Filmkritik: „Clown“ (2014)

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CLOWN

Story

 
 
 
Familienvater Kent schlüpft in ein altes Clownskostüm, das von ihm Besitz ergreift und schreckliche Dinge von seinem Träger fordert.

 
 
 


 
 
 

CLOWN – Kritik

 
 
Egal was ELI ROTH anpackt, es wird aus unerklärlichen Gründen zu Gold. Seit der Filmemacher mit dem unabhängig verwirklichten Horrorfilm CABIN FEVER einen Überraschungshit landete und mit HOSTEL das selbstzweckhafte Foltern im Kino salonfähig machte, sorgt er stets für Aufregung unter Fans „böser“ Filme, wenn er an neuem Horrormaterial arbeitet. Diesmal hat ROTH aber nicht selbst Regie geführt. Für den grimmigen Splatter-Horror CLOWN übergab er das Regiezepter an JON WATTS, der bisher für TV-Zeug verantwortlich zeichnete und fungierte – wie schon bei THE LAST EXORCISM – als Produzent, um im Hintergrund die Strippen zu ziehen. Auch wenn ROTH den Film nicht selbst gedreht hat; die unverkennbare Handschrift des Filmemachers zieht sich durch den gesamten Streifen, schließlich lässt sich mit Ekligkeiten, makabrem Humor und reichlich Gewalt am Besten polarisieren und Geld verdienen.
 
 
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Schluss mit lustig: seit jeher wissen Horrorfans, dass Clowns im Genre oft andere Intentionen hegen, als uns zum Lachen zu bringen. Hier steht meist blutiger Ernst statt harmloser Spaß auf der Tagesordnung, was nicht selten dazu führt, dass Psychopathen bunte Kostüme überstreifen, um mit spitzem Mordwerkzeug unschuldige Menschen zu ermorden. CLOWN macht da einiges anders, wenn auch nicht unbedingt besser. Um sich im Subgenre der mordgeilen Serienkiller ein wenig Kontur zu verpassen, bedient man sich beim Okkulten und lässt einen lustig verkleideten Familienvater zur dämonische Kreatur werden, die nur eines im Sinn hat: Kinder fressen.
 
 
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Ein teuflisches Narrenkostüm sorgt für eine schmerzhafte Metamorphose. Immobilienmakler Kent wollte dem Sohnemann zum 10. Geburtstag nur eine Überraschung bereiten und schlüpft in eine alte Clowns-Verkleidung, die er in einer Kiste im Keller einer zum Verkauf stehenden Immobilie entdeckt. Doch die modrige Kleidung führt ein seltsames Eigenleben und saugt sich am Körper ihres Trägers fest, der fortan von unbändigem Hunger nach Kinderfleisch getrieben wird. Doch es kommt noch schlimmer. Familienvater Kent beginnt sich zu verändern. Mit fortschreitendem Appetit nimmt er die Gestalt eines furchtbaren Dämons an, der fünf unschuldige Kinder fordert, um sich an ihnen laben zu können.
 
 
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Wenn aus Fake-Trailern richtige Horrorfilme werden. Seit sich ROBERT RODRIGUEZ und QUENTIN TARANTINO mit ihrem GRINDHOUSE (2007) vor den schmuddeligen B-Movies der 60er und 70er verbeugten, scheint in der Filmwelt zum Sport geworden zu sein, erst Kinotrailer zu zeigen und wenig später die zugehörigen Filme zu drehen. Im Fall des genannten GRINDHOUSE, das aus dem trashigen Double-Feature DEATH PROOF und PLANET TERROR bestand, waren es fiktive Kinoclips zu HOBO WITH A SHOTGUN und MACHETE, die zwischen den beiden Machwerken gezeigt und erst einige Jahre später umgesetzt wurden. Ähnlich verhielt es sich auch bei CLOWN. Regisseur JON WATTS brachte weit vor der eigentlichen Verfilmung im Jahr 2010 einen zweiminütigen Werbefilm zu einem fiktiven Horrorstreifen in Umlauf, der bei ROTH auf Interesse stieß. Weil dem bekannten Angstmacher die Idee dahinter so gut gefiel, beschloss er aus dem Fake-Trailer einen abendfüllenden Spielfilm zu machen und stand als Geldgeber zur Seite. Viel vom eigentlichen Spot, der durchaus beängstigend in Szene gesetzt wurde, ist letztendlich nicht mehr übrig geblieben. Statt Angst und Schrecken auf subtilem Wege in die Wohnzimmer zu bringen, wird Horror mit dem Holzhammer geboten, der sich dann doch eher an ein sehr magenstarkes Publikum richtet. Da werden Kinder vor den Augen des Zuschauers zermatscht, durchbohrt und angeknabbert – für ROTH-Fans nicht uninteressant, fühlen die sich von der stattlichen Anzahl bebilderten Grausamkeiten vermutlich bestens unterhalten.
 
