Filmkritik: „Scream Week“ (2016)

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SCREAM WEEK

(SNEEKWEEK)

Story

 
 
 

Ein paar Studenten haben den Tod eines Kommilitonen mitzuverantworten und werden dafür zwei Jahre später von einem maskierten Killer gejagt.

 
 
 


 
 
 

SCREAM WEEK – Kritik

 
 
 
Im Original komischer Titel? Schnell erklärt. Hinter dem Wort SNEEKWEEK – so wie SCREAM WEEK eigentlich im Entstehungsland heißt – verbirgt sich ein Event in Friesland, das alljährlich gefeiert wird und jedes Mal mehr Besucher anlockt. Seit 1934 organisieren hier der königliche Wassersportverein Sneek sowie die Gemeinde Zuidwest-Friesland ein Fest, bei dem Segelwettkämpfe unterschiedlicher Kategorien stattfinden. Begleitet wird das Ereignis von Begleit-Veranstaltungen und lauten Partys, die vor allem vom jüngeren Publikum besucht werden. Genau jene Feierlichkeiten werden den Protagonisten des folgenden Horrorfilms zum Verhängnis. Die verschlägt es genau zu jener Zeit in den Norden zum Feiern, als ein kaltblütiger Killer beim Sneekweek-Fest die Runde macht. Ganz unschuldig sind die neunmalklugen Freunde am Erscheinen des Schlitzers aber nicht, denn wie bereits im Horror-Slasher ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST haben auch die Figuren dieses holländischen Genre-Beitrags reichlich Dreck am Stecken.
 
 
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Horror aus dem Land der Tulpen. Klingt kitschig – ist aber mutig und lobenswert. Während man in Deutschland auf bekannten Pfaden wandelt und entweder schwermütige Geschichtsdramen, anspruchsvolles Arthouse oder leichte Komödien ins Kino bringt, schauen die Nachbarn über den Tellerrand. Auch in Holland gibt es Horrorfans, die erschreckt werden wollen. So dreht man dort gerne Gruselzeug, das sogar brauchbar ist. So entstanden inländische Produktionen wie THE POOL, SINT, SCHLACHTNACHT oder FRANKENSTEIN’S ARMY, die auch international gehandelt wurden. Anders sieht es da schon in Deutschland aus. Das behandelt das Horror-Genre nach wie vor stiefmütterlich, ließ es aber in den 2000ern kurzzeitig krachen. Während einer kurzen Renaissance der Teen-Slasher, die durch SCREAM entfacht um die ganze Welt ging, entstanden auch deutsche Meuchelkrimis wie ANATOMIE oder FLASHBACK – MÖRDERISCHE FERIEN, die zumindest in Sachen Blutgehalt den amerikanischen Vorbildern in nichts nachstanden. Jene US-Ideale zieht auch der niederländische SCREAM WEEK zum Vergleich heran, der sich auch nicht zu fein ist, dem wohl wichtigsten postmodernen Slasher aus der Hand WES CRAVENS zu huldigen: SCREAM. Der flimmert im Film kurz über einen Fernsehapparat und stellt klar, welcher Horrorklassiker dem Holländer MARTIJN HEIJNE nach wie vor am Herzen liegt.
 
 
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SCREAM WEEK wandelt auf bekannten Teen-Slasher-Pfaden. Also lässt er junge Darsteller über die Klinge springen. Ein maskierter Bösewicht hat Freude daran, elektronische Handwerkzeuge zu missbrauchen, um damit naiven Studienabgängern die Leben zu verkürzen. Doch seine Taten sind nicht unbegründet. Die Opfer haben Dreck am Stecken. So hat sich vor genau zwei Jahren Tragisches ereignet. Ein Kommilitone ist beim Feiern während der Sneekweek auf schreckliche Weise ums Leben gekommen. Weil man Konsequenzen fürchtete, hat man der Polizei nicht die ganze Wahrheit erzählt. Leider bleibt keine Tat im Horrorfilm ungesühnt. Pünktlich zum erfolgreichen Uni-Abschluss gerät das Ereignis wieder in Erinnerung. Jemand Unbekanntes hat die Freunde von damals in ein schickes Anwesen eingeladen und weiß offensichtlich, was die Bande vor zwei Jahren getan hat. Doch die hat nur Feiern im Kopf. Es ist wieder Sneekweek, der Alkohol kalt und die Nächte laut. Demzufolge bleiben die Schreie ungehört. Leider pflastern schon bald erste Leichen die Wege und Fragen kommen auf, wer hier mit geschärftem Mordwerkzeug einen Denkzettel verpasst bekommen soll. Wie es bei solchen Filmen meist der Fall ist, wird das am Ende nur das „Final Girl“ erfahren. Die schlägt sich wacker, wird den Bösewicht demaskieren, und ihm selbstverständlich das Handwerk legen. Das ist heute so.
 
