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Filmkritik: „The Pool“ (2014)

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THE POOL

(DE POEL)

Story

 
 
 

Zwei Familien suchen Erholung in der freien Natur. Doch der erquickliche Campingurlaub wird zum Horrortrip, denn bald mehren sich die unheimlichen Ereignisse.

 
 
 


 
 
 

THE POOL – Kritik

 
 
 
Heute werfen wir mal einen Blick rüber zu unseren holländischen Nachbarn. Dort hat man an einem schönen Beispiel für raffinierten Psycho-Horror getüftelt, der gerade aufgrund seiner einfachen aber umso intelligenteren Machart nicht unerwähnt bleiben sollte. THE POOL (im Original DE POEL) heißt der Ausflug ins Horrorfach, der vor allem deshalb so besonders ist, weil er in den Niederlanden entstanden ist – einem Land also, in dem gefühlt alle zehn Jährchen mal ein Horrorfilm gedreht wird. Zuletzt hat man dort mit FRANKENSTEIN’S ARMY für Aufsehen gesorgt. Das Found-Footage-Spektakel blieb vor allem wegen seiner grotesken Filmmonster in Erinnerung, die sich durch ein bizarres Kriegs-Szenario metzelten, in dem sich meterhohe Leichenberge stapelten. Umso verwunderlicher, dass die ruppige Monsterhatz und der eher psychologische THE POOL mehr Gemeinsamkeiten besitzen, als man anfangs annehmen würde. Hinter THE POOL und FRANKENSTEINS ARMY verbirgt sich nämlich ein und derselbe Autor. Der heißt CHRIS W. MITCHELL und versucht sich nun nach einigen Kurzfilmen und verfassten Drehbüchern auch mal selbst im Filmemachen. Erstaunlich gut ist sein Vorhaben gelungen – auch wenn die Schauspieler des Debüts zur Abwechslung mal nicht den amerikanischen Schönheitsidealen entsprechen. Hier zählt der Inhalt!
 
 
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Zwei Familien und ein See. THE POOL berichtet von zwei Familien, die sich aufmachen, um ihren Urlaub zu genießen. Der soll fernab der gewohnten Großstadthektik stattfinden. Irgendwo im Wald hat man ein schönes Plätzchen Erde, gelegen an einem traumhaften See, entdeckt und die Zelte ausgepackt. Die ersten Stunden versprechen Erholung pur. Es wird gebadet, gekocht und geruht. Doch die Idylle ist trügerisch. Am folgenden Morgen setzt sich ein sonderbarer Strudel bizarrer Ereignisse in Gang. Erst verderben Lebensmittel unter mysteriösen Umständen und Familienmitglieder werden von Albträumen aus dem Schlaf gerissen. Später erkrankt einer der Anwesenden und stirbt. Leider kann keine Hilfe gerufen werden. Die Handys haben keinen Empfang und alle Wege weg vom Camp führen letztendlich zurück ins Camp. Was passiert hier und welch furchtbares Geheimnis umgibt diese friedliche Gegend? Die Antworten darauf sind alles andere als erfreulich.
 
 
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Sind wir hier auf den Privaten? Nein, THE POOL ist keine Horror-Version des ehemaligen Quotenhits DIE CAMPER, der mit tumbem Humor und sattsam bekannten Alltagssituationen auf RTL die Zuschauer erfreute. Ganz im Gegenteil. Zu lachen haben die Protagonisten des besprochenen Filmalbtraums leider herzlich wenig. Ihnen blüht ein schreckliches Schicksal, dem am Ende leider nur einer entgehen kann. Regisseur CHRIS W. MITCHELL geht es in seinem ersten Langfilm clever an. Der hält sich bedeckt, was Erklärungen angeht, gibt nur wenig preis und lässt sich bis kurz vorm Abspann mehrere Interpretationsmöglichkeiten offen. Im Lager kommt rasch schlechte Stimmung auf. Weil Lebensmittel verdorben sind und sich die Eheleute beim Fremdgehen beobachten, gibt es bald Ärger. Aber es kommt noch dicker. Zwei Brüder balzen um ein Mädchen, was zusätzlich Konflikte schürt und die Gemüter erhitzt. Stress bringt die Familien gegeneinander auf die Barrikaden und seltsame Visionen treiben Familienvater Lennaert regelrecht in den Wahnsinn. Der ist bald nicht mehr Herr der eigenen Sinne und legt schrecklich aggressives Verhalten an den Tag. Was folgt erinnert ein wenig an die Stephen-King-Adaption THE SHINING vom Altmeister STANLEY KUBRICK. Der Wald wird zum klaustrophobischen Gefängnis, aus dem es kein Entkommen gibt. Die Tatsache zerrt an den Nerven der Protagonisten, die einander nicht mehr ver- sondern misstrauen. Das ist kein guter Ausgang für ein gemütliches Beisammensein – vor allem dann, wenn Freunde plötzlich zu Feinden werden und sich gegenseitig ausradieren.
 
 
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In THE POOL wird psychologischer Horror mit übernatürlichem Grauen vermischt, was den Zuschauer schon fordert. Der wird im Film ziemlich geschickt auf falsche Fährten geführt und mit immer neuen Informationen gefüttert, die aber irgendwie nicht plausibel erscheinen wollen. Mal streift der Film subtile Mystery, mal wird es psychologisch. Nur, in welche Schublade will der Film gesteckt werden? Für die Antwort darauf muss sich der Zuschauer bis zur letzten Einstellung gedulden. Erst dort ergibt das Puzzle einen Sinn, wenn CHRIS W. MITCHELL mit nur einem Kameraschwenk ohne Brimborium erklärt, warum in THE POOL zuviel Wirbel gemacht wird.
 
 
 


 
 
 

THE POOL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
12 Points goes to The Netherlands. Holland kann nicht nur Käse und Tulpen. Auch im Horrorfach gibt es Potenzial. Das beweisen uns die Nachbarn eindrucksvoll mit THE POOL (Originaltitel: DE POEL), der ziemlich geschickt eine unheimliche Geschichte erzählt, die dezent mit Horrorelementen verfeinert wird und einen gemütlichen Campingausflug zum Albtraum werden lässt. Schwarzer Humor soll auflockern, schlägt einem aber spätestens in der letzten halben Stunde böse auf den Magen. Dort überschlagen sich die Ereignisse und führen zur Katastrophe, was vor allem einem starken Schauspieler-Ensemble zu verdanken ist, dessen Mitglieder im Vergleich zu vielen amerikanischen Berufskollegen zur Abwechslung mal was können. Regisseur CHRIS W. MITCHELL verriet, dass er sich von namhaften Horrorfilmen inspirieren ließ. So haben Klassiker wie THE SHINING, THE BLAIR WITCH PROJECT oder der immer noch sträflich wenig bekannte australische Natur-Thriller LONG WEEKEND maßgeblichen Einfluss beim Schreiben des Drehbuchs genommen. Zwar ist THE POOL noch weit von genannten Kultkandidaten entfernt. Trotzdem stemmt sich der Psychothriller souverän gegen die nicht mehr aufzuhaltende Flut an unnötigen No-Budget-Produktionen, die tagtäglich irgendeinen Weg von Amiland nach Europa suchen. Im Vergleich zu all den miserablen Low-Budget-Gurken aus Übersee kann THE POOL nämlich was – nämlich gruseln. Ein Psycho-Horror-Geheimtipp mit reichlich fies gelegten Fährten! Definitiv sehenswert.
 
 
 


 
 
 

THE POOL – Zensur

 
 
 
THE POOL ist trotz überschaubarer Horror-Elemente eher psychologischer Natur. Ein Hals wird aufgeschnitten. Zudem verwest eine Leiche im Zelt und wird wenig später verbrennt. Außerdem fällt eine Filmfigur mit dem Kopf auf einen Zelthaken und ein faulender Finger wird abgehakt. Hierzulande dürfte es für den holländischen Genre-Beitrag eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

THE POOL – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Shining (1980)
 
Darling (2015)
 
Black Mountain Side (2014)
 


Filmkritik: „Harvest Lake“ (2016)

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HARVEST LAKE

Story

 
 
 

Eine Geburtstagsfeier läuft aus dem Ruder. Ben will mit Freundin und Kumpels den 26. Jahrestag in einer Hütte am See feiern. Leider werden die Freunde bald zu hilflosen Geiseln ihrer eigenen Triebe. Irgendwas im Wald scheint ihre Lust fremdzusteuern. Doch wer oder was ist dieser gemeine Übeltäter?

