Filmkritik: „Happy Hunting“ (2017)

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HAPPY HUNTING

Story

 
 
 

Alkoholiker (MARTIN DINGLE WALL) verirrt sich bei seiner Reise nach Mexiko in das Jagdgebiet gewissenloser Landeier, die gern mal auf Menschenhatz gehen.

 
 
 


 
 
 

HAPPY HUNTING – Kritik

 
 
 
Eigentlich wollte der alkoholabhängige Warren nur nach Mexiko reisen, um dort einem ominösen Telefonanruf nachzugehen. Eine Mexikanerin hat kurz vor ihrem Tod erklärt, dass der Herumtreiber der Vater ihres Kindes sei. Deshalb will Waren die lange Reise aufnehmen, um seinen Sohn kennenzulernen. Leider entpuppt sich die Fahrt dorthin als Horrortrip. Der Alkoholiker verirrt sich in das kleine Städtchen Bedford Flats irgendwo in der Wüste an der mexikanischen Grenze, wo nach anderen Regeln gelebt wird. Hier wird alljährlich ein Fest der Superlative gefeiert bei dem unschuldige Menschen gejagt werden. Leider stolpert Warren genau während der Festvorbereitungen in den Ort und wird so zum unfreiwilligen Opfer einer Menschenjagd, die mit nichts und niemand Gnade kennt.
 
 
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HAPPY HANUTING ist kein einfach zu verdauender Horrorthriller, denn die kaltschnäuzigen Bilder sind nicht für jedermann bestimmt. Inmitten flirrender Wüstenhitze wird hier eine kompromisslose Menschenjagd veranstaltet. In ihrer derben Zurschaustellung erinnert die nicht selten an das harte Exploitationkino der 1970er, wo so Survival-Horror wie BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE oder der reißerische Mutanten-Schocker THE HILLS HAVE EYES für Furore gesorgt haben. Doch das Duell zwischen Mensch und Mensch ist nicht nur brutal und zeigefreudig. Im Unterschied zu vielen ähnlich gelagerten Streifen in denen Menschen gejagt, gefoltert und ermordet werden, mangelt es HAPPY HAUNTING nicht an gesellschaftspolitischer Kritik. So prangern die beiden Regisseure JOE DIETSCHS und LOUIE GIBSON nicht nur die lapidaren Waffengesetze in den Vereinigten Staaten an, wo das Recht Waffen zu besitzen, verfassungsrechtlich geschützt ist. Auch die politisch vergessenen Teile Amerikas werden kritisch beäugt, wo offenbar an eigenen Traditionen und Bräuchen festgehalten wird, weil man sich von der Politik im Stich gelassen fühlt.
 
 
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Unterm Strich also kein belangloses Gewaltspektakel, sondern Horror mit Hirn, der durchaus kurzweilig über die Leinwand flimmert und – der Titel lässt es erahnen – gern auch mal von schwarzhumorigen Untertönen Gebrauch macht. Übrigens ist LOUIE GIBSON kein Niemand. Hier handelt es sich um einen der Söhne von Schauspieler MEL GIBSION. Letzterer probiert sich seit einigen Jahren auch gern mal als Regisseur aus. Offenbar hat dessen Sohnemann auch Gefallen am Drehen von Filmen gefunden. Mit HAPPY HUNTING feiert der Nachwuchs nämlich sein Spielfilm-Regiedebüt. Angesichts der schnörkelfreien Inszenierung darf man gespannt auf das sein, was da noch kommen wird. Talent hat der Gibson-Spross definitiv.
 
 
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HAPPY HUNTING – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Kompromisslose Mischung aus Actionfilm, Survival-Thriller und Neo-Western, der an das harte Exploitationkino der 1970er erinnert. Der Film überzeugt mit versiertem Umgang der Kamera, atemberaubenden Bildern sowie spannender Erzählweise und beweist einmal mehr, dass visuell überzeugende Filme nicht immer nur aus Hollywood kommen müssen. Als i-Tüpfelchen gibt es neben viel Gewalt und zynischer Note auch noch jede Menge Bezüge und Seitenhiebe auf die aktuelle Politik des DONALD TRUMP. Dessen Vision einer Mauer an der Grenze zu Mexiko wird in HAPPY HUNTING Wirklichkeit. Ganz zum Leidwesen von Filmheld Warren. Der muss vor einer Meute schießwütiger Amerikaner nach Mexiko flüchten, kommt aber nicht auf die andere Seite, weil eine Mauer an der Grenze gebaut wurde. Was für ein makabres Unterfangen. HAPPY HUNTING ist intelligent, brutal und sehenswert. Demzufolge ein Fest für anspruchsvolle Horrorfans.
 