 
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Auch wenn CLOWN mit eigenartigem, fast schon geschmacklosem Humor an die Werke von ELI ROTH anknüpft und sich beim Angst einjagen nicht gerade mit Ruhm bekleckert, findet der Film bei den Spezialeffekten zu eigentlicher Stärke. Die Figur des Besessenen durchlebt im Verlauf des Films eine nicht immer schmerzfreie Verwandlung vom besorgten Familienvater hin zur Marionette des Teufels. Dank hervorragender Arbeit kreativer Make-up-Künstler bekommt der Zuschauer am Ende eine deformierte Gestalt zu sehen, die endlich auch richtigen Horror auf die Mattscheibe bringt. Bis dahin verzettelt sich CLOWN im plumpen Aneinanderreihen fragwürdiger Tötungsarten von Kindern und gerät während des Mittelteils etwas ins Stolpern, weil die nicht uninteressante Thematik dann doch etwas zu wenig Material hergibt, um daraus einen 90-minütigen Horrorfilm drehen zu können. Immerhin wird im Finale geklotzt und nicht gekleckert. Da werden schon mal Erinnerungen an die abscheulichsten Metamorphosen der Kinogeschichte wach, in denen Wissenschaftler zu Fliegen mutierten (Cronenbergs DIE FLIEGE) und sich amerikanische Studenten (AMERICAN WEREWOLF) in Werwölfe verwandelten. Dennoch; so schön die Spezialeffekte in CLOWN auch sein mögen und so atmosphärisch die Dämonenhatz am Ende auch in Szene gesetzt sein mag – der aufdringliche Blutzoll ist irgendwie allgegenwärtig und erstickt jeden wohligen Schauer sofort wieder im Keim, weil ROTH als Werbemittel auf dem Cover nun mal triviales Metzelfutter und hirnloser Blutreigen bedeuten muss.
 
 


 
 
 

CLOWN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wem bereits Stephen Kings ES schlaflose Nächte bereitet hat, wird nach der Sichtung von CLOWN nur bei Licht einschlafen können. Dieser Horror-Trip ist kein Film für jene, die unter Coulrophobie leiden. Hier werden bei vielen Zuschauern Kindheitstraumata wach, denn CLOWN bringt Filme wie POLTERGEIST oder genannte King-Adaption in Erinnerung, die mit der Clown-Thematik Albträume bescherten. Leider setzt die von ELI ROTH produzierte Filmumsetzung eines Fake-Trailers weniger auf subtile Gänsehaut-Taktik. Vielmehr war man darum bestrebt eine interessante Eigeninterpretation um den Jahrhunderte alten Clown-Mythos zu weben, die letztendlich mal wieder im Splatter-Fegefeuer enden muss. Nach einem starken Einstieg, hat CLOWN im Mittelteil so seine Probleme das vorgelegte Tempo halten zu können. Erst am Ende findet der Film Dank sehenswerter Maskeneffekte zu eigentlicher Stärke. Da ist es aber dann auch schon zu spät, denn so schön grimmig das Finale auch in Szene gesetzt wurde, so zügig flimmert auch schon der Abspann über den Bildschirm. Letztendlich will man das Gefühl nicht loswerden, einen Film mit unverbrauchter Thematik gesehen zu haben, bei dem mehr möglich gewesen wäre. Die interessante Geschichte hinter der Entstehung des menschenfressenden Kostüms bleibt weitestgehend unangetastet. Zudem stößt bitter auf, dass im Film Kinder grafisch getötet werden müssen, um die Sensationsgierig des blutgeilen Publikums befriedigen zu können? Splatter-Fans und Gore-Bauern dürfte das jedoch kaum stören. Für die gilt ELI ROTH ohnehin als der Meuchelkönig des Horrorfilms.
 
