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Beiträge mit Schlagwort “Mörder

Filmkritik: “Francesca” (2015)

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FRANCESCA

Story

 
 
 
Ein Killer geht um. Kommissar Bruno Moretti (Luis Emilio Rodriguez) will eine mysteriöse Mordserie untersuchen und kommt einer grausamen Psychopathin auf die Schliche.

 
 
 


 
 
 

FRANCESCA – Kritik

 
 
 
Es mag da draußen ja immer noch (vermutlich jüngere) Horrorfans geben, die nicht wissen, was man unter sogenannten “Giallos”, korrekt „Gialli“, versteht. Hierbei handelt es sich in erster Linie um italienische Filme, die dem Thrillergenre zuzuordnen sind und in denen Serienkiller meist attraktive Frauen brutal ermorden, während die grausame Bluttat virtuos von der Kamera eingefangen wird. Das kunstvoll und spektakulär inszenierte Morden wurde in den 1960ern von Altmeister MARIO BAVA ins Leben gerufen und kam in den 70ern erst richtig in Mode. Leider war Anfang der 1980er – bis auf ein paar aufflackernde Ausnahmen – Schluss, weil Zombies, Kannibalen und Selbstjustiz-Heuler weitaus mehr Scheinchen in Kinokassen und Videotheken wehten, als die oftmals kryptisch erzählten Giallos aus den Schmieden von ARGENTO, TESSARI oder PRADEAUX. Auch wenn die Hochzeiten der Giallos bereits Jahrzehnte zurückliegen, erleben die kreativen Schlitzerfilme jüngst eine kleine Renaissance. Getreu dem Motto “Was früher gut war, kann heute nicht schlecht sein” lassen junge Filmemacher ein vergessenes Subgenre erneut aufleben, das vor einem halben Jahrhundert mal von deutschen Edgar-Wallace-Filmen beeinflusst wurde.
 
 
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Nach neueren Krimis, wie TULPA, AMER und misslungen Versuchen durch den müde gewordenen DARIO ARGENTO, den klassischen Giallo einer neuen Generation Zuschauer schmackhaft zu machen, geht es mit FRANCESCA weiter – einem Neo-Giallo, der auch noch im Ursprungsland der Filmgattung gedreht wurde: Italien. Darin wird von einer grausamen Mordserie berichtet, die die Polizei in Alarmbereitschaft versetzt. Die Taten tragen immer die gleiche Handschrift. So sind die Augen der Leichen mit Münzen bedeckt und rätselhafte Bekennerschreiben werfen Fragen auf. Weil der Mörder Handschuhe trägt, führen Ermittlungen zu keinem Erfolg. Doch Kommissar Bruno Moretti ist ein ausgefuchstes Schlitzohr. Dem kommt bald ein Fall in Erinnerung, bei dem eine Frau Jahre zuvor spurlos verschwand. Die hatte bereits als Kind nur Unsinn im Kopf und spielte bevorzugt mit spitzem Werkzeug. Erfahrene Leser dürften vermutlich schnell kombinieren können, denn bei besagter Frau handelt es sich, um die titelgebende Killerin.
 
 
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Netter, kleiner Genrefilm, der seine Liebhaber finden wird. FRANCESCA ist kein Horrorstreifen für jedermann. Vielmehr werden hier Zuschauer angesprochen, die mit DARIO ARGENTO, MARIO BAVA oder SERGIO MARTINO groß geworden sind und auch etwas anfangen können. FRANCESCA ist ein typischer Vertreter der Gattung Giallo, wie er bereits in den 1970ern über die Leinwand flimmerte. Das bedeutet, dass er nicht nur in seiner Machart an Filme dieses Jahrzehnts erinnert; Regisseur LUCIANO ONETTI suggeriert dem Zuschauer mittels kontrastreichen Bildern, schnellen Zooms und blasse Farben, dass er auch einen Film aus dieser Zeit zu sehen bekommt. Selbstverständlich ist FRANCESCA ein Werk neueren Datums. Trotzdem rückt jene Tatsache schnell in den Hintergrund, weil Onetti detailverliebt mit bekannten Stilmitteln experimentiert, die dem Giallo seinerzeit zum Erfolg verholfen haben. So gibt es nicht nur kunstvoll bebilderte Morde zu sehen, die von Synthesizer-Klängen begleitet werden; auch der behandschuhter Killer darf nicht fehlen, der seit Italo-Krimis – wie DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE – zum Hauptwiedererkennungsmerkmal vieler Gialli gehört.
 
 
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Auch wenn FRANCESCA das Herz aller Liebhaber dieser Filme schneller schlagen lässt, stört das zu krampfhafte Nacheifern bekannter Giallo-Größen dann doch ein wenig. Weil mehr Herzblut ins Visuelle investiert wurde, kommt die Geschichte zu kurz. Die wurde nach üblichem Genre-Konzept zusammengekritzelt und wirkt in Kombination mit der unkonventionellen Inszenierung für heutige Verhältnisse äußerst angestaubt, unbeholfen und hölzern. Sie wird – zumindest für unerfahrene Zuschauer – zur Geduldsprobe, weil das Spiel aus surreal anmutenden Einstellungen und ungewohnten Farben unnötig verwirrt und nicht gerade förderlich für den Spannungsaufbau ist. Aber auch in punkto Härte wäre mehr möglich gewesen. Der gebürtige Argentinier LUCIANO ONETTI zeigt zwar deftige Morde; vergleicht man aber den zelebrierenden Umgang mit Gewalt in vielen älteren Werken besagtem Subgenres, vermisst man den Mut der Klassiker, die mit zeigefreudigem Detailreichtum manch Sittenhüter um den Schlaf gebracht haben.
 
 
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FRANCESCA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Der Giallo ist tot, es lebe der Giallo! Lang hat erwähntes Thriller-Subgenre das Dasein des Vergessenen gefristet. Das dürfte sich mit FRANCESCA nicht ändern, der sich dann durch Einsatz typischer Giallo-Stilmitteln an ein eher bewandertes Publikum richtet, die etwas mit dieser Art von Filmen anfangen können. Liebhaber kommerzieller Hochglanzproduktionen werden FRANCESCA als unsehbar abstempeln. Das ist auch kein Wunder, denn im kunstvoll zelebrierenden Morden kommt die Spannung ein wenig kurz. Zudem findet die Handlung auf einem Bierdeckel Platz, obwohl das Geschehen unermüdlich zwischen Zeitebenen und Ereignissen wechselt. Das ist so gewollt, denn Regisseur LUCIANO ONETTI huldigt bewusst engstirnig den vielen Giallo-Streifen der 70er. Liebhaber dieser Filmgattung werden die liebevolle Hommage des Filmemachers zu schätzen wissen. Die werden für knapp 80 Minuten in eine vertraute Welt jener Filme entführt, die dem heutigen Slasher zum Erfolg verholfen haben. Wer Action und Tempo benötigt, aber nix mit dem italienischen Horror-Zeitgeist der 70er anfangen kann, ist bei FRANCESCA an der falschen Adresse.
 
 
 


 
 
 

FRANCESCA – Zensur

 
 
 
FRANCESCA hat es ungeschnitten nach Deutschland geschafft. Im Vergleich zu vielen früheren Giallos ist das schon beachtlich, denn viele der alten Schlitzerfilme stehen hierzulande wegen ihrer detailfreudigen Zurschaustellung von Gewalt immer noch auf dem Index. FRANCESCA kann auf DVD und im Mediabook gekauft werden. Beides besitzt den roten FSK-Flatschen: Keine Jugendfreigabe. Eine Einzelveröffentlichung auf Blu-ray kann derzeit noch nicht gekauft werden. Ein Release ist aber geplant.
 
 
 


 
 
 

FRANCESCA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Mad Dimension (KeepCase DVD)

 
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(c) Mad Dimension (limitiertes Mediabook mit DVD und BD – limitiert auf 3500 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Francesca; Argentinien, Italien 2015

Genre: Horror, Thriller, Krimi

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Italienisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase (DVD) | Mediabook (BD+DVD) | KeepCase (BD) – ist geplant

Extras: Interview, Behind the Scenes, Hidden Scene, Deleted Scene Trailer zum Film, Trailershow | Zusätzlich im Mediabook: 20-seitiger Buchteil mit einem Text von Nando Rohner,

Release-Termin: 29.01.2016 (DVD KeepCase) | 29.01.2016 (Mediabook) | 01.04.2016 (BD KeepCase) – ist geplant |

 

Francesca [DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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FRANCESCA – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

Die Rechte aller für die Review verwendeten Bilder liegen bei MAD DIMENSION

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sonno Profondo (2013)

Eyes of Crystal – Die Angst in deinen Augen (2004)

Amer – Die dunkle Seite Deiner Träume (2009)

Sleepless (2001)


Filmkritik: “L.A. Slasher” (2015)

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L.A. SLASHER

Story

 
 
 
Ein maskierter Killer treibt in Los Angeles sein Unwesen und will die Stadt von Medien-Abschaum säubern. Die Opfer seiner Todesliste sind Menschen aus dem amerikanischen Fernsehen, die alles dafür tun, um irgendwie berühmt zu werden – und sei es durch Auftritte im Reality-TV.

 
 
 


 
 
 

L.A. SLASHER – Kritik

 
 
 
Das Fernsehen von heute ist von Dummen, mit Dummen für Dumme. Glaubt man Produzent, Schauspieler und Regisseur MARK OWEN ist diese These nicht unbegründet. Der bringt nämlich Zündstoff in Umlauf und will drüber aufklären, was dem Fernsehpublikum tagtäglich im TV zugemutet wird. L.A. SLASHER ist eine bissige Satire, die hart mit substanzlosen TV-Formaten ins Gericht geht, welche sich seit Jahren immer größerer Popularität erfreuen. Reality-TV schimpft sich die Plage, die sich wie ein Virus durch die Fernsehlandschaft frisst und talentfreie Menschen über Nacht in Celebrities verwandelt, ohne dass die Herausragendes geleistet haben. MARK OWEN – Initiator der hitzigen Debatte – klärt in seinem Filmdebüt über die Unsinnigkeit solcher Formate auf und ergreift für jene Partei, die oft jahrelang an Karrieren arbeiten müssen bis sie von den Medien überhaupt wahrgenommen werden. Seine Kritik ist nicht ungerechtfertigt. Sieht man sich in der Medienwelt um, fällt erschreckende Entwicklung auf. Die Anzahl sogenannter Z-Promis wächst rapide. Ob Casting-Shows, Doku-Soaps oder Reality-Spielesendungen – nach ernstzunehmende Künstlern muss man mittlerweile gründlicher suchen, denn Reality-TV rückt immer häufiger jene zweifelhaften Persönlichkeiten in den Mittelpunkt, die ohne etwas zu können auf Biegen und Brechen berühmt werden wollen.
 
