wovor hast Du Angst? (2009)
 

Filmkritik: „Slithis – Das Schlimmste was die Hölle zu bieten hat“ (1978)

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SLITHIS – DAS SCHLIMMSTE WAS DIE HÖLLE ZU BIETEN HAT

(SPAWN OF THE SLITHIS)

Story

 
 
Verdammte gewerbsmäßige Rücksichtslosigkeit der Industrie! Auch im sonnig-schönen Südkalifornien nimmt man es an jenem Tage, Ende der Siebziger Jahre, nicht so eng mit der verflixten Reaktorsicherheit. Die satanische Uransuppe läuft dann auch aus und versaut die regionalen Gewässer tüchtig. Ein unschuldig im Nass ruhendes Reptil zieht die Goldene Arschlochkarte und bekommt den größten Teil der giftigen Sauerei ab. Jetzt schleicht der missmutige Giftmüll-Sasquatch durch die Peripherie und reißt, was ihm vor die fiesen Klauen kommt. Das wären Penner, Omis, Frauen, Kinder und andere Futtermittel. Der SPAWN OF THE SLITHIS (so der edle Originaltitel alter Schule, den diese Preziose von Monster-Schlock trägt) hat einen nur wenig unausgewogenen Diätplan, meine Damen und Herren.

 
 
 


 
 
 

SLITHIS – Kritik

 
 
Die Atomkraft hat Schuld. So. Früher wurde eine solche, vollends vernunftfundierte Allgemeinwahrheit im Reiche des Films noch als Selbstverständlichkeit erachtet. Dem alten SLITHIS ging’s da nicht anders. Seine verstrahlte Genetik entstammt direkt dem nuklearen Klärschlamm von Venice Beach in Kalifornien. Diesem entsteigt der schuppige Strolch, zwei Meter groß und insgesamt sowas wie ein glibbergrüner Rieseneidechs‘ im Aufrechtgang und mit mächtigen Aggressionsproblemen.
 
 
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SLITHIS vermittelt durchgehend den Eindruck, schon zu seiner Aufführungszeit knapp fünfundzwanzig Jahre zu spät gekommen zu sein. Unsympathisch ist das natürlich beileibe nicht. Ja, das klassische Gummimonster-lässt-die Kacke-fliegen-Zelluloidabenteuer ist 1978 durchaus längst ein Relikt der halbvergessenen Genrefilm-Vergangenheit. Blindmaskiert umhertapernde Herren, gerne Stuntmänner, in gleichermaßen phantasievollen wie sofort erkennbar kostengünstigen Kostüm-Alpträumen aus Plaste, Latex und Pappmaché wirken kurz vorm Anbruch der futuristisch anmutenden Achtziger Jahre bereits ganz gehörig aus der Zeit gefallen.
 
 
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Zwischenzeitlich hatte sich das Horror-Kino umwälzenden Veränderungen unterzogen. Die ängstlichen Monsterinvasionen wurden von nackter Haut und dem Früh-Splatter-Kino der vollen Ketchup-Eimer abgelöst und danach, etwa von Regisseuren wie George A. Romero oder Larry Cohen, mit politischem, genauer linkem Bewusstsein aufgeladen. SLITHIS stellt quasi – wenn wir hier mal für dreißig Sekunden filmhistorisch ernsthaft sein wollen – eine Vollendung des Kreises dar: Nur wenig turbulenter Monster-Trash der Fünfziger mit Gewaltanteil straight aus den Sixties und dem Siebziger-Beigeschmack des politischen Vorwurfs an eine skrupellose Atomenergie-Wirtschaft. Wunderbar!
 
 
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Was SLITHIS in den Kinos an halsbrecherischer Action und zähnezerbröselnder Spannung vermissen lässt, versucht man auf Produzentenseite seinerzeit frechweg mit dem Verteilen eines kostenlosen Billig-Überlebenssets für den Fall eines allgegenwärtig ad portas angedrohten Atommonster-Angriffs wettzumachen. Neben albernen Quizfragen zum Thema kann man für einen mickrigen Centbetrag ein geiles Autogrammfoto des Ungetüms erstehen. Unsigniert. Aus Gründen. Der Club befand sich im Bundesstaat Iowa. Dort gibt’s zwar keine kalifornischen Strände, jedoch einen überdurchschnittlichen Anteil an mutierten Amerikanern. Trump-Quote A-Plus, will man sagen. Regisseur Stephen Traxler hat nur bei SLITHIS und zwanzig Jahre später einem öligen Fernsehfilm als Regisseur gewirkt. Ansonsten tut er sich als Produktionsmanager in Edelprogramm wie Chuck Norris faschistischstem Prachtfilm INVASION U.S.A. (1985) oder Lord Costners sagenumwobenem Endzeit-Sauflop WATERWORLD im Jahre 1997 hervor. Wir finden, im Hause TROMA wäre für den Mann bestimmt ein Spind übrig gewesen.
 
 


 
 
 

SLITHIS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Popcornisiertes Herrenmonster-Kino wie SLITHIS hat im Bahnhofskino nur der härteste Kern der Trashologenzunft gesehen, auf nicht unbedingt verbreiteter VHS landet der Film dann in Fass-ohne-Boden-Sammlungen wie denen des Rezensenten hier. Jetzt gibt es SLITHIS in einer Herrlichkeit zu bewundern, die woanders nur seriöse Filmkunst verpasst bekommt. Hallelujah und verdammte gewerbsmäßige Rücksichtslosigkeit der Industrie!
 
 


 
 
 

SLITHIS – Zensur

 
 
 
SLITHIS – DAS SCHLIMMSTE WAS DIE HÖLLE ZU BIETEN HAT erschien bereits zu VHS-Zeiten ungeschnitten. Das hat sich auch im HD-Zeitalter nicht geändert. Alle deutschen Blu-ray-Veröffentlichungen besitzen noch die alte FSK18-Freigabe. Sammler können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

SLITHIS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (Mediabook – Limitiert auf 1500 Stück)

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(c) White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Spawn of the Slithis; USA 1978

Genre: Horror, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Artwork-Bildergalerie, Trailer | zusätzlich im Mediabook: DVD-Fassung des Films, Booklet

Veröffentlichung: Mediabook: 09.11.2018 | KeepCase: 07.08.2020

 
 

Slithis [Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Slithis [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SLITHIS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei White Pearl Movies | Daredo)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Nightbeast (1982)
 
Humanoids from the Deep (1980)
 

Filmkritik: „Dark Light“ (2019)

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DARK LIGHT

Story

 
 
 

Eine junge Mutter zieht in das Haus aus ihrer Kindheit und erlebt dort einen Neuanfang des Schreckens.

 
 
 


 
 
 

DARK LIGHT – Kritik

 
 
 
Einmal Horrorfilm-Macher, immer Horrorfilm-Macher. PADRAIG REYNOLDS erfüllt das Klischee von jenen Regisseuren, die mit dem Inszenieren von Horrorschockern Erfolg haben und damit nicht mehr aufhören können. Der bekam mit dem Genre-Werk RITES OF SPRING den Fuß ins Filmgeschäft und legte anschließend mit nicht minder gruseliger Ware wie THE DEVIL’S DOLLS und OPEN 24 HOURS nach. Mittlerweile sind wir bereits bei Spielfilm Nummer vier angekommen und der ist – man mag es nicht glauben wollen – wieder ein Horrorthriller. DARK LIGHT nennt sich das Ganze und sollte ein Okkult-Schocker mit Dämonen werden. Doch die Idee zu THE DEVIL IS REAL – so der anfängliche Titel – war den Produzenten zu abgedroschen. Deshalb bat man Regisseur PADRAIG REYNOLDS darum, das Skript umzuschreiben und daraus einen Kreaturenfilm zu machen. Ein Vorschlag, der bei genanntem Filmemacher Anklang fand. Der wollte schon immer ein Creature-Feature machen und ging mit seiner Idee zu Kumpel AARON SIMS, der bereits Spezialeffekte für Kinohits wie READY PLAYER ONE und PLANET DER AFFEN beigesteuert hat. Der kreierte zusammen mit seinem Team ein groteskes Wesen, das sich durchaus sehen lassen kann – zumindest, wenn man es nicht bei voller Ausleuchtung zu Gesicht bekommt.
 
 
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Annie Knox (JESSICA MADSEN aus LEATHERFACE – THE SOURCE OF EVIL) muss noch einmal neu anfangen. Der Gatte hat sie betrogen und die Mutter ist plötzlich verstorben. Die Folge: ein Nervenzusammenbruch. Deshalb zieht sie aus der gemeinsamen Wohnung aus und nimmt Tochter Emily mit in das Landhaus der verstorbenen Mutter weit abseits der Stadt. Hier inmitten von Maisfeldern und Wäldern ist es still, hier will die gekränkte Frau wieder neue Kraft tanken. Doch daraus wird so schnell nichts. Kaum eingezogen, passieren seltsame Dinge. In der Nacht ziehen Lichtkegel um das Haus und mysteriöse Schritte sind zu hören. Hinzukommt, dass die kleine Emily immer wieder von starkem Nasenbluten geplagt wird. Sind hier übernatürliche Kräfte am Werk? Zumindest ist sich Annie Knox ganz sicher. Doch niemand will ihr Glauben schenken – nicht einmal die Polizei.
 
