Filmkritik: „The Unspoken“ (2015)

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THE UNSPOKEN

Story

 
 
 
Eine alleinerziehende Mutter zieht mit ihrem Sohn in ein unheimliches Haus, in dem viele Jahre zuvor eine Familie aus unerklärlichen Gründen verschwand. Kaum eingezogen, passieren – wer hätte das gedacht – wieder merkwürdige Dinge.

 
 
 


 
 
 

THE UNSPOKEN – Kritik

 
 
 
Nicht alle Kinderstars können sich auch als Erwachsene im Filmbusiness behaupten. Viele der kleinen Promis geben für den frühen Ruhm viel auf – vor allem ihre Kindheit. Demzufolge ist es heute keine Seltenheit mehr, dass viele von ihnen vom rechten Weg abkommen und im Alkohol- oder Drogensumpf landen. Seit es Filme gibt und seit darin Kinder zu sehen sind, haben sich so drei Arten von Kinderstars herauskristallisiert. Da gibt es die, von denen man nie wieder etwas hört, die von denen man nur durch Skandale in den Medien erfährt und die, die auch im Erwachsenenalter erfolgreich in Filmen vertreten sind. Zu letzterer Kategorie gehört JODELLE FERLAND. Die war als Kind in so einigen Horrorfilmen zu sehen und dürfte vielen Genrefans noch durch Rollen in SILENT HILL, SEED und FALL 39 in Erinnerung geblieben sein. Mittlerweile ist das bleiche Gör von damals zu einer attraktiven Schauspielerin herangewachsen, die sich nicht minder erfolgreich durchs Kino und Fernsehen arbeitet. Offensichtlich scheint die kanadische Schauspielerin eine Leidenschaft fürs Phantastische zu haben. Nach Auftritten im Quotenhit SUPERNATURAL, THE TALL MAN oder CABIN IN THE WOODS ist die Mittzwanzigerin erneut in einem Genrefilm zu sehen. Leider ist es diesmal kein herausragender, sondern eher phantasieloser Gruselschauer nach üblichem Muster.
 
 
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Die alleinerziehende Mutter Jeanie (PASCALE HUTTON) und ihr neunjähriger Sohn Adrian (SUNNY SULJIC) ziehen in ein Haus, von dem die Bewohner eines kleinen Städtchens berichten, dass es darin nicht mit rechten Dingen zugeht. Die kleine Familie versucht nach dem plötzlichen Tod des Vaters wieder zurück ins Leben zu finden und wagt mit dem Wohnortwechsel einen Neuanfang. Da kommt der Umzug ins Gruselheim gerade recht, zumal es in idyllischer Lage liegt und wenig gekostet hat. Leider traut sich hier niemand hin, weshalb die Suche nach einem Kindermädchen zum großen Problem wird. Adrian ist nach dem tragischen Tod des Familienoberhaupts verstummt und braucht Betreuung. Da fällt der jungen Mutter ein Stein vom Herzen, als sich die zurückhaltende aber gut erzogene Angela (JODELLA FERLAND) zur Verfügung stellt. Die braucht das Geld und begibt sich in die Höhle des Löwen. Doch weil THE UNSPOKEN nun mal ein Spukfilm ist, dauert es nicht lang, bis der Budenzauber losgeht. Gegenstände verschieben sich wie von Geisterhand und unheimliche Visionen machen der Teenagerin zu schaffen. Doch das unerschrockene Mädchen lässt sich nicht einschüchtern. Sie stellt sich ihren Ängsten und stößt auf ein düsteres Geheimnis.
 
 
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Und noch ein weiterer Spukstreifen unter mittlerweile doch so vielen. THE UNSPOKEN ist Gruselunterhaltung von der Stange mit bekannten Gesichtern (darunter LOCHLYN MUNRO aus SCARY MOVIE oder FREDDY VS. JASON) und technisch versierter Machart. Leider ist das aber auch schon das einzige, was hervorzuheben wäre, um THE UNSPOKEN beim Zuschauer interessant machen zu können. Der Rest ist wie gehabt. Das bedeutet: zu viele Klischees, permanente Vorhersehbarkeit und unüberwindbare Müdigkeitserscheinungen. Von der plötzlich durchs Bild springenden Katze bis hin zu permanent zuschlagenden Türen ist alles dabei, was man in mehr oder weniger schlechten Spuk- und Geisterfilmen zu sehen bekommt. Dazwischen wird die Geschichte einer unsicheren Teenagerin erzählt, die sich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung mit garstigen Schikanen homophober Landeier konfrontiert sieht und den Spuk-Erscheinungen den Kampf ansagt. Dank der hervorragenden Leistungen von JODELLE FERLAND ist der wenig kreative Spukfilm immerhin halbwegs erträglich. Sie ist gleichzeitig Identifikationsfigur fürs Publikum und gewinnt den Zuschauer wegen der CARRIE-gleichen Warmherzigkeit schnell für sich. Dennoch schwächelt die bekannte Geschichte aufgrund ihrer Ideenarmut und der Unglaubwürdigkeit. Protagonisten handeln wenig nachvollziehbar und ein nicht minder hanebüchener Filmtwist klärt auf, dass THE UNSPOKEN eigentlich gar kein Spukstreifen ist. Hier hat wohl ein findiger Drehbuchautor (SHELDON WILSON) gedacht, besonders einfallsreich sein zu müssen. Der versucht mit haarsträubender Wendung in die gleichen Fußstapfen zu treten, wie so jeder Gruselfilm seit THE SIXTH SENSE. Mit dieser Masche macht das Gruseln eindeutig keinen Spaß mehr. Trotzdem wird das viele Filmemacher nicht davon abhalten, weiteren Spuk- und Geister-Trash nach Schema F zu drehen und dem Zuschauer so Zeit zu rauben.
 
 
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THE UNSPOKEN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Seelenloser und ideenarmer Gruselstreifen mit unerwarteter Wendung. Der Kanadier SHELDON WILSON hat hier geschrieben und gedreht. Auf seinem Mist ist das hanebüchene und löchrige Drehbuch gewachsen, das erst in den letzten Minuten zur Hochform aufläuft und den Zuschauer mit einer haarsträubenden Auflösung vor den Kopf stößt. THE UNSPOKEN ist kein sonderlich erwähnenswerter Gruselbeitrag. Im Vergleich zu dem, was der Filmemacher aber bisher verbrochen hat (darunter viel TV-Trash wie SCARECROW – DAS GRAUEN STIRBT NIE) ist dieser Film eine regelrechte Offenbarung. Trotzdem sollte man sich nicht vom stimmungsvollen Filmplakat blenden lassen. Auch wenn das Grusel und Gänsehaut vermuten lässt, wurmt in diesem wenig ambitionierten Horrorfilm so einiges. Dazu wird zu oft bei anderen Filmen kopiert. Das gelangweilte Abhaken von Gruselklischees nervt ohnehin sehr schnell. Schade um die guten Leistungen von JODELLE FERLAND. Die verkauft sich hier unter Wert. Hoffentlich hat sie wenigstens gute Bezahlung erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE UNSPOKEN – Zensur

 
 
 
Einem Mann wird der Unterkiefer abgerissen. Ein anderer fällt in Nägel, die aus dem Fußboden herausragen. Zudem verbrüht sich ein Protagonist in einer Wanne mit heißem Wasser und Einschüsse gibt es auch zu sehen. THE UNSPOKEN ist ein sicherer FSK16-Kandidat.
 
