Filmkritik: „The Witch“ (2015)

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THE WITCH

Story

 
 
 
Neuengland im 17. Jahrhundert: Eine streng gottesfürchtige Puritanerfamilie wird infolge von Glaubensgegensätzen aus der sicheren Siedlungsgemeinschaft einer britischen Kolonie ausgeschlossen. Die Verstoßenen versuchen nun verzweifelt, in der rauhen Wildnis am Rande eines unheimlichen Waldes ihr Überleben zu sichern. Doch als wäre dies nicht hart genug, werden die Strenggläubigen zudem mit einer Hexe konfrontiert, die sich trotz aller Gebete und beschworenem Zusammenhalt zu einer existenziellen Gefahr entwickelt.

 
 
 


 
 
 

THE WITCH – Kritik

 
 
 
Bereits der Einstieg zum sich im Vorspann als New-England-Folktale beschreibenden Horrordramas lässt erahnen, wie kompromisslos bitter die folgenden 90 Minuten werden könnten. So wird kurz nach den ersten Einlebeversuchen auf dem als neue Lebensgrundlage erwählten unwirtlichen Stück Land ein unschuldiger Säugling entführt und getötet, was allerdings erst den furchtbaren Auftakt einer Unglückslawine darstellt, die über die Farmersfamilie hereinbricht. Als einzige Gegenwehr gegen das daraufhin Misstrauen säende Böse fungieren allein der anfängliche Zusammenhalt und Gebete, die jedoch nicht wirklich viel auszurichten vermögen. Während alle Familienmitglieder ihre Frömmigkeit gegenseitig immer fanatischer infrage stellen und sich für zutiefst menschliche Gefühle geißeln, rückt das Verderben unaufhaltsam näher.
 
 
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The Witch macht es dem Zuschauer bewusst nicht wirklich leicht. So spürt man in jeder Szene die Professionalität, die den melancholischen Bildern innewohnt. Allerdings wirkt alles derart trost- und hoffnungslos, dass die Atmosphäre auf Dauer unangenehm bedrückend wirkt und zunehmend ausgehalten werden muss. Dies wird durch die Langsamkeit des sich leise entwickelnden Grauens, welches von wohldosierten Schocksequenzen durchbrochen wird, nachhaltig unterstrichen. Dass hier weder hilflos verzweifelte Gegenwehr noch aufrechte Hoffnung eine echte Chance haben, macht das Gesehene noch deprimierender und schwer verdaulich. Kammerspielartig werden die Leiden, der sich im Grunde ihrem Schicksal und Gottes Willen ergebenen, ihre wahren Gefühle unterdrückenden Familie zelebriert, was für den Betrachter wohl ebenso anstrengend ist, wie für die gebeutelten Protagonisten selbst. Dass dies trotzdem nicht ausschließlich nervt oder gar albern wirkt, liegt unter anderem an den durchweg sehr guten Schauspielern, bei denen insbesondere die großartigen Leistungen der Kinderdarsteller hervorzuheben sind.
 
 
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Während die mit dem Verdacht, selbst eine Hexe zu sein, konfrontierte Tochter Thomasin (Anya Taylor-Joy) sich auch infolge ihrer Pubertät immer rebellischer zeigt, muss Sohn Caleb (Harvey Scrimshaw) neben dem Erwachen des sündhaften Interesses am anderen Geschlecht eine Besessenheit performen, die abseits von Special Effects absolut beeindruckend rüberkommt. Als irritierend kann man in The Witch allerdings die unklare Position des Drehbuchs werten, das sich sowohl beeindruckend gegen selbstzerstörerischen Aberglauben als auch die bereits den eigenen Willen als Sünde geißelnde, zwanghafte puritanische Gottesfürchtigkeit richtet, nur um dann eindeutig schmerzhaft deutlich zu machen, dass das Teuflische durchaus real in das Leben aller Beteiligten eingreift. Zumal dessen Präsenz überraschend früh eindeutig visualisiert wird. Während Filme oft am Anfang einfältig damit werben, auf wahren Begebenheiten zu beruhen, wird hier im Abspann neben dem Bezug auf Volksmärchen auf die Grundlage realer Schriften und Prozesse verwiesen, die durch Eggers unbestrittenes Können in äußerst unangenehmen symbolhaften Bildern ihre Realisierung finden. Was von dem vom Vater kraftvoll verbalisierten „Wir werden die Wildnis erobern! Sie wird uns nicht verzehren“ letzten Endes bleibt, wird an dieser Stelle fairerweise nicht verraten. Nur soviel: gerade die letzten Sequenzen wirken infolge atmosphärischer Optik und einer inhaltlich dann zudem noch recht überraschenden Twistentwicklung, die zumindest für ein Familienmitglied ein „zynisch-rabenschwarzes Happy End“ bereithält, nachhaltig positiv.
 