 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Kritik

 
 
 
In HELLRAISER hat man’s getan, in IT FOLLOWS gehörte es dazu und in den Filmen von DAVID CRONENBERG ist es sowieso Programm. Wer im Filmbusiness polarisieren und prägenden Eindruck hinterlassen will, kombiniert einfach Sex und Horror, damit Filmfans was zu sehen bekommen und sich prüde Sittenwächter dran abarbeiten können. Mit letzteren steht der Regisseur des folgenden Streifens bereits auf Kriegsfuß. Horror-Newcomer SCOTT SCHIRMER bekam mit dem Coming-of-Age-Film FOUND – MEIN BRUDER IST EIN SERIENKILLER in einigen Ländern erhebliche Probleme. Darin vermischte er recht unverfroren Sexualität mit Gewalt und stieß vor allem bei den besorgten Zensurbehörden auf Ungnade, die rigoros Schnitte forderten. Was jedoch zum Schutze der Jugend wohlwollend in Kauf genommen wurde, entwickelte sich zu unfreiwilliger PR. Der Film machte gerade wegen der Zensurproblematik müde Horrorfans munter und erhielt zudem auf Festivals gute Kritiken, so dass die Filmrechte schnell in viele Länder verkauft werden konnten. Vier Jahre sind seither vergangen und SCOTT SCHIRMER scheint sich bewusst viel Zeit für seinen nächsten Streich gelassen zu haben, mit dem er wohl nun beweisen möchte, dass FOUND keine Eintagsfliege gewesen ist. HARVEST LAKE nennt sich der Nachfolger, der zweifelsohne zu den ungewöhnlichsten und bizarrsten Genrebeiträgen gehört, die das Filmjahr 2016 bisher hervorgebracht hat. Der Grund hierfür ist einfach erklärt. Schirmer vermischt abermals Sex mit Horror, entführt den Zuschauer aber diesmal in surreale Sphären, die HARVEST LAKE vor allem für jene Filmfreunde interessant machen dürfte, denen es im Horrorkino nicht absurd und ausgefallen genug zugehen kann.
 
 
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Eine erotische Reise in den Wald der Triebe und Lüste. Was in HARVEST LAKE passiert, hat man wohl bisher so noch nicht auf der Mattscheibe gesehen. Hier fahren einige Mittzwanziger (darunter ELLIE CHURCH aus HEADLESS) in die Wälder, um in einer einsam gelegenen Hütte den Geburtstag einer der Anwesenden zu feiern. Nach anfänglichen Plaudereien und Bädern im See passiert ganz Sonderbares. Sexuelle Energie wird entfacht und die Freunden überkommt es. Während die Hemmungen fallen und sich die kleine Gruppe der Fleischeslust hingibt, wachsen im Wald seltsame Pflanzen. Phallusförmige Gebilde, an Schamlippen erinnernde Pilze und busen-gleiche Blüten durchziehen das Dickicht und scheinen die Sinne der fünf Kumpels zu vernebeln. Die lassen ihrer sexuellen Lust freien Lauf ohne zu ahnen, dass sie dadurch unfreiwillig Teil eines fremdartigen Lebenszyklus werden.
 
 
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Es ist schwer in Worte zu fassen, was sich Regisseur SCOTT SCHIRMER da hat einfallen lassen. Irgendwo zwischen DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN (die 1978er-Adaption) und Cronenbergs SHIVERS reiht der Macher sinnliche Bilder von Menschen beim Geschlechtsakt aneinander, die von einer nicht näher erläuterten Macht manipuliert, gesteuert und für die eigenen Zwecke missbraucht werden. Was sich surreal liest und vermutlich einen tieferen Sinn beherbergt, ist auch definitiv surreal, hat aber laut Schirmer keine besonders tiefgründige oder doppelbödige Aussage. Der Regisseur wollte einfach nur einen abgefahrenen Genrefilm mit viel Sex drehen, dessen Skript er zusammen mit seinem Kollegen und Freund BRIAN K. WILLIAMS verfasst hat. Die beiden hatten schon immer mal vor gemeinsam einen Film zu drehen. Leider fehlte für das Vorhaben stets die Zeit. Als die beiden einige Tage frei hatten, nahm man die Gelegenheit beim Schopfe und steckte die Köpfe zusammen. Einige Gespräche später entstand die Idee zu HARVEST LAKE, der anfangs eigentlich eher in Richtung Sexkomödie im Stil des Teenager-Klamauks PORKY’S gehen und sich im Verlauf zur Spielfilmversion von DEEP DWELLERS (ein Kurzfilm im Vorgängerfilm FOUND) entwickeln sollte. Letztendlich entschied man sich dann doch für einen ernsten Film und schlug die Science-Fiction-Schauerrichtung ein, um den Genreanspruch zu bewahren. Gott sei Dank.
 
 
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Laut Interviews in der Fachpresse ist Schirmer ein großer Fan von Monster-Filmen und erwähnt im gleichen Atemzug einen Horror-Schlocker der späten 1980er: DAS HALLOWEEN MONSTER. Dass es demzufolge am Ende von HARVEST LAKE ebenso ein handgemachtes Monster zu bestaunen gibt, verwundert da wenig. Leider hält sich der Regisseur trotz Plauderlaune in Interviews darüber bedeckt, was die groteske Kreatur im Film denn nun eigentlich genau darstellen soll. Handelt es sich hier um Pflanzen des Waldes, die den Menschen – ähnlich wie Bienen – nutzen, um befruchtet zu werden oder haust in den Wäldern außerirdisches Leben, das menschlichen Samen zu Fortpflanzung benötigt. In HARVEST LAKE wird die Phantasie des Zuschauers gefordert, denn der surreale Bilderrausch bleibt Antworten schuldig. Nichtsdestotrotz ist Schirmers Film nicht übel – man muss sich auf das sonderbare Filmerlebnis einlassen, denn handwerklich wurde die Indie-Produktion trotz kleinem Budget tadellos inszeniert. Die Schauspieler sind gut gewählt, sympathisch und dürfen sich sogar charakterlich entwickeln. Ein geradezu hypnotischer Score brennt sich in den Kopf des Zuschauers ein und unterstreicht die erotische Anziehungskraft der im wahrsten Sinne Lust-vollen Bilder, die über Kinoleinwand oder Mattscheibe flimmern. Wer demzufolge Filme fernab des Kommerzes sucht, darf sich diesen ungewöhnlichen und hochinteressanten Genrebeitrag nicht entgehen lassen. Leider hat Macher SCOTT SCHIRMER damit die Messlatte für den nächsten Film selbst weit nach oben gesetzt. Ob er FOUND und HARVEST LAKE übertreffen kann, bleibt abzuwarten.
 
 
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HARVEST LAKE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein bizarrer Genre-Mix aus DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN und David Cronenbergs SHIVERS, der nicht ungesehen bleiben sollte. HARVEST LAKE ist ein erotisch-surrealer Bilderrausch, der Seinesgleichen sucht und mit nichts zu vergleichen ist. FOUND-Regisseur SCOTT SCHIRMER hat sich hier nach eigener Aussage von Filmen wie Zulawskis POSSESSION, Yuznas SOCIETY aber auch vom atmosphärischen australischen Klassiker PICKNICK AM VALENTINSTAG inspirieren lassen und macht Ur-Instinkte sowie Ur-Ängste zum Thema. HARVEST Lake schildert, wie abhängig doch der Mensch von seinen Trieben ist. Sind die einmal angeworfen und außer Kontrolle, hat man mit der Menschheit einfaches Spiel. So werden im Film Menschen zu willenlosen Sklaven umfunktioniert, die am Ende ein Dasein wie die Tiere des Waldes fristen müssen (dürfen?), weil eine nicht näher erklärte Macht weiß, wie sie die Sinne von Mann und Frau beflügeln muss. Einmal vom Nektar der Liebe gekostet, ist der Mensch willenlos und sitzt in der Venusfalle. Umso erschreckender, was ein Cocktail aus Verlangen, Lust und Liebe mit unseren Köpfen anstellt. Fließt das Gebräu erst mal durch unsere Venen, macht es uns zu Gefangenen der eigenen Triebe. Beängstigend irgendwie.
 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Zensur

 
 
 
In HARVEST LAKE gibt es keine Gewalt zu sehen. Würden im Film nicht hin und wieder einige Erotikszenen über die Mattscheibe flimmern, wäre der Streifen ein sicherer FSK12-Kandidat. Vermutlich wird er den blauen FSK-Flatschen wegen einiger freizügigen Szenen erhalten und dürfte so frei für Jugendliche ab 16 Jahren sein.
 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Forbidden Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Körperfresser kommen (1978)

Body Snatchers (1993)

Society (1989)

Shivers (1975)

Honeymoon (2014)


Filmkritik: „Backtrack“ (2015)

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BACKTRACK

Story

 
 
 

Der Psychologe Peter (ADRIAN BRODY aus SPLICE, GIALLO und WRECKED) sieht plötzlich tote Menschen und begibt sich auf eine Reise voller Rätsel und Geheimnisse, die ihn zurück in den Heimatort führt, wo er mit seiner tragischen Vergangenheit konfrontiert wird.

 
 
 


 
 
 

BACKTRACK – Kritik

 
 
 
Es ist schön, dass es sie doch noch gibt: Geisterfilme, die auch das halten, was man von ihnen erwartet. Seit der Videomarkt boomt und sich nahezu jeder Niemand darin versucht, mit möglichst wenigen Budget und einfältigen Schreckmomenten rasch Geld zu verdienen, hat das Spuk- und Geistergenre einen großen Teil seiner schaurigen Faszination verloren. Regisseur MICHAEL PETRONI versucht dagegen anzukämpfen und besinnt sich auf traditionelle Spukwerte zurück. Der hat bereits im Horrorbereich Erfahrung sammeln können und Drehbücher zu Filmen wie THE RITE oder KÖNIGIN DER VERDAMMTEN beigesteuert. Mit BACKTRACK nahm er sich die Freiheit, auch mal ein eigenes Schauskript selbst zu verfilmen und landet damit gleich einen Glückstreffer. Ihm gelingt das Meisterstück eine packende Geschichte herrlich schaurig zu erzählen, die von Anfang bis Ende konstant spannend bleibt. Freunde klassischer Spuksteifen sollten demnach gut zuhören, denn BACKTRACK beendet die Durststrecke nach sehenswerten Gruselfilmen. Das war auch bitter nötig.
 
