Filmkritik: „Panzer Chocolate“ (2013)

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PANZER CHOCOLATE

Story

 
 
 

Eine Gruppe neugieriger Archäologen wittert in den Pyrenäen einen verschollen geglaubten Nazi-Schatz. Was man aber dort entdeckt, wird den Freunden das Leben kosten.

 
 
 


 
 
 

PANZER CHOCOLATE – Kritik

 
 
 
Deutschland und die Nazis – ein finsteres Kapitel, das wohl nie abgeschlossen werden wird, vor allem nicht im Horrorfilm. Dort tauchen die meist untoten Zeitgenossen immer mal wieder gern auf, um aus ihren Gräbern zu steigen und nach der Weltherrschaft zu streben – wenn oft auch ohne die Hilfe des Führers. Der macht sich auch im spanischen PANZER CHOCOLATE rar, wo abermals gerissene Nazis im Verborgenen Pläne schmieden, damit ein neues Weltreich unter der Führung von Nationalsozialisten entstehen kann. Interessanterweise handelt es sich bei diesem Indie-Horror um ein ambitioniertes Filmprojekt, wie man es wohl bisher noch nicht zu sehen bekommen hat. Statt den Zuschauer in dreidimensionale Welten zu entführen und ihn dort zu Tode zu erschrecken, gehen die Macher mit der Zeit. Interaktivität lautet die Masche mit der Regisseur ROBERT FIGUERAS das Interesse der Kinogänger für sich beanspruchen will. Der Newcomer versucht hier Kino und Smartphone zu vereinen und hat passend zum Horrorstreifen eine App entwickeln lassen, die das Publikum mit interaktiven Inhalten versorgt. Das bedeutet, dass sich der interessierte Zuschauer vor dem Kinobesuch eine kostenlose Smartphone-App herunterladen kann, die während der gesamten Laufzeit weitere Hintergrundinformationen und alternative Szenen abspielt. Eine nette Dreingabe, die zwar etwas unausgereift wirkt, aber immerhin von der teils behäbigen Inszenierung des eigentlichen Films ablenkt. PANZER CHOCOLATE hat nämlich ein Problem und das nennt sich: langes Warten.
 
 
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In dieser spanischen Horror-Produktion bringt sich eine Gruppe junger Archäologen selbst in Gefahr. Die begeben sich auf die Suche nach seltenen Kunstwerken, die während des Zweiten Weltkriegs von den Nazis gestohlen und versteckt wurden. Was sich anfangs als Nadel im Heuhaufen entpuppt, trägt bald Früchte. Aus scheinbar unlösbaren Puzzlestücken entsteht eine erste Spur. Die führt in die Pyrenäen, wo man in einem Waldstück einen geheimen Bunker entdeckt, in dem der große Schatz vermutet wird. Doch statt Nazi-Reliquien und verschollen geglaubte Kunst, findet man Kisten mit sogenannter Panzerschokolade vor, die zu Kriegszeiten an Soldaten verteilt wurde, um deren Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit zu erhöhen. Leider sorgen die mit Metamphetamin gefüllten Drogenfunde für Probleme. Kaum entdeckt und im Kofferraum verstaut, heftet sich eine bösartige Kreatur an die Fersen der unwissende Wissenschaftler. Die will die Schätze zurück und einen blutigen Denkzettel verpassen. Natürlich wird der Kampf gegen das Böse aufgenommen. Was die Freunde aber nicht wissen: Der Hüter des Bunkers ist noch das kleinere Übel.
 
 
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Willst man Geld verdienen, macht man am Besten alles in Englisch. PANZER CHOCOLATE ist Horror aus Spanien, der in erster Linie für den Weltmarkt gedreht wurde. Weil vor allem Horrorfans aus Übersee keine Untertitel lesen wollen, hat sich Regisseur und Produzent ROBERT FIGUERAS dazu entschlossen, den gesamten Film in englischer Sprache zu drehen. So lässt sich der Nazi-Grusler auch schneller ins Ausland verkaufen. Produktionstechnisch kann man nicht meckern. Die Schauspieler tun ihre Sache gut, unheilvolle Atmosphäre ist allgegenwärtig und auch einige äußerst blutige Spezialeffekte verfehlen ihre Wirkung nur selten. Was Sorgen bereitet ist der langatmige Inszenierungsstil. Macher ROBERT FIGUERAS lässt sich viel Zeit mit dem Horror. Demzufolge dauert es lang bis PANZER CHOCOLATE in die Puschen kommt, denn die meiste Zeit wird in Detektivarbeit investiert. Bis der geheimnisvolle Nazischatz gefunden wird, vergeht knapp eine Stunde. Dann wächst PANZER CHOCOLATE immerhin zu eigentlicher Größe heran. Aus behäbiger Detektivarbeit wird ein deftiger Slasher, der wegen grober Darstellung von Gewalt und dem ansprechend geschminkten Filmmonster einige WRONG TURN-Momente in Erinnerung ruft. Leider ist der Ausflug ins Backwood-Slasher-Genre nur von kurzer Dauer, denn so unerwartet wie das Schlachtfest begonnen hat, ist es auch schon wieder vorüber. Macht auch nichts, denn wegen der weitaus spannenderen Handy-App zum Film, werden die meisten Zuschauer ohnehin kaum mitbekommen, wenn der Abspann das Ende zum Nazi-Slasher einläutet.
 