 
 


 
 
 

THE UNSPOKEN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Haus der Dämonen 2 (2013)
 
The Remains – Evil Comes to Play (2016)
 
Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)
 

Filmkritik: „Backtrack“ (2015)

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BACKTRACK – TOTE VERGESSEN NICHT

Story

 
 
 

Der Psychologe Peter (ADRIAN BRODY aus SPLICE, GIALLO und WRECKED) sieht plötzlich tote Menschen und begibt sich auf eine Reise voller Rätsel und Geheimnisse, die ihn zurück in den Heimatort führt, wo er mit seiner tragischen Vergangenheit konfrontiert wird.

 
 
 


 
 
 

BACKTRACK – Kritik

 
 
 
Es ist schön, dass es sie doch noch gibt: Geisterfilme, die auch das halten, was man von ihnen erwartet. Seit der Videomarkt boomt und sich nahezu jeder Niemand darin versucht, mit möglichst wenigen Budget und einfältigen Schreckmomenten rasch Geld zu verdienen, hat das Spuk- und Geistergenre einen großen Teil seiner schaurigen Faszination verloren. Regisseur MICHAEL PETRONI versucht dagegen anzukämpfen und besinnt sich auf traditionelle Spukwerte zurück. Der hat bereits im Horrorbereich Erfahrung sammeln können und Drehbücher zu Filmen wie THE RITE oder KÖNIGIN DER VERDAMMTEN beigesteuert. Mit BACKTRACK – TOTE VERGESSEN NICHT nahm er sich die Freiheit, auch mal ein eigenes Schauskript selbst zu verfilmen und landet damit gleich einen Glückstreffer. Ihm gelingt das Meisterstück eine packende Geschichte herrlich schaurig zu erzählen, die von Anfang bis Ende konstant spannend bleibt. Freunde klassischer Spuksteifen sollten demnach gut zuhören, denn BACKTRACK beendet die Durststrecke nach sehenswerten Gruselfilmen. Das war auch bitter nötig.
 
 
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Bereits auf dem FANTASY FILMFEST 2015 konnten sich Besucher von der herausragenden Qualität des wendungsreichen Gruselstücks überzeugen. Das ist mit Oscar-Preisträger ADRIAN BRODY sowie SAM NEILL prominent besetzt und erzählt die Geschichte vom Psychologen Peter, der plötzlich Geister sieht und Gewissensbisse bekommt. Der tragische Tod der kleinen Tochter hat den gestandenen Mann aus der Bahn gerissen. Für den gibt er sich selbst die Schuld, weil er nur eine Minute unachtsam war. Eines Tages taucht in seiner Praxis ein kleines Mädchen auf, das mit ihrem seltsamen Verhalten Fragen aufwirft. Nach einigen Recherchen steht fest: die minderjährige Besucherin ist seit Jahren tot – genauso wie die übrigen Patienten, die sich seit Wochen den Kummer in der Praxis von der Seele reden. Selbstverständlich sind die Geistererscheinungen nicht grundlos. Die wollen dem von Sorgen zerfressenen Psychologen etwas mitteilen. Erfahrene Zuschauer wissen natürlich, dass sich dahinter meist ein schreckliches Schicksal verbirgt, das mit dem Filmheld in Verbindung steht.
 
 
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BACKTRACK besitzt alles, was man von hochwertigem Horrorkino erwartet. Ob unwohlig musikalischer Untermalung, virtuose Kameraführung oder wirkungsvolle Schreckmomente – die Symbiose aus Mysterythriller, Geisterfilm und Verlustdrama hat einiges zu bieten, nach dem sich Hobby-Geisterjäger zu Hause seit Jahren sehnen. Die finstere und atmosphärische Kopie von THE SIXTH SENSE ködert den Zuschauer mit stets kleinen Häppchen und verrät nie zu viel über eine Geschichte, die mit genug Twisten aufwartet, damit Spannungsschrauben konstant fester gedreht werden können. Erst nach und nach werden Details über die Hintergrundgeschichte preisgegeben, die mancherorts zwar etwas konstruiert erscheint, was aber dem Spannungsbogen keinen Abbruch tut. Mehr über die intelligent geschriebene Geschichte zu verraten wäre gemein. BACKTRACK entfaltet seinen gesamten Schrecken am besten, wenn man so wenig wie möglich über den Film weiß. Deshalb: Vorhänge zuziehen, Licht ausschalten und Heimkinoanlage auf Maximum drehen. Ein Gruselfest der Extraklasse ist somit garantiert.
 
 
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BACKTRACK – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Ein finsteres und sehr atmosphärisches Geisterdrama, das mancherorts THE SIXTH SENSE oder STIR OF ECHOES in Erinnerung ruft. Klassische Gruselware wird mit BACKTRACK – TOTE VERGESSEN NICHT geboten, die nicht ungesehen bleiben sollte. Ganz im Gegenteil. Der mit ADRIAN BRODY besetzte Geisterfilm ist ein Referenztitel und sorgt mit schauriger Stimmung und fiesen Jump Scares für reichlich Gänsehaut. Die Quintessenz dieses unheimlichen und packenden Genrefilms ist jedoch die clever geschriebene Geschichte. Die fesselt bis zum erlösenden Ende und hat einige Überraschungen zu bieten. Ganz nebenbei glänzt Brody mit beeindruckender Schauspielleistung. Der verkörpert in BACKTRACK eine zermürbte Figur, die an dem tragischen Tod der Tochter zu zerbrechen droht. Seine gekonnte Darbietung eines gequälten Mannes hinterlässt Eindruck und bestätigt noch einmal, warum der Schauspieler vor einigen Jahren mit einem Oscar (für DER PIANIST) ausgezeichnet wurde. BACKTRACK ist großartig inszenierter Geisterspuk, der niemanden kalt lässt. Unbedingt sehenswert.
 
 
 


 
 
 

BACKTRACK – Zensur

 
 
 
Gewalt spielt in BACKTRACK – TOTE VERGESSEN NICHT keine Rolle. Eigentlich bekommt der Zuschauer hier keine bösen Szenen zu sehen. Der Film verursacht Gänsehaut auf subtile Weise. Wegen ein paar Schocks und Schreckmomente sowie der düster gehaltenen Stimmung des Films hat es in Deutschland für BACKTRACK eine FSK16 gegeben.
 