 
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THE WITCH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
The Witch zählt zu den Filmen, die das Gesamtspektrum von völliger Ablehnung bis hin zu begeisterter Wertschätzung abzudecken verstehen – wobei man sich letztere ein Stück weit selbst erarbeiten muss. Kunstvoll und engagiert wird eine wahrlich bittere Geschichte erzählt, von der man weiß, dass sie sich nach Abzug phantastischer Elemente historisch so zugetragen haben könnte. Und auch wenn dies natürlich generell gilt, sei besonders erwähnt, dass es bei Robert Eggers polarisierendem Langfilmregiedebüt von immens großer Bedeutung ist, es nicht mit den falschen Erwartungen auszuwählen. Sonst könnten sowohl diejenigen, die klassischen Hexenzauber, als auch jene, die ein reales Drama erwartet haben, enttäuscht werden. Anstelle von lautem, hektisch plakativen Horror dominiert ruhiges, sich stetig verstärkendes Unbehagen, dem es bei entsprechender Bereitschaft gelingt, den Rezipienten mit auf eine düstere und berührende Zeitreise zu nehmen, in der eine völlige Unterwerfung des Lebens unter biblische Grundsätze gefordert wurde und ein sündiges Menschenbild die freie Persönlichkeitsentwicklung unterdrückte. Somit ist die historisch verbürgte, von Menschenhand gestaltete selbstzerstörerische Wirklichkeit sicher nicht weniger schauderhaft, als das durch die Hexen drehbuchmäßig verbreitete Grauen.
 
 
 


 
 
 

THE WITCH – Zensur

 
 
 
Neben durchaus erträglichen bzw. nur angedeuteten Gewaltspitzen wirkt The Witch eher durch verstörende Bilder nach, die hier wegen einer eventuellen Effektivitätsschmälerung nicht näher benannt werden. Der Film hat eine FSK-Einstufung ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE WITCH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universal Pictures Home Entertainment (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Witch; USA 2015

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS 5.1, Italienisch DTS 5.1, Spanisch DTS 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Spanisch, Türkisch

Bild: 1.66:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Kein Bonusmaterial

Release-Termin: 29.09.2016

 

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THE WITCH – Trailer

 
 


 
 

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(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei Universal Pictures Home Entertainment )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Village – Das Dorf (2004)
 
The Wicker Man (1973)
 
The Wicker Man (2006)
 

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Filmkritik: „Die Tochter des Teufels“ (2015)

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DIE TOCHTER DES TEUFELS

(FEBRUARY | THE BLACKCOAT’S DAUGHTER)

Story

 
 
 

Zwei Schülerinnen müssen die Winterferien im Mädcheninternat verbringen und erleben dort den blanken Horror.

 
 
 


 
 
 

DIE TOCHTER DES TEUFELS – Kritik

 
 
 
Wenn namhafte Schauspieler aus Hollywood in einer eher unauffälligen und kleinen Genreproduktion mitwirken, muss wohl was Großes dahinterstecken. Im Falle des folgenden Mystery-Thrillers ist es der Regisseur selbst, der vermutlich der überzeugende Grund gewesen sein wird, dass Jungstars vom Kaliber EMMA ROBERTS oder KIERNAN SHIPKA mitmachen wollten. Der Sohn des legendären ANTHONY PERKINS (der echte Norman Bates aus PSYCHO und dessen Fortsetzungen) zeichnet verantwortlich und probiert sich nach Schauspielerei und Drehbuchschreiberei (u.a. THE GIRL IN THE PHOTOGRAPHS) nun auch noch als Aufnahmechef aus. DIE TOCHTER DES TEUFELS (der international als FEBRUARY oder auch als THE BLACK COAT’S DAUGHTER vermarktet wird) nennt sich sein erster Spielfilm, der natürlich gerade wegen der berühmten Wurzeln des Regisseurs von Horrorfans und Kritikern akribischer durchleuchtet werden wird, als es bei anderen Nachwuchsregisseuren der Fall ist. Darin wird der Zuschauer in verschneite Winterlandschaften entführt, die schon bei Filmen wie SHINING, THE THING oder dem schwedischen SO FINSTER DIE NACHT zum Erfolg beigetragen haben. Ob das OSGOOD PERKINS auch mit seinem Regiedebüt gelingen wird?
 