 
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PANZER CHOCOLATE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein deftig-blutiger Nazi-Slasher aus dem eher für subtile Gruselfilme bekannten Spanien. Der Indie-Horror PANZER CHOCOLATE besitzt ein interessantes Konzept. Hierbei handelt es sich um einen interaktiven Horrorfilm in dem das Kino mit dem Smartphone verschmilzt. Im Vorspann zum Film wird nämlich erklärt, dass Zuschauer die Möglichkeit erhalten, während des Films mit dem Handy interaktiv zu agieren. Leider ist das aber auch weitaus spannender als der Film selbst, denn PANZER CHOCOLATE besitzt enorm viel Leerlauf, was die Angelegenheit relativ langweilig macht. Immerhin trösten einige heftige Schauwerte über die Tatsache hinweg, dass hier enorm viel Potenzial verschwendet wurde. Hätte sich Regisseur ROBERT FIGUERAS weitaus früher ins Slasher-Genre verirrt, wäre aus PANZER CHOCOLATE vermutlich das geworden, was ALEXANDRE AJA in den 2000ern gelungen ist: Harte Terror-Unterhaltung made in Europe.
 
 
 


 
 
 

PANZER CHOCOLATE – Zensur

 
 
 
Nach einer Stunde Laufzeit gibt es einige Gemeinheiten zu sehen. Neben einer Ausweitung wird einer Protagonistin der Schädel eingetreten. Außerdem bohrt sich eine Wurfkette durch Köpfe und Messer werden in Körper gerammt. Hierzulande dürfte das aber problemlos die FSK passieren. Eine ungeschnittene Freigabe für Erwachsene ist denkbar. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

PANZER CHOCOLATE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei filmutea.com)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Frankenstein´s Army (2013)
 
Dead Snow (2009)
 
Dead Snow 2: Red vs. Dead (2014)
 
Bunker of the Dead (2015)
 
Outpost – Zum Kämpfen geboren (2007)
 
Outpost – Black Sun (2012)

Filmreview: „Urban Explorer“ (2011)

 

Städtetour einmal anders:

Vier Rucksacktouristen hat es in das weltoffene Berlin verschlagen.

Doch statt das kulturell vielfältige Nachtleben der Großstadt zu erkunden, suchen die vier Freunde den ganz besonderen Kick.

Dante, ein selbsternannter „Reiseführer“, lockt die Fremdlinge mit einem ganz speziellen „Reiseprogramm“. Tief unter dem hektischen Leben der Hauptstadt vermutet er einen unversiegelten Bunker aus NS-Zeiten.

Zusammen mit der vierköpfigen Clique macht er sich auf den Weg, den geheimnisvollen Bunker zu ergründen.

Doch leider meint es das Schicksal nicht gut mit der Bande, denn bei ihrem Erkundungstrip stürzt Dante unglücklich und verletzt sich dabei schwer.

Völlig in Panik geraten, treffen sie glücklicherweise auf den ehemaligen DDR-Grenzwärter Armin, der scheinbar in den alten Katakomben unter der Erde haust und ihnen rasch Hilfe anbietet.

Mit der Begegnung des ominösen Mannes nimm das Schicksal der fünf Freunde ein unerwartetes Verlauf …

 

 

 

Deutschland gilt nun nicht gerade als Hochburg für Horrorproduktionen.

Neben unzähligen „leichten“ Komödien steht „Good old Germany“ vorwiegend für schwerverdauliche Dramenkost und anspruchsvolles Arthauskino.

Umso mehr erstaunt es den Filmfan, wenn in Genrekreisen Gerüchte die Runde machen, dass an aktuellen deutschen Horrorproduktionen gewerkelt wird.

Dabei konnten deutsche Horrorfans in den letzten Jahren so manch kleine Überraschungen erleben und sich selbst davon überzeugen, dass auch Deutschland in der Lage sein kann, ernstzunehmende und vor allem unerwartet harte Horrorfilmkost zu produzieren, die den Vergleich zu Werken innerhalb des weltweiten Filmmarktes nicht scheuen braucht.

