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Filmkritik: „Beyond the Gates“ (2016)

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BEYOND THE GATES

Story

 
 
 
Ein mysteriöses Video-Brettspiel wird für zwei sich entfremdete Brüder zu Herausforderung. Wer es einmal begonnen hat, muss es zu Ende spielen. Anderenfalls ist der Tod bereits vorprogrammiert.
 
 
 


 
 
 

BEYOND THE GATES – Kritik

 
 
 
Wir begeben uns jetzt zurück in eine Zeit, wo man sich als Fan noch von der Couch erheben musste, um neue Filme sehen zu können. Die hat man bis vor einigen Jahren noch ganz unkompliziert in der Videothek leihen können, wo selbst ausgefallene Nischenfilme ihre Daseinsberechtigung fanden. Was aber mit der Einführung der Videokassette Anfang der 1980er zu einem regelrechten Heimkino-Boom führte, ist im Zeitalter der Digitalisierung Schnee von gestern. Die Videotheken erleben seit Jahren ein Massensterben, weil die Kinohits dank schnellem Breitbandanschluss aus dem Internet in die Wohnzimmer kommen. Dass in solch fortschrittlichen Filmzeiten kaum noch jemand in müffelnden Videotheken stöbern oder auf bereits verliehene Streifen warten möchte, dürfte eine bittere Konsequenz sein mit der sich einige Filmemacher nicht so recht anfreunden möchten. Die lassen längst vergessene Zeiten in ihren Streifen erneut aufleben und versuchen einer neuen Generation an Filmfans nahe zu bringen, wie noch die Eltern in der Jugend Film geschaut haben.
 
 
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Nicht zurück in die Zukunft, dafür zurück in die 1980ern geht es mit dem Indie-Horror BEYOND THE GATES, der sich ehrfürchtig vor längst vergessene VHS-Zeiten verbeugt. Darin müssen sich die beiden Brüder Gordon (GRAHAM SKIPPER aus THE MIND’S EYE und ALMOST HUMAN) und John (CHASE WILLIAMSON aus SIREN) durch das Vermächtnis des Vaters arbeiten. Von dem ist seit geraumer Zeit weit und breit keine Spur, weshalb sich die entfremdeten Geschwister aufmachen, um die Videothek des verschollenen Familienoberhauptes auszuräumen. Bei der Entrümpelung stoßen sie auf ein merkwürdiges Video-Brettspiel, das wohl der Vater zuletzt benutzt haben muss. Weil man noch einmal kurz die schmuddelige Videotheken-Ära aufleben lassen und in Erinnerungen schwelgen möchte, beginnt man das mysteriöse Game mit dem eigensinnigen Titel „Beyond the Gates“ zu spielen. Was daraufhin folgt, lässt den Brüdern das Blut in den Adern gefrieren. Die Moderatorin auf der Videokassette zum Spiel scheint ein schauriges Eigenleben zu führen. Deren Kommentare passen aus unerklärbaren Gründen immer zum Spielablauf, was den Geschwistern Sorgen bereitet. Die ist auch berechtigt, denn bald passieren weitaus mysteriösere Dinge. Erst sind es furchterregende Albträume, die die Männer um den Schlaf bringen. Später ist es eine allgegenwärtige Aura des Bösen, die das Verhältnis der Geschwister auf die Probe stellt. Natürlich ist der Ursprung allen Übels im Brettspiel zu suchen. Leider lässt sich „Beyond the Gates“ nicht ohne Weiteres beenden. Wer das Spiel einmal begonnen hat zu spielen, muss es auch zu Ende bringen. Tut man es nicht, wartet der Tod. Tja, manchmal ist es eben besser, wenn man Gebrauchsanleitungen studiert.
 
