Filmkritik: „Septic Man“ (2013)

Septic-Man-2013
 
 
 

SEPTIC MAN

Story

 
 
 
Abwasserarbeiter Jack soll nach einer verheerenden Wasserverschmutzung in seiner Heimatstadt nach dem Rechten sehen. Leider fällt er bei seinen Arbeiten in einen Abwassertank und kommt nicht mehr heraus – nun ist guter Rat teuer …
 
 
 


 
 
 

SEPTIC MAN – Kritik

 
 
 
Lang ist es her, seit LLOYD KAUFMAN und MICHAEL HERZ eine der bedeutendsten Independent-Filmproduktionsfirmen ins Leben gerufen haben, die in Zeiten des Videokassetten-Booms ordentlich Asche machen konnte, weil sie billige Trash-Perlen voller Gewalt und derben Humor in die Videotheken brachte und damit genau den Nerv der Filmfans traf. Zwar ist es seit den großen Erfolgen in den 80ern erstaunlich ruhig um TROMA geworden, trotzdem genießen hervorgebrachte Werke wie THE TOXIC AVENGER, CLASS OF NUKE’EM HIGH oder COMBAT SHOCK selbst 30 Jahre nach Entstehung Kultstatus unter Liebhabern der blutigen Filmkunst. Leider ist es in Zeiten permanenter Einfallslosigkeit im (Heim)Kino mittlerweile zum unvermeidbaren Übel geworden, dass man sich kreativen Input bei jenen Filmen holt, die schon einmal Erfolge verbuchen konnten.
 
Auch wenn Regisseur JESSE THOMAS COOK (MONSTER BRAWL) in Interviews immer wieder beteuert, dass er anfänglich eigentlich ein klaustrophobisches Kammerspiel drehen wollte, das von einem Mann erzählen sollte, der von zwei Serienmördern in einem Brunnen gefangen gehalten wird, so bleibt unübersehbar wo man sich für SEPTIC MAN Inspiration geholt hat. Es ist der wichtigste Film TROMAS und gleichzeitig Aushängeschild der weltbekannten B-Movie-Schmiede, der hier Pate stehen musste, um 90 haarsträubende Filmminuten füllen zu können, für die man jedoch jeglichen Hang zur Logik ausklammern sollte. Wie in TROMAS bitterbösen Satire vom THE TOXIC AVANGER wird auch in SEPTIC MAN ein Protagonist mit kontaminierten Abfällen überschüttet und beginnt allmählich zu mutieren. Wo jedoch Superheld Toxi in TOXIC AVENGER neben skurrilen Fäkalhumor und viel Gematsche noch Mordsgaudi verbreiten konnte, zieht COOK die Spaßbremse und protokolliert alles todernst.
 
In SEPTIC MAN wird dem Abwasserarbeiter Jack (JASON DAVID BROWN) von einem mysteriösen Mann namens Phil Prosser viel Geld angeboten, damit er nach Gründen für die Wasserverschmutzung seiner Heimatstadt sucht, die das Trinkwasser ungenießbar und die Einwohner krank gemacht hat. Der Bürgermeister von Collingwood hat eine Zwangsevakuierung verordnet, weil bereits 16 Menschen an den Folgen von kontaminiertem Wasser ihr Leben lassen mussten. Für Jack Grund genug die schwangere Frau zurückzulassen und in der stadteigenen Kläranlage nach Ursachen zu suchen. In einem unterirdischen Abwassertank meint er den Ursprung der Verunreinigung zu finden. Er klettert hinein und verliert die Luke des Tanks aus den Augen. Die schließt sich versehentlich hinter Jack und der „SEPTIC MAN“ sitzt in der Falle. Leider entpuppt sich das stinkende Gefängnis als kleineres Übel. Zwei mordgeile Brüder hausen in den Gängen der Kläranlage und haben einen Spaß daran ungebetene Gäste um die Ecke zu bringen und sie anschließend im Tank zu beseitigen. Für Jack kein guter Arbeitstag, denn verseuchtes Wasser lässt die Haut des Gefangenen mutieren.
 