 


 
 
 

CLOWN – Zensur

 
 
 
Mittlerweile geht auch die FSK lockerer mit der Bewertung von Horrorfilmen um. Was vor zehn Jahren undenkbar ungeschnitten auf die deutschen Filmzuschauer losgelassen werden konnte, schafft es heutzutage ohne Probleme mit dem roten KJ-Flatschen in die Händlerregale. Ähnlich ist das auch bei CLOWN geschehen. Hier werden zwar Kinder vor der Kamera ermordet; trotzdem wurde der Film ungeschnitten in Deutschland veröffentlicht: Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

CLOWN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

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(c) Tiberius Film (limitiertes Steelbook mit BD & DVD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Clown; USA | Kanada 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1, Englisch DTS-HD MA 7.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Steelbook

Extras: Originaltrailer, Trailershow | Zusätzlich im Steelbook: Poster A3, Postkarten-Set (3xA6)

Veröffentlichung: 01.03.2016

 
 
 

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CLOWN – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Mockingbird (2014)
 
Stitches – Böser Clown! (2012)
 
100 Tears (2007)
 
Gacy (2003)
 
Stephen Kings Es (1990)
 
Clownhouse (1989)
 

Filmreview: „The Sacrament“ (2013)

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THE SACRAMENT

Story

 
 
 
Zwei Reporter (AJ Bowen; Joe Swanberg) der New Yorker Zeitschrift VICE begleiten den Fotografen Patrick (Kentucker Audley) bei der Suche nach dessen Schwester. Die lebt abgeschottet von der Außenwelt in einer religiösen Gemeinschaft namens „Eden Parish“, wo Anhänger in Harmonie und Gleichheit zusammenleben. Leider beginnt die Fassade vom sorgenfreien Alltag zu bröckeln, als das Team in das Dorf einkehrt und einige der Mitglieder von Gewalt und Terror innerhalb der Kommune berichten …
 
 
 


 
 
 

THE SACRAMENT – Kritik

 
 
 
Horror-Newcomer TI WEST ist zurück und versorgt den Filmfan mit Filmnachschub, der sich sehen lassen kann. Seit WEST den HOUSE OF THE DEVIL (2009) in die Wohnzimmer gebracht hat, dürfte wohl jedem Fan des Genres klar sein, dass dieser Regisseur seine Arbeiten nicht nur uninspiriert herunterkurbelt, sondern viel Herzblut investiert und immer bestrebt ist, dem Filmfan etwas Neues zu bieten. Demzufolge stehen die Werke von WEST für eine gewisse Qualität, die im Falle seines neusten Streifens auch beibehalten wird. Der schimpft sich THE SACRAMENT und wurde kurioserweise vom Folterexperten ELI ROTH mitproduziert, der meist eher mit verstandfreier Metzelware in Verbindung gebracht wird. Dass THE SACRAMENT trotzdem ein sehr guter Film geworden ist, dürfte ausschließlich WESTS Verdienst gewesen sein, der sich hier nicht nur auf das möglichst grausame Ausradieren seiner Protagonisten konzentriert, sondern sich auch ernsthaft mit der Thematik seines neusten Films auseinandersetzt und auf erschreckende Weise die Mechanismen von fehlgeleiteten Sekten bebildert. THE SACRAMENT ist auf wahre Begebenheiten zurückzuführen, denn die Inspiration zum Film lieferte der Massensuizid von Jonestown, bei dem in den 70ern über 900 Menschen den Tod fanden. WEST greift die schrecklichen Ereignisse für THE SACRAMENT noch einmal auf und lässt die Vorfälle mit fast schon akribisch-dokumentarischer Genauigkeit Revue passieren. Dennoch nimmt er einige Änderungen vor, um die Thematik aktueller und brisanter erscheinen zu lassen. So transferiert er die Geschehnisse in die heutige Zeit, ändert einige Handlungsverläufe ab und tauscht Ort und Namen aus.
 