 
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Bereits auf dem FANTASY FILMFEST 2015 konnten sich Besucher von der herausragenden Qualität des wendungsreichen Gruselstücks überzeugen. Das ist mit Oscar-Preisträger ADRIAN BRODY sowie SAM NEILL prominent besetzt und erzählt die Geschichte vom Psychologen Peter, der plötzlich Geister sieht und Gewissensbisse bekommt. Der tragische Tod der kleinen Tochter hat den gestandenen Mann aus der Bahn gerissen. Für den gibt er sich selbst die Schuld, weil er nur eine Minute unachtsam war. Eines Tages taucht in seiner Praxis ein kleines Mädchen auf, das mit ihrem seltsamen Verhalten Fragen aufwirft. Nach einigen Recherchen steht fest: die minderjährige Besucherin ist seit Jahren tot – genauso wie die übrigen Patienten, die sich seit Wochen den Kummer in der Praxis von der Seele reden. Selbstverständlich sind die Geistererscheinungen nicht grundlos. Die wollen dem von Sorgen zerfressenen Psychologen etwas mitteilen. Erfahrene Zuschauer wissen natürlich, dass sich dahinter meist ein schreckliches Schicksal verbirgt, das mit dem Filmheld in Verbindung steht.
 
 
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BACKTRACK besitzt alles, was man von hochwertigem Horrorkino erwartet. Ob unwohlig musikalischer Untermalung, virtuose Kameraführung oder wirkungsvolle Schreckmomente – die Symbiose aus Mysterythriller, Geisterfilm und Verlustdrama hat einiges zu bieten, nach dem sich Hobby-Geisterjäger zu Hause seit Jahren sehnen. Die finstere und atmosphärische Kopie von THE SIXTH SENSE ködert den Zuschauer mit stets kleinen Häppchen und verrät nie zu viel über eine Geschichte, die mit genug Twisten aufwartet, damit Spannungsschrauben konstant fester gedreht werden können. Erst nach und nach werden Details über die Hintergrundgeschichte preisgegeben, die mancherorts zwar etwas konstruiert erscheint, was aber dem Spannungsbogen keinen Abbruch tut. Mehr über die intelligent geschriebene Geschichte zu verraten wäre gemein. BACKTRACK entfaltet seinen gesamten Schrecken am besten, wenn man so wenig wie möglich über den Film weiß. Deshalb: Vorhänge zuziehen, Licht ausschalten und Heimkinoanlage auf Maximum drehen. Ein Gruselfest der Extraklasse ist somit garantiert.
 
 
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BACKTRACK – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Ein finsteres und sehr atmosphärisches Geisterdrama, das mancherorts THE SIXTH SENSE oder STIR OF ECHOES in Erinnerung ruft. Klassische Gruselware wird mit BACKTRACK geboten, die nicht ungesehen bleiben sollte. Ganz im Gegenteil. Der mit ADRIAN BRODY besetzte Geisterfilm ist ein Referenztitel und sorgt mit schauriger Stimmung und fiesen Jump Scares für reichlich Gänsehaut. Die Quintessenz dieses unheimlichen und packenden Genrefilms ist jedoch die clever geschriebene Geschichte. Die fesselt bis zum erlösenden Ende und hat einige Überraschungen zu bieten. Ganz nebenbei glänzt Brody mit beeindruckender Schauspielleistung. Der verkörpert in BACKTRACK eine zermürbte Figur, die an dem tragischen Tod der Tochter zu zerbrechen droht. Seine gekonnte Darbietung eines gequälten Mannes hinterlässt Eindruck und bestätigt noch einmal, warum der Schauspieler vor einigen Jahren mit einem Oscar (für DER PIANIST) ausgezeichnet wurde. BACKTRACK ist großartig inszenierter Geisterspuk, der niemanden kalt lässt. Unbedingt sehenswert.
 
 
 


 
 
 

BACKTRACK – Zensur

 
 
 
Gewalt spielt in BACKTRACK keine Rolle. Eigentlich bekommt der Zuschauer hier keine bösen Szenen zu sehen. Der Film verursacht Gänsehaut auf subtile Weise. Wegen ein paar Schocks und Schreckmomente sowie der düster gehaltenen Stimmung des Films dürfte es in Deutschland für BACKTRACK eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

BACKTRACK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt (1999)

Schatten der Wahrheit (2000)

Echoes (2014)

Jessabelle (2014)

The Gift – Die dunkle Gabe (2000)


Filmkritik: „AfterDeath“ (2015)

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AFTERDEATH

Story

 
 
 

Fünf Menschen treffen zufällig in einer Hütte aufeinander, die von Schattenwesen belagert wird. Auf der Suche nach dem „Warum“ wird man mit eigenen Dämonen konfrontiert.

 
 
 


 
 
 

AFTERDEATH – Kritik

 
 
 
Eine Hütte, fünf Helden und dämonengleiche Kreaturen – nein, AFTERDEATH ist kein weiterer Versuch den kultigen Splatter-Klassiker von SAM RAIMI zu kopieren. Vielmehr beschäftigt sich der Film mit philosophischen Fragen, die sich die Menschheit bereits seit Jahrhunderten stellt. Was passiert, wenn wir sterben? Wer richtet auf der Schwelle zwischen Leben und Tod? Gibt es Himmel und Hölle? Hinter dem etwas anderen Mystery-Thriller steckt Newcomer GEZ MEDINGER, der in der Vergangenheit mit eigener Produktionsfirma in erster Linie Extremsportfilme, TV-Dokumentationen und Musikvideos produziert hat und sich mit AFTERDEATH endlich den Traum vom ersten, eigenen Spielfilm erfüllen wollte. Für den lies er sich von einem bekanntem Theaterstück mit dem Titel GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT inspirieren, das vom französischen Schriftsteller und Philosophen JEAN-PAUL SARTRE (übrigens: dem Begründer des französischen Existentialismus) geschrieben und 1944 in Paris uraufgeführt wurde.
 
 
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AFTERDEATH erzählt von fünf jungen Erwachsenen, die eines Tages an einem Strand aufwachen und sich zu einem Haus verirren, das die Unwissenden vor große Hausausforderungen stellt. Einmal darin gemütlich gemacht, sorgen Schattenwesen dafür, dass keiner der fünf die Hütte verlassen kann. Auf der Suche nach Antworten wird bald klar, dass keiner der hier Anwesenden mehr unter den Lebenden weilt und sich nun in einer Art Fegefeuer befindet, aus dem es kein Entkommen gibt. Schnell kommt man zu dem Punkt, dass Sünden für die Misere verantwortlich sein müssen und der Besuch eines Nachtclubs die fünf Protagonisten miteinander verbindet. Leider fehlen weitere Teile des Puzzles, um eine Lösung zu finden, was die Mittzwanziger veranlasst tiefer in Abgründen zu forschen, von denen besser niemand erfahren sollte.
 
 
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Nette Idee, technisch souverän umgesetzt – aber sperrig erzählt. In einem Interview erklärte Regisseur GEZ MEDINGER, dass es über zehn lange Jahre gedauert hat, bis aus ersten unausgereiften Gedanken ein Drehbuch zu einem Spielfilm über Schuld, Gerechtigkeit und Erlösung entstand, das er mit Regie-Kollegen ROBIN SCHMIDT auf die Leinwand bringen konnte. AFTERDEATH punktet aufgrund beschränkter Kulisse ganz klar mit klaustrophobischer Atmosphäre und erfischender Geschichte, die sich vom üblichen Horroreinerlei abhebt, weil sie zur Abwechslung mal nicht nach Schema F gestrickt wurde. Für Low-Budget-Verhältnisse gibt es gute Schauspieler und passable Spezialeffekte zu sehen. Dennoch tut sich AFTERDEATH mit der Spannung schwer, die dann leider erst im letzten Drittel aus der Reserve gelockt wird. Bis dahin hält sich das Kammerspiel mit schläfriger Brotkrumen-Taktik über Wasser, die dem Zuschauer immer nur häppchenweise Informationen zuspielt, damit der die Geschehnisse entwirren kann. Das mag fürs ausgeschlafene Genrepublikum durchaus akzeptabel sein; wer jedoch nach einem Arbeitstag nicht mehr ganz so aufnahmefähig ist, dürfte aufgrund dialoglastiger und langsamer Inszenierung ganz schnell im Traumland nach Erlösung suchen.
 
 
 


 
 
 

AFTERDEATH – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Beklemmender Mystery-Grusler für Zuschauer, die gern mitraten wollen. Leider sollte man gut ausgeschlafen sein, um das Mysterium dieses Films ergründen zu können, denn AFTERDEATH überrascht zwar mit erfrischender Herangehensweise, fordert aber auch viel Aufmerksamkeit vom Zuschauer. Der bekommt hier einen Streifen über Schuld, Gerechtigkeit und Erlösung zu sehen, der trotz philosophischer Ansätze mit Spannungselementen geizt. Keine guten Voraussetzungen für einen unterhaltsamen Filmabend, schließlich bricht Langeweile den meisten Filmen rigoros das Genick. Immerhin geben die Regisseure GEZ MEDINGER und ROBIN SCHMIDT gegen Ende noch einmal Gas und lassen AFTERDEATH merklich ungemütlich erscheinen. Nur, ob die wenigen Spannungsmomente aus diesem Streifen ein gutes Filmerlebnis machen, bleibt fraglich.
 