Die Idee zu SEPTIC MAN kamen Regisseur JESSE THOMAS COOK und Drehbuchautor TONY BURGESS als eine verstopfte Toilette unüberwindbare Herausforderungen nach sich zog. Prompt kamen den beiden Machern Flausen von einem eingesperrten Kerl in den Kopf, der in einer Klärgrube ums Überleben kämpfen sollte. In Anbetracht dessen, was Drehbuchautor TONY BURGESS vor SEPTIC MAN an gutem Horrorstoff ablieferte, kann man es schon als kleine Enttäuschung bezeichnen, was er mit diesem klaustrophobischen Mutanten-Nonsens verbrochen hat. Zwischen seinem grandios geschriebenen Horror-Szenario PONTYPOOL (2008) und dem vorliegenden Trivial-Quatsch SEPTIC MAN liegen nämlich Welten, was nicht ausschließlich daran liegt, dass hier beherzt gefurzt, gekackt und erbrochen wird. SEPTIC MAN hat mit storybedingten Schwächen zu kämpfen, denn nicht nur einmal will man während der Sichtung das Gefühl nicht loswerden wollen, dass ganze Handlungsstränge am Schnittpult abhanden gekommen sein müssen. Viele Szenen machen keinen Sinn, wirken unlogisch und erzwungen. Manchmal scheint es sogar so, als ob Autor TONY BURGESS selbst nicht wusste, wohin die Reise gehen sollte, denn die meisten Szenenverläufe hinterlassen einen arg konstruierten Eindruck. Viel passiert demnach in SEPTIC MAN nicht, bis auf dass sich in diesem Horror-Trash ein Mann knapp anderthalb Stunden in kontaminiertem Gewässer suhlt und regelmäßig Besuch von zwei sich entfremdeten Brüdern erhält, die ab und an durch die Öffnung des Abwassertank lugen, um tote Körper hineinwerfen zu können. Immerhin wird in puncto Spezialeffekte einiges geboten. Die wurden für Indie-Verhältnisse beachtlich souverän in Szene gesetzt. Da werden Rattenkörper ausgesaugt, Körper mit einer Kettensäge halbiert und verweste Leichen aus verstopften Abwasserrohren gezerrt. Das FX-Team hat ganze Arbeit geleistet, damit zumindest Horrorfans auf Ihre Kosten kommen und Defizite im Drehbuch wettgemacht werden können. Überhaupt legt der Streifen in technischer Hinsicht ein beachtliches Niveau an den Tag, das meist nur wenige, unabhängig produzierte Horrorfilme erreichen, weil nicht selten viel zu wenig Budget zur Verfügung steht, um auch alle kreativen Ideen in die Tat umsetzen zu können.
 
Leider sind die überschaubaren Effekte auch das einzige, was SEPTIC MAN erträglich gestaltet. Schreiber BURGESS konzentriert sich zu versteift über weite Strecken auf eine kaum vorhandene Geschichte, die fast nichts zu erzählen hat. Das schien er vermutlich schnell selbst bemerkt zu haben, so dass er seinen SEPTIC MAN um einen überflüssigen und vollkommen unglaubwürdigen Nebenplot ergänzte, der von zwei geistig umnebelten Brüdern handelt, die in den entscheidenden Momenten irrationale Dinge veranstalten. Mit SEPTIC MAN ist BURGESS und COOK kein großer Wurf gelungen. Statt dem Zuschauer ekelhafte Transformationseffekte zu präsentieren, die er bei einem Film wie SEPTIC MAN vermutlich erwartet hätte, verlaufen sich die beiden Macher in Nebensächlichkeiten, die eigentlich niemanden interessieren. Bei so einfältiger Filmware packt den Filmfreund am Ende das Grausen: Jack kriecht am Ende wutentbrannt aus den Rohren der Abwasserschächte, um unter monströsem Gebrüll die Fortsetzung einläuten zu können. Die kann gut und gerne noch 30 Jahre warten. Denn: Keiner macht so atomarisch gute Filme, wie TROMA. Alles andere ist Kindergarten.
 