 
 


 
 
 

HAPPY HUNTING – Zensur

 
 
 
HAPPY HUNTING ist ziemlich hart und die Gewaltszenen sehr zeigefreudig. Vor allem unerwartete Einschüsse in menschliche Körper lassen zusammenzucken und sind nichts für empfindsame Gemüter. HAPPY HUNTING hat in Deutschland eine ungeschnittene Erwachsenenfreigabe mit rotem Freigabesticker erhalten. Glück gehabt!
 
 
 


 
 
 

HAPPY HUNTING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-ON NEW MEDIA (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Happy Hunting; USA 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Original Kinotrailer, weitere Trailer

Release-Termin: 24.04.2020

 
HAPPY HUNTING wurde Anfang 2019 über SHOCK ENTERTAINMENT im deutschsprachigen Ausland in deutscher Sprache veröffentlicht. Der Anbieter entschied sich für eine FSK-ungeprüfte Auswertung in diversen Mediabooks mit jeweils unterschiedlichem Cover. Über ein Jahr später erscheint nun die FSK-geprüfte Auflage für den deutschen Handel im KeepCase über I-ON NEW MEDIA. Die darin enthaltene Fassung ist ebenso ungeschnitten.
 

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HAPPY HUNTING – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Selective Collective | Waterstone Entertainment | I-On New Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Reach – In der Schusslinie (2014)
 
Desierto – Tödliche Hetzjagd (2015)
 
King of the Hill (2007)
 

Filmkritik: „Bone Tomahawk“ (2015)

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BONE TOMAHAWK

Story

 
 
 
Irgendwo im Nirgendwo stoßen vier Cowboys auf einen hungrigen Indianerstamm aus Kannibalen und müssen um ihr Leben fürchten.

 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Kritik

 
 
 
Der Western lässt sich einfach nicht unterkriegen. Seit einigen Jahren erlebt das immer wieder totgesagten Genres unregelmäßige Revivals und das, obwohl die Hochzeiten des Spät- und Italo-Western schon längst Dekaden zurückliegen. Dass man mit dieser Art von Filmen auch heute noch genug Asche verdienen und auch Oscars gewinnen kann, bewies 2012 Kultregisseur QUENTIN TARANTINO. Der lies mit dem Neo-Western DJANGO UNCHAINED nicht nur Kinokassen klingeln; ihm gelang sogar das Kunststück den staubigen Western einer neuen, jungen Generation schmackhaft zu machen, die bisher nur in Gesprächen mit den Eltern von der Existenz jener Filme erfahren hat. Im Fahrtwasser des aktuellen Cowboy-Hypes will nun auch Newcomer S. CRAIG ZAHLER ein Stück vom Erfolgskuchen abhaben. Der eifert mit BONE TOMAHAWK nicht nur genannten Tarantino nach, sondern holte sich beim obligatorischen Filmtwist kreativen Ideeninput bei FROM DUSK TILL DAWN (übrigens auch von Tarantino geschrieben) – jenem Roadmovie, das sich nach der Halbzeit unerwartet zum irrwitzigen Splatter-Trip verwandelt, in dem Vampire die Leinwand heimsuchen.
 
 
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Ebenso blutig, aber weniger spaßig geht es in BONE TOMAHAWK zu. Der erzählt von seltsamen Ereignissen in der kleinen Stadt Bright Hope, wo plötzlich Menschen verschwinden oder tot aufgefunden werden. Wilde Tiere sollen für schlimm zugerichteten Leichen verantwortlich gemacht werden. Doch einer der Einheimischen weiß Genaueres. So sollen Kannibalen – sogenannte Troglodyten – in den Bergen ihr Unwesen treiben und sich vom Fleisch der Menschen ernähren. Als der Höhlenbewohner erneut in die Stadt einkehren, einen farbigen Stallburschen abschlachten, Pferde stehlen und Stadtbewohner in ihre Höhlen verschleppen, beschließt Sheriff Franklin Hunt (gespielt von Altstar KURT RUSSELL) dem grausamen Treiben ein Ende zu bereiten. Er trommelt eine Gruppe Freiwilliger zusammen und folgt den Entführern in die Berge. Leider sind die stärker als erwartet, denn bewaffnet mit Pfeil und Bogen trotzen sie den Gewehren ihrer Verfolger. Leider haben unsere tapferen Helden nicht mit der Zähheit ihrer Gegner gerechnet. Die befinden sich bald selbst auf dem Speiseplan der Kannibalen und müssen ums Überleben bangen.
 