 
 


 
 
 

BACKTRACK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) EUROVIDEO MEDIEN (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Backtrack; Australien 2015

Genre: Horror, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.40:1 | @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailershow, Originaltrailer

Release-Termin: 10.11.2016

 

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BACKTRACK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken & Packshot liegen bei EUROVIDEO MEDIEN)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt (1999)

Schatten der Wahrheit (2000)

Echoes (2014)

Jessabelle (2014)

The Gift – Die dunkle Gabe (2000)

Filmkritik: „AfterDeath“ (2015)

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AFTERDEATH

Story

 
 
 

Fünf Menschen treffen zufällig in einer Hütte aufeinander, die von Schattenwesen belagert wird. Auf der Suche nach dem „Warum“ wird man mit eigenen Dämonen konfrontiert.

 
 
 


 
 
 

AFTERDEATH – Kritik

 
 
 
Eine Hütte, fünf Helden und dämonengleiche Kreaturen – nein, AFTERDEATH ist kein weiterer Versuch den kultigen Splatter-Klassiker von SAM RAIMI zu kopieren. Vielmehr beschäftigt sich der Film mit philosophischen Fragen, die sich die Menschheit bereits seit Jahrhunderten stellt. Was passiert, wenn wir sterben? Wer richtet auf der Schwelle zwischen Leben und Tod? Gibt es Himmel und Hölle? Hinter dem etwas anderen Mystery-Thriller steckt Newcomer GEZ MEDINGER, der in der Vergangenheit mit eigener Produktionsfirma in erster Linie Extremsportfilme, TV-Dokumentationen und Musikvideos produziert hat und sich mit AFTERDEATH endlich den Traum vom ersten, eigenen Spielfilm erfüllen wollte. Für den lies er sich von einem bekanntem Theaterstück mit dem Titel GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT inspirieren, das vom französischen Schriftsteller und Philosophen JEAN-PAUL SARTRE (übrigens: dem Begründer des französischen Existentialismus) geschrieben und 1944 in Paris uraufgeführt wurde.
 
 
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AFTERDEATH erzählt von fünf jungen Erwachsenen, die eines Tages an einem Strand aufwachen und sich zu einem Haus verirren, das die Unwissenden vor große Hausausforderungen stellt. Einmal darin gemütlich gemacht, sorgen Schattenwesen dafür, dass keiner der fünf die Hütte verlassen kann. Auf der Suche nach Antworten wird bald klar, dass keiner der hier Anwesenden mehr unter den Lebenden weilt und sich nun in einer Art Fegefeuer befindet, aus dem es kein Entkommen gibt. Schnell kommt man zu dem Punkt, dass Sünden für die Misere verantwortlich sein müssen und der Besuch eines Nachtclubs die fünf Protagonisten miteinander verbindet. Leider fehlen weitere Teile des Puzzles, um eine Lösung zu finden, was die Mittzwanziger veranlasst tiefer in Abgründen zu forschen, von denen besser niemand erfahren sollte.
 
 
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Nette Idee, technisch souverän umgesetzt – aber sperrig erzählt. In einem Interview erklärte Regisseur GEZ MEDINGER, dass es über zehn lange Jahre gedauert hat, bis aus ersten unausgereiften Gedanken ein Drehbuch zu einem Spielfilm über Schuld, Gerechtigkeit und Erlösung entstand, das er mit Regie-Kollegen ROBIN SCHMIDT auf die Leinwand bringen konnte. AFTERDEATH punktet aufgrund beschränkter Kulisse ganz klar mit klaustrophobischer Atmosphäre und erfischender Geschichte, die sich vom üblichen Horroreinerlei abhebt, weil sie zur Abwechslung mal nicht nach Schema F gestrickt wurde. Für Low-Budget-Verhältnisse gibt es gute Schauspieler und passable Spezialeffekte zu sehen. Dennoch tut sich AFTERDEATH mit der Spannung schwer, die dann leider erst im letzten Drittel aus der Reserve gelockt wird. Bis dahin hält sich das Kammerspiel mit schläfriger Brotkrumen-Taktik über Wasser, die dem Zuschauer immer nur häppchenweise Informationen zuspielt, damit der die Geschehnisse entwirren kann. Das mag fürs ausgeschlafene Genrepublikum durchaus akzeptabel sein; wer jedoch nach einem Arbeitstag nicht mehr ganz so aufnahmefähig ist, dürfte aufgrund dialoglastiger und langsamer Inszenierung ganz schnell im Traumland nach Erlösung suchen.
 
 
 


 
 
 

AFTERDEATH – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Beklemmender Mystery-Grusler für Zuschauer, die gern mitraten wollen. Leider sollte man gut ausgeschlafen sein, um das Mysterium dieses Films ergründen zu können, denn AFTERDEATH überrascht zwar mit erfrischender Herangehensweise, fordert aber auch viel Aufmerksamkeit vom Zuschauer. Der bekommt hier einen Streifen über Schuld, Gerechtigkeit und Erlösung zu sehen, der trotz philosophischer Ansätze mit Spannungselementen geizt. Keine guten Voraussetzungen für einen unterhaltsamen Filmabend, schließlich bricht Langeweile den meisten Filmen rigoros das Genick. Immerhin geben die Regisseure GEZ MEDINGER und ROBIN SCHMIDT gegen Ende noch einmal Gas und lassen AFTERDEATH merklich ungemütlich erscheinen. Nur, ob die wenigen Spannungsmomente aus diesem Streifen ein gutes Filmerlebnis machen, bleibt fraglich.
 
 


 
 
 

AFTERDEATH – Zensur

 
 
 
AFTERDEATH ist kein blutiger Film. Im Film schwirren Schattenwesen durch die Kamera und die Protagonisten können nicht bluten, weil sie bereits tot sind. Dennoch wird eine der Figuren mit einem spitzen Gegenstand überwältigt. Zudem wird eine Filmfigur von einem der Schattenwesen vergewaltigt. Hierzulande ist AFTERDEATH ohne Probleme mit FSK16 in die Läden gekommen.
 