 
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Effektives Verwirrspiel. Die große Stärke von DARK LIGHT liegt in der Tatsache, dass lang unklar bleibt, um was es denn nun wirklich in diesem Film geht. Wird die junge Mutter tatsächlich von boshaften Wesen terrorisiert oder sind die Erscheinungen alles nur psychische Manifestationen einer gestressten Frau, die – ähnlich wie im Mysterythriller DER BABADOOK – einfach überfordert mit ihrer aktuellen Situation ist? Regisseur PADRAIG REYNOLDS hebt sich die Antworten darauf bis zum Finale auf und verwirrt den Zuschauer mit immer wieder unheimlich ausgeleuchteten Konfrontationen zwischen der Filmheldin und obskuren Kreaturen, die die Frage in den Raumen werfen, ob das alles echt oder nur Einbildung ist. Apropos Ausleuchtung: DARK LIGHT tischt in Sachen Atmosphäre groß auf. Der Streifen ist von allgegenwärtiger Dunkelheit umhüllt. Ab und an huschen eigensinnige Schatten durch die Kamera. Seltsame Lichtstrahlen und ein unheimlicher Klangteppich sorgen für dichte Atmosphäre. Da kann nichts mehr schiefgehen – oder?
 
 
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DARK LIGHT verfügt über gute Voraussetzungen für einen schaurigen Filmabend. Leider kann DARK LIGHT das hohe Gruselniveau nicht bis zum Abspann halten. Der Streifen wandelt beim Showdown auf konventionellen Pfaden. Vorbei der bedachte Aufbau von Gruselstimmung, Schluss mit doppeldeutigem Verwirrspiel. PADRAIG REYNOLDS entscheidet sich für den Massengeschmack und macht Nägel mit Köpfen. Die Antworten werden auf dem Silbertablett serviert und sind etwas sehr platt, generisch und vorhersehbar geraten. Als wäre das nicht alles schon ärgerlich genug, wird das Publikum auch noch durch hektische Bilder und (zu) laute Schockmomente verschreckt. Letztere werden beinahe inflationär eingesetzt und reißen oft wegen der Lautstärke aus dem Filmsessel. Somit könnte DARK LIGHT auch ein beliebiger Schocker aus dem amerikanischen BLUMHOUSE STUDIOS sein. Dort zählen durchgestylte Filme mit makellosen Jungdarstellern und aggressiven Schocks mehr, als frische Ideen aus den Köpfen kreativer Drehbuchautoren.
 
 
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DARK LIGHT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Anfangs Psychothriller, später Spukhausfilm, am Ende Kreaturen-Horror. DARK LIGHT ist ein atmosphärisch dichter Horror-Mix, der aber nach einem starken Auftakt so ziemlich hanebüchen wird. Dabei macht es das Creature-Feature vielen Horrorfilmen gleich, die es zu gut mit dem Zuschauer meinen. Die meisten Filmemacher legen sich anfangs ins Zeug, um möglichst gruselige Stimmung zu erzeugen. Leider sieht man sich nicht selten im Finale gezwungen, Selbiges mit Pauken und Trompeten abschließen zu müssen. Da überschlagen sich die Ereignisse und der Film muss zwangsläufig im lauten Effektegewitter enden. Dieser generische Ablauf ist auch in DARK LIGHT Programm. Anfangs wohlig schaurig, wird es vorm Abspann hektisch, laut und überladen. Aber das ist nicht der einzige Punkt, der übel aufstößt. DARK LIGHT erinnert stark an DEVIL’S GATE aus dem Jahr 2017. Auch darin wird ein junger Mann mit mysteriösen Dingen in einem Landhaus konfrontiert. Beinahe alles wurde aus genanntem Sci-Fi-Horror stibitzt: die Handlung, die Kulisse – selbst der Look. Das ist irgendwie frech.
 
 
 


 
 
 

DARK LIGHT – Zensur

 
 
 
DARK LIGHT hält sich in Sachen Gewalt zurück. Die Monster im Film knappern etwas an menschlichen Körpern herum. Ansonsten kommt mal kurz ein Schrottgewehr zum Einsatz. Hierzulande ist locker eine FSK16 drin.
 
 
 


 
 
 

DARK LIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Devil’s Gate (2017)
 
Extraterrestrial (2014)
 
A Dark Place (2018)
 
Vergeltung – Sie werden Dich finden (2006)
 
The Hole In The Ground (2019)
 

Filmkritik: „The Young Cannibals“ (2019)

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THE YOUNG CANNIBALS

(EATEN ALIVE!)

Story

 
 
 

Ein Monster macht Jagd auf junge Leute, die versehentlich von einer Leckerei genascht haben, von der sie besser die Finger gelassen hätten.

 
 
 


 
 
 

THE YOUNG CANNIBALS – Kritik

 
 
 
Wenn man von sogenannten Creature-Features hört oder liest, schwant alteingesessenen Horrorfilmfans Schlimmes. Dabei handelt es sich in der Regel um Filme in denen Monster ihr Unwesen treiben. In der Vergangenheit produzierten vor allem THE ASYLUM und SYFY derart Werke, die nicht unbedingt einen guten Ruf unter Fans des Genres genießen. Doch das schlechte Image kommt nicht von Ungefähr. Genannte Produktionsfirmen haben sich seit jeher nicht durch Qualität ins Gedächtnis der Zuschauer brennen können. Stattdessen drehte man günstige Horrorfilme am Fließband, die sich vor allem durch schlechte Effekte, untalentierte Schauspieler und sinnbefreite Drehbücher auszeichneten. Dass da mittlerweile auch Produktionen darunter leiden, die rein gar nichts mit genannten Trash-Fabriken zu tun haben, ist eine traurige Entwicklung. Viele (unerfahrene) Horrorfilmfans bringen nämlich Monsterkino gleichzeitig mit Trash in Verbindung – ob berechtigt oder nicht. Eine Tatsache, die auch dem Horrorthriller THE YOUNG CANNIBALS das Leben schwer machen dürfte. Von Trash ist die britische Produktion weit entfernt. Stattdessen wird spannendes Monsterkino geboten, das sich als Liebesbrief an das Horror-Genre entpuppt.
 
 
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Den 20. Geburtstag hat sich Nat (MEGAN PURVIS aus DON’T KNOCK TWICE) ganz anders vorgestellt. Die leidet unter Depressionen und sitzt nach einem gescheiterten Selbstmordversuch in der Psychiatrie. Aber gut, dass es Freunde gibt. Die verhelfen der jungen Frau zur Flucht, damit man an einem abgelegenen See feiern, trinken und kiffen kann. Da kommt ein kleiner Geburtstagssnack geradezu recht. Den bekommen die Kumpels von einem spendablen Einheimischen in Form von Hamburgerfleisch serviert. Doch das kulinarische Präsent hat seine Tücken. Statt Tierfleisch beinhaltet es das Fleisch von ermordeten Menschen, denn der Spender outet sich als Kannibale. Letzterer verfolgt mit der Tat eigene Interessen. Ein Monster hält die Gegend auf Trab. Das macht ausschließlich Jagd auf Kannibalen. Da nun Nat und Anhang unbeabsichtigt Menschenfleisch gegessen haben, befinden sich nun die Freunde im Fokus der erbarmungslosen Kreatur. Was folgt, ist für unsere Helden eine Nacht des Grauens, denn inmitten von Wald und Wiesen ist man als Monsterbeute nirgendwo sicher.
 
 
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Da weckt ein Titel falsche Erwartungen. Was einen Kannibalenfilm vermuten lässt, ist alles andere – nur nicht das. THE YOUNG CANNIBALS ist im Subgenre der Monsterfilme beheimatet und lässt eine Gruppe junger Leute vor dem Tod davonlaufen. Der tritt als Monster in Erscheinung, dessen Leibspeise es ist Menschen zu zerreißen, die gern Menschenfleisch verspeisen. Dass da nicht unbedingt das Hirn eingeschaltet werden muss, dürfte klar sein. Doch THE YOUNG CANNIBALS – der übrigens anfangs EATEN ALIVE heißen sollte und wegen der Titelgleichheit zu Tobe Hoopers Film aus dem Jahr 1976 umbenannt werden musste – ist deshalb nicht unbedingt schlecht. Klar verbringt der Streifen einen Großteil seiner Handlung damit, dass ahnungslose Leute vor dem Unbekannten davonlaufen und nacheinander in Stücke gerissen werden. Doch die Regisseure KRIS CARR und SAM FOWLER halten sich bedeckt. Im Dunkel der Nacht bleibt lang verborgen, wer da den Freunden an die Innereien möchte. Da verschwinden die Kumpels wie von Zauberhand von der Bildoberfläche und mysteriöses Keuchen deutet darauf hin, dass in den Wäldern etwas haust, das weit weg von normal ist.
 
