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Beiträge mit Schlagwort “Mysterythriller

Filmkritik: „I Remember You“ (2017)

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I REMEMBER YOU

(Ég man þig)

Story

 
 
 
Im ländlichen Island geht es nicht mit rechten Dingen zu. Das Verschwinden eines kleinen Jungen bringt einen mysteriösen Mordfall ins Rollen, der selbstverständlich gelöst werden muss.

 
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Kritik

 
 
 
Jedes Jahr um die Sommerzeit zieht ein Fest durch Deutschland, das Genre-Fans hellhörig werden lässt. Dort nämlich werden aktuelle Filme aus den Bereichen Horror, Thriller und Fantasy auf die Leinwand gebracht, die es nach der Aufführung gern mal auf DVD und Blu-ray schaffen. Die Rede ist vom FANTASY FILMFEST, das sich mittlerweile zur ersten Adresse bei Fans des phantastischen Kinos entwickelt hat, weil die Veranstalter Spreu vom Weizen trennen. Statt üblen Low-Budget-Unfug und austauschbare Billigware zu zeigen, versuchen die Macher Filme aufzuführen, die auch einem gewissen Qualitätsstandard entsprechen. Wohl auch ein Grund für die Beliebtheit der Veranstaltung, weil das Fest vor Augen führt, dass unabhängiges Genrekino weit mehr kann, als das was uns Hollywood versucht vorzugaukeln.
 
 
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Weg vom bekannten Gruseleinerlei hin zu unkonventioneller Angstmacherei. Mit genau jenem Konzept konnte auch das isländische Mysterydrama I REMEMBER YOU glänzen, das sich auf genannter Veranstaltung als Publikumsliebling entpuppte. Während das FANTASY FILMFEST nämlich in verschiedenen Städten eine Reihe von Genrestreifen im Kino zeigt, darf das Publikum die Besten der Besten küren. Dabei mauserte sich genannter Island-Export schnell zum Geheimtipp und kletterte mit seiner etwas anderen Machart an die Spitze der beliebtesten Gruselfilme des FANTASY FILMFEST 2017. Ganz unbegründet ist die Entscheidung der Zuschauer nicht. I REMEMBER YOU ist nämlich wirklich gut, aber zweifelsohne nichts fürs Kommerzpublikum. Allein dessen ist dieser isländische Genre-Beitrag aber schon mal eine Sichtung wert.
 
 
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I REMEMBER YOU beansprucht die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Hier werden nämlich zwei Geschichten erzählt, die offenbar miteinander verbunden sind. So wollen drei junge Leute auf einer isländischen Insel ein Haus auf Vordermann bringen, um es zahlenden Touristen als Bed-and-Breakfast-Hotel zur Verfügung zu stellen. Die Arbeiten sind mühselig, hat seit über 60 Jahren kein Mensch mehr hier gewohnt. Doch die Renovierungsarbeiten stehen unter keinem guten Stern. In der Hütte scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen und auch zwischen den Anwesenden beginnt es bald zu brodeln, weil private Konflikte ans Tageslicht kommen. Währenddessen wird Kilometer weiter ein seltsamer Selbstmord untersucht. Dort hat sich eine alte Dame das Leben genommen auf deren Körper man sonderbare Verletzungen findet. Der ermittelnde und selbst von Sorgen zerfressende Psychologe Freyr beginnt zu forschen und kommt dabei einem Geheimnis auf die Spur, das ihm bald das Blut in den Adern gefrieren lässt.
 
 
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Auf Island kommt man langsam in die Gänge. Nach dem unheimlichen Abschiedsdrama RIFT folgt nun ein weiterer Gruselfilm, der gekonnt die Kulisse isländische Abgeschiedenheit nutzt, um daraus düstere Unterhaltung mit Anspruch zu machen. Offenbar nimmt man sich Schweden als Vorbild, wo selbst die Traumfabrik vor der unkonventionellen Machart den Hut zog und sich Rechte für Genre-Ware krallte, um daraus neu interpretiertes Kinomaterial im amerikanische Stile zu produzieren. Gleiches könnte auch mit I REMEMBER YOU passieren, denn der Film besitzt eine verschachtelte Geschichte, die gleichzeitig auch die Quintessenz dieses etwas anderen Geisterfilms ist. Spuk ist hier zwar vorhanden, spielt aber eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt stehen seltsame Todesfälle, die gelöst werden müssen. Passender Stoff also für Hobby-Detektive und leidenschaftliche Krimifans, denn I REMEMBER YOU ist bei genauerer Betrachtung eher ein spannender Kriminalfall, welcher an skandinavische TV-Thriller erinnert und sich erst am Ende im Geisterfach verirrt, um etwas Gänsehaut bescheren zu können. Dabei nimmt sich Regisseur ÓSKAR THÓR AXELSSON besonders viel Zeit beim Erzählen seiner Geschichte und analysiert dabei auch die Sorgen seiner authentischen Hauptdarsteller, die ohnehin schon von Schicksalsschlägen gebeutelt sind. Das macht I REMEMBER YOU auch auf emotionaler Ebene brauchbar und glaubhaft, was vor allem Schauspieler JÓHANNES HAUKUR JÓHANNESSON zu verdanken ist, der hier als Psychologe wegen des verschwundenen Sohns durch die Höhle geht. Mit ihm fühlt man mit, weil der unter dem kuriosen Verschwinden seines Kindes leidet. Der begegnet dem Sohnemann plötzlich an den undenkbarsten Orten und folgt ihm auf eine Spur, die am Ende des Rätsels Lösung ist. Berührend – auch wenn erst nach und nach viele Puzzleteile ein plausibles Ganzes ergeben.
 
 
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Der langsam und bedacht inszenierte I REMEMBER YOU beweist einmal mehr, dass es kein Blut oder reißerischer Spezialeffekte bedarf, um spannende Geschichten zu erzählen. Hier wird unheimliche Stimmung auf anderem Wege hervorgerufen. Der Film bewirkt gespenstiges Unbehagen durch einfache Mittel, wie sporadische Belichtung, trostlose Kulissen und grummelnden Sound. Letzterer dürfte Besitzer von Heimkinoanlagen das Fürchten lehren, weil der Subwoofer just in jenen Momenten besonders aktiv wird, wenn drohendes Unheil naht. Effektive Gruselzutaten, um einen sehenswerten Genrefilm zu inszenieren. Das ist I REMEMBER YOU mit Sicherheit.
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Die isländische Version des gefeierten Geisterklassikers WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN. Was hier wie eine Folge CSI:Rejkjavik beginnt, mausert sich ganz schnell zu einem fesselnden Mysterythriller, der vor allem wegen seiner verworrenen Handlung und der für Gruselfilme eher ungewöhnlichen Kulisse auf ganzer Linie überzeugt. Karge Landschaften treffen auf nicht minder karg eingerichtete Häuser und von Sorgen geplagte Figuren, die Teil eines ungewöhnlichen Genre-Mixes sind, der auf einem bekannten Bestseller beruht. Den Plot zum Film hat sich nämlich die vielfach ausgezeichnete Kriminalautorin YRSA SIGURÐARDÓTTIR ausgedacht, die mit dem zugehörigen Roman „Ég man þig“ einen isländischen Krimi verfasst hat, der angeblich bei Erscheinen im Jahr 2010 so viele isländische Leser nächtelang wach gehalten hat, wie wenige Bücher zuvor. Ganz unbegründet ist die Hype nicht. Auch die Verfilmung ist nicht ohne und fesselt mit mehreren Erzählebenen bis zum Schluss. Schnell ist man mittendrin und kann sich dem Mysterium nicht mehr entziehen, das sich im Film wie eine Schlaufe um alle Beteiligten zieht. I REMEMBER YOU besitzt zwar einen unterkühlten Look, ist aber zutiefst emotional und atmosphärisch stimmig. Da sag noch einer, die Isländer würden von der übrigen Welt nichts mitbekommen. In Sachen Genrefilm hat man auf der Insel im Norden offenbar einiges dazugelernt. I REMEMBER YOU zumindest ist eine Glanzleistung in Sachen Mysterykino. Geheimtipp für anspruchsvolle Cineasten!
 
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Zensur

 
 
 
I REMEMBER YOU hat eigentlich kaum Gewalt zu bieten. Zwei Protagonisten werden von herabfallenden Steinen erschlagen und verenden an ihren Verletzungen. Zudem gibt es eine mumifizierte Kinderleiche und tote Körper mit seltsamen Wundmalen zu sehen. Hierzulande hat der isländische Horrorfilm eine FSK16 erhalten und ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Concorde Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ég man þig; Island 2017

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Isländisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Deutsch, Englisch

Bild: 2.40:1 | @23,976 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Deutscher Kinotrailer, Original-Kinotrailer

Release-Termin: 18.01.2018

 

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I REMEMBER YOU – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Packshot und Grafiken liegen bei Concorde Filmverleih GmbH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
We Go On (2016)
 
Devil in the Dark (2017)
 
Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)
 

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Filmkritik: „Devil’s Gate“ (2017)

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DEVIL’S GATE

Story

 
 
 
Auf einer unheimlichen Farm passieren seltsame Dinge. Was die Polizei dort jedoch findet, geht weit über rationalen Menschenverstand hinaus.

 
 
 


 
 
 

DEVIL’S GATE – Kritik

 
 
 
Ist es eigentlich ein gutes Zeichen, wenn ein Film von Festival zu Festival gereicht wird? Nicht selten steckt dahinter Kalkül. Viele Festival-Initiatoren zeigen sehenswerte Filme, um möglichst viele Besucher in die Vorstellungen locken zu können. Aber das Einreichen von Filmen kann auch einem anderen Zweck dienen. So kann es gut sein, dass Filme keinen Verleih finden und daher so lange auf diversen Festivals ihr Dasein fristen bis sich endlich ein Einkäufer findet. Im Falle von DEVIL’S GATE können wir aber Entwarnung geben. Auch dieser Streifen wurde auf einschlägigen Veranstaltungen wie dem FRIGHTFEST oder dem TRIBECA FILMFESTIVAL aufgeführt, vermutlich aber nicht mit dem Hintergrund unbedingt ein Käufer für die Heimkinoauswertung zu finden. Diesen dürfte erwähnter Indie-Horror ohnehin schnell gefunden haben, denn DEVIL’S GATE ist weit weg von schlecht und bringt gute Horrorunterhaltung ins gemütliche Wohnzimmer. Darauf dürfen sich Genre-Fans freuen.
 