 
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DIE TOCHTER DES TEUFELS erzählt die Geschichte der 16-jährigen Kathie (KIERNAN SHIPKA) und der etwas älteren Rose (LUCY BOYNTON), die am renommierten kanadischen Bramford Internat unterrichtet werden. Zu Beginn der Winterferien passiert Sonderbares. Weil die beiden Mädchen von Niemandem abgeholt werden, der sie nach Hause bringt, müssen die Schülerinnen weiterhin im Internat verweilen. Für Rose kein Problem. Die hat nun genug Zeit, um sich heimlich mit ihrem Freund zu verabreden. Doch des einen Freud ist des anderen Leid. Die introvertierte Kathie findet die Warterei in dem menschenleeren Gebäude alles andere als erfreulich. Sie hat gar schauriges Zeug über die Schule erfahren und scheint der festen Überzeugung, dass darin das Böse haust. Offensichtlich hat sie damit auch recht, denn schon bald scheinen der Schülerin bösartige Mächte auf Schritt und Tritt zu folgen. Hirngespinste oder Realität? Die Antwort darauf wird hier nicht verraten. Währenddessen hat die verwirrte Joan (EMMA ROBERTS) andere Probleme. Sie hockt leicht bekleidet am Bahnhof und wartet in frostiger Kälte auf einen Zug nach Bramford. Gott sei Dank hat ein älteres Ehepaar Mitleid und sorgt sich um das Wohl der orientierungslosen Frau. Die älteren Herrschaften nehmen die Reisende mit dem Auto mit, ohne zu ahnen, welch schwerwiegende Folgen die selbstlose Tat für alle Beteiligten haben wird.
 
 
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Intelligenter Angstmacher mit Tiefgang. Vollste Konzentration ist geboten, denn die Geschehnisse in DIE TOCHTER DES TEUFELS werden nicht chronologisch erzählt. Parallel zur Haupthandlung verläuft ein zweiter Erzählstrang. Dieser scheint anfangs nicht sonderlich aufschlussreich zu sein, wird aber am Ende mit der eigentlichen Geschichte verwoben. Regisseur OSGOOD PERKINS hat die Handlung seines ersten Spielfilms betont verschachtelt aufgebaut und springt zwischen Zeitebenen und Erzählsträngen hin und her. Dabei hält er sich bedeckt mit Informationen, damit die Spannung bis zum Exzess hinausgezögert werden kann. Erst nach und nach ergeben die Ereignisse im Film einen Sinn. Das erfordert Aufmerksamkeit, damit nicht der rote Faden verloren geht. Leider dürfte dieser anspruchsvoll-verwirrende Erzählstil nicht jedermanns Sache sein. DIE TOCHTER DES TEUFELS richtet sich mit seiner sprunghaften, langsamen und minimalistischen Inszenierung an ein mitdenkendes Publikum, dem ein kluger Aufbau des Grauens wichtiger ist, als literweise Kunstblut und Putzkübel voller Innereien auf der Windschutzscheibe. Das gelingt im Falle von DIE TOCHTER DES TEUFELS ganz gut, denn mit einfach Mitteln wird eine immer präsenter werdende Aura des Bösen aufgebaut, die den Zuschauer deutlich zu verstehen gibt, dass in diesem Film etwas gar Schreckliches passieren wird. So sorgen bewusst schlecht ausgeleuchtete Räume, klassische Inszenierung eines Licht-und-Schatten-Spiels sowie bedrohliches, David Lynchianisches Bassgrummeln für ein mulmiges Gefühl im Zuschauerbäuchlein. Lang bleibt unklar, wohin die Reise überhaupt führen wird. Sie kulminiert in einem wirklich expliziten Finale. In dem geht es nicht gerade zimperlich zu. Angesichts der zuvor eher subtil aufgebauten Gruselatmosphäre sind die unerwartet deftigen Gewaltmomente am Ende dann doch ein Tritt in die Magengegend. Zartbesaitete Gemüter wird das mit Sicherheit verstören. Für Hardcore-Horrorfans ist dieser geleistete Blutzoll aber nicht ausreichend.
 
 
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DIE TOCHTER DES TEUFELS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Schauriger Winter-Horror mit unerwartet derbem Ausgang, der durch seine unheilvolle Atmosphäre ein permanent ungutes Gefühl im Unterbewusstsein verursacht. Das Sprichwort „Wie der Vater, so der Sohn“ ist hier Programm, denn Regisseur OSGOOD PERKINS tut es seinem berühmten Vater ANTHONY PERKINS gleich. Nach langjähriger Arbeit als Schauspieler nahm er nun auch mal auf dem Regiestuhl Platz und probierte sich – wie schon einst der Vater mit PSYCHO III – selbst im filmischen Angstmachen aus. Der erste Ausflug ins Horrorfach kann sich sehen lassen – sein Debüt DIE TOCHTER DES TEUFELS (im Original: FEBRUARY) überzeugt durch einen intelligenten Erzählaufbau, der konventionell zusammengezimmerten Horrorfilmen selbstbewusst den Stinkefinger zeigt. Horror mit Kopf wird geboten, in dem eine stetig wachsende Stimmung des Unheils heraufbeschworen wird und den Zuschauer am Ende da packt, wo es am meisten wehtut. DIE TOCHTER DES TEUFELS ist Arthouse-Horror mit Tiefgang, den man wohl mehrmals sehen muss, um ihn genauer erforschen zu können. Visuell und akustisch wird einiges geboten, was definitiv neugierig auf das macht, was Drehbuchautor und Regisseur OSGOOD PERKINS in Zukunft noch für Horrorfans auf die Leinwand bringen wird. Eigensinnig aber sehenswert – insofern man guten Horror nicht am graphischen Härtegrad eines Film festmacht.
 