Eine, dieser unerwartet sehenswerten deutschen Genreproduktionen war zweifelsohne der Horrorfilm „Bukarest Fleisch“ aus dem Jahre 2007, der für einen deutschen Film überraschenderweise arg radikal daherkam und mit seinen verwackelten und düsteren Bildern sehr an amerikanische Hochglanz-Horrorproduktionen erinnerte.

Scheinbar war Andy Fetschers Erstlingswerk und Uni-Abschlussarbeit „Bukarest Fleisch“ in Fankreisen derart akzeptiert und erfolgreich, dass er nun die Möglichkeit erhält mit seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm „Urban Explorer“ abermals für Gesprächsstoff zu sorgen.

Gelungen ist ihm sein neuer Beitrag jedoch nur bedingt, kommt das Storygerüst seines zweiten Filmes, beliebig austauschbar daher. Die Story gestaltet sich als eigenwillig zweckmäßig und die Charakterskizzierung der Teenager als relativ platt – zumindest aber noch halbwegs genießbar.

Das enttäuscht irgendwie, zumal man keine oberflächlich gestrickte Kopie bekannter Backwood- und Terrorfilme, und das ist „Urban Explorer“ leider geworden, erwarten würde.

Dennoch, das überaus düstere Setting kennt man zwar auch schon aus Filmen wie „Creep“(2004) , es unterstreicht aber recht prägnant und effektiv die auswegslose und klaustrophobische Grundstimmung des Filmes.

Bedeutendes Augenmerk, und da dürfte sein zweiter abendfüllender Spielfilm für gehörig Aufsehen in Fankreisen sorgen, liegt bei seiner Darstellung genretypischer Grausamkeiten, denn die kommen für einen deutschen Horrorfilm verhältnismäßig hart daher. Scheinbar hat Fetscher die diversen amerikanischen (und französischen) Genrevorbilder ausführlichst studiert, denn seine grotesken und vor allem makaber-zynischen Metzelszenen (allen voran die optisch erschreckend realistische Häutungsszene) dürften jedem Gorehound das Wasser vor Entzücken im Munde sprudeln lassen.

Warum letztendlich der Film von der Freigabebehörde „FSK“  in seiner ungeschnittenen Form „nur“ eine „Keine Jugendfreigabe“ Einstufung erhielt, scheint überaus unverständlich, vergleicht man wie frivol die FSK derzeit wieder in der Verweigerung der Freigaben aktueller und minder explizit gewalttätiger Genreproduktionen zugange geht.

Aber nicht nur der optischen Grausamkeiten sprechen für die Sichtung von „Urban Explorer“.

Neben der recht professionellen Umsetzung der handvoll Splatterszenen hat Regisseur Andy Fetschers sein zweites nennenswertes Zugpferd in der Rolle des unangenehm widerlich wirkenden „Armin“ (besetzt von Klaus Stiglmeier) gefunden.

Das merklich sarkastisches Schauspiel von Klaus Stiglmeier gestaltet sich als überaus frisch, unerwartet böse und ziemlich „undeutsch“ und seine merklich zynischen Kommentare, erinnern in ihrer Darstellung sehr an die der Leinwandikonen „Chucky“ und „Freddy Krueger“.

Sein prägnantes Schauspiel überzeugt über die Linie hinweg und lässt schnell den Überlebenskampf der übrigen (teilweise talentfreien) Jungschauspieler, sowie einige Logikpatzer vergessen.

Umso erfreulicher für den Filmfan, dass Regisseur Andy Fletscher mit dem Gedanken einer Fortsetzung spielt, denn das erwartungsgemäß offene Ende, lässt auf eine Rückkehr des geheimnisvollen „Untergrundkillers“ hoffen.

Mit „Urban Explorer“ erhält der Horrorfan solide, aber wenig tiefgründige Horrorfilmkost.

Trotzdem, nach einem recht zahmen Beginn, ist ab Filmmitte dennoch für ordentlich kurzweilige Unterhaltung gesorgt.

Trotz Einheitsbrei und der Abhandlung diverser genretypischer Klischees, schafft es Fetschers in den letzten 30 Minuten, zumindest alle Horrorfreunde ausgiebig zufrieden zu stellen.

Im künstlerischen Vergleich zu seinem ersten Werk „Bukarest Fleisch“ flacht sein aktueller Beitrag qualitativ minimal ab, weiß aber mit einer professioneller Umsetzung, einem überzeugenden und markanten Killer, sowie messerscharfen Splatterszenen zu überzeugen.

 

 

 

Fazit 6/10 Punkten

 

Horror aus Deutschen Landen – Unerwartet böse und erstaunlich blutig.

Vielleicht schafft es ja Deutschland nun endlich auch, mit hiesigen Horrorproduktionen international Fuß zu fassen. „Urban Explorer“ scheint die richtige Richtung vorzugeben!

 

FSK-Fassung mit „Keine Jugenfreigabe“ – kennzeichnung ist ungeschnitten!

 

 

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