 
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ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST auf Niederländisch. SCREAM WEEK weicht erst gar nicht von den Mustern oder Pfaden ab, die das Slasher-Genre so ausgetrampelt hat. Hier wird wie seit jeher gemordet und gestorben – funktioniert bereits über 40 Jahre prima. Dabei sind die holländischen Schreihälse den amerikanischen intellektuell ebenbürtig. Auch denen ist vor allem dreierlei wichtig: Party, Sex und Alkohol. Dass das rigoros bestraft werden muss, weiß jeder Fan des Subgenres. Leider hat SCREAM WEEK ein Problem. Während sich seit Carpenter und HALLOWEEN hinsichtlich der gezeigten Gewalt einiges getan hat, geht diese niederländische Produktion einen Schritt zurück. Zwar zückt der Killer im Film Winkelschleifer, Handkreissäge, Nagelpistole und Bohrmaschine – die Kamera blendet aber in den meisten Fällen weg, sobald es für Horrorfans interessant wird. Angesichts der steigenden Gier nach harter Brutalität in Horrorfilmen, ist das was Regisseur MARTIJN HEIJNE hier an Kills zeigt schon als Enttäuschung zu bezeichnen. Nichtsdestotrotz ist SCREAM WEEK aber weitaus besser, als das Meiste, was man für den US-Videomarkt produziert. Trotz zurückhaltender Zeigefreudigkeit und knapp zwei Stunden Laufzeit wurde die Stundenten-Auslöschung sauber inszeniert. Klischees sind da – ohne Stereotypen geht mal wieder gar nichts; dennoch wurde SCREAM WEEK trotz vorhersehbarer Handlungsverläufe spannend verpackt. Nach so vielen Filmen dieser Art muss man MARTIJN HEIJNE ein Lob aussprechen. Altbewährtes so zu drehen, dass es nicht langweilt, ist eine Kunst für sich.
 
 
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SCREAM WEEK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die niederländische Version von ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST macht gar keine so üble Figur! Da kann sich Deutschland gern mal eine Scheibe abschneiden. Denn während man in Holland Horrorfilme für den Weltmarkt produziert, tritt man hierzulande beim Drehen von Kinofilmen auf der Stelle. Hauptsache staatstragend und intellektuell. Der bis auf wenige Ausnahmen humorfreie SCREAM WEEK (Originaltitel: SNEEKWEEK) ist typischer Horrorthrill fürs jugendliche Publikum. Zu sehen gibt es schöne Menschen mit wenig Kleidung (vorrangig Soap-Stars aus holländischen Vorabendserien), denen jedoch schreckliches Schicksal vorbestimmt ist. Technisch und auch atmosphärisch kann der Teen-Slasher einiges. Regisseur MARTIJN HEIJNE legt die für Slasher-Filme typischen falschen Fährten, um die Identität des Filmkillers möglichst lange zu bewahren. Gelingt ganz gut – hinsichtlich Spannung bietet der Film einige Höhepunkte. Demzufolge überrascht die Auflösung am Ende doch ziemlich. In Anbetracht der vordiktierten Slasher-Regeln macht SCREAM WEEK fast alles richtig. Nur bei der Gewalt hält sich die NL-Horror-Produktion zurück. Das dürfte den meisten Fans dieser Gattung Film gar nicht schmecken. Ist aber auch nicht weiter schlimm, denn der Film richtet sich ohnehin an all jene, die noch nicht so mit Slasher-Filmen bewandert sind. Die werden gut unterhalten.
 