 
 


 
 
 

DIE TOCHTER DES TEUFELS – Zensur

 
 
 
Eigentlich hält sich DIE TOCHTER DES TEUFELS (OT: FEBRUARY) in Sachen Gewalt zurück, denn der Horror ist subtiler Natur. Erst gegen Ende wird es deftig. Da werden Messer in Körper gerammt und Menschen enthauptet. Angesichts des eher zurückhaltenden Einsatzes von Gewalt ist das Massaker am Ende doch schon sehr hart anzuschauen. Hierzulande hatte die FSK wohl einen guten Tag. DIE TOCHTER DES TEUFELS wurde mit einer FSK16 veröffentlicht. In den 1980ern wäre ein Film wie dieser auf dem Index gelandet.
 
 
 


 
 
 

DIE TOCHTER DES TEUFELS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Media Home Entertainment (Blu-ray im Keepcase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: February; Kanada | USA 2015

Genre: Horror, Grusel, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 07.12.2017

 

Die Tochter des Teufels [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DIE TOCHTER DES TEUFELS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Abbildungen liegen bei KOCH MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Besessen – Der Teufel in Mir (2012)

Ava’s Possessions (2015)

Goddess of Love (2015)

Anguish (2015)

The Atticus Institute (2015)

The Devil’s Hand (2014)

Filmkritik: „Backtrack“ (2015)

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BACKTRACK – TOTE VERGESSEN NICHT

Story

 
 
 

Der Psychologe Peter (ADRIAN BRODY aus SPLICE, GIALLO und WRECKED) sieht plötzlich tote Menschen und begibt sich auf eine Reise voller Rätsel und Geheimnisse, die ihn zurück in den Heimatort führt, wo er mit seiner tragischen Vergangenheit konfrontiert wird.

 
 
 


 
 
 

BACKTRACK – Kritik

 
 
 
Es ist schön, dass es sie doch noch gibt: Geisterfilme, die auch das halten, was man von ihnen erwartet. Seit der Videomarkt boomt und sich nahezu jeder Niemand darin versucht, mit möglichst wenigen Budget und einfältigen Schreckmomenten rasch Geld zu verdienen, hat das Spuk- und Geistergenre einen großen Teil seiner schaurigen Faszination verloren. Regisseur MICHAEL PETRONI versucht dagegen anzukämpfen und besinnt sich auf traditionelle Spukwerte zurück. Der hat bereits im Horrorbereich Erfahrung sammeln können und Drehbücher zu Filmen wie THE RITE oder KÖNIGIN DER VERDAMMTEN beigesteuert. Mit BACKTRACK – TOTE VERGESSEN NICHT nahm er sich die Freiheit, auch mal ein eigenes Schauskript selbst zu verfilmen und landet damit gleich einen Glückstreffer. Ihm gelingt das Meisterstück eine packende Geschichte herrlich schaurig zu erzählen, die von Anfang bis Ende konstant spannend bleibt. Freunde klassischer Spuksteifen sollten demnach gut zuhören, denn BACKTRACK beendet die Durststrecke nach sehenswerten Gruselfilmen. Das war auch bitter nötig.
 
 
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Bereits auf dem FANTASY FILMFEST 2015 konnten sich Besucher von der herausragenden Qualität des wendungsreichen Gruselstücks überzeugen. Das ist mit Oscar-Preisträger ADRIAN BRODY sowie SAM NEILL prominent besetzt und erzählt die Geschichte vom Psychologen Peter, der plötzlich Geister sieht und Gewissensbisse bekommt. Der tragische Tod der kleinen Tochter hat den gestandenen Mann aus der Bahn gerissen. Für den gibt er sich selbst die Schuld, weil er nur eine Minute unachtsam war. Eines Tages taucht in seiner Praxis ein kleines Mädchen auf, das mit ihrem seltsamen Verhalten Fragen aufwirft. Nach einigen Recherchen steht fest: die minderjährige Besucherin ist seit Jahren tot – genauso wie die übrigen Patienten, die sich seit Wochen den Kummer in der Praxis von der Seele reden. Selbstverständlich sind die Geistererscheinungen nicht grundlos. Die wollen dem von Sorgen zerfressenen Psychologen etwas mitteilen. Erfahrene Zuschauer wissen natürlich, dass sich dahinter meist ein schreckliches Schicksal verbirgt, das mit dem Filmheld in Verbindung steht.
 
