Filmkritik: „Sator“ (2019)

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SATOR

Story

 
 
 

Adam lebt alleine und abgeschieden im Wald, um auf ein Wesen namens Sator zu warten, welches seine Familie schon lange beeinflusst.

 
 
 


 
 
 

SATOR – Kritik

 
 
 
Es gibt Filme, die einen irgendwie beeindrucken können und einem trotzdem nicht so richtig gefallen wollen. „Sator“ ist genau so ein Fall, denn eigentlich ist das Werk höchst interessant, besonders wenn man die Hintergrundgeschichte erfährt, aber gleichzeitig ist das dermaßen langsam, sperrig und zeitweise leider dadurch eben auch langweilig, dass viel vom Reiz abhanden kommt.
 
 
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Die Großmutter erzählte immer wieder von Sator, einem seltsamen Wesen, das tief in den Wäldern sein Unwesen treibt, das Leute manipuliert und zu sich kommen lässt. Adam hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wesen zu stellen, denn es hat seine Familie lange genug beeinflusst. Dazu zieht er in eine einsame Hütte und wartet jeden Tag in den Wäldern erneut auf Sator. Lange Zeit geschieht nichts, doch dann meldet sich Sator plötzlich. Jordan Graham schrieb das Drehbuch selbst und veränderte es wohl im Laufe der Zeit, denn seine Großmutter wurde wirklich dement und schrieb innerhalb von drei Monaten zahlreiche Seiten, in denen sie immer wieder von Sator berichtete. Selbst wenn das natürlich nur der Fantasie eines kranken Geistes entstammt, besitzt „Sator“ deshalb mehr Bezug zur Realität, als es im Horrorfilm üblich ist. Graham bastelte daraus eine Story, die mit keiner Auflösung daherkommt und allgemein kaum etwas erklärt. Darauf muss man sich schon einlassen mögen, denn eine typische Geschichte ist das hier nicht. Sowieso lebt der Film aber viel eher von seinen Bildern, als von der Story selbst.
 
 
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Man kann hier schon von einem echten Autorenfilm sprechen, denn Graham machte fast alles im Alleingang. Von ihm stammt das Drehbuch, er übernahm die Regie, die Produktion, war als Editor tätig und auch für die Soundkulisse verantwortlich. Gekostet hat ihm sein zweiter Langfilm gute fünf Jahre und so viel Herzblut verdient Anerkennung. Sogar seine echte Großmutter ist im Film zu sehen. „Sator“ lebt von der starken Bildersprache und den Naturkulissen, denn gedreht wurde viel in einem Nationalpark und das gibt enorm viel her. Der Wald erfüllt seinen Zweck als gruselige Kulisse voll und ganz, zaubert nebenbei aber auch wunderschöne Bilder daher. Wenn es Nacht wird, dann ist hier auch wirklich alles sehr düster. Während Filme mit größerem Budget meistens bestens ausgeleuchtet sind, stammt hier das einzige Licht von einer Taschenlampe und das ist dann gleich viel wirkungsvoller. Eigentlich ist das alles sehr simpel gestaltet und auch beim Wesen Sator selbst musste nicht viel getrickst werden. Manchmal erreicht gerade so etwas jedoch eine viel größere Wirkung und es gibt definitiv ein paar Szenen, die stark sind und so schnell nicht mehr zu vergessen sind. Die Atmosphäre könnte düsterer kaum sein und der Horror entfaltet sich dermaßen subtil, dass man schon eine Gänsehaut bekommen kann. Dazu gesellen sich simple Soundeffekte, die ebenfalls wirkungsvoll sind.
 
 
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So positiv das bis hierhin auch klingen mag, „Sator“ ist im Endeffekt bedauerlicherweise ziemlich langweilig, denn das Tempo ist gnadenlos langsam. Am Anfang gibt es oftmals Rückblicke, die in Schwarzweiss und im 4:3 Format daherkommen. Hieraus entsteht fast eine Art Drama, aber nach einer gewissen Zeit bremsen sie das Geschehen nur noch aus. Die Horrorszenen sind wirklich gut gemacht, kommen aber eigentlich gar nicht mal so oft vor. Immer dann, wenn man hofft, dass es jetzt mal richtig losgehen würde, ist es auch schon wieder vorbei. So muss man am Ende doch sagen, dass höchstens die Hälfte der 85 Minuten Laufzeit einen guten Unterhaltungswert besitzen. Dass die Darsteller, von denen es sowieso nicht viele zu sehen gibt, nebenbei nicht wirklich viel zu tun haben und es nicht mal viele Dialoge zu hören gibt, macht die langsame Art und Weise noch erdrückender.
 
 


 
 
 

SATOR – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Es ist wirklich schade, dass „Sator“ so wenig zu unterhalten vermag, denn vom Handwerk her wurde er sehr gut gemacht. Die Kulissen sind toll, die Horrorszenen sind unheimlich und nebenbei beweist der Film, dass man auch mit simplen Mitteln herausragende Wirkungen erreichen kann. Auf die Story, die im Endeffekt nichts erklärt, muss man sich allerdings einlassen und wenn man nicht den Hauch eines Faibles für ruhigere Horrorkost besitzt, dann ist man hier vollkommen an der falschen Adresse. Das Ergebnis besitzt ganz starke Momente, aber auch viel Füllmaterial, welches einfach langweilt, weshalb trotz der vielen, positiven Seiten keine höhere Wertung als der Durchschnitt drin ist!
 
 
 


 
 
 

SATOR – Zensur

 
 
 
Der Streifen besitzt nur eine blutige Szene und dürfte ohne Probleme in Deutschland bei Veröffentlichung eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Der Film lief bisher nur auf dem Hardline Filmfestival. Immerhin ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

SATOR – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Yellow Veil Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blair Witch Project (1999)
 
The Witch (2015)
 

Filmkritik: „Luz: The Flower of Evil“ (2019)

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LUZ: THE FLOWER OF EVIL

(LUZ)

Story

 
 
 

In einem kleinen Dorf in den Bergen entwickelt sich die Suche nach Gott für die Einheimischen langsam aber sicher zum echten Untergang.

 
 
 


 
 
 

LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Kritik

 
 
 
In den letzten Jahren hat der subtile und langsame Horror wieder deutlich an Beliebtheit gewonnen, was z.B. Filme wie „Hagazussa“ oder „Midsommar“ bewiesen haben. Auch „Luz: The Flower of Evil“ aus Spanien bedient sich an der Langsamkeit. Er bietet keinen Horrorfilm per se, sondern spielt vor allen Dingen mit dem Thema Menschlichkeit. Das Resultat wird bei weitem nicht jeden gefallen, aber dass man hier überragende Bilder serviert bekommt, ist nun wirklich nicht zu leugnen.
 
 
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Das Geschehen spielt sich weit abgeschieden in den Bergen ab. Welche Zeit man schreibt, erfährt der Zuschauer nicht direkt, denn das Zeitalter ist in dieser Natur sowieso nicht relevant. El Señor führt seine drei Töchter und die paar Dorfbewohner an, in dem Glauben, dass er ein Prophet sei und bald Jesus finden wird, der alle von ihren Sünden reinwäscht. Seine Frau ist vor einiger Zeit schon gestorben und die drei Töchter vermissen sie sehr. Als Uma immer mehr beginnt, das Gesprochene von El Señor in Frage zu stellen, bahnt sich bald eine Katastrophe an. Das Drehbuch lässt sich gut als religiöse Parabel verstehen und besteht aus Inhalten, die nicht immer so ganz leicht auf der Hand liegen. Vieles bleibt interpretationswürdig und der Zuschauer erhält kaum Informationen über die Hintergründe. Selbst das Ende ist ziemlich offen und das Schöne an dieser Handlung ist, dass jeder sie anders auffassen kann. Trotzdem ist klar erkenntlich, dass sich die Geschichte sehr mit dem Mensch an sich auseinandersetzt, mit seinen Taten, seiner Herkunft und seiner Bestimmung. Antworten gibt es auf all diese Dinge jedoch kaum. Man kann mit diesem Drehbuch seine Freude haben, aber man muss es nicht zwangsläufig mögen, weil „Luz“ nebenbei dermaßen sperrig gestaltet wurde, dass absolut nicht jeder Filmfreund damit etwas anfangen können wird.
 
 
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Der Kolumbianer Juan Diego Escobar Alzate, der neben der Regie auch noch das Drehbuch schrieb und weitere Funktionen übernahm, liefert mit diesem Werk sein Langfilmdebüt ab und dass er schon viel Erfahrung mit Kurzfilmen etc. sammeln konnte, sieht man „Luz“ deutlich an. Die größte Stärke besitzen die Bilder der Natur. Egal ob es knallbunte Farben der grünen Wiesen sind oder Bilder der Sterne bei Nacht – Das sieht alles phänomenal aus und bietet enorm hohe Schauwerte. Ja, da fühlt man sich teilweise wirklich wie in einem Heimatfilm und die Filter, die man hier verwendet hat, könnten besser gar nicht gewählt sein. Hinzu gesellt sich allgemein noch eine schöne Bildersprache und es gibt durchaus Szenen, die sich in die Netzhaut einbrennen. Am meisten verloren hat allerdings derjenige, der hier einen richtigen Horrorfilm erwartet, denn abgesehen von dämonischem Flüstern und einer Ziege als Symbol für den Teufel, gibt es hier keinerlei Elemente, die jemals etwas mit übernatürlichem Horror zu tun haben. Das Grauen entsteht hier eher unterschwellig und ist rein menschlicher Natur. Das sorgt hinterher für eine sehr unangenehme Szene, die an die Nieren geht, aber ansonsten ist auch von roter Farbe nie viel zu sehen.
 