 
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Willkommen zur Erwachsenen-Version von JUMANJI. So lässt sich BEYOND THE GATES nämlich am besten beschreiben, bei dem es sich mal wieder um einen ungeschliffenen Horror-Indie handelt, der sich was traut. Regisseur JACKSON STEWART versucht hier gegen den Strom zu schwimmen und scheut Konventionen. Das bedeutet, dass der Handlungsverlauf vor allem auch wegen der teils surrealen Einfälle nicht einfach zu durchschauen ist. In BEYOND THE GATES kommen nicht nur zarte Synthesizerklänge aus den 1980ern zum Einsatz, bei denen man schwören könnte, dass man die schon in anderen Horrorfilmen jener Zeit zu hören bekommen hat. Hier wird sich zudem vor Genre-Regisseuren genannter Dekade verbeugt, die dieses Jahrzehnt vor allem bei Zensurwächtern so berüchtigt gemacht haben. Da erinnert Filmemacher und Newcomer JACKSON STEWART mit befremdlichen Farbspielereien an die Werke des mittlerweile eingerosteten DARIO ARGENTO. Handgemachte Splatter- und Matschorgien lassen Revue passieren, wie kreativ man mit Glibber, Gips, Kunstblut und Latex in der Blütezeit des Horrorfilms noch experimentiert hat. Zwar braucht BEYOND THE GATES ein wenig um in Fahrt zu kommen. Hat er endlich seine Richtung gefunden, dürfte der mutige Brettspiel-Horror vor allem Nostalgiker in Verzückung setzen. Wir meinen: Leidenschaftlicher Retro-Horror von einem ambitionierten Horrorfan, der mit Sicherheit die halbe Jugend in den Gruselabteilungen verschiedener Videotheken verbracht hat. Alte Horrorfilmkenner wird die extravagante Hommage Freudentränen bescheren. Wer’s makellos und glatt poliert braucht, ist hier an der falschen Adresse.
 
 
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BEYOND THE GATES – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wenn ein mysteriöses Brettspiel das Tor in eine andere Dimension öffnet. BEYOND THE GATES ist nichts fürs Massenpublikum. Dieser Streifen entpuppt sich als cineastische Herzensangelegenheit und richtet sich in erster Linie an jene, die in den 1980ern aufgewachsen sind. Dieses interessante Regie-Debüt vereint eine clevere Geschichte mit handgemachten Spezialeffekten und reichlich Retro-Feeling, das Nostalgiker ein Grinsen bescheren wird. Regisseur JACKSON STEWART, der sich selbst als großer Horrorfan bezeichnet und schon als Assistent für STUART GORDON tätig war, konnte für seinen ersten Spielfilm sogar eine namhafte Größe des Horrorgenres gewinnen. So war BARBARA CRAMPTON anfangs nur als Produzentin angedacht, ließ sich dann aber überreden in BEYOND THE GATES auch noch eine kleine Rolle als unheimliche Spielmoderatorin zu übernehmen. Die erfahrene Kult-Schauspielerin scheint nach Auftritten in Splatter-Granaten wie RE-ANIMATOR und FROM BEYOND offenbar Gefallen am Angstkino gefunden zu haben, weshalb man die beliebte Genre-Ikone immer mal wieder in solchen Streifen zu sehen bekommt. Zuletzt war das in YOU’RE NEXT und WE ARE STILL HERE der Fall. Dahinter verbarg sich gelungene Horrorunterhaltung neueren Datums, die man durchaus empfehlen kann. Gleiches gilt auch für BEYOND THE GATES, der wirklich gelungen ist – insofern man etwas mit den Horrorfilmen aus den 1980er und deren Machart anfangen kann. Atmosphärisch bewegt sich der Streifen irgendwo zwischen Euro-Horror aus der Mache des LUCIO FULCI und DARIO ARGENTO, was aber keinesfalls negativ zu bewerten ist. Ganz im Gegenteil. Hinter BEYOND THE GATES steckt ein leidenschaftliches und ehrgeiziges Filmprojekt mit viel Liebe zum Detail und jeder Menge Herzblut. Wer das zu schätzen weiß, wird gut unterhalten werden.
 