 
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BACKTRACK besitzt alles, was man von hochwertigem Horrorkino erwartet. Ob unwohlig musikalischer Untermalung, virtuose Kameraführung oder wirkungsvolle Schreckmomente – die Symbiose aus Mysterythriller, Geisterfilm und Verlustdrama hat einiges zu bieten, nach dem sich Hobby-Geisterjäger zu Hause seit Jahren sehnen. Die finstere und atmosphärische Kopie von THE SIXTH SENSE ködert den Zuschauer mit stets kleinen Häppchen und verrät nie zu viel über eine Geschichte, die mit genug Twisten aufwartet, damit Spannungsschrauben konstant fester gedreht werden können. Erst nach und nach werden Details über die Hintergrundgeschichte preisgegeben, die mancherorts zwar etwas konstruiert erscheint, was aber dem Spannungsbogen keinen Abbruch tut. Mehr über die intelligent geschriebene Geschichte zu verraten wäre gemein. BACKTRACK entfaltet seinen gesamten Schrecken am besten, wenn man so wenig wie möglich über den Film weiß. Deshalb: Vorhänge zuziehen, Licht ausschalten und Heimkinoanlage auf Maximum drehen. Ein Gruselfest der Extraklasse ist somit garantiert.
 
 
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BACKTRACK – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Ein finsteres und sehr atmosphärisches Geisterdrama, das mancherorts THE SIXTH SENSE oder STIR OF ECHOES in Erinnerung ruft. Klassische Gruselware wird mit BACKTRACK – TOTE VERGESSEN NICHT geboten, die nicht ungesehen bleiben sollte. Ganz im Gegenteil. Der mit ADRIAN BRODY besetzte Geisterfilm ist ein Referenztitel und sorgt mit schauriger Stimmung und fiesen Jump Scares für reichlich Gänsehaut. Die Quintessenz dieses unheimlichen und packenden Genrefilms ist jedoch die clever geschriebene Geschichte. Die fesselt bis zum erlösenden Ende und hat einige Überraschungen zu bieten. Ganz nebenbei glänzt Brody mit beeindruckender Schauspielleistung. Der verkörpert in BACKTRACK eine zermürbte Figur, die an dem tragischen Tod der Tochter zu zerbrechen droht. Seine gekonnte Darbietung eines gequälten Mannes hinterlässt Eindruck und bestätigt noch einmal, warum der Schauspieler vor einigen Jahren mit einem Oscar (für DER PIANIST) ausgezeichnet wurde. BACKTRACK ist großartig inszenierter Geisterspuk, der niemanden kalt lässt. Unbedingt sehenswert.
 
 
 


 
 
 

BACKTRACK – Zensur

 
 
 
Gewalt spielt in BACKTRACK – TOTE VERGESSEN NICHT keine Rolle. Eigentlich bekommt der Zuschauer hier keine bösen Szenen zu sehen. Der Film verursacht Gänsehaut auf subtile Weise. Wegen ein paar Schocks und Schreckmomente sowie der düster gehaltenen Stimmung des Films hat es in Deutschland für BACKTRACK eine FSK16 gegeben.
 
 
 


 
 
 

BACKTRACK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) EUROVIDEO MEDIEN (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Backtrack; Australien 2015

Genre: Horror, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.40:1 | @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailershow, Originaltrailer

Release-Termin: 10.11.2016

 

Backtrack – Tote vergessen nicht [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

BACKTRACK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken & Packshot liegen bei EUROVIDEO MEDIEN)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt (1999)

Schatten der Wahrheit (2000)

Echoes (2014)

Jessabelle (2014)

The Gift – Die dunkle Gabe (2000)

Filmkritik: „The House on Pine Street“ (2015)

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THE HOUSE ON PINE STREET

Story

 
 
 

Jennifer Branagan ist im siebten Monat schwanger und erlebt den Horror ihres Lebens. Im neuen Haus passieren unheimliche Dinge, die die werdende Mutter in den Wahnsinn treiben.

 
 
 


 
 
 

THE HOUSE ON PINE STREET – Kritik

 
 
 
Es wird wieder ruhiger im Horrorkino, denn nach dem Comeback brutaler Folterstreifen, grausamer Rachefilme und blutiger Schlachtwerke geht der Trend zum minimalistischen Horror über, der mit einfachen Mitteln möglichst viel Unbehagen bescheren soll. Das ist zuletzt mit dem außergewöhnlichen IT FOLLOWS und dem psychologischen THE BABADOOK gelungen. Letzterer wurde in Deutschland unglücklich vermarktet und lies enttäuschte Kinogänger zurück. Die hatten sich vom australischen Indie-Export schauriges Filmvergnügen versprochen, bekamen aber Psychoware vorgesetzt, die mit Horror nur wenig am Hut hatte. Trotz (berechtigter) Kritik avancierte der Psychothriller zum Geheimtipp – wohl auch deswegen, weil er bereits im Vorfeld viel Lob auf Festivals erhielt, zahlreiche Preise abräumte und so Horrorfans neugierig machen konnte. Positives Feedback und reichlich Gold gab es auch für den folgenden Film. Der schimpft sich THE HOUSE ON PINE STREET, kommt aus Amerika und wurde von zwei Brüdern gedreht, die bereits 2009 Horror in Eigenregie geschrieben, gedreht und produziert haben. Mit ihrem zweiten Spielfilm wurde subtiler Horror der zurückhaltenden Art fabriziert, der ähnlich wie genannter THE BABADOOK eher psychologisches Grauen zum Thema macht.
 