 
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Selbst wenn man die richtige Erwartungshaltung mit bringt, muss man nebenbei sehr tolerant für Längen sein, denn „Luz“ ist reichlich langsam aufgebaut. Eine Weile lang kann man sich von den tollen Bildern berauschen lassen, aber nach einer gewissen Zeit kann das religiöse Gerede auch mal ein wenig penetrant werden. Zum Finale hin wird das Tempo ganz kurz etwas angehoben, was für eine kleine Portion Spannung sorgt, aber ansonsten macht es einem der Unterhaltungswert mit seinen 104 Minuten Laufzeit alles andere als leicht. Es mangelt etwas an Abwechslung und es dauert zu lange, bis das Geschehen zu seinem Höhepunkt findet. Dafür bekommt man allerdings ordentliche Darsteller zu sehen. Conrado Osorio, mit der definitiv schwierigsten Rolle, kann sich sehen lassen. Seine drei Töchter werden von Yuri Vargas, Sharon Guzman und Andrea Esquivel auch sehr zweckdienlich gespielt und alle anderen Darsteller sind sowieso kaum zu sehen. Eine tiefere Figurenzeichnung sollte man übrigens auch nicht erwarten, denn diese muss man sich schon selbst erarbeiten bzw. sollte man hier ebenfalls bereit sein, gewisse Interpretationen zu treffen.
 
 
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LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
„Luz: The Flower of Evil“ ist eigentlich ein typischer Love-it-or-hate-it-Film geworden, der starke Geschmackssache ist. Den Zuschauer erwarten grandiose Bilder der Natur, die perfekt eingefangen wurden. Ihn erwartet jedoch auch eine Laufzeit, die mit Längen um sich wirft und selten so richtig auf den Punkt kommen will. Das wird gut gespielt, ist handwerklich echt toll gemacht und bietet eine Geschichte, über die man sich Gedanken machen muss, ist nebenbei aber auch so sperrig, dass einem das nicht gefallen muss. Etwas mehr Tempo, ein Hauch mehr Horror und ein wenig mehr Abwechslung hätten „Luz“ jedenfalls gut getan, aber auch so sollte jeder Arthouse-Fan dem Werk mal eine Chance geben!
 
 
 


 
 
 

LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Zensur

 
 
 
In „Luz: The Flower of Evil“ gibt es nur eine derbe Szene zu sehen, in der einer Schwangeren ihr Baby aus dem Bauch geschnitten wird. Die Kamera hält dabei allerdings nicht detailliert drauf, so dass es nicht zu explizit wird. Der ungewöhnliche Genre-Beitrag dürfte ohne Probleme eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten, was wohl auch daran liegen dürfte, weil der Film mehr Arthouse ist, als blutrünstiger Horrorschocker.
 
 
 


 
 
 

LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei MPI Media | Mad Dimension)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Sacrament (2013)
 
The Devil’s Hand – Vergib mir Vater, denn ich habe gesündigt (2014)
 
Midsommar (2019)
 
Hagazussa – Der Hexenfluch (2017)
 
The Witch (2015)
 
The Other Lamb (2019)
 

Filmkritik: „Al Morir la Matinée“ (2020)

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AL MORIR LA MATINÉE

Story

 
 
 

Wer sich zur Vorstellung des Todes wagt, ist bei „Al Morir la Matinée“ genau richtig, denn in diesem Kino verlässt das Publikum den Saal bestimmt nicht lebendig.

 
 
 


 
 
 

AL MORIR LA MATINÉE – Kritik

 
 
 
Horrorkost aus Uruguay ist nun sicher nicht alltäglich; hochwertige Horrorkost aus Uruguay bestimmt sogar noch viel seltener. Gerade Slasherfans werden mit „Al Morir la Matinée“ auf ihre Kosten kommen und wer das Horrorkino der 70er und 80er Jahre zu schätzen weiß, sollte hier durchaus auch mal einen Blick riskieren.
 
 
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Das Geschehen spielt sich in einem Kino ab, welches früher mal prächtig war, mittlerweile aber ziemlich heruntergekommen ist. Tochter Ana löst ihren kranken Vater für die Vorstellungen ab, obwohl sie eigentlich viel eher für ihr Examen lernen müsste. Während lediglich eine handvoll Zuschauer sich einen Exploitationsstreifen anschauen, geht ein Killer im dunklen Saal umher und metzelt einen nach dem anderen nieder. Nun, innovativ ist diese Story sicher nicht, aber das ist im Slasher nun auch eher selten der Fall. „Al Morir la Matinée“ lässt sich ganz klar als große Hommage an das Horrorkino der 70er und 80er Jahre bezeichnen, was man alleine schon an den ganzen Filmplakaten im Hintergrund erkennt. Etwas schade ist lediglich, dass man sich keinen größeren Plot ausgedacht hat, denn nicht selten spielt man im Slasher gerne mal mit der Identität des Killers. Eine Auflösung hält die Story hier jedoch nicht parat. Simpler könnte es wirklich kaum sein, aber gerade weil die Umsetzung sich doch sehen lassen kann, verzeiht man dem Werk das ganz gerne.
 
 
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Regisseur Maximiliano Contenti besitzt eine echte Leidenschaft für das ältere Horrorkino und das erkennt man. „Al Morir la Matinée“ ist erst sein zweiter Langfilm und gerade wenn man bedenkt, dass man sich hier völlig in Low-Budget-Kreisen bewegt, kann sich das Resultat doch echt sehen lassen. Das Kino als Schauplatz mag auf Dauer etwas eintönig sein, zaubert jedoch eine wunderbare Atmosphäre hervor. Da lässt sich die Liebe für’s Kino absolut erkennen und man fühlt sich fast selbst wie das Publikum im Saal. Die Horror-Anteile lassen sich zwar etwas Zeit, doch wenn der Killer dann zuschlägt, geht es auch ganz gut zur Sache. Mittlerweile mag man Härteres gewöhnt sein, doch in den 80ern wäre das in Deutschland sicherlich nur gekürzt erschienen. Der nächste Pluspunkt ist: Die Effekte sind herrlich altmodisch von Hand gemacht und sehen sogar ziemlich gut aus. Leider geht der Killer nicht besonders abwechslungsreich zur Sache, aber die Morde sind dennoch brachial genug, um den Gorehound zufrieden zu stellen. Daneben gibt es immer mal wieder ein schönes Spiel mit Lichtern und Farben (was schon fast etwas an einen Giallo erinnert) und allgemein kann man der handwerklichen Arbeit für diese Preisklasse nicht viel vorwerfen.
 
 
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Nun ist nicht alles Gold, was glänzt und auch „Al Morir la Matinée“ besitzt seine Schattenseiten. Etwas bedauerlich ist, dass der Film recht langsam ist. Bis es überhaupt mal etwas zur Sache geht, ist bereits über ein Drittel der Laufzeit vorüber. So richtig böse sein, will man dem Werk dafür zwar nicht, weil die Atmosphäre einfach stimmt, aber trotzdem sind die Highlights zu selten vertreten. Hinterher kommt zwar noch etwas Spannung auf, weil sich die finalen Opfer auch zu wehren wissen, aber so richtig aufregend will das niemals werden und so stellt das Geschehen eher seichte Slasher-Kost dar. Angenehm hingegen sind die Darsteller, die zwar echt nicht besonders viel zu tun haben, aber ihre Sache passabel machen und überhaupt nicht stören. Die Figurenzeichnung ist (nahezu obligatorisch) kaum präsent und ein echtes Mitfiebern mit den Charakteren stellt sich alleine deshalb schon ein, aber immerhin ist hier niemand nervig und die Sympathien stimmen soweit. Abgerundet wird das Geschehen von einem herrlichen Retro-Score, der einfach perfekt passt.
 
 


 
 
 

AL MORIR LA MATINÉE – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
„Al Morir la Matinée“ ist ein Film für echte Slasherfans, die handgemachten Splatter zu schätzen wissen. Gerade die Atmosphäre dieses Retro-Horrors ist sehr gelungen. Zwar gibt die Story nahezu nichts her, aber der Schauplatz weiß zu gefallen und die Darsteller agieren allesamt sehr erträglich. Die handwerkliche Arbeit ist überraschend hochwertig und genügend Blut fließt definitiv. Leider besitzt der Film so seine Längen und ist im Endeffekt einfach kaum aufregend, aber als Hommage an das alte Horrorkino ist das hier absolut zu gebrauchen. Sympathisch!
 
 
 


 
 
 

AL MORIR LA MATINÉE – Zensur

 
 
 
Der Film ist ziemlich blutig und besitzt eine beachtliche Anzahl an Splatterszenen – meistens wird hierbei mit dem Messer vorgegangen. Ein Titel wie „Al Morir la Matinée“ wäre in den 1980ern hierzulande sicher nur geschnitten in die Videotheken gekommen. Heutzutage dürfte aber einer ungeschnittenen FSK18 Freigabe nichts im Wege stehen.
 
 
 


 
 
 

AL MORIR LA MATINÉE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Yukoh Films | RBS | Reel Suspects)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Im Augenblick der Angst (1987)
 
Final Cut – Die letzte Vorstellung (2014)
 
Edge of the Axe (1988)
 
Behind the Mask (2006)
 

Filmkritik: „Kumanthong“ (2019)

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KUMANTHONG

(THAT SON TAM LINH)

Story

 
 
 

In „Kumanthong“ wird frei die Geschichte des ersten vietnamesischen Serienkillers nacherzählt.

 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Kritik

 
 
 
Viele Länder haben so ihre berüchtigten Serienkiller und Namen wie Jack the Ripper, Jeffrey Dahmer etc. werden wohl den meisten etwas sagen. Dass auch Vietnam seine Serienkiller hatte, wird hingegen nicht vielen bekannt sein. In „Kumanthong“ bekommen wir nun die Geschichte des ersten offiziellen Serienmörders dieses Landes erzählt. Das Ergebnis ist allerdings viel mehr ruhiges Drama, als echter Thriller geworden und besitzt leider zahlreiche Längen.
 
