Filmkritik: „Romeo Is Bleeding“ (1993)

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ROMEO IS BLEEDING

Story

 
 
 

Verzwickte Sache. ROMEO IS BLEEDING ist ein klassischer Fall von Film, dessen allzu ausführliche Inhaltsangabe dem neuen Zuschauer den Spaß komplett verderben würde. Also dann in knapp: Gary Oldman spielt den in alle Richtungen korrupten Polizisten Jack Grimaldi, der sich mit der falschen Mafia-Killerin einlässt. Diese tödliche Dame ist nicht nur im Umgang mit Schusswaffen gefährlich, sondern versteht sich auch im Verwenden von Informationen, mit denen sie dem moralisch wackelig dastehenden Gesetzeshüter das Leben völlig zerstören kann.

 
 
 


 
 
 

ROMEO IS BLEEDING – Kritik

 
 
 
Seinerzeit kann ROMEO IS BLEEDING so gut wie gar nicht einsortiert werden. In der Konsequenz sind die Zuschauerzahlen in den Kinos fürchterlich niedrig – erst in der nachfolgenden Videotheken-Verwertung sieht die Sache besser aus. Wohlwollend gestimmte Kritiker zumindest sehen in Peter Medaks Film einen Wegweiser in Richtung verschiedener ultra-brutaler und sich der vorausgegangenen Filmgeschichte bewusster Thriller, wie sie kurz darauf, in der Nachfolge von PULP FICTION zum Rückgrat der Filmindustrie werden sollten. Genauestens beobachtete, am Film Noir geschulte Handlungsfäden, die sehenden Auges in die Vernichtung der Charaktere führen, münden in exzessiven Gewaltausbrüchen. Eine graphisch präsentierte Brutalität, die das Publikum 1993 schlicht so kalt erwischt, dass der nach einem Song des unbesiegbaren und damals noch nicht unbedingt gehypten Tom Waits benannte Film regelrecht unter negativer Mundpropaganda zu leiden hat. Es ist eine Schande, findet hier doch bereits die Verbindung zwischen wasserdicht gescripteten Noir-Strukturen und sadistischen Austickern statt, die 1995 mit dem Fifties-Remake KISS OF DEATH zu Aufmerksamkeit und 1997 mit L.A. CONFIDENTIAL gar zu Oscar-Ehren kommen wird. Vom Elefanten im Raum, Quentin Tarantinos PULP FICTION nämlich, ganz zu schweigen.
 
 
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Gary Oldman, heute natürlich anerkannt als einer der größten lebenden Charakterdarsteller des Kinobetriebs, stellt sich in jenen Tagen, erste Hälfte der Neunziger, ein Portfolio von Rollen zusammen, auf denen sich sein späterer Ruhm begründen wird. Da wäre unstrittig seine Interpretation des Grafen DRACULA – in allen Mutationen, die er in Coppolas Film durchläuft, der grausam-psychotische Dreadlock-Zuhälter Drexel in TRUE ROMANCE oder der noch irrere Junkie-Bulle in LEON – DER PROFI. Sein Officer Grimaldi hier weist in seiner Hilflosigkeit und schließlich fatalen Zerrissenheit schon auf seine ruhiger angelegten Rollen der Zukunft hin und demonstriert die schauspielerische Tiefe und Vielseitigkeit des Iren.
Peter Medak, der in Ungarn geborene Regisseur am Werke, ist eigentlich in so gut wie jedem Genre zuhause. Ein echter Routinier kann man sagen. Sein größter Treffer im Horror-Genre ist 1980 THE CHANGELING, ein bei uns als DAS GRAUEN vermarkteter Geisterfilm mit dem großen George C. Scott, der nicht zu Unrecht als einer der gruseligsten seiner Zunft gilt.
 