 
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THE YOUNG CANNIBALS erinnert an so Schocker wie THE DESCENT oder DOG SOLDIERS, wobei in erster Linie die souveräne Inszenierung verblüfft. Atmosphärische Kameraeinstellungen, routinierter Schnitt, gelungene Spezialeffekte und ein fesselnder Synthesizer-Score deuten auf Expertenarbeit hin. Doch dem ist nicht so. Hinter dem kurzweiligen Überlebenstrip stecken unerfahrene Newcomer, die sogar Kredite abschlossen, um den Traum vom ersten Langfilm erfüllen zu können. Die Macher KRIS CARR und SAM FOWLER schlossen vor einiger Zeit erst ihr Studium an der Filmhochschule Bournemouth ab und outeten sich in Interviews als Horrorfilmfans. Die wollten selbst mal einen typisch amerikanischen Horrorfilm drehen und holten sich Inspirationen bei so Kultware wie CABIN FEVER, EVIL DEAD, BLAIR WITCH PROJECT und den bereits oben genannten Horror-Hits von der Insel. Aus all diesen Horrorfilmen stibitzten sie sich die besten Zutaten für den ersten eigenen Langfilm und drehten selbigen zusammen mit 30 weiteren Absolventen der gleichen Uni.
 
 
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Was dabei entstanden ist, lässt selbst alteingesessene Horrorfilmkenner erstaunen. Das ist Low-Budget? Niemals! THE YOUNG CANNIBALS ist schnörkelloses Monsterkino, das auf Trapp hält. Es wird geschrieen, gewimmert und gerannt. Praktische Effekte lassen längst vergangene Zeiten aufleben und zeigen vor was man sich hier verbeugt. Es sind die experimentellen 1980er, wo man vor allem im Horrorfilm mit kreativen Spezialeffekten die Aufmerksamkeit des Publikums für sich gewinnen konnte und gleichzeitig Jugendschützer in Alarmposition versetzte. Die Liebe zur Handarbeit hat aber seinen Grund. KRIS CARR und SAM FOWLER sahen sich auf Rat eines Kommilitonen diverse frühere Werke des verehrten PETER JACKSON an. Der fasste bekanntlich durch blutige Splatter-Eskapaden Fuß im Filmgeschäft. Das imponierte den beiden Neulingen und sie hatten eine Menge Spaß mit so Filmen wie BAD TASTE und BRAINDEAD aus dem umfangreichen Repertoire des Neuseeländers. Das hatte zur Folge, dass handgemachte Effektarbeit eben auch den ersten Langfilm hervorheben sollte. Betrachtet man sich das Filmmonster genauer, dürfte man schnell zur Erkenntnis kommen, dass die beiden Newcomer ihre Hausaufgaben mit großer Sorgfalt erledigt haben. Der Bösewicht glänzt nicht nur durch außergewöhnliche Fähigkeiten, sondern auch durch kreatives Design. Da können sich manch andere Filmemacher eine Scheibe abschneiden, die sich trotz des Erzählens der immer gleichen Geschichten nicht einmal mehr die Arbeit machen zumindest dem Filmbösewicht ein frisches und kreatives Design zu verpassen.
 
 
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THE YOUNG CANNIBALS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein Creature-Feature von Horrorfans für Horrorfans. THE YOUNG CANNIBALS ist ehrliches Monsterkino fürs Heimkino, das das Maximum aus seinem kleinen Budget herauskitzelt. Nichts mit billig. Den Low-Budget-Status sieht man diesem Horrorfilm keineswegs an – und das, obwohl unter Schwerstbedingungen gedreht werden musste. Die Dreharbeiten fanden während eines Tornados im amerikanischen Snowdonia-Nationalpark statt. Trotzdem schaut alles nach mehr aus, als es letztendlich gekostet hat. Dabei im Fokus: ein gelungen designtes Monster, das Potenzial für so einige Fortsetzungen besitzen dürfte. THE YOUNG CANNIBALS ist Anfängerarbeit und das sieht man diesem Film keineswegs an. Ob Soundtrack, Schnitt oder Kameraarbeit – hier waren Liebhaber des Genres am Werk. Die Regisseure KRIS CARR und SAM FOWLER setzten auf Oldschool und liefern dabei eine liebevolle Hommage an das Horrorkino der 1980er ab. Statt Computertechnik und CGI wird auf Handgemachtes zurückgegriffen. Schon aufgrund dieser Tatsache dürfte der atmosphärische THE YOUNG CANNIBALS bei vielen Horrorfilmfans ein Stein im Brett haben.
 
 
 


 
 
 

THE YOUNG CANNIBALS – Zensur

 
 
 
THE YOUNG CANNIBALS ist nicht sehr blutig. Die Protagonisten werden zwar nach und nach von einem Monster in Stücke gerissen. Ausufernde Splatter-Exzesse werden aber nicht gezeigt. Hinzukommt, dass der Streifen zu einem großen Teil bei Dunkelheit spielt. Da kann man diverse Spezialeffekte nicht immer genau erkennen. Hierzulande dürfte THE YOUNG CANNIBALS eine FSK16 erhalten. Das deutsche Label INDEED FILM hat sich die Auswertungsrechte für Deutschland gesichert und möchte den Film Anfang 2020 veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

THE YOUNG CANNIBALS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Bad Taste Pictures | Indeed Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Primal Rage (2018)
 
Jeepers Creepers 3 (2017)
 
SiREN (2016)
 
Feed the Gods (2014)
 
Exists (2014)
 
Neverknock (2017)
 
Scarecrows (2017)
 
Scarecrow – Das Grauen stirbt nie (2013)
 

Filmkritik: „Viking Vengeance“ (2018)

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VIKING VENGEANCE

(THE HEAD HUNTER | THE HEAD)

Story

 
 
 

Aus dem Leben eines Monsterjägers: Ein namenloser Kopfgeldjäger hat es sich zur Aufgabe gemacht das Königreich von Monstern zu säubern. Bis er auf jenes Monster trifft, mit dem er privat ein Hühnchen zu rupfen hat.

 
 
 


 
 
 

VIKING VENGEANCE – Kritik

 
 
 
Mittelalter, Blut und Horror – das ist stets eine sichere Bank. Nicht ohne Grund erreichen TV-Serien wie GAMES OF THRONES, VIKINGS oder THE LAST KINGDOM enormen Zulauf und bescheren TV-Kanälen so rekordverdächtige Einschaltquoten. Dass sich daran natürlich auch der Videomarkt orientiert, dürfte nicht überraschen. Doch die Sache hat einen Haken. Diese Art Filme kosten Geld, weil sie besondere Kostüme und natürlich auch komplizierte Kulissen voraussetzen. Kein Hindernis für Multitalent und Finanzgenie JORDAN DOWNEY. Der war schon Praktikant von WES CRAVEN und scheint vom Altmeister Tipps bekommen haben, wie man mit kleinem Budget maximalen Horror fabriziert. Entstanden ist so THE HEAD HUNTER – das bisher ehrgeizigste Projekt des Regisseurs, das für den deutschen Markt in VIKING VENGEANCE umgetauft wurde und Downeys Leidenschaft fürs Horrorkino unterstreicht. Der startete seine Karriere als Filmemacher bereits 2009 mit dem ersten Langfilm THANKSKILLING. Die trashige Hommage an die vielen Horrorfilme, mit denen der Regisseur aufgewachsen war, kam so gut bei Horrorfilm-Jüngern an, dass schnell eine Fortsetzung gedreht werden musste. Letztere stellte im Jahr 2012 einen Rekord auf KICKSTARTER auf. Über 100.000 US-Dollar machten begeisterte Filmfans locker, damit das Sequel gedreht werden konnte. Bis dato kam für keine andere Horrorproduktion auf dem Crowdfunding-Portal KICKSTARER so viel Geld zusammen, wie für den Nachfolger genannten Splatter-Ulks.
 
 
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Wir machen eine Reise zurück ins Mittelalter. Irgendwann zu jener Epoche fristet ein Kopfgeldjäger ein jämmerliches Dasein. Der Bursche ist von Hass getrieben und das nicht ohne Grund. Eine boshafte Kreatur hat den Tod der einzigen Tochter auf dem Gewissen. Nun fordert der von Wut getriebene Rächer Vergeltung und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschheit vom Bösen zu befreien. Tagein, tagaus reitet er deshalb mit seinem Pferd durchs Land, um das Reich vor Monstern, Drachen und anderen okkulten Gefahren zu schützen. Mit Erfolg, wie die heimische Trophäen-Wand beweist. Dort hat der Rächer die Köpfe all jener Monster gesammelt, mit denen er kurzen Prozess veranstaltet hat. Routiniertes Monsterschlachten also – bis der Krieger auf die Gestalt trifft, die einst die Tochter getötet hat.
 
 
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Unabhängiges Horrorkino auf einem neuen Level. VIKING VENGEANCE zeigt ganz eindrucksvoll, dass Filme mit kleinem Budget nicht zwingend kostengünstig aussehen müssen. Was hier mit gerade einmal 20.000 US-Dollar auf Film gebannt wurde, ist kaum zu glauben. Ob Kulisse, das Schauspiel, Schnitt, Kameraarbeit oder die musikalische Untermalung – nichts zeugt davon, dass beim Produzieren auf Sparflamme geköchelt werden musste. In VIKING VENGEANCE schaut alles nach mehr aus, als es gekostet hat, was auf das Konto von Regisseur JORDAN DOWNEY geht. Der scheint ein talentiertes Händchen fürs Buchhalten zu besitzen. Zuletzt sorgte der noch unbekannte Filmemacher für Furore, als ein von ihm gedrehter achtminütiger Fanfilm zum Kult-Horror CRITTERS im Netz die Runde machte. Auch dort verblüffte der Newcomer mit hohem technischen Standard, den sich sonst nur Produktionen namhafter Studios leisten können.
 