 
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Die taubstumme Soi lebt in einem kleinen Dorf und wird von den meisten Bewohnern wie eine minderwertige Behinderte behandelt. Eines Tages kommt der fremde Huynh ins Dorf. Er ist ein Schamane und kann sein Talent gleich unter Beweis stellen, weshalb er auch seine eigene Praxis errichten kann. Außerdem nimmt er Soi zu seiner Frau. Sie könnte damit eigentlich glücklich sein, aber bald muss sie herausfinden, dass Huynh für seinen Kumanthong-Zauber die Knochen von Menschen braucht und um diese zu bekommen, muss er töten. Die Handlung basiert auf wahren Begebenheiten, wurde aber mit der Fantasie der Drehbuchautoren angereichert und erzählt diese Geschichte nun wohl sehr frei nach. Die Zutaten der Story sind definitiv nicht verkehrt und werden soweit auch gut genutzt, nur dauert es viel zu lange, bis die Handlung mal an Fahrt aufnimmt. Das westliche Publikum könnte so seine Probleme haben mit der Herangehensweise warm zu werden.
 
 
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Der Einstieg fällt dabei durchaus interessant aus. Das Dorf, in dem sich alles abspielt, bietet wirklich die reine Natur und ist als Schauplatz eines Serienkiller-Films mal etwas gänzlich anderes. Auch die Tatsache, dass die Hauptfigur taubstumm ist, ist nichts alltägliches in solchen Filmen. Allerdings sorgen gerade diese Faktoren hinterher dafür, dass keine echte Spannung aufkommen will. Man entwickelt als Zuschauer keinen richtigen Draht zu Soi. Dass sie insgesamt schlechte Karten hat, ist glaubwürdig und dennoch will sich der Verlauf der Handlung nicht so richtig erschließen. Nachdem Huynh anfangs als super sympathischer Doktor eingeführt wurde, wandelt er sich zum echten Psychopathen, was ebenfalls nicht so glaubwürdig daherkommt, selbst wenn seine Background-Story die Erklärungen liefert. Nein, die Figurenzeichnung ist in „Kumanthong“ nicht sonderlich gut gelungen, weil sie sich auf der einen Seite bedeutungsschwanger gibt und auf der anderen Seite doch nur oberflächlich bleibt. Die recht überschaubare Anzahl an Darstellern macht dabei einen soliden Job und man kann sich über die Leistungen nicht beklagen, doch so richtig markant will das alles nicht wirken und es wird schnell wieder aus dem Gedächtnis verflogen sein.
 
 
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Für Regisseur Le Binh Giang stellt „Kumanthong“ erst der zweite Film dar, nachdem er mit seinem ersten wohl massive Probleme hatte. Aus handwerklicher Sicht kann man dem Werk nicht viele Vorwürfe machen. Die Kulissen haben durchaus etwas für sich und ein wenig experimentell wird es mit seltsamen Rückblicken/Visionen auch noch. Trotzdem ist der Stil noch ausbaufähig und wirkt manchmal etwas zerfahren. Nach einem sehr zähen Mittelteil, in dem eigentlich viel und dennoch kaum etwas geschieht, gibt es immerhin noch ein halbwegs spannendes Finale zu verfolgen. Trotzdem ziehen sich die rund 100 Minuten Laufzeit ganz schön in die Länge. Es gibt wenig Spannung und viel Drama, welches aber aufgrund des fehlenden Drahts zu den Figuren nicht richtig wirken kann. Hinzu gesellt sich noch ein manchmal viel zu theatralischer Score, der teilweise sehr gut passt, teilweise aber auch echt zu sehr übertreibt.
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
In seinem Heimatland soll „Kumanthong“ wohl ein Erfolg gewesen sein, aber für ein westliches Publikum ist das nur bedingt empfehlenswert. Auch wenn man gerne mal die „anderen“ Filme schaut, bekommt man hier zu viele Längen geboten, um sich jemals richtig unterhalten zu fühlen. Die Grundzutaten sind dabei echt nicht verkehrt. Sowohl die Story ist interessant, wie auch die handwerkliche Arbeit. Außerdem sind die Darsteller brauchbar. Im Endeffekt gibt es aber zu viel unausgegorenes Drama und zu nichtssagende Charaktere. Wer am vietnamesischen Kino interessiert ist, sollte sich am besten selbst ein Bild davon machen, denn gute Seiten besitzt „Kumanthong“ definitiv, aber er ist nebenbei leider oftmals ziemlich langweilig!
 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Zensur

 
 
 
In „Kumanthong“ geht es zwar um einen Serienkiller; die Ereignisse sind aber nicht drastisch bebildert. Zwar geht es in ein paar Szenen etwas derber zur Sache, explizit wird es aber kaum. „Kumanthong“ dürfte in Deutschland problemlos ungeschnitten eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Galaxy Studio | Galaxy M&E)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bedevilled – Zeit der Vergeltung (2010)
 
Manhole – Bedrohung von unten (2014)
 
The Wailing (2016)
 

Filmkritik: „Star Light“ (2020)

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STAR LIGHT

Story

 
 
 

Ein hilfsbereiter Jugendlicher rettet eine verletzte Teenagerin unbeabsichtigt aus den Fängen eines mysteriösen Fremden und bringt sich damit selbst in Lebensgefahr.


 
 
 


 
 
 

STAR LIGHT – Kritik

 
 
 
Es mag ja Schauspieler geben, die sich fleißig durch Horrorfilme schreien und bei denen man dennoch das Gefühl hat, sie noch nie zuvor gesehen zu haben. Die attraktive SCOUT TAYLOR-COMPTON ist so ein Fall und das, obwohl sie B-Horror und Low-Budget-Schnarcher am Fließband dreht. Wer schon einige Horrorfilme gesehen hat, die auf FILMCHECKER vorgestellt wurden, wird die junge Dame daher schon einige Male auf der Mattscheibe gesehen haben. Leider dürfte man sich an deren Auftritte nur schwer erinnern können. Der Grund: Durchschnittliche bis schlechte Horrorfilme – darunter GHOST HOUSE, THE LURKER, 247°F oder THE BEAST WITHIN. Die Reihe an wenig erwähnenswerten Arbeiten wird nun um eine weitere Hauptrolle ergänzt. Im Film STAR LIGHT spielt die Schauspielerin einen verwirrten Musikstar, der ein schauriges Geheimnis bewahrt. Als hätte man es bei einer langen B-Movie-Vita geahnt, ist auch STAR LIGHT ein Billig-Schnellschuss. Der bringt zwar gute Horror-Veraussetzungen mit, macht aber nichts Nennenswertes daraus. Da kann man es der smarten Darstellerin nur wünschen, dass sie endlich mal vom Glück gesegnet wird und an ein gutes Drehbuch gerät. SCOUT TAYLOR-COMPTON kann nämlich weitaus mehr als hübsch.
 
 
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Eigentlich sollte Dylan (CAMERON JOHNSON) bei einem Abendessen den neuen Freund der Mutter kennenlernen. Doch es kommt zum Streit und der Teenager macht sich beim Videospielen in einer Tankstelle Luft. Hier wird er in einen Strudel seltsamer Umstände gezogen, denn ein verletztes Mädchen (SCOUT TAYLOR-COMPTON) fällt dem Halbstarken genau vor die Füße. Was tun? Ganz einfach: Dylan rettet das arme Ding und bringt es in das Haus des besten Freundes, wo gerade eine Privatparty gefeiert wird. Die findet aber nun ein jähes Ende, denn schon bald passieren seltsame Dinge, die sich die Jugendlichen nicht erklären können. Offenbar ist der Verursacher die gerettete Bebe. Deren Anwesenheit entwickelt sich plötzlich zur Gefahr, denn ein Fremder hat sich an die Fersen der attraktiven Blondine geheftet und hat mit dem Mädchen noch ein Hühnchen zu rupfen. Der kennt vor nichts und niemandem Gnade – auch nicht vor unseren Freunden. Das Resultat: Schreiende Teenager und blutiges Allerlei.
 
 
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STAR LIGHT ist ein zweischneidiges Schwert. Die erste Hälfte ist nämlich ganz passabel. Während Held Dylan vorgestellt und in eine Situation getrieben wird, die sich Protagonisten wie Zuschauer nicht erklären können, kippt die Stimmung just mit der Halbzeit und mündet in ein kunterbuntes Gemetzel, in dem es nur noch darum geht, wer als nächstes stirbt und wie. So wird aus undurchsichtigem Mystery ein Splatterfilm, der gleich mal Schluss mit Spannung macht und das Spezialeffekte-Team zur Tat schreiten lässt. Bedauerlich – vor allem auch deshalb – weil die Regisseure MITCHELL ALTIERI und LEE CUMMINGS lang versuchen zu verschleiern, was es mit der geretteten Bebe und ihrem unheimlichen Verfolger auf sich hat. Beide verfügen nämlich über seltsame Kräfte, die niemand versteht zu deuten. Was dahintersteckt wird aber schnell uninteressant, weil STAR LIGHT die Blutkeule schwing und dabei versucht zu kopieren.
 
 
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Wie aus heiterem Himmel wird da plötzlich Raimis TANZ DER TEUFEL zitiert und lässt die Protagonisten über die Klinge springen. Einer nach dem anderen wird von einer ominösen Kraft heimgesucht, die beauftragt die übrigen Freunde zu töten. Ein vorhersehbares Metzelprinzip, das den zuvor bedacht aufgebauten Spannungsbogen mit Füßen tritt und dabei nicht einmal beim Töten sonderlich kreativ ist. Es wird geschrien und gerannt – aber niemand denkt klar. Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, ergibt man sich lieber dem auferlegtem Schicksal. Eine Horror-Formel, die so tot gefilmt ist, dass sich dem erfahrenen Zuschauern die Zehennägel biegen.
 