 
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Mit all jenen ruhmgierigen Personen wird in L.A. SLASHER abgerechnet und zwar in Form eines Horrorfilms, der sich nicht immer bierernst nimmt. Darin macht sich ein von den Nachrichtensendern als L.A.-Schlächter betitelter Mörder an die Arbeit, um das Fernsehen von menschlichem Abschaum zu reinigen. Die Opfer des Killers sind bekannte Größen beliebter Reality-Fernsehformate, die nun für ihre TV-Schandtaten büßen sollen. Er entführt die Teilnehmer dieser Sendungen und beginnt die Pseudoprominenz vor den Augen der Internet-Community zu quälen. Dafür hat er extra eine Webseite eingerichtet und überträgt die Misshandlungen live. Mit seiner etwas anderen Reality-Show möchte er den Menschen die Augen öffnen. Die verstehen schnell und sind dem maskierten Rächer für die Aufklärung dankbar. So setzt der Killer sein Treiben fort und wird von der Gesellschaft als Erlöser gefeiert.
 
 
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Interessantes Konzept mit Potenzial, aber unausgegorener Inszenierung. L.A. SLASHER ist trotz technisch tadelloser Umsetzung und gutem Ansatz kein sonderlich gelungener Horrorstreifen. Die Satire besitzt nämlich keinen Spannungsaufbau, den man eigentlich von einem Horrorfilm erwarten würde. Vielmehr werden Szenen aus dem mehr oder weniger aufregendem Leben unsympathischer und stereotyper Z-Prominenz aneinandergereiht, die dann im Verlauf des Streifens für ihre einfältige Ruhmsucht blutig betraft wird. Weil dem Publikum eine zugängliche Identifikationsfigur vorenthalten wird, berührt Gezeigtes nur selten. Vielmehr bewegt sich der Streifen unbeholfen zwischen Comedy und Horror ohne den Mut aufzubringen, sich mit Ursachen von TV-Selbstinszenierung auseinanderzusetzen oder ergründen zu wollen, warum es amerikanischen TV-Zuschauern nach immer mehr solcher trivialen Formaten dürstet. So kritisiert Owen zwar viel, aber denkt nicht zu Ende. Daher ist und bleibt L.A. SLASHER am Ende doch nur ein weiterer austauschbarer Horror-Slasher mit eindimensionalen Figuren und fadem Drehbuch in dem sich gewollte Gesellschafts- und Medienkritik so ziemlich schnell in Luft auflöst.
 
 
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L.A. SLASHER – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein kontroverser, selbstironischer und dennoch bitterböser Slasher-Trip durch die schillernde Welt Hollywoods. L.A. SLASHER entspuppt sich als bissige Horror-Satire über die Faszination Reality-TV und die vielen Möchtegern-Berühmtheiten, die durch diese Sendungen meist ungerechtfertigt Ruhm schnuppern dürfen. Leider trifft die Bezeichnung Film auf L.A. SLASHER nur bedingt zu, denn eine richtige Handlung oder eine Spannungskurve sucht man vergebens. Vielmehr kommt in diesem zwar selbstironischen aber dennoch halbherzigen Horrorwerk mal wieder nur das Bestrafungsprinzip zum Einsatz, damit Slasher-Fans was zu sehen bekommen. Da im Film dann doch ziemlich unblutig bestraft wird, dürften sich auch Gewaltfans mit L.A. SLASHER schwertun. So bleibt unterm Strich ein kontroverser Streifen über, der bis auf seine brisante Thematik kaum etwas besitzt, was unbedingt Erwähnung finden sollte. Immerhin gibt es ein Wiedersehen mit B-Movie-Ikone DANNY TREJO (aus MACHETE und VANISH). Der verkörpert im Film einen Drogendealer und beweist mal wieder komödiantisches Talent.
 
 
 


 
 
 

L.A. SLASHER – Zensur

 
 
 
Auch wenn es im Film – wie der Titel es schon andeutet – geschlitzt und gemordet wird, dürften Slasher-Fans reichlich enttäuscht werden. Die meisten Morde und Misshandlungen an rumgeilen Pseudoprominenten passieren im Off oder werden nur angedeutet. Demzufolge ist eine FSK16 gewiss.
 
 
 


 
 
 

L.A. SLASHER – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Discopath (2013)


Filmkritik: “#Horror” (2015)

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#HORROR

Story

 
 
 
Die sozialen Netzwerke werden arroganten Zwölfjährigen zum Verhängnis. Die Selbstinszenierung von falschen Freundinnen im Internet ruft das Interesse eines Killers auf den Plan, der den Gören einen Denkzettel verpassen möchte.
 
 
 


 
 
 

#HORROR – Kritik

 
 
 
Was wäre die Welt heute nur ohne digitale Medien? Sie bestimmen mittlerweile unseren Alltag und erleichtern uns Kommunikation und Information. Leider scheint das Internet auch Jahre nach seiner Einführung auf breiter Front für viele immer noch Neuland zu sein. Die verstehen oft die absurden Trends einer jungen Generation nicht, die ihre Freizeit lieber in sozialen Netzwerken verbringt, statt sich im realen Leben zum Smalltalk zu verabreden. Kommunikationsportale, wie Facebook, Twitter oder Instagram haben sich längst zu festen Instanzen unter Jugendlichen entwickelt und beteiligen sich maßgeblich am Entwicklungsprozess der Heranwachsenden. So haben Foren und Netzwerke entscheidenden Einfluss auf die Pubertät und lassen besorgte Eltern mit Fragen zurück, die von der Kommunikation ihres Nachwuchses dort nur wenig mitbekommen.
 
 
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Schauspielerin, Modedesignerin und 90er-Jahre It-Girl TARA SUBKOFF (aus THE CELL) hat sich in ihrem Regiedebüt #HORROR der Unberechenbarkeit sozialer Medien angenommen und hebt mahnend den Zeigefinger. In einem Interview erklärte sie, dass ihr die Inspiration zum Schreiben des Drehbuchs nach einem Gespräch mit der Tochter eines Freundes kam. Die wurde Opfer von Cybermobbing und erinnerte die Regisseurin an deren eigene Kindheit. Während sich Subkoff als Pubertierende zu Hause von den Schikanen der Schulkameraden erholen konnte, haben Hänseleien heute einer neue Dimension erreicht. Oft können sich Betroffene nicht einmal mehr zuhause vor Schikanen sicher fühlen. Sobald sich Außenseiter in den eigenen vier Wänden mit dem Internet verbinden, wird der tägliche Kampf vom Schulhof im Kinderzimmer fortgesetzt. So sehen sich Mobbingopfer allgegenwärtig mit psychischer Quälerei konfrontiert, die die Jugend heute für Heranwachsende zum Albtraum werden lässt.
 
 
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Auch die jungen Heldinnen in #HORROR machen ihre ganz eigenen Erfahrungen mit den neuen Kommunikationsmedien. Im Mittelpunkt steht die zwölfjährige Sam (SADIE SEELERT) aus armen Verhältnissen, die von ihrer Mutter zu einem modern eingerichteten Glashaus im Wald gefahren wird, wo die verzogene Schulfreundin Sofia Cox (BRIDGET MCGARRY) zu einer Party geladen hat. Dort trifft sie auf fünf verwöhnte Gören, deren Lebensinhalt es ist, sich in sozialen Netzwerken selbst zu inszenieren. Der Begriff Freundschaft ist den Mädchen fremd, denn den sogenannten Freundinnen ist es wichtiger, wie sie im Internet ankommen. Trotz Oberflächlichkeiten bemüht sich die bescheidene Sam dennoch, Teil der hippen Hühnerbande zu werden. Doch die falschen Freunde offenbaren bald ihr wahres Gesicht. Sie intrigieren wie die Großen und spielen einander aus, bis es der vorlauten Cat (HALEY MURPHY) reicht. Sie redet Tacheles und muss dafür die Party verlassen. Keine gute Entscheidung, denn ein Denkzettel soll den Mädchen verpasst werden. Ein Fremder hat die hinterhältigen Machenschaften beobachtet und in den sozialen Netzwerken verfolgt. Der hat kein Erbarmen, schwingt Mordwerkzeuge und bestraft die kreischenden Gören für ihr ignorantes und selbstdarstellerisches Verhalten.
 
 
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Jugendliche können grausam sein, vor allem dann, wenn sie sich gerade auf der Suche nach sich selbst befinden und Grenzen austesten müssen. Regisseurin TARA SUBKOFF zeigt im ersten Langfilm ein etwas engstirniges Bild vom bösen Internet und verantwortungslosen Eltern. Letztere scheinen die eigenen Kinder nicht mehr im Griff zu haben und nicht sonderlich interessiert daran zu sein, was die Kleinen da in der Freizeit treiben. Nöte der Kinder werden ignoriert, schließlich haben eigene Probleme Vorrang, so dass sich Sprösslinge Gehör und Anerkennung in Foren und Netzwerken suchen müssen. Das Resultat dieser Ignoranz endet im Blutbad, was im Falle von #HORROR dann doch äußerst makaber wirkt, weil hier heranwachsende Mädchen für die Unachtsamkeit der Eltern bestraft werden müssen. Den Liebhaber kontroverser Metzelei dürfte das dennoch freuen, werden im Finale stereotype und unsympathische Figuren ausradiert, denen man schon nach nur wenigen Filmminuten bereits die Pest an die Hälse wünscht. Dennoch besitzt Gezeigtes bitteren Beigeschmack, weil Subkoff mit der Sensationsgeilheit des Publikums spielt und Teenager blutig auslöschen lässt, damit Gewaltfans etwas zu sehen bekommen. Das kommt nicht bei jedem Zuschauer gut an, gerade deswegen, weil das reale Leben gezeigt hat, wie Filme, Computerspiele und das Internet die psychische Entwicklung eines Kindes negativ beeinflussen können.
 