 
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Laut diversen Interviews schlug das Herz des amerikanischen Regie-Neulings schon immer für das Western-Genre. So wirkte er bereits als Kameramann und Drehbuchautor (darunter der Anstalts-Horror THE INCIDENT) an diversen Filmprojekten mit, nahm sich aber auch die Freiheit selbst Romane und Drehbücher über den Wilden Westen zu schreiben. Mit BONE TOMAHAWK konnte sich Macher S. CRAIG ZAHLER einen langjährigen Traum verwirklichen und eines seiner eigenen Western-Skripte auf die Leinwand bringen. Angelehnt an die schmuddligen Spaghetti-Western der späten 1960, überrascht Zahler mit unüblicher Kreuzung von Filmgenres. BONE TOMAHAWK ist kein lupenreiner Western in dem Postkutschen ausgeraubt oder Revolverduelle zelebriert werden. Vielmehr entpuppt sich der Streifen als Western-Spektakel der Extreme, das von deftigen Horrorelementen Gebrauch macht und das nicht gerade wenig.
 
 
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Regisseur S. CRAIG ZAHLER verlangt einiges vom Zuschauer ab. Er setzt Sitzfleisch und Geduld voraus, belohnt dafür mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und überraschend brutalem Ende. So ist der erste Langfilm mit knapp 130 Minuten äußerst lang geraten, weil er sich zu viel Zeit lässt, um den beschwerlichen Fußmarsch seiner vier Helden auf Film zu bannen. Die erzählen viel und erreichen erst kurz vor der Zielgerade das Land der Kannibalen. Spätestens dann erwacht BONE TOMAHAWK aus seiner Lethargie. Dank drastischem Richtungswechsel hinterlässt der Film Eindruck, denn im Finale wird der anfängliche Neo-Western zum harten Überlebens-Horror, in dem die wohl deftigsten Gewaltmomente vor die Linse kommen, die man bisher im Cowboy-Genre gesehen hat. Statt lustigem Fun-Splatter zu zelebrieren, bleibt BONE TOMAHAWK todernst, sorgt aber immerhin für einige Schmunzler, weil die Helden trotz ernster Lage, coole Sprüche auf den Lippen haben. Trotzdem ist BONE TOMAHAWK ein zweischneidiges Schwert. Fans staubiger Wildwestfilme dürfte die schwerfällige Inszenierung und das zu grausame Ende abschrecken. Horrorfans werden sich dagegen mit der ersten Hälfte schwertun, die im Grunde kaum Schauwerte bietet und nur wenig zu erzählen hat. Dennoch sollte man S. CRAIG ZAHLER für den Mut zum Unkonventionellen beglückwünschen. Der hat trotz zähem Erzählstil einen Western geschaffen von dem man zweifelsohne behaupten kann, so etwas noch nie gesehen zu haben.
 
 
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BONE TOMAHAWK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein seltsamer Mix zwei Filmgenres, die unterschiedlicher nicht sein könnten. BONE TOMAHAWK ist ein außergewöhnlicher Film der Extreme. So ist der Streifen mit knapp 130 Minuten nicht nur ziemlich lang; er hat auch 90 Minuten kaum Erwähnenswertes zu erzählen. So wohnt der Zuschauer vier Helden bei, die unermüdlich durch staubige Landschaften stiefeln und dabei über Gott und die Welt plaudern. Immerhin hat Regie-Newcomer S. CRAIG ZAHLER ein Ass im Ärmel. Der Neo-Western wird kurz vor der Zielgeraden zum harten Überlebens-Horror in dem Menschen wie Vieh vor der Kamera zerlegt werden. Leider dürfte die ungewöhnliche Machart nicht bei jedem Zuschauer gut ankommen, denn die teils ereignislose Machart, die lange Laufzeit und das behäbige Tempo machen die Augen des Publikums schwer.
 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Zensur

 
 
 
BONE TOMAHAWK hat wegen der kompromisslosen Splattereinlagen von der FSK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Verwunderlich ist das nicht, denn am Ende gibt es einige harte Hinrichtungen zu sehen. Löblicherweise ist der Film hierzulande ungeschnitten erschienen.
 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Constantin Film | Highlight Communications

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Bone Tomahawk; USA 2015

Genre: Horror, Western

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1920 x 1080p)

Laufzeit: ca. 132 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Kinotrailer, Trailershow

Release-Termin: 21.01.2016

 

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BONE TOMAHAWK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Constantin Film | Highlight Communications

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gallowwalkers (2012)

John Carpenters Vampire (1988)

Ravenous – Friss oder stirb (1999)