 
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Nein, STAR LIGHT ist wahrlich nichts Herausragendes. Zwar wird routiniert gefilmt und geschnitten. In Sachen Originalität gewinnt dieser Horrorfilm keinen Preis. Das ist dahingehend bitter, weil mit MITCHELL ALTIERI jemand im Boot sitzt, der eigentlich Erfahrung hat. Der Amerikaner ist Teil der in Genre-Kreisen berüchtigten BUTCHER BROTHERS. Das Kumpel-Duo bestehend aus PHIL FLORES und MITCHELL ALTIERI macht mit einigen Horrorfilmen aufmerksam, die vor allem auf einschlägigen Festivals positiv ankamen. Darunter so Indie-Geheimtipps wie RAISED BY WOLVES, THE HAMILTONS und das zugehörige Sequel THE THOMPSONS. Aber auch für das Major-Studio SONY war man tätig. Das Ergebnis: APRIL FOOL’S DAY – eine der wohl überflüssigsten Neuverfilmungen überhaupt. Das erkannte wohl auch der Auftraggeber und brachte das Machwerk ohne Umwege ins Heimkino.
 
 
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STAR LIGHT – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Hütten-Gemetzel in der Machart von TANZ DER TEUFEL. Dennoch: Attraktive Jungdarsteller und routinierte Regie machen noch lange keinen guten Horrorfilm. MITCHELL ALTIERI – Teil der in Genre-Kreisen bekannten BUTCHER BROTHERS – kapselt sich ab und dreht was Eigenes. Herausgekommen ist STAR LIGHT – ein Horrorfilm an den man sich ein paar Tage später nicht mehr erinnern wird. STAR LIGHT beginnt vielversprechend, mysteriös und interessant. Nach der Halbzeit gingen entweder Ideen aus oder man hatte schlichtweg keine Lust mehr sich mit Figuren und Spannungsbogen zu beschäftigen. Deswegen schüttet man Blut übers Drehbuch und hofft damit bei Horrorfans gut anzukommen. Traurig! STAR LIGHT macht keinen Spaß, weil er sich beinahe schon lustlos zum Ziel schleppt, sich fürs Splattern bei besseren Genre-Streifen Inspiration holt und mit seiner anfangs interessanten Idee am Ende nichts anzufangen weiß. Das Resultat: Austauschbarer Teenie-Horror von der Stange, der nicht die Nerven strapaziert, sondern müde macht.
 
 
 


 
 
 

STAR LIGHT – Zensur

 
 
 
Auch wenn es ab der Hälfte in STAR LIGHT blutig zugeht, sollten sich Gorehounds nicht zu früh freuen. Alles geht schnell und wird nicht unbedingt detailliert gezeigt. STAR LIGHT richtet sich an ein jugendliches Pulikum. Daher sollte man keinen Blutrausch im Stile von EVIL DEAD erwarten. Hierzulande dürfte der Streifen in der ungeschnittenen Fassung eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

STAR LIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei 1091 Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tanz der Teufel (1981)

Ritter der Dämonen (1995)

Don’t Let Them In (2020)

Filmkritik: „Vivarium – Das Haus ihrer (Alp)Träume“ (2019)

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VIVARIUM – DAS HAUS IHRER (ALP)TRÄUME

(VIVARIUM)

Story

 
 
 
Ein junges Pärchen veliert sich bei einer Wohnungsbesichtigung in einem alptraumhaft leeren Neubaugebiet.

 
 
 


 
 
 

VIVARIUM – Kritik

 
 
Als die Blu-ray des laut imdb scheinbar recht polarisierenden Mysteryfilms „Vivarium“ ins Haus geflattert kam, da war ich mir eigentlich sicher, als Einstieg in diese Kritik einen der folgenden zu wählen: Jesse Eisenberg und seine bisherige Karriere, die sich auch öfter und öfter in Indieproduktionen oder gar Anti-Typecasts wiederfindet, Imogen Poots, die mir vor Jahren schon in dem motivierten Indiefilm „Chatroom“ aufgefallen ist, den meisten Leuten aber wohl aus dem beinharten „Green Room“ in Erinnerung bleiben dürfte, oder aber das zugrunde liegende Thema der trügerisch ruhigen oder gar perfekten Nachbarschaft, das spätestens seit „American Beauty“ und „Donnie Darko“ immer wieder als Leitmotiv amerikanisierter Mainstream-Unterhaltung aufgefallen ist. Doch ein Blick auf die imdb und es stellt sich heraus, dass „Vivarium“ gar nicht mein erster Kontakt mit dem Schaffen des 41-jährigen Iren Lorcan Finnegan ist – denn auch wenn ich sein Langfilmdebüt, den Mysterythriller „Without Name“ nicht gesehen habe, so bin ich dafür aber vor einigen Monaten auf seinen Kurzfilm „Foxes“ gestoßen, den ich als „Düster-dystopische Reihenhausvision mit super Sounddesign und Pacing“ vermerkt und mit 8 Punkten bewertet habe. Und in der Tat – zurückblickend hat Finnegan bewiesen, wie er mit dem Bild der leeren, sich endlos gen Horizont erstreckenden Reihenhäuser innerhalb weniger Minuten eine düstere Atmosphäre und Anspannung aufbauen kann, die sich dann auch noch ungewöhnlich und pointiert entlädt – doch was als Kurzfilm klappt, braucht als fast 100-Minüter dann doch etwas mehr Fleisch an den Knochen.
 
 
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Der von Screen Ireland mitproduzierte und in Belgien gedrehte „Vivarium“ leitet den Zuschauer direkt mit einem hellen, trügerischen minimalistisch-ästhetischem Menü ein, das eine kindliche Melodie zum Besten gibt, im Intro des Films selber wird man dann direkt mit sich fütternden und aus dem Nest verdrängenden Vogelküken konfrontiert, die in Nahaufnahme nach ihrer Mutter schreien, dazu Zeitlupenaufnahmen und ein nicht gerade typische opening signals gebender Soundtrack – haben wir es hier etwa mit einem ungewöhnlichen Überraschungshit zu tun? Übersättigte Sommerfarben unterstützen dann das grelle „Gute-Laune-Postkarten-Welt“-Gefühl mit Poots als junger Grundschullehrerin, die allzu lächerlich idyllisch mit der ganzen Klasse im Wind bewegende Bäume nachahmt, bevor Jesse Eisenberg es innerhalb weniger Minuten schafft, ätzend unsympathisch zu wirken. Doch bevor man noch zu viel Zeit mit einer Romanze oder unserem Pärchen an sich verbringt, geht es auch schon zum Makler, und hier packt der Film dann direkt die wohl gruseligsten, besten Twilight Zone/David Lynch-Vibes aus, da die beworbende Neubausiedlung ‚YONDER‘ ein utopisch klingender, beängstigender Traum ist, der von Jonathan Aris nur allzugut aalglatt und zu höflich angepriesen wird.
 
 

„I know what you guys are thinking: ‚Suburbia!‘ – But there’s more to ‚Yonder‘ then what you see in these images!“

 
 
Der Soundtrack dreht mit dem thematisch passenden „Rudy, A message to you“ angenehm auf, auch begeistert das Set von ‚Yonder‘ selbst durch beängstigend steriles Design, futuristisch endlose Straßen und nachvollziehbare Verwirrung beim jungen Pärchen, doch wenn dann nach 13 Minuten Makler samt Auto verschwindet, heißt es leider erst einmal „Horrorstandardliste abhaken“, da jetzt der leer laufende Tank, fehlende Empfang und die allgemeine, altbekannte Ohnmacht gegenüber unlogischer, da streng genommen übernatürlicher, Ereignisse beim Genrefan eher für gepflegtes Augenrollen sorgen. Das obligatorische Konstruieren der Situation selber überstanden, punktet Vivarium nun noch mit hübschen Einstellungen und drückender Hitze, die auch durch die schwebenden bis schweren Synthesizer in der Score ausgedrückt wird. Logik bzw. nachvollziehbares Verhalten werden nur leider dann das erste Mal gefährdet, wenn sich unsere Protagonisten dazu entschließen, vor einem lichterloh brennendem Haus einzuschlafen, heißt also mitten in der Mischung aus Hitze, Asche und Rauch. Wenn das jetzt klingt, als würde dieser anfangs so einladend, mysteriös und gelungen wirkende Film nach etwa 25 recht vergnüglichen Minuten anfangen, zu schwächeln, dann klingt das leider ganz richtig – und der nächste Plotpoint sorgt jetzt dafür, dass das auch so bleibt. Denn erinnert ihr noch das Intro mit dem Vogelbaby das so prägnant gezeigt wurde, und den Dialog darüber, dass Kuckucks ja fremde Nester nutzen würden für ihre Kinder? Ja? Gut, dann könnt ihr euch als Zuschauer also 25 Minuten lang an ein metaphorisches Bild erinnern – das war es dann leider auch schon.
 
 
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Wer nämlich eine weitere Storystruktur, Rückbesinnung auf andere Charaktereigenschaften, Infos über das Mysterium der Wohnsiedlung oder weiter ausgearbeitete Genreelement erhofft, der wird nun erst einmal fast eine Stunde lang genervt auf die Uhr schauen, da „Vivarium“ sich EIN sehr simples und so auch schon europäisch und besser inszeniertes Bild herausgesucht hat, um dieses dann mit aller Anstrengung und Bemühung in den Fokus seiner Geschichte zu legen. Was das akut heißt, ist, dass unser junges Pärchen natürlich ein Baby findet, das natürlich etwas Sinistres an sich hat, das natürlich – seufz – für Konfrontationen über Verantwortung, Muttergefühle und Humanismus sorgt und das nur ganz, ganz selten schafft von der nervigen Geduldsprobe zum akut gruseligen oder spannenden Charakter so werden – so zum Beispiel beim Stimmen nachmachen oder „Fernsehen“ gucken, was heißt dass der Junge Endlosanimationen mit synthetischem Knistern schaut, oder in seinem Alter unerreichbare Tonhöhen imitiert.
 