Anders als im wahren Fall von Jonestown ist nicht der Besuch des US-Kongressabgeordneten Leo Joseph Ryan, Jr. Auslöser für die Katastrophe, sondern das New Yorker Lifestyle- und Jugendmagazin VICE (welch Ironie) für welches sich einige Sensationsreporter auf den Weg zum Lager der religiösen Gemeinde „Eden Parish“ begeben, um darüber eine Dokumentation zu drehen. Fotograf Patrick vermutet dort seine Schwester und reist mit VICE-Reporter Sam (AJ BOWEN – bekannt aus AMONG FRIENDS und YOU’RE NEXT) und Kameramann Jake nach Südamerika, um das verschollen geglaubte Familienmitglied ausfindig zu machen. Das tief im Regenwald verlagerte Camp der scheinbar friedliebenden Kommune ist rasch gefunden und die Gäste werden freundlich empfangen. Schnell macht man Bekanntschaft mit dem redseligen Oberhaupt der Gemeinschaft, das sich recht bald als unheimlicher Sektenguru entpuppt und seine Schäfchen durch Androhung von Gewalt versucht von der Außenwelt abzuschotten. Als die Besucher von einem der Sektenmitglieder einen Hilferuf in Form eines Zettels zugesteckt bekommen, werden die Reporter misstrauisch. Doch für rettende Maßnahmen ist es ohnehin zu spät. „Father“ Charles Anderson Reed hat mit Ankunft der „Eindringlinge“ den Untergang seines „Eden Parish“ vorausgeahnt und trommelt die Gemeindemitglieder zusammen. Was folgt hat so ähnlich vor über dreißig Jahren die ganze Welt erschüttert.
 
Bereits UMBERTO LENZI hat sich für seinem Exploitationfilm LEBENDIG GEFRESSEN (1980) von den tatsächlichen Vorkommnissen in Jonestown inspirieren lassen und einen trashigen Kannibalenfilm mit Sekten-Problematik gedreht, der selbst heute noch auf dem Index für jugendgefährdende Medien gelistet ist. Gleiche Thematik griff in abgewandter Form auch JOURDAN MCCLURE für das Genre-Produktionsstudio AFTER DARK FILMS auf und machte mit CHILDREN OF SORROW ebenfalls einen Horrorfilm über einer Sekte, der sich mit Hilfe von Found-Footage jedoch wenig glaubhaft mit dem Kontext auseinandersetzen wollte und sich auf das möglichst grausame Abschlachten seiner Protagonisten konzentrierte. Immerhin haben auch einige unbekannte Regisseure aus der schockierenden Vorlage halbwegs gescheite Filme gemacht, die auch heute noch nachwirken. So gehört das Drama GUAYANA – KULT DER VERDAMMTEN (1980), der TV-Film DAS GUAYANA-MASSAKER (1980) und die Doku JONESTOWN – TODESWAHN EINER SEKTE (2006) zu jenen Filmen, die die Ereignisse (wenn teils auch in leicht abgeänderter Form) rund um das Jonestown-Massakers mit nötiger Ernsthaftigkeit betrachten.
 