 


 
 
 

AFTERDEATH – Zensur

 
 
 
AFTERDEATH ist kein blutiger Film. Im Film schwirren Schattenwesen durch die Kamera und die Protagonisten können nicht bluten, weil sie bereits tot sind. Dennoch wird eine der Figuren mit einem spitzen Gegenstand überwältigt. Zudem wird eine Filmfigur von einem der Schattenwesen vergewaltigt. Hierzulande dürfte AFTERDEATH ohne Probleme mit FSK16 in die Läden kommen – insofern überhaupt ein Label mit den Gedanken spielen sollte, diesen Film in Deutschland veröffentlichen zu wollen.
 
 
 


 
 
 

AFTERDEATH – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Time Lapse (2014)
 
Triangle – Die Angst kommt in Wellen (2009)
 
Butterfly Effect (2004)
 


Filmkritik: „Eden Lodge“ (2015)

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EDEN LODGE

Story

 
 
 
Eine Autopanne mit Folgen: Eine junge Familie kommt nach einem Unfall im ländlichen England einem bestialischen Killer in die Quere und muss ums Überleben bangen.
 
 
 


 
 
 

EDEN LODGE – Kritik

 
 
 
Auch wenn es das Poster suggeriert – mit EDEN LAKE hat dieser britische Horrorfilm nichts am Hut. Der versucht nur mit einfältiger Masche und ähnlichem Plakatmotiv hinters Licht zu führen, damit der Zuschauer bedenkenlos zugreift und kauft. Dabei trennen die beiden Filme nicht nur inhaltlich Welten voneinander. EDEN LODGE will gar kein Terrorfilm sein und erzählt die Geschichte eines amerikanischen Pärchens, das wegen dem neugeborenen Nachwuchses versucht, eine ohnehin kaputte Beziehung im ländlichen England zu retten. Die Dinge nehmen eine unerwartete Wendung, als man nach einer Autopanne Hilfe in einer nahegelegenen Herberge sucht und darin die Nacht verbringen muss. Nicht nur, dass sich die schrullige Betreiberin des Hotels verdächtig verhält. Auch Bewohner und Gäste hinterlassen keinen vertrauenerweckenden Eindruck, so dass schnell klar sein dürfte, dass dieser Film kein gutes Ende nehmen wird. Doch die skurrilen Zeitgenossen sind das kleinere Übel. Ein grausamer Killer verursacht größere Probleme. Der zieht im angrenzenden Wald seine Runden und macht Jagd auf ahnungslose Touristen.
 
 
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Die Entstehung von EDEN LODGE stand unter keinem guten Stern, was wohl auch der Grund gewesen sein dürfte, weshalb der Film mit reichlicher Verspätung veröffentlicht wurde. BREAKDOWN – so wie der Streifen eigentlich heißen sollte – wurde bereits 2013 abgedreht. Leider fand man für die Postproduktion nur schleppend Geldgeber. Daher startete man eine Crowdfunding-Kampagne auf der Finanzierungsplattform KICKSTARTER. Die brachte aber nicht den gewünschten Erfolg, so dass die Veröffentlichung auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste. Nach zweijähriger Verzögerung konnte der Low-Budget-Streifen doch noch fertiggestellt und in die Händlerregale gebracht werden. Aber hat sich der Aufwand letztendlich gelohnt?
 
 
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EDEN LODGE bekleckert sich beim Angstmachen nicht mit Ruhm. Regie-Newcomer ANDREAS PRODROMOU kombiniert unbeholfen Mystery mit bluttriefenden Slasher-Raffinessen, verzettelt sich jedoch bei der Zusammenstellung des Horror-Cocktails. Statt sich auf eine Zutat zu konzentrieren, versucht er das Gebräu durch überflüssige Dreingaben zu veredeln. Leider will der schläfrig inszenierte Film gerade wegen der unüberlegten Mischung nicht so recht schmecken. EDEN LODGE quält mit schleppend inszenierter Geheimniskrämerei, die in bescheidener Regelmäßigkeit durch konfus eingestreute Gewalteinlagen aus dem Tiefschlaf reißen soll. Macher ANDREAS PRODROMOU wechselt unbeholfen zwischen den Subgenres und schien sich offensichtlich unschlüssig darüber gewesen zu sein, in welche Schublade er EDEN LODGE stecken wollte. So verwirrt er mit künstlich angestachelter Beziehungskrise, die sich im finalen Blutrausch von selbst auflöst. Das mag sich interessant anhören, ist aber letztendlich kaum der Rede wert, weil in diesem Film nichts so recht zusammenpassen will.
 
 
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EDEN LODGE ist kein nennenswerter Gruselausflug ins ländliche Idyll Großbritanniens. Hier läuft einiges schief, was auf die Unerfahrenheit von Nachwuchsregisseur ANDREAS PRODROMOU zurückzuführen seine dürfte. Der hat das Drehbuch zum Film geschrieben und will mit unerwarteter Auflösung punkten. Leider erntet er dafür vermutlich nur fassungsloses Kopfschütteln. Des Rätsels Lösung ist derart banal und unglaubwürdig, dass sich der Regisseur mit seinem unausgereiften Erstling wohl keine Freunde machen wird. Doch wir von FILMCHECKER sind wie immer optimistisch: beim nächsten Mal wird sicher alles besser.
 
 


 
 
 

EDEN LODGE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Mysteriös und blutig. Schleppend inszenierter Schauer-Mix, der sich irgendwie nicht so recht entscheiden kann, was er denn nun eigentlich sein möchte. EDEN LODGE ist halb Slasher, halb Mysterstreifen. Macher ANDREAS PRODROMOU wechselt in seinem ersten Spielfilm immer wieder unbeholfen zwischen den Subgenres und verwirrt unnötig. Oftmals erweckt er damit den Eindruck, als habe er versucht zwei unterschiedliche Film zu einem zu machen. Das Frustpotenzial ist groß, denn als wäre der holprige Horrorquatsch nicht schon zäh und konfus genug, stößt EDEN LODGE auch noch mit haarsträubender Auflösung vor den Kopf. EDEN LODGE ist kein herausragender Gruselausflug, den man sich unbedingt vormerken sollte – auch wenn die schick animierte Eröffnungssequenz genau das Gegenteil vermuten lässt.
 
 


 
 
 

EDEN LODGE – Zensur

 
 
 
EDEN LODGE ist nicht besonders brutal. Der Film zeigt kurze Morde, wie man sie auch in jedem beliebigen Slasher zu sehen bekommt. So gibt es einen Tritt in eine Bärenfalle zu sehen und eine Heugabel wird durch einen Körper gejagt. Man darf davon ausgehen, dass die FSK eine Freigabe ab 16 Jahren vergeben wird.
 
 


 
 
 

EDEN LODGE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dark Circles (2013)
 
Roadside (2013)


Filmkritik: „The Nightmare“ (2015)

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THE NIGHTMARE

Story

 
 
 
Eine Horror-Dokumentation über das Phänomen Schlafparalyse und mysteriösen Begegnungen, die viele Betroffene während dieser Phase in Todesangst versetzen.
 
 
 


 
 
 

THE NIGHTMARE – Kritik

 
 
 
Stell dir vor du liegst im Bett und erwachst, kannst dich jedoch nicht mehr bewegen und erlebst Dinge, die dich zu Tode ängstigen. Zirka sechs Prozent der Menschen weltweit leiden regelmäßig unter sogenannter Schlaflähmung – ein Zustand, halb träumend halb wachend, in dem der Körper bewegungsunfähig ist. So auch Regisseur RODNEY ASCHER, der für seine Dokumentation ROOM 237 im Jahr 2012 von Kritikern gelobt und auf einschlägigen Filmfestivals mit Preisen ausgezeichnet wurde. In einem Interview erzählte er, dass er bereits selbst mit Schlafparalyse in Berührung kam. Er lebte während der 1990er in einer WG, erwachte morgens gegen vier im Bett und konnte sich weder bewegen noch um Hilfe rufen. Er fühlte sich von der schwarzen Silhouette eines dünnen Mannes beobachtet, die immer näher kam und sich über das Bett beugte. In seiner Todesangst versuchte er krampfhaft die Kontrolle über den Körper wiederzuerlangen. Nach mehreren Versuchen gelang es ihm sich aus dem Bett zu rollen. Weil ihm diese Schlaferfahrung eine Menge Sorgen bereitete, begann er das Thema genauer zu erforschen und nach Gleichgesinnten zu suchen. Im Internet wurde er fündig. Dort lernte er eine Menge Menschen kennen, die sich ganz eigene mythologische und philosophische Erklärungen zurechtgelegt hatten, um sich weitestgehend die Angst vor diesem Mysterium zu nehmen. Ascher war überwältigt und fasziniert zugleich. Daher beschloss er das Thema genauer zu beleuchten und begann mit der Arbeit zu THE NIGHTMARE – einer Dokumentation mit der er bereits bei Betroffenen und in Horrorfankreisen viel Aufmerksamkeit erregte.
 