 
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Was ist denn hier nicht in Ordnung? Das denkt sich auch FBI-Agentin Daria Francis (AMANDA SCHULL). Die muss sich im ländlichen Amerika mit einem Fall beschäftigen, der viele Fragen aufwirft. Im Fokus der Ermittlungen steht Familienvater Jackson Pritchard (MILO VENTIMIGLIA aus STATIC und KISS OF THE DAMNED). Seit einer Ewigkeit sind nämlich dessen Frau und der gemeinsame Sohn verschwunden. Man glaubt an Mord. Doch der ortsansässige Sheriff Conrad ‚Colt‘ Salter (SHAWN ASHMORE aus HATCHET 2 und FROZEN) kennt den Beschuldigten seit der Kindheit persönlich und vermutet andere Ursachen. Grund genug sich auf der heruntergekommenen Ranch besagter Familie umzuschauen. Dort stößt man auf das verstörte Familienoberhaupt, das über den Besuch der Gesetzeshüter so gar nicht erfreut ist. Offenbart versucht er die Farm vor etwas zu beschützen, das es mit der Familie nicht sonderlich gut meint. Und in der Tat. Im Keller erhält man erste Hinweise. Dort haust in einem Käfig ein Wesen, das keinesfalls menschlich ist. Da stellt sich glatt die Frage, was in diesem Heim nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Antwort darauf sucht man in dieser Kritik vergebens. Jeder noch so kleine Spoiler raubt nämlich DEVIL’S GATE die Spannung.
 
 
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Eine abgelegene Farm, bedrohliche Wolken, ein religiöser Fanatiker und der Teufel im Titel. Dieser Film muss mit dem Okkulten zu tun haben, was wohl das Interesse eines Exorzisten auf den Plan rufen dürfte, der hier mit Weihwasser und Kruzifix zu Tate schreiten muss. Überraschenderweise macht Regisseur CLAY STAUB alles anderes. DEVIL’S GATE ist im anderen Subgenre Zuhause und treibt mit unerwarteten Handlungsverläufen die Spannung voran. Leider beinhaltet der Streifen viele Rätsel und überraschende Wendungen, was es an dieser Stelle schwer macht den Film zu rezensieren. Jede Information zu viel zerstört den nicht uninteressanten Plot, der hier immer nur knappe Hinweise darüber liefert, was letztendlich des Pudels Kern ist. Der Zuschauer wird stets häppchenweise mit Antworten versorgt, die am Ende ein rundes Ganzes ergeben. Erst dort macht der Mystery-Plot Sinn und verinnerlicht einmal mehr, dass selbst bekannte Geschichten immer noch gut funktionieren, wenn man sie in einem unvorhersehbaren Drehbuch niederschreibt, das nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt. Dass die erste eigene Arbeit von Regisseur CLAY STAUB eine atmosphärische wie spannende Glanznummer geworden ist, scheint nicht von ungefähr zu kommen. Der Macher war nämlich zuvor an einigen Horror-Produktionen beteiligt, bei denen er wohl das Einmaleins des Angstmachens studiert hat. So stand er als Regisseur der zweiten Unit an der Neuverfilmung des Kultstreifens DAWN OF THE DEAD und dem Prequel zu Carpenters THE THING zur Seite. Immerhin erfolgreiche Filme, die besser waren, als die meisten Neuinterpretationen geliebter Kultklassiker. Qualitativ bleibt Macher CLAY STAUB zumindest seinem Kurs treu. DEVIL’S GATE kann sich sehen lassen und dürfte Freunde unabhängigen Gruselkinos bestens unterhalten. Dank guter (aus TV-Serien bekannter) Schauspieler, professionell getrickster Kreaturen-Effekte und durchdachter Erzählweise ist aus diesem kleinen Grusel-Indie definitiv ein Geheimtipp geworden. Sollte man sich auf die Filmliste setzen.
 
 
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DEVIL’S GATE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bedrohlich-düsteres Indie-Kino, das sich nicht gleich durchschauen lässt und bis zum Ende fesselt. DEVIL’S GATE gelingt das Kunststück, welches immer wenigeren unabhängig produzierten Horrorfilmen gelingt. Der Streifen erzählt eine Geschichte, die schnell in den Bann zieht und von der man unbedingt wissen will, wie sie ausgeht. Grund hierfür: Man hat sich beim Verfassen des Drehbuchs Gedanken gemacht und an einem Plot gebastelt, der den Zuschauer anfangs versucht in die Irre zu führen. Wohin die Reise wohl gehen wird? Das bleibt bis zur Hälfte ungewiss. Ein guter Schachzug, um das Publikum bei Laune zu halten. Offenbar war im Falle von DEVIL’S GATE jemand am Regler, der selbst Horrorfan ist und weiß, was Genre-Fans wollen. Letztere dürstet es nach spannenden Geschichten, die gute Unterhaltung versprechen. Das ist Regisseur CLAY STAUB definitiv gelungen. Der zitiert hier Altmeister wie JOHN CARPENTER oder TOBE HOOPER. Die permanent bedrohliche Kulisse tut da ihr Übriges. Essentiell für einen Horrorfilm. Dieser Mysterythriller ist zweifelsohne sehenswert. Bitte mehr von diesen kleinen, qualitativen Low-Budget-Schockern.
 
 
 


 
 
 

DEVIL’S GATE – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt zeigt DEVIL’S GATE nicht. Ein Mann wird von einer Bärenfalle zerquetscht, Ein Bein wird mit einem metallischen Gegenstand durchbohrt, der Brustkorb eines Protagonisten wird aufgerissen und ein Gesicht wird ebenfalls weggeschossen. Hierzulande dürfte eine FSK16 drin sein.
 
 
 


 
 
 

DEVIL’S GATE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC Midnight)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Extraterrestrial (2014)
 
The Recall (2017)
 
Dark Skies – Sie sind unter uns (2013)
 


Filmkritik: „Rift“ (2017)

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RIFT

(RÖKKUR)

Story

 
 
 
Herausforderndes, genreübergreifendes und mehrdeutiges Kino aus Island. Ein mysteriöser Anruf mit Folgen: Der psychisch labile Einar braucht Hilfe und der Ex-Freund schaut nach dem Rechten. Was ihn aber erwartet, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren.

 
 
 


 
 
 

RIFT – Kritik

 
 
 
Es ist schon lange her, dass wir auf FILMCHECKER einen Genre-Streifen aus Island besprochen haben. Kein Wunder, hat sich das Land im kühlen Norden nicht unbedingt durch harte Horrorfilme einen Namen gemacht, sondern werkelt eher an anspruchsvollen Produktionen, die im Thriller, Dramen- oder Krimifach Zuhause sind. Umso mehr erfreut es uns alte Filmfüchse, wenn uns dann doch mal wieder etwas Isländisches vor die Linse kommt und uns in Welten entführt, die wir nur von Ansichtskarten kennen. RIFT nennt sich der folgende Mystery-Thriller aus Island, der natürlich Konventionen strotzt und den Filmfan mit Anspruch konfrontiert. Gute Abwechslung also, um kurz vergessen zu können, dass die Mehrheit der Horrorstreifen neueren Datums eigentlich immer nur aus einer Aneinanderreihung bekannter Szenen besteht, in denen billige Schocks, Stereotypen und Klischees die Angst-Sucht des Zuschauers befrieden sollen.
 
 
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Wenn sich zwei Menschen trennen und gezwungen sind über ihre gescheiterte Beziehung zu sprechen. RÖKKUR (so der Originaltitel) feierte 2017 auf dem 35. Filmfest in München Deutschlandpremiere und handelt von einem mysteriösen Anruf, der Gunnar (BJÖRN STEFÁNSSON) aus dem Schlaf reißt und mit Sorgen zurücklässt. Ex-Freund Einar (SIGUROUR PÓR ÓSKARSSON) scheint in Not zu sein, was Gunnar dazu bewegt nach dem Rechten zu sehen. Der reist in die Einöde Islands und hat gar kein gutes Bauchgefühl. Doch der Ex ist über den Besuch überrascht. Er kann sich an keinen Anruf erinnern und hat sich in das Sommerhäuschen der Eltern zurückgezogen, um nach der Trennung wieder klaren Kopf zu bekommen. Für den Besorgten Grund genug für ein paar Tage zu bleiben. Doch die verlaufen anders als gedacht. Nachts klopft es an der Tür, doch niemand steht davor. Und auch Ex-Freund Einar verhält sich neuerdings seltsam. Der beginnt in der Nacht schlafzuwandeln und irrt nackt durch die Einöde. Was das zu bedeuten hat? Der Zuschauer muss sich gut konzentrieren, denn RIFT beansprucht dessen gesamte Aufmerksamkeit.
 