 
 


 
 
 

SCREAM WEEK – Zensur

 
 
 
SCREAM WEEK ist ein eher harmloser Vertreter der Gattung Slasher. Zwar geht der Killer mit Bohrmaschine, Nagelpistole und ähnlich kräftigem Werkzeug zu Werke, die Kamera schwenkt aber weg, sobald es blutig wird. Der Film hat eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

SCREAM WEEK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Black Hill Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: SneekWeek; Niederlande 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: 108 Minuten

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 25.11.2016

 
 

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SCREAM WEEK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Black Hill Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
 Bloody April Fools – Los inocentes (2013)
 
Bloody Bloody Bible Camp (2012)
 
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Filmreview: „Complicity“ (2013)

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COMPLICITY

Story

 
 
 
Für einige Freunde entwickelt sich eine Privatparty zur Katastrophe. Einer der Kumpels wird im Affekt erdolcht. Da keiner der Kids Ärger möchte, schmiedet man einen hinterhältigen Plan und grübelt, wie sich der Mord am Besten vertuschen lässt …
 
 
 


 
 
 

COMPLICITY – Kritik

 
 
 
Manchen Filmschaffenden müsste man die Lizenz für das Drehen und Schreiben von Filmen jeglicher Art entziehen. Da werden die abstrusesten Ideen zu Papier gebracht und es gibt immer wieder Produzenten, die dann den hervorgebrachten Schund finanzieren. Oft kann man die Geschichten hinter einigen Machwerken schon gar nicht mehr als solche bezeichnen, handelt es sich hier fast bloß noch um Ideenfragmente, die man in gerade einmal zwei Sätzen zusammenfassen könnte. COMPLICITY (was soviel heißt wie Mitschuld/Mittäterschaft) ist so ein Fall – ein Spielfilm, der zumindest einer sein will und so ausschaut. Hinter dem nicht wirklich hellen Plot versteckt sich ein dummes Teenagerfilmchen, das ein nicht ernstzunehmendes Etwas an Story besitzt und mit dem wohl konstruiertesten Filmszenario des Kinojahres 2013 auf den Nerv gehen möchte. C.B. HARDING steckt hinter dem geistigen Stuhlgang, der vermutlich aus gutem Grund, zumindest hier in Deutschland, niemand ein Begriff sein dürfte. Der hat schon eine vollends unbedeutende TV-Karriere hingeblättert und in legendären Fernsehmomenten wie PARTY PRINCE 90210 (2010) und THE OSBOURNES (ja, die Serie) Regie geführt. Bis auf Randgruppen-TV hat HARDING nicht viel Produktives geschaffen, was sich auch im Falle von COMPLICITY nicht ändern dürfte.
 
In seinem neusten Streifen, der übrigens ohne Kinoauswertung direkt ins Heimkino wandert, geht es um einige narzisstisch veranlagte Highschool-Kids, die sich eigentlich untereinander überhaupt nicht ausstehen können, sich aber unerklärlicherweise freundschaftlich verbunden fühlen. Auf einer privaten Party kommt es zum Supergau. Kimberly, an der Schule ein eher leichtes Mädchen, behauptet, vom Einzelgänger Dylan vergewaltigt worden zu sein. Der Rest der Bande schaukelt sich in Rage und erdolcht den Beschuldigten im Affekt. Da nun alle irgendwie Dreck am stecken haben und man eigentlich so rein gar keinen Bock auf Ärger hat, versucht man den Mord zu vertuschen. Es wird diskutiert, geflennt und gehetzt und schnell eine fragwürdige Geschichte für die Polizei zusammengesponnen. Da taucht plötzlich eine Außenstehende auf, kreischt und lässt sich von der verzogenen Bande ins Gewissen quasseln. Wenig später kutschiert sie die Leiche im Auto ihrer Mutter zum nahe liegenden Fluss, wirft sie hinein und der Film ist zu Ende.
 