 
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Der Coming-of-Age-Thriller #HORROR geht auf wahre Begebenheiten zurück. Schenkt man dem Internet Glauben, soll die Idee zum Film auf Ereignissen basieren, die 2014 durch die Medien gegangen sind. So sollen zwei Zwölfjährige in Waukesha, Wisconsin auf eine Mitschülerin eingestochen haben und wurden für das Verbrechen nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt. Die Mädchen hatten Ermittlern erklärt, dass sie mit dem Mord den berüchtigten Slenderman beeindrucken wollten. Von der hageren, gesichtslosen Kreatur hatten sie in einem Internetforum gelesen und hofften durch ihre Tat mit der fiktiven Horrorgestalt davonlaufen und das Leben verbringen zu können.
 
 
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#HORROR – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Visuell überzeugender Coming-of-Age-Horror mit brisanter Thematik, der vor allem Eltern beunruhigen dürfte. Die werden sich nach dem Abspann erst mal beim Nachwuchs erkundigen, was der in sozialen Netzwerken so von sich preisgibt. Regisseurin TARA SUBKOFF beschäftigt sich in #HORROR mit desinteressierten Eltern und selbstdarstellerischen Sprösslingen. Letztere finden Gehör und Anerkennung im Internet. Technisch ist der kontroverse Horror-Thriller über jeden Zweifel erhaben. So überzeugen vor allem durchgestylte Kamerafahrten- und Einstellungen, die dem Streifen Dank spartanischer Farbwahl über die gesamte Laufzeit hinweg zu unbequemer Atmosphäre verhelfen. Trotz minimalistischer Handlung fesselt #HORROR gerade wegen den darstellerischen Leistungen der jungen, unverbrauchten Darstellerinnen. Die agieren zwar unausstehlich – dafür aber durchweg natürlich. Oftmals ist Improvisation nicht von der Hand zu weisen, was den Film authentisch wirken lässt. Leider muss mal wieder die Blutsuppe angerührt werden, denn ein Killer will den Mädchen nichts Gutes. Subkoff legt zwar falsche Fährten, um die Identität des Mörders zu verschleiern; aufmerksame Zuschauer werden jedoch früh die Fährte wittern. Letztendlich trübt die reißerische Zurschaustellung des überflüssigen Mordens von geistig noch nicht voll entwickelten Teenagern den positiven Gesamteindruck. Vermutlich wäre es besser gewesen, hätte Drehbuchautorin und Regisseurin TARA SUBKOFF allen Beteiligten auf weniger drastische Weise eine Lektion erteilt. So bleibt unterm Strich ein diskussionswürdiger Film, der trotz belehrender Botschaft dann doch eher ins Horrorfach abdriftet. Trotzdem sollte man Subkoffs Reise als Filmemacherin definitiv im Auge behalten. Das Debüt hat nämlich interessante Ansätze und macht neugierig auf das, was noch kommen wird.
 
 


 
 
 

#HORROR – Zensur

 
 
 
Es ist schwierig für #HORROR ein Zensururteil zu fällen. Viel abartiges Zeug wird nicht gezeigt. Zu Beginn wird ein ahnungsloses Paar im Auto ermordet. Gegen Ende werden die Kinder um die Ecke gebracht. Die Kamera blendet dabei weg, sobald die Kinder in die ewigen Jagdgründe befördert werden. Aufgrund der kontroversen und brisanten Thematik und wegen dem heimtückischen Ermorden von Minderjährigen, darf man von einer Freigabe mit rotem FSK-Stempel rechnen.
 
 


 
 
 

#HORROR – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Some Kind of Hate (2015)
 
The Den (2013)
 
Dark Summer (2015)
 
Found (2012)
 


Filmkritik: “The Final Girls” (2015)

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THE FINAL GIRLS

Story

 
 
 
Als in jenem Kino ein Feuer ausbricht, in dem anlässlich des Todes der Horrorfilm-Schauspielerin Amanda Cartwright ein Gedenk-Event stattfindet, finden sich Amandas Tochter Max und ihre Freunde plötzlich im berühmtestem Film der verstorbenen Schauspielerin wieder: “Camp Bloodbath”. Nun müssen sie selbst ums Überleben kämpfen.
 
 
 


 
 
 

THE FINAL GIRLS – Kritik

 
 
 
Regisseur Todd Strauss-Schulson kann bei IMDb zwar schon auf 25 Regie-Einträge verweisen, allerdings ist “The Final Girls” erst sein dritter Kinofilm (nach “Private High Musical” von 2008 und “Harold & Kumar” von 2011). Und Strauss-Schulson hat aus dem Drehbuch der Neulinge M.A. Fortin und Joshua John Miller wirklich das Bestmögliche herausgeholt. Leider bietet das Script nicht die bestmögliche Story, so dass “The Final Girls” bedauerlicherweise nicht so gut ist, wie er definitiv hätte werden können. Denn wo findet der geneigte Horrorfan heute noch einen Film, der ordentlich budgetiert und mit fähigen Darstellern ausgestattet ist und darüber hinaus noch mit einer originellen Story-Idee punkten kann? Eben. Da ist es dann umso ärgerlicher, wenn der Film erkennen lässt, dass er hinter seinen Möglichkeiten geblieben ist. “The Final Girls” hat fast alles richtig gemacht, allerdings hapert es an zwei grundlegenden Dingen, die diesen Film perfekt gemacht hätten: wesentlich mehr Gore und viel mehr Humor. So vergehen die 88 Minuten Laufzeit zwar auch recht kurzweilig, aber der Film ist leider viel zu unlustig. Zudem blendet Scott-Schulson bei fast jeder Slasher-Szene ab, so dass kaum Blut zu sehen ist. Das ist wirklich ärgerlich, weil “The Final Girls” ansonsten über ein paar wirklich gute Ideen verfügt.
 
 
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Max (Taissa Farmiga aus “Mindscape“) hat ihre Mutter, die Horrorfilm-Ikone Amanda Cartwright (Malin Akerman), vor drei Jahren bei einem Autounfall verloren. Über diesen Verlust ist Max immer noch nicht hinweg. Als ein Bekannter sie bittet, an einem Gedenk-Event für Amanda teilzunehmen, an dem ein Double-Feature ihrer berühmtesten Filme “Camp Bloodbath 1+2” gezeigt wird, lehnt Max deshalb zunächst ab. Schlussendlich taucht sie aber doch im Kino auf, in dem der Film gezeigt wird. Als dort plötzlich ein Feuer ausbricht, suchen Max und ihre Freunde einen Ausweg. Kurzerhand stürzen sie durch die Leinwand und landen dabei mitten im gezeigten Film aus den 1980er Jahren. Das Wiedersehen mit ihrer dort noch blutjungen Mutter macht Max schwer zu schaffen. Allerdings bleibt keine Zeit für langes Nachdenken, denn immer noch schleicht ein Killer durchs Camp und macht auch vor Max und ihren Freunden nicht halt. Wird es der sypmpathischen Hauptdarstellerin und ihren Freunden gelingen, dem Killer zu entwischen und vielleicht sogar die Mutter der Filmheldin zu retten. Oder werden sie auf ewig in dem billigen Schocker “Camp Bloodbath” gefangen bleiben?
 
 
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Zunächst zum Positiven: “The Final Girls” hat ein paar wirklich grandiose Ideen. Die Freunde bekommen wiederholt die Möglichkeit, ins Camp Bloodbath zu gelangen, als sie sich nach ihrer Flucht aus dem brennenden Kinosaal unverhofft im waldähnlichen Setting des Films wiederfinden. Denn nach genau 92 Minuten beginnt der Film immer wieder von vorn, so dass die anfänglich ausgeschlagene Mitfahrgelegenheit im dritten Anlauf endlich wahrgenommen wird. Auch zum Thema Rückblenden hat Scott-Schulson sich etwas einfallen lassen. Zum Beispiel kann man über die eingeblendete Schrift herübersteigen, die anzeigt, in welchem Jahr man sich gerade befindet. Als die Freunde auf einmal ganz langsam sprechen und sich auch so bewegen, stellen sie erstaunt fest, dass sie sich in einer Slow-Motion-Sequenz befinden. Und als sich Hedlin Max nach ihrem letzten Kampf umdreht und zum Himmel blickt, wird dort der nun eingeblendete Abspann sichtbar. Diese kleinen Ideen sind wirklich lustig und machen Spaß. Der Film ist eine Hommage an “Freitag, der 13.” und zeigt dies gern und deutlich durch schonungslosem Gebrauch von Slasher-Klischees. So taucht der Killer immer dann auf, wenn die Protagonisten gerade am Fummeln sind. Zudem wurde er als Kind in einem Ferienlager gehänselt, trägt eine alberne Maske und pflügt sich mit einer Machete durch seine Opfer. Darüber hinaus hat Scott-Schulson ein paar wunderbare Szenen in seinen Film gestreut, in denen 80er und Neuzeit aufeinanderstoßen. So treffen Walkmans auf Handys, was bei den Filmfiguren für Verwirrung sorgt.
 
 
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Scott-Schulson hat außerdem viel Wert auf ordentliche CGI und coole Bilder gelegt. Oft taucht er die Settings in satte, leuchtende Farben, die den Look des Films nennenswert unterstreichen. Auch die Darsteller geben ihr Bestes und spielen solide. Der 37jährigen Malin Akerman nimmt man das Teenager-Blondchen im Film-im-Film zwar nicht ganz ab, dennoch spielt sie ihre Rolle gut. Taissa Farmiga ist die 21jährige Schwester der doppelt so alten Vera Farmiga (“Up in the Air”) und liefert als emotional völlig überforderte Filmheldin Max ebenfalls glaubwürdige Leistungen ab. Erwähnenswert wäre dann vielleicht noch Angela Trimbur als tumbe, aber sexy Tina, die wunderbar überzogen von ihr dargeboten wird. Guter Cast, guter Look, coole Ideen und stimmiger Soundtrack – bis hierhin hat Scott-Schulson alles richtig gemacht.
 
