Filmkritik: „Elizabeth Harvest“ (2018)

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ELIZABETH HARVEST

Story

 
 
 
Die attraktive Elizabeth macht nach der Heirat eine furchtbare Entdeckung. Offenbar hält ihr Mann im Keller etwas verborgen, von dem sie nichts wissen darf.

 
 
 


 
 
 

ELIZABETH HARVEST – Kritik

 
 
 
Es war einmal ein Mann, den nannten alle Blaubart. Der fand keine Frau, weil sein blauer Bart so hässlich war. Nach langer Suche erbarmte sich die jüngste Tochter der Nachbarin. Die heiratete den älteren Herren und zog in dessen Haus. Als Blaubart für sechs Wochen verreisen musste, übergab er seiner Gattin das Schlüsselbund für alle Türen. Die durfte sich bis auf das Kellerzimmer frei im Anwesen bewegen. Doch die Neugier der Frau war zu groß. Kaum war der Ehemann aus dem Haus, schlich sich das Weib in den Keller und öffnete den verbotenen Raum. Darin fand sie die toten Körper aller bisherigen Ehefrauen ihres Mannes. Letzterer kam früher nach Hause und wollte auch die neue Frau aus Wut mit dem Tode bestrafen. Doch deren Brüder eilten herbei und töteten Blaubart. Gut für die Witwe: die erbte alle Besitztümer, heiratete neu und hatte ein gutes Leben.
 
 
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Seit mehreren Jahrhunderten ist das Märchen vom Blaubart fester Bestandteil der Literatur. Die schaurige Erzählung um den frauenmordenden Blaubart wurde mittlerweile für zahlreiche Werke adaptiert und weiterverarbeitet. So hörten auch die Gebrüder Grimm von der mündlichen Überlieferung des Blaubarts und nahmen die düstere Geschichte mit in die Sammlung ihrer Kinder- und Hausmärchen auf. Offenbar Lektüre, die Regisseur SEBASTIAN GUTIERREZ in der Kindheit ziemlich oft gelesen haben muss. Der venezolanischer Filmemacher erklärte nämlich in Interviews, dass ihn die Geschichte des blaubärtigen Mannes seit Kindertagen nicht mehr loslässt. Wohl einer der Gründe, warum seine mittlerweile bereits neunte Regiearbeit mit dem Titel ELIZABETH HARVEST Ähnlichkeiten zum französischen Märchen Blaubart aus dem späten 17. Jahrhundert besitzt.
 
 
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Darin geht es um die attraktive Elizabeth (bisher eher als Model bekannt: ABBEY LEE), die frisch vermählt mit in die Villa des reichen Wissenschaftlers Henry (CIARÁN HINDS) zieht, um dort ihren Verpflichtungen als Ehefrau nachzugehen. Dort wird die junge Schönheit erst einmal vom Gatten aufgeklärt. Sie darf im Haus tun und lassen, was sie will, soll aber die Finger von einem Zimmer im Keller lassen. Doch die Neugier bringt die Frischvermählte in Teufels Küche. Kaum ist der Ehemann aus dem Haus, geht Elizabeth auf Erkundungstour und verschafft sich Zutritt in den verbotenen Raum. Der entpuppt sich als Forschungslabor in dem sie sich selbst als Klon wiederfindet. Eine folgenreiche Entdeckung, die weite Kreise nach sich zieht. Als Ehemann Henry nämlich nach Hause kommt und vom Vertrauensbruch seine Frau erfährt, ist der Ehefrieden vorbei.
 
 
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Mehr über die verstrickte Geschichte dieses ungewöhnlichen Science-Fiction-Horrors zu verraten, ist unfair dem Zuschauer gegenüber. Der Film ist nämlich voll mit unerwarteten Plotwendungen und komplexen Rückblenden, die die volle Aufmerksamkeit des Publikums beanspruchen. Letzteres wird im Falle von ELIZABETH HARVEST ganz schön gefordert. Die nicht lineare Erzählweise versucht nämlich den Zuschauer zu täuschen und stiftet für reichlich Verwirrung. Ein zweischneidiges Schwert, wie sich bald herausstellen wird. Zwar kann so der Spannungsbogen konstant gehalten werden; dennoch macht die Handlung mit fortschreitender Handlung immer weniger Sinn und driftet beinahe ins Surreale ab. Für viele Zuschauer etwas zu kompliziert. Die dürften den schwer einzuordnenden ELIZABETH HARVEST als Blödsinn abstempeln – wohl auch, weil der nicht immer schlüssig deutbare Mysteryplot auf Konventionen pfeift. Das hebt ELIZABETH HARVEST deutlich von den üblichen Verdächtigen ab und macht ihn für anspruchsvolle Cineasten zum Geheimtipp.
 