 
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Die Beobachtung, dass in dieser synthetischen Fake-Welt von ‚Yonder‘ alle Wolken amorph und formlos bleiben und einfach nur wie „Wolken“ aussehen, da jede Inspiration oder Kreativität untergeht, ist eine schöne Beobachtung – und auch der marginale Horror-Einschlag seines Charakters, den ich aber nicht spoilen will, wussten zu gefallen. Aber für einen gesamten Hauptteil, zweiten Akt und mit wichtigsten Plotpoint in einem knapp 100-minütigen Mysteryfilm, ist das dann leider doch recht mager, zumal jegliches Konfliktpotential von der ersten Szene an offensichtlich ist, denn wie soll die Grundschullehrerin wohl schon auf einen einsamen Jungen reagieren, egal wie gruselig er wird? Und all das ist unfassbar schade, denn nicht nur ist dieser Film wie gesagt technisch höchst kompetent und optisch ansprechend und hat ziemlich gelungene erste 20 Minuten, nein, gerade nach dem Durchhänger im Mittelteil geht „Vivarium“ noch einmal richtig in die Vollen und präsentiert ein schnelles, wildes, buntes, argento-inspiriertes, überraschendes Farbenfeuerwerk mit Alptraumoptik und trippigen, ineinander überlappenden Umgebungen. Nach über 70 Minuten Film noch eine überlange Beziehungsaufarbeitung einzuschieben halte ich zwar für etwas gewagt bzw. pacingtechnisch schwach, aber abseits davon wird es nun überraschend stringent, bösartig, konsequent und hollywood-untypisch, was das eine oder andere Klischee vielleicht ausgleicht.
 
 
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Und so wäre ich schlußendlich also vielleicht sogar bei einer 6,5 oder 7/10, denn Finale und Ende haben definitiv noch etwas heraus gerissen, ich mag die trostlose Botschaft und dass nicht alles ausbuchstabiert wird, auch hat Eisenberg sich nach seinen furchtbaren ersten Eindrücken später durchaus beweisen können, doch wie bereits erwähnt gibt es eine sehr ähnliche Geschichte einfach bereits als europäischen Film und das auch noch deutlich spannender, mysteriöser, böser, realistischer und konsequenter: Borgman. Wer also unbedingt die eher blass bleibende Starbesetzung braucht oder den amerikanischen Vorstadtflair, wer seine Mysteriefilme gerne eindeutig übernatürlich mag und etwas Zeit zu töten hat, der kann die überlangen 97 Minuten von „Vivarium“ sicherlich mal gucken, und auch genießen. Aber 80 Minuten hätten es auch getan und die deutlich niveauvollere, ausgereiftere und Jahre früher entstandene Version dieses Konzepts ist einfach der niederländisch-belgische Genremix „Borgman“, über den man möglichst wenig wissen sollte.
 
 


 
 
 

VIVARIUM – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Behäbig gepacete, unausgereifte, simple Metapher mit Erwartungen aufbauenden ersten 20 Minuten, hübschen Bildern und einem sehr starken Finale und Ende, die nur leider im Mittelteil massiv durchhängt. „Foxes“ vom gleichen Regisseur ist kostenlos, kürzer, ähnlich und besser, „Borgman“ eine sehr ähnliche Idee in ausgereifter.
 
 


 
 
 

VIVARIUM – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Vivarium – Das Haus ihrer (Alp)Träume“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „FSK16“ erhalten.
 
 
 


 
 
 

VIVARIUM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Concorde Home Entertainment (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Vivarium; Belgien | Dänemark | Irland 2019

Genre: Horror, Mystery, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Behind the Scenes (ca. 7 Minuten), Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 12.06.2020

 

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VIVARIUM – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Concorde Home Entertainment

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Borgman (2013)
 
Beautiful (2009)
 

Filmkritik: „After Midnight – Liebe ist ein Monster“ (2019)

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AFTER MIDNIGHT – LIEBE IST EIN MONSTER

(AFTER MIDNIGHT)

Story

 
 
 
Hank und Abby sind Mitte 30, seit 10 Jahren kinderlos zusammen und wohnen in einer alten, ländlich gelegenen Villa im amerikanischen Grün. Als Abby eines Tages verschwindet und nur eine Notiz hinterlässt, sieht Frank sich mit sehnsüchtigen Erinnerungen und einer gröhlenden Kreatur konfrontiert.

 
 
 


 
 
 

AFTER MIDNIGHT – Kritik

 
 
Wie kann man sich als Regisseur nur so sehr selber ins Bein schießen? Als Harmony Korine seinerzeit die Trailer und PR für Spring Breakers konzipiert bzw. zumindest abgesegnet hat, da ist dies sicherlich nicht ohne Kalkül geschehen, nicht ohne dass es eine bewusste Entscheidung war. Lasst die, von Disney-Stars geblendeten Teenies, die sich ins Kino schmuggeln zum Feiern und Rummachen, untergehen in ihrer eigenen reduktiven Weltsicht, lass sie ertrinken in der „liquid narrative“ deines Teenager-Alptraums, lass sie konsequent hypen und dann die Dekonstruktion der Generation „Projext X“ vornehmen, mit aller Radikalität. Aber wieso diese Fehlleitung bei „After Midnight“ nur, wieso diese konsequente Vermarktung als Horror, inklusive blutigem Herzen auf dem Cover und Monsterfratze?
 
 
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Wer diese Seite ausschließlich für Horrorfilme besucht, für Splatter oder psychologisches Unbehagen, für Urängste oder blutige Konfrontationen, der kann jetzt direkt wieder gehen – „After Midnight“ hat sich seine FSK 16 zwar gerade so verdient, ist ein durchaus erwachsener und ernster Film ja, auch gibt es ein wahlweise metaphorisches oder reales Monster – der Film positioniert sich hier durchaus, ich will es nur nicht vorweg nehmen – aber all das ist weder die Substanz, noch das Hauptaugenmerk von Jeremy Gardner und Christian Stellas zweitem Film. Stattdessen ist der Film ein Beziehungsdrama, schlicht und ergreifend – klar, andere Genreversatzstücke werden benutzt, das Setting mutet genrelastig minimalistisch und ggf. klaustrophobisch an, auch gibt es Tropen wie den skeptischen Sheriff und Momente punktueller Spannung – doch zu 80% der Zeit, und das meine ich durchaus wörtlich, verbringen wir Zeit in Erinnerungen, in den Hoffnungen unseres gemarterten Hauptprotagonisten, alleine in der Wohnung mit ihm, seiner Schrotflinte und seinen Gedanken – und das wars.
 
 
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Klingt spontan vielleicht wenig reizvoll oder niederschmetternd, aber die große Enttäuschung und demnach Verteufelung dieses angeblich ja totlangweiligen Films, in dem „nichts passiert“, überlasse ich dann mal lieber den endlosen empörten imdb-Kritikern, die nach Horror und Gewalt gesucht haben, und sich stattdessen wohl wirklich kurze 80 Minuten lang langweilen mussten. Nicht so aber ich, zum Glück, denn abseits von einer gedämpften Erwartungshaltung und dem Wissen über eine mögliche Genremixtur bin ich blind an dieses Werk heran getreten und war im Endeffekt doch sehr zufrieden mit dem, was ich bekommen habe. Die saublöde Tagline „Die Liebe ist ein Monster“ hat dabei allerdings nicht geholfen.
 
 
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In einer weiten, einladenden Aufnahme läuft eine verängstigte, unsichere Frau im Blumenkleid durch ein Feld auf die Kamera zu, ein Gefühl unterschwelliger Bedrohung kommt durch Radiostörsignale sowie ein mehrschichtiges Rauschen und Dröhnen schnell auf, doch nach diesen wenigen Sekunden der opening signals entpuppt sich die Szenerie schnell als harmlos, da sich einfach nur unser Protagonist Hank (Jeremy Gardner) vor seiner Freundin Abby (Bea Grant) versteckt hat, während sie das malerisch im Grünen liegende, alte, prachtvolle Haus erkunden, in dem er für sie eine Überraschung bereit gestellt hat. Ätherische Synthesizer begleiten das junge Paar dabei und schnell fühlen wir mit für die beiden, da man hier ein hübsch inszeniertes, sympathisches, herumwitzelndes und realistisches Pärchen präsentiert bekommt, dessen Konflikte und Dialoge sehr natürlich wirken. Es gibt Killerwitze und es wird herumgealbert, trotz mehrerer Küsse und einer kleinen Konfrontation hält der Film es zudem nicht für nötig, mit einer Eskalation durch Streit oder Sex zu enden, was erfrischend unüblich ist und dem Realismus noch mehr in die Finger spielt.
 
 
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Was sich alsbald als Erinnerung offenbart, wird zugleich durch einen trinkenden, barttragenden, ungewaschenen Hank im Hier und Jetzt kontrastiert, der sich im leeren, vor sich hin rottenden Haus gegen eine uns unbekannte Kreatur behaupten muss, die immer Nachts seine Tür attackiert.
Aus Wut schießt er auf ein vorbeifahrendes, zu nah an ihm vorbei rasendes Auto und trifft es fast, der Bruder seiner Freundin, die nur eine Notiz hinterlassen hat und gegangen ist, ist Cop und rät ihm dazu das Monster zu filmen, statt nur Löcher in die Tür zu schießen. Sowohl Dialog als auch Schauspiel sind hierbei passabel bis ziemlich gut und fühlen sich stimmig an, was man bei der Barszene, die einige idyllische Aufnahmen der Landschaft und Feldwege später folgt, leider nicht behaupten kann: Henry Zebrowski als Comic-Relief „Wade“ wird im Laufe des Films zwar noch zu einem richtigen „Charakter“, übertreibt es in dieser speziellen Szene dann aber doch etwas, wenn er den Schnaps aus der Spuckmatte der Theke trinkt und allgemein anstrengend albert – „Tastes like going blind.“.
 