 


 
 
 

BEYOND THE GATES – Zensur

 
 
 
Auch wenn es der Film auf den ersten Blick nicht vermuten lässt – in einigen Szenen geht ordentlich die Post ab. Der wird die Splatter-Keule geschwungen und Köpfe zermatscht oder Därme aus Körpern gezogen. Hierzulande dürfte es für diese Zeigefreudigkeit vermutlich eine Erwachsenenfreigabe geben. Aber immerhin angeschnitten. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

BEYOND THE GATES – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen und Trailer liegen bei IFC Midnight)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jumanji (1995)
 
Zathura – Ein Abenteuer im Weltraum (2005)
 
Stay Alive (2006)
 

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Filmkritik: „The Demon’s Rook“ (2013)

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THE DEMON’S ROOK

Story

 
 
 
Ein mächtiger Dämon entführt einen kleinen Jungen, um ihn in schwarzer Magie zu unterrichten. Jahre später kehrt der Verschleppte zurück in die Welt der Lebenden und muss die Menschheit vor dem Untergang bewahren.

 
 
 


 
 
 

THE DEMON’S ROOK – Kritik

 
 
Ach was waren die Zeiten schön, als im Horrorfilm noch bevorzugt per Hand gesplattert wurde und die Effekte nicht aus dem Computer kamen. Die 80er waren das Jahrzehnt kreativer Absurditäten, wo mit Latex, Glibber und Kunstblut versucht wurde dem Kinogänger das Ekeln zu lehren. Während am anderen Ende der Welt ein junger SAM RAIMI im Splatter-Klassiker EVIL DEAD die Teufel tanzen lies, produzierte Altmeister DARIO ARGENTO Jahre später einen ebenso berüchtigten Genrefilm in Italien, der den meisten Horrorfans unter dem Titel DANCE OF THE DEMONS von Begriff sein dürfte. Das Multitalent JAMES SIZEMORE holt nostalgisches Dämonen-Gematsche zurück auf die Mattscheiben und will mit seinem Regiedebüt an die guten, alten VHS-Zeiten anknüpfen, in denen man sich nicht vom mageren Produktionsbudget abschrecken lies und soviel Handgemachtes wie möglich in Horrorfilmen zeigen wollte. Sein THE DEMON’S ROOK entpuppt sich als herzliche Hommage an das nicht immer perfekte Indie-Horrorkino der 80er und dürfte vor allem bei jenen Filmfans Herzklopfen verursachen, die mit diesen Filmen aufgewachsen sind.
 
 
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Der kleine Roscoe ist ein erkundungsfreudiges Kind, von Dämonen regelrecht besessen und spielt tagsüber mit der besten Freundin Monsterspiele im Garten. Dennoch zieht sich der aufgeweckte Junge immer öfter in sein Zimmer zurück, wo er finstere Visionen und grausige Fratzen mit Kreide zu Papier bringt. Die Eltern sind stolz auf das phantasiebegabte Kind, bis der Sohnemann von einem mächtigen Dämon Besuch erhält und verschleppt wird. Doch die Kreatur namens Dimwos ist nicht böser Natur. Sie weiht den Knaben in die Macht schwarzer Magie ein und fungiert als Pförtner zwischen Licht und Dunkelheit, um die Menschheit vor dem Bösen zu beschützen. Als es dennoch einigen Geschöpfen der dunklen Seite gelingt in die Welt der Lebenden zu krabbeln, liegt es an dem mittlerweile erwachsenen Roscoe die bevorstehende Apokalypse aufzuhalten. In seiner ehemaligen Spielkameradin Eva sieht er eine Verbündete um Dämonen, Zombies und Besessene aufhalten zu können.
 