 
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In THE NIGHTMARE folgt der Zuschauer den Berichten acht verschiedener Menschen, die alle unter dem Phänomen der Schlafparalyse leiden. Für die Betroffenen eine beklemmende Erfahrung, befinden die sich während des Schlafes in einer Art Schockstarre und können sich nicht mehr bewegen. Während dieser Phase begegnen die Leidtragenden dem Unbegreiflichen, für das sich nur schwer Worte finden lassen. So wird im Film von Schattenwesen, Dämonen oder geisterhaften Erscheinungen berichtet, denen Schlafgelähmte schutzlos ausgeliefert sind.
 
 
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THE NIGHTMARE liefert keine wissenschaftlich fundierten Aussagen über dieses Phänomen und lässt keine Experten auf dem Gebiet der Schlaflähmung zu Wort kommen. Vermutlich hätten rationale Erklärungen dem unheimlichen Mysterium die Angst genommen. Regisseur RODNEY ASCHER will nicht informieren, aufklären oder wachrütteln, sondern in erster Linie beunruhigen und Angst einjagen. Teilweise gelingt ihm das ganz gut, denn die vielen Erfahrungsberichte werden mit Schauspielern nachgestellt und gruselig in Szene gesetzt, damit der ein oder andere Schauer über den Rücken laufen kann. Leider ist THE NIGHTMARE nichts für Rationalisten. Im Film wird das nicht uninteressante Thema der Parawissenschaft zugeordnet, denn Ursachen oder Behandlungsmethoden werden nicht ergründet. Vielmehr ist das Augenmerk auf die Betroffenen gerichtet, die in Interviews von Dingen erzählen, die sie nicht erklären können.
 
 
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Auch wenn die unterschiedlichen Aussagen betroffener Menschen im Film ein flaues Gefühl hinterlassen und Macher RODNEY ASCHER etwas zu verkrampft darum bemüht ist viele schauderhafte Bilder aneinanderzureihen um Gänsehaut zu bescheren, wird der Zuschauer mit vielen Fragen zurückgelassen. Um nutzbare Informationen einzuholen muss der sich am Ende selbst die Mühe machen und recherchieren. Das ist bedauerlich, setzt man doch von einer Dokumentation voraus, dass sie Informationsgehalt liefert. Nach dem sucht man in THE NIGHTMARE vergebens. Denn statt die Thematik Schlaflähmung tiefer zu erforschen und darüber aufzuklären, wandelt THE NIGHTMARE ausschließlich auf Horrorpfaden – der Angst wegen. Am Ende bleibt die Frage nach dem Sinn. Was wollte RODNEY ASCHER mit seiner visuell ansprechend umgesetzten Dokumentation eigentlich bezwecken? Eine zufriedenstellende Antwort wird im Falle von THE NIGHTMARE nicht gegeben. Immerhin dürfte der Filmemacher mit der unverbrauchten Thematik mal wieder dafür sorgen, dass über ihn gesprochen wird. Der schnelle Dollar ist da garantiert, denn das ist doch letztendlich das worauf es im Filmgeschäft hinausläuft – oder?
 
 
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THE NIGHTMARE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Bizarr, erschreckend und unheimlich! THE NIGHTMARE ist eine der angsteinflößendsten Dokumentationen, die je gedreht wurden. In diesem Film wird ein äußerst kurioses Schlafereignis zum Mittelpunkt gemacht an dem knapp 6% aller Menschen auf unserem Erdball leiden: Schlaflähmung. Während dieses Zustands berichten Betroffene von vollständiger Bewegungsunfähigkeit und Begegnungen mit Geistern, Schattenwesen und sogar Außerirdischen. ROOM 237-Regisseur RODNEY ASCHER zeichnet für diesen filmischen Albtraum verantwortlich und verarbeitet quasi eigene Erfahrungen. Das macht er ganz geschickt, denn THE NIGHTMARE bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Dokumentation und Horrorfilm – ist aber am Ende mehr Horror als Doku. ASCHER reißt das Thema nur an, taucht aber nicht tiefgründiger ein. So bekommt der Zuschauer zwar gruslige Erfahrungsberichte von acht Leidtragenden zu sehen; wissenschaftliche Hintergründe werden jedoch nicht gegeben. Das ist bedauerlich, wird der Filmfan am Ende mit unnötig vielen Fragen im Unklaren gelassen. Immerhin sorgt THE NIGHTMARE für reichlich Gänsehaut, denn viele Erfahrungsberichte werden in Form kurzer Gruselszenen unheilvoll nachgespielt. Wer wohldosierte Schauer sucht, ist mit THE NIGHTMARE gut beraten! Viel Wissensgehalt bietet die Dokumentation dennoch nicht.
 
 


 
 
 

THE NIGHTMARE – Zensur

 
 
 
THE NIGHTMARE ist kein Horrorfilm, sondern eine Dokumentation mit finsterem Filmlook. Es wird vornehmlich von subtiler Angstmacherei Gebrauch gemacht. Gewalt gibt es gar nicht zu sehen. Einige unheimliche Bilder und deftige Schreckmomente sorgen aber für schaurige FSK-16-Unterhaltung. Aufgrund des Bonusmaterials wurde die erhältliche Heimkinoauswertung aber erst für Volljährige freigegeben.
 
 
 


 
 
 

THE NIGHTMARE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) polyband Medien GmbH / WVG Medien GmbH

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Nightmare; USA 2014

Genre: Horror, Dokumentation, Thriller

Ton:Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: Blu-ray: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung) | Film: FSK16

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover und im Schuber

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 30.10.2015

 

The Nightmare [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE NIGHTMARE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

Die Rechte für verwendete Grafiken liegen bei polyband Medien GmbH / WVG Medien GmbH

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Horsehead – Wach auf wenn du kannst (2014)
 
Before I Wake (2015)
 
A Nightmare on Elm Street (1984)
 


Filmkritik: „Demon Baby“ (2014)

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DEMON BABY

(WANDERING ROSE)

Story

 
 
 
Rose (Carina Birrell) und Theo (David Wayman) wollen die kränkelnde Beziehung in den Bergen Schottlands auffrischen. Bis Rose ällmählich dem Wahnsinn verfällt und sich der friedliche Campingausflug zum Albtraum entwickelt.
 
 
 


 
 
 

DEMON BABY – Kritik

 
 
 
Achtung Mogelpackung im Anmarsch, denn im Falle von DEMON BABY wird der Zuschauer mal wieder äußerst geschickt hinters Licht geführt. Die Filmtitel suggeriert nämlich das, was der Streifen gar nicht ist: teuflischer Okkult-Horror in dem der Leibhaftige wiedergeboren wird. Warum der anfänglich betitelte WANDERING ROSE eine reißerische Umbenennung erhalten musste, wirft Fragen auf. Man darf aber davon ausgehen, dass die Marketingabteilung des Produktionsstudios eine wesentliche Rolle bei der Neukreation des Titels gespielt haben dürfte, um den Film international besser vermarkten zu können.
 
 
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Statt einem teuflischen Kinovergnügen steht psychologischer Horror auf der Tagesordnung. Für den zeichnet einmal mehr jemand Unbekanntes verantwortlich, der erste Erfahrungen auf dem Gebiet des Filmemachens beginnt zu sammeln. Das ist bei Indie-Horrorfilmen mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr und hat bisher manch unentdecktes Talent zum Vorschein gebracht, das nun für große Studios in Hollywood Kinoerfolge am Fließband fabriziert. Doch kann CORRIE GREENOP legendären Regiegrößen wie SAM RAIMI oder PETER JACKSON das Wasser reichen, denen ebenso kleine Indie-Produktionen die Tür zur Traumwerkstatt geöffnet haben?
 
 
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In seinem ersten Film sind Rose (CARINA BIRRELL) und Theo (DAVID WAYMAN aus NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND) ein unverheiratetes Paar, das im Nordosten Schottland versucht zueinander zu finden. Die Beziehung liegt im Argen und Rose ist im dritten Monat schwanger, so dass die angeschlagene Bindung bei einem gemeinsamen Campingausflug etwas aufgefrischt werden soll. Leider wird das Liebesglück vor unerwartete Herausforderungen gestellt, denn inmitten der Wildnis fühlt sich Rose furchterregenden Bedrohungen ausgesetzt. Ein geisterhaftes Wesen scheint der verunsicherten Frau auf Schritt und Tritt zu folgen und die Begegnung mit einem Polizisten schürt Misstrauen. Als die werdende Mutter beginnt eine seltsame Paranoia gegenüber der eigenen Schwangerschaft zu entwickeln, kommt es zur Katastrophe.
 
 
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DEMON BABY ist erschütterndes Kopfkino, bei dem sich das Grauen im Kopf des Zuschauers manifestiert. Die mitleiderregende Figur der Rose erlebt im Film eine tragische Verwandlung, die Schuldgefühlen und Ängsten den Weg weist. Regisseur CORRIE GREENOP arbeitet mit Metaphern und Mehrdeutigkeiten – schlüssige Erklärungen werden nicht geliefert und die Vergangenheit der traumatisierten Filmheldin nur spartanisch beleuchtet. Wie sich im Verlauf des Streifens herausstellen wird, hat sich Rose für eine Abtreibung des Kindes entschieden und ist umso überraschter als der nichtsahnende Liebste beim Kuscheln von kleinen Schlägen unter der Bauchdecke seiner Freundin berichtet. Das lässt die Kindsmutter zweifeln, die plötzlich nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann und dem Wahnsinn verfällt.
 