 
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THE HOUSE ON PINE STREET handelt vom psychischen Abstieg der Jennifer Branagan (vielschichtig verkörpert von EMILY GOSS), die im Verlauf des Films an ihrem Verstand zweifelt, weil seltsame Dinge passieren. Sie zieht mit ihrem Mann (TAYLOR BOTTLES) weg von Chicago in ein Haus zurück in den Ort ihrer Kindheit, wo die Geburt des Nachwuchses freudig herbeigesehnt wird. Doch die Freude am neuen Leben währt nicht lang, denn im neuen Heim geht’s nicht mit rechten Dingen zu. Die Kammer im Schlafzimmer steht immer offen und Gegenstände bewegen sich wie von Geisterhand. Ohne Frage, hier spukt’s – doch leider will der jungen Frau niemand Glauben schenken. Als die Leidgeplagte von einer unsichtbaren Kraft attackiert wird und ihr niemand helfen möchte, reicht’s. Die werdende Mutter will zurück nach Chicago. Doch da passiert das Unfassbare.
 
 
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Von strengen Müttern, beschäftigten Ehemännern und psychisch labilen Hausfrauen. THE HOUSE ON PINE STREET ist metaphernreiches und intelligentes Indie-Kino, das einmal mehr beweist, dass man für guten Horror nicht viel benötigt. So sind es oftmals kleine Geschichten fernab vom Mainstream, die den Zuschauer gebannt vor der Glotze verharren lassen. Statt plakativ zu Erschrecken und möglichst viel Schauer auf Zelluloid zu bannen, gehen es die Macher AARON und AUSTIN KEETING unkonventionell an. Sie nutzen Spuk nur als Vorwand, um eine tragische Geschichte über Isolation, Einsamkeit und ihre Folgen zu erzählen. Hauptfigur Jennifer wird im Film von einer unheimlichen Präsenz verfolgt. Deren Attacken scheinen mit fortlaufendem Schwangerschaftstress immer aggressiver zu werden. Leider zweifelt bald die Familie, ob die junge Frau noch klar bei Verstand ist. Das ist auch kein Wunder, denn weder Freunde noch Besucher können Geistererscheinungen wahrnehmen. Bald führt Verzweiflung zu Wutausbrüchen und Unzufriedenheit. Zorn wird freigesetzt. Der hat lang im Unterbewusstsein einer Frau geschlummert, die sich immer versucht hat unterzuordnen.
 
 
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AARON und AUSTIN KEETING überzeugen mit cleverem Verwirrspiel. Sie locken in THE HOUSE ON PINE STREET auf falsche Fährten und manipulieren souverän. Lang bleibt nämlich unklar, ob die Brüder hier einen Geisterfilm oder Psychothriller gedreht haben. So ahnungslos wie die Filmheldin bleibt auch der Zuschauer, der quasi auf Augenhöhe mit der Hauptfigur ein erschütterndes Martyrium durchlebt, bei dem lang undurchsichtig bleibt, ob die leidgeplagte Jennifer wirklich Geister sieht oder der Spuk nur Folge traumatisierender Erlebnisse ist. Letztendlich ist auch im Falle von THE HOUSE ON PINE STREET die Bezeichnung „Geheimtipp“ gerechtfertigt. Was hier mit wenig Budget und hervorragenden Schauspielern auf die Beine gestellt wurde, ist beachtlich. THE HOUSE ON PINE STREET bleibt gerade wegen der zurückhaltenden und minimalistischen Machart bis zum Ende spannend und pendelt mit nahezu unbeschwerter Leichtigkeit zwischen Genres. Wer gern im Horrorfilm miträtselt, sollte gut aufpassen, denn so einfach ist THE HOUSE ON PINE STREET nicht zu knacken.
 
 
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THE HOUSE ON PINE STREET – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Grandioser Geheimtipp für Liebhaber subtiler Schauer. THE HOUSE ON PINE STREET schwimmt auf gleicher Welle, wie THE BABADOOK und verwirrt den Zuschauer durch falsche Fährten. Spukt es im Film wirklich oder haben sich Geistererscheinungen nur im Kopf einer verzweifelten Frau manifestiert? Die Brüder AARON und AUSTIN KEETING gruseln unkonventionell und machen alles richtig. So richtet sich THE HOUSE ON PINE STREET an jenes Publikum, das auch im Horrorfilm nach Anspruch sucht. Das bekommt hier ein cleveres Drehbuch vorgesetzt, das sich viel Zeit für die Entwicklung der Filmheldin nimmt. Hinzukommt, dass alle Rollen mit unverbrauchten Gesichtern besetzt wurden, die zur Abwechslung auch mal was können. Wer viele Indie-Horrorfilme neueren Datum gesehen hat, dürfte wissen, dass talentierte Schauspielern oft Mangelware sind. Wir meinen: Zu Recht auf Filmfestivals gehypter Gruselstreifen – Unbedingt sehenswert.
 