 
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ROMEO IS BLEEDING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Peter Medaks schweinisch harter Versuch, den Film Noir in die 90er zu übertragen, sieht nach fast dreißig Jahren besser aus denn je. Damals stellt er sein Publikum vor ein Rätsel. Heute – dreihundert echte und gefälschte Tarantino-Filme später – dürfte die historische Rolle des Thrillers unbestreitbar sein: So gut wie jeder moderne Gangster- oder Polizeifilm, der sich drastischer Gewaltsequenzen bedient, trägt Spuren von ROMEO IS BLEEDING in seiner DNS.
 
 
 


 
 
 

ROMEO IS BLEEDING – Zensur

 
 
 
ROMEO IS BLEEDING erhielt für eine Kinoaufführung im Jahre 1994 eine Erwachsenenfreigabe (FSK18). Diese war ungeschnitten. Später folgte eine ebenso ungeschnittene Fassung auf VHS. Neben dieser lies man auch eine um fünf Minuten gekürzte Version anfertigen, für welche man eine FSK16 erhielt. Diese fand man ziemlich oft in den Videoregalen der Kaufhäuser. Eine noch stärker geschnittene TV-Fassung lief sogar im Fernsehen. Bei dieser fehlten geschlagene zehn Minuten an Filmmaterial. Mit dem Siegeszug der DVD erschien ROMEO IS BLEEDING im Jahr 2000 über EUROVIDEO wahlweise in einer gekürzten FSK16- oder eine ungeschnittenen FSK18-Version auf DVD. Nun hat es der Thriller auch ins HD-Zeitalter geschafft. Erst brachte NSM RECORDS den Streifen ungeprüft im Jahr 2019 im Blu-ray/DVD-Mediabook. Danach ließ das Label den Film neu prüfen und bekam von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren in ungeschnittener Form. Diese Filmfassung befindet sich im praktischen Blu-ray-Steelbook, das man nun im deutschen Handel kaufen kann.
 
 
 


 
 
 

ROMEO IS BLEEDING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray Steelbook)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 444 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover D – auf 111 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Romeo Is Bleeding; Großbritannien | USA 1993

Genre: Thriller, Action, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 110 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Steelbook | Mediabook

Extras: Deutscher Trailer, Originaltrailer | zusätzlich im Mediabook: 16 seitiges Booklet mit Text von Daniel Wagner und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabooks: 30.04.2019 | Steelbook: 31.01.2020

 
 
NSM hat vier limitierte und von der FSK ungeprüfte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film im deutschsprachigen Ausland veröffentlicht. Seit Januar 2020 kann man ROMEO IS BLEEDING auch in Deutschland als Blu-ray im Steelbook im Handel erwerben und muss keine Umwege über das deutschsprachige Ausland in Kauf nehmen. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ungeschnitten und ist frei ab 16 Jahren.
 
 

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Romeo is Bleeding [Mediabook – Cover B] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Romeo is Bleeding [Mediabook – Cover C] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

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ROMEO IS BLEEDING – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Kiss of Death (1995)
 
L.A. Confidential (1997)
 

Filmkritik: „Book of Monsters“ (2018)

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BOOK OF MONSTERS

Story

 
 
 

Auf der Geburtstagsparty einer Außenseiterin geht es plötzlich blutig zu, weil böse Kreaturen aus einem Buch befreit werden.

 
 
 


 
 
 

BOOK OF MONSTERS – Kritik

 
 