AUCH TI WEST dürfte für THE SACRAMENT so ziemlich genau die Umstände der Tragödie recherchiert haben. Der Streifen glänzt mit einem unangenehmen Realismus, der durch Einsatz von Found-Footage verstärkt wird. THE SACRAMENT dürfte demnach eine der wenigen Ausnahmen sein, bei der die Shaky-Cam-Methodik dem Erzählfluss des Streifens förderlich ist, zumal WEST fast gänzlich von klischeebeladener Found-Footage-Effektehascherei absieht und den Wackeleffekt nur dezent einsetzt. Die Bilder der Kamera bleibt nahezu konstant, so dass sich der Zuschauer auf die Geschehnisse konzentrieren kann und schnell vergisst, dass es sich bei THE SACRAMENT eigentlich um günstig produzierte Wackelcam-Ware handelt. Auch wenn TI WEST in der Vergangenheit eher Horrorlastiges gedreht hat, so versucht der Filmemacher mit seinem unangenehmen Sekten-Thriller den Ruf des Nischen-Regisseurs loswerden zu wollen. In einigen Interviews lies das ambitionierte US-Nachwuchstalent bereits verlauten, dass WEST nicht ausschließlich nur im Horror-Bereich wandeln, sondern sich auch gern in anderen Genres ausprobieren möchte. Sein THE SACRAMENT dürfte demnach der erste Versuch sein, mal etwas anderes ausprobieren zu wollen, um nicht auf ewig in die Horror-Schublade gesteckt zu werden. Geglückt ist der Versuch allemal. Sein neuer Beitrag ist weniger Horror sondern ein knüppelharte Thriller, der nach nur wenigen Minuten in den Bann zieht und bis zum bitteren Ende nicht mehr loslässt.
 
Während sich der erste Teil der Handlung mit dem Erkunden des Camps und dem Interviewen der Gemeinschaftsmitglieder beschäftigt, legt WEST ab Filmmitte den Hebel um und der Ton des Streifens wird erheblich ruppiger. Der grummelnde Score vermittelt permanentes Unbehagen und die verstörenden Bilder sprechen für sich. Ein Glücksgriff stellt Schauspieler GENE JONES dar, der hier die Rolle des Sektenanführers übernommen hat und als untersetzter Widerling dem Zuschauer schon nach wenigen Minuten vermittelt, welch rauer Ton in der Kommune regiert. Das Oberhaupt wäscht den Mitgliedern die Köpfe indem Tatsachen verdreht und falsche Erwartungen geschürt werden. Respekt trichtern bewaffnete Wachen ein, die auch mal munter drauflosschießen, wenn jemand nicht parieren möchte. Dass da niemand freiwillig die vorgeheuchelte Ideologie von grenzenloser Harmonie und Gleichheit hinterfragt, dürfte nur logisch sein. TI WEST hat alles richtig gemacht und nach Wackelkamera-Ausflügen in V/H/S und V/H/S 2 für THE SACRAMENT noch einmal unter Beweis gestellt, dass Found-Footage noch lange nicht ausgedient hat. Der Sekten-Thriller ist packend inszeniert, kompromisslos und ein Tritt in die Magengegend. Wer wirklich gute Filme sucht, die auf wahren Begebenheiten beruhen, sollte sich THE SACRAMENT nicht entgehen lassen. Der kontroverse Streifen ist harter Tobak und garantiert nichts für sensible Gemüter.
 
 
 


 
 
 

THE SACRAMENT – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
THE SACRAMENT ist ein Brett von Film und einer der härtesten Sekten-Thriller überhaupt. Regisseur TI WEST mischt hier Found-Footage mit kontroverser Sekten-Problematik und hat daraus einen unangenehmen Beitrag über die Mechanismen von fehlgeleiteten Sekten gedreht, der den Zuschauer direkt dahin tritt, wo es ihm am meisten wehtut. Auch wenn nicht viel Blut fließt, verstört das Gezeigte ungemein. WEST ließ sich nicht nur von wahren Begebenheiten inspirieren; er versucht THE SACRAMENT möglichst authentisch wirken zu lassen. Die Wackelcam-Rezeptur sorgt für beängstigenden Realismus und ab Filmmitte ist für empfindsame Gemüter ohnehin Sendepause. Kein Wunder, denn für das was sich hier auf der Mattscheibe abspielt werden stahlharte Nerven vorausgesetzt.
 
 
 


 
 
 

THE SACRAMENT – Zensur

 
 
 
Trotz Massenselbstmord ist THE SACRAMENT keine Schlachtplatte. Die Mitglieder vergiften sich selbst und verenden Minuten später qualvoll. Wer sich wehrt oder sträubt das Gift zu trinken wird erschossen. Zudem gibt es einen recht grafischen Kopfschuss zu sehen und eine Selbstverbrennung. Auch wenn die Gewalt hier recht züchtig eingesetzt wird, ist das was man zu sehen bekommt dennoch harter Tobak. THE SACRAMENT wurde Deutschland mit FSK16 in den Handel gebracht.
 