 
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Doch so groß die Freude über technische Fertigkeiten auch ist, so deprimierend die Tatsache, dass VIKING VENGEANCE kein neuer Kultfilm ist. Der Streifen schaut zwar prächtig aus, geizt aber mit Handlung. So folgen wir stets den gleichen Abläufen. Der Krieger bereitet sich auf Einsätze vor, vernimmt ein Warnsignal und reitet los, um den Monstern den Marsch zu blasen. Was genau im Gefecht passiert, erfährt der Zuschauer nicht. Die Handlung setzt erst wieder ein, wenn der namenlose Kämpfer heimkehrt, um die Trophäe seines Einsatzes an die Wand zu nageln. Auf Dauer eine ermüdende Angelegenheit, zumal sich WIKING VENGEANCE so anfühlt, als habe man krampfhaft versucht aus einer Kurzgeschichte einen Spielfilm zu machen. Immerhin wird es im Finale interessant. Dann nämlich versucht der Streifen aus seiner Monotonität auszubrechen. Da steht unser Held plötzlich jenem Feind gegenüber, der ihn zu dem gemacht hat, was er jetzt ist. Da kommt VIKING VENGEANCE endlich mal in Fahrt und zeigt einmal mehr, wie einfach es doch sein kann aus wenigen Mitteln effektives Monsterkino zu machen.
 
 
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VIKING VENGEANCE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Horror-Indie-Kino 2.0: Der handwerklich beeindruckende VIKING VENGEANCE lässt alle bisher gedrehten Low-Budget-Produktionen alt aussehen. Was man mit einem Mini-Budget von gerade einmal 20.000 US-Dollar hier auf die Beine gestellt wurde, verschlägt den Atem. Der Streifen schaut aus, wie die Produktion eines großen Studios und lässt nicht einmal ansatzweise erahnen, das der Film mit kaum finanziellen Mitteln gedreht wurde. Für diese Glanzleistung muss man alle Beteiligten einmal loben. Um gut haushalten zu können, musste gespart werden, wo es nur ging. Deshalb drehte man in einem zweihundert Jahre altem Dorf, in dem gerade einmal drei Menschen leben. Eine derer ist die Großmutter von Kameramann und Drehbuchautor KEVIN STEWART. In deren Obhut befand sich Stewart als Kind so ziemlich oft und vertrieb sich gern mal die Zeit in den zerfallenden Steinhäusern und alten Ruinen des Ortes. Die perfekte Kulisse für VIKING VENGEANCE, der mit kaum Dialog auskommt und stattdessen eine One-Man-Show in den Fokus rückt, die aber etwas unter dem nicht sonderlich umfangreichen Drehbuch leidet. So erfährt man im Film nicht unbedingt viel über den einzigen Protagonisten, der getrieben von Rache nur selten einen Blick hinter die emotionale Fassade zulässt.
 
 
 


 
 
 

VIKING VENGEANCE – Zensur

 
 
 
VIKING VENGEANCE – der im Original eigentlich THE HEAD HUNTER heißt – hat nur wenige Gewaltmomente zu bieten. Man bekommt abgetrennte Monsterhäupter zu sehen und einige von Monstern zugefügte Kratzer, die der Filmheld mit eigensinniger Medizin behandelt. Außerdem bekommt der Zuschauer einen abgeschlagenen Menschenkopf zu sehen, der aufgespießt wird. Hierzulande hat der Streifen einen FSK16 in ungeschnittener Form erhalten. Diese ist gerechtfertigt.
 
 
 


 
 
 

VIKING VENGEANCE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) INDEED FILM (Blu-ray im KeepCase)

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(c) INDEED FILM (Limitiertes Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Head Hunter; USA 2018

Genre: Horror, Thriller, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 73 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover | Mediabook

Extras: Trailer, Trailershow, Audiokommentar | zusätzlich im Mediabook: Booklet, neben der Blu-ray befindet sich der Hauptfilm zusätzlich auf DVD

Release-Termin: 07.06.2019

 

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VIKING VENGEANCE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken + Packshots liegen bei INDEED FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der 13te Krieger (1999)
 
Beowulf (1999)
 
Outlander (2008)
 

Filmkritik: „The Cleanse“ (2016)

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THE CLEANSE

(THE MASTER CLEANSE)

Story

 
 
 

Neustart mit Hindernissen: Ein seltsames Programm soll Menschen von ihren Sorgen befreien und ein neues, besseres Leben ermöglichen. Doch dieser Kurs hat auch seine Tücken, wie der desorientierte Mittdreißiger Paul herausfinden muss.

 
 
 


 
 
 

THE CLEANSE – Kritik

 
 
 
Es ist immer wieder überraschend, wen man so alles in Indie-Horrorfilmen wiedertrifft. Nicht selten geben sich nämlich namhafte Schauspieler die Ehre und tauchen in Filmen auf, die sich eher auf einen kleinen, nischigen Publikumskreis konzentrieren. Zuletzt geschehen in der Romanverfilmung I AM NOT A SERIAL KILLER. Darin gab es ein Wiedersehen mit Zurück-in-die-Zukunft-Star CHRISTOPHER LLOYD, der sich offenbar nicht zu schade war, auch mal in einem Horrorfilm mitzuwirken, welcher nicht unbedingt für den Massenmarkt gemacht wurde. Gleiches trifft nun auch auf den vorliegenden THE CLEANSE (Arbeitstitel: THE MASTER CLEANSE) zu. Dabei handelt es sich ebenfalls um unabhängig produzierte Genre-Ware, die gleich zwei bekannte Gesichter zu bieten hat. Zum einen wäre da JOHNNY GALECKI, der sich vor allem durch Rollen in Erfolgsserien wie ROSEANNE und THE BIG BANG THEORY in die Hirne der Zuschauer brennen konnte. Zum anderen lässt sich Oscar-Preisträgerin ANJELICA HUSTON blicken. Die war während der 1990er und 2000er in einigen sehr erfolgreichen Kinostreifen zu sehen. So verwandelte sie in HEXEN HEXEN als Oberhexe Kinder in Mäuse und übernahm in der Kinoadaption zur beliebten TV-Serie ADDAMS FAMILY die Rolle der Morticia Addams. Auch in THE CLEANSE hinterlässt sie einen nicht minder prägnanten Eindruck. Hier spielt sie die Leiterin eines ominösen Programms, das Menschen wieder zurück auf die rechte Bahn bringen soll. Kleiner Film – große Stars. Da kann eigentlich nichts schiefgehen. Oder etwa doch?
 
 
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Ein ungewöhnlicher Neubeginn. Der Mittdreißiger Paul weiß nicht mehr weiter. Offenbar hat er einen Punkt in seinem Leben erreicht, an dem er nicht mehr weiterkommt. Er hat den Job verloren und auch das Beziehungsleben sieht alles andere als rosig aus. Da kommt ihm eine Werbung geradezu recht, die im Nachtprogramm über den TV-Bildschirm flimmert. Ein kostenloser Kurs verspricht den Start in eines neues Leben durch Befreiung innerer Dämonen. Eine Chance, die der desorientierte Paul nutzen will. Er trägt sich für das vielversprechende Programm ein und wird zusammen mit drei anderen Teilnehmern in ein mysteriöses Camp gebracht. Dort müssen die Probanden seltsame Flüssigkeiten konsumieren, um sich von innen selbst zu reinigen. Leider nimmt der Reinigungsprozess bald seltsame Ausmaße an. Nach mehreren Gläsern Reinigungsgebräu erbrechen die Anwesenden seltsame Kreaturen, die quasi den fleischgewordenen Ballast symbolisieren sollen, den die Leidtragenden seit Jahren mit sich tragen. Doch so putzig die Wesen auf den ersten Blick auch sind, THE CLEANSE ist immer noch im Horror-Genre beheimatet und wartet mit einer Wendung auf, die den Film dann doch erst für Erwachsene interessant macht.
 
 
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Vertraue niemals großen Kulleraugen im Horrorfilm, denn dahinter verbirgt sich gern mal das Böse. Niedlichkeit im Gruselgenre ist trügerisch. So lehrte uns die Gruselkomödie GREMLINS – KLEINE MONSTER, dass kleine Knuddelgnome nicht unbedingt nett sein müssen. Regisseur JACOB VAUGHAN bestätigte jene These in BAD MILO. Dort machte ein knuffiger Dämon einem Mann das Leben zur Hölle, der sich im Hintern seines Opfers eingenistet hatte. Das Spiel mit dem trügerischen Kindchenschema ist auch im Horrorspaß THE CLEANSE Programm. Auch hier blinzeln herzallerliebste Kreaturen in die Kamera, die von ahnungslosen Menschen erbrochen werden und danach im Eiltempo zu wachsen beginnen. Was sich aber liest wie ein vielversprechendes Creature-Feature mit hohem Fun-Faktor, ist trotz bekannter Gesichter dann doch eine enttäuschende Angelegenheit. Das Problem: dem Film fehlt ein Wendung, das Treiben gestaltet sich als relativ „brav“ und auf ein richtiges Finale hat man gleich ganz verzichtet. Filmemacher BOBBY MILLER fokussiert sich zu verkrampft auf seine Helden. Die begeben sich in die Obhut einer ominösen Organisation und müssen sich anschließend mit ihrem seelischen Ballast auseinandersetzen, der als fleischgewordener Minidämon durchs Bild saust. Wer jetzt aber meint, dass die Kreaturen noch etwas anderes können, als niedlich zu sein, wird enttäuscht werden. Wo in GREMLINS plötzlich alles aus dem Ruder läuft, weil man die Gefährlichkeit der Kobolde unterschätzt, plätschert das Treiben in THE CLEANSE relativ familienfreundlich über die Leinwand. Kein Kobold-Schabernack, keine Kills. Stattdessen entwickeln die Charaktere emotionale Beziehungen zu ihren Dämonen und können sich am Ende nur schwer von ihrem fleischgewordenen Ballast lösen. Fans gut getrickster Monster-Filme werden da zu Recht dumm aus der Wäsche schauen, denn THE CLEANSE verschenkt Potenzial in allen Belangen.
 