 
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RIFT ist zweifelsohne kein übler Mystery-Thriller. Das unverbrauchte Setting zieht schnell in den Bann und auch die von hervorragenden Schauspielern verkörperten Figuren bleiben über weite Strecken interessant. Was den LGBTQ-Streifen aber problematisch macht sind die falschen Fährten. Davon gibt es in RIFT reichlich, was eigentlich lobenswert ist, um des Pudels Kern des Films möglichst lang verschleiern zu können. Leider verlaufen vieler derer ins Leere und führen den Zuschauer nicht wieder auf den richtigen Weg zurück. So verwirrt die Handlung schnell und der rote Faden geht verloren. Was bleibt sind viele Fragen, die am Ende ein unbefriedigendes Gefühl hinterlassen, weil wohl die meisten Filmfans die Auflösung nicht verstehen. Fatal für einen Horrortrip, der erst am Ende die Katze aus dem Sack lässt. In Interviews erklärte Regisseur ERLINGUR THORODDSEN, dass sich der Zuschauer nicht so sehr auf Logik konzentrieren soll. Vielmehr soll dieser den Fokus auf die Emotionen der Figuren legen. Diese durchleben im Verlauf von RIFT eine Achterbahn der Gefühle. Letztendlich sei darin die Auflösung des Ausnahmestreifens zu suchen. Ob das jedoch ausreicht, um den genreübergreifenden RIFT verstehen zu können, bleibt fraglich.
 
 
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RIFT – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Anspruchsvoller Arthaus-Grusel mit atemberaubenden Bildern und beklemmender Schauerstimmung, der sich in keine Schublade pressen lässt. Der isländische Regisseur ERLINGUR THORODDSEN braucht nicht viel, um Grauen heraufbeschwören zu können. Er nutzt die menschenleere Einöde Islands, um maximales Unbehagen entstehen zu lassen. So reicht ein abgelegenes Haus und vier Figuren aus, um RIFT (Originaltitel: RÖKKUR) tragen zu können. Den Rest bescheren Dunkelheit und Geheimnisse. Letztere verbergen Protagonisten nicht ohne Grund. Leider macht sich RIFT das Leben mit falschen Fährten schwer. Irgendwann findet der Zuschauer den roten Faden nicht mehr. Unkonventionell – gut und schön. Doch was nützen die anspruchsvollsten Drehbücher, wenn selbst das Kopfkino des Zuschauers die vielen offenen Fragen des Films nicht beantworten kann. Demzufolge sollte man den Mix aus Mystery-Thriller und Beziehungsdrama mit Vorsicht genießen. Immerhin: Atmosphärisch wird groß aufgefahren. Zumindest in diesen Belangen kann man RIFT nichts vorwerfen, für den sich Macher ERLINGUR THORODDSEN übrigens von Streifen wie DER FREMDE AM SEE und WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN inspirieren ließ.
 
 
 


 
 
 

RIFT – Zensur

 
 
 
Erst am Ende zeigt der Film etwas Gewalt. So wird ein Kopf mit einem Stein eingeschlagen und ein Gesicht wird mit einem Teppichmesser bearbeitet. RIFT dürfte ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

RIFT – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Breaking Glass Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)
 
Rosemaries Baby (1968)
 


Filmkritik: „Slumber“ (2017)

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SLUMBER

Story

 
 
 

Eine Schlafforscherin bekommt einen besonders seltsamen Fall auf den Tisch, für den sie den rationalen Menschenverstand ausschalten muss, um ihn überhaupt verstehen zu können.

 
 
 


 
 
 

SLUMBER – Kritik

 
 
 
Seit einiger Zeit scheinen Filme über Schlafparalyse schwer im Kommen zu sein. Wir hatten hierzu schon des Öfteren Streifen vorgestellt, in denen Protagonisten während einer Schlaflähmung mit finsteren Gestalten Bekanntschaft gemacht haben. Dass diese Thematik Stoff für Horrorfilme liefert, ist nicht unbegründet. Millionen Betroffene leiden nämlich regelmäßig unter diesem beängstigenden Phänomen bei dem man sich zwar im Wachzustand befindet, aber leider nicht bewegen kann. Was beunruhigend klingt, ist jedoch vollkommen natürlich. Damit man sich nämlich in der Traumphase nicht ununterbrochen bewegt und vielleicht noch verletzt, lähmt der Körper zum Schutz die Muskulatur. Diese Starre wird aber wieder aufgehoben, sobald der Wachzustand eintritt. Dennoch kann es hin und wieder einmal vorkommen, dass es dem Körper nicht sofort gelingt, die Schlaflähmung vom Schlafzustand zu trennen. Das hat zur Folge, dass die Schlafparalyse nicht mit dem Aufwachen endet, sondern auch noch bis in den Wachzustand anhält. Für die meisten Leidtragenden eine beängstigende Erfahrung, die gerade dann Panik auslöst, wenn man zuvor in einem Albtraum gefangen war. Die Betroffenen sehen sich hierbei schutzlos ausgeliefert. Einige derer berichten sogar von Schattenwesen, die ihnen während der Paralyse-Phase nach dem Leben trachten wollten. Wenn das nicht Berichte sind, aus denen sich Horrorfilme machen lassen. Jene Vermutung hatte wohl auch Newcomer JONATHAN HOPKINS. Der probiert sich mit SLUMBER im Angsteinjagen aus. Entstanden ist ein solider Gruseltrip ohne Höhepunkte. Die nächste Regiearbeit kann nur besser werden.
 
 
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Von Albträumen und Schlafstarre. SLUMBER erzählt die Geschichte von Schlafforscherin Dr. Alice Arnolds (MAGGIE Q – bekannt aus actiongeladenen Kinoblockbustern). Die hat als Kind den schlafwandelnden Bruder verloren, der offenbar wegen einer unheimlichen Präsenz aus dem Schlaf gerissen wurde und anschließend aus dem Fenster fiel. Seither ist die Forscherin traumatisiert und von Schuldgefühlen geplagt. Doch das Leben muss weitergehen. Leider wird die Schlafexpertin bald von der Vergangenheit eingeholt. Neue Patienten werden nämlich von seltsamen Vorkommnissen geplagt und suchen Hilfe. Alice nimmt sich der leidgeplagten Familie Morgan an und versucht Lösungen zu finden. Die Familie kann nämlich nicht mehr in Ruhe schlafen und hat Angst vor der Nachtruhe. Ist da etwa Traumdämon FREDDY KRUEGER zugange? Im Falle von SLUMBER ist es eine andere Kreatur, die es auf den Sohn der Familie Morgan abgesehen hat. Der wird von einem hinterlistigen Dämon heimgesucht, der Schlaflähmung ausnutzt, um dem Jungen schlimme Dinge während der Nachtruhe anzutun. Die Eltern sind machtlos und auch Dr. Arnolds weiß nicht so recht, wie sie mit dem Problem umgehen soll. Weil der kleine Patient jedoch die Forscherin an den eigenen Bruder erinnert, beginnt sie den rationalen Verstand auszuschalten und sich mit dem Okkulten zu beschäftigen. Leider bringt sich die Ärztin damit selbst in Gefahr.
 
 
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Hat sich hier wohl jemand von der Dokumentation THE NIGHTMARE inspirieren lassen? SLUMBER fasst nämlich auch die Thematik von boshaften Wesen auf, die Menschen während einer Schlaflähmung heimsuchen. Das macht neugierig. Aber irgendwie ist SLUMBER weder Fisch noch Fleisch. Der Film folgt einer konventionellen Handlung bei der Überraschungen und vor allem Köpfchen fehlen. Schnell wird nämlich klar, was hier passieren wird und welche Wege man geht, um den Spuk beenden zu können. So werden die Patienten während der Nachtruhe von unschönen Erlebnissen geplagt, denen niemand Glauben schenken möchte. Schlafmedizinerin Dr. Alice Arnolds nimmt sich ihrer an und liest ein paar Bücher über Traumdämonen, um am Ende ihre eigene Angst vor der Vergangenheit bewältigen zu können. Oh ja, da hat sich jemand wirklich Mühe beim Schreiben von Skript und Drehbuch gegeben. Wenn es handlungstechnisch nicht klappt, muss eben ein Ass aus dem Ärmel geschüttelt werden. Das nennt sich Atmosphäre und beschert SLUMBER zumindest hin und wieder stimmungsvolle Momente, die wohliges Gruseln garantieren. Sind die Patienten nämlich mit Träumen beschäftigt und macht sich ein Traumdämon am kleinen, schlafgelähmten Daniel Morgan (LUCAS BOND) zu schaffen, dürfen sich Besitzer moderner Heimkinoanlagen freuen. Die Tontechniker haben ganze Arbeit geleistet. Da grummelt es plötzlich aus allen Boxen und Gänsehaut entsteht auch ohne plakative Schockmomente. Subtiles Angsteinjagen nennt man das, was im Grunde nichts Schlechtes ist. Dennoch hätte eine klügere Handlung SLUMBER bei weitem besser gemacht. So geht der Streifen – trotz halbwegs unverbrauchter Thematik – im Sumpf beliebiger Gruselstreifen unter. Es gibt eben mittlerweile zu viele Horrorfilme, die wöchentlich veröffentlicht werden. In Amerika weitaus mehr, als hier in Deutschland. Da bedarf es etwas mehr Tiefgang und Raffinesse, um aus der Masse an unbedeutender Genre-Ware hervorstechen zu können.
 
 
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SLUMBER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärischer Gruselstreifen, der das Phänomen Schlafparalyse und die Angst vor Schlaflähmung zum Thema macht. Leider ist die Geschichte zum Film schnell erzählt und hat auch kaum Überraschungen zu bieten. Das macht SLUMBER beliebig, bei dem man das Gefühl nicht loswerden möchte, als hätten die Macher Potenzial verschenkt. Das geradlinige Drehbuch folgt einer klischeehaften und vorhersehbaren Handlung, die immerhin subtile Gruselstimmung heraufbeschwört. So können auch weniger in Horrorfilmen erfahrene Zuschauer bedenkenlos zuschauen, ohne gleich selbst mit Einschlafproblemen kämpfen zu müssen. SLUMBER ist ein Gruselfilm gedreht nach Schema F, der sich vor allem an ein Publikum richtet, das eine Vorliebe für Old-School-Gruselei besitzt. Hier gibt es weder Gewalt noch Kreaturen aus dem Computer zu sehen. Stattdessen spielt man mit Licht, Schatten und der Phantasie des Zuschauers, um Gänsehaut entstehen zu lassen. Auf den Filmbösewicht darf man in SLUMBER übrigens nur kurz einen (verschwommenen) Blick werfen. Danach sieht man den Traumdämon kein weiteres Mal. Ein raffinierter Schachzug, um das Kopfkino des Zuschauers zu aktivieren. Dennoch ist SLUMBER kein Horror-Hit. Einmal gesehen, hat man ihn schon wieder vergessen. Dazu fehlen dem Gruselfilm Alleinstellungsmerkmale.
 