 
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ELIZABETH HARVEST – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein ungewöhnliches Filmerlebnis für das man wegen der fordernden Erzählweise ausgeschlafen sein sollte. ELIZABETH HARVEST beginnt konventionell und driftet aber so ziemlich schnell in eine unerwartete Richtung ab. Da wird das Publikum in zwei Lager gespalten. Wegen zu vieler Plotwendungen und übertriebener Geheimniskrämerei dürften die Einen schnell das Interesse am komplizierten Handlungsverlauf verlieren. Filmfans, die aber von Horrorfilmen einen gewissen Anspruch erwarten, werden umso mehr von ELIZABETH HARVEST begeistert sein. Das zu Recht. Regisseur SEBASTIAN GUTIERREZ liefert nämlich Genre-Ware ab, die sich in keine Schublade stecken lässt und sich so souverän vom Massenmarkt abheben kann. Hierbei trägt auch die hervorragende Kameraarbeit von CALE FINOT bei. Nahezu jede Kameraeinstellung und Kamerafahrt ist genau bedacht. Das beschert dem Film eine visuelle Eleganz und lässt den ästhetischen ELIZABETH HARVEST mindestens genauso makellos erscheinen, wie Hauptdarstellerin ABBEY LEE.
 
 
 


 
 
 

ELIZABETH HARVEST – Zensur

 
 
 
ELIZABETH HARVEST ist kein sonderlich brutaler Film. Das sah auch die FSK so. Diese hat den Film bereits für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben. Die erhältliche deutsche Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

ELIZABETH HARVEST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CAPELIGHT PICTURES (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) CAPELIGHT PICTURES (limitiertes Mediabook mit Blu-ray und DVD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Elizabeth Harvest; USA 2018

Genre: Drama, Horror, Thriller, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Mediabook | Steelbook

Extras: Trailer, Trailershow, Making-of | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet

Release-Termin: 25.01.2019

 

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ELIZABETH HARVEST – Mediabook

 
 
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ELIZABETH HARVEST – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei CAPELIGHT PICTURES)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Rebecca (1940)
 
Ex Machina (2015)
 
Happy Deathday (2017)
 

Filmkritik: „Caught“ (2017)

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CAUGHT

Story

 
 
 

England im Jahr 1972: Eine Familie bekommt es mit der Angst zu tun. Die erhält Besuch von zwei Fremden, die sich im Haus einnisten und offenbar nicht wieder gehen wollen. Was wollen die, warum sind sie gekommen und weshalb verschlechtert sich deren Gesundheitszustand beinahe minütlich? Sind das Außerirdische oder Kreaturen, die von einer höheren Macht gesteuert werden? CAUGHT ist voll mit Rätseln, die es zu ergründen gilt.

 
 
 


 
 
 

CAUGHT – Kritik

 
 
 
Es müssen nicht immer die Horrorfilme mit ausufernden Effekten, reißerischen Todesszenen und hektischen Schnitten sein. Manchmal ist weniger mehr, wie der folgende Film beweist. CAUGHT nennt sich ein etwas anderer Home-Invasion-Thriller, der versucht andere Wege zu gehen und sich so von der grauen Masse an Filmen abheben will, in denen Hausbewohner von boshaften Einbrechern erniedrigt, misshandelt und getötet werden. Frischer Wind ist somit garantiert, denn der Brite JAMIE PATTERSON hat sich für die erste Regie-Arbeit eine kleine Geschichte ausgesucht, die ohne viel Tamtam Horror entstehen lässt und schnell eine Aura permanenter Bedrohung heraufbeschwört. Dabei macht er von alter Schule Gebrauch und konzentriert sich ausschließlich auf das Zusammenspiel seiner wenigen Figuren, die den Zuschauer zurück in eine Zeit schicken, in der Horror noch Kopfarbeit war und auch vornehmlich darin stattfand.
 
 
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Ein verheiratetes Journalisten-Paar bekommt Besuch der etwas anderen Art. Julie und Andrew leben in einem netten Häuschen irgendwo im britischen Hinterland. Hier ist es friedlich, hier lebt man gern. Doch die beiden Journalisten entdecken eines Tages seltsame militärische Aktionen in der Gegend und wittern darin die Story ihres Lebens. Leider kommt bald alles anders. Zwei Fremde stehen plötzlich vor der Tür und haben einen Fragenkatalog im Gepäck. Sind das etwa religiöse Missionare, die den Journalisten von ihrem Glauben berichten wollen? Natürlich nicht, denn die altbacken gekleideten Besucher zeigen bald ihres wahres Gesicht. Das scheint nicht von dieser Welt zu sein, denn die Fremden quasseln wirres Zeug und benehmen sich alles andere als normal. Hat man es hier etwa mit gehirngewaschenen Psychopathen zu tun, die den Hauseigentümern das Leben zu Hölle machen wollen? Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, denn CAUGHT ist so rätselhaft, wie die allmählich selbst zerfallenden Bösewichte dieses doch sehr skurrilen Horrorerlebnisses.
 