 
 


 
 
 

AFTERDEATH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: AfterDeath; Großbritannien 2015

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080i)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 02.06.2017

 

AfterDeath [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

AFTERDEATH – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Studio Hamburg)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Time Lapse (2014)
 
Triangle – Die Angst kommt in Wellen (2009)
 
Butterfly Effect (2004)
 

Filmkritik: „It Follows“ (2014)

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IT FOLLOWS

Story

 
 
 
Es sind die 80er, es ist Detroit und die junge, attraktive Jay (Maika Monroe) ist verliebt. Während einer Verabredung mit der rebellischen Flamme ist es schließlich soweit: der taffe Teenager verliert seine Jungfräulichkeit. Was jedoch danach folgt ist nicht sonderlich romantisch. Der Liebhaber betäubt die Filmheldin und verschleppt sie in eine heruntergekommene Lagerhalle. Dort fesselt er sein Opfer an einen Stuhl und sagt ihm ein schreckliches Schicksal voraus. Das Mädchen wurde durch das Schäferstündchen mit einem mysteriösen Fluch belegt. Fortan muss Jay mit offenen Augen durchs Leben gehen, um nicht vom Bösen in die ewigen Jagdgründe befördert zu werden.

 
 
 


 
 
 

IT FOLLOWS – Kritik

 
 
 
Seit seiner Premiere auf dem Filmfestival in Cannes ist der amerikanische Horrorfilm IT FOLLOWS gut herum- und angekommen. Unter anderem lief er auf dem Fantasy Filmfests 2014 und wurde dort von Horrorfans und Kritikern mit großartigen Kritiken bedacht. Zu Recht, denn der Film von David Robert Mitchell verpasst dem ermüdeten Horrorgenre einen überfälligen Schuss Adrenalin und Originalität. Die Gefahr im Film ist eine, die man so bislang nicht gesehen hat. Wie der Titel verrät, wird Filmheldin Jay fortan verfolgt. Nicht von einem geisteskranken Axtmörder, einem Rudel wilder Hunde oder einem besessenen Ex-Freund. Stattdessen ist die Bedrohung, die nur von Jay selbst wahrgenommen werden kann, allgegenwärtig, unermüdlich und nicht mit herkömmlichen Waffen zu bekämpfen. Dies nutzt Mitchell, um IT FOLLOWS mit einer fesselnden Grundspannung auszustatten, die sich durch den gesamten Film zieht.
 
 
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Eine derartige Grundspannung, die kontinuierlich aufrecht gehalten und gesteigert wird, ist alles, was ein Horrorfilm benötigt, um das Publikum im Kinosessel halten zu können. Es braucht keine brutalen Exzesse oder gewalttätige Tötungsszenen, um ihn funktionieren zu lassen. Unterstrichen wird die angespannte Stimmung des Films von blassen Bildern und einem ungeheuerlichen Synthie-Soundtrack (JOHN CARPENTER lässt grüßen), der an viele Horrorstreifen aus den 1980en erinnert. Der fügt sich perfekt in das Setting eines außergewöhnlichen Gruseltrips ein, den man als aufgeschlossener Filmfan unbedingt gesehen haben sollte.
 
 
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IT FOLLOWS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
IT FOLLOWS ist eine Perle in einem Genre, das sich mehr und mehr durchs Zeigen von Blut und Gewalt identifiziert. Der Film bringt klassische Spannung ins Gruselkino zurück, die man schon Jahre nicht mehr in dieser Form auf der großen Leinwand erlebt hat. Zusammen mit seiner stilsicheren Umsetzung ist mit IT FOLLOWS einer der erfrischendsten Horrorfilme der letzten Jahre entstanden, der vor allem jenen Zuschauern zusagen dürfte, die von Schauerware einen gewissen Anspruch erwarten. Kultkandidat!
 
 
 


 
 
 

IT FOLLOWS – Zensur

 
 
 
In Deutschland wurde „It Follows“ ungeschnitten ab 12 Jahren freigegeben. Das weitgehende Fehlen von brutalen Szenen ist dieser Freigabe angemessen. Aufgrund der Bonusmaterialien wurde die Heimkinoveröffentlichung jedoch mit einer FSK16 versehen.
 
 
 


 
 
 

IT FOLLOWS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Weltkino

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: It Follows; USA 2014

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: Film: FSK12 (ungeschnittene Fassung) | Heimkinoveröffentlichung wegen Bonusmaterial: FSK16

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar von Filmkritiker Scott Weinberg, Interview mit Soundtrack-Komponist Disasterpeace, Trailer

Release-Termin: 21.11.2015

 

It Follows [Blu-ray] ungesczhnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

IT FOLLOWS – Trailer

 
 


 
 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.de zu lesen

Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei WELTKINO

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Babadook (2014)
 
The Entity (1982)
 
Schocker (1989)
 
Jason Goes to Hell – Die Endabrechnung (1993)
 

Filmkritik: „Pay the Ghost“ (2015)

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PAY THE GHOST

Story

 
 
 
Auf der Suche nach dem verschwundenen Sohn, stößt Universitätsprofessor Mike Lawford auf den Geist einer wütenden Frau, die im 17. Jahrhundert als Hexe verbrannt wurde
 
 
 


 
 
 

PAY THE GHOST – Kritik

 
 
 
Verkehrte Welt: NICOLAS CAGE kämpft an der Seite von VERONICA FERRES gegen zornige Geisterfrau. Das mag dahingegen ungewöhnlich erscheinen, weil sich der bekannte Filmstar üblicherweise in Actionfilmen aus Hollywood blicken lässt. Von pompös ausgestatteter Hochglanzware ist PAY THE GHOST weit entfernt, denn dieser Gruselfilm musste mit kleinem Budget auskommen. Für Cage kein Problem. Nachdem in den Medien von finanziellen Schwierigkeiten berichtet wurde, nimmt der Altstar scheinbar alles an, um seine Schulden begleichen zu können. Dennoch kein Grund zur Sorge, denn das man auch mit geringem Kapital gutes Schreckmaterial herstellen kann, haben in der Vergangenheit viele Indie-Horrorfilme bewiesen. Weitaus mehr Sorgen bereitet stattdessen der Mann auf dem Regiestuhl. Der deutsche Fernseh- und Film-Regisseur ULI EDEL besitzt nur wenig Erfahrung im Drehen von Horrorfilmen und lieferte 1981 mit CHRISTIANE F. – WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO den wohl wichtigsten Film seiner bisherigen Karriere ab. Immerhin arbeitete er schon einmal an einer Folge GESCHICHTEN AUS DER GRUFT mit und konnte so erstmals Schauerluft schnuppern. Doch hat die kurze Exkursion ins Genre ausgereicht, um Jahrzehnte später einen guten Gruselstreifen zu drehen?
 
 
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Die anfänglichen Bedenken sind unbegründet. Regisseur ULI EDEL hat alles im Griff, gruselt nicht überragend – dafür solide. NICOLAS CAGE spielt hier Universitätsprofessor Mike Lawford, welcher der Karriere wegen des Öfteren mal wichtige Verabredungen mit dem Sohnemann verschwitzt. An Halloween soll alles anders werden. Ein Besuch auf dem Jahrmarkt soll die Beziehung zwischen Vater und Sohn auffrischen. Leider endet der Tag anders als erhofft. Sohn Charlie verschwindet spurlos und die Suche nach dem vermissten Kind treibt das Familienoberhaupt in Depressionen und Selbstzweifel. Doch Mike gibt die Hoffnung nicht auf. Er beginnt Nachforschungen anzustellen und findet heraus, dass in den letzten Jahren mehrere Kinder unter mysteriösen Umständen an Halloween verschwunden sind. Auf der Suche nach Antworten stößt er auf ein schreckliches Geheimnis, das ihm beinahe das Leben kosten wird.
 