 
Böse Bücher gehören im Horrorfilm mindestens genauso zum Standard wie teuflische Kinder, maskierte Psychopathen oder verfluchte Häuser. In den meisten Fällen schlummert auch in diesen Schriftstücken das abgrundtief Böse, das nur ein Ziel kennt: das Ende der Menschheit. Voraussetzung hierfür ist, dass die richtigen Passagen aus genau diesen Büchern gelesen werden. Wurden die ausgesprochen, öffnet man die Tore für Dämonen, Geister und andere Höllen-Kreaturen. Mit denen ist alles andere, als zu spaßen, wie auch die folgende Splatterkomödie beweist. Hier ist bereits der Titel Programm. BOOK OF MONSTERS lässt die Monster frei und geizt zweifelsohne nicht mit Schauwerten. Für die ist STEWART SPARKE verantwortlich, der offenbar ein großer Verfechter von Horror-Autor H.P. LOVECRAFT ist. Von dessen Cthulhu-Mythos hat sich der Regisseur für seinen Film inspirieren lassen. Das aber nicht zum ersten Mal. Bereits im Erstlingswerk THE DARK BELOW waren die Einflüsse des Schriftstellers nicht zu übersehen. Darin machte eine Meeresbiologin Bekanntschaft mit einem seltsamen Wesen aus der Tiefe, das alles andere als friedlich gesinnt war. Gleiches trifft natürlich auch auf die Kreaturen im zweiten Streich des ambitionierten Filmemachers zu. Die treiben es bunt auf der Mattscheibe und zetteln auch noch eine Splatterorgie an. Sowas hört man als Horrorfilmfan gern.
 
 
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Wenn fantasiebegabte Kinder nicht ernst genommen werden. Genauso ergeht es der kleinen Sophie. Die musste mit ansehen, wie die eigene Mutter von Kreaturen aus ihrem Märchenbuch in Stücke gerissen wurde. Doch leider wollte ihr niemand Glauben schenken. Viele Jahre später feiert Sophie ihren 18. Geburtstag und staunt nicht schlecht, als ihr genau jene Geschichten-Fibel vom Vater in die Hände gedrückt wird. Da werden Erinnerung an das furchtbare Ereignis von damals wach. Doch der Teenager hat anderes im Sinn. Die will lieber eine Geburtstagsfeier veranstalten und lädt hierzu Freunde und Klassenkameraden ein. Leider verläuft die Party schnell in ungeahnte Bahnen. Monster fallen über die Gäste her und richten an Blutbad an. Da ist guter Rat teuer. Doch Sophie kennt sich aus. Die erlebt ein Déjà-vu und weiß die Höllenwesen kommen. Es ist das vom Vater geschenkte Buch, welches die Tore für Monster öffnet. Ein Kampf gegen das Böse wird demzufolge unausweichlich. Kein Problem für die wackere Sophie. In der Schule Außenseiterin verwandelt sie sich in BOOK OF MONSTERS zur tapferen Kampfamazone. Nicht schlecht!
 
 
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Hurra, die 1980er sind zurück. Nun ja, nicht ganz. BOOK OF MONSTERS ist mal wieder einer dieser Horrorfilme, der auf Retro macht und versucht die Atmosphäre jener Ära auf Zelluloid zu bannen. Das haben in den letzten Jahren viele Filmemacher auf ähnliche Weise versucht, sind damit aber kläglich gescheitert. Da verwundert es dann doch schon sehr, dass es ausgerechnet einem No-Budget-Streifen gelingt genau jenes Gefühl auf Film festzuhalten, welches vor allem in Video-Produktionen genannten Jahrzehnts transportiert wurde. BOOK OF MONSTERS tritt in Fußstapfen von so Horror-Ware wie NIGHT OF THE DEMONS, SPOOKIES – DIE KILLERMONSTER, BAD TASTE oder Troma-Quatsch wie ATOMIC HERO. Die zeichneten sich vor allem durch eines aus: handgemachte Spezialeffekte, Splatter-Irsinn und jede Menge Spaß. Genau diese Zutaten verhelfen BOOK OF MONSTERS zum Ziel. Hier wurde mit minimalem Budget maximaler Aufwand betrieben. Im Minutentakt werden Körper ausgeweidet, Köpfe abgetrennt und literweise Kunstblut vor der Kamera verschüttet. Die Spezialeffekte sind einfach, dafür aber kreativ. So sehen wir dämonische Gartenzwerge, die an Hälsen knabbern, riesige Monster unter deren Kostümen wahrscheinlich mehrere Schauspieler gesteckt haben und natürlich: Blut, Blut, Blut. Da wird es garantiert nicht langweilig, zumal sich BOOK OF MONSTERS zu keiner Minute ernst nimmt und eine so unschuldige Naivität versprüht, dass man den Streifen nur gernhaben muss.
 