 
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Seelenlose Roboter in Menschengestalt, Aliens oder Naturgeister? Die Idee dieses Home-Invasion-Horrors ist nicht übel. Zwei Fremde verschaffen sich zum Haus einer jungen Familie Zutritt und haben Forderungen. Diese gilt es zu ergründen, was im Falle von CAUGHT zu einem spannenden Gruseltrip avanciert, weil mit einfachen Mitteln versucht wird, Absichten zu verschleiern. Regisseur JAMIE PATTERSON – der sich laut Interviews für den ersten Spielfilm von Horrorfilmen der 1970er inspirieren ließ – webt nämlich ein Geheimnis um den mysteriösen Besuch der beiden Fremden, die in Rätseln faseln und keine Antworten geben wollen. Hinzukommt seltsames Verhalten, was die Frage aufwirft, ob die Besucher überhaupt menschlicher Natur sind oder doch nur fremdgesteuerte Marionetten einer höheren Macht. Leider nimmt man es mit fortschreitender Laufzeit zu genau mit der Geheimniskrämerei. Statt Geschehnisse am Ende aufzulösen, ist man eher darum bestrebt weiter des Zuschauers Kopfkino zu strapazieren. Offenbar will man die Interpretationsfähigkeit des Publikums herausfordern und hält sich auch nach dem Abspann mit Antworten bedeckt. Das verursacht ein unbefriedigendes Gefühl, weil man dann doch gern gewusst hätte, was die Fremden mit ihrem Besuch bezwecken wollten und woher sie tatsächlich stammen. Demzufolge ist dieses doch sehr rätselhaft Kammerspiel nur jenen zu empfehlen, die genügend Fantasie besitzen, um sich Antworten selbst zusammenzureimen. Wer diese auf dem Silbertablett serviert haben möchte, dürfte diesen doch beinahe schon surrealen Horrorfilm als Unsinn abstempeln. Wir von FILMCHECKER zumindest sind hin- und hergerissen, sprechen aber dennoch eine Empfehlung aus, denn so ungewöhnliche Filme wie CAUGHT hat man zweifelsohne nicht jeden Tag vor der Linse.
 
 
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CAUGHT – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Rätselhafter Gruseltrip mit den wohl unheimlichsten Besuchern, die man je in einem Horrorfilm zu sehen bekommen hat. CAUGHT ist nichts für Zuschauer, die alles plausibel erklärt haben wollen. Der Film ist nämlich ein einziges Rätsel und will offenbar die grauen Zellen seines Publikums aktivieren. Fragen über Fragen, aber kaum Antworten. Das ist so gewollt und ermöglicht viele Interpretationsansätze. Handwerklich ist CAUGHT über jeden Zweifel erhaben. Trotz minimalistischer Kulisse und wenigen Figuren entwickelt man schnell ein ungutes Bauchgefühl, was wohl daran liegt, dass der ungewöhnliche Besuch unberechenbar scheint und Verhalten an den Tag legt, welches alles andere als menschlich ist. Da ist schnell eine rätselhafte und zugleich beunruhigende Atmosphäre aufgebaut, die den Zuschauer in ihren Bann zieht und erst mit Einblendung des Abspanns wieder loslässt. CAUGHT ist ein kleiner Indie-Geheimtipp und richtet sich mit seiner ungewöhnlichen Machart an Leute, denen es nach Neuerungen im Genre dürstet. Wer daher ein Herz für subtilen Schauer besitzt und eine Leidenschaft für Horrorfilme hegt, die aus der Reihe tanzen, sollte unbedingt einen Blick riskieren. CAUGHT macht nämlich Horror mit Hirn und nicht mit der Blutkeule. Das ist in Zeiten, in denen alles rasanter, hektischer und brutaler sein muss, mittlerweile eine Seltenheit geworden. Übrigens sollte man den Trailer nicht für bare Münze nehmen. Der weckt falsche Erwartungen und lässt einen Zombiestreifen vermuten. Mit Zombies hat CAUGHT aber – Gott sei Dank – nur wenig am Hut.
 
 
 


 
 
 

CAUGHT – Zensur

 
 
 
CAUGHT hat kaum Gewalteffekte zu bieten. Einem Postmann wird mit einem Stein der Schädel eingeschlagen. Ansonsten spucken die unheimlichen Bewohner seltsamen Schleim, was vermutlich eine FSK16 rechtfertigen dürfte.
 
 
 


 
 
 

CAUGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Körperfresser kommen (1978)
 
Das Dorf der Verdammten (1995)
 
Body Snatchers – Angriff der Körperfresser (1933)