 
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Mit Horror im herkömmlichen Sinne hat DEMON BABY nichts am Hut. Vielmehr verfolgt der Filmfreund den mentalen Abstieg einer jungen Frau, die in der Vergangenheit Schlimmes erlebt haben muss und alles dafür tut, dass der Partner nichts davon erfährt. Rose scheint ein unnatürliches Misstrauen gegenüber dem männlichen Geschlecht aufgebaut zu haben. Hier ist wohl auch der Grund des plötzlichen Schwangerschaftsabbruchs zu suchen. Hat Rose die Treue in ihrer Beziehung nicht ernst genommen oder wurde sie Opfer eines sexuellen Missbrauchs? Eine plausible Erklärung gibt CORRIE GREENOP nicht. Stattdessen spielt er mit Rückblenden und räumt dennoch genug Interpretationsspielraum ein, damit sich der Zuschauer am Ende – trotz überraschendem Twist – ein eigenes Urteil bilden kann.
 
 
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Dass DEMON BABY dann doch tiefgründiger ist, als der reißerische Titel vermuten lässt kommt nicht von Ungefähr. In einem Interview erklärte der Regisseur, dass er ein großer Fan südkoreanischer und japanischen Horrorfilmen ist, die nicht durch Splatter auffallen sondern durch psychologisches Grauen bewegen wollen. Ungewöhnlicherweise zählt er neben asiatischen Genre-Perlen wie THE EYE oder TALE OF TWO SISTERS auch den australischen THE BABADOOK zu seinen Favoriten. Letzterer ist dem Aufbau von DEMON BABY nicht unähnlich, erreicht aber nicht einmal ansatzweise dessen zermürbende Intensität. Wer sich trotzdem mit diesem psychologischen Horrordrama auseinandersetzen möchte, sollte sich nicht von dem auf Horror getrimmten Trailer und dem irreführenden Filmplakat verwirren lassen. Wie schon bei genanntem THE BABADOOK aus dem Jahre 2014 wurde auch das Marketing für DEMON BABY unglücklich geplant, das unheimlichen Geisterhorror verspricht. Leider sucht man Spuk und Gänsehaut im Film vergebens!
 
 


 
 
 

DEMON BABY – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein Genrefilm, der sprichwörtlich unter die Haut geht. DEMON BABY ist verstörendes Kopfkino mit tragischem Ausgang vor traumhafter Naturkulisse. Anders als der Titel und das Filmplakat vermuten lassen ist DEMON BABY jedoch kein Film in der Machart des Polanski-Klassikers ROSEMARIES BABY. Vielmehr protokolliert dieses Debütwerk den mentalen Abstieg einer von Schuldgefühlen zerfressenen Frau, die von den Dämonen ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Dabei verwendet Regisseur CORRIE GREENOP immer wieder Elemente aus asiatischen Geisterfilmen und legt so falsche Fährten. Die versuchen nicht nur den Zuschauer zu verwirren, sondern auch die scheinschwangere Protagonistin, die bald nicht mehr zwischen Fiktion und Realität unterscheiden kann. Demzufolge sollte man DEMON BABY (der mit WANDERING ROSE anfänglich einen anderen und weitaus plausibleren Titel besaß) mit dem Wissen sehen, dass es sich hier um keinen waschechten Horrorfilm handelt. Nur mit dieser Erwartungshaltung wird man nicht enttäuscht werden.
 
 


 
 
 

DEMON BABY – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt gibt es in DEMON BABY nicht zu sehen. Kein Wunder, handelt es sich hier eher um psychologischen Horror der nicht viel Blut zum Verstören benötigt. Die Protagonistin verletzt sich in der Dusche selbst und am Ende gibt es einen unerwarteten Mord zu sehen. Der wird aber nicht explizit gezeigt, denn die Kamera blendet weg. Sollte DEMON BABY hierzulande veröffentlicht werden erhalt er ohne Probleme eine FSK16.
 
 


 
 
 

DEMON BABY – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Babadook (2014)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
Devil’s Due – Teufelsbrut (2014)
 
Unborn – Kind des Satans (1991)
 
Delivery: The Beast Within (2013)
 
Dark Circles (2013)
 
The Devil Incarnate (2013)
 


Kritik: „The Operator – Eine Marble Hornets Story“ (2015)

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THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY

(ALWAYS WATCHING: A MARBLE HORNETS STORY)

Story

 
 
 
Einige sensationshungrige Reporter entdecken bei Dreharbeiten in einem Keller merkwürdige Videobänder einer spurlos verschwundenen Familie, auf denen eine dürre Kreatur im Anzug ihr Unwesen treibt. Das Filmteam wittert eine packende Story und forscht nach.
 
 
 


 
 
 

THE OPERATOR – Kritik

 
 
 
Was lehrt uns das Horror-Genre immer wieder? Dass man besser nicht die Nase in fremde Angelegenheiten steckt, denn Neugierde wird oft in dieser Art von Filmen mit einem schrecklichen Ableben bestraft. Manchmal ist es besser, wenn man nicht im Leben fremder Menschen herumschnüffelt, denn gerade im Horrorkino ist das Böse begierigen Hobbydetektiven meist stets einen Schritt voraus – eine Weisheit, die den Freunden in THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY (Originaltitel: ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY) womöglich das Leben gerettet hätte. Die drei Sensationsreporter gehören zu einem regionalen Nachrichtenteam und sind stets auf der Jagd nach möglichst reißerischen Titelgeschichten, um das Interesse der Zuschauer für sich gewinnen zu können. Während den Dreharbeiten zu einer Reportage über Zwangsvollstreckungen entdeckt man bei Streifzügen durch ein verlassenes Haus eine Kiste Videobänder im Keller. Auf denen beobachten die Freunde mysteriöse Dinge. Eine gesichtslose Gestalt im schwarzen Anzug scheint sich an die Fersen jener Familie geheftet zu haben, die bisher im Haus gewohnt hat. Schnell kommt man zu dem Schluss, dass die ehemaligen Eigentümer nicht von der Bank vertrieben wurden, sondern aus Angst vor einer unheimlichen Kreatur freiwillig das Weite gesucht haben. Was folgt, wird für das Reporter-Team kein gutes Ende nehmen. Sie wittern eine Topstory und versuchen das Geheimnis der Videobänder zu entschlüsseln, nichtsahnend, dass sie bald selbst ins Visier des „Operators“ geraten, der den Freunden die letzten Stunden ihres noch jungen Lebens zur Hölle machen wird.
 
 
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Sie sind wieder da: verwackelte Filmaufnahmen, die aus der Ego-Perspektive Horrorgeschichten erzählen. Was täte die Menschheit nur ohne die fiesen Schüttelorgien, die Zuschauer seit BLAIR WITCH PROJECT und PARANORML ACTIVITY regelmäßig zur Verzweiflung treiben? Vermutlich würden Hersteller von Kopfschmerzmedikamenten dann weitaus weniger Umsätze erzielen. Jegliche Kritik über die nicht enden wollende Flut an Found-Footage-Streifen scheint vergebens zu sein, denn die schwindelerregenden Filmdokumente werden wohl auch in den kommenden Jahren nicht von der Bildfläche verschwinden und weiterhin polarisieren. THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY ist waschechter Found-Footage, wie es im Buche steht und basiert auf der bekannten Webserie MARBLE HORNETS. Das Fanprojekt erfreute sich zwischen 2009 und 2014 im Netz großer Beliebtheit und machte sich dem Internet-Mythos des Slender Mans zu eigen. Weil sich um die Web-Reihe über Jahre eine internationale Fangemeinde gebildet hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis das Konzept der Serie ausgeschlachtet und irgendwie gewinnbringend auf die Leinwand gebracht werden musste.
 
 
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Zugegeben, die Macher der Kinoversion wissen wie sie Found-Footage-Fans zufriedenstellen müssen, denn THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY ist weitaus besser, als der schlechte Ruf jener Gattung Filme. Im Unterschied zur erfolgreichen Internetvorlage geht es in der Spielfilmumsetzung wesentlich flotter zugange, so dass kaum Zeit zum Verschnaufen bleibt. In einer Art Detektivspiel werden die neugierigen Protagonisten von einer Station zur nächsten getrieben und finden Anhaltspunkte, um das mysteriöse Verschwinden der eigentlichen Videotape-Eigentümer rekonstruieren zu können. Verfolgt werden sie dabei von einer gesichtlosen Kreatur im Anzug, die nur auf Videomaterial oder durch die Kamera selbst gesehen werden kann und selbstverständlich nichts Gutes im Schilde führt. Was in THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY passiert ist letztendlich nicht sonderlich originell. Zu sehen gibt es die fürs Genre bekannten, stets trivialen Schreckmomente (Stichwort: Filmhund!), die trotz Vorhersehbarkeit dennoch zusammenschrecken lassen. Zudem fehlen ebenso wenig Ton- und Bildausfälle, die immer dann auftreten, wenn das Böse mit seinen Opfern abrechnen möchte.
 