 
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THE DEMON’S ROOK ist kein sonderlich guter oder professioneller Film, aber das ist diesmal auch nicht von Bedeutung. Der Film bietet einen regelrechten Bilderrausch handgemachter Maskeneffekte, die mal weniger, mal besser gelungen sind. Ob wandelnde Zombies, dämonische Kreaturen aus der Hölle oder der Leibhaftige persönlich – THE DEMON’S ROOK bietet ein buntes Sammelsurium kreativer Effektspielereien, die allein dessen schon die Sichtung rechtfertigen. Dass ein derart visueller Ideenrausch auch seine Problemchen mit sich bringt, scheint die logische Konsequenz zu sein. Schauspielerisch fährt Regisseur, Produzent und Schauspieler (er selbst hat auch gleich die Hauptrolle im Film übernommen) nämlich einen konsequenten Sparkurs. Fast alle Helden, Kreaturen und Filmopfer werden von Freunden des Machers verkörpert, die dann auch noch Haus und Hof für die Dreharbeiten zur Verfügung gestellt haben, damit mehr Geld für Kunstblut und Splatter-Exzesse ausgegeben werden konnte. Viel Improvisationstalent stellt SIZEMORE unter Beweis. Um neumodische Wohnzimmer atmosphärisch aussehen zu lassen, holt er kurzum die Nebelmaschine aus dem Keller und lässt das semiprofessionelle Set in satte Rot-, Blau- und Grün-Töne erstrahlen. So gleicht er finanzielle Defizite aus und erinnert ganz nebenbei mit stimmigen Farbspielereien an die frühen Werke des Giallo-Mitbegründers DARIO AGENTO, die sogar auch noch von charmantem Synthesizer-Gedudel begleitet werden.
 
 
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Es muss nicht immer perfekt sein, vor allem dann nicht, wenn ein Horrorfan versucht seine Obsession zum Genre mittels phantasievoller Bilderflut zum Ausdruck zu bringen. THE DEMON’S ROOK ist ein leidenschaftliches Fanprojekt, das vor allem das besitzt, was man bei vielen Horrorfilmen neueren Datums vermisst: Herzblut. Der Streifen glänzt durch nostalgischem 80er-Jahre-Charme und schaut dank guter Kameraarbeit oftmals teurer aus, als er vermutlich gewesen ist. Bei so viel Liebe zum Genre schaut man gern über Mankos in der Inszenierung hinweg und vergisst schnell, dass hier erzählerische Tiefe kaum Stellenwert besitzt. Kurzum: THE DEMON’S ROOK ist eine blutrote Dämonenhatz für all jene, die ohnehin der Meinung sind, dass früher im Horrorfilm alles besser war. Kein Wunder, bringt Macher JAMES SIZEMORE jenes schrill-experimentierfreudige Jahrzehnt zurück ins Gedächtnis, das wichtige Genre-Meilensteine wie HELLRAISER, RE-ANIMATOR, THE THING oder Cronenbergs DIE FLIEGE hervorgebracht hat.
 
 
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THE DEMON’S ROOK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
THE DEMON’S ROOK ist ein kleiner Juwel am Horrorhimmel und ein blutgetränktes Gore-Fest der Extraklasse. Diese Produktion ist nicht für die breite Masse bestimmt, sondern ein Film für alle Nostalgiker, die zu jener Zeit aufgewachsen sind, vor der sich THE DEMON’S ROOK verbeugt: Ein Hoch auf die 80er – Lang lebe das VHS-Zeitalter!
 
 


 
 
 

THE DEMON’S ROOK – Zensur

 
 
 
Blut gibt es reichlich zu sehen. Von Zombie-Fressszenen bis Pfeilmord ist alles dabei, bei dem das Horror-Herz tanzt. Insofern THE DEMON’S ROOK überhaupt in Deutschland veröffentlicht wird, wird er auf jeden Fall mit rotem FSK-Flatschen im Händlerregal stehen – in welcher Schnittform dürfte aber fraglich sein.
 
 
 


 
 
 

THE DEMON’S ROOK – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Evil Dead (1981)
 
Dance of the Demons (1985)
 
Dance of the Demons 2 (1986)
 
Demon Knight – Ritter der Dämonen (1995)