 
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THE CLEANSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Dieses Dämonen-Movie ist mehr kuschelig als schrecklich. THE CLEANSE ist für einen Horrorfilm schlichtweg zu brav inszeniert, um ernst genommen zu werden. Für Kinder ist das Treiben zu düster ausgefallen, allen erwachsenen Genre-Fans mutet Gebotenes zu lapidar und belanglos an. Da fragt man sich doch glatt, für welches Publikum Regisseur BOBBY MILLER seine Horrorkomödie gemacht hat. Der hat namhafte Schauspieler für THE CLEANSE gewonnen, die den Streifen nach mehr aussehen lassen, als er wohl gekostet hat. Die Dämonen-Kreaturen, welche hier von Menschen erbrochen werden, sind handgemacht und Situationskomik zündet in der ersten Filmhälfte. Leider geht es danach bergab, denn offenbar schien Regisseur BOBBY MILLER beim Schreiben des Drehbuchs nicht klar zu sein, in welche Richtung er seinen Monster-Spaß lenken sollte. So gipfeln die Geschehnisse in einem zwar konsequenten Ende, das aber die Frage in den Raum wirft, was denn das alles hier soll. Die Monster verhalten sich weitestgehend friedlich und bis auf einige Entwicklungsstadien der Kreaturen hat man gänzlich auf Höhepunkte verzichtet. Demzufolge sollte man THE CLEANSE mit Vorsicht genießen.
 
 
 


 
 
 

THE CLEANSE – Zensur

 
 
 
THE CLEANSE ist relativ harmlos. Der Fokus liegt auf Humor. Ein Mann wird von einem Monster ermordet. Der Zuschauer bekommt nur das Ergebnis zu sehen. Weiterhin stirbt eine Protagonistin. Man sieht nur ihren toten Körper. Sollte THE CLEANSE hierzulande ausgewertet werden, gibt es eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

THE CLEANSE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gremlins – Kleine Monster (1984)
 
Gremlins II – Die Rückkehr der kleinen Monster (1990)
 
Bad Milo (2013)
 
Spookies – Die Killermonster (1986)
 
Ghoulies (1985)

Filmkritik: „Apartment 212“ (2017)

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APARTMENT 212

(GNAW)

Story

 
 
 

Eine traumatisierte Mieterin erlebt in der neuen Wohnung den ultimativen Horror.

 
 
 


 
 
 

APARTMENT 212 – Kritik

 
 
 
Man stelle sich vor, man bezieht eine neue Wohnung und plötzlich geht es darin nicht mit rechten Dingen zu. Eigentlich ein Grund wieder auszuziehen. So nicht in den meisten Horrorfilmen. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen ergeben sich Protagonisten ihrem Schicksal und versuchen lieber das Böse zu bekämpfen, statt nach einer neuen Bleibe zu suchen. Im Horrorthriller APARTMENT 212 ist das nicht anderes. Auch hier passieren in einer Wohnung seltsame Ereignisse, aber niemand nimmt die Situation ernst. Was des einen Leid, ist des Zuschauers Freud. Der bekommt hier kurzweiligen Horror-Spaß geboten, der vor allem durch seine skurrile Auflösung im Gedächtnis bleibt. Die drängt APARTMENT 212 ein wenig in die Trash-Ecke, macht ihn aber vor allem gerade deswegen irgendwie sympathisch. Für Regisseur HAYLAR GARCIA ein Glücksgriff. Von dem hatte man eigentlich nichts Gescheites mehr erwartet. Zuletzt langweilte dieser mit seinem kruden Gewalt-Quatsch AN AMERICAN TERROR, wo er noch kurz auf den langsam abfahrenden Folter-Zug aufsprang und beliebigen Videoblödsinn fabrizierte, der zu Recht in der Versenkung verschwand. Umso mehr überrascht das Zweitwerk. Beinahe möge man meinen hier zwei Filme von unterschiedlichen Filmemachern zu sehen. Aber in der Tat wurden die von ein und demselben Regisseur inszeniert. Da sage noch einer, untalentierte Filmemacher sind unbelehrbar. Manchmal geschehen doch noch Wunder.
 
 
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Wenn das neue Leben zum Albtraum wird. Eigentlich wollte sich die attraktive Jennifer Conrad (PENELOPE MITCHELL aus DER FLUCH VON DOWNERS GROVE) nur aus den Ketten ihrer quälenden Beziehung befreien. Deren Ex-Freund regelte nämlich Probleme innerhalb der Beziehung gern mal mit Prügel. Grund genug zu flüchten, ein eigenes Apartment zu mieten und auf das Beste zu hoffen. Doch die Hoffnung auf Besserung schlägt bald in Horror um, denn Jennifer kommt nicht mehr zum Schlafen, weil die Nachbarin ganze Nächte durchweint. Leider weiß niemand Rat. Bis sich die verzweifelte Mieterin den Kopf wegschießt und die übrigen Bewohner mit Fragen zurücklässt. Was hat zu dieser Katastrophe geführt? Genau das will auch unsere Filmheldin wissen, die bald mit seltsamen Wundmalen zu kämpfen hat, die ihr das Leben zur Hölle machen. Schnell sind Schlüsse zur Nachbarin gezogen, die offenbar mit ähnlichem Leiden zu kämpfen hatte. Hat hier etwa Ungeziefer in den Wahnsinn getrieben? Erste Theorien führen ins Leere, denn weder Kammerjäger noch Hausarzt können Insektenbefall bestätigen. Nun ist guter Rat teuer, denn der Gesundheitszustand der von Wundmalen übersäten Jennifer verschlechtert sich beinahe täglich. Ein Grund mehr dem Übel auf die Spur zu gehen. Was man aber entdeckt, lässt das Blut in den Adern gefrieren.
 
 
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Kennst Du noch die TV-Horror-Serie TALES FROM THE CRYPT? Die lief von 1989 bis 1996 im amerikanischen TV und zeichnete sich durch makabre Kurzgeschichten aus, die es mit bitterbösem Abschluss oft nicht gut mit Ihren Helden meinte. Nimmt man APARTMENT 212 genauer unter die Lupe, hätte dieser Low-Budget-Horror auch genauso innerhalb dieser Kult-Reihe laufen können. APARTMENT 212 fühlt sich nämlich an, wie die Spielfilmversion einer dieser Episoden genannter Fernsehserie. Hier wird eine kleine Geschichte ins Absurdum getrieben, die ganz harmlos beginnt und am Ende vollkommen aus dem Ruder gerät. Dabei ist natürlich die Auflösung mysteriöser Wundmale des Pudels Kern, die der einfältig geschnittene Filmtrailer ganz unverfroren verrät. Dort nimmt man es mit Geheimniskrämerei nicht ganz so genau. Statt den Zuschauer neugierig zu machen, fällt man gleich mit der Tür ins Haus und nimmt dem charmant trashig wirkenden APARTMENT 212 die Spannung. Wer sich daher den Spaß nicht verderben lassen möchte, sollte möglichst wenig wie möglich über den Film lesen. Der glänzt mit charmanten Figuren, simplen Spezialeffekten und erinnert in seiner beinahe schon naiven Machart an die vielen für den Videomarkt produzierten B-Movies der 1980er und 1990er, wo Handgemachtes bevorzugt Verwendung fand, um Budget einsparen zu können. Wer demnach Fan frecher Low-Budget-Horrorfilme ohne Schnörkel ist, sollte unbedingt einen Blick wagen. APARTMENT 212 macht nämlich zweifelsohne Spaß und Lust auf mehr Horrorfilme, deren Macher noch die Kunst des Geschichtenerzählens fernab einfältiger Computereffekte, plakativer Schocks und hektischer Schnitte beherrschen.
 