 
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Was seinem Film dann leider zumindest teilweise das Genick bricht, sind die zu spärlich vertretenen Komponenten Humor und Splatter. Da ist sogar das Vorbild von 1980 blutiger und zeigefreudiger als dieser Film. Scott-Schulson blendet fast jedes Mal ab, sobald die Machete geschwungen wird oder vermeintlich blutige Auseinandersetzungen stattfinden. Von grausig-absurden Morden oder bösen Verletzungen bekommt man hier also so gut wie nichts zu sehen, was wenig Sinn macht, wenn man einen Horror-Slasher dreht. Darüber hinaus fehlt es dem Film, abgesehen von ein paar humoristischen Wortspielchen, eindeutig an Witz. Der sich förmlich anbietende Running Gag um das Ableben einer der Protagonisten wird verschenkt. Coole One-Liner von Amanda und Vicki wie “Dann heb ich mich eben für George Michael auf” und “Darauf würde ich mich lieber nicht verlassen” bleiben die Ausnahme. Somit werden die 88 Minuten Laufzeit zum teils zähen Trauerspiel, eben weil man so gut erkennen kann, welches Potenzial der Film gehabt hätte.
 
 


 
 
 

THE FINAL GIRLS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Kaum Witz und wenig Gewalt. Diese Mankos machen “The Final Girls” leider zu einem durchschnittlichen Horrorfilme – etwas, was man diesem Film wirklich nicht gegönnt hätte. Dennoch kann man mit diesen Final Girls durchaus Spaß haben, denn trotz der erwähnten fehlenden Zutaten liegt der Film qualitativ weit über dem, was man normalerweise im Horrorgenre geboten bekommt. Vielleicht kommt es ja so, wie auch im Film “Camp Bloodbath”: ein zweiter Teil kündigt sich an. Bis dahin solide sechs von zehn blutigen Camps, um die man besser einen weiten Bogen macht.
 
 


 
 
 

THE FINAL GIRLS – Zensur

 
 
 
“The Final Girls” hat von der FSK eine Jugendfreigabe erhalten. Sonderlich blutig sind die Morde nicht, was die FSK16 durchaus gerechtfertigt. Slasher-Fans können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THE FINAL GIRLS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Sony Pictures Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: The Final Girls; USA 2015

Genre: Horror, Thriller, Komödie

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Italienisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch, Dänisch, Englisch für Hörgeschädigte, Finnisch, Hindi, Italienisch für Hörgeschädigte, Norwegisch, Polnisch, Schwedisch, Türkisch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Kommentar von Cast & Crew, Kommentar des Drehbuchautors, Entfallene, erweiterte und alternative Szenen mit optionalem Kommentar vom Regisseur, Entwicklung der visuellen Effekte Vorschau-Animation

Release-Termin: 12.11.2015

 

The Final Girls [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE FINAL GIRLS – Trailer

 
 

 
 

MissVega

(Mehr Kritiken von MISSVEGA gibt es hier zu lesen)

Die Rechte aller Grafiken liegen bei SONY PICTURES HOME ENTERTAINMENT

 
 
 
Ähnche Filme:
 
You Can’t Kill Stephen King (2012)
 
Chuckys Baby (2004)
 
Freddy’s New Nightmare (1994)
 
Scream 2 (1997)
 
Scream 3 (2000)
 
Scream 4 (2011)
 


Halloween – Die Geburt des modernen Horrorfilms

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EIN RÜCKBLICK AUF DIE HALLOWEEN-FILME

 
 
 
Da sich auch kalendarisch Halloween nähert, ist es an der Zeit, einen Blick auf die “Halloween”-Reihe zu werfen, deren erster Teil aus dem Jahr 1978 inzwischen als Klassiker (und Begründer) des Slasher-Genres gilt. Bereits der Score aus den “Halloween”-Filmen jagte Generationen von Horrorfilm-Fans eine Gänsehaut über den Rücken und verschaffte der Figur Michael Myers zu unheimlicher Aufmerksamkeit.
 
 
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(Halloween – Die Nacht des Grauens | © CONCORDE)

 
 

DIE NACHT DES GRAUENS – GEBURT EINES KLASSIKERS

 
 
Im ersten “Halloween” bricht Michael Myers nach 15 Jahren aus einer psychiatrischen Anstalt aus und kehrt in seine Heimatstadt Haddonfield zurück. Für den Mord an seiner Schwester, den er als Sechsjähriger beging, sollte Myers eigentlich lebenslang verwahrt bleiben. Einzig der Psychiater Dr. Loomis (Donald Pleasance) glaubt daran, dass Myers in seine alte Heimat zurückkehrt, doch der geht in Haddonfield bereits auf die Jagd. Und während er einen Teenager nach dem Anderen mit dem Küchenmesser zerteilt, scheint einzig Laurie (Jamie Lee Curtis) ihm immer wieder von der Klinge zu springen. Mit diesem simplen Rezept wurde “Halloween – Die Nacht des Grauens” zum Horrorklassiker und etablierte das amerikanische Slasher-Genre – eine Gruppe von Teenagern, ein übermenschlich wirkender Mörder und eine unschuldige Teenagerdame, die vor dem Messer des Mörders flieht. Nebenbei machte John Carpenter (der damals vor allem für seine auf der Uni entstandene Sci-Fi-Parodie “Dark Star” bekannt war) mit dem Film eine blutjunge Jamie Lee Curtis zum Star und zum Archetypen der Scream-Queen für das anbrechende VHS-Zeitalter. Dass “Halloween” trotz seines mageren Budgets von 300.000 Dollar zum Mega-Erfolg wurde, lag wohl auch an der Arbeit, die man in das Skript investierte. In der ursprünglichen Fassung sollte es um die Babysitter-Morde gehen… was deutlich weniger genredefinierend als “Halloween” klingt. Stattdessen orientierte die Grundidee von “Halloween” sich nun eher an keltischen Traditionen. Ganz im Geiste von Samhain nutzt der Film diesen einen Tag im Jahr, damit böse Geister (oder hier Michael Myers) für Chaos sorgen können. Auch die Idee, man könne das Böse nicht töten, hat im Samhain seinen Ursprung. Und dass man weder das Böse, noch die “Halloween”-Reihe töten kann, beweisen die insgesamt sieben Fortsetzungen, ein Reboot von Rob Zombie und aktuell ein Kurzfilm mit dem Titel “The Rebirth of Michael Myers“. Die Sequels erweitern zwar das Thema von Samhain und den Charakter von Michael Myers, erhielten aber eher gemischte Kritiken. Besonders der dritte Teil “The Season of the Witch” fiel bei Kritikern und Fans durch, wohl auch, weil Michael Myers im Film keine Rolle spielt. Fortan blieb man beim Bewährten und brachte den Unverwüstbaren mit der Maske stets wieder zurück. Auch im Zuge der modernen Slasher-Welle versuchte man mit “Halloween H20” noch mal an die alten Erfolge anzuknüpfen, was aber nicht gänzlich gelang. Der siebte Teil der Halloween-Serie spielt genau 20 Jahre nach dem ersten Film und konnte im Vorfeld immerhin mit dem Comeback von Jamie Lee Curtis auftrumpfen. Regisseur Steve Miner schaffte es trotzdem nicht Halloween H20 auf das Niveau der Teile 1 und 2 zu hieven, was auch daran lag, dass die Teile drei bis sechs der Filmreihe weitestgehend ignoriert wurden und das Handwerk eines John Carpenter im Hinblick auf den Spannungsbogen unerreicht blieb.
 
 
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(Halloween 5 – Die Rache des Michael Myers | © NSM und TIBERIUS FILM )

 
 
 
 

SCHWERES ATMEN, LANGE SCHRITTE

 
 
Das Intro zu “Halloween” gehört zu den absoluten und oft kopierten klassischen Elementen, die diesen Film so großartig machen. Ein Long Take, ein langer Spaziergang durch die Halloween-Nacht, schweres Atmen, das uns als Zuschauer wissen lässt: Wir blicken aus den Augen des Mörders. Und doch sehen wir ihn nicht, wir befinden uns mit Michael Myers auf einer langen Reise zum Mord. Jeder Passant könnte das Opfer sein, doch stattdessen schleichen wir uns in ein Haus – dann erst erfolgt die eigentliche Enthüllung: Wir stecken im Körper eines Kindes. Dass Michael Myers bereits im Kindesalter ein Mörder und Psychopath ist, erkennen wir Noch unnahbarer und unheimlicher sollte Michael Myers durch seine Maske wirken, die im Drehbuch als weiß mit menschlichen Zügen beschrieben wurde. Aus Budget-Gründen übermalte das Team eine Captain Kirk-Maske mit weißer Farbe. Generationen von Teenagern schrieen also in Furcht vor William Shatner auf. Was “Halloween” 1978 ebenfalls begründete, war die konservative Grundhaltung des Horrorfilms, die sich bis heute hartnäckig gehalten hat. In Wes Cravens “Scream” werden die Regeln des Slashers auch gerne parodiert und auch der launige “Cabin in the Woods” spielt mit eben jenen Ideen, die “Halloween” etablierte: Der Tod durch den Killer ist nicht einfach nur ein wahlloser Kick, sondern eine Strafe für die Grenzüberschreitung. Alkoholkonsum und promiskes Verhalten werden mit Michael Myers’ Messer bestraft, wohingegen die unschuldige Laurie den Film überleben darf. Zwar gab es schon vor “Halloween” US-Slasher wie das “Texas Chainsaw Massacre” und auch der Einfluss des gewaltfixierten Giallo-Genres aus dem Italien der frühen Siebziger ist nicht zu leugnen, doch “Halloween” zementierte den Slasher im kulturellen Gedächtnis und etablierte dank Carpenters Handschrift (lange PoV-Fahrten) das Genre auch stilistisch. Zwar arbeitete Carpenter immer wieder einmal an den Fortsetzungen zu “Halloween” (in Teil 2 schrieb er am Drehbuch) mit, Regie führte er jedoch nur beim ersten Teil. Mit Filmen wie “Die Klapperschlange” oder “Big Trouble in Little China” ist Carpenter aber nach wie vor eine wichtige Kulturikone – vor allem der 80er. Auch dem Horrorgenre blieb er mit Filmen wie “Vampires” oder “Ghosts of Mars” immer treu.
 