 
 


 
 
 

THE SACRAMENT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Constantin / Highlight Communications

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Sacrament; USA 2013

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 1.78:1, @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras:Trailer in Deutsch und Englisch

Release-Termin: 06.11.2014

 

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THE SACRAMENT – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jonestown – Todeswahn einer Sekte (2006)
 
Das Guayana-Massaker (1980)
 
Guayana – Kult der Verdammten (1980)
 

Filmreview: „Children of Sorrow“ (2012)

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CHILDREN OF SORROW

Story

 
 
 
Zwölf Sektenmitglieder erleben die Hölle auf Erden. Sie geraten in die Fänge des psychopathischen Sekten-Gurus Simon Leach (Bill Oberst Jr.), der irgendwo in der mexikanischen Einöde ein Lager errichtet hat, wo er seine Trost suchenden Anhänger manipuliert und für eigene Zwecke missbraucht…
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Kritik

 
 
 
Wer sich in der Horrorszene etwas auskennt, dem dürfte AFTER DARK FILMS ein Begriff sein. Die Macher des Produktionshauses haben einst das legendäre AFTER DARK FILMFEST ins Leben gerufen und dort Horrorfans stets acht Gruselstreifen vorgeführt, die alljährlich unter dem Banner „8 Films to Die For“ an den Horrorfan gebracht wurden. Seit 2011 zeigt und vermarktet AFTER DARK FILMS nicht mehr nur zuvor erworbene Filme. Mit der ins Leben gerufenen AFTER DARK ORIGINALS-Reihe beweisen die kreativen Köpfe hinter AFTER DARK FILMS, dass sie auch selbst gute Filme machen können und produzieren fleißig eigene Schauerwerke, um Fans der düsteren Unterhaltung mit abwechslungsreichem Horrorstoff versorgen zu können. Viel Gutes ist seither der Produktionsstätte entsprungen, das sogar auch den Weg zu FILMCHECKER gefunden hat. Nach sehenswerten Streifen wie dem mysteriösen Terrorfilm RITUAL oder dem düsteren DARK CIRCLES war es nur eine Frage der Zeit, bis der aktuellen ORIGINALS-Staffel auch ein Rohrkrepierer folgen sollte. CHILDREN OF SORROW heißt der Blödsinn, der von JOURDAN MCCLURE inszeniert wurde und nicht einmal ansatzweise das anständige Niveau der genannten AFTER DARK-Filme erreicht. Dass MCCLURE eigentlich was kann, konnte er bereits mit ROGUE RIVER (wir berichteten) zeigen. Der wurde hier in Deutschland ums Gröbste erleichtert und hat es nur geschnitten in den Handel geschafft. Auch wenn MCCLURES erster Horrorfilm mit Sicherheit kein kultverdächtiges Genrekino gewesen ist, konnte es aber durch solide Spannung und grafischen Gemeinheiten überzeugen. Im wahrsten Sinne des Wortes gemein ist hingegen das, was er uns mit seinem neusten Nonsens unterzujubeln versucht.
 