 
 


 
 
 

SLUMBER – Zensur

 
 
 
SLUMBER ist eher ein subtiler Gruselfilm, der mit der Angst der Schlaflähmung spielt. Gewalt gibt es hier – bis auf eine kurze Szene – gar nicht zu sehen. Darin würgt ein besorgter Familienvater in Rage Schlafforscherin Alice. Eigentlich wäre der Film FSK12-tauglich. Weil der Film wegen seiner düsteren Atmosphäre an einigen Stellen dann doch etwas sehr verstörend wirkt, dürfte SLUMBER wohl eine FSK16 erhalten.

 
 
 


 
 
 

SLUMBER – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Nightmare (2015)
 
Dead Awake (2016)
 
The Shadow Man (2017)
 
Paranormal Resurrection (2014)
 


Filmkritik: „Alone“ (2017)

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ALONE

(SEULS)

Story

 
 
 

Fünf Teenager müssen sich in eine Welt ohne Menschen durchschlagen und sind dabei vielen Gefahren ausgesetzt.

 
 
 


 
 
 

ALONE – Kritik

 
 
 
Ein Endzeitszenario aus Frankreich, in dem Jugendliche in einer Welt ohne Erwachsene ums Überleben kämpfen müssen. Aufmerksamen Horrorfans dürfte da nicht unbegründet ein Licht aufgehen. Vor einigen Monaten haben wir nämlich schon einmal einen Film besprochen, der ähnliche Geschichte erzählt hat. DON’T GROW UP hat aber nichts mit dem folgenden Film am Hut. Die Storyähnlichkeiten in ALONE sind rein zufällig, ebnen jedoch die Grundlage für packende 90 Minuten, die sich vor teuren Kinohits aus Hollywood nicht verstecken müssen. Der hier vorgestellte ALONE wurde nämlich von STUDIOCANAL mitproduziert und macht (vielleicht auch gerade deshalb) visuell einiges her. Trotz aufwändiger Machart kam der Streifen im Entstehungsland nicht besonders gut an, denn niemand wollte ALONE im Kino sehen. Etwas unverständlich, hat der Thriller doch all das zu bieten, was man von dieser Art von Filmen erwartet. Wohl möglich hat’s an Zombies gemangelt. Die sind immer dann zu sehen, wenn sich Überlebende einer menschenleeren Welt durch vereinsamte Straßenzüge arbeiten müssen. Leider muss ALONE ohne die Untoten auskommen. Der Film suggeriert Angst auf anderem Weg und das macht ihn so besonders. Fans mit einer Leidenschaft für Endzeit- und Weltuntergangsszenarien kommen da auf Ihre Kosten, denn auch wenn der Streifen von den französischen Nachbarn kommt, kann der Film weit mehr, als manch millionenschwerer Schnarcher aus der Mache von Bay, Emmerich oder Konsorten.
 
 
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Irgendwo in Frankreich geht der sonst so taffen Araberin Leila plötzlich der Hintern auf Grundeis. Als die nämlich eines Morgens aus dem Bett kriecht, stimmt die Welt nicht mehr. Alle Erwachsenen und Kinder sind verschwunden. Die Stadt scheint menschenleer zu sein. Was ist hier geschehen? Weil Telefon und Internet nicht funktionieren, muss sie zu Fuß nach Antworten suchen. So trifft die Teenagerin auf andere Jugendliche, die sich über die gleiche Frage den Kopf zerbrechen. Was man schnell in Erfahrungen bringen kann, ist wenig erbaulich. Eine Rauchwolke hat die Stadt umschlossen und lässt niemanden hinaus. Die bahnt sich ihren Weg ins Zentrum und hat den Tod im Schlepptau. Doch der mysteriöse Rauch ist bald das kleinere Übel. Durch die Straßen der Stadt schleicht eine weitaus schlimmere Bedrohung in Menschengestalt. Die hat es auf die Alleingelassenen abgesehen und will den Tod der fünf Jugendlichen. Bei so viel Geheimniskrämerei stellt sich doch glatt die Frage, wer hinter all dem steckt und was hier wohl im Argen liegt. An alle Filmdetektive ein gut gemeinter Rat: Vergeudet keine Zeit mit der Suche nach Erklärungen. Die Auflösung errät man nie.
 
 
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Hinter dem nicht ungeschickten ALONE steckt ein französischer Comic mit dem Titel SEULS. Der umfasst mittlerweile 25 Bände und wurde hierzulande unter dem Titel ALLEIN in die Buchläden gebracht. Weil Comicverfilmungen offenbar immer noch schwer angesagt sind, hat man sich nun auch an die ersten fünf Bände besagter Bildergeschichten gewagt und daraus einen spannenden Endzeitthriller inszeniert, der definitiv nichts für Kinder ist. Eine kuriose Angelegenheit, richtet sich doch die Comicvorlage selbst an eine junge Leserschaft, die hier packende Abenteuer gleichaltriger Grundschüler erlebt. Offenbar wollten die Macher der Filmadaption mit den Möglichkeiten der Vorlage spielen. Um zu vermeiden, dass kleine Kinogänger wegen der zugrundeliegende Thematik und einiger unschöner Bilder verstört werden könnten, wurde ALONE letztendlich so konzipiert, dass sich der Streifen dann doch an ein erwachsenes Publikum richtet. Eine lobenswerte Prämisse, kann erst so von einer beunruhigenden Bildsprache Gebrauch gemacht werden, die absolute und zermürbende Ausweglosigkeit vermittelt. So wurden aus den kleinen Kindern der Bücher junge Erwachsene, die sich nun im Film durch eine trostlose Welt kämpfen müssen in der Zusammenhalt zählt, um Überleben zu können. Freundschaft ist eben alles.
 
 
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ALONE geht auf das Konto von jemandem, der sich mit Jugendlichen und Horror auskennt. Der Franzose DAVID MOREAU schockierte 2006 schon einmal mit kontroversem Zündstoff. Der hieß THEM und handelte von einem Paar, das von maskierten Teenagern terrorisiert wurde. Ganz so heftig wird es diesmal nicht – aber mindestens genauso spannend. ALONE entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als französische Version ähnlicher Verfilmungen von Jugendbüchern wie DIVERGENT oder MAZE RUNNER und besitzt sogar Gemeinsamkeiten zu einigen Büchern des viel gelobten STEPHEN KING – darunter DER NEBEL und THE LANGOLIERS. Der Mysterythriller beginnt dabei wie nahezu jeder Endzeitstreifen und steigert die Spannung mit seltsamen Vorkommnissen, die natürlich ergründet werden wollen. So müssen die Helden nach der Ursache suchen, die dazu geführt hat, dass plötzlich alle Menschen verschwunden sind. Zudem muss herausgefunden werden, wer da den Teenagern auf der Lauer liegt und diese am liebsten in den Filmhimmel befördern möchte. Die Antworten darauf sind lobenswerterweise relativ unverbraucht und machen ALONE deshalb zum Geheimtipp. Leider ist der Streifen im Entstehungsland gefloppt. Dies dürfte zur Folge haben, dass (nötige) Fortsetzungen auf sich warten lassen werden. Bedauerlich, hat doch ALONE das Potenzial zu einem Mehrteiler im Stile von Buchverfilmungen wie TRIBUTE VON PANEM oder HARRY POTTER.
 
 


 
 
 

ALONE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Eine der besten Endzeitstreifen aus Europa. Ja, auch Europa kann Filme drehen, die das Ende der Menschheit thematisieren. ALONE sieht verdammt gut aus und hat auch noch sympathische Filmfiguren in petto. Die erhalten sogar so etwas wie Tiefe und wachsen daher schnell ans Herz. Leider kam die Comicverfilmung im Entstehungsland nicht sonderlich gut an. Der Film floppte unverständlicherweise, weshalb wohl die Verfilmungen der übrigen Bücher auf Eis gelegt wurden. Angesichts des offenen Endes eine bittere Erkenntnis. Die Comic-Realverfilmung ALONE packt nämlich den Zuschauer schnell. Der will natürlich am Ende wissen wie es weitergeht. Leider muss man sich da wohl vorerst mit den bisher erschienenen Comicbüchern zufriedengeben. Die spinnen die Geschehnisse weiter – wenngleich aber kindgerecht. Anders als die Verfilmung richten sich nämlich die Comics an eine eher junge Fangemeinde. Dementsprechend züchtiger geht es dort auch zu. Da kann man nur hoffen, dass Hollywood nicht Wind davon bekommt. ALONE (der im französischen Original übrigens SEULS heißt) hat Remake-Potenzial. Es würde daher nicht wundern, wenn bald eine amerikanische Version von ALONE um den Globus geht. Mit der Verfilmung von Buchreihen hat die Traumfabrik nämlich Erfahrung, weil sich damit auf Dauer gut Geld verdienen lässt.
 
 
 


 
 
 

ALONE – Zensur

 
 
 
Die Gewalt im Film ist überschaubar. Ein Körper wird mit einem Pfeil durchbohrt und am Ende bekommt der Filmbösewicht auch noch sein Fett weg. Hierzulande dürfte ALONE demzufolge ohne Probleme eine FSK12 erhalten. Dennoch ist der Film – vor allem wegen der apokalyptischen Stimmung – definitiv nichts für Kinder.