 
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(Halloween – H20 | © STUDIO CANAL )

 
 

EIN GENREDEFINIERENDER KLASSIKER

 
 
“Halloween” von 1978 ist einer der wichtigsten und einflussreichsten Horrorfilme des ganzen Genres. Zwar wirkt die Gewalt im Vergleich mit aktuellen Horrorfilmen zahm, dafür bietet “Halloween” Spannung und Suspense. Wie Carpenter mit den Nerven der Zuschauer spielt, ist beeindruckend. Wer sich selbst von den Ereignissen um Halloween und Michael Meyers überzeugen möchte, kann sich passend zur Jahreszeit bei den verschiedenen VoD-Seiten mit ausreichend Horrorfilmen versorgen. So sind bei maxdome ein Großteil der Filme aus der Halloween-Reihe sowie auch einige andere Werke aus den Bereichen Horror und Slasher zu finden.
 
 
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(Rob Zombie’s Halloween | © SENATOR und UNIVERSUM FILM)

 
 

(Sören)

 
 
Alle bisherigen Halloween-Filme auf einem Blick:
 
 
Halloween – Die Nacht des Grauens (1978)
Halloween 2 – Das Grauen kehrt zurück (1981)
Halloween 3 – Die Nacht der Entscheidung (1982)
Halloween 4 – The Return of Michael Myers (1988)
Halloween 5 – Die Rache des Michael Myers (1989)
Halloween – Der Fluch des Michael Myers (1995)
Halloween H20 (1998)
Halloween: Resurrection (2002)
Halloween (2007)
Halloween II (2009)


Filmkritik: “The Boy” (2015)

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THE BOY

Story

 
 
 
Ein kleiner Junge findet einen ungewöhnlichen Draht zum Sensenmann und beginnt Menschen aus Lust am Töten zu ermorden.
 
 
 


 
 
 

THE BOY – Kritik

 
 
 
Wer fleißig auf FILMCHECKER liest, dürfte wohl schon mitbekommen haben, dass sich der amerikanische TV-Sender CHILLER zu einem Garanten für brauchbaren Horror mausert. Dank des hauseigenen Produktionsstudio CHILLER FILMS gab es in letzter Zeit abwechslungsreiches Genrekino zu sehen, das sich qualitativ schon längst von üblicher TV-Gruselei abgehoben hat. Nach DEEP IN THE DARKNESS und 5 SENSES OF FEAR haben sich die Jungs von CHILLER FILM mit dem Studio SPECTREVISION zusammengetan und an einem weiteren Film gewerkelt, der bereits auf Festivals viel Lob ernten konnte. Das ist im Grunde nichts Ungewöhnliches; würde da nicht im Zusammenhang der Name ELIJAH WOOD fallen. Dem gehört nämlich die Filmwerkstatt SPECTREVISION, die bereits mit Filmen wie A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT oder COOTIES sehenswerte Genrefilme hervorgebracht hat.
 
 
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Statt schonungslos Trash am Fließband zu fabrizieren, legt CHILLER FILMS Wert auf Klasse. Das gelingt dem Studio mit THE BOY ganz wunderbar – einem Psychothriller, der auf unbequeme Weise erläutert, wie gewissenlose Psychopathen geboren werden. Dabei scheint man auf den ersten Blick gar nicht zu vermuten, dass sich hinter dem unschuldigen Lächeln des neunjährigen Ted (hervorragend: JARED BREEZE) ein neuer NORMAN BATES verbirgt. Der lebt allein mit Vater (DAVID MORSE) und Kaninchen weit draußen in der Einöde, wo man zusammen ein marodes Motel an einem kaum befahrenen Highway betreibt. Kundschaft lässt auf sich warten, so dass sich der wortkarge Ted, völlig auf sich allein gestellt, die Zeit mit dem Aufsammeln überfahrener Tiere vertreiben muss. Doch die ewige Monotonie und die quälende Einsamkeit haben bald ein Ende. Nach einem Autounfall muss sich William Colby (RAINN WILSON) im Motel Noteinquartieren und findet schnell Draht zum minderjährigen Eigenbrötler. Zwischen den beiden entwickelt sich eine sonderbare Freundschaft, die dem Vater zum Dorn im Auge wird. Als der im Zimmer seines Sohnes Ersparnisse vorfindet und erkennt, dass der Junge schon seit längerer Zeit plant, seinen Vormund zu verlassen, nehmen die Dinge eine unerwartete Wendung.
 
 
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Psychologisches Grauen mit Anspruch – THE BOY ist keine grobe Schnetzelorgie. Der Film taucht tief ein in die Psyche eines schwerst fehlgeleiteten Jungen, der aus Einsamkeit Gefallen am (stillen) Töten entwickelt und in Momenten grenzenloser Wut Tiere quält und sogar Menschen auf dem Gewissen hat. Statt das grausame Vorgehen seines Antihelden grafisch zu unterstreichen, protokolliert CRAIG WILLIAM MACNEILL die Etappen der Verwandlung mit ruhiger Hand, nüchterner Bildsprache und langsamen Kamerafahrten. Das schwerfällige Tempo ist gewöhnungsbedürftig, zumal sich die knapp zwei Stunden lange Geschichte viel Zeit für Situation und Figuren nimmt, aber letztendlich nicht die eigentlichen Gründe der Psychopathenwerdung erforschen möchte. Denen dürfte wohl in zwei weiteren Filmen auf den Grund gegangen werden. Glaubt man den Plänen der Macher bildet THE BOY den Auftakt einer Trilogie. Die soll weitere Stadien der Kindheit eines angehenden Serienmörders beleuchten und ihren unberechenbaren Protagonisten im Alter von 9, 14 und 18 Jahren begleiten.
 
 
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Bleibt zu erwähnen, dass die Grundlage zum Film aus dem Roman MISS CORPUS des Schriftstellers CLAY MCLEOD CHAPMAN entwendet wurde. Das darin beinhaltete Kapitel THE HENLEY ROAD MOTEL wurde von Regisseur CRAIG WILLIAM MACNEILL im Jahr 2012 schon einmal in Form eines Kurzfilms adaptiert. Weil der auf dem SUNDANCE FILMFESTIVAL gut angenommen wurde, war eine Langversion die logische Konsequenz. Dennoch; Filmfans, die gerade aufgrund der reißerischen Thematik viel Mord und Totschlag erwarten, werden enttäuscht. Die Kamera blendet stets weg, wenn es unerträglich wird und blutige Schlachterei bleibt ohnehin aus. THE BOY ist ein deprimierendes Horrordrama mit gutem Hauptdarsteller und konsequentem Ende, das aufgrund der umfangreichen Laufzeit viel Geduld und Sitzfleisch voraussetzt.
 
 


 
 
 

THE BOY – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Schockierend, deprimierend und faszinierend zugleich. Klug inszenierter Psychotrip im Stile eines MANIAC, der dunkle Abgründe erforscht und den Zuschauer in den Kopf eines angehenden Killers entführt. THE BOY ist ein unbequemes und erschütterndes Horrordrama, das die Geschichte eines fehlgeleiteten Jungen erzählt, der aufgrund quälender Einsamkeit, fehlender sozialer Kontakte und der Monotonie des Alltags eine Vorliebe fürs Töten entwickelt. Der kontroverse Auftakt einer geplanten Trilogie zehrt von der Faszination des Unberechenbaren, das im Geiste eines vermeintlich gut erzogenen Jungen schlummert. Der lässt den Zuschauer wissen, dass in seiner eigenen, kleinen Welt alles etwas anders läuft, als in Köpfen gleichaltriger Buben. Viel Lob gebührt Jungdarsteller JARED BREEZE für seine herausragenden Leistungen. Viel zu erzählen hat er in seiner Rolle nicht und dennoch umgibt ihn eine allgegenwärtige Aura des Bösen. Wer eine Leidenschaft für das Reisen in Köpfe unberechenbarer Psychopathen besitzt, sollte sich THE BOY nicht entgehen lassen – auch wenn für dieses intensive, zweistündige Psychogramm viel Sitzfleisch vorausgesetzt wird.
 
 


 
 
 

THE BOY – Zensur

 
 
 
Wer glaubt, dass es in THE BOY heftig zur Sache geht – der irrt. Die Gewalt passiert im Off oder wird nur angedeutet. Wenige Szenen zeigen das Ergebnis der Gewaltausbrüche des kleinen Ted. Hierzulande darf man mit einer FSK16 rechnen.
 
 


 
 
 

THE BOY – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Headless (2015)
 
Discopath (2013)
 
Enter the Dangerous Mind (2013)
 
Hemorrhage (2012)
 
Simon Killer (2012)
 
Alexandre Aja´s Maniac (2012)
 
Magic Magic (2013)
 
The Harvest (2013)
 
Almost Mercy (2015)
 


Filmkritik: “Lost After Dark” (2015)

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LOST AFTER DARK

Story

 
 
 
Teenager verirren sich in ein abgelegenes Landhaus und geraten dort an den letzten Überlebenden einer Kannibalensippe.
 
 
 


 
 
 

LOST AFTER DARK – Kritik

 
 
 
Egal wie einfallslos das Horrorgenre oft sein mag – Teenie-Slasher werden aus unerfindlichen Gründen immer gern gesehen. Seit das Teenager-in-Angst-Kino mit HALLOWEEN seinen Siegeszug antrat, in den 1980ern breitgetreten zum Kassenmagneten avancierte, ist es aus der Welt der Horrorfilme nicht mehr wegzudenken. Das hat sich auch 40 Jahre später nicht geändert. So lange gibt es dieses Subgenre bereits mindestens und trotz der ewig gleichen Handlungsverläufe sind Teenie-Slasher für Fans der derberen Filmunterhaltung unverzichtbar. Retro-Horror schimpft sich der Trend, der neuerdings im Horrorbereich Einzug hält und sich in seiner Machart vor filmischen Stilrichtungen verbeugt, die dem Horrorfilm von Heute den Weg geebnet haben. Ob Retro-Slasher, Neo-Giallo oder Oldschool-Splatter – die Rückbesinnung scheint eine gut gemeinte Geste zu sein, nimmt aber so langsam Überhand, weil immer mehr aktuelle Filme künstlich auf alt getrimmt werden.
 