CHILDREN OF SORROW ist natürlich kein weiteres, überflüssiges Sequel aus der beliebten KINDER DES ZORNS-Serie, die nunmehr mit neun Filmen zu fragwürdiger Bekanntheit gekommen ist. Regisseur JOURDAN MCCLURE und Drehbuchautor RYAN FINNERTY haben hier was Eigenes zu Papier gebracht, was der Thematik von den zornigen Kindern jedoch nicht unähnlich ist. Es geht um Ellen (HANNAH LEVIEN), die endlich wissen will, was mit ihrer Schwester passiert ist. Die hatte so einige Problemchen im Leben, setzte sich nach Mexiko ab und wurde nie wieder gesehen. Nach einigen Recherchen findet Ellen heraus, dass sich die Schwester einer ominösen Sekte angeschlossen hat, die im Internet fleißig die Werbetrommel rührt, um labile Persönlichkeiten für ein besseren Leben in der „Gemeinschaft“ zu gewinnen. Natürlich schließt sich die Suchende der Sekte an und hofft dort einige Informationen über den Verbleibt des verschollenen Familienmitglieds zu erhalten. Dennoch kommt alles anders als erwartet. Sektenguru Simon Leach (BILL OBERST JR.) ist nämlich ein ganz durchtriebener Spinner. Der wäscht seinen „Brüdern“ und „Schwestern“ gleich mal die Gehirne und missbraucht deren Vertrauen für eigene Zwecke. Da CHILDREN OF SORROW im Horrormilieu angesiedelt ist dürfte klar sein, dass seine Machtspielchen nicht unblutig zelebriert werden. Die Mitglieder werden gedemütigt, gegeneinander aufgehetzt, zersägt, angebohrt und püriert, wobei Leach alles fein sauber auf Filmmaterial festhält, um gutes Werbematerial für seine Sekte ins Netz stellen zu können. Das ist am Ende auch bitter nötig, schließlich braucht der Fanatiker nach seinem unkontrollierten Blutrausch neue Anhänger, die seinen Botschaften Glauben schenken sollen.
 
Immer dann wenn man glaubt, dass bestimmte Filmmethoden in Vergessenheit geraten sind, kommt eine immer wieder zurück: Found Footage. CHILDREN OF SORROW ist der gefühlt 3000ste Film dieser Art, der sich der Wackelcam-Methode bedient, um möglichst authentisch zu wirken. Nun gut, CHILDREN OF SORROW kommt mit reichlicher Verspätung in die Wohnzimmer. Der Streifen wurde bereits 2012 fertiggestellt und sollte eigentlich zu einer Zeit in die Kinos gebracht werden, als sich Found Footage wie eine Plage durch die Filmwelt gefressen hat. Leider gehört CHILDREN OF SORROW zu den eher schlechten Vertretern innerhalb des Wackelkamera-Genres, was vermutlich auch die verspätete Veröffentlichung begründet, schließlich ist es in der Kinoszene nicht selten der Fall, dass Starttermine von Horrorstreifen auf unbestimmt Zeit verschoben werden, wenn Filme vermasselt wurden. Das Problem in MCCLURES Machwerk liegt darin, dass es zwar pseudo-dokumentarisch umgesetzt wurde und eine gewisse Authentizität vorheucheln will, aber zu keiner Zeit glaubhaft ist. Hierbei will der übertrieben gewalttätige zweite Teil der Handlung leider nicht zum Rest des Filmes passen, zumal BILL OBERST JR. in der Rolle des Sektenführers Simon Leach vollkommen deplatziert wirkt. Der ist mit seinem vernarbten Gesicht und der künstlichen Art weder vertrauenerweckend, noch charismatisch, so dass am Ende nicht einleuchten will, warum die zwölf Mitglieder seinen Botschaften noch folgen und ihn nicht mit vereinten Kräften versuchen zur Strecken zu bringen.
 