 
 


 
 
 

SEPTIC MAN – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Ekelhaft, widerlich und Brechreiz erregend – TROMA bekommt mit diesem deftigen Ekel-Exzess Konkurrenz. Regisseur JESSE THOMAS COOK und Drehbuchautor TONY BURGESS lassen erneut die guten, alten TROMAVILLE-Zeiten aufleben und hantieren mit kontaminiertem Wasser, um ein paar widerliche Mutationsmomente zurück auf die Mattscheibe bringen zu können. Was während der TROMA-Ära in den 80ern in ATOMIC HERO noch mit viel bitterbösem Humor garniert wurde, erhält im Falle von SEPTIC MAN einen ernsten Unterton und verbreitet keine Laune. Die erhofften Transformationsmomente machen sich rar, stattdessen flimmert ein ereignisloses Kammerspiel über den TV-Apparat, das um konstruiert wirkende Handlungsstränge bereichert wurde, damit der Streifen mit seinen hart erkämpften 90 Minuten als Spielfilm bezeichnet werden konnte. Trotz grafischem Ausscheiden von Körperflüssigkeiten und gewöhnungsbnedürftigem Körper-Horror ist der Fun-Faktor gering. Stattdessen gibt es einen Film zu sehen, der trotz Umweltproblematik keinen tieferen Sinn vermitteln will und sich zieht wie Kaugummi. So etwas braucht die Filmwelt nicht. Nur schade um die guten Spezialeffekte.
 
 
 


 
 
 

SEPTIC MAN – Zensur

 
 
 
Die wohl grafischste Szene ist die, in der einer der Brüder mit einer Kettensäge zerteilt wird. Ansonsten gibt es einige Mutationseffekte sowie eine Ratten-Fressszene zu begutachten. Ein ultra-brutales Splatterfest ist SEPTIC MAN erstaunlicherweise nicht geworden. Der rote KJ-Flatschen auf dem Cover dürfte deshalb ausreichen.
 
 


 
 
 

SEPTIC MAN – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:

 
The Toxic Avenger (1984)
 
Body Melt (1993)
 
Street Trash (1987)
 

Filmreview: „The Eugenist“ (2013)

the eugenist 2013
 
 
 

THE EUGENIST

Story

 
 
 
Ein paar Grünschnäbel ziehen nach einer Partynacht zu Fuß nach Haus und entdecken an einer einsamen Landstraße eine verlassene Schule, die es zu erkunden gilt. Trotz anfänglicher Skepsis wird sich schnell Zugang verschafft und durch die Flure geschlendert. Doch die Kids merken schnell, dass irgendetwas mit dem Gebäude im Argen liegt. So unrecht scheinen sie da nicht zu haben, dient das Gemäuer einigen mutierten Menschen Unterschlupf, die sich durch ein missglücktes Experiment zu zombieähnlichen Kreaturen entwickelt haben. Schnell ist der Zugang verschlossen und die Freunde sitzen in der Falle …
 
 
 


 
 
 

THE EUGENIST – Kritik

 
 
 
Es gibt Regisseure, die fangen klein an und werden im Verlauf ihrer Karriere immer selbstsicherer, kreativer und auch erfolgreicher. Es gibt aber auch jene Filmemacher, die einen gänzlich anderen Weg einschlagen und sich genau entgegengesetzt entwickeln. TARIQ NASHEED, gefeierter Bestseller-Autor, konnte mit seinem letzten Ausflug als Dokumentarfilmer viel Lob ernten, gewann auf einschlägigen Festivals mit HIDDEN COLORS Preise und schaffte es sogar zu einem Kinostart. Was ihn jedoch bewegt haben muss, seine vorbildliche Vita um einem unterirdischen Horrorfilm zu ergänzen, beantworte wer will. Mit THE EUGENIST präsentiert er uns sein Spielfilmdebüt, das verkrampft auf der aktuell so beliebten Zombie-Welle surft und dabei jeglichen Unterhaltungswert vermissen lässt. Im Mittelpunkt seiner Geschichte steht eine handvoll Kids, die in eine verlassene Schule einbrechen und von mutierten Menschen durch die Gänge gehetzt werden, die sich nach einem gescheiterten Experiment in wild gewordene Zombies verwandelt haben.
 