 
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Doch damit ist der Tiefpunkt des Films meiner Meinung nach auch schon relativ schnell nach seinem Beginn überstanden, da „daheim“ jetzt ein gelungener Post-Rock/Ambient-Soundtrack folgt, der sich mit anderen Indierockstücken abwechselt, das sehr hübsch eingefangene und professionell editierte Geschehen mit teils interessant genutzten Lichtquellen zu einem gelungenen Ganzen werden zu lassen und einzig die Frage kommt auf, warum Hank immer mit dem Rücken zur Eingangstür sitzt, wenn genau da doch immer das Monster attackiert. Wie dem auch sei, nach etwa 30 Minuten Spielzeit kann Wade als Charakter und Freund seine Rehabilitierung vollziehen und durchaus für ein paar Schmunzler/Lacher sorgen, auch brilliert das fortlaufende Spiel zwischen Erinnerung und Gegenwart durch einen schönen kleinen Kniff, da sich die laute Musik des Inserts für unseren einsamen Protagonisten anhört, als sei es nebenan – nicht jahrelang vorbei. Das zweite Hauptthema des Films ist dann die beliebte Gegenüberstellung von einem Opfer, das in Bedrängnis geraten ist und demnach an das übernatürliche Element glaubt, und der gesunden Skepsis derer, bei denen er Hilfe sucht. In diesem Fall ist der Sheriff, doch statt durch die unterschiedlichen Ansätze nicht weiter zu kommen oder sich in sinnlosen Dialogen zu verzetteln, geht unser Hauptprotagonist sehr gehalten um und nach polteriger, leicht experimenteller Musik in der Bar entdecken wir pünktlich zur Halbzeit des Films dann auch die offene Wohnung, in der scheinbar jemand oder etwas gewütet hat…
 
 
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Dieser, sehr gelungene, Aufbau der ersten 40 Minuten gipfelt nun in einer tatsächlich sehr effektiven, spannenden und gruseligen Genreszene, in der wir uns nur durch Schrotflintenschüße als Lichtquelle orientieren und erstmalig einen Blick auf das auf dem Poster bereits gezeichnete Monster werfen dürfen – und es klappt. Es ist tatsächlich gruselig, eklig, bedrohlich, fleischig, kurz gezeigt, spannend aufgebaut und könnte, wäre dies ein üblicherer Film, als valider Antagonist herhalten. Doch Gardner ist nicht daran interessiet, eine x-beliebige Creature-Horror-Geschichte zu erzählen sondern nutzt diesen Backdrop einzig, um daran die Konflikte und Probleme seines Charakters zu offenbaren.
 
 
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Was das filmisch heißt, ist, dem Zuschauer erst einmal einen rund 10-minütigen, statischen One-Take vor den Latz zu ballern in dem, so wie allgemein in der zweiten Hälfte des Films, „nur“ geredet wird. Dass diese Dialoge dabei sehr nahegehend und aufopferungsvoll am Stück performt wurden, dass die theaterhafte Inszenierung sicherlich bewusst ist, dass die übliche Dramaturgie subversiv unterwandert wird und der Film mehrere leise Symbole oder Ideen in seinen Dialogzeilen verpackt, das wird dabei scheinbar gerne übersehen. Desillusionierung trifft auf Optimismus und Depressionen, kaputte Träume werden thematisiert, Hintergrundinformationen geliefert, der Plot entfaltet sich.
 
 
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Wie sich dann, inszenatorisch so wie inhaltlich, das Finale und die letzten 10-20 Minuten gestalten, das sollte man, wenn das bisher spannend oder interessant fand, definitiv selber herausfinden – denn „After Midnight“ hat mich spontan am ehesten an „The Demolisher“ erinnert, einem Film der auch im Kern ein Beziehungsdrama ist und zwar Genreelemente und gerade -stilismen zitiert und für seine Welt nutzt, den pochenden Synthiesoundtrack und die punktuellen Szenen eskalativer Gewalt braucht, aber Genrefans im Endeffekt doch nur hoffnungslos enttäuscht hat. „After Midnight“ ist immer wieder sehr ästhetisch und ansprechend gefilmt, immer wieder sehr stark gespielt und weiß genau, was er tun will und warum. Ich teile diese Vision nicht komplett, fand Pacing, vorallem den herausragenden Soundtrack, die Präsentation und generelle Stimme des Films aber stark genug, um mich weder zu langweilen, noch die Filmwahl zu bereuen. Indie-Film mit Herz am rechten Fleck, aber ein gottverdammtes, teils bitteres, teils wohlfühlendes Beziehungsdrama und definitiv kein Horror oder Splatter oder Creature-Feature oder was auch immer sonst das Posterdesign/Coverdesign spontan suggeriert.
 
 


 
 
 

AFTER MIDNIGHT – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Von einer falschen Erwartungshaltung vieler Zuschauer sowie punktuellem Overacting geplagter, minimalistischer Film mit starken Hauptperformances, gutem Soundtrack und einladend hübscher Cinematographie. Kein Genre-Film, aber ein durchaus einmalig sehenswerter Beitrag zum Spielen mit Form und Storybaustücken.
 
 


 
 
 

AFTER MIDNIGHT – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „After Midnight“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „FSK16“ erhalten. Filmsammler können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

AFTER MIDNIGHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Meteor Film (limitiertes Mediabook)

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(c) Meteor Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: After Midnight; USA 2019

Genre: Horror, Drama, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Trailer, Audiokommentar | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Literaturwissenschaftler Thorsten Hanisch, Sammelkarten, Hinter den Kulissen, Outtakes, Bildergalerie, Originaltrailer, Deutscher Trailer

Release-Termin: KeepCase: 29.05.2020 | Mediabook: 29.05.2020

 

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AFTER MIDNIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Meteor Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
These Final Hours (2013)
 
Spring (2014)
 

Filmkritik: „The Antenna“ (2019)

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THE ANTENNA

(BINA | THE NIGHT BULLETIN)

Story

 
 
 
Mehmet, der Verwalter eines heruntergekommenen Mietshauses muss in der trostlosen Einöde der dystopischen Türkei die Installation einer neuen, von der Regierung verordneten Fernsehantenne überwachen, nur um in ein Geflecht aus Manipulation, Überwachung und kosmischem Grauen gesogen zu werden.

 
 
 


 
 
 

THE ANTENNA – Kritik

 
 
Das Brummen eines rostigen Heizgerätes ist zu hören, so wie alsbald weitere, maschinell zuzuordnende, unterschwellige Störgeräusche, Signale, sonst nicht viel. Ein einsamer Mann sitzt in seiner veraltet, heruntergekommen wirkenden Wohnung, das detailverliebte Sounddesign fällt direkt auf, ebenso die Atmosphäre, die von den gut fotografierten, ersten Szenen ausgeht. Wunderschön kadrierte Einstellungen leerer, grauer Industrieumgebungen folgen, untermalt weiterhin nur von einem nahezu argentoesk-omnipräsentem Wind und den wenigen Geräuschen der leblosen Umgebung. Mehmet, unser Hauptprotagonist, kommt zu spät bei seinem Job an, da er ein vor sich hin siechendes, baufälliges Mietshaus verwaltet und heute die Schlüssel gebraucht wurden, um die vom Staat für jeden Haushalt angeordneten, neuen Satellitenschüsseln zu installieren – nach 10 recht kalten und stillen Minuten folgt dann als auslösendes Moment der ebenfalls nüchtern erzählte, beiläufige Suizid eines Arbeiters, der natürlich als Arbeitsunfall abgetan wird. Willkommen bei „The Antenna“.
 
 
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Das Langfilmdebüt von Orcun Behram erinnert gerade anfangs an seinen russischen Bruder im Geiste „Leviathan“ – nicht etwa, weil dieser Film hier auch so langsam, bedacht und in weiten Winkeln erzählt sei, nein, viel eher weil hier auch menschliche Eiszeit herrscht, fernab von Empathie, die Menschen für sich zu überleben versuchen in dieser kalten Welt, die fest in eisernen Händen des Staates gefangen scheint. Doch waren es bei Swjaginzew noch Korruption und menschliche Abgründe, die das bittere Einzelschicksal bestimmen, so ist es hier viel eher die Orwell‘sche Spionage, der Eingriff in die Privatsphäre, die Zwangsbeschallung und sonstige Verhaftung der wehrlosen Bürger, die den ausweglosen Alltag dominieren. Doch was sich nach wie vor lesen mag wie ein Sozialdrama, ist im Kern trotz relativ simpler politischer Kommentare bzw. sehr überschaubarer Symbolik als Thriller bzw. Horror gelistet, was ich so verstehen, aber nicht stehen lassen kann. Symbolisch bzw. eben übernatürlich wird es nämlich dann, wenn relativ früh im Film bereits eine schwarze, zähflüssige, ölige Flüssigkeit aus dem Gebäude sickert, erst vereinzelt, dann in mehr und mehr Wohnungen, mit der Mehmet natürlich betreut wird. Statt erschlagend untersichtig gefilmter Hochhäuser, unterkühlter Farben und anschwellender Orgelstücke des wirkungsvollen, aber immer wieder zu dick aufgetragenen Soundtracks, gesellt sich also zunehmend eine nach wie vor langsam und nahezu dialoglos erzählte, mysteriöse Geschichte über in der Badewanne ertrinkende Mieter und verseuchtes Fleisch essende Familienväter zur trostlos-monochromen Ästhetik, die leider allzu fragmentarisch wirkt.
 