 
 
 


 
 
 

ALONE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei StudioCanal)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (2014)
 
Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste (2015)
 
Bad Kids of Crestview Academy (2017)
 
Die Bestimmung – Divergent (2014)
 
Stephen Kings Langoliers – Verschollen im Zeitloch (1995)
 


Filmkritik: „Shut In“ (2016)

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SHUT IN

Story

 
 
 
Nach einem tragischen Verkehrsunfall versucht Kinderpsychologin Mary den Tod ihres Mannes zu verarbeiten, während sie zudem die Pflege ihres in eine Art Wachkoma gefallenen Stiefsohnes übernimmt. An einem eingeschneiten Ort, bei dem das Wort Abgeschiedenheit noch untertrieben scheint, beginnt die Überforderte, nachdem sich unheimliche Ereignisse mehren, zunehmend an ihrem Verstand zu zweifeln …

 
 
 


 
 
 

SHUT IN – Kritik

 
 
 
„Shut In“, was übersetzt soviel wie „ans Haus bzw. Bett gefesselt“ bedeutet, gehört zu den Filmen, die nur dann Spaß machen, wenn man wenig bis nichts über sie weiß. Diesem Umstand wird versucht beim Schreiben der Kritik zu entsprechen. Doch soviel sei verraten: Sechs Monate nach dem traumatischen Ereignis wird Mary noch immer von Gewissensbissen geplagt. Nachdem sie sich in der Vergangenheit weder als neue Mutter noch Therapeutin dem enthemmt pubertierenden Stiefsohn aus gewachsen fühlte, zehrt nun auch dessen tägliche Betreuung nach einer schweren Behinderung an den Nerven. Obendrein wird die psychotherapeutische Praxis weiter betrieben, in der sie ein junger Patient (dargestellt durch Jacob Tremblay, der bereits in „Before I Wake“ als Unheil ankündigendes aber knuffig ins Herz spielende Kind brilllierte) auch an ihre beruflichen Grenzen stoßen lässt. Als dessen Therapie beendet wird und der neunjährige Junge trotzdem in der Nacht unvermittelt vor ihrer Tür steht, beschließt sie ihm auch gegen übergeordnete Entscheidungen zu helfen. Doch dazu kommt es nicht, denn ebenso plötzlich ist er wieder verschwunden. Erneut psychisch erschüttert, da sie davon ausgehen muss, dass der kleine Kerl in der eisigen Einsamkeit erfroren ist, verliert sie zunehmend die Kontrolle über ihre Wahrnehmungen. Als optische und akustische Halluzinationen sie zu quälen beginnen, stellt sich unabwendbar die Frage, ob sie noch „Herrin ihrer Sinne“ ist.
 
 
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Die horrorerprobte Naomi Watts (Ring / Ring II / Kinder des Zorns IV) schlägt sich tapfer und erotisch ansprechend durch die bereits auf den ersten Blick hochwertig wirkende Produktion. Optik, Cast, Score usw. stimmen und auch wenn sich die Handlung langsam entwickelt, entsteht keine Langeweile. Dafür sorgen recht wirkungsvoll gesetzte kleine Schreckmomente, die eine ansprechend bedrohliche Stimmung untermalen. Doch reicht die Story, die wohl über mehrere Jahre auf der sogenannten Black List für „die besten unverfilmten Drehbücher“ stand, aus, um Horrorfans bei der Stange zu halten? „Shut In“ gelingt es lange Zeit, den Zuschauer ebenso wie seine gebeutelte Hauptprotagonistin in die Irre zu führen. Was ist Wahn? Was Wirklichkeit? Oder bekommt man es am Ende gar mit einem übernatürlichen Phänomen zu tun?
 
 
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Diese Unklarheit hat durchaus ihren Reiz und auch die Twistauflösung nach cirka der Hälfte der Laufzeit funktioniert durchaus erfreulich. Leider begibt sich der Streifen danach aber eher in arg konventionelle, das heißt schon wiederholt gesehene Gefilde, ohne neue Akzente zu setzen. Dass sich dabei unlogische Situationen häufen, sei verziehen, wenn man bedenkt in welchem Genre man sich befindet. In puncto Body Count, Tempo und bebildertem Schrecken hätte man die Handbremse allerdings durchaus mehr lockern können, wenn nicht müssen, um Begeisterungsstürme auszulösen. Das relativ unaufgeregte Ende hätte zudem eindeutig etwas mehr Innovation vertragen, um nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. Zudem wirkt die Schlussszene unangenehm harmonisch und, nachdem was sich zuvor an Grauen ereignet hat, auch deplatziert unglaubwürdig.
 
 
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SHUT IN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
„Shut In“ ist für einen kuschlig stimmungsvollen Schmusegruselabend nahezu prädestiniert, während er als Partyhorror mit Kumpels wohl nicht die erste Wahl sein dürfte. In der ersten Hälfte begeistert die Geschichte mit einer cleveren Grundidee, welche sich bis zum Abschluss immer mehr in vorhersehbaren Entwicklungen verliert, was verdammt schade ist. Wer gepflegtem psychologischen Nervenkitzel ohne allzu laute Töne etwas abgewinnen kann, müsste an dem atmosphärischen Kammerspiel dennoch seine Freude haben.
 
 
 


 
 
 

SHUT IN – Zensur

 
 
 
Neben dosierten Gewaltspitzen wie Messerattacken oder Schlägen an den Kopf bewegt sich das Gezeigte in einem Bereich, der die FSK friedlich gestimmt hat. Der Streifen lief in den Kinos bereits mit FSK16. Das hat sich auch bei der Heimkinoauswertung nicht geändert. „Shut In“ hat den blauen FSK16-Flatschen bekommen.
 
 
 


 
 
 

SHUT IN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Shut In; USA | Kanada | Frankreich 2016

Genre: Horror, Thriller, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow, Interviews mit Cast & Crew

Release-Termin: 21.04.2017

 

Shut In [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

SHUT IN – Trailer

 
 

 
 
 

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(Rechte für Grafiken liegen bei Universum Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Babadook (2014)
 
The Noonday Witch (2016)
 
Babycall (2011)
 


Filmkritik: „Sam Was Here“ (2016)

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SAM WAS HERE

(NEMESIS)

Story

 
 
 

In der kalifornischen Mojave-Wüste erlebt ein Handelsvertreter den blanken Horror. Erst leuchtet ein mysteriöses Licht am Himmel. Später machen Menschen Jagd auf ihn. Was liegt hier im Argen?

 
 
 


 
 
 

SAM WAS HERE – Kritik

 
 
 
Talentierte Schauspieler, ein cleveres Drehbuch und genug Spannung, um den Zuschauer bei Laune zu halten – es bedarf nicht viel um einen sehenswerten Horrorfilm zu drehen. Dennoch scheitern allein daran schon viele Regisseure, weil es den meisten Horrorfilmen neueren Datums an Ideen mangelt. Stattdessen werden die immer wieder gleichen Geschichten abgespult in der Hoffnung, mit der unersättlichen Nachfrage des horrorhungrigen Publikums irgendwie Geld verdienen zu können. Das macht müde und nimmt allmählich die Lust am Genrefilm. Immerhin gibt es Ausnahmen. Die sind zwar rar, aber dennoch vorhanden. Einer dieser Streifen mit Seltenheitswert nennt sich SAM WAS HERE, der mal wieder von einem Newcomer gedreht wurde, der auf Konventionen pfeift. Mit gerade einmal 70.000 Euro hat hier ein französischer Regisseur einen hitzigen Thriller gedreht, der wieder Lust auf mehr Horror macht. CHRISTOPHE DEROO nennt sich der ambitionierte Filmemacher, der mit seinem anarchistischen Filmdebüt und dem Mut zum Unkonventionellen Werke der französischen Terrorwelle ins Gedächtnis ruft. Die wütete in den 2000ern und brachte kontroverse Streifen wie MARTYRS oder HIGH TENSION hervor, welche sich sogar international einen Namen machen konnten. Auch dort kümmerte man sich weder um Grenzen noch Geschmäcker, hielt mit der Kamera drauf und polarisierte. Letzteres gelingt auch SAM WAS HERE ohne Probleme – wenngleich auf anderem Wege.
 
 
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NEMESIS – so wie SAM WAS HERE auch vermarktet wird – erzählt die rätselhafte Geschichte des Vertreters Sam (RUSTY JOINER), der von seinem Vorgesetzten ins amerikanische Hinterland geschickt wird, um mehr Kunden akquirieren zu können. Der fährt in schwüler Hitze durch die Mojave-Wüste von Kalifornien und klappert ein Haus nach dem anderen im kargen Ödland ab, um deren Bewohner zum Kauf seiner Produkte zu bewegen. Kurioserweise steht er aber immer vor verschlossenen Türen und auch sonst ist keine Menschenseele zu sehen. Nur ein lokaler Radiosender bietet Abwechslung zum monotonen Vertreteralltag. Auf dem wird pausenlos von den grausamen Verbrechen eines skrupellosen Kinderschänders berichtet, der in der Gegend für Angst und Schrecken sorgt. Leider nehmen die Ereignisse bald eine seltsame Wendung. Sam wird plötzlich von maskierten Menschen verfolgt, die ihm nichts Gutes wollen. Zudem werfen Briefe Fragen auf, in denen der ominöse Radiosender die Bewohner der Gegend zum Mord am Kindermörder anstiftet. Kein gutes Omen für den ahnungslosen Vertreter. Der muss bald einsehen, dass man ihn als den gesuchten Mörder verdächtigt. Aber warum? Für die Antwort darauf ist sollte man die grauen Zellen aktivieren.
 