In THE SCHOOL, so wie THE EUGENIST ursprünglich hieß, bekommt der geneigte Horrorfilmfan den vermutlich kläglichsten Zombie/Mutanten-Film der letzten Jahre zu Gesicht. Bereits die etwas niedrig angesetzte Altersfreigabe in Form eines PG-13 dürfte bei dem ein oder anderen Zuschauer ein unwohliges Gefühl hervorrufen, geht es doch in aktuellen Zombiefilmen- und Serien durchaus rauer zur Sache, so dass derartiger Stoff nur in wenigen Ausnahmen überhaupt für Kinder geeignet wäre. Und in der Tat, THE EUGENIST erschreckt mit nahezu nicht vorhandenem Blutzoll, was vermutlich verschmerzbar wäre, würde der Film dieses Manko mit innovativen Ideen wett machen. Wer hier jedoch Außergewöhnliches sucht, dürfte schnell eines Besseren belehrt werden, denn der Film ist eine Schlaftablette vor dem Herrn. THE EUGENIST entpuppt sich als klassischer Zombiefilm mit gradliniger Handlung und null Budget. Uninspiriert flitzen untalentierte Schauspieler durch schlecht ausgeleuchtete Gänge, nur um am Ende des Flures eine Kehrtwende einzuschlagen, weil ihnen eine Schar mutierter Menschen entgegenkommt. Derartige Szenen scheinen NASHEED eindeutig am Herzen gelegen zu haben, so dass er sie nicht nur bis zum Erbrechen wiederholt, sondern auch quälend langweilig inszeniert. Überhaupt übernimmt die Langeweile in seinem ersten Langfilm das Zepter, denn wirklich spannend oder gar überraschend wird THE EUGENIST zu keiner Minute. Stattdessen werden hier die bekannten Klischees und Zutaten eines jeden Zombieschockers lau aufgewärmt und unmotiviert in die austauschbare Handlung geworfen.
 
Auch wenn TARIQ NASHEED das durchweg interessante Thema der Eugenik (quasi die Lehre der Erbgesundheitsforschung) zum Mittelpunkt seines Film macht, wirkt sein Debüt trotzdem nur wenig stimmig und interessant. Das mag nicht nur am unspektakulären Drehbuch liegen, sondern auch an den unzureichend talentierten Schauspielern, die sich nicht einmal annähernd darum bemühen, ihre Rollen mit der nötigen Ernsthaftigkeit zu spielen. Scheinbar ließ der Regisseur seine Nachwuchskräfte darüber im Unklaren, dass er eigentlich einen ernsthaften Horrorfilm drehen wollte. Denn die frischen, aber vollkommen unbrauchbaren Gesichter lassen THE EUGENIST zu einer Tour-De-Farce werden, die dem Horrorfreund die Schamesröte ins Gesicht treibt. Da wird in ernsthaften Momenten bitterer Ausweglosigkeit gekichert und penetrantes Overacting raubt dem Zuschauer den letzten Nerv. Trashig wirkt das Ganze zu keiner Zeit, sondern durchweg unbeholfen und vollkommen ziellos. NASHEED ist vehement damit beschäftigt, seinen nicht gerade abendfüllenden Film mit Material zu bepacken, das sich eigentlich nur aus Laufen, Kreischen und Infizieren zusammensetzt. So gestaltet sich das Treiben zäh und ermüdend und lässt nach gerade einmal 66 Minuten Nettolaufzeit endlich den erlösenden Abspann über den Bildschirm flimmern. Hört auf den Kritiker, denn der warnt ausdrücklich vor diesem Schmarrn! THE EUGENIST ist einer der schlimmsten B-Filme überhaupt. Vollkommen unblutig, langweilig und ja: unnütz!
 
 
 


 
 
 

THE EUGENIST – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
Klassischer Zombiefilm mit düsterer Kulisse! Wer hier WALKING DEAD-TV Standard erwartet, dürfte schnell das Grausen bekommen. Einer der schlechtesten, langweiligsten und unblutigsten Vertreter seines Genres. THE EUGENIST ist mieseste Low-Budget-Ware und der peinliche Versuch eines einst erfolgreichen Dokumentarfilmers und Bestsellerautors, auf dem internationalen Filmmarkt Fuß zu fassen!
 
 
 


 
 
 

THE EUGENIST – Zensur

 
 
 
Eine Gurke von Film, die als klassischer Mutanten/Zombiefilm nicht einmal Kröseleffekte zu bieten hat. Wo gibt es denn sowas? Natürlich in THE EUGENIST. Kaum Blut, keinen Sex und nur selten gezeigte Gewalt. Das PG-13 zeigt eindrucksvoll, dass dieser Film auch für ein jugendliches Publikum geeignet ist. Hierzulande dürfte THE EUGENIST frei ab 16 Jahren sein.
 
 
 


 
 
 

THE EUGENIST – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Zombie Driller Killer (2010)

Zombie World War (2012)

Z-108 (2012)

State of Emergency (2011)

The Faculty (1998)