CHILDREN OF SORROW folgt dem befremdlichen Alltag von Andersdenkenden. Jedes der Mitglieder hat so seine Probleme mit dem Selbstwertgefühl, was Sektenleiter Leach anfänglich mit allerhand schwachsinnigen Spielen zu steigern versucht. Die Anhänger halten Händchen, fangen sich gegenseitig auf, kritzeln aufbauendes Süßholzgeraspel auf Papier und bekunden ihre innige Liebe zueinander. Dabei wird das behäbige Geschehen in verwackelte Bilder getaucht, die dem Zuschauer relativ schnell Kopfschmerzen bescheren werden. Saubere Schnitte oder gar eine musikalische Untermalung gibt es nicht, dafür dutzende Interviews am Stück, in denen die Mitglieder ihre Schicksale und Fortschritte schildern. Was den Anhängern ziemlich förderlich für das eigene Ego ist, entwickelt sich jedoch für den Zuschauer zur schläfrigen Angelegenheit, denn eigentlich will (mal abgesehen vom Ende) in CHILDREN OF SORROW nichts Ereignisreiches passieren. Immerhin gibt es nach einer Stunde zuckersüßem Gutmenschgequassel eine Wendung, damit zumindest die Horrorfraktionen mit reichlich derbem Quatsch zufriedengestellt werden kann. Regisseur und Mitdrehbuchschreiber JOURDAN MCCLURE legt den Filmhebel um und aus dem vermeintlich gutherzigen Sektenoberhaupt Leach wird eine gerissene Mörderbestie, die sich an den gefügig gemachten männlichen Mitgliedern sexuell vergeht und zur Abschreckung mordet. Diejenigen, die die Botschaften des Führers hinterfragen und flüchten wollen, werden mit dem Schrottgewehr mundtot gemacht. Der Rest durchlebt die Hölle auf Erde, wobei Erlösung nur der Tod bringen kann. Trotz guter Ansätze bleibt am Ende Unverständnis, was MCCLURE eigentlich mit seinem Found Footage-Terrorflick bezwecken wollte. Wurde sein Zweitwerk nur aus Gründen der Zweckhaftigkeit gedreht, um die niederen Instinkte der Horrorfans befriedigen zu können oder wollte der Filmmacher mit seinem CHILDREN OF SORROW eine kritische Botschaft über Sektenunwesen an den Zuschauer bringen. Fakt ist, dass der aktuelle AFTER DARK ORIGINALS-Beitrag ganz schön einfältiger Quatsch mit Soße und über weite Strecken sogar auch noch ziemlich langweilig ist. Zudem kommt der Fan für grobe Gewaltspitzen nur bedingt auf seine Kosten, denn die grafischen Raffinessen werden meist nur angedeutet und im Off gefeiert. Ausnahme-Regisseur TI WEST (THE INNKEEPERS) hat mit THE SACRAMENT übrigens einen ähnlichen Streifen gedreht. Wer die Qual der Wahl hat sollte sich auf jeden Fall für dessen Beitrag entscheiden, denn CHILDREN OF SORROW kann leider gar nix, außer auf den Nerv gehen.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein schockierender Filmalbtraum mit Einschlafgarantie. CHILDREN OF SORROW ist weiteres Material aus der AFTER DARK Filmschmiede, das leider etwas aus der Reihe tanzt. Im Vergleich zu den letzten AFTER DARK ORIGINALS-Beiträgen ist CHILDREN OF SORROW eine einzige Enttäuschung. Dem Filmfan erwartet viel Langeweile, kaum Spannung und ne Menge unglaubwürdig agierende Protagonisten, deren Handlungen zu keiner Zeit nachvollziehbar sind. Dafür gibt’s viel planloses Kameragewackel und gratis Kopfschmerzen, die bei Found Footage-Filmen eigentlich immer inklusive sind. Wer keine Kopfschmerzmedikamente im Haus hat, sollte sich einen Gefallen tun und CHILDREN OF SORROW meiden. Der mutige Rest wird aber kann schnell merken, dass Wackelkamera-Filme allmählich aus der Mode kommen, weil man die ewig gleichen Mechanismen einfach nicht mehr sehen kann und möchte.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Zensur

 
 
 
Es dauert eine Weile bis der Zuschauer in CHILDREN OF SORROW Gewalt zu sehen bekommt. Die wird meist aber nur angedeutet oder unter hektischem Kameragewackel gezeigt, so dass man kaum erkennen kann, was da auf der Mattscheibe passiert. Es werden tote Körper in einem Fass in kleine Stücke zerteilt, Köpfe angebohrt und Konservendeckel zweckentfremdet. Hört sich alles grausamer an als es ist, reicht aber immerhin für eine ungeschnittene FSK18. CHILDREN OF SORROW wird mit großer Wahrscheinlichkeit mit rotem KJ-Sticker in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF SORROW – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der letzte Exorzismus: The Next Chapter (2013)
 
Red State (2011)
 
Kinder des Zorns (1984)
 
The Sacrament (2014)