 
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Eigentlich war anfänglich DENNIS ILIADIS (bekannt geworden mit dem Remake zu THE LAST HOUSE ON THE LEFT) für die Regie im Gespräch. Letztendlich überließ man das Zepter jedoch doch dem deutschen ULI EDEL. Der hat mit dem übernatürlichen Thriller nichts Besonderes geschaffen, unterhält aber immerhin kurzweilig. Der gebotene Horrorstoff ist nicht sonderlich originell. Alteingesessene dürften die Fährte relativ schnell widern, denn PAY THE GHOST orientiert sich in seiner Machart an Filmen wie WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN, MAMA oder DAS WAISENHAUS. Natürlich sind genannte Filme diesem Gruselausflug haushoch überlegen, denn sonderlich clever ist PAY THE GHOST nicht geschrieben. Was passieren wird, lässt sich relativ früh erahnen. So verläuft die Reise in die Welt der Schattenwesen nach bekanntem Muster für Geisterfilme, das zuletzt relativ erfolgreich im Remake zu POLTERGEIST oder INSIDIOUS Verwendung fand.
 
 
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NICOLAS CAGE reist aus Sorge in die Welt der Geister, um den Sohnemann zurückzuholen. Das passiert mit unausgereifter Computertechnik, die im Finale etwas unbeholfen über die Leinwand fegt, weil Kapital knapp gewesen war. Nötig wäre CGI mit Sicherheit nicht gewesen, denn PAY THE GHOST hätte auch gut ohne Pixel-Blödsinn funktioniert. So konzentriert sich Filmemacher ULI EDEL in der ersten Stunde gänzlich auf eine verzweifelte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die wurde Dank erfahrenen Leistungen von NICOLAUS CAGE bei weitem runder und glaubwürdiger in Szene gesetzt, als die effekthascherische Computerbrühe der letzten halbe Stunde. Dort hielt man es für nötig selbst Vögel computeranimieren zu müssen und „Superweib“ VERONICA FERRES als Besessene von den Toden auferstehen zu lassen. Trotz gut gemeinter Absichten wirkt’s leider unfreiwillig komisch.
 
 
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PAY THE GHOST – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
MAMA trifft auf INSIDIOUS – Unheimlicher und mysteriöser Ausflug in die Welt der Schatten und Geister. Wenn Väter in die Zwischenwelt reisen müssen, um ihr Kinder zurück nach Hause zu holen, klingt das verdächtig nach POLTERGEIST oder INSIDIOUS. PAY THE GHOST wurde nach ähnlichem Schema inszeniert und ist über weite Strecken mehr Drama statt Horror. Erst in der letzten halben Stunde wird Gänsehaut verursacht. Dann nämlich kommen vermehrt Computereffekte zum Einsatz, die des knappen Geldes wegen nicht sonderlich professionell anzuschauen sind. Immerhin unterhält dieser B-Grusler solide, was vor allem Superstar NICOLAS CAGE zu verdanken ist. Der muss den Zuschauer fast gänzlich allein durch eine dünne und austauschbare Geschichte führen, die trotz Vorhersehbarkeiten Dank erfahrenem Schauspiel solide unterhalten kann. PAY THE GHOST ist nichts, was lange im Gedächtnis bleibt. Schlecht ist der Film deswegen nicht unbedingt, weil Regisseur ULI EDEL weiß, wie man Spannung stetig steigern muss, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer für sich beanspruchen zu können. Wer eine Schwäche für Geisterfilme besitzt, ist demnach hier gut aufgehoben.
 
 


 
 
 

PAY THE GHOST – Zensur

 
 
 
Gewalt gibt es IN PAY THE GHOST kaum zu sehen. Ein Medium wird durch den Raum geschleudert und später in der Pathologie untersucht. Zudem bekommt man kurz vor Abspann Schauspielerin VERONICA FERRES von Stangen durchbohrt zu sehen. Ansonsten wird vornehmlich vom subtilen Angstmachen Gebrauch gemacht. Demzufolge hat PAY THE GHOST in Deutschland berechtigterweise nur eine FSK16 erhalten – selbstverständlich ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

PAY THE GHOST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NEW KSM (Blu-ray im KeepCase)

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(c) NEW KSM (Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Pay the Ghost; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Englisch (DTS-HD MA 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: FSK16

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Mediabook

Extras: Pay the Ghost – Behind the Scenes, Trailer, Bildergalerie | im Mediabook zusätzlich ein Booklet und eine zusätzliche DVD mit dem Film

Release-Termin: 28.04.2016

 

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Pay the Ghost (limitiertes Mediabook) ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

PAY THE GHOST – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

Die Rechte aller Grafiken in dieser Kritik liegen bei New KSM

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Poltergeist (1982)
 
Insidious (2010)
 
Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)
 
Das Waisenhaus (2007)
 
Der Fluch von Darkness Falls (2003)

Filmkritik: „Eden Lodge“ (2015)

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EDEN LODGE

Story

 
 
 
Eine Autopanne mit Folgen: Eine junge Familie kommt nach einem Unfall im ländlichen England einem bestialischen Killer in die Quere und muss ums Überleben bangen.
 
 
 


 
 
 

EDEN LODGE – Kritik

 
 
 
Auch wenn es das Poster suggeriert – mit EDEN LAKE hat dieser britische Horrorfilm nichts am Hut. Der versucht nur mit einfältiger Masche und ähnlichem Plakatmotiv hinters Licht zu führen, damit der Zuschauer bedenkenlos zugreift und kauft. Dabei trennen die beiden Filme nicht nur inhaltlich Welten voneinander. EDEN LODGE will gar kein Terrorfilm sein und erzählt die Geschichte eines amerikanischen Pärchens, das wegen dem neugeborenen Nachwuchses versucht, eine ohnehin kaputte Beziehung im ländlichen England zu retten. Die Dinge nehmen eine unerwartete Wendung, als man nach einer Autopanne Hilfe in einer nahegelegenen Herberge sucht und darin die Nacht verbringen muss. Nicht nur, dass sich die schrullige Betreiberin des Hotels verdächtig verhält. Auch Bewohner und Gäste hinterlassen keinen vertrauenerweckenden Eindruck, so dass schnell klar sein dürfte, dass dieser Film kein gutes Ende nehmen wird. Doch die skurrilen Zeitgenossen sind das kleinere Übel. Ein grausamer Killer verursacht größere Probleme. Der zieht im angrenzenden Wald seine Runden und macht Jagd auf ahnungslose Touristen.
 