 
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Auch Neuling IAN KESSNER bringt Jugenderinnerungen zurück auf Kinoleinwände und Fernsehschirme. Er ist mit den Horrorstreifen der 1980er aufgewachsen und will nun Zuschauer jüngeren Semesters zu verstehen geben, dass früher im Horrorfilm alles besser war. Mit seinem ersten Langfilm LOST AFTER DARK hat er eine Hommage an die legendäre Ära der Teen-Slasher auf Film gebannt, die mit ihren bewusst auf alt getrimmten Bilderflut suggerieren will, dass man soeben einen Thriller aus jener Dekade zu sehen bekommt. Hier tragen nicht nur die Protagonisten die Namen bekannter Horrorschauspieler- und Regisseure der 80er; auch Kulisse, Ausstattung und Geschichtenaufbau sind zu konzipiert, dass man meinen könnte dieser Film wäre auch in den 1980ern entstanden. Das mag zwar aufrichtig und lobenswert sein. Genauer betrachtet ist LOST AFTER DARK gerade deshalb alles andere als sehenswert, weil sich Macher IAN KESSNER zu sehr darauf konzentriert, alles genauso aussehen zu lassen, wie in den Filmen des goldenen Slasher-Zeitalters.
 
 
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LOST AFTER DARK spielt im Jahr 1984 und der Frühlingsball an einer amerikanischen High School ist in vollem Gange. Für einige Teenager nicht ausreichend. Sie wollen ihre ganz eigene Party feiern, schließen den Schulbus kurz und machen sich auf zu einer Jagdhütte in den Wäldern. Leider geht dem Schulbus unterwegs das Benzin aus und guter Rat ist teuer. Da entdeckt man im Dunkel der Nacht ein verlassenes Farmhaus. Darin soll die Party weitergehen. Doch ein Psychopath ist gar nicht darüber erfreut, dass sich unangemeldeter Besuch in seiner Bleibe eingenistet hat. Einer nach dem anderen muss für den rücksichtlosen Lärm mit dem Leben bezahlen. Da bekommt Schulleiter Mr. Cunningham (!) davon Wind, dass einige Teenager ungefragt den Schulball verlassen. Zusammen mit einem Vater der Schülerinnen folgt er der Spur der Ausreißer.
 
 
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Neuerungen haben Sendepause und das ist das eigentliche Problem dieses Regiedebüts. LOST AFTER DARK handelt genau jene Regeln und Etappen ab, die man von dieser Art von Filmen erwartet. So werden jugendliche Protagonisten von Schauspielern verkörpert, die seit Jahren keine Schule mehr besucht haben. Die schlüpfen in die Rollen von Stereotypen, die selbstverständlich nacheinander von einem herzlosen Psychopathen nach allen Regeln des Slasher-Handwerks in den Filmhimmel transferiert werden. Spannung bleibt aus, weil sich Drehbuchautor und Regisseur IAN KESSNER keinen Deut darum kümmert, vom rechten Pfad austauschbarer Meuchelstreifen abzukommen. Den Horrorfilmfans tut er damit keinen Gefallen, denn wer schon einige Teen-Slasher gesehen hat, dürfte die rudimentäre Handlung vorausahnen können, ohne überhaupt eine Inhaltsangabe gelesen zu haben. Skurrilerweise hatte Kessner bereits indirekt Kontakt mit einer der ganz großen Slasher-Legenden. Im Jahr 1998 zeichnete er für den Nachdreh einiger Szenen zum Remake des Gruselklassikers CARNIVAL OF SOULS verantwortlich. Die Neuauflage wurde von keinem Geringerem als WES CRAVEN mitproduziert – jenem Altmeister, den Kessner auch in seinem Erstling zitiert. Leider liegen zwischen den Werken des bekannten Filmemachers und dem Retro-Horror LOST AFTER DARK Welten. Während Craven mit A NIGHTMARE ON ELM STREET einer ganzen Generation den Schlaf raubte, gelingt es dem beliebigen LOST AFTER DARK das Publikum in den Schlaf zu wiegen. Wie man Retro-Horror zeitgemäß an den Filmfan bringt, bewies Craven vor 20 Jahren. Mit SCREAM – SCHREI holte er ein ganzes Subgenre aus der Versenkung und verhalf dem tot geglaubten Slasher zu neuem Leben. Vermutlich hätte Kessners Horrorprojekt Früchte getragen, wenn er sich an der selbstironischen Slasher-Persiflage orientiert hätte. So aber ist der überflüssige LOST AFTER DARK nur jenen Liebhabern zu empfehlen, die trotz immer gleicher Handlungen, Dialoge und Klischees nicht genug von Slashern bekommen können. Der Rest dürfte trotz hausgemachter Tötungsarten ziemlich schnell die Minuten bis zum erlösenden Finale zählen.
 
 
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LOST AFTER DARK – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Eine visuell bemerkenswerte Verbeugung vor den Slasher-Streifen der 80er Jahre. Leider ist dieser nett ausgestattete Teen-Slasher der alten Schule frei von eigenen Ideen – außer vielleicht der, dass die vermeintliche Scream-Queen und Heldin als erstes getötet wird. Trotz handgemachter Spezialeffekte und schmuddeligem Vintage-Look, der hin und wieder an zu oft abgespielte Filmrollen erinnert, besitzt LOST AFTER DARK nichts, was erwähnenswert wäre. In seinem Erzählstil bleibt er der nicht mehr ganz so frischen Slasher-Formel treu und zeigt dumme Teenager, die gerade wegen dieser unerträglichen Dummheit mit dem Tod bestraft werden müssen. Weil Macher IAN KESSNER jedoch zu verkrampft nach den erfolgreichsten Slaher-Streifen der 1980er schielt ohne seinem Film etwas Neues hinzuzufügen, entpuppt sich LOST AFTER DARK als schläfriger Ausflug in das berüchtigte Schlitzer-Filmmilieu und bleibt so austauschbar, wie die meisten Slasher seiner Zeit und viele neueren Datums.
 
 


 
 
 

LOST AFTER DARK – Zensur

 
 
 
Der Film bietet zwar handgemachte Tötungsarten – sonderlich raffiniert, extravagant oder brutal sind diese jedoch nicht. In ihrer Machart orientieren sie sich an die alten Freitag der 13.-Teilen. Für heutige Verhältnisse ist das kaum der Rede wert. LOST AFTER DARK wird hierzulande ungeschnitten mit KEINE JUGENDFREIGABE in den Handel kommen.
 
 


 
 
 

LOST AFTER DARK – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Headless (2015)
 
Discopath (2013)
 
Hayride 2 (2015)
 
Varsity Blood (2014)
 
Bloody Homecoming (2013)
 


Filmkritik: “Headless” (2015)

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HEADLESS

Story

 
 
 
Ein Spin-Off des erfolgreichen Indie-Horrorfilms FOUND: Ein Serienkiller macht Jagd auf junge Frauen, um sie zu köpfen und ihre abgetrennte Schädel zu penetrieren.
 
 
 


 
 
 

HEADLESS – Kritik

 
 
 
Jeder alteingesessene Horrorfan weiß, dass Fortsetzungen spätestens dann folgen müssen, wenn Horrorfilme mehr einspielen, als sie in der Herstellung gekostet haben. Gleiches Schicksal ereilt nun auch den Überraschungshit FOUND, der nicht nur von Kritikern gelobt und auf Filmfestivals ausgezeichnet wurde. Reichlich Aufmerksamkeit erhielt der Streifen vor allem wegen seiner drastischen Zurschaustellung von Gewalt, die in einigen Ländern dafür sorgte, dass FOUND nur geschnitten oder erst gar nicht veröffentlicht wurde. HEADLESS heißt nun der Nachfolger, der gleichen Erfolg verbuchen soll und vermutlich weitaus mehr Zensurprobleme nach sich ziehen wird, als der von SCOTT SCHIRMER inszenierte Low-Budget-Indiefilm aus dem Jahr 2012. Letzterer überließ die Regie seinem Kollegen ARTHUR CULLIPHER, der für die diversen Gore-Effekte in FOUND verantwortlich zeichnete und in HEADLESS seinem Fach alle Ehre macht. Was hier mit einfachen Mitteln an Perversion auf Zelluloid gebracht wird, stellt die in FOUND zelebrierten Gewaltmomente deutlich in den Schatten. Treu dem Fortsetzungscredo “mehr Gewalt, mehr Blut, mehr Tote” wird in HEADLESS ein Gorefest der Extraklasse verbraten, das dem eher unerfahrenen Teil des Publikums tüchtig auf den Magen schlagen dürfte.
 
 
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HEADLESS ist keine Fortsetzung im herkömmlichen Sinne. Regisseur ARTHUR CULLIPHER hat hier jenen Streifen in Spielfilmlänge gedreht, den sich der kleine Marty mit seinem Klassenkameraden im Horrorfilm FOUND angesehen hat. Das Film-in-Film-Konzept ist nicht neu. Bereits das von den Regisseuren Robert Rodriguez und Quentin Tarantino umgesetzte GRINDHOUSE-Double-Feature bestehend aus DEATH PROOF und PLANET TERROR wurde um Werbeclips fiktiver Horrorfilme bereichert, die erst Jahre später zu abendfüllender Horrorware gemacht wurden nachdem sich ein regelrechter Hype um die erfundenen Filmtrailer entwickelt hatte. Innerhalb des immer noch beliebten Grindhouse-Stils macht es sich auch HEADLESS-Regisseur ARTHUR CULLIPHER bequem. Der hat nicht nur aus einem in Wirklichkeit nicht existenten VHS-Video ein Splatter-Erlebnis geschaffen; er gaukelt dem Zuschauer zudem vor einen Film aus dem Jahr 1978 zu sehen in dem Gewalt und Sex eine wesentliche Rolle spielen. Neben nackter Haut und genügend Splatter hat HEADLESS aber auch eine Geschichte zu erzählen. Die handelt von einem namenlosen Serienmörder, der es auf junge Frauen abgesehen hat. Mit Skelettmaske vermummt folgt er einem imaginären Alter-Ego, das ihn zu schrecklichen Taten anstiftet. So werden Frauen geköpft, ihre Augen verspeist und die abgetrennten Köpfe penetriert. Die Ursachen sind – wie meistens – in der Kindheit zu suchen. Unter dem harten Regime einer dominanten Mutter wurde der Killer als Kind in einen Käfig gesperrt und von Mutter aber auch Schwester schikaniert und gedemütigt. Jahre später wird er von einem unbändigern Hass auf Frauen getrieben, den auch bald die Mitarbeiterinnen einer Rollschuhbahn zu spüren bekommen. Die sehen sich bald im ungemütlichen Heim des Mörders wieder, der in seinem Wohnzimmerregal eine stattliche Sammlung enthaupteter Frauenschädel ausgestellt hat.
 