 
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APARTMENT 212 – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Willkommen zu einer Zeit in der man den Zuschauer noch mit einfachen Ideen und trashigen Effekten Freudentränen bescheren konnte. Nein, wir meinen damit nicht die Schundfilme aus dem zweifelhaften THE ASYLUM-Studio, das seit Jahren mit so pseudowitzigem Müll wie SHARKNADO um Zuschauer buhlt. APARTMENT 212 – der anfangs übrigens noch als GNAW betitelt wurde – ist zwar auch irgendwie trashig, aber intellektuell weit weg von dem, was genannte Abfallproduktionsstätte regelmäßig fabriziert. Der Film erinnert an das, was man oft von so Produzenten wie CHARLES BAND in den 80ern und 90ern serviert bekommen hat. Das bedeutet: netter Zeitvertreib, trashige Ideen, handgemachte Effekte inklusive. Im Falle von APARTMENT 212 können zur Abwechslung auch noch die Schauspieler was. Die Besetzung ist für Low-Budget-Horror geradezu als professionell zu betiteln und lassen den Streifen nach mehr aussehen, als er wohl letztendlich gekostet hat. Zudem gibt es ein actiongeladenes Finale und ein im wahrsten Sinnes des Wortes bissigen Schlussgag. Wer demnach gern in den guten alten Videozeiten schwelgen möchte, sollte APARTMENT 212 nicht verpassen. Dieser Film ist ein Indie-Geheimtipp für Horror-Fans, die die Videoära noch miterlebt haben! Witzig und einfallsreich.
 
 
 


 
 
 

APARTMENT 212 – Zensur

 
 
 
APARTMENT 212 – der zu Beginn noch GNAW hieß – hat grundsätzlich keine Gewaltszenen zu bieten. Es gibt nur eine Szene, in der eine Nachbarin aus einem Fenster fällt, weil sie sich selbst erschossen hat. Das wars. Ansonsten bekommt man noch einige Wunden auf dem Körper der Heldin zu sehen. Hierzulande hat das alles für eine FSK16 gereicht.
 
 
 


 
 
 

APARTMENT 212 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) STUDIO HAMBURG

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Gnaw; Spanien | USA 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1z

Laufzeit: ca. 97 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 13.09.2019

 

Apartment 212 [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

APARTMENT 212 – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Deep Dark (2015)
 
Curtain (2015)
 
Bats – Fliegende Teufel (1999)
 

Filmkritik: „Jeepers Creepers 3“ (2017)

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JEEPERS CREEPERS 3

(JEEPERS CREEPERS 3: CATHEDRAL)

Story

 
 
 

Eine jahrhundertealte Kreatur hat es auf die Bewohner einer amerikanischen Kleinstadt abgesehen. Die setzen sich zur Wehr und versuchen dem boshaften Fremden Paroli zu bieten.

 
 
 


 
 
 

JEEPERS CREEPERS 3 – Kritik

 
 
 
2001 war ein gutes Jahr für Regisseur VICTOR SALVA. Der hatte es zuvor nicht leicht und wurde immer wieder mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert, für die er sich rechtfertigen musste. Doch Anfang der 2000er folgte ein Lichtblick. Mit dem düsteren Monster-Grusler JEEPERS CREEPERS gelang ihm der Durchbruch. Über Nacht mauserte sich der Horror-Trip zum Überraschungserfolg und konnte bei einem Budget von knapp zehn Millionen US-Dollar über das sechsfache an den Kinokassen wieder einspielen. Dass bei einem derartigen Erfolg ein Nachzügler gedreht werden musste, war abzusehen. Zwei Jahre später folgte JEEPERS CREEPERS 2, der aber wegen seiner flachen Handlung von Kritikern und Publikum nicht mehr so gut angenommen wurde, weil sich der Film vom subtilen Schauer abwandte und mehr in Richtung Splatter-Slasher abdriftete. Dennoch wurde auch die Fortsetzung ein finanzieller Erfolg und konnte sich im Heimkino behaupten. Leider wurde es danach ruhig. Eigentlich wollte Salva ein weiteres Sequel nachschieben, doch es scheiterte an der Suche nach einem Filmstudio, das die Fortsetzung produzieren sollte. Angesichts der kontroversen Vergangenheit des Filmemachers nicht unbegründet. So hatte VICTOR SALVA bereits in seinen Anfangsjahren als Regisseur Schlagzeilen gemacht, weil er sich während der Dreharbeiten zum Regiedebüt CLOWNHOUSE an einen Kinderdarsteller verging und die Handlungen auf Video aufgezeichnete. Dafür wurde er verurteilt und musste ins Gefängnis. Jahre später scheint Salva die Vergangenheit immer wieder einzuholen, was die Produktionen zu Wunschprojekten verzögert. Immerhin hatte man Erbarmen mit Filmfans. Aufgrund großer Resonanz wurde man dennoch fündig und ließ JEEPERS CREEPERS 3 folgen. Der lange Planungs- und Entstehungsprozess hat dem dritten Film aber nicht gutgetan. Sonderlich gelungen ist der nämlich nicht. Was lange währt, wird nicht unbedingt gut.
 
 
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Die Handlung von JEEPERS CREEPERS 3 siedelt sich irgendwo zwischen dem ersten und dem zweiten Teil an. So macht sich alle 23 Jahre ein Monster (JONATHAN BRECK aus MASKERADE) für wenige Wochen auf, um seinen unstillbaren Hunger zu stillen. Doch das Wesen, welches sich in einem alten Truck von Ort zu Ort bewegt, hat nicht etwa eine Leidenschaft für Huhn, Schwein oder Rind. Der „Creeper“ bevorzugt Menschenfleisch auf der Speisekarte, weshalb er durch die Landschaft streift, um ahnungslose Kleinstadtbewohner zu fressen. Auch die Einwohner eines nicht näher erwähnten Ortes im amerikanischen Hinterland sehen die Ankunft des Bösen kommen. Man findet besagten Truck, der jede Menge Leichen beherbergt. Da klingeln bei Sheriff Dan Tashtego (STAN SHAW) die Alarmglocken. Der hat so seine Ahnung und weiß mit welchem Gegner er es hier zu tun hat. Er scharrt eine Einsatz-Truppe um sich, damit dem Übeltäter das Handwerk gelegt werden kann. Doch der „Creeper“ lässt sich davon nicht beirren. Dieser streift durchs Land und sammelt Körper ein, an denen er später knabbern kann. Darunter soll auch der von Teenagerin Addison Brando (GABRIELLE HAUGH aus THE MIDNIGHT MAN) gehören. Die ist unsterblich in Händlersohn Buddy verschossen, traut sich aber nicht es ihm zu sagen. Leider müssen Liebesbotschaften warten. Das Mädchen muss es nämlich erstmal mit jener Kreatur aufnehmen, die ihr nach dem Leben trachtet.
 
 
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Qualitativer Rückschritt. Während sich der erste Teil noch als origineller Road-Movie-Horror-Mix entpuppte, der ein spannendes Mysterium um seinen Filmbösewicht webte, entstand mit JEEPERS CREEPERS 2 beliebiger Teenie-Horror, der sich in erster Linie auf das Ausradieren von Jugendlichen konzentrierte. Die rudimentäre Handlung ist auch im dritten Ausflug Programm, der es nur noch in wenige amerikanische Lichtspielhäuser schaffte. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. JEEPERS CREEPERS 3 wurde nicht nur 14 Jahren zu spät gedreht, weshalb wohl Horrorfilmfans jüngeren Semesters wohl kaum etwas mit der Reihe anfangen können. Das Sequel ist zudem auch handlungstechnisch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Der Film setzt das fort, mit dem sich sein Vorgänger bereits über die Runden schlagen musste. Das bedeutet, dass hier vorwiegend Bewohner einer Kleinstadt von einer jahrhundertealten Kreatur gejagt und mit allerhand ominösen Tötungswerkzeugen in die ewigen Jagdgründe befördert werden. Da macht sich natürlich schnell Müdigkeit breit, was vermutlich auch Regisseur VICTOR SALVA aufgefallen sein muss, der in letzter Instanz die Notbremse zieht. Um Abwechslung in die dünne Geschichte bringen zu können, versucht man den Zuschauer mit Neuerungen zu überraschen. So rückt schnell das mysteriöse Gefährt des Monsters in den Mittelpunkt, das bald mehr Aufmerksamkeit erhält, als der Filmbösewicht selbst. Der unkaputtbare Truck des Creepers ist nämlich mit Fallen bestückt, die es in sich haben. Ein geschickter Schachzug um Abwechslung in die Geschehnisse zu bringen. Leider hat JEEPERS CREEPERS 3 das Problem, dass er sich zu sehr auf seinen boshaften Antihelden und dessen Eigenarten konzentriert. Das hat zur Folge, dass dem Bösen schnell der Schrecken genommen wird. Beinahe jedes Mysterium wird ergründet, was die Frage in den Raum wirft, mit was sich mögliche Fortsetzungen beschäftigen sollen. Zudem wirkt hier alles durcheinander. Filmemacher und Drehbuchautor VICTOR SALVA nimmt zu viele Handlungsstränge auf, bei denen sich nicht mal mehr klare Kurven erkennen lassen. Das macht den dritten Ableger konfus, weil sich ein roter Faden schwer finden lässt. Anders als der Erstling ist JEEPERS CREEPERS 3 weder gruselig noch spannend, was es schwer macht das Interesse des Publikums für weitere Filme der Reihe zu gewinnen. Vermutlich wird das aber weder Schöpfer VICTOR SALVA noch profitgeile Studiobosse interessieren. Die deuten kurz vor dem Abspann eine Fortführung der Geschehnisse sowie die Rückkehr von Heldin Trish Jenner (GINA PHILIPS) aus dem ersten Teil an. Vermutlich wird’s ne Serie, laut Salva soll die nämlich nach dem dritten Film kommen und die Ursprünge der Kreatur in 13 Folgen beleuchten. Es wäre nicht das erste Mal, wenn Horrorfilm-Reihen auf Streaming-Plattformen fortgesetzt werden. Lieber Filmgott, habe erbarmen mit uns.
 