Nach plausiblen und vor allem tiefgründigen Antworten sollte man in diesem Schnellschuss nicht suchen, denn wirklich ernstzunehmende und nachvollziehbare Erklärungen wird man hier nicht finden. Regisseur HARDING faselt hier irgendwas von wegen Fragen der Moral und wie weit Menschen gehen würden, um ihren Allerwertesten in Sicherheit wähnen zu können. Aber das Treiben wirkt derart unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezerrt, dass jegliche Kontroverse im Keim erstickt wird. Hinzukommt, dass die eingebildeten und selbstsüchtigen Kids mal wieder so schablonenhaft charakterisiert werden, dass man meine könne, erneut im Panini-Sammelalbum der Horrorstereotypen zu blättern. Ob stiller und geheimnisvoller Außenseiter, intrigantes Miststück oder A-Sexueller Metro/Gay-man-weiss-es-nicht; in COMPLICITY hat man mal wieder alle obligatorischen Klischee-Hupfdohlen aus der Horror-Mottenkiste gefischt und in eine unausgegorene Handlung geworfen. Jeder der verzogenen Schüler hat privat einige Problemchen, die als Auslöser für das ganze Chaos dienen sollen. Leider werden die Schicksale nicht näher beleuchtet, so dass sich das psychische Durcheinander der Kids letztendlich nur als zweifelhafte Basis für ein seichtes Suspense-Lüftchen entpuppt. Aufgrund der notdürftigen Charakterisierung gelingt es dem Zuschauer kaum, zu irgendeinem der Protagonisten eine emotionale Verbindung aufzubauen. Das Gejammer ergreift selten und der Filmfreund dürfte mit kühler Distanz ganz schnell den erlösenden Abspann herbeisehnen. Immerhin kommt das Ende nach knapp 80 Minuten überraschend schnell und nicht so erhofft, wie man es vermutlich von einem derartigen Film erwartet hätte. Diskussionswürdig sollte COMPLICITY vermutlich mal werden, aber statt kontroversem Filmbeitrag bekommt der Zuschauer hier lediglich seichten Thrill geboten, der vermutlich für ein eher jugendliches Publikum inszeniert wurde. Ob COMPLICITY ein guter Film ist, lässt sich mit nur wenigen Worten sagen: NEIN, natürlich nicht. HARDINGS Teen-Thriller mag zwar großes Kino für die Kleinen sein, der bewanderte Horrorfan wird sich nach der Sichtung vermutlich kaum noch an COMPLICITY erinnern können. Da mag einem SEAN YOUNG (BLADE RUNNER) schon etwas sehr leid tun, die im Film die ungnädige Rolle der Vertrauenslehrerin ergattern konnte und mit ihrem Können hier vollkommen deplatziert wirkt.
 
 
 


 
 
 

COMPLICITY – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
COMPLICITY ist ein schweißtreibender Thriller voll Kontroversem Zündstoff für Kiddies auf dem Schulhof. Denn nur dort dürfte der Streifen die Aufmerksamkeit erhalten, die er vermutlich gar nicht verdient hätte. THE OSBOURNES-Regisseur C.B. HARDING liefert mit COMPLICITY Quatsch mit Soße ab, den man trotz vermeintlich ernster Thematik rein gar nicht ernst nehmen kann. Das Treiben ist unglaubwürdig, konstruiert und wirkt vollkommen an den Haaren herbeigezerrt, so dass man nicht verstehen will, wie COMPLICITY im Jahr 2013 für bestes Drehbuch und Kamera auf dem BOSTON INTERNATIONAL FILM FESTIVAL ausgezeichnet werden konnte.
 
 
 


 
 
 

COMPLICITY – Zensur

 
 
 
COMPLICITY ist nicht nur bezüglich Hauptfilm eine Lachnummer, auch Gewalt gibt es nicht zu sehen. Der Mord wird kurz und knapp abgehakt, danach wird ausschließlich gegeifert, gezickt und intrigiert. Das dürfte für Teens aufregend sein; den Horrorfan interessierts weniger. Null Blut, Splatter oder Gewalt dürfte der FSK eine 16er-Freigabe wert sein.
 
 
 
 


 
 
 

COMPLICITY – Trailer

 
 
 


 
 

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