 
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Dabei ist BOOK OF MONSTERS eigentlich nichts Großes. Der Streifen wurde zum großen Teil mittels KICKSTARTER gestemmt – einer Webseite auf der sich seit Jahren Filmemacher tummeln, um sich dort das Geld für ihre Horrorstreifen von spendablen Genre-Fans zu holen. Ein Geben und Nehmen also, was sich im Falle von BOOK OF MONSTERS als gelungen und erfolgreich herausgestellt hat. Horrorkenner bekommen hier das, was sie von Horrorfilmen erwarten und Regisseur STEWART SPARKE konnte sich im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten richtig kreativ austoben. Das Resultat ist schwer unterhaltsam, zumal keine Minute vergeht in der nicht irgendetwas passiert. Da vergehen die knapp 80 Minuten wie im Fluge und der Zuschauer ist zufrieden. BOOK OF MONSTERS ist klein – keine Frage. Was aber mit wenigem Budget auf die Beine gestellt wurde, ist mehr als beachtlich. Da merkt man mal wieder, dass Hervorragendes inszeniert werden kann, wenn Fanboys auf dem Regiestuhl sitzen. Dass Regisseur STEWART SPARKE einer derer ist, lässt sich nicht bestreiten. Der weiß, was Genre-Liebhaber wollen und gibt ihnen das auch. Das freut den Horrorfilmfan.
 
 
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BOOK OF MONSTERS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Klein aber oho. BOOK OF MONSTERS ist liebenswerter Old-School-Horror, der nicht nur reichlich Blut, sondern auch jede Menge Spaß versprüht. Knapp 150.000 £ hat die britische Splatterkomödie gekostet – davon kamen knapp 45.000 £ durch Crowdfunding in die Kasse. Das knappe Budget kann die Produktion zwar nicht verbergen. Dennoch hat man sich nicht unterjochen lassen. Das Ergebnis schaut nach mehr aus, als es letztendlich gekostet hat, was vermutlich auch daran liegt, dass Regisseur STEWART SPARKE keinen Leerlauf zulässt. Der feiert sein Fun-Splatter-Feuerwerk in einem beachtlichen Tempo ab, dass erst gar nicht auffällt, dass einige Spezialeffekte (Stichwort: dämonische Gartenzwerge) etwas sehr improvisiert anmuten. BOOK OF MONSTERS verbeugt sich vor dem Schaffen des Schriftstellers H.P. LOVECRAFT, ist aber auch gleichzeitig Hommage an das Monster-Horror-Kino der 1980er, wo man noch kreativ mit Kleister, Gips und Elektronik Spezialeffekten Leben einhauchte. Wer handgemachte Manschereien bevorzugt und ein Faible für taffe Frauen hat, die sich gegen Dämonen zur Wehr setzen, ist mit dem charmanten BOOK OF MONSTERS gut beraten.
 
 
 


 
 
 

BOOK OF MONSTERS – Zensur

 
 
 
Wegen diverser Splatter-Szenen in denen Körper zerissen und geteilt werden, hat BOOK OF MONSTERS hierzulande eine Freigabe mit blauen FSK-Sticker erhalten: FSK16. Die Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

BOOK OF MONSTERS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Book of Monsters; USA 2018

Genre: Horror, Komödien, Trash

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 02.01.2020

 

Book of Monsters [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BOOK OF MONSTERS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Dark Rift Films | Tiberius Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Night of Something Strange (2016)
 
The Demon’s Rook (2013)
 
Night of the Demons (2009)
 
Night of the Demons (1988)
 

Filmkritik: „The Dark Below“ (2016)

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THE DARK BELOW

(THE CREATURE BELOW)

Story

 
 
 

Eine Meeresbiologin macht Bekanntschaft mit einem seltsamen Wesen aus dem Meer, das sie im heimischen Keller großzieht. Mit fatalen Folgen.