 
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Was den Film aber trotzdem über weite Strecken interessant macht, ist der zugrundeliegende Mythos des beängstigenden Slender Mans – ein fiktives Wesen, geschaffen in der modernen Internetkultur, das dank kreativer Nutzer durch Fotos, Videos, Computerspielen und dem Web selbst zu beachtlicher Popularität gekommen ist. Im Film wird die Kreatur schlicht als „Operator“ betitelt. Glücklicherweise wird über deren Herkunft kaum ein Wort verloren, so dass sich immer noch genügend Grauen im Kopf des Zuschauers entwickeln darf, damit dieser Gänsehaut bekommt. Vermutlich dürfte das Kopfkino aber nicht lang Bestand haben. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass finanziell lukrative Horrorfilme in Serie gehen und ihrer Illusionen beraubt werden müssen. Da THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY genug Potenzial und Substanz für weitere Fortsetzungen besitzt, dürfte es nicht verwundern, wenn auch dieses Franchise so lang gemolken wird, bis es keiner mehr sehen möchte.
 
 
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THE OPERATOR – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Gänsehaut verursachender Angstmacher: THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY (OT: ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY) ist über weite Strecken wirklich gruselig und macht jene Filmfans hellhörig, die sich immer noch nicht an Found-Footage-Streifen sattgesehen haben. Zugegeben, viel Neues gibt es hier nicht zu sehen. Dafür orientiert sich der auf der berüchtigten Webserie MARBLE HORNETS basierende Horrorbeitrag zu sehr am Einmaleins für Wackelfilme aus der Egoperspektive. Interessant macht den Film aber das eigensinnige Filmmonster, über das nicht viele Worte verschwendet wird. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass fehlende Erklärungen meist das Kopfkino des Publikums beansprucht. Das ist auch in THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY der Fall und wirkt weitaus verstörender, als den Film bis ins Detail zu analysieren und zu erklären, damit der Filmfan ruhig schlafen kann. Kurzum: dieser Streifen gehört zu den besseren Vertretern der Schüttelschocker.
 
 
 


 
 
 

THE OPERATOR – Zensur

 
 
 
Splatter und Gore ist hier Mangelware. Ein Held erhängt sich selbst und wandelt später als lebender Toter durch den Film. Ein anderer Protagonist wird mit einem Gewehr erschlagen. Da in THE OPERATOR – EINE MARBLE HORNETS STORY kaum Gewalt gezeigt wird, hat der Streifen hierzulande auch eine ungeschnittene FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE OPERATOR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UNIVERSUM PICTURES | SQUAREONE

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Always Watching: A Marble Hornets Story; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailershow, Originaltrailer

Release-Termin: 11.12.2015

 

The Operator – Eine Marble Hornets Story [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE OPERATOR – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller Grafiken liegen bei UNIVERSUM PICTURES und SQUAREONE)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Marble Hornets (2009 – 2014)
 
The Slender Man (2013)
 
Smiley (2013)
 
The Den (2014)
 


Filmkritik: „Paranormal Resurrection“ (2014)

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PARANORMAL RESURRECTION – DIE SCHATTEN DER EX

(ECHOES)

Story

 
 
 
Eine von Albträumen geplagte Drehbuchautorin wird von einem hartnäckigen Geist verfolgt, der der Leidgeplagten auf nicht sonderlich vertrauenserweckender Weise mitteilen möchte, dass ihm zu Lebzeiten etwas Tragisches passiert ist.
 
 
 


 
 
 

PARANORMAL RESURRECTION – Kritik

 
 
 
Nichts ist grausamer, als die Rache einer betrogenen Ehegattin. Weitaus beängstigender ist jedoch die Rache einer betrogenen Ehefrau, die schon längst das Zeitlich gesegnet hat. Rastlose Seelen, denen es nach Vergeltung dürstet sind im Spuk- und Geistergenre längst keine Seltenheit mehr. Dabei sind der Hartnäckigkeit und dem Einfallreichtum verbitterter Geisterwesen keine Grenzen gesetzt, schließlich gehört es mittlerweile auch im Geister-Genre zum guten Ton, wenn der Besuch aus dem Jenseits kreativ und schonungslos bestraft. Klassischer Rache-Spuk von der Stange kommt mit PARANORMAL RESURRECTION (der im Original ECHOES heißt) in die Heimkinos, der von Autor und Regisseur NILS TIMM fabriziert wurde. Der ambitionierte Regieneuling inszenierte bisher nur Kurzfilme und hat nun endlich seinen ersten Langfilm gedreht, der leider ohne Umwege direkt auf Heimkinomedium ausgewertet wird. Der Grund für die gestrichene Kinoauswertung liegt auf der Hand. Was in PARANORMAL RESURRECTION gezeigt wird, hat man bereits dutzende Male gesehen, will nicht sonderlich fesselnd und dürfte vermutlich auch keinen Originalitätspreis gewinnen.
 
 
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Anna (KATE FRANZÖSISICH) ist erfolgreiche Bloggerin und angehende Drehbuchautorin. Also ihr neues Drehbuch nicht gut vom Studio angenommen wird und erneut von der Autorin umgeschrieben werden soll, schlägt Freund Paul (STEVEN BRAND) vor hinaus in sein Glashaus zu fahren, um fernab von Trubel und Hektik etwas Entspannung zu finden. Für Anna eine gute Gelegenheit etwas Abstand zu gewinnen und neue Ideen zu sammeln. Doch auch im großzügig eingerichteten Luxusanwesen irgendwo in der Wüste kommt die strebsame Schriftstellerin nicht zur Ruhe. Albträume plagen sie und eine höhere Macht scheint ihr auf Schritt und Tritt zu folgen. Als Paul zu einem Geschäftstermin muss und Anna allein in seinem Glaskasten zurücklässt, überschlagen sich die Dinge. Etwas versucht mit der verängstigten Frau Kontakt aufnehmen zu wollen und hinterlässt Botschaften, die bald ein schockierendes Ganzes ergeben.
 
 
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PARANORMAL RESURRECTION – DIE SCHATTEN DER EX bietet klassischen Geisterstoff und versucht mit falschen Fährten für Verwirrung zu stiften. So wird die Protagonistin von einer unsichtbaren Kraft attackiert, quält sich mit seltsamen Albträumen und wird Zeuge unheimlicher Ereignisse für die sie keine rationalen Erklärungen findet. Was die Heldin bis dato noch nicht weiß, ist dem Zuschauer nach einer langen Liste ähnlich gestrickter Gruselstreifen einleuchtend. Ein Geist hat sich an die Fersen von Anna geheftet und er will ihr klar machen, dass ein tragisches Ereignis für seinen Tod verantwortlich ist. Was folgt gleicht einem Detektivspiel, schließlich geben Geister in solchen Machwerken bekanntlich erst dann Ruhe, wenn die Gründe für das frühzeitige Ableben ans Tageslicht kommen. So muss die Heldin tief in der Entstehungsgeschichte des gläsernen Wohnkastens stöbern und ein Puzzle aus Hinweisen rekonstruieren, weil ein zorniger Geist mal wieder nur spuken und nicht Tacheles reden möchte.
 
 
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Für seinen ersten Geisterfilm hat sich NILS TIMM für eine eher ungewöhnliche Kulisse entschieden, die man vermutlich in erster Linie nicht mit Spuk, Rache- und Poltergeistern in Verbindung bringen würde. Bis in staubige Wüstenlandschaft verfolgt Heldin Anna das Grauen, das sogar bei Tag nichts unversucht lässt, um die Protagonistin mit Rätseln zu verwirren. Die Suche nach Antworten erfolgt dabei nach bekanntem Muster. Anfängliche Visionen, Wahnvorstellungen und nichterklärbare Ereignisse münden in Besessenheit. Der Geist schlüpft in Anna und rächt sich durch die Hand der unwissenden Autorin. Aufgrund der vorhersehbaren Handlung nicht sonderlich interessant, wagt der Film keine Experimente, sondern orientiert sich beim Gruselkonzept vornehmlich an den Regeln konventionell gestrickter Mystery-Thriller in denen übernatürliche Dinge eine wesentliche Rolle spielen. Demzufolge bietet PARANORMAL RESURRECTION nichts Neues und erinnert in der Machart an Filme wie ECHOES – STIMMEN AUS DER ZWISCHENWELT oder SCHATTEN DER WAHRHEIT. Im Gegensatz zum Erstling aus der Mache von NILS TIMM konnten genannte Horror-Thriller mit Suspense und Gänsehaut überzeugen. Zutaten, die im hier besprochenen PARANORMAL RESURRECTION schmerzlich vermisst werden.
 
 
 


 
 
 

PARANORMAL RESURRECTION – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Unheimliches Rätselraten mit überraschenden Wendungen. PARANORMAL RESURRECTION (Originaltitel: ECHOES) ist klassischer Geisterspuk vor außergewöhnlicher Kulisse, dem es jedoch an Phantasie mangelt. Wer schon einige Geisterfilme auf dem Bildschirm hatte, dürfte allmählich erkannt haben, dass Geister den Lebenden meist Botschaften überbringen und von ihrem plötzlichen Ableben berichten wollen. Nichts anderes erzählt die Geschichte dieses immerhin handwerklich souverän inszenierten Debüts. Der Zuschauer begleitet in PARANORMAL RESURRECTION – DIE SCHATTEN DER EX eine verwirrte Heldin, die aus diversen Puzzleteilen ein tragisches Ereignis rekonstruiert, das die Grundlage für seichten Geister-Rachestoff bietet. Kein überragendes Meisterwerk. Dafür bietet PARANORMAL RESURRECTION zumindest Mystery-Fans kurzweilige 90 Minuten Schauerunterhaltung. Leider werden all jene mit diesem teils vorhersehbaren Gruselfilm nichts anfangen können, die bisher schon einige Geisterfilme im Heimkino gesehen haben. Neue Ideen sucht man in PARANORMAL RESURRECTION vergebens, was für Kenner des Geister-Genres schnell langweilig werden könnte.
 