 
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JEEPERS CREEPERS 3 – Fazit

 
 
 

5 Punkte Final

 
 
 
JEEPERS CREEPERS 3 siedelt sich qualitativ weit hinter seinen Vorgängern an. Die unheimliche und zugleich mysteriöse Atmosphäre des Originalfilms wird nicht einmal annähernd erreicht. Stattdessen werden viele Handlungsstränge aufgenommen, die den Film wirr erscheinen lassen. Beinahe will man das Gefühl nicht loswerden wollen, als habe Regisseur VICTOR SALVA auf Krampf einen dritten Ableger drehen müssen, für den er nicht viel Zeit hatte, um ein durchdachtes Drehbuch verfassen zu können. So verliert der Filmemacher schnell seine von ihm erschaffene Filmkreatur aus den Augen, die hier zum neuen JASON VOORHEES mutiert und ausschließlich zum Töten deklariert wird. Deren unheimliche Aura wird zugunsten einer Menschenjagd geopfert. Spätestens ab dem dritten Film verliert die JEEPERS CREEPERS-Reihe somit ihren Reiz. Spannung und Atmosphäre? Fehlanzeige. Stattdessen wir getötet und geschrien. So kann man eine gute Grundidee auch zu Grabe tragen.
 
 
 


 
 
 

JEEPERS CREEPERS 3 – Zensur

 
 
 
Die Gewalt in JEEPERS CREEPERS 3 ist nicht so dolle. Alles geht recht schnell und ist auch nicht sehr zeigefreudig. Eine Axt wird in einen Schädel geschlagen. Weiterhin bohren sich Wurfspeere durch Körper. Außerdem wird eine Stange durch einen Kopf gejagt. Hierzulande hat der dritte Teil eine FSK16 in ungeschnittener Fassung erhalten.
 
 
 


 
 
 

JEEPERS CREEPERS 3 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Jeepers Creepers 3; USA 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Interview mit dem Creeper

Release-Termin: 23.03.2018

 

Jeepers Creepers 3 [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

JEEPERS CREEPERS 3 – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte führ Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jeepers Creepers (2001)
 
Jeepers Creepers (2003)
 
Hatchet (2006)
 
Hatchet II (2010)
 
Hatchet III (2013)
 

Filmkritik: „The Sandman“ (2017)

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THE SANDMAN

Story

 
 
 

Ein kleines Mädchen hat die Fähigkeit eine böse Kreatur heraufzubeschwören, die jeden tötet, der dem Kind zu nahe kommt.

 
 
 


 
 
 

THE SANDMAN – Kritik

 
 
 
Es gibt Dinge, die passen einfach nicht zusammen. So hätte man es wohl nie für möglich gehalten, dass Superhelden-Schöpfer STAN LEE irgendwann mal mit dem eher für schlechte Eigenproduktionen bekannten TV-Sender SYFY gemeinsame Sache machen würde. Der berühmte Comicautor schuf für Marvel Comics eine Reihe von klassischen Superhelden. Darunter Figuren wie SPIDER-MAN, HULK oder auch den SANDMAN. Letzterer taucht – um Comicfans zu beruhigen – nicht in der folgenden SYFY-Produktion auf. Lee hat zwar diesen Film mitproduziert, dürfte aber gleich gewittert haben, dass man Superheldenfilme besser nicht von so Buden wie SYFY produzieren lässt. In der Regel folgt nämlich da die Katastrophe auf dem Fuß. Demzufolge hat der hier vorgestellte THE SANDMAN nichts mit dem gleichnamigen Comic-Helden am Hut, der als WILLIAM BAKER in den SPIDER-MAN-Comics sein Unwesen treibt. Stattdessen wir eine eigenständige Geschichte über ein kleines Mädchen erzählt, die in gewisser Weise auch über Superkräfte verfügt – damit aber offenbar nicht umzugehen weiß. Damit gehört sie eigentlich in die aus X-MEN bekannte Schule für Mutanten.
 
 
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In THE SANDMAN werden Albträume wahr und das auch noch im wahrsten Sinn des Wortes. Die kleine Madison (SHAE SMOLIK aus THE HATRED) befindet sich mit dem Vater auf der Flucht. Das hat auch seinen Grund, denn egal wo sich die kleine Familie aufhält – dort sterben die Menschen. Offenbar ist das Mädchen verflucht. Die wird von einem Monster verfolgt, welches sie aus einem Buch kennt, das ihr der Vater vor langer Zeit geschenkt hat. Leider segnet auch der bald das Zeitliche, weshalb sich die verstörte Madison in die Obhut von Tante Claire (sympathisch und glaubhaft: HAYLIE DUFF) begeben muss, die fortan auf ihre Nichte achtgeben soll. Das scheint aber gar nicht so einfach zu sein, wie anfangs gedacht. Die Kleine wird nämlich auch im neuen Heim zur tödlichen Bedrohung. Auch hier ist man vor der bösen Kreatur nicht sicher, die aus nicht erklärbaren Gründen mit dem Kind in Verbindung stehen muss. Doch bald weiß man mehr. Nach mehrmaligen Bitten taut Madison endlich auf und beginnt sich Tante Claire zu öffnen. Die erfährt vom mordlüsternen Sandmann, der immer dann erscheint, wenn die Nichte wütend wird und es mit der Angst zu tun bekommt. Da stellt sich die Frage, wie man einen solchen Bodyguard wieder losbekommt? Eine komplizierte Angelegenheit für die man ins Unterbewusstsein der kleinen Filmheldin eindringen muss.
 
 
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Nicht schon wieder ein SYFY ORIGINAL FILM. Wer fleißig die Kritiken auf FILMCHECKER liest, wird mittlerweile erkannt haben, dass wir keine Fans von SYFY-Eigenproduktionen sind. Die rühmen sich nämlich nicht gerade mit Einfallsreichtum, quälen die Netzhaut mit schlechten Spezialeffekten und sind immer nach gleichen, simplen Muster gestrickt. Zu aller Überraschung gilt die ermüdende SYFY-Rezeptur nicht unbedingt für den Kreaturen-Streifen THE SANDMAN, der – vermutlich wegen STAN LEE im Schlepptau – passabler ausgefallen ist, als man es von einer SYFY-Produktion erwartet hätte. THE SANDMAN schafft es über einige Strecken richtig spannend zu werden und besitzt sogar Unterhaltungswert. So versucht Regisseur und Drehbuchautor PETER SULLIVAN das Geheimnis der ominösen Filmkreatur möglichst lang zu bewahren, um den Zuschauer so vor der Glotze halten zu können. Erst am Ende wird die Katze aus dem Sack gelassen und die Geschichte erhält den nötigen Feinschliff. Da werden Erklärungen gegeben und Fragen beantwortet. Das obligatorische Finale inklusive einem für Horrorfilme wichtigen Schlusskampf fehlt natürlich auch nicht. Horrorfans kommen da auf Ihre Kosten – vor allem auch deshalb, weil TOBIN BELL (aus den SAW-Film) in einer Nebenrolle zu sehen ist, diesmal aber keine Spiele spielen will.
 
 
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Dass THE SANDMAN nicht unbedingt für die große Leinwand gemacht wurde, ist unverkennbar. Der Streifen schaut nämlich sehr nach TV-Produktion aus und dürfte vermutlich auch nur dort sein Dasein fristen. Die TV-Optik kommt aber nicht von ungefähr. Filmemacher PETER SULLIVAN ist ein echtes Arbeitstier und dreht unaufhaltsam Trivial-Unterhaltung fürs Fernsehen. Da ist er beim SYFY-Channel an der richtigen Adresse. Dort betreibt man nämlich ähnlichen Sport und lässt Filme am Fließband von TV-erfahrenen Regisseuren drehen, damit eigene Sendeplätze gefüllt werden können. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen katastrophal und nicht mal für Trash-Liebhaber zumutbar. Da fällt ein Film wie THE SANDMAN aus der Reihe. Bis auf einige Sandeffekte, die etwas ungeschickt mit Hilfe des Computers erzeugt wurden, kann diese SYFY-Produktion mehr als gedacht. Zwar wird auch hier das Rad nicht neu erfunden. Kurzweilige Unterhaltung ist aber garantiert. Manchmal geschehen doch noch Wunder.
 