 
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Die Entstehung von EDEN LODGE stand unter keinem guten Stern, was wohl auch der Grund gewesen sein dürfte, weshalb der Film mit reichlicher Verspätung veröffentlicht wurde. BREAKDOWN – so wie der Streifen eigentlich heißen sollte – wurde bereits 2013 abgedreht. Leider fand man für die Postproduktion nur schleppend Geldgeber. Daher startete man eine Crowdfunding-Kampagne auf der Finanzierungsplattform KICKSTARTER. Die brachte aber nicht den gewünschten Erfolg, so dass die Veröffentlichung auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste. Nach zweijähriger Verzögerung konnte der Low-Budget-Streifen doch noch fertiggestellt und in die Händlerregale gebracht werden. Aber hat sich der Aufwand letztendlich gelohnt?
 
 
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EDEN LODGE bekleckert sich beim Angstmachen nicht mit Ruhm. Regie-Newcomer ANDREAS PRODROMOU kombiniert unbeholfen Mystery mit bluttriefenden Slasher-Raffinessen, verzettelt sich jedoch bei der Zusammenstellung des Horror-Cocktails. Statt sich auf eine Zutat zu konzentrieren, versucht er das Gebräu durch überflüssige Dreingaben zu veredeln. Leider will der schläfrig inszenierte Film gerade wegen der unüberlegten Mischung nicht so recht schmecken. EDEN LODGE quält mit schleppend inszenierter Geheimniskrämerei, die in bescheidener Regelmäßigkeit durch konfus eingestreute Gewalteinlagen aus dem Tiefschlaf reißen soll. Macher ANDREAS PRODROMOU wechselt unbeholfen zwischen den Subgenres und schien sich offensichtlich unschlüssig darüber gewesen zu sein, in welche Schublade er EDEN LODGE stecken wollte. So verwirrt er mit künstlich angestachelter Beziehungskrise, die sich im finalen Blutrausch von selbst auflöst. Das mag sich interessant anhören, ist aber letztendlich kaum der Rede wert, weil in diesem Film nichts so recht zusammenpassen will.
 
 
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EDEN LODGE ist kein nennenswerter Gruselausflug ins ländliche Idyll Großbritanniens. Hier läuft einiges schief, was auf die Unerfahrenheit von Nachwuchsregisseur ANDREAS PRODROMOU zurückzuführen seine dürfte. Der hat das Drehbuch zum Film geschrieben und will mit unerwarteter Auflösung punkten. Leider erntet er dafür vermutlich nur fassungsloses Kopfschütteln. Des Rätsels Lösung ist derart banal und unglaubwürdig, dass sich der Regisseur mit seinem unausgereiften Erstling wohl keine Freunde machen wird. Doch wir von FILMCHECKER sind wie immer optimistisch: beim nächsten Mal wird sicher alles besser.
 
 


 
 
 

EDEN LODGE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Mysteriös und blutig. Schleppend inszenierter Schauer-Mix, der sich irgendwie nicht so recht entscheiden kann, was er denn nun eigentlich sein möchte. EDEN LODGE ist halb Slasher, halb Mysterstreifen. Macher ANDREAS PRODROMOU wechselt in seinem ersten Spielfilm immer wieder unbeholfen zwischen den Subgenres und verwirrt unnötig. Oftmals erweckt er damit den Eindruck, als habe er versucht zwei unterschiedliche Film zu einem zu machen. Das Frustpotenzial ist groß, denn als wäre der holprige Horrorquatsch nicht schon zäh und konfus genug, stößt EDEN LODGE auch noch mit haarsträubender Auflösung vor den Kopf. EDEN LODGE ist kein herausragender Gruselausflug, den man sich unbedingt vormerken sollte – auch wenn die schick animierte Eröffnungssequenz genau das Gegenteil vermuten lässt.
 
 


 
 
 

EDEN LODGE – Zensur

 
 
 
EDEN LODGE ist nicht besonders brutal. Der Film zeigt kurze Morde, wie man sie auch in jedem beliebigen Slasher zu sehen bekommt. So gibt es einen Tritt in eine Bärenfalle zu sehen und eine Heugabel wird durch einen Körper gejagt. Man darf davon ausgehen, dass die FSK eine Freigabe ab 16 Jahren vergeben wird.
 
 


 
 
 

EDEN LODGE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dark Circles (2013)
 
Roadside (2013)

Kritik: „The Operator – Eine Marble Hornets Story“ (2015)

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THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY

(ALWAYS WATCHING: A MARBLE HORNETS STORY)

Story

 
 
 
Einige sensationshungrige Reporter entdecken bei Dreharbeiten in einem Keller merkwürdige Videobänder einer spurlos verschwundenen Familie, auf denen eine dürre Kreatur im Anzug ihr Unwesen treibt. Das Filmteam wittert eine packende Story und forscht nach.
 
 
 


 
 
 

THE OPERATOR – Kritik

 
 
 
Was lehrt uns das Horror-Genre immer wieder? Dass man besser nicht die Nase in fremde Angelegenheiten steckt, denn Neugierde wird oft in dieser Art von Filmen mit einem schrecklichen Ableben bestraft. Manchmal ist es besser, wenn man nicht im Leben fremder Menschen herumschnüffelt, denn gerade im Horrorkino ist das Böse begierigen Hobbydetektiven meist stets einen Schritt voraus – eine Weisheit, die den Freunden in THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY (Originaltitel: ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY) womöglich das Leben gerettet hätte. Die drei Sensationsreporter gehören zu einem regionalen Nachrichtenteam und sind stets auf der Jagd nach möglichst reißerischen Titelgeschichten, um das Interesse der Zuschauer für sich gewinnen zu können. Während den Dreharbeiten zu einer Reportage über Zwangsvollstreckungen entdeckt man bei Streifzügen durch ein verlassenes Haus eine Kiste Videobänder im Keller. Auf denen beobachten die Freunde mysteriöse Dinge. Eine gesichtslose Gestalt im schwarzen Anzug scheint sich an die Fersen jener Familie geheftet zu haben, die bisher im Haus gewohnt hat. Schnell kommt man zu dem Schluss, dass die ehemaligen Eigentümer nicht von der Bank vertrieben wurden, sondern aus Angst vor einer unheimlichen Kreatur freiwillig das Weite gesucht haben. Was folgt, wird für das Reporter-Team kein gutes Ende nehmen. Sie wittern eine Topstory und versuchen das Geheimnis der Videobänder zu entschlüsseln, nichtsahnend, dass sie bald selbst ins Visier des „Operators“ geraten, der den Freunden die letzten Stunden ihres noch jungen Lebens zur Hölle machen wird.
 