 
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Es müssen nicht immer dunkle Gänge, gruselige Herrenhäuser oder verlassene Friedhöfe sein, um Gänsehaut bewirken zu können. Wie bereits zuletzt in DRIFTER oder CARNAGE PARK kann auch schwüle Wüstenatmosphäre dazu beitragen, um ausweglosen Horror zu transportieren. Die mysteriöse und spannend aufbereitet Geschichte ist hier die Quintessenz. SAM WAS HERE ist nämlich nicht so leicht zu durchschauen, denn Regisseur CHRISTOPHE DEROO verzichtet auf plausible Antworten und führt stattdessen seine mysteriöse Geschichte ins Absurdum. Ist der Filmheld ein kaltblütiger Kindermörder und kann sich daran nicht erinnern? Oder wird in diesem Film gar Kritik an den Medien geäußert, die durch gezielte Falschinformationen den Hass von Menschen schüren? SAM WAS HERE nimmt den Zorn der Zuschauer auf sich und verwirrt mit offenem Ende. Statt Antworten gibt es Fragen, auf deren Suche nach Antworten weitere Fragen aufgeworfen werden. Diese Richtung ist aber gewollt, denn Filmemacher CHRISTOPHE DEROO macht es seinem Vorbild DAVID LYNCH gleich. Auch der ist dafür berüchtigt einfache Geschichten zu erzählen, die viele Schubladen öffnen und so mehrere Interpretationen zulassen. Demzufolge sollte man das Köpfchen anstrengen und seine Phantasie spielen lassen. Wem das bewusst ist, erlebt mit SAM WAS HERE einen tadellosen Horrorbeitrag der sich ins Hirn brennen wird.
 
 
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SAM WAS HERE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Achtung: Horror-Geheimtipp! Ultra-Spannender Überlebenshorror unter der drückenden Hitze Nord-West-Amerikas. Was hier mit 70.000 Euro in zwölf Tagen gedreht wurde ist erstaunlich. SAM WAS HERE (Alternativtitel: NEMESIS) ist auf technischer Ebene vielen Indie-Produktionen um Längen voraus. Zudem erweist sich Regisseur und Drehbuchautor CHRISTOPHE DEROO als wahrhaftiger Meister der Spannung. Sein Filmdebüt ist zwar mit knappen 70 Minuten nicht sonderlich lang, fesselt aber mit einer undurchsichtigen und ebenso unvorhersehbaren Geschichte ungemein. In Interviews erklärte der Newcomer, dass er neben DAVID LYNCH auch ein großer Liebhaber der Filme von Regisseur JOHN CARPENTER ist. Demzufolge gibt’s aggressiv pumpenden Synthesizer-Sound für die Ohren, der zweifelsohne die Frühwerke des Altmeisters Revue passieren lässt. Wie genanntes Vorbild versucht CHRISTOPHE DEROO mit wenigen Mitteln viel zu schaffen und zu sagen. Das kleine Budget sieht man dem Film zu keiner Minute an – eine Kunst für sich. Weil keine Antworten auf dem Silbertablett serviert werden, dürfte SAM WAS HERE aber manch Zuschauer vor den Kopf stoßen. Das ist gewollt, denn CHRISTOPHE DEROO gab in Interviews zu verstehen, dass Verständnis nicht zu seinen Prioritäten beim Filmemachen gehört. Daher sollte man einfach mal etwas tiefer forschen und die eigene Interpretationsfähigkeit walten lassen. Der Streifen lässt nämlich viele Erklärungsansätze zu. Das macht ihn so einzigartig. Trotzdem von uns ein kleiner Tipp: Im Film leuchtet des Öfteren ein rotes Licht am Himmel. Schenkt man der Aussage des Regisseurs Glauben, steht jenes Licht für wachsenden Hass. Je stärker es leuchtet, umso mehr Hass wird produziert. Wir wünschen genug Kreativität bei der Suche nach Antworten.
 
 
 


 
 
 

SAM WAS HERE – Zensur

 
 
 
Eine Frau wird mit heißem Wasser verbrüht, ein Kopf wird eingeschlagen, eine Spritze in ein Gesicht gerammt, Gewehrmunition bohrt sich durch Körper und am Ende wird ein Protagonist mit Säure überschüttet. CHRISTOPHE DEROO ist laut Interview kein Freund zeigefreudiger Brutalitäten. Demzufolge wird oft nur angedeutet oder weggeblendet, wenn es zu deftig wird. SAM WAS HERE dürfte demnach problemlos die FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

SAM WAS HERE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Strangers (2008)
 
The Hitchhiker (2007)
 
Carnage Park (2016)
 


Filmkritik: „Demon Girl“ (2016)

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DEMON GIRL

(HOUSE ON WILLOW STREET | FROM A HOUSE ON WILLOW STREET)

Story

 
 
 

Vier Kleinkriminelle planen einen großen Coup. Leider müssen sie schnell einsehen, dass es auch Dämonen missfällt, wenn man gegen Gesetze verstößt.

 
 
 


 
 
 

DEMON GIRL – Kritik

 
 
 
Wenn vermeintliche Bösewichte selbst zu Gejagten werden. Das ist guter Stoff für fiese Horror-Unterhaltung von der man sich doch gern berieseln lassen möchte – vor allem wenn ein „Haus“ im Titel auf bösartige Gruselunterhaltung hoffen lässt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass in unscheinbaren Häusern an reißerisch bezeichneten Straßen und Plätzen nicht selten das Böse zu Hause ist. So passiert im Mysterythriller THE HOUSE ON PINE STREET, dem Rache-Schocker LAST HOUSE ON THE LEFT oder dem Psychopathen-Grusler HOUSE AT THE END OF THE STREET, wo sich in abgelegenen Anwesen schockierende Dinge ereignet haben. Auch FROM A HOUSE ON WILLOW STREET – der hierzulande unsinnigerweise in DEMON GIRL umgetauft wurde – lockt mit vielversprechender Titelgebung und springt auf den „House“-Zug auf. Doch diesmal sollte man nicht zuviel erwarten. Professionelle Optik macht das Fan-Herz weich. Forscht man aber tiefer, tritt schnell Ernüchterung ein, denn DEMON GIRL ist weit weg von perfekt. Regisseur ALASTAIR ORR zeichnet verantwortlich. Der kommt aus Südafrika und hat scheinbar Gefallen am Horrorfach gefunden – zumindest legt das die bisherige Filmografie nahe. Mit einem hastig zusammengeschnippelten Trailer soll neugierig auf DEMON GIRL gemacht werden. Leider verbrät man darin gleich die besten Szenen, weshalb enttäuschte Gesichter vorprogrammiert sind. Nach der Dschungel-Kreaturen-Gurke INDIGENOUS liefert Filmemacher ALASTAIR ORR Horrorstoff ab, der dem Vorgängerfilm des Regisseurs intellektuell das Wasser reichen kann. Das bedeutet: Abermals kämpfen dumme Protagonisten gegen das Böse auf Erden und schlagen es trotz geistiger Umneblung am Ende in die Flucht. Neu ist im direkten Vergleich das Gespür für’s Visuelle. Der dreckige und semiprofessionelle Videolook aus INDIGENOUS musste weichen. Dafür sind in DEMON GIRL nun makellose Hochglanzaufnahmen zu sehen, die es gut und gerne mit Horrorproduktionen großer Studios aufnehmen können. Doch machen mehr Budget und professionelles Equipment aus einem sonst eher einfallslosen Drehbuch sehenswertes Horrorkino?
 
 
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Kidnapping ist kein Kavaliersdelikt. Das müssen auch die Helden (darunter SHARIN VINSON) in DEMON GIRL feststellen, die die Tochter einer gut betuchten Familie entführen wollen. Es sind Diamanten, auf die es die Bande abgesehen hat und welche nun als Lösegeld gefordert werden. Doch weil es sich hier um einen Horrorfilm handelt, darf man davon ausgehen, dass alles anders kommen wird. Die Entführung läuft zwar nach Plan, nur die Eltern der Geisel reagieren weder auf Anrufe oder Botschaften. Sind die etwa nicht daheim? Um auf Nummer sich zu gehen, begibt man sich noch einmal zum Tatort, um nach dem Rechten zu sehen. Was man jedoch nach akribischer Suche im Elternhaus findet, lässt den Kleinganoven das Blut in den Adern gefrieren. Die Eltern liegen verstümmelt in ihren Betten und im Keller findet man von Rohren durchbohrte Exorzisten. Wer hat diese grausamen Taten begangen? Schnell wird klar, dass hier wohl höhere Mächte am Werk sein müssen, denn die entführte Katherine (CARLYN BURCHELL) beginnt plötzlich zu schweben und faselt boshafte Verse.
 
 
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Guter Start, der Rest: Naja. Eigentlich hätte aus DEMON GIRL fesselnder Horror werden können, der bis in den Schlaf verfolgt. Leider macht die zweite Filmhälfte aus diesem Horrorthriller dann doch nur eine übertriebene Gruselachterbahn ohne tieferen Sinn, die aber immerhin ohne Längen abgehandelt wird. Während Regisseur ALASTAIR ORR in den ersten 45 Minuten Spannung durch mysteriöse Vorfälle aufbaut, die auf subtilen Grusel mit Hirn hoffen lassen, lösen sich Vorfreuden spätestens ab der Halbzeit in Luft auf. Genau das Gegenteil flimmert nämlich über die Mattscheibe und dürfte Feingeister die Haare zu Berge stehen lassen. So wird aus einer unheimlichen Entführung plötzlich vorhersehbarer Dämonen-Nonsens, der sich zu sehr den Konventionen des Horrorkinos unterwirft und sich in einem faden Brei aus Klischees und Effekthascherei verfängt. Eine enttäuschende Wendung, weil einfallslose CGI-Effekte und austauschbare Besessenheitsthematik aus DEMON GIRL belanglosen Horror-Blödsinn macht, an den sich bereits Stunden nach Sichtung niemand mehr erinnern wird. Hier hätte man mehr draus machen können, zumal dem Drehbuch in den letzten Zügen auch noch die Ideen ausgehen und die immer gleichen Spezialeffekte aus der Effektkiste gekramt werden. Da schweben besessene Zombie-Freunde durch die Luft und dämonische Wurmparasiten krabbeln aus Mündern, weil sie nach neuen Wirtskörpern suchen. Weil die immer gleichen Effekte zelebriert werden und die Helden auch noch spannungsarm vor einem Dämon in Menschengestalt flüchten müssen, versinkt DEMON GIRL schnell in der Belanglosigkeit. Das hat man irgendwie alles schon mal besser gesehen, wobei wir an dieser Stelle noch einmal die Horrorstreifen DON’T BREATH und THE AUTOPSY OF JANE DOE in Erinnerung rufen möchten. Bei genauerer Betrachtung ist DEMON GIRL nichts anderes, als ein Mix genannter Grusel-Hits. Leider erreicht der Film nicht mal annähernd jene Qualitäten. Spezialeffekte und Action sind eben nicht immer alles. In Zeiten permanenter Ideenarmut sind es clevere Geschichten, die vor allem das Horror-Genre dringend nötig hat.
 