 
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Vielleicht ist es ja Sinn der Sache, ein kaleidoskophaftes, fragmentarisches, durchgestyltes und punktuell spannendes Bild einer in sich, ihren Strukturen und ihrer Unterdrückung untergehenden Türkei zu schaffen, doch als stringenter Langfilm hätte es einiger Kunstgriffe mehr gebraucht.
So wahlweise beunruhigend plastisch und wirksam, oder aber zumindest tongue-in-cheek und genretauglich die steten Blubber- und Schleimgeräusche der dunklen Masse nämlich auch sein mögen, so berechenbar und repetitiv ist dann leider die Narrative der folgenden Szenen – von einer solchen zu sprechen ist dabei schon fast großzügig, da die Ereignisse im gesamten Mittelteil des Films in willkürlicher Reihenfolge geschehen könnten. Egal ob in der realen Filmwelt oder als Traumsequenz, eine langsame Annäherung an den bereits bekannten Einbruch des Unerklärlichen, oder, besser, des zu Erklärendem sorgt erst noch für Neugierde und Spannung, ist immer wieder fantastisch beleuchtet, mit einer Hommage an Franjus Meisterwerk „Les yeux sans visage“ versehen und hoch atmosphärisch, später kann dann aber leider nur noch ein müdes Lächeln gelockt werden, da nach der Annäherung stets die eigentliche Thematisierung, der Konflikt, der Mehrwert, ausbleibt und herausgezögert wird. Das hebt sich dank der kühlen, dialoglosen, non-amerikanischen Inszenierung und einiger starker Schnitte immer noch mit Leichtigkeit angenehm vom Spukhaus- Blödsinn der Marke Insidious oder The Nun ab, ist dabei aber formell leider ähnlich kreisförmig und nichtssagend – zumal die Charaktere blass bleiben oder einem völlig egal sind.
 
 
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Hauptdarsteller Gül Arici gibt eine durchaus gelungene und nuancierte Performance ab, die sich in Zurückhaltung übt und fast ohne Dialog auskommt, ist den emotionalen Ausbrüchen zum Finale hin aber nicht ganz gewachsen, auch Elif Cakman und Levent Ünsal wissen in ihren Rollen zu überzeugen und bleiben ggf. hängen, der Rest hat aber leider kaum Chance zum Brillieren oder Nerven oder sonstwie einen Unterschied machen, da das Opfer für die graue, spröde Optik und Atmosphäre auch ein Ausbleiben von Charakterinnenleben oder Empathie für das Geschehen ist. Ein starkes, charakterschaffendes Gespräch vor trostloser Naturkulisse im ersten Viertel bleibt lobend zu erwähnen, auch ist der wortwörtliche Abstieg in die Tiefen des Hauses rein audiovisuell hervorzuheben, doch so vielversprechend Inszenierung und Prämisse wirken, so substanzlos bleibt die eigentliche Erkundung der Zusammenhänge zwischen dem Öl, den Mietern, der Regierung und den Satellitenschüsseln leider. In seinen besten Momenten erinnert „The Night Bulletin“ also an eine mysteriöse, beklemmend-bedrückende „Twilight Zone“-Episode von David Lynch, mit Störgeräuschen und alptraumhaften Bildern zum Reinlegen, mit ominöser, diffuser Bedrohung und betörendem
 
 
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Soundtrack, mit viel Vogelperspektive und wenig Dialog, realem Drama, das auf surreale Gefahr trifft -und genau so würde ich die ersten 40, 45 Minuten auch beschreiben. Der langsame Aufbau erinnert an „Dark“, das Colourgrading ebenfalls, die problematischen familiären Verhältnisse, die immer wieder belichtet werden, zusammen mit den fast 2 Stunden Laufzeit, die multiperspektivische Erzählung, all das deutet auf etwas Größeres hin, einen Twist, eine Realisierung, etwas Unerwartetes, einen Knaller zum Ende hin. Doch irgendwann nach etwas über einer Stunde, als unser Protagonist gerade unerklärt und bedachtsam durch ein leeres Gebäude wanderte, ohne Sound oder direkten Storyfortschritt, als aus begeisterten Cronenberg-Assoziationen über den schwarzen Schleim und die Bodyhorror-Elemente eine Routine wurde, da dämmerte mir, dass dieser Film als 80 oder 90-Minüter vielleicht richtig glänzen könnte, so aber die Laufzeit eher daran liegt, dass der Regisseur sich nicht von seinen schönen Bildern trennen konnte als daran, dass der Film für dieses Script zwangsläufig 2 Stunden Zeit braucht. Und als wär das nicht genug, schafft dieser Film, der so gut begonnen hat, doch dessen Nebencharaktere einem ohnehin schon relativ egal waren, noch endgültig, mein Interesse zu verlieren – überbenutzte, „schockige“, schrille Geigen aus der Horrorscore- Versatzstückbox, dazu eine überraschende Drastik und Kaltschnäuzigkeit, nur irgendwie lässt es einen völlig kalt. Der Weg zum Finale nutzt ein zu oft benutztes, vorhersehbares Motiv, als Scarefest klappt der Film auf keinen Fall, der Charakterfokus wird gewechselt und auch das klappt nicht, da können Setting & Stil noch so schön das banale Geschehen intensivieren. Die letzten paar Minuten des Films dann sind exemplarisch für das gesamte Werk – zu lang wird hier zu viel probiert, einiges klappt, einiges nicht, der letzte Shot bleibt hängen und ist wunderschön durchkomponiert, gestrafft wäre aber auch diese Sequenz, mit ihren fetten Synthesizern und wenig gruseligen Antagonisten, deutlich stärker.
 
 


 
 
 

THE ANTENNA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Überlanger, wenig origineller Mysteryfilm mit Sozialdrama und Horror-Einschlag, der einzig atmosphärisch sowie audiovisuell immer wieder überragt. Unausgegoren, zu lang und weniger aussagekräftig als er hätte sein können, für neugierige Genrefans trotzdem einen Blick wert. Starke 6/10
 
 


 
 
 

THE ANTENNA – Zensur

 
 
 
„The Antenna“ ist ein Kandidat für eine FSK16. Ob und wann der Streifen in Deutschland ausgewertet werden wird, ist noch unklar.
 
 


 
 
 

THE ANTENNA – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Lucidlab Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
A Scanner Darkly – Der dunkle Schirm (2006)
 
Twin Peaks (1990)
 
Twilight Zone (1959)
 
Tower Block (2012)
 

Filmkritik: „Don’t Let Them In“ (2020)

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DON’T LET THEM IN

Story

 
 
 

Zwei Sozialarbeiter müssen für den nächsten Fall Nerven lassen. Im Haus des neuen Klienten werden sie von drei Fremden in die Mangel genommen.

 
 
 


 
 
 

DON’T LET THEM IN – Kritik

 
 
 
Marketing ist alles. Das kann manchmal hinterhältig sein. Da wird alles daran getan, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu gewinnen. Hier ein reißerisches Filmplakat, dort ein hektisch geschnittener Trailer. Was letztendlich wirklich auf dem Tisch landet, ist zweitrangig – Hauptsache der Filmfan kauft. Eine dieser Marketing-Mogelpackungen nennt sich DON’T LET THEM IN. Das amerikanische Cover zur Heimkinoveröffentlichung suggeriert vertrautes Horrorfilmfutter. Dort sind vermummte Gestalten zu sehen, die mit Gewalt in ein Haus eindringen wollen. Erfahrene Filmkenner ziehen da nicht zu Unrecht Parallelen zum Horror-Hit THE PURGE, in dem ahnungslose Hauseigentümer von mordlüsternen Fremden terrorisiert und abgeschlachtet werden. Leider hat der vorliegende Indie-Horror kaum was mit genanntem Horrorthriller aus der Blumhouse Produzentenwerkstatt gemein. Der Film geht andere Wege. Enttäuschte Gesichter werden vorprogrammiert sein.
 
 
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Zwei Sozialarbeiter nehmen ihre Arbeit besonders ernst. Die betreuen Menschen am Rande der Gesellschaft und sehen so oft jede Menge Elend. Ein neuer Fall führt zu einem Klienten am Hintern der Welt. In einem heruntergekommenen Anwesen lebt ein Kindermörder, der nach 15 Jahren aus der Haft entlassen wurde. Nun soll er fachmännisch betreut werden. Leider verläuft der Besuch vom sozialen Dienst komplizierter als gedacht. Der Mann scheint nämlich verwirrt zu sein. Der sieht sich von Fremden verfolgt und sperrt den Besuch gleich mal in den eigenen vier Wänden ein. Da ist die Stimmung natürlich im Keller. Doch Karl und Jenna lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Die haben im Beruf schon so manch heikle Situation bewältigt und wissen, was zu tun ist. DON’T LET THEM IN wäre aber kein Horrorfilm, wenn nicht irgendwas unheimliches passieren würde. Der entlassene Häftling hatte mit seiner Paranoia nicht unrecht. Tatsächlich wollen drei Männer ins Haus. Was die aber wollen, hat mit dem oben genannten THE PURGE so rein gar nichts am Hut.
 
 
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Wer sich allein vom Cover zum Kauf verleiten lässt, schaut später dumm aus der Wäsche. DON’T LET THEM IN verspielt sein Potenzial zu früh. Drei maskierter Männer wollen in ein Haus und lassen nicht locker. Die schleichen um das Anwesen und brechen letztendlich ein. Wer jetzt aber glaubt, dass das Home Invasion par excellence ist, irrt gewaltig. Es wird weder gequält, noch gefoltert oder sinnlos gemordet. Die gern mal in dieser Art von Filmen gezeigte Vergewaltigung unschuldiger Menschen fehlt ebenso. Regisseur MIKE DUNKIN hat andere Pläne und steuert eine unerwartete Richtung an. Es geht ins Fantastische, was letztendlich bedeutet, dass es übernatürlich wird. Ja, das bringt Abwechslung in das eingerostete Home-Invasion-Genre, das seit Jahren wegen fehlender Originalität keinen so guten Ruf mehr genießt. Das ist aber schon das Einzige, was hervorzuheben wäre.
 