 
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THE SANDMAN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein schwer unterhaltsames Creature-Feature und die wohl bisher beste Eigenproduktion des SYFY-Channels. THE SANDMAN hat alles, was man von einem Monsterfilm erwartet. Ein boshaftes Wesen ist am Start, sympathische Filmhelden lassen mitfiebern und auch der Actiongrad lässt kaum Wünsche offen. Leider sieht man THE SANDMAN an, dass er fürs amerikanische Fernsehen gedreht wurde. Viel Budget war wohl nicht vorhanden gewesen, was den Streifen leider etwas günstig ausschauen lässt. Im Unterschied zu den meisten hauseigenen SYFY-Produktionen werden hier nicht ausschließlich Statisten durch Szenarien getrieben, die dann nacheinander das Leben lassen müssen. THE SANDMAN erzählt zu aller Überraschung auch mal eine Geschichte und schielt dabei sogar kurz gen Superhelden-Genre. So verfügt eine der Filmfiguren über geheimnisvolle Kräfte und muss damit lernen umzugehen. Der Superhelden-Einschlag verwundert aber nicht. Mit Comic-Ikone STAN LEE als Produzent ist nämlich jemand mit Superhelden-Erfahrung an Bord. THE SANDMAN ist ein kurzweiliges, unterhaltsames und ab und an sogar spannendes B-Movie. Kann man ohne Bedenken mal hineinschauen.
 
 
 


 
 
 

THE SANDMAN – Zensur

 
 
 
THE SANDMAN ist nicht sonderlich brutal. Was das Monster mit seinen Opfern macht, wird nicht explizit gezeigt. Am Ende kommt es erst so richtig in Fahrt und findet Gefallen am Töten von Menschen. Das Töten geht sehr schnell. Sonderlich viele Schauwerte gibt es demnach nicht zu sehen. THE SANDMAN dürfte ohne Probleme eine FSK16 erhalten.

 
 
 


 
 
 

THE SANDMAN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Syfy | Lionsgate)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scarecrow – Das Grauen stirbt nie (2013)
 
Husk (2011)
 
Neverknock (2017)
 
Red Clover (2012)
 

Filmkritik: „Neverknock“ (2017)

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NEVERKNOCK

Story

 
 
 

Einige Jugendliche werden von einem Monster verfolgt, das deren Ängste kennt und sie damit in den Tod treibt.

 
 
 


 
 
 

NEVERKNOCK – Kritik

 
 
 
Was kann man eigentlich von einem Film erwarten, der vom amerikanischen Sender SYFY produziert wurde. Filmkenner wissen, dass das in der Regel nicht sonderlich viel ist, weil man dort gern den Weg des geringsten Widerstands geht. Für Horrorfilmfans heißt das nicht selten Streifen ohne Hirn, denn SYFY ist neben THE ASYLUM jene Produktionsstätte, wo einfältiger Horror am Fließband gewerkelt wird der Gehirnzellen lahmlegt. Qualitativ wird da gern mal auf Sparflamme geköchelt, was bedauerlich ist, denn mittlerweile muss man gute Horrorfilme mit der Lupe suchen. Die sind nämlich rar geworden, weil offenbar jeder nur schnelles Geld verdienen möchte und deshalb Mühen und Kosten scheut. Natürlich ist das beim folgenden Horrorstreifen nicht anders, der ebenso vom Sender SYFY fürs Halloween-TV-Programm 2017 gedreht wurde und vermutlich nur deshalb Daseinsberechtigung besitzt, um Sendeplatz füllen zu können. NEVERKNOCK schimpft sich der konventionell zusammengezimmerte Käse, der eigentlich kaum der Rede wert ist – aber immerhin zu den besseren SYFY-Produktionen gehört. Das soll schon etwas heißen.
 
 
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In NEVERKNOCK wird Halloween für einige Freunde zum tödlichen Spaß. Die wollen besonders mutig sein und machen sich auf zu einem Haus in dem vor Jahren schreckliche Dinge passiert sind. Dort sind drei Jugendliche unter seltsamen Vorkommnissen ums Leben gekommen. Seither ranken sich allerhand Geschichten um das mysteriöse Gebäude. Die werden für unsere Helden bald auch bitterer Ernst. Als man nämlich an der Tür des Spukhauses klopft und sich versehentlich am morschen Eingang der Bude verletzt, erwacht das Gebäude zum Leben. Eine dunkle Gestalt wird aus seinem Schönheitsschlaf gerissen und folgt den Kumpels fortan auf Schritt und Tritt. Doch was will das Monster? Die Antwort darauf ist nicht sonderlich spektakulär. Das Wesen kennt die Ängste der jungen Leute und will sie damit konfrontieren. Für die meisten der Jugendlichen bedeutet das nichts Gutes. Die werden mit der etwas anderen Angstkonfrontation in den Tod getrieben und sterben grausam und blutig. Doch einige der Freunde haben einen Plan. Die versuchen einfach keine Angst mehr zu haben. Ob das der richtige Weg ist, um das Monster zu vertreiben. Nach unnötigen 90 Minuten wird man es wissen.
 
 
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Der kanadische NEVERKNOCK ist TV-Unterhaltung, wie man sie eigentlich viel zu oft auf der Mattscheibe zu sehen bekommt. Anspruch oder Originalität ist hier Mangelware, denn der Streifen wurde fürs (amerikanische) Massenpublikum gedreht und hat eigentlich kaum Substanz. Hier wird gerannt, geschrien und geweint. Einfallsreichtum? Fehlanzeige! NEVERKNOCK füllt Laufzeit, in dem er unsympathische Protagonisten mit abwechslungsreichen Ängsten ins Jenseits befördert. Die haben Furcht vor Feuer, Schlangen, Nadeln oder Blut, was zumindest jene bei Laune halten dürfte, die eine Leidenschaft für abwechslungsreiche Filmmorde besitzen. Leider wird das Sterben aber bald zum Geduldsspiel. NEVERKNOCK besitzt nämlich keinen Spannungsbogen und hangelt sich nur von Filmtod zu Filmtod. Dazwischen wird unnötig viel geflüchtet, um einem Monster zu entkommen, das offenbar unbesiegbar ist. Da macht sich schnell Müdigkeit breit, weil man die immer gleichen Szeneverläufe zu sehen bekommt und das Ableben der Helden egal bleibt. Letztere bestehen aus Stereotypen und besitzen – wie die Handlung – kaum Tiefe. Identifikationsmöglichkeiten bleiben da natürlich auf der Strecke und auch ein Mitfiebern wird so im Keim erstickt. Bei derart überflüssigem Horrorquatsch fragt man sich doch glatt, was Schauspielerin JODELLE FERLAND dazu bewegt hat, in diesem austauschbaren Horrorstreifen mitzuwirken. Die sah man in der Vergangenheit in großen Hollywood-Produktionen an der Seite von namhaften Darstellern. Darunter FALL 39, SILENT HILL und sogar einige TWILIGHT-Streifen. Vermutlich lag es am Geld. Offenbar zahlt SYFY gute Gage. Wäre nicht das erste Mail, das in Produktionen der Trash-Schmiede bekannte Gesichter aus Kino und Fernsehen zu sehen sind.
 
 
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NEVERKNOCK – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Horror vom Fließband. Filme, wie NEVERKNOCK hat man schon zu oft gesehen. Der fürs TV gewerkelte Streifen wurde nach einfacher Formel gestrickt und hat nichts, was im Gedächtnis haften bleibt. Die Geschichte passt auf einen Bierdeckel und wurde unnötige in die Länge gezogen, damit man Laufzeit fürs Fernsehen zusammenbekommt. NEVERKNOCK tritt in die Fußstapfen von so Filmen wie LEPRECHAUN ORIGINS oder SCARECROW. Letzterer wurde ebenso von NEVERKNOCK-Regisseur SHELDON WILSON inszeniert, der praktisch gleichen Filmen hier noch einmal unter dem Titel NEVERKNOCK gedreht hat. Vergleicht man nämlich die beiden Filme miteinander, sind Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen. Die mordende Vogelscheuche aus SCARECROW wurde quasi gegen einen Angstfresser in NEVERKNOCK ausgetauscht. Klammert man die Monster aus, ist der Verlauf beider Handlungen nahezu identisch: Jugendliche müssen vor einem Monster flüchten und abwechslungsreich sterben. Originell ist was anderes. Um auch mal etwas Positives über NEVERKNOCK zu sagen: Handwerklich wurde solide Arbeit geleistet. Der Streifen schaut besser aus, als manch andere Low-Budget-Gurke der letzten Jahre. Auch beim Monsterdesign hat man sich Mühe gegeben. Statt CGI wurde auf Handarbeit zurückgegriffen. Dass sich darin ein Schauspieler im Gummikostüm windet, fällt zu keinem Zeitpunkt negativ auf. Dennoch ist Optik allein nicht alles. Das Fundament von NEVERKNOCK hat Risse. Die Geschichte zum Film liest sich nicht nur langweilig, sie ist es auch. Das sind keine guten Voraussetzungen für einen Film, der mit der Angst seiner Protagonisten und die des Zuschauers spielt.
 
 
 


 
 
 

NEVERKNOCK – Zensur

 
 
 
NEVERKNOCK ist ein TV-Film und hält sich dementsprechend auch zurück mit Schauwerten. Aber es gibt einige grafischen Gemeinheiten zu bestaunen. Ein Genick wird gebrochen, Nadeln bohren sich durch Körper und Verbrennungen gibt es auch zu sehen. Sollte der Film hierzulande veröffentlicht werden, dürfte eine FSK16 wahrscheinlich sein.

 
 
 


 
 
 

NEVERKNOCK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei SyFy Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scarecrow (2013)
 
Leprechaun Origins (2014)
 
Needle – Deinem Schicksal entkommst du nicht (2010)
 
Clive Barkers Dread (2009)