 
 


 
 
 

PARANORMAL RESURRECTION – Zensur

 
 
 
PARANORMAL RESURRECTION – DIE SCHATTEN DER EX ist subtiler Mystery-Thriller in dem nicht viele Grausamkeiten gezeigt werden. Einem Charakter werden die Augen ausgedrückt. In einer anderen Szene sehen wir wie ein schlafender Protagonist mit einem Messer von der besessenen Anna erstochen wird. Der Film hat in Deutschland ohne Probleme die FSK mit einer Freigabe ab 16 Jahren passiert.
 
 
 


 
 
 

PARANORMAL RESURRECTION – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Kinokater | Lighthouse Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Echoes; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englischh DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 22.04.2015

 

Paranormal Resurrection – Die Schatten der Ex (Blu-ray) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

PARANORMAL RESURRECTION – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei Kinokater | Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jessabelle (2014)
 
Nightlight (2015)
 
Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt (1999)
 
Schatten der Wahrheit (2000)
 


Filmkritik: „Time Lapse“ (2014)

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TIME LAPSE

Story

 
 
 
Eine mysteriöse Kamera sagt drei Mittzwanzigern die Zukunft voraus. Doch die wundersame Gerätschaft stellt die Freundschaft auf die Probe, weil sie die wahren Gesichter der Freunde zum Vorschein bringt.

 
 
 


 
 
 

TIME LAPSE – Kritik

 
 
 
Geübte Filmfans wissen, dass das Manipulieren von Zeitlinien vor allen in Horror- und Mysteryfilmen nur selten ein gutes Ende nimmt. Bereits im Zeitreise-Thriller BUTTERFLY EFFECT (2004) richtete das Verändern von Zeitebenen ein heilloses Durcheinander an. Aber auch in THE CALLER (2011) oder FREQUENCY (2000) wurde der Zuschauer ziemlich eindringlich davor gewarnt, besser nicht mit Anrufern oder Hobbyfunkern aus einer früheren Zeit Kontakt aufzunehmen, um nachträglich Vergangenheit oder Zukunft beeinflussen zu können. TIME LAPSE macht da keine Ausnahme und ist ein weiterer in einer langen Reihe lehrhafter Mystery-Grusler, die den Filmfreund darauf hinweisen möchten, dass man das eigene Schicksale besser so hinnehmen sollte, wie es der liebe Gott vorbestimmt hat. Der bis dato unbekannte BRADLEY KING steckt hinter dem Zeitsprung-Thriller und liefert – wie so viele Nachwuchsregisseure in letzter Zeit auch – sein Regiedebüt ab, das scheinbar so gut beim Organisatoren-Team des alljährlichen Fantasy Filmfestes angekommen ist, dass er sogar 2014 ins Programm des beliebten deutschen Genre-Festivals aufgenommen wurde.
 
In TIME LAPSE finden Maler Finn, seiner Freundin Callie (aus GIRLS AGAINST BOYS) und Mitbewohner Jasper in der Wohnung ihres vermissten Nachbars eine seltsame Maschine, für deren mysteriöse Funktionen sie anfänglich keine Erklärung finden. Ein riesiges Objektiv ist auf das Wohnzimmerfenster der drei WG-Bewohner gerichtet und projiziert jeden Tag einen geheimnisvollen Schnappschuss auf Fotopapier, der den Freunden verrät, was exakt 24 Stunden später dort stattfinden wird. Für die drei eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten. So nutzt Finn die Voraussagungen, um nach einer Schaffenskrise erneut kreative Kunstwerke malen zu können. Jasper dagegen macht mit den magischen Eigenschaften das große Geld und verdient sich mit Wettspielen ein goldenes Näschen. Doch Habgier und Eifersucht treibt einen Keil zwischen die Freundschaft und macht aus Freunden schnell Feinde.
 
TIME LAPSE ist weder Fisch noch Fleisch. Einerseits gelingt Regisseur BRADLEY KING das Kunststück, sein Debüt trotz beschränktem Handlungsspielort spannend zu verpacken und so den Zuschauer bei Laune zu halten. Andererseits hat der Mystery-Thriller Probleme mit Glaubwürdigkeit und Logik, was vor allem Erbsenzähler wahnsinnig machen dürfte, denen hier unzählige Plotungereimtheiten sprichwörtlich auf dem Silbertablett serviert werden. So finden die drei Filmhelden in einer Abstellkammer die modrigen Überreste des früheren Besitzers jenes Fotoapparates, der den Freunden später die Zukunft voraussagen wird. Statt Hilfe herbeizurufen oder die Leiche der Polizei zu übergeben, verriegeln die drei Protagonisten lieber wieder die Tür der Kammer und überlassen den leblosen Körper den Würmern, damit man sich in Ruhe mit den magischen Eigenschaften der wundersamen Zeitmaschine auseinandersetzen kann. Leider sind die WG-Freunde keineswegs darum bestrebt, das Geheimnis der ominösen Gerätschaft ergründen zu wollen, sondern versuchen ausschließlich eigenen Vorteil aus den sonderbaren Funktionen der Maschine zu schlagen. Als schließlich doch noch eine ältere Dame unerwartet an der Haustür klopft und von weiteren Fähigkeiten des eigenartigen Fotoapparates berichten möchte, wird eine Waffe gezückt und ohne Vorwarnung auf die Unwissende geschossen.
 
Kein kluger Schachzug, was aber in TIME LAPSE nichts Ungewöhnliches ist, wird der Zuschauer hier nicht nur einmal Zeuge unerklärlicher Handlungsbeweggründe, die normal denkenden Filmliebhabern partout nicht einleuchten wollen. Die stereotypen Figuren handeln nicht nach logischem Menschenverstand. Viele ihrer Entscheidungen verursachen Unverständnis, wirken konstruiert und nicht nachvollziehbar. Hinzukommt, dass sich das von BRADLEY KING mitgepinselte Drehbuch viel zu oft an den Konventionen des modernen Genre-Kinos orientiert, wo Mord- und Totschlag eine wesentliche Rolle spielen und ein reißerisches Finale mit Überraschungstwist nicht fehlen darf. Die Vorhersehbarkeit schmälert den Filmgenuss, weil dem Zuschauer ziemlich schnell klargemacht wird, vorauf die Geschehnisse des Film hinauslaufen sollen. Etwas weniger Konventionalität hätte daher gut getan, weil TIME LAPSE gerade wegen seiner immerhin unverbrauchten Idee genügend Unterhaltungswert und makabre Einfälle verspricht, damit der Genre-Fan bis zum Abspann geduldig vor der Glotze sitzen bleibt.
 
Dass der Film trotz vieler Defizite besser ist, als manch andere Debüt-Gurke liegt vor allem an den guten Schauspielern, die hier hervorragende Arbeit abliefern – auch wenn ihnen das Drehbuch nicht sonderlich viel abverlangt und die Charakterentwicklung nach bekanntem Schema verläuft. Kurzum: TIME LAPSE hatte reichlich Potenzial, das letztendlich nur bedingt ausgeschöpft wurde, weil man etwas zu halbherzig an der Geschichte gefeilt hat. Für einen verregneten Sonntagnachmittag reicht es dennoch allemal.
 
 
 


 
 
 

TIME LAPSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Spannender Mystery-Horror mit Überraschungseffekt. Das Filmdebüt von BRADLEY KING hätte ein richtig guter Sci-Fi-Streifen werden können, wäre der Film nicht zugemüllt mit dutzenden Ungereimtheiten, über die sich der Zuschauer am Ende den Kopf zerbrechen dürfte. Sicher ist die Zeitsprung-Geschichte von einem überdimensionalen Fotoapparat, der die Zukunft voraussagt nicht uninteressant. Trotzdem hinterlässt TIME LAPSE einen faden Nachgeschmack, weil die Protagonisten des Films so dämlich handeln, dass gesunder Menschenstand allein nicht ausreicht, um nachvollziehen zu können, warum sich die drei Helden so verhalten, wie sie sich verhalten. Auch wenn sich TIME LAPSE trotz Indie-Status ziemlich streng am konventionellen Horror-Kino orientiert und früh klar wird, wie der Mystery-Thriller ausgehen wird, verspricht TIME LAPSE vermutlich gerade deswegen knapp 90 Minuten solide Horror-Unterhaltung – mehr aber auch nicht.
 
 
 


 
 
 

TIME LAPSE – Zensur

 
 
 
Bis auf einige Schusswunden, sowie Stichen und Schläge mit Haushaltsgegenständen gibt es in TIME LAPSE nichts zu sehen, was für Fans härterer Filme an Interesse wäre. Zwar fließt Blut, aber der Gewaltgehalt hält sich in Grenzen. Demzufolge kommt TIME LAPSE mit FSK16 in die Händlerregale.
 
 
 


 
 
 

TIME LAPSE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Triangle (2012)

Coherence (2013)

Timecrimes – Mord ist nur eine Frage der Zeit (2007)

Butterfly Effect (2004)

Mine Games (2012)

Frequenzy (2000)


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