 
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Sie sind wieder da: verwackelte Filmaufnahmen, die aus der Ego-Perspektive Horrorgeschichten erzählen. Was täte die Menschheit nur ohne die fiesen Schüttelorgien, die Zuschauer seit BLAIR WITCH PROJECT und PARANORML ACTIVITY regelmäßig zur Verzweiflung treiben? Vermutlich würden Hersteller von Kopfschmerzmedikamenten dann weitaus weniger Umsätze erzielen. Jegliche Kritik über die nicht enden wollende Flut an Found-Footage-Streifen scheint vergebens zu sein, denn die schwindelerregenden Filmdokumente werden wohl auch in den kommenden Jahren nicht von der Bildfläche verschwinden und weiterhin polarisieren. THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY ist waschechter Found-Footage, wie es im Buche steht und basiert auf der bekannten Webserie MARBLE HORNETS. Das Fanprojekt erfreute sich zwischen 2009 und 2014 im Netz großer Beliebtheit und machte sich dem Internet-Mythos des Slender Mans zu eigen. Weil sich um die Web-Reihe über Jahre eine internationale Fangemeinde gebildet hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis das Konzept der Serie ausgeschlachtet und irgendwie gewinnbringend auf die Leinwand gebracht werden musste.
 
 
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Zugegeben, die Macher der Kinoversion wissen wie sie Found-Footage-Fans zufriedenstellen müssen, denn THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY ist weitaus besser, als der schlechte Ruf jener Gattung Filme. Im Unterschied zur erfolgreichen Internetvorlage geht es in der Spielfilmumsetzung wesentlich flotter zugange, so dass kaum Zeit zum Verschnaufen bleibt. In einer Art Detektivspiel werden die neugierigen Protagonisten von einer Station zur nächsten getrieben und finden Anhaltspunkte, um das mysteriöse Verschwinden der eigentlichen Videotape-Eigentümer rekonstruieren zu können. Verfolgt werden sie dabei von einer gesichtlosen Kreatur im Anzug, die nur auf Videomaterial oder durch die Kamera selbst gesehen werden kann und selbstverständlich nichts Gutes im Schilde führt. Was in THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY passiert ist letztendlich nicht sonderlich originell. Zu sehen gibt es die fürs Genre bekannten, stets trivialen Schreckmomente (Stichwort: Filmhund!), die trotz Vorhersehbarkeit dennoch zusammenschrecken lassen. Zudem fehlen ebenso wenig Ton- und Bildausfälle, die immer dann auftreten, wenn das Böse mit seinen Opfern abrechnen möchte.
 
 
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Was den Film aber trotzdem über weite Strecken interessant macht, ist der zugrundeliegende Mythos des beängstigenden Slender Mans – ein fiktives Wesen, geschaffen in der modernen Internetkultur, das dank kreativer Nutzer durch Fotos, Videos, Computerspielen und dem Web selbst zu beachtlicher Popularität gekommen ist. Im Film wird die Kreatur schlicht als „Operator“ betitelt. Glücklicherweise wird über deren Herkunft kaum ein Wort verloren, so dass sich immer noch genügend Grauen im Kopf des Zuschauers entwickeln darf, damit dieser Gänsehaut bekommt. Vermutlich dürfte das Kopfkino aber nicht lang Bestand haben. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass finanziell lukrative Horrorfilme in Serie gehen und ihrer Illusionen beraubt werden müssen. Da THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY genug Potenzial und Substanz für weitere Fortsetzungen besitzt, dürfte es nicht verwundern, wenn auch dieses Franchise so lang gemolken wird, bis es keiner mehr sehen möchte.
 
 
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THE OPERATOR – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Gänsehaut verursachender Angstmacher: THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY (OT: ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY) ist über weite Strecken wirklich gruselig und macht jene Filmfans hellhörig, die sich immer noch nicht an Found-Footage-Streifen sattgesehen haben. Zugegeben, viel Neues gibt es hier nicht zu sehen. Dafür orientiert sich der auf der berüchtigten Webserie MARBLE HORNETS basierende Horrorbeitrag zu sehr am Einmaleins für Wackelfilme aus der Egoperspektive. Interessant macht den Film aber das eigensinnige Filmmonster, über das nicht viele Worte verschwendet wird. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass fehlende Erklärungen meist das Kopfkino des Publikums beansprucht. Das ist auch in THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY der Fall und wirkt weitaus verstörender, als den Film bis ins Detail zu analysieren und zu erklären, damit der Filmfan ruhig schlafen kann. Kurzum: dieser Streifen gehört zu den besseren Vertretern der Schüttelschocker.
 
 
 


 
 
 

THE OPERATOR – Zensur

 
 
 
Splatter und Gore ist hier Mangelware. Ein Held erhängt sich selbst und wandelt später als lebender Toter durch den Film. Ein anderer Protagonist wird mit einem Gewehr erschlagen. Da in THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY kaum Gewalt gezeigt wird, hat der Streifen hierzulande auch eine ungeschnittene FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE OPERATOR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UNIVERSUM PICTURES | SQUAREONE

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Always Watching: A Marble Hornets Story; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailershow, Originaltrailer

Release-Termin: 11.12.2015

 

The Operator – Eine Marble Hornets Story [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE OPERATOR – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller Grafiken liegen bei UNIVERSUM PICTURES und SQUAREONE)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Marble Hornets (2009 – 2014)
 
The Slender Man (2013)
 
Smiley (2013)
 
The Den (2014)
 

Filmkritik: „Time Lapse“ (2014)

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TIME LAPSE

Story

 
 
 
Eine mysteriöse Kamera sagt drei Mittzwanzigern die Zukunft voraus. Doch die wundersame Gerätschaft stellt die Freundschaft auf die Probe, weil sie die wahren Gesichter der Freunde zum Vorschein bringt.

 
 
 


 
 
 

TIME LAPSE – Kritik

 
 
 
Geübte Filmfans wissen, dass das Manipulieren von Zeitlinien vor allen in Horror- und Mysteryfilmen nur selten ein gutes Ende nimmt. Bereits im Zeitreise-Thriller BUTTERFLY EFFECT (2004) richtete das Verändern von Zeitebenen ein heilloses Durcheinander an. Aber auch in THE CALLER (2011) oder FREQUENCY (2000) wurde der Zuschauer ziemlich eindringlich davor gewarnt, besser nicht mit Anrufern oder Hobbyfunkern aus einer früheren Zeit Kontakt aufzunehmen, um nachträglich Vergangenheit oder Zukunft beeinflussen zu können. TIME LAPSE macht da keine Ausnahme und ist ein weiterer in einer langen Reihe lehrhafter Mystery-Grusler, die den Filmfreund darauf hinweisen möchten, dass man das eigene Schicksale besser so hinnehmen sollte, wie es der liebe Gott vorbestimmt hat. Der bis dato unbekannte BRADLEY KING steckt hinter dem Zeitsprung-Thriller und liefert – wie so viele Nachwuchsregisseure in letzter Zeit auch – sein Regiedebüt ab, das scheinbar so gut beim Organisatoren-Team des alljährlichen Fantasy Filmfestes angekommen ist, dass er sogar 2014 ins Programm des beliebten deutschen Genre-Festivals aufgenommen wurde.
 