 
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DEMON GIRL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Eine kurzweilige und atmosphärische Gruselachterbahn, die kaum Verschnaufpausen bietet. Leider hat DEMON GIRL (Originaltitel: FROM A HOUSE ON WILLOW STREET) nur ein Problem: Hier fehlen Ideen. Der Streifen schaut zwar mit seinem permanent düsteren Look und den teils gut getricksten Spezialeffekten hervorragend aus. Blickt man aber hinter die Fassade, ist dieser komplett in Südafrika gedrehte Dämonen-Spuk nichts anderes, als ein hirnloser Okkult-Zirkus voller Schocks, der sich in erster Linie ans Mainstream-Publikum richtet. Was stark und unheimlich beginnt, katapultiert sich nach 45 Minuten selbst ins Aus. Geschichte und Figuren bleiben flach. Dafür wird Wert auf Spezialeffekte aus dem Computer gelegt. Was man hier geboten bekommt ist weit weg von clever. Ein bösartiger Dämon will die Menschenwelt beherrschen, benötigt aber fünf Seelen um auf Erden zu wandeln. Natürlich ist das konventioneller Blödsinn, der möglichst viele Schreckmomente abhaken möchte und mit permanent gruseliger Stimmung so etwas wie Spannung heraufbeschwören will. Leider verhalten sich die Figuren dämlich und auch der Dämon in Menschengestalt ist trotz magischer Fähigkeiten nicht die hellste Kerze auf der Torte. Dumme Handlungen gestalten das Treiben vorhersehbar. Das macht diesen Streifen zum Spannungskiller, der trotz netter Optik keinen Preis für Originalität gewinnen dürfte. Bei so einfältiger Gruselmacherei will man fast schon Mitleid mit Hauptdarstellerin SHARIN VINSON haben, die sich bereits mit Horrorfilmen auskennt und in YOU’RE NEXT oder BAIT 3D zu sehen war. Auch diese Popcornstreifen waren nicht sonderlich helle, hatten aber immerhin fiese Morde in petto. Letztere sucht man in DEMON GIRL übrigens vergebens. Der Film hat nämlich kaum Schauwerte zu bieten, was vermutlich jene enttäuschen wird, die sich nach Sichtung des ansprechend geschnittenen Trailers ein Splatter-Feuerwerk erhofft haben.
 
 
 


 
 
 

DEMON GIRL – Zensur

 
 
 
Was Gewalt angeht hält sich DEMON GIRL (OT: FROM A HOUSE ON WILLOW STREET) sehr zurück. Es gibt kurz verstümmelte und übel zugerichtete Leichen zu sehen. Ansonsten verwandeln sich die wenigen Protagonisten im späteren Verlauf – ähnlich wie im Kult-Splatter EVIL DEAD – in willenlose Dämonen-Zombies. Wer jetzt aber denkt, dass die brutal morden, irrt gewaltig. In DEMON GIRL sind die verwandelten Kleinganoven nur Handlanger eines Oberdämons, die Angst und Schrecken verbreiten sollen. Wegen der gelungenen Make-up und Spezialeffekte sowie verstörender Visionen hat der Streifen aber eine Erwachsenenfreigabe erhalten. Hierzulande steht DEMON GIRL mit rotem FSK-Flatschen im Händlerregal. Ungeschnitten versteht sich!
 
 
 


 
 
 

DEMON GIRL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: From a House on Willow Street; Südafrike 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover (alternatives Filmmotiv)

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 02.11.2017

 

Demon Girl [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DEMON GIRL – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Tiberius Film )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breath (2016)
 
The Autopsy of Jane Doe (2016)
 
The Badger Game (2014)
 
Demonic (2015)
 
Evil Dead (2013)
 


Filmkritik: „House – Willkommen in der Hölle“ (2016)

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HOUSE – WILLKOMMEN IN DER HÖLLE

(HUSET)

Story

 
 
 

Norwegen im Winter 1942: Zwei Soldaten irren mit einem Gefangenen durch die Wälder. Erschöpft erreichen Sie ein Haus in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht.

 
 
 


 
 
 

HOUSE – Kritik

 
 
 
Sind günstig produzierte Horrorfilme eigentlich zwangsläufig schlecht? Wenn man sich die vielen schnell heruntergekurbelten Low-Budget-Gurken der letzten Jahre anschaut, liegt der Verdacht leider nahe. Statt mit wenige Kapital stimmige Geschichten zu erzählen, wird in der Regel lieblose Dutzendware mit miserablen Effekten und untalentierten Schauspielern geboten. Der Grund hierfür ist ganz einfach. Weil technische Ausrüstung immer erschwinglicher wird, greifen immer mehr Hobby-Gruselfans selbst zur Filmkamera, schließlich kosten Digicams nicht mehr die Welt und liefern gestochen scharfe HD-Bilder. Talent ist dabei genauso nebensächlich, wie Kreativität und gute Drehbücher. Eine Entwicklung, die man einfach nicht mehr hinnehmen sollte, schließlich rauben schlechte Filme nur unnötig Lebenszeit, die woanders besser investiert wäre. Dass es aber auch anders geht, zeigt der folgende Horrorstreifen. Mit gerade einmal 100.000 Euro gibt’s hier das zu sehen, was sogar immer mehr großen Produktionen nur selten gelingt. HOUSE – WILLKOMMEN IN DER HÖLLE ist ein kleiner, aber interessanter Horror-Beitrag mit stimmungsvoller Optik und klug gestrickter Geschichte. Da sollte man sich nicht vom kleinen Budget abschrecken lassen, denn das sieht man dieser deutsch-skandinavischen Koproduktion keineswegs an.
 
 
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In diesem Gruselfilm irren zwei NS-Soldaten mit einem norwegischen Gefangenen durch die verschneiten Wäldern Skandinaviens und versuchen einen Weg zurück zur Einheit zu finden. Doch statt auf Kameraden zu treffen, stößt man nur auf ein verlassenes Haus irgendwo im Nirgendwo. Weil man vom ziellosen Umherirren müde geworden ist, tritt man erschöpft ein. Doch die Hauseigentümer scheinen nicht daheim zu sein. Obwohl der Ofen brennt und warmes Essen auf dem Herd steht ist keine Menschenseele zu sehen. Erste Erkundungstouren bleiben ohne Ergebnis. Nur ein altes Gästebuch lässt darauf schließen, dass hier gern mal Besucher vorbeischauen. Als hätte man es geahnt passieren bald seltsame Dinge. Aus dem Radio ertönen plötzlich mysterlöse Stimmen, lautes Poltern reißt die Zuflucht suchenden Soldaten aus dem Schlaf und seltsame Visionen bereiten Sorgen. Als man aufbrechen möchte und nach langem Fußmarsch wieder vor gleichem Haus steht, bricht Panik aus. Offenbar stimmt mit dieser Behausung etwas nicht, weil die Hütte seine Gäste nicht gehen lassen will. Ein Grund mehr, um der Sache auf den Grund zu gehen. Was die Männer aber dabei finden, lässt ihnen das Blut in den Adern gefrieren.
 
 
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Kampf gegen unsichtbare Feinde. Die besten Horrorfilme sind die, deren Handlungsstränge man nicht voraussehen kann. Das ist auch in HOUSE – WILLKOMMEN IN DER HÖLLE der Fall, der natürlich nichts mit der legendären HOUSE-Filmserie zu tun hat, deren erster Teil von STEVE MINER in den 1980er inszeniert wurde. Hinter dem hier vorgestellten Gruselstreifen verbirgt sich ein atmosphärischer Gänsehauttrip, der auf falsche Fährten lockt und mit überraschender Ausflösung verblüfft. HOUSE (im Original übrigens HUSET) streift kurz das Spuk- und Geistergenre – geht aber in eine andere Richtung. Das lässt den Film aus der Masser hervorstechen, vor allem wegen der für Horrorfilme noch unverbrauchten Nazi-Thematik. Doch was ist des Pudels Kern? Erst nach und nach ergeben die Ereignisse im Film einen Sinn. So sorgen anfangs noch flackernde Kerzen und schwingende Lampen für ungute Vorahnungen. Später ereilen den drei Hauptdarstellern unheimliche Visionen die nahestehende (tote) Menschen aus der eigenen Vergangenheit zeigen. Die stiften Verwirrung – nicht nur bei den Figuren im Film. Regisseur REINERT KIIL lässt Zuschauer und Protagonisten lang im Dunkeln tappen und baut dank schlechter Ausleuchtung gruselige Atmosphäre auf. Die kommt dem Spannungsaufbau zugute, der für eine derart kleine Produktion bemerkenswert ist. Bei einem so ambitionierten Projekt sieht man gern über einige Markel hinweg. So musste wegen Budgetmangel offenbar auf Nachdrehs verzichtet werden. Wenn man aufmerksam dem mysteriösen Treiben lauscht, hört man des Öfteren Versprecher von Schauspieler FREDERIK VON LÜTTICHAU. Die halten sich jedoch in Grenzen und stören kaum. Eine Nachsynchronistation hätte in diesem Falle Wunder aber bewirken können. Trotz kleiner Mängel ist HOUSE – WILLKOMMEN IN DER HÖLLE mit seinem düsteren Digitallook weit weg von schlecht. Da kann man gern mal einen Blick riskieren – insofern man eine Schwäche für subtil und ruhig erzählte Gruselgeschichten besitzt.
 