 
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HEADLESS ist kein Film für kommerzverwöhnte Mainstream-Zuschauer, denn die Produktion befindet sich auf gehobenem Amateur-Niveau und hatte kaum Budget zur Verfügung. Das kam teils per Crowdfunding zusammen und ließ wenig Spielraum für Experimente zu. Vor allem bei den schauspielerischen Leistungen fällt das magere Kapital negativ ins Gewicht. Das laienhafte Schauspiel sorgt nicht selten für unfreiwillige Komik, denn die Akteure kreischen und winseln derart übertrieben und situationsfremd, dass es sogar zur Übersteuerung der Heimkinoboxen kommt. HEADLESS-Drehbuchautor NATHAN ERDEL erklärte in Interviews mit der Genre-Presse, dass er sich beim Schreiben von Filmen wie THE LAST HOUSE ON DEAD END STREET und THE HEADLESS EYES inspirieren lies – schmuddlige Werke, die in jenem Jahrzehnt entstanden, in dem auch HEADLESS spielen soll. So ist es demnach keine Wunder, dass der Film auch so ausschaut, als wäre er in jener Zeit entstanden, erinnert er in seiner schonungslosen Gewaltverliebtheit an ruppigen B-Horror der späten 1970er und den frühen 1980er. Dennoch, trotz aller Liebe zur Old School besitzt HEADLESS nur wenig Substanz. Der Film fokussiert sich all zu krampfhaft auf das Zeigen von Gewalt. Dabei war man offensichtlich bestrebt, die Gewaltschraube stetig fester zu ziehen, so dass der Film fast ausschließlich aus einer Aneinanderreihung drastischer Bilder besteht. Dass dem erfahrenen Zuschauer aufgrund mangelnder Abwechslung schnell die Augen schwer werden, ist da nur die logische Konsequenz. Schnell hat man sich an den immer gleichen Szenenabläufen sattgesehen.
 
 
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Auch wenn sich Macher ARTHUR CULLIPHER hinsichtlich der Splatter-Einlagen richtig austoben konnte, enttäuscht HEADLESS im direkten Vergleich zum Vorgängerfilm FOUND auf ganzer Linie. Der dreckige Retro-Mix aus MANIAC und TEXAS CHAINSAM MASSACRE macht nur bedingt Spaß, denn der Streifen wirkt lieblos und erzwungen. Fast schon möchte man meinen, dass man nach dem Überraschungserfolg von FOUND schnell noch die besten Szenen des Indies wiederverwerten und daraus krampfhaft einen Film machen musste, um erneut die Kassen klingeln zu lassen. HEADLESS bietet gerade einmal Stoff für einen Kurzfilm. Warum man auf Heller und Pfennig was fürs Abendprogramm drehen musste, dürfte in der Profitgeilheit gewinnorientierter Produzenten zu suchen sein. So darf man davon ausgehen, dass auch in Zukunft mehr aus dem erfolgreichen FOUND-Universum kommen wird und das Franchise so lang mit Fortsetzungen und Prequels vorangetrieben wird, bis keiner mehr den Killer mit der blutigen Totenkopfmaske sehen möchte. Wer von FOUND begeistert war und demnach einen ähnlich guten Film erwartet, sei an dieser Stelle vorgewarnt, denn HEADLESS ist alles andere als herausragende Horrorunterhaltung. Ein enttäuschendes Spin-Off und wie der Titel es hätte besser nicht umschreiben können: kopflos!
 
 
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HEADLESS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein dreckiger, tabuloser, schonungsloser und rabiat-blutiger Mix aus MANIAC und TEXAS CHAINSAW MASSACRE, der in Sachen Gewalt Fanherzen schneller schlagen lässt. HEADLESS erinnert in seiner Machart an reißerische Horrorstreifen, die Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre in den berüchtigten Grindhouse-Kinos liefen und vor allem durch das Zeigen drastischer Gewalt in Kombination mit schlechten Schauspielern und reichlich Sex zu beachtlicher Popularität kamen. Auf gleicher Welle schwimmt auch HEADLESS, der viele böse Szenen aneinanderreiht, damit pubertierende Jugendliche auf dem Schulhof was zu erzählen haben. Sieht man jedoch von den wirklich fragwürdigen Mordszenen ab, bleibt nicht mehr viel übrig, womit HEADLESS überzeugen kann. Die technische Standart ist bescheiden und das Schauspiel eine Katastrophe. Dafür sind die handgemachten Gore- und Splatter-Effekte für Indie-Verhältnisse durchaus sehenswert. Leider besitzt HEADLESS kaum Substanz, so dass man sich schnell an den bösen Momenten satt gesehen hat, die sich ständig wiederholen damit man Spielfilmlänge ereicht. Mehr als Stoff für einen Kurzfilm bietet die rudimentäre und wortkarge Handlung nämlich nicht, die zudem weder Identifikationsfiguren, noch einen Spannungsaufbau besitzt. Wer demzufolge nach dem Ausnahmefilmchen FOUND ähnlich Großes erwartet, sollte mit dem Schlimmsten rechnen. Kein Wunder, ist HEADLESS weit davon entfernt ein guter Horrorfilm zu sein und das obwohl er doch vielversprechend von den Machern als “lost slasher film from 1978” beworben wird.
 
 


 
 
 

HEADLESS – Zensur

 
 
 
HEADLESS ist in Sachen Gewalt weitaus zeigefreudiger als der Vorgängerfilm FOUND – MEIN BRUDER IST EIN SERIENKILLER. Es werden Kehlen durchgeschnitten, Beine und Köpfe mit einer Machete abgeschlagen und Augäpfel aus Augenhöhlen gerissen, damit sie verspeist werden können. Weitaus derber sind die äußerst langen Penetrationsszenen in denen der Serienkiller die abgetrennten Schädel seiner Opfer penetriert. Die Effekte sind zwar simpel aber ziemlich hart anzusehen. Demnach wird die FSK mit HEADLESS keinen Spaß verstehen, so dass der Streifen in Deutschland keine Freigabe in ungeschnittener Form erhalten wird.
 
 


 
 
 

HEADLESS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Found – Mein Bruder ist ein Serienkiller (2012)
 
Alexandre Aja´s Maniac (2012)
 
The Orphan Killer (2011)
 
Carl (2012)
 
Maniac (1980)
 


Filmkritik: “Rage – Midsummer’s Eve” (2015)

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RAGE: MIDSUMMER’S EVE

Story

 
 
 
Für RAGE – MIDSUMMER’S EVE geht es in finnische Wälder. Dort wollen sich’s einige Teenager in einem Sommerhaus mit Musik und Alkohol gemütlich machen. Leider erfahren die Kids bald am eigenen Leibe, dass ihre Hilfeschreie fernab der Zivilisation von niemandem gehört werden können. Eine sonderbare Kreatur treibt hier draußen ihr Unwesen. Sie verarbeitet schreiende Jugendliche zu Hackfleisch und geht mit taktischer Raffinesse vor, damit kein Opfer je wieder zurück in die Stadt findet.
 
 
 


 
 
 

RAGE – Kritik

 
 
 
Ein weiterer unabhängiger Horrorfilm einer ambitionierten Regisseurin, die für ihr bisheriges Schaffen bereits viel Lob und diverse Auszeichnungen erhalten hat. TII RICKS ist bisher noch nicht im Horror-Bereich aufgefallen. Die Tochter einer finnischen Mutter und eines amerikanischen Vaters wurde im deutschen Bad Hersfeld geboren, wuchs in Amerika auf, erkannte aber erst nach dem Umzug ins idyllische Finnland, dass sie ihre Passion “Horrorfilm” zum Beruf machen wollte. Nach Arbeiten an unzähligen TV-Shows, Videoclips und Dokumentation war es dann soweit. Der leidenschaftliche Horrorfan ergriff die Möglichkeit und drehte den ersten Schauerstreifen für den RICKS sogar selbst das Drehbuch verfasste. Der ist nun fertig und soll mit reißerischem Titel für Aufmerksamkeit sorgen. RAGE: MIDSUMMER’S EVE nennt sich das abendfüllende Machwerk, für das sich die Regisseurin bei jenen Lieblingsfilmen Inspirationen holte, die in der Kindheit Eindruck hinterlassen haben. So zählen Kulthits wie HALLOWEEN, FREITAG DER 13. und A NIGHTMARE ON ELM STREET zu den Lieblingsfilmen und werden dementsprechend auch in RAGE: MIDSUMMER’S EVE zitiert.
 
 
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Viel zitiert, aber kaum an sich gedacht: in RAGE hagelt es Unmengen Danksagungen und Verweise an all jene Filmklassiker, die maßgeblich daran beteiligt gewesen sind, dass Regisseurin TII RICKS zum Horrorgenre gefunden hat. Nur leider sucht man zwischen Verbeugungen und Anspielungen an bekannte Slasher-Ware der 80er Eigenständigkeit und Originalität, um das Interesse all jener wecken zu können, die nahezu jeden wichtigen Horror-Schlitzer der letzten drei Jahrzehnte gesehen haben. Was in RAGE: MIDSUMMER’S EVE passiert, lässt sich demzufolge vorausahnen und hält kaum Neuerungen parat, weil man sich zu versteift auf das Abhandeln obligatorischer Slasher-Regeln konzentriert.
 