 


 
 
 

THE HOUSE ON PINE STREET – Zensur

 
 
 
THE HOUSE ON PINE STREET ist subtiler Psycho-Horror, der keine Gewalt zeigt. Die reduziert sich auf einen Fenstersturz. Ansonsten gibt es einige verstörende Spukmomente zu sehen, die dem Streifen einen FSK16 einbringen dürften.
 
 
 


 
 
 

THE HOUSE ON PINE STREET – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 

Dark Circles (2013)

The Babadook (2014)

Rosemaries Baby (1968)

Delivery: The Beast Within (2013)

Filmkritik: „Backtrack: Nazi Regression“ (2014)

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BACKTRACK: NAZI REGRESSION

Story

 
 
 
Ralph träumt vom Zweiten Weltkrieg und erfährt mittels Rückführung, dass er wohl vor 70 Jahren ein Nazi war. Er beginnt, den Schauplatz seiner Alpträume zu suchen und Nachforschungen anzustellen – mit gefährlichem Ausgang.
 
 
 


 
 
 

BACKTRACK: NAZI REGRESSION – Kritik

 
 
 
Liest man den Titel dieses Films, kommen einem als Erstes wohl unweigerlich Bilder eines billigen Trashfilms mit blutigen Nazi-Eskapaden in den Sinn. Erstaunlicherweise aber ist „Backtrack“ kein solcher Film. Natürlich ist das Erstlingswerk des erst 24jährigen Regisseurs Tom Sands und das ebenfalls erste Langfilm-Drehbuch seines Bruders Mick weit davon entfernt, ein guter Film zu sein, aber zumindest ist „Backtrack“ nicht der ultrabillige Schund, den man wohl aufgrund des Titels und des Covers erwarten würde. Zur Geschichte: Ralph (Mark Drake) hat wiederkehrende Alpträume, in denen er sich im Jahr 1940 befindet und offensichtlich als deutscher Nazi an gar „Schröcklichem“ beteiligt ist. Um Klarheit zu erlangen, schlägt seine Bekannte Claudia (Rosie Akerman) vor, bei ihm eine Rückführung durchzuführen. Dadurch jedoch werden die bedrückenden Ereignisse von damals nur noch deutlicher und intensiver, so dass Ralph beschließt, den Ort, den er in seinen Träumen gesehen hat, aufzusuchen und Nachforschungen anzustellen. Also Zelt, Freundin Andrea (Sophie Barker), Claudia und deren Freund Lucas (Miles Jovian) eingepackt und auf den Weg gemacht. Vor Ort angekommen, wird alles natürlich noch unheimlicher – ein Fremder verfolgt sie und Ralphs Visionen werden immer intensiver. War er nun ein Nazi oder nicht? Und welches Geheimnis birgt der kleine Ort, an dem sich die Vier aufhalten?
 
 
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Das Grundproblem bei „Backtrack“ könnte sein, dass hier sowohl vor als auch hinter der Kamera ausnahmslos Anfänger am Werk waren. Hier ist niemand mit Erfahrung dabei, der das Ruder noch hätte herumreißen können damit wenigstens durchschnittlicher Horror an den Zuschauer gebracht werden kann. So wird aus „Backtrack“ leider ein ziemlich…nun ja…unspektakulärer Film, dem man an allen Ecken und Enden anmerkt, dass hier Laien am Werk waren. Zwar hat Regisseur Tom Sands schon einige Dokumentarfilme gedreht, aber er ist auch erst 24 und hatte es vorher offensichtlich noch nicht mit dem Führen von Schauspielern zu tun. Aber auch das Drehbuch seines Bruders Mick weist viele Mängel auf. Das beginnt bei der recht dünnen Story, geht weiter über die ziemlich oberflächliche Figurenzeichnung und endet bei dem Nichtvorhandensein von Spannung und Tempo. Die 97 Minuten Laufzeit ziehen sich wie Kaugummi und leider interessiert es einen nicht im Geringsten, was dort auf den Feldern irgendwo in Irland passiert.
 