 
 
 


 
 
 

THE DARK BELOW – Kritik

 
 
 
Nicht alles was günstig ist, muss zwangsläufig auch gleich schlecht sein. Low-Budget-Horror eilt in der Regel seinem Ruf voraus, was aber oftmals ungerechtfertigt ist, denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass man auch mit überschaubarem Budget sehenswerte Grusler inszenieren kann. THE DARK BELOW (Originaltitel: THE CREATURE BELOW) ist so ein Kandidat, der auf den ersten Blick einen unnötigen Zeiträuber vermuten lässt. Der Trailer zeigt schlechte Computereffekte, die man sonst eigentlich in Produktionen der Trash-Schmieden THE ASYLUM zelebriert und auch das reißerische Plakat zum Film erinnert eher an grauenhaften B-Movie-Trash aus dem Hause SYFY. Doch wer nicht voreingenommen ist, könnte positiv überrascht werden, denn THE DARK BELOW verblüfft mit stimmungsvoller Kreaturen-Gruselei, wie man sie gern mal in den 1980ern zu sehen bekommen hat. Zudem hagelt es auch noch Umweltbotschaft – wenngleich eher subtil. Mut soll belohnt werden und den hat dieser britische Horror-Indie zweifelsohne. Der gruselt mit Old-School-Horror und ist darin gar nicht mal so untalentiert. Da schaut man doch gern über kleine Schwächen hinweg, die eben auf Budgetmangel zurückzuführen sind.
 
 
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Meeresbiologin Olive Crown (ANNA DAWSON) hat offenbar keinen guten Tag. Bei einem Tauchgang in den Tiefen des Atlantischen Ozeans macht die Forscherin Bekanntschaft mit einer mysteriösen Wasserkreatur, die ihr Leben verändern wird. Doch kaum gesehen, verliert die Frau das Bewusstsein und muss von der Crew an Bord geholt werden. Weil jegliches Tauchequipment nun auf dem Meeresboden sein Dasein fristet und Olive keinen blassen Schimmer hat, was ihr da im Wasser zugestoßen ist, verliert sie ihren Job und wird nach Hause geschickt. Doch die Wissenschaftlerin findet im Taucherhelm ein seltsames Ei, was sie heimlich aus dem Labor schleust und im Keller der eigenen vier Wände ausbrütet. Was da schlüpft, überrascht nicht. Ein krakenähnliches Wesen macht es sich einem Aquarium bequem und will gefüttert werden. Doch mit Plankton oder Meeresgetier will sich die Kreatur nicht zufriedengeben. Es ist menschliches Blut, was dem Meeresbewohner offenbar zu schmecken scheint, weshalb sich die Biologin überlegen muss, wie sie an den Lebenssaft kommt. Doch je mehr sich Olive mit dem Wesen beschädigt, umso stärker werden die Muttergefühle. Dass da die Katastrophe nicht weit ist, dürfte wohl jeder Leser rasch erahnen.
 
 
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Handgemachter Glibber und Krakenmonster aus Gummi. Die Effekte in THE DARK BELOW sind simpel, dafür aber wirkungsvoll. Regisseur STEWART SPARKE bewirkt mit schlecht ausgeleuchteter Kulisse und dreckig-farblosem Look schnell eine Aura der Bedrohlichkeit, die ein merklich ungutes Magengefühl entstehen lässt. Doch das minimalistisch ausgeleuchtete Szenario hat noch andere Vorteile zu bieten. Wegen Mangel an Licht schaut die Filmkreatur weitaus furchterregender aus, als sie letztendlich ist. Da bekommt der Zuschauer mal ein Krakenbein zu Gesicht oder die Kamera zoomt so stark heran, dass nur ein Monsterauge zu sehen ist. Weil es dem Set an Licht mangelt, fällt so schnell gar nicht auf, dass die Filmkreatur mit einfachsten Mitteln gebaut wurde. Ein raffinierter Taschenspielertrick, der gern in Low-Budget-Produktionen Verwendung findet, um Illusionen vorzugaukeln. Im Falle von THE DARK BELOW eine gut funktionierende Prämisse, die den Film nach deutlich mehr aussehen lässt, als er letztendlich gekostet hat. Demzufolge sollte man sich nicht von den missratenen Computereffekten zu Beginn des Streifens blenden lassen. Horrorfan und Filmemacher STEWART SPARKE hat hier eine Lovecraft’sche Symbiose aus BASKET CASE und HELLRAISER mit zynischem Ausgang geschaffen, die – gerade wegen ihrer boshaften Art – an die Folgen der beliebten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Serie erinnert. Wer eine Vorliebe für handgemachtes Monsterkino besitzt sollte diesem kleinen Creature-Feature daher unbedingt eine Chance geben. Die hat dieser kleinen Grusel-Indie nämlich definitiv verdient.
 