 
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Wenn junge Erwachsene zum Trinken tief in den Wald fahren, kann das in den meisten Fällen nur tödlich ausgehen – und so ist es auch. Für RAGE: MIDSUMMER’S EVE wurde tief in der Klischeekiste gegraben und all das zu Tage gebracht, was bereits seit den Anfängen des Schlitzer-Genres für Aufsehen gesorgt und in SCREAM selbstironisch persifliert wurde. Der Handyempfang ist plötzlich verschwunden, Teenager irren planlos durch die Kulisse und statt sich im Wald zu verstecken verbarrikadiert man sich lieber in einem Häuschen, um darin auf den Tod zu warten. Sonderlich klug ist RAGE: MIDSUMMER’S EVE nicht gestrickt auch wenn peinlich darauf geachtet wird, dass die Identität des Killers möglichst lang im Verborgenen bleibt. Die Kamera fängt wenig ein, so dass selbst weit nach dem Abspann unklar bleibt, was denn da eigentlich auf Beutezug geht. Ob eiskalter Killer, verlauster Waldmensch oder unheimliche Kreatur aus der Welt der Mythen und Legenden – was in RAGE durch Wald und Flur schleicht bleibt weitestgehend unerforscht.
 
 
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RAGE wirkt unfertig, denn wesentliche Fragen bleiben weitestgehend unbeantwortet. Das abrupte Ende legt der Vermutung nahe, als habe jemand 10 Minuten vor dem Abspann die Schere angesetzt und den Endkampf herausgeschnitten. Vermutlich benötigte Macherin TII RICKS noch Material für eine Fortsetzung, weshalb das Finale gestrafft werden musste – anders lässt sich der holprige und unfertige Schlussakt nicht erklären. Bleibt zu erwähnen, dass es in RAGE: MIDSUMMER’S EVE niemals dunkel wird. Der Film wurde während des finnischen Mittsommers gedreht – einer der wichtigsten Nationalfeiertage Finnlands, an dem die Sonne nicht untergeht. Dementsprechend konnte während der Produktion auf künstliche Beleuchtung verzichtet und das natürliche Licht der Sonne genutzt werden. Fluch und Segen zugleich, denn Gruselatmosphäre will an einem Tageslicht-Set natürlich nicht aufkommen. Unterm Strich ist RAGE: MIDSUMMER’S EVE keine Offenbahrung. Der Film ist eine Aneinanderreihung von bekannten Szenenverläufen, die man nun mittlerweile überhaben dürfte. Die schauspielerischen Leistungen sind kaum der Rede wert und quälende Vorhersehbarkeit wirkt sich negativ auf die Spannungskurve aus. Die ist kaum vorhanden, weil man bereits weiß was passiert, noch bevor es passiert. Keine guten Voraussetzungen, um als Horrorfans von der Horrorgemeinde ernst genommen zu werden. Von einem möglichen Sequel raten wir dringend ab!
 
 
 


 
 
 

RAGE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Mutiger Indie-Horror made in Finnland. Auch wenn in den letzte Jahren mit Filmen wie REC, SO FINSTER DIE NACHT und TROLLHUNTER einige äußerst nennenswerte Horrorfilme in Europa entstanden sind, werden selbstverständlich im europäischen Ausland auch die Filme gedreht, die man in Fankreisen auch als Rohrkrepierer betitelt. Die finnische Indie-Produktion RAGE: MIDSUMMER’S EVE ist so eine cineastische Katastrophe, die dem Horrorfan gar keinen Spaß bereiten möchte. Bei diesem Film handelt es sich um einen austauschbaren Slasher, der sich den ewig gleichen Regeln bedient, über die man sich schon in Horrorwerken wie SCREAM lustig gemacht hat. Die Schauspieler sind mau, die Geschichte bekannt und Splatter-Momente: Fehlanzeige! Stattdessen wirkt RAGE unfertig, holprig und benötigt auch recht lange um überhaupt in Fahrt zu kommen. Nach dem vor einiger Zeit hier besprochenen isländisch-finnischen Koproduktion FROST ergänzt RAGE die Reihe finnischer Horrorfilme, die man besser meiden sollte. Demzufolge wäre es ratsam sich nicht vom vielversprechenden Filmposter blenden zulassen. Das ist weit gruseliger als der Film selbst – Hände weg!
 
 
 


 
 
 

RAGE – Zensur

 
 
 
Die Gewalttaten werden im Off zelebriert oder der Zuschauer bekommt nur das Ergebnis zu sehen. Demzufolge wird RAGE: MIDSUMMER’S EVE hierzulande auch eine niedrige Altersfreigabe erhalten. Man darf mit einer FSK16 rechnen!
 
 
 


 
 
 

RAGE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

Alle Grafiken dieser Review stammen von der offiziellen Filmseite

 
 
 
Ähnche Filme:
 
GirlHouse (2014)
 
Warte bis es dunkel wird (2014)
 
Wrong Turn 6: Last Resort (2014)
 
See No Evil 2 (2014)
 


Filmkritik: “Radio Silence – Der Tod hört mit” (2012)

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RADIO SILENCE

DER TOD HÖRT MIT

Story

 
 
 
Ein deutscher Genre-Film der es mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen kann? Gibt’s nicht? Gibt´s doch. Denn genau das ist „Radio Silence“ vom Regie-Duo Marco Riedl und Carsten Vauth. Die Story folgt dem Radiomoderator Dock Rock, der während seiner eigenen Live-Sendung von einem wahnsinnigen Serienkiller in ein perfides Katz- und Maus-Spiel verwickelt wird. Der Übeltäter nennt sich selbst „der Nachtschlitzer“ und droht damit eine unschuldige Frau zu töten, wenn Dock Rock ihn nicht während seiner Live-Sendung davon überzeugt von seinem Vorhaben abzulassen…

 
 
 


 
 
 

RADIO SILENCE – Kritik

 
 
 
Bei dieser knappen Inhaltsangabe sei es an dieser Stelle belassen, denn jedes weitere Wort könnte schon zu viel über die Handlung verraten. Der auf einem Kurzfilm basierende Horror-Thriller bemüht sich von Anfang an um internationales Flair. Die Optik orientiert sich überdeutlich an amerikanischen Vorbildern. Besonders David Finchers „Sieben“ oder James Wans „Saw“ standen für die optische Gestaltung der Geschehnisse Pate. Die Kamera fängt tolle Perspektiven ein und gibt sich auch sonst sehr dynamisch und variabel. Der Soundtrack ist ebenfalls toll komponiert und perfekt auf die Geschehnisse abgestimmt, die sich auf der Leinwand abspielen. Formal ist der Film also wirklich gelungen.
 
 
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Des Weiteren werden größtenteils amerikanische Namen für die Protagonisten verwendet (Dock Rock, Vince, Briggs, Betty etc. pp.) und beinahe alle Figuren durch bekannte Synchronsprecher besetzt. Der Einsatz ihrer markanten Stimmen und die Tatsache, dass dieser Film über weite Strecken noch einmal nachsynchronisiert wurde unterstreichen das internationale Flair noch einmal deutlich. Hier zeigt man dann auch erfreulichen Mut zum Risiko, denn einen Film fast ausschließlich mit Synchronsprechern (zu hören gibt es u.a. die deutschen Synchronstimmen von Robert Downey Jr., Jean Claude Van Damme, Brad Pit und Harrison Ford) zu besetzen, die hauptsächlich hinter den Kulissen einer Produktion zum Einsatz kommen ist schon beachtlich. Und, die Rechnung geht erstaunlich gut auf. Vor allen Dingen die beiden Protagonisten, der Schauspieler Martin Knüfken als Dock Rock und Synchronsprecher Charles Rettinghaus als irrer „Nachschlitzer“ machen ihre Sache erstaunlich gut. In Nebenrollen sind dann noch Wolfgang Pampel, Ronald Nitschke und eine Menge weitere bekannte Stimmen zu sehen bzw. zu hören. Und auch zu Beginn des Films nutzt man die Möglichkeiten der vorhandenen Synchronsprecher und bietet ein witziges „Zurück in die Zukunft“-Zitat in dem sich die Stimmen vom „Doc“ und „Marty“ in die Live-Sendung von Dock Rock einwählen.
 
 
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Aber auch abseits der Besetzung kann der Film Pluspunkte sammeln. Denn neben der gelungenen audio-visuellen Gestaltung, nimmt auch die Geschichte erstaunlich schnell an Fahrt auf und entwickelt sich schnurstracks zu einem unterhaltsam-bösen Psycho-Spielchen, das jede Menge falsche Fährten und doppelte Böden in petto hat, um den Zuschauer bis zum Finale nie das Interesse verlieren zu lassen. Klar, etwas überkonstruiert ist das ganz schon, vor allem im Finale, wenn sich in einem Mordstempo diverse „Twist´n Turns“ die Klinke in die Hand geben – dem Unterhaltungswert schadet es aber zu keiner Zeit. Und auch die Mischung aus perfidem Psycho-Thriller und Elementen, die eher in Richtung Slasher-Film gehen, funktionieren erstaunlich gut und greifen szenenweise beeindruckend stimmig ineinander. Etwas ruppig darf es dann auch noch zugehen, wobei der Film sich aber nie allzu grafisch im Umgang mit Gewalt zeigt. Die FSK 16-Freigabe für die ungekürzte Fassung geht in Ordnung.
 
 
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RADIO SILENCE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Insgesamt ist „Radio Silence“ ein gutes Beispiel dafür, dass mit dem Genre-Film aus Deutschland wieder zu rechnen ist. Dem Regie Duo Marco Riedl und Carsten Vauth ist es gelungen aus ihrem eigenen Kurzfilm einen kleinen, fiesen, sympathisch-bösen Horror-Thriller in Spielfilmlänge zu machen, der zwar etwas überkonstruiert daher kommt, über weite Strecken aber bestens funktioniert.
 
 
 


 
 
 

RADIO SILENCE – Zensur

 
 
 
Der Film wurde von der FSK bereits für Jugendliche freigegeben. Die hiesige Heimkinofassung ist bereits für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet und kommt ohne Zensuren aus. Wer beim Kauf von Horrorfilmen nur komplette Filme im Regal stehen haben mag, kann bedenkenlos zugreifen RADIO SILENCE ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

RADIO SILENCE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) M-Square Pictures / daredo (Soulfood)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: On Air; Deutschland / USA 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Making Of; Preview-Mini-Serie; Alternativer Anfang; Visuelle Effekte; entfernte Szenen; Outtakes; Interviews; Audiokommentar

Release-Termin: 27.02.2015

 

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RADIO SILENCE – Trailer

 
 

 
 

Sebastian

Die Rechte der für die Review verwendeten Bilder liegen bei M-Square Pictures/daredo (Soulfood)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Todesschrei per Telefon (1980)
 
Pontypool – Radio Zombie (2008)
 


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