 
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Der britische DON’T LET THEM IN bleibt nämlich weitestgehend spannungsarm und zeigt, dass er wegen des kleinen Budgets nicht viel riskieren kann. Somit reichts nur für ein Kammerspiel mit drei Figuren auf begrenztem Raum, das vehement versucht, so etwas wie Klaustrophobie und Panik zu verursachen. Drei Leute sitzen drinnen fest und werden vom Bösen bedroht. Letzteres wartet vor der Türe und ist nicht freundlich gestimmt. Die Bedrohung wird mit einfachen Mitteln möglichst lang hinausgezögert, damit der Film Spielfilmlänge erreicht. Doch das Interesse am Fortgang ist bald verflogen. Nach knapp 40 Minuten Rätselraten und der Ungewissheit, wer da ins Haus will, wird das Geheimnis gelüftet. Es sind keine Menschen, sondern Mächte fernab der irdischen Welt, die Rechnungen begleichen wollen. Danach ist die Luft raus und DON’T LET THEM IN quält sich mit wirren Wendungen zur weit entfernten Zielgerade, ohne dabei echte Höhepunkte abzuhaken. Krönender Abschluss ist ein Twist. Der beleuchtet alle Geschehnisse aus einer anderen Perspektive und presst den Film zwanghaft in eine Schublade, in die er so gar nicht passen will. Das mutet sehr konstruiert an und lässt mit dem Kopf schütteln. Launischer kann ein B-Movie nicht enden.
 
 
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DON’T LET THEM IN – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
THE PURGE trifft auf YOU’RE NEXT. Mit diesen beiden bekannten Horrorfilmen wird auf dem amerikanischen Filmplakat geworben. Sehr gewagt, zumal sich DON’T LET THEM IN weit weg von den Qualitäten genannter Streifen befindet und auch sonst nur wenige bis gar keine Parallelen vorzuweisen hat. DON’T LET THEM IN sollte anfangs DEVIL’S NIGHT heißen. Offenbar verriet der Titel zu viel über den Plot und wurde für den internationalen Filmmarkt in DON’T LET THEM IN umgetauft. Der Film beginnt wie jeder beliebige Home-Invasion-Thriller und endet anders als erhofft. Hört sich interessant an, ist aber großer Käse, weil zu sehr in der Nonsens-Schublade für Horrorfilme gewühlt wird. Ein konfuser Twist trägt ganz schön dick auf. Da geht die Glaubwürdigkeit verloren. Bleibt noch zu erwähnen, dass DON’T LET THEM IN zwar britischen Humor, zwei Splatter-Momente und brauchbares Schauspiel besitzt – aber dennoch keine Empfehlung bekommt. Der Grund: Langeweile. Wer Einschlafhilfe benötigt, kann einen Blick riskieren. Der Low-Budget-Sektor des Horrorgenres hat schon bessere Werke hervorgebracht.
 
 
 


 
 
 

DON’T LET THEM IN – Zensur

 
 
 
In DON’T LET THEM IN werden zwei Köpfe zerschossen, die dann übertrieben explodieren und die Protagonisten mit Blut besudeln. Ansonsten sieht man noch Stichwunden. Ja, die Effekte sind ganz brauchbar, machen den Film aber nicht unbedingt besser. Hierzulande darf man eine FSK16 erwarten – insofern DON’T LET THEM IN in Deutschland überhaupt ausgewertet werden sollte.
 
 
 


 
 
 

DON’T LET THEM IN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von The Ideas Factory | 4Digital Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wolves at the Door (2016)
 
Ghostland (2018)
 
Them – Spiel oder stirb (2006)
 

Filmkritik: „Becoming – Das Böse in ihm“ (2020)

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BECOMING – DAS BÖSE IN IHM

(BECOMING)

Story

 
 
 

Ein Liebespaar erlebt auf einem Roadtrip durch die Vereinigten Staaten die Hölle auf Erden.

 
 
 


 
 
 

BECOMING – Kritik

 
 
 
Bereits Connie Francis trällerte es in den 1960ern. Die Liebe ist ein seltsames Spiel, sie kommt und geht von einem zum andern. Eine schmerzliche Erfahrung, mit der sich bereits unzählige Liebende konfrontiert sehen mussten. Doch woran erkennt man eigentlich, dass Herzen nicht mehr im gleichen Takt schlagen? In den meisten Fällen sind Wesensveränderungen des Partners erste Anzeichen dafür, dass die Beziehung kränkelt. Der verhält sich plötzlich unvertraut und tut Dinge, die das Gegenüber verunsichert. Da werden verständlicherweise Ängste aktiviert, die sich zum blanken Horror entwickeln können. Stoff, der sich auch gut als Horrorfilm erzählen lässt – wie der Mysterystreifen BECOMING beweist. Hier werden Verlustängste zweckentfremdet, um 90 Minuten Gruselstimmung zu erzeugen. Das Resultat ist zwar nicht sonderlich herausragend, jedoch wie in diesem Gruselfilm aber Schauer heraufbeschworen wird, ist ganz interessant.
 
 
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Mein Partner, das unbekannte Wesen: BECOMING – DAS BÖSE IN IHM erzählt die Geschichte von Lisa und Alex. Die sind bereits seit drei Jahren verlobt und wollen nun Nägel mit Köpfen machen. Ein eigenes Heim soll es werden. Aber zuvor sollen sich Lisas Eltern ein Bild vom Schwiegersohn in Spe machen. Deshalb tritt man eine beschwerliche Reise an. Die Eltern wohnen leider nicht um die Ecke, sondern am anderen Ende Amerikas. Daher steigt man ins Auto und düst los. Unterwegs macht man Halt bei Alex‘ altem Kumpel Glen. Der verhält sich äußerst komisch und bereitet der sonst so toughen Lisa ganz schön Angst. Die ist auch berechtigt, denn das Grauen wird bald ein ständiger Begleiter der beiden Reisenden sein. Alex verändert sich nämlich von Tag zu Tag. Erst sind es Eigenarten. Später Gerüche. Als ihn seine Verlobte kaum noch wiedererkennt, offenbart sich ein düsteres Geheimnis.
 
 
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Der deutsche Titelzusatz verrät wieder zu viel. Der lässt darauf schließen, dass in Protagonist Alex boshafte Mächte schlummern. Ein Thema, für das sich Regisseur OMAR NAIM ziemlich viel Zeit nimmt. Nach einem schockintensiven Prolog werden die beiden Helden fokussiert. Die lernt der Zuschauer während eines Road-Trips gut kennen, was angesichts der späteren Handlung von großer Bedeutung sein wird. BECOMING geht alles langsam an und schwört Unheil mit Bedacht herauf. Dabei rückt schnell Detektivarbeit in den Vordergrund, die von Heldin Lisa aufgenommen wird. Die will freilich wissen, was es mit der Veränderung ihres Freundes auf sich hat und zieht bald Parallelen zu anderen Frauen, denen es ganz ähnlich ergangen ist. Gründliche Analysen, die nach und nach offenbaren, was da von Alex Besitz ergriffen hat. Leider ist die Antwort darauf alles andere – nur nicht erlösend.
 
 
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BECOMING ist ein Mystery-Horror mit langsamen Aufbau, der vor allem von der Tatsache lebt, wie sich das Vertraute plötzlich so unvertraut anfühlen kann. Warum verändert sich Protagonist Alex zu unvorhersehbar. Ist er psychisch krank? Hat er sein Herz bereits an eine andere Frau neu vergeben? Oder haben wir es hier mit Dämonen, Geistern oder anderem paranormalen Wesen zu tun, die es mal wieder nicht gut mit der Menschheit meinen? Regisseur OMAR NAIM lässt sich für Antworten lange Zeit. Ein immer wiederholender, bedrohlicher Score lässt aber schon früh erahnen, dass Unheil bevorsteht wird, mit dem nicht zu spaßen sein wird. Leider ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch, wenn BECOMING – DAS BÖSE IN IHM thematisch gesehen recht unverbraucht erscheint, macht vieles nicht unbedingt Sinn. Zusammenhänge wirken willkürlich und nicht immer sind Handlungsverläufe nachvollziehbar. Zudem zieht sich der Film teilweise und hat kaum Höhepunkte zu bieten. Richtig spannend wird es nur zu Beginn und am Ende. Letzteres hagelt dafür unvorbereitet und heftig auf den Zuschauer ein. Die guten schauspielerischen Leistungen tragen einen großen Teil hierfür bei.
 
 


 
 
 

BECOMING – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Low-Budget-Horror mit hervorragenden Schauspielern und einer guten Filmidee, die im Zuge der ständig wiederholenden Horrorfilmstoffe ganz unverbraucht erscheint. Leider ist BECOMING – DAS BÖSE IN IHM recht zäh und dürfte die meisten Filmfans schnell langweilen. Der Grund: Drehbuchautor und Regisseur OMAR NAIM meint es zu gut mit der Figurenentwicklung und lässt sich zu viel Zeit mit der Vorstellung seiner beiden Helden. Spannungsdurststrecken sind die Folge. Erst in der letzten halben Stunde wird es für Horrorfilmfans interessant. Ob das aber die meisten Zuschauer überhaupt erreicht, dürfte wegen fehlender Höhepunkte fraglich sein.

 
 
 


 
 
 

BECOMING – Zensur

 
 
 
BECOMING – DAS BÖSE IN IHM hat wenige Gewaltmomente zu bieten. Gleich zu Beginn steckt sich eine Filmfigur eine Waffe in den Mund und drückt ab. Ein Kindsmord passiert im Off. Später wird ein Mann zusammengeschlagen. Weiterhin gibt es Verletzungen und Morde durch Schusswaffen und Messer zu sehen. Hierzulande ist der Film bereits für Sechsehnjährige geeignet. Wer hartes Gemetzel erwartet, wird enttäuscht werden. Brutal ist der Mysterythriller BECOMING leider nicht.
 
 
 


 
 
 

BECOMING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universum Film | Leonine (KeepCase – ungeschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Becoming; USA 2020

Genre: Horror, Mystery, Grusel, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.00:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: 99 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Trailer, Trailer-Show

Veröffentlichung: KeepCase: 10.04.2020

 
 

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BECOMING – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei UNIVERSUM FILM | LEONINE)

 
 
 
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