 
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THE DARK BELOW – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein düsterer Grusel-Mix aus BASKET CASE und HELLRAISER mit einer Prise H.P.LOVECRAFT. THE DARK BELOW (im Original: THE CREATURE BELOW) stand zwar nicht viel Budget zu Verfügung. Dafür wurde trotzdem genug Herzblut investiert, weshalb der Streifen weit mehr taugt, als die meisten B-Movies neueren Datums. Das Creature-Feature sticht mit ungeschliffenem Indie-Look hervor und zitiert gut und gerne. Darunter Altmeister wie FRANK HENENLOTTER oder JOHN CARPENTER. Letzterer stand hier wohl für den Soundtrack Pate, denn THE DARK BELOW erinnert mit seinem monotonen Bass-Grummeln an die Werke des erwähnten Kult-Regisseurs. In Interviews mit der Presse erklärte THE DARK BELOW-Filmemacher STEWART SPARKE, dass er eine Leidenschaft für Horrorfilme besitzt, die von starken Frauen getragen werden. So zählte er Filme wie THE SHALLOWS, YOU’RE NEXT, THE BABADOOK und UNDER THE SKIN auf, in denen Frauen nicht von Männern gerettet werden mussten, sondern sich selbst zu helfen wussten. Demzufolge verwundert es nicht, dass die Vorliebe für Frauenpower auch im ersten Langfilm Verwendung findet. So macht es THE DARK BELOW genannten Filmen gleich und lässt eine selbstbewusste ANNA DAWSON zur aggressiven Furie mutieren, die im unfreiwilligen Mutter-Wahn den Verstand verliert. Übrigens outete sich Regisseur STEWART SPARKE – wen wundert’s – als großer Fan des Schriftstellers H.P.LOVECRAFT. Mit dessen Büchern kam er zwar erst vor einigen Jahren in Berührung. Diese hatten ihn aber derart fasziniert, dass er die Werke nach eigener Aussage regelrecht verschlungen hat. So kommt es nicht von ungefähr, dass sich THE DARK BELOW anfühlt, als würde man ins Lovecraft’sche Albtraum-Universum eintauchen. Wer es ungeschliffen mag, sollte unbedingt einen Blick wagen. Puristen, Erbsenzähler und Fans makelloser Hollywood-Blockbuster werden mit diesem Low-Budget-Horror dagegen wohl gar nichts anfangen können.
 
 
 


 
 
 

THE DARK BELOW – Zensur

 
 
 
Gewalt hat THE DARK BELOW (Originaltitel: THE CREATURE BELOW) kaum zu bieten. Einige Protagonisten werden an das Wesen verfüttert. Aber die Kamera blendet weg, wenn das Monster zuschlägt. Das Creature-Feature hat hierzulande eine FSK16 erhalten wird – in ungeschnittener Fassung.
 
 
 


 
 
 

THE DARK BELOW – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Mad Dimension (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Creature Below; Großbritanien 2016

Genre: Horror, Science Fiction, Grusel, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 02.06.2016 (BD KeepCase)

 

The Dark Below [Blu-Ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE DARK BELOW – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Abbildungen liegen bei MAD DIMENSION)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
H.P. Lovecrafts Necronomicon (1994)
 
Dagon (2001)
 
Basket Case – Der unheimliche Zwilling (1982)