 
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HOUSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Soldaten im Fegefeuer. Dieser Indie-Grusel ist klein und günstig produziert, aber wurde dennoch äußerst atmosphärisch inszeniert. Mit kleinen Geldbeutel hat der als Requisiteur der DEADS SNOW-Filme bekannte REINERT KIIL mit HOUSE – WILLKOMMEN IN DER HÖLLE einen Gruselfilm gemacht, der vor allem Zuschauern gefallen dürfte, die einen Vorliebe für subtile Streifen im skandinavischen Look besitzen. Die Winterkulisse ist kühl und trist – die Geschichte verschachtelt und intelligent. Da riskiert man doch gern einen Blick. Wer’s aber hektisch und effektlastig mag, wird enttäuscht werden. HOUSE bevorzugt die leisen Töne und beschwört Grauen langsam herauf. So könnte der Film jenen Gefallen, die an so Gruselstoff wie SO FINSTER DIE NACHT, NIGHTWATCH, SENSORIA oder BABYCALL Gefallen gefunden haben.
 
 
 


 
 
 

HOUSE – Zensur

 
 
 
HOUSE – WILLKOMMEN IN DER HÖLLE hat eigentlich keine Gewaltmomente zu bieten. Deshalb hat der Streifen von der FSK auch eine Freigabe ab 16 Jahren in der ungeschnittenen Fassung erhalten.
 
 
 


 
 
 

HOUSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Donau Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Huset; Norwegen 2016

Genre: Horror, Grusel, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Hinter den Kulissen

Release-Termin: 24.03.2017

 

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HOUSE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Donau Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Warhouse – Kriegszustand (2013)
 
So finster die Nacht (2008)
 


Filmkritik: „Devil in the Dark“ (2017)

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DEVIL IN THE DARK

Story

 
 
 

Die zwei Brüder Adam (ROBIN DUNNE) und Clint (DAN PAYNE aus CABIN IN THE WOODS) werden in den Wäldern Kanadas mit der Vergangenheit konfrontiert und müssen gleichzeitig ums Überleben kämpfen.

 
 
 


 
 
 

DEVIL IN THE DARK – Kritik

 
 
 
Wenn nach der Sichtung eines Horrorfilms Fragen entstehen, weil man Gesehenes nicht einordnen kann, ist das schon einmal ein gutes Zeichen. In der Regel werden so die grauen Zellen des Zuschauers beansprucht, der sich auch nach dem Abspann mit Eindrücken auseinandersetzen muss, um plausible Antworten zu finden. Wenn man aber einen Horrorstreifen gesehen hat, der trotz akribischer Analyse irgendwie gar keinen Sinn ergeben will, ist das alles andere als erbaulich. Offenbar hat dann der Regisseur sein Ziel verfehlt, der mit undurchsichtiger Handlung eher die Wut des Zuschauers schürt, statt ihn spannend zu unterhalten. Ganz ähnliches Desaster ist dem Regisseur TIM BROWN mit DEVIL IN THE DARK passiert – einem Mystery-Scharcher dessen Geschichte in den letzten Minuten sonderbare Wege geht. Dabei hat der Filmemacher eigentlich schon Erfahrung im Angstmachen sammeln können. Auf seine Kappe gehen Filme wie BITE und ANTISOCIAL 2 für die er zwar nicht auf dem Regiestuhl gesessen hat, aber immerhin als Geldgeber in Erscheinung getreten ist. Nun versucht sich TIM BROWN als Multitalent. Für den zweiten Spielfilm mit dem Titel DEVIL IN THE DARK zeichnet er neben der Produzententätigkeit ebenso als Regisseur verantwortlich. Entstanden ist ein Gruseldrama, bei dem nicht immer eindeutig ist, was man da eigentlich zu sehen bekommt.
 
 
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Wenn ein Vater seinem Kind nicht die Beachtung schenkt, welche es sich erhofft hat. Das Gruseldrama DEVIL IN THE DARK erzählt das Schicksal zweier Brüder, die nach 15 Jahren aufeinandertreffen, um jene Route durch die Wälder zu laufen, die auch der verstorbene Vater mit ihnen an Kindstagen gegangen ist. Leider ist das Verhältnis zwischen den Geschwistern angespannt. Der Vater hatte sie zu Lebzeiten nicht gleichwertig behandelt, was zu Spannungen geführt hat. Diese halten die beiden Männer auch Jahre nach dem Tod des Familienoberhaupts auf Distanz, was den Jagdausflug in den kanadischen Wäldern nicht gerade einfach gestaltet. Doch Familiendiskrepanzen sind bald das kleinere Übel. Im Schutze der Dunkelheit geht nämlich etwas Böse auf Beutezug. Eine unheimliche Kreatur will den Brüdern nichts Gutes und heftet sich an die Fersen der Männer. Bald wird klar, dass dieses Wesen kein Unbekannter ist. Bereits in der Kindheit haben die Brüder Adam (ROBIN DUNE) und Clint (DAN PAYNE) mit der finsteren Gestalt Bekanntschaft gemacht. Dass sie nun ausgerechnet als Erwachsene wieder auf den grotesken Bösewicht stoßen kann doch kein Zufall sein. Oder etwa doch?
 
 
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Was wie Werbung für Urlaub in den kanadischen Wäldern anmutet, hat mit Erholung nichts zu tun. Die Naturkulisse ist nur Schein, denn DEVIL IN THE DARK entpuppt sich als fast schon klaustrophobisches Gruseldrama in dem der Wald zur Falle, aber gleichzeitig auch zur Erlösung wird. Was wie beliebiges Gruselfutter beginnt, ist mehr Familiendrama statt Horror und begleitet zwei Brüder auf eine Reise in die kanadische Wildnis, auf der die entfremdeten Geschwister wieder zueinander finden werden. Während sich der eine vom verstorbenen Vater stets unverstanden gefühlt hat, sieht der andere im Familienoberhaupt sein Vorbild. Dass unterschiedliche Sichtweisen bereits an Kindertagen zu Spannungen und Rangkämpfen zwischen den Brüdern geführt hat, wird in Rückblenden geschildert. Doch alles wendet sich zum Guten. Die Geschwister sprechen sich aus und nähern sich an. Ein Happy End wäre somit vorprogrammiert gewesen, würde Regisseur TIM BROWN am Ende nicht einen unnötigen Rattenschwanz anhängen, der bei genauerer Betrachtung zu Verständnisproblemen führt. Da heftet sich plötzlich eine Kreatur an die Fersen der beiden Wanderer und zerrt den jüngeren Adam in seinen Bau. Der ältere Clint ringt mit der Angst und eilt dem Bruder herbei. Was folgt erschließt sich nicht wirklich. Fungiert die schlecht animierte Kreatur nur als Metapher für verdrängte Kindheitserlebnisse und die unterdrückte Emotionen der Hauptprotagonisten oder will hier einfach nur ein Walddämon Angst und Schrecken verbreiten. Aufgrund eines abrupten Endes und dem – in Horrorfilmen gern mal eingesetzten – Plottwist werden neue Fragen aufgeworfen, die in erster Linie eines gut können: verwirren. Weil Regisseur TIM BROWN mit einem offenen Ende nicht die erhofften Antworten bietet, die das Publikum wohl erwartet hat, dürften die meisten Zuschauer DEVIL IN THE DARK als Blödsinn abstempeln. Demzufolge ist dieser Mystery-Thriller definitiv nichts für jene, die Antworten auf dem Silbertablett serviert bekommen haben wollen. Mit denen hält man sich nämlich zurück, was zu einem mehr als unbefriedigendem Filmerlebnis führt.
 
 
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DEVIL IN THE DARK – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Unheimliches Mystery-Drama mit fast schon surrealem Einschlag. DEVIL IN THE DARK zeigt schöne Landschaftsaufnahmen, hat gute Darsteller zu bieten und beginnt auch vielversprechend. Doch je näher sich der Streifen der Zielgeraden nähert, umso mehr enttäuscht der gebotene Mix aus Drama, Grusel und Mystery zunehmend. So wird die Handlung in den letzten dreißig Minuten immer verworrener, was das Folgen der Handlung unnötig erschwert. Weil Regisseur TIM BROWN mehrere Interpretationen zulässt, offenbar von Metaphern Gebrauch macht und sich einen Deut darum schert Antworten zu liefern, dürfte das DEVIL IN THE DARK bei den meisten Zuschauern durchfallen. Apropos durchfallen: Auch wenn dieser Streifen im Horror-Genre verwurzelt ist, hat DEVIL IN THE DARK mit Horror nur wenig am Hut. Der Film fokussiert sich in erster Linie auf das Verhältnis zweier entfremdeter Brüder, die sich durch eine bewegte Vergangenheit kämpfen. Demzufolge passt der Streifen eher ins Dramenfach – auch wenn am Ende schlechtes CGI in Form einer ominösen Waldkreatur über die Mattscheibe flimmert. Manchmal ist es eben doch besser, wenn man dem Zuschauer einfach gestrickte Geschichten erzählt, die er auch versteht und deuten kann.
 
 
 


 
 
 

DEVIL IN THE DARK – Zensur

 
 
 
In DEVIL IN THE DARK werden kaum Schauwerte geboten. Der Film lebt in erster Linie von seiner unheilvollen Atmosphäre. Einer der Brüder stürzt von einer Klippe. Am Ende sehen wir eine von Elchgeweihen durchbohrten Körper. Demzufolge dürfte DEVIL IN THE DARK ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEVIL IN THE DARK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei eOne Entertainment | Momentum Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Witch (2015)
 
It’s in the Blood (2012)
 
The Monster (2016)