In TIME LAPSE finden Maler Finn, seiner Freundin Callie (aus GIRLS AGAINST BOYS) und Mitbewohner Jasper in der Wohnung ihres vermissten Nachbars eine seltsame Maschine, für deren mysteriöse Funktionen sie anfänglich keine Erklärung finden. Ein riesiges Objektiv ist auf das Wohnzimmerfenster der drei WG-Bewohner gerichtet und projiziert jeden Tag einen geheimnisvollen Schnappschuss auf Fotopapier, der den Freunden verrät, was exakt 24 Stunden später dort stattfinden wird. Für die drei eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten. So nutzt Finn die Voraussagungen, um nach einer Schaffenskrise erneut kreative Kunstwerke malen zu können. Jasper dagegen macht mit den magischen Eigenschaften das große Geld und verdient sich mit Wettspielen ein goldenes Näschen. Doch Habgier und Eifersucht treibt einen Keil zwischen die Freundschaft und macht aus Freunden schnell Feinde.
 
TIME LAPSE ist weder Fisch noch Fleisch. Einerseits gelingt Regisseur BRADLEY KING das Kunststück, sein Debüt trotz beschränktem Handlungsspielort spannend zu verpacken und so den Zuschauer bei Laune zu halten. Andererseits hat der Mystery-Thriller Probleme mit Glaubwürdigkeit und Logik, was vor allem Erbsenzähler wahnsinnig machen dürfte, denen hier unzählige Plotungereimtheiten sprichwörtlich auf dem Silbertablett serviert werden. So finden die drei Filmhelden in einer Abstellkammer die modrigen Überreste des früheren Besitzers jenes Fotoapparates, der den Freunden später die Zukunft voraussagen wird. Statt Hilfe herbeizurufen oder die Leiche der Polizei zu übergeben, verriegeln die drei Protagonisten lieber wieder die Tür der Kammer und überlassen den leblosen Körper den Würmern, damit man sich in Ruhe mit den magischen Eigenschaften der wundersamen Zeitmaschine auseinandersetzen kann. Leider sind die WG-Freunde keineswegs darum bestrebt, das Geheimnis der ominösen Gerätschaft ergründen zu wollen, sondern versuchen ausschließlich eigenen Vorteil aus den sonderbaren Funktionen der Maschine zu schlagen. Als schließlich doch noch eine ältere Dame unerwartet an der Haustür klopft und von weiteren Fähigkeiten des eigenartigen Fotoapparates berichten möchte, wird eine Waffe gezückt und ohne Vorwarnung auf die Unwissende geschossen.
 
Kein kluger Schachzug, was aber in TIME LAPSE nichts Ungewöhnliches ist, wird der Zuschauer hier nicht nur einmal Zeuge unerklärlicher Handlungsbeweggründe, die normal denkenden Filmliebhabern partout nicht einleuchten wollen. Die stereotypen Figuren handeln nicht nach logischem Menschenverstand. Viele ihrer Entscheidungen verursachen Unverständnis, wirken konstruiert und nicht nachvollziehbar. Hinzukommt, dass sich das von BRADLEY KING mitgepinselte Drehbuch viel zu oft an den Konventionen des modernen Genre-Kinos orientiert, wo Mord- und Totschlag eine wesentliche Rolle spielen und ein reißerisches Finale mit Überraschungstwist nicht fehlen darf. Die Vorhersehbarkeit schmälert den Filmgenuss, weil dem Zuschauer ziemlich schnell klargemacht wird, vorauf die Geschehnisse des Film hinauslaufen sollen. Etwas weniger Konventionalität hätte daher gut getan, weil TIME LAPSE gerade wegen seiner immerhin unverbrauchten Idee genügend Unterhaltungswert und makabre Einfälle verspricht, damit der Genre-Fan bis zum Abspann geduldig vor der Glotze sitzen bleibt.
 
Dass der Film trotz vieler Defizite besser ist, als manch andere Debüt-Gurke liegt vor allem an den guten Schauspielern, die hier hervorragende Arbeit abliefern – auch wenn ihnen das Drehbuch nicht sonderlich viel abverlangt und die Charakterentwicklung nach bekanntem Schema verläuft. Kurzum: TIME LAPSE hatte reichlich Potenzial, das letztendlich nur bedingt ausgeschöpft wurde, weil man etwas zu halbherzig an der Geschichte gefeilt hat. Für einen verregneten Sonntagnachmittag reicht es dennoch allemal.
 
 
 


 
 
 

TIME LAPSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Spannender Mystery-Horror mit Überraschungseffekt. Das Filmdebüt von BRADLEY KING hätte ein richtig guter Sci-Fi-Streifen werden können, wäre der Film nicht zugemüllt mit dutzenden Ungereimtheiten, über die sich der Zuschauer am Ende den Kopf zerbrechen dürfte. Sicher ist die Zeitsprung-Geschichte von einem überdimensionalen Fotoapparat, der die Zukunft voraussagt nicht uninteressant. Trotzdem hinterlässt TIME LAPSE einen faden Nachgeschmack, weil die Protagonisten des Films so dämlich handeln, dass gesunder Menschenstand allein nicht ausreicht, um nachvollziehen zu können, warum sich die drei Helden so verhalten, wie sie sich verhalten. Auch wenn sich TIME LAPSE trotz Indie-Status ziemlich streng am konventionellen Horror-Kino orientiert und früh klar wird, wie der Mystery-Thriller ausgehen wird, verspricht TIME LAPSE vermutlich gerade deswegen knapp 90 Minuten solide Horror-Unterhaltung – mehr aber auch nicht.
 
 
 


 
 
 

TIME LAPSE – Zensur

 
 
 
Bis auf einige Schusswunden, sowie Stichen und Schläge mit Haushaltsgegenständen gibt es in TIME LAPSE nichts zu sehen, was für Fans härterer Filme an Interesse wäre. Zwar fließt Blut, aber der Gewaltgehalt hält sich in Grenzen. Demzufolge kommt TIME LAPSE mit FSK16 in die Händlerregale.
 
 
 


 
 
 

TIME LAPSE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Triangle (2012)

Coherence (2013)

Timecrimes – Mord ist nur eine Frage der Zeit (2007)

Butterfly Effect (2004)

Mine Games (2012)

Frequenzy (2000)