 
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Dennoch ist man erstmal froh, dass man es hier nicht mit billigstem Horrortrash zu tun hat, in dem wildgewordene Nazis blutrünstig durch die Gegend trampeln und man schlechte CGI-Effekte zu sehen bekommt. Die Erleichterung darüber reicht aber natürlich nicht aus, um „Backtrack“ schlussendlich wohlgesonnen zu sein. Dafür hapert es einfach an zu vielen Stellen. Die Charaktere sind allesamt ziemlich bescheuert. Ralph guckt vorrangig großäugig-fassungslos in der Gegend herum, während er versucht, Ordnung in sein traumchaotisches Hirn zu bringen. Claudia faselt derweil was von Rückführungen und dass sie auch etwas gespürt hat, als sie Ralph rückgeführt hätte. Derweil sind Lucas (der übrigens aussieht wie zwölf und wie ein pubertierendes Ghettokid aus Londons East End redet, obwohl er der Freund von Esoteriktante Claudia sein soll) und Andrea (bumsbirnige Freundin von Träumerle Ralph) damit beschäftigt, sich flachzulegen, ohne dass ihre jeweiligen Partner etwas davon mitbekommen. Die Strafe folgt natürlich auf dem Fuße, denn Lucas und Andrea werden von einem mysteriösen Traktorfahrer entführt. Die Protagonisten bleiben dabei so oberflächlich, uninteressant oder gar unsympathisch, dass der Zuschauer hier keine Sympathien aufbauen kann. Da hier bis auf Mark Drake totale Schauspiel-Anfänger am Werk sind, wirken die Figuren kaum glaubhaft und man sieht dem gesamten Cast an, dass er größtenteils überfordert war mit der Darstellung des jeweiligen Charakters.
 
 
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„Backtrack“ wirkt kaum wie ein Horrorfilm. Über weite Strecken wähnt man sich eher auf einem Ausflug aufs Land mit blöden Leuten. Die Sonne scheint, die Felder blühen – wie da überhaupt so etwas wie gruselige Stimmung entstehen soll, ist schleierhaft. Gepaart mit dem leider eher dilettantischen Inszenierungsstil von Tom Sands und dem inhaltlich mehr als holprigen Script seines Bruders gelingt es „Backtrack“ bis zum Finale nicht, sich als Horrorfilm zu positionieren. Spätestens dann gibt es zwar ein paar kleine Folterwunden zu sehen und eben noch den unheimlichen Fremden, dessen Geheimnis gelüftet wird; schlussendlich reicht das nicht aus, um „Backtrack“ beim Publikum interessant machen zu können. Dennoch, so richtig böse kann man den Sands-Brüdern irgendwie nicht sein. Der Film ist zwar weder ein Horrorfilm und nicht einmal ansatzweise gruselig (außer vielleicht bei den darstellerischen Leistungen), aber so richtig schlecht ist er eben auch nicht. Gut, warum jemand nachts mit Sonnenbrille Motorrad fährt, muss vielleicht nochmal erklärt werden. Zudem sind viele Szenen in der Regel deutlich zu lang geraten, der Finaltwist ist lahm und die Darsteller hoffnungslos überfordert. Trotzdem ist man einfach dankbar, dass man hier nicht mit dem Trash konfrontiert wurde, den man bei so einem Titel und der dazugehörigen Inhaltsangabe erwartet hätte. Darüber hinaus wartet „Backtrack“ mit einem wunderschön gesungenen Titelsong auf (Abi Phillips‘ „Gravity“) – Etwas, mit dem man bei diesem Crowdfunding-Projekt wohl nicht gerechnet hätte.
 
 
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BACKTRACK: NAZI REGRESSION – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
„Backtrack“ ist ein ungewöhnlicher englisch/irischer Genrebeitrag. Zwar ist er schlussendlich kein guter Film (was man bei einem Erstlingswerk eines Mittzwanzigers vielleicht auch nicht erwarten sollte) und bei Weitem kein gruseliger Horrorfilm, dennoch unterwandert er die Erwartungshaltung des Zuschauers auf ungewöhnliche Weise. Gesehen haben muss man das zwar nicht, aber ein paar kleine Bonuspunkte für diesen seltsamen Nicht-Horrorfilm sollten schon drin sein. Deshalb also drei von zehn Rückführungen, die man besser hätte sein lassen sollen.
 
 
 


 
 
 

BACKTRACK: NAZI REGRESSION – Zensur

 
 
 
„Backtrack: Nazi Regression“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Auf dem Cover der erhältlichen Heimkinoversion prangt daher der rote FSK-Flatschen. Immerhin ist der Film diesmal wirklich erst für Volljährige geeignet, denn oftmals werden Blu-rays und DVDs deren Filme eine 16er-Freigabe erhalten haben, künstlich durch Bonus in der Altersfreigabe nach oben getrieben. Diesmal ist das jedoch nicht der Fall.
 
 
 


 
 
 

BACKTRACK: NAZI REGRESSION – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Castle View Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Backtrack; Großbritannien / Irland 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Keine

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 97 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Making-of

Release-Termin: 28.08.2015

 

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BACKTRACK: NAZI REGRESSION – Trailer

 
 


 
 

MissVega

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Die Rechte für alle Grafiken liegen bei CASTLE VIEW FILM

 
 
 
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